Ein Gespräch mit dem Tenor Maxim MIRONOV
Er war die Tenor-Entdeckung dieses Sommers in Pesaro. Über freundliche Vermittlung des Pressebüros kam das Gespräch zu Stande. Der gerade erst 24-jährige junge Mann aus Tula (etwa 200 km von Moskau entfernt) in Russland, macht einen freundlichen, sympathischen Eindruck. Er ist schlank und groß gewachsen und spricht gut Englisch.
Eine Lehrerin entfachte in ihm das Interesse für klassische Musik und Oper. Mit 12 Jahren sah er im TV das Konzert der „3 Tenöre“ aus Paris und war überzeugt, das ist mein Weg. Nach der Matura kam er nach Moskau an eine Musik-Akademie und hatte das Glück von dem bedeutenden Stimmbildner Prof. Dimitry Vdovin (der mehrere groß herausgekommene Sänger lehrte) als Student aufgenommen zu werden.
Er konnte damals mit 18 Jahren nicht einmal richtig Noten lesen und er war allein in der großen Stadt. Prof. Vdovin hatte aber Vertrauen in seine Begabung.
Als Diplom-Prüfung sang er dann an der Helikon-Oper in Moskau die Hauptrolle in „Pierre le Grand“ von Gretry. Dann gewann er 2003 den 2. Preis des Bertelsmann „Neue Stimmen“ Wettbewerbs in Gütersloh.
Dort hörten ihn mehrere Agenten, einer davon war fest von ihm überzeugt und vermittelte sein Debüt in Westeuropa 2004. Er sang am Theatre-des-Champs-Elysees in Paris den Prinzen Ramiro in der „Cenerentola“ zusammen mit Elina Garanca (die er in höchsten Tönen lobt).
Er ist ein Tenor mit einer ausnehmend schönen Stimme, diese ist sehr leicht und lyrisch, nicht sehr groß, aber tragfähig. Sein Timbre ist noch sehr jugendlich, warm, etwas süß und vor allem sehr farbig, aber deutlich anders als jenes von Florez. Er beherrscht alle Fiorituren mühelos, er hat die hohen Noten schwerelos, phrasiert schönstens, Legato und Staccato – alles ist bestens, er ist intonationssicher.
Ich selber hörte ihn erstmals anfangs 2005 in „Maometto secondo“ am Fenice in Venedig und war überzeugt, eine interessante junge Stimme gehört zu haben. Für ihn folgten der Ramiro in Glyndebourne und Genf; der Libeskopf aus „Viaggio“ in Brüssel und Japan; der Tonio aus der „La fille du regiment“ in Florenz; der Lindoro in Aix-en-Provence.
Er ist sich der Eigenart seiner Stimme bewusst und möchte sich für die Weiterentwicklung und Repertoireausweitung genügend Zeit lassen. Hoffentlich macht er das! Da er so jung ist, könnte er leicht 40 Jahre des Singens vor sich haben.
Pläne für die nächste Zeit: in Moskau eine Aufnahme von „La donna del lago“; dann Cenerentola“ und einige Konzerte.
In Japan „Il viaggio“; den Lindoro in Bologna; den Prinzen in „Cenerentola“ in Glyndebourne unter Vladimir Jurovsky, auf Originalinstrumenten.
Als erste Mozart-Rolle kommt der „Mitridate“ in Brüssel.
Maxim Mironov wohnt in Moskau und möchte es auch so bleiben lassen. Seine Eltern sind
bereits frühzeitig verstorben, seine Schwester lebt verheiratet in Tula.
Es ist interessant was Sänger über ihre Rollen sagen:
Den Lindoro z. B. hält er für schwer, besonders die zweite Arie, den Ramiro trotz der hohen Noten und vielen Koloraturen nicht. Wenn man die Technik dazu hat! Er findet auch den Libeskopf oder das „Cessa di piu resistere“ aus dem „Barbiere“ nicht für schwierig.
Dem sympathischen jungen Mann sei eine lange, erfolgreiche Sängerlaufbahn gewünscht.
Martin Robert BOTZ
