Man muss als Sänger wirklich Künstler sein...
In seiner Ahnenreihe gibt es Russen, Tschechen und Siebenbürgen, er ist, wie er selbst über sich sagt, eine richtige k. und k. Mischung, der junge,1969 in Graz geborene, Tenor Nicolai Andrej Schukoff. Dann fragte ihn seine Klavierlehrerin am Grazer Konservatorium: „Können's ned singen?“ als der Teenager nach einer weiteren Möglichkeit suchte, sich in Tönen auszudrücken. Es konnte niemand ahnen, dass er sich zu einem, der gefragtesten Tenöre entwickeln sollte. Ein entscheidender Zufall, der Nicolai Schukoff einen neuen Lebensweg eröffnete und eine leidenschaftliche Hinwendung zum Gesang beschied.
In Salzburg schrieb man über seine erste Partie: „Als Max hat Nicolai Schukoff nicht nur den jugendlichen Charme, der ihn liebenswert macht, sondern auch all den Zweifel und die Melancholie in seiner dunkel-samtig gefärbten Stimme“
Eine seiner erste Kritiken in Gelsenkirchen lobte ihn für seinen Alfredo in der Traviata und bezeichnete ihn als „einen Belcantisten mit Substanz, individueller Färbung
und lyrisches Engagement“.
Den Alfredo, der ihm treu zur Seite stand in fünf verschiedenen Produktionen wurde schon zu Beginn seiner Sängerkarriere als „ein Alfredo aus dem Verdi-Wunschbilderbuch, die perfekte „italienische“ Stimme blendend geschult, bildschön im Timbre, leicht locker schwingend und die musikalische Souveränität!“ bescheinigt.
1998 folgte in der Opéra de Lyon der Herzog von Parma in Busonis "Faust" unter Kent Nagano und in der Scottish Opera sang er wieder den Alfredo.
Im November 1998 war er in der Partie des Pascal bei der Uraufführung von Hans Gefors' Oper "Clara" an der Pariser Opéra Comique zu erleben.
„Lyrischer Glanz wurde ihm in Strauss „Daphne“ im Feb.99 bescheinigt.
Als „outstanding“ composer Flamand“ in Capriccio in Sydney “ wurde seine Strausspartie gefeiert , die er während der Olympiade2002 in Sydney unter dem Dirigat von PHILIPP AUGUIN sang.
In “Cara” einer zeitgenössischen Oper von Hans Gerfors an der L' Opera Comique brillierte er als „exellenterTenor“
Am Nationaltheater Mannheim engagiert, debütierte er als Alfredo und es folgte der Tamino und Tczekalinsky ("Pique Dame"). In der Saison 1999/2000 wirkte er dann in der "Ring"-Neuinszenierung als Froh ("Rheingold") mit.
Zu seinem Debüt in Nürnberg als Herzog von Urbino in der Straußoperette „Eine Nacht in Venedig“ schreibt die bayrische Staatszeitung“: Als Herzog von Urbino singt Nicolai Schukoff einen tenoral geschmeidigen Herzog in der Tradition der Tauber Tenöre!“
„Iphigenie auf Tauris“ von Gluck wird gerade für Anfang Juni als Co-Produktion mit den Salzburger Festspielen und dem Opernhaus Zürich in Nürnberg mit Nicolai Schukoff als Pylades vorbereitet.
Wo gab’s die erste Berührung mit klassischer Musik?
Mein Vater war ein fanatischer Klassikhörer; hat andauernd klassische Musik gespielt, eine Platte nach der anderen aufgelegt, Tonkonserven halt. Ich hab wie viele Blockflöte und Geige gelernt. Dann hab ich mit 15/16 am Konservatorium in Graz mit Klavier angefangen, wollte aber mehr machen. Saxophon spielte ich auch kurz, aber der Lehrer wollte nicht die Jazzschiene mit mir machen und dann sagte meine Klavierlehrerin, die auch Operngesang studiert hatte:“ „Kannst ned singen?“
„Probier's doch mit dem Singen.“ Dann hab ich mich erinnert, dass ich als Kind sehr viel gesungen habe und ich von meiner Lehrerin in der Volksschule einen Porzellanvogel geschenkt bekam, da sie meinte, ich sänge wie ein Vogel.
Meine Klavierlehrerin sagte, ich hätte einen wunderbaren Bass und hat mich zu einem Bass geschickt, der mit mir dann die Baritonarien studiert hat. “Hat man nicht auch Geld...“ so was eben. Das war der Anfang. Ich hab als Bariton angefangen, aber gleichzeitig eine Ausbildung als Verfahrenstechniker gemacht. Ich studierte Technik in Graz und parallel dazu Gesang an der Hochschule. Dann bin ich nach Salzburg und wollte dann als Tenor singen.
Wie kam der Umschwung vom Bariton zum Tenor?
Der kam durch einen, man kann sagen „Höhenfanatismus“, eine reine Temperamentsfrage eben.
Und was ganz wichtig für mich ist, ich möchte Geschichten erzählen, wenn ich singe. Für mich ist die Sprache , Artikulation ernorm wichtig. Ich mit der damaligen Lehrerin
Meine Stimme zu stark verformt es war „singt laut“ ein „Baritongeknödel“, ich konnte so einfach keine Geschichten erzählen, es war eine gemachte, dunkle Farbe in meiner Stimme. Damals hab ich auch sehr viel Lieder gemacht, Dichterliebe und so. Ich hab gemerkt, das bin ich nicht. Ich hab gespürt, das ist nicht meine Identität. Es war eine Identitätsfrage, eine Identitätskrise und das ging wirklich ins Persönliche. Wenn man anfängt zu studieren, dann ist man so verwoben mit seiner Stimme. Wenn man Stimmkratzen hat oder verkühlt ist, ist man ja gleich am Boden zerstört. Man ist ein Niemand. Ein Sänger steht und fällt mit seiner Stimme.
Ich blieb also in Salzburg und fand Boris Bakow, mit dem hab ich es dann geschafft.
Gibt es Vorbilder unter den Sängern, Musikern für Sie?
In meiner Jugend hatte für mich die absolute Stimme Corelli. Eine Reinheit des Tones, nur die Stilistik bei ihm war eine andere Frage.
Ich seh mich in einer Tradition von Nicolai Gedda, der es verstand und versucht hat in vielen Sprachen zu singen. Er konnte auch viele Sprachen sprechen. Das ist für mich auch enorm wichtig, da man mit der fremden Sprache, wenn man in ihr auch singen muss, einen Einblick in fremde Kulturen bekommt. Wenn ich eine Rolle singen muss, dann bereite ich mich irrsinnig drauf vor. Ich lese kiloweise Literatur, weil ich genau wissen will in welcher Situation die Figur, die singen soll, gerade ist.
Das erinnert mich an Kortner, der sagte: „Jedes Wort muss sprechen“
Das kommt dem nahe,was ich sagen will, man muss die Fremdsprache sprechen
können, wenn man in ihr singt. Für mich haben Worte, Töne einen Geruch; ich hab mich natürlich viel mit der österreichischen und deutschen Sprache beschäftigt, dem Unterschied zwischen östr. und deutscher Sprache, mir viele Gedanken gemacht.
Für mich haben gewisse Worte eine Aura, eine Kultur, an ihnen hängen Erlebnisse. Ich frag mich, woher kommt das Wort, aus welcher Zeit. Ist es z.b. Schönbrunner Dialekt und all diese Sachen wie z.b. jemand ist lasch, oder es pressiert
mir. Für mich ist das ziemlich spannend rauszufinden, wo ein Wort seinen Ursprung hat.
Wie ging’s dann weiter?
Im Mozarteum hat mir erst niemand geglaubt, dass ich Tenor bin und fast wäre ich durch die erste Diplomprüfung geflogen. Vor der letzten hatte ich schon mein Debüt als Alfredo in der Traviata mit wirklich einer Unmenge von guten Kritiken und dann bekam ich eine Auszeichnung vom Mozarteum, die „Lilli Lehmann Medallie“.
Fühlen Sie sich als „lyrischer „ Tenor, kann man Sie da so festlegen?
Das würde ich nicht so sagen, da ich vom Baritonfach komme, hab ich eine eher
dunkle Stimmfärbung. Meinen ersten Vertrag, den ich unterschrieben habe, ich muss gestehen, da war ich ein wenig blauäugig, war für die Rolle des Max im Freischütz.
am Landestheater in Salzburg.
Ich hab gehört, die suchen seit endloser Zeit einen Max. Ich hab die Arien gerade gesungen für mich so und hab mir gedacht, ich hab nichts zu verlieren; geh dorthin und frag ob ich ein Vorsingen haben kann... steh auf der Bühne und fang an mit: „Nein, länger trag ich...“ mit diesem Ton. Plötzlich fuhren alle Köpfe zu mir herum und später hab ich gehört Soudant hat sofort gesagt, das ist mein Max. Ja, und so schnell
ging das, das war mein erster Vertrag. Gerade der Max ist so eine Grenzpartie, das ist ja eigentlich kein lyrischer Tenor. Jetzt komme ich wieder dahin, warum ich mich in einer Tradition von einem Nicolai Gedda sehe. Heute muss man sich in diesen „Business“ , scheußliches Wort, so festlegen, man muss seine Nische finden, seine Spezialitäten. Und das tat Gedda nie. Er wollte alles ausprobieren.
Wenn dein Repertoire zu breit gefächert ist, dann wirst Du nicht ernst genommen, sehr oft ist das der Fall.
Es kommt doch drauf an wo man hin will und welchen Weg man dafür einschlägt?
Ich finde, man muss als Sänger wirklich Künstler sein. Man muss eine Ahnung haben von Malerei, Literatur, muss um das Gesamtkunstwerk Oper wirklich Bescheid wissen. Dann sehen Sie die Oper als Gesamtkunstwerk und nicht nur als Opernarienansammlung? Sicher, mich interessiert auch das Schauspiel sehr stark, immer, wenn mir da was über den Weg läuft mache ich das. In Wuppertal habe ich die Maßnahme von Brecht gemacht, das Stück hat sogar einen Preis in Berlin bekommen. Oder kürzlich hab ich bei der „Meisterklasse“ mitgespielt, ein Stück über die Callas, eben weil es mich interessiert zu spielen und zu sprechen.
Deswegen liebe ich auch Spielopern, Opern in denen man auch sprechen muss, sei es eine Zauberflöte oder Entführung oder eine Operette. Ich schätze die Operette sehr. Ich glaube auch, dass ich eine Stimme hab, die Operette sehr gut machen kann, wie gerade die „Goldenen“ von Kalman, Lehar oder Strauß, da liegt die Dessitatura relativ tief mit den Hochtönen, das kommt meiner Stimme natürlich entgegen.
Ich sehe bei Ihnen den Weg von Mozart, über Weber hin zu Strauss und dann gibt es natürlich die Puccinimänner, besonders den Alfredo, den Sie ja in 5 verschiedenen Produktionen gesungen haben.
Das sehen Sie ganz richtig. Puccini singt halt jeder gerne und der Domingo schreibt ganz toll: Puccini kann man singen, wenn man keine besonders gute Technik hat. Mit Mozart kann man sich kaputt machen!
Wo ist Ihr persönliches „goal?“ (Ziel)
So viel wie möglich in verschiedenen Richtungen auszuprobieren um meine Gesangskunst reicher zu machen. Meine beste Rolle, das würde ich von mir sagen , ist zur Zeit der Werther. Den Werther hab ich zuerst in Mannheim gesungen und werde ihn in der nächsten Saison in Nürnberg singen. Das ist eine Rolle an der ich arbeiten möchte, da sie beides vereint woran mir sehr gelegen ist: sie vereint das lyrische und das dramatische Moment. Du musst dramatisch und lyrisch zugleich sein. Gustav Kuhn sagte über den Werther er sei ein „lyrico pino“ lyrischer Tenor,
der eine volle Stimme hat. Deswegen fällt mir wieder Nicolai Gedda ein. Er konnte einen Dimitri in Russisch singen, galt mit Kraus zusammen als bestes Beispiel für das französische Fach und hat genauso gut sich im ital. Fach und Mozartfach bewegt. Bei Mozart habe ich genaue Vorstellungen, wie ich ihn machen will. Ich hab ja immerhin am Mozarteum studiert. Der Mozart ist wahnsinnig vielschichtig. Rein technisch betrachtet muss man ein meister der Phrasierung sein, vielleicht noch stärker als im Belcanto. Wer singt heute noch Belcanto wie früher? Mozart ist aber auf der anderen Seite dieses Feine wie ein Uhrwerk, ziselierte. Heute gibt es zu viele kleine Elemente auf die man im Musikmachen achtet, nur noch Seufzer, Barockbäuche. Mozart hatte in seinem Geist immer einen großen Bogen. Einer der
Stücke aufschreibt und das nächste schon komponiert.
Seine Figuren sind keine starken Männerfiguren, aber trotzdem haben sie ihre starken emotionalen Momente. Ein Tamino für mich: der steht und fällt mit der Sprecherszene. Wenn der Tamino dem Sprecher und das müsste ein starker Bassbariton sein, nichts entgegenzusetzen hat, dann ist er nur noch ein Strohmann, eine Strohpuppe. Er ist aber ausersehen im Tempel der Weisheit das Oberhaupt zu bilden mit Pamina an seiner Seite.
Ein anderer „Herzenskomponist“ ist für mich der Richard Strauss, der kommt direkt aus der Linie wie Mozart. Strauss gibt sich unheimlich viel Mühe mit der Instrumentalisierung seine Stücke.
Und da sind wir wieder in Wien. Mahler, Strauss, Hofmannsthal und ein Paul Celan
sind mit dieser, man kann sagen Todessehnsucht, die um die Jahrhundertwende (1900) in Wien herrschte, stark verbunden. Sie suchten eine neue Sprache. Der Verlust der Bodenständigkeit führte sie auch hin zum Einfachen. Strauss fasziniert mich immer wieder. Ich hab auch seine Opern schon fast alle gesungen, den Flamand oder den Narraboth. Und ganz stark ist natürlich das Dreigestirn Elektra, Salomé und Frau ohne Schatten. Der Rosenkavalier ist leider zu populär, aber auch spannend wen die Marschallin merkt das die Zeit, ihre Zeit, abgelaufen ist. Strauss hat wirklich das Zeitgefühl in Österreich, den nahen Untergang der Epoche in Töne gesetzt. Mein Großvater ist noch zu dieser Zeit, in dieser Atmosphäre aufgewachsen.
Geld hat keine Rolle gespielt und dann konnten die Menschen mit dem wer und was sie waren nichts mehr anfangen. Man konnte sich nicht mehr steigern, nur noch in der Kunst oder im Selbstmord. Die Marschallin spricht darüber mit einem lachenden und weinendem Auge. Ihre Zeit ist vorüber.
In Ihrer musikalischen Linie sehe ich auch starke Bezüge zu Alban Berg.
Absolut! Ich würde wahnsinnig gerne den Andres im Wozzeck singen. Ich muss den bald mal machen, das ist eine absolute Wunschrolle für mich. In Mannheim hab ich in meinem ersten Jahr den Mahler in der Lulu gemacht. Das ist zwar keine sonare Partie, aber man merkt, das ist eine Partie, die man sich wirklich erarbeite muss, die kommt einem nicht von vorneherein entgegen. Das gleiche gilt auch für Strauss. Bei Strauss spür ich dann genauso wie bei Berg diesen natürlichen Energiebogen. Die haben so wahnsinnig gut geschrieben für die Stimme. Genau getimte Ruhepunkt bei denen man die Kraft sammeln kann für die Aufstiege und Energieausbrüche. Viele Tenöre sagen Strauss oder Berg hat gegen die Stimme geschrieben, das finde ich überhaupt nicht. Hespos, ein ziemlich bekannter zeitgenössischer Komponist hat zwei Stücke für mich geschrieben. Die zeitgenössische Musik interessiert mich auch brennend. Aber der Andres ist eine Wunschrolle für mich; die muss mir bald mal angeboten werden.
Bei Berg hat man auch viele Anhaltspunkte im Orchester. Wenn man auf der Bühne steht hört man sehr viel, aber beim Wozzeck hört man sehr wenig – da bist Du wirklich ohne Netz, auf dem Seil ohne Netz.
Was ist mit dem Wagnerfach? Sie haben doch gerade in Nancy im Tannhäuser den Walter von der Vogelweide gesungen.
Ja, ich komme immer mehr zu Wagner. In Mannheim hab ich den Froh gemacht, war aber nie ein Wagnerfan und ich dachte die Musik von Wagner ist wen man sie über lange Strecken hört nicht so stark. In Mannheim haben wir den Ring gemacht hab ich dann viel mitbekommen. Und der Tannhäuser in Nancy war eine spannende Produktion, mit einem jungen Dirigenten, den ich für sehr begabt halte. Der Walter von der Vogelweide hat mich wieder ein Stück weitergebracht und als nächstes muss ich den David machen. Der David wird immer als eine Buffopartie gesehen. Den kann man ganz anders entwickeln und viel hineinlegen. Das wird mir sehr viel Spass machen. Die Rolle wird kommen. Nicht diese, aber die nächste Spielzeit.
Gab es wichtige Dirigentenpersönlichkeiten auf Ihrem musikalischen Lebensweg?
Da muss ich unbedingt Gustav Kuhn nennen, der mir bei der Capriccio Produktion in Sydney über den Weg lief. Ich möchte natürlich nicht den anderen Dirigenten zu nahe treten. Zu ihm bin ich, wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich hab also dieses Engagement in Melbourne und Sydney gehabt . Wir haben zu proben angefangen und da kommt dieses „enfant terrible“ daher mit seinen Jeans und seinem weiten, schwarzen, flatterndem Hemd, das er immer trägt und mischt erst mal den ganzen Laden auf.
Das war für mich das größte Dirigentenerlebnis schlechthin, denn erstens einmal hatte er die Originalpartitur vom Hans Svarovsky, der ja die Uraufführung von Capriccio dirigiert hat, wo Hans Hotter den Olivier gesungen hat . Diese Partitur hat Svarovsky Gustav Kuhn gewidmet und die hatte Gustav Kuhn dabei, mit all den Bemerkungen der Uraufführung; und : zweitens Gustav konnte das ganze Stück auswendig. Es war wirklich fantastisch. Noch nie hab' ich mich von einem Dirigenten so getragen gefühlt, wie von ihm. Und die lustige Geschichte, die uns beide verbindet ist, dass mein Schwiegervater der Geigenlehrer von Gustav Kuhn war. Die Welt ist klein. Ich bin auch Mitglied in seiner Akademie in Italien und habe bei den Tiroler Festspielen in Erl mitgemacht. Nach dem „Lied von der Erde“ wollen wir noch einiges gemeinsam machen, in Zukunft.
Singen Sie zur Zeit noch in Mannheim?
Nein, ich war drei Jahre in Mannheim. Ich bin mit vielen Kollegen gegangen, es gab zu viele Veränderungen für uns.
Wie kamen Sie nach Nürnberg?
Für mich muss alles schrittweise gehen. In Mannheim war ich zu dieser Zeit nicht besonders glücklich. Dann hab ich vor einem Jahr bewusst eine wichtige Entscheidung getroffen, die meine Sängerlaufbahn betrifft. Bei der Olympiade in Sydney, als ich den Alfredo gesungen hab, ist mir Philippe Augin begegnet. Ich sagte ihm: den eine Tag Tamino, am nächsten den Pinkerton und die Rollen, die aufbauen will und erarbeiten möchte, kommen nicht auf mich zu. Augin sagte: „Du wir brauchen eine Tenor wie dich, magst Du nicht kommen?“ So bin ich in Nürnberg gelandet. Mir ging es wirklich um meine Entwicklung, neue Aufgaben und Rollen.
Ich kann jetzt in Nürnberg die Rollen machen die ich brauche für meine stimmliche Entwicklung, da sie mir sonst fehlen.
Was wünschen Sie sich für ihre sängerische Zukunft?
Ich möchte eine lange Karriere machen. Möchte lange singen, wenn’s hinhaut mit 65
noch auf der Bühne stehen. Vielleicht sag ich dann, jetzt erlaube ich mir eine z. B. einen Lohengrin. Ich habe so lange gewartet jetzt ist meine Stimme wirklich reif. Vielleicht doch nicht erst mit 65, lacht, sondern früher. Aber ich möchte wirklich schrittweise gehen. Ich spüre, dass sich meine Stimme gerade sehr stark entwickelt
und solange ich mich nicht am Ziel fühle....
Ich möchte lange ein Tenor des Moments sein!
Das Gespräch führte Barbara RÖDER
