ALEXIA VOULGARIDOU
- „bildhübsche Griechin mit einem warmen, weichen, relativ dunkel getönten lyrischen Sopran, den notwendigen Silbertönen für die Rosenkavalier-Sophie und viel Spielwitz“ - Das war nach der Münchner Singschul“ 1996, als mir diese ganz schön aufregende Stimme und das dazu gehörige resolute Fräulein zum ersten Mal begegneten. Alexia Voulgaridou war die „Entdeckung“ jenes Singschul“-Jahrgangs. Kurz darauf begeisterte sie mit ihrer Sophie das Publikum des Prinzregententheaters in der Theaterakademie-Produktion vom „Rosenkavalier“. Danach ging sie nach Mannheim, machte dort und von dort aus Karriere, und inzwischen hat sich die junge Sängerin in der Opernwelt recht gut etabliert. Besonders schön, dass es von der Bregenzer Festspiel-„Boheme“ mit Voulgaridou als wunderbarer Mimi einen Videomitschnitt gibt. Allerdings fanden die Aufzeichnungen bei strömendem Regen statt (sonst flüchtet man in Bregenz bei solchem Wetter ins Innere des Festspielhauses, aber der Regisseur wollte es so „natürlich“ haben). Die schweren Kostüme (laut Handlung Winterszeit) waren vollgesogen mit Wasser, alle Sänger sahen aus wie gebadete Ratten und froren jämmerlich. Ganz schön stressig für einen Opernsänger, das durchzuhalten, besonders stimmlich. -
Die kleine Alexia (Betonung auf dem i) träumte schon als Kind von der Bühne, hatten doch die Besuche griechischer Tragödien im Amphitheater (mit dem Papa) bereits die entsprechenden Gelüste geweckt. Die Musik als solche hat sie erst ein bisschen später „entdeckt“. Zuerst spielte sie intensiv Klavier, dann studierte sie Jura (!). Ihre Stimme wurde im Konservatoriumschor entdeckt und parallel zum Jurastudium studierte sie nun auch Gesang. Die plötzliche „Erleuchtung“ eines Nachts – SINGEN! Das ist es, was ich will (und nicht mehr Jura). - Nach dem Konservatorium in Athen, setzte Alexia ihre Studien in München (Hochschule für Musik/ Daphne Evangelatos) fort, wurde anschließend Mitglied des Opernstudios der Bayer. Staatsoper, es kam zu den o. erw. Aktivitäten, zum Engagement in Mannheim und schließlich zur jetzigen, freien Sängerkarriere seit 2000. -
Die Mimi ist eine ihrer meistangefragten Rollen, u. a. gerade wieder in Genf Nov. und Dez. 03. Rom hat zwei Monate lang Alexias Gounod-Marguerite genossen. Den Mannheimern bleibt sie immer noch gerne ein bisschen treu, solange man ihr dort so wunderschöne Rollen anbietet wie Donizettis Lucia (wieder Jan./04), Verdis Traviata, als Nächstes die Adina im „Liebestrank“ (5/04). - Der Belcanto war stets ihr großes Ziel („über viel Mozart“, wie sie 1996 bei unserem ersten Gespräch betont hatte). Nachdem sie eine ihrer Traumrollen, Verdis Violetta nun schon gesungen hat, die Opernwelt mit ihrer warmgetönt lyrischen und doch koloraturgewandten Lucia bereichert hat, stehen in den kommenden Spielzeiten so aufregende Rollen wie Norma (!), zunächst konzertant (Darmstadt 5/04) oder Anna Bolena (Turin 5/05) im Terminkalender. Und Marcello Viotti hat ihr Cherubinis Medea (!) für 2/05 angeboten (konzertant/BR). Eine Met-Anfrage für Musetta konnte leider aus zeittechnischen Gründen nicht realisiert werden.
Nachdem Alexia Voulgaridou bereits während ihrer Opernstudiozeit auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters gestanden hat, wäre es durchaus erstrebenswert, sie etwa in der Münchner „Traviata“ (z. B. neben ihrem Bregenzer Kollegen Rolando Villazon - siehe Mü. Festspiele 03) als Kameliendame erleben zu dürfen (eine der bestmöglichen Alternativen zur vielgerühmten Netrebko!). Repertoiremäßig sollte neben den erwähnten Belcanto-Großprojekten unbedingt noch mehr französische Oper Berücksichtigung finden. Jules Massenets Opernschaffen böte da einen ganzen „Blumengarten“ voller herrlicher Rollen, für welche die erotisch timbrierte Voulgaridou-Stimme optimal geeignet wäre: Allen voran natürlich Manon, aber unbedingt auch einmal Thais (etwa mit Ludovic Tezier, ihrem Bregenzer Marcello, als Athanael - da würde auch die Optik stimmen!). In der Voulgaridou hätte man auch einmal eine Sängerin, die der irren Esclarmonde-Partie gewachsen wäre, und und und.... - Sie ist ja noch jung, sie ist eine schöne Frau, sie ist zielstrebig und weiß, was sie kann, sie hat Charisma und diesen gottgegebenen Edelsopran - die Opernwelt darf sicherlich noch viel Herrliches von Alexia Voulgaridou erwarten. -
Und da ist noch was - Alexias „ständiger Begleiter“ ist ein kleiner, frecher aber ganz süßer weißer Wuschelhund namens Snoopy, ein extrem quirliges Kerlchen, das beinahe unser „Interview“ unterminiert hätte. Dorothea Zweipfennig 9/03
