Gespräch mit Karl Markovics
Demnächst ist Karl Markovics, einer der prägnantesten Schauspieler Österreichs, in dem faszinierenden Film „Die Fälscher“ des österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky im Kino zu sehen. Anlässlich eines Gesprächs darüber wurde auch des Schauspielers Liebe zur Musik zum Thema
Herr Markovics, als in der Volksoper „Der Sommernachtstraum“ von Benjamin Britten neu herauskam, ist man von der deutschen Sprache, in der die Oper Premiere hatte, auf die originale englische übergewechselt. War das sehr schwierig für Sie in der Rolle des Puck?
Um die Wahrheit zu sagen: Es war viel mehr Arbeit, als ich dachte, und es war natürlich als neue Herausforderung spannend. Ob es für das Publikum wirklich besser war als die deutsche Fassung, kann ich nicht sagen. Aber der Erfolg ist uns treu geblieben, denn offenbar wird der „Sommernachtstraum“ eine „ewige Geschichte“: Wenn er 2008 wieder kommt, erlebt er bereits seinen vierten Volksopern-Direktor.
Das heißt, dass Schauspieler-Kollege Robert Meyer in seiner Eigenschaft als künftiger Leiter des Hauses den „Sommernachtstraum“ schon gebucht hat. Wie steht es mit dem Schauspieler Karl Markovics für die Volksoper? Sie haben ja mit „Cabaret“ schon einmal Musical gespielt, und Meyer gehört ja – wie Hackl – zu jenen Schauspielerin, die in Musicals und auch Operetten Erfolge gefeiert haben. Würde Sie das nicht reizen?
Offen gestanden weiß ich das nicht. Ich habe eine große Vorliebe für Musik, es war für mich beispielsweise sehr schön, im Musikverein mit Milan Turkovic im Rahmen eines musikalischen Abends zu lesen. Aber ob ich mir jetzt unbedingt Operetten- oder Musicalrollen wünsche – da müsste man konkret über etwas sprechen.
Denken Sie nicht, dass der Frosch eine Rolle für Sie wäre?
Tatsächlich kommen gerade für den Frosch immer wieder von allen Ecken und Enden Anfragen. Aber im Moment steht er noch nicht auf meinem Wunschzettel. Vielleicht kommt er einmal, aber jedenfalls kann er noch warten. Für diese Rolle ist es sicher kein Fehler, wenn man etwas älter ist.
Sprechen wir also von einer Rolle, die Sie offenbar gerne gespielt haben. Der jüdische Fälscher Solly Sorowitsch, den Sie in „Die Fälscher“ von Stefan Ruzowitzky verkörpern, will nichts anderes als das Konzentrationslager und die NS-Zeit überleben. Dafür hat man als Zuschauer volles Verständnis. Trotzdem ist er absolut keine sympathische Figur…
Und darum hat mich die Rolle interessiert, weil ich wenig mit den Helden und Sympathieträgern anfangen kann, die zwar sehr schön sind, aber auf der Leinwand nie tun, was wirkliche Menschen machen, nämlich Fehler, und von denen man nie Seiten sieht, die unangenehm sind und sogar weh tun. Üblicherweise hätte man in einem Film über das Fälscherlager, das die Nationalsozialisten im KZ Sachsenhausen eingerichtet haben, den idealistischen Widerstandskämpfer in den Mittelpunkt gestellt. Nicht so Ruzowitzky – er wollte den zwielichtigen Solly Sorowitsch. Und er ist nicht so politisch korrekt, dass er meinte: Solly ist ein Jude, also muss er „gut“ sein.
Sie haben mit Stefan Ruzowitzky vor sechs Jahren „All the Queen’s Men“ gemacht, ein Film, der kein großer Erfolg war. Hat das die Zusammenarbeit beeinträchtig?
Überhaupt nicht. Es gibt viele Gründe, warum die „Queen’s Men“ schief gegangen sind, u.a., weil Ruzowitzky da kein eigenes Drehbuch vor sich hatte, aber wir wussten von damals her, dass wir gut miteinander können. Er war überzeugt, dass ich der Richtige für die Rolle bin, und aus diesem Vertrauen heraus, habe ich den Solly gestaltet. Für viel mehr wäre gar nicht Zeit gewesen – wir hatten einen kostbaren Monat Proben und dann 30 Drehtage in Babelsberg, da musste dann alles einfach schnell gehen.
Es fällt auf, dass Sie zwar sehr viel Fernsehen machen, dass die „Queen’s Men“ vor so langer Zeit Ihr letzter Kinofilm war. Wie kommt das?
Ich glaube, dass bei uns jetzt eine Generation junger Filmemacher tätig ist, die sehr stolz darauf ist, nicht auf die Quote zu schauen und keine populären Kompromisse zu machen, und die folglich nie daran dächte, einen Schauspieler wie mich zu besetzen, der einst durch eine Fernsehserie berühmt geworden ist. Ich will mich nicht beschweren, dass der „Stockinger“ mir nachhängt, aber das ist sicher ein Grund dafür, warum ich nur Theater und Fernsehen mache und kaum Film.
Wüssten Sie zu sagen, was Sie an Ihrer Arbeit am meisten mögen – Theater, Film, Fernsehen? Oder gelegentlich Oper und Regie?
Ich möchte wirklich die alte Floskel gebrauchen, dass mir immer das am liebsten ist, was ich gerade tue, und es stimmt auch. Im übrigen ist die Abwechslung für mich sehr wichtig, ich möchte in meinem Beruf so breit wie möglich sein. Darum würde ich auch gerne wieder einmal inszenieren, was ich 2005 am Volkstheater schon einmal versucht habe. Der Ansatz des Arbeitens ist in jedem Genre ein total anderer. Am Filmen schätze ich das Spontane, dass man sich – ganz außerhalb der Chronologie des Geschehens – auf eine meist winzige Szene einzulassen hat. Das hat einen Hauch von Improvisation – wie ich in meiner Kindheit einen Kasperl in die Hand genommen und los gespielt habe.
Sie machen relativ viel Fernsehen, aber immer nur einzelne Rollen in Fernsehspielen oder –Serien. Zurückblickend auf „Kommissar Rex“ oder „Stockinger“: Halten Sie es für ausgeschlossen, dass Sie je wieder eine Fernsehserie machen?
Ich weiß es nicht, ich fürchte nur, die Serie, die ich gerne machen würde, ist noch nicht erfunden worden. Ich rede überhaupt nie ins Blaue hinein über „Wünsche“. Wenn etwas konkret am Tisch liegt, dann überlege ich mir, ob ich es tun möchte oder nicht.
Und was liegt derzeit konkret am Tisch?
Eine Spielfilm-Dokumentation für das Fernsehen, die Elisabeth Scharang geschrieben hat. Ich spiele den Briefbomber Franz Fuchs. Jeder fragt sich, was diesen Mann zu seinen Taten bewogen hat. Dem Drehbuch liegen die originalen Vernehmungsprotokolle zugrunde, und daraus ergeben sich schon viele Motive. Man muss nur aufpassen, dass die Zuschauer am Ende nicht den „armen, irregeleiteten Franz Fuchs“ bedauern…
Das Gespräch führte Renate Wagner
