DER NEUE MERKER

Nummer 127 (17. Jahrgang, Juli/August - 2006)
06.07.08 12:23:22
Anton Cupak

Interview, 06/2003: Gabriel Feltz, Gespräch mit Generalmusikdirektor Gabriel Feltz

Am Ende der Saison 2002/03

Wie steht es mit dem Verhältnis von Lust und Frust am Ende Ihrer zweiten Spielzeit am Theater Altenburg-Gera?
Die Lust überwiegt! Wobei ich stark darauf hoffe, dass beim Orchester in punkto Haustarifvertrag Ruhe einkehrt, dass jetzt zum Abschluss kommt, was mit Aufsichtsrat und Betriebsrat auf den Weg gebracht wurde, dass also nicht jeder vierte gehen muss und damit das Orchester so dezimiert würde, dass seine Tradition sofort beendet wäre. Ich bin absolut zufrieden; denn man kann sagen, dass das Orchester angesichts der kulturpolitischen Turbulenzen unheimlich Disziplin bewahrt und seine Aufgaben exzellent ausgeführt hat. Das ist hoch einzuschätzen. Zum Abschluss der Saison gibt es mit der Aufnahme des 9. Philharmonischen Konzertes auf CD und der Live-Übertragung durch DeutschlandRadio Berlin am 18. Juni noch einen Höhepunkt.

Wie kommt es so schnell zur zweiten CD-Aufnahme?
Neben Radio Bremen, mit dem wir die erste CD produziert haben, sind DeutschlandRadio und MDR Kultur beteiligt. Unser Festkonzert zum 100-jährigen Jubiläum des Hauses mit Bruckner war DeutschlandRadio in guter Erinnerung. Der Sender hat auch in Berlin ein Konzert übertragen, dass ich mit einem anderen Orchester hatte. So entstehen Kontakte …

Was hat Ihnen in dieser Spielzeit besonderen Spaß gemacht?
Sehr viele Dinge. Ganz oben würde ich mal das Schülerkonzert mit Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ nennen, weil diese Arbeit für die Jugend wichtig ist. Ich will im nächsten Jahr – so eng der Terminkalender auch ist – in jedem Fall versuchen, wieder ein Schülerkonzert zu machen, um in Kontakt zu bleiben.
Eine große Freude war für mich, wie das Orchester zum Festkonzert Bruckner gespielt hat. Die Erarbeitung der Zemlinsky- und Puccini-Opern war sehr schön, das Gastspiel mit Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der Schweiz war sicher ein Höhepunkt, die Wiederaufnahme von Korngolds „Die tote Stadt“ - die ich für die gelungenste Opernproduktion in den zwei Jahren halte - hat Freude gemacht.

Und worauf freuen Sie sich in der kommenden Spielzeit besonders?
Ich freue mich, dass wir die Abonnement-Konzerte von neun auf zehn erweitern konnten und damit konzertante Oper im Programm haben und uns so wenigstens bruchstückhaft Wagners „Ring“ nähern können. Das ist für unser Orchester eine Herausforderung. Alle zehn Konzert-Programme sind einfach sehr schön. Ich freue mich besonders auf die Arbeit mit Bernd Glemser. Er wird im zweiten Philharmonischen Konzert Rachmaninow spielen. Ihn habe ich in Stuttgart schon einmal begleitet. Das war eine tolle Zusammenarbeit. Dass ein Künstler, der um die ganze Welt tourt und gerade das Bundesverdienstkreuz bekommen hat, nach Gera kommt, ist super.

Sicher haben Sie auch außerhalb von Altenburg und Gera schöne Aufgaben vor sich?
Ja, sehr viel. Zu den herausragenden Erlebnissen dieser Saison zähle ich unbedingt die Wiederaufnahme von Strawinskys „Sacre“ an der Bayerischen Staatsoper im Mai. Das war für mich bis jetzt in meinem Leben als Dirigent die ultimative Aufführung überhaupt. Ich kann mich an keinen Abend in den 12 Jahren, die ich jetzt dabei bin, erinnern, der so prägend war. Da kann man für jede Minute nur sehr dankbar sein.
Im September werde ich zum ersten Mal mit dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks zum ARD-Wettbewerb arbeiten können. Es ist eins der großen Eliteorchester der Welt, und ich bin unheimlich glücklich, dass ich diese Chance bekomme.
In Stuttgart ist die Aufführung von Strauss „Alpensinfonie“ geplant. Mit den Stuttgartern gastiere ich dann in München, mit der Radio-Philharmonie Hannover wird eine CD-Produktion entstehen. Außerdem dirigiere ich in meiner alten Heimat Bremen und an der Bayerischen Staatsoper München inzwischen das sechste Jahr. Mehr fällt mir im Moment gar nicht ein.

Ein außergewöhnliches Ereignis steht mit dem Wunschkonzert noch am Ende dieser Spielzeit aus. Wie viele Wünsche sind bei Ihnen eingegangen?
Wir haben uns sehr über die hohe Beteiligung gefreut. In Altenburg und in Gera sind jeweils etwa 150 Wünsche abgegeben worden, ein Stück wurde fünfunddreißig Mal genannt. Wir gehen demokratisch vor und werden 12 Titel spielen. Wir nehmen das genau. Ravels „Bolero“, Liszts „Les Preludes“, Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ und Smetanas „Die Moldau“ ist in beiden Städten gewünscht worden. Aber das Programm in Gera am 5. Juli ist natürlich nicht mit dem in Altenburg am 10. Juli identisch. Das heißt das Orchester muss nach dem Konzert in Gera noch mal proben.

Waren auch ausgefallene Wünsche dabei?
Wir spielen in Altenburg auch Rezniceks Ouvertüre zu „Donna Diana“. Wenn aber ein Zettel mit dem Wunsch Stockhausen - Zwölftonmusik eingeworfen wird und der Schreiber sich nicht outet, fühlen wir uns auf den Arm genommen.

 

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Wien, 2010.09.07 14:35:11