DER NEUE MERKER

Nummer 127 (17. Jahrgang, Juli/August - 2006)
06.07.08 12:23:22
Anton Cupak

Interview, 00/0000: [F]Piotr BECZALA, „Ich bin ein glücklicher Tenor, der das singt, was am schönsten ist.“[F]

Interview mit PIOTR BECZALA:
Bei 37° im Schatten treffen wir uns am 19.7.2007 im Münchner Nationaltheater vor einer „Rigoletto“-Probe auf ein gutes halbes Stündchen.
Eigentlich transpirieren wir ja kollektiv bei diesen Temperaturen, aber der wohlgelaunte Herr Beczala meint: „Das ist ja kein Schwitzen; gestern, das war Schwitzen!“ – beim Werther mit drei- bis vierfacher Oberbekleidung ...

Nebst einer Gratulation zum überwältigenden Werther vom Vortag überreichen wir (eine liebe Bekannte begleitete mich) ein Merkerheft zur Vorstellung; der war jedoch bereits bekannt – wie schön.

Erstmals sah ich den polnischen Tenor bei einer Berliner Aids-Gala im Fernsehen mit Lehars „Dein ist mein ganzes Herz’. – Meine Güte, was für eine Stimme, dachte ich, und ganz und gar ohne jeden Makel, wo gibt’s denn sowas ...
„Sie sind zu nett“ – es klopft, wir bekommen ein Zeitlimit auferlegt wegen besagter Rigoletto-Probe ...

>> Was ist passiert, dass Sie Sänger werden wollten?
„Zufall...“ – Technikum in Polen; kurz vor der Matura vor einer Matheprüfung ausgebüchst und zu einem Chorvorsingen gegangen; das klappte sehr gut und führte von einem Chor zum nächst besseren. - „Das entwickelte sich alles zunächst ganz zwanglos und ohne Plan.“

>> Wichtige Ereignisse und Personen:
„JAN BALLARIN war mein Lehrer am Konservatorium in Kattowice mit abschließendem Sängerdiplom.“ – Bei PAVEL LISIZIAN und SENA JURINAC besuchte Beczala Meisterkurse. Beide wurden zu „Wegweisern“ für die Karriere, soll heißen, besonders Jurinac hat ihm die viel zu dramatischen Sachen, die er als Student in Angriff genommen hatte, aus dem Kopf geschlagen und ihm Mozart, Mozart, Mozart verordnet. – „Eigentlich verdanke ich Sena Jurinac, dass ich ein anständiger Sänger geworden bin. Wir sind immer noch in Kontakt und unterhalten uns regelmäßig über die wichtigen Dinge.“

>> In einem Interview war zu lesen, Sie hätten zunächst ziemlich wild drauflos gesungen, was man sich bei Ihnen gar nicht vorstellen kann, bevor sie einen Lehrer gefunden hatten, der Ihre Stimme „gerettet’ hat. – Wie war das?
„Seit inzwischen 14 Jahren arbeite ich regelmäßig mit dem amerikanischen Pianisten Dale Fundling in Salzburg. Er ist mein Vocal Coach, von ihm habe ich sehr viel gelernt, wir sind immer in Kontakt, treffen uns sooft wie möglich, etwa zum Studium neuer Rollen; auch bei den Recital-Aufnahmen war er immer dabei. Von ihm habe ich gelernt, ein ordentlicher Sänger zu werden. Jurinac, Lisizian und manch andere brachten zusätzliche Impulse und Anregungen. Ich versuche, von jeder großen Sängerpersönlichkeit, deren Weg ich kreuze, soviel zu lernen wie nur möglich.“ –
Und heute hat Piotr Beczala eine der kultiviertesten Tenorstimmen überhaupt.

>> Aktuell waren wir von Ihrem Werther überwältigt. Wann und wo haben Sie den zum 1. Mal gesungen?
„Schon in meiner 2. Spielzeit in Linz mit 25/26.J. – viel zu früh – ich hatte wohl das eine oder andere Problem, aber es hat damals schon viel Spaß gemacht, es war eine, wie man sagte, Kult-Produktion (manche Leute haben sich’s 8x angeschaut) und ich stellte fest, dass ich mich damals schon sehr gut mit Rollen wie dieser identifizieren konnte.“ –
In München haben sich Beczalas und Jürgen Roses Rollenauffassungen ziemlich gedeckt. Nach dem „Rosenkavalier“ am 15. hat Rose den Tenor „abgeschleppt“ und sie haben 2 Std. über die beiderseitigen Ansichten und Standpunkte diskutiert, wobei sie zu einem erfreulichen Konsens gefunden haben – „ ... unsere Visionen sind nicht weit auseinander“.

>> Ihr Werther war mehr normaler Mensch als bei der Premierenbesetzung, wo Werther etwas abgehobener wirkte und sein Leiden quasi masochistisch zu pflegen schien.
„Ich habe einfach gemacht, was ich mit jeder Rolle mache: Ich versuche, mich soweit wie möglich mit einer Rolle zu identifizieren und letztlich entscheidet das Publikum, ob das gelungen ist oder nicht.“
Angesprochen auf das sportliche Sichhinaufschwingen auf Roses Dichterfelsen: „Das habe ich richtig geübt, denn die Gefahr, dass sowas tollpatschig wirkt, ist groß. Da musste ich schon einen Trick anwenden, damit das sportlich genug aussieht, das ist schließlich kein normaler „Gang’.“

>> Zu unserer Freude werden Sie nun auch die beiden Festspiel-„Rigolettos“ singen. Schwierige Aufgabe bei der Hitze im Affenkostüm... (R: Dörrie) -
„Ich hab’ es noch nicht gesehen, habe bisher nur von der Affengeschichte gehört. Ich lasse mich überraschen, es wird sicher machbar. Duca ist zwar keine so tiefgründige Person wie Werther, aber ich glaube, auch im Affenkostüm wird es möglich sein, eine glaubwürdige Interpretation zu erstellen.“ - (... in der Tat - siehe unten)

>> Zukünftig werden wir Sie öfters in München sehen dürfen, auf jeden Fall mit weiteren Werthern und „Traviatas“: Gibt es da etwas, worauf wir uns freuen dürfen, was noch nicht in Ihrem Kalender aufgeführt ist?
„Es gibt schon Gespräche, aber mit dem Intendantenwechsel und so... Ich habe sehr viele Termine ... wir basteln jetzt bereits an der Spielzeit 2010/11..., es ist nicht ganz einfach, dazwischen noch was unterzubringen. – Im Übrigen bin ich sehr gerne hier in München! Ich hatte sehr lange darauf gewartet, hier zu singen, und bin schließlich erst auf Umwegen im vorigen Jahr dazu gekommen.“ („Traviata“ mit Harteros, auch CD, wieder nächste Spielzeit).

>> Auch die Wiener möchten gerne mehr von Ihnen hören und sehen, außer den bisher geplanten 3 Alfredos – ist da evtll. etwas in Planung, was Sie schon verraten dürfen?
„Es hat Terminverschiebungen gegeben, sodass ich nicht mehr alle vorher geplanten Projekte wahrnehmen konnte, sowas kommt schon mal vor im normalen Theaterzirkus – aber ich komme wieder zum Faust 2009.“

>> In Zürich wird es zugunsten weltweiter Termine zukünftig weniger werden.

>> Vor Kurzem ist endlich ein Arienrecital mit Ihnen und dem Münchner RFO aufgenommen worden (Orfeo) -
„Eine neue Erfahrung für mich – ein schweres Stück Arbeit, nicht zu vergleichen mit einem Opernabend oder Konzert, 4 Aufnahmetage zu 6 Std., das Repertoire keineswegs leicht ...“ – italienische und französische romantische Rollen: Werther, Des Grieux, Romeo sowie ein paar Raritäten; teilweise identisch mit dem Konzertprogramm von Bad Kissingen am 13. Juli. Dirigent ist wie dort und beim Festspiel-Werther Ion Marin. – „Ich hoffe, es wird sehr schön werden“.

Gemeinsam geben wir unserer Vorfreude auf das Konzert mit Strauss-Orchesterliedern unter Christian Thielemann mit den Münchner Philharmonikern Ausdruck (14., 15., 17. Feb. 08). Ein Tenor mit soviel strahlendem Glanz in der Höhe ist schließlich geradezu prädestiniert dafür! ... - und das Schönste, dass diese Lieder dann auch auf CD zu haben sein werden. –
„Auf diese Arbeit mit Thielemann bin ich schon sehr gespannt!“

Zitat aus der Merker-Kritik zum ROSENKAVALIER am 15.7.: “Das Sahnehäubchen auf dieser Festtagstorte war der mit prächtigstem Tenorstrahl glänzende Sänger von Piotr Beczala (… aus Glanz und Wonne komm’ ich her …).’

>> Apropos „Glanz und Wonne“ – Könnte der Lohengrin ein Fernziel sein? (weiterer Wagner muss ja nicht sein, damit der Glanz auch bleibt) ...

„Ich wusste, man wird auf Wagner angesprochen. Ich habe, was Wagner betrifft, ziemlich klare Vorstellungen, nämlich keine Ziele. Als Walter von der Vogelweide in Zürich hatte ich Gelegenheit, Musik und Kollegen zu beobachten.
Ein guter Alfredo oder Duca, ein lyrischer Tenor durch und durch, als welchen ich mich bezeichne, hat eigentlich bei Wagner nichts zu suchen. Man muss seinen Weg gehen.“ – Allerdings ...
„Mein berühmter Landsmann Jean de Reszke hat viele Male den Lohengrin gesungen und war doch ein überwiegend lyrischer Tenor.
Vielleicht (!) wäre Lohengrin eine Möglichkeit zur späteren Repertoire-Erweiterung. Aber Sprache, Musik, Phrasierung bei Wagner sind sehr schwer. Ich versuche, jede Musik so zu interpretieren, wie sie sein sollte - französische, italienische, Mozart – und Wagner ist da halt nochmal was ganz anderes.“

>> Dabei kann gerade der Lohengrin gar nicht italienisch genug klingen ...
„Man sagt so; das ist auch das Gesprächsthema mit den Wagner singenden Kollegen in Zürich. –
Lohengrin zu singen, wäre ja auch gar nicht so schwer, aber das Hauptproblem ist, dass wenn man einmal den Fuß in die Wagner-Tür gesteckt hat, man allzu leicht „von der Wagnerianischen Gesellschaft verschlungen’ wird.“ – Aber ich sage nie „nie’...“

>> Zwei wichtige Rollendebuts im Rahmen der Weiterentwicklung stehen bevor mit Ballo an der STO Berlin und dem Rusalka-Prinzen, zunächst konzertant in Cleveland – der wäre ja schon ein erster Schritt zum jugendlich Heldischen...
„Jein. Es ist keine dramatische Rolle, sondern eine sehr expressive. Ich singe ja auch den Hans in der verkauften Braut, der in Deutschland mit jugendlichen Heldentenören besetzt wird. Da ich zudem Tschechisch kann, geht das für mich recht gut.“ – Szenisch darf man sich auf Beczalas Prinzen bei der Salzburger „Rusalka“-Neuproduktion 2008 freuen.

>> Die unvermeidliche Frage nach der Lieblingsrolle ...
... und die unvermeidliche Antwort: „Jede Rolle, die ich gerade singe...“ – und dann: „Ich bin ein glücklicher Tenor, der das singt, was am schönsten ist!
Ich kann mir die Rollen selber aussuchen, niemand zwingt mich zu irgendetwas, das ist eine herrliche Sache. – Werther gehört natürlich zu meinen Lieblingsrollen, aber auch Faust oder „Traviata“. Als ich kürzlich mein Edgardo-Debut (Lucia) hatte, war ich ganz süchtig nach dieser Musik...
Es gibt keine Wunschrollen, die ich unbedingt singen muss. Den „Bohème“-Rodolfo hätte ich gerne öfter gesungen, der war bisher nur in einer Produktion in Amsterdam vor 4 Jahren, aber er kommt in der Zukunft nun häufiger auf mich zu.“

>> Geistliche Musik:
„Bedauerlicherweise nicht allzu viel. Mein großes Vorbild Fritz Wunderlich hat diesbezüglich ja sehr viel gesungen, die ganzen großen Oratorien von Bach und Händel. Diese Angelegenheit ist irgendwie an mir vorbei gegangen, auch wegen der intensiven Beschäftigung mit der Oper. Sicher, ich singe das Verdi-Requiem, Missa Solemnis und die ganzen geistlichen Dvorak-Werke, aber dass ich die Bach-Oratorien bisher nicht singen konnte, bedaure ich sehr.“ – Bachs Musik sei eine sehr mathematische und damit eine gute Medizin gegen Manierismen.

>> Unverkennbare Ähnlichkeiten zu Wunderlichs Stil, manchmal auch Timbre (bei Mozart sowieso):
„Ich kam damals nach Österrreich, ohne ein Wort Deutsch zu können. Da suchte ich mir Aufnahmen, auf die ich mich künstlerisch stützen konnte, z. B. als Tamino (aber auch „Verkaufte Braut“-Hans, „Traviata“ auf Deutsch u. a.). Und da hat es sich eben so ergeben. - Mein Lehrer Ballarin hatte früher schon gesagt, der Beczala klingt, wenn er gesund ist, wie der Wunderlich, wenn er krank ist – das war für mich das größte Kompliment der Welt.“

>> Lieder:
„Viel mehr früher als heute, auch wegen der Oper, aber ich bemühe mich immer wieder, zu dem Metier zurückzukommen. Vor einigen Jahren habe ich Szymanovsky-Lieder aufgenommen und Liederabende mit ausschließlich polnischer Musik gegeben. Es gibt viele Anfragen für Liederabende, das bewegt mich schon, darüber nachzudenken.“ –
Dazu möchte Beczala aber ganz spezielle Programme erarbeiten (noch eine „Dichterliebe’ oder noch eine „Schöne Müllerin’ auf Platte zu bannen, das sei ihm zu langweilig), z. B. die Verkuppelung zweier musikalischer Welten, wie Schumann und Karłowicz (1876-1909). – „Mieczyslaw Karłowicz ist ein polnischer Komponist, Neuromantiker, das passt wunderbar zusammen; und noch ein paar russische Romanzen dazu ... Ein derartiger Liederabend ist sozusagen in Planung, aber sicher nicht vor 2009.“ –

Das Gespräch kommt noch auf Sinn oder Unsinn transponierter (Lied-) Fassungen - wie etwa Straussens „Vier letzte Lieder“ für Bariton - ebenso wie auf die Baritonfassung von Werther: „Wozu? Ich habe das Konzert mit Thomas Hampson gehört. Bloß weil Massenet damals einem Bariton einen Gefallen getan hat, muss man das nicht 100 Jahre später nochmal machen. – Übrigens ist die Rolle des Werther für den polnischen Tenor Jean De Reszke geschrieben worden, das habe ich kürzlich erst herausgefunden.“

>> Es gibt Sängerkollegen, die gerne dirigieren. Hätten Sie auch einmal solche oder ähnliche Ambitionen?
„Manchmal denke ich daran, wenn jemand am Pult steht, der große Probleme mit dem Stück hat... – aber das ist Gott sei Dank sehr selten. Aber sonst – nein. Jeder soll die Arbeit machen, die er am besten kann, also brauche ich das derzeit nicht.“

>> Mussten Sie einmal durch Zweifel und Krisen gehen...
„Im Großen und Ganzen nicht.“ - Nur in seinem ersten Engagement in Linz wäre er als erster Tenor mit Aufgaben quer durchs Repertoire beinahe verheizt worden, was sich zuletzt auch auf seine Stimmung ausgewirkt hatte. Er wollte sich gezielt weiterentwickeln. Als er dann nach Zürich kam, lief alles wieder wie am Schnürchen und die Karriere nahm ihren Lauf. - „Man muss einfach gesund und fit bleiben ..., dazu die richtige Rollenauswahl treffen, den Terminkalender nicht überfrachten und nicht allzu viel hin und her fliegen – das würde sich nur auf die Qualität schlagen ... und das wollen wir doch nicht...“ (grinst).

>> Sind Sie ein emotionaler Mensch – was bewegt Sie?
„Ich bin eher ein ruhiger Typ. Klar, Emotionen sind immer im Spiel, aber das versuche ich zu kontrollieren, damit man sich nicht total verrückt macht, vor allem nicht auf der Bühne. Das ist immer „ein kalkulierter emotionaler Ausbruch’. Da darf man sich nicht zu sehr gehen lassen, sonst verliert man die Selbstkontrolle. Aber Emotionen gehören natürlich zu meinem Beruf.“

>> Was ärgert oder stört Sie, was würden Sie gerne beeinflussen können?
„Mich stört dieses ständige Gejammer über das Ende der Oper, die „verkrusteten Strukturen’ und dass man alles revolutionieren und modernisieren muss – das ist alles Schwachsinn.
Ich habe es am eigenen Leib erfahren – es darf doch nicht so sein, dass ein (junger) Regisseur, der noch nichts gemacht hat, an ein erstes Haus kommt, seinen Blödsinn macht und alle glauben, dass es so richtig ist – bloß weil es so „revolutionär’ ist. –
Dass dafür ein paar Leute in die Oper gehen, die bisher noch nie ein Opernhaus von innen gesehen haben, mag ein großes Verdienst sein, andererseits wird deren „Operisierung’ durch sowas kaum weiter fortschreiten. Dass aber eine Großzahl an Abonnenten, die seit 40 Jahren in die Oper gehen, daraufhin ihre Abos kündigen und lieber nicht mehr in die Oper gehen wollen, das stört mich wirklich. Und dass Operndirektionen sowas zulassen – solche komplett schwachsinnigen Inszenierungen – ich nenne jetzt keine konkreten Beispiele ... –
Da kommen namhafte Sänger zu Proben, und eigentlich möchte jeder von ihnen nach dem Konzeptionsgespräch aufstehen und sagen: Danke, das war’s, ich löse meinen Vertrag.
So darf es doch nicht sein! Das liegt auch in der Verantwortung der Opernmacher, Intendanten, auch Dirigenten – das Regiekonzept und das musikalische Konzept müssen sich ja auch zusammenfinden. Aber ich habe es oft erlebt, dass da zwei Welten eine Woche vor der Premiere aufeinander prallten und wir stehen dazwischen, wir dummen Sänger – aber wir müssen doch unseren Job machen: Kunst schaffen.
Als „Kunst schaffend’ wird aber immer der Trottel, der Regisseur angesehen – ja, der macht große Kunst – unsere Namen werden irgendwo klein gedruckt am Rande erwähnt (ich spreche nicht von Ihrer Zeitschrift...) – gesungen haben ..... Und das nicht bei modernen Opern, wo jeder vielleicht zwei Schreie loslässt, sondern bei wirklich großer Oper, großer Kunst, wie etwa „Faust“, „Werther“ oder „Traviata“. – Das stört mich wirklich!“
– Es folgen einige einschlägige Beispiele, auch vom Gegenteil (Produktionen wie sie das Publikum gerne sehen mag). – „Die Proportionen sind einfach zu sehr verschoben. Ich hoffe, das ändert sich, auch im Interesse der Leute, die aus Liebe in die Oper gehen und nicht weil irgendjemand geschrieben hat, dass der Regisseur sich etwas Verrücktes hat einfallen lassen. –
Wenn ich lese, dass ein bekannter Jungregisseur extra nach Nepal geflogen ist, um seinen Gral zu suchen, sowas macht mich wahnsinnig – dem möchte ich am liebsten einen Kübel kaltes Wasser über den Kopf schütten und sagen: zurück zur Schule!“

>> Ein Feuilletonist hat einmal geschrieben, man sollte die Regisseure vielleicht besser nach Erfolg bezahlen ...
- „Das könnte eine Lösung sein. Was ich auch beobachtet habe, wenn ein Regisseur ausgebuht wird, schadet das seiner Karriere überhaupt nicht. Wenn ich so genannten Mist baue, dann kann ich mir das vielleicht einmal erlauben – kommt darauf an, was für einen guten Namen oder Ruf ich habe – ein 2. oder 3. Mal, da wird’s schon schwieriger und beim 4. Mal wird man gefeuert und nicht mehr engagiert.
Bei den Regisseuren ist es genau umgekehrt – je mehr Mist die bauen, desto gefragter sind sie. Also da mach’ ich nicht mehr mit.“ (Beczala redet sich richtig in Rage) – „Allerdings: Nichts gegen moderne Regie! Das, was wir gestern gesehen haben, das war „moderne Regie’.“ („Werther“/Rose)

>> Hobbys, Freizeit und Familie:
„Ich bin seit 15 Jahren glücklich verheiratet. Meine Frau ist mir eine wichtige Stütze und Hilfe in meinem Beruf.“ - Da die beiden keine Kinder haben, kann Frau Beczala ihren Mann auf den vielen Reisen begleiten. Dann gibt es da noch die wuschelige Hundedame Iga, die zur Familie gehört.
Als bevorzugte Freizeitbeschäftigungen stehen sportliche Betätigungen wie Golf, Schwimmen, Segeln, Motorboottouren und Skifahren auf dem Plan.

>> Zuhause:
Internationaler Stützpunkt ist Zürich, zuhause sind die Beczalas auch in Krakau und in einem Haus in Südpolen. – „Die Welt wird immer kleiner, man kann ja jetzt von Krakau aus genauso bequem verreisen wie von München oder anderswo.“

>> Kein Mensch weiß genau, wie alt dieser tolle Tenor ist, auch in den Lebensläufen wird’s verschwiegen, ist das ein Geheimnis?
„Aber nein! Ich bin glückliche 40 und inzwischen 15 Jahre auf der Bühne.“

Dann klopft’s - schnell noch eine kleine Fotosession - dann wird er uns sprichwörtlich entrissen, ab zur „Rigoletto“-Probe - „Ich kann nix dafür ...“ –
Es hätte noch so viele Themen gegeben, über die es sich gelohnt hätte mit Piotr Beczala zu sprechen (möglicherweise auch über Politik und andere Dinge in seiner Heimat Polen), aber wenn die Pflicht ruft ... „wir holen das nach...“, ruft er uns noch zu, bevor er entschwindet...

>> Aus der Merker-Festspielkritik zum RIGOLETTO am 24.7.07:
Zum eigentlichen Hit des Abends wurde Piotr Beczala als Duca di Mantova, der Oberprimat. (…) Primatenmännchen legen ja, wie man weiß, ein ausgeprägtes Imponiergehabe an den Tag. Dies setzte Beczala bis zur Vollendung um und die ganze Sache schien ihm zudem einen Heidenspaß zu machen. Er protzte mit üppigem Tenorstrahl (…) und sah zudem, trotz des Affen-Outfits, unverschämt attraktiv aus.

>> Die Homepage
mit Vita, Discografie, Terminkalender, schicken Fotos sowie Audio- und Videobeispielen und einem Pressespiegel, in dem sich u. a. auch Merker-Artikel finden lassen: http://www.beczala.com
Dorothea Zweipfennig

 

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Wien, 2010.09.05 22:23:07