Miah Persson gehört zu den gefragtesten lyrischen Sopranen unserer Zeit. Ausschnitte aus ihrem breiten Konzertrepertoire präsentierte sie unter anderem in der Londoner Wigmore Hall, der Royal Albert Hall und der New Yorker Carnegie Hall. Die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die Wiener Staatsoper, die Royal Opera Covent Garden, sowie die Festspiele in Aix-en-Provence, Salzburg und Glyndebourne gehören zu den eindrucksvollen Stationen ihrer Opernkarriere.
Im März traf die Sängerin Merker-Mitarbeiter Marc Rohde in Frankfurt zum Interview.
Zwischen Brighton und London hat die schwedische Sängerin zusammen mit ihrem Ehemann, dem englischen Tenor Jeremy Ovenden und der gemeinsamen Tochter ihr Zuhause gefunden. Die Familie lebt dort seit Januar in einer idyllischen Kleinstadt. Miah Persson ist ihrer Heimat trotz des Umzuges weiterhin verbunden:
„Schweden ist ein wunderbares Land, in einigen Bereichen ist es Deutschland und Österreich sehr ähnlich. Hier funktioniert alles reibungslos und überall ist es sauber. Ich habe weiterhin noch eine Wohnung in Stockholm und arbeite immer wieder gerne an der Königlichen Oper. Dort kenne ich fast jeden im Ensemble und fühle mich wie zu Hause.“
Der Beginn einer großen Karriere
Wie kommt eine junge Frau, aufgewachsen in Hudiksvall - etwa 300 Kilometer nördlich von Stockholm - auf die Idee, Opernsängerin zu werden?
„Im Alter von sechs Jahren trat ich in eine Kindertheatergruppe ein. So war ich von klein auf daran gewöhnt auf der Bühne zu stehen, obwohl ich sonst eher schüchtern war. Später habe ich mit drei anderen Mädchen zusammen eine Gesangsgruppe gegründet. Wir haben großen Spaß am Musizieren gehabt und hauptsächlich Jazz gesungen. Irgendwann haben wir an einer Talentshow teilgenommen und es tatsächlich bis ins Finale, welches im Fernsehen übertragen wurde, geschafft. Oper kam dann erst viel später. Ich habe im Alter von 21 oder 22 Jahren angefangen, klassische Musik zu singen. Nach meinem Schulabschluss bin ich zunächst ein Jahr nach Paris gegangen, um dort meine französischen Sprachkenntnisse zu vertiefen. Erst als ich von dort zurückkam, habe ich mich dazu entschlossen, mit dem Singen weiterzumachen. Ich habe eines Tages völlig blauäugig bei der Musikhochschule angerufen und gesagt <<Hallo, ich möchte gerne singen lernen!>> Obwohl ich kaum theoretische Kenntnisse hatte gaben sie mir die Telefonnummer eines passionierten Lehrers, der mir sehr viele wichtige Dinge beigebracht hat. Das wichtigste, was er mich gelehrt hat, ist die Freude am Singen.“
Auf dem Weg zum Medienstar
In der Spielzeit 2007 / 2008 wird Miah Persson an der Oper Frankfurt als Fiordiligi zu erleben sein; eine Rolle, die sie im vergangenen Jahr erstmals beim renommierten Glyndebourne Festival gesungen hat. Eine der Vorstellungen wurde im Fernsehen übertragen und später auf DVD veröffentlicht.
„Diese Rolle gehört bislang zu meinen größten Herausforderungen. Als man mir das Engagement anbot, war ich sehr erfreut. Ich habe mich dann aber gefragt, ob das überhaupt die richtige Partie am richtigen Ort für mich ist. In Glyndebourne waren Kritiker der wichtigsten Zeitungen im Publikum. Dank der guten Akustik in dem kleinen, hölzernen Theater und den historischen Instrumenten, die ja etwas leiser sind als moderne, waren die Bedingungen für mich dort aber ideal.“
Weitere DVDs mit der jungen Sopranistin sind im Handel erhältlich, unter anderem ein Mitschnitt von Mozarts „Mitridate“ von den Salzburger Festspielen und „Le nozze di Figaro“ aus dem Royal Opera House Covent Garden.
„Es ist sehr schwierig für mich, mich selbst im Fernsehen anzuschauen. Man muss bei solchen Produkten sehr gnädig mit den Aufführenden umgehen und sich immer wieder vor Augen halten, dass es sich um einen Livemitschnitt handelt, bei dem zum Beispiel auf Grund intensiven Bühnengeschehens auch schon mal eine Note nicht hundertprozentig sitzen kann. Das Gnadenlose bei den Aufnahmen auf CD oder DVD ist ja, dass man immer wieder an eine bestimmte Stelle zurückspringen und jeden Ton ganz genau analysieren kann.“
Miah Persson hat an zahlreichen Studioaufnahmen mitgewirkt und bislang zwei Solo-CDs herausgebracht. Das Album mit dem Titel „Soul and Landscape“ enthält Lieder von den schwedischen Komponisten Ture Rangström, Wilhelm Stenhammar, Emil Sjögren, Gösta Nystroem und Pa Reveln. Roger Vignoles begleitet die Sängerin am Flügel. Im Juni letzten Jahres wurde eine CD mit Mozartarien veröffentlicht. Das Swedish Chamber Orchestra begleitet unter der Leitung von Frankfurts designiertem Generalmusikdirektor Sebastian Weigle.
„Pro Jahr mache ich zwei bis drei Aufnahmen. Neben den Solo-CDs habe ich an verschiedenen Operneinspielungen mitgewirkt und auch auf der neuesten CD von Bryn Terfel einige Stücke mit ihm gesungen.“
Im April hat sie Lieder von Rossini eingespielt. Dies war für sie besonders spannend, da sie noch eine Rolle dieses Komponisten auf der Opernbühne verkörpert hat.
Im Internet besteht bereits seit 2003 ein Fanclub der hübschen Schwedin. Hier tauschen sich mittlerweile immerhin etwa 75 Mitglieder mehr oder weniger regelmäßig über die Künstlerin aus. Die deutsche Illustrierte BUNTE kürte sie vor kurzem sogar zur Nr. 1 der „schönsten Diven von morgen.“
„Ich war über diese Sache etwas überrascht. Die Redaktion hat ein Telefoninterview von über einer halben Stunde Länge mit mir geführt. Man stellte mir opernbezogene Fragen und ich hatte keine Ahnung, worum es tatsächlich ging. Als ich dann das Heft in der Hand hielt, stellte ich fest, dass darin kein Interview mit mir enthalten war. Es wurde lediglich ein einzelnes Foto von mir abgedruckt. Natürlich gefällt es mir besser, die Rangliste anzuführen, als auf dem letzten Platz zu landen, aber ich hätte mir zumindest gewünscht, vorher informiert worden zu sein. Die Kollegen hier an der Oper Frankfurt hatten natürlich alle ihren Spaß. <<Ah, da kommt die Nummer Eins!>> hieß es dann oft wenn ich zur Probe erschien. Ansonsten hat die Geschichte keine großen Auswirkungen gehabt. Ich werde auch nach wie vor nicht auf der Strasse erkannt...“
Ein Ausblick in die Zukunft
An der Frankfurter „Figaro“-Produktion waren mit Maria Fontosh, Elin Rombo und Jenny Carlstedt drei weitere schwedisch-sprechende Sängerinnen beteiligt.
„Es macht Spaß, wenn man mit seinen Kollegen mal wieder in seiner Muttersprache sprechen kann. Maria und Elin waren zeitgleich mit mir auf dem Konservatorium und wir kennen uns seit dieser Zeit. Hier in Frankfurt arbeite ich zum ersten Mal mit beiden gemeinsam. Jenny habe ich vor einiger Zeit bei „The Turn of the Screw“ kennen gelernt und werde auch nächstes Jahr wieder am Main mit ihr zusammen auf der Bühne stehen. In „Così fan tutte“ wird sie meine Schwester spielen. Die Rolle des Ferrando wird übrigens von Topi Lehtipuu gesungen, genau wie im letzten Jahr in Glyndebourne.“
Frau Persson hat bisher erst eine einzige Rolle von Verdi interpretiert. Als Nanetta in „Falstaff“ machte sie auf weitere Interpretationen neugierig.
„Meine Traumrolle ist – irgendwann einmal – Violetta in „La Traviata“. Man hat mir bereits Gilda angeboten, aber ich war schon anderweitig verpflichtet. Die Rolle würde mir bereits jetzt liegen, auch wenn ich sie natürlich auf meine Art und Weise singen würde. Eine weitere Traumrolle in der Zukunft ist die Marschallin im „Rosenkavalier“.“
Heute das Gastspiel in Frankfurt, im Mai ein Engagement in San Francisco; bei einer Karriere wie dieser, kommt man ums Reisen nicht herum. Wie lässt sich das mit der Mutterrolle verbinden?
„Bevor ich Familie hatte, habe ich es immer uneingeschränkt toll gefunden, zu reisen. Jetzt ist unsere Tochter im Kindergartenalter und nicht immer davon begeistert, wenn wir sie mitnehmen. Für sie ist es natürlich besser zu Hause zu sein, wo sie ihre Freunde und ihr gewohntes Umfeld hat. Wenn ich im Mai / Juni in die U.S.A. reise, möchte ich selbstverständlich keine zweieinhalb Monate von meiner Tochter getrennt sein. Glücklicherweise kommen meine Eltern ebenfalls mit und können sich um die Kleine kümmern, während ich arbeiten muss. Ich finde meinen Beruf immer noch fantastisch, jedoch muss ich mit einem Kind etwas intensiver planen als vorher. Ebenso wichtig ist es, sich großzügige Pausen zwischen den einzelnen Engagements zu bewahren, in denen dann die Familie Vorrang hat.“
Ebenfalls in Amerika steht in absehbarer Zeit ein weiteres wichtiges Debüt auf dem Plan. 2009 wird die Schwedin erstmals an der Met auftreten. Dort wurde sie gleich für drei Rollen engagiert. Zunächst singt sie Sophie im „Rosenkavalier“, gefolgt von einer englischen Version von „Hänsel und Gretel“. In der folgenden Spielzeit steht schließlich wieder „Così“ auf dem Plan. Bleibt denn da noch Zeit für ein Wiedersehen mit dem Wiener Publikum?
„Oh ja, im Januar 2008 werde ich im Theater an der Wien in Poulenc´s „Dialogues des Carmélites“ auf der Bühne stehen. Ich finde die Stadt sehr schön und auch mein Debüt an der Wiener Staatsoper war für mich etwas ganz Besonderes. Nach nur anderthalb Probentagen hatte ich erstmals während der Vorstellung Gelegenheit die Bühne zu betreten. Ich sang Pamina und zu Beginn meiner Arie habe ich mich auf einmal gefragt, ob es richtig ist, an solch einem wichtigen Haus fast ohne Proben zu debütieren... An diesem Abend hat zum Glück alles fantastisch funktioniert und ich wurde seitdem zwei Mal wieder eingeladen. Leider konnte ich aus terminlichen Gründen nicht annehmen, obwohl ich liebend gerne wieder an der Staatsoper singen würde. Es ist so ein schönes Opernhaus!“
Miah Persson erweitert ihr Repertoire behutsam um neue Rollen. In Schweden hat sie sogar schon einmal Musical gesungen, für weitere Ausflüge in diese Richtung hält sie ihre Stimme inzwischen allerdings für zu sehr klassisch geschult.
Sollte irgendwann einmal der Tag kommen, an dem sie selbst nicht mehr singt, was würde sie dann gerne tun - außer vielleicht wieder mehr Zeit beim Skilaufen oder Handballspielen zu verbringen?
„Nachdem ich Violetta zumindest in meinem kleinen, ganz persönlichen Theater gesungen haben werde, würde ich irgendwann gerne mit jungen Sängern arbeiten. Hier meine ich weniger Gesangsunterricht, als viel mehr eine Art mentales Training, so wie es Sportler genießen. Ich selbst habe immer den nötigen Kampfgeist besessen, um auf der Bühne beste Leistungen zu erbringen, aber es gibt so viele gute Sänger, die auf Wettbewerben oder Vorsingen bei weitem nicht so gut singen, wie sie es in einer Gesangsstunde oder bei einer Probe tun. Diesen Leuten würde ich gerne dabei helfen, mehr Selbstsicherheit und Selbstvertrauen zu gewinnen und ihr Talent souverän präsentieren zu können.“
Über ihre Darstellung der Susanna in Frankfurt schrieb der Wiesbadener Kurier gerade erst: „über die Susanna der Miah Persson müsste man Superlative ausschütten – stimmliche Brillanz und Spielfreude dürften schwer zu übertreffen sein.“ Diese Superlative bleiben uns Opernfans hoffentlich noch recht lange erhalten!
Das Gespräch führte Marc Rohde
