DER NEUE MERKER

Nummer 127 (17. Jahrgang, Juli/August - 2006)
06.07.08 12:23:22
Anton Cupak

Interview, 09/2007: Anna RYAN, Der Agent ist wichtiger als der Ehepartner

Interview mit ANNA RYAN, Abigaille und Gulnara innerhalb von 23 Stunden!

Die aus Armenien stammende Sopranistin Anna Ryan lebt seit mehr als 15 Jahren in Wien. Gastspiele führten sie sie bereits in mehrere Kontinente (auch nach Südamerika). Den Sommer 2007 verbrachte sie jedoch in Wien, sie war die Abigaille der NABUCCO-Produktion von St. Margarethen. Der Römersteinbruch fasst immerhin an die 6.000 Besucher – alle Vorstellungen waren ausverkauft. Obwohl Anna Ryan namhafte Partner aus der internationalen Opernszene hatte, konzentrierte sich das Interesse der Besucher – wie Pausengesprächen zu entnehmen war – auf d i e Abigaille mit der großen Ausstrahlung, neben der sogar Sänger der Titelrolle verblassen müssen– eben Anna Ryan. Die herrschsüchtige Tochter Nabuccos – für diese Rolle stiess Verdi in für sein damaliges Schaffen völlig neue Sopran-Dimensionen vor – ist Anna Ryan praktisch auf den Leib geschrieben. Nach Ende der Nabucco-Serie führten wir mit Anna Ryan folgendes Gespräch:

Frau Ryan, Sie haben in der Endphase der Margarethner NABUCCO-Serie innerhalb einer Woche 5 Mal die Abigaille gesungen. Diese Rolle ist nicht unproblematisch zu singen. Hatten Sie damit keine Probleme?

Überhaupt nicht, ich hätte gerne noch so eine Serie drauflegen können. Die Probleme hatte ich eher in der Anfangszeit der Produktion, in der ich auch noch die für mich bis dahin völlig unbekannte Rolle der Gulnara in Verdis IL CORSARO für die „Opernwerkstatt Wien“-Aufführungen in der Rossauerkaserne einzustudieren und auch einen Tag nach meiner ersten Abigaille zu singen hatte. Als ich das geschafft hatte, wusste ich, dass mich nichts mehr erschüttern kann.

Der Sommer 2007 gehörte also Verdi. Sind sie ein „italienischer Sopran“?

Viele meinen das und raten mir, unbedingt im Italienischen Fach zu bleiben. Ich liebe Verdi, aber Freunde meinen, dass ich ihnen im Verismo-Fach besonders gut gefallen habe. Ich bin jedoch auch neugierig auf andere Komponisten als die italienischen. Und – ich lerne unheimlich rasch. Als mir die FIDELIO-Leonore 2003 vom Brünner Janacek-Theater angeboten wurde – sagte ich sofort zu – und musste diese Rolle praktisch in wenigen Tagen für mich erst erarbeiten. Niemand hat bei den Proben gemerkt, dass dies meine erste Begegnung mit diesem Werk war – und es wurde ein großer persönlicher Erfolg für mich.

Noch knapper war es mit einem Leoncavallo- Einakter – wie ich gehört habe

Ja, das war ein echtes Hasardspiel. An einem Freitag wurde mir die Rolle der Fleana in Leoncavallos praktisch unbekannten Einakter ZINGARI von Opernhaus in Banska Bystrica angeboten. Am darauffolgenden Montag hatte ich noch in Wien ein Konzert zu singen, unmittelbar nach diesem Auftritt fuhr ich die ganze Nacht mit dem Auto in die Ostslowakei, um am Dienstagmorgen voll studiert mit den Proben zu beginnen. Dabei ist diese Rolle sehr exponiert. Ich bin ein echter Profi – und ich bin stolz darauf!

Moderne Opern

Kein Problem für mich – wie gesagt, ich lerne schnell. Bei der Produktion DER KAISER VON ATLANTIS bei der „styriarte“ war ich engagiert. Und wenn Sie Britten auch zu den „Modernen“ zählen – die Lady Billows in ALBERT HERRING im Wiener Jugendstiltheater hat mir und auch dem Publikum sehr viel Freude bereitet.

Deutsches Fach?

Wahnsinnig gerne. Die FIDELIO-Leonore mache ich schon wieder in einer Neuproduktion. Der Stralsunder Intendant Anton Nekovar hat mich in Brünn erlebt und holt mich nun für seine Neuinszenierung dieser Oper an „sein Haus“. Die SALOME wurde mir schon einmal angeboten – leider ließ sich das damals nicht verwirklichen. Von den „4 letzten Liedern“ von Richard Strauss habe ich sogar eine DVD-Aufnahme. Mit Wagner wollte ich mir noch etwas Zeit lassen. Aber jetzt – ja, eigentlich jetzt wäre ich bereit. Ich denke da zuerst einmal an die Sieglinde. Aber die muss mir natürlich erst einmal jemand anbieten.

Ist diesbezüglich etwas in Aussicht?

Nichts Konkretes! Wichtig ist für mich, jetzt einen wirklich guten Agenten zu finden. Die Wahl des Agenten ist für uns Sänger wichtiger als die Wahl des Ehepartners. Im Moment mache ich vieles mit einem Freund alleine – und wie Sie sehen, durchaus nicht ganz erfolglos.

Mit diesen Erfolgen müsste das doch möglich sein

Ihr Wort in Gottes Ohr!

Das Gespräch führte Renate Riener am 2.9.2007

Ps.: Anna Ryan ist zu erreichen über anahit@tele2.at bzw. Management: pavelstrasil@chello.at.

Photos in der Merker-Bildergalerie!

 

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Wien, 2010.09.05 22:22:35