MARLON DINO –
- und dafür arbeitet er hart, sehr hart, wie der 26-jährige Neusolist immer wieder betont.Anlässlich seines Aufsehen erregenden Rollendebuts als Onegin (> u. a. Merker-Kritiken sowie Tanznetz) bei der Wiederaufnahme von John Crankos Ballett in München am 23.9.2007 haben wir uns am 26.9. zum Interview getroffen.
Der 1,95 m große albanische Bilderbuch-Ballerino, der sich bereits in der letzten Spielzeit in die Herzen der Münchner Ballettfreunde getanzt hatte (u. a. mit der Klassiker-Rolle des Ali in „Le Corsaire’), als er durch die Ausfälle zweier erster Solisten zu verstärktem Einsatz in Solopartien kam, hat nun auch überregional Aufsehen erregt mit seinem umwerfenden Rollendebut als Onegin.
„Ich war wirklich sehr überrascht und glücklich, dass die Leute das sofort richtig aufgenommen haben, was ich zeigen wollte. -
Mit 26 einen Onegin ... Ich war schon nervös. Würde ich das schaffen? Nicht tänzerisch, aber als Rolleninterpret.“
Irgendjemand sagte einmal, die Onegin-Partie sei technisch gar nicht so
schwierig –
„Oh doch, der Schlafzimmer-Pas-de-deux ist ein „Killer’; das ist das Schwierigste, was ich bisher getanzt habe. Aber vor allem den Charakter der Rolle herauszuarbeiten, war wirklich eine Aufgabe und mein großes Ziel.“
Und danach: „Phänomenal, sensationell, umwerfend, Senkrechtstarter“
– werden Sie jetzt größenwahnsinnig oder was passiert in Ihnen drin nach so überwältigend viel Lob?
„Ich hab noch gar nicht alle Kritiken gelesen. Ich will erst noch die 2. Vorstellung tanzen und dann kann ich alle Kritiken in Ruhe lesen.
Aber nachdem, was ich schon gelesen habe, hatte ich das Gefühl, als wären diese Kritiker viel zu nett zu mir. Ist das wirklich die Wahrheit? Ich kann es noch gar nicht glauben.
Ich glaube ich bin mit 26 der jüngste Onegin bisher in München, die meisten anderen waren doch schon reifer, erfahrener (Heinz Bosl, Mü.’s 1. Onegin 1972 war 25!) – ich kann es wirklich noch nicht glauben, dass ich so phänomenal gewesen sein soll – das ist für mich alles noch wie ein Traum.“
Das, was alle so in Erstaunen versetzt hat, war die Tatsache, dass bereits beim Debut nicht nur das Tänzerische großartig war, sondern auch die Darstellung dieser komplexen Rolle so stimmig –
„Ich habe intensiv mit meinem Direktor Ivan Liška gearbeitet, der ja selbst ein großartiger Onegin war. Er hat mir viel persönlichen Spielraum gelassen. Er zwängte mich nicht in ein vorgefertigtes Konzept, sagte nie: Du musst das so tanzen wie ich. Sondern er forderte mich auf, ihm meine Ideen vorzuführen, und so testeten wir gemeinsam aus, was für mich und meinen Körper die beste Lösung ist.
Es war ja ein großes Zeichen von Vertrauen, dass er mir diese Partie zugetraut hat, vom rein Tänzerischen her schon. Aber dass und wie ich die Rolle auch schauspielerisch bewältigt habe, hat vielleicht sogar ihn überrascht. –
Eine solche Rolle bekommt man ja auch nicht einfach so (schnippt mit den Fingern). Normalerweise sammelt man vorher Erfahrungen in anderen Rollen und kann sich, darauf aufbauend, an den Onegin wagen. –
Eine große Hilfe – das muss unbedingt erwähnt werden – war mir dabei auch meine Partnerin LUCIA LACARRA. Sie ist eine ganz große Künstlerin, wie wir alle wissen; sie hat mir sehr dabei geholfen, das alles aus mir herauszuholen. Sie war bei jeder Probe voll da, inklusive der großen Gefühle, so dass diese dann auch bei mir herausgekitzelt wurden.
Es macht mich wirklich glücklich, dass sie mir als Partner offenbar vertraut. Wir hatten vorher ja nur zweimal zusammen getanzt. Lucia braucht einen großen Partner mit ihren ewig langen Armen und Beinen. Ich glaube, sie fühlt sich in meinen Händen sicher.“
(Etwas davon kommt in einem wunderschönen Pas-de-deux-Foto der beiden zum Ausdruck >Merker-Bildergalerie) –
„Überrascht haben mich auch die Veröffentlichungen schon im Vorfeld: Wiederaufnahme, Dino als Onegin-Debutant, das erste Interview. Das war für mich schon ein ziemlicher Druck, ich trug eine ganz schöne Last auf meinen Schultern.“
Und nun kommt ein anderer Druck - die neue Erwartungshaltung des Publikums zu erfüllen –
„Vielleicht auch Angst – man ist nie gleich gut; ob das mit den Gefühlen wieder so funktioniert... – Ich will in die Rolle richtig hineinwachsen.
Ganz ehrlich, ich war furchtbar nervös vor der Debutvorstellung, aber nach dem Buch-Pas-de-deux hab ich mich plötzlich ganz als Onegin gefühlt. So wie vorher, als ich zum ersten Mal das Kostüm angezogen habe, diesen schwarzen Anzug; da hab ich mich im Spiegel angeschaut: Jetzt bin ich nicht mehr Marlon, jetzt bin ich Onegin! Das ist die Hilfe meines Gehirns: Ich fühle nicht nur wie Onegin – ich bin das!“
Es drängen sich Assoziationen zu Oliver Matz’ Onegin auf; der war zwar kleiner, aber genauso geschmeidig und ein aufregender Schauspieler – und wenn Sie diesem (meinem) Ideal nahe kommen, ist das schon was –
„Es hat hier wirklich gute Onegins gegeben. Ich will hier keinen Wettbewerb veranstalten, aber wenn ich mit denen einigermaßen mithalten könnte, wäre das wunderbar. Ich wünschte mir, dass man eines Tages sagen könnte, ich sei einer der - sagen wir mal 50 - besten Onegins der Welt – das wäre ein Ziel, und eine unglaubliche Aufgabe.“
Hatten Sie sich aus den Videos ein besonderes Vorbild ausgesucht?
„Da waren mehrere: Kirill Melnikov, Ivan Liška natürlich; Oliver Matz habe ich leider noch nicht angeschaut.“
Kann es sein, dass Sie und Lucia beim Final-Pas-de-deux manches etwas anders gemacht haben, als wir es von früheren Besetzungen her kannten? Diese Beinahe-Küsse aus der Bewegung heraus erschienen mir neu, aber ungemein wirkungsvoll –
„Anders? Ich muss sagen, ich war wie im Traum. Ich habe nicht an die Schritte gedacht, ich habe getanzt, wie ich fühlte; so ist es herausgekommen. Am Schluss wusste ich kaum mehr wo ich war, so sehr war ich von meinen Gefühlen überwältigt. Ich konnte kaum atmen, weinte, ohne zu wissen warum. Emotionell war ich richtig fertig. - Konditionell überhaupt nicht! Ich hatte am Freitag vorher 2 Durchlaufproben gemacht und hätte die Kondition auch noch für eine 3. gehabt.“
Lacarras Verbeugung vor dem Partner schien an diesem Abend keineswegs nur Show zu sein –
„Das war wirklich keine Show. Sie hat sich bedankt, dass wir das zusammen so gut hingekriegt haben. Ich hatte vorher ja gar nicht erwartet, jemals mit dieser großen Ballerina zusammen zu tanzen, aber nun ist es doch dazu gekommen - sag niemals nie ...“ –
Im Laufe des Gesprächs kommen wir immer wieder auf den Onegin zurück, auf tänzerische, interpretatorische, inhaltliche Details - eine ganze Menge, was hier den Rahmen sprengen würde.
Dabei wird aber sehr deutlich, wie intensiv sich Dino auch mit Puschkins Stoff an sich beschäftigt hat.
Mit Blick auf das mitgebrachte Merker-Heft und die jüngsten Kritiken und Fotos:
„Das schicke ich alles meinen Eltern. Die verfolgen immer, was ich tue. Sie haben über all die Jahre zu mir gestanden und daran geglaubt, dass ich irgendwann einmal richtig große Rollen tanzen würde. Sie sind jetzt so stolz und das macht mich glücklich.“
Was ist passiert, dass Sie Tänzer werden wollten?
„Meine Mutter wollte mich von der Straße haben, weg von den jugendlichen Gangs. Sie hat mich tanzen geschickt.“ –
Nach 1 Jahr wurde es ihm fast zu anstrengend und schwierig. Nach 2 Jahren wollte man ihn von der Schule werfen, aber ein Lehrer wollte noch ein weiteres Jahr mit ihm arbeiten. Danach bekam er eine neue Chance.
Dino hatte relativ spät, erst mit 13/14 Jahren mit der Tanzerei angefangen. Dass im STB-Lebenslauf 1991 steht, also schon mit 10 Jahren, hat seine Ursache im Diplom, dort ist die volle Ausbildungszeit von 8 Jahren eingetragen. Dino jedoch hatte die ersten Semester übersprungen und nur 4 Jahre die Tanzakademie besucht.
Danach bekam er ein Stipendium nach Genf, wo er weitere 2 Jahre mit David Allen gearbeitet hat. Darauf folgte der von Jean-Christophe Maillard erstmals durchgeführte Concours in Monte Carlo 2000, für junge Tänzer auf Jobsuche. Von den ca. 4000 Bewerbungen wurden 20 Mädchen und 15 Männer ausgewählt, an 2 Tagen 30 Ballettchefs vorzutanzen.
Aus 15 Angeboten, darunter das NYC Ballet (Peter Martins), durfte Marlon Dino schließlich auswählen. Da er seine Karriere in Europa machen wollte, wählte er zwischen Het Natiole Ballet, John Neumeier in Hamburg und Wien bei Renato Zanella, wobei er sich für Letzteres entschied.
Warum hat es Ihnen in Wien dann doch nicht gefallen?
„Ich habe dort überhaupt nicht getanzt, war nur die hinterletzte Reserve. Zanella hat allen Ernstes zu mir gesagt, ich passe nicht in die Compagnie und hätte keine gute Technik.“ – (Fragt sich nur, warum er ihn dann überhaupt engagiert hatte...) - „Ich war sehr unglücklich dort.“
Und warum war dann das STB die richtige Wahl – mal abgesehen von den jüngsten Erfolgen?
Von einem Gast-Ballettmeister kam dann der entscheidende Tipp, nach München zu gehen. Dort sei eine der besten Compagnien in Europa mit dem vielseitigsten Repertoire. Dino fuhr zur Audition, sah sich am Vortag noch Neumeiers Cinderellastory an und war begeistert: „Das ist die Compagnie, wo ich hin möchte! Auf dieser Bühne will ich tanzen!“
2002 bewarben sich besonders viele Männer, Dino war die Nr. 68. Da jedoch nur ein einziger Vertag zu vergeben war, den ein Kollege bekam, setzte Ivan Liška Dino auf die Warteliste. Dino reiste schweren Herzens wieder nach Wien, sollte sich dort zunächst um eine andere Arbeit umschauen. Und just an dem Tag, nachdem sein dortiger Vertrag doch noch erneuert wurde, kam der ersehnte Anruf aus München. Ihm waren die Konsequenzen in diesem Moment egal, er ließ den Wiener Vertrag Vertrag sein und ging nach München.
Wie wir inzwischen alle wissen, wusste und weiß man ihn und seine Qualitäten in München zu schätzen und wir sind froh und glücklich, in Marlon Dino einen so wunderbaren Tänzer und Rolleninterpreten zu haben.
(Renato Zanella dürfte überrascht sein, wenn er von Dinos aktuellen Erfolgen hört oder liest...)
Wie läuft das mit den Corps- und Halbsolo-Kollegen, wenn die zuschauen müssen, wie einer aus ihrer Mitte plötzlich die Erfolgsleiter steil nach oben steigt? Sind die neidisch?
„Neidisch? Ich weiß es nicht. Wenn man im Corps ist, sind alle deine Freunde. Wenn du die ersten Soloaufgaben kriegst, sagen alle: toll, cool, toi-toi-toi. Aber wenn das öfter vorkommt, dann werden die Freunde weniger. Aber das ist normal. Ein bisschen egoistisch muss man in dem Beruf schon sein, sonst geht nichts voran. – Auf der anderen Seite: Viele Leute, die mich nicht richtig kennen, halten mich für arrogant, weil ich eher zurückhaltend bin und nicht gleich auf jeden zugehe. Aber wer mich richtig kennt, der weiß, dass ich eigentlich ganz nett bin, jedenfalls nicht arrogant.
Ich hab mich auch geändert – ich war früher sehr nervös und ungeduldig, ich wollte am liebsten gleich alles machen. Aber du musst Geduld lernen und die Kollegen respektieren, die schon früher da waren. Lieber schauen, was man von denen lernen kann.“
Als in der letzten Spielzeit die beiden Spitzenkollegen Lazik und Slavicky weitgehend gleichzeitig ausgefallen waren, sind Sie quasi die Leiter hinaufgefallen. War das nicht schrecklich anstrengend?
„Es war in der Tat viel. Ich musste andauernd neue Rollen lernen. Aber ich war glücklich! Das ist genau das, was ich will - viel Arbeit. Solange mein Kapital, mein Körper das klaglos aushält, bin ich glücklich.
Es war für mich aber auch ein bisschen Glück dabei; nicht nur, weil ich zuletzt vielleicht nur noch die einzige Alternative war, nachdem auch noch Pierre krank wurde. Wenn du kein Glück hast, kannst du noch so hart arbeiten und es wird nichts. –
Mein Körper braucht die harte Arbeit zum Fitbleiben. Nach der Onegin-Premiere hatte mir Ivan Liška eigentlich frei gegeben, aber ich bin trotzdem gekommen. Der beste Platz ist mit Blick auf die Stange...“
Haben oder hatten Sie eigentlich ein spezielles Idol, dem Sie nacheifern?
„Mein größtes Idol ist Nurejew. Für mich war er immer ein Vorbild. Und dass wir am selben Tag Geburtstag haben, am 17. März, er 1938 ich 1981, das war für mich immer wie ein Omen. Ich bin nämlich furchtbar abergläubisch...“
Seit dem Ali im Corsaire und weiter von Rolle zu Rolle wurden Sie immer mehr zum Publikums-Liebling. Das Publikum, besonders das junge, hat geschrieen, gekreischt und getrampelt. Ein tolles Gefühl?
„Also manchmal hatte ich das Gefühl, mein Herz würde explodieren. Wenn ich dieses Jubelgeschrei höre, bin ich immer wieder überrascht, man kann das auch an meinem Gesicht ablesen, ich stehe immer mit großen, ungläubigen Augen da. Ich versuche mir dann einzureden, dass ich das doch noch besser könnte und dass das Publikum vielleicht bloß zu nett zu mir ist. - Auch die Kritiker sind so gut zu mir ...“ –
Naja, wenn einer wirklich gut ist...
Und wenn einer wirklich gut ist, dürfte er sich auch einmal eine schlechtere Vorstellung erlauben –
„Ja vielleicht, aber ich will niemals einen schlechten Abend haben, ich werde immer versuchen, mein Bestes zu geben. Möglicherweise kann nicht immer das gleiche Niveau erreicht werden. Aber ich arbeite dafür.“
Auch von unterschiedlichen Partnerinnen kann das abhängig sein –
„Auch das; das ist Gefühlssache.“
Die Bedeutsamkeit des Augenkontakts zwischen den Partnern:
„Wenn du deiner Partnerin in die Augen schaust, heißt das, du hast keine Angst, das gegenseitige Vertrauen ist da, die erforderlichen Gefühle können überzeugender entwickelt werden - und das Publikum spürt das.
Wenn ich jetzt beim Onegin Lucia nicht in die Augen schauen würde, könnte ich nicht erfühlen, was sie fühlt, was wiederum für die Entwicklung meiner eigenen, für die Rolle relevanten Empfindungen von Bedeutung ist. Und ich will doch ganz in die Gefühlswelt der zu verkörpernden Rolle eindringen.“
Mit dem Super-Onegin-Debut, sind Sie ja nun richtig in der Spitzenriege des STBs angekommen. Wissen Sie schon, was an weiteren neuen Rollen auf Sie zukommt?
„Nein, das weiß ich noch nicht. Ich lasse mich gern davon überraschen, was mein Direktor für mich als geeignet ansieht, wovon er glaubt, dass ich es schaffen kann. Ich bin offen und bereit für alles! Ich will gar keine Rollenwünsche äußern, ich vertraue Ivan Liška da ganz und gar.“
Sie sind doch sicherlich hungrig nach neuen Rollen. Das könnte Ihr Direktor ja ausnützen...
„Na, das ist gut ... Ja, natürlich bin ich hungrig und will mehr, mehr, mehr. Aber jedes Ding braucht seine Zeit und ich habe Geduld gelernt. In unserem Beruf sind wir zwar alle ungeduldig, da unsere Tänzerzeit sehr begrenzt ist, aber es braucht trotzdem alles seine Zeit.“
Auf Ihrer ganz persönlichen Wunschliste steht Neumeiers Armand (Kameliendame), war zu lesen?
„Absolut! Das ist eine tolle Rolle, mit vielen Emotionen. Und diese großartigen Pas de deux. Früher dachte ich immer Technik, Technik, Technik. Heute glaube ich, das besser zu verstehen. Ballett kann nicht nur Technik sein. Es ist wundervoll, wenn man wirkliche Gefühle dabei entwickeln und vermitteln (!) kann.“
Wie gerne tanzen Sie zeitgenössische Ballettstücke?
„Früher war ich stark auf das Klassische fixiert. Inzwischen bin ich für alles offen. Mats Ek ist z. B. einer meiner Lieblingschoreografen geworden. Seine Ballette sind hart, aber das mag ich. Ich schätze es sehr, dass wir hier beides parallel machen können. Das moderne Ballett fördert die freie Beweglichkeit, konträr zur strengen klassischen Statik. Und was für die tänzerische Entwicklung gut ist, dafür tue ich alles!“
Welche Art von Musik ist Ihnen zum Tanzen am liebsten,
- u. welche privat?
„Zum Tanzen absolut klassisch. Privat Hiphop, Reggea, Hardstyle, je nach Lust und Laune auch klassische Musik, Melancholisches von City of Angels, Whitney Houston und anderen. Wie ich gerade in Stimmung bin, und ich bin sowieso extrem wechselhaft in meinen Stimmungen – ein bisschen ein verrückter Mensch, wie alle Künstler ...“
Sie hatten bei den Jungen Choreografen bereits mehrere kleine Choreografien erstellt. Haben Sie diesbezüglich weitere/spätere Pläne?
„Nicht unbedingt. Ich könnte choreografieren, aber ich weiß, dass ich wohl okay sein würde, aber nicht richtig gut. Wenn ich eines Tages mit dem Tanzen aufhören werde, möchte ich gerne Korrepetitor sein. Nicht Trainingsleiter, sondern Korrepetitor. Ich möchte anderen vermitteln, wie man Rollen mit den nötigen Emotionen erfüllt, so wie ich es getan habe - einerseits - und andererseits die zahlreichen „Tricks’ im Umgang mit der Partnerin. Da entwickelt jeder so seine ganz speziellen Tricks im Rahmen der Pas-de-deux-Technik, die meinigen möchte ich dann weitergeben.“
Womit beschäftigen Sie sich gerne außerhalb des Balletts?
„Ich schau mir gern Hollywoodfilme an. Ich interessiere mich sehr für Computer-Grafik und beschäftige mich überhaupt gerne mit den verschiedenen Möglichkeiten des Computers. Historische Fotos sind ein Hobby von mir. Für historische Ausstellungen gehe ich sehr gerne in Museen. Moderne Kunst finde ich vielleicht cool, aber sie interessiert mich nicht so wie alles Historische.“
Eine Ferienwohnung in der Heimat Albanien:
Marlon Dino hat sich ein Ferienapartment am Strand von Albanien gekauft. Dort verbringen seine Eltern gerne ihre Wochenenden und Marlon den einen oder anderen Urlaub. Die Eltern sind übrigens nicht nach Amerika ausgewandert, wie andernorts zu lesen war, sondern haben um die Jahrtausendwende lediglich 3 Jahre dort gearbeitet. Nun leben sie wieder glücklich in Albanien.
Wie kommen Sie eigentlich als Albaner zu einer so nordisch anmutenden Jung-Siegfried-Erscheinung - 1,95 m groß, sehr helle Haut und blaue Augen?
„Mein Vater ist mit 1,90 m auch groß, meine Mama ist eher klein. Aber beide haben nicht so eine weiße Haut wie ich. Mein Vater hat zu seinen schwarzen Haaren grüne Augen, meine Mutter und meine Schwester haben braune.
Wieso ich so ein heller Typ geworden bin - keine Ahnung.“ –
Wir hatten den hellhäutigen Marlon nach seinem Sklaven Ali im Corsaire scherzhaft als „männliche Odaliske“ bezeichnet (> Odaliske = weiße Sklavin in einem Harem).
Werden Sie inzwischen von Fans oder Fan-innen sehr verfolgt?
„Gestern hat mich auf dem Weg zur Trambahn eine sehr nette Dame angesprochen und mir zu meinem Onegin gratuliert. Ich war so überrascht und richtig überwältigt.
Fans - natürlich freue ich mich, wenn ich Autogramme geben darf und die Zuneigung gibt mir ein gutes Gefühl. Vor allem zeigt es mir, dass die Leute das mögen, was ich tue und wie ich es tue - das macht mich glücklich. Das Publikum zu erfreuen, das ist die größte Herausforderung für einen Tänzer. Dass man sieht, man arbeitet nicht nur für sich selbst - man arbeitet für das Publikum!“
Mögen Sie Interviews?
„Das ist ja erst mein zweites... Aber ich freue mich, dass die Leute, die das lesen, dadurch etwas über mich, mein Leben und über meine Ziele erfahren können.
Aber weil es erst mein 2. Interview ist, ist es für mich noch eine große Sache...“
Umso schöner, dass Sie so frei und offen reden ....
„Ich versuche immer spontan zu sein. Ich mag keine vorgefertigten Antworten, wie sie manche Leute parat haben. Ich möchte immer sagen dürfen, was ich denke.“
Im Münchner Merkur wurde so ein wunderschöner Satz von Ihnen zitiert:“ Was mein Herz will, ist tanzen.“ - Haben Sie für unsere Leser auch so einen schönen Satz?
„Das kam so: Ich habe wirklich ein Naturtalent für Sprachen. Nicht von Anfang an, denn in der Schule war ich in Englisch noch der Schlechteste. Aber heute habe ich ein fotografisches Gedächtnis, was ich einmal gesehen habe, vergesse ich nie; deshalb lerne ich sehr schnell. Auch mein Gehör ist sehr stark.
Also, was Gott mir gegeben hat, ist dieses Sprachtalent.
WAS ICH WILL, MIT LEIB UND SEELE UND VON GANZEM HERZEN, IST TANZEN.
WENN ICH AUF DER BÜHNE BIN, FÜHLE ICH, HIER GEHÖRE ICH HIN!“
Resümee von Marlon Dino: Ballett kann nicht nur Technik sein. Es ist wundervoll, wenn man wirkliche Gefühle dabei entwickeln und vermitteln kann.
Resümee der Interviewerin: Das Besondere an diesem Marlon Dino ist: Er bewegt! (>Merker-Kritik vom 28.9.07)
Und damit: Ein großes Ziel erreicht!
Und toi-toi-toi für noch viele derart aufregende Rollenportraits!
Dorothea Zweipfennig (9/07)
