Festspiel-Größen (1)
Kurt Moll, Bass: Pater Guardian in „La Forza del destino“, Münchner Nationaltheater
Münchens Opernhaus ohne Kurt Moll – schier undenkbar. „Bass-Fundament der Opernwelt“ wurde kürzlich der 67-Jährige genannt. Er hatte nichts dagegen einzuwenden. Weiß, was er ist und was er kann und was er – nicht nur für München – bedeutet: ein großes Stück Tradition, Schöngesang, Profession, Denkmal der Humanitas. Molls Rollen legen solche Bezeichnungen nahe: der Sarastro in der „Zauberflöte“, der König Marke im „Tristan“, der Veit Pogner in den „Meistersingern“, der Gurnemanz im „Parsifal“. Sie alle – und noch viele mehr – hat er in München verkörpert. Das Opernhaus wurde ihm – selbst zu nächtlicher Stund` – Heimat. Ein Besessener seiner Berufung. Seit 1961 steht der in der Nähe von Köln Geborene auf der Opernbühne. Seine Frühzeit als Sänger verbrachte er an den eher kleinen Häusern von Aachen, Mainz und Wuppertal. Hamburg verpflichtete ihn 1970 nach seinem phänomenalen „Sarastro“ während der Salzburger Festspiele jenes Jahres. In Bayreuth debütierte er allerdings bereits drei Jahre zuvor. Den Hamburgern, Bayern und Wienern war Kurt Moll der Titel „Kammersänger“ wert. Obwohl er sich als Lehrender an die Kölner Musikhochschule begab, von wo er allerdings vor drei Jahren seinen Abschied nahm.
Die Hochschulen hasst er. Sie gerierten sich wie die Universitäten mit ihren unbestrittenen Forschungsaufträgen. Oder so unsinnigen Fächern wie Fechten im Lehrangebot. Was brauche ein Sänger schon für Fechtkenntnisse, fragt Kurt Moll in einem kürzlich erschienenen Interview. Wo er sich auch zu seiner neuesten Rolle, der des Pater Guardian in Verdis „La Forza del destino“ (Inszenierung: David Alden) äußerte. Die Musik sei hier ohnehin entschieden wichtiger als die Story: „Vom Dramaturgischen her kein großes Werk!“
Doch Kurt Moll erfüllt diese Rolle mit seiner schier unversiegbar samtweich orgelnden Bass-Stimme, deren Fluidum so solitär ist – ob abgrundtief weich oder kraftvoll strikt in der von vielen Jüngeren kaum erreichten Höhe. Und wir nehmen ihm auch diese frömmelnd-affirmative Partie des „Forza“-Klostervorstehers ab, unter dessen Herrschaft sich die „Macht des Schicksals“ für Leonore und ihren Liebhaber in nahezu auswegloser Situation erweist.
Hätte man einen Wunsch offen, so stünde die Partie des Sir Morosus in Richard Strauss` „Schweigsamer Frau“ auf dieser Liste ganz oben, eine Figur, die Kurt Moll viel zu selten in München geben durfte. Ihr wurde die wohl schönste (aus Kurt Molls Kehle wunderbarste) Hymne der Opernliteratur auf die Töne in den Mund gelegt: „Wie schön ist doch die Musik…“ Hans Gärtner
