DER NEUE MERKER

Nummer 127 (17. Jahrgang, Juli/August - 2006)
06.07.08 12:23:22
Anton Cupak

Interview, 01/2006: Elsa KASTELA -Kreihsl, Das Mädchen aus Piräus wurde in Bonn zum Star

Die Sopranistin Elsa Kastela, die in Piräus – Griechenland – geboren wurde, genauer in der Ortschaft Kastela – daher ihr Künstlername- stammt aus einer Künstlerfamilie. Ihre Schwester ist die in Griechenland berühmte Schauspielerin Lida Protopsalti. Da sie schon als kleines Kind den Traum hatte, Sängerin zu werden, erhielt sie bei ihrer Mutter, die Musikprofessorin in Athen war, in frühester Jugend den ersten Unterricht.
Von 1948 – 1957 studierte sie am National-Konservatorium in Athen, und zwar die Fächer Klavier und Gesang. Im Jahre 1957 absolvierte sie die Klavierklasse als Solistin im Konzertfach und erhielt einstimmig den ersten Preis. 1951 legte sie in Athen die Reifeprüfung am Gymnasium mit Auszeichnung ab.
1958 – 1962 besuchte sie (unter ihren Mädchennamen Elsa Lapaki) an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien die Fächer Gesang bei Prof. Elisabeth Radó, Klavier bei Prof. Ludwig Czaczkes, Lied und Oratorium bei Prof. Erik Werba und Operndramatischen Unterricht bei Prof. Alexander Kolo.
1960 erhielt sie in Athen ihr Abschlussdiplom für Gesang und Oper mit dem 1. Preis und einer Auszeichnung für die hervorragende Leistung.

1956 und 1961 (mit Stipendium der Wiener Musikakademie) besuchte sie daneben die „Internationale Sommer-Akademie des Mozarteums in Salzburg“, die Gesangsklasse (Prof. E. Radó) und Lied und Oratorium (Prof. E. Werba).
Während eines Studienaufenthaltes in Amerika 1961 bekam sie von der „Julliard School of Music“ in New York ein ausgezeichnetes Zeugnis und Empfehlungsschreiben.

Im Mai 1961, beim Internationalen Opernsängerwettbewerb der Zeitung „Express“ in Wien, gewann sie unter dem Namen Elsa Lapaki den dritten Preis. Im selben Jahr - zu ihrem Geburtstag am 18. Oktober - schloss sie ihren ersten Bühnenvertrag als 1. Sopranistin ihres Faches mit dem Theater der Stadt Bonn ab und debütierte als Kleopatra in Händel´s „Julius Caesar“ unter der musikalischen Leitung von Peter Ronnefeld. Nach diesem großen Erfolg in Bonn erhielt sie im Februar 1962 - nach einer Vorversetzungsprüfung - ihr Diplom der Akademie in Wien.

Danach hat Elsa Kastela 27 Hauptpartien in rund 600 Bühnenvorstellungen gestaltet. Besondere Höhepunkte in ihrem Wirken am Theater konnte die von vielen auch in Wien als durchaus "staatsopernwürdig" bezeichnete Elsa Kastela als Donna Elvira und Donna Anna in „Don Giovanni“, Elektra in „Idomeneo“, Gräfin in „Figaro´s Hochzeit“, Fiordiligi in „Cosi fan tutte“, Crysothemis in „Elektra“ „Ariadne auf Naxos“ von R. Strauss sowie als Tosca, Desdemona, Leonore in „Toubadour“ Elisabeth in „Don Carlos„ Odabella in „Attila“, „Aida“, Madeleine in „André Chenier“, Elisabeth in „Tannhäuser“, Senta im "Fliegenden Holländer“, usw. verzeichnen.
Mit diesen Partien gastierten sie auch an einer Reihe namhafter deutscher Opernhäuser. Daneben hat sie zahlreiche Konzerte und Liederabende vornehmlich im deutschsprachigen Raum, in Frankreich und in Amerika gegeben. Mit dem Westdeutschen Rundfunk in Köln, dem Hessischen Rundfunk, dem Süddeutschen Rundfunk und dem Deutschen Fernsehen in Köln, hat sie eine Reihe von Aufnahmen und Produktionen gemacht.

Neben ihrem festen Bonner Engagement, das von 1961 – 1970 dauerte, gastierte sie von 1961 – 1981 an verschiedenen Opernhäusern Deutschlands, der Schweiz, Österreichs, Griechenland, Frankreich und Luxemburg. 1966 sang sie in Bonn die Uraufführung von Fortners „Die Bluthochzeit“ die Rolle der Braut. So manche ihrer Bonner Vorstellungen wurden von prominenten deutschen Politikern wie Bundespräsidenten Lübke und Kanzler Willy Brandt besucht.

Ein Gastvertrag mit mehreren Vorstellungen führte sie 1967 an die National Oper Athen, wo sie die Elisabeth in Wagners „Tannhäuser“ sang.
In 1968 sang sie wieder in ihrer Heimat in Festival Saloniki die „Aida“.

1968 Führte sie eine große Amerika-Tournee mit 25 Konzerten in die Philharmonie Hall (Lincol Center) New York, die Constitution Hall in Washington, Los Angeles, San Francisco und weitere Großstädte Amerikas unter der Leitung von Helmuth Rilling. Weitere Tourneen brachten sie in mehrere Städte Deutschlands und Frankreichs, diese Konzerte mit der Philharmonie Budapest unter der Leitung von Janos Ferencsik (mit Mahlers 4. Sinfonie, eines der Konzerte wurde vom Westdeutschen Rundfunk Köln direkt aus der Beethovenhalle übertragen) waren Höhepunkte in der Laufbahn von Elsa Kastela.

Ebenso wirkte sie beim Beethoven-Festival in der Beethovenhalle in Bonn, bei den Wiener Festwochen und beim Bach – Festival Ansbach mit. Weiters an mehreren Konzerten im Redouten-Saal in Bad Godesberg, im Schumannhaus in Bonn, in der Liederhalle Stuttgart und in zahlreichen anderen Städten Deutschlands. Mit der "Kinderstube“ von Mussorsky hatte Elsa Kastela großen Erfolg im Westdeutschen Rundfunk Köln, wo sie live in russischer Sprache gesungen hat.
1970 sang sie Herbert von Karajan vor, der sie sodann für die Salzburger Festspiele im Sommer 1970 als Cover für die Rollen der Desdemona, Donna Elvira und Donna Anna, Gräfin und Fiordiligi engagierte.
1970-1975 sang sie öfters als Gast im Opernhaus Graz die Donna Elvira, Donna Anna in „Don Giovanni“ von Mozart und die Leonora im „Trovatore“ von G. Verdi. Sie gastierte auch in den Landestheatern von Innsbruck und Linz.
Auch im Wiener Konzerthaus gab es erfolgreiche Kastela-Auftritte.
Im Mai 1974 sang die Sopranistin in Anwesenheit des Kardinals DDr. Franz König das "Requiem“ für Msgr. Prof. Otto Mauer in der griechisch-orthodoxen Kirche in Wien...usw.
Im Mai 1975 sang sie in Lübeck bei der deutschen Erstaufführung in „Cassandra“s von Vittorio Gnecchis die Rolle der Klytemnestra...usw.
Im Jahr 1978 ehelichte die Künstlerin Wilhelm Kreihsl, den Beleuchtungsinspektor der Volksoper Wien und der Salzburger Festspiele (incl. Oster-Festspiele) und wurde österreichische Staatsbürgerin.
Bereits während ihrer Bühnentätigkeit unterrichtete Elsa Kastela viele ihrer Kollegen und Schüler. Sie hat diese auch gesangstechnisch aufgebaut und vollendet.
Im Jahre 1981 wurde sie an das Konservatorium der Stadt Wien als Gesangspädagogin berufen und widmete bis zu ihrer Pensionierung ihre ganze Kraft der neuen Künstlergeneration.
Mit Entschließung von 22. April 1997 ist ihr vom Bundespräsidenten der Republik Österreich, Dr. Thomas Klestil, der Berufstitel P r o f e s s o r verliehen worden. Die Überreichung der Urkunde fand am 18. Juni 1997 im Kongresssaal des Bundeskanzleramtes in Wien statt. Nach der Pensionierung ist sie am Prayner-Konservatorium in Wien 4 tätig.
Elsa Kastela betätigt sich auch als Verfasserin fachlicher Bücher. Sie schrieb das Buch „Oratorium des Todes“ in Griechisch mit philosophischen Betrachtungen, auch Gedichte, Aphorismen u.s.w
Derzeit entsteht „Technik des Gesanges„ und Philosophie des Singens in Beziehung zum Leben“ usw. Vorträge mit lebendigen Beispielen und Seminare sind geplant.

PS: Wir haben in unsere Bildergalerie einige Rollenphotos von Elsa Kastela - verteilt auf mehrere Rubriken (Komponisten) gestellt. Elsa Kastela will ihre Erfahrungen, die sie im Laufe ihrer Bühnenkarriere gemacht hat und die auch jungen Sängern Hilfestellung geben können, in Buchform niederschreiben. Wir werden über dieses Projekt noch berichten

 

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Wien, 2010.09.05 22:40:19