Zum Benefizkonzert „100 Jahre Wandelhalle“ am 8. Juli 2006 in der Wandelhalle wird im Konzert der Landeskapelle die amerikanische Sopranistin Patricia Wise als Gast des Landestheaters auftreten. Mit ihr sprach Chefdramaturg Stefan Bausch.
Frage: Frau Wise, Sie blicken auf ein bewegtes Opernleben zurück. Wie fing alles an?
Patricia Wise: Ich stamme aus Kansas, aus dem Mittleren Westen der USA, der Kornkammer des Landes. In unserer Region gab es viele deutsche Einwanderer im 19. Jahrhundert, darunter sehr viele Lutheraner. Die haben Chöre gegründet, die heute noch diese Tradition weiterführen, also ein durchaus europäisch beeinflusster kultureller Boden. Es wurde damals noch viel Musik in den Familien gemacht. Ich hatte mit 7 Jahren angefangen, Geige und Klavier zu spielen und in unserer Kleinstadt mit 13000 Einwohnern gab es immerhin ein sehr versiertes Orchester mit klassischem Repertoire.
Frage: Und wann entdeckten Sie, dass Sie singen wollten?
Patricia Wise: Sehr früh. Ich habe mit 13 Jahren angefangen und ging mit 18 auf die Musikschule der Universität von Kansas, wo ich Gesang studieren konnte. Dort hatte ich auch meine ersten Opernerlebnisse im Chor von Puccinis „Madame Butterfly“, was mich stark beeindruckte. Mit 20 bin ich als Susanna in „Figaros Hochzeit“ an der Kansas City Opera eingesprungen, und mit 22 habe ich am Studio der Metropolitan Opera in New York vorgesungen und wurde genommen.
Frage: In diesem Alter fangen viele erst mit der Ausbildung richtig an.
Patricia Wise: Mir wurde gesagt, dass ich die Technik erstaunlicherweise schon hätte. Ich war wohl so etwas wie ein Naturtalent.
Frage: Wie ging es weiter?
Patricia Wise: Ich ging nach 2 Jahren Opernstudio an die New York City Opera, die zweite Oper in New York neben der Metropolitan Opera, und sang dort erste Solopartien. Danach trat ich an den verschiedensten Opernhäusern in den USA auf, unter anderem in Chicago, San Fransisco, Santa Fé und Kansas City. Ich hatte das Glück, dass man mir immer größere Rollen gab und ich so mich permanent weiterentwickeln konnte.
Frage: Sie blieben aber nicht in den USA?
Patricia Wise: Der nächste Glücksfall war, dass Marilyn Horne, einer der Spitzensängerinnen der Zeit, in London eine Vorstellung absagen musste und ich mich in ein Flugzeug setzte und die Rolle übernahm. Sie war ein Mezzosopran und es ging um die Rolle der Rosina in „Der Barbier von Sevilla“. Dass ich als Sopran die Rolle sang, erstaunte die Kritiker so sehr, dass ich viel positive Presse bekam und Aufmerksamkeit. Ich machte daraufhin eine Reise durch Europa und sang in Genf, München, Berlin und Wien vor. Ich bekam überall Angebote, fest ins Ensemble zu wechseln, aber mir ging es zu schnell. Ich bin erst mal wieder nach Hause geflogen und es dauerte fast 2 Jahre bis ich mich dann mehr und mehr in Europa etablierte. Allerdings bin ich nie in ein Festengagement gegangen, sondern blieb immer freischaffend. Am Ende habe ich 21 Jahre in Wien gelebt und in dieser Zeit mit Wien als Lebensmittelpunkt insgesamt 40 Rollen an den verschiedensten Opernhäusern gesungen.
Frage: Sie wurden quasi Europäerin?
Patricia Wise: In gewisser Weise schon. Nach 15 Jahren hat man mir in Wien den Titel Kammersängerin verliehen – ich hatte mir viele Rollen mit Edita Gruberova geteilt in dieser Zeit – und ich hatte ein Kind bekommen. Es sah ganz so aus, dass ich eine Wienerin werden würde.
Frage: Aber es kam anders.
Patricia Wise: Ich bekam 1995 das Angebot Professorin für Gesang zu werden an der Indiana University in Bloomington, etwa 4 Stunden von Chicago entfernt. Die Stadt ist ein Phänomen. Sie hat eine der größten Universitäten der USA mit 40000 Studenten und dabei nur 30000 „nicht-studentischen“ Einwohnern. Innerhalb der Universität ist die musikalische Abteilung mit ca. 1800 Studenten die größte und beste der USA. Der Gründer wollte damals in den 50er Jahren eine Opernabteilung und baute ein Opern- und Konzerthaus, da so etwas in der Region bis dahin nicht existierte. Heute haben wir 4 Orchester und produzieren 6 Opern und eine Operette im Jahr mit ganzjährigem permanentem Spielbetrieb, ähnlich wie hier in Eisenach.
Frage: Aber Sie haben den Kontakt nach Europa nicht abgebrochen?
Patricia Wise: Ich gebe Meisterkurse in verschiedenen Städten und er es ergab sich, dass ich ab Mitte Juli in Salzburg unterrichte und auf Grund persönlicher Kontakte hier nun in Eisenach bin, das Sängerensemble unterstütze und auch beim Wandelhallenkonzert auftrete.
Frage: Kannten Sie Eisenach und sein Theater schon?
Patricia Wise: Nein, ich war damals in Leipzig, Dresden und Berlin gewesen und kannte durch meine vielen Gastspiel Westdeutschland. Eisenach empfinde ich als eine ungewöhnlich schöne Stadt mit historischem Charakter, die offenbar im Krieg nicht so stark beschädigt wurde. Dennoch empfinde ich die Stadt als sehr modern. Ich bin besonders an Geschichte interessiert und habe mir die ersten Tage alles angeschaut, die Museen besucht und auch die bestens ausgestattete Bibliothek, die ich nur empfehlen kann. Als Amerikanerin bewundere ich das kulturelle Erbe und erkenne den Wert einer solchen Vergangenheit, eines solchen Zentrums von Musik- und Religionsgeschichte.
Im Theater erstaunten mich die Vielfalt des Angebots und das hohe Niveau an so einem doch relativ kleinen Theater. Ein solches Theater zu haben, aber auch ein Publikum, das das zu honorieren weiß und offen ist für Entwicklungen und individuelle Sichtweisen, kann man nicht hoch genug einschätzen. Auf mich wirkt es wie ein funktionierendes kulturelles Leben, wie man es sich vielerorts auf der Welt wünschen würde.
Um 17 Uhr beginnt unter der musikalischen Leitung von Till Hass ein Festkonzert der Landeskapelle. Gespielt werden Stücke von Gioachino Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Lehàr und Johann Strauß. Aus dem Ensemble des Landestheaters wird die Sopranistin Krista Kujala zu hören sein. Als besonderer Programmpunkt konnte die amerikanische Sängerin Patricia Wise, die unter anderem an der Mailänder Scala und der Staatsoper Wien häufiger Gast war und mit Dirigenten wie Lorin Maazel und Claudio Abbado aufgetreten ist, für das Festkonzert gewonnen werden.
Der Festakt, zu dem zahlreiche Ehrengäste erwartet werden, wird moderiert vom Intendanten des Landestheaters, Dr. Michael W. Schlicht.
Um 19 Uhr steht beschwingte Salonmusik auf dem Programm. Das Konzert mit dem Orchester "Bonbonniere" schließt sich an den Festakt an. Der Eintritt für den Festakt und das abendliche Konzert beträgt 10 Euro, der Erlös kommt vollständig der Wandelhallen-Stiftung zugute.
