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Ausgabe

22. Jahrgang
Mai/Juni - 2009
Nr. 155
- - - - -
Anton Cupak
30.05.2009 22:23:08

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Presse

Bei Verwendung eines Textauszuges aus dem NEUEN MERKER bitten wir Sie, unseren Banner oder eines unserer Logos zu verwenden. Sie können diese auf unserer Presseseite downloaden.

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Aktualisiert: 

13.12.2009 15:52:39

LEITARTIKEL AUS UNSERER STARTSEITE:

Freitag 28. 8.2009

Salzburg zeigt sich mit der Festspielbilanz zufrieden!

An einem Freudentag für den österreichischen Fußball begrüße ich Sie zu dieser Presseschau. Vier heimische Clubs haben den Aufstieg in die Europaliga geschafft, erstmals wurde auf dem Weg dorthin mit Aston Villa ein englischer Club ausgeschaltet. Dabei bin ich keineswegs Rapid-Anhänger, aber gestern war ich nur Patriot! Verzeihen Sie meine Euphorie, aber nördlich des Weißwurstäquators ist das die Normalität, wir in Österreich können uns darüber noch freuen.

Gepatzt hat lediglich die Meistermannschaft aus Salzburg. Gerade dort zeigt man sich aber mit der Festspielbilanz zufrieden. Man hat immerhin die Schweinepest und die "Neue Grippe" besiegt, ausbleibende Besucher aus außereuropäischen Ländern durch heimische Festspielgäste ersetzt. Na also, geht doch!

In Salzburg werden die Weichen zum Erfolg bereits Jahre vor Beginn der Festspiele gestellt, nämlich mit der Programmierung. Ähnliche Sorgen hat Bayreuth nicht, denn das dortige Repertoire ist klar überschaubar und auf 10 Werke beschränkt. Deshalb ist Bayreuth auch in der Presseberichterstattung nach dem ersten Drittel der Festspiele passé, während über Salzburg bis zum (diesmal gar nicht bitteren) Ende weiter gelästert wird. Heuer hat man auch das "Schwangerschaftsrisiko" weitgehendst ausgeschaltet, dafür gab es aber keine großen Aufreger. Wenn man aber - auch angesichts der gar nicht billigen Eintrittspreise - 95 % Auslastung schafft, dann ist das schon etwas!! Bezüglich der Höhe der Eintrittspreise muss Bayreuth erst einmal dorthin kommen, wo Salzburg schon längst ist!. Aber man versucht nun, diesen Anschluss auch im Frankenland herzustellen!

Und weil wir schon über Geld reden - die Ausgliederungsbestrebungen bei Orchester und Chor des Bayerischen Rundfunks sind natürlich auch eine Frage der Finanzen. Kein Mensch - außer vielleicht jene politische Partei, die Live-Musik nach der Erfindung der CD eigentlich für entbehrlich hält und durchaus auch mit einer Gitarre auskommen könnte - will ernsthaft das BR-Orchester "abwürgen". Das ist ein Spitzenorchester und somit so gut, dass es mit seiner ursprünglichen Aufgabe, nämlich in erster Linie für den Bayerischen Rundfunk zu konzertieren, schlichtweg unterfordert ist. Das wäre in etwa so, als würde ich in meiner Kleinst-Firma einen Vollzeit-Medienberater beschäftigen, der für die Musikberieselung während der Arbeitszeit zuständig ist. Natürlich dürfte ich das, aber die Kosten für diesen "Berater" werde ich kaum von der Steuer absetzen können - das fällt nämlich bei meinem Finanzamt unter "Liebhaberei" - auch wenn ich den Medienberater nicht wirklich liebe! Ähnlich verhält es sich mit dem BR-Orchester, das ist so gut, dass es fast schon Luxus ist. Und das ohne Herrn Thielemann von der "Konkurrenz"! Und deshalb werden es künftighin nicht allein die Rundfunkhörer zu bezahlen haben, sondern man wird erstens zu mehr "Kostenwahrheit" gelangen müssen (was auch nicht schadet) , um es zweitens aus einem anderen Topf finanzieren zu lassen. In Österreich macht man solche "Privatisierungen" seit Jahrzehnten - Rechnungshof hin, Rechnungshof her - mit einem "Augenzwickern", dazu werdet Ihr, liebe Bayern, doch auch imstande sein. Was Eure Fußballer (derzeit allerdings nicht ) können, das werden Eure Finanzjongleure doch auch noch schaffen, nämlich mit uns "Ösis" mitzuhalten. Also, DZ und Mitstreiterinnen, ihr braucht nicht auf die Barrikaden zu hüpfen, das wird sich alles klären. Da bin ich ganz zuversichtlich!

Nichts neues gibt es von der Jackson-Front. Man will offenbar zuerst alle Karten verkaufen, um dann zu sagen, wer aller teilnimmt. Ich habe doch gewusst, dass die hochseriös sind!

Einen schönen Tag wünscht

A.C

Das und noch mehr lesen Sie in unserer Presseschau!
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Samstag 29. 8.2009

Deeeees hätt’s unterm Alten nicht g’eben." Mit dem Alten meint der Musiker eines der bei den Salzburger Festspielen gastierenden Orchesters natürlich Herbert von Karajan. Und "deeeees" sind die Salzburger Festspiele in ihrem derzeitigen Zustand. Man muss kein Karajaniter sein, wenn man meint, Salzburg brauche dringend solch einen Alten.

Das Geschwür, an dem die Salzburger Festspiele leiden, heißt "Job". Sie alle machen ihn. Vom Festspielintendanten Jürgen Flimm abwärts machen sie alle ihren Job. Das aber ist zu wenig. "Salzburger Festspiele" sollte man nur in raunender Bewunderung über die Lippen bringen können. Es sollte das Besondere mitschwingen.

Nicht nur in Salzburg trauern viele dem "Alten" nach, wohl auch in Bayreuth. Dort feiert der "Alte" morgen seinen Neunziger. Es wird wohl noch eine lange Zeit dauern, bis Bayreuth ohne Wolfgang Wagner überhaupt vorstellbar ist. Er hat nicht bloß "einen Job gemacht" - wie man es den Salzburger Machern mit Recht und Fug unterstellen kann, er hat seine Aufgabe gelebt. Und das spüren die Leute!
Hätte Tochter Katharina nun nicht so gehandelt, wie sie gehandelt hat, dann hätte ich schwarz für die Zukunft der Festspiele gesehen: sie hat der Gewerkschaft die Privilegien gestrichen und dazu angemerkt, dass das natürlich keine "Rache" sei. "Und die beiden Aufführungen, die seit 58 Jahren ausschließlich Gewerkschaftsmitgliedern vorbehalten sind, werden bestimmt nicht mehr zum Einheitspreis von 86,50 Euro verkauft, 60 Prozent unter Normalpreis. "Kein Racheakt" sei das, beteuerte Wagner und beschied auf die Frage, ob dies einvernehmlich geregelt worden sei: "Wir haben es den Gewerkschaften mitgeteilt." Fragt man den bayerischen Gewerkschaftschef Fritz Schösser, kann davon kaum die Rede sein: "Ich weiß nicht, mit wem Frau Wagner in Kontakt steht - mit mir als dem Veranstalter der beiden Aufführungen jedenfalls nicht."
Warum soll eigentlich die Gewerkschaft Privilegien genießen, Herr Schlösser? Hat sie ihre Mitglieder etwa absichtlich nicht optimal vertreten und steht deswegen die Festspielleitung tief in Ihrer Schuld? Ich hoffe, die Arbeitnehmervertreter haben einen guten Job gemacht. In diesem Fall wäre es geradezu unanständig, von der Gegenseite Geschenke anzunehmen! Sehen Sie das nicht ebenso, Herr Schlösser?

In Salzburg gab es zum Finale noch "Philharmonische" unter Gustavo Dudamel, in dem die Rezensenten auch Rumpelstilzchen zu erkennen glaubten. Jedenfalls hüpfte er temperamentvoll auf seinem Podest auf und ab, so einen "Schlagtechniker" haben die "Philis" jedenfalls selten. Kein Wunder, Dudamel ist ausgebildeter Schlagzeuger!

Ner neue Intandant Alexander Pereira hat bereit die Eckpfeiler seines Programms für 2012 bekanntgegeben: Zimmermanns "Die Soldaten" und als Ausgleich dazu Puccinis "Bohème" mit unser aller Anna Netrebko. Etwas verwirrt bin ich nun schon, denn ich war geneigt zu glauben, dass solche Produktionen mehrere Monate Planungszeit brauchen. Nun greift Herr Pereira in seine Schublade und holt seine fertigen Konzeptionen heraus. Da ist den Salzburgern wirklich die Verpflichtung eines "Wunderwuzzis" gelungen!

Jedenfalls, die Festspiele sind zu Ende, in Bayreuth wie in Salzburg. Jetzt muss ich mich an dieser Stelle wieder Alltagsthemen widmen und bin davon abhängig, was so in die Redaktion flattert oder mir zugetragen wird.

Die Wiener Staatsoper setzt die Übertragungen auf den Karajan-Platz im September und Oktober fort, die von mir so bezeichnete "Schnapskarte" als Leinwand soll technisch stark verbessert worden sein. Das Programm lesen Sie in "Aktuelles" .

In Leipzig musste schon wieder eine Klavierfabrik Konkurs anmelden! Klavier spielen ist eines, Klaviere transportieren etwas anderes, nämlich die Königsdisziplin der Spediteure. Haben Sie schon einmal einen Flügel getragen? Wohl kaum! Ich dagegen schon, denn seit Kindheit besitze ich einen Stutzflügel (leider mit "Wiener Mechanik" ), den ich schon zweimal verborgt habe und selbst mehrere Stockwerke rauf- und runtergeschleppt habe. Fatal dabei ist, dass ein Klavier nur von 2 Personen getragen werden kann, alle anderen stehen nur herum und geben gute Ratschläge. Nun steht dieses Klavier im Merker-Archiv in der Rauchgasse und wird von mir sicher nicht mehr wegbewegt. Das überlasse ich meinen Erben! Den Klavierfabriken ist damit freilich wenig geholfen.

"Unter'm Strich" haben wir einen "Sprachpanscher" entlarvt. Ein deutscher Turnerbund fällt durch ständige schwere Vergehen an der deutschen Sprache auf.

Ein schönes Wochenende wünscht

A.C

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Sonntag, 30.8.2009

Wolfgang Wagner wird heute 90! Wir wünschen ehrlichen Herzens alles Gute!

Heute feiert Wolfgang Wagner in Bayreuth seinen "Neunziger". In aller Stille, wie man hört. Denn man hat ihn schon seit fast einem Jahr kaum mehr in der Öffentlichkeit gesehen, seine "engsten Freunde" sind fünf Hunde. " Seit ziemlich genau einem Jahr ist der Bayreuther Ehrenbürger nun schon im Ruhestand. Lebt zurückgezogen in seinem Haus am Grünen Hügel, das nur einen Katzensprung von jenem Theater entfernt liegt, das sein Großvater bauen ließ und sein – Wolfgangs – Leben mehr als alles andere bestimmen und verändern sollte. Es geht ihm, seinem Alter entsprechend, gut. Sagt Peter Emmerich, der Pressesprecher des Festspielhauses, etwas nebulös. Fakt ist: Wolfgang Wagner wurde – den Besuch einer „Meistersinger“-Probe einmal ausgenommen – seit einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Er wird rund um die Uhr betreut, hat dem Vernehmen nach große Freude an Sam und Molli, Helga, Luise und Emma – den fünf Hunden von Wolfgang und Katharina Wagner. Sitzt gerne im Garten, liest, wie es heißt, auch noch seine Zeitung. Und verfolgt über den eigens für ihn installierten Bildschirm noch immer das Geschehen am Grünen Hügel, das ihm, obwohl so nah, inzwischen so fern ist. An eine Reise mit seinen beiden Töchtern Eva und Katharina aber, die er sich vor geraumer Zeit noch gewünscht hatte, ist aufgrund seines Gesundheitszustandes wohl nicht mehr zu denken. Das Alter fordert seinen Tribut – selbst bei einer außergewöhnlichen Persönlichkeit wie Wolfgang Wagner".

Wolfgang Wagner vereinte als seltene Gabe den Künstler wie den Pragmatiker in einer Person. Es ist für seine Nachfolgerinnen sehr schwierig, nach ihm Bayreuth zu leiten. Sein Stil war und ist unnachahmlich - und auch in heutigen Zeiten nicht mehr fortsetzbar. Aber er hat dafür gekämpft, dass Bayreuth nach ihm in gute Hände kam. Alles Gute und noch viel Freude am Leben, Wolfgang Wagner!

Die nächsten Beiträge befassen sich eigentlich mit der Pop-Kultur, die ungleich mehr die Massen bewegt und bei der die ganz großen Geschäfte zu machen sind. Ein solches soll das Wiener "Jackson-Tribut" am 26.9. vor dem Schloss Schönbrunn werden: "Der Ticketverkauf läuft vorerst eher schleppend (Preise von 63 bis 518 €) . Die Veranstalter selbst sprechen davon, dass erst "ein paar Tausend" Karten einen Abnehmer gefunden haben. Unklar ist ohnehin noch, wie viele Karten überhaupt verkauft werden dürfen. Der Bereich bei der Westeinfahrt wird für 60.000 bis 90.000 Besucher freigegeben werden, rechnen Insider. Von gerüchteweise gehandelten 300.000 Menschen ist nicht einmal annähernd die Rede. Subventionen der Stadt Wien wird es geben, in welchem Ausmaß ist noch unklar. Offiziell fix ist derzeit nur, dass alle Konzertbesucher gratis mit den Öffis anreisen können. Kolportierte 600.000 Euro werden im Büro von Vizebürgermeisterin Renate Brauner in Abrede gestellt. Allerdings dürfte es deswegen auch innerhalb der SP-Stadtregierung schon Verstimmungen geben. Noch gibt es aber noch nicht einmal einen rechtsgültigen Vertrag zwischen Schönbrunn und VeranstalterGeorg Kindel, dieser wird erst in den kommenden Tagen unterschrieben. Ein "Stargast" hat sich geoutet, dann aber wieder einen Rückzieher gemacht. Die Frau des US-Talkshowmasters Larry King, Shawn King, wollte im Duett mit Jermaine Jackson "Heal the world" singen. U2 ist wohl nicht dabei, da die Band am Tag davor in New York auftritt und zwei Tage später in Washington. Die für diese Woche geplante Präsentation der Künstler wurde jedenfalls aufgeschoben - offiziell wegen des Begräbnisses von Michael Jackson am 3. September. Vorher ist nicht mit Details zu rechnen. Aussagen eines (nun ehemaligen) Mitarbeiters des Veranstalters, dass noch gar kein Auftritt fixiert sei, werden heftigst dementiert und mit Klagen bedroht. Helfen wird allerdings, dass Jacksons Ex-Manager Ron Weisner als Co-Produzent des Events gewonnen werden konnte".

Hierbei geht es bereits um weit mehr als nur um ein Riesen-Konzert, auch die Wiener Gemeinderatswahl im nächsten Jahr ist davon betroffen. Die Veranstalter wie auch die Gönner unter den Politikern können sich ganz einfach keine Pleite leisten, dementsprechend nervös sind viele Reaktionen. Der Veranstalter Georg Kindel droht Zeitungen eine Klage an, falls diese "geschäftsschädigend" berichten, er selbst hat aber bereits einen Mitveranstalter zur Seite gestellt bekommen, weil befürchtet wird, dass er die Sache allein "nicht derhebt". Nochmals, Politik hin oder her, als Wiener hoffe ich, dass ich am 26.9. nicht die Westeinfahrt und schon gar nicht die Grünbergstraße benützen darf- beide sind in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung gelegen. Wien hat sich bezüglich dieses Konzerts bereits so weit aus dem Fenster gelehnt, dass es kein Zurück mehr gibt. Dass wir uns aber gewissermaßen in die Abhängigkeit der Jackson-Familie begeben, ist hinterfragenswert und wird uns nach dem 26.9. beschäftigen!

Madonna hat in Bukarest einen Flop der besonderen Art erlebt und wohl eine Lehre fürs Leben mitgenommen: sie wurde heftig ausgebuht. Nein, sie hat keine schlechte Show geboten, sie wollte lediglich das rumänische Publikum an ihren politischen Ansichten teilhaben lassen, hat dort über die Behandlung von Minderheiten etc. fabuliert. Genau das wollten die Rumänen nicht hören, die sind - trotz allem, was dort geschehen ist - ein stolzes Volk und brauchen keine Amerikanerin, die ihnen sagt, wo es langzugehen hat!
Vielleicht ist das aber auch eine Lehre für andere politisierende Künstler. Wenn schon keine Lehren aus dem inferioren Auftreten unserer "Frau Knackal" bei den ORF-Sommergesprächen gezogen werden!

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C
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Montag 31.8.2009

FAUST am Wiener Burgtheater - der Chef inszeniert höchstpersönlich.

Bei der Zusammenstellung der heutigen Presseschau habe ich deutlich gemerkt, wie limitiert und manchmal wirklich nicht sonderlich interessant die Infos aus dem Musiktheaterbereich sind. Gewiss, die Sommerpause ist nun vorüber, aber ich merke deutlich, dass wir uns beim Musiktheater ständig um das Drumherum von etwa 50 Werken bewegen - und das wird auf Dauer langweilig. Darum versucht der Online-Merker das Schauspiel in seine Berichterstattung einzubeziehen, weil es dort ständig Neues gibt. Um nicht missverstanden zu werden: wir wollen hier keineswegs eine neue Armee von Schauspiel-Rezensenten ansprechen, wir wollen unsere Qualitäts-Rezensenten, die auch das Sprechtheater "beherrschen", im Gegensatz zum "gedruckten Merker" in die Berichterstattung mit einbeziehen. Denn Platz steht im Netz zur Verfügung, während wir im Heft fast schon aus existenziellen Gründen um jede Zeile feilschen müssen. Genau genommen kann sich der "Merker" gerade mal 64 Seiten pro Ausgabe leisten (zum Vergleich: die Netzausgabe hat monatlich etwa 200 Seiten), es werden aber immer wieder weit mehr. Wir können nur hoffen, dass das noch sehr lange gut geht!
Musiktheater soll aber auch diese Website weiterhin dominieren, das ist und bleibt das "Kerngeschäft" des "Merker". Und bei den Rezensenten wollen wir wirklich ganz strenge Massstäbe anlegen - gleich von Anfang an. Denn beim Musiktheater herrscht da ziemlicher Wildwuchs, dessen bin ich mir bewusst!

Ich schreibe von "Neuem" beim Sprechtheater - und das Photo auf der Startseite zeigt einen Auschnitt aus der "Faust"-Inszenierung des Burgtheaters in Wien. Das ist ein Widerspruch, wenn auch nur scheinbar. Aber in Wien haben wir als nächsten Höhepunkt eben diese Faust-Inszenierung des neuen Burgherren. Mit ähnlicher Spannung wird keine Opernproduktion der Saison erwartet, Staatsopernchef Holender setzt ja in seiner letzten Saison eher auf Sicherheit.
Dennoch wird er uns fehlen, seinem Nachfolger eilt der Ruf voraus, nicht gerade ein "Plauderwastel" zu sein. Wer wird uns ab nächster Saison erzählen, wie es in der Politik weitergehen soll und was die anderen Opernhäuser, insbesondere die Festspiele, falsch machen. Er will sein Talent künftighin wieder beim Tennis vergeuden. Da ich meine Tenniskarriere zwecks mangelnder Perspektiven (wohl auch infolge fehlenden Talents) relativ rasch beendet habe, fürchte ich, dass mir Ioan Holender bald gänzlich abhanden kommen wird.

Apropos Festspiele. Die Jubelmeldungen über neue Besucherrekorde treffen laufend in den Redaktionen ein. Natürlich kann man eine Statistik verändern ("traue nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast"), dass aber Groß- und Kleinstfestivals in jedem Jahr neue Rekorde aufstellen, ist zwar schön, aber nicht ganz glaubhaft. Eine Rekordmeldung fehlt mir aber noch: jene von Mörbisch, sonst ein verlässlicher Jubelmeldungslieferant! Sollte man gerade dort eine Statistik nicht fälschen können? Insider sprechen von einem Prestigekampf zwischen Mörbisch und dem benachbarten St. Margarethen. Die Festspiele im Römersteinbruch werden von deren Intendanten mittlerweile zum Weltereignis hochgejubelt, von dem sie allerdings noch Lichtjahre entfernt sind. Kann oder will Mörbisch da mit den Auslastungszahlen nicht mehr mithalten? Wenn Mörbisch also seine Bilanz legt, werde ich diese unverzüglich veröffentlichen.

In Berlin hat die Opernsaison bereits begonnen, in Wien beginnt sie in wenigen Tagen. Ohne "Public Viewing" kommt man da wie dort nicht aus, in Wien werden im September und Oktober die Vorstellungen auf den Karajan-Platz übertragen. Technisch soll manches besser geworden sein. Dieses Denkmal, das Holender sich da setzt, ist durchaus aller Anerekennung wert!

In Bayreuth hat man den "Neunziger" von Wolfgang Wagner würdevoll begangen, gestern wurde ihm mit Geburtstagswünschen von allen Plakatsäulen Bayreuths gedacht. Ob er selbst diese gesehen hat, verrät uns vielleicht der Bericht darüber.


Weit spannender wird es, je weiter weg wir vom Musiktheater kommen. Der "Fall Heinze" des NDR weitet sich zu einem echten (Tatort)Krimi aus, es soll mehrere Decknamen von Autoren gegeben haben. Und dieses unwürdige Theater betreffs der Verleihung des Hessischen Kulturpreises wirbelt auch weit mehr Staub auf, als von diesem Preis eigentlich zu erwarten war.


Nichts Neues gibt es vom Jackson-Tribut zu berichten. Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Vorzeichen?

Ich wünsche eine schöne Woche. Spannend wird dabei die Entwicklung des Wetters, die Voraussagen sind ziemlich unterschiedlich.

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Dienstag 1. September 2009

Die Festspiele sind beendet, in Bayreuth genießt ein einsamer Besucher offenbar die Stille. Deswegen muss eine Platzanweiserin Überstunden machen.

Einige Irritationen hat meine gestern veröffentliche Meinung, wonach die Online-Merker Musiktheaterkritiken "Wildwuchs" aufweisen, ausgelöst. Gemeint war, dass es unterschiedliche Kritiken, sowohl in Aussage, wie auch in Qualität gibt. Bei etwa 30 Mitarbeitern (viele freilich nur gelegentlich) ist das eigentlich logisch und kann gar nicht anders sein. Der Online-Merker hat also nur gute und sehr gute Rezensenten.

Ein typisches Beispiel der Meinungsvielfalt erleben wir in zwei ziemlich unterschiedlichen Rezensionen über die Eröffnungsgala der Rheinoper Düsseldorf.

Während der ansonsten recht kritische "Opernfreund" Peter Bilsing in Superlativen schwelgt, ist Dirk Altenaer (die beiden sind übrigens befreundet) da weitaus kritischer, zumindest was die Meinung über die Gaststars Neil Shicoff und Peter Seiffert betrifft. Lesen Sie doch selbst! Zwei Rezensionen auf hohem Niveau - aber doch wiederum ziemlich verschieden. Nachdem neue Besen bekanntlich besonders gut kehren, war die Gala des Neu-Intendanten zweifellos ein Erfolg - uneingeschränkt für das Rheinopern-Ensemble. Shicoff polarisiert, davon weiß auch ich ein Lied zu singen, als die Chefredakteurin des Merker-Hefts vor vielen Jahren eine Shicoff - Passage in einer "Don Carlo"-Besprechung von mir glatt gestrichen hat, weil ansonsten der hochsensible Tenor womöglich weiß Gott wohin gelaufen wäre. Aber so ist es mal, auch in unserem "Geschäft" ( das nie ein Geschäft war). Online ist da insgesamt etwas lockerer, notfalls kann man auch noch nachträglich bei Bedarf korrigieren. Deshalb versuche ich, möglichst nie in eine Aussage einzugreifen!
Nun wieder zur Rheinoper: der neue Intendant hat auch gleich das Haus umbenannt. Es heißt nun "Oper am Rhein" und nicht mehr "Deutsche Oper". Warum er sich für Deutschland schämt, mag er selbst erklären. Konsequent wäre es allerdings, auch mit anderen großkotzigen Titeln aufzuräumen, etwa mit "Generalmusikdirektor" oder "Generalintendant". Dazu konnte er sich aber bislang nicht durchringen, weshalb ich seiner mutigen Großtat den Beifall wegen Halbherzigkeit versagen muss. Sorry, Herr General!

Peter Bilsing übermittelte mir aber gestern auch noch seinen Leitartikel aus dem "Opernfreund" zur freien Verwendung, der sich mit der Situation des Kölner Kulturlebens nach den Regionalwahlen beschäftigt. Obwohl ich den Artikel sehr gut und - wie immer bei unserem "Opernfreund" - recht amüsant finde, habe ich von einer Veröffentlichung abgesehen. Politik und Kunst/Kultur sind nicht zu trennen, wer Gegenteiliges glaubt, ist weltfremd. Die Politik stellt die Mittel für die Kultur zur Verfügung und damit die Weichen. Natürlich habe auch ich meine politische Meinung, aber diese hat in dieser Site nichts zu suchen. Bilsing befasst sich in seinem Artikel kritisch mit so ziemlich allen politischen Parteien und nennt dabei auch Namen (nachzulesen unter "Aktuelles", einen Link zum "Opernfreund" habe ich gelegt). Das will ich in der Merker-Seite vermeiden. Wenn Sie, sehr geehrte Leserschaft, Parteipolitik aus dieser Kolumne herauslesen können, dann klopfen Sie mir kräftig auf die Finger!

Die spannendste Story der heutigen Presseschau hat freilich mit Kunst und Kultur recht wenig zu tun. Den "Tatort" habe ich bislang nie mit Hochkultur in Verbindung gebracht. Hohe Kunst sind allerdings die Trickseleien der Doris Heinze. Zuerst habe ich mich gefragt, wo hier ein Betrug liegen könnte. Wenn ein Drehbuch verfilmt wird, dann ist das Honorar für den Autor unbestritten fällig. Da auch die "Produktionschefin" ein Team um sich hat, musste sie für die angenommenen Drehbücher wohl auch die Zustimmung des Teams haben, den jeden Mist nehmen ihr die Mitarbeiter auf längere Sicht gesehen auch nicht ab, die Zuseher schon gar nicht. Das würde auf die Quote drücken und die "Chefin" wäre ihren Job los gewesen! Also dürften diese Drehbücher schon in das "Tatort-Niveau" gepasst haben. Nun aber habe ich erfahren, wo das Problem liegt: ein externer Autor bekommt in etwa das doppelte Honorar eines "hausangestellten" Mitarbeiters. Und Doris Heinze und ihr Ehemann haben somit unter einem Pseudonym die Drehbücher eingereicht. Ganz schön schlau, das geht über unsere üblichen "Steuertricks", die das Finanzamt ohnedies pauschal in die Bewertung einbezieht, weit hinaus. Sollte sich die Sache nicht so verhalten, wie hier von mir geschildert, dann bitte ich um Aufklärung!

Noch immer keine konkreten Namen im "Wiener Jackson-Theater", schön langsam werde ich unruhig. Steht uns da ein weiterer Krimi ins Haus?

Das Beste hoffend wünsche ich Ihnen einen schönen Dienstag!

A.C

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Mittwoch, 2. September 2009
"In Linz beginnt's" - der Bau des neuen Musiktheaters ist nun endlich im Gange - und er hilft nun auch der Wirtschaft

Nun wird das neue Linzer Musiktheater wirklich Realität, die "echten Bauarbeiten" haben mit der Betonierung des Fundamentes begonnen. Oben finden Sie den Photobeweis mit echter, schwerer Arbeit - nicht die Dokumentations eines Politiker-Spatenstiches mit Anzug und Krawatte! Fertig soll das Theater 2012/2013 sein!

Es galt Widerstände zu überwinden, politische Parteien haben sich quergelegt, der Bau wurde zum Wahlkampfthema. Wie immer in Österreich (und natürlich auch in Deutschland) bildete sich eine Bürgerbewegung - diesmal für den Bau. "Merker-Mitarbeiterin Heide Müller krachte mit mir zusammen, zumindest glaubte sie, ich sei ihr böse - was sie mir kürzlich bei einem Gespräch sagte. Das war natürlich nie der Fall, ich reagiere nur etwas allergisch, wenn Forderungen aufgestellt werden, aber kein Mensch daran denkt, aus welchen Mitteln das finanziert werden soll. In meiner Zeit als Gemeinderat musste ich zu jedem Antrag sogleich den Finanzierungsvorschlag mitliefern, ansonsten kam er gar nicht auf die Tagesordnung.
Eigentlich müsste man in Linz den "Bremsern" dankbar sein, denn nun regt sich kein Widerstand mehr, das Projekt passt auch genau in die Zeit unserer Wirtschaftskrise. Sogar das Baumaterial ist nun billiger geworden! Wenn man das hört, bekommt man fast Lust zum Bauen! Ich werde mich mit meiner Frau beraten, was wir demnächst niederreissen, um es bei diesen günstigen Bedingungen, vielleicht subventioniert, neu aufzubauen! Derzeit renovieren wir nur eine Wärmeschutzfassade, da fallen die Baumaterialien leider nicht so sehr ins (finanzielle) Gewicht. Aber das Leben auf Baustellen bin ich gewohnt, schon aus beruflichen Gründen!

Hoffentlich bauen die in Linz ohne Asbest. Die Mailänder Scala muss nämlich derzeit die Galerie schliessen, weil dort eine starke Dosis des giftigen Baumaterials festgestellt wurde. Nun repariert man war während des Spielbetriebes, jedoch in der Nacht - um den Probenbetrieb tagsüber nicht zu stören. Wann ist in Italien eigentlich Nacht? Die Vorstellungen beginnen dort so spät, dass sie nach Mitternacht enden. Und warum konnten die Arbeiten nicht im "ruhigen" August durchgeführt werden? Die Antwort ist einfach: weil in Italien die Bürokratie keine Sommerpause macht. Verstehe die Italiener, wer kann - mir fällt es schwer!

Aus Salzburg trudeln die letzten Rezensionen ein, die Bilanzen wurden aber bereits vorher veröffentlicht. Jubelmeldungen kamen von offizieller Seite, trotz Wirtschaftskrise wurden Mehreinnahmen erzielt. Freilich vergaß man zu erwähnen, dass diese Mehreinnahmen nur durch saftige Preiserhöhungen möglich waren. Realistisch gesehen gab es ein Besucher-Minus, was in schwierigen Zeiten auch keine Schande ist. Die Wirtschaft beklagt das Ausbleiben der wirklich finanzkräftigen Kunden und befürchtet, dass Salzburg zum "Volksfestival" wird. Das möge Gott doch abhüten, Schicki und Micki wollen doch unter sich bleiben!

Auch Berlin trotz der Krise, dort startet ein neuer Veranstalter eine Klassik-Reihe und drängt den "Platzhirschen" in die Defensive. Auch in Frankfurt hat die Opernsaison wieder begonnen, in Wien gab es gestern einen Ansturm beim "Tag der offenen Türe", an dem sich auch unsere Chefredakteurin beteiligte. Sie kommt ja ansonsten nur selten in die Oper. Bei den Festspielen im deutschen Hamm bezeichnet man "Lohengrin" als "Melodienoper".

Das Wiener Jackson-Tribut lüftet wieder einen winzigen Teil seines Geheimnisses: 50 % der Karten sollen bereits verkauft sein, kein Mensch außer Jermaine Jackson weiß, wer überhaupt auftritt. So können wir nur hoffen, dass er es auch wirklich weiß, immerhin gibt er in der nächsten Woche Wien die Ehre und gewährt eine Presse-Audienz.

Die Tatort-Lady beim NDR war ganz schön kreativ, nun ist sie untergetaucht, um sich von den Strapazen zu erholen. Niemand weiß, unter welchem Pseudonym sie derzeit wo logiert. Das sei ihr gegönnt.

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!
A.C


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Donnerstag, 3. September 2009

So leicht, meine Damen, war es noch nie, sich becircen zu lassen: Bariton Cesare Siepi gibt die großen Verführer der Opernliteratur. In einer furiosen Aufnahme kehrt er als erotischster "Don Giovanni" aller Zeiten zurück.

Am morgigen Freitag startet nun auch die Wiener Staatsoper in die letzte Saison Ioan Holenders. Auf obigen Photo sehen sie einen Sänger, der in den meisten seiner Rollen auch als Figur absolut glaubhaft war. Holender startet mit einem Veteranen als Des Grieux in einer zumindest sehr umstrittenen "Manon Lescaut"-Inszenierung. Umstritten kann auch aufregend heissen - die Wiener "Manon Lescaut" ist schlichtweg langweilig. Und der Des Grieux galt schon bei der Premiere vor einigen Jahren als "arg in die Jahre gekommen". Ansonsten bietet die Startwoche auch keine Sensationen an, Piotr Beczala als "Faust" ist da aus meiner Sicht schon der Höhepunkt.
Den "Faust" gibt es übrigens auch im Wiener Burgtheater, der ORF macht ein "noch nie dagewesenes Premierenspektakel" daraus (zeitversetzt ab 22,30 h, wenn die Premierenbesucher vor Ort hoffentlich nicht schon mit dem ersten Schlaf kämpfen) . Für den "Merker" ist Renate Wagner bei diesem Marathon (die Vorstellung beginnt bereits um 17 h) dabei. Wir nehmen zwar den Mund nicht so voll wie der ORF, aber auch bei uns hat diese Schauspielpremiere ihren Stellenwert! Besonders, wenn man die Alternativen in der Staatsoper als Vergleich nimmt


Wir greifen auch zur "Konserve" und bringen eine Besprechung des Genfer "Hoffmann", der nun als DVD in den Handel geworfen wird: Was Olivier Py sagen will, bleibt weitgehend unverständlich. Regietheater kann mitunter ganz amüsant sein. Wenn man aber nicht weiß, was der Regisseur will, ist es nur noch ärgerlich.

Was heutzutage als Unterhaltung gilt, ist schon bemerkenswert. Bei der Zusammenstellung der Presseschau stöberte ich in den "Google news - Österreich". Theater und Oper reiht man dort unter "Unterhaltung" was es ja auch sein soll, zumindest zu einem großen Teil. Viele Regisseure reihen Theater/Oper auch als "Läuterung" ein. Aber dass ich in der Google-Abteilung "Unterhaltung" die Überschrift "Möbelhaus: Deckenplatte fällt Kunden auf den Kopf" finde, ist schon makaber. Sehr lustig!!!

Da die Presseschau ansonsten nichts Interessanteres bietet als "Mausi Lugner bei den deutschen "Dancing Stars" (geschieht euch recht, liebe Nachbarn) und Funkstille beim Jackson-Event herrscht, übergebe ich das Wort an meinen Freund in Deutschlands größtem Dorf, der sich von meinen Kommentaren anstecken hat lassen. Somit sind wir heute erstmals Gast beim "Opernfreund" (www.deropernfreund.de) :

Steuern sparen – in die Oper fahren

Heute gab es gute Nachrichten für alle Opernfreunde, die ihr natürlich garantiert legal erworbenes und hart erarbeitetes Vermögen vor dem gierigen, alles aufsaugenden Deutschen Dracula-Staat nach Lichtenstein, Schweiz oder in andere „Schurkenstaaten“ bringen wollen, oder schon dort lagern. Der umtriebige deutsche Finanzminister, Peer Steinbrück, der im schönsten Wahlkampfgetümmel schon mal die alte deutsche Kavallerie gegen friedlich grasende Alpenkühe bemühen wollte, hat genau heute festgeschrieben, daß 99,75 Prozent der Steuerhinterzieher weiterhin nichts zu befürchten haben, außer es liegt „ein konkreter Verdacht vor“.

Und der würde dann natürlich vom jeweiligen Land erstmal gründlich geprüft, d. h. konkret würde man den Verdächtigen dann wahrscheinlich anschreiben: „Lieber Herr Generaldirektor XYZ, noch mal Gratulation, dass Sie ihr Geld beim uns so sicher angelegt haben. Wir haben aber von der deutschen Stasi-Steuerfahndung ein Schreiben bekommen, welches natürlich erst einmal ungeöffnet die Schutz- und Quarantänefristen unseres Landes in einem sterilen Tresor lagernd abzuwarten hat. Nach diesen 6-9 Monaten müssten wir dann das Schreiben öffnen und Amtshilfe leisten, aber natürlich nur, wenn wirklich etwas ganz, ganz Ernsthaftes und Furchtbares gegen Sie vorliegt, was auch nach unseren Gesetzen strafbar ist! Völkermord, Massenvergewaltigung oder Kindstötung aus niedrigen Motiven z.B. Also keine Sorgen, wir werden Sie als guten Kunden dann natürlich rechtzeitig informieren.“

Das sind doch freundliche Umgangsformen, deswegen liebe ich Staaten wie die Schweiz, Luxemburg oder Lichtenstein so. Da wird man bankenmäßig noch als Kunde behandelt. Mein Geheimtipp in diesem Zusammenhang übrigens ist Österreich, ich hab meine Millionen an Ostmark dort sicher angelegt. Aber nicht verraten! Zwar gibt es unzählige Abkommen mit Deutschland, aber die Österreicher halten sich einfach nicht daran.

A propos wie krieg ich jetzt die Kurve zu unserem Opernmetier – ganz einfach, denn ein neuer Slogan, den ich gerade erfunden habe lautet: „Steuern sparen – in die Oper fahren!“ und ist ganz ernst gemeint, außerdem völlig legal. Will sagen: Jeder Platz in jedem deutschen Opernhaus wird mit Steuergeldern so zwischen 150 und 450 Euro bezuschusst. Ich glaube die Häuser in unserer ehemaligen Ostzone, meinem Geburtsland, kriegen da am meisten. Wenn Sie also jetzt rund 20 Mal pro Jahr in die Oper gehen, könnten Sie sich im günstigsten Fall 9000 Euro wieder zurückholen. Bei hundert Besuchen wären das 45 000 Euro bzw. bei tausend schon fast eine halbe Million. Durch Oper zum Millionär! Genauer quasi-Millionär, denn Sie bekommen das Geld ja nicht in bar ausgezahlt…sondern in Kunst.

Schönen Tach noch Ihr/Euer Big P.
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Freitag 4. September 2009

Es hat ja so kommen müssen: Gestern habe ich an dieser Stelle den "Des Grieux" der heutigen "Manon Lescaut" - Eröffnungsvorstellung der Wiener Staatsoper als "Veteran" bezeichnet, schon wurde ich mit der Feststellung konfrontiert, wonach ich " gar so jung und knusprig auch nicht mehr sei". Bingo - gnädige Frau, da haben sie natürlich voll recht. Ich bin sogar älter als unser Tenor und einen derartig guten Maskenbildner vermag ich auch nicht aufzubieten. Nur, ich würde mich auch nie in diesem Alter als jugendlicher Liebhaber auf die Bühne stellen, selbst wenn ich so gut bei Stimme wäre wie Neill Shicoff. . Der "Des Grieux" ist laut Textvorlage Student, vom 70. Semester ist nirgendwo die Rede. Aber die Schuld hat ja gar nicht der Sänger, sondern jene, die ihn für diese Rolle besetzen und wohl auch jene, die ihn in jeder Rolle hören wollen. "Oper ist, wo die dicke Frau singt" - das bringen wir nun schön langsam hinter uns. Bei den Tenören werden wir wohl noch etwas Geduld haben müssen. Wenn das vielgescholtene "Regietheater" einen Sinn hat, dann den, dass doch typgerechter besetzt wird als früher!

Und da die Wiener Staatsoper so ziemlich flau in die Saison startet, die des Direktors letzte ist, sind wir bereits beim Ereignis des heutigen Tages, der "Faust-Premiere" am Wiener Burgtheater. Der ORF berichtet ebenso wie ZDF, allerdings nur 90 Minuten lang: Hier als Neuinszenierung des Goethe'schen "Faust" durch den neuen Burgherrn Matthias Hartmann (mit Tobias Moretti als Faust und Gert Voss als Mephisto); dort als "völlig neuartige Verschränkung von TV und Theater, die zeigen will, wie viel holde Kunst mit unserem Leben zu tun hat", so Traxl.
"faust.geballt" heißen die eineinhalb Stunden. Und der Stolz darauf, dass sie der ZDF -Theaterkanal zeitgleich mit dem ORF sendet, ist ebenso hörbar wie ein bisschen Nervosität. Denn: "Was wir vorhaben, ist in dieser Form noch nie probiert worden."
Und eine andere Zeitung ergänzt: Als "Husarenritt" beschreibt Traxl die Vorbereitungen. 70 Mitarbeiter sind mit der Übertragung beschäftigt. Das Faust'sche Ende sehen die Zuschauer kurz vor 23 Uhr live. Danach diskutieren Kritiker: Peter Michalzik (Frankfurter Rundschau), Barbara Villiger Heilig (Neue Zürcher Zeitung) und Wolfgang Kralicek (Falter). Der ZDF-Theaterkanal zeigt den gesamten Abend bis Mitternacht. "Ein Versuch", erklärt Traxl. "Wir müssen nach neuen Formen suchen, um Fernsehen und Theater zu verschränken. Klassische Theaterübertragungen bedienen nur eine Minderheit." Und für die fühlt sich der ORF halt nicht zuständig.
Man darf also gespannt sein, ob das Burgtheater mehr Quote erzielt als die Staatsoper, auch wenn dort "die dicke Frau nicht mehr so oft singt".

Ein Wiener Burgtheaterdirektor wird sogleich nach seiner politischen Gesinnung gefragt. Damit gibt man ihm die Chance, sich seine Feinde selbst aussuchen zu können. Warum die politische Einstellung eines Künstlers so interessant ist, erscheint nach den fortgesetzten Künstler-Debakeln bei den ORF-Sommergesprächen fraglich, bei denen alle bisher befragten Politiker als klare "Sieger nach Punkten" über ihre teils ziemlich überforderten Gesprächspartner aus dem Künstlerkreis hervorgingen (wobei mich Krassnitzers Sachlichkeit doch überrascht hat, aber eigentlich wollte er doch anders). Aber Herr Hartmann steht auch hier Rede und Antwort: Wo verortet sich Hartmann politisch? "Links und rechts hat sich verbraucht", meint er. Das seien für moderne Menschen keine Kategorien mehr. "Ich würde mich da einordnen, wo Greenpeace ist, wo Amnesty International ist - da, wo Menschen sich engagieren." Er würde sich nicht dort einordnen, wo Menschen sich "in Lager zusammenfinden, um von dort aus Macht zu ergreifen. Das interessiert mich nicht."
Hartmann hatte freilich in einem früheren Interview weniger diplomatisch geantwortet und gemeint "Ich hasse Links. Mehr noch hasse ich freilich eine rechte Gesinnung". No na! Während ich dieses Zitat an dieser Stelle so veröffentlicht habe, wie Hartmann es offenbar autorisiert hat, hat der "Adabei" der Kronen-Zeitung doch glatt nur den ersten Teil seinen Lesern untergejubelt. Daraufhin verfasste Herr Hartmann nach gutem Beispiel unserers derzeitigen Kanzlers einen Leserbrief an die "Kronen Zeitung", in dem er richtig stellte! Freilich, die Leser der "Krone" haben sich gefragt, wer denn dieser Herr Hartmann sei, der seine politische Duftnote in der Zeitung platziert.

Während ich auf die Festspielbilanz aus Mörbisch immer noch warte, legten die Bayreuther Festspiele ihre Bilanz. Was soll das? Die Bayreuther Bilanz könnte man Jahre vorher erstellen, ein total überbuchtes Festival hat doch alles selbst in der Hand. Die "Positive Bilanz" interessiert doch höchstens das Finanzamt. Freilich, die "Künstlerische Bilanz" wäre auch für uns von Interesse!

Ich wünsche einen schönen Freitag, das Wochenende naht!!
A.C
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Samstag 5. September 2009

Die Fakten sind ja wohl bekannt, für jene, die es noch nicht wissen oder nicht glauben können, seien sie nochmals kurz erwähnt: die Wiener Staatsoper besitzt zwar einen "Eisernen" von einem Herrn Rudolf Eisenmenger, jedoch war dieser Herr ein "Nazi". Also darf uns dieser Vorhang gar nicht gefallen und wird nun seit 11 Jahren mit jeweils verschiedenen Motiven verhängt. Da dies Sponsoren finanzieren, soll uns das nicht weiter stören. Man gewöhnt sich kekanntlich an alles!
Jeweils am Tag des Saisonbeginns wird uns nun dieser "1 Jahres-Eiserne" präsentiert. Bei den Recherchen zu diesem Ereignis stieß ich auf folgende Zeilen in der diesbezüglich absolut unbedenklichen "Wiener Zeitung", ich möchte Ihnen Edwin Baumgartners Kommentar zumindest auszugsweise nicht vorenthalten: Dass einer, der von sich sagt, er sei ein Antifaschist, auch wirklich ein Antifaschist ist, glaube ich in der Regel nur dann, wenn er nicht nur rechte, sondern auch linke Diktaturen ablehnt. Ein Ermordeter bleibt schließlich ein Ermordeter, egal ob der Mordbefehl von Hitler oder von Stalin kam. Antifaschismus, der nur Hitler als Mörder kennt, ist kein Antifaschismus, sondern linke Ideologie.
Staatsoperndirektor Ioan Holender gehört zu den Personen, denen ich den Antifaschismus glaube.
Umso mehr verwundert mich jedes Jahr wieder zu Saisonbeginn eine antifaschistische Zeichensetzung, die Holender eingeführt hat: Die Präsentation der neuen Verhängung des Eisernen Vorhangs.
Holender argumentiert, dass die 1955 fertiggestellte Bemalung des Eisernen Vorhangs von dem NS-nahen Künstler Rudolf Eisenmenger stammt. Aber war Eisenmenger wirklich so NS-nahe, dass ausgerechnet er als Exempel dienen muss?

Es ist also ein Exempel, das Ioan Holender statuiert!
Was ist nun ein Exempel? Bei einem Exempel wird ein Einzelner unverhältnismäßig hoch bestraft, um andere abzuschrecken. In diesem Fall braucht man zwar niemand abzuschrecken, die "Bestrafung" tut Eisenmenger auch nicht mehr weh, aber Holender will seine antifaschistische Haltung nachhaltig demonstrieren. Das ehrt ihn , aber diese wurde ohnedies nie angezweifelt! So gesehen schaut die Sache mit dem verhängten "Eisernen" aus wie eine Alibihandlung. Denn: Holender spielt an der Staatsoper auch "Palestrina" von Hans Pfitzner, auch die Werke von Richard Strauss haben ihren festen Platz im Repertoire, der Vorplatz der Staatsoper wurde in der Ära Holender "Herbert v. Karajan-Platz" benannt.. Aber lassen Sie mich weiter die "Wiener Zeitung" zitieren: Wieso statuiert Holender also gerade an dem sicherlich nicht sauberen, aber weitgehend harmlosen Eisenmenger ein Exempel? Wenn Holender schon Eisenmengers Vorhang aus antifaschistischen Gründen verhängt: weshalb wird der "Palestrina" von jenem Hans Pfitzner gespielt, der 1944 seinen Freund Hans Frank, NS-Generalgouverneur in Polen, mit der "Krakauer Begrüßung" ehrte? Weshalb werden die Werke von jenem Richard Strauss gespielt, der für Hitlers Olympische Spiele 1936 die "Olympische Hymne" als Eröffnungsmusik komponierte und dem bereits erwähnten Hans Frank 1943 ein – auch selbst getextetes – "Danklied" zukommen ließ? Und wieso hat Holender die Benennung des Platzes vor der Staatsoper nach Herbert von Karajan betrieben, der immerhin zweimal der NSDAP beigetreten war, ehe er Paris mit einer Aufführung des "Horst-Wessel-Lieds" beglückte?
Holenders Antifaschismus ist glaubwürdig und durch und durch ehrenhaft. Weshalb er sich mit deutlicher Zeichensetzung nur gegen Eisenmenger richtet (oder nur Eisenmenger kein Pardon gewährt), ist indessen nicht verständlich.
Um nicht missverstanden zu werden: mir würde Richard Strauss in der Wiener Oper sicher weit mehr fehlen als der "Eiserne" von Eisenmenger. Aber nennen wir Rudolf Eisenmenger einmal das, was er nun geworden ist: ein simples Bauernopfer!

Ich habe in der Presseschau eine Bilderstrecke mit allen 11 "Eisernen" der Wiener Staatsoper in den vergangenen Jahren installiert. Da sind ausgesuchte Scheußlichkeiten darunter. Der neue "Eiserne" fällt da eher positiv aus dem Rahmen, mit dem werden wir leben können!

Nun weg von diesem Thema. Wir berichten auch über die Saisoneröffnung der Züricher Oper, traditionell in Winterthur. Regisseur Christoph Nel inszeniert in Frankfurt Karl Amadeus Hartmanns "Simplicius Simplicissimus" und meint: Wir haben Hartmann als einen dezidierten antifaschistischen Komponisten gesehen, der sehr früh sehr genau gewusst hat, was kommen würde und entschieden hat, nicht in die Emigration zu gehen. Die Oper zeigt auch eine Konsequenz daraus: wie ihm in seiner Münchner Wohnung der umgebende Terror auf den Leib rückt. Insofern ist unser Zugang kein formaler und historischer. Wir wollten zeigen, wie dieser Mann dazu kam, am Material des Simplicissimus, also anhand des Dreißigjährigen Krieges zu thematisieren, was ihm selbst widerfährt. Aber da sind wir eigentlich schon wieder beim Eingangsthema!

Das Hauptereignis des gestrigen Tages war natürlich die Faust-Premiere am Burgtheater. Unsere Mitarbeiterin Dr. Renate Wagner hat bereits ihre Kritik in das Netz gestellt, nach anstrengenden 7 Stunden Burgtheater. Das ist auch eine sportliche Leistung! Mit dieser Premiere wird sich Renate Wagner auch noch am Montag an dieser Stelle ausführlich befassen. Mir blieb von der TV-Übertragung, die keinesfalls die angekündigte Sensation war, nur jener Klugscheisser in Erinnerung, der sich vor die Kamera drängte, um dann kein "Faust"-Zitat zu wissen. Das kann natürlich in der Aufregung passieren, aber wie er sich da rausgewurstelt hat, kann man als routiniert, aber auch als widerlich bezeichnen.

Klaus Peymann bleibt, wie er eben ist: sein Theater steht angeblich vor der Insolvenz, er haut aber dennoch kräftig auf den Tisch!

Schönes Wochenende
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Sonntag 6.9.2009

Jetzt hat auch die Wiener Staatsoper ihre Spielzeit eröffnet, die Volksoper folgt am Dienstag. Im Brennpunkt stand aber die Burgtheaterpremiere, mit der sich unsere Merker-Kritikerin Dr. Renate Wagner morgen an dieser Stelle nochmals befassen wird.

Früher war der traditionelle Starttermin der 1. September, da fuhr sozusagen "die Eisenbahn drüber". Im Beamtenstaat Österreich war dieses Datum unumstößlich, da Bilanzen für ein volles Monat leichter zu erstellen sind. Bei diesen Bilanzen erwies sich aber, dass in der ersten Woche "tote Hose" herrschte, die "typischen Theaterbesucher" erst mit Beginn der Schulsaison wieder vollzählig vor Ort sind. In Wien beginnt die Schule heuer am 7. 9. Wenn auch der "Merker" - speziell beim Heft - von Lehrern dominiert ist (was sich manchmal auch herauslesen lässt), so bedeutet das nicht, dass vorwiegend Lehrer in die Theater gehen. Aber es ist nun einmal so, jüngere Semester mit Kindern starten mit Schulschluss in den Urlaub und ans Meer, die "Gesetzteren" urlauben dann erst im August - der auch der große Festspielmonat ist - und kehren mit Schulbeginn heim.

Ich kann das auch aus meiner Statistik, die für diese Website erstellt wird und die auch jeden Tag zu meiner Morgenlektüre gehört, deutlich herauslesen. Die Frequenz in den letzten August - und den ersten Septembertagen ist die geringste des ganzen Jahres, sie rangiert sogar noch hinter den Weihnachtsfeiertagen. Ab morgen geht es wieder steil aufwärts. Ich kann auch noch Ihre Lesegewohnheiten herausfinden, meine lieben Online-Merker-Besucher. So schädigen sie gerne Ihren Arbeitgeber, die höchste Zugriffsrate haben wir nämlich täglich von 9-10 Uhr. Also wird offensichtlich entweder die Frühstückspause verlängert - oder sie sind soeben im Büro angekommen. Der Montag ist der stärkste Tag in unserer Besucherfrequenz, der Samstag der schwächste. Samstag-vormittag, wenn Sie mit dem Einkaufswagerl unterwegs sind, herrscht ziemliche Flaute. Ich kann auch verfolgen, aus welchen Netzen die Zugriffe starten, aus welchen Ländern sie kommen. Und ich kann Ihnen sagen, wir sind ziemlich international. Deshalb wird sich auch die Mitarbeiterin Renate Wagner künftig verstärkt um die seit der letzten Nationalratswahl verwaisten Reviews kümmern. Sie haben richtig gelesen: seit der letzten Nationalratswahl! Die bis dahin tätige Mitarbeiterin war nämlich mit meiner derzeitigen (ich dachte schon einmal anders) politischen Zugehörigkeit nicht einverstanden, obwohl ich diese erstens nie in den Merker einfließen habe lassen und auch ihr gegenüber nie erwähnte - im "Beamtenstaat Österreich" wird auch die politische Ausrichtung "kontrolliert". Man kann auch ein garstigeres Wort verwenden, wenn jemand "Google" bemüht, um herauszufinden, ob er mit jemand zusammenarbeiten kann oder nicht. Auch Firmen bemühen in letzter Zeit verstärkt vor Einstellungsgesprächen die Informationsmöglichkeit. Dabei kann man sich vor solcher "Bespitzelung" gar nicht wehren, bei "Google" kommunizieren Sie nur mit Maschinen, die für Ihre Wünsche kein offenes Ohr haben. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als künftig verstärkt wohlgefällig zu leben, möglichst nicht aufzufallen, keine eigene Meinung zu verbreiten. Noch besser wäre es freilich, überhaupt keine zu haben! Nur so kann man in Österreich relativ wohlgelitten überleben!

Heute startet auch die "Deutsche Oper" in Berlin die Spielzeit, mit einer konzertanten Aufführung von "I Capuleti e i Montecchi" mit Elina Garanca. Dort prügeln sich nicht nur die "Merker"-Mitarbeiter um die Karten. So sehr, dass das Pressebüro in der Redaktion anruft.

Paul Potts hat sich einen Traum erfüllt. Ich habe zwar nicht weitergelesen, vermute aber, dass er damit seine neuen Zähne gemeint hat.

Über die Burgtheaterpremiere wird morgen an dieser Stelle aus berufenerer Feder Tiefsinnigeres zu erfahren sein, mich interessiert in erster Linie das Premierenpublikum, zu einem großen Teil "Gratisblitzer" und "Zwangsverpflichtete": Ein bemerkenswertes Bild: Das Premierenpublikum applaudiert begeistert und jubelt; die Herren und Damen Groß- und Mittelgroßkritiker dagegen tragen feuilletonistische Sorgenfalten in den Kritikergesichtern. Matthias Hartmann wird vom Publikum stets mehr geschätzt als vom Feuilleton. Warum sollte das in Wien anders sein? Über die groß angekündigte TV-Berichterstattung schweigen wir lieber, Dr. Martin Traxl inszenierte sich in gewohnter ORF-Manier meist selbst. Karl Löbl bezeichnet diese Übertragung in der Zeitung "Österreich" als "aufwendigen Klugschiss".

Nicht nur Matthias Hartmann ergeht das so, überall sonstwo ist das Premierenpublikum weitaus begeisterungsbereiter als das sogenannte "normale". Immerhin hat man einem Theaterereignis beigewohnt und schuldet gewissermassen die Begeisterung. Die ganz wichtigen "Adabeis" werden auch zur Premierenfeier geladen, und auch diese will erst einmal verdient sein! Besonders laute Bravo-Brüller haben auch die Chance, ihr Gesicht in die Fernsehkamera hängen zu dürfen. So eine Premiere ist schon ein Ereignis!

Und da wären wir schon bei "Dominik" Heinzel, der eigentlich Karl heißt und dem sein Vorname zu gewöhnlich war. Er bestimmt künftig beim ORF, wer sein Gesicht bei Premieren im TV präsentieren darf. Er bezeichnet sich selbst als "Gfrastsackl" - und mit diesem Ausdruck wollte ich "Google" in Verlegenheit bringen. Leider ist das misslungen, denn "Google" weiß sogar, was ein "Gfrastsackel" ist ("heimtückischer Mensch" - laut "Google). Ob "Dominik-Karl" das so gemeint hat?

Von Heinzel gelangen wir zu Frau Heinze, der mittlerweile suspendierten NDR-Tatort-Chefin, die sich angeblich durch Malversationen 47.000 Euro "eingenäht" haben soll. Ich behaupte, jeder Mensch ist käuflich! Es ist nur eine Frage des Charakters, wie hoch die Kaufsumme ist!. So gesehen hat Frau Heinze offenbar ein charakterliches Defizit.

Schönen Sonntag!
A.C
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Dienstag 8. September 2009

Wo Wagner darunter oder darüber steht, wird es bekanntlich sehr lang. Das ist nicht nur beim seligen Richard so, auch unsere Renate sprengt manchmal den Rahmen. Dabei ist aber, wie auch bei Richard, jedes Detail so interessant, dass ich den Leitartikel über die Burgtheaterpremieren nicht nach einem Tag in den Müll geworfen habe (wie ich es bei meinen Artikeln üblicherweise zu tun pflege), nein, ich habe ihn in den "Theater-Infos/Österreich gespeichert!

Die Komische Oper in Berlin bekam in Rekordzeit eine neue Bestuhlung und eine "Übersetzungsanlage" noch dazu. Wollen wir hoffen, dass die Besucher zumindest in nächster Zeit ihre Kaugummis anderswo "hinpicken" als auf die Tapezierung. Kaugummis im Theater sind wirklich ein Problem. Haben Sie darüber schon mal nachgedacht? Wissen Sie eine Lösung? Der Begriff "Übersetzungsanlage" machte mich stutzig. Braucht man diese auch bereits für die deutsche Sprache? Wenn man die Textverständlichkeit vieler Sänger in Betracht zieht, dann braucht man eine "Übersetzungsanlage" gerade für die deutsche Sprache!


Unser Staatsopernalltag hat uns nun wieder. Nach der "Papierform" war der Start eher unspektakulär und der Staatsopern-Zampano wurde vom neuen Burgherren mit dessen Faust-Inszenierung - ob nun gelungen oder nicht - etwas ausgebremst. Aber dafür waren die Kritiken besser. "Traumtenor Beczala" - vergeblich suchte ich den Namen einer Merker-Rezensentin unter dieser Besprechung. Nein, sogar für den oft so gestrengen Presse-Kritiker Dr. Sinkovicz ist Beczala bereits ein Traumtenor. So rasch geht das in unserer Zeit, Villazon wird sich mit seiner Genesung beeilen müssen, sonst wuseln ein Dutzend solcher "Traumtenöre" auf den Bühnen der Welt herum. Als "Traumtenor" würde ich V. allerdings auch nicht bezeichnen. Aber man bemerkt an diesem Beispiel deutlich: nicht nur Frauen sind überdurchschnittlich begeisterungsfähig!

Die zweite Hälfte des einstigen "Traumpaares", nämlich Anna Netrebko, gibt morgen einen Arien- und Duettabend in der Hamburger Laeiszhalle, diesmal mit dem Bariton Bryn Terfel. Da sich solche "Events" bei ihr häufen, stelle ich mir die Frage, ob Konzerte finanziell lukrativer sind als Opernauftritte. Einfacher macht sie sich ihre Arbeit sicher nicht, denn ein Opernauftritt ist bei einem Kaliber vom Rang einer Netrebko bereits gelaufen, wenn sie ein oder zwei Arien anständig abgeliefert hat, bei Konzerten muss sie doch beträchtlich mehr singen. Was gerade sie auch tatsächlich macht, im Gegensatz zu manchen Minimalisten unter den Tenören.

Keine Sorgen brauche ich mir künftig um Bernd Loebe, den Frankfurter Opernintendanten, machen. Damit es sich auszahlt, verlängerte er seinen Vertrag bis 2018. Dann ist er 66 und mit diesem Alter kann man dann auch in Deutschland schön langsam an Rente denken.

In Grafenegg wurde man mit "Musik wie im Chinarestaurant" berieselt. Zu den Kompositionen von Tan Dun bekam man freilich keine "Acht Schätze" serviert, womit die Sache eine teure war. Mein Hund macht übrigens um China-Restaurants einen weiten Bogen, ich habe ihn im Verdacht, Zeitung lesen zu können!

Im deutschen Feuilleton, auf das es laut Renate Wagner bekanntlich einzig ankommt, kommt die neue Burgtheaterproduktion der "Fäuste" nicht gerade gut weg. Publikumsliebling Tobias Moretti wird dabei mit einem "überforderten Schauspielschüler" verglichen. Starker Tobak, der da aus Deutschland zu uns rüberkommt. Liebe Nachbarn, soll ich namentlich aufzählen, wer oder was bei Euch als Mime durchgeht? Besser nicht, sonst stehen mir demnächst Anwaltsbriefe ins Haus. In einem heimischen Blatt las ich: "Tobias Moretti ist 50 und sieht auch wie ein Fünfziger aus" . Das empfinde ich wiederum als gerecht, denn wieso soll man nur mir mein Alter ansehen!

Dementsprechend getröstet wünsche ich einen schönen Tag!

A.C

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Mittwoch, 9.9.2009

Das Photo des Tages: Der derzeit berühmteste lebende Jackson (wie heißt er doch mit Vornamen?) vor dem Schloss Schönbrunn

Endlich! Gestern gab es die lang erwartete Pressekonferenz in Wien. Der "Merker" war zwar nicht geladen, aber das sagt gar nichts. Bei der ersten Pressekonferenz des designierten Wiener Staatsoperndirektors waren wir nämlich seinerzeit auch nicht dabei! Aber natürlich berichten wir darüber, über das Jackson- Event wie zu gegebener Zeit über das Meyer-Theater. Weil
wir Wien lieben! Die jeweiligen Veranstalter oder Mit-Partizipierer sind uns - zumindest mir - persönlich relativ "wurscht"!

Bei der Pressekonferenz gab man sich noch sehr bedeckt, zumindest hoffe ich das für die Veranstalter. Denn das kann doch nicht alles gewesen sein, das "Star-Aufgebot hält sich noch in Grenzen. In sehr engen sogar: Gerüchte hat es jede Menge gegeben, von Madonna war da die Rede und von Whitney Houston. Nun ist zumindest einmal der Schwanz der Katze aus dem Sack: R&B-Sängerin Mary J. Blige wird kommen, ebenso Natalie Cole, wie Blige mehrfache Grammy-Gewinnerin. Dazu die R&B- und Hip-Hop-Sänger Akon und Chris Brown, die Boyband „US 5“, die Soulgruppe „Sister Sledge“ („We are Family“) und Angela Bassett, die als Schauspielerin schon Tina Turner und Michaels Mutter Katherine verkörperte. Wobei die Organisatoren so manchem Künstler auch Absagen erteilten. „Nicht jeder kann Michael-Jackson-Songs singen“, so
Organisator Georg Kindel trocken.

Von welcher Seite da wohl mehr Absagen kamen? Von den "Angefragten" oder von den "Anfragern"? Kryptisch versicherte der Jackson-Bruder, dass die "Stars" noch in Pressekonferenzen in London und anderswo nachgereicht werden, dort ist man ganz begierig nach weiteren Namen. Fest stehen jedoch die Eintrittspreise: wer überhaupt etwas sehen will, muss 518.- Euro berappen (oder daheim vor dem Fernseher sitzen). Wenn man nahe der Penzinger-Straße stehen will, legt man immerhin auch noch mehr als 65.- Euro ab. Diese Karten sind aber wohl für nicht "Wien-kundige" Besucher gedacht, denn die Wiener wissen, wie weit die Penzingerstraße vom Schloss Schönbrunn entfernt ist! Gesichert ist derzeit jedenfalls nur das
Verkehrschaos!
Die Jackson-Familie kommt übrigens zu meiner großen Freude auch. Ich wollte mich immer schon mit Jo Jackson über Kindererziehung unterhalten!

Die Stimmung scheint nun auch in der Jubelpresse zu kippen, aber wie immer reagiere ich anders. Bei mir steigt die Zuversicht! Denn ich behaupte: Wien kann durch dieses Konzert nur gewinnen!! Für das, was gewonnen werden kann, sind diese läppischen 600.000 Euro städtische Subvention, zugesagt und wohl auch ausbezahlt von der designierten Häupl-Nachfolgerin Renate Brauner, wirklich ein Schnäppchen. Wenn das Konzert der erhoffte Erfolg und damit die tatsächlich unbezahlbare Wien-Werbung wird, dann ist das Geld hervorragend angelegt. Wenn aber das Konzert "floppt", dann wird der "Verlust" zum Gewinn! Wenn der Jackson-Bruder kryptisch sein kann, dann darf ich es wohl auch! Jedenfalls wird über dieses Event noch sehr viel zu berichten sein, was ich gerne mache.

Eines haben die Veranstalter aber sehr wohl bedacht: sie sind dem Konzert unseres Merker-Freundes Michael Tanzler ("Amici del Belcanto") terminlich ausgewichen. Dieses findet nämlich einen Tag vorher, am 25.9. um 19 h in der
Stadtpfarrkirche Neunkirchen statt. Auf dem Programm: Ausschnitte aus "La Gioconda" und "Cantata a Donizetti" mit Monica Chavez, Vivian Cooksley, Ignacio Encinas, Sergio Bologna, Alexander Teliga u.a. Erwin Stoll leitet
den Klangbogen Neunkirchen. Die Karten kosten einheitlich nur € 12.- und sie haben auch von jedem Platz gute Sicht. Karten: Tel.: (Wien) 9563758.

Sie sollten übrigens auch in unsere "Infos des Tages" schauen. Ich weiß, da stehen manchmal ganz schrecklich fade Ankündigungen drinnen (manche nennen es nicht fad, sondern hochseriös), aber manchmal geht es dort auch recht
locker zu. So berichten wir über einen konzertanten "Lohengrin" im deutschen Hamm, bei dem 2 Sängerinnen durch etwas eigenwillige Striche (den ganzen "Lohengrin" wollte man denn doch nicht spielen) so verwirrt waren, dass sie Ihren Auftritt verpassten. Blöd war das insoferne, als es sich nicht um Choristinnen, sondern um Elsa und Ortrud handelte. Während sich Elsa wieder fing, war Ortrud so geschockt, dass sie auch gleich den 3. Akt schwänzte.

Da wir Männer uns an Anna Netrebko immer noch nicht satt sehen können, habe ich eine Bilderstrecke mit 44 der besten Netrebko-Photos in die Infos des heutigen Tages gestellt.

In der Presseschau biete ich noch einen besonderen Service: Faust für Angeber! Wer bei der TV-Übertragung des "Faust" aus dem Wiener Burgtheater bemerkt hat, wie manche "Seitenblicker" zwar zuerst zur Kamera drängten, dann jedoch kein Zitat aus dem "Faust" nennen konnten, wird diesen Service besonders schätzen: 17 Zitate aus dem "Faust", die sie auswenig lernen und bei jeder unpassenden Gelegenheit in Ihre Wortmeldung einfließen lassen können!

Unter Kuriositäten fällt auch noch eine Indiskretion aus Frankreich, wonach Staatspräsident Sarkozy nur von kleinen Menschen umgeben sein will. "Lange" dürfen somit nicht in die unmittelbare Nähe des Präsidenten, dazu müssten
sie schon Minister sein! Wer das nicht glaubt, kann es in den "Infos des Tages" bestätigt finden.
Der Worte sind genug gewechselt! Nun schreiten wir zu Taten in die Niederungen des Alltags.
Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen!
A.C.
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Freitag, 11.9.2009
Unser Faust" im Ausseerland. Tobias Moretti spielt dort für das Fernsehen den Erzherzog Johann. Der "Böse" ist abermals Gerd Voss - er spielt den "Metternich". Tobias Moretti blickt etwas finster drein. Vermutlich hat er - im Gegensatz zu seinem Direktor am Burgtheater, die Faust-Kritiken gelesen. Tröstlich für Moretti: Das Fernsehen zahlt sicher bessere Gagen als das Burgtheater!

Gestern früh tauchte urplötzlich eine Meldung auf: Ioan Holender bekommt bei ATV eine eigene Talk-Show, soll dort die Lücke schließen, die Dominic Heinzl hinterlassen hat. Laut dieser Info, die auch von mir sofort für "Aktuelles" übernommen wurde, sollen bereits in den nächsten Tagen Probeaufnahmen angesetzt sein. Nachmittag kam dann das Dementi aus dem Pressebüro der Wiener Staatsoper: alles erstunken und erlogen! Nun ja, nicht so ganz: Gespräche mit einer Produktionsfirma habe es schon gegeben, nur konkret sei noch nichts!
An sich ist es ja keineswegs ehrenrührig, mit solch einem Projekt in Verbindung gebracht zu werden - und "unser Direktor" hat durchaus seinen Unterhaltungswert. So eine Talk-Show traue ich ihm schon zu. Soeben hat er in seinem "Prolog" (Staatsopern-Journal) dem Merker zu dessen Jubiläum gratuliert und gelobt. Danke, Herr Direktor! Eigentlich bin ich ja ein Fan von Ihnen, wenn Sie nicht von Zeit zu Zeit jenen Ioan Holender aus sich herauslassen würden, der es einem schwer macht, Sie wirklich zu mögen!

Die Produktionsfirma, mit der Ioan Holender geredet hat, war offenbar nicht die, die das Wiener Jackson-Tribut veranstaltet. Deshalb glaube ich das Gerücht nicht, dass Ioan Holender gemeinsam mit Bürgermeister Häupl eine auf Michael Jackson arrangierte Version der "Reblaus" singen soll und dementiere vorsichtshalber gleich selbst - damit nicht wieder das Pressebüro bemüht werden muss. Denn dem Wiener Jackson-Tribut gehen die "Stars" aus. Nun wäre man bald bereits wirklich froh, wenn DJ Ötzi und Christel Stürmer dort auftreten würden, aber beide sind zu diesem Termin für ein Feuerwehrfest gebucht. Und der dortige Kommandant würde dieses "Gegenevent" nur dann verschieben, wenn er selbst mit seiner Blasmusik beim Wiener Event auftreten dürfte. Das ist natürlich auch nur ein Gerücht und ich möchte da nicht fortsetzen, sonst wird diese Kolumne heute blöder als das ORF-Kabarettprogramm! Die Sorgen des Veranstalters "Tschortsch" Kindel möchte ich allerdings auch nicht haben, er hat viel zu große Schuhe angezogen und diese lassen sich von ihm nicht mehr manövrieren. Bekanntlich landet man in solch einem Fall auf der Nase. Was er auf Politikerzusagen geben kann, wird er spätestens jetzt auch schon merken. Diese Politiker werden möglicherweise das finanzielle Desaster für die Stadt in Grenzen halten können, die weltweite Blamage ist jedoch wohl nicht mehr zu verhindern.
Zuerst aber hoffen wir doch noch auf ein Wunder, vielleicht erbarmt sich doch noch "Madonna" oder zumindest Whitney Houston - und Wien kommt mit einem blauen Auge davon! Ansonsten führe ich Ihnen, Frau Brauner, meine ersten Zeilen zu diesem Event vor Augen, als ich den Lesern die Geschichte von dem Mann, der mir die Wiener Reichsbrücke verkaufen wollte, erzählt habe!

Zum Schluss möchte ich noch eine ganz seriöse Rechnung aufstellen. Bayreuth ist (zu Recht) stolz auf seinen Mäzenatenverein. Über 5000 Menschen aus der ganzen Welt zahlen jährlich beträchtliche Summen an die Festspiele. Der Gegenwert: sie wollen natürlich auch jedes Jahr ihre gesicherten Karten kaufen dürfen. Das ist für mich durchaus verständlich, denn im Leben bekommt man nichts geschenkt. Die "Freunde der Bayreuther Festspiele" haben die Situation ohnehin erkannt und quasi einen Aufnahmestopp verfügt. Denn ansonsten bliebe für das gemeine Volk rein gar nichts mehr über. Rechnen Sie einmal nach: jeder dieser Mäzene kommt im Normalfall mit Gattin oder Freundin (Gatten oder Freund, wir müssen streng korrekt geschlechtsneutral bleiben), mit einer Vorstellung begnügt man sich natürlich nicht. Nehmen wir im Schnitt 5 Vorstellungen an, benötigen diese "Freunde" 50.000 Karten. Bayreuth hat pro Festspielsaison etwa 56.000 Karten zu vergeben. Dann kämen laut meiner Rechnung 6.000 Karten in den Verkauf. Wenn man diese Zahl aus Ausgangspunkt der zehnfachen Überbuchung nimmt, dann wäre das gar keine so große Kunst! Vielleicht klärt mich aber wirklich jemand auf, wie die Kartenvergabe tatsächlich erfolgt.

Kritiken finden Sie von der Berner "Bohème" - die ich in einer privaten Website gefunden habe, vom Frankfurter "Simplicius Simplicissimus", vom Lucerne-Festival mit unseren "Philis", aus dem Wiener Burgtheater mit einer grandiosen Birgit Minichmayr im "Struwwelpeter" etc.

Nach dem sich Stefan Raab nun um den deutschen Beitrag zum Eurovisions-Song-Contest kümmert, kann ich mich beruhigt zurücklehnen und Ihnen einen schönen Tag wünschen!

A.C.
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Samstag 12.September 2009
Zu meiner gestrigen Blödelei über den "Starrummel" beim "Jackson-Tribut" erhielt ich natürlich Reaktionen: "Blöder als Stermann & Grissemann können auch Sie nicht sein" war offensichtlich nicht als Kompliment gemeint. Ich antworte trotzdem: " Oh doch, Madame! Wenn ich mich bemühe, schaffe ich das locker. Ich halte mich hier nur vornehm zurück, dem Anlass angemessen".

Aber es gab überwiegend positive Reaktionen, vor allem, was meine von Anfang an klare Haltung zu diesem "Tribut" betraf. Ich habe nämlich das getan, was die Wiener Stadtverantwortlichen von Anfang an tun hätten sollen, nämlich zuerst die Seriosität der Partner zu überprüfen und zweitens die Durchführungsmöglichkeiten ernsthaft zu überdenken. Dass man nämlich in so kurzer Zeit kein Staraufgebot nach Wien holen kann, war klar. Und dass das Wembley-Stadion - der nunmehrige Austragungsort im nächsten Jahr - für ein derartiges Riesen-Event weit besser geeignet ist, als es Schönbrunn gewesen wäre, ist wohl auch klar. Karten für den geplanten Zuschauerraum außerhalb des Schlossparkes zu verkaufen, grenzt an vorsätzlichen Betrug und Abzocke. Wie soll man vom Bereich Penzingerstraße irgend etwas auf der Bühne wahrnehmen können. Da hätte man doch nur anraten können, daheim vor dem Fernseher zu bleiben. Und dass man Ende September in unseren Breiten keine Freiluftveranstaltung mit Beginn 20 h ansetzt, weiß jeder Veranstalter eines kleinen Feuerwehrfestes. Sogar bei gutem Wetter wären die Besucher in Decken gehüllt gewesen, ich wohne in der Wiener Westeinfahrt, weiß daher, von welchen Temperaturen ich hier schreibe!
Der Jackson-Bezug zu Wien war ohnedies nicht gegeben, die "Liebe zu Wien und Schönbrunn" der Jackson-Familie nur ein Mittel zum Zweck, um der Stadt Fördermittel herauszulocken. Im Schlosspark von Schönbrunn kann man durchaus stilvolle Kleinveranstaltungen durchführen, wie es die bisherigen Konzerte in Relation zu diesem "Event" waren, aber keine Veranstaltung mit 65.000 Besuchern (die ohnehin nicht gekommen wären). Dazu bedarf es eines Stadions, das ohne Umbauten auf diese Besucherkapazität ausgelegt ist und in den man von jedem Platz aus freie Sicht auf die Bühne hat - eben Wembley.

Eigentlich müsste auch die Stadt Wien froh sein, dass dieser Kelch an ihr vorübergegangen ist. Die Blamage ist aber weltweit, denn durch das totale Engagement der Stadtregierung - auch wenn sich im Grunde genommen nur eine ihrer Vertreterinnen vor den Vorhang gewagt hat - bekam die Angelegenheit einen hochoffiziellen Charakter. Es ist sehr wohl ein Unterschied, ob ein "Spinner" ein Riesen-Projekt plant und damit auf die Nase fällt, oder ob eine Weltstadt den Anschein erweckt, sich dafür auch namens ihrer Bürger zu bewerben. Man muss es auch nochmals sagen, die Fußballeuropameisterschaft im Vorjahr war bereits ein finanzieller "Riesen-Flopp" (ein sportlicher noch dazu, aber damit mussten wir rechnen), der mehr Geschäftsleute in den Ruin getrieben als saniert hat. Da können wir Wiener durchaus dankbar sein, dass die Sache so dilettantisch verbockt wurde!
Die Wiener Opposition braucht nun gar nicht hämisch zu grinsen, die sind allesamt, egal aus welchen Lager sie kommen, punkto Kultur, aber auch punkto Geschäftstalent keine erste Adresse. Nachdenklicher stimmt mich da schon das Verhalten des eigentlich zuständigen Kulturstadtrats Mailath-Pokorny, der ja sicher kein "Dummer" ist. Wie Loge im "Rheingold" ging er nicht mit an Bord und stellte damit die Weichen in das Desaster. Und die Art und Weise, wie Sie, Frau Brauner, beim ersten Aufheulen der Opposition wegen der Förderung "kalte Füße" bekommen haben und "umgefallen" sind, müsste nicht nur Ihnen zu denken geben. Denn Ihre Erklärung, wonach diese Subvention nach Werbeleistung aliquot abgerechnet würde, wäre zwar in der Praxis nicht durchführbar gewesen, war aber politisch nicht unklug.

Die ausländischen Zeitungen quittieren die Absage des Konzerts mit Spott und Häme. Es ist ihnen nicht zu verdenken. Wenn Frau Finanzstadtrat Mag. Brauner den Werbewert mit 10 Millionen Euro so genau definiert und danach die Förderung bemessen hat, sei nun die Frage an die glücklose Politikerin erlaubt, wie hoch sie nun den Imageschaden beziffert!! Das sollte nämlich nun auch beantwortet werden!

Über das wird wohl noch zu schreiben sein, aber nun sollten wir uns doch wieder anderen Themen zuwenden. Einen echten Skandal gab es gestern in der Wiener Staatsoper. Laut Aussage unserer Mitarbeiterin Elena Habermann stürzte ein Besucher nach der Vorstellung auf der Haupttreppe und verletze sich am Kopf. Zufällig anwesende Ärzte unter den Besuchern konnten die Blutung nicht stillen, weil kein Verbandszeug zu bekommen war. Der "Diensthabende", der Anwesenheitspflicht gehabt hätte, war nicht mehr diensthabend, das Ärztezimmer mit Verbandsmaterial war versperrt. Einen Einbruchspezialisten hatte man nicht zur Hand, die Feuerwehr konnte das Ärztezimmer nicht aufschließen. Zwei Besucherinnen mussten sich um den Verletzten kümmern, seitens des Staatsopern-Personals reagierte man zwar bemüht, aber absolut hilflos! Versuchen Sie einmal als Autofahrer einem Polizisten zu erklären, warum Sie kein Verbandszeug mitführen!

Dafür funktionierten aber die "Vilar-Titel". Warum brauchen wir überhaupt Übersetzungsanlagen (eigentlich sind es ja Übertitelungsanlagen), wenn eine Oper in unserer Landessprachen aufgeführt wird? "Je höher eine Sängerin ihre Arien schmettert, desto unverständlicher wird der Text, den sie singt. Opernfans können ihr Leid darüber klagen, während Forscher das Phänomen zu erklären versuchen. Am weitesten gediehen ist hier der australische Physiker John Smith von der University of New South Wales. Vor fünf Jahren beschrieb er im Magazin „Nature“ die akustischen Zusammenhänge, warum Soprane hohe Töne nur dann laut singen können, wenn sie auf eine differenzierte Ausformung der Vokale verzichten: Das Ziel, mit Mund, Zunge und Rachen einen kräftigen Resonanzraum zu formen, lässt sich am besten dadurch erreichen, dass man den Kiefer weit senkt und gleichzeitig noch lächelt. Sopranistinnen lernen das bei der Gesangsausbildung. In dieser Stellung klingt aber jeder laut gesungene Vokal zwangsläufig wie ein „A“. Aus Siegfried wird Sagfrahd. ". Mehr dazu finden Sie gleich im ersten Beitrag in unserer Presseschau!
Womit ich Ihnen ein schönes Wochenende wünsche!
A.C.
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Sonntag, 13.9.2009

Vor der "Turandot-Premiere in Stralsund. Calaf Michael Renier
mit seinen beiden Prinzesinen Dagmar Zaludkova und Anna Ryan

"Höre doch endlich mit diesem Pop-Schas auf", rügte mich gestern eine Mitarbeiterin angesichts der Berichterstattung über das gescheiterte Wiener Jackson-Konzert. Nun, dieser "Pop-Schas" bewegt heutzutage ungleich mehr Euro-Milliarden als "unsere Klassik" und ist auch nicht vergleichbar mit den deutschen Schlagerparaden der Fünfziger-Jahre. Unter dieser Marke rangieren auch Meisterwerke, die verdientermaßen die meisten Menschen faszinieren, nicht nur die Jugendlichen. Der Tod von Michael Jackson hat eine weltweite Hysterie ausgelöst, die uns doch zu denken geben sollte. Und ehrlich, wer katalogisiert und dem jede Oper gefällt, nur weil sie eine Oper ist, der erscheint mir etwas suspekt. Es gibt auch genug Opern, um die ich einen großen Bogen mache. Es gibt gute und schlechte Musik, nicht Klassik und "Pop-Schas". Was er für gut hält, möge jeder für sich entscheiden, auch mein Geschmack ist höchst subjektiv und möglichweise sogar schlecht. Mag sein!

Dass mir das "Jackson-Tribut" so überraschend schnell abhanden gekommen ist, stimmt mich traurig. Denn es hat mir über das "Sommerloch" - im Journalismus eine schreckliche Zeit - hinweggeholfen. Was war denn in diesen 2 Monaten los? Kleinstfestivals, über die wir pflichtschuldigst berichteten, auch weil unsere Mitarbeiter in der Nähe ihre Urlaube verbrachten. Bayreuth ist praktisch nach einer Woche abgespielt. in Salzburg herrschen meinem (schlechten) Geschmack zufolge die Langweiler. Wäre da nicht das Thielemann-Theater, die Holender/Bechtolf-Rülpser und eben dieses fragwürdige Projekt eines Riesenkonzerts am völlig falschen Ort gewesen, mit was hätte ich Sie dann unterhalten? Denn diese Kolumne soll Information und Unterhaltung zugleich sein. Die Gefahr einer intellektuellen Überforderung Ihrerseits durch mich ist ohnedies nicht gegeben - im Vertrauen gesagt, sie wird auch gar nicht angestrebt.
Natürlich könnte ich mich auch geschwollener ausdrücken, das würde dann viel klüger klingen - aber dann verstünde ich mich bald selbst nicht mehr.

Um Thielemann ist es wiederum ruhig geworden, dass er - ich glaube sogar dieses Wochenende - die Sächsische Staatskapelle Dresden in Vertretung des erkrankten Fabio Luisi dirigiert, ist im Wirbel um die "Pop-Ereignisse" fast untergegangen. Ist das bereits symtomatisch? Ich habe das Gefühl, Thielemann hat sich mit der Situation abgefunden und die Münchner wollen ohnedies nicht mehr so richtig. Damit meine ich natürlich nicht die Thielemann-Fans, sondern die Entscheidungsträger. Manchmal ist ein Wechsel für alle Beteiligten ein Segen. Die Sache Holender-Bechtolf ist ganz rasch vorüber gegangen, die Wiener Staatsoper ist relativ unspektakulär in die neue Saison gestartet. Da in den großen Opernhäusern auf Jahre voraus geplant wird, hat Holender damit nicht mehr viel zu tun und bastelt bereits an seinem "Leben nach dem Operndirektor". Da können wir ja noch viel erwarten, auch ein Buch mit seinen Erinnerungen, die wohl zu Abrechnungen werden, ist angekündigt. Wie ich Holender einschätze, wird sich das Erscheinungsdatum noch einige Jahre hinauszögern, denn Holender ist ein schlauer Fuchs!

So war ich also froh, auf das fragile Konstrukt des Wiener "Mega-Events" zurückgreifen zu können. Dabei musste ich zwangsläufig auf Herrn Kindel stoßen, der diese tollkühne Aktion geplant hat. Wissen Sie, wie Herr Kindel "ins Geschäft" kam? Er hatte eine "Königsidee" - was ja für einen Manager nicht schlecht ist. Er startete weltweit Preisverleihungen und kaufte sich seine Reputation bei Herrn Gorbatschow. Dieser hat nämlich die Preise überreicht und Herrn Kindel damit interessant und salonfähig gemacht. Mittlerweile ist bekannt, dass Herr Gorbatschow für Geld zwar nicht so ziemlich alles, aber immerhin sehr viel machen würde, aber Herr Kindel hat das als einer der Ersten erkannt. Diese Branche boomt übrigens, Sie können auch Bill Clinton für Ihren nächsten Geburtstag buchen. Wenn die Kasse stimmt, hält der dann einen Vortrag - nein, nicht über das, was wir ungerechter Weise am frischesten in Erinnerung haben - aber zum Beispiel über das Engagement der Amis in Afghanistan.

All das könnte nun für Herr Kindel zu Ende sein, denn er hat sich mit der gefürchteten österreichischen Presse angelegt. "Die Medien sind schuld" - so tönte er vollmundig und düste nach London ab. Mittlerweile bezog er auch seinen Partner Jermaine Jackson in die Kritik ein, weil dieser "seine Aufgabe nicht erfüllt habe". Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Jackson glücklich über diese Kritik ist. Dessen Rache würde ich an Kindels Stelle mehr fürchten als die gesamte österreichische Medienlandschaft. Vorsichtshalber kaufe ich mir vorerst keine Karten für London!

Und jetzt, meine liebe Merker-Freundin, die mich ob meines Interesses an den "Wiener Konzertereignissen" tadelt, sage mir angesichts der heutigen Presseschau, was ich an Stelle des Jackson-Zirkusses in den Mittelpunkt meiner Berichterstattung hätte stellen sollen. Zum Beispiel die bevorstehende "Turandot-Premiere in Stralsund, das ja nicht gerade der Nabel der Opernwelt ist? In Gelsenkirchen gibt man "Manon Lescaut", immerhin in Basel hatte "Madama Butterfly" Premiere. Und Wiesbaden kündigt Rebecca Horn als Sensations- Regisseuse für "Elektra" bei den Maifestspielen an. Schande über mich, aber ich musste mich zuerst informieren, wer Rebecca Horn ist.

Christoph Schlingensief greift in den deutschen Wahlkampf ein. Mit dem tue ich mich derzeit schwer, da ich den Grad seiner Erkrankung nicht abschätzen kann. Deshalb stelle ich ihn vorderhand in den "geschützten Bereich".

Unter'm Strich müssen wir von einem Riesenflopp berichten, nämlich den "Dancing-Stars" in Deutschland. Ich dachte, dass die Österreich-Version nicht mehr zu unterbieten sei - aber SAT 1 schafft das locker und gibt RTL die Schuld!
Womit wieder der Beweis erbracht ist, meine liebe Merker-Freunde, dass wir ohne diesen "Nicht Opern-Schas" gar nicht auskommen!

Bleibt mir nur, Ihnen einen schönen Sonntag zu wünschen!
A.C
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Montag, 14. September 2009

Auf Christian Thielemann ist Verlass. Kaum klingt der Wirbel um das Wiener "Jackson-Tribut" (vermeintlich) ab, springt er in die Bresche und liefert den Journalisten wieder Schlagzeilen, zumindest aber Stoff für Spekulationen. Es ist wie im Märchen, mitten in das heftige Liebeswerben der Sächsischen Staatskapelle für Thielemann (oder ist es umgekehrt?) platzt eine Erkrankung des aktuellen Orchesterchefs (nichts Ernstes, nur soviel, um einen Ersatzdirigenten kurzfristig engagieren zu müssen) - und schon ist Christian Thielemann als "Retter" zur Stelle: Kurzfristig wurden Repertoire und Dirigent von der Dresdner Staatskapelle ausgewechselt. Kein gewöhnliches Abokonzert also, eher könnte man von einer Art Brautschau sprechen oder von einem tönenden Bewerbungsschreiben oder sogar von einer Solidaritätsaktion. So oder so: Das Konzert, am Montag und Dienstag wiederholt, ist ein historisches Konzert, es wird Folgen haben. Ursprünglich auf dem Plan: Mahlers Siebte, dazu ein Stück für Orchester und 27 Spieluhren von Rebecca Saunders, die derzeit als Composer in Residence in Dresden arbeitet. Dirigieren sollte der amtierende Staatskapellenchef Fabio Luisi, der sich aber krankgemeldet hat. So kann Thielemann, den die Münchner Stadtväter vor acht Wochen überraschend mit so schwindsüchtigen Argumenten an die Luft gesetzt hatten, dass viele Münchner Musikfreunde, darunter ein erheblicher Anteil der rund 18.000 Abonnenten der Münchner Philharmoniker, den Fall immer noch für ein dummes Versehen oder vielmehr für einen Albtraum halten, aus dem man auch irgendwann wieder aufwacht, so kann Thielemann also jetzt zufällig einspringen für Luisi, der seinerseits den Dresdner Stadtvätern den Bettel hinwarf, wie verlautet, „aus persönlichen Gründen“.

Fabio Luisi geht übrigens nach Zürich, weil dort besser gezahlt wird. Kunststück, die Schweiz ist ja nicht bei der EU. Also geht es Thielemann augenscheinlich nicht um das große Geld. Bisher, liebe Leser, habe ich die Argumentation der Münchner Stadtväter in der "Causa Thielemann" eher verteidigt. Gestern jedoch habe ich den Münchner Oberbürgermeister im Fernsehen in den "Seitenblicken" bei der Geburtstagsfeier für "unseren Häupl" gesehen und vor allem gehört. Gut, bei so einer Geburtstagsfeier ist auch Alkohol im Spiel. Trotzdem, nun würde ich dem Kapellmeister aber wirklich raten, nach Dresden zu gehen. Und als Wiener bin ich beglückt: der Wiener Bürgermeister - ein begnadeter Weintrinker - scheint wirklich erheblich trinkfester als sein Kollege aus der Bierstadt zu sein. Zumindest redete er so, wie auch im Amt! Ich darf also festhalten, dass München selbst beim Oberbürgermeister mit Wien nicht mithalten kann!

In einem anderen Artikel wird die Frage aufgeworfen, ob Opernsänger dick sein müssen. Hier die Antwort: Wer in dieser Saison bei den Bayreuther Festspielen war, konnte in den Hauptrollen wieder viele Schwergewichte der internationalen Opernszene erleben. Bei den sogenannten hochdramatischen Gesangspartien, also sehr lauten und sehr langen Rollen, wie wir sie vor allem von Richard Wagner oder Richard Strauss kennen, dominieren übergewichtige Sopranistinnen oder Tenöre. Gertenschlanke Brünnhildes, magere Salomes und schlaksige Tristans sind die Ausnahme. Aus medizinischer Sicht gibt es allerdings keinen Grund dafür. Die Stimme wird im Kehlkopf mit den Stimmlippen gebildet. Ein dicker Bauch hat darauf keinen Einfluss, trägt also nicht zur Stärke und Belastbarkeit der Stimme bei. Eine mögliche Erklärung für die vielen dicken Sänger sehen Mediziner in ihrem Tagesablauf. Vor kräftezehrenden Partien wird in der Regel nicht zu Mittag gegessen, dafür essen die Sänger abends nach der Vorstellung. Das setzen die Kalorien einfach schneller an. Also: Erfolgreiche Sänger müssen nicht dick sein, sondern viele erfolgreiche Sänger werden dick.

In Linz wurde das "Bruckner-Fest" eröffnet, aber die Eröffnung durch den letzten Redner (wie fair) zur parteipolitischen Veranstaltung umfunktioniert. Damit ist das ganze Brucknerfest für mich ein Tabu-Thema. So ganz wird uns das Jackson-Tribut auch in den kommenden Tagen und Wochen nicht los lassen, denn nun wackelt auch das nächstjährige London-Event. Es herrscht derselbe Stil wie in Wien: großkotzige Ankündigungen, in der Wembley-Verwaltung weiß man noch von keiner Anfrage. Oh, "Tschortsch" Kindel, wenn Du so weitermachst, sehe ich Deinen Stern sinken!

Elton John und sein Lebensgefährte wollen ein ukrainisches Waisenkind adoptieren. Das wiederum ist ein so ernstes Thema, dass ich es nicht verblödeln möchte. Jeder möge das für sich bewerten!

Samstag geriet ich durch ein Versehen in die TV-Sendung "Schlag den Raab". Auf uns Österreicher wirkt Stefan Raab wegen seiner großen Klappe nicht eben symphathisch, auch das deutsche Saal-Publikum symphathisierte bisher eher mit Raabs Gegnern. Nun traf Stefan Raab auf einen, der noch weniger als er selbst beim Publikum "ankam". Und der räumte sogar noch den Jackpot ab! Plötzlich gehörte die Zuneigung des Publikums dem Moderator. Alles im Leben ist eben relativ!

Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen !
A.C


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Dienstag, 15. September 2009

Binnen weniger Stunden ist Placido Domingo um Jahrzehnte gealtert. Das Jugendphoto von heute früh hat zumindest einen Forumsteilnehmer gestört.
Daraufhin hat mir ein anderer Leser ein aktuelles Photo gemailed, das ich nun eingestellt habe. So ein Photo habe ich schon am Morgen gesucht, aber in den diversen Domingo-Fan-Club-Websites gibt es nur Jugendphotos!

Schön langsam wird auch die "Causa Thielemann" etwas fad. Es geht hinten und vorne nichts weiter, was auch kein Wunder ist, weil der OB Christian Ude von einer Geburtagsfeier zur anderen hetzen muss und der Kapellmeister mit der Sächsischen Staatskapelle fremd geht. Fast 40 prominente Musiker, Intendanten und Komponisten haben sich jetzt in einem Brief an die Stadt München hinter Thielemann gestellt. Darin wird Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) gebeten, "im Interesse der musikalischen Welt" wieder neu mit den Verhandlungen zu beginnen, wie die Bayerische Akademie der Schönen Künste am Montag mitteilte. Gleichzeitig wird über eine Zukunft Thielemanns in Dresden spekuliert. "Ich hoffe sehr, dass Maestro Thielemann und die Stadt München ihre Differenzen beilegen können, um diesen großartigen Musiker den Münchner Musikfreunden zu erhalten", schreibt Startenor Placido Domingo in dem Brief. Unterschrieben haben auch Daniel Barenboim, Eva Wagner-Pasquier, René Kollo, Pierre Boulez und Helene Grimaud.
Auch wenn ich mich jetzt wiederhole, so muss ich doch festhalten, dass der unterschriftsreife Vertrag für Christian Thielemann in München noch bereit liegt, der Kapellmeister jetzt nach Ansicht der Stadtoberen am Zug ist. Freilich hat man dem - nachdem er sich mit der Unterschrift anfangs etwas Zeit gelassen hat - einen Passus untergejubelt, den dieser nicht akzeptieren will. Es liegt also nicht allein an den Münchnern, auch Christian Thielemann muss zu Zugeständnissen bereit sein. So ist das nun einmal bei "Verhandlungen" - oder verstehen Sie darunter ein Diktat, Herr Thielemann?

Warum er die 40 Promis aus der Musikwelt einschaltet, verstehe ich ehrlich nicht. Will er damit seine Vertragspartner unter Druck setzen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Ude vor Placido Domingo oder Pierre Boulez in die Knie geht, eher schon vor den Abonnenten der Münchner "Philis". Aber sind sich diese auch einig? Herr Thielemann scheint dazu zu neigen, andere Leute voranzuschicken. Als er vor einigen Jahren völlig unerwartet den "Tristan" an der Wiener Staatsoper absagte, schickte er seine Mama zu Direktor Holender. Bekanntlich legte er damit auch "die Rutschen" für Franz Welser-Möst, der kurzfristig die Vertretung übernahm und damit das Tor zur Wiener Staatsoper aufstieß.

Hoffentlich erfolgt nun bald eine Klärung der Situation, denn ewig will ich die Sache hier auch nicht am Kochen halten. Ich fürchte aber, je mehr Leute sich da einmischen, desto komplizierter wird es!

In Berlin hat Donald Runnicles sein Amt als GMD der Deutschen Oper angetreten: „Die Macht der Musik und damit meine Macht ist eigentlich nur die der Überzeugungskraft“, sagt Dirigent Donald Runnicles: „Es geht oft um Psychologie und nicht um gewaltsames Durchsetzen.“ Der Schotte gilt als Hoffnungsträger an der Deutschen Oper. Am Sonntag wird der neue Generalmusikdirektor als offiziellen Einstand Wagners „Tannhäuser“ dirigieren.

Als "Skandal" wurde an dieser Stelle ein Vorfall nach der Samstag-Vorstellung der Wiener Staatsoper bezeichnet. Ein Besucher kam auf der Treppe zu Sturz und zog sich eine stark blutende Wunde zu. Nach ersten Infos war kein Arzt zur Stelle, was aber nun vom Technischen Direktor der Staatsoper, Thomas Platzer, dementiert und glaubhaft richtig gestellt wurde. Entgegen anderen Vermutungen in unserem Forum hat die Staatsoper hochrangig reagiert (Herrn Holender geht das wirklich nichts an) und auch unsere Forumsteilnehmer mögen künftig die Qualifikation einer Ärztin nicht nach der Größe ihres Handtäschchens beurteilen. Die "zweite Besucherin" neben unserer Informantin war offensichtlich die Theaterärztin, warum sie sich nicht als solche zu erkennen gab und Neugierige und Hilfsbereite vom Unfallort weisen ließ (und sich und dem Haus damit diese Irritationen erspart hätte), verstehe ich nicht ganz. Die Staatsoper trifft jedenfalls keine Schuld, die Erstversorgung lag in Verantwortung der Theaterärztin!

Direktor Holender probt übrigens heute für seinen neuen Job als Talkmaster, den er aber heftig dementiert. Im SAS Radisson-Hotel am Wiener Parkring präsentiert er mit dem Autor, dem Regisseur, Journalisten und Schriftsteller Paul Flieder, dessen Buch "Der Barbier von Bagdad - Leben, Sterben, Glauben im Irak". Kein Opernthema also! Das will ich mir nicht entgehen lassen!

Da jede Menge Arbeit auf mich wartet, verabschiede ich mich mit Wünschen für einen schönen Tag!

A.C

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Mittwoch, 16. September 2009

Eigentlich müsste ich heute wieder Christian Thielemann - wie immer grimmig dreinschauend - auf dem "Photo des Tages" zeigen. Ich verzichte darauf, weil erstens das Damrau-Photo ein Kunstwerk ist, zweitens wir ab gestern auch ein Interview mit Diana Damrau in unserer Rubrik haben, sich drittens eine Pressemeldung über ein Konzert in Hamburg mit ihr befasst und mich viertens das Theater um Thielemann bereits nervt!

Ganz begeistert schickte mir gestern Thielemann-Fan und Merker-Redakteurin Dorothea Zweipfennig einen Artikel aus der "Bild-Zeitung": "München geht wieder auf Thielemann zu". Was DZ so begeistert hat, stimmte mich nachdenklich - ich kann nämlich die Politikersprache deuten. Die Stadt München hat Dirigent Christian Thielemann nach dem Streit um seine Vertragsverlängerung bei den Münchner Philharmonikern nun doch wieder ein Gespräch angeboten. «Das Vertragsangebot liegt vor und es scheint nicht ausgeschlossen, dass der Stadtrat bei einer Zustimmung von Herrn Thielemann im Interesse der Sache eine Vertragsverlängerung erneut diskutieren würde», sagte Kulturreferent Hans-Georg Küppers am Dienstag in einer Mitteilung.
Liebe Doro, soll ich das für Dich auf "Politisch" übersetzen? Das heißt: Eigentlich planen wir längst ohne Thielemann. Aber reden kann man natürlich über alles. Zumindest würden Gespräche die Thielemann-Fans beruhigen. Wir werden versuchen, aus Thielemanns Verhalten und Bedingungen bei diesen "Verhandlungen" einen stärkeren Ablehnungsgrund als den bisher vorliegenden zu finden. Denn selbst wenn Thielemann den Vertrag so unterschreibt, wie er vorliegt, bedeutet das noch lange nicht, dass wir ihn noch akzeptieren. Verhandlungsspielraum hat Herr Thielemann keinen, vielleicht bieten wir ihm ein juristisches "Zuckerl" in der Formulierung an, damit er sein Gesicht wahren kann.

So, liebe Doro, lautet die Übersetzung in die "Österreichische Politikersprache". Dass sich die "Bayerische" stark von dieser unterscheidet, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht ist auch dieser Kulturreferent der Politikersprache noch nicht so ganz mächtig. Aber er klingt nicht untalentiert!!

Apropos "nicht untalentiert". Gestern war ich bei der Buchpräsentation "Der Barbier von Bagdad - Leben, Sterben, Glauben im Irak" - ein Report über die Lage im Irak. Autor ist Paul Flieder, erschienen ist das Buch im Residenz-Verlag (ISBN 978-3-7017-3148-0). Wenn es so interessant geschrieben ist, wie bei der Präsentation darüber gesprochen wurde, dann müssen Sie es sich unbedingt kaufen (€ 19,90.). Star des Abends war aber Staatsoperdirektor Ioan Holender, der das Gespräch moderierte. Was ist der Unterschied zwischen einem Autor und einem Moderator? Der Autor kann sein Manuskript immer wieder umarbeiten, neu formulieren. Der Moderator muss spontan reagieren. Auch ich habe oft ganz gute Einfälle, die kommen mir aber nicht dann, wenn ich sie brauchen würde, sondern in der Nacht bei einer Replik des Gesagten. Dort nützen Sie mir nicht mehr viel, deshalb bin ich als Schreiber besser als als Redner. Holender hat diese spontanen Einfälle zur richtigen Zeit und verbindet diese mit Ironie. Zwei Beispiele gefällig: Als die Mikrophonalage zu spinnen begann, fühlte sich Holender "wie in Mörbisch"! Paul Flieder, diesmal in der Rolle des Regisseurs, meinte, dass Martin Kusejs Inszenierung des "Don Giovanni" zum Beispiel die Mongolen keineswegs verstehen würden. Holender warf ein: Ich wusste gar nicht, dass wir hier so viele Mongolen haben". Aber er spricht auch aus, was Fakt ist, ohne die "um den Brei Herumrederei" eines Franz Zoglauer: Auf die etwas weltfremde Frage, ob wir mit Opernprojekten, etwa mit einer Aufführung des "Don Giovanni" in Bagdad, den Leuten im Irak helfen könnten, sagte er klar, dass die Leute dort wohl andere Sorgen als Oper haben. Und auch, dass Daniel Barenboims israelisch-palästinensisches Orchester zwar eine nette Idee sei, im Grunde genommen aber überhaupt nichts bringt. Ich füge sogar noch hinzu, es ist eine hervorragende Geschäftsidee, denn in der Stadthalle zu Bayreuth standen die Besucher nach einem mittelprächtigen Auftritt des Orchesters pflichtschuldigst förmlich Kopf - wohl auch nachzulesen im "Merker" - online wie im Heft. Holender scheut sich also nicht, solche Sachen anzusprechen - und deshalb glaube ich ihm sein Dementi bezüglich der Moderatoren-Karriere nicht. Und wenn er es tatsächlich ernst gemeint hat, dann möge er es überdenken. Denn allein der Unterschied zwischen Franz Zoglauer und Ioan Holender würde einen hervorragenden Moderator ergeben! Holender ist ein Naturtalent, man kann ihn eigentlich gar nicht wirklich mögen! Aber man muss seine Stärken anerkennen! Und wenn er irgendwann einmal etwas der Nation mitzuteilen hat, dann steht ihm diese Kolumne als Gastautor jederzeit zur Verfügung!

Und wenn wir schon heute um Politik nicht herumkommen, dann bietet die Presseschau ein Beispiel, wie unklug Theatermacher sein können. Die Politiker sind nämlich wichtig, sie beschließen den Etat der Theater. Wenn die Intendanten von den Politikern etwas wollen, dann kriechen sie selbst zu Kreuze. Wenn sie das Geld aber haben und dafür Abrechnung legen müssen, sagen sie unter fadenscheinigsten Gründen ab und entsenden die zweite Garnitur zum Rapport: "Seit den drei Opern in Berlin 20 Millionen Euro mehr pro Jahr zur Verfügung stehen, hat sich das Angebot spürbar verschlechtert. Das war der geäußerte Eindruck der Parlamentarier am Montag, als sich die Spitze der Opernszene zum Rapport im Kulturausschuss antrat. In Zeiten, als es den Bühnen an den Kragen gehen sollte, kartete CDU-Mann Michael Braun nach, hätten die Intendanten im Kulturausschuss „mit Verve“ für ihre Häuser geworben. Gestern dagegen ließen sich sowohl Kirsten Harms wie Andreas Homoki entschuldigen, Staatsopern-Interimsintendant Ronald Adler sowie die Verwaltungsdirektoren der anderen beiden Häuser beließen es bei rechtfertigenden Hinweisen auf innerbetriebliche Zwänge. Am besten schlug sich noch Susanne Moser von der Komischen Oper, denn mit der neuen Bestuhlung samt Displays für den Librettotext in der Lehne ist die Bühne in der Behrenstraße das einzige Haus, in dem mit den Zusatzmillionen vom Senat der Service für die Besucher tatsächlich sichtbar verbessert wurde".

Dazu passt auch, dass ein Herr Menasse seine Rede beim Linzer Brucknerfest zu einer Politikerbeschimpfung ausarten liess, wärend er bei den ORF-Sommergesprächen ein "rhetorisches Mittelgewicht" als "Gegner" zugelost bekam und selbst dabei nicht als glorioser Sieger aus dem Ring stieg.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Mittwoch!

A.C
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Donnerstag 17.9.2009

Ernst Märzendorfer ist tot. Dass er bereits 88 Jahre alt war, wusste ich nicht. Denn noch vor einem Jahr saß er im Wiener Musikverein neben mir und erzählte von seinen Zukunftsplänen (u.a. "Die Zauberflöte" in St. Margarethen). Volksopernsänger Stefan Tanzer sandte mir diesen Nachruf, der in Aktuelles in voller Länge zu lesen steht, den ich aber hier nur auszugsweise veröffentliche: Ernst Märzendorfer konnte unvergleichlich schimpfen und zetern, aber es ging ihm wohl immer um die Sache. Er hat nicht sich selbst in den Vordergrund gestellt, sondern immer das Werk, um das er sich jeweils annahm. So schwierig das bei ihm manchmal auch sein konnte. Und gerade die „Zauberflöte“, die er letztmalig im vergangenen Mai ein paar Tage vor seinem 88. Geburtstag bei uns an der Volksoper dirigiert hat, war für ihn etwas ganz Besonderes. Er hat sie mit uns nicht bloß aufgeführt, sondern wirklich gefeiert. Gerade diese letzte Vorstellung lebte von einer ganz eigenen Exklusivität. Als hätte er geahnt, das Werk nie mehr wieder leiten zu können. Mag sein, daß seine Zeichengebung nicht immer übermäßig eindeutig war, da gab es sicher begabtere Kollegen als ihn. Man mußte ihn erst „lesen“ lernen. Aber sein Wissen, seine spannende Probenarbeit, seine reiche Erfahrung – all das war faszinierend. Und das werden wir vermissen...

An der Wiener Staatsoper musste gestern "Manon Lescaut" wegen Erkrankung von Neill Shicoff abgesagt und durch "Die Zauberflöte" ersetzt werden. Da werden sich all jene Besucher besonders gefreut haben, die "Die Zauberflöte" 2 Tage vorher bereits gesehen haben. Die Pressemeldung in unserer Presseschau ist von gestern und sagt nichts darüber aus, warum es in der doch ausreichend erscheinenden Zeit (immerhin konte man eine Vorstellungsänderung durchführen) nicht möglich war, für diese vielgespielte Oper einen halbwegs geeigneten Tenor aufzutreiben. Denn verwöhnt war das Publikum in dieser Serie ohnehin nicht. In der Vorwoche besuchte eine Rezensentin "Manon Lescaut" und bat mich, auf die Kritik zu verzichten. Sie wollte den Sänger des Des Grieux nicht runtermachen, aber lügen wollte sie auch nicht. Besonders unser Forum fürchtete sie, weil sich dort sofort eine Gegenbewegung organisiert hätte. So weit sind wir leider schon. Aber warum es einem Mann wie Ioan Holender nicht möglich war, binnen 10 Minuten einen Des Grieux aufzutreiben, muss mir erst einmal jemand erklären!

Um den Herrn Thielemann komme ich wieder nicht herum. Gestern musste ich mir Vorwürfe wegen destruktiver Berichterstattung gefallen lassen. Dabei habe ich die Wortmeldung des Kulturreferenten nur so gedeutet, wie sie ganz offensichtlich gemeint war. Christian Thielemann weiß nämlich nichts von einem Gesprächsangebot, er verkehrt mit den Münchner Stadtpolitikern derzeit über die Presse. Es muss ja nicht gleich die "Bild-Zeitung" - wie in diesem Fall - sein. Eine andere Zeitung schreibt: Mit Skepsis hat der Münchener Generalmusikdirektor Christian Thielemann in Dresden auf die Nachricht einer neuerlichen Gesprächsbereitschaft des Münchner Stadtrats reagiert. „Ich bin überrascht, dass ich die Nachricht aus der Presse erfahren musste“, sagte er im Gespräch mit der F.A.Z. „Wenn man bereit ist, mit mir zu verhandeln, warum ruft man mich dann nicht direkt an?“, fragte der Dirigent. Umgekehrt klagt auch der Münchener Kulturreferent Hans-Georg Küppers im Gespräch darüber, dass „nur über die Presse kommuniziert werde“. Er selber habe schon direkt nach der Stadtratsentscheidung im Juli den Kontakt gesucht; dieser sei aber „leider nicht zustande gekommen“. Küppers betonte, dass das Vertragsangebot nach Auffassung der Stadt nur einen einzigen strittigen Passus enthalte. Er betreffe die Verantwortlichkeit für Dirigenten und Programme der nicht von Thielemann selbst dirigierten Konzerte. Er laute wörtlich: „Gastdirigenten, Programme und Solisten werden in Abstimmung mit dem Generalmusikdirektor vom Intendanten festgelegt, die Letztverantwortung liegt nach Anhörung des Orchestervorstands beim Intendanten.“

Was so einfach nach Lösung klingt, ist allerdings schwierig. Denn es geht um die Kompetenzen, die alle bei Thielemann liegen sollen, so meint zumindest er selbst. Angeblich hat man kürzlich für die Administration eine Mitarbeiterin ohne Wissen des Kapellmeisters engagiert, die dieser nun auch wieder loswerden will. Weil sie nicht von ihm kam? Gar so einfach ist die Sache also nicht!

In Köln steht am Sonntag ein interessantes Rollendebüt bevor: Johannes Martin Kränzle, ein grossartiger Sängerdarsteller, singt den Beckmesser (Inszenierung Uwe-Eric Laufenberg): Technisch ist die Partie des Beckmesser, daran lässt Kränzle keinen Zweifel, „nicht ohne“: „Die Lage ist nicht immer angenehm. Die Höhen muss man locker nehmen, sonst geht es nicht.“ Er setzt vor allem auf „klare Diktion - über das Wort muss die Situation erfasst werden.“ Wagner interpretiert der gebürtige Augsburger, der über die Violine, das Komponieren und das Studium der Musiktheaterregie zum Gesang gekommen ist, übrigens erst seit wenigen Jahren: „Bislang habe ich das lyrisch-leichte Fach gesungen, viel Mozart.“ Erst mit knapp 50 Wagner - ist das nicht bedauerlich und zu spät? „Nein, gar nicht, andere müssen in meinem Alter aufhören, weil sie zu früh zu viel Wagner gesungen haben. Ich habe mich geschont, auch mal 'ne Rolle bewusst nicht gemacht, und bei mir geht es jetzt so richtig los.“ In der Tat, Daniel Barenboim hat ihn für die Rolle des Alberich im „Ring“ verpflichtet.

Wenn ich nun auf die Vorgänge im Wiener Augarten zu sprechen komme, dann bin ich wieder mitten in der Politik, die auch an dieser Stelle ein heisses Pflaster ist. Wenn ich das sage, was ich mir denke, dann wird mir wiederum politische Einflussnahme unterstellt. Warum darf ein Kolumnist keine eigene Meinung äußern, ohne sofort angeschossen zu werden. Ich äußere mich ja nicht zur Asylpolitik unserer Innenministerin oder zu den Umverteilungsplänen innerhalb einer Regierungspartei. Alles hier hat seinen Bezug zum Thema "Musiktheater". Meine "großen Kollegen" von den Tageszeitungen haben es da leichter, die greifen sich ein Thema heraus und schreiben womöglich auf Vorrat. Alles in unserem Leben ist irgendwie politisch. Wenn das ein Tabu-Thema ist, brauchen wir diese Startseite wirklich nicht mehr - und jeder soll sich raussuchen, was er gerade findet. Seien Sie mir bitte nicht böse, aber das Usedomer Mendelssohn-Symposion gibt journalistisch nichts her.

Auch irgendwie politisch, weil die Sterzahler die Subventionsgeber sind: Die Festspiele klagen über sinkende Besucherzahlen. Eutin hat mit etwa 60 % Auslastung eine geradezu erschütternde Bilanz, das weit bedeutendere Lucerne-Festival klagt auch über einen Rückgang, wenngleich nur um wenige Prozentpunkt. Über Salzburg haben wir bereits berichtet, Mörbisch verzichtete für heuer vorsichtshalber gleich auf eine Bilanz. Man redet sich allerorten auf die Wirtschaftskrise aus. Haben die Herrschaften schon mal überlegt, ob es nicht bereits viel zu viele Festspiele gibt? Juli/August ist Urlaubszeit, das heißt auch "Urlaub von den Gewohnheiten". Auch für Theaterbesucher, denn die Intendanten wollen doch ein neugieriges Publikum für den Theateralltag.

Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche allen einen schönen Tag!
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Freitag 18. September 2009

Das ist schon ein gewaltiges "Stück" den Besuchern gegenüber. Diese kaufen Karten für Manon Lescaut und sehen dann die Zauberflöte. Das ist, als würde ein Rapid-Fan zu einem Spiel seines Lieblingsvereines gehen - und plötzlich spielt die Konkurrenz, die "Austria". Apropos Rapid: eine etwas stolzgeschwellte Brust dürfen wir Österreicher heute schon haben, denn immerhin besiegte unser Renommierclub gestern den deutschen Tabellenführer HSV mit 3:0. Dabei wollte mich unser Mitarbeiter Dr. Klaus Billand, gebürtiger Wuppertaler, zum Besuch des Spieles animieren, damit ich endlich ein gutes Fußballmatch sehe. Gottlob bin ich nicht gegangen, weil da kann ich mir gleich Mattersburg ansehen - die sind besser als der HSV, der einige Gehbehinderte in seinen Reihen hatte.
Aber zurück zur Wiener Staatsoper. Warum konnte tatsächlich kein "Des Grieux" aufgetrieben werden? Ich erhielt gestern einige Mails, die aber über Vermutungen nicht hinausgingen. Immerhin gewann ich dadurch Einblick in das "Geschäft" - und sollte es womöglich ein zweites Leben geben, werde ich vielleicht Sängeragent. Da wurde von Pauschalsummen berichtet, auch dass der Sänger womöglich seinen eigenen Ersatz auftreibt und davon noch zu profitieren versucht etc. Das alles hat ja in diesem Fall nicht stattgefunden, aber im Normalfall ruft ein Direktor eine oder zwei Agenturen an, geht auf einen Kaffée - und wenn er zurückkommt, liegen drei Vorschläge auf seinem Schreibtisch. Das ist ja keine "exotische Rolle", die hat doch bald ein Tenor "drauf" . Was da wirklich war? Wir werden es wohl nie erfahren!

Wie es in Theatern zugeht, erfahren wir in einem Artikel unserer Presseschau. Freilich sind die angesprochenen Sitten schon sehr überholt, sie stammen aus Emmanuel Schikaneders Wiener Freihaustheater (1787-1801) am Naschmarkt. Dort mussten Schauspieler (und wohl auch Sänger) bei Vertragsunterzeichnung gleich "Benimmregeln" mit unterschreiben: Benimm-Regeln für Darsteller
Im sogenannten "Bühnen Kontrakt" von Maria Josepha Hofer, Mozarts Schwägerin, datiert mit 9.Oktober 1790, schreibt Schikaneder etwa den Umfang der zu lernenden Rollen fest, aber auch, wie sich die Schauspieler zu benehmen hätten. Sie sind angehalten zu:
a) guter häuslicher Aufführung. b) Vermeidung des Schuldenmachens. c) Vermeidung aller Kabale. d) aller Unordnung, alles Zankes, Raufereien, Schlägereien, Nachtschwärmens, Rollen-Neides und Rollen-Streites, kurz alles desjenigen, was auch nur von der entferntesten Seite durch Muthwillen das Ganze der Gesellschaft und der Direktion beleidigen könnte. Bei der dritten deshalb zu machen nöthig seienden Erinnerung wird der betreffende Theil auf der Stelle sich der Abdankung zu unterziehen haben.

Dass man den Direktor nicht durch Absagen in Verlegenheit bringen darf, steht zwar nicht eigens drin, war aber wohl als selbstverständlich vorausgesetzt!

Ich schäme mich nicht, mich hier als Leser der "Kronen-Zeitung" zu outen. Deren Atout ist das handliche Format, aber wenn man lange genug in der Zeitung blättert, findet man auch Lesenswertes. Bei anderen Zeitungen - die ich selbstverständlich auch lese, habe ich schon mal die Kafféetasse umgeworfen. Mit der "Bild-Zeitung"hätte ich Probleme, nicht nur wegen des Formats. Die erinnert mich an meine Zeit als Fußballfunktionär und erste Ansprechstation für lokale Wiener Sportjournalisten, wenn diese rasch eine Story brauchten. "Hams a G'schichterl?" wurde ich gefragt. Oft hatte ich eines anzubieten. Wenn nicht, war das auch kein Problem. "Dann erfind ma halt schnell was".

So in etwa verhielt es sich wohl mit dem "Zugehen der Münchner Stadtpolitiker auf Christian Thielemann". Der wartet nämlich vergeblich auf einen Anruf aus München (ich würde nicht zu lange warten). Diese Geschichte war ein sogenannter "Füller". Die "Akademie der Künste" bringt aber das Verhalten der "Münchner" (gemeint sind in diesem Fall immer nur die Politiker) irgendwie doch auf den Punkt: Die Bayerische Akademie der Schönen Künste etwa warf der Stadt am Donnerstag vor, Thielemann mit dem Gesprächsangebot zu demütigen. Da die Stadt wiederholt gesagt habe, der von Thielemann kritisierte Passus bleibe, wie er ist, habe sie sich in der Sache keinen Millimeter auf den Chefdirigenten zubewegt. “Man gibt sich also vonseiten der Stadt immer noch der Illusion hin, dass Thielemann diesem Angebot zustimmt“, heißt es in der Mitteilung der Akademie.

Die Kritiken der Wiener "Ronacher-Aufwärmaktion" von "Tanz der Vampire" sind auf den Markt - und unsere Merker-Kritikerin Dr. Renate Wagner war - entgegen ihrem Ruf - da sogar noch recht wohlwollend gestimmt. Von "Zombie-Kitsch im Ronacher" ist anderswo die Rede.

Die nunmehr "2 Tenöre" sind immer noch sehr aktiv und eilen von einer Ehrung zur anderen. Während Domingo den "Nilsson-Award" eingeheimst hat (immerhin hoch dotiert), macht es José Carreras akademischer. Die Uni-Regensburg ehrt ihn nun für seine Stiftung.

Gestern hatten wir übrigens "Verhaltensregeln für Konzertbesucher" anzubieten, deren Erwähnung ich glatt vergessen habe. Aber Sie können ja noch nachlesen, damit Sie bei Konzerten nicht zur Unzeit applaudieren.

So, das war's in Eile für heute, auch praktisch ohne Politik. Mein Gerät in der Wohnung war nämlich unpässlich, deshalb musste ich raschest in mein Firmenbüro eilen. Obwohl ich schon im Ruhestand bin! Dort war ich um 6,30 h der Erste! Das hätte es zu "meiner Zeit" nicht gegeben!

Ich wünsche einen schönen Tag, wiederum naht ein Wochenende!


A.C
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Donnerstag 1.10.2009
"Lulu" am Theater Basel. Das Theater wurde "Bestes Opernhaus im deutschsprachigem Raum. Photo: Jörg Michel/Theater Basel

Man merkt es am Startbild - ich bin wieder zurück in Wien. Ich war natürlich nicht in Yerevan, um von dort über eine Ballettaufführung zu berichten. Über Details will ich - nach reiflicher Überlegung - an dieser Stelle nicht berichten. Erstens sind wir kein politisches Medium, zweitens bin ich außer Landes, aber meine Freunde müssen dort leben. Die will ich nicht gefährden. Also berichte ich dort, wo es hingehört und auch notwendig ist. Nur soviel: ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem es zwar den einen oder anderen politischen Wurstel gibt, in dem wir aber keine EU-Kommision brauchen, um die Rechtmässigkeit von Wahlen zu beurteilen. Wobei über die (dubiose) Rolle der Kommission viel zu sagen wäre - aber an geeigneterer Stelle!

Es gibt die Zeitschrift "Opernwelt", die vergibt sozusagen die "Oscars" der Opernwelt - zumindest in unseren Breiten. Wer sie dazu legitimiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber sie hatte halt als erste Zeitung dieses Genres diese Idee. Wie das funktionieren kann, weiß ich auch nicht, aber es kommen doch immer wieder Sieger hervor, die sich mit stolzgeschwellter Brust ob dieses Preises präsentieren. Soll sein, diesmal wurde das Theater Basel "Bestes Opernhaus" - es sei ihm gegönnt!
Beim "Merker" hatten wir auch schon einschlägige Ideen. Besonders Großzügige wollten sogar ein Merker-Abo mit diesem Preis verbinden. Bisher konnten wir diesem Schwachsinn widerstehen, aber wer weiß, wie lange diese Einsicht anhält. "Wer Preise stellt, der will am End noch, dass man ihm gefällt" - so lautet - abgewandelt - ein Zitat aus den "Meistersingern". Da kann der Preisverleiher doch gleich seiner Freundin das Geld in den Ausschnitt stecken - mit einem Zeitungsabo wird sich diese nicht zufrieden geben!

"La Bohème im Hochhaus" wurde von Renate Wagner gestern bereits abgehandelt. Deren Kommentare sind sachlicher als meine, vor "Fettnäpfchen" ist sie freilich auch nicht gefeit (siehe unsere Forumsdiskussion über Herrn Polanski). Ich finde es gut, wenn diese Kolumne von mehreren Autoren geschrieben wird. Jeden Tag das gleiche Essen schmeckt auch nicht. Das habe ich auch in Yerevan bemerkt, wo ich mich nach einem Wiener-Schnitzel gesehnt habe! Ob die nun genannten Zuschauerzahlen des Schweizer Fernsehens ein Erfolg oder eine Pleite waren, ist - wie so ziemlich alles im Leben - relativ!

Seit Kirsten Harms mitgeteilt hat, dass sie ihren Vertrag an der Deutschen Oper Berlin selbst dann nicht verlängern würde, wenn ihr das die Stadtverwaltung anbieten würde (vielleicht wusste sie schon mehr, als sie zugibt), wird sie plötzlich interessant und auch fairer behandelt.

"Ich halte es für absurd, wenn Altbauern ihre Höfe nicht übergeben wollen. Ich halte es für richtig, dass man in Pension geht." Das sagt "Altbauer" Engelbert Köb, für den Renate Wagner gestern eine Lanze gebrochen hat. Glücklich ist er freilich nicht, dass ihn der etwas eigenwillige Entschluss der österreichen Kulturministerin selbst betrifft. Auch der Züricher Kulturchef muss in Pension gehen - und motzt herum. Das ist der Lauf der Welt!

Elina Garanca hat nichts "Divenhaftes" an sich, das behauptet zumindest die "Berliner Morgenpost". Wobei wir wieder bei der Relativität wären. Wer, wenn nicht die auf mich stark unterkühlt wirkende Garanca, ist eine Diva? Schön, das wir alle so unterschiedlich empfinden.

Nun zum "Fettnapf" unserer Renate Wagner. Die Polanski-Diskussion geht munter weiter - und die Stimmung scheint gegen Polanski zu kippen. Schuld daran sind - wie meist in solchen Fällen - "Freunde" aus Künstlerkreisen, die sich ungefragt zu Wort drängen. "Wer im Filmbusiness Rang und Namen hat, macht sich für Polanskis sofortige Freilassung stark und verurteilt heftig dessen Festnahme. Bereits haben etwa 100 von ihnen eine Petition zur Unterstützung des Regisseurs unterschrieben. Zu den Unterzeichnern gehören so berühmte Namen wie Woody Allen, Pedro Almodóvar, Martin Scorsese oder Costa Gavras. Doch mit der Empörung über Polanskis Tat wächst auch jene über seine prominenten Fürsprecher. So fragt ein Kommentar in der Online-Ausgabe der deutschen «Welt»: «Medien, Prominente, sogar hochrangige Politiker fordern vehement seine Freilassung. Ein unvorstellbares Szenario – hiesse der Mann nicht Roman Polanski». Die Stimmung kippt zunehmend auch in jenen Ländern, wo sich besonders viele für den polnischen Regisseur eingesetzt haben.
Und in einem anderen Blatt ist folgende Formulierung zu lesen: Seit seiner Flucht vor einem amerikanischen Gericht hat sich der Filmemacher, man könnte sagen, kulturell rehabilitiert. Jedenfalls für die Kulturöffentlichkeit". Ist der Schreiber dieser Zeilen von allen guten Geistern verlassen? Weiss dieser Trottel eigentlich, was er da schreibt? Gibt es bei solch einem Delikt eine "Kulturelle Rehabilitation"? Sind denn bereits alle Künstler und deren Hofschreiber von Hybris befallen?
Eine "kulturelle Rehabilitation" des Herrn Polanski lehne ich persönlich ab, eine faire Beurteilung der Angelegenheit fordere ich aber. Ich frage mich: War das eine Kinderjause, zu der Herr Nicholson geladen hattte? Wenn nicht, was macht eine 13-jährige auf einer "Erwachsenenparty"? Hat sie sich älter gegeben, als sie tatsächlich war? Ich bin weit davon entfernt, das Opfer zum Täter zu machen - wie das heute modern ist! Aber bevor wir verurteilen, sollten wir einmal die Antworten auf die von mir gestellten Fragen haben. Ich weiß nämlich wirklich überhaupt nichts über diese Geschehnisse. Deshalb verurteile und verteidige ich nicht!

Mit dieser Selbsterkenntnis wünsche ich Ihnen allen einen schönen Tag!
A.C.

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Samstag 3.Oktober 2009

Sonntag gehe ich in die Oper. "Lohengrin" an der Wiener Staatsoper in der Kosky-Inszenierung. Genauer gesagt, ich gehe nur zu einer Zwei Drittel-Oper, denn den ersten Akt versäume ich (ob leider, bleibt dahingestellt). Um 15,30 h beginnt in Gablitz/Nö ein Fußballspiel, bei dem ich als Schiedrichter fungiere, nach dem Schlusspfiffe hetze ich in den Musentempel. Warum gehe ich dann überhaupt? Weil ich relativ günstig zu guten Karten gekommen bin, die ich mir sonst nie leisten würde. Und das bei "Lohengrin"! Offenbar haben auch schon die Touristen einen guten Riecher und füllen unserem Direktor nicht bei jedem Schmarren das Haus. Oder es wird ihnen gleich gar nicht von den Touristen-Organisationen angeboten, denn immerhin haben die einen Ruf zu verteidigen. Warum ich Ihnen diese relativ private Geschichte erzähle? Weil uns in der Presseschau ein Nachzüglerbericht über die New Yorker "Tosca" des Herrn Bondy vorliegt. Bisher habe ich angenommen, dass Berichte von der x-ten Reprise eher nur im Zeitungs-Amateurbereich vorkommen, wenn also ein unbezahlter Mitarbeiter zufällig in New York ist, dort Zeit hat und berichtet. Aber es ist offenbar auch im professionellen Bereich so - und in diesem Bericht kann man sogar interessante Sätze lesen: Die Opposition gegen diese Inszenierung entstand vermutlich wegen der Ablöse der alten Zefirelli-Produktion. Dass die Protestwelle von Franco Zefirelli selbst aufgerührt wurde, darf bezweifelt werden. Er ist wohl zu klug, sich mit der Direktion der MET anzulegen. Speerspitze dürfte ein Teil der eher konservativen Sponsoren gewesen sein, die man vielleicht in den Bayreuther Schlingensief-"Parsifal" oder den Wiener "Lohengrin" schicken sollte, damit sie wissen, was sie an Luc Bondys "Tosca" wirklich haben.
Es ist so, in der Tat! Bondy hat dort eine stinknormale Tosca gemacht, weil er ja nicht blöd ist und daher weiß, wo die Amerikaner ihre Grenzen ziehen. Und Kosky ist deshalb nach Europa gegangen. Und ich komme zu preisgünstigen "Lohengrin"-Karten. Soll ich Herrn Kosky dafür dankbar sein?

Gustavo Dudamel gibt der "Zeit" ein Interview. Er gibt sich gerne etwas unkonventionell, ist es im Herzen aber offenbar nicht so ganz. Aber die modernen Technologien nutzt er natürlich - hier zumindest ist ein Vergleich mit H.V.K. nicht gar so weit hergeholt: "Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund von Mobiltelefonen (lacht). Die neuen Technologien sind aber sehr hilfreich, wenn es darum geht, junge Leute zu erreichen. Wir müssen unsere Musik anders vermitteln als früher und dabei ein hohes künstlerisches Niveau beibehalten. Wichtig ist, dass die Musik lebendig bleibt und keine Routine spürbar wird. Die Eröffnungsgala wird live im Internet übertragen und später in mehreren Ländern – auch in Deutschland – im Fernsehen gesendet. Fast alle meine Konzerte können außerdem bei iTunes heruntergeladen werden. Großartig finde ich auch die Live-Übertragungen der Berliner Philharmoniker in der Digital Concert Hall. So etwas haben wir in Los Angeles bisher nicht."

Am Münchner Gärtnerplatztheater war die "Giovanna d'Arco" -Premiere, in Frankfurt steht die Premiere der beiden Einakter bevor. Und Irritationen gibt es am Wiener Burgtheater: Gert Voss stört sich daran, dass Burgtheater-Direktor Matthais Hartmann ihn nicht persönlich darüber informiert hat, dass der Mephisto in Faust neu besetzt wurde.
Voss zu ÖSTERREICH: "Ich bin überrascht und traurig, dass ich diese Nachricht aus den Medien erfahren musste. Ich hatte mir schon gedacht, dass der Mephisto neu besetzt werden muss, alle Oktober-Vorstellungen von Faust I sind ja längst ausverkauft. Und natürlich gibt es im großen Ensemble des Burgtheaters einige Schauspieler, die das spielen könnten. Ich finde es aber indiskutabel, dass Matthias Hartmann mich davon nicht persönlich informiert hat. Das sind Umgangsformen, die mir nicht behagen."
Schon tags zuvor hatte Voss gegenüber ÖSTERREICH angekündigt: "Ich werde darum kämpfen, so bald wie möglich wieder aufzutreten. Wenn es nicht anders geht, würde ich den Mephisto auch im Rollstuhl spielen Der Mephisto ist eines der schönsten Geschenke für einen Schauspieler. Und dass ich vom Publikum mit frenetischem Applaus belohnt worden bin, hat mich sehr glücklich gemacht."

Da haben zwei offenbar nicht miteinander geredet. Ehrlich gesagt, ich habe auch nie verstanden, dass etwa ein Cavaradossi nicht mit einem Gipsbein auftreten kann. Der Rollstuhl ist ein beliebtes Requisit heutigen Theaters, warum also kein Mephisto im Rollstuhl? Man würde da zwar aus der Not nicht gerade eine Tugend machen, aber immerhin Gerd Voss trotz momentaner Behinderung als Mephisto ermöglichen. Und Besucher, welche die Inszenierung nicht im Fernsehen gesehen haben, hätten gemeint, das gehöre ohnedies zu Hartmanns Faust-Deutung!

Das mit dem "Nicht zusammenreden" verfolgt auch mich. Über Herrn Polanski will ich derzeit kein Wort hören, denn bezüglich meines "Bedauerns" im Forum hat mich meine engste Mitarbeiterin streng gerügt. Nein, sie hat keinen Grund, sich für irgend einen Sager zu entschuldigen! Ich sehe das zwar auch so, aber ich will meine Ruhe haben. Die Site erfordert so viel Zeit, dass ich mich da nicht den ganzen Tag mit heiklen Formulierungen herumschlagen will. Und bedenken Sie bitte eines: dieser Startseitenkommentar hat nur dann einen Sinn, wenn darin auch überspitzt formuliert werden darf. Auch ich provoziere oft bewusst, denn ansonsten schläft man ja dabei ein. Um zum Nachdenken anzuregen, muss man ganz einfach provozieren. Aber ich habe niemals versucht, jemand meine Meinung aufzuzwingen. Wenn jemand meint, dass ich da oder dort über das Ziel hinausgeschossen habe, dann bedauere ich das wirklich, denn die Leserschaft will ich nicht beleidigen! Das Bedauern kostet mich kein Geld - und der Friede ist wieder hergestellt. Bis zum nächsten Mal! Wenn ich jetzt damit begänne, Bemerkungen über das Fassbinder-Stück in Mülheim zu machen, das ohne irgend einen Protest über die Bühne ging, gingen garantiert die Wogen wieder hoch. Egal was man schreibt, eine Seite trifft man in jedem Fall! Das muss ich nicht haben, also lesen Sie den Pressespiegel!

Schönes Wochenende!


A.C.

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Elina Garanca singt in London die Carmen (eine ihrer zahllosen Carmen rund um die Welt). Wir bringen in den wieder belebten Reviews schon Vorberichte - wenngleich sich die Londoner auch offenbar mehr für Alagna interessieren als für sie! Der sie dafür über die Maßen lobt – vielleicht um seine Frau zu ärgern?
Das Titelbild soll zugleich eine Vorwarnung an Sie sein. Immer wenn Netrebko, Garanca und Co. die Startseite zieren, habe ich kein Topthema für diese Kolumne gefunden. Bei mir sind diese beiden Damen also meist eine Verlegenheitslösung.

Sie können es tatsächlich testen. Lesen Sie die heutige Presseschau - und glauben Sie mir, ich habe sorgfältig rumgestöbert - und versuchen Sie daraus eine halbwegs unterhaltsame Kolumne aus Opernthemen zu machen. Wenn Ihnen das gelingt, engagiere ich Sie doch glatt für mein Team. Es ist so gut wie nichts los, meine besten Kunden halten seltsam still. Holender lässt nichts von sich hören, Thielemann hat offenbar auch eine Nachdenkpause eingelegt, unser Freund Kosky regt auch immer weniger auf und - seien wir doch ehrlich - auch Calixto Bieito hat nicht mehr den Biss von früher. Die Zukunftshoffnung ruht auf Altmeister Neuenfels, der aber seltsamer Weise noch nie den Weg in diese Kolumne fand. Also stürzen wir uns - gemeint ist in diesem Fall auch meine Vertretung R.W. - eben auf Polanski - und geraten damit auf eine gefährliche Gratwanderung. Und die steht mir heute auch noch bevor, wenn ich das wirklich durchziehe, was mir so durch den Kopf schwebt.

Aber zuerst zu einem erfreulichen Thema. Es gibt immer wieder Leute aus dem "Merker-Kreis", die nicht nur Zuschauer in den Theatern sind, sondern selbst Initiativen ergreifen. Das macht zum Beispiel Michael Tanzler in Wien und Niederösterreich mit seinen "Amici del Belcanto", dem es immer wieder gelingt, namhafte Sänger und ganze Orchester für seine Konzerte zu gewinnen. Und jetzt erklimmt ein Merker-Mitarbeiter in Deutschland sogar den Sessel eines Theaterdirektors. Freilich, das Theater gibt es noch nicht, im Moment fungiert Marc Rohde aus Friedberg/Wetterau bei Frankfurt sozusagen noch als Bauherr. Ein altes Hallenbad wird zu einem Theater umgebaut. In Wien würde ich sagen : "soll umgebaut werden" , denn als gelernter Wiener weiß ich, dass hier nichts geschieht, bei dem nicht die Stadt sofort ihre Hand darauf hat. Private Initiativen werden in Wien sofort abgewürgt, ich durfte vor vielen Jahren nicht einmal aus Eigenmittel ein Kunstrasenfeld auf einen gemeindeeigenen Fußballplatz finanzieren. Zum Glück, muss ich heute gestehen - denn möglichweise hätte mich meine Frau damals erschlagen - zumindest hätte sie mich amtlich für unzurechnungsfähig erklären lassen. In Marc Rohdes Heimatstadt Friedberg ist das offenbar anders, eine private Initiative darf das alte Bad vor dem Abriss bewahren und daraus ein Theater machen.


Für die Finanzierung muss der dafür gegründete Verein allerdings auch selbst aufkommen. Spenden für die Theater Altes Hallenbad gGmbH können bei der Sparkasse Oberhessen (BLZ 51850079) auf das Konto 242014987und bei der Volksbank Mittelhessen (BLZ 51390000) auf das Konto 148779805 überwiesen werden. Für das Geld können Zuwendungsbestätigungen nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck ausgestellt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.theater-altes-hallenbad.de . Ich gratulieren "Herrn Direktor" Rohde zu seinen Stadtvätern. Wie heißt es doch so schön bei uns: "Wien ist anders"!

Und jetzt trete ich mit dem Polanski-Thema voll in den Fettnapf und ziehe damit meine Kollegin aus der Schusslinie. Indem ich mich selbst reinbegebe, wie ein Forumsdiskutant, ein ägyptischer Heiratsvermittler, meinte. Vorweg, ich möchte Herrn Polanski nicht verteidigen, privat möchte ich eigentlich an ihn nicht anstreifen. Aber dass der ziemlich undelikate Vorfall gerecht beurteilt wird, das möchte ich schon. Ich bin ein Mann - hatte allerdings "Sex" mit einer bereits Siebzehnjährigen. Ich war damals 20, wir sind immer noch verheiratet, mittlerweile 41 Jahre. Nach 13jährigen stand mir nie der Sinn. Aber Amerika ist da doch etwas anders, wie ich zu beweisen versuchen werde:

Eigentlich ist das ein Nacktphoto. Da wir eine jugendfreie Website sind, ist der untere Teil natürlich abgeschnitten. Das Photo stammt auch aus keiner privaten Sammlung, sondern ist sogar in einem Museum ausgestellt, die Szene entstammt einem Film. Der Film hieß „Pretty Baby“ und war aus dem Jahr 1978 – also genau das fragliche Jahr! . Wie alt ist die junge Dame? Was glauben Sie? Es ist die 10jährige Brooke Shields. Dagegen war das Polanski-Opfer mit 13 sogar schon relativ alt. Haben Sie schon einmal im TV eine Reportage über die in Amerika ungemein beliebten Kinderstar-Wettbewerbe gesehen? Wie dort Kleinkinder aufgemascherlt werden? Und so ein Land reagiert 30 Jahre nach einem - wie auch in unserer Forumsdiskussion verlautet - nicht extrem schwerwiegenden Vorfall mit Haftbefehl. Da gehören aber alle Mütter der Kinderstars gleich mit in den "Häfn"

Alles im Leben ist eben relativ. Das ist einer meiner Lieblingssätze!

Schönen Sonntag noch!

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Montag, 5. Oktober 2009

Südamerika hat sich von der am Sonntag verstorbenen argentinischen Sängerin Mercedes Sosa verabschiedet. In Buenos Aires kamen tausende Menschen in das Parlamentsgebäude, wo der Sarg der Sängerin aufgebahrt war. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner traf sich am Sarg mit den Angehörigen der Verstorbenen. Zuvor hatte sie für Argentinien eine Staatstrauer ausgerufen. Bei allen Fußballspielen im Land wurde eine Schweigeminute abgehalten. In Venezuela sagte Staatschef Hugo Chávez, es sei nur Sosas Körper gegangen, sie selber aber bleibe. Südamerika werde die Sängerin immer im Herzen behalten. Der bolivianische Kulturminister Pablo Groux sagte, Sosa habe immer an der Seite der Armen gestanden. Die kolumbianische Pop-Sängerin Shakira, die mit Sosa mehrere Duette aufgenommen hatte, sagte, Sosa habe "die größte Stimme und das größte Herz für die Leidenden" gehabt. Auch die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet würdigte die Sängerin,

Wir in Europa können uns die Popularität von Mercedes Sosa in ihrer Heimat gar nicht vorstellen. Zufällig traf ich gestern einen früheren Lehrling meiner Firma, einen Argentinier. Zu diesem Zeitpunkt lebte Sosa zwar noch, aber auch dieser junge Mann, der schon viele Jahre in Österreich lebt, weil seinem Vater als Komunisten in Argentinien das Leben unmöglich gemacht wurde, war in großer Sorge.
Lesen Sie die ausführliche Presseschau über den Tod der populären Persönlichkeit!


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Das zweite Thema ist die TRAVIATA-Premiere in Dresden. Andreas Homoki inszenierte - wie zu erwarten war - schrill, aber offenbar doch schlüssig. Mit allen Zutaten, ohne die man heute offenbar nicht mehr über die Runden kommt:

Eine Skandalnudel, Typ Amy Winehouse, ist diese Violetta. "Vom Weg abgekommen", wie sie im Stück-Titel genannt wird, scheint sie nicht, sondern ganz bei sich. Mit kniekurzem giftgrünen, schwarz-rot gemusterten Kleidchen, halb schulterfrei und dem schwarzen Nest-Dutt als Langhaar-Teil stakst sie über die Bühne. In die Usancen der Partygesellschaft wird Neuling Alfredo gleich zu Beginn eingeweiht. Er muss ein Häufchen Koks in die Nase schniefen. Und alle krümmen sich schier vor Lachen darüber, wie er sich anstellt. Das Liebesspiel, das vom ersten Show-Kuss des frischen Paars gekrönt wird, ist so kurz wie die Fummel der Rock-Lady. Die Folgen sind gleichwohl sichtbar. Fürs Ausnüchterungs-Landleben kleidet sich die junge Frau in Jeans-Röckchen mit Karojacke und Internats-Kniestrümpfen. Der Vater Alfredos, der seinen Sohn von ihr loseisen will, ist ein arg biederer Typ wie der Onkel von der Käse-Reklame. Sogar die ganze Rest-Familie hat er im Gepäck, um den Sohn heimzuholen. Der reißt seiner einstigen Geliebten, als er nach geraumer Zeit zu ihr zurückkehrt, das Haar-Teil vom Kopf und ihren nun modisch schwarz-gelben Fummel vom Leib. Da erst wird kenntlich, dass sie eine Moribunde ist. Krebskrank oder so was, schleppt sie sich nur mühsam über die Bühne. Der Tod kommt schnell und plötzlich wie ihre Liebe.

Gestern war ich übrigens bei "Lohengrin" in der Wiener Staatsoper. In der Kosky-Inszenierung macht nun bereits ohnehin jeder, was er will. Und das ist gut so. Die Sänger tragen bereits ihre eigenen Kostüme auf der Bühne, Peter Seiffert verweigert die kuriose Langhaar- Perücke, die bei der Premiere Johan Botha beinahe lächerlich gemacht hat. Sonst hätte er ausgesehen wie der Dirigent Leif Segerstam (mit zunehmendem Alter wird der immer beliebter in Wien) - bei dem sind es aber immerhin die echten Haare. Mit der Zeit regeln sich also viele Dinge von selbst!



Viele Zitate also heute, denn Kommentare werden gerade in letzter Zeit oft missverstanden. Dabei ist eine solche Kolumne eigentlich dazu da, um zu provozieren. Seriöse Information finden Sie in der Website anderswo genug. Als ich der Vorwoche einen Journalistes ob dessen Aussage einen "Trottel" nannte, wurde ich belehrt, dass derlei nicht zu den guten Umgangsformen gehöre. Gestern las ich eine Kolumne in einer großen Tageszeitung, wo zu lesen stand. " Als Letztes braucht die Partei einen Möchtegern-Intellektuellen und Eierkopf wie Sie, lieber "Hasch-Kurti". Empfänger war immerhin der Steirische Landtagspräsident. Politiker müssen mehr aushalten, als "normale Staatsbürger". Aber nicht nur diese - alle Personen, die sich bewusst verstärkt in die Öffentlichkeit begeben, dürfen nicht wehleidid sein. Das gilt auch für Sportler, Journalisten und Künstler (!!). Das haben Gerichte bereits festgestellt, da fährt sozusagen "die Eisenbahn drüber". Man kann es auch einfacher ausdrücken: wer austeilt, muss auch einstecken können!

Da bin ich nun etwas beruhigt und wünsche eine schöne Woche!

A.C.

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Dienstag, 6.Oktober 2009

Man kann sich auf nichts mehr verlassen! Gestern dachte ich, dass mir die Kritiken über die La Traviata-Inszenierung in Dresden genügend "Stoff" für diese Kolumne bieten würden - absolute Fehlanzeige. Alle meine Quellen habe ich angezapft, ich finde keine weitere Kritik. Gestern bin ich ja mit einer Erstkritik darauf eingegangen - diese sollte die bisher einzige bleiben! Dabei hatte ich schon so ein schönes Photo vorbereitet - das finden Sie nun unter "Aktuelles". Wie es möglich war, in eine solch schwierige Inszenierung binnen einer Woche die Hauptfigur perfekt zu integrieren - wo doch sonst mindestens 5 Wochen Probenzeit der Normalzustand sind - würde mich interessieren. Werden etwa vier Wochen immer unnütz verplempert, oder war Rebecca Nelsen ohnedies das Cover von Olesya Golovneva, über deren Gründe für den Ausstieg aus der Produktion man so gut wie gar nichts hörte. Kann ja jemand weiterhelfen?

Wenn man etwas nicht erfahren kann, dann stellt man ganz einfach eine Falschmeldung online - und schon wird dementiert. So geschehen beim Wiener Lohengrin, über den ich in der Kolumne von gestern behauptete, dass Petra Lang als Ortrud wohl ihre eigenen Kostüme verwendet hat. Das war nicht so, es wurden die Baltsa-Kostüme herangezogen. Bekanntlich stieg die Diva vor der Premiere aus der Produktion aus, für Janina Baechle mussten damals völlig neue Kostüme geschneidert werden. Der Staatsoperndirektor, ein bekannter Sparmeister, hat nun offenbar verfügt, dass die alten Baltsa-Kostüme abgetragen werden müssen. Besetzung nach Figur? In diesem Fall wäre es dankenswert gewesen, denn Petra Lang war eine ausgezeichnete Ortrud!
Bei diesem Lohengrin passierte dem "Online-Merker" freilich ein Fauxpas. Über 12 Stunden war zu lesen, dass Peter-Maria Schnitzel eine ausgezeichnete Elsa ablieferte. Erst gegen mittag meinte eine Hamburger Leserin, dass wir die Gags nicht übertreiben sollten. Verehrte Dame - das war kein Gag! Das war das Ergebnis der Nachtarbeitet. Ich habe nachdedacht, wie so etwas passieren kann. Nach einer Woche armenischer Kost sehnte ich mich nach einem Wiener Schnitzel. Also kann das durchaus ein "Freud'scher Verschreiber" gewesen sein. Warum aber "Peter"? Dafür gibt es wirklich keine Erklärung, das schwöre ich hier!


Nichts mit "La Traviata", also ist der "Opernschocker des Tages" die Freiburger "Salome"-Inszenierung. Marcus Lobbes inszeniert am Freiburger Theater Richard Strauss’ Opernschocker Salome - BZ-Redakteur Alexander Dick war bei der Premiere dabei – und strich den Begriff "Werktreue" aus seinem Vokabular. Ganz etwas Neues also!

Eine Rüge erhielten wir im eigenen Forum, weil wird Bartoli und Lang-Lang im Wiener Musikverein geschwänzt hatten, es statt dessen einen Merker-Massenauftritt beim Lohengrin gab. Die Unterstellung, dass der Grund in der Verweigerung von Freikarten gelegen haben mag, ist insoferne nicht stichhältig, als auch alle Karten beim Lohengrin gekauft waren. Dem Sparmeister Holender entlockt selbst Obersparmeister Niki Lauda kein Frei-Ticket. Der Grund liegt anderswo: eine niederschmetternd oberflächliche Veranstaltung. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe). Sehen Sie, zu so etwas geht ein anständiger "Merker" ganz einfach nicht! Im Ernst, wir delegieren nicht, denn sonst müssten wir den Mitarbeitern die Karten auch bezahlen. Das können wir uns nicht leisten, deshalb warten wir, ob ein Mitarbeiter aus eigenem Antrieb dort war. Sie lesen aber 3 Kritiken in unserer Presseschau.

Die Ruhrtriennale unter Willy Deckers erster Intendanz ist fulminant gestartet - dann ist ihr der Atem ausgegangen! Dass sich nunmehr die Zuschauertribünen um die Bühne herumdrehen, ist als Festivalkonzept allein nicht "abendfüllend".

Auch in Dessau stand "Lohengrin" auf dem Programm. Von der Aufführung selbst lesen Sie im Pressespiegel allerdings wenig, mehr von den Reaktionen der lokalen Promis. So urteilt der ehemalige Weill-Fest-Intendant Clemens Birnbaum: "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt". Das kann mehrere Gründe gehabt haben. Offenbar ist er dann aber beim Schlussapplaus eingeschlafen, denn "Andreas" Moses ist Andrea Moses - und somit eine Frau.

In Paris trat ein Theaterdirektor wegen ausbleibender Subventionen in den Hungerstreik. Hätte er mir doch vorher etwas davon gesagt - ich wäre glatt dabei gewesen. Ein paar Kilo weniger täten mir gut!

Zerknirscht ob dieser vergebenen Chance wünsche ich Ihnen einen schönen Dienstag!
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Mittwoch 7. Oktober 2009

"Gott, da muss ich nun hin", meinte die zuständige Merker-Mitarbeiterin, die offensichtlich bei der Premiere nicht dabei war. Nun, ganz so schlimm wird es nicht werden, kommt doch Andrea Moses "Lohengrin" zur Saisoneröffnung in Dessau bei der Presse ganz gut weg. Allzu neu scheint mir die Idee auch nicht zu sein, hat denn nicht Wagner-Urenkelin Katharina vor einigen Jahren in Budapest den Schwanenritter als mediengeilen Jung-Politiker dargestellt? Oder irre ich mich da? Nun zu den Kritiken: Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen. Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.

Der bisherige Intendant Johannes Felsenstein hat sich eher am Textbuch orientiert und war damit nicht unerfolgreich. Also muss jetzt alles anders werden, man muss den Leuten wohl klar machen, dass nun eine andere Ära an diesem Theater angebrochen ist. Wenn man es so klug macht, wie es anscheinend Andrea Moses gelungen ist, ist dagegen nichts einzuwenden. Wir haben in der Presseschau übrigens eine tolle Photostrecke über diese Inszenierung anzubieten. Und unsere Mitarbeiterin wird auch unvoreingenommen in diese Inszenierung gehen, da bin ich ganz sicher.
Lohengrin ist natürlich für jeden Regisseur ein heikles Stück, wie auch die "Meistersinger". Wer heute konventionell inszeniert, dem wird fehlende Distanz zu den Nationalen vorgeworften, im für ihn besten Fall attestiert man totale Einfallslosigkeit. Nun, abkupfern ist auch nicht einfallsreich - aber gar so viele Deutungsmöglichkeiten, wie es deutsche Opernhäuser gibt, bieten sich auch nicht an. Ganz heikel wird es bei den "Meistersingern". Da muss ganz einfach die herrliche Schluss-Szene wegen einiger nationaler Rülpser des Hans Sachs ins Lächerliche gezogen werden. Jetzt mal ohne jedwede Ironie angedacht, könnte man nicht die ärgsten Textstellen entschärfen und dafür den Rücken für eine Inszenierung ohne Bruchstelle frei haben? So etwas müsste doch binnen eines Tages zu schaffen sein! Was meinen unsere Leser?


Etwas anders verhält es sich mit der "Traviata". Nun haben wir doch noch eine Kritik aufgetrieben, unsere Freunde vom "Opernfreund" haben dafür gesorgt. Unter dem Titel "Oper für Opa" wird berichtet: Es beginnt mit leerer aufgeräumter Bühne, die rote Wand schiebt sich hinein, der Sessel steht bereit und eine Partygesellschaft feiert sich selbst. Es wird gekokst, gevögelt und man vertreibt sich die Zeit mit allerlei albernen Spielchen. Violetta, im aktuellen Amy Winehouse Schlampenlook, grellgrüner Supermini, zum wilden Dutt gebändigte Mähne, kommt mit ihrem Lover im Silbersakko zur Party. Der Neuling Alfredo im Karohemd und Jeans wird freudig aufgenommen und darf auch gerne mitkoksen. Als er ein gutes halbes Pfund Wunderpulver einfach wegniest, wird es ihm auch nicht böse genommen. Man hat’s ja.

Für Andreas Homoki ist es zum Verzweifeln. Da will er schocken, und der Rezensent empfiehlt diese Inszenierung seinem Opa.

In Bari wird das traditionsreiche Opernhaus wieder eröffnet. Grund der Totalsanierung: Brandstiftung vor einigen Jahren. In Italien hat das Abfackeln von Opernhäusern eine lange Tradition.

Einige Aufregung im Forum gab es, weil ich einen Ausschnitt aus der einzigen schlechten Kritik über Bartoli/Lang-Lang veröffentlicht habe. Ikonen sind die beiden auch nicht - und ich zitiere ja bloß. Das Konzert mit Lang-Lang unter Zubin Mehta vom gestrigen Abend ist heute bereits rezensiert. Hoffentlich zur Zufriedenheit der Anhängerschaft des Pianisten.


Türkische Musik gibt es angeblich nicht. Dafür, dass es sie nicht gibt, ist sie allerdings recht laut. Ich wohne auch in so einem "Klein Türkei" - in meinem "Grätzel" haben die Türken bereits die Oberhoheit gewonnen und wollen uns Wiener missionieren. Bei offenem Fester dürfen wir die herrlichen türkischen Melodien genießen, Lautsprecher an den Autos sind - soviel ich weiß - genehmigungs- und gebührenpflichtig. Also tut es ein weit geöffnetes Autofenster auch!


Über die Zurückziehung eines Krimis durch einen deutschen Verlag werde ich mich nicht äußern, weil das später gegen mich verwendet werden könnte. Dafür lernen Sie "unter'm Strich" völlig neue Worte kennen, ohne die wir nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch auskommen. "Aufbitchen", "adden" und "dönieren", diese Worte haben uns bisher gefehlt, damit können wir nun unseren Wortschatz erweitern!

Haben Sie, verehrte Leser, bemerkt, dass ich den Kelch "David Letterman" bislang an dem Online-Merker vorbeiziehen habe lassen?

Hoffentlich klüger geworden, wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!
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Donnerstag 8. Oktober 2009

Dessaus "Lohengrin"-Regisseuse Andrea Moses verstärkt künftig Jossi Wielers Team in Stuttgart.

Am vergangenen Wochenende hat die Dessauer Chefregisseurin Andrea Moses mit ihrer Inszenierung von Richard Wagners "Lohengrin" noch für einen ebenso umstrittenen wie umjubelten Einstand am Anhaltischen Theater gesorgt, am Dienstag nun wurde sie bereits vom designierten Stuttgarter Opern-Intendanten Jossi Wieler als seine neue Hausregisseurin ab der Spielzeit 2011/12 vorgestellt. Der international renommierte Regisseur Wieler lobte Andrea Moses nicht zuletzt für ihr Dessauer Debüt als "Persönlichkeit, die unsere Vorstellungen von Musiktheater teilt und uns dabei helfen wird, sie umzusetzen.

So rasch geht es also mit der Karriere. Wir vom "Merker" haben Moses Dessauer Lohengrin zwar noch nicht rezensiert, aber die bisherigen Zeitungskritiken waren durchwegs positiv. Und hinter dem Mond leben wir auch nicht, mein lieber "Onkel Toby" aus unserem Forum. Mit dem gelben Spielzeugauto aus Koskys Wiener Inszenierung fange auch ich - der ich Otti Schenks Inszenierungsstil nun doch schon für überholt halte - nun wirklich nichts an. Aber wer eine Gebrauchsanleitung für seine Inszenierung mitliefern muss, weil es "die Trottel dort unten" sonst nicht kapieren, hat seinen Beruf verfehlt!

Jetzt kommen wir aber zu einem ernsten Thema, das ich nicht veralbern möchte. Ich kann die Nöte und Sorgen der Menschen verstehen . Und der uns vorliegende Brief ist geradezu ein Verzweiflungsschrei. Die Absenderadresse lautete übrigens "Tod den Kritikern", trotzdem fürchte ich mich nicht. Aber lesen Sie selbst:

Beim Lesen dieser Sammlung überheblicher, schwachsinniger Artikel stellt sich die Frage, aus welchen Beweggründen und mit welchem Recht sich Dilettanten als "Kritiker" aufspielen?
Die Beweggründe sind ziemlich klar: da dieses Geschmiere nicht lukrativ ist, bleibt nur Frustration - die meisten sind mit größter Wahrscheinlichkeit verhinderte Pavarottis, Karajans, Ponnelles, Mortiers etc. - und Geltungssucht. Die "professionellen" Kritker sind kein bißchen besser, dieser "Beruf" ist parasitär und niederträchtig, aber die Möchtegerns und Dilettanten sind einfach ekelhaft.
Anstatt an den Leistungen der Leute, die sich Abend für Abend den Arsch aufreissen und ihr Bestes geben bzw. zu geben versuchen, herumzumäkeln, sollten Sie besser auf den größten Mißstand im Kulturbetrieb aufmerksam machen: den Ausverkauf von durch die öffentliche Hand finanzierten Arbeitsplätzen an Ausländer, die sich in unseren Opernhäusern und Orchestern einnisten, während die eigenen Leute auf der Straße stehen. Wenn man zum Beispiel das koreanische Fratzengesicht, das in der neuen Dresdner "Traviata" den Alfredo gibt, sieht, muß man sich wirklich fragen, was das soll. Es paßt ebenso wenig auf unsere Opernbühne wie ein westeuropäisches Bleichgesicht in die Pekingoper oder Eskimos in "Porgy und Bess".
Die Verantwortung für diesen Mißbrauch von Steuermitteln - zu dem natürlich auch diese verrückten Regie"arbeiten" sowie die Selbstbedienungsmentalität in den Dirketionsetagen zählen - tragen die Politiker. Ihre willigen Handlanger sind die Journalisten sowie deren dilettierende Affen, die Hobbykritiker.

Nun, da Sie - verehrter Absender - uns in einen Topf mit den Profis werfen, können wir eigentlich über Ihre Liebesgrüße nicht so total beleidigt sein. Ich für meinen Teil darf Ihnen sagen, dass mich ein gnädiges Schicksal in Gestalt meines Vaters daran gehindert hat, einen künstlerischen oder journalistischen Beruf zu ergreifen. Er drohte nämlich mit Enterbung - und im Gegensatz zu vielen anderen Vätern, die damit drohen, hatte meiner wirklich etwas zu vererben. Ich stand schon damals mit beiden Beinen fest im Leben und habe einen Beruf gewählt, bei dem ich mich zwar manchmal schmutzig machen musste, der es mir aber ermöglicht hat, völlig unabhängig durch mein Leben zu gehen. Ich musste also nie einem Intendanten oder einem Zeitungsherausgeber in den Hintern kriechen. Und weiterträumen durfte ich aus einem gesicherten Umfeld. Was wäre der Mensch ohne Träume? Man muss nur immer rechtzeitig aufwachen! So wie ich, hat der überwiegende Teil der Merker-Mitarbeiter auch keinen Grund, frustriert zu sein! Nur wenige würden mit Euch Künstlern gerne tauschen!

Aber Ihr Hilfeschrei bezieht sich in erster Linie auf die große Zahl an Asiaten, die Ihnen in Deutschland die Engagements wegnehmen. Bisher habe ich gerade in Künstlerkreisen eine große Solidarität geortet. Wenn es nun auch dort damit vorbei ist, dann muss die Situation schon dramatisch sein. Nur wir "dilettierende Affen" sind da nicht der richtige Ansprechpartner, wir haben fair zu beurteilen, dürfen nicht ausländische Künstler aus niedrigen Beweggründen "in die Pfanne hauen". Wenden Sie sich an Ihre Standesvertretung, wobei ich aber auch nicht glaube, dass sich Ihr Problem politisch lösen lässt. Sehen Sie sich die Ranglisten der Gesangswettbewerbe an - die Asiaten und auch die Osteuropäer dominieren. Ob nun zu Recht, ehrlich - ich weiß es nicht! Vielleicht sind diese Leute auch bloß ehrgeiziger als wir. Für diese geht es um das Überleben, in deren Heimat gibt es keine sozialen Fangnetze. Und gerade Deutschland mit der größten Dichte an Opernhäusern und Orchestern weltweit, ist die allergrößte Chance für diese Künstler!
Ich selbst bevorzuge allerdings auch glaubhafte Bühnendarsteller, also keinen 65-jährigen Des Grieux, keinen fettleibigen Stolzing - aber auch keine ausdrucklosen Poker-Gesichter in tenoralen Liebhaberrollen. Das ist keineswegs Rassismus! Aber auf mich kommt es auch nicht an!

Eine Pioniertat verdient es, erwähnt zu werden. Philip Glass komponierte eine Oper über KEPLER, das Linzer Landestheater realisierte nun eine Produktion dieses Werkes. Am kommenden Sonntag wird diese Produktion zum Nulltarif (nur Anmeldung per Mail erforderlich) in die Cineplexx-Kinos übertragen. Ein Ansturm wie bei Met-Vorstellungen ist leider nicht zu erwarten, gerade deshalb sollten Sie diese günstige Möglichkeit nutzen. Details finden Sie in unserer Presseschau bzw. in "Aktuelles".

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!
A.C.
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Freitag 9.10.2009
"Tristan und Isolde" in London. Nina Stemme und Ben Heppner. Christof Loys Inszenierung ist umstritten.


Zuerst einmal eine Jubelmeldung: Die Berliner Theater trotzen der Krise! Super!! Gemeint ist freilich in erster Linie der Friedrichspalast. Bei den Opernhäusern sieht es da nicht so rosig aus, wenngleich man mit Bilanzen/Statistiken so ziemlich alles beweisen kann (nur mein Finanzamt war da nicht immer dieser Meinung). Der Staatsoper geht es "relativ nicht schlecht". Aber: Da kommt die Deutsche Oper nicht heran, die pro Karte im Schnitt 35,48 Euro einnimmt. Immerhin konnte das Haus mit 122.600 verkauften Tickets einen leichten Zuwachs verbuchen, allerdings nur, weil mehr Vorstellungen über die Hauptbühne gingen. Deshalb sank die Auslastung deutlich von 65 auf 61 Prozent. Damit liegt das von Kirsten Harms geleitete Haus, die Intendantin hatte einen Tag nach der Bundestagswahl ihren Rückzug für Sommer 2011 angekündigt, im Berliner Opernranking aber nicht am Schluss: Dort steht die Komische Oper mit einer Auslastung von 58 Prozent – eine bescheidene Steigerung von einem Prozentpunkt. Intendant Andreas Homoki kann sich aber über ein deutliches Plus beim Ticketabsatz freuen: von 85.700 auf 92.100. Allerdings liegt der durchschnittliche Kartenerlös mit 21,85 Euro bei einem für ein Opernhaus ernüchternden Wert, den beispielsweise Claus Peymann mit seinem Berliner Ensemble nur um wenige Cent verfehlt. Sein Haus kommt auf eine Auslastung von 80 Prozent und verkaufte im ersten Halbjahr knapp 106.000 Karten.

Das muss man zweimal lesen, um es zu begreifen. Auslastungen von 61 bzw. 58 %!! Oder 92.000 Zuschauer während einer Halbsaison. Die Leser mögen mir den Vergleich mit Fußball verzeihen, aber das hat die "Hertha" bei zwei Heimspielen im Olympiastadion. Und dabei erlebt Hertha Berlin derzeit eine Katastrophensaison.

Den Intendanten kann das relativ egal sein. Kirsten Harms strebt von sich aus keine Vertragsverlängerung an (hat ihr das Ergenbis der Bundestagswahl einen Dämpfer versetzt?), Andreas Homoki zieht nach Zürich, um den dortigen Opernhaus eine ähnlich gute Bilanz zu bescheren. Denn diese Zahlen stehen immerhin unter einer positiven Überschrift: "Hurra, wir trotzen der Krise"

Die inszenierenden Intendanten kommen jetzt immer mehr in Mode, wie Jossi Wieler und Stuttgart beweisen. Wenn der Intendant, der seinem Haus ohnedies für sein Gehalt rund um die Uhr zur verfügung stehen müsste, gleich selbst inszeniert, belastet er seinen Etat nicht mit der Gage des Regisseurs. Oder doch? Selbstverständlich macht es der inszenierende Intendant auch nicht gratis. Er zahlt sich aber die Gage selbst - aus dem Budget seines Hauses! Und noch einen unschätzbaren Vorteil haben die inszenierenden Intendanten oder "intendierenden Regisseure" erkannt: man kann tolle Querverbindungen ganz legal, ohne "Zwischenhändler", pflegen. Du inszenierst bei mir, dafür inszeniere ich nächstens bei Dir - und niemand kann uns als gierig bezeichnen, weil wir uns alle Inszenierungen im eigenen Haus selbst "unter den Nagel reissen". Ist doch praktisch, oder?

Eine interessante Konstellation ergab sich jetzt bei der Dresdener "Traviata" : Der Noch-Intendant der Komischen Oper Berlin, Andreas Homoki, und der Noch-GMD der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi, werden noch viel miteinander zu tun haben. Der eine wird Intendant des boomenden Opernhauses in Zürich, der andere musikalischer Chef von dessen Orchester. Schon deshalb war es interessant, dass beide jetzt gemeinsam der Semperoper in Dresden eine neue »Traviata« beschert haben. Und das Ergebnis dieser Zusammenarbeit des neuen Duos: Sagen wir so: Im Grunde können beide froh sein, dass die Tinte unter ihren Verträgen schon trocken ist. Für die Bewerbungsmappe wäre dieses Gemeinschaftswerk nicht unbedingt geeignet. Mag ja sein, dass das Verhältnis zwischen Luisi und der Staatskapelle nach dem etwas unwirsch ins Werk gesetzten Wechsel des Italieners an den Zürichsee mittlerweise nicht mehr das beste ist. Doch das kann kein Grund sein, um im Graben (von welcher Seite auch immer) das innere Leuchten zu verweigern und erst nach der Pause die emotionalen Kräfte so zu bündeln, dass der Funke wenigstens halbwegs überspringt

Warum Trennungen so frühzeitig bekanntgegeben werden müssen, verstehe ich immer weniger. Die weitere Arbeit wird dadurch indirekt schwer belastet, das Vertrauen ist erschüttert. Aber das hatten wir schon. Reden Künstler ganz einfach zu viel???

Nun aber zum Photo auf der Startseite, denn irgendwie muss ich doch darauf zu schreiben kommen. Und prompt landen wir auch schon wieder beim Regisseur. Diesmal hieß der Christof Loy und wurde ausgebuht. Das ist an sich die Normalität - aber in London doch etwas anders: In England ticken die Uhren noch etwas anders, zumindest dann, wenn in der Royal Opera Schiffe aus und nach Cornwall einlaufen, die mit merkwürdigen Getränken sowie Flüchen und Liebesschwüren beladen sind.
Folgt man den in zwei Pausen abgelauschten Gesprächsfetzen, so haben die Briten von heute trotz der nicht so fern liegenden geographischen Bezüge doch ihre Probleme mit Tristan und Isolde – neben dem Parsifal das zweite Wagner-Werk, in dem sich Räume und Zeiten erheblich weiten. Und wenn dann auch noch Christof Loy das Geschehen geschliffen präzise vorführt, jedoch auf jegliche nautische Atmosphäre verzichtet, ja dann stürmt es eben am Ende von allen Seiten und Balkonen und Galerien auf den Regisseur ein.Warum aber solch ein Buh-Orkan? Offenbar inszeniert Loy für britische Geschmäcker zu avantgardistisch. In deutschen Landen gilt er dagegen eher als Konservativer. Jetzt wissen wir es: in unseren Breiten denkt man weit fortschrittlicher, die Briten dümpeln reaktionär dahin. Und die Regisseure zieht es in das Theater-Wunderland Deutschland. Und wohl zwangsläufig auch zu uns nach Österreich!

Nun zu den bei mir eingegangen Reaktionen auf meine gestrige Kolumne. Wenn ich schon "Werktreue" einfordere, dann total. Also auch optische Glaubhaftigkeit bei den Sängerdarstellern. Da bin ich aber nicht eines Sinnes mit der überwiegenden Zahl der "Merker". Den Sängern wird praktisch alles verziehen, wenn sie nur gut singen. Denn der Tenor x kann nichts dafür, dass er 65 ist, dem anderen wurde Fettleibigkeit offenbar schon in die Wiege gelegt und Asiaten haben generell ein Problem damit, Gefühle zu zeigen. Darf ich mit einem Beispiel aufwarten: Sie müssen sich operieren lassen. Der Chirurg sagt: "Gut, ich habe Parkinson. Aber ich kann nichts dafür! Warum darf ich Sie also nicht operieren?"

Stimmen Sie sich auf das bevorstehende Wochenende ein. Meine besten Wünsche begleiten Sie

A.C.

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Eines meiner Lieblingsthemen während der "Sauregurkenzeit" kommt mir nun abhanden: "Wohin steuert Christian Thielemann bzw wohin wird er gesteuert?" Für mich war das nie ein Rätsel, ich lade Sie ein, meine ersten Bemerkungen über diese Angelegenheit an dieser Stelle zu verfolgen. Ich bedaure es, dass mir meine Münchner "Merker"-Freunde wegen meiner aus der Thielemann-Fangemeinde-Sicht destruktiven Schreibweise noch heute etwas gram sind, als ich etwa einen kleinen Hoffnungsschimmer auf eine Münchner Einigung als das, was es letzlich war, bezeichnet habe: als Ablenkungsmanöver! Ich gratuliere "meinen Münchnern" zu ihrem heilen Weltbild, weniger zu ihrem Sinn für die Realität. Denn dass diese Sache kaputt war, ehe sie noch an die Öffentlichkeit gelangte, war mir sofort klar. Ich habe eine kleine Firma und einen relativ großen (lokalen) Fußballclub geleitet, habe in die Politik zumindest "reingerochen" und musste mich auch sonst in einigen "Schlangengruben" - zu denen auch ein auf ehrenamtlicher Basis geführtes Opern-Medium zählt - bewähren. Und ich kann die Sprache der Politiker deuten, die in der Thielemann-Sache von Anfang an klar war. Glauben Sie mir, es ist die beste Lösung für den Kapellmeister (er zieht diese Bezeichnung der des Dirigenten vor), wenngleich ein etwas schwieriger Typ wie er auch in Dresden seine Probleme haben wird. Ich möchte nicht die undankbare Rolle der Kassandra spielen, aber wie die die Zusammenarbeit mit der designierten Semperoper-Intendantin Dr. Ulrike Hessler (die ja zuletzt in München gearbeitet hat) funktionieren soll, kann ich mir derzeit noch nicht so wirklich vorstellen ! Aber wenn das Thema "am Kochen" bleibt, ist es für alle Kolumnisten nicht gerade schlecht!

Aus Dresden kommt auch die erste der heutigen Tagesinfos. Man kennt den Online-Merker mittlerweile schon in breiteren Kreisen, jedenfalls hat gestern die Agentur der Sopranistin Olesya Golovneva eine von mir aufgeworfenen Frage sofort beantwortet: Frau Golovneva ist keineswegs aus der Produktion "La Traviata" ausgestiegen, sondern nur erkrankt. Rebecca Nelsen war ihr Cover während der gesamten Probenzeit - und hat ihre Chance genützt. Ab heute singt aber wieder die (ebenfalls) bildhübsche Golovneva die Violetta! Es gibt also eine zweite Premiere!


Photo-Copyright: Andreas J. Etter
Musical? Nein! "Don Giovanni in Oldenburg, Frejo Majer inszeniert, der Herr in der Unterhose ist der Titelheld Paul Brady. Wächst da wieder ein neues Thema für mich heran? "Oper soll auch Spaß machen", so der Regisseur, und "es wird viel los sein auf der Bühne". Wir sehen es! Ich meine, Oldenburg ist nicht gerade der Nabel der Opernwelt. Man muss also Unkonventionelles bieten, um in die Schlagzeilen (und in den Online-Merker) zu kommen. Die Rechnung scheint aufzugehen!

Die Nobelpreisvergabe ist unser nächstes Thema. Da ich da nicht wirklich mitreden kann, möchte ich vorwiegend zitieren. Zuerst zum Literaturpreis: Als Entscheidung, die manchen Missgriff der letzten Jahre wiedergutmacht, kommentiert Tilman Spreckelsen auf der ersten Seite die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller: "Indem nun auch Herta Müller dieser Preis zuerkannt worden ist, geht von der Stockholmer Akademie ein Signal aus, das einige törichte Entscheidungen der vergangenen Jahre vergessen machen könnte. Es ist ein Bekenntnis zu Artistik und Ethik als zwei Seiten einer Medaille und nicht zuletzt auch zu einer zerstörten Diasporakultur und ihrer wortmächtigsten Bewahrerin. Auch deshalb ist die Stockholmer Entscheidung ein großer Tag für die deutsche Literatur."
Was ist wohl mit der "törichten Entscheidung der letzten Jahre" gemeint? Mir fiele da als Österreicher spontan eine ein!

Aber so ganz unumstritten ist die neue Preisträgerin auch nicht: Für eine gute Schriftstellerin hält Thomas Steinfeld die Nobelpreisträgerin Herta Müller schon, nur nicht für eine wirklich große. Darum gilt, meint er: "Es muss jetzt wohl sein, dass sich Leser und literarische Kritik bis auf weiteres von einer lieben Vorstellung trennen: dass der Nobelpreis für Literatur eine Belohnung für die besten Dichter und die besten Werke sei." Das grundsätzliche Problem, das er mit der Autorin hat, liegt in ihrer Beschränkung auf einen Ort (Banat), eine Zeit (die Diktatur), ein Thema (das Schreckliche): "Denn so, wie es eine Suche nach Schutz vor dem Schrecklichen gibt, so gibt es auch eine Suche nach Schutz im Schrecklichen. Daher kommt das Unerbittliche bei Herta Müller. Daher kommt auch das Eingeschränkte, fast Monomanische ihrer Literatur, das sie nicht zu einer wirklich großen Dichterin werden lässt."

Die Liste derer, die im Laufe der Jahrzehnte beim Literatur-Nobelpreis "durch die Finger geschaut haben" ist so lang wie prominent. Sie finden diese ebenfalls in unserer Presseschau!

Ganz heikel wird es freilich beim Friedens-Nobelpreis, den Barak Obama erhält. Während alle europäischen Politiker und die meisten Zeitungen pflichtschuldigst gratulieren, schreiben die US-Zeitungen: Lächerlich und peinlich!! Dieser Meinung schließt sich offenbar auch der zu Ehrende an, der meint, dass er diesen Preis (noch) nicht verdient habe. Aber warum
um alles in der Welt nimmt er diesen Preis dann an? Warum sagt er nicht: "Wartet 2 Jahre! Wenn Ihr mir dann noch immer diesen Preis geben wollt, dann nehme ich ihn gerne!". Aber dazu kann sich Herr Obama auch nicht aufraffen!


Aber was belaste ich mich mit derartigen Problemen? Genießen Sie das Wochenende!

A.C.
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Sonntag, 11.10.2009

Eigentlich hat nun jede Seite, was sie will. Die Münchner sind Christian Thielemann "los" - und haben es doch - realistisch betrachtet - darauf angelegt. Christian Thielemann wiederum hat ein Orchester, das im internationalen Ranking vor seinem bisherigen rangiert und noch dazu von der Mentalität her dem Kapellmeister näher ist. Im November wird der Vertrag unterschrieben. Interessant wäre, ob die Dresdener dem Berliner eben jenen Passus zugestehen, an dem der Münchner Vertrag gescheitert ist. Gemeint ist die Allmacht über Auswahl und Programm der Gastdirigenten. Werden wir das je erfahren?

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude sieht in Thielemanns Verhalten ein abgekartetes Spiel: Lesen Sie dazu: Seine Dresdenoption erkläre aber im Nachhinein, warum er sich mit dem Orchester, dem Intendanten, dem städtischen Kulturreferat und dem Münchner Stadtrat nicht auf einen "gangbaren Weg bei den Vertragsverhandlungen verständigen wollte", sagte Ude der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er gehe davon aus, dass Thielemann seinen Vertrag in München erfüllen und das Publikum weiterhin begeistern werde.
Tatsächlich waren für kommenden Dienstag weitere Vertragsgespräche angesetzt, die jetzt natürlich abgesagt wurden. Die Paralellverhandlungen empfindet gerade der Politiker(!!) Ude als unfair. Ein Scherzchen, Herr Ude! Thielemann war ja eigentlich bereits gekündigt ("unter diesen Bedingungen verlängert München den Vertrag nicht"), da darf er sehr wohl mit anderen Arbeitgebern reden. Inwieweit es allerdings von Herrn Thielemann fair war, Künstler und Publikum vor seinen Karren zu spannen und eigentlich ohnedies nach Dresden zu wollen, steht auf einem anderen Blatt! Jedenfalls ist auch der "Maestro" glücklich: Mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfüllt sich für mich ein Traum", sagte Thielemann. Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), die designierte Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler und der Orchestervorstand hatten sich zuvor mit dem Dirigenten auf die Verpflichtung geeinigt. Schorlemer lobte Thielemann als eine der "herausragenden Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit".

Na also! Jeder hat, was er will. Jetzt gilt es nur noch, den Scherbenhaufen zu beseitigen. Und die Anhänger beider Seiten mögen sich ihren eigenen Reim auf diese Geschichte machen!

In London kommen derzeit Stimm-Fetischisten auf ihre Rechnung: Ein Wochenende in London kann für Opernfreunde anstrengend werden. Liest man die Besetzungszettel der Covent Garden Opera, will man keine der laufenden Produktionen versäumen. Allein die Liste der Tenöre, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen Verdi, Wagner und Bizet singen, ist imposant: Jonas Kaufmann, derzeit hoch gehandelt, gibt den Don Carlos, Ben Heppner, Haudegen im Heldenfach, ist Tristan, Roberto Alagna Don José.

José Cura ist für mich der Minimalist unter den Tenören. Er holt mit geringster Anstrengung für sich das Maximum heraus. Nun singt er heuer schon wieder bei "Christmas in Vienna". Die Gage wird stimmen, das Programm ist nicht sonderlich anspruchsvoll, die Besucher sind weihnachtlich friedlich gestimmt und das Interesse ist weltweit! Der Mann vermarktet sich hervorragend! Wer ist Ihr Agent, Herr Cura?

Nun zum Literaturnobelpreis. Marcel Reich-Ranicki ist voll des Lobes über die neue Preisträgerin. Dabei hart er kein Wort über sie gesagt oder geschrieben. Bei diesem gestrengen Herrn ist das allerdings bereits ein Lob, denn andere Preisträger der vergangenen Jahre hat er abgekanzelt. So meinte er etwa über Elfriede Jelinek: "Von den vielen Büchern der Jelinek habe ich zwei ("Die Klavierspielerin" und "Lust") gelesen, wenn auch nicht ganz zu Ende, weil die Lektüre mein Wohlbefinden gefährdete, zumal meine Magennerven auf unangenehme Weise reizte. Mit ihren anderen Büchern habe ich, wie Thomas Mann sich auszudrücken pflegte, immerhin Kontakt aufgenommen. Das Ergebnis: Ich glaube, ja, ich bin sicher, dass das Schreiben nicht gerade zu den starken Seiten der Elfriede Jelinek gehört. Mehr möchte ich lieber nicht sagen, um nicht die bedeutendste Feministin Mitteleuropas, Alice Schwarzer, zu ärgern."

Ich möchte dem ehrwürdigen Literatur-Papst da nicht widersprechen! Das gehört sich ganz einfach nicht!

Der Friedensnobelpreisträger wiederum spaltet die USA. Ist das der Sinn eines Friedenspreises?? Diese Entscheidung polarisiert, das war zu erwarten. Dabei hatte die Jury 250 Vorschläge auf dem Tisch liegen, sogar Italiens Silvio Berlusconi war unter den Kandidaten. Die Jury soll darauf achten, den Preis nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich denke, er gehört für ein Lebenswerk im Sinne des Weltfriedens verliehen. Amtierende Politiker soll man davon eher ausnehmen, man weiß ja nie, was noch kommt. Warum wohl, glauben Sie, dass zumindest bei uns öffentliche Flächen wie Straßen oder Plätze nur nach bereits Verstorbenen benannt werden? Eben!, weil man sicher sein will, dass man nicht bald wieder umbenennen muss. Hoffen wir also, dass Obama die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen kann. Er ist ein grandioser Redner, verdient hat er den Friedensnobelpreis derzeit sicher noch nicht! Aber das weiß er selbst!!


Kennen Sie den Mann in der Bild-Mitte? Es ist der Sänger und gebürtige Armenier Charles Aznavour, der auch für die Friedensverhandlungen in Zürich aufgeboten wurde

Und nun kommen wir bereits zur ersten Friedenstat des Nobelpreisträgers. Er verordnete den Frieden zwischen der Türkei und Armenien. Ich kann da schon etwas über die Stimmung aus eigener Erfahrung erzählen, denn vor 2 Wochen besuchte ich Armeniens Land und Leute. Die Armenier wissen natürlich, dass sich die USA klar auf der Seite der Türkei positioniert haben - weil diese strategisch für die USA natürlich viel wichtiger als das kleine Armenien ist. Die Unterzeichnungszeremonie am Samstag-Abend hätte gespenstischer nicht sein können. Das Treffen musste auf neutralem Boden (Zürich) angesetzt werden, beide Vertreter brachten ihre "Anwälte" mit: die Türkei Hillary Clinton, die Armenier Frankreichs Bernard Kouchner und Russlands Sergei Lawrow. Die zu haltenden Reden wurden vorher zensuriert, Armenien war mit einem Passus in der Rede des türkischen Außenministers nicht einverstanden. Drei Stunden Unterbrechung, das Scheitern des Vertrages lag in der Luft. Danach machte Clinton einen Vermittlungsvorschlag: überhaupt keine Reden! Zwei, die einander nichts, aber schon gar nichts zu sagen haben! Die Zeremonie dauerte dann keine 10 Minuten. Ein Formalakt war es trotzdem nicht: im Kleingedruckten werden nämlich Grenzen anerkannt, für die unzählige Soldaten und auch zivile Personen gefallen sind. Die Fortsetzung von echten Friedensverhandlungen wurde dabei so vage formuliert, dass selbst der Kassabon eines Supermarktes dafür zu schade wäre!

Die besten Glückwünsche zum Friedensnobelpreis, Herr Präsident!

Schönen Sonntag noch!

A.C.
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Montag 12.Oktober 2009
PHOTO-FUNKTION FUNKTIONIERT HEUTE NICHT

Die Woche fängt gleich gut an, ich habe technische Probleme. Das Photo lässt sich nicht auf die Startseite laden. Also müssen wir auf unseren täglichen Thielemann verzichten, denn andere Motive bieten sich in unserer Presseschau nicht an. Da wäre zum Beispiel ein Photo aus der neuen New Yorker Met-Produktion gewesen - aber das hatten wir schon. Wieso auf einmal wieder dieser alte Hut? Weil Samstag "Oper im Kino" war, die New Yorker "Tosca" live über die Leinwand (hoffentlich nicht) flimmerte. Die Kinos vermeldeten einen Riesenandrang - und ganz verwundert vernahm ich, dass eben diese "Tosca" die Münchner Festwochenpremiere 2010 sein wird. Restelverwertung als Festwochenpremiere, noch dazu eine Inszenierung, zugeschneidert auf den bekannt guten Geschmack der Amerikaner?
Ich wollte, ich hätte das nie erfahren! Das ist ja direkt geschäftsschädigend!

Ich selbst war gestern in einem Wiener Kino, um mir die aus der "Kulturhauptstadt 2009" Linz gratis angebotene "Kepler-Oper" anzusehen. Eigentlich war ich darauf eingestellt, mich dort ziemlich einsam zu fühlen - obwohl die Wiener dafür bekannt sind, Gratisangebote zu stürmen. Aber ich habe mich wieder einmal geirrt. Zu etwa 75 % war der große Saal des Wienerberg-Cineplexx besetzt - und nur ganz wenige nützten die Pause zur Flucht. Da es ein Gratisangebot war, mussten wir uns vor der Vorstellung 30 Minuten lang eine Präsentation des neuen Linzer Musiktheaters ansehen (Eröffnung 2012), verbunden natürlich mit Politiker-Statements. Aber was tut man nicht allen, wenn es nur gratis ist!
Philip Glas sprüht nicht gerade vor musikalischen Einfällen, aber er komponiert gefällig - und somit ist die Sache auszuhalten.

Viel mehr beschäftigt mich freilich die Frage, ob "Oper im Kino" neue Opernfreunde hervorbringt oder ob bloß eine Konkurrenz für die Theater geschaffen wird? Man sitzt im Kino sicher bequemer als in den Theatern, kann sogar Pop-Corn essen, versäumt nichts, da man die wichtigsten Szenen in Großaufnahme vorgesetzt erhält - und wenn man zu spät kommt, wird man problemlos eingelassen. Da es sich bei den Met-Übertragungen um Vorstellungen in Starbesetzung handelt, kann ich mir schon vorstellen, dass Publikum außerhalb der Opern-Metropolen dadurch ver- und damit der "Hausmannskost" entwöhnt wird. Gefährlich das!!!
Aber was soll's, man kann es offenbar ohnehin nicht verhindern. Sonst hätte das die Bayerische Staatsoper, die sich ihre neue Tosca - was die Neugierde des Publikums betrifft - nun sonstwo hinstecken kann, bestimmt getan!

Und an Christian Thielemann kommen wir heute wieder nicht vorbei, auch wenn die Technik gnädig war und sich beim Thielemann/Ude Photo verweigerte. Es klingt vielleicht für Sie etwas arrogant - aber lesen Sie meinen Kommentar vom Samstag - und dann das, was die großen Kollegen in den Sonntags/Montagsausgaben so von sich geben. Die schreiben natürlich nicht ab, aber die denken auch ziemlich realistisch, wenngleich vielleicht etwas langsamer: Christian Thielmann, Großsiegelbewahrer der deutschen Monumentalsinfonik, bekommt mit der Dresdner Staatskapelle, der er ab 2012 für zunächst sieben Jahre vorstehen wird, das Orchester, das er schon vor einigen Jahren verdient hätte. Damals freilich stimmte die Chemie noch nicht wirklich, und die Dresdner hatten noch nicht erfahren, dass mit dem als Thielemann-Ersatz gewählten Miniaturmaestro Fabio Luisi in Asien selbst Wagners sächsische „Wunderharfe“ den Veranstaltern Defizite beschert. Stattdessen nahm der Berliner mit den weltweit höchstens in der zweiten Reihe aufspielenden Münchner Philharmonikern vorlieb.
Luisi ein "Miniaturmaestro" - das zu schreiben, hätte ich mich nie getraut. Und weiter an anderer Stelle:

Das monatelange Gezerre um die Zukunft Thielemanns an der Isar und seine Philharmoniker ist also mit einem Paukenschlag beendet worden. Was die Münchner, schon gebeutelt durch das monatelange Gezerre um den Starkicker Franck Ribéry, besonders schmerzen muss, ist der Doppelpass zwischen Thielemann und seiner künftigen Geschäftspartnerin. Denn während der Dirigent beteuerte, wie sehr ihm die Stadt mit der Frauenkirche doch liege, hat er Vertragsverhandlungen mit der künftigen Intendantin der Dresdner Semperoper geführt. Die heißt Ulrike Hessler und ist derzeit noch für die Kommunikation der Bayerischen Staatsoper verantwortlich. Ein klarer Fall von "Ätsch!"-Kommunikation also. Gelockt von Weib und Gesang (die Sächsische Staatskapelle ist ein Opernorchester), wird Thielemann also von 2012 an in Dresden (hat übrigens auch eine Frauenkirche) wirken. Wenn der Vertrag bis dahin fertig ist.
Und genau mit dieser Dr. Hessler prophezeite ich bereits vor einigen Tagen an dieser Stelle Thielemann Probleme auch in Dresden: Dresden kann mit Thielemann seine Stellung als wiedererstandene Kulissenstadt des Kulturkonservatismus weiter ausbauen. Der nicht eben arbeitswütige Dirigent wird dort wenig gefordert werden, ernst zu nehmende Konkurrenz hat er keine. Allerdings: Die Subventionen werden weniger werden, und Thielemann ist nur Chefdirigent der Kapelle, nicht der Semperoper. Da sind Kompetenz- und Terminkonflikte mit der neuen Intendantin Ulrike Hessler, die selbst noch nie ein Haus alleinverantwortlich geführt hat, vorprogrammiert; besonders, wenn man Thielemanns harsches Temperament bedenkt.
In der Abendzeitung bringt Robert Braunmüller vieles auf den Punkt.
Blamage
Der Thielemann-narrische Dieter Borchmeyer sammelte als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Unterschriften für den Verbleib des Dirigenten. Er ist nun blamiert. Thielemann hat ihn nur benutzt, um seinen Verhandlungen in Dresden den nötigen Nachdruck zu verleihen. Das ist nicht nett, war aber taktisch geschickt.
Aber er sieht auch Vorteile im Thielemann-Abgang:
Nun wird gespart
Thielemanns Vertrag enthielt ein Rücktrittsrecht für den Fall von Stellenstreichungen. Ohne den Dirigenten hat es die Stadt viel leichter, ihrem Orchester ein Spar-Opfer abzuverlangen. Angesichts einbrechender Gewerbesteuereinnahmen in den nächsten Jahren ist das so sicher wie das Amen in der Kirche.
Zukunft
Jede Krise ist zugleich eine Chance. Die Münchner Philharmoniker sind seit der Ära Celibidache auf starke Vaterfiguren fixiert. Auch Thielemann entspricht diesem Dirigententypus. Viele Musiker des Orchesters pflegen den verklärenden Blick. Sie schwärmen von der dunklen, erdigen und vibratoreichen Klangvorstellung, die beide Chefs gemeinsam haben. Tradition ist gut, aber die Philharmoniker drohen sich in ihr zu verlieren. Zu einem modernen Orchester gehören Wandlungsfähigkeit und der interessierte Blick aufs Neue.
Nachfolger
Thielemanns Vertrag läuft noch bis Ende der Saison 2011. In der Zeitrechnung eines Orchesters war dies schon vorvorgestern. Der normale Planungsvorlauf für das Engagement von Dirigenten und Solisten beträgt drei bis fünf Jahre. Bisher drängt sich kein Dirigent als Nachfolger auf. Daher ist nun nicht nur Feuer auf dem Dach der Philharmonie, sondern auch beim Kulturreferat.
Namen
Eine gute Figur machte zuletzt der Italiener Daniele Gatti, der nicht nur mit Verdi, sondern auch bei Mahler oder Alban Berg auf sich aufmerksam macht. Aber das Orchester soll ihn nicht mögen. Kyrill Petrenko, dessen starker Ausstrahlung selbst Mitglieder der Wiener Philharmoniker schwärmen, will sich nicht binden. Seine Stärken liegen eher bei der Oper. Ingo Metzmacher hört 2010 beim Berliner DSO auf. Er ist ein kommunikativer Dirigent neuen Typs mit aufregenden Programm-Ideen. Aber viele Orchester arbeiten nicht gern mit ihm.
Thielemann wird uns noch lange beschäftigen, auch wenn die Diskussion über ihn schön langsam nervt!

Was war sonst noch los: Der Essener "Siegfried" scheint auch keine Sensation zu sein, vielmehr eine "Mischung aus Zorro und Zauberflöte". Wotan/Wanderer besucht Erda mit Blumen im Altenheim - zumindest das ist ein origineller Ansatz.

Unter'm Strich kommen wir nochmals auf die Bemühungen des "Friedens-Nobelpreis-Lehrlings" (in Deutschland heißt das "Azubi") Barack Obama zu sprechen. Die gerazu lächerlichen Vorgänge um die Vertragsunterzeichnung zwischen den Türken und den Armeniern im Züricher Hotel Dolder sind bereits Lehrgeld, das er zahlen muss.

Ihnen allen eine schöne Woche!
A.C.
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Dienstag, 13. Oktober 2009

Roberto Alagna bestätigt Trennung von Angela Gheorghiu

Beginnen wir heute mit einem Griff in die Klatschspalte: Angela Gheorghiu und Roberto Alagna wollen künftig getrennte Wege gehen. Das hat sich in letzter Zeit bereits abgezeichnet und überrascht nicht wirklich - und ist außerdem Privatsache der beiden. Interessanter ist freilich, dass Roberto Alagna bei dieser Gelegenheit einen Blick in die Gagensituation im internationalen Operngeschäft werfen lässt - was angesichts einer Scheidung von den wenigsten Männern praktiziert wird. Aber er wird sicher seine Gründe haben. Angeblich ist ja Angela Gheorghiu die Topverdienerin des Duos gewesen, als wirklich bedürftig brauchen wir aber Herrn Alagna auch nicht einstufen: Der Interviewerin gegenüber erklärt Alagna, er lebe zwar in der Schweiz, bezahle seine Steuern aber in Frankreich. Für einen Galabend erhalte er 60'000 Euro Gage, und wenn er mehr Geld brauche, trete er in Abu Dhabi oder Japan auf, wo die Entschädigung für einen Auftritt 100'000 Euro betrage. In der Oper betrage die Gage für einen Auftritt 13'000 Euro. Von dem Geld sehe er allerdings nicht viel, die Hälfte gehe an die Steuern, der Rest an den Agenten und die Spesen.

Wo treibe ich für mich auf die Schnelle einen Auftritt in Abu Dhabi auf? Irgendwie könnte mir dieser nicht schaden! Im Ernst, wir sehen, dass Opernauftritte tatsächlich nicht das große Geschäft sind und verstehen auch, warum die großen Diven dieser Zeit von einem Event zum anderen tingeln - anstatt sich auf der Opernbühne mit Regisseuren und Partnern herumzuärgern. Und von Roberto Alagna hat mich früher schon einmal gewundert, dass er über niedrige Operngagen herummotzt, in Paris aber während seiner Auftritte eine ganze Suite im besten Hotel bucht.

Nun kommen wir zur "Regietat" des Wochenendes, nämlich Frejo Majers Don Giovanni-Inszeniering in Oldenburg. Ich weiß zwar ehrlich nicht, wo Oldenburg liegt, aber dennoch kommt das dortige Staatstheater heute in meine "Schlagzeilen": Der große deutsche Regisseur Günther Rennert glaubte nicht an die Möglichkeit, „für diese Partitur auch nur eine annähernd szenische Entsprechung finden zu können“. Dazu kommt bei einem der meist gespielten Werke der Operngeschichte, Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart, eine solche Fülle von Interpretationen, dass jeder neue Regisseur der „Oper aller Opern“ (E.Th.A. Hoffmann) nahezu vor ebenso fordernden wie unlösbaren Problemen zu stehen scheint.
Ein Scheitern ist vorhersehbar und es stellt sich nur die Frage, auf welchem Niveau. Nun hat es der junge Freo Majer in Oldenburg versucht. Der hoch ambitionierte Versuch, alles anders zu machen, hat ihn allerdings in eine Ecke getrieben, die ihn nur schwer noch erkennen ließ, was in Bezug auf die Partitur geht oder eben nicht mehr geht.
Und weiter: Der Komtur ist bei Majer keine Instanz, im Gegenteil. Anna pflegt die Statue ihres toten Vaters, die sie meist bei sich hat. Und diese fängt bei Don Giovannis Einladung zum Fest an zu singen. Das wird noch getoppt im zweiten Finale, als Don Giovanni einfach wegstürzt und Leporello ihm hinterher lacht: Man ordnet sein Leben neu und geht zur Tagesordnung über. Ein Festmahl hat es sowieso nicht gegeben.

"Alle sind Schweine" - so die Aussage seiner Inszenierung. Das ist war weder originell noch neu, aber immerhin eine Aussage. In dieser Kritik wird übrigens gar nicht erwähnt, dass der Titelheld in Unterwäsche mit Sockenhaltern herumläuft - wir haben in der Vorwoche ein Photo veröffentlicht (in unserer Bildergalerie unter "Brand-Aktuelles" zu sehen). Aber das gehört in Zeiten Martin Kusejs anscheinend zur Normalität. Peter Sellars hat das vor Jahrzehnten ästhetischer gezeigt, sogar in doppelter Ausführung, mit dem dunkelhäutigen Zwillingsbrüder-Paar. Es ist also verdammt schwierig, Neues zu erfinden. Aber wie sonst soll sich ein junger Regisseur einen Namen machen, wie sonst kommt Oldenburg in internationale Gazetten? Dabei - ein Skandal ist nicht gelungen - und nur solche machen populär!

Der Essener "Siegfried" war angeblich langweilig, wir haben bereits 3 Kritiken online. Unsere "Platzhirschen" Bilsing und Altenaer schreiben in letzter Zeit ziemlich konträr. Oper lebt!

Über Thielemann gäbe es noch viel zu sagen, aber das heben wir uns für einen anderen Tag auf. Nun bringt Thielemann einige Orchestermusiker ins Spiel, denen es "anscheinend zu gut geht". Wie sollen diese Herrschaften noch 2 Jahre zusammenarbeiten?? Die "Kündigungszeiten" in dieser Branche sind wirklich ein Irrsinn!

In Wien wurde gestern abend der Theaterpreis "Nestroy" verliehen. Große Siegerin wurde erwartungsgemäß Birgit Minichmayr. Sie gewann den Preis als beste Schauspielerin und dazu den Publikumspreis. "Unterwäsche-Kusej" wurde als bester Regisseur ausgezeichnet.

Als literarisch sattelfest erwies sich anlässlich seines 77. Geburtstages, den er natürlich im Fernsehen begehen musste, unser aller Richard Lugner. Er ordnete das Zitat "Franz heißt die Kanaille" eben diesen Johann Nestroy zu - und seine Ex hing dabei gläubig an seinen Lippen. Dermaßen auf den Hund gekommen, schließen wir diesmal "unter'm Strich" mit "Berlin wählt den Hundeskanzler" - aus 100 Vierbeinern können die Berliner einen Würdenträger wählen!


Ein Kandidat zur Wahl des Hundeskanzlers

Ich wünsche einen schönen Tag!
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Mittwoch 14.10.2009

Zuerst zur Beantwortung zweier an mich gestellter Fragen betreffs meiner gestrigen Kolumne: Nein, wir müssen für Roberto Alagna keine Kollekte veranstalten, er wird sich schon irgendwie "durchfretten". Er ist ein notorischer "Raunzer" - könnte also Wiener Wurzeln haben!
ad.2: Das gilt auch für Herrn Kusej. Auch er könnte sich sehr wohl mit eigenem Geld therapieren lassen. Kein Handlungsbedarf unserseits!

Der Skifahrer Hermann Maier schockte gestern die Nation mit seinem Rückzug vom aktiven Rennsport. Er hat Großes geleistet, natürlich auch viel verdient. Auch um ihn müssen wir uns keine Sorgen machen. "Es ist der richtige Zeitpunkt" - meinte er. Ich bin da zwar nicht so sicher, aber zumindest war es gerade noch rechtzeitig. Möge solch eine weise Erkenntnis auch anderen beschieden sein - Opernsänger nicht ausgenommen. Maier wurde die Entscheidung leicht gemacht. die Stoppuhr war unerbittlich und letztlich gegen ihn. Ein Künstler hat dieses Hilfsmittel nicht zur Verfügung, er hat nur Fans und Einsager, die ihm den Blick auf die Realität verstellen.


Gestern wurde der "Birgit Nilsson-Preis" aus der Hand des schwedischen Königs in jene von Placido Domingo gereicht. Damit sich der Preisträger den Preis auch garantiert selbst abholt - und nicht - wie bei der Wiener Nestroy-Verleihung - schmollend irgend einen Vertreter benennt, ist der "Nilsson-Award" sensationell hoch dotiert: 1 Million Dollar! Jetzt weiss ich nicht, woher das viele Geld kommt. Ich nehme an, Birgit Nilsson hat es im Laufe der vielen Karrierejahre dafür angelegt. Das würde allerdings Roberto Alagna (siehe gestrige Kolumne) Lügen strafen, denn an so vielen "Mega-Giga-Events" fernab der Opernbühne hat Birgit Nilsson nicht mitgewirkt! Vielleicht konnte sie auch nur besser mit Geld umgehen! Aber ich will eigentlich etwas anderes hinterfragen: Wozu eigentlich dieser Preis, warum ein finanziell eigentlich längst unabhängiger Preisträger? Ich sehe da nicht durch. Natürlich konnte die Erblasserin mit ihrem Geld machen, was immer sie wollte, sie hätte es auch anzünden, selbst verprassen, dem Tierschutz hinterlassen können. Aber jetzt hat Placido Domingo, der wirklich Großes für die Oper geleistet und wie unser Hermann Maier auch zurecht viel Geld verdient hat, eine weitere "Pletschn" an seiner ohnedies bereits ordensdekorierten Brust hängen. Bezüglich der Verwendung des Geldes sind keinerlei Wünsche der Erblasserin bekannt. Noch dazu hat Frau Nilsson den ersten Preisträger dieses im Abstand von jeweils 3 Jahren zu verleihenden Preises noch selbst bestimmt. Also darf ich davon ausgehen, dass sie sich irgendetwas dabei gedacht hat. Wenn sie Domingo beschenken wollte, hätte sie es zu Lebzeiten steuerschonender im schlichten Kuvert bei einem gemeinsamen Abendessen machen können. Also, ganz ehrlich, irgendetwas fehlt mir in dieser Geschichte. Irgend eine Grundidee, die plausibel erscheint. Kann mir da jemand weiterhelfen??

Mittlerweile ist es 10 h und ich bekomme Details über den Nilsson-Preis zugesandt. Placido Domingo will das Preisgeld für seinen Gesangswettbewerb verwenden - was ihn ehrt! Ich werde morgen auf diese Details zu schreiben kommen!

Aber Placido Domingo bemüht sich zumindest selbst zur Preisübernahme. Das machte Martin Kusej bei seinem - allerdings viel schlichter dotierten - "Nestroy" nicht. Der Preis war ja eigentlich als "Trostpflaster" gedacht, weil Martin Kusej nicht Burgtheaterdirektor werden durfte. Der Regisseur schmollt trotzdem, dabei hätte er aus Paris, wo er sich derzeit aufhält, problemlos einfliegen können- da gibt es sogar schon Billigflüge. Der Schuss ging damit für die Preisverleiher kräftig nach hinten los. Werden diese aus solchen Blamagen endlich klüger?? Das wäre doch ganz einfach. wenn sich der Preisträger den Preis nicht abholt, kommt automatisch der nächstgereihte zum Zug - ohne Kommentar. Die Öffentlichkeit braucht das gar nicht zu wissen, damit kann eine Preisverleihung auch nicht zum Protest missbraucht werden!

In Klagenfurt gab es eine interessante "Fidelio"- Premiere nach dem Motto "Wie hätten Sie es denn gerne?" oder "Sie wünschen, wir spielen". Der Regisseur bot nämlich 3 Schluss-Varianten an, darunter auch jene, in der Pizarro den korrupten Minister mit Geld besticht und Gouverneur bleiben darf. In dieser Version wäre Florestan kein politischer Freigeist, sondern schlicht ein Querulant. Ein anderer Schluss sieht die Erschießung von Leonore und Florestan durch Pizarro bereits vor der Leonoren-Ouvertüre vor, das Finale müssen die beiden aber dennoch singen. Wer diese Rätsel lösen will, muss nach Klagenfurt fahren. Das ist auch eine neue Idee, um die Leute in das Theater zu zwingen!

Jonas Kaufmann ist mir in den letzten Wochen schon abgegangen, der ist immer ein heißer Tipp für das Photo auf der Startseite. Ein Interview mit ihm finden Sie ebenso in unserer Presseschau wie eines mit dem etwas weniger photogenen Ingo Metzmacher.

Der Essener "Siegfried" ist und bleibt langweilig, das wird uns nun in einer weiteren Kritik bestätigt. Der Regisseur ist selbst schuld, warum bietet er nicht drei verschiedenen Schluss-Varianten an?

Für Aufregung sorgt die Santa Fe-Opera. Die ist nämlich nicht nur in der Musik- sondern auch in der Ölbranche tätig: Dass hinter Ölbohrungen im ländlichen Mora County und den nicht minder idyllischen San Miguel Counties das Opernhaus von Santa Fe steckt, ist per Zufall ans Licht gekommen, als Anwohner Informationen über die Auftraggeber sammelten.
Laut lokalen Presseberichten sind dem Opernhaus 2002 die Verwertungsrechte an Mineralvorkommen in der Region von einer Mäzenin übertragen worden, um damit ein Programm zur Nachwuchsförderung zu alimentieren.
Die Bürgerrechtsgruppe Drilling Mora County zeigt wenig Verständnis dafür, dass sich ein Kulturunternehmen als Umweltverschmutzerin und Rohstoff-Profiteurin herausstellt.
Charles MacKay, der Geschäftsführer der Santa Fe Opera, verteidigte das Vorgehen, versprach aber, Wege zu finden, um den Bedenken der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Dazu sollen alternative Möglichkeiten gesucht werden, um die Donation sinnvoll zu verwerten.

Diese Donatorin hat sich aber zumindest Gedanken darüber gemacht, was mit dem vererbten Geld geschehen soll. Mir wird dieser Nilsson-Preis immer rätselhafter!

Was hätte unser Ioan Holender aus diesem Ölgeschäft alles gemacht? Im Moment ist es seltsam ruhig um ihn. Vielleicht bastelt er an einer Karriere als Öl-Manager der Santa Fe-Opera. Dem Mann traue ich doch alles zu!

Heute ist das eine Kolumne, die viele Fragen offen lässt.
Trotzdem, schönen Tag!
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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Der Italo-Amerikaner wurde in den 50er und 60er Jahren mit Evergreens wie "Spanish Eyes", "Here In My Heart" und "Volare" berühmt. Zudem spielte er 1972 an der Seite von Marlon Brando und Al Pacino in Francis Ford Coppolas Mafia-Drama "Der Pate" den Sänger Johnny Fontane. Auch der Titelsong stammte von ihm. Mit seiner Schmusestimme und einem untrüglichen Gespür für die rechte Prise Romantik schaffte Al Martino das seltene Kunststück, alle Wellen der Popmusik mit seinem eigenen Stil zu überleben.

Nun kommen wir aber nochmals auf das Hauptthema von gestern, den "Nilsson-Prize", zurück. Erst im Laufe des Tages wurde mir die "Gebrauchsanweisung" nachgeliefert, nachzulesen ist diese unter "Aktuelles". Demnach kann der Preis an eine Privatperson, an eine Initiative, aber auch an eine besonders hervorzuhebende Produktion "im Sinne des Komponisten" vergeben werden. Die Erblasserin war offenbar hoffnungslos altmodisch und hat unsere Freunde Neuenfels, Kosky , Bieito und auch jene, die es bisher noch zu keinen handfesten Skandal gebracht haben, von dieser finanziell lukrativen Ehrung ausgeschlossen. Eine dreiköpfige Jury wird künftig alle drei Jahre über die Vergabe befinden, bei so vielen Dreiern ist es naheliegend, dass der nächste Preis - so meine kühne Prognose - auch dreigeteilt wird. Auch das ist nämlich möglich. Wozu das Geld verwendet werden darf, ist aber nirgends festgeschrieben. Placido Domingo wird also meiner Ansicht nach als einziger Preisträger über die volle Summe verfügen können, die er dem Vernehmen nach in seinen Gesangswettbewerb investieren will.

Nun beleuchten wir das Thielemann-Thema aus anderer Sicht, nämlich aus jener des Publikums. Das Dresdener Publikum hat es dem Kapellmeister offenbar besonders angetan: Es war diese eine Minute, die alles entschied. Als bei Christian Thielemanns grandiosem Gastauftritt als Dirigent der Dresdner Staatskapelle die letzten Töne von Bruckners Achter verklungen waren, da herrschte eine unendliche Minute lang, bevor dann der Applaus gewitterartig losbrach, ein vielhundertfaches Schweigen. In genau dieser Schweigeminute für die Schönheit der Musik, am 13. September in der Semperoper, hat sich Thielemann vermutlich entschieden, als Chefdirigent nach Dresden zu ziehen – und München zu verlassen. Nicht nur wegen des Orchesters also, sondern auch wegen des Publikums. Was Thielemann in dieser Minute erfuhr, war die Präsenz eines Kulturbürgertums, das sich in Deutschland vielleicht nirgendwo so rein erhalten hat wie in jenem inoffiziellen Dresdner Milieu, dem Uwe Tellkamp mit seinem RomanDer Turm ein Denkmal gesetzt hat. Es könnte also sein, dass trotz DDR und Staatssicherheit das Kulturbürgertum so vital blieb, weil es nicht, wie das vergleichbare westdeutsche Milieu, in den ideologischen Grabenkämpfen der siebziger und achtziger Jahre aufgerieben und ausgedünnt wurde.

Das "Kulturbürgertum" hat sich also in Dresden besonders gut gehalten, In München - aber auch in Wien - gibt es, will man dem Zeitungsbericht glauben - zu viele Kulturrabauken. Wie man in die letzten "Tristan-Takte" wie wild reinapplaudieren kann, nur um seiner Umgebung Begeisterung zu demonstrieren, ist auch für mich unverständlich und hat mir schon so manchen Opernabend (wie auch manches Konzert) nachträglich vermiest.

Zur Thielemann-Problematik passend ist die Meldung, wonach das Melbourne-Symphony-Orchestra seinen italienischen Chefdirigenten Oleg Caetani vorzeitig gekündigt hat. Das steht allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, denn dort hat nicht der Dirigent, sondern das Management sogar über das Programm zu bestimmen. Als Caetani dort die Schostakowitsch-Symphonien aufführen wollte, platzte dem Chefmanager offenbar der Kragen: Grund für die Trennung sind laut einem Bericht von «The Age» Differenzen über die Werkwahl für die Abonnementskonzerte und ein Rückgang des Publikumszuspruch.Offenbar scheiterte Caetani in seinem Bemühungen, dem Stammpublikum des Orchesters weniger bekannte Werke - darunter die Schostakowitsch-Sinfonien - näherzubringen. Die Zahl der Abonnenten des MSO ist leicht zurückgegangen und die Billettverkäufe sind dieses Jahr zehn Prozent gesunken.

Andere Länder, andere Sitten!

Elisabeth Kulman präsentiert ihre Solo-CD

Elisabeth Kulman, gebürtige Burgenländerin, machte schon in jungen Jahren eine beachtliche Karriere als Opernsängerin. Jetzt hat sie ihre erste Solo-CD aufgenommen. Sie interpretiert Lieder von Gustav Mahler auf neue Art und Weise.
Derzeit kann sie die Wiener Staatsoper als ihr Stammhaus benennen. Dort singt sie seit drei Jahren. Im Moment bereitet sie sich auf ihr Rollendebüt als Herodias in der Richard Strauss Oper "Salome" vor.

Auch Rene Kollo ist noch präsent, demnächst in Hamburg: "Lieber Leierkastenmann", "Ach, ich hab in meinem Herzen" oder das flotte "Hello, Mary Lou" - René Kollo ist in jedem Gesangsfach zu Hause, vom Schlager bis zum schweren Wagnerfach. Und: Noch heute lässt der Sohn einer Berliner Musikerfamilie die Frauenherzen höher schlagen. Na ja, das war einmal. Den letzten Satz wage ich bereits zu bezweifeln!

In Essen wurde der Ring mit "Siegfried", den für einen Regisseur wohl schwierigsten Teil, fortgesetzt. Bekanntlich "kochen den Brei" dort vier Regisseure, "um das Risiko zu vermindern". Ein Denkfehler? Man erhöht das Risiko gleichzeitig auf das Vierfache! Anselm Weber hat angeblich Langeweile produziert. Aber nun kommt Barrie Kosky, ein ausgewiesener Wagner-Freund, für "Götterdämmerung". Er wird sich bemühen müssen, um den nächsten "Brirgit Nilsson-Prize" für eine Inszenierung im Sinne des Komponisten zu kassieren.


Der Wiener Opernball wird wieder von einer "neuen" Tanzschule eröffnet, die allerdings eine der ältesten Österreichs ist. Diesmal haben die Oberösterreicher das Sagen bei der weltweit gesehenen Zeremonie. Aber der Wiener "Benimmpapst" wird uns weiterhin via TV und Werbung erhalten bleiben!

"Unter'm Strich" kommen wir kurz wieder auf Roman Polanski zurück - ohne eine neuerlich Diskussion im Forum provozieren zu wollen. Die "Weltmeisterin im Fettnapftreten", "Fergie" - Herzogin von York, feiert ihren 50er. Und Friedensnobelpreisträger Barack Obama macht das, was man von einem Friedensnobelpreisträger erwartet. er stockt die Truppen in Afghanistan auf!

Dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein! Deshalb: schönen Tag!

Übrigens, grausliches Wetter heute in Wien. Schneeregen um 8 h
A.C
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Freitag, 16. Oktober 2009

Zuerst einmal unser täglicher Thielemann: Die Münchner Philharmoniker sind am Donnerstagabend in der Münchner Philharmonie vor Beginn eines Bruckner-Konzerts ausgebuht und beschimpft worden. Es war das erste Abonnementkonzert mit Generalmusikdirektor Christian Thielemann nach seiner aufsehenerregenden Trennung von dem Orchester zum Sommer 2011. Der Dirigent selbst wurde dagegen vom Publikum beim Betreten des Podiums demonstrativ bejubelt.
Da ist das Münchner Publikum schon näher an "des Pudels Kern" gelangt. Man kann nicht nur immer auf die Politiker eindreschen (auch wenn Herr Ude nicht meiner "Coloeur" entspricht) - aber die Rolle des Orchesters in dieser nun schon wirklich leidigen Angelegenheit habe ich in meinen Kommentaren oft hinterfragt. Aber nun nochmals die Frage: Wie sollen Thielemann und sein Orchester nun zwei Jahre problemlos miteinander arbeiten? Ich denke, da kommt noch etwas auf uns zu!

Turbulenzen gibt es anscheinend auch an der Wiener Volksoper. Dort wurden drei Tage vor der "Rigoletto"-Premiere zwei der drei Hauptrollensänger ausgetauscht (böse Zungen behaupten, man hätten den dritten auch gleich in den "Krankenstand" schicken sollen). Offizieller Grund: Erkrankung. Zwei Erkrankungen an einem Tag? Funktioniert die Heizung in der Volksoper nicht mehr?
Inoffiziell hat mir schon vor Wochen ein Insider verraten, dass die Zweitbesetzung die weit bessere sein soll. Versteht man an der Volksoper nicht viel von Stimmen? Gut, der Direktor ist Schauspieler mit bescheidenen Sangeskünsten, der beste Selbstdarsteller, den wir in Wien haben - sogar die Politiker stehen da hinten an, aber zur Sängerbeurteilung hat er doch einen Stab von Fachleuten.
Nun singt Jennifer O'Loughlin die Gilda. Die amerikanische Sängerin macht übrigens den großen Sprung von der Wiener Volksoper an die Met: die Zerbinetta wartet dort auf sie!


Cäcilia Bartoli startete ihre Deutschland Tournee, ob nun in München oder Berlin, ich weiß es nicht. Die ersten Kritiken sind jedenfalls in unserer Presseschau zu lesen.

Feinschmecker des Gesangs mosern derzeit gern über ihre Atemtechnik. Das sei doch mehr gehaucht und gezwitschert als gesungen, so das Verdikt. Und die Philharmonie ist kaum der ideale Ort für solche mit kleiner Stimme gezeichnete Silberstiftporträts.

Stimmt irgendwie, aber wenn Cecilia Bartoli auftritt, hat man es vergessen. Sie kam, sah und siegte. In Stiefeln mit roten Absätzen, die im 18. Jahrhundert nur Adelige tragen durften, einem rot gefütterten Umhang und roten Handschuhen rauschte sie herein. Sie zielte mit dem Hut auf den Cembalisten des Originalklang-Ensembles La Scintilla und verfehlte ihn. Dafür traf sie alle Noten der wilden Seesturm-Arie „Come nave“ des Händel-Zeitgenossen Nicolò Porpora.

Der "Regietheater-Altmeister" Hans Neuenfels hat ein Buch geschrieben: Verdi erscheint dem Verdi-Regisseur gleich mehrfach und doch nie während der Arbeit, sie trinken Wein vom Verdischen Weingut in Sant’Agata, der peinlicherweise moussiert; Mozart trinkt ebenfalls Wein, Beisl- Wein, viel Wein, und Richard Wagner, der „fahle Phallokrat“, bittet den Bayreuth-Neuling im Sommer 2007 höchstpersönlich ins Konferenzzimmer des Festspielhauses, um vom „Wahnsinn auf den ersten Blick“ zu berichten, der zwischen ihm und seinem Gönner Ludwig II. einst herrschte.
Man mag solche Fantasmagorien als spinnert abtun oder als naiv. Wie kann es ein nachschöpfender Künstler wagen, sich derart unverblümt mit unseren ehrwürdigen alten Meistern (zu denen allerdings auch Ferrucio Busoni, Alexander Zemlinsky und Bernd Alois Zimmermann gehören) ins Benehmen zu setzen? Neuenfels kann es, weil er nicht anders kann. Und seine sprachliche Grazie, seine unverkopfte Bildung, seine Gefühlsgewissheiten, seine Lustigkeit auch, die Widerhaken, die er dem Leser gerne unterjubelt, sie gestatten es ihm. Eine Poesie der starken Obsessionen, wahrscheinlich muss man das mögen.

Neuenfels hält sich nun schon so lange im Geschäft, dass ganz einfach etwas an ihm "dran sein" muss. Ich bin nur gespannt, in welcher Rolle er seine Ehefrau Elisabeth Trissenar in den Bayreuther "Lohengrin" integriert. Denn irgendwie muss sich doch der Ausflug auf den Grünen Hügel auch finanziell auszahlen.

"Neuenfels-Jünger" Michaela Dincu und Winnie Karnofka verlegen im Gelsenkirchner "Musiktheater im Revier" / Kleines Haus ihre "Ariadne" ins Schwimmbad: „Das Bühnenbild sorgt zudem für eine erhöhte Schwierigkeitsstufe, weil das Orchester im Schwimmbad sitzt, was die Akustik stark beeinflusst, und weil einige Musiker gar keinen Blickkontakt zueinander haben”, so Baumann. Wie gesagt: es wird spannend. Premiere von „Ariadne auf Naxos” ist am 23. Oktober um 20 Uhr im Kleinen Haus des MiR.


Udo Jürgens hat sein Musical im Wiener Raimundtheater untergebracht. "Unter'm strich wird die Frage gestellt, ob Deutschland eine "Bulettenrepublik ist. Dazu möchte ich mich nun wirklich nicht äußern: Wer eine Frikadelle stiehlt, bedient sich morgen vielleicht am Lippenstiftstand, übermorgen an Steuergeldern. Die Bagatellisierung von Straftaten muss aufhören! Gut gebrüllt: Wehret den Anfängen!

Jürgen Klinsmann wird sich bei Franz Beckenbauer über das Lob bedanken: "Louis van Gaal (das ist der Bayern-Trainer, den sogar seine Töchter "siezen" müssen) ist ein Fachmann, das Gegenteil von Klinsi". Und Bayern München ist der einfachste Fussballclub der Welt. Der Trainer braucht nur alle Spiele gewinnen, dann ist er unangreifbar!

Das habe ich freilich nicht gewusst. Deshalb schließe ich mit Wünschen für ein schönes Wochenende.
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Samstag, 17.10.2009

Heute findet an der Wiener Volksoper die Premiere von Verdis "Rigoletto" statt, drei Tage vor der Premiere wurden die Sängerdarsteller der Gilda und des Herzogs umbesetzt, oder - richtiger gesagt - mussten "wegen Erkrankung ausgewechselt" werden. Somit singen heute 2 Polen (möglicherweise ist einer davon Tscheche oder Slowake, so genau weiß ich das nicht) und 2 Amerikaner (einer davon ganz augenscheinlich koreanischer Abstammung) die 4 größten Rollen. Und alle 4 mussten diese Rollen in deutscher Spracher lernen, weil sich der Herr Direktor das so einbildet! Ich nehme an, dass unser Richard Lugner - falls er für heute abend eine junge Begleiterin findet - der Premiere beiwohnen wird (ohne Ritchie läuft in Wien kein "Ereignis"). Seinetwegen wird wohl Deutsch gesungen - weil sich eben dieser Ritchie Lugner in St. Margarethen beschwert hat, dass "er nicht weiß, was die da vorne singen".

Auch ich kann bestenfalls italienisch essen, keineswegs sprechen, aber diesen Libretto-Unsinn brauche ich wirklich nicht verstehen - mir genügt die Handlung in kurzen Umrissen. So gut kann die deutsche Übersetzung gar nicht sein, als dass ich sie mir gerne anhören möchte. Irgendwann werde ich wohl in diesen Volksopern- "Rigoletto" gehen müssen, man muss ja schließlich mitreden können!

Natürlich wird zeitversetzt inszeniert, die Handlung spielt in der römischen "Filmstadt", der Herzog ist selbstverständlich kein Herzog, sondern ein Filmstar. Wenn das gut gemacht ist, habe ich überhaupt kein Problem damit . Nur soll mir der Regisseur nicht im Programmheft erzählen, dass der Komponist das eigentlich genau so gemeint hat. Das ist die Sichtweise des Regisseurs, der Versuch einer Deutung aus seiner Sicht - und diese soll er ganz allein verantworten. Denn wenn der überwiegende Teil der italienischen Komponisten so tiefsinnig konzipiert und komponiert hätte, wie uns das die "klugen Büchlein", geschrieben natürlich von den Dramaturgen, erzählen, dann hätten sie sich in erster Linie um bessere Libretti bemühen müssen - und diese nicht bei Autoren von Schundromanen billig einkaufen dürfen. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel. Der "Online-Merker" ist bei dieser Premiere vertreten.

Bereits sechs Kritiken sind bei uns über die "Tancredi"-Produktion im Theater an der Wien zu lesen, drei Eigenberichte und drei Pressekritiken. Unsere Mitarbeiterin Renate Wagner musste sich auch bereits wieder wegen ihrer Sängerbeurteilung rechtfertigen - weil ein Leser anderes gehört haben will, als eigentlich sechs Rezensenten. Diese "Rechtfertigung" geschieht bei ihr nicht im Forum, sondern mittels Mail. In ihrer Kritik fällt mir ein Satz auf, denn ich voll unterschreiben möchte - weil ich ähnliche Beobachtungen gemacht habe: Das Publikum klatschte zwar zwischendurch wenig und nicht sonderlich animiert, wirkte am Ende aber recht begeistert. Ich bemerke das auch: da sitzen Leute mit gesenktem Haupt und geschlossenen Augen da - wohl weil sie sich so auf die Musik und weniger auf die Szenerie konzentrieren wollen - und brechen dann bereits beim ersten Zucken des Vorhanges - da wird der Applaus bereits von den Schnellklatschern angezogen - in lautes Begeisterungsgebrüll aus. Man will ja schließlich zeigen, wie sehr es einem gefallen hat. Und ausgeschlafen ist man auch!

Das beste Mittel gegen Theaterschlaf sind schlechte Sitze. In der Volksoper hätte ich gestern - selbst bei bestem Willen - gar nicht einschlafen können. Dabei sind meine Beine keineswegs sehr lang, aber trotzdem wusste ich auf meinem Platz in der 1. Reihe Balkon mit Brüstung davor nicht, ob ich sie nun nach links oder rechts verbiegen soll. Gut, ich habe eine Knieoperation sowohl hinter als auch noch vor mir, aber das war eine Tortur. Ich habe den "Schlusspfiff" geradezu herbeigesehnt - trotz ganz guter Aufführung eines Musicals!

Aporopos Sitze: Wiens Staatsoperndirektor vor den Vorhang! In seiner letzten Amtsperiode hat er dem Merker bessere Plätze verschafft. Es sind dies zwei der besten Plätze in der billigen Preiskategorie. Entgegen anderslautenden Gerüchten bekommen wir nur in Ausnahmefällen Pressekarten, wir haben bloß ein Anrecht auf Reservierung dieser "Merker-Sitze". Danke, Herr Direktor, das ist ein schönes Abschiedsgeschenk von Ihnen - auch wenn wir Ihnen nicht immer nach dem Mund geschrieben haben. Auch ich nicht - ich bleibe aber bei meiner Meinung: es kommt meist nichts Besseres nach!!!

Böses vernehme ich aus Wuppertal. Da wurde ein altgedienter Kritiker wegen einer Kritik von der Presse-Einladungsliste gestrichen - im Schauspielhaus ! wohlgemerkt. Nach seiner Kritik wurde der ehrenwerte Kritiker, Frank Becker, von der Marketing-Dame der Wuppertaler Bühnen - nach über 40 Jahren Kritikertätigkeit - anscheinend auf die rote (bei uns in Wien ist das die "schwarze") Liste gesetzt. Darüber hinaus verlangt die zuständige Dame der Marketing-Abteilung per Brief, dass Becker das Logo der Wuppertaler Bühnen aus allen Rezensionen löscht, die er je geschrieben hat. Sic! Auch aus seinen Berichten in der Vorgänger-Ära!

Die besagte Kritik können sie lesen: "Eine Billion Dollar" - bei uns zu finden im Bereich Sprechtheater. Bei diesem Intendanten wäre unsere Renate Wagner (die vor allem an der Volksoper, Dank auch den den von mir kritisierten Direktor Meyer) - und nicht nur die - längst der Verbannung anheimgefallen! Auch dieses Beispiel beweist, was wir an unserem Holender haben. Der verschafft uns sogar bessere Sitze!

Andere Länder, andere Sitten - ein oft verwendeter Spruch von mir. Aber die Deutschen sind gestraft genug. Die verlieren nun ein weiteres Weltkulturerbe: die Besenkammer, in der Boris Becker...... Aber Bobele will für Ersatz sorgen, das hat er fest versprochen. Aber lesen Sie doch selbst - in unserer Presseschau "Unter'm Strich".


Das beruhigt mich nun wieder - und somit wünsche ich einen schönen Samstag!

A.C
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Sonntag, 18.10.2009

Ein Mann mit Harfe, das ist wie eine Frau im Box-Ring. Beides gibt es - und sogar auf Weltklasse-Niveau. Heute erhält Xavier die Maistre in Dresden den "Echo" als bester Instrumentalsolist - und ich habe exakt vor einer Woche auf dem Bildschirm mit der armenisch-stämmigen Boxerin Susianna Kentikian mitgefiebert, als sie im WM-Kampf ihre türkische Gegnerin verdroschen hat. Das war "Box-Ästhetik pur" von beiden Kämpferinnen, ein Kampf, der keine Verliererin verdient hat - sozusagen die "Hohe Schule der Box-Kunst". Auch das gibt es, liebe Opernfreunde!

Gibt es überhaupt genügend Werke für die Harfe? Es wird schon einen Grund haben, warum etwa in der Romantik nur zweitrangige Komponisten für die Harfe geschrieben haben.

Xavier de Maistre räumt mit allen Klischees auf. Er füllt riesige Säle (zuletzt etwa die 4000 Personen fassende NHK-Halle in Tokio oder die Mailänder Scala, gemeinsam mit der Sopranistin Diana Damrau). Demnächst (27., 31. Oktober) tritt er mit Bo Skovhus im Musikverein auf. 65 Konzerte spielt der Franzose in dieser Saison als Solist - deshalb hat er sich für ein paar Monate bei den Wiener Philharmonikern und dem Staatsopernorchester karenzieren lassen. "Mir sind zum Glück alle sehr entgegengekommen."
Gut so, wir Männer fordern Gleichberechtigung!

Die Wiener "Rigoletto-Premiere an der Volksoper ist nun auch bereits gelaufen und bei uns in gewohnter Weise von Renate Wagner rezensiert. Das heißt, die Kritikerin schreibt, was für sie Fakt ist, ohne "Premierenbonus". Der Tenor durfte nun doch italienisch singen, der Rest war – Deutsch. Und wie! Abgesehen davon, dass keiner der Künstler Deutsch als Muttersprache hat (nur die O´Loughlin klang ziemlich bemerkenswert), hat die Übersetzung jede Menge Stolpersteine der Betonung und Vergewaltigung der Gesangslinie eingebaut. (Jacek Strauch dürfte einmal eine andere Übersetzung gelernt haben, denn er segelte oft im freien Fall durch den Text.) Man konnte alles vorzüglich sichtbar über dem Bühnenportal mitlesen – da hätte man doch, schüchtern angemerkt, gleich Italienisch singen können? Als Publikum hätte man ebenso viel verstanden und es hätte viiiiiiiel schöner geklungen! Aber man weiß ja, worauf man Direktor Robert Meyer nicht ansprechen darf. In der Volksoper wird Deutsch gesungen, und wenn wir das letzte Haus sind, das die Italiener übersetzt! Basta! Nein, Entschuldigung: Punktum!
Einen Irrtum meinerseits aus der Samstag-Kolumne muss ich korrigieren: Jacek Strauch ist weder Pole noch Slowake, sondern geborener Londoner!

Das Publikum war wieder typisch "Marke Premiere": kaum Differenzierung beim Schlussappplaus, das Regieteam wurde "höflich ausgebuht".

An anderer Stelle unserer Presseschau lässt Andreas Homoki tief in die Psyche der Regisseure blicken: Das Bild, welches von uns Theaterleuten oft gezeichnet wird, ist geprägt durch vielfältige Klischees. Und natürlich schmeicheln viele dieser Klischees auch unserer Künstler-Eitelkeit. Dennoch werden mir viele meiner Regisseurskollegen zustimmen, dass es recht anstrengend wäre, 24 Stunden am Tag den genialischen Sinnsucher zu geben, auch wenn wir uns zuweilen gern als solchen bewundern lassen.

Nun, als "genialischen Sinnsucher" können wir den Rigoletto-Regisseur der Volksoper, Stephen Langridge (und wohl auch seinen Ausstatter Richard Hudson ) nicht bezeichnen. Sollte er tatsächlich einen Sinn gesucht haben, wirklich fündig ist er nicht geworden!

Das "Opernereignis des nächsten Wochenendes " findet in Berlin statt: Placido Domingo singt die Bariton-Rolle des "Simone Boccanegra". Daniel Barenboim, der die Premiere dirigiert, rollt ihm den roten Teppich aus: "Wenn Placido hier noch Tenor- oder weitere Bariton-Partien singen möchte, ist er herzlich eingeladen. Und wenn er noch zum Bass kommt, auch.
Da steht wohl noch eine lange Karriere bevor!

Und weiter mit Domingo und "Simone": Ein Risiko zumindest für Deutschland dürfte hingegen der Regisseur und Kunsthistoriker Federico Tiezzi darstellen. Er hat auf Wunsch Domingos eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert geschaffen. Tiezzi geht davon aus, dass Opern unter vorschnellen Aktualisierungen leiden. Seine Arbeit zielt darauf ab, Geschichte als Differenz erfahrbar zu machen. Für "Simon Boccanegra" bedeutet ein solcher Ansatz in erster Linie, das Archaische und Mysteriöse dieses Stoffes hervorzukehren, die innere Wahrheit der Figuren, die "Schönheit der Existenz und auch ihre absolute Melancholie." Es soll eine Tiefenschärfe erreicht werden, wie sie Ingmar Bergmans Filme auszeichnet. Die Aura Plácido Domingos, so Tiezzi, sei geradezu ideal für ein derartiges Konzept.
Domingos Traditionalismus ist notorisch. Einen Konservativen darf man ihn trotzdem nicht nennen. Vielmehr wird er von einem erstaunlichen Hunger nach Neuem getrieben. Nur wenige namhafte Sänger engagieren sich so stark wie Domingo für das zeitgenössische Opernschaffen - wobei er allerdings auch hier auf Kantabilität gesteigerten Wert legt, auf Melodie und Harmonie. Das hat zweifellos mit seiner lateinischen Herkunft zu tun. Und vor allem mit seinem Menschenbild.
Placido Domingo ist zutiefst religiös, er betet vor jedem Auftritt zu Sankt Blasius, dem Schutzheiligen des Halses. Seine Gabe versteht er nicht als Verdienst, sondern als Geschenk, das er weiterreichen muss an möglichst viele Menschen.

Sie haben richtig gelesen: es ist besonders in Deutschland ein Risiko, eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert zu schaffen - und der Regisseur bedarf eines Placido Domingos, damit ihm dieser Fauxpas verziehen wird! Na denn, ihr Koskys und Bieitos dieser Welt, Ihr habt exakt den richtigen Riecher bei der Wahl Eurer Wirkungsstätte bewiesen!

Gert Voss liefert diesmal den "Spruch des Tages"

Den "Sager des Tages" beschert uns heute der verunglückte Burgtheater-Vorturner Gert Voss: Da behaupten die Theater-Leute, dass sie die größte Sensibilität für einander haben, in Wirklichkeit sind sie doch alle Egoisten, ich mit eingeschlossen.

Voss konkurriert in unserem Ranking mit dem "Buchtitel des Jahres": Das Leben ist keine Waldorf-Schule!

Wie recht er hat, der Gert Voss und auch der Buchtitel! Treffenderes fällt mir heute auch nicht ein. Deshalb wünsche ich einen schönen Sonntag!
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Dienstag, 22.9.2009Angesagte Revolutionen finden meist nicht statt. So wurde Barrie Koskys Rigoletto-Inszenierung an der Komischen Oper Berlin sogar ziemlich wohlwollend aufgenommen. Ob das dem Regisseur so wirklich befriedigt hat? Mit dieser nur lauwarmen Ablehnung reicht es heute nicht für das Titelbild! Der Schlussapplaus war typisch für das heutige Zeremoniell: Buhrufe, die Bravos geradezu provozieren ( man muss schließlich beweisen, dass man intellektueller, aufgeschlossener ist als die Reaktionäre unter den Besuchern), Jubel für die Sänger. Unsere Mitarbeiterin Ursula Wiegand lieferte nicht nur die allererste Kritik, sie kam auf Koskys Deutung erst gegen Ende des Berichtes, fast so am Rande, zu sprechen. Immerhin ist "Rigoletto" nach wie vor von Giuseppe Verdi und nicht von Barrie Kosky. Um in Hochform zu gelangen, braucht Kosky offenbar Feindbilder. Verdi ist ihm da nicht genug, wann kommt der nächste Wagner?
In Köln hat sich der Intendant Uwe Eric Laufenberg erwartungsgemäß seine"Meistersinger" nicht selbst beschädigt. Freilich, er wird unsere Merker-Freundin Elena Habermann zum Telefon greifen lassen, die heute stellvertretend für alle Hunde dieser Welt protestieren wird: Hunde mögen, so scheint es, Wagner. Sie jaulen jedenfalls nicht, wenn Kirchengesänge oder „Heil Sachs“-Chöre aufrauschen. Mindestens zwei (bei Wagner nicht vorgesehene) Hunde wirken in Uwe Eric Laufenbergs Kölner „Meistersinger“-Inszenierung als Statisten mit. Sie erscheinen in sämtlichen drei Akten als Accessoires bettelnder Unterschichtler am Bühnenrand. Die Zeiten ändern sich, das Lumpenproletariat, also die Segmentierung der Gesellschaft in Besitzende und Besitzlose, bleibt.
An anderer Stelle: Geht so was? (gemeint sind nicht die Hunde, sondern Laufenbergs Ideen). Ja, es geht - abgesehen davon, dass Laufenberg eine unmittelbar verständliche, mitunter liebevoll brueghelhafte und vor allem ganz aus der Musik und der szenischen Situation heraus entwickelte Personenführung und Choreografie walten lässt. Die unterschiedlichen Zeitebenen sind schließlich bei Wagner selbst anzutreffen. Der Wahn-Monolog des Hans Sachs etwa - das ist purer Schopenhauer, seine Festwiesenrede aggressiver Nationalismus. Denkt und spricht so ein Stadtbürger der Lutherzeit? Das macht: Wagners Nürnberg ist Traum, Spiel, Fantasma ohne historistischen Realgehalt. Laufenberg macht diesen Fiktionscharakter mit antiillusionistischen Effekten unübersehbar: Zu Beginn des Vorspiels ist die Bühne kahl und leer, und am Ende des ersten und zweiten Aktes brechen die Rückwände weg. Laufenberg hatte auch ein passables Sängerensemble zur Verfügung: Robert Holl als Sachs. Johannes Martin Kränzle als Beckmesser, während Marco Jenztsch als Stolzing und Astrid Weber als Senta schlichtweg fehlbesetzt schienen (siehe unsere Kritik von Dirk Altenaer - wie immer sehr pointiert. Er übersandte sie mit dem Zusatz: Die selige Abenddeutweise ward hier geboren, jetzt sei ihr die Interneteinstellung erkoren ...PS: Oder hätte ich besser sagen sollen, anbei der Sch... vom Sonntag???). Librettist sollte Altenaer dennoch nicht werden, er möge uns als Rezensent erhalten bleiben!
Zürich und sein "Mosé" bietet keinen wirklichen Aufreger, am Salzburger Landestheater ("Le nozze di Figaro") durfte man zumindest auf ein "Skandälchen" hoffen: Der neue Intendant am Salzburger Landestheater Carl Philip Maldeghem hat versucht zu retten, was zu retten war. Drei Tage vor der Premiere hat er den Regisseur seiner Eröffnungsoper gefeuert und die Arbeit durch den Regieassistenten Rudolf Frey fertigstellen lassen. Aber Frey konnte in dem von Regisseur Christian Sedelmayer gänzlich verkorksten „Figaro“ in zwei Proben nur noch Details reparieren, und so beginnt Maldeghems Intendanz und zugleich die Saison am Salzburger Landestheater mit einem szenischen Total-Fiasko. Von Anfang an war offensichtlich, dass in dieser Inszenierung nicht ein Funken Idee steckt.
Es muss aber lobend erwähnt werden, dass der szenische Totalausfall das Hauptaugenmerk auf die jungen Sänger lenkte und diese wirklich hervorragend waren. Selten ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei wäre.

Es gibt keine Blödheit, die nicht noch zu toppen wäre. Nun soll über die amerikanische Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin eine Oper entstehen. Von Palin bleiben Kampfparolen wie die Charakterisierung einer engagierten Mutter («Hockey Mom») als Kampfhund mit Lippenstift in Erinnerung. Der Komponist Curtis Hughes macht sie nun zur Hauptfigur seiner Oper «Say It Ain’t So, Joe». Wie wäre es, Herr Regisseur Sedelmayer? Dieser Stoff wäre für Sie doch interessanter als ein "Figaro"?

Wer beerbt Albrecht Puhlmann in Stutttgart? Die Wahl scheint auf Jossi Wieler zu fallen.

Bei mir laufen schon die Reisevorbereitungen, am Donnerstag düse ich für eine Woche nach Yerevan ab. Hoffentlich funktioniert dort das Internet, mit dem Laptop werde ich mich auf jeden Fall bewaffnen. In Wien vertritt mich während meiner Abwesenheit meine "Schnellschreiberin" Dr. Renate Wagner. Armenien ist ein herrliches Land mit ebensolchen Menschen. In Yerevan gibt es zwar eine Oper, die sogar das Stadtzentrum bildet, gespielt wird dort jedoch nur sehr selten. Böse Zungen - und die gibt es auch in Yerevan - meinen, dass die Oper nur dazu da ist, damit der Direktor darin seinen Rausch ausschlafen kann.

Einen schönen Tag wünscht
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Mittwoch, 23.September 2009

Ein Foul gab's schon vor der Saison-Eröffnung der New Yorker Metropolitan Opera: Noch ehe der Vorhang für Puccinis "Tosca" - Luc Bondy gab damit sein Regie-Debüt an der MET - aufging, mobilisierte die New York Times Franco Zeffirelli mit einer untergriffigen Attacke auf den Wiener-Festwochen-Chef, als hätte Zeffirelli den Anspruch auf Werktreue allein gepachtet. Zeffirellis opulente und extrem populäre Inszenierung aus dem Jahre 1985 musste einer neuen weichen.

Nun, wenn man sich obiges Photo eines Auschnittes aus dem 2. Akt der Bondy-Inszenierung ansieht, sieht man, dass Herr Bondy sehr wohl zu wissen scheint, wem er wann und wie eine Inszenierung zumuten kann - und wo das eben so wie heute üblich nicht "reingeht". Bei den Amerikanern nämlich! Dass sich Altmeister Zeffirelli für einen derartigen Untergriff missbrauchen lässt, ist ein eigenes Kapitel. So viel übrigens zur so oft angesprochenen Solidarität unter Künstlern - die gibt es nämlich weit weniger als anderswo.


Freilich, ich frage mich, welcher Direktor die Courage aufbringt, einmal die kultige Wiener "Tosca" zu killen. Holender hat es kluger Weise vermieden, ein dringendes Bedürfnis bestand auch nicht ("es kommt nichts Besseres nach" - hoffentlich gilt das nicht auch für den Direktor). Aber der, der es macht, hat bereits verloren, bevor der Lappen überhaupt hochgeht. Die alte Regisseuse wehrt sich zwar nicht mehr, wohl aber die Wiener Opernfreunde, die mit dieser Inszenierung "groß geworden" sind und die - wie bereits erwähnt - Kultstatus genießt. Der Merker-Traditionalistenpapst Michael Tanzler fährt, soviel ich weiß, auch ein ziemlich neues Auto - obwohl das alte auch ganz gut war. Aber irgendwann ist dann doch der Verschleiß so stark, dass die ständigen Reparaturen teurer kommen als eine Neuanschaffung. So ähnlich verhält es sich wohl auch mit alten Bühnenbildern. Sparmaßnahmen würden allerdings kaum als Argumentation für eine "neue Wiener Tosca" angeführt werden - und voraussichtlich wird es auch noch einige Zeit dauern, bis diese "heiße Kartoffel" angegriffen wird. Welcher Regisseur will schon Bondys New Yorker Schicksal erleiden??? Kosky vielleicht, aber mit Puccini hat
der offensichtlich auch kein Problem. Denn in Wien wird unter Garantie nicht so viel Rücksicht auf den individuellen Geschmack - auch der Sponsoren - genommen, wie überall in Amerika. Die Damen und Herren Regisseure wissen das sehr wohl, und toben sich eben dort aus, wo Ihnen der Beifall zumindest eines Teiles des Publikums sicher ist - in erster Linie natürlich im "Regietheaterwunderland" Deutschland, aber wohl auch bei uns in Österreich. Viel Widerstand wird bei uns traditionsgemäß nicht geleistet!

In unserem Forum toben sich Diskutierer (oder heißt das "Diskutanten" - hat das etwas mit "Tanten" zu tun?) wegen Tatjana Gürbacas Duisburger "Salome" aus. Kölns "Meistersinger" - Neuinszenierung durch den Intendanten persönlich erweckt dort kaum Interesse. Ich habe diese "Meistersinger" in meiner gestrigen Kolumne etwas zu schnell abgehandelt, weil ich erstens die Inszenierung nicht gesehen habe und mir zweitens frühmorgens nur eine einzige Kritik vorgelegen ist. Auch glaubte ich, Herrn Laufenbergs Inszenierungsstil aus früheren Arbeiten zu kennen. Aber Uwe-Eric Laufenberg inszenierte keine "Tosca" oder "Butterfly", sondern "Meistersinger" - und damit eines der heikelsten Werke für einen Regisseur - zumal in Deutschland: Im dritten Akt dieser „Meistersinger“ sehen wir viele Bilder, die Neuanfang symbolisieren: historisches Filmmaterial, dessen buntes Durcheinander erzählt, wie sich die Kölner nach der bösen Nazizeit ihre kaputte Stadt wieder neu aufgebaut haben. Wenn der Junker Walther in seinem Preislied vom Paradies singt, sehen wir dessen irdisch-kölsche Erscheinungsform: eisessende Normalmenschen auf der Domplatte, konkrete Utopie gewaltfrei lutschenden sozialen Miteinanders. Singt kurz danach aber Sachs sein von Regisseuren gefürchtetes „Habt acht“, die Warnung an die Deutschen vor „welschem Dunst und welschem Tand“, dann zeigt der Bilderstrom Hakenkreuze und Hitlergrüße. Und wo Regisseure sich anderswo das Hirn zermartern, was sie mit Sachsens Bekenntnis zu „deutsch und echt“ und „deutscher Meister Ehr'“ anstellen, sofern sie die Hauptfigur der Oper nicht (wie Katharina Wagner in Bayreuth) demontieren wollen, da lässt Laufenberg den Sachs einfach eine Generalpausen-Gedenksekunde einlegen und zeigt Bilder aus Konzentrationslagern.

Laufenberg konnte also auch nicht dem widerstehen, was Regisseure offenbar als Pflichtübung empfinden! Katharina Wagner hat es ja sogar in Bayreuth vorexerziert. Auch die Einbeziehung der Aufführungsstadt in die Inszenierung ist ein alter Hut, denn Köln hat mit den "Meistersingern" in etwa so viel gemein wie Wien mit der Handlung des "Troubadours". Und wo diese Wiener Inszenierung gelandet ist, wissen wir: im Müll!

"Tannhäuser" ist derzeit in Berlin und Bonn besonders in Mode, in Wien stellte sich der Tenor Endrik Wottrich an der Volksoper als Bacchus vor. Da kann ich mitreden, weil ich dabei war. Er ließ sich vorsichtshalber als indisponiert ansagen (was der Staatsoperndirektor bei Fabio Armiliatos "Don Carlo" strikt verweigerte), absolvierte jedoch dann seinen schwierigen Part mehr als bloß akzeptabel.

Unter'm Strich fragt sich "Ritchie Lugner", ob seine öffentliche Trennung von "Bambi" gescheit war. Ich wüsste die Antwort, aber mich fragt er ja nicht!

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Mittwoch!


A.C.


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Donnerstag, 24.September 2009

Da hat Luc Bondy aber schön geschaut! Zuerst wurde er in New York von einem Altmeister medial gemeuchelt, dann fiel er auch bei Publikum und Presse durch. Die ersten Kritiken sind da (auch in unseren Reviews, die durch unsere Renate Wagner wachgeküsst werden) - und es kam, wie es kommen musste. Was in "Good old Europe" reingeht , wo Kritiker für alles eine Erklärung finden, von der selbst die betroffenen Regisseure überrascht sind. Bei uns wird ihnen nachträglich erklärt, was sie denn alles Tiefsinniges in so eine simple Handlung eingebaut haben. In Amerika ist alles anders, die Amerikaner wollen verstehen, was sie sehen. Und tun sie das nicht, dann suchen sie die Schuld nicht bei sich und hinterfragen ihren eigenen Intellekt, dann ist eben der Regisseur schuld. Warum liefert der auch keine Gebrauchsanweisung zu seiner Inszenierung mit! Was hätten die New Yorker wohl mit Tatjana Gürbacas Duisburger "Salome" gemacht? Diese Salome schlägt in unserem Forum hohe Wellen, mittlerweile wird in 50 Einträgen längst nicht mehr über das Geschehen auf der Bühne diskutiert, sondern es werden bereits Termine für Duelle mit schweren Säbeln vereinbart! Aber lesen Sie doch selbst - falls Sie hart im Nehmen sind!

Aber nun zurück zur New Yorker "Tosca": Bondys "Tosca" steht in großem Kontrast zu der Version seines italienischen Kollegen Franco Zeffirelli. Dessen naturalistische und aufwendige Inszenierung war seit 1985 unverändert in der Met gespielt worden. Bondys Kostüme und Bühnenbild wirken im Vergleich dazu kahl, einige Szenen sind sexuell anzüglich oder gewalttätig. "Die Reaktion war sehr, sehr heftig, weil die New Yorker 'Tosca' seit 22 oder 30 Jahren haben und sie nichts anderes sehen wollen. Es ist ein Problem zu denken, dass ein Werk existiert und eine endgültige Interpretation hat", sagte Bondy der Tageszeitung.

Mit der "Tosca" wäre ihm eine solche Ablehnung auch in Wien passiert, aus dieser Sicht sind viele Wiener Opernbesucher eben "New Yorker". Aber vielleicht wird Luc Bondy seinen Entschluss, die Wiener Festwochen hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen, schon bereut haben. So kommod wie in Wien, mit diesen Kulturschaffenden, dieser Presse und wohl auch diesem Publikum, wird er es anderswo kaum haben.

Auch nicht im Regietheater-Wunderland Deutschland, wo er schon Deftigers bieten müsste. Das hat dieser Tage auch Klaus Weise in Bonn erfahren, der dort "Tannhäuser" inzenierte und an den nun immer mehr wieder in Mode kommenden Hans Neuenfels gemessen wird: Die spektakulärste „Tannhäuser“-Inszenierung dieser Tage ist die von Hans Neuenfels am Essener Aalto-Theater anno 2008. Schrille Überdrehung, eine Sturzflut an Einfällen, zugleich eine Umwertung aller Werte - das alles kann man kritisch sehen, aber auf seine Weise zu toppen ist es kaum. Wer relativ kurz danach und in regionaler Nachbarschaft Wagners romantische Oper erneut auf die Bühne bringt, hat es schwer. Neuenfels nacheifern zu wollen, wäre peinlich, aber die Rückkehr zum Normalmaß hat auch etwas Unbefriedigendes: Leicht wird sie vom Fluch des Gediegen-Konventionellen, des Mangels an Mut ereilt. Klaus Weises Inszenierung, mit deren Premiere jetzt die Bonner Spielzeit begann, ist dieser Kalamität nicht ganz entgangen"

Ein Bildband über den Tänzer und Choreographen Vladimir Malakhov ist soeben erschienen, mit Nacktphotos: Der Ballett-Tänzer Vladimir Malakhov (41) hatte früher Probleme mit Nacktfotos - findet es heute aber das Natürlichste der Welt, sich für ein Fotoshooting auszuziehen.
«Am Anfang war es schwierig, da war ich blockiert», erzählte Malakhov am Mittwoch in Berlin über die insgesamt 18-jährige Arbeit an dem Bildband «Vladimir Malakhov» des Fotografen Dieter Blum. «Ich war jung und scheu und Dieter sagte, wir machen Nacktbilder», erinnerte sich Malakhov, der Intendant und Erster Solotänzer des Staatsballetts Berlin ist.

Aus einem Berner Hochhaus können Sie am kommenden Dienstag (29.9.) "La Bohème" via Fernsehen sehen. Auf so einen intimen Rahmen freue ich mich immer, ich werde wohl den DVD-Recorder programmieren!

Ein Buch über die großen Pianisten ist erschienen - und erregt Aufsehen: Dieses Buch ist eine Provokation. Der Berliner Musikjournalist Jürgen Otten will einen Überblick über die „Die großen Pianisten der Gegenwart“ geben und erwähnt die drei wirklich Großen mit keinem Wort. Martin Stadtfeld, Hèléne Grimaud und Lang-Lang kommen nämlich gar nicht vor!

Unter'm Strich kommen wir diesmal auf die immer zahlreicher werdenden Kevins, Justins und Jaquelines zu sprechen, die in der Schule für die Blödheit ihrer Eltern büßen müssen. Angeblich sind diese Namen gerade in unteren Bevölkerungsschichten sehr modern. Jaqueline Lugner entstammt zwar nicht einer solchen, ist aber mit ihrem Vater schon ziemlich schwer geschlagen. Ich habe mich immer bemüht, diesem Mann, der in seinem Leben geschäftlich viel erreicht hat, Fairness angedeihen zu lassen (wer das schafft, was Lugner erreicht hat, kann nicht blöd sein), aber bei den neuerdings mittels Fernsehen ausgetragenen Trennungen von Gefährtinnen, die locker seine Enkelinnen sein könnten, kommen mir da schon Bedenken.

Auch mit anderen Namen ist ein Kind oft bestraft. Meine Tochter heißt Isolde - und mit diesem Namen war sie einige Jahre lang ziemlich unglücklich. Wurde sie doch in der Schule von den Mitschülern und wohl nunmehrigen Eltern der Kevins "Fisole" genannt. Mittlerweile genießt sie die Exclusivität dieses Namens, was bei den Jaquelines ja kaum möglich ist!

Nun gestatten Sie mir bitte einige weitere Worte in eigener Sache: unsere Bildergalerie ging "den Bach runter", sie war auch bloß angemietet. Die Bilder sind zwar gerettet, aber die Beschriftungen fehlen. Wir hatten auch sichtlich viel zuviele Photos in dieser Galerie. Nun sind die Bilder in einer neuen Galerie zwar wieder drauf, die Bearbeitung dauert aber sicher sehr lang. Wem von den Merker-Freunden ist fad und wer hat gleichzeitig auch das nötige fachliche wie technische Verständnis, um dieser Photogalerie wieder ein neues Gesicht zu verleihen? Meine engsten Mitarbeiter und auch ich schaffen das nicht! Ich fliege heute für eine Woche nach Yerevan, in die Hauptstadt Armeniens. Vielleicht kann nach meiner Rückkehr ein Helfer mit mir Kontakt aufnehmen!

Während meiner Abwesenheit vertritt mich Dr. Renate Wagner. Ob und wie sie diese Kolumne weiterführt, bestimmt allein sie.

Ich wünsche Ihnen für die Zeit meiner Abwesenheit alles Gute!

A.C.

Samstag 25. September 2009


"Einwurf aus Yerevan": Ja, mir geht es hier gut, denn ich werde von Feunden verwöhnt. Ansonsten aber macht mich die Situation in Armeniens Hauptstadt nicht glücklich. Ich mache mich hier auch zum Politberichterstatter, denn die Art und Weise, wie hier für die Anerkennung des "Freundschaftspaktes" zwischen den Armeniern und den Türken geworben wird, ist selbst für uns Österreicher, die wir tendenzielle Berichterstattung in ORF und individuell subventionierter Presse gewohnt sind, nicht mehr auszuhalten. Ich habe hier Gelegenheit, das Ohr an der Stimme des Volkes haben zu dürfen, glauben Sie mir, ich höre so ganz "andere Wahrheiten" als jene, die wir in Österreich in gefilterter Bearbeitung darüber zu hören bekommen. Soviel zu meiner Meinung über die sogenannten "Auslandskorrespondenten". Ich werde mich dazu in den nächsten Tagen mit erweitertem Wissensstand noch melden, da werde ich dann wirklich politisch, ohne in die Niederungen der österreichischen Parteipoitik niedersteigen zu müssen!
In Wien scheint dank Renate Wagner alles bestens zu klappen, zumindest beim Merker. Mein Laptop droht mir bereits am 1. Tag 183 ungelesene Mails an, die ich hier natürlich nicht öffne. Ich freue mich, dass für mich sogar eine eigene Leitung installiert wurde, schnell ist das Internet hier trotzdem nicht. Dem Direktor der Oper in Yerevan tat ich in meiner Kolumne unrecht (die Oper ist nur dazu da, damit der Direktor seinen Rausch ausschlafen kann), denn der Direktor wurde ausgewechselt. Der noch vor einigen Jahren auch an großen Häusern beschäftigte Tenor Gegam Grigorian (es gibt auf DVD hervorragende Aufnahmen von Pique Dame mit ihm als Herrmann und auch eine "Forza" (Alvaro) aus St.Petersburg - er sang aber auch an der Met und in Mailand), mit dem ich schon eine Flasche Wodka geleert habe (mein Anteil daran waren maximal 15 %), ist von der Bildfläche verschwunden. Dafür gibt es heute Ballett, und da "in der Not der Teufel Fliegen frisst" sehe ich mir heute das Ballett "Don Quijote" an. Die Ballettfreunde mögen mir verzeihen, aber das geht auch auf persönliche Erfahrungen zurück. Vor vielen Jahren sah ich "Spartacus" aus dem Moskauer Bolshoi-Theater, das war Hochleistungssport pur und faszinierendes Theater zugleich. Daraufhin sah ich mir die Wiener "Spartacus"-Premiere an - in einer meiner Ansicht nach Softie-Version - und beschloss, nie mehr in ein Ballett zu gehen. Heute mache ich eine Ausnahme, vielleicht ändere ich wieder meine Meinung.
Ich melde mich wieder und wünsche von Yerevan aus ein schönes Wochenende!
A.C
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Sonntag, 27. September 2009

Ein Tag, der zu keinerlei Kommentar auffordert.
Die Berichte von den Grazer „Meistersingern“ am Samstagabend haben uns noch nicht erreicht, und bis wir von der „Walküre“ in Los Angeles hören (auch gestern Premiere), die Achim Freyer inszeniert hat, wird trotz des Internets noch etwas Zeit vergehen.
Unsere Dauerbrenner – Holender, Thielemann & Co. – halten still.
Anton Cupak hat sich schon mit seinem Ballettbericht aus Yerewan gemeldet, aber ich denke, er fügt auch hier noch etwas an…
Frage an Radio Erewan: Ist zu erwarten, dass Anton Cupak eine freie Leitung zu seinem geliebten „Merker“ findet?
Antwort: Im Prinzip ja.
R.W.
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"Einwurf aus Yerevan": Eine freie Leitung findet sich immer - solange mein Laptop nicht auf dem Fußboden landet, wie auf dem Flughafen passiert (Riesenglück für mich, dass er sich offenbar gut abgerollt hat). Aber das Internet ist hier nicht so rasend schnell, vielleicht liegt es auch bloß an meinem Laptop.
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Kaum kehre ich Wien den Rücken, sagt Kirill Petrenko seine Teilnahme an der Schostakowitsch-Premiere der Wiener Staatsoper ab - und flugs hat man einen hochwertigen Ersatz zur Hand. Die gestern aufgeworfene Frage, warum man in der Vorwoche keinen Des Grieux finden konnte, hat mich unmittelbar vor meinem Abflug immer noch beschäftigt - und wird mir auch noch längere Zeit keine Ruhe lassen. Ich habe gute Agenturen kontaktiert, die wurden wegen des Des Grieux gar nicht angefragt! Wollte man keinen finden? Ich bleibe da am Ball, Kriminalisten hoffen auf "Inspektor Zufall".
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In die politische Lage Armeniens vertiefe ich mich, aber es ist wohl nicht klug, die Meinung darüber im Internet zu verbreiten, bevor ich Armenien wieder verlassen habe. Gestern besuchte ich einen See, der 2.200 Meter über dem Meeresspiegel liegt. An den Einfahrtstraßen Yerevans ist Polizei postiert, wohl um die Autos nach Kennzeichen zu sondieren. Zwischen den Regionen herrschen offensichtlich politische Spannungen, wenn zuviele "feindliche Kennzeichen" in Anmarsch sind, wird in der Hauptstadt Alarm gegeben.
Faszinierend ist hier die Jugend, ich habe noch keinen betrunkenen oder "eingerauchten" Jugendlichen gesehen. Alle Schüler tragen während der Schulstunden eine Art Uniform, weiße Bluse oder Hemd, dunkler Rock oder Hose. Ich habe mehrere Schüler gefragt, ob es unter ihnen Kevins, Justins oder Rebeccas gibt - absolute Fehlanzeige. In der Schule herrscht strenges Leistungsprinzip, an den Universitäten ebenso. Wer 2 Prüfungen "verhaut", der "fliegt". Ich bin nicht bloß "auf Besuch" in Yerevan, ich habe auch einen medizinischen Grund. Nachdem ich plötzlich vermeintliche Herzbeschwerden bekam, obwohl mein EKG die tollsten Werte aufwies, kontaktierte ich 3 Ärzte und hörte 3 verschiedene Meinungen. Einer meiner Wiener Ärzte sagte wörtlich: "In Österreich kann jeder Trottel Arzt werden, wenn ihm nur sein Vater lange genug das Studium finanziert". Nun, bei "Trotteln" war ich nicht, aber die Sorge, an einen solchen zu geraten, trieb mich nach Yerevan. Meine Freunde verkehren dort auch in Ärztekreisen, also kontaktierte ich dortige Mediziner. Jetzt bin ich zumindest im Besitz einer vierten Diagnose! Montag habe ich noch einen Termin bei der angeblich besten Orthopädin Yerevans, meine Knieoperation im August vorigen Jahres war nämlich eine "Meisterleistung". Der Chirurg kam damals gerade aus dem Urlaub zurück, ich hörte bei örtlicher Betäubung, wie toll es in Südamerika war, weil er es seinen Assistenten unbedingt mitteilen musste. Mich hat das weniger interessiert, dafür musste ich später meine Laufbahn als Fußballschiedsrichter beenden und habe obendrein kräftig "zugenommen".
In der Oper war ich auch - aber "nur" bei Ballett. Aber Ballett ist hier beliebter als Oper, die Begeisterung dafür enorm. Da die Armenier aber auch andere Sorgen haben, ist man hier mit 70 % Auslastung des recht großen Hauses zufrieden. Da ich keine Japaner sah, die Holenders Wien-Bilanz schönen helfen, habe ich mich während der Vorstellung auch mit der Wien-Bilanz ohne Berücksichtigung der Touristen beschäftigt. Als Wiener Kulturverantwortlicher würde mir diese nämlich schlaflose Nächste bereiten!
Mit dem gefährlichen Straßenverkehr in Yerevan befasse ich mich, wenn ich wieder eine Lücke in dieser Kolumne zu füllen habe!
Schönen Sonntag aus Yerevan!
A.C

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Donnerstag 1.10.2009
"Lulu" am Theater Basel. Das Theater wurde "Bestes Opernhaus im deutschsprachigem Raum. Photo: Jörg Michel/Theater Basel

Man merkt es am Startbild - ich bin wieder zurück in Wien. Ich war natürlich nicht in Yerevan, um von dort über eine Ballettaufführung zu berichten. Über Details will ich - nach reiflicher Überlegung - an dieser Stelle nicht berichten. Erstens sind wir kein politisches Medium, zweitens bin ich außer Landes, aber meine Freunde müssen dort leben. Die will ich nicht gefährden. Also berichte ich dort, wo es hingehört und auch notwendig ist. Nur soviel: ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem es zwar den einen oder anderen politischen Wurstel gibt, in dem wir aber keine EU-Kommision brauchen, um die Rechtmässigkeit von Wahlen zu beurteilen. Wobei über die (dubiose) Rolle der Kommission viel zu sagen wäre - aber an geeigneterer Stelle!

Es gibt die Zeitschrift "Opernwelt", die vergibt sozusagen die "Oscars" der Opernwelt - zumindest in unseren Breiten. Wer sie dazu legitimiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber sie hatte halt als erste Zeitung dieses Genres diese Idee. Wie das funktionieren kann, weiß ich auch nicht, aber es kommen doch immer wieder Sieger hervor, die sich mit stolzgeschwellter Brust ob dieses Preises präsentieren. Soll sein, diesmal wurde das Theater Basel "Bestes Opernhaus" - es sei ihm gegönnt!
Beim "Merker" hatten wir auch schon einschlägige Ideen. Besonders Großzügige wollten sogar ein Merker-Abo mit diesem Preis verbinden. Bisher konnten wir diesem Schwachsinn widerstehen, aber wer weiß, wie lange diese Einsicht anhält. "Wer Preise stellt, der will am End noch, dass man ihm gefällt" - so lautet - abgewandelt - ein Zitat aus den "Meistersingern". Da kann der Preisverleiher doch gleich seiner Freundin das Geld in den Ausschnitt stecken - mit einem Zeitungsabo wird sich diese nicht zufrieden geben!

"La Bohème im Hochhaus" wurde von Renate Wagner gestern bereits abgehandelt. Deren Kommentare sind sachlicher als meine, vor "Fettnäpfchen" ist sie freilich auch nicht gefeit (siehe unsere Forumsdiskussion über Herrn Polanski). Ich finde es gut, wenn diese Kolumne von mehreren Autoren geschrieben wird. Jeden Tag das gleiche Essen schmeckt auch nicht. Das habe ich auch in Yerevan bemerkt, wo ich mich nach einem Wiener-Schnitzel gesehnt habe! Ob die nun genannten Zuschauerzahlen des Schweizer Fernsehens ein Erfolg oder eine Pleite waren, ist - wie so ziemlich alles im Leben - relativ!

Seit Kirsten Harms mitgeteilt hat, dass sie ihren Vertrag an der Deutschen Oper Berlin selbst dann nicht verlängern würde, wenn ihr das die Stadtverwaltung anbieten würde (vielleicht wusste sie schon mehr, als sie zugibt), wird sie plötzlich interessant und auch fairer behandelt.

"Ich halte es für absurd, wenn Altbauern ihre Höfe nicht übergeben wollen. Ich halte es für richtig, dass man in Pension geht." Das sagt "Altbauer" Engelbert Köb, für den Renate Wagner gestern eine Lanze gebrochen hat. Glücklich ist er freilich nicht, dass ihn der etwas eigenwillige Entschluss der österreichen Kulturministerin selbst betrifft. Auch der Züricher Kulturchef muss in Pension gehen - und motzt herum. Das ist der Lauf der Welt!

Elina Garanca hat nichts "Divenhaftes" an sich, das behauptet zumindest die "Berliner Morgenpost". Wobei wir wieder bei der Relativität wären. Wer, wenn nicht die auf mich stark unterkühlt wirkende Garanca, ist eine Diva? Schön, das wir alle so unterschiedlich empfinden.

Nun zum "Fettnapf" unserer Renate Wagner. Die Polanski-Diskussion geht munter weiter - und die Stimmung scheint gegen Polanski zu kippen. Schuld daran sind - wie meist in solchen Fällen - "Freunde" aus Künstlerkreisen, die sich ungefragt zu Wort drängen. "Wer im Filmbusiness Rang und Namen hat, macht sich für Polanskis sofortige Freilassung stark und verurteilt heftig dessen Festnahme. Bereits haben etwa 100 von ihnen eine Petition zur Unterstützung des Regisseurs unterschrieben. Zu den Unterzeichnern gehören so berühmte Namen wie Woody Allen, Pedro Almodóvar, Martin Scorsese oder Costa Gavras. Doch mit der Empörung über Polanskis Tat wächst auch jene über seine prominenten Fürsprecher. So fragt ein Kommentar in der Online-Ausgabe der deutschen «Welt»: «Medien, Prominente, sogar hochrangige Politiker fordern vehement seine Freilassung. Ein unvorstellbares Szenario – hiesse der Mann nicht Roman Polanski». Die Stimmung kippt zunehmend auch in jenen Ländern, wo sich besonders viele für den polnischen Regisseur eingesetzt haben.
Und in einem anderen Blatt ist folgende Formulierung zu lesen: Seit seiner Flucht vor einem amerikanischen Gericht hat sich der Filmemacher, man könnte sagen, kulturell rehabilitiert. Jedenfalls für die Kulturöffentlichkeit". Ist der Schreiber dieser Zeilen von allen guten Geistern verlassen? Weiss dieser Trottel eigentlich, was er da schreibt? Gibt es bei solch einem Delikt eine "Kulturelle Rehabilitation"? Sind denn bereits alle Künstler und deren Hofschreiber von Hybris befallen?
Eine "kulturelle Rehabilitation" des Herrn Polanski lehne ich persönlich ab, eine faire Beurteilung der Angelegenheit fordere ich aber. Ich frage mich: War das eine Kinderjause, zu der Herr Nicholson geladen hattte? Wenn nicht, was macht eine 13-jährige auf einer "Erwachsenenparty"? Hat sie sich älter gegeben, als sie tatsächlich war? Ich bin weit davon entfernt, das Opfer zum Täter zu machen - wie das heute modern ist! Aber bevor wir verurteilen, sollten wir einmal die Antworten auf die von mir gestellten Fragen haben. Ich weiß nämlich wirklich überhaupt nichts über diese Geschehnisse. Deshalb verurteile und verteidige ich nicht!

Mit dieser Selbsterkenntnis wünsche ich Ihnen allen einen schönen Tag!
A.C.

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Samstag 3.Oktober 2009

Sonntag gehe ich in die Oper. "Lohengrin" an der Wiener Staatsoper in der Kosky-Inszenierung. Genauer gesagt, ich gehe nur zu einer Zwei Drittel-Oper, denn den ersten Akt versäume ich (ob leider, bleibt dahingestellt). Um 15,30 h beginnt in Gablitz/Nö ein Fußballspiel, bei dem ich als Schiedrichter fungiere, nach dem Schlusspfiffe hetze ich in den Musentempel. Warum gehe ich dann überhaupt? Weil ich relativ günstig zu guten Karten gekommen bin, die ich mir sonst nie leisten würde. Und das bei "Lohengrin"! Offenbar haben auch schon die Touristen einen guten Riecher und füllen unserem Direktor nicht bei jedem Schmarren das Haus. Oder es wird ihnen gleich gar nicht von den Touristen-Organisationen angeboten, denn immerhin haben die einen Ruf zu verteidigen. Warum ich Ihnen diese relativ private Geschichte erzähle? Weil uns in der Presseschau ein Nachzüglerbericht über die New Yorker "Tosca" des Herrn Bondy vorliegt. Bisher habe ich angenommen, dass Berichte von der x-ten Reprise eher nur im Zeitungs-Amateurbereich vorkommen, wenn also ein unbezahlter Mitarbeiter zufällig in New York ist, dort Zeit hat und berichtet. Aber es ist offenbar auch im professionellen Bereich so - und in diesem Bericht kann man sogar interessante Sätze lesen: Die Opposition gegen diese Inszenierung entstand vermutlich wegen der Ablöse der alten Zefirelli-Produktion. Dass die Protestwelle von Franco Zefirelli selbst aufgerührt wurde, darf bezweifelt werden. Er ist wohl zu klug, sich mit der Direktion der MET anzulegen. Speerspitze dürfte ein Teil der eher konservativen Sponsoren gewesen sein, die man vielleicht in den Bayreuther Schlingensief-"Parsifal" oder den Wiener "Lohengrin" schicken sollte, damit sie wissen, was sie an Luc Bondys "Tosca" wirklich haben.
Es ist so, in der Tat! Bondy hat dort eine stinknormale Tosca gemacht, weil er ja nicht blöd ist und daher weiß, wo die Amerikaner ihre Grenzen ziehen. Und Kosky ist deshalb nach Europa gegangen. Und ich komme zu preisgünstigen "Lohengrin"-Karten. Soll ich Herrn Kosky dafür dankbar sein?

Gustavo Dudamel gibt der "Zeit" ein Interview. Er gibt sich gerne etwas unkonventionell, ist es im Herzen aber offenbar nicht so ganz. Aber die modernen Technologien nutzt er natürlich - hier zumindest ist ein Vergleich mit H.V.K. nicht gar so weit hergeholt: "Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund von Mobiltelefonen (lacht). Die neuen Technologien sind aber sehr hilfreich, wenn es darum geht, junge Leute zu erreichen. Wir müssen unsere Musik anders vermitteln als früher und dabei ein hohes künstlerisches Niveau beibehalten. Wichtig ist, dass die Musik lebendig bleibt und keine Routine spürbar wird. Die Eröffnungsgala wird live im Internet übertragen und später in mehreren Ländern – auch in Deutschland – im Fernsehen gesendet. Fast alle meine Konzerte können außerdem bei iTunes heruntergeladen werden. Großartig finde ich auch die Live-Übertragungen der Berliner Philharmoniker in der Digital Concert Hall. So etwas haben wir in Los Angeles bisher nicht."


Am Münchner Gärtnerplatztheater war die "Giovanna d'Arco" -Premiere, in Frankfurt steht die Premiere der beiden Einakter bevor. Und Irritationen gibt es am Wiener Burgtheater: Gert Voss stört sich daran, dass Burgtheater-Direktor Matthais Hartmann ihn nicht persönlich darüber informiert hat, dass der Mephisto in Faust neu besetzt wurde.
Voss zu ÖSTERREICH: "Ich bin überrascht und traurig, dass ich diese Nachricht aus den Medien erfahren musste. Ich hatte mir schon gedacht, dass der Mephisto neu besetzt werden muss, alle Oktober-Vorstellungen von Faust I sind ja längst ausverkauft. Und natürlich gibt es im großen Ensemble des Burgtheaters einige Schauspieler, die das spielen könnten. Ich finde es aber indiskutabel, dass Matthias Hartmann mich davon nicht persönlich informiert hat. Das sind Umgangsformen, die mir nicht behagen."
Schon tags zuvor hatte Voss gegenüber ÖSTERREICH angekündigt: "Ich werde darum kämpfen, so bald wie möglich wieder aufzutreten. Wenn es nicht anders geht, würde ich den Mephisto auch im Rollstuhl spielen Der Mephisto ist eines der schönsten Geschenke für einen Schauspieler. Und dass ich vom Publikum mit frenetischem Applaus belohnt worden bin, hat mich sehr glücklich gemacht."

Da haben zwei offenbar nicht miteinander geredet. Ehrlich gesagt, ich habe auch nie verstanden, dass etwa ein Cavaradossi nicht mit einem Gipsbein auftreten kann. Der Rollstuhl ist ein beliebtes Requisit heutigen Theaters, warum also kein Mephisto im Rollstuhl? Man würde da zwar aus der Not nicht gerade eine Tugend machen, aber immerhin Gerd Voss trotz momentaner Behinderung als Mephisto ermöglichen. Und Besucher, welche die Inszenierung nicht im Fernsehen gesehen haben, hätten gemeint, das gehöre ohnedies zu Hartmanns Faust-Deutung!

Das mit dem "Nicht zusammenreden" verfolgt auch mich. Über Herrn Polanski will ich derzeit kein Wort hören, denn bezüglich meines "Bedauerns" im Forum hat mich meine engste Mitarbeiterin streng gerügt. Nein, sie hat keinen Grund, sich für irgend einen Sager zu entschuldigen! Ich sehe das zwar auch so, aber ich will meine Ruhe haben. Die Site erfordert so viel Zeit, dass ich mich da nicht den ganzen Tag mit heiklen Formulierungen herumschlagen will. Und bedenken Sie bitte eines: dieser Startseitenkommentar hat nur dann einen Sinn, wenn darin auch überspitzt formuliert werden darf. Auch ich provoziere oft bewusst, denn ansonsten schläft man ja dabei ein. Um zum Nachdenken anzuregen, muss man ganz einfach provozieren. Aber ich habe niemals versucht, jemand meine Meinung aufzuzwingen. Wenn jemand meint, dass ich da oder dort über das Ziel hinausgeschossen habe, dann bedauere ich das wirklich, denn die Leserschaft will ich nicht beleidigen! Das Bedauern kostet mich kein Geld - und der Friede ist wieder hergestellt. Bis zum nächsten Mal! Wenn ich jetzt damit begänne, Bemerkungen über das Fassbinder-Stück in Mülheim zu machen, das ohne irgend einen Protest über die Bühne ging, gingen garantiert die Wogen wieder hoch. Egal was man schreibt, eine Seite trifft man in jedem Fall! Das muss ich nicht haben, also lesen Sie den Pressespiegel!

Schönes Wochenende!


A.C.

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Elina Garanca singt in London die Carmen (eine ihrer zahllosen Carmen rund um die Welt). Wir bringen in den wieder belebten Reviews schon Vorberichte - wenngleich sich die Londoner auch offenbar mehr für Alagna interessieren als für sie! Der sie dafür über die Maßen lobt – vielleicht um seine Frau zu ärgern?
Das Titelbild soll zugleich eine Vorwarnung an Sie sein. Immer wenn Netrebko, Garanca und Co. die Startseite zieren, habe ich kein Topthema für diese Kolumne gefunden. Bei mir sind diese beiden Damen also meist eine Verlegenheitslösung.

Sie können es tatsächlich testen. Lesen Sie die heutige Presseschau - und glauben Sie mir, ich habe sorgfältig rumgestöbert - und versuchen Sie daraus eine halbwegs unterhaltsame Kolumne aus Opernthemen zu machen. Wenn Ihnen das gelingt, engagiere ich Sie doch glatt für mein Team. Es ist so gut wie nichts los, meine besten Kunden halten seltsam still. Holender lässt nichts von sich hören, Thielemann hat offenbar auch eine Nachdenkpause eingelegt, unser Freund Kosky regt auch immer weniger auf und - seien wir doch ehrlich - auch Calixto Bieito hat nicht mehr den Biss von früher. Die Zukunftshoffnung ruht auf Altmeister Neuenfels, der aber seltsamer Weise noch nie den Weg in diese Kolumne fand. Also stürzen wir uns - gemeint ist in diesem Fall auch meine Vertretung R.W. - eben auf Polanski - und geraten damit auf eine gefährliche Gratwanderung. Und die steht mir heute auch noch bevor, wenn ich das wirklich durchziehe, was mir so durch den Kopf schwebt.

Aber zuerst zu einem erfreulichen Thema. Es gibt immer wieder Leute aus dem "Merker-Kreis", die nicht nur Zuschauer in den Theatern sind, sondern selbst Initiativen ergreifen. Das macht zum Beispiel Michael Tanzler in Wien und Niederösterreich mit seinen "Amici del Belcanto", dem es immer wieder gelingt, namhafte Sänger und ganze Orchester für seine Konzerte zu gewinnen. Und jetzt erklimmt ein Merker-Mitarbeiter in Deutschland sogar den Sessel eines Theaterdirektors. Freilich, das Theater gibt es noch nicht, im Moment fungiert Marc Rohde aus Friedberg/Wetterau bei Frankfurt sozusagen noch als Bauherr. Ein altes Hallenbad wird zu einem Theater umgebaut. In Wien würde ich sagen : "soll umgebaut werden" , denn als gelernter Wiener weiß ich, dass hier nichts geschieht, bei dem nicht die Stadt sofort ihre Hand darauf hat. Private Initiativen werden in Wien sofort abgewürgt, ich durfte vor vielen Jahren nicht einmal aus Eigenmittel ein Kunstrasenfeld auf einen gemeindeeigenen Fußballplatz finanzieren. Zum Glück, muss ich heute gestehen - denn möglichweise hätte mich meine Frau damals erschlagen - zumindest hätte sie mich amtlich für unzurechnungsfähig erklären lassen. In Marc Rohdes Heimatstadt Friedberg ist das offenbar anders, eine private Initiative darf das alte Bad vor dem Abriss bewahren und daraus ein Theater machen.


Für die Finanzierung muss der dafür gegründete Verein allerdings auch selbst aufkommen. Spenden für die Theater Altes Hallenbad gGmbH können bei der Sparkasse Oberhessen (BLZ 51850079) auf das Konto 242014987und bei der Volksbank Mittelhessen (BLZ 51390000) auf das Konto 148779805 überwiesen werden. Für das Geld können Zuwendungsbestätigungen nach amtlich vorgeschriebenem Vordruck ausgestellt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.theater-altes-hallenbad.de . Ich gratulieren "Herrn Direktor" Rohde zu seinen Stadtvätern. Wie heißt es doch so schön bei uns: "Wien ist anders"!

Und jetzt trete ich mit dem Polanski-Thema voll in den Fettnapf und ziehe damit meine Kollegin aus der Schusslinie. Indem ich mich selbst reinbegebe, wie ein Forumsdiskutant, ein ägyptischer Heiratsvermittler, meinte. Vorweg, ich möchte Herrn Polanski nicht verteidigen, privat möchte ich eigentlich an ihn nicht anstreifen. Aber dass der ziemlich undelikate Vorfall gerecht beurteilt wird, das möchte ich schon. Ich bin ein Mann - hatte allerdings "Sex" mit einer bereits Siebzehnjährigen. Ich war damals 20, wir sind immer noch verheiratet, mittlerweile 41 Jahre. Nach 13jährigen stand mir nie der Sinn. Aber Amerika ist da doch etwas anders, wie ich zu beweisen versuchen werde:

Eigentlich ist das ein Nacktphoto. Da wir eine jugendfreie Website sind, ist der untere Teil natürlich abgeschnitten. Das Photo stammt auch aus keiner privaten Sammlung, sondern ist sogar in einem Museum ausgestellt, die Szene entstammt einem Film. Der Film hieß „Pretty Baby“ und war aus dem Jahr 1978 – also genau das fragliche Jahr! . Wie alt ist die junge Dame? Was glauben Sie? Es ist die 10jährige Brooke Shields. Dagegen war das Polanski-Opfer mit 13 sogar schon relativ alt. Haben Sie schon einmal im TV eine Reportage über die in Amerika ungemein beliebten Kinderstar-Wettbewerbe gesehen? Wie dort Kleinkinder aufgemascherlt werden? Und so ein Land reagiert 30 Jahre nach einem - wie auch in unserer Forumsdiskussion verlautet - nicht extrem schwerwiegenden Vorfall mit Haftbefehl. Da gehören aber alle Mütter der Kinderstars gleich mit in den "Häfn"

Alles im Leben ist eben relativ. Das ist einer meiner Lieblingssätze!

Schönen Sonntag noch!

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Montag, 5. Oktober 2009

Südamerika hat sich von der am Sonntag verstorbenen argentinischen Sängerin Mercedes Sosa verabschiedet. In Buenos Aires kamen tausende Menschen in das Parlamentsgebäude, wo der Sarg der Sängerin aufgebahrt war. Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner traf sich am Sarg mit den Angehörigen der Verstorbenen. Zuvor hatte sie für Argentinien eine Staatstrauer ausgerufen. Bei allen Fußballspielen im Land wurde eine Schweigeminute abgehalten. In Venezuela sagte Staatschef Hugo Chávez, es sei nur Sosas Körper gegangen, sie selber aber bleibe. Südamerika werde die Sängerin immer im Herzen behalten. Der bolivianische Kulturminister Pablo Groux sagte, Sosa habe immer an der Seite der Armen gestanden. Die kolumbianische Pop-Sängerin Shakira, die mit Sosa mehrere Duette aufgenommen hatte, sagte, Sosa habe "die größte Stimme und das größte Herz für die Leidenden" gehabt. Auch die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet würdigte die Sängerin,

Wir in Europa können uns die Popularität von Mercedes Sosa in ihrer Heimat gar nicht vorstellen. Zufällig traf ich gestern einen früheren Lehrling meiner Firma, einen Argentinier. Zu diesem Zeitpunkt lebte Sosa zwar noch, aber auch dieser junge Mann, der schon viele Jahre in Österreich lebt, weil seinem Vater als Komunisten in Argentinien das Leben unmöglich gemacht wurde, war in großer Sorge.
Lesen Sie die ausführliche Presseschau über den Tod der populären Persönlichkeit!


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Das zweite Thema ist die TRAVIATA-Premiere in Dresden. Andreas Homoki inszenierte - wie zu erwarten war - schrill, aber offenbar doch schlüssig. Mit allen Zutaten, ohne die man heute offenbar nicht mehr über die Runden kommt:

Eine Skandalnudel, Typ Amy Winehouse, ist diese Violetta. "Vom Weg abgekommen", wie sie im Stück-Titel genannt wird, scheint sie nicht, sondern ganz bei sich. Mit kniekurzem giftgrünen, schwarz-rot gemusterten Kleidchen, halb schulterfrei und dem schwarzen Nest-Dutt als Langhaar-Teil stakst sie über die Bühne. In die Usancen der Partygesellschaft wird Neuling Alfredo gleich zu Beginn eingeweiht. Er muss ein Häufchen Koks in die Nase schniefen. Und alle krümmen sich schier vor Lachen darüber, wie er sich anstellt. Das Liebesspiel, das vom ersten Show-Kuss des frischen Paars gekrönt wird, ist so kurz wie die Fummel der Rock-Lady. Die Folgen sind gleichwohl sichtbar. Fürs Ausnüchterungs-Landleben kleidet sich die junge Frau in Jeans-Röckchen mit Karojacke und Internats-Kniestrümpfen. Der Vater Alfredos, der seinen Sohn von ihr loseisen will, ist ein arg biederer Typ wie der Onkel von der Käse-Reklame. Sogar die ganze Rest-Familie hat er im Gepäck, um den Sohn heimzuholen. Der reißt seiner einstigen Geliebten, als er nach geraumer Zeit zu ihr zurückkehrt, das Haar-Teil vom Kopf und ihren nun modisch schwarz-gelben Fummel vom Leib. Da erst wird kenntlich, dass sie eine Moribunde ist. Krebskrank oder so was, schleppt sie sich nur mühsam über die Bühne. Der Tod kommt schnell und plötzlich wie ihre Liebe.

Gestern war ich übrigens bei "Lohengrin" in der Wiener Staatsoper. In der Kosky-Inszenierung macht nun bereits ohnehin jeder, was er will. Und das ist gut so. Die Sänger tragen bereits ihre eigenen Kostüme auf der Bühne, Peter Seiffert verweigert die kuriose Langhaar- Perücke, die bei der Premiere Johan Botha beinahe lächerlich gemacht hat. Sonst hätte er ausgesehen wie der Dirigent Leif Segerstam (mit zunehmendem Alter wird der immer beliebter in Wien) - bei dem sind es aber immerhin die echten Haare. Mit der Zeit regeln sich also viele Dinge von selbst!



Viele Zitate also heute, denn Kommentare werden gerade in letzter Zeit oft missverstanden. Dabei ist eine solche Kolumne eigentlich dazu da, um zu provozieren. Seriöse Information finden Sie in der Website anderswo genug. Als ich der Vorwoche einen Journalistes ob dessen Aussage einen "Trottel" nannte, wurde ich belehrt, dass derlei nicht zu den guten Umgangsformen gehöre. Gestern las ich eine Kolumne in einer großen Tageszeitung, wo zu lesen stand. " Als Letztes braucht die Partei einen Möchtegern-Intellektuellen und Eierkopf wie Sie, lieber "Hasch-Kurti". Empfänger war immerhin der Steirische Landtagspräsident. Politiker müssen mehr aushalten, als "normale Staatsbürger". Aber nicht nur diese - alle Personen, die sich bewusst verstärkt in die Öffentlichkeit begeben, dürfen nicht wehleidid sein. Das gilt auch für Sportler, Journalisten und Künstler (!!). Das haben Gerichte bereits festgestellt, da fährt sozusagen "die Eisenbahn drüber". Man kann es auch einfacher ausdrücken: wer austeilt, muss auch einstecken können!

Da bin ich nun etwas beruhigt und wünsche eine schöne Woche!

A.C.

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Dienstag, 6.Oktober 2009

Man kann sich auf nichts mehr verlassen! Gestern dachte ich, dass mir die Kritiken über die La Traviata-Inszenierung in Dresden genügend "Stoff" für diese Kolumne bieten würden - absolute Fehlanzeige. Alle meine Quellen habe ich angezapft, ich finde keine weitere Kritik. Gestern bin ich ja mit einer Erstkritik darauf eingegangen - diese sollte die bisher einzige bleiben! Dabei hatte ich schon so ein schönes Photo vorbereitet - das finden Sie nun unter "Aktuelles". Wie es möglich war, in eine solch schwierige Inszenierung binnen einer Woche die Hauptfigur perfekt zu integrieren - wo doch sonst mindestens 5 Wochen Probenzeit der Normalzustand sind - würde mich interessieren. Werden etwa vier Wochen immer unnütz verplempert, oder war Rebecca Nelsen ohnedies das Cover von Olesya Golovneva, über deren Gründe für den Ausstieg aus der Produktion man so gut wie gar nichts hörte. Kann ja jemand weiterhelfen?

Wenn man etwas nicht erfahren kann, dann stellt man ganz einfach eine Falschmeldung online - und schon wird dementiert. So geschehen beim Wiener Lohengrin, über den ich in der Kolumne von gestern behauptete, dass Petra Lang als Ortrud wohl ihre eigenen Kostüme verwendet hat. Das war nicht so, es wurden die Baltsa-Kostüme herangezogen. Bekanntlich stieg die Diva vor der Premiere aus der Produktion aus, für Janina Baechle mussten damals völlig neue Kostüme geschneidert werden. Der Staatsoperndirektor, ein bekannter Sparmeister, hat nun offenbar verfügt, dass die alten Baltsa-Kostüme abgetragen werden müssen. Besetzung nach Figur? In diesem Fall wäre es dankenswert gewesen, denn Petra Lang war eine ausgezeichnete Ortrud!
Bei diesem Lohengrin passierte dem "Online-Merker" freilich ein Fauxpas. Über 12 Stunden war zu lesen, dass Peter-Maria Schnitzel eine ausgezeichnete Elsa ablieferte. Erst gegen mittag meinte eine Hamburger Leserin, dass wir die Gags nicht übertreiben sollten. Verehrte Dame - das war kein Gag! Das war das Ergebnis der Nachtarbeitet. Ich habe nachdedacht, wie so etwas passieren kann. Nach einer Woche armenischer Kost sehnte ich mich nach einem Wiener Schnitzel. Also kann das durchaus ein "Freud'scher Verschreiber" gewesen sein. Warum aber "Peter"? Dafür gibt es wirklich keine Erklärung, das schwöre ich hier!


Nichts mit "La Traviata", also ist der "Opernschocker des Tages" die Freiburger "Salome"-Inszenierung. Marcus Lobbes inszeniert am Freiburger Theater Richard Strauss’ Opernschocker Salome - BZ-Redakteur Alexander Dick war bei der Premiere dabei – und strich den Begriff "Werktreue" aus seinem Vokabular. Ganz etwas Neues also!

Eine Rüge erhielten wir im eigenen Forum, weil wird Bartoli und Lang-Lang im Wiener Musikverein geschwänzt hatten, es statt dessen einen Merker-Massenauftritt beim Lohengrin gab. Die Unterstellung, dass der Grund in der Verweigerung von Freikarten gelegen haben mag, ist insoferne nicht stichhältig, als auch alle Karten beim Lohengrin gekauft waren. Dem Sparmeister Holender entlockt selbst Obersparmeister Niki Lauda kein Frei-Ticket. Der Grund liegt anderswo: eine niederschmetternd oberflächliche Veranstaltung. (Daniel Ender, DER STANDARD/Printausgabe). Sehen Sie, zu so etwas geht ein anständiger "Merker" ganz einfach nicht! Im Ernst, wir delegieren nicht, denn sonst müssten wir den Mitarbeitern die Karten auch bezahlen. Das können wir uns nicht leisten, deshalb warten wir, ob ein Mitarbeiter aus eigenem Antrieb dort war. Sie lesen aber 3 Kritiken in unserer Presseschau.

Die Ruhrtriennale unter Willy Deckers erster Intendanz ist fulminant gestartet - dann ist ihr der Atem ausgegangen! Dass sich nunmehr die Zuschauertribünen um die Bühne herumdrehen, ist als Festivalkonzept allein nicht "abendfüllend".

Auch in Dessau stand "Lohengrin" auf dem Programm. Von der Aufführung selbst lesen Sie im Pressespiegel allerdings wenig, mehr von den Reaktionen der lokalen Promis. So urteilt der ehemalige Weill-Fest-Intendant Clemens Birnbaum: "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt". Das kann mehrere Gründe gehabt haben. Offenbar ist er dann aber beim Schlussapplaus eingeschlafen, denn "Andreas" Moses ist Andrea Moses - und somit eine Frau.

In Paris trat ein Theaterdirektor wegen ausbleibender Subventionen in den Hungerstreik. Hätte er mir doch vorher etwas davon gesagt - ich wäre glatt dabei gewesen. Ein paar Kilo weniger täten mir gut!

Zerknirscht ob dieser vergebenen Chance wünsche ich Ihnen einen schönen Dienstag!
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Mittwoch 7. Oktober 2009


"Gott, da muss ich nun hin", meinte die zuständige Merker-Mitarbeiterin, die offensichtlich bei der Premiere nicht dabei war. Nun, ganz so schlimm wird es nicht werden, kommt doch Andrea Moses "Lohengrin" zur Saisoneröffnung in Dessau bei der Presse ganz gut weg. Allzu neu scheint mir die Idee auch nicht zu sein, hat denn nicht Wagner-Urenkelin Katharina vor einigen Jahren in Budapest den Schwanenritter als mediengeilen Jung-Politiker dargestellt? Oder irre ich mich da? Nun zu den Kritiken: Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen. Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.

Der bisherige Intendant Johannes Felsenstein hat sich eher am Textbuch orientiert und war damit nicht unerfolgreich. Also muss jetzt alles anders werden, man muss den Leuten wohl klar machen, dass nun eine andere Ära an diesem Theater angebrochen ist. Wenn man es so klug macht, wie es anscheinend Andrea Moses gelungen ist, ist dagegen nichts einzuwenden. Wir haben in der Presseschau übrigens eine tolle Photostrecke über diese Inszenierung anzubieten. Und unsere Mitarbeiterin wird auch unvoreingenommen in diese Inszenierung gehen, da bin ich ganz sicher.
Lohengrin ist natürlich für jeden Regisseur ein heikles Stück, wie auch die "Meistersinger". Wer heute konventionell inszeniert, dem wird fehlende Distanz zu den Nationalen vorgeworften, im für ihn besten Fall attestiert man totale Einfallslosigkeit. Nun, abkupfern ist auch nicht einfallsreich - aber gar so viele Deutungsmöglichkeiten, wie es deutsche Opernhäuser gibt, bieten sich auch nicht an. Ganz heikel wird es bei den "Meistersingern". Da muss ganz einfach die herrliche Schluss-Szene wegen einiger nationaler Rülpser des Hans Sachs ins Lächerliche gezogen werden. Jetzt mal ohne jedwede Ironie angedacht, könnte man nicht die ärgsten Textstellen entschärfen und dafür den Rücken für eine Inszenierung ohne Bruchstelle frei haben? So etwas müsste doch binnen eines Tages zu schaffen sein! Was meinen unsere Leser?


Etwas anders verhält es sich mit der "Traviata". Nun haben wir doch noch eine Kritik aufgetrieben, unsere Freunde vom "Opernfreund" haben dafür gesorgt. Unter dem Titel "Oper für Opa" wird berichtet: Es beginnt mit leerer aufgeräumter Bühne, die rote Wand schiebt sich hinein, der Sessel steht bereit und eine Partygesellschaft feiert sich selbst. Es wird gekokst, gevögelt und man vertreibt sich die Zeit mit allerlei albernen Spielchen. Violetta, im aktuellen Amy Winehouse Schlampenlook, grellgrüner Supermini, zum wilden Dutt gebändigte Mähne, kommt mit ihrem Lover im Silbersakko zur Party. Der Neuling Alfredo im Karohemd und Jeans wird freudig aufgenommen und darf auch gerne mitkoksen. Als er ein gutes halbes Pfund Wunderpulver einfach wegniest, wird es ihm auch nicht böse genommen. Man hat’s ja.

Für Andreas Homoki ist es zum Verzweifeln. Da will er schocken, und der Rezensent empfiehlt diese Inszenierung seinem Opa.

In Bari wird das traditionsreiche Opernhaus wieder eröffnet. Grund der Totalsanierung: Brandstiftung vor einigen Jahren. In Italien hat das Abfackeln von Opernhäusern eine lange Tradition.

Einige Aufregung im Forum gab es, weil ich einen Ausschnitt aus der einzigen schlechten Kritik über Bartoli/Lang-Lang veröffentlicht habe. Ikonen sind die beiden auch nicht - und ich zitiere ja bloß. Das Konzert mit Lang-Lang unter Zubin Mehta vom gestrigen Abend ist heute bereits rezensiert. Hoffentlich zur Zufriedenheit der Anhängerschaft des Pianisten.


Türkische Musik gibt es angeblich nicht. Dafür, dass es sie nicht gibt, ist sie allerdings recht laut. Ich wohne auch in so einem "Klein Türkei" - in meinem "Grätzel" haben die Türken bereits die Oberhoheit gewonnen und wollen uns Wiener missionieren. Bei offenem Fester dürfen wir die herrlichen türkischen Melodien genießen, Lautsprecher an den Autos sind - soviel ich weiß - genehmigungs- und gebührenpflichtig. Also tut es ein weit geöffnetes Autofenster auch!


Über die Zurückziehung eines Krimis durch einen deutschen Verlag werde ich mich nicht äußern, weil das später gegen mich verwendet werden könnte. Dafür lernen Sie "unter'm Strich" völlig neue Worte kennen, ohne die wir nicht mehr im täglichen Sprachgebrauch auskommen. "Aufbitchen", "adden" und "dönieren", diese Worte haben uns bisher gefehlt, damit können wir nun unseren Wortschatz erweitern!

Haben Sie, verehrte Leser, bemerkt, dass ich den Kelch "David Letterman" bislang an dem Online-Merker vorbeiziehen habe lassen?

Hoffentlich klüger geworden, wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!
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Donnerstag 8. Oktober 2009

Dessaus "Lohengrin"-Regisseuse Andrea Moses verstärkt künftig Jossi Wielers Team in Stuttgart.

Am vergangenen Wochenende hat die Dessauer Chefregisseurin Andrea Moses mit ihrer Inszenierung von Richard Wagners "Lohengrin" noch für einen ebenso umstrittenen wie umjubelten Einstand am Anhaltischen Theater gesorgt, am Dienstag nun wurde sie bereits vom designierten Stuttgarter Opern-Intendanten Jossi Wieler als seine neue Hausregisseurin ab der Spielzeit 2011/12 vorgestellt. Der international renommierte Regisseur Wieler lobte Andrea Moses nicht zuletzt für ihr Dessauer Debüt als "Persönlichkeit, die unsere Vorstellungen von Musiktheater teilt und uns dabei helfen wird, sie umzusetzen.

So rasch geht es also mit der Karriere. Wir vom "Merker" haben Moses Dessauer Lohengrin zwar noch nicht rezensiert, aber die bisherigen Zeitungskritiken waren durchwegs positiv. Und hinter dem Mond leben wir auch nicht, mein lieber "Onkel Toby" aus unserem Forum. Mit dem gelben Spielzeugauto aus Koskys Wiener Inszenierung fange auch ich - der ich Otti Schenks Inszenierungsstil nun doch schon für überholt halte - nun wirklich nichts an. Aber wer eine Gebrauchsanleitung für seine Inszenierung mitliefern muss, weil es "die Trottel dort unten" sonst nicht kapieren, hat seinen Beruf verfehlt!

Jetzt kommen wir aber zu einem ernsten Thema, das ich nicht veralbern möchte. Ich kann die Nöte und Sorgen der Menschen verstehen . Und der uns vorliegende Brief ist geradezu ein Verzweiflungsschrei. Die Absenderadresse lautete übrigens "Tod den Kritikern", trotzdem fürchte ich mich nicht. Aber lesen Sie selbst:

Beim Lesen dieser Sammlung überheblicher, schwachsinniger Artikel stellt sich die Frage, aus welchen Beweggründen und mit welchem Recht sich Dilettanten als "Kritiker" aufspielen?
Die Beweggründe sind ziemlich klar: da dieses Geschmiere nicht lukrativ ist, bleibt nur Frustration - die meisten sind mit größter Wahrscheinlichkeit verhinderte Pavarottis, Karajans, Ponnelles, Mortiers etc. - und Geltungssucht. Die "professionellen" Kritker sind kein bißchen besser, dieser "Beruf" ist parasitär und niederträchtig, aber die Möchtegerns und Dilettanten sind einfach ekelhaft.
Anstatt an den Leistungen der Leute, die sich Abend für Abend den Arsch aufreissen und ihr Bestes geben bzw. zu geben versuchen, herumzumäkeln, sollten Sie besser auf den größten Mißstand im Kulturbetrieb aufmerksam machen: den Ausverkauf von durch die öffentliche Hand finanzierten Arbeitsplätzen an Ausländer, die sich in unseren Opernhäusern und Orchestern einnisten, während die eigenen Leute auf der Straße stehen. Wenn man zum Beispiel das koreanische Fratzengesicht, das in der neuen Dresdner "Traviata" den Alfredo gibt, sieht, muß man sich wirklich fragen, was das soll. Es paßt ebenso wenig auf unsere Opernbühne wie ein westeuropäisches Bleichgesicht in die Pekingoper oder Eskimos in "Porgy und Bess".
Die Verantwortung für diesen Mißbrauch von Steuermitteln - zu dem natürlich auch diese verrückten Regie"arbeiten" sowie die Selbstbedienungsmentalität in den Dirketionsetagen zählen - tragen die Politiker. Ihre willigen Handlanger sind die Journalisten sowie deren dilettierende Affen, die Hobbykritiker.

Nun, da Sie - verehrter Absender - uns in einen Topf mit den Profis werfen, können wir eigentlich über Ihre Liebesgrüße nicht so total beleidigt sein. Ich für meinen Teil darf Ihnen sagen, dass mich ein gnädiges Schicksal in Gestalt meines Vaters daran gehindert hat, einen künstlerischen oder journalistischen Beruf zu ergreifen. Er drohte nämlich mit Enterbung - und im Gegensatz zu vielen anderen Vätern, die damit drohen, hatte meiner wirklich etwas zu vererben. Ich stand schon damals mit beiden Beinen fest im Leben und habe einen Beruf gewählt, bei dem ich mich zwar manchmal schmutzig machen musste, der es mir aber ermöglicht hat, völlig unabhängig durch mein Leben zu gehen. Ich musste also nie einem Intendanten oder einem Zeitungsherausgeber in den Hintern kriechen. Und weiterträumen durfte ich aus einem gesicherten Umfeld. Was wäre der Mensch ohne Träume? Man muss nur immer rechtzeitig aufwachen! So wie ich, hat der überwiegende Teil der Merker-Mitarbeiter auch keinen Grund, frustriert zu sein! Nur wenige würden mit Euch Künstlern gerne tauschen!

Aber Ihr Hilfeschrei bezieht sich in erster Linie auf die große Zahl an Asiaten, die Ihnen in Deutschland die Engagements wegnehmen. Bisher habe ich gerade in Künstlerkreisen eine große Solidarität geortet. Wenn es nun auch dort damit vorbei ist, dann muss die Situation schon dramatisch sein. Nur wir "dilettierende Affen" sind da nicht der richtige Ansprechpartner, wir haben fair zu beurteilen, dürfen nicht ausländische Künstler aus niedrigen Beweggründen "in die Pfanne hauen". Wenden Sie sich an Ihre Standesvertretung, wobei ich aber auch nicht glaube, dass sich Ihr Problem politisch lösen lässt. Sehen Sie sich die Ranglisten der Gesangswettbewerbe an - die Asiaten und auch die Osteuropäer dominieren. Ob nun zu Recht, ehrlich - ich weiß es nicht! Vielleicht sind diese Leute auch bloß ehrgeiziger als wir. Für diese geht es um das Überleben, in deren Heimat gibt es keine sozialen Fangnetze. Und gerade Deutschland mit der größten Dichte an Opernhäusern und Orchestern weltweit, ist die allergrößte Chance für diese Künstler!
Ich selbst bevorzuge allerdings auch glaubhafte Bühnendarsteller, also keinen 65-jährigen Des Grieux, keinen fettleibigen Stolzing - aber auch keine ausdrucklosen Poker-Gesichter in tenoralen Liebhaberrollen. Das ist keineswegs Rassismus! Aber auf mich kommt es auch nicht an!

Eine Pioniertat verdient es, erwähnt zu werden. Philip Glass komponierte eine Oper über KEPLER, das Linzer Landestheater realisierte nun eine Produktion dieses Werkes. Am kommenden Sonntag wird diese Produktion zum Nulltarif (nur Anmeldung per Mail erforderlich) in die Cineplexx-Kinos übertragen. Ein Ansturm wie bei Met-Vorstellungen ist leider nicht zu erwarten, gerade deshalb sollten Sie diese günstige Möglichkeit nutzen. Details finden Sie in unserer Presseschau bzw. in "Aktuelles".

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!
A.C.
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Freitag 9.10.2009
"Tristan und Isolde" in London. Nina Stemme und Ben Heppner. Christof Loys Inszenierung ist umstritten.


Zuerst einmal eine Jubelmeldung: Die Berliner Theater trotzen der Krise! Super!! Gemeint ist freilich in erster Linie der Friedrichspalast. Bei den Opernhäusern sieht es da nicht so rosig aus, wenngleich man mit Bilanzen/Statistiken so ziemlich alles beweisen kann (nur mein Finanzamt war da nicht immer dieser Meinung). Der Staatsoper geht es "relativ nicht schlecht". Aber: Da kommt die Deutsche Oper nicht heran, die pro Karte im Schnitt 35,48 Euro einnimmt. Immerhin konnte das Haus mit 122.600 verkauften Tickets einen leichten Zuwachs verbuchen, allerdings nur, weil mehr Vorstellungen über die Hauptbühne gingen. Deshalb sank die Auslastung deutlich von 65 auf 61 Prozent. Damit liegt das von Kirsten Harms geleitete Haus, die Intendantin hatte einen Tag nach der Bundestagswahl ihren Rückzug für Sommer 2011 angekündigt, im Berliner Opernranking aber nicht am Schluss: Dort steht die Komische Oper mit einer Auslastung von 58 Prozent – eine bescheidene Steigerung von einem Prozentpunkt. Intendant Andreas Homoki kann sich aber über ein deutliches Plus beim Ticketabsatz freuen: von 85.700 auf 92.100. Allerdings liegt der durchschnittliche Kartenerlös mit 21,85 Euro bei einem für ein Opernhaus ernüchternden Wert, den beispielsweise Claus Peymann mit seinem Berliner Ensemble nur um wenige Cent verfehlt. Sein Haus kommt auf eine Auslastung von 80 Prozent und verkaufte im ersten Halbjahr knapp 106.000 Karten.

Das muss man zweimal lesen, um es zu begreifen. Auslastungen von 61 bzw. 58 %!! Oder 92.000 Zuschauer während einer Halbsaison. Die Leser mögen mir den Vergleich mit Fußball verzeihen, aber das hat die "Hertha" bei zwei Heimspielen im Olympiastadion. Und dabei erlebt Hertha Berlin derzeit eine Katastrophensaison.

Den Intendanten kann das relativ egal sein. Kirsten Harms strebt von sich aus keine Vertragsverlängerung an (hat ihr das Ergenbis der Bundestagswahl einen Dämpfer versetzt?), Andreas Homoki zieht nach Zürich, um den dortigen Opernhaus eine ähnlich gute Bilanz zu bescheren. Denn diese Zahlen stehen immerhin unter einer positiven Überschrift: "Hurra, wir trotzen der Krise"

Die inszenierenden Intendanten kommen jetzt immer mehr in Mode, wie Jossi Wieler und Stuttgart beweisen. Wenn der Intendant, der seinem Haus ohnedies für sein Gehalt rund um die Uhr zur verfügung stehen müsste, gleich selbst inszeniert, belastet er seinen Etat nicht mit der Gage des Regisseurs. Oder doch? Selbstverständlich macht es der inszenierende Intendant auch nicht gratis. Er zahlt sich aber die Gage selbst - aus dem Budget seines Hauses! Und noch einen unschätzbaren Vorteil haben die inszenierenden Intendanten oder "intendierenden Regisseure" erkannt: man kann tolle Querverbindungen ganz legal, ohne "Zwischenhändler", pflegen. Du inszenierst bei mir, dafür inszeniere ich nächstens bei Dir - und niemand kann uns als gierig bezeichnen, weil wir uns alle Inszenierungen im eigenen Haus selbst "unter den Nagel reissen". Ist doch praktisch, oder?

Eine interessante Konstellation ergab sich jetzt bei der Dresdener "Traviata" : Der Noch-Intendant der Komischen Oper Berlin, Andreas Homoki, und der Noch-GMD der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi, werden noch viel miteinander zu tun haben. Der eine wird Intendant des boomenden Opernhauses in Zürich, der andere musikalischer Chef von dessen Orchester. Schon deshalb war es interessant, dass beide jetzt gemeinsam der Semperoper in Dresden eine neue »Traviata« beschert haben. Und das Ergebnis dieser Zusammenarbeit des neuen Duos: Sagen wir so: Im Grunde können beide froh sein, dass die Tinte unter ihren Verträgen schon trocken ist. Für die Bewerbungsmappe wäre dieses Gemeinschaftswerk nicht unbedingt geeignet. Mag ja sein, dass das Verhältnis zwischen Luisi und der Staatskapelle nach dem etwas unwirsch ins Werk gesetzten Wechsel des Italieners an den Zürichsee mittlerweise nicht mehr das beste ist. Doch das kann kein Grund sein, um im Graben (von welcher Seite auch immer) das innere Leuchten zu verweigern und erst nach der Pause die emotionalen Kräfte so zu bündeln, dass der Funke wenigstens halbwegs überspringt

Warum Trennungen so frühzeitig bekanntgegeben werden müssen, verstehe ich immer weniger. Die weitere Arbeit wird dadurch indirekt schwer belastet, das Vertrauen ist erschüttert. Aber das hatten wir schon. Reden Künstler ganz einfach zu viel???

Nun aber zum Photo auf der Startseite, denn irgendwie muss ich doch darauf zu schreiben kommen. Und prompt landen wir auch schon wieder beim Regisseur. Diesmal hieß der Christof Loy und wurde ausgebuht. Das ist an sich die Normalität - aber in London doch etwas anders: In England ticken die Uhren noch etwas anders, zumindest dann, wenn in der Royal Opera Schiffe aus und nach Cornwall einlaufen, die mit merkwürdigen Getränken sowie Flüchen und Liebesschwüren beladen sind.
Folgt man den in zwei Pausen abgelauschten Gesprächsfetzen, so haben die Briten von heute trotz der nicht so fern liegenden geographischen Bezüge doch ihre Probleme mit Tristan und Isolde – neben dem Parsifal das zweite Wagner-Werk, in dem sich Räume und Zeiten erheblich weiten. Und wenn dann auch noch Christof Loy das Geschehen geschliffen präzise vorführt, jedoch auf jegliche nautische Atmosphäre verzichtet, ja dann stürmt es eben am Ende von allen Seiten und Balkonen und Galerien auf den Regisseur ein.Warum aber solch ein Buh-Orkan? Offenbar inszeniert Loy für britische Geschmäcker zu avantgardistisch. In deutschen Landen gilt er dagegen eher als Konservativer. Jetzt wissen wir es: in unseren Breiten denkt man weit fortschrittlicher, die Briten dümpeln reaktionär dahin. Und die Regisseure zieht es in das Theater-Wunderland Deutschland. Und wohl zwangsläufig auch zu uns nach Österreich!

Nun zu den bei mir eingegangen Reaktionen auf meine gestrige Kolumne. Wenn ich schon "Werktreue" einfordere, dann total. Also auch optische Glaubhaftigkeit bei den Sängerdarstellern. Da bin ich aber nicht eines Sinnes mit der überwiegenden Zahl der "Merker". Den Sängern wird praktisch alles verziehen, wenn sie nur gut singen. Denn der Tenor x kann nichts dafür, dass er 65 ist, dem anderen wurde Fettleibigkeit offenbar schon in die Wiege gelegt und Asiaten haben generell ein Problem damit, Gefühle zu zeigen. Darf ich mit einem Beispiel aufwarten: Sie müssen sich operieren lassen. Der Chirurg sagt: "Gut, ich habe Parkinson. Aber ich kann nichts dafür! Warum darf ich Sie also nicht operieren?"

Stimmen Sie sich auf das bevorstehende Wochenende ein. Meine besten Wünsche begleiten Sie

A.C.

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Eines meiner Lieblingsthemen während der "Sauregurkenzeit" kommt mir nun abhanden: "Wohin steuert Christian Thielemann bzw wohin wird er gesteuert?" Für mich war das nie ein Rätsel, ich lade Sie ein, meine ersten Bemerkungen über diese Angelegenheit an dieser Stelle zu verfolgen. Ich bedaure es, dass mir meine Münchner "Merker"-Freunde wegen meiner aus der Thielemann-Fangemeinde-Sicht destruktiven Schreibweise noch heute etwas gram sind, als ich etwa einen kleinen Hoffnungsschimmer auf eine Münchner Einigung als das, was es letzlich war, bezeichnet habe: als Ablenkungsmanöver! Ich gratuliere "meinen Münchnern" zu ihrem heilen Weltbild, weniger zu ihrem Sinn für die Realität. Denn dass diese Sache kaputt war, ehe sie noch an die Öffentlichkeit gelangte, war mir sofort klar. Ich habe eine kleine Firma und einen relativ großen (lokalen) Fußballclub geleitet, habe in die Politik zumindest "reingerochen" und musste mich auch sonst in einigen "Schlangengruben" - zu denen auch ein auf ehrenamtlicher Basis geführtes Opern-Medium zählt - bewähren. Und ich kann die Sprache der Politiker deuten, die in der Thielemann-Sache von Anfang an klar war. Glauben Sie mir, es ist die beste Lösung für den Kapellmeister (er zieht diese Bezeichnung der des Dirigenten vor), wenngleich ein etwas schwieriger Typ wie er auch in Dresden seine Probleme haben wird. Ich möchte nicht die undankbare Rolle der Kassandra spielen, aber wie die die Zusammenarbeit mit der designierten Semperoper-Intendantin Dr. Ulrike Hessler (die ja zuletzt in München gearbeitet hat) funktionieren soll, kann ich mir derzeit noch nicht so wirklich vorstellen ! Aber wenn das Thema "am Kochen" bleibt, ist es für alle Kolumnisten nicht gerade schlecht!

Aus Dresden kommt auch die erste der heutigen Tagesinfos. Man kennt den Online-Merker mittlerweile schon in breiteren Kreisen, jedenfalls hat gestern die Agentur der Sopranistin Olesya Golovneva eine von mir aufgeworfenen Frage sofort beantwortet: Frau Golovneva ist keineswegs aus der Produktion "La Traviata" ausgestiegen, sondern nur erkrankt. Rebecca Nelsen war ihr Cover während der gesamten Probenzeit - und hat ihre Chance genützt. Ab heute singt aber wieder die (ebenfalls) bildhübsche Golovneva die Violetta! Es gibt also eine zweite Premiere!


Photo-Copyright: Andreas J. Etter
Musical? Nein! "Don Giovanni in Oldenburg, Frejo Majer inszeniert, der Herr in der Unterhose ist der Titelheld Paul Brady. Wächst da wieder ein neues Thema für mich heran? "Oper soll auch Spaß machen", so der Regisseur, und "es wird viel los sein auf der Bühne". Wir sehen es! Ich meine, Oldenburg ist nicht gerade der Nabel der Opernwelt. Man muss also Unkonventionelles bieten, um in die Schlagzeilen (und in den Online-Merker) zu kommen. Die Rechnung scheint aufzugehen!

Die Nobelpreisvergabe ist unser nächstes Thema. Da ich da nicht wirklich mitreden kann, möchte ich vorwiegend zitieren. Zuerst zum Literaturpreis: Als Entscheidung, die manchen Missgriff der letzten Jahre wiedergutmacht, kommentiert Tilman Spreckelsen auf der ersten Seite die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller: "Indem nun auch Herta Müller dieser Preis zuerkannt worden ist, geht von der Stockholmer Akademie ein Signal aus, das einige törichte Entscheidungen der vergangenen Jahre vergessen machen könnte. Es ist ein Bekenntnis zu Artistik und Ethik als zwei Seiten einer Medaille und nicht zuletzt auch zu einer zerstörten Diasporakultur und ihrer wortmächtigsten Bewahrerin. Auch deshalb ist die Stockholmer Entscheidung ein großer Tag für die deutsche Literatur."
Was ist wohl mit der "törichten Entscheidung der letzten Jahre" gemeint? Mir fiele da als Österreicher spontan eine ein!

Aber so ganz unumstritten ist die neue Preisträgerin auch nicht: Für eine gute Schriftstellerin hält Thomas Steinfeld die Nobelpreisträgerin Herta Müller schon, nur nicht für eine wirklich große. Darum gilt, meint er: "Es muss jetzt wohl sein, dass sich Leser und literarische Kritik bis auf weiteres von einer lieben Vorstellung trennen: dass der Nobelpreis für Literatur eine Belohnung für die besten Dichter und die besten Werke sei." Das grundsätzliche Problem, das er mit der Autorin hat, liegt in ihrer Beschränkung auf einen Ort (Banat), eine Zeit (die Diktatur), ein Thema (das Schreckliche): "Denn so, wie es eine Suche nach Schutz vor dem Schrecklichen gibt, so gibt es auch eine Suche nach Schutz im Schrecklichen. Daher kommt das Unerbittliche bei Herta Müller. Daher kommt auch das Eingeschränkte, fast Monomanische ihrer Literatur, das sie nicht zu einer wirklich großen Dichterin werden lässt."

Die Liste derer, die im Laufe der Jahrzehnte beim Literatur-Nobelpreis "durch die Finger geschaut haben" ist so lang wie prominent. Sie finden diese ebenfalls in unserer Presseschau!

Ganz heikel wird es freilich beim Friedens-Nobelpreis, den Barak Obama erhält. Während alle europäischen Politiker und die meisten Zeitungen pflichtschuldigst gratulieren, schreiben die US-Zeitungen: Lächerlich und peinlich!! Dieser Meinung schließt sich offenbar auch der zu Ehrende an, der meint, dass er diesen Preis (noch) nicht verdient habe. Aber warum
um alles in der Welt nimmt er diesen Preis dann an? Warum sagt er nicht: "Wartet 2 Jahre! Wenn Ihr mir dann noch immer diesen Preis geben wollt, dann nehme ich ihn gerne!". Aber dazu kann sich Herr Obama auch nicht aufraffen!


Aber was belaste ich mich mit derartigen Problemen? Genießen Sie das Wochenende!

A.C.
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Sonntag, 11.10.2009

Eigentlich hat nun jede Seite, was sie will. Die Münchner sind Christian Thielemann "los" - und haben es doch - realistisch betrachtet - darauf angelegt. Christian Thielemann wiederum hat ein Orchester, das im internationalen Ranking vor seinem bisherigen rangiert und noch dazu von der Mentalität her dem Kapellmeister näher ist. Im November wird der Vertrag unterschrieben. Interessant wäre, ob die Dresdener dem Berliner eben jenen Passus zugestehen, an dem der Münchner Vertrag gescheitert ist. Gemeint ist die Allmacht über Auswahl und Programm der Gastdirigenten. Werden wir das je erfahren?

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude sieht in Thielemanns Verhalten ein abgekartetes Spiel: Lesen Sie dazu: Seine Dresdenoption erkläre aber im Nachhinein, warum er sich mit dem Orchester, dem Intendanten, dem städtischen Kulturreferat und dem Münchner Stadtrat nicht auf einen "gangbaren Weg bei den Vertragsverhandlungen verständigen wollte", sagte Ude der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er gehe davon aus, dass Thielemann seinen Vertrag in München erfüllen und das Publikum weiterhin begeistern werde.
Tatsächlich waren für kommenden Dienstag weitere Vertragsgespräche angesetzt, die jetzt natürlich abgesagt wurden. Die Paralellverhandlungen empfindet gerade der Politiker(!!) Ude als unfair. Ein Scherzchen, Herr Ude! Thielemann war ja eigentlich bereits gekündigt ("unter diesen Bedingungen verlängert München den Vertrag nicht"), da darf er sehr wohl mit anderen Arbeitgebern reden. Inwieweit es allerdings von Herrn Thielemann fair war, Künstler und Publikum vor seinen Karren zu spannen und eigentlich ohnedies nach Dresden zu wollen, steht auf einem anderen Blatt! Jedenfalls ist auch der "Maestro" glücklich: Mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfüllt sich für mich ein Traum", sagte Thielemann. Sachsens Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos), die designierte Semperoper-Intendantin Ulrike Hessler und der Orchestervorstand hatten sich zuvor mit dem Dirigenten auf die Verpflichtung geeinigt. Schorlemer lobte Thielemann als eine der "herausragenden Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit".

Na also! Jeder hat, was er will. Jetzt gilt es nur noch, den Scherbenhaufen zu beseitigen. Und die Anhänger beider Seiten mögen sich ihren eigenen Reim auf diese Geschichte machen!

In London kommen derzeit Stimm-Fetischisten auf ihre Rechnung: Ein Wochenende in London kann für Opernfreunde anstrengend werden. Liest man die Besetzungszettel der Covent Garden Opera, will man keine der laufenden Produktionen versäumen. Allein die Liste der Tenöre, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen Verdi, Wagner und Bizet singen, ist imposant: Jonas Kaufmann, derzeit hoch gehandelt, gibt den Don Carlos, Ben Heppner, Haudegen im Heldenfach, ist Tristan, Roberto Alagna Don José.

José Cura ist für mich der Minimalist unter den Tenören. Er holt mit geringster Anstrengung für sich das Maximum heraus. Nun singt er heuer schon wieder bei "Christmas in Vienna". Die Gage wird stimmen, das Programm ist nicht sonderlich anspruchsvoll, die Besucher sind weihnachtlich friedlich gestimmt und das Interesse ist weltweit! Der Mann vermarktet sich hervorragend! Wer ist Ihr Agent, Herr Cura?

Nun zum Literaturnobelpreis. Marcel Reich-Ranicki ist voll des Lobes über die neue Preisträgerin. Dabei hart er kein Wort über sie gesagt oder geschrieben. Bei diesem gestrengen Herrn ist das allerdings bereits ein Lob, denn andere Preisträger der vergangenen Jahre hat er abgekanzelt. So meinte er etwa über Elfriede Jelinek: "Von den vielen Büchern der Jelinek habe ich zwei ("Die Klavierspielerin" und "Lust") gelesen, wenn auch nicht ganz zu Ende, weil die Lektüre mein Wohlbefinden gefährdete, zumal meine Magennerven auf unangenehme Weise reizte. Mit ihren anderen Büchern habe ich, wie Thomas Mann sich auszudrücken pflegte, immerhin Kontakt aufgenommen. Das Ergebnis: Ich glaube, ja, ich bin sicher, dass das Schreiben nicht gerade zu den starken Seiten der Elfriede Jelinek gehört. Mehr möchte ich lieber nicht sagen, um nicht die bedeutendste Feministin Mitteleuropas, Alice Schwarzer, zu ärgern."

Ich möchte dem ehrwürdigen Literatur-Papst da nicht widersprechen! Das gehört sich ganz einfach nicht!

Der Friedensnobelpreisträger wiederum spaltet die USA. Ist das der Sinn eines Friedenspreises?? Diese Entscheidung polarisiert, das war zu erwarten. Dabei hatte die Jury 250 Vorschläge auf dem Tisch liegen, sogar Italiens Silvio Berlusconi war unter den Kandidaten. Die Jury soll darauf achten, den Preis nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Ich denke, er gehört für ein Lebenswerk im Sinne des Weltfriedens verliehen. Amtierende Politiker soll man davon eher ausnehmen, man weiß ja nie, was noch kommt. Warum wohl, glauben Sie, dass zumindest bei uns öffentliche Flächen wie Straßen oder Plätze nur nach bereits Verstorbenen benannt werden? Eben!, weil man sicher sein will, dass man nicht bald wieder umbenennen muss. Hoffen wir also, dass Obama die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen kann. Er ist ein grandioser Redner, verdient hat er den Friedensnobelpreis derzeit sicher noch nicht! Aber das weiß er selbst!!


Kennen Sie den Mann in der Bild-Mitte? Es ist der Sänger und gebürtige Armenier Charles Aznavour, der auch für die Friedensverhandlungen in Zürich aufgeboten wurde

Und nun kommen wir bereits zur ersten Friedenstat des Nobelpreisträgers. Er verordnete den Frieden zwischen der Türkei und Armenien. Ich kann da schon etwas über die Stimmung aus eigener Erfahrung erzählen, denn vor 2 Wochen besuchte ich Armeniens Land und Leute. Die Armenier wissen natürlich, dass sich die USA klar auf der Seite der Türkei positioniert haben - weil diese strategisch für die USA natürlich viel wichtiger als das kleine Armenien ist. Die Unterzeichnungszeremonie am Samstag-Abend hätte gespenstischer nicht sein können. Das Treffen musste auf neutralem Boden (Zürich) angesetzt werden, beide Vertreter brachten ihre "Anwälte" mit: die Türkei Hillary Clinton, die Armenier Frankreichs Bernard Kouchner und Russlands Sergei Lawrow. Die zu haltenden Reden wurden vorher zensuriert, Armenien war mit einem Passus in der Rede des türkischen Außenministers nicht einverstanden. Drei Stunden Unterbrechung, das Scheitern des Vertrages lag in der Luft. Danach machte Clinton einen Vermittlungsvorschlag: überhaupt keine Reden! Zwei, die einander nichts, aber schon gar nichts zu sagen haben! Die Zeremonie dauerte dann keine 10 Minuten. Ein Formalakt war es trotzdem nicht: im Kleingedruckten werden nämlich Grenzen anerkannt, für die unzählige Soldaten und auch zivile Personen gefallen sind. Die Fortsetzung von echten Friedensverhandlungen wurde dabei so vage formuliert, dass selbst der Kassabon eines Supermarktes dafür zu schade wäre!

Die besten Glückwünsche zum Friedensnobelpreis, Herr Präsident!

Schönen Sonntag noch!

A.C.
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PHOTO-FUNKTION FUNKTIONIERT HEUTE NICHT

Die Woche fängt gleich gut an, ich habe technische Probleme. Das Photo lässt sich nicht auf die Startseite laden. Also müssen wir auf unseren täglichen Thielemann verzichten, denn andere Motive bieten sich in unserer Presseschau nicht an. Da wäre zum Beispiel ein Photo aus der neuen New Yorker Met-Produktion gewesen - aber das hatten wir schon. Wieso auf einmal wieder dieser alte Hut? Weil Samstag "Oper im Kino" war, die New Yorker "Tosca" live über die Leinwand (hoffentlich nicht) flimmerte. Die Kinos vermeldeten einen Riesenandrang - und ganz verwundert vernahm ich, dass eben diese "Tosca" die Münchner Festwochenpremiere 2010 sein wird. Restelverwertung als Festwochenpremiere, noch dazu eine Inszenierung, zugeschneidert auf den bekannt guten Geschmack der Amerikaner?
Ich wollte, ich hätte das nie erfahren! Das ist ja direkt geschäftsschädigend!

Ich selbst war gestern in einem Wiener Kino, um mir die aus der "Kulturhauptstadt 2009" Linz gratis angebotene "Kepler-Oper" anzusehen. Eigentlich war ich darauf eingestellt, mich dort ziemlich einsam zu fühlen - obwohl die Wiener dafür bekannt sind, Gratisangebote zu stürmen. Aber ich habe mich wieder einmal geirrt. Zu etwa 75 % war der große Saal des Wienerberg-Cineplexx besetzt - und nur ganz wenige nützten die Pause zur Flucht. Da es ein Gratisangebot war, mussten wir uns vor der Vorstellung 30 Minuten lang eine Präsentation des neuen Linzer Musiktheaters ansehen (Eröffnung 2012), verbunden natürlich mit Politiker-Statements. Aber was tut man nicht allen, wenn es nur gratis ist!
Philip Glas sprüht nicht gerade vor musikalischen Einfällen, aber er komponiert gefällig - und somit ist die Sache auszuhalten.

Viel mehr beschäftigt mich freilich die Frage, ob "Oper im Kino" neue Opernfreunde hervorbringt oder ob bloß eine Konkurrenz für die Theater geschaffen wird? Man sitzt im Kino sicher bequemer als in den Theatern, kann sogar Pop-Corn essen, versäumt nichts, da man die wichtigsten Szenen in Großaufnahme vorgesetzt erhält - und wenn man zu spät kommt, wird man problemlos eingelassen. Da es sich bei den Met-Übertragungen um Vorstellungen in Starbesetzung handelt, kann ich mir schon vorstellen, dass Publikum außerhalb der Opern-Metropolen dadurch ver- und damit der "Hausmannskost" entwöhnt wird. Gefährlich das!!!
Aber was soll's, man kann es offenbar ohnehin nicht verhindern. Sonst hätte das die Bayerische Staatsoper, die sich ihre neue Tosca - was die Neugierde des Publikums betrifft - nun sonstwo hinstecken kann, bestimmt getan!

Und an Christian Thielemann kommen wir heute wieder nicht vorbei, auch wenn die Technik gnädig war und sich beim Thielemann/Ude Photo verweigerte. Es klingt vielleicht für Sie etwas arrogant - aber lesen Sie meinen Kommentar vom Samstag - und dann das, was die großen Kollegen in den Sonntags/Montagsausgaben so von sich geben. Die schreiben natürlich nicht ab, aber die denken auch ziemlich realistisch, wenngleich vielleicht etwas langsamer: Christian Thielmann, Großsiegelbewahrer der deutschen Monumentalsinfonik, bekommt mit der Dresdner Staatskapelle, der er ab 2012 für zunächst sieben Jahre vorstehen wird, das Orchester, das er schon vor einigen Jahren verdient hätte. Damals freilich stimmte die Chemie noch nicht wirklich, und die Dresdner hatten noch nicht erfahren, dass mit dem als Thielemann-Ersatz gewählten Miniaturmaestro Fabio Luisi in Asien selbst Wagners sächsische „Wunderharfe“ den Veranstaltern Defizite beschert. Stattdessen nahm der Berliner mit den weltweit höchstens in der zweiten Reihe aufspielenden Münchner Philharmonikern vorlieb.
Luisi ein "Miniaturmaestro" - das zu schreiben, hätte ich mich nie getraut. Und weiter an anderer Stelle:

Das monatelange Gezerre um die Zukunft Thielemanns an der Isar und seine Philharmoniker ist also mit einem Paukenschlag beendet worden. Was die Münchner, schon gebeutelt durch das monatelange Gezerre um den Starkicker Franck Ribéry, besonders schmerzen muss, ist der Doppelpass zwischen Thielemann und seiner künftigen Geschäftspartnerin. Denn während der Dirigent beteuerte, wie sehr ihm die Stadt mit der Frauenkirche doch liege, hat er Vertragsverhandlungen mit der künftigen Intendantin der Dresdner Semperoper geführt. Die heißt Ulrike Hessler und ist derzeit noch für die Kommunikation der Bayerischen Staatsoper verantwortlich. Ein klarer Fall von "Ätsch!"-Kommunikation also. Gelockt von Weib und Gesang (die Sächsische Staatskapelle ist ein Opernorchester), wird Thielemann also von 2012 an in Dresden (hat übrigens auch eine Frauenkirche) wirken. Wenn der Vertrag bis dahin fertig ist.
Und genau mit dieser Dr. Hessler prophezeite ich bereits vor einigen Tagen an dieser Stelle Thielemann Probleme auch in Dresden: Dresden kann mit Thielemann seine Stellung als wiedererstandene Kulissenstadt des Kulturkonservatismus weiter ausbauen. Der nicht eben arbeitswütige Dirigent wird dort wenig gefordert werden, ernst zu nehmende Konkurrenz hat er keine. Allerdings: Die Subventionen werden weniger werden, und Thielemann ist nur Chefdirigent der Kapelle, nicht der Semperoper. Da sind Kompetenz- und Terminkonflikte mit der neuen Intendantin Ulrike Hessler, die selbst noch nie ein Haus alleinverantwortlich geführt hat, vorprogrammiert; besonders, wenn man Thielemanns harsches Temperament bedenkt.
In der Abendzeitung bringt Robert Braunmüller vieles auf den Punkt.
Blamage
Der Thielemann-narrische Dieter Borchmeyer sammelte als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Unterschriften für den Verbleib des Dirigenten. Er ist nun blamiert. Thielemann hat ihn nur benutzt, um seinen Verhandlungen in Dresden den nötigen Nachdruck zu verleihen. Das ist nicht nett, war aber taktisch geschickt.
Aber er sieht auch Vorteile im Thielemann-Abgang:
Nun wird gespart
Thielemanns Vertrag enthielt ein Rücktrittsrecht für den Fall von Stellenstreichungen. Ohne den Dirigenten hat es die Stadt viel leichter, ihrem Orchester ein Spar-Opfer abzuverlangen. Angesichts einbrechender Gewerbesteuereinnahmen in den nächsten Jahren ist das so sicher wie das Amen in der Kirche.
Zukunft
Jede Krise ist zugleich eine Chance. Die Münchner Philharmoniker sind seit der Ära Celibidache auf starke Vaterfiguren fixiert. Auch Thielemann entspricht diesem Dirigententypus. Viele Musiker des Orchesters pflegen den verklärenden Blick. Sie schwärmen von der dunklen, erdigen und vibratoreichen Klangvorstellung, die beide Chefs gemeinsam haben. Tradition ist gut, aber die Philharmoniker drohen sich in ihr zu verlieren. Zu einem modernen Orchester gehören Wandlungsfähigkeit und der interessierte Blick aufs Neue.
Nachfolger
Thielemanns Vertrag läuft noch bis Ende der Saison 2011. In der Zeitrechnung eines Orchesters war dies schon vorvorgestern. Der normale Planungsvorlauf für das Engagement von Dirigenten und Solisten beträgt drei bis fünf Jahre. Bisher drängt sich kein Dirigent als Nachfolger auf. Daher ist nun nicht nur Feuer auf dem Dach der Philharmonie, sondern auch beim Kulturreferat.
Namen
Eine gute Figur machte zuletzt der Italiener Daniele Gatti, der nicht nur mit Verdi, sondern auch bei Mahler oder Alban Berg auf sich aufmerksam macht. Aber das Orchester soll ihn nicht mögen. Kyrill Petrenko, dessen starker Ausstrahlung selbst Mitglieder der Wiener Philharmoniker schwärmen, will sich nicht binden. Seine Stärken liegen eher bei der Oper. Ingo Metzmacher hört 2010 beim Berliner DSO auf. Er ist ein kommunikativer Dirigent neuen Typs mit aufregenden Programm-Ideen. Aber viele Orchester arbeiten nicht gern mit ihm.
Thielemann wird uns noch lange beschäftigen, auch wenn die Diskussion über ihn schön langsam nervt!

Was war sonst noch los: Der Essener "Siegfried" scheint auch keine Sensation zu sein, vielmehr eine "Mischung aus Zorro und Zauberflöte". Wotan/Wanderer besucht Erda mit Blumen im Altenheim - zumindest das ist ein origineller Ansatz.

Unter'm Strich kommen wir nochmals auf die Bemühungen des "Friedens-Nobelpreis-Lehrlings" (in Deutschland heißt das "Azubi") Barack Obama zu sprechen. Die gerazu lächerlichen Vorgänge um die Vertragsunterzeichnung zwischen den Türken und den Armeniern im Züricher Hotel Dolder sind bereits Lehrgeld, das er zahlen muss.

Ihnen allen eine schöne Woche!
A.C.
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Dienstag, 13. Oktober 2009

Roberto Alagna bestätigt Trennung von Angela Gheorghiu

Beginnen wir heute mit einem Griff in die Klatschspalte: Angela Gheorghiu und Roberto Alagna wollen künftig getrennte Wege gehen. Das hat sich in letzter Zeit bereits abgezeichnet und überrascht nicht wirklich - und ist außerdem Privatsache der beiden. Interessanter ist freilich, dass Roberto Alagna bei dieser Gelegenheit einen Blick in die Gagensituation im internationalen Operngeschäft werfen lässt - was angesichts einer Scheidung von den wenigsten Männern praktiziert wird. Aber er wird sicher seine Gründe haben. Angeblich ist ja Angela Gheorghiu die Topverdienerin des Duos gewesen, als wirklich bedürftig brauchen wir aber Herrn Alagna auch nicht einstufen: Der Interviewerin gegenüber erklärt Alagna, er lebe zwar in der Schweiz, bezahle seine Steuern aber in Frankreich. Für einen Galabend erhalte er 60'000 Euro Gage, und wenn er mehr Geld brauche, trete er in Abu Dhabi oder Japan auf, wo die Entschädigung für einen Auftritt 100'000 Euro betrage. In der Oper betrage die Gage für einen Auftritt 13'000 Euro. Von dem Geld sehe er allerdings nicht viel, die Hälfte gehe an die Steuern, der Rest an den Agenten und die Spesen.

Wo treibe ich für mich auf die Schnelle einen Auftritt in Abu Dhabi auf? Irgendwie könnte mir dieser nicht schaden! Im Ernst, wir sehen, dass Opernauftritte tatsächlich nicht das große Geschäft sind und verstehen auch, warum die großen Diven dieser Zeit von einem Event zum anderen tingeln - anstatt sich auf der Opernbühne mit Regisseuren und Partnern herumzuärgern. Und von Roberto Alagna hat mich früher schon einmal gewundert, dass er über niedrige Operngagen herummotzt, in Paris aber während seiner Auftritte eine ganze Suite im besten Hotel bucht.

Nun kommen wir zur "Regietat" des Wochenendes, nämlich Frejo Majers Don Giovanni-Inszeniering in Oldenburg. Ich weiß zwar ehrlich nicht, wo Oldenburg liegt, aber dennoch kommt das dortige Staatstheater heute in meine "Schlagzeilen": Der große deutsche Regisseur Günther Rennert glaubte nicht an die Möglichkeit, „für diese Partitur auch nur eine annähernd szenische Entsprechung finden zu können“. Dazu kommt bei einem der meist gespielten Werke der Operngeschichte, Don Giovanni von Wolfgang Amadeus Mozart, eine solche Fülle von Interpretationen, dass jeder neue Regisseur der „Oper aller Opern“ (E.Th.A. Hoffmann) nahezu vor ebenso fordernden wie unlösbaren Problemen zu stehen scheint.
Ein Scheitern ist vorhersehbar und es stellt sich nur die Frage, auf welchem Niveau. Nun hat es der junge Freo Majer in Oldenburg versucht. Der hoch ambitionierte Versuch, alles anders zu machen, hat ihn allerdings in eine Ecke getrieben, die ihn nur schwer noch erkennen ließ, was in Bezug auf die Partitur geht oder eben nicht mehr geht.
Und weiter: Der Komtur ist bei Majer keine Instanz, im Gegenteil. Anna pflegt die Statue ihres toten Vaters, die sie meist bei sich hat. Und diese fängt bei Don Giovannis Einladung zum Fest an zu singen. Das wird noch getoppt im zweiten Finale, als Don Giovanni einfach wegstürzt und Leporello ihm hinterher lacht: Man ordnet sein Leben neu und geht zur Tagesordnung über. Ein Festmahl hat es sowieso nicht gegeben.

"Alle sind Schweine" - so die Aussage seiner Inszenierung. Das ist war weder originell noch neu, aber immerhin eine Aussage. In dieser Kritik wird übrigens gar nicht erwähnt, dass der Titelheld in Unterwäsche mit Sockenhaltern herumläuft - wir haben in der Vorwoche ein Photo veröffentlicht (in unserer Bildergalerie unter "Brand-Aktuelles" zu sehen). Aber das gehört in Zeiten Martin Kusejs anscheinend zur Normalität. Peter Sellars hat das vor Jahrzehnten ästhetischer gezeigt, sogar in doppelter Ausführung, mit dem dunkelhäutigen Zwillingsbrüder-Paar. Es ist also verdammt schwierig, Neues zu erfinden. Aber wie sonst soll sich ein junger Regisseur einen Namen machen, wie sonst kommt Oldenburg in internationale Gazetten? Dabei - ein Skandal ist nicht gelungen - und nur solche machen populär!

Der Essener "Siegfried" war angeblich langweilig, wir haben bereits 3 Kritiken online. Unsere "Platzhirschen" Bilsing und Altenaer schreiben in letzter Zeit ziemlich konträr. Oper lebt!

Über Thielemann gäbe es noch viel zu sagen, aber das heben wir uns für einen anderen Tag auf. Nun bringt Thielemann einige Orchestermusiker ins Spiel, denen es "anscheinend zu gut geht". Wie sollen diese Herrschaften noch 2 Jahre zusammenarbeiten?? Die "Kündigungszeiten" in dieser Branche sind wirklich ein Irrsinn!

In Wien wurde gestern abend der Theaterpreis "Nestroy" verliehen. Große Siegerin wurde erwartungsgemäß Birgit Minichmayr. Sie gewann den Preis als beste Schauspielerin und dazu den Publikumspreis. "Unterwäsche-Kusej" wurde als bester Regisseur ausgezeichnet.

Als literarisch sattelfest erwies sich anlässlich seines 77. Geburtstages, den er natürlich im Fernsehen begehen musste, unser aller Richard Lugner. Er ordnete das Zitat "Franz heißt die Kanaille" eben diesen Johann Nestroy zu - und seine Ex hing dabei gläubig an seinen Lippen. Dermaßen auf den Hund gekommen, schließen wir diesmal "unter'm Strich" mit "Berlin wählt den Hundeskanzler" - aus 100 Vierbeinern können die Berliner einen Würdenträger wählen!


Ein Kandidat zur Wahl des Hundeskanzlers

Ich wünsche einen schönen Tag!
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Mittwoch 14.10.2009

Zuerst zur Beantwortung zweier an mich gestellter Fragen betreffs meiner gestrigen Kolumne: Nein, wir müssen für Roberto Alagna keine Kollekte veranstalten, er wird sich schon irgendwie "durchfretten". Er ist ein notorischer "Raunzer" - könnte also Wiener Wurzeln haben!
ad.2: Das gilt auch für Herrn Kusej. Auch er könnte sich sehr wohl mit eigenem Geld therapieren lassen. Kein Handlungsbedarf unserseits!

Der Skifahrer Hermann Maier schockte gestern die Nation mit seinem Rückzug vom aktiven Rennsport. Er hat Großes geleistet, natürlich auch viel verdient. Auch um ihn müssen wir uns keine Sorgen machen. "Es ist der richtige Zeitpunkt" - meinte er. Ich bin da zwar nicht so sicher, aber zumindest war es gerade noch rechtzeitig. Möge solch eine weise Erkenntnis auch anderen beschieden sein - Opernsänger nicht ausgenommen. Maier wurde die Entscheidung leicht gemacht. die Stoppuhr war unerbittlich und letztlich gegen ihn. Ein Künstler hat dieses Hilfsmittel nicht zur Verfügung, er hat nur Fans und Einsager, die ihm den Blick auf die Realität verstellen.


Gestern wurde der "Birgit Nilsson-Preis" aus der Hand des schwedischen Königs in jene von Placido Domingo gereicht. Damit sich der Preisträger den Preis auch garantiert selbst abholt - und nicht - wie bei der Wiener Nestroy-Verleihung - schmollend irgend einen Vertreter benennt, ist der "Nilsson-Award" sensationell hoch dotiert: 1 Million Dollar! Jetzt weiss ich nicht, woher das viele Geld kommt. Ich nehme an, Birgit Nilsson hat es im Laufe der vielen Karrierejahre dafür angelegt. Das würde allerdings Roberto Alagna (siehe gestrige Kolumne) Lügen strafen, denn an so vielen "Mega-Giga-Events" fernab der Opernbühne hat Birgit Nilsson nicht mitgewirkt! Vielleicht konnte sie auch nur besser mit Geld umgehen! Aber ich will eigentlich etwas anderes hinterfragen: Wozu eigentlich dieser Preis, warum ein finanziell eigentlich längst unabhängiger Preisträger? Ich sehe da nicht durch. Natürlich konnte die Erblasserin mit ihrem Geld machen, was immer sie wollte, sie hätte es auch anzünden, selbst verprassen, dem Tierschutz hinterlassen können. Aber jetzt hat Placido Domingo, der wirklich Großes für die Oper geleistet und wie unser Hermann Maier auch zurecht viel Geld verdient hat, eine weitere "Pletschn" an seiner ohnedies bereits ordensdekorierten Brust hängen. Bezüglich der Verwendung des Geldes sind keinerlei Wünsche der Erblasserin bekannt. Noch dazu hat Frau Nilsson den ersten Preisträger dieses im Abstand von jeweils 3 Jahren zu verleihenden Preises noch selbst bestimmt. Also darf ich davon ausgehen, dass sie sich irgendetwas dabei gedacht hat. Wenn sie Domingo beschenken wollte, hätte sie es zu Lebzeiten steuerschonender im schlichten Kuvert bei einem gemeinsamen Abendessen machen können. Also, ganz ehrlich, irgendetwas fehlt mir in dieser Geschichte. Irgend eine Grundidee, die plausibel erscheint. Kann mir da jemand weiterhelfen??

Mittlerweile ist es 10 h und ich bekomme Details über den Nilsson-Preis zugesandt. Placido Domingo will das Preisgeld für seinen Gesangswettbewerb verwenden - was ihn ehrt! Ich werde morgen auf diese Details zu schreiben kommen!

Aber Placido Domingo bemüht sich zumindest selbst zur Preisübernahme. Das machte Martin Kusej bei seinem - allerdings viel schlichter dotierten - "Nestroy" nicht. Der Preis war ja eigentlich als "Trostpflaster" gedacht, weil Martin Kusej nicht Burgtheaterdirektor werden durfte. Der Regisseur schmollt trotzdem, dabei hätte er aus Paris, wo er sich derzeit aufhält, problemlos einfliegen können- da gibt es sogar schon Billigflüge. Der Schuss ging damit für die Preisverleiher kräftig nach hinten los. Werden diese aus solchen Blamagen endlich klüger?? Das wäre doch ganz einfach. wenn sich der Preisträger den Preis nicht abholt, kommt automatisch der nächstgereihte zum Zug - ohne Kommentar. Die Öffentlichkeit braucht das gar nicht zu wissen, damit kann eine Preisverleihung auch nicht zum Protest missbraucht werden!

In Klagenfurt gab es eine interessante "Fidelio"- Premiere nach dem Motto "Wie hätten Sie es denn gerne?" oder "Sie wünschen, wir spielen". Der Regisseur bot nämlich 3 Schluss-Varianten an, darunter auch jene, in der Pizarro den korrupten Minister mit Geld besticht und Gouverneur bleiben darf. In dieser Version wäre Florestan kein politischer Freigeist, sondern schlicht ein Querulant. Ein anderer Schluss sieht die Erschießung von Leonore und Florestan durch Pizarro bereits vor der Leonoren-Ouvertüre vor, das Finale müssen die beiden aber dennoch singen. Wer diese Rätsel lösen will, muss nach Klagenfurt fahren. Das ist auch eine neue Idee, um die Leute in das Theater zu zwingen!

Jonas Kaufmann ist mir in den letzten Wochen schon abgegangen, der ist immer ein heißer Tipp für das Photo auf der Startseite. Ein Interview mit ihm finden Sie ebenso in unserer Presseschau wie eines mit dem etwas weniger photogenen Ingo Metzmacher.

Der Essener "Siegfried" ist und bleibt langweilig, das wird uns nun in einer weiteren Kritik bestätigt. Der Regisseur ist selbst schuld, warum bietet er nicht drei verschiedenen Schluss-Varianten an?

Für Aufregung sorgt die Santa Fe-Opera. Die ist nämlich nicht nur in der Musik- sondern auch in der Ölbranche tätig: Dass hinter Ölbohrungen im ländlichen Mora County und den nicht minder idyllischen San Miguel Counties das Opernhaus von Santa Fe steckt, ist per Zufall ans Licht gekommen, als Anwohner Informationen über die Auftraggeber sammelten.
Laut lokalen Presseberichten sind dem Opernhaus 2002 die Verwertungsrechte an Mineralvorkommen in der Region von einer Mäzenin übertragen worden, um damit ein Programm zur Nachwuchsförderung zu alimentieren.
Die Bürgerrechtsgruppe Drilling Mora County zeigt wenig Verständnis dafür, dass sich ein Kulturunternehmen als Umweltverschmutzerin und Rohstoff-Profiteurin herausstellt.
Charles MacKay, der Geschäftsführer der Santa Fe Opera, verteidigte das Vorgehen, versprach aber, Wege zu finden, um den Bedenken der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Dazu sollen alternative Möglichkeiten gesucht werden, um die Donation sinnvoll zu verwerten.

Diese Donatorin hat sich aber zumindest Gedanken darüber gemacht, was mit dem vererbten Geld geschehen soll. Mir wird dieser Nilsson-Preis immer rätselhafter!

Was hätte unser Ioan Holender aus diesem Ölgeschäft alles gemacht? Im Moment ist es seltsam ruhig um ihn. Vielleicht bastelt er an einer Karriere als Öl-Manager der Santa Fe-Opera. Dem Mann traue ich doch alles zu!

Heute ist das eine Kolumne, die viele Fragen offen lässt.
Trotzdem, schönen Tag!
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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Der Italo-Amerikaner wurde in den 50er und 60er Jahren mit Evergreens wie "Spanish Eyes", "Here In My Heart" und "Volare" berühmt. Zudem spielte er 1972 an der Seite von Marlon Brando und Al Pacino in Francis Ford Coppolas Mafia-Drama "Der Pate" den Sänger Johnny Fontane. Auch der Titelsong stammte von ihm. Mit seiner Schmusestimme und einem untrüglichen Gespür für die rechte Prise Romantik schaffte Al Martino das seltene Kunststück, alle Wellen der Popmusik mit seinem eigenen Stil zu überleben.

Nun kommen wir aber nochmals auf das Hauptthema von gestern, den "Nilsson-Prize", zurück. Erst im Laufe des Tages wurde mir die "Gebrauchsanweisung" nachgeliefert, nachzulesen ist diese unter "Aktuelles". Demnach kann der Preis an eine Privatperson, an eine Initiative, aber auch an eine besonders hervorzuhebende Produktion "im Sinne des Komponisten" vergeben werden. Die Erblasserin war offenbar hoffnungslos altmodisch und hat unsere Freunde Neuenfels, Kosky , Bieito und auch jene, die es bisher noch zu keinen handfesten Skandal gebracht haben, von dieser finanziell lukrativen Ehrung ausgeschlossen. Eine dreiköpfige Jury wird künftig alle drei Jahre über die Vergabe befinden, bei so vielen Dreiern ist es naheliegend, dass der nächste Preis - so meine kühne Prognose - auch dreigeteilt wird. Auch das ist nämlich möglich. Wozu das Geld verwendet werden darf, ist aber nirgends festgeschrieben. Placido Domingo wird also meiner Ansicht nach als einziger Preisträger über die volle Summe verfügen können, die er dem Vernehmen nach in seinen Gesangswettbewerb investieren will.

Nun beleuchten wir das Thielemann-Thema aus anderer Sicht, nämlich aus jener des Publikums. Das Dresdener Publikum hat es dem Kapellmeister offenbar besonders angetan: Es war diese eine Minute, die alles entschied. Als bei Christian Thielemanns grandiosem Gastauftritt als Dirigent der Dresdner Staatskapelle die letzten Töne von Bruckners Achter verklungen waren, da herrschte eine unendliche Minute lang, bevor dann der Applaus gewitterartig losbrach, ein vielhundertfaches Schweigen. In genau dieser Schweigeminute für die Schönheit der Musik, am 13. September in der Semperoper, hat sich Thielemann vermutlich entschieden, als Chefdirigent nach Dresden zu ziehen – und München zu verlassen. Nicht nur wegen des Orchesters also, sondern auch wegen des Publikums. Was Thielemann in dieser Minute erfuhr, war die Präsenz eines Kulturbürgertums, das sich in Deutschland vielleicht nirgendwo so rein erhalten hat wie in jenem inoffiziellen Dresdner Milieu, dem Uwe Tellkamp mit seinem RomanDer Turm ein Denkmal gesetzt hat. Es könnte also sein, dass trotz DDR und Staatssicherheit das Kulturbürgertum so vital blieb, weil es nicht, wie das vergleichbare westdeutsche Milieu, in den ideologischen Grabenkämpfen der siebziger und achtziger Jahre aufgerieben und ausgedünnt wurde.

Das "Kulturbürgertum" hat sich also in Dresden besonders gut gehalten, In München - aber auch in Wien - gibt es, will man dem Zeitungsbericht glauben - zu viele Kulturrabauken. Wie man in die letzten "Tristan-Takte" wie wild reinapplaudieren kann, nur um seiner Umgebung Begeisterung zu demonstrieren, ist auch für mich unverständlich und hat mir schon so manchen Opernabend (wie auch manches Konzert) nachträglich vermiest.

Zur Thielemann-Problematik passend ist die Meldung, wonach das Melbourne-Symphony-Orchestra seinen italienischen Chefdirigenten Oleg Caetani vorzeitig gekündigt hat. Das steht allerdings unter umgekehrten Vorzeichen, denn dort hat nicht der Dirigent, sondern das Management sogar über das Programm zu bestimmen. Als Caetani dort die Schostakowitsch-Symphonien aufführen wollte, platzte dem Chefmanager offenbar der Kragen: Grund für die Trennung sind laut einem Bericht von «The Age» Differenzen über die Werkwahl für die Abonnementskonzerte und ein Rückgang des Publikumszuspruch.Offenbar scheiterte Caetani in seinem Bemühungen, dem Stammpublikum des Orchesters weniger bekannte Werke - darunter die Schostakowitsch-Sinfonien - näherzubringen. Die Zahl der Abonnenten des MSO ist leicht zurückgegangen und die Billettverkäufe sind dieses Jahr zehn Prozent gesunken.

Andere Länder, andere Sitten!

Elisabeth Kulman präsentiert ihre Solo-CD

Elisabeth Kulman, gebürtige Burgenländerin, machte schon in jungen Jahren eine beachtliche Karriere als Opernsängerin. Jetzt hat sie ihre erste Solo-CD aufgenommen. Sie interpretiert Lieder von Gustav Mahler auf neue Art und Weise.
Derzeit kann sie die Wiener Staatsoper als ihr Stammhaus benennen. Dort singt sie seit drei Jahren. Im Moment bereitet sie sich auf ihr Rollendebüt als Herodias in der Richard Strauss Oper "Salome" vor.

Auch Rene Kollo ist noch präsent, demnächst in Hamburg: "Lieber Leierkastenmann", "Ach, ich hab in meinem Herzen" oder das flotte "Hello, Mary Lou" - René Kollo ist in jedem Gesangsfach zu Hause, vom Schlager bis zum schweren Wagnerfach. Und: Noch heute lässt der Sohn einer Berliner Musikerfamilie die Frauenherzen höher schlagen. Na ja, das war einmal. Den letzten Satz wage ich bereits zu bezweifeln!

In Essen wurde der Ring mit "Siegfried", den für einen Regisseur wohl schwierigsten Teil, fortgesetzt. Bekanntlich "kochen den Brei" dort vier Regisseure, "um das Risiko zu vermindern". Ein Denkfehler? Man erhöht das Risiko gleichzeitig auf das Vierfache! Anselm Weber hat angeblich Langeweile produziert. Aber nun kommt Barrie Kosky, ein ausgewiesener Wagner-Freund, für "Götterdämmerung". Er wird sich bemühen müssen, um den nächsten "Brirgit Nilsson-Prize" für eine Inszenierung im Sinne des Komponisten zu kassieren.


Der Wiener Opernball wird wieder von einer "neuen" Tanzschule eröffnet, die allerdings eine der ältesten Österreichs ist. Diesmal haben die Oberösterreicher das Sagen bei der weltweit gesehenen Zeremonie. Aber der Wiener "Benimmpapst" wird uns weiterhin via TV und Werbung erhalten bleiben!

"Unter'm Strich" kommen wir kurz wieder auf Roman Polanski zurück - ohne eine neuerlich Diskussion im Forum provozieren zu wollen. Die "Weltmeisterin im Fettnapftreten", "Fergie" - Herzogin von York, feiert ihren 50er. Und Friedensnobelpreisträger Barack Obama macht das, was man von einem Friedensnobelpreisträger erwartet. er stockt die Truppen in Afghanistan auf!

Dazu fällt mir jetzt nichts mehr ein! Deshalb: schönen Tag!

Übrigens, grausliches Wetter heute in Wien. Schneeregen um 8 h
A.C
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Freitag, 16. Oktober 2009

Zuerst einmal unser täglicher Thielemann: Die Münchner Philharmoniker sind am Donnerstagabend in der Münchner Philharmonie vor Beginn eines Bruckner-Konzerts ausgebuht und beschimpft worden. Es war das erste Abonnementkonzert mit Generalmusikdirektor Christian Thielemann nach seiner aufsehenerregenden Trennung von dem Orchester zum Sommer 2011. Der Dirigent selbst wurde dagegen vom Publikum beim Betreten des Podiums demonstrativ bejubelt.
Da ist das Münchner Publikum schon näher an "des Pudels Kern" gelangt. Man kann nicht nur immer auf die Politiker eindreschen (auch wenn Herr Ude nicht meiner "Coloeur" entspricht) - aber die Rolle des Orchesters in dieser nun schon wirklich leidigen Angelegenheit habe ich in meinen Kommentaren oft hinterfragt. Aber nun nochmals die Frage: Wie sollen Thielemann und sein Orchester nun zwei Jahre problemlos miteinander arbeiten? Ich denke, da kommt noch etwas auf uns zu!

Turbulenzen gibt es anscheinend auch an der Wiener Volksoper. Dort wurden drei Tage vor der "Rigoletto"-Premiere zwei der drei Hauptrollensänger ausgetauscht (böse Zungen behaupten, man hätten den dritten auch gleich in den "Krankenstand" schicken sollen). Offizieller Grund: Erkrankung. Zwei Erkrankungen an einem Tag? Funktioniert die Heizung in der Volksoper nicht mehr?
Inoffiziell hat mir schon vor Wochen ein Insider verraten, dass die Zweitbesetzung die weit bessere sein soll. Versteht man an der Volksoper nicht viel von Stimmen? Gut, der Direktor ist Schauspieler mit bescheidenen Sangeskünsten, der beste Selbstdarsteller, den wir in Wien haben - sogar die Politiker stehen da hinten an, aber zur Sängerbeurteilung hat er doch einen Stab von Fachleuten.
Nun singt Jennifer O'Loughlin die Gilda. Die amerikanische Sängerin macht übrigens den großen Sprung von der Wiener Volksoper an die Met: die Zerbinetta wartet dort auf sie!


Cäcilia Bartoli startete ihre Deutschland Tournee, ob nun in München oder Berlin, ich weiß es nicht. Die ersten Kritiken sind jedenfalls in unserer Presseschau zu lesen.

Feinschmecker des Gesangs mosern derzeit gern über ihre Atemtechnik. Das sei doch mehr gehaucht und gezwitschert als gesungen, so das Verdikt. Und die Philharmonie ist kaum der ideale Ort für solche mit kleiner Stimme gezeichnete Silberstiftporträts.


Stimmt irgendwie, aber wenn Cecilia Bartoli auftritt, hat man es vergessen. Sie kam, sah und siegte. In Stiefeln mit roten Absätzen, die im 18. Jahrhundert nur Adelige tragen durften, einem rot gefütterten Umhang und roten Handschuhen rauschte sie herein. Sie zielte mit dem Hut auf den Cembalisten des Originalklang-Ensembles La Scintilla und verfehlte ihn. Dafür traf sie alle Noten der wilden Seesturm-Arie „Come nave“ des Händel-Zeitgenossen Nicolò Porpora.

Der "Regietheater-Altmeister" Hans Neuenfels hat ein Buch geschrieben: Verdi erscheint dem Verdi-Regisseur gleich mehrfach und doch nie während der Arbeit, sie trinken Wein vom Verdischen Weingut in Sant’Agata, der peinlicherweise moussiert; Mozart trinkt ebenfalls Wein, Beisl- Wein, viel Wein, und Richard Wagner, der „fahle Phallokrat“, bittet den Bayreuth-Neuling im Sommer 2007 höchstpersönlich ins Konferenzzimmer des Festspielhauses, um vom „Wahnsinn auf den ersten Blick“ zu berichten, der zwischen ihm und seinem Gönner Ludwig II. einst herrschte.
Man mag solche Fantasmagorien als spinnert abtun oder als naiv. Wie kann es ein nachschöpfender Künstler wagen, sich derart unverblümt mit unseren ehrwürdigen alten Meistern (zu denen allerdings auch Ferrucio Busoni, Alexander Zemlinsky und Bernd Alois Zimmermann gehören) ins Benehmen zu setzen? Neuenfels kann es, weil er nicht anders kann. Und seine sprachliche Grazie, seine unverkopfte Bildung, seine Gefühlsgewissheiten, seine Lustigkeit auch, die Widerhaken, die er dem Leser gerne unterjubelt, sie gestatten es ihm. Eine Poesie der starken Obsessionen, wahrscheinlich muss man das mögen.

Neuenfels hält sich nun schon so lange im Geschäft, dass ganz einfach etwas an ihm "dran sein" muss. Ich bin nur gespannt, in welcher Rolle er seine Ehefrau Elisabeth Trissenar in den Bayreuther "Lohengrin" integriert. Denn irgendwie muss sich doch der Ausflug auf den Grünen Hügel auch finanziell auszahlen.

"Neuenfels-Jünger" Michaela Dincu und Winnie Karnofka verlegen im Gelsenkirchner "Musiktheater im Revier" / Kleines Haus ihre "Ariadne" ins Schwimmbad: „Das Bühnenbild sorgt zudem für eine erhöhte Schwierigkeitsstufe, weil das Orchester im Schwimmbad sitzt, was die Akustik stark beeinflusst, und weil einige Musiker gar keinen Blickkontakt zueinander haben”, so Baumann. Wie gesagt: es wird spannend. Premiere von „Ariadne auf Naxos” ist am 23. Oktober um 20 Uhr im Kleinen Haus des MiR.


Udo Jürgens hat sein Musical im Wiener Raimundtheater untergebracht. "Unter'm strich wird die Frage gestellt, ob Deutschland eine "Bulettenrepublik ist. Dazu möchte ich mich nun wirklich nicht äußern: Wer eine Frikadelle stiehlt, bedient sich morgen vielleicht am Lippenstiftstand, übermorgen an Steuergeldern. Die Bagatellisierung von Straftaten muss aufhören! Gut gebrüllt: Wehret den Anfängen!

Jürgen Klinsmann wird sich bei Franz Beckenbauer über das Lob bedanken: "Louis van Gaal (das ist der Bayern-Trainer, den sogar seine Töchter "siezen" müssen) ist ein Fachmann, das Gegenteil von Klinsi". Und Bayern München ist der einfachste Fussballclub der Welt. Der Trainer braucht nur alle Spiele gewinnen, dann ist er unangreifbar!

Das habe ich freilich nicht gewusst. Deshalb schließe ich mit Wünschen für ein schönes Wochenende.
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Samstag, 17.10.2009

Heute findet an der Wiener Volksoper die Premiere von Verdis "Rigoletto" statt, drei Tage vor der Premiere wurden die Sängerdarsteller der Gilda und des Herzogs umbesetzt, oder - richtiger gesagt - mussten "wegen Erkrankung ausgewechselt" werden. Somit singen heute 2 Polen (möglicherweise ist einer davon Tscheche oder Slowake, so genau weiß ich das nicht) und 2 Amerikaner (einer davon ganz augenscheinlich koreanischer Abstammung) die 4 größten Rollen. Und alle 4 mussten diese Rollen in deutscher Spracher lernen, weil sich der Herr Direktor das so einbildet! Ich nehme an, dass unser Richard Lugner - falls er für heute abend eine junge Begleiterin findet - der Premiere beiwohnen wird (ohne Ritchie läuft in Wien kein "Ereignis"). Seinetwegen wird wohl Deutsch gesungen - weil sich eben dieser Ritchie Lugner in St. Margarethen beschwert hat, dass "er nicht weiß, was die da vorne singen".

Auch ich kann bestenfalls italienisch essen, keineswegs sprechen, aber diesen Libretto-Unsinn brauche ich wirklich nicht verstehen - mir genügt die Handlung in kurzen Umrissen. So gut kann die deutsche Übersetzung gar nicht sein, als dass ich sie mir gerne anhören möchte. Irgendwann werde ich wohl in diesen Volksopern- "Rigoletto" gehen müssen, man muss ja schließlich mitreden können!

Natürlich wird zeitversetzt inszeniert, die Handlung spielt in der römischen "Filmstadt", der Herzog ist selbstverständlich kein Herzog, sondern ein Filmstar. Wenn das gut gemacht ist, habe ich überhaupt kein Problem damit . Nur soll mir der Regisseur nicht im Programmheft erzählen, dass der Komponist das eigentlich genau so gemeint hat. Das ist die Sichtweise des Regisseurs, der Versuch einer Deutung aus seiner Sicht - und diese soll er ganz allein verantworten. Denn wenn der überwiegende Teil der italienischen Komponisten so tiefsinnig konzipiert und komponiert hätte, wie uns das die "klugen Büchlein", geschrieben natürlich von den Dramaturgen, erzählen, dann hätten sie sich in erster Linie um bessere Libretti bemühen müssen - und diese nicht bei Autoren von Schundromanen billig einkaufen dürfen. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel. Der "Online-Merker" ist bei dieser Premiere vertreten.

Bereits sechs Kritiken sind bei uns über die "Tancredi"-Produktion im Theater an der Wien zu lesen, drei Eigenberichte und drei Pressekritiken. Unsere Mitarbeiterin Renate Wagner musste sich auch bereits wieder wegen ihrer Sängerbeurteilung rechtfertigen - weil ein Leser anderes gehört haben will, als eigentlich sechs Rezensenten. Diese "Rechtfertigung" geschieht bei ihr nicht im Forum, sondern mittels Mail. In ihrer Kritik fällt mir ein Satz auf, denn ich voll unterschreiben möchte - weil ich ähnliche Beobachtungen gemacht habe: Das Publikum klatschte zwar zwischendurch wenig und nicht sonderlich animiert, wirkte am Ende aber recht begeistert. Ich bemerke das auch: da sitzen Leute mit gesenktem Haupt und geschlossenen Augen da - wohl weil sie sich so auf die Musik und weniger auf die Szenerie konzentrieren wollen - und brechen dann bereits beim ersten Zucken des Vorhanges - da wird der Applaus bereits von den Schnellklatschern angezogen - in lautes Begeisterungsgebrüll aus. Man will ja schließlich zeigen, wie sehr es einem gefallen hat. Und ausgeschlafen ist man auch!

Das beste Mittel gegen Theaterschlaf sind schlechte Sitze. In der Volksoper hätte ich gestern - selbst bei bestem Willen - gar nicht einschlafen können. Dabei sind meine Beine keineswegs sehr lang, aber trotzdem wusste ich auf meinem Platz in der 1. Reihe Balkon mit Brüstung davor nicht, ob ich sie nun nach links oder rechts verbiegen soll. Gut, ich habe eine Knieoperation sowohl hinter als auch noch vor mir, aber das war eine Tortur. Ich habe den "Schlusspfiff" geradezu herbeigesehnt - trotz ganz guter Aufführung eines Musicals!

Aporopos Sitze: Wiens Staatsoperndirektor vor den Vorhang! In seiner letzten Amtsperiode hat er dem Merker bessere Plätze verschafft. Es sind dies zwei der besten Plätze in der billigen Preiskategorie. Entgegen anderslautenden Gerüchten bekommen wir nur in Ausnahmefällen Pressekarten, wir haben bloß ein Anrecht auf Reservierung dieser "Merker-Sitze". Danke, Herr Direktor, das ist ein schönes Abschiedsgeschenk von Ihnen - auch wenn wir Ihnen nicht immer nach dem Mund geschrieben haben. Auch ich nicht - ich bleibe aber bei meiner Meinung: es kommt meist nichts Besseres nach!!!

Böses vernehme ich aus Wuppertal. Da wurde ein altgedienter Kritiker wegen einer Kritik von der Presse-Einladungsliste gestrichen - im Schauspielhaus ! wohlgemerkt. Nach seiner Kritik wurde der ehrenwerte Kritiker, Frank Becker, von der Marketing-Dame der Wuppertaler Bühnen - nach über 40 Jahren Kritikertätigkeit - anscheinend auf die rote (bei uns in Wien ist das die "schwarze") Liste gesetzt. Darüber hinaus verlangt die zuständige Dame der Marketing-Abteilung per Brief, dass Becker das Logo der Wuppertaler Bühnen aus allen Rezensionen löscht, die er je geschrieben hat. Sic! Auch aus seinen Berichten in der Vorgänger-Ära!

Die besagte Kritik können sie lesen: "Eine Billion Dollar" - bei uns zu finden im Bereich Sprechtheater. Bei diesem Intendanten wäre unsere Renate Wagner (die vor allem an der Volksoper, Dank auch den den von mir kritisierten Direktor Meyer) - und nicht nur die - längst der Verbannung anheimgefallen! Auch dieses Beispiel beweist, was wir an unserem Holender haben. Der verschafft uns sogar bessere Sitze!

Andere Länder, andere Sitten - ein oft verwendeter Spruch von mir. Aber die Deutschen sind gestraft genug. Die verlieren nun ein weiteres Weltkulturerbe: die Besenkammer, in der Boris Becker...... Aber Bobele will für Ersatz sorgen, das hat er fest versprochen. Aber lesen Sie doch selbst - in unserer Presseschau "Unter'm Strich".


Das beruhigt mich nun wieder - und somit wünsche ich einen schönen Samstag!

A.C
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KOLUMNE AUS UNSERE STARTSEITE:


Sonntag, 18.10.2009

Ein Mann mit Harfe, das ist wie eine Frau im Box-Ring. Beides gibt es - und sogar auf Weltklasse-Niveau. Heute erhält Xavier die Maistre in Dresden den "Echo" als bester Instrumentalsolist - und ich habe exakt vor einer Woche auf dem Bildschirm mit der armenisch-stämmigen Boxerin Susianna Kentikian mitgefiebert, als sie im WM-Kampf ihre türkische Gegnerin verdroschen hat. Das war "Box-Ästhetik pur" von beiden Kämpferinnen, ein Kampf, der keine Verliererin verdient hat - sozusagen die "Hohe Schule der Box-Kunst". Auch das gibt es, liebe Opernfreunde!

Gibt es überhaupt genügend Werke für die Harfe? Es wird schon einen Grund haben, warum etwa in der Romantik nur zweitrangige Komponisten für die Harfe geschrieben haben.

Xavier de Maistre räumt mit allen Klischees auf. Er füllt riesige Säle (zuletzt etwa die 4000 Personen fassende NHK-Halle in Tokio oder die Mailänder Scala, gemeinsam mit der Sopranistin Diana Damrau). Demnächst (27., 31. Oktober) tritt er mit Bo Skovhus im Musikverein auf. 65 Konzerte spielt der Franzose in dieser Saison als Solist - deshalb hat er sich für ein paar Monate bei den Wiener Philharmonikern und dem Staatsopernorchester karenzieren lassen. "Mir sind zum Glück alle sehr entgegengekommen."
Gut so, wir Männer fordern Gleichberechtigung!

Die Wiener "Rigoletto-Premiere an der Volksoper ist nun auch bereits gelaufen und bei uns in gewohnter Weise von Renate Wagner rezensiert. Das heißt, die Kritikerin schreibt, was für sie Fakt ist, ohne "Premierenbonus". Der Tenor durfte nun doch italienisch singen, der Rest war – Deutsch. Und wie! Abgesehen davon, dass keiner der Künstler Deutsch als Muttersprache hat (nur die O´Loughlin klang ziemlich bemerkenswert), hat die Übersetzung jede Menge Stolpersteine der Betonung und Vergewaltigung der Gesangslinie eingebaut. (Jacek Strauch dürfte einmal eine andere Übersetzung gelernt haben, denn er segelte oft im freien Fall durch den Text.) Man konnte alles vorzüglich sichtbar über dem Bühnenportal mitlesen – da hätte man doch, schüchtern angemerkt, gleich Italienisch singen können? Als Publikum hätte man ebenso viel verstanden und es hätte viiiiiiiel schöner geklungen! Aber man weiß ja, worauf man Direktor Robert Meyer nicht ansprechen darf. In der Volksoper wird Deutsch gesungen, und wenn wir das letzte Haus sind, das die Italiener übersetzt! Basta! Nein, Entschuldigung: Punktum!
Einen Irrtum meinerseits aus der Samstag-Kolumne muss ich korrigieren: Jacek Strauch ist weder Pole noch Slowake, sondern geborener Londoner!

Das Publikum war wieder typisch "Marke Premiere": kaum Differenzierung beim Schlussappplaus, das Regieteam wurde "höflich ausgebuht".

An anderer Stelle unserer Presseschau lässt Andreas Homoki tief in die Psyche der Regisseure blicken: Das Bild, welches von uns Theaterleuten oft gezeichnet wird, ist geprägt durch vielfältige Klischees. Und natürlich schmeicheln viele dieser Klischees auch unserer Künstler-Eitelkeit. Dennoch werden mir viele meiner Regisseurskollegen zustimmen, dass es recht anstrengend wäre, 24 Stunden am Tag den genialischen Sinnsucher zu geben, auch wenn wir uns zuweilen gern als solchen bewundern lassen.

Nun, als "genialischen Sinnsucher" können wir den Rigoletto-Regisseur der Volksoper, Stephen Langridge (und wohl auch seinen Ausstatter Richard Hudson ) nicht bezeichnen. Sollte er tatsächlich einen Sinn gesucht haben, wirklich fündig ist er nicht geworden!

Das "Opernereignis des nächsten Wochenendes " findet in Berlin statt: Placido Domingo singt die Bariton-Rolle des "Simone Boccanegra". Daniel Barenboim, der die Premiere dirigiert, rollt ihm den roten Teppich aus: "Wenn Placido hier noch Tenor- oder weitere Bariton-Partien singen möchte, ist er herzlich eingeladen. Und wenn er noch zum Bass kommt, auch.
Da steht wohl noch eine lange Karriere bevor!

Und weiter mit Domingo und "Simone": Ein Risiko zumindest für Deutschland dürfte hingegen der Regisseur und Kunsthistoriker Federico Tiezzi darstellen. Er hat auf Wunsch Domingos eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert geschaffen. Tiezzi geht davon aus, dass Opern unter vorschnellen Aktualisierungen leiden. Seine Arbeit zielt darauf ab, Geschichte als Differenz erfahrbar zu machen. Für "Simon Boccanegra" bedeutet ein solcher Ansatz in erster Linie, das Archaische und Mysteriöse dieses Stoffes hervorzukehren, die innere Wahrheit der Figuren, die "Schönheit der Existenz und auch ihre absolute Melancholie." Es soll eine Tiefenschärfe erreicht werden, wie sie Ingmar Bergmans Filme auszeichnet. Die Aura Plácido Domingos, so Tiezzi, sei geradezu ideal für ein derartiges Konzept.
Domingos Traditionalismus ist notorisch. Einen Konservativen darf man ihn trotzdem nicht nennen. Vielmehr wird er von einem erstaunlichen Hunger nach Neuem getrieben. Nur wenige namhafte Sänger engagieren sich so stark wie Domingo für das zeitgenössische Opernschaffen - wobei er allerdings auch hier auf Kantabilität gesteigerten Wert legt, auf Melodie und Harmonie. Das hat zweifellos mit seiner lateinischen Herkunft zu tun. Und vor allem mit seinem Menschenbild.
Placido Domingo ist zutiefst religiös, er betet vor jedem Auftritt zu Sankt Blasius, dem Schutzheiligen des Halses. Seine Gabe versteht er nicht als Verdienst, sondern als Geschenk, das er weiterreichen muss an möglichst viele Menschen.

Sie haben richtig gelesen: es ist besonders in Deutschland ein Risiko, eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert zu schaffen - und der Regisseur bedarf eines Placido Domingos, damit ihm dieser Fauxpas verziehen wird! Na denn, ihr Koskys und Bieitos dieser Welt, Ihr habt exakt den richtigen Riecher bei der Wahl Eurer Wirkungsstätte bewiesen!

Gert Voss liefert diesmal den "Spruch des Tages"

Den "Sager des Tages" beschert uns heute der verunglückte Burgtheater-Vorturner Gert Voss: Da behaupten die Theater-Leute, dass sie die größte Sensibilität für einander haben, in Wirklichkeit sind sie doch alle Egoisten, ich mit eingeschlossen.

Voss konkurriert in unserem Ranking mit dem "Buchtitel des Jahres": Das Leben ist keine Waldorf-Schule!

Wie recht er hat, der Gert Voss und auch der Buchtitel! Treffenderes fällt mir heute auch nicht ein. Deshalb wünsche ich einen schönen Sonntag!
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Sonntag, 18.Oktober 2009

Ein Mann mit Harfe, das ist wie eine Frau im Box-Ring. Beides gibt es - und sogar auf Weltklasse-Niveau. Heute erhält Xavier die Maistre in Dresden den "Echo" als bester Instrumentalsolist - und ich habe exakt vor einer Woche auf dem Bildschirm mit der armenisch-stämmigen Boxerin Susianna Kentikian mitgefiebert, als sie im WM-Kampf ihre türkische Gegnerin verdroschen hat. Das war "Box-Ästhetik pur" von beiden Kämpferinnen, ein Kampf, der keine Verliererin verdient hat - sozusagen die "Hohe Schule der Box-Kunst". Auch das gibt es, liebe Opernfreunde!

Gibt es überhaupt genügend Werke für die Harfe? Es wird schon einen Grund haben, warum etwa in der Romantik nur zweitrangige Komponisten für die Harfe geschrieben haben.

Xavier de Maistre räumt mit allen Klischees auf. Er füllt riesige Säle (zuletzt etwa die 4000 Personen fassende NHK-Halle in Tokio oder die Mailänder Scala, gemeinsam mit der Sopranistin Diana Damrau). Demnächst (27., 31. Oktober) tritt er mit Bo Skovhus im Musikverein auf. 65 Konzerte spielt der Franzose in dieser Saison als Solist - deshalb hat er sich für ein paar Monate bei den Wiener Philharmonikern und dem Staatsopernorchester karenzieren lassen. "Mir sind zum Glück alle sehr entgegengekommen."
Gut so, wir Männer fordern Gleichberechtigung!

Die Wiener "Rigoletto-Premiere an der Volksoper ist nun auch bereits gelaufen und bei uns in gewohnter Weise von Renate Wagner rezensiert. Das heißt, die Kritikerin schreibt, was für sie Fakt ist, ohne "Premierenbonus". Der Tenor durfte nun doch seine Hit -Arie in italienischer Sprache singen, der Rest war – Deutsch. Und wie! Abgesehen davon, dass keiner der Künstler Deutsch als Muttersprache hat (nur die O´Loughlin klang ziemlich bemerkenswert), hat die Übersetzung jede Menge Stolpersteine der Betonung und Vergewaltigung der Gesangslinie eingebaut. (Jacek Strauch dürfte einmal eine andere Übersetzung gelernt haben, denn er segelte oft im freien Fall durch den Text.) Man konnte alles vorzüglich sichtbar über dem Bühnenportal mitlesen – da hätte man doch, schüchtern angemerkt, gleich Italienisch singen können? Als Publikum hätte man ebenso viel verstanden und es hätte viiiiiiiel schöner geklungen! Aber man weiß ja, worauf man Direktor Robert Meyer nicht ansprechen darf. In der Volksoper wird Deutsch gesungen, und wenn wir das letzte Haus sind, das die Italiener übersetzt! Basta! Nein, Entschuldigung: Punktum!
Einen Irrtum meinerseits aus der Samstag-Kolumne muss ich korrigieren: Jacek Strauch ist weder Pole noch Slowake, sondern geborener Londoner!

Das Publikum war wieder typisch "Marke Premiere": kaum Differenzierung beim Schlussappplaus, das Regieteam wurde "höflich ausgebuht".

An anderer Stelle unserer Presseschau lässt Andreas Homoki tief in die Psyche der Regisseure blicken: Das Bild, welches von uns Theaterleuten oft gezeichnet wird, ist geprägt durch vielfältige Klischees. Und natürlich schmeicheln viele dieser Klischees auch unserer Künstler-Eitelkeit. Dennoch werden mir viele meiner Regisseurskollegen zustimmen, dass es recht anstrengend wäre, 24 Stunden am Tag den genialischen Sinnsucher zu geben, auch wenn wir uns zuweilen gern als solchen bewundern lassen.

Nun, als "genialischen Sinnsucher" können wir den Rigoletto-Regisseur der Volksoper, Stephen Langridge (und wohl auch seinen Ausstatter Richard Hudson ) nicht bezeichnen. Sollte er tatsächlich einen Sinn gesucht haben, wirklich fündig ist er nicht geworden!

Das "Opernereignis des nächsten Wochenendes " findet in Berlin statt: Placido Domingo singt die Bariton-Rolle des "Simone Boccanegra". Daniel Barenboim, der die Premiere dirigiert, rollt ihm den roten Teppich aus: "Wenn Placido hier noch Tenor- oder weitere Bariton-Partien singen möchte, ist er herzlich eingeladen. Und wenn er noch zum Bass kommt, auch.
Da steht wohl noch eine lange Karriere bevor!

Und weiter mit Domingo und "Simone": Ein Risiko zumindest für Deutschland dürfte hingegen der Regisseur und Kunsthistoriker Federico Tiezzi darstellen. Er hat auf Wunsch Domingos eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert geschaffen. Tiezzi geht davon aus, dass Opern unter vorschnellen Aktualisierungen leiden. Seine Arbeit zielt darauf ab, Geschichte als Differenz erfahrbar zu machen. Für "Simon Boccanegra" bedeutet ein solcher Ansatz in erster Linie, das Archaische und Mysteriöse dieses Stoffes hervorzukehren, die innere Wahrheit der Figuren, die "Schönheit der Existenz und auch ihre absolute Melancholie." Es soll eine Tiefenschärfe erreicht werden, wie sie Ingmar Bergmans Filme auszeichnet. Die Aura Plácido Domingos, so Tiezzi, sei geradezu ideal für ein derartiges Konzept.
Domingos Traditionalismus ist notorisch. Einen Konservativen darf man ihn trotzdem nicht nennen. Vielmehr wird er von einem erstaunlichen Hunger nach Neuem getrieben. Nur wenige namhafte Sänger engagieren sich so stark wie Domingo für das zeitgenössische Opernschaffen - wobei er allerdings auch hier auf Kantabilität gesteigerten Wert legt, auf Melodie und Harmonie. Das hat zweifellos mit seiner lateinischen Herkunft zu tun. Und vor allem mit seinem Menschenbild.
Placido Domingo ist zutiefst religiös, er betet vor jedem Auftritt zu Sankt Blasius, dem Schutzheiligen des Halses. Seine Gabe versteht er nicht als Verdienst, sondern als Geschenk, das er weiterreichen muss an möglichst viele Menschen.

Sie haben richtig gelesen: es ist besonders in Deutschland ein Risiko, eine traditionelle Inszenierung mit Kostümen aus dem 14. Jahrhundert zu schaffen - und der Regisseur bedarf eines Placido Domingos, damit ihm dieser Fauxpas verziehen wird! Na denn, ihr Koskys und Bieitos dieser Welt, Ihr habt exakt den richtigen Riecher bei der Wahl Eurer Wirkungsstätte bewiesen!

Gert Voss liefert diesmal den "Spruch des Tages"

Den "Sager des Tages" beschert uns heute der verunglückte Burgtheater-Vorturner Gert Voss: Da behaupten die Theater-Leute, dass sie die größte Sensibilität für einander haben, in Wirklichkeit sind sie doch alle Egoisten, ich mit eingeschlossen.

Voss konkurriert in unserem Ranking mit dem "Buchtitel des Jahres": Das Leben ist keine Waldorf-Schule!

Wie recht er hat, der Gert Voss und auch der Buchtitel! Treffenderes fällt mir heute auch nicht ein. Deshalb wünsche ich einen schönen Sonntag!

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Montag, 19. Oktober 2009

Ich dachte bereits, die pennen da oben in Hamburg. Erst im letzten Moment fand ich die erste Nachtkritik, nachdem ich vorher bei google und den Begriffen "Siegfried Hamburg" an einen Klempner und einen Zahnarzt gestoßen bin. Macht nichts, eine Zeitung wacht doch noch! Zwar erfahren wir nur, was sich nach dem 2. Aufzug abgespielt hat (verständlich, die Leute in der Druckerei wollen ins Bett), aber das scheint mir bereits eine ziemlich präzise Hochrechnung zu sein: Young dirigierte das Philharmonische Staatsorchester präzise und beherzt zupackend. Guth blieb seiner Regie-Maxime treu, auf effektheischende Überraschungen zu verzichten und sich in anschaulicher szenischer Zurückhaltung zu üben. Nach dem ersten Akt gab es einheilligen Beifall, nach dem zweiten Bravo-Rufe und Standing ovations. Ein Bravo gibt es von mir für die Photographin Monika Rittershaus, die uns schon oft mit ihren Theaterphotos sehr entgegengekommen ist. Wir sind ja keine kommerzielle Website. Wir bleiben bezüglich "Siegfried in Hamburg" am Ball!

Ziemlich einhellig waren die Kritiken bezüglich des Wiener Volksopern-Rigolettos. Die beiden Merker-Kritiken legten vor, nun ziehen die übrigen Zeitungen - teils in noch schärferer Tonart - nach. Allgemein wird der Verzicht auf die Originalsprache kritisiert, wenn man - wie hier - praktisch nur fremdsprachige Sänger aufbieten kann. Herr Direktor Mayer II (ich muss mich bereits an die Nummerierung gewöhnen, wenn dann nächstes Jahr der "Einser" da ist - die Nummerierung erfolgt nicht nach der Bedeutung der Person, sondern nach der des Hauses), denken Sie nach diesem Rigoletto nochmals darüber nach. Glauben Sie mir, wir meinen es gut mit Ihnen! Der "Standard" meint: In Summe hat Langridge jedoch eine plausible, keinesfalls tollkühn dekonstruierende Opernversion vorgelegt, die auch im personenführenden Detail wenig Leerlauf zulässt und den finalen Buhorkan denn auch als eher grotesk und in jedem Fall ungerecht erscheinen lässt. Umso mehr, als man dem musikalischen Aspekten der Aufführung nahezu euphorische Zuneigung zuteil werden hat lassen.
Sie war bei Jennifer O'Loughlin vertretbar. Wirkte ihr Zwitschersopran ein wenig dünn, so verfügte er doch über ausreichend Sicherheit, die Partie der Gilda anständig durch den Abend zu bringen. Auch Oliver Kook (als Duca) präsentierte eine tragfähige, klangschöne Stimme, die ihn bei hohen Tönen allerdings ein bisschen wie den tenoralen Bruder des zu weit hinauf wollenden Ikarus erscheinen ließ.
Jacek Strauch (als Rigoletto) hingegen vermag man nur in der szenischen Umsetzung keinen Vorwurf zu machen; sein Kampf mit den Tönen ging zu oft verloren, als dass man nicht von einem abendlangen Leiden an der Grenze zur Überforderung sprechen müsste. Was da also heftig bejubelt wurde, war bestenfalls solides Mittelmaß mit Ausflügen ins fast Unsägliche.

Wow, das sitzt! Zwitschersopran - und immer noch die Beste, solides Mittelmaß mit Ausflügen ins fast Unsägliche! Da haben unsere Rezensenten Wagner und Skorepa ja wirklich einen sehr milden Maßstab angelegt. Nur, was ist eigentlich mit dem Publikum los? Ist das so im bereits traditionellen Zeremoniell verhaftet, nachdem Sänger wie Dirigent einhellig zu bejubeln sind, während man dem Regie-Team ganz leichte Kritik zuteil werden lassen darf, dass es bereits blind und vor allem taub ist?. Nicht zuviel Kritik freilich, man will ja schlußendlich nicht als reaktionärer Sumperer dastehen! Kommt auch das Publikum schön langsam in eine Krise?

„Wir sind in großer Sorge um die Musicalsparte der Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Alle Vernebelungsversuche deuten auf einen Abgang von mindestens zehn Mio. Euro heuer hin“, erklärte Marie Ringler, Kultursprecherin der Wiener Grünen, sonntags nach dem Sonderkulturausschuss am Freitag mit VBW-Generaldirektor Thomas Drozda und Musicalintendantin Kathrin Zechner; Opernchef Roland Geyer war krankheitshalber entschuldigt. Grüne und VP hatten die Sondersitzung gefordert. Es sei unbegreiflich, dass „im Subventionsansuchen für die neue Bühnentür im Theater an der Wien 300.000 Euro stehen, die Investition jetzt aber 2,1 Mio. Euro kostet“, sagte der Wiener VP-Kultursprecher Franz-Ferdinand Wolf.


Na, wenn es Grüne und VP sagen, dann darf ich wohl auch zitieren, ohne in den Verdacht der parteipolitischen Werbung zu geraten. Tatsache ist, dass es mit dem Musical in Wien steil bergab geht, dass nun in einem Verzweiflungsakt Polanskis uralte "Vampyre" wieder zur Rettung der Bilanz ausgegraben wurden. Wo zuviel Politik im Spiel ist - wie eben bei den Vereinigten Bühnen Wiens - da ist ein Scheitern vorprogrammiert. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich schreibe!


Was machen Sie heute abend, falls Sie Wiener sind? Wenn Sie Zeit haben, kommen Sie in die Villa Wertheimstein in Döbling (Döbl. Hauptstraße 96). Dort veranstaltet unsere Elena Habermann um 19,30 h wieder ein Konzert, einen ziemlich bunten Mix, aber hochinteressant. Gestern wurde im Merker-Archiv geprobt (dorthin habe ich vor einigen Jahren, als ich noch die Kraft dazu hatte, einen Flügel reingeschleppt) - ich kann nur eine Empfehlung für dieses kleine Konzert aussprechen. Es singen: Arona Bogdan (Sopran), Marija Jokovic (Mezzo), Andrea Martin (Bariton), Andras Sosko (Tenor). Vito Cristofaro begleitet auf einem sicher besseren Klavier, als wir es im Archiv haben. Durch das Programm führt Michael Tanzler, seinerseits auch Veranstalter und Präsident der "Amici del Belcanto" - gleichzeitig bekannt aus dem Merker-Forum als unermüdlicher Kämpfer für alles Gute, Schöne und vor allem Alte! Aber der Mann hat auch Humor! Mich finden Sie dort voraussichtlich auch, suchen Sie mich dort, wo der Wein ausgeschenkt wird. Oft verbringe ich den ganzen Abend dort und genieße das Konzert sozusagen "um die Ecke". Um 10 Euro sind Sie - inklusive Begrüßungsgetränk - dabei. Und nachher geht es noch zum "Chinesen" auf 2 Frühlingsrollen (man will sich ja am Abend nicht überessen!).


Ja, und bitte, ärgern Sie mich nicht! Nehmen Sie mir also bitte keinen Parkplatz weg und kommen Sie mit der "Bim". Oder weichen Sie großräumig aus!

Bis heute abend also. Schönen Tag derweilen!
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Dienstag 20. Oktober 2009

Zuerst muss ich einmal ein Versäumnis nachholen. Ich habe am Sonntag geschrieben, dass der Berliner "Simone" mit Placido Domingo das Premierenereignis der Woche wird. Prompt erhielt ich einen Rüffel: auch in Wien steht eine Premiere an. Am Freitag geht der Vorhang zu "Lady Macbeth von Mzensk" hoch. Es ist merkwürdig still um diese Premiere. Ist Holender noch im Amt - oder der "Monsieur" schon da? Der Dirigent Ingo Metzmacher lässt uns nicht ganz im Dunkeln tappen: Es hat eine rohe, ungefilterte Kraft, die Kraft der Natur, der Begierde, der Gewalt. Es wird alles so gezeigt, wie es ist, auch in der Musik. Schostakowitsch stellt die Menschen einfach so dar, wie sie sind. Es wird keine große Liebesarie gesungen, sondern es geht gleich zur Sache, nämlich ins Bett.
Na, so kennen wir eigentlich unseren Schostakowitsch auch!


Aus Hamburg wird nun auch der 3. Akt "Siegfried" nachgeliefert. Die "Hochrechnung" nach 2 Akten hat gehalten, die Produktion scheint niemand sonderlich aufzuregen. Bei den Schlußvorhängen gab es das übliche Zeremoniell: Jubel für Sänger und Musiker, geteilte Aufnahme für das Regie-Team. Dieser Satz wird schön langsam für mich zum Stehsatz, ich sollte ihn zwecks Arbeitsersparnis speichern. Deutschen Wald gibt es natürlich keinen: Kein deutscher Wald, kein Blätterrauschen, kein romantisches Natur-Idyll.In Claus Guths und Christian Schmidts Neuinszenierung von Richard Wagners «Siegfried», mit der sich der neue Hamburger «Ring» nun entscheidend auf sein «Götterdämmerungs»- Ende 2010 zubewegt, spielte sich Siegfrieds Kampf mit dem Drachen im kalten Kachel-Saal eines Tropenhauses hinter künstlich getrimmten Gummibäumen und Philodendren ab.Ironische Verfremdung, Desillusionierung also als Akt einer höheren Wahrheitsfindung für einen Helden, der als germanischer National-Mythos noch immer gefährliches Glorifizierungspotenzial birgt?

Was solls, das Publikum staunte zwar, aber wehrte sich nicht wirklich! Auch ein gewohntes Bild! Dabei ist Claus Guth keiner der großen Aufreger! Sie finden eine ausführliche Berichterstattung nebst Bilderstrecke in den drei Berichten!

In Bayreuth gibt es auch keinen deutschen Wald mehr, trotzdem sind die Festspiele 2010 bereits ausverkauft. Welche Überraschung. Normalerweise lassen sich nur die Autofahrer ohne Murren schröpfen, die sind flächendeckend die Melkkühe der Nationen und werden trotzdem nie auf ihr Verhikel verzichten. Eher schlafen sie im Zelt, als dass sie sich vom fahrbaren Untersatz trennen. Auch Bayreuth hat richtig kalkuliert: die Wagnerianer verzichten trotz Preiserhöhung keinesfalls auf ihr Kult-Festival. Die Postsäcke mit den Bestellungen liegen im Kartenbüro, die Chance, eine Karte auf regulärem Weg zu bekommen, liegt nach wie vor bei 10 %. Aber es gibt da natürlich Schleichwege über die Wagner-Verbände in aller Welt.
Ich frage mich aber: ich bin Autofahrer und Opernfreund zugleich. Habe ich da eine Chance, finanziell über die Runden zu kommen?


In Darmstadt fühlten sich Kritiker von der dortigen neuen "Aida" intellektuell unterfordert. Wer die Tableaux vivants jener "Aida"-Aufmärsche mag, die des Sommers von osteuropäischen Billigunternehmen auf Open-air-Tourneen geschickt werden, wird auch den Darmstädter Kostümzauber zu schätzen wissen. Doch in Darmstadt klingt´s besser. Die Regie schuf zwar grelle Bilder, bastelte an der Handlung aber nicht viel herum. Vor allem der "politische Aspekt" wurde nicht ausreichend behandelt - meinen einige Kritiker. Lassen wir doch die Kirche im Dorf, "Aida" ist keine politische Oper, sondern eine sehr simple Liebesgeschichte mit operngerechtem Ausgang. Wenn ich heute chinesisch essen gehe, bin ich deshalb lange noch kein Chinese!

In Zürich gehen die Schweizer Uhren da freilich anders. Dort hatte "Madama Butterfly" -Premiere: Ernst und echt erscheint an diesem Abend einiges. Wer üppige Japonaiserien, untermalt von saccharinsüssen Streicherklängen, erwartet hatte, musste enttäuscht nach Hause gehen. Dazu hatten Regie und Bühnenbild die Hausaufgaben schlicht zu gut gemacht. Ihre Mittel waren: Klarheit, Strenge und Reduktion. Eine Reduktion allerdings auf das Maximum, bis auf ein Konzentrat, in dem sich Musik, Optik und Spiel zur kristallinen Einheit verbanden. Im Dreigespann mit Szene und Handlung offenbarte auch die Partitur ihre theatrale Qualität. Wie naturnah waren die Konversationen, wie lebendig der Gesang! Als dramatisches Element der Handlung bediente die Musik nicht mehr bloss die pastell-pudrigen Stimmungsregister. Folgerichtig schlugen Dirigent Carlo Rizzi und das Orchester der Oper ebenfalls einen klaren Ton an. Mal trieb es die Handlung an, deutete zeichenhaft voraus oder liess gemeinsam mit dem Chor leise und innig von Vergangenem träumen.

Kann sich der Mann nicht etwas einfacher ausdrücken? Aber irgendwie kommt schon durch: die Schweizer sind zufrieden. Also sind wir es auch.

Ein Gedenkkonzert für eine große Künstlerin: Am 12. 11. 2009 hätte die viel zu früh verstorbene slowakische Sopranistin Lucia Popp ihren 70. Geburtstag gefeiert. Lucia Popp war nicht nur eine wundervolle und vielseitige Opern- und Operettendarstellerin, sondern hatte auch eine sehr tiefe Beziehung zum Liedgesang, dem sie sich am Ende Ihrer Karriere verstärkt zuwandte. Noch zwei Monate vor ihrem Tod trat Lucia Popp mit einem Liederabend in Wien auf. 1979 wurde Lucia Popp zur Österreichischen Kammersängerin ernannt. Lucia Popp starb am 16.11.1993 in München an einem Gehirntumor. Das Konzert wird von der Slowakischen Botschaft in Wien veranstaltet!
Wo, das steht nicht im Zeitungsbericht. Also wird es eine Rätselrallye. Fragen Sie in der Slowakischen Botschaft nach. Die wird sich über ihren Anruf freuen!

Es hat mir keine Ruhe gelassen, ich habe auf eigene Faust recherchiert:
WIENER MUSIKVEREIN / Brahms-Saal
A-1010 Wien, Bösendorferstraße 12
Kartenpreise: € 15,-- bis € 35,--
.
Aus Wien vernimmt man ganz ungewohnte Töne. Dort gab es Probleme beim Start des Kartenvorverkaufs für die "Viennale". Was nicht ungewöhnlich wäre. Ungewöhnlich ist jedoch, wie höflich sich der "Chef", Hans Hurch, entschuldigte: Der Kartenvorverkauf zur diesjährigen Viennale hat am Samstag mit größeren technischen Schwierigkeiten und Pannen begonnen. Da aus bisher nicht geklärten Ursachen der Verkauf über Internet nicht funktionierte, verlagerte sich die gesamte Kartenabwicklung auf die Vorverkaufskassen und die telefonische Bestellung. Durch den großen Andrang und trotz der kurzfristigen Einrichtung einer zusätzlichen Verkaufsstelle im Gartenbaukino, waren auch diese Kapazitäten zeitweise deutlich überfordert.
Am Sonntag trat eine gewisse Entspannung ein and als es am frühen Nachmittag gelang, den Internetverkauf freizuschalten, war sozusagen wieder Normalbetrieb gegeben. Tatsache ist jedoch, dass über einige Zeit hinweg der Kartenvorverkauf für das Festival für unsere Kunden nur beschwerlich, teilweise gar nicht und gewiss unerfreulich verlaufen ist. Dies hat bei vielen zu großer, berechtigter Verärgerung geführt, denen viele auf unterschiedliche Weise Ausdruck verliehen haben.
Dass die Viennale an diesem Wochenende dennoch das bisher beste Kartenverkaufsergebnis eines Startwochenendes erzielen konnte, verdanken wir vor allem der Geduld, Hartnäckigkeit und Treue unserer Besucher. Dies ändert jedoch nichts daran, diese von uns verantworteten Unannehmlichkeiten einzugestehen und alle, die davon betroffen waren, sehr herzlich um Nachsicht zu bitten.
Wir hoffen und werden uns bemühen, alle durch ein schönes und reiches Festivalprogramm soweit als möglich entschädigen zu können und freuen uns auf eine gemeinsame Viennale.

Normalerweise hört man in Wien in solchem Zusammenhang bestenfalls ein "Schmecks". Bravo, Hans Hurch! Höflichkeit kostet nichts!!!

In Wien hofft man auf einen Jung-Star des Musicals: Udo Jürgens soll retten, was noch zu retten ist bzw. was andere verbockt haben. Wie verzweifelt müssen Wiens Musical-Macher sein, dass sie sich an diese Hoffnung klammern? Der Zeitungsartikel wurde übrigens von einer omnipräsenten Online-Merker-Dame verfasst!

Robbie Williams ist bei seinem Come-back in den Charts kräftig auf die Nase gefallen und musste sich einer Talenteshow-Gewinnerin beugen. Und Madonna hat Zoff mit ihren Nachbarn. Die betrachten den Lärm aus ihrer Wohnung nicht als Gratiskonzert, sondern störend. "Musik wird störend oft empfunden, da sie meist mit Geräusch verbunden" - das hätte Madonna auch wissen können.

Es ist tröstlich für uns "Normalos", dass auch Stars so ganz irdische Probleme haben!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag
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Mittwoch, 21. Oktober 2009

Ein Photo aus dem Archiv? Nein! Die Premiere steht erst bevor: Placido Domingo als Simone Boccanegra an der Staatsoper Berlin (24.10.)

Wir bewegen uns zurück. Gestern konnte ich als Startseitenphoto "Siegfried im Kampf mit der Waschmaschine" anbieten, das heutige Photo könnte den historischen Photos unserer Bildergalerie entnommen sein. Tatsächlich hat diese Inszenierung des Herrn Tiezzi aber erst am Samstag an der Staatsoper Berlin Premiere.

Wie es dazu gekommen ist, dass ein Opernhaus nun von einem Extrem ins andere fällt, wissen wir nicht - zumindest ich weiß es nicht. Vielleicht klärt mich jemand auf? Hat Placido Domingo Einfluss auf die Inszenierung genommen? Hat das Theater aus vorauseilendem Gehorsam die "fortschrittlichen Regisseure" für diese Inszenierung verhindert? Ich bin auf die Publikumsreaktion gespannt. Ich wette, dass auch diese gespalten sein wird, mehr noch, als bei den sonstigen"heutigen" Inszenierungen. Simone Boccanegra an der Staatsoper Berlin ist auch eine Chance für das Publikum, wie immer sie das sehen wollen! Über den Ausgang dieses "Experiments" bin ich mir wirklich nicht im Klaren! Für Spannung ist also gesorgt, nicht nur wegen des zum Bariton mutierten Startenors!

Placido Domingo wurde dieser Tage auch für sein "Lebenswerk" mit einem "Echo" geehrt. Normaler Weise ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl. Domingo denkt jedoch noch lange nicht an das Karriereende, im Gegenteil, er gab bei der Preisverleihung sogar ein Inserat Richtung Semperoper auf - er möchte dort eine Oper singen. Zu Nilsson-Preisverleihung düste auch unsere "Grand Dame" Inge M. Scherer nach Stockholm - ihren Bericht finden Sie unter "Aktuelles" und in den Künstler-Infos. Das habe ich der Inge nicht zugetraut, da hätte ich jede Wette verloren!

Es steht aber eine weitere gefährliche Drohung im Raum. Klaus-Maria Brandauer will den "Lohengrin" - den er bereits einmal inszeniert hat - nun auch singen - falls er singen könnte! Und wer befindet darüber, ob er ihn singen kann? Ich vermute, einzig der sich stets bescheiden gebende KMB. Aber lesen Sie das selbst - sie finden es in der Presseschau.

Aber kommen wir nochmals zum Hamburger "Siegfried" zurück. Die "Merker"-Mitarbeiterin Dr. Kerstin Voigt übermittelte mir ihre Eindrücke über eine Rundfunksendung - eben über diesen "Siegfried": Das Photo erinnerte mich sofort an einen Rundfunkbeitrag, den ich am 15.10. im Auto-Radio hörte.
Es war ein Beitrag über die Probenarbeiten zu Siegfried, von einigen
Abiturienten gemacht, die dabei sein durften und denen man einige (Regie-)Erläuterungen gegeben hatte.Also: geprobt wurde die Schmiedeszene. Natürlich ist keine Schmiede auf der Bühne zu sehen, sondern verstreuter Müll (fanden die Schüler doof). Zu dem Müll gehörte auch eine alte Waschmaschine. Gezeigt werden sollte nun, dass Siegfried - im Gegensatz zu Mime, der das Schwert vergebens auf altherkömmliche, aber nicht erfolgreiche Art zusammenzuschweißen (?) versuchte - sozusagen einen Quantensprung an Intelligenz einbringt. "Siegfried hat eine Idee und improvisiert." Das sieht dann so aus: Er zerlegt die Waschmaschine, zerreibt mittels Trommel (= Riesenreibeisen???) das Schwert zu Spänen und gießt das Schwert neu.Aha, aha! Auf dem Foto scheint er das Schwert eher mit Salzsäure zu begießen???

Interessant ist auch folgender Gedankengang, der mir in der gestrigen Kritik aufgefallen ist: Ironische Verfremdung, Desillusionierung also als Akt einer höheren Wahrheitsfindung für einen Helden, der als germanischer National-Mythos noch immer gefährliches Glorifizierungspotenzial birgt?

Im Klartext heißt das, dass man den "Siegfried" ab sofort lächerlich zu machen hat, weil er ansonsten zum "gefährlichen Glorifizierungspotential" wird. Und ich dachte mir, dass man eben deshalb Christian Frantz in der Titelrolle aufgeboten hat! Um nicht missverstanden zu werden: der Mann wird dieser Rolle stimmlich durchaus gerecht - was ich auch in Bayreuth feststellen konnte - aber optisch ist er als Jung-Recke vom "Glorifizierungspotential", noch dazu vom gefährlichen, Lichtjahre entfernt.

Jetzt müssen wir doch noch auf die Wiener Lady Macbeth-Premiere zu schreiben kommen. Ein Mitarbeiter hat die Generalprobe gesehen - und ist begeistert! Aber blicken wir zwecks Vorberichterstattung in die Presse: Entscheidend für die Rezeption dieser Oper war jener in der Moskauer "Prawda" am 28. Jänner 1936 unter dem Titel "Chaos statt Musik" erschienene Artikel, in dem das Werk als bourgeois, dekadent und ab-strakt-formalistisch kritisiert und wegen Vulgarismen und Kakophonie verdammt wurde. Obwohl 1934 in Leningrad mit Erfolg uraufgeführt und auch im Ausland nachgespielt, wurde die "Lady" auf die Verbotsliste der stalinistischen Machthaber gesetzt.

Nach wie vor unklar ist, ob der berüchtigte Artikel von Stalin selbst stammte. Die Wahrscheinlichkeit ist groß. Stalin hat jedenfalls eine Aufführung des Werks in Moskau vor deren Ende verlassen. Der prüde Diktator dürfte sich nicht nur über den Klang der "Lady" erregt haben, sondern auch über die Darstellung von Sexualität.

Stalin als Kulturjournalist und somit Kollege! Dazu fällt mir besser nichts ein!

Tipps für den "traditionellen Domingo" gibt es von Wiens Volksopern-Rigoletto Jacek Strauch: Sind Rennaissance-Kostüme noch zumutbar? In Wien stellt man nach diesem "Rigoletto" die Frage etwas anders, aber ich will nicht bösartig werden.


Wem gehört Anna Netrebko?

Wem gehört sie wirklich, außer sich selbst, ihrem Söhnchen und ihrem Lebenspartner Erwin Schrott? Der Plattenfirma Universal (Deutsche Grammophon, Decca). Der gehören aber auch Elina Garanca, Thomas Hampson, Cecilia Bartoli und andere. Lesen Sie aus Münchner Sicht, wer in dieser Branche das Sagen hat!

Unter'm Strich geht es heute nicht besonders lustig zu, eher ernste Themen werden angesprochen, zu denen ich nicht unbedingt meinen Senf hinzu geben muss. Ein untrügliches Zeichen, dass ein Filmereignis ind Haus steht, ist das Verhalten meiner Frau. Die will sich unbedingt den "Päpstin"-Film ansehen - also werde ich dort auch wohl gesichtet werden. Renate Wagner hat in ihrer Filmrubrik den Film bereits besprochen. Sie macht es sich einfach, fährt nach Thüringen und lässt mich mit den beiden Wiener Premieren (auch die Volksoper bringt "Herr Meyer als Häuptling Biberhahn" am Sonntag heraus. Eigentlich heisst das Stück "Häuptling Abendwind", aber den spielt Carlo Hartmann - und wenn der Direktor mitspielt, gelten andere Regeln) in Wien zurück. Karten gibt es noch in allen Preiskategorien, der Ansturm hält sich noch in Grenzen. Ich drohe mein Kommen per Kaufkarte an, damit mein Blick nicht durch eine Gratiskarte getrübt werde! So strenge Regeln lege ich mir selbst auf. Aber meine Kritik wird nicht so gefährlich werden - ich blödle selbst gerne, wie die Leser schon gemerkt haben werden.

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C

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Donnerstag 22.10.2009

Placido Domingo und Anja Harteros in Federico Tiezzis "Simone Boccanegra"-Neuinszenierung in Berlin


Wir liefern Ihnen heute eine Bilderstrecke der für unsere heutigen Begriffe schon sehr traditionellen "Simone Boccanegra"-Neuinszenierung an der Staatsoper Berlin. Hoffentlich erwischt Placido Domingo nicht jener Grippevirus, der mich, meine Familie und die Website befallen hat. Die Website funktioniert auch bei mir heute sehr langsam, werfen Sie daher nicht Ihren PC aus dem Fenster, die Ursache der Indisposition liegt offenbar bei uns! Ich bitte Sie daher um Vergebung, wenn ich heute nicht auf der Höhe meines Schaffens agiere, es scheint kein guter Tag zu werden.

Dabei hat auch Placido Domingo allen Grund, sich zu ärgern. Er ist ja bekanntlich ein Fan des spanischen Fußballs - und die beiden spanischen Vorzeigeclubs erlebten gestern bzw. vorgestern ein sportliches Fiasko. Barcelona unterlag daheim Ruben Kazan aus Russland mit 1:2, die "Königlichen" aus Madrid musste - ebenfalls im eigenen Stadion - von Mailand eine 2:3-Demütigung hinnehmen. Einzig der gute Placido hält Spaniens Ehre aufrecht und wir wünschen ihm wohl alle, dass er diese etwas seltsame Produktion in Berlin als deren Flaggschiff zum Erfolg führen kann.

Aber die heutigen Themen in der Presseschau sind ohnedies nicht ergiebig. Unerfreulich die Vorgänge um den ehemaligen GMD aus Würzburg, der einer Musikerin zu nahe getreten sein soll. Zuerst hieß es "die Suppe sei für eine Anklage zu dünn", nun gab die Staatsanwaltschaft doch grünes Licht dafür. Es steht Aussage gegen Aussage - und ich möchte in diesem Fall nicht mit dem Richter tauschen!

Bemerkenswert, dass beim Wiener Neujahrskonzert im kommenden Januar Renato Zanella die Choreographie macht. Zanella und Holender sind ja nicht unbedingt im besten Einvernehmen geschieden, man darf durchaus behaupten, dass Zanella von Holender "geschasst" wurde. Direkt hat zwar der Staatsopernchef nicht mit der Organisation des Neujahrskonzertes zu tun, aber der lange Arm des Direktors ist in der Branche bekannt - und manch Sänger singt ein gar garstig Lied darüber. Dass "Valentino" die Kostüme macht, geht in der Zanella-Überraschung sogar unter. Zeigt sich Holender in seiner letzten Saison von der weltmännisch verzeihenden Seite? Wünschen würden es viele!


Carlo Hartmann, Robert Meyer, die beiden Kannibalenhäuptlinge. Photo: Volksoper/ Dimo Dimov

An der Wiener Volksoper hat am Sonntag Offenbach/Nestroys "Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl" Premiere. Im "Standard" steht zwar "Samstag", aber wenn Sie dieser Zeitung glauben, sind sie selbst schuld- dann müssen sie nämlich 24 Stunden warten. Den Dialog im "Standard" musste ich auch zweimal lesen, um ihn einmal zu glauben:

Am Samstag hat an die Offenbach-Operette "Häuptling Abendwind" Premiere - Der Regisseur und Hausherr im Interview
Warum Robert Meyer auch selbst mitspielt, erzählt er Andrea Schurian.

Standard: Der regieführende Direktor spielt selber: aus Sparsamkeit?

Meyer: Ich glaube, es ist für die Vermarktung vielleicht nicht so schlecht, wenn der Direktor selber mitspielt.

Standard: Wenn der Regisseur Meyer dem Schauspieler Meyer etwas anschafft - wer setzt sich durch?

Meyer: Der Meyer!

Standard: Theater mit knappen Mitteln: eine spannende Herausforderung?

Meyer: Absolut! Ein Spielplan mit ganz großen, tollen Stücken, die viel Geld kosten, ist kein Kunststück. Früher wurde furchtbar viel gejammert. Ich denke, das tut dem Haus überhaupt nicht gut.Ich habe auch gar keinen Grund zu jammern. Nicht etwa, dass wir in Geld schwimmen, weiß Gott. Aber wir versuchen, mit dem Budget auszukommen.

Standard: Sinken Ihre Auslastungszahlen durch die Wirtschaftskrise?

Meyer: In der vergangenen Spielzeit, als die Krise begonnen hat, haben wir nichts bemerkt. Da lagen wir bei 83,3 Prozent Sitzplatzauslastung. Derzeit kann man noch nicht sagen, wie sich die Saison entwickeln wird.

Standard: Das Libretto zur Faschingsburleske "Häuptling Abendwind" von Jacques Offenbach schrieb Johann Nestroy - übrigens sein letztes Stück für die Bühne ...

Meyer: ... und es ist hochaktuell, da geht es um Fremdenhass, um Nationalismus. Großartige Sätze!

Standard: Der vollständige Titel lautet: "Häuptling Abendwind oder das gräuliche Festmahl" . Erinnern Sie sich noch an Ihr gräulichstes Festmahl?

Meyer: Das war bei einem familiären Begräbnis. Ich werde nie vergessen, wie meine Mutter versucht hat, ein ganzes Tortenstück zwischen Blumentöpfen verschwinden zu lassen.

Na, Mahlzeit. Und bei diesem seichten Stückchen geht es um Fremdenhass und Nationalismus! Herr Direktor, wenn Sie so hochtrabende Worte verwenden, dann muss ich Sie beim Wort nehmen und sie dafür in meiner Kritik rügen, dass Sie solch ernste Themen verblödeln! Die Gefahr von zuviel Tiefgang besteht für mich allerdings in diesem Fall nicht, also bleiben bitte auch Sie auf dem Boden!

Die Meyers haben derzeit überhaupt Saison, in Düsseldorf fuhrwerkt Christoph Meyer herum. Der setzte seine "Rigoletto-Neuproduktion im letzten Moment ab und spielt das Werk konzertant: Obwohl Meyer „künstlerische Gründe” für die Teilabsage anführt, stellt er sich hinter das Regieteam. Er habe „nie etwas Besseres in diesem Bereich gesehen” als deren Baseler „Bohème”-Inszenierung. Und die Rigoletto-Konzeption „war spannend und hat uns überzeugt.” Erst bei der Klavierhauptprobe – das ist der Zeitpunkt während der Proben, wenn Bühne, Kostüme und Regiearbeit erstmals zusammenkommen – habe sich herausgestellt, dass noch einiges überarbeitet und verbessert werden müsse, so Meyer. Aus „Verantwortung für die Zuschauer und das Haus” sei die Entscheidung für die konzertante Aufführung „einvernehmlich” getroffen worden. Insgesamt sechsmal wird „Rigoletto” in Duisburg so gezeigt: am 24. und 26. Oktober sowie am 7., 15., 26. und

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Freitag, 23.Oktober 2009

"Sex und Gewalt in der Oper" - heute Premiere vom "LADY MACBETH VON MZENSK an der Wiener Staatsoper. Misha Didyk und Angela Denoke
Auch wenn Placido Domingo am Samstag in Berlin den "Simone Boccanegra" spielt und singt, der heutige erste Abend des Wochenendes gehört den Wienern. Der neue Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann arbeitet beim Nachbarn an der Staatsoper und inszeniert "Lady Macbeth von Mzensk". Die Berliner wiederum können heute Robbie Williams zum Nulltarif vor der Max Schmeling-Halle genießen, allerdings bescheidet sich der Barde mit 5 Songs. Trotzdem sind dort unter Garantie mehr Besucher als in der Wiener Staatsoper, in der es für die Lady Macbeth-Premiere am Premierentag noch etwa 150 Karten zu erwerben gibt. Oper in der Krise?? Wohl noch nicht, denn es sind nur die teuren Karten, die keine Abnehmer fanden. Schuld ist also die "Wirtschaftskrise", von der wir angeblich nichts spüren. Aber jetzt mal ganz ehrlich: 160 - 200 Euro für eine Opernkarte gebe ich auch nicht aus, dafür habe ich mein Geld zu schwer verdient!

Deshalb beginnen wir die heutige Presseschau auch mit Interviews zur Premiere. Angela Denoke ist eine großartige Singschauspielerin, aber in Wien allein wohl deshalb nicht unumstritten, weil sie ganz einfach in letzter Zeit in jeder halbwegs passenden Neuinszenierung präsent war. Wenn ich jeden Tag Kaviar esse, wird mir selbst der Kaviar bald beim Halse heraushängen. So ist das nun einmal, wir hatten in Wien die Skovhus-, Hampson-, Stemme-Welle, nun ist Angela Denoke omnipräsent. Aber ich glaube, dass sie gerade in dieser Rolle zum Ereignis wird!

Die Denoke im Originalzitat über die Rolle: Der Mord am Ende – da ist sie, glaube ich, zu ihrer eigenen Person wieder zurückgekehrt. Ich glaube nicht, dass sie von Grund auf böse ist. Sie handelt aus unterschiedlichen Beweggründen. Wenn sie ihren Ehemann umbringt, dann ist das eigentlich fast triebgesteuert. Während sie am Ende erkennt, was dieser Sergej für ein Mann ist. Sie entwickelt eine Wut auf diese andere Frau und auch einen Fatalismus gegen sich selber. Am Ende singt sie diese wunderschöne Arie mit dieser Todessehnsucht, wo sie sich selber vorstellt, dass sie im Wasser liegt und die Wellen über sie gleiten. Sie sagt: "Das Wasser ist so schwarz, wie mein Gewissen ist." Also, sie weiß, was sie getan hat. Dennoch nimmt sie diese andere Frau mit in den Tod. Aber die hat Katerina wieder sehr drangsaliert, sie bohrt in einer Wunde, die für Katerina schwer zu ertragen ist. Natürlich ist sie eine Mörderin, aber aus sehr unterschiedlichen Beweggründen heraus.

Aber auch der Dirigent Ingo Metzmacher ist dieser Tage ein gefragter Interviewpartner. In nachfolgendem Auszug äußert er sich über die Rolle der Banda in seinem Orchester - also über die 15 Blechbläser: SN: In Ihrem neuen Buch erklären Sie Opern aus Ihrer Sicht, u.a. die „Lady Macbeth“ mit Sätzen wie: Es ist nicht zu überhören, wie sein Penis sich langsam senkt.... Wollen Sie, dass man das hier auch hört?
Metzmacher: Ich glaube, dass die Banda sehr wichtig ist, weil bei den entscheidenden Stellen, beim Liebesakt, spielt sie eine große Rolle. Und dann in dieser Passacaglia, nachdem die erste Leiche da ist, und der Pfarrer sich da irgendwie lustig macht. Da bricht die Musik überfallsartig ein in das Orchester. Da habe ich mir gewünscht, dass die Banda im Saal spielt, aber das ist schwierig in Wien. Es müsste von oben kommen, und ich habe mir das alles angeschaut, die Galerie oben mit den wunderbaren Stehplätzen, aber das ist vom Zusammenspiel her schwierig. Also wir werden das so übertragen, dass es aus dem gesamten Raum kommt. Der Effekt ist schon sehr wichtig an dieser Stelle. Dass es die Menschen geradezu überfällt. Also über sie hineinbricht.

Und wenn wir schon bei Zitaten sind, dann zitiere ich noch einmal Angela Denoke: Es käme auch kein Mensch mehr auf die Idee, Verdi in Deutsch zu machen. Gut, dass der Satz nicht von mir stammt, in diesem Falle würde sicher der Robert Meyer-Fanclub einschreiten. Ich betrachte den Volksoperndirektor durchaus als der Kategorie Mensch zugehörig - aber er lässt Verdi in deutscher Sprache aufführen.

Der Komponist Manfred Trojahn wird 60. Herzlichen Glückwunsch! Der Dirigent David Zinman verlängert seinen Vertrag mit dem Züricher Tonhalle-Orchester. Glückwunsch in diesem Fall an die Züricher!

Wagner "Ring" ist ein Prestigeprojekt, jeder Operndirektor möchte in seiner Vita eine Inszenierung von Wagners Monumentalwerk anführen können. Koste es, was es wolle - es zahlt ohnehin die Allgemeinheit. Nun teilen sich zwei Theaterstädte die Kosten und veranstalten gemeinsam. Halle und Ludwigshafen machen sich an den "Ring":
"Wir möchten mit der Neuinszenierung des Wagnerschen "Rings" ein markantes kulturelles Ausrufezeichen setzen – für die Städte Ludwigshafen und Halle, aber auch weit über deren Grenzen hinaus", so Rainer Neumann, Generalintendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.
Der Startschuss des Projektes fällt mit dem "Rheingold", das im November 2010 zur Eröffnung der VI. Festspiele Ludwigshafen und im sachsen-anhaltinischen Halle zu sehen sein wird. Über Aufführungen der "Walküre" (September/Oktober 2011), "Siegfried" (März/April 2012) und der "Götterdämmerung" (September/Oktober 2012) mündet das Großprojekt schließlich im Frühjahr 2013 in eine Gesamtaufführung des "Rings" – beide Orchester, beide Städte.

"Den Reichtum eines Menschen erkennt man an den Dingen, die er entbehren kann, ohne die gute Laune zu verlieren" . Diesen Satz finden Sie heute "unter'm Strich". Und dort wird auch das "Unwort des Jahres 2009" gesucht. Im Vorjahr gewannen die "notleidenden Banken" - doch welches Wort steht heuer ganz vorn? Seit Anfang 2009 sind bereits mehr als über 500 Vorschläge eingegangen. Darunter seien sehr „unwortverdächtige“ Sprachschöpfungen wie „Beiboot-Lösung“ (Beschönigung von „bad bank“), „betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“, „erweiterter Suizid“ (für Amoklauf), „Flüchtlingsbekämpfung“, „Halteprämie“ (für Spitzenmanager unmittelbar vor ihrem Ruhestand).

"Betriebsratsverseuchte Mitarbeiter" - ganz schön stark!

Das Wochenende steht vor der Türe, ich wünsche Ihnen ein recht schönes!

A.C.

PS.: Das technische Problem ließ sich gestern rasch lösen, um etwa 10 h funktionierte die Site wieder in gewohntem Tempo. Die Firma "king-bill" in Wien hilft mir bei der Lösung derartiger Probleme relativ rasch - obwohl es nicht das Kerngeschäft dieser Firma ist. Es ist heute nahezu unmöglich, einen guten technischen Betreuer für eine Website zu finden, das ist ganz einfach kein Geschäft mehr - und die Kunden sind "sekkant" - so das Originalzitat eines Firmenchefs aus diesem Bereich. Ich bin offenbar nicht "sekkant" (zumindest bemühe ich mich, es nicht zu sein) , weil ich weiss, welche Leistung eine Firma für das Geld, das ich zu zahlen bereit und in der Lage bin, erbringen kann. Da das aber nicht alle wissen, ist der Markt gewissermassen zerstört! Und deshalb dauert es in vielen Fällen sehr lange, bis eine Website wieder repariert ist!

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Samstag 24. Oktober 2009

Also gut, der heutige Tag dieses Premierenwochenendes gehört den Berlinern.

Aber lassen Sie mich bitte dennoch mit der Wiener "Lady Macbeth von Mzensk"-Premiere beginnen. Sie war ein Erfolg, der sich bereits im Vorfeld abzeichnete. Ein Erfolg war sie auch für unser Journal, denn während selbst in den "google news" noch keine Zeile über die Premiere zu lesen steht, hat der Online-Merker bereits zwei Besprechungen anzubieten - und das, obwohl die "Schnellkritikerin" Dr. Renate Wagner in Thüringen weilt. Aber Dr. Klaus Billand sprang in die Bresche und schrieb noch in der Nacht. Ehrlich - ich hätte da meine Probleme. Ab Mitternacht ist mit mir nicht mehr viel anzufangen. Martin R. Botz berichtete von der Generalprobe. Trotz der nächtlichen Stunde macht Dr. Billand das in gewohnter Ausführlichkeit - wie es bei einer mit solcher Spannung erwarteten Premiere durchaus wünschenswert ist. Martin R. Botz lobt den Regisseur wegen dessen Zurückhaltung bei der Gestaltung der "Sex-Szenen". Irgendwie begreiflich, dem Mann hat es auch ein berufliches Anliegen zu sein, dass wir durch allzu freizügige Gestaltung nicht verdorben werden. Botz ist nämlich Pfarrer! Billand wiederum schreibt: Matthias Hartmann, der schon in seiner ersten Saison an der Burg das Wiener Theaterpublikum mit einer Neuinszenierung nach der anderen in Atem hält, machte einen Ausflug an den Herbert-von-Karajan-Platz. Man kann sagen, es wurde ein erfolgreicher. Zwar sieht eine ganz Reihe von Regisseuren ein buhfreies Auftreten zum Premierenapplaus durchaus nicht immer als Kompliment, aber diese Produktion scheint dem Wiener Opernpublikum doch gut gefallen zu haben. Der Applaus war nicht stürmisch, was auch der depressiven Stimmung gerade des letzten Aktes geschuldet sein mag, aber nachhaltig. Abendunterhaltung konnte das bekanntlich nicht sein, und für Wiener Opern-Touristen schon gar nicht...

Prompt sind wir schon wieder bei der Psyche der Regisseure. Derzeit sind "Rigoletto-Deutungen ganz groß in Mode. Die Neuköllner-Oper in Berlin - gewiss als Experimentiertheater deklariert und deshalb nicht mit normalen "Opernmassstäben" zu messen, unterlegt einem Kriminalfall, der sich im Kreise des Vatikans so abgespielt haben soll, wie eben das Rigoletto-Libretto beschreibt, Verdis Musik. Keine üble Idee - und mutig. Auch der Vatikan und die katholische Kirche bekommen ihr Fett ab - was die Neuköllner Oper wahrscheinlich auch als mutig empfindet. Ich wüsste da allerdings eine Mutprobe, die der Neuköllner Oper wochenlanges Medieninteresse sichern würde. Das wäre dann allerdings wirklich mutig. Aber ich fürchte, sooo mutig sind diese Berliner Theatermacher nun wieder auch nicht!

In Bonn inszeniert der Regisseur Bruno Berger-Gorski ebenfalls "Rigoletto", aber nicht den mit Vatikan-Bezug, sondern den rückschrittlich traditionellen. Aber gar so rückschrittlich will er natürlich nicht sein, deshalb hat er sich ganz ernsthafte Gedanken über die Figuren der Gilda und des Herzogs gemacht. Während andere Regisseure solche Ideen vielleicht aus Forschungen im Kaffée-Sud beziehen, durchforscht Berger-Gorski doch tatsächlich das Libretto der Oper. Und er kommt zu verblüffenden Ergebnissen, die wir bisher wohl alle übersehen haben: "Der Herzog ist nicht das angebliche Monstrum", meint Berger-Gorski, "er ist selbst eine zerbrochene Seele." Gilda wiederum ist "kein dummes Opfer, sondern reift zu einer Frau, die selbst über ihre Liebe bestimmt". Die Psychologie der Figuren, ihre Entwicklungen, ihre Vielschichtigkeit interessieren Berger-Gorski. Über Inszenierungsdetails möchte er nicht viel verraten, nur soviel: Anders als etwa beim "Rosenkavalier" sei beim "Rigoletto" eine historische Inszenierung "nicht zwingend".

Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Der Regisseur muss promovierter Psychoanalytiker sein. Und wenn Berger-Gorski künftig den "Rosenkavalier" irgendwo auf der Welt nicht "historisch" inszeniert, dann schlage ich ihm seine Gebrauchsanweisung für "Rigoletto" um die Ohren. Und jenen Regisseuren, die den "Rosenkavalier" denn doch nicht so ganz "historisch" inszeniert haben, empfehle ich ein Wochenendseminar bei Herrn Berger-Gorski. Und einen guten Rat kann ich Herrn Berger-Gorski auch noch mit auf den Weg geben: Legen Sie sich nicht unnötigerweise fest, man könnte Sie beim Wort nehmen!!!

Ich liebe "Isoldes Liebestod" wirklich. Wenn ich mir diesen aber binnen weniger Stunden 57 mal anhören müsste, brauche ich einen Psychoanalytiker. Vielleicht Herrn Berger-Gorski, der es mit seiner Hobbydeutung nun bereits zu x-facher Namensnennung auf der Online-Merker-Startseite gebracht hat. Lesen Sie in der Presseschau über einen Klavierwettbewerb, bei dem "Isoldes Liebestod" in der Liszt-Transkription das Pflichtstück war.

Was ist der Unterschied zwischen einem Opern-Weltstar und einem Superstar?
Der ist an der Zahl der verkauften Tonträger und wohl auch an den Gagen ablesbar. Und auch an der Zahl der Fans, die - wie neuerdings in Mode - die Kinos bei Live-Konzertübertragungen stürmen. Placido Domingo gehört sicher zu den bestbezahlten Opernstars, aber im Vergleich zu Robbie Williams ist er Hartz IV -Empfänger. Das Williams-Konzert in London wurde in unseren Breiten in 250 Kinos übertragen, alle waren gerammelt voll. Opernübertragungen aus der Met mit Star-Besetzungen werden in etwa 70 Kinos durchgeführt. Natürlich gibt es Domingo-Fans, die bei Nieselregen 4 Stunden auf 40 Minuten Placido Domingo warten würden - aber nicht 10 000 auf einem Fleck - wie bei Robbie Williams. Dieser "Fleck" heisst Berlin, wo heute der große Placido einer seiner meistbeachteten Premieren entgegenfiebert. Ich denke, er lebt so sehr in seinem Metier, dass ihm das Feuer und somit die Nervosität noch nicht abhanden gekommen ist. Opernstar Plácido Domingo bleibt trotz Wechsels im Stimmfach unverwechselbar. Wenn er an diesem Samstag bei der Premiere der Verdi-Oper «Simon Boccanegra» an der Berliner Lindenoper erstmals eine Baritonpartie als Titelrolle verkörpert, schaut die Musikwelt auf Deutschland. «Domingo singt seit mehr als 50 Jahren auf höchstem Niveau. Das spricht für eine hervorragende Stimmtechnik und -gesundheit und macht ihn unverwechselbar», sagte Stimmforscher Dirk Mürbe und erinnerte an das Repertoire mit rund 130 Partien.

Unter'm Strich kommen wir diesmal zum Fußball und somit zu einem, der sich dieser Tage mit Gott verglichen hat. Bayern München-Trainer Luis van Gaal schrieb vor dem Bordeaux-Match seiner Bayern an die Tafel: "Ich bin wie Gott! Ich werde nie krank und habe immer recht". Gott hat offenbar eine Auszeit genommen, denn die Bayern verloren 1:2. Selbst der bekannt gute "Rote" aus dieser Gegend vermochte van Gaal danach nicht zu trösten - und da im Wein bekanntlich die Wahrheit liegt, musste van Gaal anschließend bekennen: Zu Gott fehlt mir noch ein gutes Stück!

Gar so schmissig brauche ich als Ösi auch nicht zu sein, denn Rapid blamierte sich in Tel Aviv mit 1:5. Aber wir haben ja noch die internationale Truppe aus Salzburg, die immerhin 1:0 gewann. Und die Wiener Austria hätte beinahe Bremen besiegt, aber da hatte der Schiedsrichter etwas dagegen. Immer diese Abseitsentscheidungen, die umstrittendste Regel im Fußball. Dabei ist sie doch so einfach: Im Abseits befindet sich ein Ball-annehmender Spieler, wenn er sich im Augenblick der Ballabgabe näher der gegnerischen Torlinie befindet , als zwei verteidigende Spieler, wobei gleiche Höhe nicht als Abseits gilt. Diese Regel wird noch durch einige Ausnahmen etwas komplizierter gemacht. Besonders Frauen haben mit der Abseitsregel Probleme, wie ich als Schiedsrichter besonders bei dem Spiel beiwohnenden Müttern von Nachwuchsspielern feststellen musste. Das Problem bei dieser Regel ist "der Augenblick der Ballabgabe" - denn diese erfolgt im Bruchteil einer Sekunde. Zwei Zehntelsekunden später präsentiert sich bereits ein völlig anderes Bild. Und das menschliche Auge ist ganz einfach zu langsam, um genau diesen Augenblick analysieren zu können. Um eine Abseitsstellung exakt zu erkennen, müsste man Gott sein - wie Herr van Gaal kurzfristig zu sein glaubte! Liebe Opernfreundinnen, versuchen Sie beim nächsten Fußballspiel im Fernsehen, diese einfache Regel zu begreifen!

Bereits heute ist Gelegenheit dazu.

Ich wünsche einen schönen Samstag!

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Sonntag 25. Oktober 2009

Dieses Photo hätte ich mir an Stelle von Angela Denoke zwar verbeten, aber sie tat es nicht - also soll es so sein!

Aber zuerst kommen wir zur "Meldung des Tages": Placido Domingo bei seinem Bariton-Debüt in Berlin umjubelt! Die Meldung ist wenig sensationell, was hätte geschehen müssen, damit Placido Domingo nicht umjubelt worden wäre? Der spanische Startenor Placido Domingo ist für sein Debüt in einer Bariton-Rolle an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin stürmisch gefeiert worden. Mit lang anhaltenden, stehenden Ovationen bedachte das Publikum den 68-Jährigen am Samstagabend nach der Premiere von Giuseppe Verdis «Simon Boccanegra» unter der Leitung von Generalsmusikdirektor Daniel Barenboim. Kraftvoll und mit großer Bühnenpräsenz sang Domingo, der als einer der berühmtesten Tenöre der Welt gilt, die Hauptrolle in dem zutiefst pessimistischen Drama um den Dogen Boccanegra zur Zeit der Renaissance in Genua. Ebenfalls stürmischen Applaus gab es für die Sopranistin Anja Harteros, die gerade von der Fachzeitschrift «Opernwelt» zur «Sängerin des Jahres» gekürt wurde. Harteros verlieh dem tragischen Schicksal von Boccanegras Tochter Amelia die angemessen dunkle Stimme.

Schon wieder macht sich diese "Opernwelt" wichtig - dabei wartet diese Zeitung nicht einmal mit den Fußballregeln auf (wie wir gestern). Höchste Zeit, dass wir diesen "Lahm..." den Kampf ansagen!

Und zu Domingo heisst es an anderer Stelle der Presseschau weiter: Domingos Stimme ist jetzt vielmehr dort angekommen, wo sie immer schon beheimatet war: in einer wundervoll bronzenen Mittellage, welcher der Sänger früher seine phänomenale Höhe kraftvoll-heldisch abrang. Ihr merkte man dieses Fundament freilich immer an, es begünstigte ihn für Partien wie Verdis Otello, die nicht gar so hoch liegen und bei denen ein Tenor schon mal merklich in die Tiefe starrt. Als Kollege Pavarotti einmal diesen Otello sang, litt man mit ihm. Andererseits machte man sich um einige Puccini- und Verdi-Spitzentöne Sorgen, wenn Domingo sie sang. Sein "Nessun dorma" war mehr Vabanque als Optimismus.

Der "Merker" war natürlich bei Domingo auch vertreten, wir werden sofort nach Einlangen des Berichtes informieren!

Die "Lady Macbeth" an der Wiener Staatsoper wird wegen des morgigen Nationalfeiertages in Österreich in einigen Tageszeitungen erst Dienstag abgehandelt, für uns ist sie eigentlich heute bereits ein "alter Hut". Auf Matthias Hartmann ist Verlass, er stellt nicht wirklich etwas an. Dementsprechend "wohlwollend" ist die Berichterstattung, schaumgebremst die Publikumsreaktionen. Jetzt haben die Wiener, was sie wollen: eine "wienerische" Lady, nicht sonderlich aufregend, manchmal sogar "gemütlich". In unserem Forum werden wir uns da wieder einiges anhören können. Doch nun ein Ausschnitt aus der Presseschau: Wir erleben eine von Matthias Hartmann gefällig arrangierte Umsetzung der Handlung, die züchtig alle brutalen Details zu verschleiern weiß. Ein Krimi fürs Vorabendprogramm. Garantiert jugendfrei wie das Spiel des Staatsopernorchesters, das zwar bei mancher Klangpointe die Lacher auf seiner Seite hat, im Übrigen aber solid und ohne spürbare Anteilnahme die Noten abspult. Das tönt zwar auch in Ermangelung von rhythmischem Biss und klanglich-dynamischer Brisanz recht wirkungsvoll, bleibt aber meilenweit von jener Wirkungsmacht entfernt, die einem Hörer bei einer adäquaten Aufführung den Atem rauben kann. Wiener Opernfreunde, die sich an die Volksopernproduktion erinnern, wissen, wovon die Rede ist. Sie werden den Staatsopernabend als schales Abziehbild empfinden.

Bevor ich nun wieder empörte Zurechtweisungen per Mail bekomme, möchte ich darauf verweisen, dass ich nur aus der Presseschau zitiere. Was sie in kursiver Schrift lesen, sind Zitate, die sich nicht unbedingt mit meiner Meinung decken müssen - vorsichtig formuliert. Denn jetzt bringe ich den Regie-Altmeister Hans Neuenfels ins Spiel: Jetzt erscheinen die Opern-Texte des Provokateurs im Sammelpack. Klar sieht man, wie Klugheit und Selbstüberschätzung sich fantastisch mischen müssen. Dann klappt's.Der skurrile Cocktail aus Selbstverständigungs-Lyrik, Porträts und Pamphleten strotzt vor Bekenntnissen, erfundenen Briefen und mystischen Begegnungen. Mal begegnen Verdi oder Mozart dem von der Muse geküssten Quereinsteiger (der keine Noten lesen kann). Einmal schlägt der betrunkene Neuenfels nach seiner Frau, der Schauspielerin Elisabeth Trissenar. Dann wird der Tod von Elfriede Jelinek beklagt. Im Jardin du Luxembourg nimmt die Polizei bei privaten Dreharbeiten das Neuenfels-Ensemble fest. Mozart wird mit den Worten zitiert: "Es wird ein Dichter kommen, der Kleist heißt." Eine zweite, dickflüssigere Schicht gilt dem Credo des wackeren Alt-Achtundsechzigers. Für Neuenfels sind Kunst und bürgerlicher Widerstand nicht zu trennen: "Die exponierten Bilder Wagners sind unter Spießigkeit und Naturalismus verrottet. Zurückgeblieben ist die Singblase seiner Musik". Ähnlich konventionell die Libretti und Textcollagen ("Giuseppe e Silva" sowie "Schumann, Schubert und der Schnee"). In ihnen zeigt sich vor allem eines: Dass ein deutscher Theaterregisseur - selbst gegenüber Lektoren - immer das letzte Wort behält.

Lesen Sie selbst und beschweren sie sich nicht bei mir!

Heute findet an der Wiener Volksoper die Premiere von Nestroy-Offenbachs "Häuptling Abendwind" statt. Die Generalprobe soll ein echter Spaß gewesen sein, mit einem sichtlich "ergrippten" Direktor Meyer in der Rolle des Biberhahn. Es soll recht lustig, weniger lehrreich gewesen sein - also genau so, wie ich mir den Häuptling erwarte. Dass Nestroy immer Gesellschaftskritik in die Unterhaltung gemischt hat, macht ihn mir so liebenswert, deshalb nehme ich auch den unglücklich gewählten Ausdruck "seicht" in Bezug auf Nestroy mit Bedauern zurück. Mit Offenbach wurde dieses Wort jedoch bereits von weiter klügeren Köpfen als meinem in Zusammenhang gebracht. Eine Äußerung Meyers in einem Interview ließ in mir den Verdacht aufkommen, dass er den "Häuptling" bierernst auf Gesellschaftskritik in Bezug auf die aktuelle Situation in Österreich hintrimmt, wobei aber die Generalprobenspione sofort Entwarnung gegeben haben. Eines der bei unserer Forumsdiskussion angesprochenen Originalzitate Nestroys lautet: BIBERHAHN: Alles eins! Ich leid' nix Fremdes mehr. Ich spekulier' auf eine Bartholomäusnacht; eh' ich das nicht durchsetz', schmeckt mir der beste Missetäter nicht mehr. Wenn die Fremdenfeindlichkeit bereits zu Nestroys Zeiten ein derart bewegendes Thema war und kein Theaterstück in der ganzen Welt seither etwas daran geändert hat, heißt das erstens, dass die Theater nicht in der Lage sind, die Menschen entscheidend zu beeinflussen und das wir es uns zweitens nicht so leicht machen können, die heutigen "Situationsverursacher" in einer kleinen Gruppe zu suchen. Was mich betrifft, so sage ich meine Meinung und mache auch vor Theaterwissenschaftlern nicht in die Hose! Politisch - wie Herr Hurch von der "Viennale" - den ich vor einigen Tagen wegen seines freundlichen Tones noch gelobt habe, werde ich sicher nicht. Der hat nämlich seine Eröffnungsrede in einer Art missbraucht, die unfair erscheint (u.a. Vorverurteilung in einem laufenden österreichischen Kriminalfall).
Zu Nestroy gibt es auch die Meinung der Andrea Breth: Zu Nestroy und Ferdinand Raimund habe ich null Fantasie. Ich weiß nur nicht, ob das etwas mit Nationalität zu tun hat oder doch eher mit der Frage, ob man diesen Stil schafft, ohne dass man eine Hauruck-Dummbeutel-Komik entwickelt.
Auch Frau Breth darf ihre Meinung an dieser Stelle äußern, ohne sich dafür vor Nestroy-Forschern rechtfertigen bzw. sich für grenzdebil erklären lassen zu müssen.

Unter'm Strich kommen wir auf einen Kuss zu sprechen, der für einen "guten Zweck" um 140 000 Dollar ersteigert wurde.

Damit hatte Charlize Theron nicht gerechnet: Als die Schauspielerin bei einer Benefiz-Gala einen Kuss versteigerte, hängte eine Dame mit ihrem Gebot alle Männer ab. Die schöne Südafrikanerin löste ihren Einsatz umgehend auf der Bühne ein. 140.000 Dollar für einen 20 Sekunden Kuss! Wer schrieb: "Und dann steht die Welt nimmer lang..."?
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Montag 26. Oktober 2009

Die heutige Startseiten-Kolumne gehört Placido Domingo - und den Hunden. Zuerst einmal jenem armen Hund von Regisseur, dem der große Sängerstar angeblich - wie wir später lesen werden - ein "richtige" Inszenierung abverlangt hat und der sich dafür von Teilen des Publikums "prügeln" lassen musste - sowie "Unter'm Strich den echten Vierbeinern, die in Kiel zur Hundeausstellung angetreten waren.

Zunächst einmal gab es in unserem Forum einen Rüffel für mich, weil ich - wie auch fast alle anderen Zeitungen auch - vom "Bariton-Debüt" des Tenors schrieb. Es gibt Charakterisierungen von Placido Domingo, die ihn als "Bariton mit tenoraler Höhe" bezeichnen, und das schon vor vielen Jahren. Natürlich hat er bei Zarzuelas - auch im Theater an der Wien - Baritonrollen gesungen - aber die Bezeichnung "Bariton-Debüt" bei dieser Berliner Produktion ist auch eine glänzende Geschäftsidee. Was sich gut verkauft, soll man so nennen dürfen, wie es sich eben gut verkauft. Im Grunde genommen hat aber der "Kritiker der Kritiker" natürlich recht.

Die erste Kritik war wieder einmal bei uns im Merker zu lesen, auch unsere Berliner Mitarbeiterin Ursula Wiegand setzt ihren Ehrgeiz daran, zu den "rasenden Reportern" zu zählen. Das Beispiel Renate Wagner in Wien macht Schule!
Aber was berichten die anderen Gazetten:
Domingos Gesang und sein Spiel sind psychologisch überaus beredt und genau.Auf diese Weise kollidiert er allerdings mit der Inszenierung Federico Tiezzis. Man hat nach einer Pressekonferenz vor einer reichlichen Woche schon das Schlimmste befürchtet: Auf Domingos Wunsch sollte das Stück "richtig" aufgeführt werden, damit ist gemeint, dass die Personen in historischen Kostümen des italienischen 14. Jahrhunderts vor entsprechenden Kulissen auftreten; angefertigt wurden die Kostüme übrigens in Mailand. Der studierte Kunsthistoriker Tiezzi wollte sogar noch weitergehen und sich auch in der Personenführung an Szenen der Renaissance-Malerei orientieren. Spuren dieser Idee kann man lediglich an den demonstrativen Gesten des Chores und denen von Hanno Müller-Brachmanns Schurken Paolo erkennen, ganz unspektakulär auch hier und da in den Körperstellungen von Anja Harteros' Amelia. Ob diese Idee etwas taugt, sei dahingestellt, immerhin stünde eine derart stilisierte Körpersprache zunächst im Widerspruch zur Unmittelbarkeit der Affekte in Verdis Musik. Aber es duldet wenig Zweifel, dass diese Inszenierung bestenfalls eine Ruine von Tiezzis Plänen darstellt. Als ihm am Ende ein irritierend heftiges Buh des Publikums entgegenstürmte, nahm Barenboim seine Hand und stellte sich eine gefühlte Minute mit ihm an die Rampe.

Genau genommen wäre diese Geste Domingo zugestanden. Warum er nicht von selbst darauf gekommen ist, ist für mich nicht ganz verständlich. Denn Herr Tiezzi hat diese Inszenierung für Domingo, nicht für Barenboim maßgeschneidert.
Da die Inszenierung später an die Mailänder Scala wandert, hat Tiezzi allerdings ein weiteres Argument an seiner Seite. Mit dem "Regietheater-Schlaraffenland" Deutschland hat Tiezzis Kostümshow die ärgste Hürde jedenfalls geschafft!

Aber einige Kritiken sind dennoch "nicht ohne" und sollen deshalb nicht vorenthalten werden: Gegen Federico Tiezzi (Regie) sind Kollegen wie Franco Zeffirelli und Otto Schenk Bilderstürmer. Mit Maurizio Balo (Bühne) und Giovanna Buzzi (Kostüme) schwelgt er in güldener Gotik, lässt Rot gegen Blau kämpfen und Mannen wie in der Monty-Python-Parodie auftreten. Tiezzi, dessen Produktion an die Scala wandert, verlegt sich auf Dramatik für Doofe: Wird’s ernst, dimmt oder verfärbt er das Licht – was Wunder, dass auf ihn ein Buhkonzert niederging.

Unser Otti Schenk ein Bilderstürmer! "Dramatik für Doofe" - ganz schön stark!

Über die Wiener "Lady Macbeth" gibt es auch noch eine Nachzügler-Kritik: Die "Frankfurter Allgemeine" schreibt:
Loben kann man Hartmann aber für seinen Respekt vor dieser in jeder Hinsicht gewaltigen Oper. Es wird in dem Stück schließlich schon genug vergewaltigt. Doch ein einziges überraschendes Bild, eine Szenerie, die jenseits der Opernkonvention haften bleiben würde, irgendein rätselhaftes Detail hätte man sich bei all dieser manierlichen Burgtheaterdirektorenästhetik vielleicht schüchtern wünschen dürfen – zumal Hartmann in Interviews doch so gerne vom Theater als einem großen Fragezeichen plaudert. Der Regisseur kriegte seinen respektvollen Applaus. Bejubelt wurde Denoke, deren warme Stimme noch jede Mordtat mit Zärtlichkeit flutete. Und der Dirigent Ingo Metzmacher, der die Produktion kurzfristig für den am Rücken lädierten Kirill Petrenko übernommen hatte, machte den Abend erst wirklich zu einem Hochgenuss. Man merkt Metzmacher das Vergnügen an, das beste Opernblasorchester der Welt durch diverse Märsche peitschen zu dürfen.

"Opernblasorchester" - aber immerhin das beste der Welt! Man weiß, wie es gemeint ist und ist deshalb nicht beleidigt. Regisseur Matthias Hartmann platzte bei der Premierenfeier nicht etwa der Kragen, sondern die Smokinghose. Sind der Herr Direktor dieser etwa schon entwachsen? Wenn es Ihnen ein Trost sein sollte: mir geht das öfters so!

Etwas unheimlich wird wird mir Mariss Jansons. Der Dirigent hat die wohl beste Pressebetreuung aller Taktschläger. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht ein Bullentin über Jansons Tätigkeiten erhalte. Diesmal gibt es sogar ein tolles Photo.



Nach den fulminanten "Gurreliedern" in München besuchten die Kollegen Thielemann und Nagano gemeinsam mit der Geigerin Anne Sophie von Mutter den Pultstar in dessen Garderobe.

Die Hamburger machen sich Sorgen um den Wiener Sängerknaben-Nachwuchs, immer weinger "Jungen" sind bereit, in das Wiener Internat einzuziehen. In Wien versuchen wir es besser mit der Bezeichnung "Buben", vielleicht werden diese durch die "Jungen" abgeschreckt. Nichts für ungut, liebe Hamburger, wir sprechen nicht immer die gleiche Sprache. Und der Wille gilt in diesem Fall wohl für das Werk!

Flau war die Premierenstimmung gestern in der Wiener Volksoper. Aber davon lesen Sie an anderer Stelle!

In Gera wird Jaromir Weinbergers Oper "Wallenstein" aufgeführt. Die Neuköllner Oper in Berlin bleibt mit ihren "Vatikan-Rigoletto" in den Zeitungen.

Das Geschäft mit Michael Jackson ist noch lange nicht zu Ende, jetzt wird Restelverwertung betrieben, die sicher mehr Kohle einbringt, als es durch die geplante Tournee gelungen wäre. Das melodramatische Ende des "King of Pop" ist ja keineswegs geschäftsstörend!

Unter'm Strich wir wieder auf den Hund und verweisen auf die Kieler Hundeausstellung.

Morgen gibt es sicher neue Domingo-News, ich wollte heute nicht mein ganzes Pulver verschießen.

Schönen Tag noch!

A.C

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Dienstag 27.10.2009

Placido Domingo als "Simone Boccanegra" an der Berliner Staatsoper. Auch 2 Tage nach der Vorstellung sind die Kulturseiten der Zeitungen von diesem Thema beherrscht.


Die Stimmung ist vergleichbar mit der nach einem wirklich großen Pop-Konzert. Und das ist eigentlich schön, dass sich auch ältere Jahrgänge so begeistern können - vielleicht verstehen diese dadurch die Jugend besser, die ihre Idole braucht, um manchmal vor den täglichen Problemen in eine Scheinwelt flüchten zu können. Solange sich das in Grenzen hält, ist dagegen nichts einzuwenden.
Soviel mir bekannt ist, sind an der Berliner Staatsoper zumindest keine Damen-Höschen auf die Bühne geworfen worden. Also doch ein Unterschied zu den Popkonzerten!

Ich selbst eigne mich eigentlich nicht zum Fan, dazu glaube ich zu realistisch zu denken. Aber manchmal bedauere ich das und beneide Menschen, die Ihre Begeisterung für ein "Idol" so nach außen vermitteln können. Denn die Begeisterung nach Domingos Erstauftritt in einer Bariton-Opernrolle ist sicher weit größer, als es dem tatsächlichen Ereignis angemessen wäre. Ich muss jetzt auf die Wortwahl achten, denn vorgestern gab es im Forum einen kleinen "Rüffel" für mich, weil es ja nicht Domingos "Bariton-Debüt" war. Gewiss, das weiss ich auch - aber eine große Opernrolle hat Domingo als Bariton - meines Wissens nach - noch nicht gesungen.
Wir haben Placido Domingo schon in vielen Premieren als Tenor auf den Bühnen wie auch im Fernsehen erlebt, eine solche Hype war allerdings nie angesagt. Einerseits spüren nun die Menschen, dass es allzuviele vergleichbare Events mit Domingo nicht mehr geben wird, anderseits wurde der Stimmfach-Wechsel werbestrategisch exzellent vermarktet - und die Staatsoper Berlin bewies einen guten "Riecher". Wie der Wiener "Herr am Ring" die Sache sieht, weiß ich nicht, aber ich denke, dass er diese Aufmerksamkeit auch sehr gerne auf sein Haus gezogen hätte - wo es im Moment doch etwas ruhiger zugeht!


Aber es mischt sich auch Nachdenklichkeit in die Stimmung: Wer „Simon Boccanegra“ auf die Bühne bringen will, braucht eine Lichtgestalt. Einen Darsteller mit Charisma, der aus dem Ringen mit der Finsternis Funken zu schlagen vermag, einen gebrochen ungebrochenen Geist. An der Berliner Staatsoper wartet man mit einem Besetzungscoup auf: Placido Domingo, der am heftigsten umjubelte amtierende Tenor, gibt in der Titelpartie sein Debüt als Bariton. Als sei ihm das Repertoire der bislang 134 Tenorrollen zu eng geworden, die er in seiner bald fünf Jahrzehnte währenden Karriere gesungen hat. Und wie bei seiner Eroberung des Wagner-Fach ist es Daniel Barenboim, dem er sich dabei anvertraut. Ein Unterfangen, das für den 68-jährigen Tenorissimo nicht ohne Gefahr ist: Wird er, in Berlin, Mailand und London nun auch bereits als Bariton gebucht, je wieder Spitzentöne erreichen? Beginnt hier ein Altersstil oder verabschiedet sich eine große Stimme in die Dämmerung?
So unersättlich sein Hunger auf neue Rollen, so konservativ Domingos Auffassung von Musiktheater. Sein Berliner Stimmwagnis wollte er nur im Originalkostüm des ersten Dogen von Genua aus dem 14. Jahrhundert eingehen; den Wunsch des Stars nach einer traditionellen Inszenierung, die auch mit dem Kooperationspartner Scala kompatibel sein soll, erfüllte Regisseur Federico Tiezzi. Der Kunsthistoriker aus der Toskana lässt die berühmten Mailänder Kostümwerkstätten prachtvolle Kostüme schneidern, die an Statuen womöglich den rechten Faltenwurf aufweisen, Menschen aus Fleisch und Blut hingegen an jeder halbwegs natürlichen Bewegung hindern. Seine Anziehpuppen leuchtet Tiezzi aus, wie es in Museen mittlerweile üblich ist: Aus einem beinahe dunklen Raum schälen Lichtskalpelle die Konturen heraus, die Figur scheint von innen zu glimmen. Auf der Staatsopernbühne sieht das allerdings aus, als wüssten die Beleuchter nicht, wohin sie ihre Leuchtpunkte senden sollen. Zufallstreffer und unfreiwillige Pantomime der verunsicherten Akteure sind die Folge. Zu den unterbelichteten Tableaus gesellen sich wacklige Auf- und Abtritte sowie in ihrer fahrigen Motorik gänzlich unerlöste Chorszenen. Das ist – rein handwerklich – eine Katastrophe. Und in seiner Suche nach einem künstlerischen Horizont, mit einem halben Bob-Wilson-Himmel und eingespielter Video-Gischt, beinahe tragisch.Als Tiezzi und sein Team beim Schlussapplaus in einem Buh-Sturm zu ertrinken drohen, nimmt Barenboim die Hand des Regisseurs und stellt sich demonstrativ mit ihm an die Rampe, als Siegerdenkmal, minutenlang. Wer ins kalte Herz der Welt geschaut hat, den kann kein Publikum mehr schrecken. Die Ovationen für Domingo erreichen ozeanische Ausmaße.Weitere Vorstellungen am 27. und 30. 10., 7., 10. und 13.11. (ausverkauft), sowie bei den Festtagen der Staatsoper am 27. und 30. März 2010

Schön langsam sollten wir aber von Domingo und seinen "Simone" wieder wegkommen- es tut sich auch anderes auf den Bühnen. Die Wiener "Lady Macbeth"-Premiere war kein allzu großer Aufreger, aber die Produktion wird zweifellos eine Bereicherung des Repertoires darstellen. Oder doch nicht? Wie ich hörte, wird Monsieur Meyer die Produktion nicht übernehmen und diese nach Graz abschieben. Ich habe das nur aus zweiter Hand, bitte um Berichtigungen, sollte das nicht stimmen.

Mit Humor ist das halt so eine Sache - es gibt verschiedene Formen davon. Die Kritiken über die Wiener Volksopernproduktion des "Häuptling Abenwind" liegen nun vor, sie sind nicht schlecht, aber bis auf eine Ausnahme "schaumgebremst". Meinen Ersteindruck können sie in den Kritiken nachlesen, der deckt sich in etwa mit der Meinung der Mehrheit der anderen Rezensenten. Nur der "Kurier" musste diesmal ausbrechen und zeigt sich voll begeistert. Dies, obwohl der erste Lacher aus dem Publikum bei diesem heiteren Stück nach etwa 25 Minuten kam. Ich weiß zwar, warum ich mein "Kurier"-Abo schon vor vielen Jahren gekündigt habe, aber ich danke dem Kurier-Redakteur Jarolim für seine Kritik. Ich habe nämlich in meiner Besprechung angekündigt, dass - sollte auch nur eine Zeitung von einem tollen Premierenerfolg schreiben - ich in den nächsten 50 Jahren keine Kritik mehr verfasse. Auf dieses Versprechen kann ich mich nun berufen, zumal ich nie wirklich gerne Rezensionen verfasst habe. Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor den Künstlern und letztlich auch Selbstzweifel.

Hochinteressant ist ein Interview mit Michel Schwalbé, Karajans Konzertmeister bei den Berliner "Philis" , der dieser Tage seinen Neunziger feiert. Auch Nobelpreisträgerin Toni Morrisson hat viel zu erzählen!

Aber wenden wir uns der nächsten wichtigen Premiere zu. In München steht "Don Giovanni" bevor und der Titelrollen-Darsteller Mariusz Kwiecien macht bereits neugierig darauf:


Mariusz Kwiecien, internationaler Star aus Krakau mit der Met als deklariertem Lieblingshaus

Kwiecien meint: Stephan Kimmig hat keine Opern-Erfahrung. Das ist wunderbar! Weil er mit frischen, brillanten Ideen ohne Routine gekommen ist. Nicht alle waren gut fürs Stück. Aber wir haben viel geredet, gelacht und Spaß daran gehabt, neue Wege zu finden. Ich brauche so etwas. Schließlich sind das hier inklusive Vorstellungen drei Monate meines Lebens, da will ich Spaß haben.

Treffend fand ich seinen Schluss-Satz: Mein Herz habe ich in Krakau, mein Geld in den USA.

Um den mache ich mir keine Sorgen. Mir fällt auf, dass ich heute weitgehend ohne Blödelei ausgekommen bin.

Eine schöne Woche wünsche ich Ihnen!

A.C

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Mittwoch 28. Oktober 2009

Tannhäuser in Bonn. Elisabeth (Ingeborg Greiner) diesmal nicht als Heulsuse, sondern als moderne, selbstbewusste junge Frau. Der Rücken gehört Scott MacAllister (Tannhäuser). Photo: Thilo Beu

Schön langsam müssen wir trachten, vom Domingo-"Sensationsauftritt" in Berlin wieder zur "Normalkost" zurückzukehren. So leicht wird das aber auch nicht möglich sein, denn der Berliner "Simone" war nur der Beginn einer großangelegten Geschäftsidee. Da ich selbst Kaufmann war, nötigt mir die Gewinnmaximierung ehrlichen Respekt ab. Ich beneide als Domingo um seinen Geschäftssinn, ohne aber Neid zu spüren. Das ist meine Art von Bewunderung, die sich nicht auf die Bühne beschränkt. Denn dort war er mir lieb und wert - mehr nicht!

Ich greife diesmal auf einen Beitrag in unserem Forum zurück. "Hans Lick" hat früher offenbar mit einem anderen Pseudonym gepostet, ich verfüge nicht über die technischen Fähigkeiten, dem nachzuspüren. Und es interessiert mich auch nicht wirklich, es ist viel spannender, wenn diese Pseudonyme gewahrt bleiben und man Vermutungen anstellen kann. Man muss ja nicht gerade so blöd sein, wie ich in der Vorwoche - um unter einem unter Pseudonym verfassten Beitrag den richtigen Namen zu setzen. Egal, es soll nichts Ärgeres passieren!
Dieser "Hans Lick" kennt sich also im internationalen Sängergeschäft schon etwas aus, wenngleich "seine Zeit" denn doch schon etwas zurückzuliegen scheint. Aber er erkennt die Zusammenhänge ziemlich präzise:
Also wo bitte ist das Problem? Das Publikum war anscheinend zufrieden und das ist doch sehr wichtig! Der windige Domingo handelt sich mit dem Barenboim ein Debüt an der ohnehin finanzmaroden Staatsoper in BLN aus, die ziehen dafür auch den Lissner in Mailand ins Boot, den Katona in London, wohl auch noch den Gelb in New York, bringt der singende Direktor die Produktion auch noch nach Los Angels oder Washington - - - allemal ein gelungener Deal! Mailand könnte allerdings für den Tenor-Bariton seitens des Publikums kritischer, weniger euphorisch ausfallen! Aufreger bitte wieder abregen!

Der Mann ist sichtlich kein deklarierter Domingo-Fan - aber auch kein Neider dieses Ausnahmesängers. So etwa sehe ich die Situation auch, wenngleich ich das Wort "windig" durch "clever" , oder - um die deutsche Sprache nicht zu verraten, durch "geschickt" ersetzt hätte!

Nun reagiert auch die internationale Presse auf die Wiener "Lady Macbeth"-Premiere, die vom Termin her "Domingo geschädigt" war. Die Neue Zürcher Zeitung (die Schweizer gelten bei uns als langsam, aber solide) meint: Szenisch kann man die neue Produktion von «Lady Macbeth von Mzensk», der Oper von Dmitri Schostakowitsch, im Haus am Wiener Ring vergessen. Aber musikalisch ist sie eine Sensation...
Dass die musikalischen Eindrücke solcherart überwiegen, ist auch das Verdienst von Matthias Hartmann. Zusätzlich zu den Aufgaben, die er sich als neuer Direktor des Wiener Burgtheaters gestellt hat, hatte er auch noch für diese Produktion zugesagt. Er konnte das, weil er über ein sicheres Handwerk verfügt und in seinen Opernarbeiten solide diesem Handwerk verpflichtet bleibt. Auch hier, im Bühnenbild von Volker Hintermeier und mit den Kostümen von Su Bühler, wartet Hartmann mit naheliegenden, gefälligen Dispositionen auf, und da es sich ja um einen Opernschocker handelt, spart er nicht mit Deutlichkeit in jenen Szenen, in denen es fleischlich zur Sache geht. Auch Hartmann gehört zu jenen Regisseuren, die ihre Zuschauer für wenig belichtet halten; wenn der Schäbige (Michael Roider) das Kellerverlies aufbricht, in dem die Leiche des erwürgten Sinowi (Marian Talaba) liegt, und vom Verwesungsgeruch singt, quillt üppiger Dampf auf die Bühne. Dass die Zuschauer eventuell auch Zuhörer sind, der szenischen Tautologien also gar nicht bedürfen, scheint ihn nicht zu kümmern. Immerhin kann man in diesem Fall problemlos darüber hinwegsehen.

Das ist es! Die Regisseure halten das Publikum für "wenig belichtet". Dabei ist Herr Hartmann ja wirklich noch der Harmlosen einer! Aber manchmal gewinne ich schon den Eindruck, manche Regisseure treten zur Publikumsverarschung an und lachen dann heimlich über jene, die darauf reinfallen! Matthias Hartmann ist aber da wirklich kein typischer Fall, das möchte ich fairer Weise festhalten!

"Rigoletto ist derzeit "in" - abgesprochen dürften sich die Intendanten also nicht haben. In Duisburg fand eine besondere Inszenierung statt, die von einem tollen Erfolg begleitet war: „Genießen Sie die Musik“, sagte Rheinopern-Generalintendant Christoph Meyer in einer kurzen Ansprache zum Publikum der „Rigoletto“-Premiere an der Oper Duisburg. Denn es war ja, wie berichtet, keine szenische, sondern eine konzertante Aufführung. Und in der Tat, jene von den 400 Abonnenten oder Kartenkäufern, die ihre Tickets zurückgegeben oder umgetauscht hatten, brachten sich um einen wunderbaren Genuss, über den sich umso mehr andere freuten, die ihn kostenlos erhielten. Es war in Windeseile „rund“, dass es ein gewisses Kontingent kostenloser Karten gab. So hatte etwa der Duisburger Philharmonische Chor fast vollständig die Chance genutzt. Die Solisten in schwarzen Fräcken und mit glänzenden Lackschuhen sowie die Damen Gilda, La Contessa und Maddalena in Abendroben wussten szenische Entwicklungen gestisch anzudeutung und damit geschickt zu interpretieren.

In Bonn hatte nun die in der Vorwoche an dieser Stelle erwähnte Inszenierung von Bruno Berger-Gorski Premiere: Bei Bruno Berger-Gorski ist der Herzog zum Baulöwen mutiert, der geile Partys schmeißt. Es wird gekokst und gehurt, was die Brieftasche hergibt. Fürs Vergnügen müssen Zwangsprostituierte herhalten, die zwecks Desinfektion zuvor gründlich abgesprüht werden. Im Katalog der Perversionen darf Sex mit einem Kind nicht fehlen, ebenso wenig wie die Männer, die sich gern als Hündchen halten lassen.
Gespreizte Beine sind sozusagen das Markenzeichen dieser Inszenierung, die uns kurz vor Schluss noch auf einem Baugerüst einen Akt im Stehen beschert, bei dem man sich im Rhythmus von Verdis Musik bewegen muss. In seinem selbst verordneten Modernisierungszwang ist Berger-Gorski unerbittlich. Auf der Party präsentiert er die beiden Modelle des Beethoven Festspielhauses auf dem Rücken von natürlich knienden Frauen.
Soviel zur Regionalisierung der Oper, besser: zur Provinzialisierung im schwärzesten Sinne des Wortes. Rigoletto haust mit seiner Gilda übrigens in der Kanalisation, was lediglich dazu geführt hat, dass die Ausstatter Fred Fenner und Daniel Nunez-Adinolfi die Bühne mit poppig aufgemachten Kanälen hergerichtet haben.


Julia Novikova als Gilda. Photo: Thilo Beu

Dafür blieb offenbar kein Geld für die Kostüme übrig. Die (wirklich großartige) Julia Novikova musste in einer Trainingshose antreten. So sexy, wie die Damenbewerbe der Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Die sehe ich mir gerne an - selbstverständlich aus rein sportlichen Gründen.
Auch die "Neuköllner" Oper in Berlin kommt mit ihrer "Vatikan-Version" des "Rigoletto" nicht aus den Gazetten. Man muss nur eine richtige Verkaufsidee haben!
Ebenfalls in Bonn hatte "Tannhäuser" Premiere (siehe Photo ganz oben), mit einer erfrischenderen Sicht auf die sonst ziemlich fade Elisabeth: Hier begegnet er Elisabeth (Ingeborg Greiner), der zweiten Frau in seinem Leben, die vormals seine erste war. Als Gegenpol zu Venus ist sie die liebevoll Fromme, die bescheiden Reine. Doch tritt sie auf in einem roten, unerwartet aufreizenden Kleid und schwelgt am Ort des gemeinsamen Erinnerns mit ausdrucksstark zupackender Stimme in ihren aufgestauten Emotionen. Ein Moment, in dem von der Stimmung her zunächst alles möglich scheint. Zum Beispiel, dass sich Elisabeth vom landgräflichen Onkel auf den Po greifen lässt (oder war das in einer anderen Tannhäuser-Inszenierung der letzten Tage?)

In Gelsenkirchen wurde "Ariadne im Schwimmbad" gegeben: Durch die Wände der öffentlichen Badeanstalt dringt schon der Schwamm, darüber: eine große Uhr, die von abgezählter Unentrinnbarkeit spricht. Solche Bühnenbilder hat Anna Viebrock oft und stark entwickelt. Sie traf mit Christoph Marthaler auf einen Regisseur, der sie kongenial zu füllen wusste. Das ist der Unterschied zu Gelsenkirchen. Hier ist der Wunsch der Praxis überlegen. Den öden Pool (Bühne Vera Koch), den Winnie Karnofka und Michaela Dicu zum Zentrum ihrer „Ariadne auf Naxos” machen, vermögen sie nur bedingt zu füllen mit Spannung, Atmosphäre, Musiktheater eben.

"Ariadne" für ein Anfänger-Team . Viel zu schwierig, meine zumindest ich!

Unter'm Strich weise ich auf eine Photostrecke mit den besten Pressephotos des ablaufenden Jahrzehnts hin. Die weiteren Beiträge haben es zwar "in sich", aber ich möchte da nicht kommentieren. Und Schmuddelgeschichten haben im seriösen Online-Merker keinen Platz. Ob Sie Otfried Fischers Prostituierten-Beichte nochmals lesen wollen, müssen Sie selbst entscheiden!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C


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Freitag 30. Oktober 2009

Christoph Wagner-Trenkwitz schrieb einen Brief an die "Kronen-Zeitung"

Mit einem Brief an die Kronen-Zeitung hat manche Karriere bereits begonnen - wie jene des österreichischen Bundeskanzlers Faymann. Daraufhin wurde er vom Herausgeber und heimlichen "Präsidenten" Hans Dichand lange Zeit geherzt, zumindest bis zu den Wahlen. Inzwischen hat er sich etwas abgenabelt - zumindest bis zu den nächsten Wahlen!

Nun aber schrieb Christoph Wagner-Trenkwitz der "Krone" einen Brief. Ob der nur eine lokale Größe - oder auch unseren Gästen aus dem deutschsprachigen Raum ein Begriff ist - weiß ich nicht so ganz, deshalb versuche ich, ihn vorzustellen. Er ist einmal Entertainer und Opernball-Berichterstatter, weiters ein begehrter "Seitenblicker", Direktoriumsmitglied der Wiener Volksoper, Buchautor etc. Was er nämlich sonst noch macht, weiß ich nicht so genau. Aber er macht etwas, schließlich hat er eine Familie zu erhalten.
Dieser Christoph Wagner-Trenkwitz schrieb nun einen Brief an die Krone - und will - meines Wissens nach - derzeit noch nicht Bundeskanzler werden. Er wollte lediglich den Krone-Rezensenten darauf hinweisen, dass dieser des Italienischen nicht mächtig ist. Also ist Wagner-Trenkwitz auch Sprachlehrer, bitten fügen Sie das obiger Liste hinzu. Aber Wagner-Trenkwitz brach auch noch eine Lanze für die deutsche Übersetzung des Wiener Volksopern-Rigolettos. Ob ihm das als "Internationalem" wirklich ein persönliches Anliegen war, entzieht sich meiner Kenntnis - eher glaube ich es nicht. Aber er ist Direktoriumsmitglied der Volksoper - und deshalb verpflichtet, jede Entscheidung seines "Herrn" zu verteidigen. Also : "Die Sprache ist nicht nur ein wichtiger Klangträger, sie ist auch ein Sinnträger - und damit wollten wir dem Wiener Publikum den Rigoletto inhaltlich näherbringen"

Na geh, der Rigoletto ist so unbekannt, dass wir geistig Unterbelichtetete nicht wissen, was sich darin abspielt. Für jene, für die das zutreffen möge, wäre das ja sogar ein Segen, die sind noch nicht von italienischen Opernlibretti geschädigt! Sie haben aber schon bereits etwas von Sprachmelodie gehört, Herr Wagner-Trenkwitz?

Unser Redaktionsmitglied Elena Habermann besuchte die Montag-Vorstellung dieses deutschen Rigoletto und schrieb in ihrer Kritik von einem Verbrechen. Nun, mit der guten Elena bin ich nicht immer einig, meist sogar uneinig. Sie ist auf der einen Seite eine "Berufsfortschrittliche", kennt aber anderseits bei nicht in die Zeit passenden Bühnenkostümen keinen Pardon und mäkelt deswegen bis zum "geht nicht mehr". Aber wo sie recht hat, hat sie recht!!

"Glauben Sie keinem Politiker auch nur ein Wort - auch mir nicht" - mit diesen Worten versuchte ich in meiner lokalen Politzeitung in Mauerbach bei Wien Wähler anzusprechen. Der Erfolg war mäßig. Aber man sollte auch Verständnis für die Politiker haben. In Berlin bremst der Senat die Zahlungen für die Opernrenovierung und auch mit dem Verein der "Freunde und Förderer" gibt es Probleme: Wann wird der Verein der Förderer und Freunde der Staatsoper die 30 Millionen Euro Spendengeld für die Sanierung beisammen haben? Die Geschäftsführerin Evelyn Fischer wehrt ab: "30 Millionen - das ist eine Summe, die schreibt ein Journalist vom anderen ab. Wir nennen überhaupt keine Zahlen, weil wir nicht die geringste Ahnung haben, wie viel am Ende gespendet wird." Oh. Aber die 30 Millionen sind keineswegs eine Journalisten-Erfindung, die Summe hat Peter Dussmann immer genannt, zuletzt, als der Streit um einen modernen oder einen historischen Opernsaal eskalierte. Da drohte er mit dem Entzug der 30 Millionen, weil es der Freundeskreis historisch wollte. Das sei ewig her, sagt Evelyn Fischer, nämlich vor der Erkrankung von Peter Dussmann 2008. Aber wer wusste denn, dass die Summe an Herrn Dussmann persönlich gebunden ist? Im Senat offenbar keiner. Steffen Ritter, Dussmann-Unternehmenssprecher: "Die Spendenzusage des Freundeskreises war nie an eine Summe geknüpft. Es gibt keine Verträge. Der Senat ist dafür nie auf Herrn Dussmann zugegangen."

Wer kennt sich nun aus?

In München gibt es eine "Don Giovanni-Neuinszenierung. Ich zeige Ihnen ein Bild dieser Produktion und bitte um Ihre Hilfe. Denn ich glaube, dass ich das schon irgendwo gesehen habe. Aber es ist eine Neuinszenierung (ich habe dreimal nachgelesen), noch dazu von einem Regisseur, der sich bislang der Oper verweigert hat.

Wo alles Fleischliche endet: Die Friedhofsszene mit Mariusz Kwiecien (Don Giovanni, li.) und Alex Esposito (Leporello) in Stefan Kimmigs Inszenierung, die Katja Haß ausgestattet hat.
Oder eine andere Bildunterschrift (von Mitarbeiterin Dr. Kerstin Voigt): Karl zu Otto: Du, mir ist so heiss, ich glaub, die Kühlkette funktioniert nicht.
Otto zu Karl: Macht nix, machen wir heute eben Gammelfleisch.



Aber lassen wir den Wunderknaben selbst zu Wort kommen:
Wagen wir einen Versuch: Was passiert zwischen Don Giovanni und Anna, ehe der Vorgang aufgeht? Er hat mittendrin aufgehört und gesagt: „Du ekelst mich an.“ Diese Demütigung trifft sie tief. Aber Anna entdeckt dadurch eine Fülle ausufernder Emotionen in sich, die sie bisher nicht kannte und die sie bis zum Ende der Oper abarbeitet, ohne eine Lösung zu finden.

Wow! Da sind ja Dinge in diesem Don Giovanni drin, die uns bisher total verschlossen blieben. Danke, Herr Kimming, auf Sie haben wir gewartet!

Und so sieht er aus: Regisseur Kimming mit seinem Ermöglicher Bachler, einem "Österreich-Export".
Ab und zu verlangt die Hassliebe zwischen den Deutschen und den Ösis nach einem Ventil. In diesem Fall heißt es Klaus Bachler, der sich an der Isar Nikolaus nennt!

Mittlerweile hat auch "Die Zeit" geschnallt, dass es in Berlin eine Premiere mit Placido Domingo gegeben hat. Das ist halt immer so mit den Qualitäts-Zeitungen, "gut Ding braucht Weile"!

Der Bariton Christian Gerhaher ist mit dem "Midem Classical Award" als bester Sänger ausgezeichnet worden. Beste Sängerin wurde - dreimal dürfen Sie raten - natürlich Elina Garanca.

Unter'm Strich befassen wir uns mit diversen Verhunzungen der deutschen Sprache. Auch ich bin davor nicht gefeit, bitte treten Sie mir im Bedarfsfall auf die Zehen! Ich bin garantiert nicht beleidigt.

Und dann gelangen wir noch zu Heidi Klum, von der wir eine ganze Bilderstrecke anzubieten haben: Für Fans ist Heidi Klum Traumfrau und erfolgreiche Unternehmerin, für Feinde die schlimmste Belästigung, seit es Werbung gibt. Nun ist der Bildband "Heidilicious" des Starfotografen und Klum-Kumpels Rankin erschienen - und dürfte für neue Erregungskurven sorgen.


"Die schlimmste Belästigung, seit es Werbung gibt". Und so etwas muss sich die Heidi sagen lassen.

Ich solidarisiere mich mit ihr und wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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Samstag 31. Oktober 2009

Don Giovanni an der Bayerischen Staatsoper. Premiere ist heute. Sie sehen Alex Esposito als Leporello und Mariusz Kwiecien in der Titelrolle

So eine schwache Ausbeute an interessanten Meldungen, wie sie sich heute (nicht) anbieten, habe ich selten. Ich ersuche Sie daher bereits eingangs um Entschuldigung, wenn ich diese Kolumne mit Photos praktisch strecken muss. Aber ich bin gewissermassen ein armer Hund, gerade in Wien ist überhaupt nichts los, außer Streiterein der üblichen Art zwischen Stadtverwaltung und Opposition wegen eines neuen Bühnentores für das Theater an der Wien.

Erinnern möchte ich nochmals auf die "Rheingold"-Aufzeichnung aus Valencia ab 20,15 h auf 3Sat. Ich kenne die Inszenierung von Carlus Padrissa (La Fura dels Baus) noch nicht und bin daher gespannt!

Das Jahr "Kulturhauptstadt Linz 09" neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Alle Rechnungen sind gewiss nicht aufgegangen, aber im Endeffekt hat es für Linz schon etwas gebracht. Allerdings nur, wenn man die verbleibenden Einrichtungen auch wirklich zu nützen weiss. Wir haben das schlechte Beispiel unseres Größenwahns "Fußball-Europameisterschaft", bei der viele Firmen, anstatt sich zu sanieren, pleite gegangen sind, wo Stadien nur für 3 Spiele auf Zuschauerkapazitäten umgebaut wurden, die unsere Clubs nicht einmal zu 10% erreichen. Und das alles gilt es nun zu erhalten.

Für Linz bin ich da schon zuversichtlicher: Linz09 hat der Stadt ein bleibendes Facelifting verpasst
Ohne Linz09 sähe die Stadt heute anders aus. Die Ernennung zur Kulturhauptstadt und die darin erkannte Chance, Klischees über die Industriestadt loszuwerden, brachten einen massiven Geldfluss für den Städtebau in Bewegung. Plätze und Boulevards wurden generalsaniert, ganze Viertel rund um den Mariendom oder den Bahnhof umgekrempelt.
Der Bau der Linzer Oper, um den 20 Jahre lang gestritten wurde, ist schließlich gestartet worden, das alte Schloss glänzt nun mit einem neuen Glastrakt, das Ars Electronica Center pflanzte man größer und dank Diodentechnik funkelnder als zuvor ans Donauufer. Etwa 440Millionen Euro schwer sind allein die genannten Projekte, die auch in Zukunft getragen werden müssen.

Auch die Kirchen- und Salonkultur haben sich in Linz etabliert: Auch die Linz09-Projekte, die in Kooperation mit der Diözese entstanden sind, haben sich zum Überraschungserfolg entwickelt. An der Finanzierung wird gearbeitet: relativ fix ist schon jetzt, dass die Eremitage im Mariendom weiterhin gebucht werden kann. Allerdings nicht mehr kostenlos: 560 Euro pro Woche inklusive spiritueller Begleitung kostet die Nobelkartause in 65Meter Höhe in Zukunft.

George Gagnizde als Scarpia bei der Premiere an der New Yorker Met. Tosca ist Karita Mattila
In Weimar freut man sich, dass in der "Rigoletto"-Premiere (7. November, schon wieder "Rigoletto" - das fällt nun schön langsam auf) ein Weltstar singt. Zu dem wurde George Gagnidze erst vor einigen Wochen, als er an der New Yorker Metropolitan-Opera als Einspringer (zuvor Cover) für den erkrankten Juha Uusitalo die Chance seines Lebens bekam. Es klingt wie ein modernes Märchen: Wie so oft im Künstlerleben stand Gevatter Zufall Pate. Denn eigentlich sollte Juha Uusitalo die "Tosca"-Premiere singen, Gagnidze war als B-Besetzung für weitere Vorstellungen gebucht. Doch vier Tage vor der Premiere erkrankte der Finne, und Levine bat den Weimarer Gast, bei den Proben eben mal eine Szene in der Luc Bondy-Inszenierung zu singen. Anschließend habe der Maestro sich mit einem geschäftsmäßig üblichen "Okay, thank you" bedankt, berichtet Gagnidze. Tags darauf instruierte Levine ihn lapidar: "Du singst die Generalprobe und die Premiere." - Unfassbar!

Freilich, für Weimar ist er praktisch verloren, er hat derzeit so viele Angebote (und einen Agenten, der sich für ihn den Arsch aufreißt), dass er in Weimar nicht verlängern kann. Aber trotzdem freuen sich die Weimarer für ihn!

Auch Christoph Schlingensief macht wieder von sich reden - und haut alle in die Pfanne. Ich bin da schon weit sensibler. Seit ich von seiner Erkrankung weiß, werden seine Wortmeldungen von mir nicht kommentiert. Also zitiere ich bloß aus der Zürcher Zeitung: Er geht sein Thema von weither an, mit langem Atem, obwohl ihm seit seiner schweren Krebserkrankung vor bald zwei Jahren eine Lunge fehlt. Christoph Schlingensief sagt zwar, er sei nun «langsamer unterwegs». Doch alles ist relativ; und wenn der Langstreckenredner während knapp dreier pausenloser Stunden aus seinem Künstlerleben erzählt, klingt es immer noch nach beträchtlichem Aktivismus. Eine Frage des Temperaments und seiner kabarettistischen Umsetzung: Schlingensief erwies sich am Mittwochabend im vollen Saal des Zürcher Schauspielhauses als charmant-bissiger Entertainer. Alle kriegten ihr Fett ab, die Grünen und die Dramaturgen, der Prenzlauer Berg und das Schweizer Bankenwesen, Richard Wagners Nachkommen und Matthias Hartmann. Daumen hoch hingegen für Barbara Frey – sie hatte ihn ja eingeladen mit dieser Benefiz-Veranstaltung.

Popstar Robbie Williams hat seinen Auftritt kommende Woche in Berlin abgesagt. Der britische Sänger könne wegen „Terminproblemen“ nicht bei den MTV Europe Music Awards am 5. November in der O2 World auftreten, sagte eine MTV-Sprecherin am Freitag.


Heidi Klum warf ihren Juror aus der Show

Als ich gestern das Photo von Christoph Wagner-Trenkwitz auf der Startseite veröffentlichte, gab es Proteste: "wir wollen Heidi Klum". Der Wagner-Trenkwitz ist gewiss ein fescher Mann, mit dem Topmodel kann er natürlich nicht mithalten. Deshalb hole ich das Klum-Photo heute nach und liefere gleich eine "Enthüllungsstory" mit. Klum hat nämlich ihren Juror aus "Deutschlands nächstes Topmodel" geworfen - und der rechnete im ersten Moment mit ihr ab. Nach einer Nachdenkpause relativiert er nun aber, plötzlich ist alles halb so wild. Aber uns interessiert die Abrechnung natürlich mehr als das "Halbsowilde":
„Ich habe nach der letzten Sendung über Monate nichts von Heidi gehört. Sie ist da knallhart. Wenn sie in ihren Augen einen besseren Jury-Partner findet, nimmt sie ihn sich. Ganz einfach. Sie ist mehr Manager als Model.“

• Ihre Zickigkeit: „Sie ist oft streng mit Mädchen, die zickig sind. Dabei kann Heidi selber nur ganz schlecht Kritik vertragen.“

• Ihre gespielte Harmonie: „Wenn die Kameras ausgehen, sind wir keine fröhliche Großfamilie mehr. Nach Drehs verbrachte Heidi keine Minute zu viel mit ihren TV-Mädchen oder dem Team.“

• Ihre Arroganz: „Nicht einmal enge Vertraute, wie ich als Juror, haben ihre Privatnummer. Ich wollte ihr zum Baby gratulieren, doch ich bekam keine Adresse.“


Da kann ich den guten Mann trösten. Auch mir hat Heidi Klum weder Privatnummer noch Adresse gegeben.

Schönes Wochenende wünscht

A.C.
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Sonntag, 1. November 2009

Herheims "ROSENKAVALIER" - Inszenierung hat heute in Stuttgart Premiere

Verzweifelt habe ich heute eine erste Nachtkritik des Münchner "Don Giovanni" gesucht, meine Mühe war vergebens. Zwar beklagte man sich in den Münchner Zeitungen über das 0:0 der Bayern in Stuttgart, aber was soll da ich sagen. "Mein Verein" unterlag gestern 0:5, zum Glück bin ich ruhiger geworden und bereits zur Pause gegangen. Früher hätte ich in diesem Fall das Abendessen verweigert und sogar meine Hunde hätten sich in eine Ecke verdrückt. Nach einem verloren gegangenen Fußballspiel ist man mir besser aus dem Weg gegangen. Heute ist das alles anders!
Sie dürfen sich natürlich nicht von den Don Giovanni-Photos schrecken lassen, die Presse in ihrer Sensationsgier sucht natürlich immer die größten Aufreger aus. Nachdem mein erster Blick frühmorgens immer der Statistik des Tages zuvor gilt, suche ich auch die Photos "nach Quote" aus. Aber ich habe gestern eine Photostrecke mit ziemlich "normalen" Don Giovanni-Photos aus
der Münchner Neuproduktion gezeigt. Also erst einmal abwarten, entrüsten können wir uns immer noch!
Zu Stuttgart habe ich die Brücke bereits mit den Fußballschlager hergestellt, nun kommt die nächste Gemeinsamkeit der Schwaben mit den Bayern
zur Sprache: auch in Stuttgart ist heute eine Opernpremiere zu erleben.
Stefan Herheim inszenierte den "Rosenkavalier" - und damit ein Werk, das er nicht besonders zu lieben scheint: "Der Rosenkavalier war nie mein
Wunschstück und ich verstehe durchaus, warum dieses Stück in den letzten Jahrzehnten ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Ich liebe aber die Musik schon seit meiner Kindheit sehr und wollte mich deshalb mal heranwagen -
aber nur an einem Haus wie der Stuttgarter Staatsoper, das die Intimität bietet und die Herausforderung wagt, ein Stück wie dieses in meiner Regie anzugehen".
Herheim hat schon einige bemerkenswerte Inszenierungen abgeliefert und ist ausgebildeter Musiker (Cellist), sein Vater war Bratschist. Auch ihn verschlug es in das "Opernwunderland Deutschland" mit der weltweit größten
Dichte an Musiktheatern. Frage: Sie sind in Norwegen aufgewachsen, leben aber seit 1994 in Deutschland. Fühlen Sie sich in der deutschen
Regie-Tradition zu Hause? Herheims Antwort: Ja, sehr. Mit zwanzig war mir klar, dass ich mich in Norwegen fachlich nicht weiterentwickeln konnte, da die Tradition und gesellschaftliche Bedeutung der Oper dort relativ geringfügig ist. Und so kam ich mir in meiner Liebe zur Oper da immer ein
bisschen wie ein linker Paradiesvogel vor, was gelegentlich Wut und Verzweiflung hervorbrachte - schließlich wollte ich aus meiner Leidenschaft
einen Lebensberuf machen und verstand die Arbeit mit Musiktheater zunehmend als Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit, nicht als Flucht in eine künstliche Gegenwelt.

Wir merken, was in Deutschland alles möglich ist und warum es die Künstler nach Deutschland zieht. Wir sind also gespannt auf Herheims "Rosenkavalier" -Version!
Sebastian Weigle ist des vielen Reisens müde und möchte viel Zeit in Frankfurt verbringen. Eigentlich ist das ja auch ein schönes Leben: immer wieder einmal abtauchen, im Süden Sonne tanken, selbst im Spätherbst noch bei milden Temperaturen auf der Piazza sitzen und im Freien speisen. Doch für Sebastian Weigle war der ständige Wechsel zwischen Frankfurt und
Barcelona alles andere als purer Genuss einer geschickt arrangierten Dolce Vita: Als der Dirigent im September 2008 hier sein Amt als neuer Generalmusikdirektor (GMD) der Oper Frankfurt und Leiter des Museumsorchesters antrat, war er "nebenbei" auch noch Chef in Spanien.
Dieses und die damit verbundene "Pendeldiplomatie" sind im Kulturbetrieb keine singulären Erscheinungen, doch Weigle, der im Januar und Februar dort
vertragsgemäß noch Wagners "Tristan und Isolde" zu dirigieren hat, mochte auf Dauer so nicht weitermachen: "Es ist nicht nur eine für die persönliche Gesundheit bedeutsame Entlastung", sagte Weigle im Gespräch mit dieser Zeitung, "als GMD möchte ich vor Ort so viel wie möglich ansprechbar sein, Präsenz zeigen". An Frankfurt hat er sich inzwischen nicht nur gewöhnt, sondern auch entdeckt, dass man hier wohnen und dennoch Lebensart genießen
kann.
In Klagenfurt hatte Stephen Sondheims Musical "Sweeney Todd" Premiere: Im
Laufe des Geschehens geht dem Ganzen dann allmählich die Luft aus. Die Inszenierung lebt von schnell wechselnden Bildern, die an Akteure wie Publikum hohe Anforderungen stellen. John Owen Edwards führt das Kärntner Symphonieorchester souverän durch die schwülstige Partitur, Chor und Statisterie runden eine gediegene Ensembleleistung ab.

Merker-Mitarbeiter Marc Rohde ist mit seinem (Neben)Job als Direktor eines noch nicht existenten Theaters stark beschäftigt. In Friedberg/Wetterau müssen noch beträchtliche Mittel zusammengekratzt werden. Aber man hilft
einander, nicht nur die Stadtväter, sondern sogar die zukünftige Konkurrenz.
Das Theater Bad Nauheim spielt eine Benefizvorstellung zu Gunsten des Friedberger Theaterbaus. Bekanntlich wird ein altes Hallenbad zu einem neuen Theater umgebaut. Bislang existiert nur das Modell (und das alte Bad) - zu sehen in Aktuelles in dieser Webseite!

Küssen als Kunstwerk! Zumindest in Berlin
Auf Einladung eines Opernregisseurs haben sich 17 Paare auf dem Berliner Gendarmenmarkt mit Unterbrechungen eine halbe Stunde lang geküsst. Die Videoaufnahmen will Regisseur Christoph Hagel bei der Opernaufführung der Oper "Così fan tutte - Sex, Lügen & TV" Mitte November in Berlin zeigen.
Hagel zeigte sich begeistert von der "gefühlvollen Ausdauer" der beteiligten
Paare. Als Belohnung für die Lippen-Leistung bei sechs Grad Kälte und strahlendem Sonnenschein gab es anschließend Glühwein. Die umgeschriebene
Mozart-Oper läuft vom 18. November bis zum 20. Dezember in der Berliner Veranstaltungshalle E-Werk. Leider haben wir den Aufruf zur Aktion verpasst, sonst hätten Sie mitküssen können! Die Kunst-Küsserei fand bereits am Samstag statt!
Unter`m Strich können wir in Österreich mit der "Unsportlichkeit des Jahres" aufwarten. Der Manager des Damen-Handballclubs Hypo Südstadt, Gunnar Prokop (Gatte der verstorbenen Innenministerin und untadeligen Weltklassesportlerin Liese Prokop), lief in den letzten Sekunden das Damen-Handball-Europacup-Spiels gegen die Französinnen aus Metz auf das
Spielfeld und rammte eine Spielerin, die soeben zum Torwurf ansetzte.
Dadurch konnte Hypo das Spiel unentschieden halten. Im Fußball wäre so etwas nicht möglich, denn Fußballer agieren wie Schauspieler. Der getroffene Spieler wäre zu Boden gegangen, seine Betreuer hätten nach dem Notarzt und womöglich nach einem Priester gerufen und das Spiel wäre zu Ende gewesen.
Nix mit Unentschieden - Abbruch! Sind Frauen gar schlechtere Schauspielerinnen?
Und aus Köln kommt die Meldung, dass der Mime Uwe Ochsenknecht nun allein im Hotel wohnt. Nach der Trennung von seiner Frau Natascha sitzt Uwe
Ochsenknecht (53) jetzt für die nächsten Monate allein in einem Kölner Hotel. Die Aussicht aus dem Fenster ist nicht so toll - Köln eben: Wenn man nicht gerade Domblick hat, könnte es auch Castrop-Rauxel sein.

Reagiert Köln auf diese Beleidigung nicht? Wäre ich dort "Obi", würde ich den Schreiber dieses Vergleiches glatt auf die "Watchlist" setzen! Auf der von Castrop-Rauxel bin ich vermutlich schon.
Einen schönen Sonntag wünscht
A.C.

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Montag, 2. November 2009

Auf dem Dach des Containers erscheint das greise Alter Ego der Hauptfigur.
Photo: Wilfried Hösl

Am Montagmorgen präsentiert sich mir das gewohnte Bild. Aus Stuttgart, wo gestern Herheims "Rosenkavalier"- inszenierung Premiere hatte, ist in den Zeitungen noch nichts zu finden. Und der Münchner "Don Giovanni" gibt mir Rätsel auf. Ein Premierenerfolg war er sicher nicht, zu einem echten, publikumswirksamen Skandal hat er es auch nicht gebracht: Die passend auf den Allerheiligen-Vorabend gelegte Premiere der modernen Deutung des Don-Juan-Stoffes durch das Regie-Team um Stephan Kimmig wurde nach Strich und Faden ausgebuht. Das konservative Premierenpublikum der Bayerischen Staatsoper konnte mit der wirklichkeitsnahen Inszenierung so gut wie nichts anfangen.
Ein halbes Dutzend Schiffscontainer auf die Bühne soll die Rastlosigkeit der Menschen im globalisierten 21. Jahrhundert symbolisieren. Die angerosteten Behälter sind Liebesnest für Don Giovanni, Hinterhofkeller für wilde Sexpartys, Kühlraum für frisch geschlachtete Rinderhälften und neon-erleuchtetes Kochstudio für Don Giovannis Henkersmahlzeit.
Kimmig sieht den Frauenheld bei seinem Opernregie-Debüt als durchgeknallten skrupellosen Frauen-Verbraucher, der von einem zum andern one-night-stand hetzt und die wahre Liebe - wie sollte er auch? - doch nicht findet. Mal stellt er den Frauen im taillierten weißen Hemd mit gegeltem schwarzem Haar nach, mal im Goldgewand mit blonder Mähne, mal im modischen Anzug - die Sonnenbrille fehlt nie"


Das konservative Premierenpublikum konnte mit der wirklichkeitsnahen Inszenierung nichts anfangen! Ehrlich, ich verstehe das nicht. Kann mir das jemand übersetzen?

Etwas deutlicher wird da schon Markus Thiel im "Münchner Merkur": Das Ständchen, das Giovanni überraschend an Elvira richtet und damit viel von der gemeinsamen Vergangenheit verrät; die Tablettensucht Donna Annas – alles angedeutet und nicht weitergeführt. Oder wie die ablenkenden Videos Stimmungsverstärker und daher so entbehrlich wie Glutamat im China-Restaurant. Immerhin, am Schluss wird mit Frischprodukten gebruzzelt: Giovannis letzte 20 Minuten als Slapstick-Kochshow. Hochkomisch. Aber ein Aufreger? Da gibt’s an der Bayerischen Staatsoper – „Aida“ hin, „Lohengrin“ her – wahrlich gröbere Entgleisungen.

Ich muss mir das alles erst genau durchlesen - und das empfehle ich auch Ihnen. Jedenfalls erkenne ich Pinguine auf dem Szenenphoto. Die hat es bei "Don Giovanni" sicher noch nirgends gegegeben!

Ich gehe davon aus, dass wir noch mehr über Stefan Kimmigs Don Giovanni lesen werden. Einen großen Wurf herbeischreiben, wird wohl keinem Kritiker gelingen. Aber das habe ich vorige Woche aus anderem Anlass bei einer Wiener Kritik auch geschrieben und prompt meinen Wetteinsatz verloren. Die Welt steckt voller Überraschungen!

Überhaupt war München dieses Wochenende das Zentrum des Interesses, in Wien war nicht viel los. In der Münchner Olympiahalle wurde ein Riesenspektakel, "Ben Hur", gezeigt - und da wusste man wenigstens von Anfang an, was einem erwartet: ein spektakuläres Wagenrennen:

Das allein wäre bereits abendfüllend. Dabei ist es keineswegs so, dass diese gut zweistündige Inszenierung mit Schauwerten geizt. Die Geschichte des Juden Ben Hur, der unschuldig zur Sklaverei verurteilt wurde, dann Adoptivsohn eines Römers wird, zurück nach Judäa kehrt und dort seinen einstigen Freund Messala im Wagenrennen schlägt, lebt von Opulenz.
Und nur dadurch funktioniert das Konzept, an dessen Verwirklichung Franz Abraham 15 Jahre gearbeitet hat. Seine Version des Romans, den Lew Wallace 1880 veröffentlichte und dessen Verfilmung aus dem Jahr 1959 mit Charlton Heston Oscar-prämiert ist, setzt auf Überwältigung: Der Zuschauer bekommt so viel zu sehen, dass er nicht weiß, wo er zuerst hinschauen soll
Die Darsteller sprechen Latein und Aramäisch. Über banale Texte hat sich also niemand beschwert!

Wem "Don Giovanni" und "Ben Hur" nicht gereicht hat, der konnte in München noch im Deutschen Theater ein "Jodical" geniessen: „Die Alpenköniginnen“ heißt das Stück, das jetzt vier Mal im Deutschen Theater zu sehen ist. Ein Jodical ist es geworden. Eine Geschichte um zwei nymphomanische Sennerinnen, deren Gejodel die Burschen in ihr Unglück führt. Bis der Berggeist Edammerich eine Käseglocke über die Alm der Sennerinnen stülpt, um endlich Ruhe zu haben.

Aber es wird auch anderswo etwas geboten. In Bremen hat das Musical "Marie Antoinette" gefloppt und die Intendanz in Schwierigkeiten gebracht, nun setzt man dort auf eine sichere Bank: auf nackte Haut. "Nackt" heisst das Musical, das auf Schnitzlers "Reigen" basiert.


Nackt sind aber in erster Linie die Blößen, die sich die Regie gibt: Bei „Nackt!“, einer Aneignung des Stückes, die jetzt am Musical Theater Bremen uraufgeführt wurde, hat der Wille zur Dezenz oder auch nur zur anspielungsreichen Bemäntelung offenbar nichts verloren. Vielmehr wird die Fabel überpointiert – in sexuellen Gesten und Lauten, durch sporadische Entblößungen des Personals und durch dessen Rabiatrhetorik mit den üblichen verdächtigen Pfui-Wort-Hülsen.

Während dessen streitet man in Wien, wie hoch das Defizit der "Vereinigten Bühnen" nun wirklich ist, ein glückliches Händchen haben die Polit-Intendanten in letzter Zeit wirklich nicht bewiesen. "The Producers" - die mir eigentlich ganz gut gefallen haben - floppen angeblich auch in Berlin (bitte um Rückmeldungen, ob das stimmt oder ob das eine Wiener Schutzbehauptung ist), aber in den Mayerling-Schmarren "Rudolf" bringt man ganz einfach keine Leute rein - zumindest nicht zu Normalpreisen!

Unter'm Strich will man uns Wien ohne Sachertorte und Walzerseligkeit zeigen. Wir Wiener leben das zwar jeden Tag - aber wo kämen wir denn da hin, wenn man uns unserer Klischees beraubt. "Alles, nur keinen Walzer, bitte! Wir haben eine kleine Rebellionsreise nach Wien unternommen: Tage ohne Sisi, Dreivierteltakt und Sachertorte. Wir fanden Mafiakappen und einen Ort mit striktem Strudelverbot "

Ich beginne nun mein Tagwerk - ob ich heute an einer Torte vorbei komme, weiß ich zwar nicht, aber Walzer tanze ich mit Sicherheit keinen.

Somit wünsche ich eine schöne Woche!

A.C



Dienstag, 3.11.2009

Wenn Stefan Herheim eine Oper erzählt, dann geht es um große Themen und opulente Bilder. Bei seinem mit Spannung erwarteten "Rosenkavalier" in der Stuttgarter Staatsoper ist das nicht anders. Die Feldmarschallin ist für ihn die von Jupiter auf einem Stier geraubte Europa, und dieser "Rosenkavalier" entsteht in ihrem Kopf. Es ist ein Blick zurück auf ihr Leben, auf unerfüllte Sehnsüchte, auf verdrängte Sexualität, auf beschnittene Freiheiten. Wandbilder werden lebendig, Träume und Realitäten überlappen sich.

Viele Kritiken sind am zweiten Tag nach der Premiere noch nicht zu lesen, der Münchner "Don Giovanni" beherrscht die Gazetten. Stefan Herheim inszeniert auch weniger marktschreierisch, irgendwie auch seriöser im herkömmlichen Sinn, mit Problemen überhäuft er seine Zuschauer freilich auch. Dabei hatte er diese am Anfang selbst:

Eine Reihe von Pannen prägt den Beginn. Ein Vorhang klemmt, der Schnabelschuh des Mohren landet im Orchestergraben, die Verwandlungen der Bühne sind mit störenden Nebengeräuschen verbunden. Auch nervt das dauergeile Personal, das das Erzählen der eigentlichen Geschichte verhindert. Zwischen Octavian (mit manchmal etwas zu viel Mezzopower: Marina Prudenskaja) und der Feldmarschallin (farbenreich, aber in der Höhe etwas wackelig: Christiane Iven) entsteht keine Beziehung. Die beiden stehen meist etwas unbeholfen herum oder werden vom rustikal-rammelfreudigen Baron Ochs auf Lerchenau (souverän bis in die Tiefen der Partitur: Lars Woldt) betatscht.

Es liegt auch an der Musik, dass dieser "Rosenkavalier" schwer in Gang kommt. Das Staatsorchester Stuttgart kann unter der Leitung von Manfred Honeck vor lauter Kraft kaum laufen. Der perlende Konversationston der Oper wird im Fortissimo erdrückt, den Holzbläsern fehlt die Eleganz.

Schauen wir nun in eine andere Zeitung: "Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein," singt die Sophie am Schluss von Richard Strauss' "Rosenkavalier". In Stefan Herheims Neuinszenierung an der Staatsoper Stuttgart hält die Wirklichkeit - so sehr über ihr das Millionenmeer der Sterne glitzert - wenig Traumhaftes bereit; ein pessimistischer Blick auf Männer und Frauen. Die "Komödie für Musik" wird aus der Perspektive der Feldmarschallin erzählt, gleichzeitig spiegelt sich im persönlichen Drama einer Frau europäische Geschichte: von der Geburt in der Antike bis 1900. So kurzweilig und fantasiegesättigt der Abend war - hat der Regiestar das Werk mit Bildern überladen?

Er bekam Buhrufe, ohne die es heute offenbar nicht abgeht? Oder doch? Matthias Hartmanns etwas beliebige Wiener "Lady Macbeth von Mzensk" kam weitestgehend ohne Missfallenskundgebungen über die Rampe. Ein Patentrezept gibt es nicht, anscheinend ist auch das Publikum bereits ziemlich "zerrissen". Frederico Tiezzi inszenierte in Berlin "Simone Boccanegra" als Kostümschinken fernab jeder Modernität, Stephan Kimmig verlieh seinem Münchner "Don Giovanni" sehr schräge und schrille Szenarien. Beide so unterschiedlich agierenden Regisseure wurden ausgebuht! Was gefällt also dem "typischen Opernpublikum?" Diese Frage ist wohl nicht mehr zu beantworten, Berufungen auf den "Publikumsgeschmack" sind daher reine Spekulation!

Prompt sind wir wieder in München gelandet: Scena ultima in München: Don Giovanni hat es über der Spüle seiner schicken Herdzeile banal mit einem Herzkasper dahingerafft, nachdem er dem Komtur noch überaus markig die Hand zu schütteln wusste. Bereuen? Nicht Don Giovanni! Der Komtur war (im Bischofsornat) nicht alleine erschienen, sondern als spitzenformeller Bestandteil einer Kette von Klerikern und Bundeswehrgenerälen. Gleichzeitig stirbt im Video (Benjamin Kriegs Einspielfilme sind ständiger Begleiter des Geschehens auf der Bühne von Katja Haß) ein Mann, der verdächtig wie der Terrorist Holger Meins ausschaut, während eines Spießrutenlaufens im Gefängnistrakt.

Nicht jeder mag diese bunten, schrillen Bilder - wie aus einem Kinderbuch! Auch Musikchef Kent Nagano kommt nicht gut weg: Der Dirigent Kent Nagano, und das ist im Grunde genommen das ärgere Kapitel, ist Kimmig keine Hilfe. Nagano, bisher mit impressionistischen Studien sehr, mit Wagner leidlich erfolgreich, kapituliert nach einigen Kavalierstarts dauerhaft vor Mozart. Alles, was er dem Orchester mitteilen mag, sind Sekundeneinfälle, Instantideen.

Und wer hat das Desaster eigentlich verschuldet, wer den Regisseur, der angeblich nicht wirklich diesen "Don Giovanni" inszenieren wollte, erst dazu überredet: Intendant und Österreich-Export Klaus -Nikolaus Bachler, der sich vom Publikum nicht nur bloß unverstanden, sondern sogar "gehasst" fühlt: Die neue Spielzeit fängt an, wie die alte geendet hat. Auch im Juli bei „Lohengrin“ tobte das Haus. Opern-Chef Nikolaus Bachler muss sich eingestehen: Das Stamm-Publikum hasst mich und meine Aufführungen. Der Witz daran: Beide Male waren die Inszenierungen gar nicht schlecht. Bachler wagt etwas, holt Theater-Regisseure, die bereit sind, die Opern ganz neu zu entdecken.

Was ist nun Hass? Übertreibt das Herr Bachler in gewohnter Theatermanier, rückt er seine Person wieder in den Vordergrund? . Um jemand zu hassen, muss er mir nahe stehen. Ich bin überzeugt, Herr Bachler ist den meisten Münchnern persönlich ziemlich "wurscht". Und über Leute, die aus der sicheren Deckung des Auslandsjobs auf die Regierung jenes Landes, von dem sie bisher ganz gut gelebt haben, Spott und Hohn schütten, habe ich ohnedies meine eigene, wenig schmeichelhafte Meinung!

Also wieder eine neue Meinung - ausgerechnet die "Bild-Zeitung" findet die Inszenierung gar nicht so schlecht! Und die "Abendzeitung" stellt sich die Frage, warum sich immer mehr Schauspielregisseure an Oper versuchen und letztlich daran scheitern müssen:

Der neue „Don Giovanni“ ist also eher ein Fall schwachen Regietheaters. Natürlich kann man sich fragen, wieso es schon wieder ein Mann vom Schauspiel sein musste. Die Antwort gäbe ein regelmäßiger Besuch der Kammerspiele oder des SpielArt-Festivals: Gerade von Seiten des Sprechtheaters her verwischen die Grenzen zum Musiktheater, so dass ein Austausch erfrischend sein kann. Der Erfolg von Andreas Kriegenburgs „Wozzeck“ beweist es.

Und was wäre die Alternative? Die Dirigentenoper im Stil von Riccardo Muti oder weiland Herbert von Karajan verwandelt das Theater in einen Konzertsaal und degradiert den Gesang zu Hintergrundmusik. Die Sänger-Oper alten Stils geht mit den Werken nicht weniger rücksichtslos um als das Regietheater, wenn sie das Ornament zum Selbstzweck erklärt. Übrigens: Was Pianisten wie Ivo Pogorelich mit den Noten anstellen, ist nicht weniger wild als die Einfälle vieler Theaterleute. Am Klavier geht dergleichen, weil nicht mit verstörenden Bildern verbunden, als Persönlichkeit durch.

Zur Oper gehört die verklärende Sehnsucht nach alten, angeblich glücklichen Zeiten, als die Theaterwelt noch in Ordnung war. Kimmigs „Don Giovanni“ ist gewiss kein Aufreger, der nach ein paar Jahren zum Klassiker erklärt wird. Theater muss ein Ort des Ausprobierens bleiben – mit dem Risiko des Scheiterns. Dass nach dieser Aufführung die Wogen höher schlagen als nach jeder Schauspielpremiere, beweist: Das interpretierende Theater deutschen Stils mit der starken Stellung des Regisseurs ist lebendig. Und die Oper ist das Gegenteil vom Museum: Hier gibt es noch heftige Gefühle.

An anderer Stelle dieser Presseschau wird das Thema "Berufsjubler im Publikum" angesprochen. Es gibt sie tatsächlich, die Leute, die jeden Schmarren bejubeln - und diese schaden dem Theater zumindest ebenso wie jene, die jegliche Weiterentwicklung schon aus Prinzip ablehnen.

Sorgen mit der Inszenierung hatte man im Konzerthaus Dortmund nicht, dafür ist auch das Presseecho weitaus geringer. Harding dirigierte einen konzertanten "Tristan" und begeisterte: Stardirigent Daniel Harding braucht gar nicht ein so großes Orchester, wie es sich Wagner für seinen "Tristan" vorgestellt hat. Ihm reicht auch ein Dutzend Streicher weniger, um das Publikum mit dem Liebesdrama in einen Rausch zu spielen und Wagner unerhört mächtig und mitreißend laut klingen zu lassen. Der 34-jährige Brite brannte am Freitagabend am Pult des exzellenten Mahler Chamber Orchestras (MCO), bei der konzertanten Aufführung des zweiten "Tristan"-Aktes und Vorspiel im Konzerthaus Dortmund vor Emotionen. Glühend und mit einer gewaltigen Intensität schüttete er unermüdlich Öl ins Feuer, das das NRW-Residenzorchester aus jedem Takt lodern ließ. Lustvoll schaufelte Harding in gewaltigen Klangmassen, wühlte in überbordener Emphase und ließ die Musik schon im Vorspiel vor tiefen romantischen Emotionen überlaufen. Ein aufwühlender, hoch spannender Wagner eines jungen Wilden im Liebes- und Klangrausch.

Beim Gesangswettbewerb "Neue Stimmen" in Gütersloh, gewiss nicht einer der unwichtigsten, dominierten die Südkoreaner. Das ist eine Entwicklung, die zu denken gibt. Deuten Sie diese, wie Sie wollen.

In Wien schneit es heute früh, das wiederum gibt mir zu denken. Ich bin immer noch "Sommer bereift"!

Einen schönen Tag wünsche ich. Wenn Sie die Möglichkeit dazu haben, bleiben Sie besser in der Wohnung! Ich muss nun meine Hunde satteln und raus aus der guten Stube.
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Mittwoch 4.11.2009

Die Marschallin (Christiane Iven) ist "Europa". Szene aus Stephan Herheims Stuttgarte