Er lernte etwas Anständiges. Und machte Karriere. Als Physiker
stand er seinen Mann. Prima Job, gute Zukunftsaussichten. Aber dann, 1987. "Ein Burnout": Er wollte nicht länger als Ingenieur arbeiten. Sondern sich - endlich - der Musik zuwenden. Schließlich liebte er es, Cello und Klavier zu spielen.
Peter Klaveness aber, der Querdenker, wurde weder Cellist noch Pianist. Sondern sang für einen Opernchor vor, "obwohl ich keinerlei Ahnung von Oper hatte", wie er einräumt - und
niemals zuvor auf der Bühne gestanden war. Aber er bestand seine Prüfung, wurde genommen. Und stand dann, "gut in den 30ern", erstmals auf der Bühne. Klaveness - der Aussteiger, der Umsteiger, der Aufsteiger.
Klaveness ist in Washington D.C./USA geboren. Sang zwar schon als Kind gerne, aber dachte nie an eine Sängerlaufbahn. Vielmehr wunderte er sich, als Jugendlicher, über die Qualität, die er von Musikstudenten zu hören bekam. Klaveness zum KURIER: "Damit wollte ich nichts zu tun haben. Aber so ist das immer bei mir: Wenn ich etwas wirklich nicht will, dann trifft es mich ganz bestimmt."
Aber zunächst studierte er in Trondheim/Norwegen Physik. Später dann zog es ihn wieder in die USA. Er begann seine Sängerlaufbahn an kleineren Häusern in den USA, kam
dann auch nach Deutschland. Und bis er sich dann mal so richtig etabliert hatte, war er schon 40 Jahre alt - eigentlich eher ein Ausstiegs- denn ein Einstiegsalter.
Wie das denn ist, wenn einer,sozusagen im gesetzten Alter, in das professionelle Musikbusinesseinsteigt? Klaveness: "Man hat ja ein gutes Stück des Lebens schon hinter sich. Ich habe
Kinder großgezogen, ich war erfolgreich im Beruf. Da hat man dann auch Vertrauen in sich selbst. Und kann vermutlich auch mit Erfolgen besser umgehen. Das steigt einem einfach nicht so schnell in den Kopf." Vermutlich, sagt Klaveness, ist man so
auch glaubwürdig auf der Bühne. Warum das? "Weil ich sicherlich jedes menschliche Gefühl schon einmal erlebt
habe."
Wagner war für ihn lange Neuland, sehr lange. Weil er immer nur mit italienischen, russischen, französischen Opern zu tun hatte. Schließlich, sagt er, spielt Wagner in den USA nur in den größten Häusern eine Rolle. "Und ich wusste ja nicht, dass ich dort landen würde." Vielmehr fing er mit den ganz kleinen Rollen an.
Klaveness, der einen Pferdeschwanz aus Überzeugung trägt, empfindet Hagen als spannende Figur. Weil er keinen monochromen Charakter hat. Die Figur sei vielseitig gestaltbar, schillernd,
reizvoll zu spielen. Insbesondere in der Sichtweise Jürgen Flimms, der ihn kraftvoll und schwächelnd gleichermaßen mag. Klaveness: "Das passt gut zu mir, schließlich bin
ich ja kein ,Schrank". Ich bin beweglich, kann wohl auch ganz
elegant den Intellektuellen spielen."
Den Hagen hat Klaveness schon gesungen. Er spielt diese Rolle gerne. Wissend, dass er darin große Vorgänger hat - große Schuhe, die es auszufüllen gilt, wie er sagt. Dafür stehen Namen wie Salminen, Ridderbusch, Tomlinson.
Wobei er sich mit Salminen nicht gerne vergleichen lässt: "Salminen steht einfach gut da - ein Riesenkerl. Ich hingegen bin leicht, beweglich, bin gerne auf einem Bein." Dabei ist genau
dieser Kontrast auch reizvoll - zumal bei Figuren wie der Hagens.
Klaveness singt auch gerne Lieder. Lieder empfindet er fast schon
als Therapie. Er braucht sie. Als Kontrastmittel, zum Abschalten,
auch, um sich warm zu singen. Was er da singt? ",Die schöne Müllerin" - die liegt sehr hoch, ist eigentlich sehr unangenehm für einen Bass. Aber genau das Richtige für mich, um mich vorzubereiten."
Wagner erobert ihn, mehr und mehr. Er war Daland und Landgraf, König Heinrich und König Marke, Titurel, Fafner, Fasolt und Hunding. Eigentlich, sagt er, alles in den letzten sechs, sieben Jahren. Jetzt fehlen ihm nur noch Pogner und Gurnemanz.
