DER NEUE MERKER

Nummer 127 (17. Jahrgang, Juli/August - 2006)
06.07.08 12:23:22
Anton Cupak

Interview, 01/2007: Elina GARANCA, "Ich passe auf, was mit mir passiert!"

Elina Garanca
“Ich passe auf, was mit mir passiert!”

Sie wird von Public Relations-Managern zum „Star“ gemacht, aber das ist nur möglich, weil die Lettin Elina Garanca alle Voraussetzungen mitbringt, um ebenso in einer Medienwelt wie vor den kritischen Augen und Ohren von Opernfreunden glanzvoll zu bestehen

Frau Garanca, Sie haben 2003, als Sie in Wien neu waren, dem „Merker“ ein Interview gegeben. Damals meinten Sie – klug und bescheiden -, Sie wollten es mit kleinen Partien langsam angehen. Wenn man sich ansieht, was Sie für 2007 vor sich haben, gewinnt man den Eindruck, Ihre Karriere rase wie ein Ferrari dahin: Zwei Konzerttourneen, London, Berlin, „Carmen“ in Riga, immer wieder Wien…

Das klingt wirklich nach rasend viel, und man hat da ein Management, das organisiert. Und ich denke, man muss auch sehen, dass ich pro Spielzeit ein bis zwei neue Rollen dazu lerne. In dieser Spielzeit ist es ja nur die Carmen, 2006 war reicher, da habe ich auch gemerkt, dass man zwischen den einzelnen Partien Ruhe braucht. Was ich jetzt singe, habe ich großteils drauf, also Cosi fan tutte für Covent Garden oder den Sesto, den ich heuer in Berlin mache: Das belastet schon etwas weniger als eine neue Partie. Und wenn ich Carmen erarbeite, die meine bisher größte dramatische Rolle sein wird, dann mache ich rundum etwas weniger.

Sie beginnen das Jahr mit zwei Konzerttourneen. Was hat Sie dazu bewogen?

Wenn ich mit Mariss Jansons und dem Concertgebouw Orchestra „Volkslieder“ von Luciano Berio singe, dann ist das einmal etwas ganz anderes, und ich erreiche ein neues Publikum, abgesehen davon, dass es weniger Zeit benötigt als eine Opernproduktion, wo man fast zwei Monate an einem Ort bleibt. Jetzt haben wir in zwei Wochen sechs Konzerte in vier verschiedenen Ländern, ich komme erstmals nach Amsterdam und nach London und kann dem Pariser Publikum, das immer unglaublich lieb und nett zu mir gewesen ist, einmal etwas anderes zeigen als Opernrollen. Außerdem ist Mariss Jansons, mit dem ich in Wien die „Carmen“ machen werde, für mich ein wichtiger Dirigent – so baut man miteinander Arbeitsbeziehungen auf.

Die Deutschland-Tournee mit Frankfurt, Baden-Baden, München, Dortmund, Düsseldorf und Hamburg gilt dann Ihrer CD?

Ja, das ist eher direkte Promotion dafür, ich singe großteils das Programm, das darauf enthalten ist. Das deutsche Publikum kennt mich noch nicht, und das ist eine gute Gelegenheit, sich vorzustellen.

Sie werden in Wien im April einen Liederabend geben. Wie wichtig ist das für Sie?

Es ist wichtig, aber nichts, was ich jeden Tag machen muss. Man kennt mich in Wien in vielen Opernrollen, und hier kann ich mich anders und sehr vielfältig präsentieren – von Schumann bis Rossini. Es ist eine Ehre, dass man mich als noch junge Sängerin für würdig hält, im Musikverein einen Liederabend zu geben. Für mich ist es auch eine Gelegenheit, lettische Komponisten zu singen. Ich denke, die Werke haben europäisches Niveau, und man kennt sie nicht, ebenso, wie man eigentlich sehr wenig über mein Land weiß – man denkt an das ganze Baltikum immer nur als eine ehemalige russische „Kolonie“, und das eine bedauernswerte Unwissenheit. Riga ist schließlich eine deutsche Gründung, war eine ganz bedeutende Hansestadt, Richard Wagner hat hier gearbeitet, Johannes Brahms, vor dem Ersten Weltkrieg war Lettland eines der reichsten Länder Europas. Außerdem bin ich ja nicht allein – Mariss Jansons, Gidon Kremer, Egils Silins, Segej Larin, wir sind alle Letten, auch Barishnykow kommt aus Riga.

Sie haben 2006 in Wien einen wunderschönen Octavian gesungen, der auch Wiener Opernfreunde verblüfft hat, die seit Jahrzehnten große Interpretinnen dieser Rolle erlebt haben. Wie haben Sie das „gemacht“?

Ja, der war fast neu für mich, ich habe die Rolle in Meiningen gesungen, das ist sechs Jahre her, und in dieser Zeit habe ich mich sehr verändert, auch was das Verständnis und die Technik angeht. Ich nehme mir kein Vorbild und mache jemanden nach, das tue ich nicht. Als Sänger tendiert man anfangs ohnedies dazu, jemanden nachzuahmen, und als ich die Rolle in Meiningen erstmals einstudiert habe, habe ich mir viel von Ann-Sophie von Otter angehört. Aber von damals bis jetzt niemanden mehr, wenngleich man die Interpretationen kennt. Wenn ich heute eine Aufnahme kaufe, kaufe ich sie weit mehr wegen des Dirigenten als wegen der Sänger. Ich habe auch meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Vielleicht bin ich auch etwas frecher geworden, dass ich einfach anbiete, was ich glaube, dass ich anbieten darf. Und ich meine ich habe den Glücksfall erlebt, dass meine Interpretation des Octavian vom Publikum und der Kritik tatsächlich angenommen wurde.

Beim Musikalischen hilft vermutlich ein Korrepetitor. Aber wie „spielt“ man eine Rolle, wenn man – vermutlich noch ohne Proben – in eine Repertoire-Vorstellung einsteigen muss?

Was die Darstellung betrifft, so bin ich glücklich, als Kind durch meine Mutter im Sprechtheater groß geworden zu sein, und die Proben, die ich mit acht oder zehn Jahren gesehen habe, haben mich etwas gelehrt, was jetzt wieder in mir hoch kommt. Das steckt in mir drin. Und was ich immer wieder sage: Ich bin ein Beobachter. Wenn ich einen Charakter darstelle, einen 17jährigen Buben in der Pubertät wie Octavian, dann sehe ich mich im täglichen Leben um, es interessiert mich, wie Leute sich benehmen. Ich versuche, den Menschen so zu präsentieren, als ob alles, was in diesem Moment passiert, auch zum ersten Mal passiert. Vielleicht macht das die Figur lebendig – aber ich kann es nicht erklären. Ich gehe auf die Bühne und tue, was ich in diesem Moment spüre.

Sie haben sehr viel „Hosen“ an, nicht nur als Octavian, auch als Sesto und Cherubino, die Sie 2006 neu gemacht haben, wann kommt der Komponist? Und was ist für Sie und Wien sonst noch neu?

Den Komponisten singe ich 2008 an der Wiener Staatsoper, nicht in einer Neuinszenierung, sondern in einer Repertoirevorstellung der „Ariadne“. Die Adalgisa, die ich schon in einer konzertanten Aufführung mit der Gruberova gesungen habe, kommt im Herbst für mehrere „Norma“-Vorstellungen an der Staatsoper – ich vermute, wenn ich die Zahl der Proben ansehe, dass es wieder die konzertante Aufführung ist, denn für szenisch würde das nicht reichen. Ich denke, da müssen die Wiener Fans nach München fahren, denn ein Jahr später, 2008, mache ich „Norma“ mit der Gruberova dort szenisch. Den Romeo von Bellini singe ich in Wien in einer konzertanten Aufführung im April 2008 im Konzerthaus mit Anna Netrebko, das kommt dann 2009 szenisch in Covent Garden.

Und die große Herausforderung der nächsten Zeit ist die Carmen?

Die Carmen hat mich schon einige Zeit gereizt, aber ich habe mir das nie zugetraut. Dass ich sie jetzt im Oktober erstmals in Riga singen werde, kommt mir immer noch wie ein Experiment vor. Ich probiere das eben aus, in einem kleineren Haus, wo ich die Leute kenne, den Regisseur, den Dirigenten, da kann ich das in einer angenehmen und ruhigen Atmosphäre erarbeiten. Und 2010 kommt die Rolle dann in Wien, bis dahin kann ich die Partie liegen lassen, wieder daran arbeiten, auffrischen, liegen lassen, reifen. In Wien wird es die alte Zeffirelli-Inszenierung in einer musikalischen Neueinstudierung von Mariss Jansons sein.

In Riga wird die „Carmen“ von Karel Mark Chichon, geleitet, den Sie seit fünf Jahren kennen und vor kurzem geheiratet haben. Wie geht man mit den Schwierigkeiten einer Ehe zwischen Künstlern um, die durch ihre Arbeit notgedrungen immer wieder getrennt werden?

Ich weiß, dass Künstlerehepaare sehr viele Probleme haben, und gerade deshalb will ich nicht viel darüber sprechen. Das belastet, und ich glaube an Energien, die da wirken, und es gibt einfach zu viele Beispiele, wie es sich negativ ausgewirkt hat, wenn über etwas zu viel spekuliert und geschrieben wird. Darum versuche ich, das Private meines Lebens regelrecht zu schützen.

Wird Wien auch mit dem Gatten Ihr „Lebensmittelpunkt“ bleiben?

Ich weiß es nicht. Bisher war ich im Ensemble, jetzt bin ich die zweite Spielzeit frei schaffend. Wir mögen Wien, obwohl eine gewisse Unruhe in uns ist, irgendwo anders hinzuziehen. Ich denke daran, ein Haus zu haben, wohin man sich zurückziehen kann, eine Familie aufzubauen mit zwei oder drei Kindern oder auch nur eins, wie der liebe Gott dann entscheidet. Ob das hier sein wird oder woanders, weiß ich noch nicht. Ich habe eine Wohnung in Wien, wahrscheinlich werde ich die behalten.

Und werden Sie versuchen, viel mit Ihrem Mann zu arbeiten?

Nicht zuletzt deshalb, weil es unglaublich viel Zeit und Energie spart. Er weiß zum Beispiel, wo ich atme, was ich in den einzelnen Phasen einer Rolle mache, und er arbeitet das mit dem Orchester vor. Das bietet mir dann eine entspannte Situation, in der ich mein Bestes geben kann. Es gibt ja auch Dirigenten, die einen Sänger erdrücken, statt ihm zu helfen, die Dinge von ihm verlangen, ohne dass man weiß, warum. Da arbeite ich besser mit solchen, wo ich mich wohl fühle. Natürlich will ich auch mit meinem Mann öfter zusammen sein, aber ich betone, wir machen kein „Familienunternehmen“. Er ist ein viel zu guter Dirigent, er braucht mich nicht für seine Karriere.

In einem Artikel über Sie hat es geheißen, „Public Relations Manager“ zerbrechen sich den Kopf, Sie zu „positionieren“. Was sagen Sie zu diesem neuen Umgang mit Opernsängern, für die man Werbung macht wie für Pop Stars?

Es hat sich tatsächlich deutlich verändert, wie man über Sänger schreibt. Man schickt mir Journalisten, die haben keine Ahnung von Musik, die wollen mit einer Sängerin nur noch über Kleider reden. Ich nehme dieses ganze PR-Treiben gelassen. Ich gebe die Interviews, die ich für richtig halte, wenn ich das Gefühl habe, ich erreiche ein Publikum, dem ich mich präsentieren will. Wenn man das Leben eines Sängers so ansieht – es wird ja von Managern und Intendanten gemacht, und ich muss mein Privatleben oder mich selber dazwischen „einschieben“. Es soll eine gewisse Lockerheit bleiben. Wir können ja, wie Harnoncourt einmal sagte, durchaus bis 2015 unsere Kalender voll schreiben, aber ob ich Lust habe, 2011 dies oder jenes zu machen, weiß ich ja nicht.

Und dennoch muss man an die Zukunft denken. Sie singen noch ein etwas leichteres Fach. Sehen Sie sich eigentlich einmal in den großen Verdi-Rollen, Eboli etwa oder Amneris?

Ja, unbedingt, Amneris ist meine Traumpartie, schon immer gewesen, ich finde, die Musik, die man da hat, unglaublich. Ich habe neulich eine Robert-Wilson-Inszenierung der „Aida“ gesehen, und am Ende, bei der Amneris-Szene, hatte ich regelrecht eine Gänsehaut, als Partie ist es phänomenal. Aber ich bin immer noch 30, und ich denke, die Amneris wird nicht früher als in zehn Jahren kommen – und wer weiß, was dann ist, vielleicht ist die Stimme dunkler geworden. Oder vielleicht heller, und ich werde die Aida singen. Ich weiß es nicht. Aber ich bin gerne ein Mezzo, und die physischen Komponenten der Stimmbänder besagen das auch.

Könnten Sie sich vorstellen, weil Sie ja auch so gut Deutsch sprechen, dass Sie einmal Wagner singen wollen?

Eventuell, aber ich glaube, das wird sicher einer der letzten Komponisten sein, mit dem ich mich beschäftigen werde. Zur Zeit ist mir Wagner immer noch zu laut, zu viel, zu lang und zu groß. Aber alle Kollegen, die Wagner singen, ob das Matti Salminen ist oder Waltraud Meier oder wer immer, alle haben mir gesagt, in meinem Alter haben sie Wagner fast immer gehasst. Also kommt es wahrscheinlich erst mit der Zeit.

Ein Sänger konfrontiert sich ja nicht nur mit Rollen, sondern im Opernbetrieb auch mit Inszenierungen. Als sie die Charlotte im „Werther“ als eine Art Marilyn Monroe darstellen mussten, war das für Sie in Ordnung?

Absolut. Ich meine, moderne Inszenierungen – Serban, Kusej, Loy -, die ich gemacht habe, waren für mich richtig, wenn sie das Geschehen glaubhaft umgesetzt haben. Man muss ja ans Publikum denken, an Leute, die das Werk nicht kennen und von der Inszenierung nichts wissen, und die müssen verstehen, um was es geht. Die Emotionen müssen stimmen, und wenn das für mich funktioniert, dann kann ich es auch vermitteln. Mir ist es glücklicherweise noch nicht passiert, dass ich in eine Inszenierung gekommen wäre, mit der ich nichts anfangen konnte. Das wäre schwierig, und es kann natürlich jederzeit passieren. Wenn wir für 2010 oder 2011 engagiert werden, wissen wir nichts weiter als die Partie. Wir wissen nicht, wer dirigiert, wer inszeniert, wer die Kollegen sind und haben null Ahnung von einer Konzeption. Was tun, wenn man dann feststellt, dass man nichts damit anfangen kann? Sich quälen und schlecht sein, dann wird man beschimpft, oder gleich aussteigen, dann wird man auch beschimpft? Es ist nicht leicht für Sänger. Man hat mir eine Robert-Wilson-Inszenierung angeboten, eine „Norma“ an der Met: Ich habe etwas von ihm gesehen, die Art ist mir fremd, aber ich finde es interessant. Und ich will mich durchaus auch „brechen“ und einmal etwas Ungewöhnliches machen. Aber ich muss wissen, um was es geht.

Apropos Metropolitan Opera: Das ist die nächste ganz große Station in Ihrer Karriere.

Ich werde dort nächstes Jahr Rosina, in der darauffolgenden Saison Cenerentola singen, dann kommt „Hoffmanns Erzählungen“ mit Netrebko und Villazon, dann ist an der Met auch die „Carmen“ vorgesehen, Adalgisa in „Norma“, mehrere Sachen.

Sprechen Sie mit Anna Netrebko eigentlich Russisch? Und denken Sie an russische Rollen?

Ja, Russisch mit Anna, das habe ich noch in der Schule gelernt, aber ich habe einen dicken Akzent. Ich glaube, Deutsch spreche ich mittlerweile viel besser als Russisch. Ich habe Freunde, die sagen, sie träumen von dem Tag, wo ich die Marina in „Boris Godunow“ singen werde, aber mit dem russischen Repertoire ist das so eine Sache, in dieser Sprache, die ganz tief im Halsbereich sitzt, und wo die Stimmen eigentlich keinen lyrischen Mezzosopran kennen… Also ich denke, erst wenn ich für die Amneris bereit bin, wird die Marina kommen, auch weil ich die Oper „Boris Godunow“ wirklich gigantisch finde.

Derzeit sind Sie, was für einen Sänger ja nicht so üblich ist, gleicherweise im deutschen, italienischen und französischen Repertoire zuhause. Man kann Sie nicht festlegen.

Harnoncourt sagt, ein Sänger wird immer abgestempelt, aber ich bin noch im Anfang, ich habe noch das Recht, mich zu entwickeln, dann werden wir sehen, wo die Stimme hin will.
Im Moment liebe ich den Cherubin am meisten, ich sehe mich gar nicht so sehr als Rosina, aber man verlangt sie immer wieder und ich singe sie, sie ist gut für die Stimme. Ich fühle mich nirgends so zuhause, ich unterhalte mich mit Ihnen auf Deutsch, mit meinem Mann auf Englisch, morgen spreche ich Italienisch, ich werde auch noch mein Alltagsfranzösisch verbessern – ich glaube, Menschen wie mich, die auch so viel unterwegs sind, kann man nicht festnageln.

Haben Sie einen Lieblingskomponisten?

Das nicht, auch keine Lieblingsoper, aber es gibt Stellen in Opern, die mich unglaublich berühren, etwa die zweite Liu-Arie in „Turandot“, da muss ich immer weinen, oder die „Norma“-Aufnahme von Callas und Christa Ludwig, der zweite Akt, oder Shirley Verrett als Anna Bolena – das sind Momente, die mir an die Seele gehen. Tosca ist überhaupt meine Lieblingsoper, ein Traum, der nie wahr werden wird, so wie die Callas im dritten Akt die Stelle singt, wenn sie begreift, dass Cavaradossi tot ist… Vielleicht erfülle ich mir den Wunsch nach der „Tosca“ einmal in einer konzertanten Aufführung – und das nächste halbe Jahr verbringe ich dann beim Hals-, Nasen- und Ohrenarzt…

Wie bereiten Sie sich auf eine Rolle vor?

Ich schaue schon zu, dass ich eineinhalb Jahre habe, sie zu lernen. Ich nehme mir Zeit, das langsam und richtig einzustudieren, setze mich dazu auch selbst ans Klavier, denn ich habe schließlich zwölf Jahre Erfahrung mit Klavierspielen. Dann ist ein guter Korrepetitor sehr wichtig, und ich frage an Opernhäusern immer Kollegen, wer mit wem gut gearbeitet hat. Man muss auch wissen, mit welcher Rolle man zu wem geht, auch Pianisten sind nicht für alle Komponisten gleich ideal. Am Tag der Vorstellung gehe ich eine Rolle noch einmal ganz durch, das mache ich gerne beim Bügeln, da stelle ich mich ein paar Stunden hin, manchmal habe ich auch den Klavierauszug neben mir. Schwierigere Rollen wie den Octavian schaue ich mir ganz genau an, auch wenn ich ihn zwei Tage davor gesungen habe, da ist so vieles daran kompliziert.

Wie stehen Sie der Zukunft gegenüber?

Ich lasse viele Dinge passieren und hänge nicht dauernd am Telefon und bombardiere den Agenten mit Forderungen und Drohungen. Aber ich passe auf, was mit mir passiert.
Wenn ich beispielsweise das Gefühl habe, etwas zu oft gesungen zu haben, da gehört was Neues dazu, dann schlage ich das vor. Ich versuche auch nach meiner Erfahrung Einfluss darauf zu nehmen, mit wem ich arbeite. Aber ich bin keine Diva, die mit dem Fuß auf den Boden stampft und sagt: Das oder das, sonst…! Das bin ich nicht.

Das Gespräch führte Renate Wagner

 

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Wien, 2010.09.05 22:10:53