DER NEUE MERKER
Oper, Ballett & Konzert in Wien und aller Welt
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Ausgabe

24. Jahrgang
JULI/AUGUST - 2011
Nr. 157
- - - - -
Anton Cupak
03.07.2011 20:53:55

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Presse

Bei Verwendung eines Textauszuges aus dem NEUEN MERKER bitten wir Sie, unseren Banner oder eines unserer Logos zu verwenden. Sie können diese auf unserer Presseseite downloaden.

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Dokument: 

Künstler-Infos

Aktualisiert: 

27.03.2013 23:20:53

DIE STARTSEITENKOMMENTARE aus www.der-neue-merker.eu

FREITAG, 2. SEPTEMBER 2011

Morgen startet er in seine zweite Saison - mit einem Event! "Simone Boccanegra" mit Placido Domingo wird nicht nur auf dem "Karajan-Platz" vor der Oper, sondern auch beim Filmfestival auf dem Rathausplatz zu sehen sein!

Paolo Carignani, Plácido Domingo, Ferruccio Furlanetto, Fabio Sartori, Barbara Frittoli am Rathausplatz Am Samstag, 3. September 2011 wird ab 20.40 Uhr Verdis Oper Simon Boccanegra live-zeitversetzt aus der Wiener Staatsoper übertragen. Im Anschluss an die Filmvorführung (um ca. 22.45 Uhr) erwartet die Kulturliebhaber am Rathausplatz ein ganz besonderes Highlight, denn die Stars der Vorführung Paolo Carignani, Plácido Domingo, Ferruccio Furlanetto, Fabio Sartori und Barbara Frittoli kommen von der Oper zum Rathausplatz und verbeugen sich dort vor den Zuschauern. Ein fulminantes Erlebnis für den letzten Samstagabend der Film Festival Saison am Wiener Rathausplatz also, und bestimmt ein Muss für Wahre Opernfreunde und solche, die es noch werden wollen.
Film Festival am Wiener Rathausplatz: Noch bis 4. September 2011 Filmbeginn täglich bei Einbruch der Dunkelheit Kulinarik 11 bis 24 Uhr Der Eintritt ist frei Weitere Infos: www.wien-event.at

Soweit die Aussendung von "PR-online"

Staatsoperndirektor Dominique Meyer ist wieder in Interview-Laune, diesmal trifft es die "Wiener Zeitung":

Apropos: Gleich zwei Premieren dieser Saison ("Traviata", "Aus einem Totenhaus") sind Koproduktionen, die beim Partner schon gelaufen sind. Stört es Sie, dazweiter zu sein?

Nun auch Konzertveranstalter: Meyer. Nun auch Konzertveranstalter: Meyer.
Nein, wir arbeiten ja im Interesse des Hauses, nämlich: mit dem gleichen Budget mehr Premieren zu machen - und unser Repertoire überarbeiten zu können. Wenn wir koproduzieren, zahlen wir weniger für die Ausstattung. Jetzt sind wir zwar bei den Koproduktionen mit Zürich und Aix die zweiten. Aber der neue "Titus", ebenfalls eine Zusammenarbeit, läuft zuerst bei uns, dann in Berlin. Und bei der nächsten Koproduktion mit Zürich, die auch schon geplant ist, werden wir die ersten sein.

Neu sind heuer auch Konzerte auf der großen Bühne - mit Stars wie Thomas Quasthoff und Diana Damrau. Knüpfen Sie da an Ihre Vergangenheit als Chef des Théâtre des Champs-Elysées an, das ja auch nicht nur Opern bietet?

Ich denke, dass es völlig normal ist, auch Sängerabende zu veranstalten. Die Staatsoper ist ja ein Tempel des Gesangs. Gleichzeitig lassen sich mit diesen Abenden die Probenzeiten für Repertoireabende verlängern, ohne einen Schließtag in Kauf zu nehmen.

Man könnte auch sagen, solche Abende wären eher die Aufgabe von Musikverein und Konzerthaus.

Da habe ich mich abgesprochen.

Und Ihr Projekt irritiert nicht?

Nein. Wir machen ja nur fünf Abende auf der großen Bühne, das ist nicht die Welt.

Die Wiener Volksoper startet Samstag mit einem Straßenfest, Sonntag steht "Die Lustige Witwe" auf dem Programm

Zur Volksoper erhielt ich eine Information, in der ein Opernfreund einen privaten Service anbietet:

Sehr geehrter Herr Cupak,
an der Wiener Volksoper sind – wie schon im Forum thematisiert wurde – Umbesetzungen sehr häufig. Zu meinem Leidwesen (Ich habe auch mit
anderen Opernbesuchen gesprochen, die ähnlich empfanden) werden Änderungen nicht gekennzeichnet; es bleibt dem Besucher nur, die
Vorstellungen im Netz durchzuklicken, was jedoch sehr viel Zeit kostet.
Laut Auskunft der Volksoper wäre es verwirrend, wenn man – wie die Staatsoper – auf der Website auf etwaige Änderungen hinweisen würde (Ich
glaube aber eher, dass dies zu viel Arbeit bedeuten würde).
Aus diesem Grund habe ich einen (kostenlosen) Internetauftritt erstellt, auf dem ich über Änderungen informieren werde. Die Site ist hier zu
finden: www.umbesetzungen-volksoper.de.tl
Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dies in Ihrer Kolumne kurz erwähnen würden, damit andere Leser des Online-Merkers auf diese
Informationsquelle aufmerksam werden.
Herzlichen Dank im Voraus und freundliche Grüße,
Florian Steindl

Elisabeth Sobotka verlängert in Graz bis 2017

Die "Kleine Zeitung" sprach mit der Intendantin: Warum haben Sie sich entschieden, Ihren 2014 auslaufenden Vertrag als Intendantin der Grazer Oper bis 31. August 2017 zu verlängern?

ELISABETH SOBOTKA: Dazu hat mich hauptsächlich das Haus bewogen. Ich habe zwei ganz tolle Jahre hinter mir und glaube, dass uns einiges gelungen ist. Nicht zuletzt gibt es eine finanzielle Grundlage, die funktioniert.

Wie sieht diese finanzielle Grundlage konkret aus?

SOBOTKA: Der Finanzierungsvertrag mit Land und Stadt wird bis 2017 verlängert: Wir erhalten jährlich rund 21 Millionen Euro, von denen aber 700.000 Euro Solidarbeitrag abgezogen werden.

Das heißt, Sie können bis 2017 so planen, wie Sie das für die kommende Saison getan haben - also eine Premiere weniger als in Ihren beiden ersten Spielzeiten?

SOBOTKA: Ja, aber ich hoffe, dass ich anders produzieren kann als in der jetzt beginnenden Saison, denn so viele Musicals will ich nicht mehr spielen, das ist ja nur dem Thalia-Umbau geschuldet. Ich trete immer für die Vielfalt ein und glaube, dass das ganz toll funktioniert hat. Ich sehe die Grazer Oper als Stadttheater und versuche deshalb, die ganze Bandbreite des Musiktheaters abzudecken.

Hans Joachim Frey spricht auch Niederlagen in seinem bisherigen Leben an.

Linz: Die Oberösterreichischen Nachrichten sprachen mit dem künftigen Intendanten der LIVA (u.a. Brucknerhaus): OÖN: Ihr größter Erfolg?

Frey: Das ist sicher die Gründung des Semper-Opernballs, den ich auch heute noch leite.

OÖN: Ihre größte Niederlage?

Frey: Die ist sicher im Privaten zu sehen, weil ich von meiner Frau getrennt lebe. Dass ich das nicht aufrechterhalten konnte, ist sicher meine größte Niederlage.

OÖN: Und in Ihrer Karriere?

Frey: Es wurde viel über Bremen geredet und geschrieben. (Nach 2,5 Millionen Euro Verlust durch das Musical „Marie Antoinette“ bat Frey als Generalintendant des Theaters Bremen 2009 vorzeitig um die Auflösung seines bis 2012 laufenden Vertrages, Anm. d. Redaktion). Ich sage immer, da hat einfach zum Schluss der Deckel nicht mehr zum Topf gepasst. Da wir sehr viel mehr Zuschauer gewonnen haben, habe ich es nie als Niederlage empfunden.

OÖN: Sprechen Sie sich von Fehlern frei?

Frey: Nein, das habe ich nie getan. Ich habe die Sache klar analysiert. Ich sage immer, zu allen Problemen gehören zwei.

OÖN: Wer war das?

Frey: Die Verantwortlichen der Stadtgemeinde Bremen und ich.

OÖN: Würden Sie weiter auf Musical setzen?

Frey: In Bremen war das eine besondere Konstellation. 500 Meter vom Theater lag ein leeres Musicaltheater, und die Stadt hatte mich gebeten, da zu spielen. Ich habe von vornherein darauf hingewiesen, dass es defizitär wird, insofern bin ich mir des Risikos von Musical voll bewusst. Musical kann sehr attraktiv sein, wenn man es richtig angeht und weiß, wie oft man es spielt und in welcher Länge. Aber Musical ist kein Allheilmittel – und wenn wir von Linz sprechen, gehört das Musical ganz klar ins neue Musiktheater und nicht ins Brucknerhaus.

Philippe Jaroussky heute im TV:
Der 33-jährige Franzose ist heute Abend um 22:45 zu Gast bei 3nach9 des NDR und erzählt vor seinem Auftritt beim Musikfest Bremen (10.09.), wie er zu seiner Kunst fand.

Dieter Kaegi inszeniert in Bern "Der fliegende Holländer" gleich "mit zwei Schiffen"

Soweit ich den "Holländer" kenne, kommen dort immer zwei Schiffe vor. Spüren Sie in der "Der Bund.ch" nach, ob sich der Redakteur geirrt hat - vom Regisseur will ich es nicht annehmen: Dieter Kaegi, seit über 20 Jahren inszenieren Sie Musiktheater aus allen Epochen. Einen Schwerpunkt vermutet man bei Ihnen am ehesten in der italienischen romantischen Oper. Zutreffend?
Zuerst einmal: Die wenigsten Regisseure haben einen Schwerpunkt. Wenn in der Biografie eines Regisseurs steht, dass er drei Viertel italienische Oper gemacht hat, ist das ganz einfach deswegen, weil drei Viertel des Repertoires weltweit aus italienischer Oper besteht. Als Regisseur macht man das, was einem angeboten wird von einem Theater, also in den meisten Fällen alles von der Barockoper bis zu zeitgenössischem Musiktheater. Handwerklich macht es wenig Unterschied. Natürlich hat man Vorlieben für eine bestimmte Epoche – in meinem Fall sind das die Barockoper und zeitgenössische Werke. Aber genauso gerne inszeniere ich dazwischen eine «Zauberflöte» oder eine «Lucia di Lammermoor».

Franz Lachner, ehemals Münchner Operndirektor

Die Konzerte haben wir bereits versäumt (gestern war das zweite), aber trotzdem ist der Artikel in der "Augsburger Zeitung" interessant:

In beiden Konzerten wurden Werke von Franz Lachner in Antithese denen von Richard Wagner gegenübergestellt. Dieser Programmpunkt dürfte für zusätzliche Spannung sorgen. Legendär ist die Ablehnung der Musik Richard Wagners durch Franz Lachner, auch die des Menschen, bezeugt im jeweiligen Briefwechsel, allerdings nicht im direkten, wo Sie auf Contenance achteten. Franz Lachner besaß eine führende Position in der Residenzstadt König Ludwig I. und König Max II. Er war es, der das damals recht mittelmäßige Münchner Hoforchester mit eiserner Disziplin zu einem hervorragenden Ensemble erzog und somit paradoxerweise den Boden für seinen ungeliebten Konkurrenten Richard Wagner bereitete. Eine Vorarbeit, die Wagner übrigens zu schätzen wusste, denn er schrieb in der Augsburger Allgemeinen Zeitung: „Von den Erfolgen des hoch verdienten Generalmusikdirektors ... muss ich vorteilhaft denken. Ich … gründe meine Hoffnung für die Hebung der heutigen deutschen Musikzustände auf den Boden von Franz Lachners Erfolgen.“

Rosel Zech ist tot!
Fassbinder und Zech bei den Dreharbeiten: Bei keinem anderen Regisseur hat sie sich so "aufgehoben gefühlt"

Wäre das deutsche Theater ein bisschen mehr als nur der Durchlauferhitzer mehr oder weniger schnell verglühender schauspielerischer Mode-Sternschnuppen und hätte es ein Gespür nicht nur für das, was heute opportun zu erledigen, sondern auch für das, was an unerledigt Schönem, Fruchtbarem, immer noch Funkelndem von gestern ins Morgen hinein noch ein Licht werfen könnte - es hätte sich gierig auf diese Schauspielerin stürzen müssen. Rosel Zech war in den letzten Jahren so ziemlich von den Bühnen verschwunden. Das Schnell-weg!-Theater hatte für sie und ihre wunderbar zivile, human autonome kühle Größe keine Verwendung mehr.

In der Presseschau finden Sie mehrere Nachrufe auf Rosel Zech.

Dass Prinz Harry in den Pool gefallen ist, passt zur vorigen Meldung so überhaupt nicht dazu. Deshalb beende ich den Kommentar und wünsche einen schönen Freitag

A.C.
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SAMSTAG, 3. SEPTEMBER 2011

Heute ist an der Wiener Staatsoper "Domingo-Tag". Wer keine Karte für den "Simone Boccanegra" hat, kann die Vorstellung entweder vor der Oper oder am Wiener Ratshaus auf der riesigen Leinwand des Filmfestivals erleben. Die Sänger der Aufführung kommen auch nach der Vorstellung zu den Rathausplatz-Besuchern!

So ganz unumstritten ist Placido Domingo jedoch nicht mehr. Dabei geht es weniger um den Sänger Domingo, sondern um den Ämtersammler, der den Hals nicht voll genug bekommen kann. Aus den USA schreibt uns ein Leser: Liebe Online-Redaktion,
die Freude über Domingo ist geteilt. Als Rigoletto und Boccanegra empfand ich ihn stets als verkappten Tenor, wie eine Menge anderer Leute auch. Die Vielfalt in den Rollen kann man nicht allein mit Chargieren und Grimassieren darstellen. In den USA gilt Domingo inzwischen als greedy, unersättlich. Ich denke da ist was dran. Und Washington und LA opera hat er finanziell in den Sand gesetzt.
Jan de Turovski.


Soweit eine Meinung zu Domingo! Der Ordnung halber sei hinzugefügt, dass sich von Lesern geäußerte Meinungen nicht mit der Ansicht der Redaktion decken müssen! Meinungsunterschlagung gibt es bei mir allerdings auch nicht!

Aber für ein volles Haus und einen glanzvollen Beginn sorgt Placido Domingo in jedem Fall. Direktor Dominique Meyer beherrscht das Spiel auf der Medienorgel auch sehr virtuos und funktioniert Absagen zu Saisonbeginn in Erfolge für die Direktion um: "Wir haben gleich stark angefangen“, sagt Dominique Meyer über den Start seiner zweiten Spielzeit als Wiener-Staatsopern-Direktor. Und das, obwohl noch kein Ton erklungen ist. Stark angefangen hat die Arbeit im Direktionsbüro, weil es gleich zum Auftakt zwei Absagen gab. Beide betreffen die Arabella-Serie, die am 5. September beginnt. Adrianne Pieczonka, Titelheldin der Premiere, ist krank. Die Kaiserin der „Frau ohne Schatten“-Produktion der Salzburger Festspiele, Anne Schwanewilms, springt ein.
Außerdem kann Philippe Augin die Vorstellung am 8. September nicht dirigieren. Also hat sich Franz Welser-Möst bereiterklärt, sowohl am 5. als auch am 8. am Pult zu stehen. „Es ist gut, wenn man einen Generalmusikdirektor hat“, sagt Dominique Meyer und lacht: „Eigentlich wollte der Franz am 8. schon nach Mailand fliegen, weil wir dort am 9. mit einem konzertanten ,Fidelio“ gastieren. Aber jetzt fliegt er mit dem Orchester und kann daher am Vorabend bei uns Strauss dirigieren.“
Dass es heuer im September auch künstlerisch hoch hergeht, ist im Übrigen durchaus nicht nur dem Zufall zu danken. Gleich zum Saisonbeginn kommt es zu einem Austausch zwischen La Scala und Wien. Im Gegenzug zum „Fidelio“ dirigiert Daniel Barenboim mit dem Scala-Ensemble am 9. das Verdi-Requiem.

Dass das mit dem "Fidelio" in Mailand eine Falschmeldung ist, konnte "Die Presse" nicht wissen. Die streikfreudigen Italiener pfeifen nämlich auf unseren "Fidelio" - die konzertante Vorstellung ist abgesagt. Das "Verdi-Requiem" in Wien findet aber programmgemäß statt! Also kann sich Franz Welser Möst zuerst ganz auf "Arabella" konzentrieren und am nächsten Tag kräftig ausspannen!


Heute Volksopernfest . Start ist um 10 h !

Mit einem kräftigen Lebenszeichen nach der Sommerpause startet die Wiener Volksoper in die neue Saison und lädt Sie in ein. Einen ganzen Tag lang können Sie an zahlreichen Stationen in und vor dem Opernhaus eine abwechslungsreiche Reise durch den Theateralltag unternehmen und Blicke hinter die Kulissen werfen. Am Abend haben Sie die einmalige Gelegenheit, mitzuerleben, wie eine Vorstellung an der Volksoper geprobt wird. Dafür wurden Zählkarten ausgegeben - ob es noch welche gibt, weiß ich nicht!

Auch für Kinder wird ein Programm geboten

Private Website für Volksoper Wien/ Umbesetzungen: www.umbesetzungen-volksoper.de.tl

London/ Albert-Hall

Antiisraelische Aktivisten haben mit lauten Rufen während eines Konzertes des Israel Philharmonic Orchestra an den BBC Proms in der Londoner Royal Albert Hall Unterbrüche provoziert.

Die Wiedergabe des Violinkonzertes von Max Bruch unter der Leitung von Zubin Mehta musste von BBC Radio 3 zweimal unterbrochen werden.

Eine «Palestine Solidarity Campaign» hatte zuvor zum Boykott des Konzertes aufgerufen; sie betrachtet den Auftritt des israelischen Orchesters laut BBC News als »Versuch Israels, fortgesetzte Verletzungen internationalen Rechts und der Menschenrechte weisszuwaschen». (cf)

Auszug aus "Codex flores"

Schön langsam fad wird die Endlos-Geschichte über die Kartenvergabe bei den Bayreuther Festspielen. Der "Münchner Kurier"wärmt die Sache wieder auf: Die Anzeigen nehmen Bezug auf einen Bericht des Bundesrechnungshofes“, erläuterte Chefermittler Schmitt. Die Behörde hatte bemängelt, dass nur rund 40 Prozent der knapp 58 000 Karten für die jährlich 30 Vorstellungen in den freien Verkauf gelangten. Die Anzeigen stammen von Privatpersonen aus Deutschland, “aber nicht aus der Region“, wie Schmitt der Nachrichtenagentur dpa sagte.
Der Bundesrechnungshof hatte im Sommer die Kartenvergabe in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages massiv gerügt. So gelangten bei Premieren ganze 16 Prozent der Tickets in den freien Handel. Der Rest werde entweder als Freikarten oder als feste Kontingente an Sponsoren und Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vergeben. Dies sei “mit den Förderzielen nicht vereinbar“, heißt es in dem Bericht der Rechnungsprüfer.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erklärte daraufhin, er nehme die Kritik sehr ernst. Er schloss Korrekturen am bisherigen Verfahren nicht aus. Bund, Freistaat Bayern, Bezirk Oberfranken, die Stadt und die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth beteiligen sich jährlich mit Millionenbeträgen am Defizit der Festspiele.
Bei den Mäzenen - sie bekommen rund ein Viertel der Karten zum regulären Preis - stieß die Kritik der Rechnungsprüfer nach Bekanntwerden hingegen auf Unverständnis. Freunde-Chef Georg von Waldenfels erinnerte daran, dass die Mäzene mit mehr als drei Millionen Euro pro Jahr mehr Geld für die Festspiele zur Verfügung stellten als Bund oder Land Bayern.
Rückendeckung kam vom Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Festspiele, Toni Schmid. Der Spitzenbeamte im bayerischen Kunstministerium warnte davor, das Kartenkontingent der Mäzene zu beschneiden. “Der Bundesrechnungshof kann nicht verlangen, dass wir die Kuh schlachten, deren Milch wir brauchen.“ Auch die Festspielleitung selbst wies die Kritik zurück. Aus dem Bericht dürfe nicht geschlossen werden, dass ein Großteil der Tickets verschenkt wird, sagte ihr Sprecher Peter Emmerich. Festspielchefin Katharina Wagner kündigte dennoch eine Überprüfung an.

Ich verstehe die Mäzene vollkommen. Soeben habe ich meine alljährliche Kartenbestellung nach Bayreuth abgeschickt (seit 2004 sind meine Frau und ich nicht bedacht wurden, weil wir keine Tricks anwenden und nur einmal registriert sind), aber denn es auch nächstes Jahr mit den Karten nicht klappt, verfallen wir keineswegs in Depressionen. Die Kartenpreise sind nämlich mittlerweile auch nicht "ohne", mein Finanzminister (also meine Frau) hat nur zwei Vorstellungen genehmigt!

Köln: Neue U-Bahn-Station Heumarkt - Schauplatz des "Fidelio"?

Die Kölner Oper spielt während ihrer Sanierung in Ausweichquartieren. Intendant Uwe Eric Laufenberg würde den „Fidelio“ gerne in der neuen U-Bahnstation Heumarkt inszenieren lassen. Im Interview mit Markus Schwering vom "Kölner Stadtanzeiger" erläutert er die Pläne: Fidelio“ liegt vom Sujet her nahe – von der Kerkersituation, von Florestans Gefängnis unter der Erde etc. Der soll im November 2012 kommen. Wir haben – auch das lag bei dem Stück nahe – Ai Weiwei gebeten, den Raum auszustatten. Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dass unser Verständnis von Freiheit und Selbstbestimmung ein anderes ist als das in China herrschende. Hier ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Ai Weiwei ist aus dem Gefängnis entlassen, aber noch kein freier Mann, er hat Auflagen, sich nicht zu äußern.

Eine U-Bahn-Station als Opernspielstätte, da zuckt man zusammen. Zunächst: Die Kölner Nord/Süd-Bahn hat infolge des Stadtarchiv-Einsturzes nicht das beste Image.

LAUFENBERG: Dann wird, wenn es uns gelingt, dort eine Oper besonders gut zu erzählen, dies sicher dazu beitragen, das Image aufzubessern. Da kommen die Interessen von KVB und Oper ganz gut zusammen.

Wie steht es mit der Kapazität? Sollen die Leute auf den Gleisen sitzen?

LAUFENBERG: Grundsätzlich ist die Situation keine andere als im Palladium, da gibt es ja auch keine Stühle. Wir werden in der U-Bahn eine Tribüne haben, auch einen Orchesterbereich. Der Raum für die Gleise kann zusammen mit den Bahnsteigen überbaut werden. Am Heumarkt gibt es ja auch wegen der Kreuzung mit der projektierten Ost/West-U-Bahn, mehrere Hallen, wo man sich dann entscheiden muss: Machen wir es hier oder dort?

Wie viele Zuschauer gehen rein?

LAUFENBERG: Mindestens 800, es können auch 1000 sein. Der Heumarkt ist ja geradezu eine Haltestellen-Kathedrale. Sehr beeindruckend.

Nur so nebenbei bemerkt, nicht jeder, der in China einsitzt, ist ein politischer Gefangener. Steuerhinterziehung ist auch in Österreich und Deutschland kein Kavaliersdelikt. Weder Sie noch ich wissen, was wirklich an der Causa dran ist!

Szenenwechsel/ Wien/ Theater in der Josefstadt. Wiederum lässt ein Theaterdirektor (diesmal Herbert Föttinger) ein Lamento von Stapel. Auszug aus dem "Standard". Standard: Sie wollen die Kammerspiele 2013 sanieren und machen dafür einen Finanzbedarf von 13,5 Millionen Euro geltend. Für die Hälfte der Summe sollen die beiden Subventionsgeber aufkommen. Wie sehen deren Signale aus?

Föttinger: Um ehrlich zu sein, nicht sehr ermutigend. Mir schwebt für die Kammerspiele eine Unterhaltungsbühne im besten Sinne vor: intelligenter Off-Broadway. Wenn man uns nicht hilft, muss ich mich mit der Sammelbüchse auf die Kärntner Straße stellen.

Das hat bisher aber noch kein Josefstadt-Direktor gemacht, also wird es auch Herr Fötinger nicht machen. Es genügt, wenn er ein gutes Programm macht und keine Auftragsstücke bei Franzobel bestellt, gegen die sich später sogar das Ensemble sperrt! Denn eines ist klar: Franzobel musste (aus)bezahlt werden!

Enoch zu Guttenberg fordert von seinem Sohn die Wiederherstellung der Familienehre

Und da zeigte der von den schönen Künsten kommende alte Guttenberg Züge, wie sie eher zu einem Patriarchen alten Schlags passen. Enoch zu Guttenberg nahm den abgestürzten Hoffnungsträger in die Pflicht, die Familienehre wieder herzustellen: "Glaubwürdigkeit ist ein ganz großer Teil unserer Familie. Es ist an meinem Sohn, diese Glaubwürdigkeit, wie auch immer, wieder herzustellen. Das wird er hoffentlich schaffen", sagte Guttenberg senior im fordernden Tonfall.

Wie der von allen politischen Ämtern zurückgetretene Filius das machen soll? Dazu wollte sich der Vater nicht äußern - aber offensichtlich gibt es da Pläne, sonst hätte sich Enoch wohl kaum so weit vor gewagt.

Ein bisschen versuchte Vater Guttenberg auch, an der Legende von der Hetzjagd auf den am Ende als Lügenbaron verspotteten Sohn zu stricken. Er erzählte von Journalisten, die Mitarbeitern der Familie 25.000 Euro für intime Details aus dem Familienleben geboten hätten. Und er versuchte, den erst nach immer neuen Enthüllungen über Plagiate in seiner Doktorarbeit zurückgetretenen KT als reuigen Sünder darzustellen.

Zum gestrigen Fußballspiel fällt mir nichts ein. Mit dieser österreichischen Mannschaft kann ich mich wirklich nicht identifizien.

Damit schließe ich für heute!
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SONNTAG, 4. SEPTEMBER 2011

Überraschung beim Staatsopernauftakt in Wien: Der "alte Eiserne" ist wieder da!!

Was das eine Überraschung zum Auftakt der Saison: der alte "Eiserne" ist wieder "am Amt" - unversehrt- wie auf den ersten Blick zu erkennen ist!

Renate Wagner schreibt: Wenn man den Zuschauerraum der Staatsoper betritt, kriegt man vor Erstaunen die Augen nicht zu: Der „Eiserne“ ist wieder da, der alte, goldene, der von Eisenmenger. Wie viele korrekte Erwägungen jene auch bewogen haben mögen, die diesen Vorhang als politischen Schandfleck überdeckten und statt dessen „moderne“ Kunst bescherten – es sei erlaubt, sich über die Rückkehr zu freuen.

Saisonauftakt Mit Domingo und "Simon Boccanegra"

Zerbrechen wir uns nicht den Kopf über eine Opernwelt, deren mit Abstand berühmtester Protagonist irgendetwas über 70 ist, nehmen wir es lieber positiv als Beweis dafür, dass die Oldies nicht überall auf den Mist geworfen werden. Abgesehen davon muss dieser Ruhm ja auch einen Grund haben, denn Bluff verpufft bekanntlich in kürzester Zeit… Wenden wir uns also der Eröffnung an der Wiener Staatsoper zu, die zweite Saison von Dominique Meyer mit ebendiesem nach wie vor berühmtesten aller Sänger. Dabei mussten Domingo-Fans absolut keine Sorge um seinen Simon Boccanegra haben (zu dem wir in Wien so gern „Simone“ sagen wie wir „Canale Grande“ sagen statt „Canal“). Wer ihm nicht ohnedies an die verschiedenen Orte seiner Triumphe nachgefahren ist, konnte ihn in dieser Rolle per Fernsehen aus der Mailänder Scala erleben und auf DVD aus London und New York. Immer war es eine souveräne, beeindruckende, auch ergreifende Leistung. Daran würde sich in Wien nichts ändern. Und so war es auch.

Große Frage: Mit „welcher Stimme“ würde Placido Domingo den Baritonpart des Boccanegra singen? Mit seiner üblichen, tenoralen, oder würde er sie mit Hilfe der Gesangstechnik quasi „dünkler“ einfärben? Die Antwort lautet: sowohl – als auch. Gerade zu Beginn, wenn Boccanegra im Vorspiel noch ein junger Mann ist (mit Schwarzhaarperücke auf jugendlich getrimmt), klingt er einfach wie Domingo, also sein übliches tenorales Selbst. Und das passiert auch später immer wieder – wenn er sich nicht tatsächlich über weite Strecken mit tiefer Bruststimme ein anderes Timbre gibt. Freilich, wo sich ein echter Bariton denken würde: „Hoppala, jetzt wird’s aber hoch“, fühlt Domingo sich hörbar am wohlsten. Im Ganzen ist es erstaunlich, über wie viel Stimme er noch verfügt, über die er via Technik zugreifen kann, und nur selten merkt man, dass es ihn doch einige Anstrengung kostet. Allerdings hat man schon jüngeren Sängern dabei zugesehen, wie sie sich mehr abmühten…

Der zweite "Veteran" des Abends, Ferruccio Furlanetto, den man schon am stimmlichen Ende meinte, und der doch schon seit einiger Zeit weitgehend die strömende Fülle seines prachtvollen Basses wieder gefunden hat. Das gab den zweitstärksten Publikumsjubel des Abends.

Ansonsten: Barbara Frittoli enttäuschend, Fabio Sartori gleich gar nicht anwesend und durch Massimiliano Pisapia (mit anständiger Höhe) vertreten, Eijiro Kai sang den Paolo, das sollte eine schwarze Seele mit schwarzer Stimme sein und wirkte ein wenig unterbesetzt. Dan Paul Dumitrescu intrigierte gemütlich, Simina Ivan absolvierte einen Mini-Auftritt, der Chor – die Herren waren besonders gefragt – zeigte sich sehr präsent (Leitung: Thomas Lang).

Paolo Carignani am Dirigentenpult lieferte viele sorgfältig ausformulierten Passagen, das war mehr als nur solides Repertoire.

Der Jubelsturm für Domingo kam dem Wiener Publikum aus tiefstem Herzen. Dieser Boccanegra ist sehr gut gegangen, aber dabei sollte er es nun belassen. Wenn er sich nächstens vielleicht einbildet, den Falstaff oder den Scarpia singen zu wollen (es gibt ja viele tolle Bariton-Rollen, für die man nicht mehr jung sein muss), könnte er sein permanentes Siegerblatt vielleicht einmal überreizen.

Nun ist auch die zweite "Merker-Kritik online: Dr. Peter Dusek berichtet vom Wiener Rathausplatz, von der Filiale also. Für Ihn war Barbara Frittoli nicht enttäuschend. Der Dirigent Paolo Carignani bewies mit Einfühlsamkeit und exzellenter Werkkenntnis, dass er drauf und dran ist, zu einem neuen Molinari-Pradelli oder Nello Santi zu avancieren. Hervorragend disponiert auch die weiteren Hauptpartien des Abends: Feruccio Furlanetto ist als Fiesco ein Glücksfall. Mit mächtigem Bass kann er doch jene lyrische Kantilene meistern, die ihm immer wieder abverlangt wird. Der Glücksfall einer Amelia ist auch Barbara Frittoli, die den nötigen weichen Tonansatz ebenso hat wie die Attacke der Koloraturen. Der vorgesehen Tenor Fabio Sartori musste in letzter Minute ersetzt werden: Massimiliano Pisapia hat den Gabriele Adorno ja auch schon in Wien mit Erfolg gesungen. Seine Stimme ist recht dramatisch, die Höhe sicher und sein Spiel glaubwürdig. Was ihm fehlt ist ein außergewöhnliches Timbre, wie es etwa Placido Domingo so ausgeprägt anbietet.

Heute hält die Staatsoper einen "Tag der offenen Türe" ab. Es wurden Zählkarten ausgegeben, ob Sie noch Platz finden, weiß ich nicht!

Ein Verwirrspiel gibt es um das Gastspiel der Wiener Staatsoper an der Mailänder Scala, geplant für kommenden Freitag ("Fidelio", konzertant). Die Kleine Zeitung "relativiert" ihre Meldung vom Vortag: Die Wiener Staatsoper plant weiterhin ihr Gastspiel an der Mailänder Scala: Die Aufführung des "Fidelio" unter Franz Welser-Möst am 9. September sei nicht abgesagt, teilte das Haus am Ring am Samstag mit. Die Direktoren Dominique Meyer und Stephane Lissner hätten in einem Gespräch den Austausch - die Scala präsentiert gleichzeitig das Verdi-Requiem unter Daniel Barenboim in Wien - bestätigt.

Am Freitag hatten Gewerkschaften in italienischen Medien verbreitet, das Wiener Gastspiel werde einem Streik an der Scala zum Opfer fallen. Grund des Streiks, der von zwei Gewerkschaftsorganisationen ausgerufen wurde, ist eine Änderung im Vertrag des für den Saal zuständigen Personals der Scala. Am Montag ist ein Treffen zwischen den Gewerkschaften und den Verantwortlichen des Opernhauses geplant.

Linzer Klangwolke

Was üblicherweise Schlusspunkt der alljährlichen Visualisierten Klangwolke in Linz ist, war heuer Hauptdarsteller: Bei "2011 - Feuerwelt. Eine Science-Fiction" wurde Samstagabend eine knappe Stunde lang ein unvergleichliches Feuerwerk in den Himmel geschossen. Die laut Veranstalter - Brucknerhaus und ORF Oberösterreich - rund 120.000 Besucher kamen aus dem Staunen nicht heraus. (Auszug aus der "Kleinen Zeitung")

Den Klassik-Termin am Sonntag, der wie immer vom Brucknerhaus live in den Donaupark übertragen wird, bestreitet die Filarmonica della Scala unter Daniel Harding mit Werken von Leonard Bernstein und Antonin Dvorak. Das Budget für alle drei Klangwolken liegt bei rund 600.000 Euro.

Nach Erfurt, die Domstufen-Festspiele ziehen Bilanz: Einmal fiel "Die Zauberflöte" dem Gewitter zum Opfer. Aber von dem Totalausfall am 24. August abgesehen kann die Neue Oper Erfurt zum Ende der Domstufen-Festspiele eine sonnige Bilanz ziehen. Alle Vorstellungen von Mozarts Singspiel waren ausverkauft, insgesamt, so Theatersprecherin Alexandra Kehr, sahen rund 26 000 Menschen "Die Zauberflöte". Die Generalprobe mitgerechnet, wird das Stück 13 Mal vor Publikum über die stufige Bühne gegangen sein, wenn die Festspiele am Sonntagabend enden.

Erleichterung herrscht in der Neuen Oper darüber, dass die erstmals im Domstufen-Spiel inbegriffene halbstündige Pause nicht nur reibungslos ablief, sondern vom Publikum gern und dankbar angenommen wurde. Es gab keine nennenswerten Wartezeiten vor den Toiletten, keine lästigen Schlangen an den Getränkeständen. "Unser Gastronom meint, dass etwa die Hälfte der Leute in der Pause auf der Tribüne sitzen bleibt", so Alexandra Kehr, "die andere Hälfte geht spazieren, und die Hälfte davon kauft sich etwas zu essen oder zu trinken." Pro Vorstellung seien 200 Brezeln verkauft und vermutlich auch verzehrt worden.

Sie sitzen da wie die Nornen und entscheiden darüber, wer Karten für Bayreuth bekommt

Die Bayreuther Karten-Vergabepraxis droht zum Fall für die Gerichte zu werden. Ich habe schon mehrmals geschrieben, dass ich das nicht verstehe. Der Mäzenatenverein steuert mehr Geld als der Freistaat Bayern bei, dessen Repräsentanten ungeniert Freikarten für die Premiere absitzen. Die Mäzene zahlen kräftig für die Festspiele, um sich dann Karten kaufen zu dürfen!

Die Gerichte könnten auch die Reiseveranstalter aufs Korn nehmen. Wolfgang Wagner hatte Tourismusunternehmer mit Karten bedient, um ja das Haus auf dem Grünen Hügel stets gut gefüllt zu wissen – „aus reinem Sicherheitsdenken“, so seine Tochter Katharina gegenüber der Presse im Juli. Die Festivalleitung will die ungeliebten Abmachungen bis auf einen vertraglich abgesicherten Fall ab 2012 auslaufen lassen.

Merker-Redakteur Dr. Klaus Billand hat in Bayreuth den "Bayreuth-Veteranen" Donald McIntyre, der erstaunlich gesund zu sein scheint, interviewt. Lesen Sie das Interview in diese Website: Zum Interview

George Michael ist derzeit auf Deutschland-Tournee
Sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit versucht George Michael unter anderem über den Kurznachrichtendienst Twitter zu korrigieren. "Ich trete mit den Tweets dem Bild des Geisteskranken entgegen, das bestimmte Presseleute seit Jahren von mir zeichnen wollen. Wenn es nach denen geht, soll man mich als humorlosen Irren wahrnehmen." Mit Twitter könne er den Leuten wenigstens als humoriger Irrer begegnen. (dapd)

Hat Karl Farkas gekokst?? Ulrich N. Schulenburg versucht in seinem neuen Buch, diese Frage zu klären:

Fangen wir mit einer der vielen Anekdoten an, die dieses Erinnerungsbuch fast zum Reißen bringen. Karl Farkas stand bei Kollegen im Verdacht zu koksen. Weil er beim Proben im Simpl oft leiser wurde, aufstand, hinausging - und dann völlig verändert, dynamisch, zurückkam. Einmal wurde er hinter einer Säule beobachtet, als er weißes Pulver auspackte...

Jahre nach Farkas' Tod hat der Verleger Ulrich N. Schulenburg gewagt, die Witwe danach zu fragen. Die drohte vor Lachen vom Sessel zu kippen. Das angebliche Kokain war Kukident. Haftpulver fürs falsche Gebiss, das mitunter zu wackeln begann, und dann pickte er sich die Zähne halt wieder an.

In den Niederlanden ist einem Zeitungsbericht zufolge ein bisher unbekanntes Werk des österreichischen Malers Gustav Klimt aufgetaucht. Das in Privatbesitz befindliche Bild mit dem Titel "Seeufer mit Birken" stamme aus dem Jahr 1901.

Wie der "Standard" berichtet, hat der österreichischen Klimt-Experten und Vizedirektor des Wiener Museums Belvedere, Alfred Weidinger, die Echtheit des 90 mal 90 Zentimeter großen Werks bestätigt. Nach Angaben der niederländischen Besitzerin kauften ihre Vorfahren das Gemälde 1902 bei einer Ausstellung in Düsseldorf.

Herr Weidinger ist sich Experte, also zweifeln wir seine Expertise nicht an. Im Prozess gegen die Bilderfälscher in Köln werden aber die Gutachter sehr wohl kritisiert. Es geht nicht an, dass jeder, der über einen Maler einmal publiziert hat, gleich als Experte gilt und Gutachter spielen darf!

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C.
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MONTAG, 5. SEPTEMBER 2011

Besseres als Placido Domingo kann einem Direktor zu Saisonbeginn nicht "passieren" - meint Redakteur Dominik Troger in www.operinwien.at

Foto: Barbara Frittoli, Placido Domingo und Massimiliano Pisapia. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Der Tenor Placido Domingo in seinem „dritten“ Stimmfrühling als Bariton, Furlanetto im „zweiten“, sorgten für jene unbedingte Bühnenpräsenz, die schon Verdi von den Darstellern des Boccanegra beziehungsweise Fiesco eingefordert hat.

Domingos Stimme klang im Prolog recht hell und noch auffallend nach Tenor, vielleicht mit Absicht, um das hier noch jugendlicher Alter der für Bariton komponierten Rolle herauszustreichen. Der etwas helle Klang schlug auch später öfter durch, vorwiegend setzte Domingo aber auf eine mit voller Brust in Töne gegossene Baritonalität. Er verfügte über genügend stimmliche und darstellerische Ressourcen, um die kraftraubende Rolle wirkungsvoll zu gestalten und durchzustehen. Seine Stimme und seine Motivation scheinen ungebrochen. Das Publikum folgte ihm ohne zu Zögern.

Im Finale auf Amelia zugehend, schon von der tödlichen Wirkung des Giftes gezeichnet, legte er sogar einen richtigen „Stunt“ ein und ging bühnengerecht zu Boden. Darstellerisch pflegte Domingo einen väterlichen, zur Rolle passenden Zug, manchmal schlich sich noch eine tenoral-sieghafte Gestik ein. Höhepunkt des Abends war das Finale ab dem klärenden Gespräch mit Fiesco. Ferruccio Furlanettos Bass wirkte wie neu erfrischt und sein Fiesco ist in den letzten Jahren ohnehin zu einer „tragischen Figur“ gereift. Im Zusammenwirken mit Domingo ergab das einen Multiplikatoreffekt an sängerischem „Charisma“, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog.

Die übrigen Mitwirkenden konnten schwer mithalten. Barbara Frittolis Amelia wirkte schon sehr „gereift“ und brachte die mädchenhaften Züge der Rolle kaum zur Geltung: eine stark flackernde Stimme und manch grenzwertige Höhe kennzeichneten ihren Gesang, der vor allem in den dramatischen Momenten sowie in den Ensembles überzeugte. Massimiliano Pisapia (Gabriele) war kurzfristig für Fabio Sartori eingesprungen. Satori hat noch die Probe am Vortag gesungen und war dann erkrankt, wurde dem Publikum vor Beginn der Vorstellung mitgeteilt. Pisapia löste die Aufgabe gut, schien mir aber erst im Laufe des Abends in Fahrt zu kommen. Eijiro Kai hat als Paolo positiv überrascht. Bei diesem Intriganten ist vor allem auch die schauspielerische Präsenz wichtig, treibt er doch die Handlung auf die Spitze zu.

Im "Kurier" ergänzt Peter Jarolin: Dass neben diesen beiden Giganten in Peter Steins Repertoire tauglicher Rampentheater-Inszenierung wenig Platz bleibt, versteht sich fast von selbst. Immerhin: Massimiliano Pisapia als Gabriele Adorno rettete als Einspringer für den erkrankten Fabio Sartori die Vorstellung und ließ seinen hellen, sicheren Tenor oft kraftvoll erklingen.

Barbara Frittoli hat als Amelia noch alle Höhen, beeindruckt darstellerisch und überspielt Schwächen in den unteren Lagen konsequent. Eijiro Kai und Dan Paul Dumitrescu fügen sich als Verschwörer ein. Souverän: Dirigent Paolo Carignani, der das stark ersatzgeschwächte Orchester - die Wiener Philharmoniker spielten zur gleichen Zeit in Grafenegg - sicher und sängerfreundlich durch die Partitur führte.

Dass gerade zum Saisonstart mit Starbesetzung auf der Staatsopernbühne die Philharmoniker mit etlichen "Ersatzspielern" anrücken (weil einige Stars in Grafenegg unabkömmlich sind), verwundert. "Die Ersatzspieler" haben ihre Chance genützt" - würde man beim Fußball sagen. Bei einem Orchester ist das wohl anders!

Überraschung beim Staatsopernauftakt in Wien: Der "alte Eiserne" ist wieder da!!

War das eine Überraschung zum Auftakt der Saison: der alte "Eiserne" ist wieder "am Amt" - unversehrt- wie auf den ersten Blick zu erkennen ist!

Renate Wagner schreibt: Wenn man den Zuschauerraum der Staatsoper betritt, kriegt man vor Erstaunen die Augen nicht zu: Der „Eiserne“ ist wieder da, der alte, goldene, der von Eisenmenger. Wie viele korrekte Erwägungen jene auch bewogen haben mögen, die diesen Vorhang als politischen Schandfleck überdeckten und statt dessen „moderne“ Kunst bescherten – es sei erlaubt, sich über die Rückkehr zu freuen.

Sie sitzen da wie die Nornen und entscheiden darüber, wer Karten für Bayreuth bekommt. Wie aber kommen die vielen Reisebüros, die ihre Karten zu horrenden Preisen, eingewickelt in einem "Paket" , offen im Internet anbieten, zu den Karten??

Die "Merker"-Mitarbeiterin Jakobine Kempkens aus München wies darauf hin, dass es nicht so sehr die Karten für die Mäzene sind, die im Visier der Staatsanwaltschaft stehen, sondern jene für die Reiseveranstalter. Zur Untermauerung der These schickte sie mir einen Artikel aus der "Sueddeutschen Zeitung": Die Festspiele sind gerade zu Ende gegangen, es waren die 100. in Bayreuth. Im Nachhinein wird man die Entscheidung der Festspielleiterinnen, den Geburtstag weithin zu ignorieren, als ausgesprochenen Glücksgriff werten dürfen, denn diese Festspielsaison brachte viel Ungemach und sehr wenig Erfreuliches am Grünen Hügel. Man ist dort Kritik gewöhnt, natürlich, aber die Premiere des Tannhäuser fiel schon gewaltig durch. Noch unerfreulicher aber dürfte die vornehme Reserviertheit wirken, mit der das Publikum auf die letzte Spielzeit der Meistersinger reagierte.

Ausgerechnet die Inszenierung der Festspielchefin Katharina Wagner trat den Beweis an, dass Karten in Bayreuth nicht automatisch Mangelware sind - bei Wagner blieb mancher Platz leer. Und dann der Zoff um die Kartenvergabe, losgetreten vom Bundesrechnungshof. Nun ist Betriebsurlaub am Hügel, Ruhe aber dürfte kaum einkehren. Denn jetzt interessiert sich auch noch die Staatsanwaltschaft für die Kartenvergabe in Bayreuth.

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt in Hof, Gerhard Schmitt, der Süddeutschen Zeitung bestätigte, wurde inzwischen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue. Gegen wen genau ermittelt wird, soll erst das Verfahren zeigen. Im Visier dürfte sich zunächst die Bayreuther Festspiele GmbH befinden, auch der Verwaltungsrat der Festspiele und möglicherweise einzelne Mitarbeiter der Gesellschaft. Hintergrund der Ermittlungen sind zwei Strafanzeigen, die bei der Staatsanwaltschaft in Hof eingegangen sind

Am meisten allerdings - neben den mehr als 2000 Freikarten - dürften sich die Ermittler nun für die Kartenkontingente interessieren, aus deren Herkunft am Hügel seit jeher das größte Geheimnis gemacht wird. Laut Rechnungshof verteilte die Festspiel-Gesellschaft Kartenkontingente an "mehr als 20 Reiseveranstalter". Im Jahr 2009 soll es sich dabei um Kontingente zwischen zehn und 516 Karten gehandelt haben, eine schriftliche Vereinbarung darüber aber habe lediglich in einem einzigen Fall bestanden. Diese Karten werden dann im Internet zu horrenden Preisen verkauft, nicht selten im Gesamtpaket mit Obstkorb, Sektempfang und Hotel-Bademantel.

Wie bestimmte Reiseveranstalter immer wieder an Kontingente gelangen, gilt am Hügel offiziell als nicht bekannt. Man wisse nicht, wie diese "Veranstalter an Karten kommen", sagte Festspielsprecher Peter Emmerich zum Rechnungshof-Bericht. Genauso unbekannt ist damit, wer daran verdient. "Das muss sich jetzt unbedingt ändern", fordert der GdF-Vorsitzende und frühere bayerische Finanzminister Georg von Waldenfels im SZ-Gespräch. Dass es Kartenkontingente für Reiseveranstalter geben soll, sei ihm vor dem Prüfbericht "gar nicht bekannt" gewesen. Darüber werde nicht öffentlich geredet am Hügel, möglicherweise hätten "da manche ein schlechtes Gewissen", vermutet er

Beim Gastspiel des Pittsburgh Symphony Orchestra im Grafenegger Auditorium war nichts
von jener "eiskalten" Perfektion zu verspüren, wie sie amerikanischen Orchestern gerne
zugeschrieben wird. Offenbar will Chefdirigent Manfred Honeck kein Orchesterdompteur
sein, sondern mit seinen Leuten im schönsten Sinne musizieren. (Auszug aus "Wiener Zeitung")

Bravos und Ovationen: Das Chicago Symphony Orchestra hat bei seinem einzigen Konzert seiner Europa-Tournee in Deutschland am Samstagabend das Publikum in Dresden begeistert.

Schon nach der Aufführung der Sinfonie in Es von Paul Hindemith (1895-1963) aus dem Jahre 1940 wurden die Musiker und vor allem Chefdirigent Riccardo Muti in der Semperoper minutenlang gefeiert.

(Auszug aus der "Berliner Zeitung")

Ein Konzerthaus-Bauboom hat Europa erfasst, von Helsinki bis Teneriffa. Dabei müssen sich
die Städte entscheiden: Wollen sie nur eine neue Touristenattraktion – oder wirklich klassische
Musik unter die Leute bringen? Darüber berichtet der "Tagesspiegel" .

George Michael hat ein neues Album auf den Markt gebracht, das sich speziell an Schwule wendet. Mit denen will er in der "Fachsprache" kommunizieren!

Was fällt einem noch zu Lars von Trier ein? Der Mann provoziert, wo immer es möglich, aber auch unmöglich ist!

Lars von Trier kann es nicht lassen: Der dänische Regisseur wurde am Samstag seinem Ruf als Provokateur einmal mehr gerecht. Er sei sehr stolz darauf, als "persona non grata", vom Filmfestival in Cannes ausgeschlossen worden zu sein. Der Rauswurf sei wie eine Auszeichnung gewesen, sagte der 55-jährige Regisseur in Berlin.

Der als Provokateur bekannte Däne war im Mai nach dem Eklat wegen seiner Nazi-Äußerungen, für die er sich später entschuldigte, in Cannes ausgeschlossen worden und wollte keine Pressekonferenzen mehr geben. Nun trat er im Berliner Kino Babylon, das eine Retrospektive mit seinen Filmen zeigt, vor das Publikum. Auf Nachfrage eines Zuschauers erklärte der Regisseur, dass die Geschichte zeigen würde, dass wir alle in irgendeiner Weise Nazis wären. Es dürfe außerdem keine Tabus geben, über die nicht gesprochen werden dürfe.

Im Artikel der "Presse" spricht von Trier aber auch über den letztlich gescheiterten "Ring" in Bayreuth. Er habe davon gelassen, weil Wolfgang Wagner von "entartet" gesprochen habe - ohne dass er dies freilich ernst gemeint habe! Seine Konzeption war fertig, sie steht angeblich im Internet sämtlichen anderen Regisseuren zur freien Entnahme offen. Vielleicht schlägt Frank Castorf nun zu - wenn er ein fertiges Konzept nur noch bearbeiten muss!

Wiedersehen eines Pärchens in der U-Haft: Zwei der Kölner Kunstfälscher, das Ehepaar Beltracchi

Auszug aus "Die Welt - online"): Schließlich war er ein großzügiger Gastgeber mit exquisitem Geschmack, was nicht nur die Magnum-Champagnerflaschen bewiesen, sondern das ganze von ihm neu erbaute Anwesen in bester Hanglage: Edle Hölzer, polierter Stahl, ein Swimmingpool aus Glas, wo der Badende einen wundervollen Blick auf die Stadt im Breisgau genießen konnte. Zudem sei Wolfgang Beltracchi ein hoch bezahlter Künstler, sagte man sich im Ort, die seien nun einmal Freigeister, und seine Frau Helene war ohne Abstriche immer entzückend!

Das wohl ernsteste Thema dieser Tage ist die Art, wie die Griechen mit ihren "Rettern" umspringen. Auch das spricht die "Welt-online" an. Blum glaubt, dass die Griechen das „selbst nicht schaffen, die bekommen ja nicht einmal ihre Tourismuswirtschaft und ihren Gemüseanbau in den Griff“. Stattdessen müssten ausländische Investoren angelockt werden – durch „die Veräußerung von Staatseigentum bis hin zu ganzen Inseln“.

Die Anstrengungen der Griechen bleiben zudem immer deutlicher hinter dem Notwendigen zurück, in dieser Woche wurden sogar Verhandlungen über eine neue Kredittranche abgebrochen. „Die griechische Regierung rechnet fest damit, dass sie Geld bekommt – egal was sie tut“, sagte ein hochrangiger europäischer Regierungsvertreter am Freitag der „Welt".

In Deutschland und auch in den anderen EU-Staaten regt sich immer noch kein ernsthafter Widerstand! Wie lange noch???


Eine schöne Woche wünscht

A.C.
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DONNERSTAG, 8. SEPTEMBER 2011
Mailand: Wiener Staatsoper darf Freitag nun doch spielen
Da sage noch einer, die Italiener seien nicht berechenbar und wüssten nicht, was sie wollen!. Nun hat sich die "Scala"-Direktion doch wieder einmal mit der Gewerkschaft geeinigt und die Wiener Staatsoper darf am Freitag "Fidelio" konzertant aufführen.
Ich gehe aber davon aus, dass der nächste Streik spätestens zur Saisoneröffnung angesagt ist!

In eigener Sache: Durch einen Serverwechsel im Mailbereich sind die Mailadressen gestört. Ich bitte daher die Mitarbeiter bzw. Theater, ihre Mails auch an info@tischlerei-cupak.at zu senden. Wenn der Spuk vorbei ist, werde ich es kundtun!

James Levine muss wieder absagen - Fabio Lusi übernimmt!

Der Direktor der New York Metropolitan Opera, James Levine, wird im Herbst keine Oper dirigieren. Wie die Met am Dienstag in einer Erklärung auf ihrer Webseite bekannt gab, muss der 68-Jährige wegen einer Rückenverletzung für einen ungenannten Zeitraum aussetzen. Gastdirigent Fabio Luisi werde bis auf weiteres die Leitung übernehmen.

"James Levine ist in der vergangenen Woche während seines Urlaubs gefallen, hat sich dabei einen Rückenwirbel verletzt und musste operiert werden. Obwohl die Operation erfolgreich war, ist Maestro Levine dazu gezwungen, seine Herbst Met-Vorstellungen abzusagen", hieß es in der Mitteilung. Darunter fallen auch neue Produktionen von "Don Giovanni" und "Siegfried".

Levine, der im vergangen Jahr sein 40. Jubiläum an der Met feierte, war bereits in den vergangenen Jahren mehrfach wegen Krankheit ausgefallen. Nach Angaben des Opernhauses hofft der Dirigent, die neue Produktion von "Götterdämmerung" am 27. Jänner 2012 leiten zu können.

Fabio Luisi "staubt ab"! Das ist legitim und das würde wohl jeder an seiner Stelle machen. Die Metropolitan-Opera spielt denn doch in einer höheren Liga als das Züricher Opernhaus. Es würde mich nicht wuundern, wenn sich Zürich einen neuen Musikdirektor sucht!

Dramatisch schlecht geht es derzeit den Bayreuther Festspielen.

Nun kommt es knüppeldick für die beiden Festspielleiterinnen. Sponsor Siemens springt ab!

Die ganze Welt ein Festspielhaus. Das war der Slogan. Die Bayreuther Festspiele für alle, mit Videoleinwand unter freiem Himmel, mit Übertragungen im Internet. Den Grünen Hügel öffnen – mit diesem Programm ist Co-Leiterin Katharina Wagner angetreten und hat die Festspiele für ganz neue Altersgruppen und Einkommensschichten erlebbar gemacht. Es war ihre größte Leistung bisher als Festivalchefin. Jetzt droht ihrer Idee das finanzielle Aus.

Denn der Hügel verliert nach Informationen von "Morgenpost Online“ seinen Hauptsponsor: Der Technikkonzern Siemens springt nach vierjähriger Zusammenarbeit ab. In einem Schreiben teilte Siemens auf Anfrage mit: „Wir wollen uns nun anderen Projekten zuwenden. Das haben wir schon vor vielen Monaten mit der Festspielleitung besprochen.“

Siemens hat seit 2008 jedes Jahr das Public Viewing auf dem Bayreuther Volksfestplatz („Siemens Festspielnacht“) und die Live-Streams im Internet finanziert. Mit knapp einer Million Euro hat das Unternehmen das Wagnerfest pro Saison gefördert. Damit ist ab sofort Schluss: Schon im nächsten Jahr wird es kein Sponsorengeld mehr geben.

Siemens zieht die Fahnen ein. Der Konzern ist nicht irgendein Sponsor, Siemens wurde bereits zum Symbol.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines rasanten Ansehensverlusts, den das Festival 2011 erlitten hat.

Ausgerechnet im Jahr der 100. Festspielsaison folgte ein Tiefschlag dem nächsten: Die Absage von Wim Wenders als „Ring“-Regisseur. Die Rüge des Bundesrechnungshofs zur intransparenten Ticketvergabe. Die Berichte über leere Plätze im sonst per definitionem überbuchten Festspielhaus. Und staatsanwaltliche Ermittlungen wegen dubioser Handschlag-Deals mit Reiseveranstaltern. Von den größtenteils ablehnenden Kritiken des aktuellen „Tannhäuser“ ganz abgesehen.

Wenn jetzt der wichtigste Sponsor von der Fahne geht, ist das ein fatales Signal. Es verstärkt den Eindruck, dass die Marke Bayreuth durch die vielen Pleiten an Attraktivität verloren hat. Der Mythos hat gelitten. Die gute Nachricht lautet: Schon bald gibt es die Gelegenheit, ihn wieder aufzupolieren. 2013 steigen die großen Jubelfestspiele zum 200. Geburtstag des Meisters, und wenn die erfolgreich sind, ist alles andere schnell vergessen. Die schlechte Nachricht ist: Noch so ein Pannen-Jubiläum wie in diesem Jahr werden viele Fans und Mäzene den Urenkelinnen des Komponisten kaum verzeihen.

Diese Informationen stammen aus der "Berliner Morgenpost". Der "Zick-Zack-Kurs", den Katharina Wagner fährt, kommt anscheinend doch nicht so gut an. Bei Wolfgang Wagner hat man manchmal den Kopf geschüttelt - aber man wusste, woran man bei ihm war. Bayreuth ist immer noch eine gute Marke. Wenn diese aufgeweicht wird, ist es aus und vorbei. Wenn der "Ring" 2013 schief geht, dann ist Bayreuth wirklich in einer veritablen Krise und nichts mehr auszuschließen - bis hin zur "feindlichen Übernahme"!

Hinter den Kulissen wird auch über St. Margarethen im Burgenland gemunkelt. Der diesjährige "Don Giovanni" wurde zwar von den Medien hochgejubelt, die "Volkesstimme" spricht eine andere Sprache. Wir haben es mit einem Publikum zu tun, dem das Feuerwerk nach Vorstellungsende zumindest ebenso wichtig ist, wie die Oper. Und in diesem Sommer gab es kein Feuerwerk!!

Renate Wagner führte sich nur die DVD des "Don Giovanni" zu Gemüte. Ich zitiere, damit wir wissen, warum das Publikum missgestimmt war: Vor den gewaltigen Hausmauern von Paul Zoller geht es nicht unbedingt logisch zu, aber man ist ja schon gewohnt, dass man Regisseuren ihre bunt durcheinander gewürfelten Willkürakte, die nur sie für Ideen halten, straflos durchgehen lässt. Selbst wenn sie sich an der Grenze des Geschmacks bewegen – Sexparties mit Tiermasken und Vergewaltigung werden später noch von einer extrem unappetitlichen Schlussszene getoppt, wo Leporello Leichen herumschleppt und sich offenbar vampirisch-kannibalistisch an ihnen vergeht. Am Ende fühlt man sich völlig wie beim „Tanz der Vampire“. Ist das nun zeitgemäßer Mozart? Nun ja. Und es ist ja auch der musikalische Teil des Unternehmens (Johannes Wildner am Pult der Orchesterakademie auf Schloss Esterházy) nicht eben berauschend. Kurz, im Gegensatz zu den üblichen St. Margarethen-DVDs (man denke an die durch und durch vergoldete „Zauberflöte“) kann man diesen „Don Giovanni“ vielleicht nicht unbeschaut der Oma schenken…

Die Zahlen der heurigen Saison liegen noch nicht vor, sind aber auch nicht aussagekräftig, weil die Opernsaison wegen der Passionsspiele nur ein Halb-Programm fahren konnte. Betrachten wir also den "Don Giovanni" als Versuchsballon, denn der Vertrag mit der Agentur Werner läuft angeblich noch zwei Jahre - und der "Mr. St. Margarethen" wird seinen Stil in diesen beiden Spielzeiten noch durchziehen. "Carmen" im nächsten Jahr zeugt nicht von großer Experimentierfreude, ist ein Selbstläufer.

Da aber die Esterhazy-Stiftung (Eigentümer des Steinbruchs) hochfliegende Pläne bis hin zur Orchester-Akademie im Eisenstädter Schloss hat, soll sich etwas ändern. In erster Linie soll das Niveau gehoben werden. Ob das aber ein Anliegen der Festspiel-Touristen bzw. der Touirsmus -(Werbe-)Veranstalter ist, darf angezweifelt werden. Aber im Moment ist die Sache noch sehr unausgegoren, zumal in der Esterhazy-Stiftung auch ganz gute Rechner sitzen!

Wolfgang Böck hat morgen Premiere an der Wiener Volksoper

Auszüge aus einem Interview mit dem "Standard": Standard: Sie geben in "Wiener Blut" den Karussellkönig Kagler. Einmal meint er in Richtung Graf Zedlau, dem Liebhaber seiner Tochter: "I sog eahm scho meine Meinung" - als er's dann tun könnte, zieht er zurück: "Es muss jo ned glei sein." Ein typischer Wiener?

Böck: In meinem Libretto sagt er das gar nicht! Aber: Ja, er ist natürlich ein typischer Wiener, Marke: Mia san mia. Er hat ein goldenes Wienerherz, dessen Kehrseite, wie wir wissen, aber auch sehr schwarz sein kann. Die Rolle ist ja nicht so groß, dass man daraus jetzt eine Charakterstudie entwickeln könnte, aber es gibt ein schönes neues Kagler-Couplet, das hier im Hause von Christoph Wagner-Trenkwitz getextet wurde, zur Überbrückung der Umbaupause vor dem dritten Akt.

Standard: "Wiener Blut" ist das "Ich war noch niemals in New York" von vor 100 Jahren - keine original Operette von Johann Strauß Sohn, sondern ein von Adolf Müller zusammengestelltes Potpourri von Tänzen des Komponisten, um das herum Viktor Léon und Leo Stein eine Story gebastelt haben. Merkt man dem Stück das an?

Böck: Ich hab die Produktion noch nie als Ganzes gesehen, aber es ist natürlich schon ein bisschen eine zusammengestoppelte G'schicht. Auch das Bild vom Wiener als begnadetem Liebhaber, das hier gezeichnet wird. Es ist halt mehr Unterhaltung als Realität

Publikumserfolg garantiert: Sister Act" im Wiener Ronacher. Ana Milva Gomes. Foto: Barbara Zeininger

Die Fotografin Barbara Zeininger war beim Fototermin im Ronacher und wir können deshalb bis zur Premiere (15. September) einige Fotos aus der Produktion liefern. Die ersten finden Sie in unserer heutigen "Aktuellen Seite - Infos des Tages".

Helsinki ist mit seinem neuen Konzerthaus fertig!

Endlich ist es so weit: Die ersten Töne des Orchesters füllen den neuen Konzertsaal. Und sie klingen wunderbar. Das jahrelange Warten hat sich also doch noch gelohnt. Alle Bauverzögerungen, alle Kostensteigerungen in Millionenhöhe scheinen vergessen; die letzten Zweifel werden vom Beifall des Publikums weggespült. Ende gut, alles gut.

Das liest sich wie ein Wunschtraum. Ist aber nackte Realität. Allerdings - hier kommt der kleine Haken an der Geschichte - reden wir nicht von Hamburg und seiner Elbphilharmonie, sondern vom Musiikkitalo in Helsinki.

Das neu eröffnete Konzerthaus steht an der Mannerheimintie, der Hauptstraße von Helsinki, zwischen dem Kiasma-Museum für Moderne Kunst und der Finlandia-Halle, gegenüber vom Parlament. Mit seinen klaren, strengen Formen und den Fassaden aus Glas und grün patiniertem Kupfer fügt sich der kubische Bau dezent in seine Umgebung ein. Ein moderater Auftritt, der sehr gut zur finnischen Mentalität passt und den Geist eleganter Zweckmäßigkeit verströmt. Genau das war auch die Absicht des Architekten Marko Kivistö vom Büro LPR-architects: Das äußere Design soll den Besucher einladen, und auf keinen Fall vom Wesentlichen - der Musik - ablenken.

Zu Renate Wagners Filmrubrik:
Der neue "Conan" weckt Sehnsucht nach Arnold Schwarzenegger

Wer hätte das gedacht, dass man als Kinobesucher je mit einer Art Sehnsucht an Arnold Schwarzenegger zurückdenken würde? Nicht an seine Qualitäten als Schauspieler natürlich. Aber wenn er als Conan auf der Leinwand erschien, dann war das doch was. Ein Brocken Mann, der neben Muskeln noch irgendetwas ausstrahlte. Was auch immer. Irgendetwas...
...Es sei gestattet, auf all den mystischen Unsinn um irgendwelche Allmachtsphantasien, der hier erfunden wird, nicht weiter einzugehen, dazu wird er viel zu uninteressant aufbereitet. Dafür aber in 3 D, natürlich. Der Weisheit letzter Schluss, wenn man sonst nichts zu bieten hat – was für diesen Film wahrlich gilt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Donnerstag!

A.C.
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FREITAG, 9. SEPTEMBER 2011
Adam Plachetka muss an der Wiener Staatsoper Bo Skovhus als "Don Giovanni" vertreten. Vom Salzburger "Masetto" zum Wiener "Don Giovanni".

Sein Rollendebüt als "Don Giovanni" gibt der junge tschechische Bass-Bariton Adam Plachetka bei der Mozart-Oper an der Wiener Staatsoper. Plachetka, seit 2010/11 Ensemblemitglied des Hauses, springt damit am 13., 17., 22. und 25. September für den erkrankten Dänen Bo Skovhus ein.

Seine Rolle als Don Basilio in "Il barbiere di Siviglia" übernimmt Sorin Coliban, wie das Opernhaus am Donnerstag mitteilte.

Soweit die Mitteilung der Wiener Staatsoper. Mit der Verplichtung von Adam Plachetka hat die Staatsoperndirektion vor einem Jahr ein guten Griff getan. Ihn nun in einer so exponierten Rolle so selbstverständlich zu besetzen, zeugt von großem Vertrauen in diesen jungen Sänger!

Ziemlich einig sind die Wiener Kritiker, dass das späte Debüt des Dirigenten Jeffrey Tate an der Wiener Staatsoper nicht so ganz geglückt ist.

Jeffrey Tate
Merker-Rezensent Dr. Peter Dusek schreibt in seiner Kritik: Ein längst überfälliges Staatsopern-Debüt von Jeffrey Tate brachte die Wiederaufnahme der „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal in der traumhaft schönen Ausstattung von Filippo Sanjust aus dem Jahr 1976.Und – um es gleich vorweg zu bekennen - der britische Musiker erfüllte die hohen Erwartungen nur teilweise, das hing nicht zuletzt mit einem schwachen, neuen Bacchus zusammen sowie mit der Tendenz, den kammermusikalischen Charakter der Oper allzu sehr zu betonen.

Die "Wiener Zeitung" meint:
Sein bedächtiger Zugriff gibt der kurzen, klein instrumentierten "Ariadne" vor allem: Größe. Und das durchaus im positiven Sinn, verdienen sich Strauss’ modulationswütige Volten, seine feinen instrumentalen Fäden doch einmal eine minutiöse Betrachtung, die hier in aller Delikatesse vonstatten geht. Problem freilich: Dass während der Oper in der Oper dann doch fast gefährliche Längen entstehen. Und: Wäre Camilla Nylund nicht eine so prächtige Ariadne, ihre Lungen wären vor eine Zerreißprobe gestellt.

Das größte Glück aber ist Sophie Koch, die das Kunststück zustande bringt, den Komponisten widerspruchslos sowohl als Feingeist wie Hitzkopf zu zeichnen - ein schlanker, silberstrahlender Klang, noch bei großer Kraftentfaltung. Daniela Fally zirpt eine virtuose Zerbinetta, und ihre Gespielen erfreuen ebenso wie Ariadnes tragische Entourage. Über die Töne von Tenor Ian Storey muss man zwar einen großen Mantel des Schweigens breiten - ansonsten jedoch den Hut heben vor einem gediegenen Abend.

Einigkeit auch bei Ian Storey: In dieser Verfassung nicht reif für die Staatsoper! Aber die Rolle des Bacchus ist teuflisch - und Storey wird sicher noch bessere Abende haben! Nicht umsonst singt er an den großen Häusern!

Eine Sternstunde bescherten Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden den Besuchern im Wiener Musikverein (mit Bruckners "Achter"): Besser als die Staatskapelle Dresden unter Thielemann kann man das Stück nicht spielen. (Anders vielleicht . . . )
Was Thielemann mit seinem neuen Orchester demonstrierte, war so etwas wie die Summe romantischer Spielkultur. Das Fließenlassen, das subtile Entwickeln melodischer Linien, die behutsame Abstimmung farblicher und harmonischer Schattierungen – bei gleichzeitiger Beachtung der architektonischen Verstrebungen eines symphonischen Riesenbaus. Es waren – nicht zuletzt bei Bruckners Achter – immer die Sternstunden im Goldenen Saal, wenn diese Elemente zur Vereinigung kamen.

Heute erlebt "Wiener Blut" in der Inszenierung von Thomas Enzinger an der Wiener Volksoper seine Premiere.

Georg Wacks. Foto: Barbara Zeininger

Die Voraufführung war am Mittwoch. Erste Eindrücke wurden mir bereits geschildert. Warten wir aber ab, ob das Stück in dieser Deutung bei der Premiere so richtig in die Gänge kommt!

Mit einem Auftritt des Königlichen Concertgebouworchesters Amsterdam unter der Leitung von Andris Nelsons und Yefim Bronfman am Klavier ist am Mittwochabend das fünfte Musik-Festival Grafenegg zu Ende gegangen. Die 15 Abendkonzerte wurden von 21.700 Besuchern frequentiert. Das entspricht laut der Bilanz der Grafenegg Kulturbetriebsgesellschaft vom Donnerstag im Vergleich mit 2010 (19.000 Besucher bei gleicher Konzertanzahl) einem Plus von 14 Prozent und einer Auslastung von 96 Prozent.

Bayreuther Festspielhaus

Der Rückzug des Sponsors "Siemens" ist ein herber Schlag für die Bayreuther Festspiele. Die Hintergründe sind verwirrend. Siemens sagt, dass die Festspielleitung seit einem halben Jahr informiert ist, der Rückzug nichts mit den Problemen während der abgelaufenen Festspiele 2011 zu tun hat. Allerdings hat Bayreuths Bürgermeister Hohl vor nicht einmal einem Monat einen Brief an den Siemens-Verantwortlichen geschrieben, in dem von einer Fortsetzung der Siemens-Aktivitäten die Rede ist - und Siemens hat nicht dementiert!

Die "Sueddeutsche Zeitung" spricht von einem enormen Ansehensverlust: Der Hauptsponsor bricht nach vier Jahren die Zusammenarbeit mit dem weltweit berühmtesten Opernfestival ab. Das Festspielbüro in Bayreuth hat auf Anrufbeantworter geschaltet, die fleißigen Akteure im Hintergrund sind bis 19. September im Urlaub. Aber auch ohne eine Stellungnahme vom Grünen Hügel ist klar, dass der Siemens-Rückzug für die Festspiele und das Leitungsteam der Wagner-Urenkelinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier nicht nur einen finanziellen, sondern, vielleicht mehr noch, einen Ansehensverlust bedeutet.

Betroffen sind zwar nicht die Aufführungen im Festspielhaus, aber gerade das, was seit vier Jahren an demokratischer Öffnung praktiziert wurde: die "Festspiele für alle", zum einen der Live-Stream im Internet, zum anderen die Live-Open-Air-Übertragung. Diese "Siemens-Nächte" von Bayreuth, Volksfeste des Public Viewing, bedeuteten viel für die Stadt und darüber hinaus.

Manuel Becher, Geschäftsführer der Bayreuther Tourismus-Gesellschaft und Veranstalter des Public Viewing, hat vom Siemens-Rückzug aus der Zeitung erfahren und spricht von einer "Katastrophe für das Stadtmarketing".

Der Rückzug von Siemens spielt sich auf drei Ebenen ab: der wirtschaftlichen, der konzeptionellen und der symbolischen - er ist ein negatives Signal, eine Beschädigung des kulturellen Ansehens der Festspiele, der Stadt Bayreuth, des Landes Bayern, schließlich auch des Bundes, der ebenfalls im Stiftungsrat der Festspiele vertreten ist.

Die derzeitigen Sorgen von Katharina Wagner möchte ich nicht haben. Erstens ist sie von einem schwer in die Jahre gekommenen Regie-Provokateur bezüglich des "Ring"-Projekts abhängig, zweitens kann sie nicht sicher sein, dass ihr Eiertanz (es jedem recht machen zu wollen) auch gut ankommt. Dass sie vor drei Jahren Alexander Busche von BF-Medien gehen ließ (der ganz maßgeblich an der Produktion "Meistersinger" beteiligt war), hat mich bereits damals nachdenklich gestimmt. Der Mann war spontan für Anliegen der Medien da und hat auch noch zusätzlich "Drecksarbeit" erledigt. Mir die Installation des Webstreams zu erklären, das ist wahre Drecksarbeit, glauben Sie mir!

530 Bühnen im deutschsprachigen Raum wurden statistisch erfasst, um die meistgespielten Stücke zu eruieren. Bei der Oper liegt erwartungsgemäß "Die Zauberflöte" ziemlich unangefochten an der Spitze, beim Schauspiel ist es "Faust". Das meistgespielte zeitgenössische Stück ist "Gott des Gemetzels", in den "Top Ten" findet sich mit "Ronja Räubertochter" sogar ein Kinderstück.

Schauplatz Wien/ Semperdepot/Neue Oper Wien: Altägyptische Textfetzen, Stimmgeräusche, Zitat aus Werken Ovids, Platos, Augustinus' und aus der Bibel, in Latein und Deutsch, Filmzuspielungen von regennassen Fensterscheiben bis zu spielenden Kindern, dazu eine atonale Kammermusik, die wie hingetupft wirkt - "gramma" ist ein gutes Beispiel für jenes mehrheitliche zeitgenössische Opernschaffen, das intellektuell abgehoben und schwer bis gar nicht verständlich ist und auch sein will.

(Auszug aus der "Kleinen Zeitung"). So direkt hat es Heiner Wesemann in seiner "Merker-Kritik" (online) nicht formuliert.

"Die Welt" bescheinigt dem Lübecker "Rosenkavalier" Weltklasse-Niveau!

Ferdinand Raimund

Am 5. September 1836 ist Ferdinand Raimund in Pottenstein gestorben. Die Raimund-Gesellschaft hat dem Dichter, der gegenwärtig in leiser Vergessenheit schlummert, einen Gedenktag in Pottenstein gewidet, dazu kommen ein kleines Buch und eine neue Briefmarke. Wenig angesichts seiner Bedeutung. Aber besser als gar nichts. In den Sträußel-Sälen der Josefstadt gab es zusätzlich eine stimmungsvolle Soirée mit starker Besetzung.

Lesen Sie in "Aktuelles", was Renate Wagner darüber schreibt!

Oskar Werner

Knapp 27 Jahre nach seinem Tod kommt demnächst eine umfangreiche private Sammlung
mit Dokumenten zu Oskar Werner im Wiener Dorotheum zur Versteigerung. Am 27. September
können Fans des legendären österreichischen Film- und Bühnenschauspielers u.a. Zeitungsberichte und Kritiken, Proben- und Aufführungsfotos sowie Filmplakate, Theaterprogramme, CDs, Bücher und Tonträger erstehen

Cate Blanchett spielt 2012 bei den Wiener Festwochen - und Intendant Luc Bondy scheint tatsächlich schwer krank zu sein. Bereits jetzt hat er die Regie dafür abgegeben, weil er bei dieser Ko-Produktion mit Australien den langen Flug nicht durchzustehen glaubt!

Linz: Silvia Glogner gestorben

Die Schauspielerin Silvia Glogner ist in der Nacht auf Donnerstag in Linz im Alter von 70 Jahren an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung gestorben. Erst vor wenigen Tagen, am 4. September, war der gebürtigen Berlinerin der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen worden. Bei einer Pressekonferenz im Landestheater am Donnerstag wurde eine Gedenkminute abgehalten, die schwarze Fahne weht vor dem Gebäude.


Wer hätte gedacht, dass man zum Thema Tanztheater großes modernes Kino machen kann? Autorenfilmer-Altstar Wim Wenders hat den Versuch mit "Pina" gewagt - und Begeisterungsstürme auf der letzten Berlinale ausgelöst. Seine Hommage an die Wuppertaler Tänzerin und Choreografin Pina Bausch hat er in 3D gedreht, die neue Technik machte das eigentlich bildungsbürgerliche Sujet auch fürs junge Multiplex-Publikum attraktiv. 450.000 Menschen sahen den Film im Kino, für eine Dokumentation sensationell.
Eine wichtige Tatsache bei der Entscheidung, den Film ins Oscar-Rennen für den besten nicht englischsprachigen Kinofilm zu schicken. Trotzdem zeigt die Wahl der neunköpfigen deutschen Jury Mut: Erstmals geht in dieser Kategorie eine Dokumentation an den Start um die begehrte Trophäe.

Im ORF feiert die Freunderlwirtschaft wieder "fröhliche Urständ" . Katrin Zechner wird ORF-Programmdirektorin. Frau Zechner wird als tolle Macherin bei den Vereinigten Bühnen Wien gehandelt. Dazu ist zu sagen, dass diese Bühnen extrem hoch suventiert werden - während anderswo Musical als Geschäft und Selbstläufer gilt. Allerdings auch nicht überall, denn die "Liva" in Linz bekommt einen Geschäftsführer, der mit einem Musical in Bremen in ein finanzielles Desaster geschlittert ist.

Stiftungsräte bewerben sich um ORF-Landesdirektionsposten und erkennen darin keine Unvereinbarkeit!

Der Sonntag steht im Zeichen des zehnten Jahrestages der Anschläge in New York. Wir werden darüber noch mehr berichten.

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.
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SAMSTAG 10. SEPTEMBER 2011
Fabio Luisi nun zumindest interemistisch Chefdirigent der Metropolitan Opera New York

Auszug aus dem "Standard": Es war erwartet worden und kommt nun doch wie ein Paukenschlag: Die Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Donnerstagausgabe, dass der Chefdirigent der Wiener Symphoniker, Fabio Luisi, bis Jänner 2012 zum Chefdirigenten der Metropolitan Opera in New York bestellt wurde und als Einspringer für Dirigate des erkrankten James Levine an der Met "zur Verfügung steht".

Tatsächlich wird Luisi auf der Homepage der Met schon als Dirigent für fünf Aufführungen des Don Giovanni und zwei des Siegfried angekündigt. Laut Homepage der Symphoniker leitet ihr Chefdirigent zur selben Zeit (12. bis 14. 10.) drei Konzerte des Orchesters in Wien. Laut Wiener Symphoniker wird für diese Konzerte vonseiten des Musikvereins ein Ersatzdirigent gesucht.

Bereits in der vergangenen Saison hat Luisi, damals erst Erster Gastdirigent der Met, Ende März, Ende Mai und Mitte Juni Dirigate bei den Symphonikern zurückgelegt, um in New York für Levine einspringen zu können - im Einvernehmen mit dem Orchestermanagement, wie es hieß. Der Vertrag Luisis mit den Symphonikern endet im Sommer 2013, die Möglichkeit einer vorzeitigen Auflösung wurde vonseiten des Orchesters stets in Abrede gestellt. Als wahrscheinlichster Nachfolgekandidat wird Philippe Jordan gehandelt

Der aber ist Chefdirigent der Opéra National de Paris!

Rolando Villazon sang gestern den Tenorpart im "Verdi-Requiem" an der Wiener Staatsoper.

Eine offizielle Rezension liegt noch nicht vor, nur ein kurzer Bericht langte in der Redaktion ein: Daniel Barenboim hat mit ein paar passenden Worten den Requiem-Abend dem verstorbenen Licitra gewidmet, was eine wirklich schöne Geste war.
Rolando Villazon (im Mao-Anzug) hat sich mit der Brüllpartie des Requiems eindeutig übernommen, und man fragt sich, warum er sich das in seiner jetzigen Verfassung antut.
Die Frauen (Violeta Urmana, Daniela Barcellona ) waren toll, aber am meisten hat dieser Bass beeindruckt, jung und tolles Material: Alexander Vinogradov.

Während ich diesen Kommentar verfasse, schickt mir der Merker-Mitarbeiter Peter Skorepa ganz kurz seine Eindrücke: Wer verzapft den Unsinn, dass der Tenor eine Brüll-Partie wäre??? So schlimm war es mit Villazon wieder nicht, er sang wunderbar auf Linie, die Positionierung für die Sänger war ebenfalls, weil weit vor der Bühne, kontraproduktiv. Und der Bass, der wäre in einer russischen Oper auch besser aufgehoben gewesen. Aber ein Requiem ist ein Requiem und kein DSS.

Was meint Peter Skorepa damit? "Deutschland sucht den Superstar"? Immer diese Abkürzungen!

Dafür gibt ein anderer Tenor dieser Tage Rätsel auf. Ian Storey sang immerhin den "Tristan" zur Scala-Eröffnung und ist auch ansonsten international bestens unterwegs, an der Wiener Staatsoper geriet sein erster Bacchus in "Ariadne auf Naxos" zum Flop. Bekanntlich ist diese Rolle zwar nicht sehr umfangreich, aber extrem schwierig (eine typische "Richard Strauss-Tenorpartie").

Ian Storey

Dominik Troger, der die Website www.operinwien.at betreibt, ist bekannt für seine stets fairen und sachlichen Worte. Über Storey fielen ihm diese ein: Das Finale litt leider unter dem Bacchus von Ian Storey, der zuerst auf säuselnden Sprechgesang setzte. Er befand sich noch nicht lange auf der Bühne, als von der Galerie ein vorwitziger Besucher mit dem auffordernden Zwischenruf: „Singen!“ zum Ausdruck brachte, was sich viele Anwesende dachten. Gegen das Ende der Oper hin wurde Storey lauter und pflügte mit seinem schwerfälligen, ungeschliffenen Heldentenor durch die Partitur wie ein gepanzertes Schlachtross durch eine Blumenwiese. Eine plötzliche Indisposition? In Anbetracht des Gehörten wäre es ihm zu wünschen.

Dieses Missvergnügen war umso ärgerlicher, als die übrige Besetzung viel Freude bereitete: Die bewährte Ariadne der Camilla Nylund bezauberte wieder mit ihrem „Klassizismus“. Sie hatte die Partie technisch sehr gut im Griff, die Tiefen ebenso wie die soprankritischen Höhen. Ihre Ariadne klang sehr ausgewogen, ein bisschen fahl („eine Ariadne im Mondschein“ habe ich vor drei Jahren notiert), edel wie ein fein kanneliertes, elfenbeinernes Gefäß mit ein paar zarten Goldstrichen als kühl-klassizistischer Verzierung. Das hatte sehr viel Stil – und passte sehr gut zur etwas breiten, musikverliebten Art des Dirigenten.

Daniela Fally bot eine treffende Zerbinetta, die nebst Koloratursicherheit und hohen Tönen auch den operettenhaften Charme der Figur einzufangen wusste.

Ein Ereignis soll der Komponist von Sophie Koch sein. Auch Jochen Schmeckenbecher als Musiklehrer wußte zu gefallen. Alexander Pereira, Salzburgs künftiger Intendant und Fädenzieher der internationalen Opernszene (bei jeder Intendantenkür mischt er angeblich mit seinem Netzwerk kräftig mit) als Haushofmeister wird von vielen Besuchern der Staatsoper bloß als Gag empfunden. Das mag beim ersten Mal lustig gewesen sein - aber als fortgesetzte Handlung wirkt es öde. Pereira spielt sich selbst - mit Verlaub, das kann jeder von uns - auch ich! Selbst Ioan Holender hat sich in der Selbstdarstellung durchaus erfolgreich geübt!

Was nun Storey betrifft, habe ich soeben in der Homepage der Staatsoper nachgesehen. Storey ist auch heute angesetzt. Ich habe zwar wirklich keine Zeit, aber vielleicht nütze ich meine Stehplatzberechtigungskarte und höre mir nur das Finale an!

Ein Premierenbericht aus der Wiener Volksoper wird erwartet. "Wiener Blut". Foto: Barbara Zeininger

Auch aus der Wiener Volksoper liegt zur frühen Stunde noch kein Premierenbericht vor. Ich hoffe, dass im Laufe des Tages einer eintrudelt! Ich melde mich dann an dieser Stelle sofort!

Bayreuther Festspielhaus

Der Rückzug des Sponsors "Siemens" ist ein herber Schlag für die Bayreuther Festspiele. Die Hintergründe sind verwirrend. Die Mitarbeiter der Bayreuther Festspiele sind offiziell bis 19. September auf Urlaub, man erfährt von dort also nichts. Das ist wahrscheinlich ohnedies besser, denn so können sich die Beteiligten vom Siemens-Schock erholen. Dass Katharina Wagner urlaubt, mag ich nicht glauben, den das wäre angesichts der Situation um den noch nicht fixierten Ring-Regisseur geradezu fahrlässig!

Wagner-Foren sind grausam. All jene, die ständig das Merker-Forum kritisieren, beim Wagner Forum aber regelmäßig ihren Müll ablagern bzw zumindest diesen Müll lesen (eine Form des Masochismus?) seien dezent darauf hingewiesen! En besonders nettes Kerlchen schreibt etwa in "in Franken.de":

Fünf Jahre Buh-Rufe für die Meistersinger-Inszenierung, dann der unwürdige Ratten-Lohengrin und jetzt der Fäkalien-Tannhäuser von S.Baumgarten. Dazu sagte Katharina Wagner vor einem Jahr im Norbayerischen Kurier:
"Mir gefällt sein (Tannhäuser)Konzept und ich freue mich darauf - obwohl die Inszenierung vermutlich mehr Diskussionen auslösen wird als beim (Ratten) Lohengrin".
Was würde man wohl von einem Firmenchef halten, der öffentlich ein neues Produkt vorstellt, mit der Ansage, daß das Produkt bei den Kunden vermutlich noch mehr Ärger machen wird als das vorherige???

In Bayreuth wird so mit Überzeugung und Absicht einer unreifen Festspielleitung das Kulturerbe Richard Wagners geschändet. Höchste Zeit also, denen sämtliche Subventionen zu streichen - damit kein Geld mehr verschwendet wird für den Blödsinn, z.B. die Wartburg zu einer monströsen Bio - Kläranlage zu machen, wo der Tannhäuser in der Unterhose und mit Scheiße an den Beinen die schwangere Venus besingt, während gleichzeitig unsinnige Rammstein-Sprüche eingeblendet werden.

Als Firmenchef (aber auch als Politiker) darf man für Kulturschänder kein Geld spenden. Das Publikum wird nur noch mehr verärgert und entfremdet. Bayreuth ist unter dieser Festspielleitung leider kein Werbeträger mehr.

Mit dieser Meinung identifiziere ich mich sicher nicht und damit wäre ich in unserem Forum ziemlich unglücklich.

Über den neuesten Stand des Projekts "Neues Theater im alten Hallenbad Friedberg" in der Wetterau/Hessen können Sie sich auch informieren. Merker-Mitarbeiter Marc Rohde mischt dort kräftig mit!

Martina Stilp und Andrea Eckert in Felix Mitterers "Du bleibst bei mir" am Wiener Volkstheater.

Renate Wagner schreibt in ihrer online stehenden Rezension: Der Regisseur baut den Abend fest auf seine Hauptdarstellerin, und tatsächlich ist Andrea Eckert in ihrer hageren Erscheinung und mit dem markanten Gesicht der großen Neff auch optisch ähnlich. Sie ist eine viel zu souveräne Darstellerin, um auf irgendwelche Emotionen zu „drücken“, aber gerade in der Geschichte mit Lilli bleibt das Stück auch für ihre Entfaltung zu einförmig, während die Tragödie der Blindheit dann größere darstellerische Möglichkeiten bietet. Jedenfalls war sie die uneingeschränkte Heldin des Abends, und der Jubel des Publikums fokusierte am Ende sie und ihre Leistung.

Martina Stilp, im Vorjahr von Graz, wo sie höchst populär war, nach Wien gekommen, findet nun mit der Lilli Wolff die erste Rolle, in der sie viel zeigen kann – von der selbstbewussten, fast leichtsinnigen jungen Frau, die gewissermaßen meint, es werde schon nicht so ernst werden, zu der Eingesperrten, an ihren Ketten zerrenden Verzweifelten, die schwer erkrankt, überlebt, aber im Grunde trotz ihrer Rettung definitiv den Boden unter ihren Füßen verloren hat.

Die dritte große Rolle ist das hässliche Gesicht des österreichischen Alltags: Inge Maux als Hausmeisterin Frau Krottensteiner unterdrückt ihren angeborenen Humor, Schalk und Charme zugunsten einer fast beängstigenden Leistung schleichender Gemeinheit, Kleinlichkeit und Bosheit, zu der sich am Ende noch die Angst um die eigene Existenz schlägt. Ohne diese Komplementärfarbe liefe die Geschichte überhaupt zu glatt.

Alle anderen Figuren der Geschichte sind peripher, am ehesten erreicht noch die sehr klare, sympathische Annette Isabella Holzmann als Eva Zilcher Aufmerksamkeit (auch, weil man weiß, welch unentbehrliche, aufopfernde Gefährtin sie der Neff für den Rest des Lebens war), weiters Claudia Sabitzer, weil sie immer auch in kleinen Rollen stark wirkt, und Nanette Waidmann. Robert Prinzler spielt den Medizinstudenten, der später der berühmte Erwin Ringel wurde und uns ununterbrochen darüber belehrt hat, was es mit der „österreichischen Seele“ auf sich hat (was er übrigens recht plakativ und einseitig unternahm), und Rainer Frieb ist der vom jüdischen Glaubensbekenntnis gerührte Russe.

Dass das Schicksal der Dorothea Neff in jeder Hinsicht mehr Ecken und Kanten gehabt haben muss, als dieses Stück und dieser Theaterabend vermitteln, ist anzunehmen. Aber das Thema „Neff“ ist eine große Sache. Die große Sache wollte den großen Erfolg, und den hat sie am Premierenabend errungen.

Morgen ist ein bemerkenswertes Datum: der 11.9. Vor 10 Jahren hat das Chinesische Fernsehen das Ereignis verpasst. Das berichtet der "Spiegel" : Es mag zynisch klingen, aber für die Journalisten des chinesischen Staatsfernsehens CCTV hätte es gar nicht besser laufen können. Die Nachricht der Terroranschläge in New York kommt zur besten Sendezeit: Um 19 Uhr beginnt in China die Hauptnachrichtensendung "Xinwen Lianbo". Eine Viertelstunde vorher war das erste Flugzeug ins World Trade Center gerast, kurz vor der Sendung das zweite. Aber hunderte Millionen Chinesen, die an dem Abend CCTV gucken, erfahren davon nichts.
Die zuständigen Redakteure beim chinesischen Staatssender zögern, wissen nicht, was sie tun sollen: Live-Berichterstattung findet bei CCTV zu der Zeit kaum statt, schon gar nicht, ohne die Erlaubnis des zuständigen Partei-Kaders. Der muss alle Beiträge auf ihre Treue zur kommunistischen Partei prüfen, bevor sie auf Sendung gehen. Aber der diensthabende Zensor ist an dem Tag schon nach Hause gegangen, und niemand in der Redaktion kennt seine private Telefonnummer. Ohne ihn dürfen die Journalisten gar nichts senden.

"Wir haben CNN geguckt, BBC - die ganze Welt hat über die Anschläge berichtet, aber bei uns fanden sie überhaupt nicht statt," erzählt ein damaliger CCTV-Redakteur, der seinen Namen nicht nennen will. "Wir haben das wichtigste Nachrichtenereignis der vergangenen 20 Jahre einfach ignoriert. Wegen uns hätte China beinahe 9/11 verpasst!"

Morgen wird nachhaltig an dieses Ereignis erinnert. Vielleicht auch in China!

Einen schönen Samstag wünscht

A.C.
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SONNTAG, 11. SEPTEMBER 2011
Bewegendes Requiem an der Wiener Staatsoper. Daniel Barenboim hielt sogar die "Berufsjubler" in Schach!

Wir alle kennen sie, diese lästigen Applaudierer, die sich einen Wettbewerb in der Unsitte des Reinklatschens bereits in die letzten Takte der Musik liefern. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber bei Daniel Barenboim bemerke ich bereits zum zweiten Mal, dass er diese Leute irgendwie im Griff hat. Das war so beim "Tristan" an der Scala und wiederholte sich nun beim "Verdi-Requiem" an der Wiener Staatsoper.

"ORF.at" berichtet: Sopranistin Violeta Urmana, Mezzosopranistin Daniela Barcellona, Tenor Rolando Villazón und Bass Alexander Vinogradov standen dem Orchester und Chor des Teatro alla Scala vor.

Barenboim gelang es, Verdis Requiem ewiges Leben einzuhauchen und zugleich die Sterblichkeit des Menschen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Er schaffte es auch, das Publikum im Zaum zu halten. Bei den letzten Tönen gab es kein voreiliges "Bravo", der Applaus baute sich langsam auf, war dann aber umso heftiger.

Auch an der Mailänder Scala wurden die Künstler mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst hatte Ludwig van Beethovens "Fidelio" für Begeisterung gesorgt.

Gestern trieb es sogar mich in die Wiener Staatsoper, obwohl ich dafür eine Nachtschicht einlegen musste. Kein Heinzelmännchen ist bereit, für mich währenddessen die Presseschau zusammen zu stellen. Ausgezahlt hat sich der Besuch von "Ariadne auf Naxos" nicht wirklich (obwohl die "Ariadne" zu meinen Lieblingsopern zählt). Vorweg, der nach der ersten Vorstellung arg zerzauste Bacchus Ian Storey scheint sich erfangen zu haben, er bot solides Mittelmaß, mehr allerdings nicht. Aber an diesem Bacchus sind schon Kaliber gescheitert, mit denen sich Herr Storey nicht messen kann. Camilla Nylund zählt sicher zu den derzeit weltweit besten Vertreterinnen ihrer Rolle. Daniela Fally ist eine sehr brauchbare Zerbinetta, Jubelstürme rechtfertigt sie freilich nicht! Auch Stephanie Houtzeel als Komponist konnte mich nur positiv überraschen, weil ich die Kritiken vom Vorjahr noch im Auge hatte. Sie scheint eine Spätstarterin zu sein und kommt nun langsam in Fahrt!

Den Unsinn, Alexander Pereira als Haushofmeister zu besetzen, sollte sein Wiener Direktorskollege schleunigst einstellen. Das mag ein Gag für Zürich gewesen sein, in Wien zieht der Spaß schon weniger. Ein Gag wäre es, wenn sich Dominique Meyer selbst besetzen würde - aber bitte auch nur ein einziges Mal - im Fasching! Pereira verschleudert durch seine teils undeutliche Aussprache Pointe um Pointe! Der Dirigent Jeffrey Tate ist von einer schweren Erkrankung gezeichnet - und deshalb bin ich ihm auch nicht böse, dass er auf meinen Busfahrplan (ich reiste per "Öffis" aus Mauerbach an) keine Rücksicht nahm und bei dem relativ kurzen Werk um eine Viertelstunde überzog!

"Wiener Blut" an der Wiener Volksoper. Boris Eder. Foto: Barbara Zeininger

Eine "Merker"-Eigenkritik liegt von Manuela Miebach vor . Sie zeigt sich rundum begeistert. Zwei vorliegende Pressekritiken relativieren da allerdings etwas. Diesmal zeigt sich ein eher untypisches Bild: Positive Kritiken für den eher konventionell inszenierenden Thomas Enzinger, aber gar nicht so diskrete Hinweise auf den schlimmen Zustand des singenden Ensembles. Wilhelm Sinkovicz schreibt in der "Presse" sogar von einem "Notstandsgebiet", für das meines Wissens nach Herr Strasser verantwortlich ist (Direktor Meyer bedient sich bei der Beurteilung von Sängerleistungen eines Experten). Nun aber Sinkoviczs Meinung: Dabei steht endlich wieder einmal Alfred Eschwé am Dirigentenpult, und das Orchester des Hauses blüht förmlich auf, denn da stimmen die Tempi, die Musik federt, schwingt und klingt auch in den Farben fein abgestuft – bis hin zum Schlagwerk! Vokal aber – sehen wir einmal von der wirklich nobel phrasierenden Gabriele der Kristiane Kaiser ab – präsentiert sich die Volksoper als Notstandsgebiet. Eine solche Ansammlung an tenoralem Schon-in-der-Mittellage-Falsettieren und soubrettigem Zwitscher-Kreisch-statt-Gesang erinnere ich mich nicht, je in diesem Haus vernommen zu haben.

Als könnte man in „Wiener Blut“ sämtlichen Rollen im Kleinkunst-Ton gerecht werden, wie Carlo Hartmann dem Fürsten Ypsheim-Gindelbach: als sächselnder Minister-Karikatur steuert er in den Ensembles pflichtschuldig ordentliche Gesangstöne bei. Mehr wird von ihm stimmlich nicht wirklich verlangt.

Eine Figur wie den Josef, den Boris Eder zur akrobatischen Bewegungsstudie macht und dabei alle Pointen akkurat serviert, sollte man freilich wie ein guter Buffo (einst waren das Erich Kunz oder Walter Berry!) singen können. Von der Pepi Renée Schüttengrubers ganz zu schweigen, der beim Singen schon die Luft ausgeht, bevor sie zu tanzen beginnt.

Auch Wolfgang Böck (hier bei seinem Couplet) steht nicht außerhalb jeder Kritik - der Kagler ist nämlich kein eigentlicher Prolet, immerhin Ringelspielbesitzer! Foto: Barbara Zeininger

So kommt man einer Operette nicht ernsthaft bei. „Wiener Blut“, inszeniert von Thomas Enzinger, könnte so auch im Volkstheater stattfinden – mit den dortigen Kräften. Heutzutage finden sich ja überdies offenbar kaum noch Darsteller, die sprachlicher Feinabstimmung vom Hutschenschleuderer-Jargon über bürgerliche Hochstapelei zum Schönbrunnerdeutsch mächtig sind...

...Ein Sisyphos sozialen Selbstbewusstseins, das war der Kagler einmal. Es ist schon länger her.

Diesmal ist der Ringelspielbesitzer vom Kutscher nicht zu unterscheiden, ganz im Sinne des heutigen TV-Unterhaltungsprogramms, von dem man sich nicht nur den Darsteller, sondern auch das eingeebnete Niveau der Couplet-Texte geborgt hat. Wer aber Pointen in „Wiener Blut“ nicht auch aus der Beletage holt, sondern nur auf dem Gehsteig aufliest, dem bleibt auf der Suche nach der nötigen Fallhöhe zur Auslotung tieferer Regionen nur noch der Sprung in den Kanal.

Starker Tobak, den Sinkovicz hier ablädt. Werden ihm deshalb die Pressekarten entzogen??

Der Regisseur Bruno Berger-Gorski wurde als Kind von seinen Schwestern zur Statisterie in das Theater Hagen gezerrt, mit dem Erfolg, dass er später freiwillig in das Theater ging. Mittlerweile ist er ein anerkannter Regisseur und inszeniert in Hagen "La Bohème".

In Saarbrücken dirigiert Toshiyuki Kamioka, somit ein Japaner, Puccinis "Madama Butterfly". Er geht mit dem Komponisten hart ins Gericht, denn als Japaner weiß der Maestro, dass die "Butterfly" so rein gar nichts mit japanischer Musik zu tun hat: Die "Saarbrückener Zeitung" hat mit ihm gesprochen: Diese Oper ist ganz und gar nicht japanisch, sondern typisch italienisch“, stellt der aus Tokio stammende Kamioka klar und zieht Vergleiche zu Ravel: „Ravel war niemals in Spanien, hat aber mit dem Bolero die beste spanische Musik geschrieben.“ Von Puccinis Adaptionen japanischer Volkslieder für seine Butterfly freilich zeigt sich Kamioka weit weniger angetan: „Deshalb darf ich hier eben nicht japanisch denken.“ Die Oper erzähle „einfach eine rührende Geschichte, nicht nur für Japaner“, das mache ihren Erfolg bis heute aus. Von Theorien, dass etwa der Liebestod der orientalischen Frau eine Projektion chauvinistischen westlichen Wunschdenkens sein soll, will Kamioka nichts wissen. „Puccini mochte unglückliche Frauen, das war seine Neigung, siehe Mimi aus La Bohème, Manon Lescaut, Tosca, Turandot.

Matthias Hartmann: Gegen mediale Hirngespinste

Heute findet im Wiener Akademietheater die Premiere von Kleists "Der zerbrochene Krug" statt. Renate Wagner wird für uns berichten. Im Vorfeld sprach der "Kurier" mit Burg-Chef Hartmann über ein bereits leidiges Thema: Sie wurden in Wien begeistert aufgenommen. Im Frühjahr gab es dann Zeitungsartikel über einen angeblichen "Krieg an der Burg" und abwandernde Schauspieler.
Man hat mir immer angekündigt, dass es hier die Boulevardisierung von Themen gibt, dass überall Hirngespinste wachsen. Insofern war ich eher überrascht, dass es so lange nicht passiert ist. Ich weiß, dass ich in der Öffentlichkeit stehen muss, aber ich würde es auf Dauer nicht aushalten, mich ständig gegen die Skandalisierung von medialer heißer Luft zu stellen.

Werden Sie mediales Pingpong mit Martin Kušej spielen? Wien gegen München?
Das ist ein virtuelles Thema. Ich sehe mediale Öffentlichkeit nicht als Nachweis der Bedeutung unseres Theaters. Es geht um die Menschen, die ins Theater gehen. Und die reisen nicht von Wien nach München, um zu vergleichen, oder umgekehrt.

Sie verlieren keine Schauspieler an München?
Ich müsste es wissen!

Fabian Krueger, Regina Fritsch, Joachim Meyerhoff. Foto: Barbara Zeininger

Auch im Akademietheater gab es zu Saisonbeginn eine Uraufführung, so wie am Tag davor im Volkstheater. Renate Wagner berichtet über "Die Kommune" des dänischen Filmemachers und Dramatikers Thomas Vinterberg. Gänzlich überzeugt ist sie von dem Gebotenen nicht:

Im Programmheft berichtet Vinterberg von seiner glücklichen Kindheit in der Kommune. Sein Stück erzählt etwas ganz anderes, nämlich ein durch und durch missglücktes Experiment, in dem letztlich jener, der die ökonomische Macht hat, seine Wünsche mit Gewalt durchsetzt, und wo es die Gruppe an jeglicher Loyalität fehlen lässt, wenn es darum geht, das schwächste Mitglied, welches das allgemeine Wohlbefinden stört, zu eliminieren... Keine Spur von der "gelebten Realität einer politischen Überzeugung, die zur Großfamilie gewordene Idee einer solidarischen Gesellschaft", wie die Vorgabe lautet.

Auf der Bühne entsteht eine versunkene Zeit: Mitte der siebziger Jahre. Eine schier unglaubliche Welt: keine Computer, nur eine alte klappernde
Schreibmaschine; keine Handys, nur ein altmodischer Telefonapparat, wie man ihn heutzutage nirgends mehr finden wird; keine Dauerberieselung durch Fernsehen, nur die Popsongs der Zeit aus dem Radio. Und alle rauchen hemmungslos und hätten vermutlich angesichts der Idee, dass dergleichen einmal verboten sein könnte, wohl nur den Kopf geschüttelt. Sehr überzeugend schafft Stefan Mayer im voll gerümpelten Gemeinschaftsraum und vor allem in
den Kostümen die Welt von damals. Auch Frisuren und Bärte stimmen, sind nur teils elend schlecht auf die Darsteller appliziert (vor allem bei Hauptdarsteller Meyerhoff). Es gibt viel zu lachen, wenn Autor / Regisseur Thomas Vinterberg die Diskussionssucht, die Abstimmungsmanie von damals auf die Schaufel nimmt. Der freie Sex äußert sich in der Bereitschaft eines Teils der Schauspieler, sich splitterfasernackt zu präsentieren - und wenn man so gebaut ist wie Adina Vetter, dann kommen die Herren auf ihre Stielaugen. Kurz, ein gemütlicher Nostalgiespaziergang. Die Analyse dessen,
was da fröhlich vorgeführt wird, bleibt man schuldig.

Das Publikum war bescheiden, hielt sich an die erlaubten Lacher und feierte die Premiere so stürmisch, als hätte es ein außerordentliches Stück in einer außerordentlichen Aufführung gesehen. Und ganz so war's ja doch nicht.

Heute Gedenktag: Vor 10 Jahren ereignete sich die Katastrophe in New York

Wer will, kann heute eine Gedenksendung nach der anderen in diversen TV-Sendern sehen!

Die "Wiener Zeitung" befasst sich mit dem Scheitern. Immer mehr Menschen scheitern, immer weniger geben dieses Scheitern zu:

Die vergangenen Jahre waren für die Direktorin des Kunsthaus Basellands Sabine Schaschl nicht die emotional ausgewogensten. Lang anhaltender, oft auch ermüdender Beziehungsstress nahm mehr mentale Zeit in Anspruch als notwendig. Warum also diesen Stress nicht in ein künstlerisches Projekt kanalisieren? Da kann über das Scheitern auch zur Arbeitszeit reflektiert werden. Aus dieser emotionalen Notlage entstand 2007 die einzigartige Ausstellung "The Art of Failure" - "Die Kunst des Scheiterns".

Mehr als 20 internationale zeitgenössische Künstler präsentierten Arbeiten zum Thema Scheitern, zwischen banalem Alltag, permanenten Versagensängsten und dem Verlust politischer Utopien.

Bleiben wir beim Scheitern politischer Utopien. Die "Wiener Zeitung benennt den ehemaligen ÖVP-Chef Erhard Busek: War es die "Internationale", die Hymne der Sozialisten, die im Jahr 1994 das politische Scheitern von VP-Vizekanzler Erhard Busek im Augenblick des Triumphs der positiven EU-Volksabstimmung gesanglich einläutete? Das bleibt Spekulation. Auf jeden Fall stellte er als Herausgeber der Anthologie "Was haben wir falsch gemacht?" Texte von Politikern, Wissenschaftern, Autoren und anderen zusammen, die über ihr Scheitern reflektieren. In einem Spannungsfeld der Auflösung von tradierten Werten, gesellschaftlicher Umwälzungen und einer um sich greifenden Oberflächlichkeit. Teilweise kontroversielle Beiträge, die es wert sind, gelesen zu werden.

Ich bin ja durchaus geneigt, Erhard Busek zu verstehen - aber auch er hätte Verständnis für seine Parteigänger haben sollen. Es geht Sie zwar nichts an, aber der "Fall Busek" war auch wichtig für mein Leben. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die seit jeher dem bürgerlichen Lage nahe stand und wurde auch so erzogen. Zwei Drittel meines bisherigen Lebens war die ÖVP meine politische Heimat und ich hätte mir keine andere vorstellen können - bis Busek kam! Bei der Abstimmung zum EU-Beitritts Österreichs stimmte ich freilich gegen die Parteilinie. Das Ergebnis ist bekannt, zwei Drittel der Österreicher stimmten für den EU-Beitritt (heute will es keiner gewesen sein). Ich war echt "angfressen" ob dieses Ergebnisses, da taucht im Fernsehen plötzlich der ÖVP-Chef Erhard Busek im SPÖ-Zelt auf und singt gemeinsam mit den Sozialisten die Internationale. In diesem Augenblick entschied ich mich, dieser Partei den Rücken zu kehren, ein ÖVP-Chef und die Internationale, das war zuviel für meine ohnedies strapazierten Nerven!

Am nächsten Tag dachte ich, dass ich wohl überreagiert habe, da riefen mich Parteifreunde an berichteten von ihrer Entscheidung, die sich mit meiner deckte. Dass im Artikel der "Wiener Zeitung" nun diese Internationale als Grund für Buseks schnellem Abgang genannt wird, bestärkt mich zwar in meiner damaligen Entscheidung, die durch Busek entstandene Situation war aber aus meiner Sicht nicht gut für seine Partei - aber auch nicht für das Land.

Aber reden wir nicht vom Scheitern! Ich wünsche einen schönen Sonntag!

A.C.
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DIENSTAG, 13.SEPTEMBER 2011
Mittwoch Premiere: "The Turn of the Screw" im Theater an der Wien. Jennifer Larmore. Foto: Barbara Zeininger.

"The Turn of the Screw" hat am Mittwoch im Theater an der Wien Premiere. Cornelius Meister dirigiert das RSO, Robert Carsen inszeniert.

Weitere Umbesetzungen gibt es an der Wiener Staatsoper bei "Don Giovanni". Nachdem Adam Plachetka für Bo Skovhus einspringen muss/darf, muss nun auch die Donna Elvira umbesetzt werden.

Dinara Alieva

Malin Hartelius wird anstelle von Christina Carvin die Donna Elvira in den Vorstellungen von "Don Giovanni" am 13. und 17. September singen, Dinara Alieva (Hausdebüt) übernimmt diese Partie in den Vorstellungen am 22. und 25. September.

Wiener Staatsoper: Hauptstiegen-Aufgang

Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer gibt Interview um Interview. Da ich nicht ständig Meyer-Fotos in diese Kolumne stellen will, stelle ich bei dieser Gelegenheit das Haus jenen vor, die es noch nicht besucht haben. Unsere Leserschaft reicht ja weit über Österreich hinaus!

Aus dem Interview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten", dem Leib- und Hofblatt von Franz Welser-Möst (Motto: Kein Meyer-Interview, ohne diesem Hymnen über FWM zu entlocken), habe ich zwei Sequenzen herausgesucht, die ich nicht schon tags zuvor anderswo gelesen habe: OÖN: Bei meinem Besuch der Vorstellung am 3. September ist aufgefallen, dass wieder der eiserne Vorhang von Rudolf Eisenmenger zu sehen ist. Wird das so bleiben, oder sind wiederum Überhängungen geplant?

Meyer: Die Idee von „museum in progress“ ist gut und wird auch weitergeführt. Das heißt, es wird in Zukunft beides geben. Neue Kunst, aber auch den Blick auf das Haus in seiner gesamten Integrität, wie es 1955 gedacht war...

...OÖN: Händels „Alcina“ mit den Musiciens de Louvre unter Marc Minkowski ist sehr gut angekommen und steht im September wieder auf dem Programm. Wird es im Bereich der Barockoper eine ähnliche Fortsetzung geben?

Meyer: Wenig, aber regelmäßig. Denn das Staatsopernorchester muss bezahlt werden und da bedeuten Gastorchester zusätzliche Kosten. Aber die Barockoper gehört auch in Wien in den Spielplan und sollte auch hier von Spezialisten gemacht werden. So wird es dahingehend eine Fortsetzung geben – das Interesse besteht.

OÖN: Wenn man die erste Saison Revue passieren lässt und auch die Wiederaufnahmen (auch beim Ballett) hernimmt, dann fällt ein sehr ästhetisches Gesamtkonzept auf. Oper, so wie sie sein soll, nicht unbedingt durch Regieeingriffe verändert. Oper, so dass sie auch ein breiteres Publikum ansprechen könnte. Ist das ganz bewusst?

Meyer: Es ist für uns Theatermachern eine Pflicht, dass die Leute das, was auf der Bühne passiert, auch verstehen. Ich habe nichts gegen gutes Regietheater und möchte nicht nur eine Art von Interpretation zeigen, sondern offen für vieles sein. So wird der nicht unumstrittene Peter Konwitschny für Janáceks „Aus einem Totenhaus“ zurück an die Staatsoper kommen und ein großartiges Konzept präsentieren. Manchmal sehe ich vor allem in Deutschland Vorstellungen, die vom Feuilleton hoch gelobt wurden, und frage mich „wenn das die Oper sein soll, dann bin ich nicht sicher, ob ich diese noch mag“. Aber ich finde es gut, dass es Diskussionen gibt, denn das zeigt, dass die Oper lebendig ist. Das würde fehlen, wenn es nur eine einzige gültige Inszenierung geben dürfte.

Über das Verdi-Requiem an der Wiener Staatsoperhabe ich bis zum heutigen Tag keine echte Kritik gelesen. Nun fällt mir in der "Presse" doch eine von Walter Weidringer auf: Diesen Aspekt kehrte Barenboim radikal hervor, nahm es deshalb mit so manchen Pianissimo- und Sottovoce-Vorschriften nicht so genau – und wurde dabei von den vorwiegend opernhaft üppig tönenden Solostimmen bestens unterstützt: Violeta Urmana fühlte sich in Fortissimo-Höhen am wohlsten, hatte aber bei einigen zarten Phrasen Probleme, Daniela Barcellona erfüllte ihre Partie mit Noblesse, Alexander Vinogradov badete in öliger Schwärze. Und Rolando Villazón sang wie um sein Leben, kämpfte und kam durch: ein Hochseilakt ohne Netz, expressiv, gefährlich

Rom ärgert sich über Fabio Luisis Engagement an der Metropolitan Opera New York. Warum das so ist, weiß ich nicht, lesen Sie den Artikel doch selbst!

Donald Runnicles bemängelt die Schlichtheit des Opernrepertoires. Immer wieder muss auch er die selben Werke dirigieren, denn die Musikform Oper entwickelt sich nur ganz langsam weiter. "RP-online" bringt die Hitliste der immer wiederkehrenden Opern: Das deutschsprachige Opernpulikum wird weiterhin mit älteren Meistern bedient. Der Renner in den Spielplänen ist weiterhin Mozarts "Zauberflöte". Auch Verdi, Rossini und Puccini sind unter den beliebten Opernkomponisten. Während sich die Zahl der gespielten Werke in Deutschland (Oper, Operette, Musical und Schauspiel) von 3698 auf 3845 erhöht hat, ist die Zahl der Inszenierungen konstant geblieben. Auch sonst zeigt das Musiktheater mit dreimal Mozart und zweimal Verdi unter den ersten 10 Plätzen wenig Bewegung. Die Top Twenty: "Zauberflöte", "Hänsel und Gretel", "Hochzeit des Figaro", "Carmen", "Freischütz", "La Traviata", "La Bohème", "Don Giovanni", "Rigoletto", "Barbier von Sevilla", "Tosca", "Maskenball", "Rheingold", "Fidelio", "Turandot", "Falstaff", "Salome", "Rosenkavalier", "Madame Butterfly", "Liebestrank".

Auch die "Osnabrücker Zeitung" nimmt sich dieses Themas an: Zur gleichen Zeit sprechen die Bühnenstatistiken eine ernüchternd andere Sprache. Danach sind es immer die gleichen Opernhits, mit denen die Theater beim Publikum punkten. Mozart, Verdi und Wagner teilen sich in steter Eintracht Jahr für Jahr die Plätze in der Rangliste der zehn am meisten gespielten Opern. Einsam an der Spitze: Mozarts "Zauberflöte", die allein in der Spielzeit 2009/2010 in 55 Inszenierungen an deutschsprachigen Häusern zu sehen war. Immerhin 380 000 Besucher ließen sich begeistern.

Wer diese Hitliste missachtet, geht ein hohes Risiko ein. Wer hingegen immer die gleichen, altbekannten Knaller zündet, wird von der Kulturpolitik an den Pranger gestellt. Immerhin, es gibt sie, die Neuerungen: Ausflüge ins Barock und ins 20. Jahrhundert. Mozart muss darunter nicht einmal leiden. Lache, Papageno!

Also geht das Theater Bern mit "Der Wunsch, Indianer zu werden" von Leo Dick ein Risiko ein. "Der Bund" berichtet:

Fabienne Jost, Daniele Pindauti.

Gelungenes Konzept, überzeugende Darsteller: Leo Dick bahnt mit seinem überraschungsreichen Musiktheater «Der Wunsch, Indianer zu werden» ganz neue Wege ins Berner Stadttheater und nach Amerika.

Die Opernstrukturen aufbrechen will auch der Regisseur Benedikt von Peter. Diesmal mit "La Traviata" in Hannover (Premiere am Samstag)

Benedikt von Peter

„Im Musiktheater gibt es noch echte Widerstände – im Schauspiel ist ja längst schon alles erlaubt.“ Der Regisseur als Provokateur? Auf den ersten Blick könnte das auf von Peter zutreffen, schließlich sind seine Inszenierungen deutlich anders als das, was man sonst in Opernhäusern zu sehen gewohnt ist. Im vergangenen Jahr etwa hat er schon einmal den Saisonauftakt in Hannover bestritten – mit Luigi Nonos „Intolleranza 1960“: Das Publikum saß auf der Bühne, die Musiker balancierten darüber auf den Gerüsten der Beleuchter, und die Sänger mischten sich unauffällig unter die Zuschauer. Es war eine extreme Herausforderung für alle Beteiligten – auch für die doch eigentlich unbeteiligten Theaterbesucher.

Dass es sich aber lohnte, diese Herausforderung anzunehmen, erkannten nicht nur viele am Ende begeisterte Zuschauer. Auch die Jury des deutschen Theaterpreises „Der Faust“ nominierte von Peters hannoversche „Intolleranza“ zusammen mit nur zwei weiteren Kandidaten in der Kategorie Regie Musiktheater. Ob der junge Regisseur dabei gewinnt, entscheidet sich im November. Bereits am kommenden Sonnabend wird man aber die Gelegenheit haben, eine weitere Facette seiner besonderen Regiearbeit kennenzulernen, denn auch „La Traviata“ in Hannover wird mit manchen Konventionen brechen. (Auszug aus "Hannoversche Allgemeine")

Meiningen/ "Die Hochzeit des Figaro": Welch Überraschung! Wie man doch eine Mozart-Oper drei Stunden lang sehr unterhaltsam gestalten kann, obwohl nur eine halbe Bühne verfügbar ist und der Ort der Handlung – des Grafen Schloss – nur aus einer weißen Wand, ein paar Türen und einem Zweisitzersofa besteht. Auszug aus der "Main-Post". Der Regisseur heißt Georg Blüml!

Wien/Akademietheater: Therese Affolter in Kleists "Der zerbrochne Krug". Foto: Barbara Zeininger

Auszug aus der "Presse" (Norbert Meyer): Matthias Hartmann inszeniert das Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ zynisch-unterhaltsam, mit Kabinettstücken für die Stars, aber doch nicht ganz stimmig. Seine Interpretation ist plakativ.

Auf einem flachen, quadratischen Podest, das mächtig die Mitte der Bühne des Akademietheaters einnimmt, liegt ein verletzter Mann in Unterwäsche. Es schneit. Diese noch weiße Insel inmitten eines kahlen Raumes (Bühnenbild: Stéphane Laimé), Haus und Wirkungsstätte des Richters Adam, ist von matschiger, klebriger Erde umgeben. Hier wird nichts sauber bleiben, ahnt man.

Ob es nun besser ist, Griechenland in die Insolvenz zu schicken oder weiter Geld zuzuschießen, wissen die meisten von Ihnen ebenso wenig wie ich. Ich fürchte nur, dass es auch die Entscheidungsträger nicht wissen. Vor einer Woche hat es noch geheißen, dass eine Insolvenz der Todesstoß für Europa wäre, nun erachtet man diese Alternative für nicht mehr so schlimm! Warten wir ab, was passiert - mit uns!!

Trotz der Sorgen um unser (nicht vorhandenes) Geld wollen wir aber auch wissen, wer zur schönsten Frau der Welt gekürt wurde!

Miss Universum 2011: Leila Lopes aus Angola

Die Angolanerin Leila Lopes hat den Schönheitswettbewerb "Miss Universe 2011" gewonnen. Die 25-Jährige wurde in der Nacht zum Dienstag in Brasilien in einer zweistündigen Gala-Show zur Nachfolgerin der Mexikanerin Ximena Navarrete (23) gewählt, die ihr in der Credicard Hall von Sao Paulo die Krone überreichte.

An dem vom US-Milliardär Donald J. Trump und der US-Fernsehkette NBC organisierten Wettbewerb nahmen 89 nationale Schönheitsköniginnen teil. Die siebenköpfige Jury bewertete drei Kategorien: Badedress, Abendkleid und Interview. Die Sendung wurde nach Angaben der Veranstalter von etwa einer Milliarde Zuschauern auf der Welt an den Bildschirmen verfolgt.

Bei uns war das Finale nicht zu sehen, also habe ich dem Ergebnis entgegen gefiebert. In den frühen Morgenstunden brachte die "Kleine Zeitung" als erste die längst erwartete Nachricht.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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MITTWOCH, 14. SEPTEMBER 2011

Theater an der Wien" The Turn of the Screw". Premiere ist heute! Teddy Favre-Gilly, Eleonore Burke. Foto: Barbara Zeininger

Wenn sich am 14. September im Theater an der Wien der Vorhang zu Benjamin Brittens 1954 uraufgeführter Kammeroper "The Turn of the Screw" (auf Deutsch sinngemäß: "Die Drehung der Schraube") hebt, ist es für Robert Carsen eine Premiere in vielerlei Hinsicht.
Erstmals hat der kanadische Star-Regisseur eine Regie dezidiert für das Haus an der Wien erarbeitet. Erstmals ist Carsen auch für Ausstattung und Licht zuständig. Und erstmals setzt Carsen "dieses absolute Meisterwerk, ja das vielleicht beste Brittens" in Szene. (Auszug aus dem Kurier).

Auch die "Wiener Zeitung" befasst sich mit der heutigen Premiere: The Turn of the Screw", 1954 uraufgeführt, strotzt ebenso vor Vieldeutigkeiten wie die gleichnamige Novelle Henry James’: Eine Gouvernante soll am Land zwei Kinder hüten - und wähnt diese bald von Geistern bedroht und verdorben. Psychologische Wahn-Studie? Oder Gruselgeschichte? Rund 100 Jahre hat sich die Literaturwissenschaft abgearbeitet und selbst feministische, marxistische Lesarten produziert. Carsen lacht: "Eine marxistische werden Sie von mir sicher nicht kriegen." Die Stärke des Stücks läge ja eben darin, was man nicht wisse. Auch auf der Opernbühne soll dieser Zauber der Vieldeutigkeit gedeihen. Zwar ist es für Carsen ein Faktum, dass die Gouvernante Geister sieht: Einen verblichenen Diener kann sie dann ja genau beschreiben. Die Vieldeutigkeit beginne aber, "wenn sie sich fragt, was der Geist will - und zum Schluss kommt, dass er die Kinder verderben will". Ein Gedanke, auf den die Frau aber nicht von Ungefähr kommt: Für Carsen ist sie "eindeutig eine Jungfrau. Wie diese Hitchcock-Mädchen hat sie immer Angst vor Sex." Umso heftiger kämpft sie mit dubiosen Gegnern.

Wirkmacht entfacht dabei freilich Brittens Musik - ein charismatischer Mix aus Tonalem und Atonalem, in dem das Böse just mit der himmlischen Celesta naht, vor allem aber: ein Meisterstück der Verknappung.

Renate Wagner wird für den Online-Merker von der Premiere ebenso berichten, wie Martin R. Botz.

Am Samstag, 17. September 2011 findet um 10.30 Uhr das erste Publikumsgespräch dieser Saison mit Staatsoperndirektor Dominique Meyer, dem Kaufmännischen Geschäftsführer Thomas Platzer und Mitgliedern des Publikumsforums im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper statt. Kostenlose Zählkarten sind an allen Kassen der Bundestheater erhältlich.

Dr. Peter Dusek besuchte gestern in der Staatsoper "Don Giovanni" mit Adam Plachetka in der Titelrolle. Sein Bericht steht bereits online! Mehr darüber voraussichtlich morgen, wenn auch die Tageszeitungs-Rezensionen vorliegen! Soeben erreicht mich auch die "Don Giovanni"-Kritk von Dr. Georg Freund (ebenfalls online!). Ein kurzer Auszug: Bo Skovhus´ Absage bescherte uns das umjubelte Wiener Debut von Adam Plachetka als Giovanni. Der junge Künstler ist mit einer Länge von 194 cm von der Statur her zweifellos einer der größten Giovannis, hat aber auch stimmlich und darstellerisch sehr viel zu bieten: Sein schöner, voller Bass-Bariton hat die für schnelle Tempi erforderliche Beweglichkeit und ist frei von störendem Vibrato. Dazu tritt tadellose Textverständlichkeit. Mich hat besonders das mit Raffinement gesungene Ständchen beeindruckt

Am 29. September wird der Publikumsrat gewählt. Für jenen der Wiener Staatsoper kandidiert "Merker" Dr. Hans Sabaditsch (Wahl ab 18,30 Probebühne der Volksoper). Dr. Sabaditsch bezeichnete als Hauptaufgabe dieses Publikumsrates die Organisation dieses Gespräch - was ich wirklich nicht glauben kann und will! Jeder Opernbesucher kann unseren Kandidaten bei dieser Wahl unterstützen, wenn er nur den Weg zur Probebühne der Volksoper (Wilhelm Exner-Gasse/ Severingasse) findet!

Tags zuvor, am 28.9., spricht Merker-Heft-Chefredakteurin Dr. Sieglinde Pfabigan im Slowakischen Kulturinstitut mit Bratislavas Operndirektor Peter Dvorsky, der seinen 60er feiert!

Der OnLine Merker wird auch am Donnerstag den 15.9. in Klagenfurt bei der Neuinszenierung des "Holländers" dabei sein, diesmal mit Boat People an Bord und Daland als Schlepper (wenn Redakteur Peter Skorepa den ORF Beitrag über die Regie von Thorsten Fischer nicht ganz mißverstanden hat). Voraussetzung ist allerdings ein funktionierender Skorepa-PC!

Der Liederabend mit Thomas Quasthoff und Lars Vogt am 20. September 2011, der erste von 6 Terminen der neuen Reihe "Solistenkonzerte" an der Wiener Staatsoper, muss aus Krankheitsgründen abgesagt werden.
Die Agentur von Thomas Quasthoff teilte der Direktion der Wiener Staatsoper mit, der Bassbariton habe "nach einer hartnäckigen Kehlkopfentzündung auf ärztliches Anraten hin entschieden, bis zum Ende des Jahres zu pausieren und sämtliche Konzertverpflichtungen abzusagen. Die bereits gekauften Karten werden an den Bundestheaterkassen zurückgenommen!

Die Staatsoper hat also am 20. September einen Schließtag. Wer es nicht ohne abendliches Musikvergnügen aushält, kann nach Bratislava fahren. Dort findet eine passabel besetzte "Tosca" (Ryan; M. Dvorsky, Kalmandi) statt!

Das Musikfest Berlin wagt sich an Luigi Nonos „Prometeo“, eines der großen Rätselwerke des 20. Jahrhunderts. Am besten nähert man sich der „Tragödie des Hörens“ am Ort des Entstehens: auf der Giudecca-Insel in Venedig. Lesen Sie mehr darüber im "Tagesspiegel".

Meiningen, "Die Hochzeit des Figaro" in den Kammerspielen: In den Meininger Kammerspielen gibt es keinen Orchestergraben. Kerstin Jacobssen, verantwortlich für Bühne und Kostüme, hat deshalb den Raum geteilt. Links saß die Hofkapelle in der Besetzung eines vergrößerten Kammerorchesters in den nackten Theaterwänden. Rechts öffnete sich eine leere Spielfläche, beschlossen von mit Türen versehenen Wänden.
Die unvermeidliche Aufspaltung des musikalischen Geschehens führte zu einer Akzentverschiebung. Der Gesang erlangte Dominanz über das Orchestrale, das dann eher auf musikalische Begleitung reduziert wurde. Wenn der Blick des Zuschauers aber zur Kapelle hinüberschweifte, dann konnte er die musikalische Ausführung verfolgen und sehend hören, mit welcher Intensität die Musiker bei ihrer Sache waren. Alexander Steinitz war sorgsam darauf bedacht, den Wechsel der Tempi, Tonarten und Stimmungen zu markieren, dynamische Abstufungen auszuformen und die innere Struktur der Klangsprache herauszuarbeiten.
Jacobssen und der Regisseur Georg Blüml taten heutzutage Ungewöhnliches: Sie verzichteten auf Verfremdung, Aktualisierung, Bildrausch, Aktivismus und Sinnverdunklung. Sie stellten der modischen Opernpraxis etwas "Altmodisches" entgegen.

Selbiges ist von Benedikt von Peter nicht zu erwarten.

Benedikt von Peter

„Im Musiktheater gibt es noch echte Widerstände – im Schauspiel ist ja längst schon alles erlaubt.“ Der Regisseur als Provokateur?

Benedikt von Peter inszeniert Oper, weil Schauspiel für ihn ausgereizt ist, jede Provokation bereits als Selbstverständlichkeit hingenommen wird und nicht mehr aufregt. Von Peter sucht aber die Aufregung. Samstag hat "seine" La Traviata" in Hannover Premiere!

Zählt (sich) zu den "Wunderkindern": Alois Mühlbacher .

Auszug aus der "Wiener Zeitung": Der 15-jährige Bub, der gerade ins Kaffeehaus zum Interview kommt, weiß schon ganz sicher, dass er einmal Musiker werden will. "Ich möchte es unbedingt!", sagt Alois Mühlbacher im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der St. Florianer Sängerknabe kann sich nicht vorstellen, dass das Singen in seinem Leben nur eine Episode sein könnte, an die er sich später als Arzt oder Lehrer zurückerinnert. "Nur ein Kapitel? Nein, nein, nein!", sagt er laut. Der Bub aus Hinterstoder hat schon viele Interviews geführt, kürzlich wurde er in der deutschen "Zeit" porträtiert, in den lokalen Medien ist er Dauergast. "Des Knaben Wunderstimme" oder "Magier der Stimme" wird dann geschrieben. Einmal habe es sogar geheißen: "Mozart, Liszt, Mühlbacher", erzählt der Teenager und kichert. Alois Mühlbacher ist seit fünf Jahren Sängerknabe und dort bald durch seine außergewöhnliche Sopranstimme aufgefallen. Vor wenigen Monaten präsentierte er seine erste Solo-CD, "Alois - unerhört", wo er Partien wie Mozarts Königin der Nacht und die Marietta aus Korngolds "Toter Stadt" singt. "Ich habe so eine Knabenstimme noch nie gehört in meinem Leben", lautet auf der Rückseite die Wortmeldung von Dirigent Franz Welser-Möst, "ich habe mir diese CD angehört und die ist geradezu phänomenal", wird Ioan Holender zitiert. An den ehemaligen Staatsoperndirektor schickte Chorleiter Franz Farnberger die Aufnahme, in der Folge debütierte Mühlbacher als Junger Hirte in Wagners "Tannhäuser" und stand später als Oberto in Händels "Alcina" auf der Bühne der Wiener Staatsoper.

Dafür trinkt Mühlbacher Grünen Tee statt Cola und himmelt eine 64jährige als Idol an! Also, ganz ehrlich, mit einem Wunderkind in der Familie wäre ich nicht so ganz glücklich. Mit einem richtigen Lausbuben hätte ich sicher weniger Probleme als mit einer Diva!

In der Presseschau finden Sie noch eine Kritik zum "Zerbrochnen Krug" im Wiener Akademietheater und eine Vorschau zu "Lumpazivagabundus" in der Josefstadt (Premiere am Donnerstag).

Florian Teichtmeister schwert sich nicht um große Vorgänger in seiner Rolle: "Die sind mir wurscht".

Merker-Rezensentin Dr. Renate Wagner. Foto: Barbara Zeininger.

Nicht "wurscht" sind uns "Online-Merkern" anonyme Angriffe von Leuten, die sogar zu feig sind, ihre gmx-Adresse für eine Antwort freizuhalten. Einwände gegen die Kritiken unserer Mitarbeiter sind selbstverständlich jedem frei gestellt, es wäre nur angenehm und anständig, wenn sie nicht in Heckenschützenmanier erfolgen würden. Wenn mich unter der Adresse [mailto:Gehteuch@nix.an]folgendes Schreiben erreicht (es geht um ihre Rezension "Die Kommune" im Akademietheater):

Und Frau Wagner hat wieder einmal nix verstanden. Kritik vom Schlechtesten für die Kommune. Wenn man\'s nicht einmal schafft sich zu merken, dass Freya 14 ist und nicht, wie mehrfach in der Kritik erwähnt 15, darf man aber vielleicht auch nicht erwarten, dass sonst was Gescheiteres bei ihrem Geschreibsel rauskommt.

Wenn Frau Wagner nun antwortet: Sie haben doch sicher auch mit dem Programm den Text erworben. Wenn Sie in der Szene XVI / Frühling-Nacht nachlesen, sagt Erik: Du bist fünfzehn Jahre alt.So habe ich es gehört, und ich bin nicht taub. Im übrigen steht es Ihnen frei, dieses oberflächliche Konstrukt eines angeblichen Stücks zu goutieren, so wie es mir freisteht, meine Einwände dazu vorzubringen.

Und das Mail kommt zurück:<Gehteuch@nix.an>... Host unknown (Name server: nix.an: host not found)(may be forged)

dann scheint mir das kein anständiger Vorgang: Meine Mitarbeiter stehen mit ihrem Namen und ihrer Person für ihre Meinungen ein, desgleichen sollten das ihre Kritiker tun.

Wenn Sie uns etwas zu sagen haben, dann tun Sie das mit offenem Visier!

Den Vereinigten Bühnen Wien gelang es, das Musical "Tanz der Vampire" nach Finnland zu verscherbeln!

Leider gibt es heute zwei prominente Todesfälle zu vermelden: Pop Art-Pionier Richard Hamilton starb 89jähring, Verleger Daniel Keel (Diogenes-Verlag) segnete mit 80 das Zeitliche!

Nur eine von 89 Schönheitsköniginnen konnte gewinnen. Für Leila Lopes aus Angola wurde der
Traum wahr. Sie erhielt die Krone der "Miss Universe 2011", der "schönsten Frau des Universums".
Ein Überraschungserfolg

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.
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DONNERSTAG, 15. SEPTEMBER 2011
"Don Giovanni" an der Wiener Staatsoper mit einem Titelhelden aus der "Reserve". Die Rezensenten bescheinigen Adam Plachetka einen Erfolg! Foto: Staatsoper/Pöhn

Auch mit diesem weiteren Anlauf wird uns der "neue Don Giovanni" (Martinotys Inszenierung) nicht lieb und wert. Die "Presse" eröffnet ihre Kritik wie folgt: Es war also der elfte „Don Giovanni“ der Ära Meyer. Die elfte Vorstellung in der Inszenierung von Jean-Louis Martinoty. Mit dieser Produktion starteten Meyer und Musikdirektor Franz Welser-Möst ja in der letzten Saison ihre Mozart-Da-Ponte-Unternehmung. Ein großer Wurf ist dieser „Don Giovanni“ auch beim Wiedersehen nicht. Aber zumindest konnte er seine Brauchbarkeit fürs Repertoire unter Beweis stellen – und, Hand aufs Herz, der davor in der Oper gespielten Kostümschinken-Grottenbahnfahrt von Roberto de Simone weint man auch keine Träne nach.

Wenigstens wurde keine gute Inszenierung gegen ein schlechte eingetauscht, auch als Wiener Opernfreund lernt man, bescheiden zu sein!

Dazu gibt es musikalisch diesmal wenig zu beckmessern. Auch wenn der ursprünglich in der Titelrolle angesetzte Bo Skovhus absagen musste, hat man an der Staatsoper den blutjungen Adam Plachetka im Ensemble, der übernehmen kann. Zur Premiere noch der Masetto, gab er nun also sein Debüt als Titelheld, und es fiel gelungen und vielversprechend aus. Er überzeugt mit seinem gut geführten, dunkel timbrierten Bassbariton, wird mit der Zeit auch die vertrackte Champagnerarie perlender in die Kehle bekommen und seinem blitzsauber gemeisterten Ständchen noch ein paar Nuancen abgewinnen können. Optisch und darstellerisch ist er jedenfalls jetzt schon ein Ideal-Giovanni.

Dr. Peter Dusek befasst sich in seiner "Merker"-Rezension (seit gestern online!) mit dem übrigen Ensemble: Eine blutjunge, neue Donna Anna kommt aus Griechenland : Myrto Papatanasiu debütierte erst 2007 und sang schon in Brüssel, Berlin, München oder Tokio. Nun kann sie auch Wien anführen. Die schlankgewachsene Sopranistin meistert die dramatischen Ausbrüche ebenso wie die Piano-Passagen, nur der Koloratur-Teil der großen Arie fällt dann doch ein wenig ab. Eine insgesamt eine sehr erfreuliche Begegnung! Eine Elvira der Extraklasse liefert erneut die schwedische Sopranistin Malin Hartelius, Pavol Breslik wiederholt seinen großen Erfolg als Don Ottavio und die Rumänin Anita Hartig ist eine sehr innige, mitfühlende Zerlina, während der Italiener Alex Exposito als Leporello und der Koreaner Teae Joong Yang als neuer Masetto auch die Lacher auf ihrer Seite haben. Albert Dohmen ergänzt als etwas derber Komtur : ein Opern-Markstein!

Einen Auszug aus der Kritik von Dr. Georg Freund habe ich bereits gestern veröffentlicht!

Premiere "The Turn of the Screw" am Theater an der Wien. Sally Matthews. Foto: Barbara Zeininger

Das Hauptereignis des Mittwoch war jedoch die Premiere "The Turn of the Screw". Offiziell wurde die neue Saison im Theater an der Wien mit dem Eröffnungskonzert tags zuvor gestartet, mit Promiauftrieb. Über die Britten-Premiere schreibt Dr. Renate Wagner: Das Theater an der Wien bleibt bei seinem Spielplan, der scharf am allzu Populären vorbei führt, und wie so oft in den letzten Jahren hat man auch diesmal wieder ins Schwarze getroffen. Natürlich, wer Robert Carsen engagiert, riskiert nicht viel – der Mann ist ein brillanter Regisseur, der seinen Respekt vor den Vorlagen in den allermeisten Fällen mit seinen interessanten Umsetzungen zur Deckung bringt. Wobei es bei Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ keinerlei experimentierende Versuche gibt, irgendetwas an dem Werk inszenierungsmäßig zu „verrücken“: Carsen hat sich nur für eine mögliche Deutung der unendlich vielgeschichtigen Geschichte entschieden..

...Ein großes Vergnügen war es, dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter der Leitung von Cornelius Meister zuzuhören, die Brittens wahrlich fein gestrickte Partitur mit ihren hohen Stimmungswerten adäquat umsetzten. Am Ende gab es viel Jubel, den meisten für Robert Carsen, und damit hat das Publikum gezeigt, dass es den Grad der gezeigten Leistungen wohl zu bestimmen und zu bewerten weiß.

Die ausführliche Rezension steht online!

Gar so einfach haben es unsere Rezensenten nicht, denn bei mir in der Redaktion rufen auch manchmal Sänger an, um sich "zu informieren, wie der Kritiker diese oder jene Passage in seinem Artikel gemeint hat". Andere lassen wieder über andere Rezensenten dies oder das "ausrichten". Namen tun hier wirklich nichts zur Sache, aber ich weiß, warum ich äußerst ungern Rezensionen schreibe. Und wenn ich es schon machen muss, dann werfe ich nicht mit Fachausdrücken um mich, deren Sinn ich nicht exakt verstehe. Ich kann mir vorstellen, dass bei Gesprächen zwischen Sängern und Rezensenten nicht viel Gescheites herauskommen kann, deshalb plädiere ich auch an meine Mitarbeiter, nur das zu schreiben, das sie auch durch eigenes Wissen begründen können. In Details hat sich schon mancher verhaspelt - und in Diskussionen mit Vollprofis muss man zwangsläufig schlecht aussehen! Künstler sind Menschen, oft leicht verletzbar, manchmal auch wenig selbstkritisch. Anderseits müssen Rezensenten schon darauf achten, was sie durch eine unbedachte Formulierung anrichten können. Wie heißt es doch: "Der Merker werde so bestellt, dass weder Hass noch Lieben, das Urteil trübe, das er fällt" Gottlob ist es kein Urteil, liebe Sänger, es ist immer bloß eine subjektive Meinung!

Heute Premiere: "Sister Act" im Wiener Ronacher. Marlene Martens, Ana Milva Gomes, Sidonie Smith. Foto: Barbara Zeininger.

Natürlich sind wir bei dieser Premiere vertreten. Man braucht kein großer Prophet zu sein, um diesem Musical einen Erfolg vorauszusagen. Es geht wohl nur darum, ob der Erfolg bloß ein Erfolg, oder ein großes oder gar überwältigendes Showereignis wird!

Schauplatz Wiener Stadthalle. Natürlich dabei: Karina Sarkissova. 40 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen China und Österreich: Das wird gefeiert! Und zwar noch bis Samstag in der Wr. Stadthalle mit der Artistik-Show Life.Sunlight. Zu erleben sind die begnadeten Körper der Guangdong AcrobaticTroupe (Swan Lake), deren scheinbare Verstöße gegen die Gesetze von Anatomie und Gravitation dem Premieren-Publikum den Atem raubten. Applaus und Jubel für die Schlangenmädchen, Jongleure, Äquilibristen – und für die Staatsopern-Ballerina Karina Sarkissova, die zwischen den Akten Vivaldis Vier Jahreszeiten feingliedrigst verkörperte.

Sie können Karten für diese bis Samstag laufende Show gewinnen, dazu müssen Sie den Artikel in "Oe24-Kultur" lesen. Mit der Club-Card von Casinos Austria haben Sie sogar Anrecht auf zwei Gratis-Karten.

Patrizia Ciofi

Venedig: Der gebürtige Kanadier Robert Carsen, vielgefragter Regisseur, stellt das Geschehen in die 1970-er Jahre. Wohnung, Bordell und Casino bleiben so wie die Party-Szene mit Crazy-Horse-Tänzern absolut gegenständlich. Alfredo ist ein typischer mit Fotoapparat ausgestatteter Paparazzo. Der zweite Akt im Wald scheint eher eine Sparvariante zu sein, wo man Geldscheine zu Hauf regnen lässt. In einem lagerhausähnlichen Verlies endet dann das Drama in einer sich in der Musik ständig steigernden Aufführung.

Da glaubt man zu Beginn, dass Patrizia Ciofi nicht den besten Tag hat. Doch das Konzept, musikalischer Höhepunkt soll der dritte Akt sein, geht bei ihr voll auf; rührende Momente in einer technisch sehr versierten Stimmführung, besonders in der Schlussszene, beeindrucken. Wie sie die Violetta darstellt, ist ebenso überzeugend.

Gianluca Terranova ist ein höhensicherer Alfredo und lässt sich von Ciofi bis zum Finale mitreißen. Claudio Sgura kommt als Vater Giorgio gut an, ist aber von der Qualität eines Renato Bruson noch weit entfernt. Orchester und Chor hatten beste Betreuung unter Renato Palumbo, der sich als Verdi-Kenner immer mehr profilieren kann.

Übrigens wird es mit Hilfe des Internets immer leichter, an Karten direkt im Opernhaus heran zu kommen. Am ehesten bei Vorstellungen im freien Verkauf (fuori abbonamento). Man sollte jedoch nicht zu hohe Erwartungen an die Aufführungen stellen. Auch in Venedig kocht man mit Wasser, der Sparstift ist hier ebenso zu verwenden wie anderswo. Von den Spielplänen unserer Theater sind wir sicher verwöhnter. (Auszug aus "Drehpunkt Kultur").

Erstmals bringen zwei Frauen die Mozart-Oper «Don Giovanni» auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper. Intendantin Simone Young (50) und Regisseurin Doris Dörrie (56) haben sich die Geschichte des notorischen Weiberhelden vorgenommen. Ihre Version hat an diesem Sonntag (18. September/18.00 Uhr) in Hamburg Premiere. «Wir sind sehr optimistisch», sagten Young und Dörrie am Mittwoch. Die Zusammenarbeit sei problemlos verlaufen: «Weil wir Frauen sind, ging unsere Verständigung sehr schnell», berichtete Dirigentin Young.

Selbiges meine die "Welt-online". Man lernt nie aus, denn mir ist neu, dass sich Frauen bei gemeinsamen Projekten geradezu zwangsläufig und selbstverständlich gut verstehen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.


Anton Urspruch (1850-1907). Haben Sie je von diesem Komponisten gehört? Eine seiner Opern wird nun in Leverkusen aufgeführt.

Am Anfang steht eine Wette: niemandem könne es gelingen, eine liebende Frau vor werbenden Männern zu behüten. Dies sei schlicht „Das Unmöglichste von Allem“ - und genau so lautet auch der Titel der Oper, mit der Anton Urspruch bei der Uraufführung Anno 1897 in Karlsruhe einen seiner größten Erfolge feiern konnte. Die Presse war voll des Lobes, und auch der Dirigent Fritz Volbach, Urspruchs Freund, der 1919 zu Münsters erstem Generalmusikdirektor ernannt wurde. Schon wenig später konnte das Werk in Darmstadt, Weimar und Leipzig, in Köln, Frankfurt und Prag herausgebracht werden. Zehn Jahre später war Anton Urspruch tot - und sein gesamtes Oeuvre schnell vergessen. (Auszug aus der "Münsterländer Volkszeitung"). Die Premiere von "Das Unmöglichste von allem" findet am 22.9.2011 im Kulturforum Leverkusen statt

Wagners "Ring" zu kürzen, ist nicht neu - und eigentlich auch nicht originell. Auf diese Idee kam man man schon lange vor Katharina Wagner (wobei Loriots Versuch gewollt unseriös war). Lesen Sie über einen anderen Versuch in "Volksfreund.de": Mann, die trauen sich was: Die "Casa da musica" aus Porto, ein profiliertes Ensemble rund um den Dirigenten Peter Rundel, rückt Wagners opus magnum, dem "Ring des Nibelungen" zu Leibe. Das Monsterwerk ist reduziert auf gut die halbe Länge, das Orchester zusammengeschnurrt auf ein Viertel der Normalbesetzung: Da stellen sich bei echten Wagnerianern die Nackenhaare auf.

Aber Vorsicht: Die Sache ist keineswegs eine Travestie, sondern hochseriös. 1990 entwickelten der Regisseur Graham Vick und der Komponist Jonathan Dove für das Theater Birmingham eine ganze Opern-Reihe im Reiseformat. Ziel: Die größten Opern auch in kleinen Häusern spielen zu können.
Wer mehr wissen will, liest den "Volksfreund"!

Am 29. September wird der Publikumsrat der Wiener Staatsoper gewählt. Für jenen der Wiener Staatsoper kandidiert "Merker" Dr. Hans Sabaditsch (Wahl ab 18,30 Probebühne der Volksoper). Dr. Sabaditsch bezeichnete als Hauptaufgabe dieses Publikumsrates die Organisation dieses Gespräch - was ich wirklich nicht glauben kann und will! Jeder Opernbesucher kann unseren Kandidaten bei dieser Wahl unterstützen, wenn er nur den Weg zur Probebühne der Volksoper (Wilhelm Exner-Gasse/ Severingasse) findet!


Peter Dvorsky wird am 25. September 60!
Am 28.September (18,30 h) spricht er mit Merker-Chefredakteurinn Dr. Sieglinde Pfabigan im Slowakischen Kulturinstitut in Wien.

Der OnLine Merker wird auch am Donnerstag den 15.9. in Klagenfurt bei der Neuinszenierung des "Holländers" dabei sein, diesmal mit Boat People an Bord und Daland als Schlepper (wenn Redakteur Peter Skorepa den ORF Beitrag über die Regie von Thorsten Fischer nicht ganz mißverstanden hat). Voraussetzung ist allerdings ein funktionierender Skorepa-PC!

Lesen Sie auch Renate Wagners Filmrubrik!

Und am Ende beruht in dieser dramaturgisch schwachen Geschichte der ganze perverse Reiz (so es einer ist) darin, einer schönen Frau beim Killen zuzusehen.

Der österreichische Kolumnist Michael Jeannée bezeichnet den deutschen Rapper Sido in der Zeitung "Kurier" als Volltrottel. Beweis: Ein Video

Kein Einspruch meinerseits, Euer Ehren!

Einen schönen Tag wünscht
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FREITAG, 16. SEPTEMBER 2011

Einhelliger Erfolg für "The Turn of the Screw" im Theater an der Wien. Ann Murrey mit den beiden Kindern Eleanor Burke und Teddy Favre-Gilly. Foto: Barbara Zeininger

Dominik Troger schreibt in seiner Opernwebsite www.operinwien.at : In der Produktion des Theaters an der Wien unter der Federführung von Robert Carsen wird die Doppelbödigkeit des Stücks weitgehend aufrecht erhalten. Carsen, erstmals auch für die Ausstattung verantwortlich, brachte ein starkes cineastisches Moment in seine Inszenierung ein. Ein schwarzer, veränderlicher Rahmen schuf mal kleine, mal große Bühnenausschnitte, wie unterschiedliche Kameraperspektiven. Die Farbgebung erinnerte an einen zaghaft kolorierten Schwarzweiß-Film, und in einem Interview im Programmheft spricht er das hitchcockartige seiner Inszenierung an. Die gesamte Handlung wurde von ihm in das Haus verlegt. (Das förderte klaustrophobische Zustände, begrenzte aber die räumliche Wirksamkeit der beiden Gespenster – man denke an den von Britten intendierten spektakulären Auftritt von Miss Jessel im ersten Akt.).

Christoph Irrgeher ergänzt in der "Wiener Zeitung: Zwar weiß man bei Carsen auch zuletzt nicht, ob Quint einst den kleinen Miles missbraucht hat und nun neues Übel ausheckt, aber zumindest: dass das Oberstübchen der Gouvernante seinen Teil zum Horror beisteuert. Sexuell ein Dörrgebiet, aber im festen Glauben an die Verkettungs-Konstanz von Versuchung und Fall, werden ihr Quints Nachtrufe zum Lust- und Albtraum. Prüde Logik: Auf den kleinen Tod folgt der große. Diese Dame selbst wird Miles dann zu Tode schützen: Die "Drehung der Schraube" als Motorik, die das zu Verhindernde erst zustande bringt.

Die Eindunklung einer weißen Unschuldswelt wird nun ebenso grandios gespielt wie gesungen: auf der einen Seite der Dämonenblick des melismensicheren Quints (Nikolai Schukoff) und die jenseitsdunkle Miss Jessel (Jennifer Larmore), auf der anderen die vokalen Aufbäumungen der Gouvernante (Sally Matthews) nebst der herb-kräftigen Haushälterin (Ann Murray). Und dazwischen die Kinder. Unschuldsengel, Satansbrut? Eleanor Burke und Teddy Favre-Gilly, vokal bezaubernd, wirken schaurig unzugänglich.

Zwar kein echter Kardinal, aber immerhin ein wirklicher Kardinals-Bruder: Michael Schönborn in "Sister Act". Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner wohnte der (erwartungsgemäß) umjubelten Premiere "Sister Act" gestern im Wiener Ronacher bei: Die Überzeugungskraft des Abends liegt auch an der Machart: Die Vereinigten Bühnen sind nun schon so lange im Musical-Geschäft, dass man es hier mittlerweile aus dem ff und auf höchstem Niveau beherrscht. Man sieht eine Aufführung ohne Makel: Regisseurin Caroline Brouwer hat den Abend perfekt einstudiert und Tempo, absolute Präzision, Wortverständlichkeit, fugenlose Übergänge zwischen Spiel, Gesang, Tanz, Szenenwechsel gewährleistet. Und wenn es ganz dumm wird (wenn die Nonnen die Gangster ausschalten, die Deloris aus dem Kloster entführen wollen), geschieht das mit entsprechender Slapstick-Ironie. Das Bühnenbild (Klara Zieglerova) übertreibt nicht, erfüllt immer seine Funktion und hält das Geschehen keine Sekunde auf, die Kostüme (Lez Brotherston) reichen vom Nonnenhabit bis zum exzessiven Glitzerfummel. Die Choreographie (Anthony van Laast) bietet alles, was das Stück braucht, kurz: Es ist ein Vergnügen, hier zuzusehen.

Trotz seiner derzeit wohl anderen Sorgen ließ es sich Wiens Kardinal Christoph Schönborn nicht nehmen, den Auftritt seines Bruders zu besuchen, auch echte Nonnen zählten zum Premierenpublikum. Ansonsten wurden natürlich die berühmt-berüchtigten Adabeis gesichtet! Lesen Sie die Kritik unserer Rezensentin!

Nach Mainz! Raten Sie einmal, aus welchem Bühnendrama dieses Foto stammt:

Tristan (Alexander Spemann) und Isolde (Ruth Staffa) wird im Staatstheater als eine Geschichte mit politischer Sprengkraft inszeniert. Foto: Martina Piperich

Regisseur Tilman Knabe sieht in der Geschichte die politische Sprengkraft: „Isolde ist als Königstochter eine strategische Frau im politischen Geschäft. Es gibt tradierte Vorstellungen über Tristan und Isolde von einer seltsamen Liebesgeschichte, die aber vielleicht gar nicht so ganz stimmen und die es mal genauer zu untersuchen gilt. Was bedeutet diese Liebe überhaupt, und warum gibt es da am Ende den Liebestod?“

Knabe wehrt sich entschieden gegen das Klischee, dass Tristan und Isolde ein sehr langatmiges Werk sei: „In dem Stück gibt es eigentlich keinen Satz, der überflüssig ist - sowohl musikalisch als auch vom Libretto. Die Geschichte ist nicht langweilig, wenn man sie richtig erzählt. Ich habe schon viele Tristan-Aufführungen gesehen und bin dabei eingepennt - was mich sehr wundert. Man muss dieses Werk wieder herausholen aus dieser wahnsinnig verklärten Attitüde. Dabei ist wichtig, dass die Konstellation der Figuren klar werden und warum sie so handeln - dann hat man einen spannenden Theaterabend von der ersten bis zur letzten Minute!“ Entscheidend sei bei der Inszenierung auch die Sprache als Zentrum: „Diese besondere Sprache herauszumeißeln bedeutet harte Arbeit für Dirigent und Regisseur mit den Darstellern. Aber das beschreibt hier die grandiose Arbeit von Richard Wagner, wie er dieses Werk wirklich präzise und ökonomisch einwandfrei aufgebaut hat.“

Dieser Auszug stammt aus der "Mainzer Allgemeinen Zeitung".

Heimatsuche am Stadttheater Klagenfurt: "Der fliegende Holländer" in der Inszenierung von Torsten Fischer.

Auch in Klagenfurt misst sich ein Regisseur an Richard Wagner - im konkreten Fall Torsten Fischer am " Fliegenden Holländer". Der Premierenbericht von Peter Skorepa ist bereits online, im Detail kommen wir morgen darauf zu sprechen!

ORF.at" bietet uns aber vor der Premiere einen Einblick, der sich mit den Eindrücken Skorepas deckt

Ungewöhnlich ist bei der Neu-Inszenierung bereits das Bühnenbild. Der Regisseur will die Oper an der Europäischen Grenze, in unserer Zeit, beginnen lassen. Schiff ist dabei weit und breit keines zu sehen.

Bei seiner Operninszenierung handle es sich nicht um eine Mitleidsveranstaltung - das müsse, so Fischer, absolut klar sein. Klar sei auch, dass er mit seiner Inszenierung informieren, etwas bewegen wolle. Fischer: "Wir machen Theater nicht für Lob. Wir machen Theater, um Farbe zu bekennen, ein Thema anzupacken, Stellung zu nehmen, eine Oper ins Heute zu bringen, die 1847 komponiert wurde, aber heute noch ihre Gültigkeit behalten muss. Das Theater ist kein Museum, sondern einer der lebendigsten politischen Orte".
Genau an diesem Ort wird sichtbar, dass wir alle irgendwie, wie auch Richard Wagner selbst, Heimatsuchende sind. Hier wird sichtbar, dass Diskriminierung überall stattfindet, nicht nur in Berlin oder Griechenland, wo Torsten Fischer lebt.

Und ich dachte mir, er meint Kärnten! Wie man sich irren kann!

Eva Kleinitz, hier mit Dramaturg Sergio Morabito, ist für die Sängerbesetzungen der Staatsoper Stuttgart verantwortlich.

Den "Stuttgarter Nachrichten" stand sie Rede und Antwort: Sie sind für die Sänger an der Oper Stuttgart zuständig. War es einfach, junge Sänger zu finden, die sich fest an ein Haus binden wollen?

Kleinitz: Es war nicht leicht, aber auch nicht unmöglich. Manchmal gab es Enttäuschungen, als Sängern bewusst wurde, dass sie ihren Wohnort wechseln, mit ihrer Familie umziehen und womöglich eine neue Sprache lernen müssen. Außerdem müssen die Sänger zu unserem Repertoire passen. Mir ist es wichtig, dass die Sänger, die nach Stuttgart kommen, hier wirklich eine Perspektive haben. Dass sie also wissen, welche Partien sie in dieser und in der nächsten Saison singen werden. Es gab deshalb etliche, die ich für hochinteressant und enorm talentiert halte, die wir aber in Stuttgart erst einmal noch nicht einsetzen können.

Welches Stück sollte ein Opernhaus Ihrer Meinung nach nur aus dem Ensemble heraus besetzen können?
Kleinitz: Mozarts Opern - gerade Stücke wie "Die Zauberflöte", "Figaro" und "Don Giovanni". Deshalb haben wir den "Don Giovanni" am Ende der Saison noch in den Spielplan hineingenommen. Ich finde, jeder Sänger sollte Mozart singen.

Anton Urspruch (1850-1907). Haben Sie je von diesem Komponisten gehört? Eine seiner Opern wird nun in Leverkusen aufgeführt. Ich stelle hiermit richtig, denn gestern schrieb ich von Münster

Am Anfang steht eine Wette: niemandem könne es gelingen, eine liebende Frau vor werbenden Männern zu behüten. Dies sei schlicht „Das Unmöglichste von Allem“ - und genau so lautet auch der Titel der Oper, mit der Anton Urspruch bei der Uraufführung Anno 1897 in Karlsruhe einen seiner größten Erfolge feiern konnte. . Die Premiere von "Das Unmöglichste von allem" findet am 22.9.2011 im Kulturforum Leverkusen statt.

Wien-Josefstadt: "Lumpazivagabundus" - ganz ohne Franzobel.

Renate Wagner liefert einen durchaus positiven Bericht. Wie erinnerlich, sollte ja ursprünglich eine Fassung von Franzobel gespielt werden, was Teile des Ensembles zu verhindern wussten:
Und das „Kometenlied“? Ohne das „Die Welt steht auf kan’ Fall mehr lang“ des Knieriem kann es ja keinen „Lumpazi“ geben. Martin Zauner darf es auch bringen, wenn auch nicht singen. Er rezitiert es (und weil die Musik eben zu laut ist, versteht man den Text leider sehr schlecht), mehr noch, er scheint es zu „heulen“ wie ein „Beat Generation“-Poet, der eine verachteten Mitmenschheit ihren Untergang entgegen schreit. Da passen keine billigen Polit-Witzchen aus der österreichischen Lachkiste dazu. Die Sache ist einfach zu ernst.

So landet man bei Nestroy: Zwei von dreien sind nicht zu domestizieren, unglücklich sind alle drei, es geht hart auf hart zu im Leben, der Dichter hat’s gewusst, der Regisseur bringt es ganz unjosefstädtisch auf die Bühne. Wir hab’n kan’ Franzobel dazu ’braucht.

Der Regisseur heißt Georg Schmiedleitner!

Weiter in den Wiener Rabenhof, in dem Thomas Gratzer die Saison mit "Porno" eröffnete. Das Vorhaben ging ziemlich in die Hose - auch für die Schauspieler. Immerhin war auch Salzburgs Faust Philipp Hochmair mit von der Partie: Dennoch fühlte man sich dazu berufen, daraus eine Performance zu machen. Hochmair zerschnipselt eine Banane, Palfrader gibt einen Proleten, und als zweifelhaften Höhepunkt lässt Ela Angerer ("Idee und Umsetzung") eine breit tätowierte Stripteasetänzerin die Brustwarzenquasten rotieren. Es geht mithin nicht nur verklemmt, sondern auch recht sexistisch zu.

Im Vorfeld hatte Hausherr Thomas Gratzer gemeint, die Saison mit Porno eröffnen zu können sei für einen Direktor geradezu "Handibussi". Sein schmutziges Lachen war das Beste am Abend.

Das ist die Meinung von Thomas Trenkler im "Standard". Bleibt auch noch die Erkenntnis, dass Robert Palfrader, der "Kaiser" in einer TV-Serie, auf jenes Maß zurechtgestutzt wurde, das ihm zukommt - auf das eines bestenfalls mittelmäßigen Schauspielers.

Wer will, kann auch noch mittels unserer Presseschau Einblicke in das (ehemalige) Sexualleben von Udo Jürgens nehmen!

Trotzdem wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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SAMSTAG, 17.SEPTEMBER 2011
"Der fliegende Holländer" auf Heimatsuche, aber gänzlich ohne Schiff. Torsten Fischers interessante Deutung hatte am Stadttheater Klagenfurt Premiere. Foto: Stadttheater Klagenfurt/ Helge Bauer

Ohne jede billige Aktualisierung erzählt Regisseur Torsten Fischer den Mythos von unerlöst-zwanghaften Meereswanderungen als aufrüttelndes Flüchtlingsdrama. Der Holländer ist in dieser Inszenierung der Anführer einer ethnisch bunt gemischten Gruppe von Flüchtlingen, die Asyl in einem gastfreundlichen Land sucht. Doch die Küstenwache versteht keinen Spaß, der Grenzpolizist Erik erschießt noch während der Ouvertüre einen renitenten Flüchtling, der Kampf der Kulturen nimmt seinen Anfang. Bald wechselt der Steuermann die Fronten und verliebt sich in eine „fremde“ Afrikanerin, und zu Beginn des 3. Aufzuges eskaliert die Spannung, nur knapp entgehen die Flüchtlinge einem Pogrom – so packend hat man diese gespenstische Szene kaum je gesehen. (Auszug aus der "Presse")

Nun ein Auszug aus der Premierenkritik des Merker-Online-Mitarbeiters Peter Skorepa: Der als Fluchthelfer agierende Holländer schart seine Flüchtlinge nach der Landung um sich, ständig von dem, mit der Pistole fuchtelnden Erik bedroht. Daland wird für die versprochene Übernachtung mit Bündeln von Geld belohnt, allerdings erkennt dieser in den Flüchtlingen den eigentlichen “Schatz”, auf den der Holländer - offensichtlich wegen deren Arbeitskraft - hinweist. Die einzige Pause erfolgt dann mitten im Duett Holländer-Senta, das ergibt zwar ausgewogene Spielhälften, keineswegs aber eine ausgewogene Dramaturgie des Mittelaktes. Beim Fest im Dorf bedrohen die Dörfler die Fremden und der pistolenschwingende Erik belästigt schon wieder andauernd einmal seine Senta, dann den Holländer, um letztlich angesichts des Verlustes seiner Verlobten die Waffe gegen sich zu richten. Senta und der endlich Erlöste widmen sich ihren sozialen Aufgaben. Und wenn sie nicht gestorben sind...Immerhin endlich einmal eine Erlösungsvariante.

Ich möchte nicht verhehlen, dass Torsten Fischer seine Story in der Ausstattung und in heutigen Kostümen von Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos gekonnt erzählt hat, nicht zuletzt unterstützt vom Bewegungschor des Stadttheaters als “Heimatsuchende”. So gekonnt jedenfalls, dass er das Publikum mit seiner Arbeit, welche das Märchenhafte und Mystische des ursprünglichen Stoffes zum Verschwinden brachte, offenbar überzeugte – das Team wurde mit sehr freundlichem Applaus bedacht, kein einziges Buh war zu hören

Astrid Weber als "Senta". Foto: Stadttheater Klagenfurt/ Helge Bauer

Die "Kleine Zeitung" befasst sich mit der musikalischen Seite: Vor lauter Sängerfreundlichkeit klingen die Orchesterwogen teils recht verhalten, teils sogar zu dünnflüssig und nicht immer präzise. Dafür legt Chefdirigent Peter Marschik in der gespielten Urfassung großen Wert auf ausbalancierten, transparenten Orchesterklang.

Renatus Mészár, als erschöpfter und strauchelnder Titelheld ohne Dämonie gezeichnet, kann mit seinem gewaltigen, wohlklingenden Stimmorgan mit etwas engen Höhen punkten. Gábor Bretz brilliert, als smarter Manager ausstaffiert, als textverständlicher Daland mit warmstimmigem Bariton. Die weniger verständliche Astrid Weber, bereits Bayreutherprobt, ist eine manchmal schrille Senta mit vielen berührenden Tönen. Daniel Brenna als Erik, vom Outfit wie ein Rechtsradikaler gezeichnet und ständig mit der Pistole herumfuchtelnd, springt immer wieder übergangslos vom Piano in ein extremes Forte. Solide: der über dem Grenzgitter schwebende Daniel Prohaska (Steuermann), ebenso Anna Agathonos (Mary) und der Chor. Apropos Chor: Der Geisterchor wird von den vier männlichen Solisten übernommen.

Stellen wir diese Beurteilung jene des Merker-Rezensenten gegenüber: Nicht nur mit ihrer bühnenwirksamen, schlanken Erscheinung und ihrem intensiven Spiel konnte Astrid Weber brillieren, erst recht auch mit einem technisch versiert eingesetzten jugendlich-dramatischen Sopran mit Jubelton und strahlenden Höhen. Da scheint eine hervorragende Sängerin für das deutsche Fach heranzuwachsen. Renatus Mészar ist der dauererschöpfte Holländer mit interessantem Charakterbariton, der sowohl dem Gutmenschen als auch der mystischen Figur Wagners entsprach, jedoch dort, wo man die großen Ausbrüche erwartete, nicht immer in den richtigen Fokus kam. Gabor Bretz ist ein junger, schönstimmiger Daland, später so gar nicht der gierige Unternehmer, mehr den Flüchtlingen zugetan als seinen eigenen Untergebenen. Immer wieder muß er Erik, den Dauerpistolenhelden, in seine Schranken weisen. Mit der Partie des Erik war am Premierenabend Daniel Brenna überfordert, seine Erzählung im letzten Akt war – das darf gesagt werden – weit von einer Stadttheaterform entfernt...

...Am Schluß sehr freundlicher Applaus für alle, wie schon erwähnt auch für das Regieteam, der sich bei Frau Weber deutlich verstärkte. Und die junge Dame neben mir sucht wahrscheinlich noch immer in ihrem Programmheft danach, wo wohl die Schiffe geblieben sein könnten.

Nun nach Wien, zu "Sister Act" in das Ronacher:

Carline Brouwer hat gute Arbeit geleistet. Foto: Barbara Zeininger

Barbara Petsch schreibt in der Presse: Carline Brouwer, die sich bereits bei „Ich war noch niemals in New York“ bewährte, hat auch hier kundig inszeniert. Die größte Freude bereiten die witzigen und schlagfertigen Dialoge (Michaela Ronzoni, Werner Sobotka). Das am wenigsten befriedigende ist die Choreografie (Anthony van Laast): Die Nonnen rennen immer wieder wie aufgescheucht herum, was höchstens unfreiwillig komisch ist. Koen Schoots waltet im Orchestergraben, aus dem deutlich kantigere Töne dringen als unter Caspar Richter, der für eine Art wienerischen Swing sorgte. Etwas stimmt mit den Mikrofonen nicht. Die Akteure produzieren teilweise unglaublich hässliche Spitzentöne.

Marlene Martens, Sidonie Smith: von den Mikros Stimm-geschädigt??. Foto: Barbara Zeininger

Die Rezension der Merker-Redakteurin Dr. Renate Wagner steht seit Freitag online und wurde gestern bereits hier auszugsweise veröffentlicht. Sie hält "Sister Act" für eine rundum gelungene Produktion!

Wiener Staatsoper: Falstaff


Alain Altinoglu

Mit diesem Dirigenten würden wir gern viel, viel öfter arbeiten." Diese Botschaft ließen die Musiker der Wiener Staatsoper Direktor Dominique Meyer zukommen. "Dieser Dirigent" - das ist der erst 35-jährige Alain Altinoglu, der nicht nur im Haus am Ring für Furore sorgt. "Ja, sicher, das ist ein ganz großes, wunderschönes Kompliment", meint Altinoglu. "An diesem Haus und mit diesem Orchester arbeiten zu dürfen, ist ein absolutes Privileg."
Altinoglu, der in dieser Spielzeit an der Staatsoper neben Verdis "Falstaff" noch Gounods "Faust" leiten wird, weiter: "Ganz ehrlich, als ich mein Debüt an der Staatsoper gegeben habe, war ich schon etwas nervös. Immerhin sitzen da die Wiener Philharmoniker im Graben. Aber dann hat alles so gut funktioniert, das ich sprachlos war", erklärt der gelernte Pianist, der über die Position eines Korrepetitors zum Dirigieren kam.

Diese Zeilen sind im "Kurier" zu finden. Die "Falstaff-Kritik der Merker-Rezensentin Elena Habermann steht seit gestern online. Sie findet, das Ambrogio Maestri in der Titelrolle das herausragende Ereignis dieser Repertoirevorstellung an der Staatsoper war!

Die Saison am Linzer Landestheater wurde gestern mit einem Konzert eröffnet, heute steht die Eröffnungspremiere auf dem Spielplan, Puccinis Tränendrücker "La Bohème" in der Inszenierung des Intedanten Rainer Mennicken.


"La Bohème" in Linz. Foto: Ursula Kaufmann.

630 Euro pro Haushalt gibt das Land OÖ für Kunst und Kultur aus. Eine Investition, die sich zu lohnen scheint. Ist doch der Großteil der Landsleute mit dem heimischen Kulturklima mehr als zufrieden - wie eine aktuelle Studie zeigt. Einzig bei den Kosten ist nach wie vor Verunsicherung spürbar. 89 Prozent der Oberösterreicher bezeichnen ihr Bundesland als Kulturland. Das sagt eine aktuelle Studie vom Linzer market-Institut, bei der knapp 900 Menschen befragt wurden. Knapp die Hälfte der Befragten hält das heimische Kulturprogramm für vielfältig.

Auch die umfassende kulturelle Bauoffensive - etwa mit der Anton Bruckner-Privatuniversität und dem Neuen Musiktheater - zeige ihre Wirkung, meint Landeshauptmann und Kulturreferent Josef Pühringer (ÖVP).

Diese Statistik veröffentlichen die "Oberösterreichischen Nachrichten". Ich zweifle die Zahlen nicht an, gebe aber zu bedenken, dass ich durch eine geschickte Fragestellung bei sämtlichen Umfragen das gewünscghte Ergebnis erzielen kann. Auch das Gegenteil wäre leicht zu belegen! Grundsätzlich hat eine Bauoffensive nichts mit Kultur zu tun, sondern ist eine begrüßenswerte Belebung der Wirtschaft. So gesehen begrüße auch ich das neue Linzer Musiktheater, habe aber auch Verständnis für jene, die sich um die Folgekosten Sorgen machen! Und zu den 89 Prozent Kulturbegeisterten? Wer gibt schon gerne öffentlich zu, dass er ein Banause ist?

Gefallen konnte auch Georg Schmiedleitners etwas amputierter "Lumpazivagabundus" am Wiener Josefstadt-Theater


Wien-Josefstadt: "Lumpazivagabundus" - ganz ohne Franzobel.

Bekanntlich ist Schmiedleitners Fassung eine (gelungene) Notlösung, nachdem Franzobel mit seiner Version nicht am Boulevard (wie er gerne verkünden möchte), sondern an den Schauspielern gescheitert ist, die seinen Quark nicht spielen wollten!

Renate Wagner besuchte gestern das Stadttheater Walfischgasse in Wien/Alsergrund, konkret Silke Hasslers "Lustgarantie". Tags zuvor war sie von einer modernen Version des "Lumpazivagabundus" begeistert, diesmal schwelgt sie keineswegs in Superlativen: Was war das? „Von den schrecklichen Dingen möglichst lustig zu erzählen“, wie die Autorin formulierte? Das ist eine Auseinandersetzung mit dem Alter? Doch wohl eher mit der Würdelosigkeit unserer Weltanschauungen… Und, Cornelia Köndgen, Cornelia Lippert und Brigitte West, alle schätzenswert, sollen wirklich nicht glauben, dass sie sich und ihrer Karriere mit diesen Rollen etwas Gutes getan haben. Manchmal ist es besser, nicht auf der Bühne zu stehen. Das gilt auch für Finanzbeamten Franz Robert Ceeh und Enkelin Isabella Weitz. Man muss auch nicht alles inszenieren, doch Michael Weger tat es in diesem Fall. Darüber, was man vielleicht anders oder besser hätte machen können, muss man nicht diskutieren, denn es ist die Sache nicht wert.

Das Publikum hat gelacht, aber wohl nicht ganz so heftig, wie es angesichts der Karacho-Darstellung geplant war. Und, wie gesagt, es gab auch Jubel für die Autorin. Auf der Bühne aber klebte nur eine grenzenlose, geschmacklose Peinlichkeit.


Warum wohl dieser Rückfall der Rezensentin innerhalb nur eines Tages in harte Kritik? Sie könnte es sich einfach machen, überall jubeln, Sie schamlos anlügen und zum Liebling der Theatermacher werden. Aber, was gut ist, ist gut - auch bei Renate Wagner. Was schwach ist, gehört als schwach bezeichnet - garantiert bei Renate Wagner!

Eines ist natürlich auch klar: Jede Kritik entspricht subjektivem Empfinden!

Paul McCartney wird wieder heiraten! Ganz ohne Ehevertrag, wie man hört! Mutig? Leichtsinnig??. Die Frage ist nur, wer hier Mut oder Leichtsinn an den Tag legt. Die Braut ist angeblich 250 Millionen schwer. Fragen Sie mich nicht, in welcher Währung diese 250 Millionen gemessen werden, aber seit Abschaffung der Lira ist das auch ziemlich egal!
Aber soeben wird mir gesagt, dass Paul selbst 570 Millionen als Morgengabe einbringt!

Also wäre doch ein Ehevertrag sinnvoll? Ich bin froh, diese Sorgen nicht zu haben!

Ein schönes Wochenende wünscht

A.C
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MONTAG, 19. SEPTEMBER 2011

Kurt Sanderling gestorben

1912 wird Jahrhundertjahrgang der großen Dirigenten genannt: Günter Wand, Georg Solti, Sergiu Celibidache, Ferdinand Leitner, Erich Leinsdorf. Alle längst gestorben Jetzt ist der Letze von ihnen gegangen. Am Sonntagmorgen verstarb Kurt Sanderling in Berlin-Pankow, einen Tag vor seinem 99. Geburtstag.

Geboren wird er am 19. September 1912 in der Garnisonstadt Arys – damals Ostpreußen – als deutscher Jude. Die Jugend ist nicht frei von Antisemitismus. Sein Vater, der örtliche Sägewerkverwalter und die Mutter, eine moderne und aufgeklärte Frau, ermöglichen dem musikinteressierten Kind, bei der einzigen Klavierlehrerin am Ort Unterricht zu nehmen – sie kann ihm jedoch schon bald nichts Neues mehr beibringen. So zieht Kurt Sanderling über Königsberg 1928 nach Berlin. Entdeckt seine Liebe zu Beethoven, Brahms, Bruckner und seine Abneigung gegen Zwölftonmusik. „Zeigen Sie mir ein Zwölftonmusikstück, das adäquat die Liebe beschreibt.“ In Berlin gelingt es Sanderling Anfang der 30er Jahre, ohne musikalisches Studium eine Stelle als Korrepetitor an der Städtischen Oper zu bekommen. Viele der großen Dirigenten dieser Zeit erlebt er: Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Bruno Walter, Leo Blech. Heute nennt man Kurt Sanderling in einer Reihe mit diesen Namen. Erwähnte man dies ihm gegenüber, fühlte er sich stets sichtlich ungemütlich – und auf Fragen nach seiner Berühmtheit reagierte er sogar ungehalten. Kurt Sanderling hat sich selbst nie so wichtig genommen.

(Auszug aus der "Berliner Morgenpost")

Helga Pilarczyk gestorben

Pilarczyk wollte ursprünglich Pianistin werden. Sie nahm Klavierunterricht am Konservatorium Braunschweig und setzte ihre Klavierstudien an der Hamburger Hochschule für Musik fort. Gleichzeitig studierte sie Gesang in Braunschweig und Hamburg, wo ihre Stimme, zunächst als Altistin, ausgebildet wurde.

1951 gab sie ihr Debüt als Opernsängerin am Staatstheater Braunschweig in der Rolle der Erzieherin Irmentraut in der Spieloper Der Waffenschmied. Von 1951 bis 1954 war sie dort festes Ensemblemitglied. Mit der Spielzeit 1954/1955 wechselte Pilarczyk, nun als Dramatischer Sopran, in das Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo sie bis einschließlich der Spielzeit 1966/1967 fest engagiert war.

Pilarczyk sang in Hamburg fast alle wichtigen Fachpartien und entwickelte sich bald zu einer Spezialistin für die Moderne, insbesondere für die Zwölftonmusik des 20. Jahrhunderts. Zu ihrem Repertoire gehörten unter anderem die Titelrolle in Salome, die Färberin in Die Frau ohne Schatten, die Titelrolle in Turandot, die Renata in Der feurige Engel, die Mutter in Der Gefangene und die Iokaste in Oedipus Rex.

Ihre Glanzrollen, mit denen sie auch international erfolgreich gastierte, waren insbesondere die Marie in Wozzeck und die Titelrolle in Lulu. Die Lulu sang sie 1957 in einer Hamburger Neuinszenierung, an der Seite von Toni Blankenheim als Dr. Schön, mit „klarer, heller, um keine Schwingung getrübter Tonreinheit“, in der mittlerweile legendären Inszenierung von Günther Rennert; sie war „dämonisch, schlank und schillernd schön, im Spiel wechselnd zwischen schlangenhafter Beweglichkeit und seelenloser Starre“. Außerdem gehörten das Monodrama Erwartung und der Gedichtzyklus Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg zu ihren wichtigen Gesangsstücken.

Pilarczyk interpretierte im Verlauf ihrer Karriere jedoch gelegentlich auch immer wieder Rollen im Mezzosopran-Fach; so sang sie beispielsweise die Titelpartie in Carmen und die Prinzessin Eboli in Don Carlos.

Pilarczyk wirkte in mehreren Opern-Uraufführungen mit, unter anderem im Oktober 1955 an der Hamburgischen Staatsoper in Pallas Athene weint von Ernst Krenek, im September 1956 an der Deutschen Oper in Berlin als Mädchen in König Hirsch, 1963 in Hamburg als Noahs Frau in Die Sintflut (The Flood) von Igor Strawinsky und im Juni 1964 in Hamburg als Medea in der Oper Der goldene Bock, ebenfalls von Ernst Krenek.

Pilarczyk hatte Gastverträge am Opernhaus Zürich (1955–1958, dort 1955/1956 als Marie in Wozzeck, in der Titelrolle in Antigone von Arthur Honegger und als Mutter in Die Heimkehr von Marcel Mihalovici), an der Deutschen Oper Berlin (1956–1960, unter anderem 1960 als Marie in Wozzeck[5]) und seit 1964 auch an der Deutschen Oper am Rhein.

Sie trat an der Covent Garden Opera in London (1958 als Salome), beim Holland Festival (1958 als Frau in Erwartung; 1960 und 1968 als Marie in Wozzeck), beim Maggio Musicale in Florenz (1959 als Komponist in Ariadne auf Naxos und als Frau in Erwartung von Arnold Schönberg), beim Glyndebourne Festival (1960 als Colombina in Arlecchino von Ferruccio Busoni), an der Washington Opera (1960 als Frau in Erwartung), an der Grand Opéra Paris (1963 als Marie in Wozzeck), an der Mailänder Scala (1963 Gastspiel der Hamburgischen Staatsoper, Titelrolle in Lulu), bei der Musik-Biennale in Zagreb (Mai 1963, Gastspiel der Hamburgischen Staatsoper, Titelrolle in Lulu), bei den Wiener Festwochen (1965 als Frau in Erwartung) und an der Lyric Opera in Chicago (Spielzeit 1965/1966 als Marie in Wozzeck[6]) auf. Im Februar/März 1965 sang sie an der Metropolitan Opera in New York ebenfalls die Marie in Wozzeck.

1967 zog sich Pilarczyk aus familiären Gründen weitgehend von der Opernbühne zurück, um sich der Kindererziehung zu widmen
(Auszug aus "Wikipedia)

Im Trubel um die Serverstörung kamen wir mit der Einstellung der Kritiken etwas durcheinander. Renate Wagner war zum Wochenende gleich drei Mal im Theater (Sprechtheater, von "Perikles" an der Burg bis zum "Hofrat Geiger" im Gloria-Theater) und berichtet in unserer Kritiken-Rubrik!

Über "Perikles": Wollte man am Ende all die Mosaikstücke zusammensetzen, die man an diesem Abend gesehen hat, kommt immer noch kein Stück und kein runder Theaterabend heraus. Aber dass ein Regisseur nach Leibeskräften inszeniert hat, das ist unübersehbar.

Und über den "Hofrat Geiger": Der Abend, von vier Life-Musikern begleitet, verdiente jeden begeisterten Applaus, den das Publikum ihm spendete. Man muss sich dergleichen sicher nicht ansehen. Aber wenn man es will und tut, dann hat man es mit erstaunlicher Qualität zu tun, die man in diesem Genre kaum für erreichbar hielt.

Das Publikum entfernt sich immer mehr "von denen da oben" (gemeint ist, was sich auf der Bühne abspielt). Christine Lemke-Matwey versucht im Tagesspiegel" eine Annäherung:

Lesen Sie Musikkritiken? Opernkritiken? Haben Sie es jemals getan oder haben Sie vor, es zu tun? Falls nein: warum nicht? Falls ja: Verstehen Sie, was Sie da lesen? Joachim Kaiser zum Beispiel über den Jahrhundertpianisten Sviatoslav Richter, anno 1965: „Richter fühlt, dass man eine Mendelssohn-Melodie weder so antik getragen nehmen darf wie ein Beethovensches Adagio noch so Jean-Paulisch weltverzaubernd wie Schumannsche Poesie“.

So durfte man 1965 also noch schreiben – und wurde verstanden. Oder nahm jedes Unverständnis generös in Kauf.
Der Fall in die Gegenwart ist tief und schmerzhaft. Unlängst hörte ich die Kollegin eines Kultursenders den zweiten Satz des F-Dur Streichquartetts von Maurice Ravel dergestalt anmoderieren, dass sie sagte, die vielen Pizzicati (= Plural) in dieser Musik hätten nichts mit dem Pizza-Hunger des Komponisten zu tun. Wahrscheinlich wollte die Kollegin lustig sein. Zur Aufklärung oder Bildung des RadiohörerInnenvolkes hat sie damit ebenso wenig beigetragen wie jener unglückliche Moderator, der einst ein Klavierkonzert von Robert Schumann ankündigte – was wiederum nur für denjenigen lustig ist, der weiß, dass Schumann bloß ein Klavierkonzert geschrieben hat.

Muss man wissen, wie viele Klavierkonzerte Schumann komponiert hat? Macht es die Welt besser? Es soll ZeitgenossInnen geben, die nicht wissen, wer Xavi ist (= Fußballer vom FC Barcelona, Anm. d. Sportredaktion). Macht es die Welt besser, zu wissen, wer Xavi ist? Vielleicht fühlt man sich nicht mehr so allein, wenn man weiß, wie viele das wissen.
Pizzicato übrigens ist, wenn ein Streicher (ein Geiger, Bratscher, Cellist oder Bassist) die Saiten seines Instrumentes nicht mit dem Bogen streicht, sondern mit den Fingern der Bogenhand zupft, also mit der Rechten, möglichst ohne den Bogen dabei fallen zu lassen. Darüber hinaus gibt es den Spezialfall des Linkehand-Pizzicatos, bei dem, wie der Name schon sagt, die Finger der linken Hand obiges tun. Da muss man dann eher aufpassen, dass einem nicht die ganze Stradivari runterfällt.

Lemke-Matwey füllt mit ihrem Artikel drei Seiten!

Charles Garnier baute in Paris die Oper des 19. Jahrhunderts, Jørn Utzon jene des 20. Jahrhunderts in Sydney. In Guangzhou steht das Musiktheater des 21. Jahrhunderts.

Naturmetapher: Wie Steine im Fluss stehen die Bauten auf einer belebten Stadtfläche | Metaphor of nature: buildings like stones in a river

Mag Zaha Hadid auch die Hohepriesterin der Abstraktion in der Architektur sein – den Wettbewerb über das Opernhaus in Guangzhou entschied sie 2002 durch Evozieren einer poetischen Bilderwelt für sich
(Auszug aus "Architektur")

Greta Garbo wäre 106 Jahre alt geworden

Der "Kurier" bietet eine Bilderserie (siehe Presseschau)

Meßkirchen/ Baden-Württemberg / Auszug aus der "Welt-online!: Auch im Kulturbetrieb gilt im Kampf um Aufmerksamkeit die Maxime: höher, länger, weiter. Welches Theater spielt den längsten "Faust", welcher Autor schreibt den dicksten Roman, welches Publikum erträgt die meisten Wagner-Opern hintereinander? Die bisher viel zu selten als kulturelle Metropole gewürdigte Stadt Meßkirch (Baden-Württemberg, rund 8200 Einwohner) schockt nun alle Konkurrenten mit einem neuen Langzeitprojekt: 40 Jahre lang wollen die Bewohner dort eine mittelalterliche Klosterstadt aufbauen. Ganz authentisch, nur mit Methoden des 9. Jahrhunderts: Ochsen und Muskelkraft. Sogar eine Kathedrale soll dabei entstehen, mit Platz für 2000 Menschen. Vorlage wird der berühmte mittelalterliche Klosterplan von St. Gallen sein, der bisher nie in die Tat umgesetzt wurde. Der federführende Verein "Karolingische Klosterstadt Meßkirch" erhofft sich von dem Kraftakt mehr Tourismus in der strukturschwachen Region. Die Meßkircher haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis war, dass jedes Jahr 180 000 Neugierige die Baustelle besuchen könnten und dafür sogar Eintritt zahlen würden. Bisher war allerdings die Anschubfinanzierung ungeklärt. Jetzt hat das Ministerium für Ländlichen Raum in Baden-Württemberg angekündigt, das Projekt zu unterstützen. Das galt als eine der letzten Hürden. Nun muss nur noch der örtliche Gemeinderat zustimmen - eine Formsache -, dann kann im Frühjahr 2012 losgebaut werden.

SERVERSTÖRUNG ! Wir haben das Problem an den Server gemeldet, mehr können wir selbst nicht tun! Angeblich wird heute der Server gewechselt (meine Geduld ist nun am Ende). Hoffentlich hält der neue Server, was er verspricht!
A.C
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DIENSTAG, 20. SEPTEMBER 2011

DURCH DIE SERVERUMSTELLUNG GING DIE
GESAMTE DIENSTAG-AUSGABE VERLOREN!!!

"Don Giovanni" in Hamburg. Doris Dörrie hat inszeniert, der Erfolg bei Publikum und Presse hält sich in Grenzen. Auf dem Foto: Doris Dörrie, daneben der "Tod"bzw. die "Tödin" Tadashi Endo
Doris Dörrie an der Hamburger Staatsoper Mozarts "Don Giovanni" inszeniert, dann wackelt
die Bühne. Erschütternd waren allerdings nicht irgendwelche Provokationen, sondern die
schlichten Regie-Ideen. Wackere Sänger konnten zum Glück Schlimmeres verhindern.

Mit diesen Worten beginnt der "Spiegel" seine Rezension.

"Don Giovanni" an der Hamburger Staatsoper mit den Darstellern Wolfgang Koch, Elza van den Heever, Dovlet Nurgeldiyev, Alexander Tsymbalyuk, Cristina Damian, Wilhelm Schwinghammer, Jongmin Park und Maria Markina
Foto: Bernd Uhlig
Selbst der "Platzhirsch, das "Hamburger Abendblatt", geht mit den beiden Frauen, die auszogen, Hamburg einen herausragenden "Don Giovanni" zu schenken, hart ins Gericht: Dörrie machte auch an der Dammtorstraße lediglich das, was sie schon des Öfteren auf einer Opernbühne versucht hatte: Bunte Bebilderung, verquirlt mit Zitaten und Mätzchen. Hier war ihr Regie-Leitmotiv die Idee, den Schwerenöter kreuz und quer durch die Zeiten zu jagen, verfolgt und umtänzelt von einem weiblichen Tod (Tadashi Endo, Stammgast in Dörries Arbeiten) und mit überputzigen Anspielungen an den mexikanischen Totenkult dekoriert. Schon nach Ende der Pause regten sich dagegen lautstarke Missfallensbekundungen im Saal.
Das heil- und konzeptlose Durcheinander auf der Bühne hätte man sich als anderen Blick auf das Stück noch gefallen lassen, wäre wenigstens der musikalische Teil angemessen gelungen gewesen. Doch auch das war auf dramatische Art und Weise nicht der Fall. Young ließ so ziemlich jedes Gespür für die Feinheiten, Abgründe und Höhepunkte dieses Stücks vermissen. Die Rezitative wurden lieblos abgearbeitet, die Ensembleszenen auf der von Young so beliebten Zentralpark-Position direkt vor ihrem Taktstock absolviert. Die diffizile Innenspannung, die den Rahmen für den Ablauf bildet, wurde durch eine Art Einheitstempo zunichte gemacht. Eine Leistung, die kaum noch diskutabel ist.

Wolfgang Koch ("Don Giovanni") und die Tödin Tadashi Endo
Opernchefin Simone Young, zweite im Frauenbunde, stellte Dörries Lust- und Todes-Ritualen am Pult der Philharmoniker eine eigene Mozart-Lesart gegenüber: eine «historisch informierte», die einen schlanken, federnden Klang favorisierte, aber auch härtere Töne anschlug. Es war für Hamburgs Staatsorchester ein Experiment, das jedoch oft blass, uniform und noch nicht ausgereift wirkte und ihr bissige Buhs des Premierenpublikums einbrachte.
Als Giovanni beeindruckte Wolfgang Koch, der bereits als Alberich im Hamburger «Ring» Furore gemacht hatte, mit einer scharf fokussierten Darstellung des Don Giovanni. Er zeichnete Mozarts Verführer - stimmlich nicht ganz unangefochten - mit glühender Überzeugungskraft als einen von brutaler Sexgier gefährlich getriebenen Choleriker. WilhelmSchwinghammer gab dazu einen vitalen Leporello. Herausragend sang Dovlet Nurgeldiyev den Ottavio. Die Damenriege war mit Maria Markina (Zerlina), Cristina Damian (Elvira) und der jungen Südafrikanerin Elza van den Heever als Donna Anna reizvoll, jedoch nicht überwältigend aufgestellt. (Auszug aus der "Berliner Zeitung")
In Zürich inszenierte Peter Stein Schostakowitsch "Die Nase". "Drehpunkt Kultur" schreibt: Ingo Metzmacher deckt ohne Schonung die harten und schnell aufeinanderfolgenden musikalischen Gegensätze auf in den sechzehn, auf drei Akte verteilten, kurzen Szenen, in denen der 22-jährige Komponist bereits alles, was seinen Stil in späteren Werken charakterisiert, aufblitzen ließ. Anklänge an Werke russischer oder westlicher Komponistenvorgänger, orthodoxe Kirchenmusik und Filmmusik, von allem ein bisschen ist persiflierend in „Die Nase“ eingeflossen, in Metzmachers Dirigat klar herausgearbeitet und vom Orchester glänzend wiedergegeben.
Die Handlung beruht auf Nikolaj Gogols gleichnamiger Erzählung – und weiteren Texten von ihm. Während der Barbier Iwan Jakowlewitsch eines Morgens im frischen Brot eine Nase findet, wacht der von ihm am Vortrag rasierte Kollegienassessor Kowaljow ohne Nase auf. Sie hat sich selbstständig gemacht, und die Suche gestaltet sich schwierig. Als sie, in menschlicher Statur, mit der Postkutsche abreisen will, gelingt es der mit Häme gezeichneten Polizei und den Mitreisenden, sie zu überwältigen. Nun muss sie nur noch zurück ins Gesicht von Kowaljow, was über weitere Umwege gelingt.
Peter Stein setzt auch dieses Werk wie erwartet und richtigerweise librettogetreu um, erlaubt sich nur in den orchestralen Zwischenspielen Ergänzungen, welche die nicht ganz konzise Handlung verflüssigen. Gekonnt führt Stein Statisterie, den gut einstudierten Chor und einen Bewegungschor, und er überlässt auch im Spiel der Protagonisten nichts dem Zufall.
Von den über sechzig Akteuren kann aber nur Vitali Kowaljow Profil entwickeln, indem er die Welt durch den Verlust der Nase aus einem neuen Blickwinkel kennenlernt. Der Kollegienassessor ist mit dem jungen estnischen Bariton Lauri Vasar sängerisch und darstellerisch fabelhaft besetzt. Die übrigen Personen greifen nur episodenhaft ins Geschehen ein, wobei ein Grossteil der Sänger und sonstigen Akteure in mehrere Rollen schlüpft.
In Linz inszenierte Intendant Rainer Mennicken "La Bohème" zum Auftakt der Saison. Das "Volksblatt" schreibt: Die Neuinszenierung von Giacomo Puccinis „La Bohème“, einer der populärsten Opern, hatte in der Regie von Intendant Rainer Mennicken am Samstag ihre freundlich aufgenommene Premiere im Landestheater...

"La Bohème" am Linzer Landestheater
Fazit: Puccinis Ohrwürmer dürfen leben, und niemand muss sich vor dieser Inszenierung fürchten.
Die "Oberösterreichischen Nachrichten" (Michael Wruss) beleuchten auch die musikalische Seite:
Diese reine Sängeroper, die immer schon nach den größten Stimmen ihrer Zeit schrie, zeigte aber auch die Grenzen des Ensembles, wenngleich alle Leistungen sehr beachtlich waren. Allen voran MartinAchrainer als Marcello und Dominik Nekel als Colline. Die beiden brachten wahre Emotion und an passender Stelle wirklich großen Ton in die Produktion. Giulio Alvise Caselli machte seine Sache als Schaunard ebenso beachtlich. Die Musetta ist keine Rolle für Gotho Griesmeier, also für einen lyrisch hohen Sopran, obgleich sie hervorragend gesungen und auch den vom Regisseur geplanten 180-Grad-Dreh ihres Charakters perfekt hingebracht hat. Myung Joo Lee, letztes Jahr schon in Delibes „Lakmée“ aufgefallen, war eine hinreißende Mimi, die stimmlich noch nicht an allen Stellen restlos überzeugen mochte und auch darstellerisch noch intensiver werden könnte, die aber über genügend Talent verfügt und damit ihr Publikum verzückte.
Vielen ist das „eiskalte Händchen“ von Tenorgrößen im Ohr. Da hat es jeder schwierig, gegen CDs anzusingen: Pedro Velázquez Díaz hat das mit Bravour gemeistert. Genau dort, wo die Stimme aufblühen muss, tat sie es und so gelangen die großen schwelgerischen Kantilenen hoch emotional und tenoral mitreißend, das Umfeld aber unbeackert


Wuppertal: "Der fliegende Holländer" in der Inszenierung von Jacob Peters-Messer.
Dabei verzichtet das Regieteam um Jacob Peters-Messer größtenteils auf ein Bühnenbild und vertraut mit einer sehr ausgeklügelten Lichtregie auf die Vorstellungskraft des Publikums. So reichen im ersten Aufzug ein paar Taue, die aus dem Schnürboden herabhängen, um zu demonstrieren, wie Dalands Mannschaft das vom Sturm auf dem Meer gepeitschte Schiff in einer Bucht kurz vor dem Heimathafen an Land ziehen. Das Schiff des Holländers wird durch sechs leicht gewölbte Scheinwerferleisten dargestellt, die die Form eines Segels suggerieren. Das weiße Licht dieser Scheinwerfer auf der sonst recht dunkel gehaltenen Bühne wirkt gespenstisch. Im zweiten Aufzug sind diese Leisten in die Neonröhren der Deckenbeleuchtung in der Stube integriert, in der die jungen Mädchen, hier an weißen Hochzeitskleidern nähend, auf die Rückkehr der Seemänner warten. Neben der Zweckmäßigkeit dieser Konstruktion mag aber auch Sentas Obsession durch den Holländer damit ausgedrückt werden. Im dritten Aufzug strahlt dieses Segel mit gleißendem Licht in den Zuschauersaal, um zum einen den Aufbruch des Holländers anzudeuten und zum anderen Sentas Opferung zu versinnbildlichen, indem sie sich durch das gleißende Licht ins Meer stürzt..
Die eindrucksvollste Sängerleistung bot Kay Stieferman in der Titelrolle! Das bestätigt das "Online-Musikmagazin".
"Deutschland-Radio" berichtet über einen eher ungewöhnlichen "Tristan" in Mainz. Tilman Knabe hat inszeniert. Dieser Regisseur hat bereits einige gute Inszenierungen abgeliefert. Auch diese scheint interessant, wenngleich auch nicht unbedingt Sache der "Alt Wagnerianer" zu sein. Autor Jörn Florian Fuchs schreibt: Während der Liebesnacht des eigenartigen Paares sieht man in Zeitlupe Hinrichtungen von verschleierten Frauen, die später auferstehen und Flugblätter kopieren. Das ist längst nicht die einzige rätselhafte Idee von Tilman Knabe für "Tristan und Isolde" in Mainz.
Zumindest der erste Aufzug überzeugt szenisch zur Gänze, wenngleich auch hier sich schon manche Fragen stellen. In drei unwirtlichen, mit Metall ausgeschlagenen Zimmern spielt sich ein seltsames Geschehen ab: Soldaten beobachten per Videokamera zwei verschleierte Frauen, die eine (Brangäne) versorgt die andere (Isolde) mit Drogen und braucht bisweilen selbst welche. Bald reißt sich Isolde das Tuch vom Kopf, während ihre Dienerin artig bis zum bitteren Ende ihre Haarpracht verbirgt. Die Soldaten benehmen sich den Damen gegenüber rau und rüde, ihr Anführer ist ein markiger General in Fantasieuniform. Er erinnert entfernt an den derzeit flüchtigen libyschen Diktator, ein wenig aber auch an einen westlichen Militärführer.
Sollte ich Sie neugierig gemacht haben, dann lesen Sie in unserer Presseschau weiter!
Schauplatz Saarbrücken: Giacomo Puccinis Oper »Madama Butterfly« steht in einer Inszenierung von Generalintendantin Dagmar Schlingmann und unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka auf dem Spielplan des Saarländischen Staatstheaters. Auch hier gilt: Bei Interesse lesen Sie weiter auf unserer "Aktuellen Seite".

Das waren "Austria 3": Rainhard Fendrich, der damals bereits todkranke und mittlerweile verstorbene Georg Danzer und Wolfgang Ambros. Zwischen Fendrich und Ambros ist nun ein "Krieg" ausgebrochen!
Die "Kleine Zeitung" schreibt: Die überaus erfolgreiche heimische Band "Austria 3", ursprünglich bestehend aus Wolfgang Ambros, Rainhard Fendrich und dem 2007 verstorbenen Georg Danzer, hätte in neuer Besetzung bei einem Benefizkonzert am 29. Februar in der Wiener Stadthalle auftreten sollen. In der geplanten Form wird es den Auftritt nun nicht geben. Der Grund: Ambros hat am gestrigen Sonntag in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir" wenig schmeichelnde Worte über Fendrich gefunden, dieser zeigte sich nun in einer ersten Stellungnahme "enttäuscht und traurig".
Auch "ORF.at" hat in der Sache etwas zu sagen: Dann haben wir schon geredet mit ihm. Der Georg war überhaupt außer sich: „Hörst Du jetzt endlich auf mit dem Dreck!“, „Nicht mehr vor dem Auftritt““, schilderte Ambros laut Ö3 Aussagen, die Georg Danzer gemacht haben soll. Er sprach von Fendrichs „Knopferlaugen“, mit denen der Sänger kurz vor den Auftritten erschienen sei und die Zeichen von Kokainkonsum sein sollen.
Ambros weiter: „Dann gab es die große „Hopsnahme“ vom Rainhard. Dann hat er noch ein Konzert gespielt in der Stadthalle, wo er noch die Leute umarmt hat, die er vorher verpfiffen hat.“
Gemeint ist, dass Fendrich Freunde belastet hat, weil er angeblich Angst vor einer Haftstrafe hatte und deswegen mit den Behörden kooperiert hat! Georg Danzer stand über den Dingen und hätte sich an der nunmehrigen undelikaten Enthüllungsstory sicher nicht beteiligt. Ich kann das sagen, denn ich kannte Danzer aus acht Monaten Militärdienst beim Jägerbaon 4 in der Wiener "Fas-Kas" .
Apros undelikat: Der Rapper "Sido" und ein bekannter Kolumnist, Michael Jeannée, lieferten sich einen Schlagabtausch. Der "Kurier" hat ihn für uns festgehalten: Wien, Freitag, 9. September 2011, Aufzeichnung der dritten Show "Die Große Chance" (Sendung am 23. 9., 20.15 Uhr, ORFeins). Auftritt des "Krone"-Postlers Michael Jeannée (68) und seines Freundes, des Grinzinger Heurigenwirts Martin Zimmermann (63). (Zum Video)
Jeannée (mit aus der Hosentasche hängendem Schlüsselbund): Äh, grüß Gott. Mein Name ist Michael Jeannée, das ist mein Freund Martin Zimmermann. Ich sag' nur ganz kurz ...
Sido (Juror, unterbricht) : Siehst aus wie ein Hausmeister mit deinem Schlüssel da an der Hose ...
Jeannée: Ja, ja, das ist gut! Bin aber kein Hausmeister, macht nix, vielleicht bist DU einer ... Pass auf! Hehe ... Der Martin ist Heurigenwirt und hat außerdem noch eine andere Begabung - und zwar: Er ist Motoren-Imitator.
Sido: Und was machst DU hier?
Jeannée: Ich stell ihn vor! Na und?!
Sido: Kann er das nicht selber?
Jeannée: NEIN, das kann er nicht.
Sido: Was isn das fürn Unsinn?
Jeannée: Da, du, na, na, du, hör mal ...
(äfft ihn nach): Na, na, na ... Ne, lass ihn mal bitte jetzt sein Ding machen ... (weist ihn weg)
Jeannée (aggressiv): Ja, ja, ich sag ja nur, was er macht!
Sido: Das frag' ich ihn selber, das interessiert mich nicht von dir! (zu Zimmermann ) Wer bistn du? Lass da nich' deinen Hodenhalter reden für dich die ganze Zeit!..
Die Geschichte geht natürlich weiter, lesen Sie im "Kurier" Freunde werden Jeannée und Sido sicher nie. Den anderen Jury-Mitgliedern (festgehalten sei, dass Thomas Bernhard, weil längst verstorben - nicht in der Jury war und auch kein Zirkusdirektor ist - wie Jeannée im Video behauptete. Gemeint war Bernhard Paul) war die Sache sichtlich peinlich, denn immerhin hat Jeannée eine spitze Feder und schreibt für die auflagenstärkste Zeitung des Landes. Karina Sarkissova musste auch ihren Senf dazugeben, bemängelte zwar, dass Martin Zimmermann von Sido total fertiggemacht wurde, stimmte aber dennoch gegen den Heurigenwirt mit Künstlerambitionen. Bei Stimmengleichstand der Jury schied Jeannées Schützling letzlich aus. Die Show wird am Freitag auf ORF ausgestrahlt. " In dieser Show kommt man nicht durch Mitleid weiter" meinte die Ballett-Tänzerin sinngemäß. Irgendwie habe ich aber schon das Gefühl, dass es das Mitleid des Publikums war, das Karina Sarkissova im Konflikt mit der Staatsopern-Ballett-Direktion die Oberhand behalten ließ und derart in die Schlagzeilen hievte! .
"Schau mer mal" wie Jeannée und die "Krone" reagieren!
Einen schönen Tag wünscht
A.C.
Die Serverumstellung konnte gestern noch nicht vorgenommen werden, weil technische Details zu klären sind. So ist es möglich, dass sich unsere Forumsmitglieder mit den bisherigen Passworten nicht mehr einloggen können - und neue suchen müssen. Die Serverumstellung erfolgt heute - es kann zu Problemen kommen. Bitte um Verständnis!
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MITTWOCH, 21. SEPTEMBER 2011
Die Serverumstellung endete mit einer mittleren Katastrophe für die Website - die Arbeit zweier Tage ging den Bach runter (in Nachtarbeit heute wieder halbwegs nachgeholt), aber viele Fotos in den Berichten sind weg - unwiederbringlich!

Liebe Mitarbeiter, es hat keinen Sinn, mich zu sekkieren, ein Serverwechsel ist ein schwerer Eingriff, bei dem es Probleme geben kann. In letzter Zeit hatten wir oft Serverausfälle - also wurde ich gedrängt, diesbezüglich eine andere Lösung zu finden. Die haben wir nun - einen Server, bei dem es zu weniger Störungen kommen soll - leider ging die Umstellung nicht so ganz reibungslos über die Bühne. Fotos in älteren Berichten sind weg! Meiner Philosophie läuft das nicht so ganz zuwider, denn ich blicke stets nach vor, ungern zurück - und nichts ist so uninteressant, wie die Zeitung von gestern!
Soferne die Fotos nachgeliefert werden können, werde ich ersetzen, aber ich bin ohnedies mit Arbeit total überlastet. Bitte um Verständnis!

Bevor Verschwörungstheorien auftauchen: Es wurde nichts absichtlich gelöscht, aber Berichte und Infos, die am Tag der Umstellung eingestellt wurden, fielen den Umständen zum Opfer - auch Forumsbeiträge!

PS: Die "alte Merker-Website" (www.der-neue-merker.at " konnte überhaupt nicht mit Fotos bestückt werden - und wir waren trotzdem stolz auf die Publikumsakzeptanz. Heute raunzen wir, weil einige Fotos im Orkus verschwunden sind. Die Welt wird immer anspruchsvoller!


Roberto Alagna macht wieder Probleme an der Pariser Oper

Der Tenor Roberto Alagna und der Dirigent Alain Lombard konnten sich während Proben zu einer Gounod-Faust-Produktion der Pariser Opéra Bastille nicht auf eine gemeinsame Interpretation einigen. Einer ist gegangen.

Geblieben ist Alagna. Lombard hat es vorgezogen, sich aus der Produktion zurückzuziehen. Ersetzt wird er durch den Dirigenten Alain Altinoglu.

Laut französischen Presseberichten gab es von Seiten der Oper keinerlei Druck auf den Dirigenten. Mit Altinoglu hat Alagna bereits an der Wiener Staatsoper in einer grossen Faust-Inszenierung sehr gut zusammengearbeitet. Der Pariser Opernchef Nicolas Joel hat Lombard offeriert, in der kommenden Saison an die Oper zurückzukehren
(Auszug aus "Codex flores)


Nello Santi (in der Karikatur) wird heute 80! Der "Online-Merker" gratuliert!

Mit Nello Santi feiert am 22. September ein Dirigent seinen 80. Geburtstag, der wie kein anderer dem Opernhaus Zürich verbunden ist.

Seit nunmehr 53 Jahren seht er regelmäßig bei italienischen Werken im Orchestergraben. Er repräsentiert einen Typus von Operndirigent, der mit seiner profunden Werkkenntnis im Alltagsrepertoire heute zur Ausnahme geworden ist. Die besuchte Vorstellung (Rigoletto) wollte aber erst ab dem zweiten Akt so richtig auf Touren kommen. Santis behäbige Tempi schienen vorerst zu irritieren, wobei der Maestro deutlich machte, dass diese nicht zur Verhandlung stehen. Ab dem zweiten pendelte sich die Balance zwischen dem differenziert spielenden Orchester und der Bühne ein, und man konnte erleben, was eine gekonnte Interpretation ausmacht: So wechselt Santi effektvoll die Tempi, ohne dabei die große Linie zu zerschlagen und gibt der Musik mit rhythischen Akzenten zusätzliche Würze.

Leo Nucci identifiziert man seit über drei Jahrzehnten mit derTitelrolle, und auch heute im mittlerweile 70. Lebensjahr (!) kann er den Anforderungen der Partie voll entsprechen.
(Auszug aus www.klassik.com)

Dieser "Rigoletto geriet also zum Veteranentreffen. Zu Nello Santi fällt mir auch ein persönliches Erlebnis ein: Als Aldo Protti vor vielen Jahren - noch vor dem Internet-Zeitalter - mitten in einem Sommer starb, rief mich Maestro Santi persönlich an, weil er niemand fand, an den er die Todesmeldung durchgeben konnte. Weiß der Teufel, von wem er meine Nummer hatte. Ich bemühte mich nach Kräften, mit den damals noch vorsintflutlichen Kommunikationsmöglichkeiten, die Nachricht an die Wiener Staatsoper weiterzugeben - dort war aber nur der Portier erreichbar. Von Prottis Tod wurden zuerst die Merker-Leser informiert, in anderen Medien sickerte die traurige Nachricht erst Wochen später durch. Aber Nello Santi kümmerte sich um Dinge, die eigentlich andere machen sollten!


Zürich: "Die Nase" von Schostakowitsch - mit 60 Rollen!

Nun zur "Neuen Zürcher Zeitung": Beglückt und bereichert verlässt man für einmal das Opernhaus Zürich nach dem Erlebnis eines grossen Theaterabends, bei dem man dank einem erregenden Zusammenwirken der Elemente ein vielfältiges Ganzes erlebt hat. Der grosse Theatermann Peter Stein hatte sich auf den genialischen Opernerstling «Die Nase» des 22-jährigen Dmitri Schostakowitsch eingelassen, und am Dirigentenpult stand einer, der mit dieser frechen und das Unerwartete suchenden Musik umgehen kann: Ingo Metzmacher.

Und da wir heute anscheinend "Schweiz-Tag" haben, gelangen wir zu "Wozzeck" in Basel. Auch dafür steht die "Neue Zürcher Zeitung": Die Schwierigkeit, Bühnenwerke aus ihrem Entstehungskontext zu lösen und in die Gegenwart zu versetzen, liegt meist weniger in der Transformation als in der Frage: Was ist die Gegenwart? – Das Heute, in dem Regisseur Elmar Goerden Alban Bergs Oper «Wozzeck» am Theater Basel spielen lässt, ist von irritierender Leere und Haltlosigkeit. Die Bühne (Silvia Merlo und Ulf Stengler) ist ein zum Zuschauerraum hin geöffnetes Gebäude, gleicht modernen Einheitsbauten mit komplett verglasten Fronten. Keine persönlichen Gegenstände beleben die kahlen weissen Wände, und man fragt sich, ob hier schon jemand eingezogen ist – oder ob man heute eben so wohnt. Keiner der Räume ist Bewohnern oder Szenen zugeordnet, beliebig wird bald hier, bald da geliebt, gestritten, gefoltert, getötet. Nur: Warum?

Einen tollen Trost hat der "Standard" für die Wiener Opernbesucher: Wer den aktuellen Wiener Staatsopern-Don Giovanni für eine missglückte Inszenierung hält, der sollte sich den neuesten Ausflug der deutschen Filmfrau Doris Dörrie auf die Opernbühne in Hamburg ansehen.

Rrumms, das sitzt!
Bleiben wir in Wien: Merker-Redakteur Kurt Vlach hat Zoryana Kushpler interviewt, die am kommenden Sonntag gemeinsam mit Marian Talaba dem Publikum in der neuen Staatsopern-Matinéeserie "Das Ensemble stellt sich vor" präsentiert wird.


Zoryana Kushpler im Interview

Beim Gespräch entlockte der "Merker" Frau Kushpler die Aussage, dass sie sich fast täglich über diese Kolumne über das Operngeschehen informiert. Wenn es nicht stimmen sollte, war das zumindest eine kluge Aussage, denn Werbung im Online-Merker kostet nichts (wir haben auch noch keine Werbeangebote des Kanzlers oder sonstiger Politiker erhalten), darf aber trotzdem nicht zur Einbahn werden!

Aufatmen an der Wiener Kammeroper: Das Wiener Haus, das zuletzt per Petition ums Überleben kämpfte, wird auch künftig Opern zeigen. Zwar wird es auf der finanziell gebeutelten Bühne heuer gar keine mehr zu sehen geben und 2012 wohl nur eine Eigenproduktion. Dafür wird das Haus voraussichtlich auch von Gästen bespielt werden, zum großen Teil von freien Gruppen wie der Neuen Oper Wien; auch die Staatsoper hat ein Kooperationsprojekt. Die Basis für den künftigen Betrieb ist nun geschaffen: Der Kulturausschuss der Stadt stimmte einer 700.000-Euro-Subvention für den Verein Wiener Kammeroper für das Jahr 2012 zu.

In Bedrängnis war das Haus durch den Entschluss des Kulturministeriums geraten, die Bühne "in die Verantwortung der Stadt Wien zu übergeben", oder konkret gesagt: eigene Subventionsleistungen einzustellen. Unterstützte das Ministerium die Oper 2008 mit 650.000 Euro, belief sich die heurige (und laut Ministerium letzte) Zahlung auf 150.000 Euro.

Die "Wiener Zeitung verbreitet diese Jubelmeldung! Ist Jubel angebracht? Immerhin ist es eine Entmachtung der Kammeropern-Macher und auch ein Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit. Wenn die Kammeroper nun glücklich ist, sei ihr das gegönnt. Immerhin können nun Gehälter weiterhin bezahlt werden!


Werner Sobotka inszeniert in den Wiener Kammerspielen das berühmte Musical "Singin' In The Rain". Echte Regengüsse sind da ab 22. 9. inbegriffen.



Elisabeth Leopold

Was ist das Besondere an dieser Ausstellung?“, fragt sich Elisabeth Leopold beim Rundgang durch die fast fertige Schiele-Schau: „Es ist die Kraft des jungen Schiele.“
Am Donnerstag öffnet eine der interessantesten, spektakulärsten, aber auch mutigsten Ausstellungen der letzten Jahre ihre Pforten: Egon Schiele – Melancholie und Provokation. Die Konzeption dieser zum 10. Geburtstag des Leopold Museums initiierten Mega-Schau ist klug und einfallsreich: In drei großen Sälen ist das Oeuvre des jungen Schiele zu erleben; dieses hat Elisabeth Leopold mit Werken anderer Künstler (Kokoschka; auch ein gotisches Triptychon ist dabei) sinnstiftend „gemixt“. (Auszug aus "Oe24-Kultur")

Peter Noever (MAK) geht nun in die Offensive, er dreht den Spieß um und klagt die Republik: Ich habe Fehler gemacht", zeigte sich Peter Noever, Ex-Direktor des Museums für angewandte Kunst (MAK), bei seinem Abgang im Februar reuig. Nun schlüpft er in die Rolle des Klägers: Wie die Tageszeitung "Der Standard" vermeldet, strengt Noever ein Verfahren gegen seinen einstigen Arbeitgeber an - und zwar auf jene Abfertigungsansprüche, die er durch die fristlose Kündigung verlor.

Zur Erinnerung: Ende Februar trat der langjährige Direktor aufgrund von finanziellen Unregelmäßigkeiten zurück, zu denen es im Kontext von Geburtstagsfeiern kam, die Noever im Museum für seine eigene Mutter ausrichten hat lassen. Am Abend des 23. Februar wurde bekannt, dass Noever in einem Akt "tätiger Reue" 220.000 Euro auf ein Treuhandkonto überwies, um den Schaden abzudecken. Diese "tätige Reue" ist freilich nicht nur Ausfluss schlechten Gewissens: Juristisch betrachtet, ist sie ein Strafaufhebungsgrund. Die zwei wesentlichen Bedingungen dafür: Der Verursacher muss den Schaden bis auf den letzten Cent begleichen - und das, bevor die Behörde von dem Schaden erfährt. In Noevers Fall dürfte dies (weder das MAK noch er waren am Dienstag für eine Stellungnahme erreichbar) auch passiert sein.

Dass der "Standard" nun vermutet, Noevers arbeitsrechtlicher Vorstoß könne die tätige Reue gefährden, wirkt jedoch eigenartig: Falls Noever keine weiterführende Übereinkunft mit dem MAK getroffen hat, steht es ihm frei, den Ex-Dienstgeber zivilrechtlich zu behelligen. Die strafrechtlichen Ermittlungen, die gegen Noever laufen - juristisch ein anderes Paar Schuh - sollten ihn daran nicht hindern können.


Alfred Hitchcock

Wie jedes gelungene Interview war es ein Pakt, der aus unterschiedlichen Interessen eingegangen wurde, und zugleich eine Verabredung mit offenem Ausgang. Vom 13. August 1962 an, seinem 63. Geburtstag, stand Alfred Hitchcock seinem drei Jahrzehnte jüngeren Kollegen François Truffaut eine Woche lang Rede und Antwort. In Helen Scott, die simultan übersetzte, fanden sie eine verlässliche Bündnispartnerin. Im Büro nebenan zeichnete ein Toningenieur alles auf. Zwischendurch führte Hitchcock seinem Bewunderer seinen neuesten Film „Die Vögel“ vor.

Die Gespräche zwischen Hitchcock und Truffaut sind unter www.filmdetail.com/2011/02/14/the-hitchcock-and-truffaut-tapes zu finden. Im „Lexikon des internationalen Films 2010“ im Schüren-Verlag ist ein Gespräch mit Karlheinz Oplustil zu dem Thema erschienen.

Daraus wurde vier Jahre später, ergänzt durch weitere Werkstattgespräche, das berühmteste Buch der Filmgeschichte: „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ Nie zuvor konnten Leser so genau miterleben, wie das Denken eines Filmemachers funktioniert.

Nun wurden die Aufnahmen der ersten Sitzungswoche vollständig im Internet publiziert. Es ist ein amüsanter, stets aufschlussreicher und mitunter anstrengender Hörgenuss. (Aus "Die Welt - online"

Besuchen Sie Renate Wagners Filmseite.

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DONNERSTAG, 22. SEPTEMBER 2011

Komponistinnen sind derzeit im Vormarsch: Lera Auerbach

Lera Auerbachs "Gogol" kommt demnächst im Theater an der Wien zu Aufführungsehren. In Kassel hat sich ein Musikverlag nur auf Komponistinnen spezialisiert, der "Furore"-Verlag: Als Renate Matthei auf einer Messe am Verlagsstand aushalf, blickte sie die Regale entlang: Komponisten neben Komponisten – weit und breit keine Komponistin. In einem just erschienenen Kalender mit biografischen Daten: keine Frau. Das kann doch nicht sein, dachte sich Renate Matthei: "Wo sind denn diese Komponistinnen?"

Also ging sie auf die Suche. Google gab es 1986 noch nicht, und auch analog waren Komponistinnen nicht so recht vernetzt. Ausgangspunkt war deshalb ein Nachschlagewerk vom Verband Deutscher Komponisten, "ein dicker grüner Wälzer", so Matthei, in dem auch Komponistinnen verzeichnet waren
"Die Zeit-online" berichtet ausführlich über diesen eher ungewöhnlichen Verlag, wenn es sie interessiert, empfehle ich die Lektüre des Artikels!

An der Wiener Staatsoper herrscht derzeit Ruhe, keine größeren Neuigkeiten oder Probleme dringen an unsere Ohren. Wenn ich Ruhe haben will, bevorzuge ich allerdings den Friedhof, kein Theater. Bemerkenswerte Aktivitäten setzt dagegen Michael Tanzler, der Chef der "Amici del Belcanto" Im Raum Neunkirchen (Niederösterreich) finden vom 7.-22. Oktober die "Schwarzataler Belcanto-Wochen" statt, die am 7. Oktober mit Rossinis Stabat Mater eröffnet werden und am 22. 11. mit einer international hervorragend besetzten "Attila"-Aufführung ihr Finale finden. Immerhin singt im Stabat Mater mit Marianna Pizzolato jene Mezzosopranistin, die dieses Werk weltweit auch mit Anna Netrebko sang (auch auf Tonträger aufgenommen), bei Attila sind mit Francesco Ellero d'Artegna und Alberto Gazale internationale Stars aufgeboten.
Das muss dem Michael Tanzler erst einmal jemand nachmachen! Ausführlicher berichte ich in den heutigen Tagesinfos, in denen Sie auch erfahren, wie sie zu Karten kommen!

Andere Opernfreunde zieht es nach Bratislava, wo Peter Dvorsky das Nationaltheater internationaler gemacht hat.

Nationaltheater Bratislava, neue Pilgerstätte für österreichische Opernfreunde

Am Dienstag hätte man in Bratislava glatt eine Merker-Vollversammlung abhalten können, auch Autobusse aus den Bundesländern wurden gesichtet. Die teuerste Karte kostet € 38.- , ich kaufte mir eine Karte um € 8.- und hatte hervorragende Sicht. Das ist der Vorteil der hochmodernen Theaterbauten gegenüber den alten Logentheatern, in denen man oft mit viel teureren Karten so gut wie nichts sieht. Dabei ist Bratislava ansonsten nicht gerade billig. Meine Frau wollte shoppen und musste feststellen, dass sie die Waren in Wien um etwa das selbe Geld bekommen kann.

Auch Merker-Chefredakteurin Dr. Sieglinde Pfabigan sah "Tosca" in Bratislava und berichtet (Kritik ist online): Da läuft im Repertoire eine Inszenierung von MIROSLAV FISCHER in Bühnenbildern von MILAN FERENČIK und mit Kostümen von JOSEF JELINEK. Bekannte Namen für regelmäßige Besucher des Slowakischen Nationaltheaters. Und Garanten für anständige Theaterarbeit. Die schon von Seiten Puccinis und seiner Librettisten Giacosa und Illica
vollkommen klar gezeichnete Handlung wird ebenso auf die Bühne gebracht. Das bedeutet: eine Produktion von zeitloser Gültigkeit, für jegliche Sängerbesetzung geeignet, weil Raum lassend für individuelle Entfaltung im vorgegebenen - sehr vernünftigen - Rahmen

Die Besetzung konnte sich sehen lassen: Miroslav Dvorsky war Cavaradossi, mit Michele Kalmandi lernten wir einen für den Scarpia fast zu schönstimmigen und galanten, sehr gut aussehenden Sänger kennen.

Anna Ryan als Tosca

Viele "Merker" (und die "Amici") waren aber wegen der in Wien lebenden Armenierin Anna Ryan nach Bratislava gefahren. Was meint die Rezensentin: Das Bemerkenswerte an diesem „Bühnentier“ namens Anna Ryan ist, dass ihr schonungsloser sängerdarstellerischer Volleinsatz nie den Eindruck erweckt, als sei dies anstrengend. Nein, es bereitet ihr geradezu teuflisches Vergnügen, so zu spielen und zu singen. Bravissima! Uns unverbesserlichen Opernfans kann gar nichts Besseres passieren.

Auch unser "Opernfreund" Dr. Peter Bilsing (www.deropernfreund.de ) hätte die Bequemlichkeit im Nationaltheater Bratislava gelobt, wogegen er gegen den Komfort im Opernhaus Wuppertal in einer Glosse (siehe heutige Tagesinfos) wettert und dem Theater folgende Warnung an seine Besucher empfiehlt: Wegen der falsch konstruierten Sitze, besonders auf dem Rang (die Lehnen dort drücken den Oberkörper nach vorne, anstatt ein entspanntes Zurücklehnen zuzulassen), und des mangelhaften Fußfreiraums zwischen den Reihen, können wir leider nur Karten an Personen verkaufen, die nicht größer als 175 Zentimeter sind. Wir bitten um Verständnis und müssen uns dahingehend vor Schadenersatzforderungen schützen. Wenn Sie sich darüber ärgern, dann verprügeln Sie bitte den Bauherrn, den Architekten, den Designer, der für diesen baulichen Unsinn verantwortlich ist bzw. die Stadtverordneten, die verantwortlichen Ignoranten im Bauamt und den Intendanten, der so etwas genehmigt hat. (Letzterer hat sich übrigens unmittelbar nach der Tat der Bestrafung durch die Pensionierung entzogen.)

Im Wuppertaler Opernhaus werden also großgewachsene Menschen ständig diskriminiert und misshandelt. Oder wie würden Sie zweieinhalb Stunden Sitzfolter nennen? Für mich ein eindeutiger Fall für die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Wuppertal.

Auch in Graz tut sich etwas. Cecilia Bartoli gastiert im Musikverein, der auch ansonsten ein Staraufgebot im Jahresprogramm nennen kann.

Lioba Braun, Leipzigs "Marschallin". Foto Susie Knoll

Lioba Braun, die in Leipzig als Ortrud in "Lohengrin" und Kundry in "Parsifal" die Herzen der Zuschauer eroberte, gibt ihr Rollendebüt als Feldmarschallin. Den Ochs auf Lerchenau singt Jürgen Linn. Der Bassbariton ist international mit Hauptpartien im Wagnerfach unterwegs; 2007 gab er sein Debüt an der Mailänder Scala als Telramund in "Lohengrin". Als ein Sänger ist Gaston Rivero zu erleben; der Tenor aus Uruguay ist vorwiegend im italienischen Repertoire zu Hause. Übrigens, den "Rosenkavalier" können Sie ab 24. September sehen!

Zoryana Kushpler im Interview

Beim Gespräch entlockte der "Merker" Frau Kushpler die Aussage, dass sie sich fast täglich über diese Kolumne über das Operngeschehen informiert. Wenn es nicht stimmen sollte, war das zumindest eine kluge Aussage, denn Werbung im Online-Merker kostet nichts (wir haben auch noch keine Werbeangebote des Kanzlers oder sonstiger Politiker erhalten), darf aber trotzdem nicht zur Einbahn werden!

Die nächste große Sprechtheaterpremiere in Wien ist Schnitzlers "Das weite Land" am Samstag im Burgtheater. Wir werden in gewohnter Weise berichten, unsere Fotografin Barbara Zeininger hat für heute auch eine Fotoserie versprochen.

Minden: Ein Preis ohne Preisgeld - zumindest für Peter Handke: Der österreichische Schriftsteller wird mit dem Candide-Preis 2011 geehrt. Üblicherweise ist die deutsch-französische Literaturauszeichnung der Stadt Minden mit 15.000 Euro dotiert. Der Hauptsponsor der Auszeichnung, die Firma Kolbus, zeigte sich mit der Jury-Entscheidung allerdings nicht einverstanden - das Preisgeld wird folglich einbehalten, berichtet die "Süddeutschen Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe.

Konkret dürfte Handkes Haltung zum Balkan-Krieg den Ärger des Sponsors auf sich gezogen haben. So erklärte etwa Jury-Mitglied Gerd Voswinkel, dass der Geschäftsführer von Kolbus, Kai Büntemeyer, ihm gegenüber von Handke als "Querulant" und "Schizopath" gesprochen habe. Man befürchte eine Schädigung der internationalen Geschäftsbeziehungen, allen voran mit amerikanischen Partnern. Da die Intervention des Sponsors in die Preisträgerentscheidung einen Vertragsbruch darstellt, wurde die Zusammenarbeit des Literarischen Vereins der ostwestfälischen Stadt Minden und Kolbus eingestellt.

Daraufhin wollte ein Jury-Mitglied den Preis aus seiner eigenen Schatulle bezahlen - was Handke ablehnte. Dafür holt er sich allerdings den Preis auch nicht persönlich ab, sondern lässt ihn mit der Post schicken!

Hilde Dalik - Premiere 29.9. in der Josefstadt

Zur Sicherheit ließen die Schauspieler Alexander Pschill (41) und Hilde Dalik (33) vorab wissen, dass es in dem Stück nicht nur um Sex gehe. Fakt ist aber, dass Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ (Premiere am 29. September) wohl keinen im Wiener Theater in der Josefstadt kalt lassen wird.

Denn ähnlich wie „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman, der Hollywood-Umsetzung des Lesestoffs von 1925, werden auch Dalik und Pschill auf der Bühne einen Diskurs zwischen Liebe, Sex, Tabus und Gewalt führen. Dass dafür zwischenzeitlich auch die Hüllen fallen, ist Teil der Kunst. Und für Hilde Dalik längst kein neues Terrain mehr.

Schiele: Das Gesicht

Bevor er für ein langes Wochenende mit Renate Wagner nach Flandern entfleucht, hat Heiner Wesemann für uns noch die neue Schiele-Ausstellung im Leopold Museum besucht:

Heuer feiert das Leopold Museum sein zehnjähriges Jubiläum. Dem Gründer selbst war es nicht gegeben, es mitzuerleben, aber er kann am Grinzinger Friedhof beruhigt ruhen: eine nimmermüde Gattin, ein ambitionierter Sohn und ein neu bestellter, fachlich geradezu idealer Direktor sorgen dafür, dass das Haus in seiner Spur bleibt und im Sinne von Rudolf Leopold weitergeführt wird. Egon Schiele war der Leitstern von dessen Sammeln und Überzeugungsarbeit: Natürlich gilt Schiele die Jubiläumsausstellung des Hauses.

Wieder Schiele – what’s new? Man gesteht es ein: Man hatte so seine Zweifel. Rudolf Leopold und nicht nur er haben die Werke Egon Schieles immer wieder präsentiert, zuletzt konnte das Belvedere mit einer Porträt-Ausstellung des Künstlers prunken. Nicht zuletzt Rudolf Leopold verdankt man Einsichten in die vielen Aspekte dieses Künstlers, den er über die „Erotik“-Schiene hinaus immer wieder neu definiert hat (man erinnere sich an den Eye-Opener der „Schiele Landschaften“-Ausstellung). Doch, kurz gesagt, es ist gelungen, dem Thema wieder neue Aspekte und Zusammenhänge abzugewinnen – in Konfrontation mit Schieles Zeitgenossen, in Konfrontation mit der Nachwelt, im Fokus auf neue Schwerpunkte. Kunststück, wenn man mit 41 Ölgemälden und rund 180 Aquarellen und Graphiken über die größte Schiele-Sammlung der Welt verfügt…

Besuchen Sie auch Renate Wagners Filmrubrik.

"Unter'm Strich" leuchtet heute hinter menschliche Fassaden. Stefan Mross und Stephanie Hertel, das Volksmusik-Duo, geben ihre Trennung bekannt. Ein Tiroler Buchhändler und Autor schickt seiner ehemaligen Lehrerin sein Buch, in dem er über einen Mordanschlag gegen eine Lehrerin schreibt. Die fühlt sich bedroht und läuft zum Kadi. Der allerdings spricht den Schriftsteller frei, weil die Bedrohung nicht nachweisbar ist.

Wer das Spektakel "Sido gegen Jeannée" nochmals erleben möchte, hat morgen auf ORF dazu gelegenheit! Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros werden in diesem Leben nie mehr Freunde werden. Das teilt Fendrich auch jenen mit, die das gar nicht wissen wollen!

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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FREITAG, 23. SEPTEMBER 2011
Montag Eröffnung der Ausstellung über Sena Jurinac im Wiener Staatsopernmuseum

Am Montag, 26. September 2011 wird um 18.00 Uhr im Staatsopernmuseum die Ausstellung "Sena Jurinac: Mir ist die Ehre widerfahren" durch Staatsoperndirektor Dominique Meyer eröffnet, Karl Löbl hält eine Laudatio.

Das Staatsopernmuseum widmet Sena Jurinac, Kammersängerin und Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, anlässlich ihres 90. Geburtstages am 24. Oktober eine Schau, bei der Fotos und Dokumente gezeigt werden, welche ihre internationale Karriere Revue passieren lassen. An der Wiener Staatsoper war Sena Jurinac in insgesamt 1.268 Vorstellungen mit
46 verschiedenen Partien zu erleben. Ihr Staatsoperndebüt gab sie am 1.
Mai 1945 in der ersten Aufführung des Staatsopernensembles nach Kriegsende im Volksoperngebäude als Cherubino ("Le nozze di Figaro") * eine Partie die sie insgesamt 129 Mal verkörperte. Ihren Abschied von der Staatsopernbühne feierte sie am 20. November 1982 als Feldmarschallin ("Der Rosenkavalier").

Die von Therese Gassner kuratierte Retrospektive kann bis 8. Jänner 2012 im Staatsopernmuseum (Di-So, 10-18 Uhr) besichtigt werden.

Stephanie Houtzeel gibt dem "Merker" ein Interview. Foto: Julia Wesely

Merker- Redakteur Kurt Vlach hat eine unbestrittene Vorliebe für Mezzo-Stimmen. Nach Zoryana Kushpler hat er nun Stephanie Houtzeel interviewt, die in Wien einen etwas holprigen Start hatte, nun aber ihr Potenzial abrufen kann. Im Gespräch (online in der Rubrik "Interviews") berichtet Houtzeel vor Ängsten einiger Ensemblemitglieder vor einigen allzu strengen Merker-Mitarbeitern.

Liebe Frau Houtzeel, der "Merker" ist wirklich nicht mehr streng, für meine Begriffe sogar zu kuschelweich. Ich zeige Ihnen gerne das Merker-Archiv in der Rauchgasse, wo die ganz alten Merker-Hefte lagern. In denen wurde wirklich manchmal zu kräftig ausgeteilt, eigene Vorlieben ausgelebt (der Merker wurde eigentlich von den Karajan-Fans ins Leben gerufen) - das Heft bekam dadurch einen Unterhaltungswert, der zu Lasten einiger Sänger und vor allem Dirigenten ging. Davon sind wir heute weit entfernt. Der Online-Merker wird unter meiner redaktionellen Leitung immer fair bleiben und keine Tiefschläge dulden! Die Arbeit eines Rezensenten ist mit der eines Fußballschiedsrichters nicht vergleichbar, weil der Rezensent nur eine Meinung schreibt, während der Fußballschiedsrichter Entscheidungen trifft. Aber in einem sind sich beide Genres schon ähnlich: Im Laufe einer Saison gleicht sich so ziemlich alles wieder aus, manchmal ist ein Scharfmacher am Werk, ein anderes Mal dann ein Weichspüler! Aber Angst braucht ein Sänger bzw. eine Sängerin vor keinem Rezensenten irgend einer Zeitung zu haben! Wichtig ist, dass bei allen Künstlern der gleiche Maßstab angelegt wird, die Rezensenten einer Linie treu bleiben. Das garantiere ich Ihnen!

Inga Kalna

Die Erfolgsproduktion von Georg Friedrich Händels Alcina, mit der in der vergangenen Spielzeit nach rund 50 Jahren wieder eine Barockoper im Haus am Ring gezeigt wurde, steht ab 27. September wieder auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper.
Wie bei der Premiere musizieren Les Musiciens du Louvre – Grenoble unter Marc Minkowski.

Die lettische Sopranistin Inga Kalna gibt als Interpretin der Titelpartie ihr Hausdebüt an der Wiener Staatsoper, Vesselina Kasarova ist erneut als Ruggiero zu erleben, Veronica Cangemi singt die Morgana, Kristina Hammarström den Bradamante, Adam Plachetka den Melisso, Benjamin Bruns den Oronte und der St. Florianer Sängerknabe Alois Mühlbacher den Oberto.

Termine: 27. und 29. September sowie 2. und 5. Oktober 2011. Rechzeitig zur aktuellen Alcina-Serie ist die Premierenproduktion (mit Anja Harteros in der Titelpartie) bei Arthaus Musik auf DVD und Blu-ray erschienen und ab sofort im Handel erhältlich.

Die Wiener Philharmoniker bestreiten ihre Japan-Tournee vollzählig. Es ist das auch eine Solidarkundgebung für das von Katastrophen heimgesuchte Land. Als Wiener bin ich stolz darauf, dass es in Wien nicht so einen Eiertanz wie in München wegen des Gastspiels der Bayerischen Staatsoper gegeben hat!

Mit seinem Orchestra Mozart, 2004 in Bologna gegründet, kommt Claudio Abbado (78) am 28. und 29. 9. nach langer Pause wieder in den Wiener Musikverein. Das aus jungen und erfahrenen Musikern gemischte Kollektiv wird mit seinem Chef künftig jede Saison für Probenarbeit und Konzerte nach Wien reisen, also eines der Residenzorchester am Karlsplatz sein. Diesmal dirigiert Abbado Werke von Rossini, Mozart und Mendelssohn (Italienische Symphonie). (Auszug aus "Oe24-Kultur")

Hoffen wir, dass Abbado noch viele Jahre kommen kann, die Terminplanung der Maestros um die Achtzig herum macht mich schwindelig!

Die Salzburger Festspiele lehnen die Vorschläge des Rechnungshofes ab und meinen, dass sich der RH nicht in Dinge einmengen soll, von denen er nichts versteht!

Abgelehnt wurde in München der Umbau der Philharmonie. Enttäuschung gibt es kaum darüber, sondern eher Verständnis. Man will die künftige Entwicklung abwarten und keinen Schnellschuss setzen.

Helsinki hat sich ein neues Konzerthaus geleistet. Formal gibt sich der vom Architekten
Marko Kivistö vom Büro LPR-Architects entworfene Bau zurückhaltend, in seiner Funktionalität
erfüllt er aber jeden Wunsch.

Die Aufregung in der Steiermark dürfte garantiert sein: In der nächsten Spielzeit wechselt
Calixto Bieitos "Mahagonny" - Neuproduktion, die jetzt in Gent eine bejubelte Premiere hatte,
von der Flämischen Oper nach Graz

"Mahagonny" - Calixto Bieito auch in Graz

Dann wird sich dort ein ganzer Campingplatz in drei Wohnwagen-Schichten übereinander gestapelt wiederfinden. Und es wird fast so aussehen, als hätte der Hurrikan, der die von Bertolt Brecht und Kurt Weill 1930 erfundene Abzocker-Stadt Mahagonny in Angst und Schrecken versetzt, doch keinen Bogen darum gemacht, sondern sie mit voller Wucht getroffen. Hier prangt ein Bananen-Banner über allem, blinken Verlockungen an den Wohnwagen, die alles im "All you can . . ."-Format verheißen - von "eat" über "drink" bis "fuck". In diesem Mahagonny darf man fast alles. Fast ungestraft. Das einzige todeswürdige Verbrechen ist, kein Geld mehr zu haben.

Obwohl in seiner Ästhetik längst abgeklärter und gereifter als in seinen Brutalo-Zeiten, greift Bieito für sein "Mahagonny" auch auf Blut- und Sperma-Ingredienzien zurück und treibt den Oberflächen-Exzess auf die Spitze: Immer noch ein masturbierender Griff in die Hose, noch eine nackte Frau, noch eine Vergewaltigung, bis die Überdosis dieses Peepshow-Gewusels seine Aufmerksamkeitswirkung einzubüßen droht.

(Auszug aus der "Wiener Zeitung"/ Joachim Lange)

In Bremen spielt "Tannhäuser" im Bankräuber-Milieu, zumindest der 1. Akt.

In einer Bank werden die Schalter geöffnet. Das Publikum strömt herein, darunter drei Clowns. Sie ziehen Pistolen und überfallen die Bank. Es gibt einen Toten. Dann stürmt das SEK die Bank, die Täter können aber entkommen. Wir befinden uns am Theater am Goetheplatz in Bremen in Wagners romantischer Oper „Tannhäuser“ – genauer in der Ouvertüre und dem Venusberg-Bacchanal.

Wagners „Tannhäuser“ spielt in Bremen im kriminellen Milieu. Über diese Interpretation mag man streiten, aber die Sänger überzeugen. Regisseur Tobias Kratzer hat dem Werk eine ganz eigene Sichtweise übergestülpt, vielleicht dadurch angeregt, dass Wagner selbst steckbrieflich gesucht wurde. Die Venusgrotte ist hier die schäbige Unterkunft der Bankräuber. Tannhäuser wird von Gewissensqualen getrieben, will mit seinem bisherigen Leben brechen und wieder als Sänger arbeiten.

Die zweite Szene spielt am Bühneneingang eines Theaters, wo Tannhäuser von seinen ehemaligen Kollegen und dem Landgrafen (hier wohl eher der Intendant) freudig begrüßt wird. Es ist erstaunlich, wie gut sich die Szenen dieses 1. Aktes mit dem Text vertrugen.

Davon würden wir uns gerne selbst überzeugen, lieber Wolfgang Denker von der "Nordsee-Zeitung"

Die juristische Auseinandersetzung um das Projekt einer Salle Modulable in Luzern wird nun
nach Bermuda verlegt. Die Stiftung Salle Modulable (SMF) begrüsst das von Butterfield Trust
angestrebte Verfahren und verzichtet auf eine Klage in der Schweiz Für das Verfahren auf den Bermudas wünsche ich den Schweizern viel Glück. Ich fürchte, selbst das wird nicht reichen!

Kay Kuntze ist der neue Intendant der Theater und Philharmonie Thüringen / Theater Altenburg/Gera. In dieser Eigenschaft muss er zwangsläufig über die Finanzen lamentieren. Dass ihm sein Vorgänger keine Rücklagen hinterlassen hat, ist nicht nur in Thüringen üblich. Ioan Holender hat sich in Wien sogar damit gebrüstet, sämtliche Gelder noch aufzubrauchen und hat sogar ein neues Design für Eintrittskarten in Auftrag gegeben, weil er das Geld anscheinend anderweitig nicht aufbrauchen konnte.

Aber nun zu Kuntze und zur Thüringer Zeitung: Weil es in künstlerischen Bühnenberufen üblich ist, Verpflichtungen zwei, drei Jahre voraus einzugehen. Wie bei Regisseuren: Hat deshalb der Altenburger Kreistag Ihrer Amtsübernahme die Zustimmung verweigert?
Natürlich bin ich lange, bevor über die Intendanz in Altenburg und Gera gesprochen wurde, Verpflichtungen eingegangen. Wo ich im Wort stehe, halte ich es. All das war hier vorher bekannt. Aber dann gab es leider in Altenburg schon eine Vorverurteilung. Ich finde das sehr traurig, weil das letztlich auf dem Rücken des Theaters stattfindet. Gerade in Altenburg bildet das Theater einen entscheidenden Faktor für die Lebensqualität für die Region. Trotzdem: Es muss gewollt sein - nicht nur von den Menschen, sondern auch von politischen Mandatsträgern. Ein Intendant kann nur erfolgreich arbeiten, wenn er eine verlässliche Politik im Rücken weiß.

Welche Art Theater stellen Sie sich denn vor für Altenburg und für Gera?
Wir sind 300 Mitarbeiter. Klingt viel, aber in vielen Bereichen haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht. 13 Techniker, 21 Chorsänger, acht Solisten für das Musiktheater - in all diesen Bereichen sind wir krass unterbesetzt.

Renate Holm

Im Wiener Haus Hofmannsthal ist ab Montag die Ausstellung über Renate Holm zu sehen. Die Eröffnung erfolgt heute, Dr, Peter Dusek moderiert. Die Fotos stammen in erster Linie vom bekannten Theaterfotosammler Wirl. AUSSTELLUNG KS RENATE HOLM
Ort : Haus Hofmannsthal. Von Montag, 26. September 2011 bis Freitag, 16. Dezember 2011 Öffnungszeiten: Montag - Mittwoch (werktags), 10:00 - 18:00 Uhr, Donnerstag und Freitag nur nach telefonischer Vereinbarung!!!

Der Sprung von der leichten zur ernsten Muse gelingt nur ganz wenigen KünstlerInnen, umso nachdrücklicher ist das Beispiel Renate Holms hervorzuheben, die ja bereits eine beachtliche Karriere als Schlagersängerin hinter sich hatte, als ihr der Sprung auf die "Bretter, die die Welt bedeuten" glückte. Das Haus Hofmannsthal widmet Renate Holm seine Herbstausstellung und bedankt sich wieder bei Erich Wirl für die zahlreichen Exponate. Eintrittspreis 3,- €/ Studenten, Ö1-, OeNB- und Vereins-Mitglieder freier Eintritt

Im Wiener Burgtheater hat am Samstag Schnitzlers "Das weite Land" Premiere. Unsere Fotografin Barbara Zeininger war bei der Fotoprobe:

Dörte Lyssewski, Stefanie Dvorak, Katharina Lorenz. Foto: Barbara Zeininger

Gesten war Renate Wagner im Wiener Kosmos-Theater bei "Villa Dolorosa - drei missratene Geburtstage" , frei nach Tschechows "Drei Schwestern": Es ist ein besonderer Theaterabend, stark, konzentriert, adäquat umgesetzt, der sein hohes Ziel, eine Tschechow-Variation zu liefern, die nicht an Unfähigkeit krankt, erreicht hat. Hinunter in den Kosmos-Keller!

Besuchen Sie auch Renate Wagners Filmrubrik.

Heute abend können Sie im ORF den hier schon angesprochenen Schlagabtausch zwischen den Krone-Kolumnisten Michael Jeannée und dem Rapper Sido miterleben - wenn Ihnen danach ist.

Bleibt mir nun, Ihnen einen schönen Tag zu wünschen!

A.C.
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MONTAG, 26. SEPTEMBER 2011
Anna Netrebko wird dieser Tage 40 und wirbt für Bier

Anna Netrebko ist für jede Überraschung gut. Zuerst verrät sie, dass sie in Wien ein Restaurant eröffnen möchte, dann lässt sie sich von der Brauerei Radeberger für ein Konzert engagieren.
Die „Radeberger Nacht der Stars“ findet am 24. Februar 2012 um 23.00 Uhr (!) in der Dresdner Semperoper statt, Anna Netrebko tritt zusammen mit dem Cellisten Jan Vogler auf. Die größte Überraschung aber ist, dass die Eintrittskarten nichts kosten, sie werden nämlich nicht verkauft, sondern verlost. In der „Lostrommel“ sind zweimal 400 Karten (also 800), jeder Gewinner bekommt zwei Karten und dazu noch eine Übernachtung in einem Dresdner 4-Sterne-Hotel und ein Abendessen, alles natürlich für zwei Personen. Wer sein Glück versuchen möchte, braucht sich nur auf der Seite
www.radeberger-pilsner.de/nacht-der-stars zu registrieren. Biertrinker, die irgendwann das neue Restaurant von Anna Netrebko besuchen möchten, können sich freuen. Neben exquisiten Weinen wird bestimmt auch ein Radeberger Pilsner auf der Karte stehen.

Auf dieses "Radeberger-Konzert" macht und der Online-Merker-Leser A.Thien aufmerksam!

Eine Leserin aus Wien machte mich auf die Opernübertragungen in das Wiener UCI-Kino im Milleniumstower aus der Londoner Covent Garden Opera aufmerksam. Dort steht am kommenden Mittwoch (28.September, 19,45 h) Gounods "Faust" mit Angela Gheorghiu, Rene Pape und Vittorio Grigolo auf dem Programm. Mittlerweile habe ich aus "Klassik Akzente" erfahren, dass ausgewählte Kinos in Deutschland (Link zur Liste untenstehend) sich dieser Live-Übertragung anschließen. In Wien sind Sie für € 25.- dabei, angeblich gibt es noch Karten!

Rene Pape

Zum ersten Mal war Gounods „Faust“ 1863 in Covent Garden zu hören, gerade vier Jahre nach der Premiere in Paris. Es wurde eine der erfolgreichsten Opern ihrer Zeit und sie gehört seitdem zu den Dauerbrennern englischer und internationaler Bühnen. Denn schon das Publikum der Viktorianischen Epoche liebte die Kämpfe des ewigen Stenz mit der Erkenntnis und der Liebe und noch immer ist der „Faust“ eines der Schmuckstücke des Repertoires.

Das gilt insbesondere dann, wenn ein großartiges Sängerteam an der Umsetzung mitwirkt. Die aktuelle Inszenierung am Royal Opera Haus hat mit Vittorio Grigolo in der Titelrolle, dem Bassbariton René Pape als dessen teuflischen Kontrapart Méphistophélès, Angela Gheroghiu als Marguerite und Dimitri Hvorostovsky als Valentin eine herausragende Solistenriegen zu bieten, die die deutschen Opernfans am kommenden Mittwoch, 28. September auch in einer Reihe ausgewählter Kinos live übertragen aus London erleben können. Das ist Opernerlebnis pur, ohne einen Flug buchen zu müssen …

Am 4. November können Sie die Gheorghiu mit Jonas Kaufmann als Cavaradossi in "Tosca" sehen. Dabei handelt es sich aber um eine Aufzeichnung, deshalb kosten die Karten nur € 18.- (Preis für Wien).

Über das Wochenende mussten Sie Merker-abstinent leben, denn der neue Server setzte einen drauf und fiel gleich für die bisherige Rekordzeit von 40 Stunden aus. Sonntag um 22,30 h konnte der Schaden wieder repariert werden. Demjenigen, der das veranlasst hat, sage ich Dank, aber wir müssen klären, warum das Problem überhaupt aufgetreten ist. Für das nächste halbe Jahr habe ich von Serverproblemen einstweilen genug!

Die Bayerische Staatsoper gastiert derzeit in Japan und merkt nicht viel den Problemen. Der "Münchner Merkur" legt davon Zeugnis: Jetzt auch noch der Taifun – dachte man. Doch was Fernsehen und Zeitungen vor einigen Tagen mit dramatischem Tremolo in die Welt hinausposaunten, das stellte sich für die Münchner in Tokio anders dar. „Wir hatten eineinhalb Stunden starken Sturm und Regen“, sagt Intendant Nikolaus Bachler. „So was gibt’s in Hamburg jeden Monat. Gut, der Verkehr war behindert. Und ich war wohl der Einzige unseres Teams, der in der U-Bahn stecken geblieben ist.“
Nichts, keine Spur mehr also von den Katastrophen. Wer sich in diesen Tagen durch Japans Hauptstadt bewegt, der erlebt ein gewohnt blitzsauberes Tokio unter spätsommerlicher Sonne: der Normalfall – so es den in dieser Giga-Metropole überhaupt gibt. Und auch die aus München mitgereiste Strahlenärztin, die am ersten Tag noch Wasser und Frühstückseier im Hotel New Takanawa Prince untersuchen musste, hat kaum mehr etwas zu tun: Die bayerische Delegation gibt sich gelassen.
Von den Ängsten kündet eigentlich nur noch der „Wasser-Raum“ neben dem Staatsopern-Büro im Erdgeschoss. Hektoliterweise Evian brachte man aus Deutschland mit, Plastikflaschen abgepackt in Kartons. Drei Liter stehen jedem pro Tag zu. Gelegentlich schaut noch jemand vorbei – vielleicht auch, weil das Getränk eben gratis ist und nicht aus dem Supermarkt ins Hotel geschleppt werden muss.

Für Bayreuths Festspielleiterinnen kommt es derzeit knüppeldick!

Probleme sonder Zahl gibt es dafür für die Bayreuther Festspielleitungs-Damen. Die "Frankfurter Allgemeine" (zu finden in der Samstag-Presseschau, die durch die Serverprobleme auch erst heute veröffentlicht wurde) benennt einen kleinen Teil davon: Ein Ergebnis ihrer (Anm.d. Red.: Katharina Wagner) Gespräche mit Castorf gibt es bislang noch nicht. Und lediglich einem "kleinen Unfall" haben wir es zu verdanken, dass die Meldung vom Rückzug des Hauptsponsors Siemens überhaupt schon ans Licht gelangte. Denn der Plan sei eigentlich gewesen, diese schlechte Nachricht erst in Kombination mit der noch ausstehenden guten zu verkünden, dass ein neuer Geldgeber gefunden worden sei.

Sieht so die "neue Offenheit" der Festspiele aus, mit deren Verkündung die beiden Leiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina vor drei Jahren angetreten waren? Und die zum Bestandteil eines künstlerischen Konzepts erhoben wurde, das beinahe ausschließlich um die Darstellung neuer PR-Strategien kreiste? Mit ihnen versprachen die neuen Festivalleiterinnen, die "Marke Bayreuth" zu kräftigen; mit dieser Formulierung stießen sie auch bei Kulturstaatsminister Neumann auf Anerkennung.

Aus dem Rückzug des Hauptsponsors geradlinig die Krise des Festivals ableiten zu wollen wäre billig. Dass die weggefallene Finanzierung jedoch ausgerechnet jene Veranstaltung gefährdet, die als das mediale Großspektakel einer Freiluft-Live-Übertragung aus dem Festspielhaus den vollmundig beschworenen Neustart der Festspiele symbolisch auf den Punkt bringen sollte, hat eine gewisse Ironie.

Denn worin sonst bestehen die von den Leiterinnen angekündigten Innovationen bislang? Der Opernglasverleih im Festspielhaus wurde abgeschafft, dafür gibt es jetzt Bayreuth-Accessoires im Internetshop zu kaufen. Die Programmhefte erstrahlen in Hochglanz, Sponsoren dürfen ihren Champagner in einer neuen VIP-Lounge zu sich nehmen, und die Festival-Homepage unterhält mit Podcasts und einer Videoführung durchs Festspielhaus. Die sinnvolle Idee einer systematischen Pflege des Wagner-Gesangs durch Sängerakademie oder Meisterklassen dagegen, die Katharina und Eva Wagner-Pasquier aus den Konzepten der seinerzeit mit ihnen um die Festspielleitung konkurrierenden Nike Wagner klugerweise übernommen hatten, ist stillschweigend untergegangen. Dabei sind es nicht zuletzt die sängerischen Besetzungen, die unter der neuen Leitung in vielen Fällen zu wünschen übriglassen.

Antoine Wagner-Pasquier. Steht ihm für ein Konzept eine Bayreuth-Gage zu?

Eva Wagner-Pasquier wollte ihrem Sohn Antoine eine Bayreuther Inszenierung zukommen lassen. Nicht im Festspielhaus, sondern eingebettet im Rahmenprogramm Bayreuths zum Franz Liszt-Jahr dessen Oper "Don Sanche". Der Wagner-Sproß hat auf Aufforderung ein Regiekonzept erstellt, wurde jedoch nicht mit dem Auftrag betraut. Nun will er Geld für das Konzept! "Studio Franken" ist der Sache nachgegangen: Die Richterin deutete an, das Gericht werde wohl eher der Argumentation von Kläger Antoine Wagner-Pasquier folgen und will den Streitparteien bis zum 20. Oktober einen Vergleichsvorschlag unterbreiten. Eine Einigung scheint allerdings schwierig. Denn während der Anwalt von Antoine Wagner-Pasquier erklärte, man fordere bei einem Vergleich mindestens 5.000 Euro, entgegnete der Anwalt der Stadt Bayreuth, dass sie nicht mehr als 2.000 Euro bezahlen wolle.

Gab es eine Vereinbarung? Ursprünglich hatte der Kulturbeauftragte der Stadt Bayreuth, Nikolaus Richter, geplant, den Urururenkel des Komponisten Franz Liszt als Regisseur für die Oper "Don Sanche" zu verpflichten. Ohne Angaben von genauen Gründen kam die Regiearbeit allerdings nicht zu Stande. Antoine Wagner-Pasquier begründet seine Honorarforderung mit einer Besprechung im vergangenen Sommer in Bayreuth, bei der vereinbart wurde, er solle ein Regiekonzept vorlegen. Dies habe er gemacht, in der Annahme, dafür ein Honorar zu bekommen.

Es geht also eigentlich um Erdnüsse, die Gerichtskosten werden höher als der Streitwert sein. Auch ein Vergleich mit der Privatwirtschaft gibt nicht viel Rechtsaufschluss, denn ein Konzept ist kein Kostenvoranschlag (der weitgehend gratis ist), sondern bereits eine Planung, die in einigen Branchen in Rechnung gestellt wird. Anderseits wurde auf den Entwurf des Monsieur Antoine nicht weiter engegangen, das Projekt von einem anderen Regiekünstler verwirklicht. Warum es Eva Wagner-Pasquier zu einem Rechtsstreit mit der Festspielstadt Bayreuth kommen lässt und nicht das tut, was Eltern in solch einem Fall meist tun, nämlich in die eigene Tasche greifen und den Filius sponsern, verstehe ich nicht. Wie ich so vieles nicht verstehe, was bei Wagners geschieht! .

Lustig geht es in der "Walküre" der Gemeinschaftsproduktion Halle/Ludwigshafen zu.Gerard Kim (Wotan) und Lisa Livingstone (Brünnhilde) veranschieden sich in einer Bar.

Hansgünther Heymes Protagonisten sind dabei, frei von politischen Absichten, ganz im Heute zu Hause: Hunding und Siegmund gehören zu rivalisierenden Gangs und saufen Schnaps, als kühlen Trunk reicht Sieglinde dazu gerne Dosenbier. Wotan ist kein Göttervater, sondern nur Clanchef muss sich mit Halbwelt-Gattin Fricka in der Nachtbar auseinandersetzen, wo man lieber auf Spielautomaten einhämmert als sich in die Augen zu sehen. Sieglindes und Siegmunds Flucht schließlich endet in der Wartehalle eines Flughafens. Nicht zu vergessen der von Kindern gestaltete "Vorhang der Hoffnung", den man schon aus dem "Rheingold" kennt und - neu - eine "Wand der Verzweiflung" als Tapete in Hundings Hütte, für die Sprayer aus Halle und Ludwigshafen verantwortlich zeichnen. Doch so modernistisch das alles klingt, die Aktualisierungen sind nicht Selbstzweck, sondern schlüssig. Und für Regisseur und Bühnenbildner Heyme stehen bis zum legendären "Walkürenritt" ganz die Sänger im Mittelpunkt, die stark spielen und singen: Gérard Kim gibt mit samtig-großem Bariton den Göttervater Wotan, Thomas Mohr ist ein strahlender ebenso wie empfindsamer Siegmund, Carola Höhn ihm zur Seite eine ebenbürtige, ausdrucksstarke Sieglinde. Keine Abstriche auch bei Lisa Livingstons hochdramatischer, zugleich kindlicher Brünnhilde, ebenso wenig bei Julia Faylenbogen als Fricka und Christoph Stegemann als tiefschwarzem Fiesling Hunding. Die Walküren: Persönlichkeiten für sich. Dieser Auszug stammt aus "mz-web.de"

Im "Kurier" vom Samstag zeigt sich Wiens Musikvereinschef Thomas Angyan über Fabio Luisi persönlich enttäuscht: In diesen Städten herrscht Unmut. Thomas Angyan, der Chef des Musikvereins, wurde in der New York Times mit scharfen Worten zitiert: "Unerfreulich" und "unfair". Im Gespräch mit dem KURIER bestätigt er seine Enttäuschung: "Wir haben auf Luisis Wunsch einen Mahler-Zyklus programmiert. Nun hat er nach der zweiten und dritten Symphonie (diese im Konzerthaus, Anm.) auch für die Siebente abgesagt." Als Ersatz für Luisi springt im Musikverein ab 12. Oktober Lothar Zagrosek am Pult der Wiener Symphoniker ein.

Vor allem die Vorgangsweise hat Angyan empört: "Luisi hat meine Telefonnummer und meine eMail-Adresse. Wir kommunizieren etwa 20-mal pro Jahr. Aber dieses Mal hat er sich gar nicht gemeldet."

In Angyans Büro gab es nur einen Anruf von Luisis Manager, der explizit nicht mit Angyan sprechen wollte, sondern nur avisierte, dass sich Peter Gelb, der Direktor der MET, bei ihm melden werde. Das geschah eineinhalb Stunden vor einer Pressekonferenz, bei der Gelb die Änderungen an der MET verkünden wollte.


Dieses Foto von Barbara Zeininger ist bereits ein Kunstwerk für sich (Dörte Lyssewski, Corinna Kirchhoff. Alvis Hermanis Inzenierung von Schnitzlers "Das weite Land" kann da nicht ganz mithalten. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner ist eine ausgewiesene Schnitzler-Expertin, Arthur Schnitzler bestimmte in Teilen ihr Leben. So schmerzt es sie besonders, dass Alvis Hermanis an Schnitzler eigentlich gescheitert ist. Dabei ist Wagners Rezension eigentlich die wohlmeinendste, die ich bislang über die neue Burg-Produktion gelesen habe: Fazit dieser Aufführung, die weit mehr Alvis Hermanis gehört als dem Dichter: Schnitzlers differenzierte Psychologie versinkt und verschwindet im vorgegebenen, treu erfüllten Kinoklischee der vierziger Jahre. Ein Teil des Publikums fand das einfach unmöglich. Ein anderer, der das Stück vielleicht schon einmal zu oft gesehen hat (die letzte Josefstadt-Aufführung ist erst eineinviertel Jahre her), meinte „Einmal was Anderes“. Dass es etwas dezidiert Gutes war, kann man nicht behaupten. Aber anders, ja, das war es wirklich. Bis zur Unkenntlichkeit. Darling, ich bin im Kino!

In Wien muss sich die diebische Gräfin nicht vor Gericht verantworten! Sie bezahlt sozusagen eine Spende, was nicht einmal ein Schuldanerkenntnis ist.

Es beruhigt mich, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche, wünschen Sie mir eine weniger aufregende - ohne Serverprobleme!

A.C.
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DIENSTAG, 27. SEPTEMBER 2011
Lohengrin" am Tiroler Landestheater. Lohengrin: Montazeri (Lohengrin): Durchschnitt; Maines (Ortrud), Seipp (Telramund): grandios; von der Burg (Elsa): sehr gut

Die erste Kurzkritik entnehmen wir "Mein Bezirk.at": Dreieinhalb Stunden dauert Wagners Eifersuchtsepos um den Gralsritter „Lohengrin“ und seine Elsa, am Sonntag fand am Tiroler Landestheater die Premiere statt. Und gleich Vorweg ein Pauschallob an David Prins für die behutsame, schlüssige Inszenierung, für die klare Bühnengestaltung von Arnold Schalks und die ästhetisch schönen Kostüme von Marrit van der Burgt. Ja, eine romantische Oper wie es Lohengrin ist, darf ausstattungsmäßig ruhig einmal „nur“ schön sein, auch wenn der Kitsch die Bühne bereits berührte.
Alexander Rumpf stand am Pult des Tiroler Symphonie-Orchesters Innsbruck, einmal mehr gerieten etliche Passagen zu laut. Kleine Stimmungs-Unebenheiten und verkorkste Bläsereinsätze trübten ein wenig die gute Orchesterleistung.
Die Sängerleistung war durchwachsen. Jennifer Maines als Ortrud und ihr Partner Joachim Seipp als Telramund stahlen den beiden Protagonisten die Show. Seipp in Höchstform, Maines sang böse, giftig, und bestechend in Ton und Fülle. Susanna von der Burg als Elsa, hatte wenige Probleme, eine solide Darbietung. Mehrzad Montazeri als Lohengrin hingegen hatte sowohl stimmlich als auch mit der deutschen Sprache manche Grenzen zu meistern. Und ein wenig heldenhafter hätte es auch sein können

Wien/ Haus Hofmannsthal: Ausstellung über Renate Holm

Man kann so auf ein mehr als erfülltes Künstler leben blicken. Ausgestellt werden Bilder aus diversen Opernaufführungen, von Wien über Salzburg, Berlin bis Argentinien. Die kurze, aber heftige Filmkarriere, Filme die immer wieder am Nachmittag im TV laufen und eigentlich sehr ein Spiegel ihrer Zeit sind.
So kann man auch die schönen LP – Hüllen bewundern, die jede für sich ein kleines künstlerisches Meisterwerk ist., sowie auch die diversen Plakate für diese Zeit der Revue-Konzerte.
Aber auch die Zeit der Schlagersängerin kommt nicht zu kurz. So kam es ja durch eine Schlagersendung in Berlin zum Namen Renate Holm. Renate Franke, ihr eigentlicher Name, wurde angesagt mit Renee Franke, die war damals eine schon hoch in der Karriere stehende Schlager-Dame., So rief die Mutter von Renate an und meinte, „das verbessern sie sofort, es singt meine Tochter Renate Franke“. Es gab am Ende der Sendung auch die Ansage Korrektur, aber Renate Holm war geboren.

An Tondokumenten hörte man sich durch 5 Jahrzehnte, wobei mich am meisten der Vortrag der Mimi beeindruckte. Besuchen Sie die Ausstellung im Wiener Haus Hofmannsthal in der Reisnerstraße. Einen Kurzbericht von Elena Habermann über die Ausstellung finden Sie in den heutigen Tagesinfos!

Ulrike Messer-Krol macht uns auf einen Service der Brüsseler Monnaie-Oper aufmerksam: Ab sofort gibt es jede Aufführung der Brüsseler Oper sofort nach Ablauf der Serie gratis und komplett im Internet, jeweils 21 Tage lang !! Unter www.lamonnaie.be

Derzeit bis 14. Oktober MÉDÉE von Luigi Cherubini.

Auf ein weiteres Angebot macht uns Barbara Röder aus Frankfurt aufmerksam: Ein kleiner Tipp für den Faust bzw. andere Opernübertragungen aus London . Ich habe mir den BBC Iplayer installiert -geht ganz einfach-und kann laufende Opernproduktionen auf BBC3 1 Woche lang nachhören, bzw direkt anhören. So das Trittico oder jetzt den Faust, der noch bis 1.10 nach zuhören ist. Es sind immer Live-Aufnahmen.
Das ist doch was für alle, die es nicht nach London bzw. ins Kino schaffen.

Eine Leserin aus Wien machte mich auf die Opernübertragungen in das Wiener UCI-Kino im Milleniumstower aus der Londoner Covent Garden Opera aufmerksam. Dort steht am kommenden Mittwoch (28.September, 19,45 h) Gounods "Faust" mit Angela Gheorghiu, Rene Pape und Vittorio Grigolo auf dem Programm. Mittlerweile habe ich aus "Klassik Akzente" erfahren, dass ausgewählte Kinos in Deutschland (Link zur Liste untenstehend) sich dieser Live-Übertragung anschließen. In Wien sind Sie für € 25.- dabei, angeblich gibt es noch Karten!

Angela Gheorghi - in London groß im Geschäft . Morgen ist sie in einigen Kinos als Margarethe in "Faust" zu bewundern

Zum ersten Mal war Gounods „Faust“ 1863 in Covent Garden zu hören, gerade vier Jahre nach der Premiere in Paris. Es wurde eine der erfolgreichsten Opern ihrer Zeit und sie gehört seitdem zu den Dauerbrennern englischer und internationaler Bühnen. Denn schon das Publikum der Viktorianischen Epoche liebte die Kämpfe des ewigen Stenz mit der Erkenntnis und der Liebe und noch immer ist der „Faust“ eines der Schmuckstücke des Repertoires.

Das gilt insbesondere dann, wenn ein großartiges Sängerteam an der Umsetzung mitwirkt. Die aktuelle Inszenierung am Royal Opera Haus hat mit Vittorio Grigolo in der Titelrolle, dem Bassbariton René Pape als dessen teuflischen Kontrapart Méphistophélès, Angela Gheroghiu als Marguerite und Dimitri Hvorostovsky als Valentin eine herausragende Solistenriegen zu bieten, die die deutschen Opernfans am kommenden Mittwoch, 28. September auch in einer Reihe ausgewählter Kinos live übertragen aus London erleben können. Das ist Opernerlebnis pur, ohne einen Flug buchen zu müssen …

Am 4. November können Sie die Gheorghiu mit Jonas Kaufmann als Cavaradossi in "Tosca" sehen. Dabei handelt es sich aber um eine Aufzeichnung, deshalb kosten die Karten nur € 18.- (Preis für Wien).

In Wien spielt sich derzeit nichts Aufregendes ab. Es gibt Leute, die das lieben, ich gehöre da nicht dazu. Also blicken wir nach Deutschland, in die sogenannte "Provinz".

Verdis "I Lombardi" in Kiel. Foto: Theater Kiel

Horst Schinzel schreibt in seinem "Online-Merker"-Bericht: Schon seit langem ist die Kieler Oper auf Ausgrabungen spezialisiert. Allerdings haben die den betreffenden Werken kaum je zu neuem Leben verholfen. Die Kieler Aufführungen haben meist gezeigt, dass die Opern zu Recht vergessen sind. Das lässt sich auch von der frühen Verdi-Oper „I Lombardi“ sagen, mit der am Kleinen Kiel die neue Spielzeit eröffnet worden ist. Dieser Oper aus dem Jahre 1843 ist in Deutschland bislang nur einmal 1845 in Berlin gespielt worden. Dabei zeigt der junge Verdi hier eine Klangfülle, die jeden Opernfreund begeistern muss. Den Sängern hat er geradezu atemberaubende Koloraturen in die Kehle geschrieben und den Orchesterpart besonders reich ausgestaltet. Nur: Kaum ein anderes Werk aus seiner Feder ist so blutrünstig wie dieses. Und die Verherrlichung von Krieg und Gewalt passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Dazu ist das Libretto von Temistocle Solera nicht schlüssig und dramaturgisch schlecht gebaut.

Die "Kieler Nachrichten" stoßen in etwa in das gleiche Horn: Denn einer der Gründe, warum Verdis I Lombardi bisher in der Raritätenkiste verschwunden blieb, ist eine verworrene Handlung aus drei Bruchstücken: der mit mörderischen Gelüsten ausgetragene Streit der fürstlichen Brüder Arvino (heller Tenor) und Pagano (dunkler Bass) um die schöne Viclinda; die aus religiöser Sicht sündige Liebe von Arvinos und Viclindas Tochter Giselda zu dem muselmanischen Tyrannensohn Oronte - und eben der Kreuzzug der Lombarden, in den alle irgendwie verstrickt sind. Indem Schwarz die Bestandteile des Dramas auf eine neue Spielebene hebt, fasst er die Erzählstränge zusammen, schafft klare Strukturen.

Aber die Aufführung war das, was man in Kiel "glanzvoll" nennt, das bestätigen beide Quellen!

In Gießen wurde "Die Hochzeit des Figaro" wieder in den Spielplan aufgenommen. Wie schon bei der Premiere im März ist die Wiederaufnahme der Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“ am Samstagabend vom Publikum im voll besetzten Stadttheater mit lang anhaltendem Applaus gefeiert worden. Die Inszenierung von Thomas Goritzki hat auch mit einer ganzen Reihe von Neu- und Umbesetzungen nichts von ihrer komödiantischen Leichtigkeit und ihrem Charme eingebüßt. (Aus "Gießener Nachrichten").

In "Klassik.com" schreibt Jan Kampmeier über Detmolds "Madama Butterfly": Wenn das Schiff des Marineoffiziers Benjamin Franklin Pinkerton in den Hafen von Nagasaki einläuft, vertauscht Cio-Cio-Sans Sohn sein japanisches Gewand gegen eine Matrosenuniform, und wenn sie selbst mit ihrer Dienerin das Haus mit Kirschblüten schmücken will, regnet es Blütenblätter auf die Bühne.

Etwa nach diesem Muster läuft 'Madama Butterfly' am Landestheater Detmold. Man kann das platt und oberflächlich nennen, aber dann müsste man eigentlich auch Puccinis Oper ablehnen. Denn auch die ist mit teilweise erschreckend einfachen Mitteln gestaltet: Ein bisschen Pentatonik, ein paar Volkslieder oder Nationalhymnen für das japanische Kolorit. Für den emotionalen Ausdruck werden die Harmonien je nach Bedarf durch kleine oder große Sexten ergänzt und die Melodiebögen von großen Streicherwolken eingehüllt. Und das Libretto walzt die tragische Geschichte doch eigentlich auch schon aus bis an die Schmerzgrenze.

Aber es funktioniert! Und das gilt sowohl für Libretto und Musik als auch für die Detmolder Inszenierung.

"TLZ- das Beste aus Thüringen" berichtet über Nordhausens "La Traviata: Es gibt einen guten Grund, sich Verdis "La Traviata" am Theater Nordhausen anzusehen, und der heißt Cristina-Antoaneta Pasaroiu. Die rumänische Sopranistin singt die Rolle der Violetta Valéry so schön, dass man noch länger in ihren Arien schwelgen möchte: eine mühelos leichtgängige Stimme ohne ein Gramm Schmalz; wunderbare Koloraturen, artistisch, aber ungekünstelt; eine Ausdruckskraft, die sogar Violettas Selbstzweifel, etwa in der Arie "E strano", aufrichtig klingen lassen.
Nordhausen. Auch Alfredo, der Mann an Violettas Seite, kann sich hören lassen: Der Spanier Eduardo Aladrén, wie Pasaroiu ein Gast am Theater Nordhausen, beherrschte den Tenor-Part bei der Premiere strahlkräftig, wenn auch mit kleinen Schwächen in den höheren Lagen und einer übertriebenen Neigung zu öligen Belcanto-Schluchzerchen. Diese beiden in einer guten "Traviata"-Inszenierung, die sie auch schauspielerisch fordert - das könnte ein gelungener Abend werden.

Mit mehr als 6 Millionen Euro fördert die Kunststiftung NRW (Nordrhein-Westfalen) im kommenden Jahr 132 Projekte aus Kunst, Musik, Theater, Tanz und Literatur. Der Löwenanteil von rund 2,5 Millionen Euro fließe in 45 Kunstprojekte, teilte die Kunststiftung am Montag mit. Unterstützt werden etwa geplante Ausstellungen zur künstlerischen Moderne Anfang des 20. Jahrhundertes im Wallraf-Richartz-Museum in Köln und im Von der Heydt-Museum Wuppertal sowie eine Schau des LWL-Landesmuseums Münster zur mittelalterlichen Schatzkunst in Westfalen.

Artur Hartlieb-Wallthor präsentiert "Mein Leben mit dem Rosenkavalier"

Das Bezirksmuseum Josefstadt (8., Schmidgasse 18) zeigt von Mittwoch, 28. September, bis Sonntag, 29. Jänner, die Sonder-Ausstellung "Mein Leben mit dem Rosenkavalier". Gestalter der informativen Schau ist Artur Hartlieb-Wallthor, der sich schon seit langer Zeit mit den vielfältigen Facetten des Opernwerks "Der Rosenkavalier" beschäftigt. 1911, also vor 100 Jahren, fand die Uraufführung der Oper von Richard Strauss (Musik) und Hugo von Hofmannsthal (Libretto) in Dresden statt. Im "Jubiläumsjahr" 2011 weist der Kenner auf Hintergründe der Texte Hofmannsthals und auf
historische Verbindungen zur Zeit Maria Theresias hin. In Wort und Bild macht der Fachmann auf vielerlei Finessen im "Rosenkavalier" aufmerksam. Musik- und Video-Beiträge ergänzen die Schau. Das Museum ist jeweils am Mittwoch (18.00 bis 20.00 Uhr) und am Sonntag (10.00 bis 12.00 Uhr) offen. Der Zutritt ist kostenlos. Informationen: Telefon 403 64 15 (teilweise Anrufbeantworter).

Nach London: Zahlreiche prominente Kulturschaffende setzen sich in London für die vier Musiker des London Philharmonic Orchestra ein, die wegen öffentlichen Protestes gegen den Auftritt
des Israel Philharmonic Orchestra suspendiert worden sind. (Auszug aus "Codex flores").

Rechfertigung aus London: Die Musiker wurden nicht suspendiert, weil sie ihre Meinung äußersten, sondern weil sie sich anmaßten, namens des gesamten Orchesters zu sprechen!

Die Rezensionen werden internationaler: "Das weite Land" im Wiener Burgtheater. Katharina Lorenz. Foto: Barbara Zeininger

Gestern veröffentlichten wir einen Auszug aus Renate Wagners Betrachtungen von Alvis Hermanis' Inszenierung. Heute ist die "Frankfurter Allgemeine" an der Reihe: Der lettische Regisseur Alvis Hermanis, der auf der Bühne gern ein Ausmaler ist, der zuletzt in Wien Tschechows „Platonow“ in erlesensten Bildern hinter Glasfronten derart murmelnd verkrakelierte, dass man gar nichts mehr verstand, macht aus dem Schnitzler ein großes Kino-Gemälde. Und es funktioniert wunderbar. Es betritt nicht Humphrey Bogart den Raum, sondern Peter Simonischek. Sein Hofreiter in grauem Hut und grauem Mantel und grauen Zigaretten und grauem Gelächter ist nicht der zynische Selbstling und Frauenverbraucher Hofreiter, den Schnitzler entwirft. Simonischek gibt, was er immer gibt: das weiche, große, leicht resignierte altösterreichische Mannskind - mit Hollywoodmanieren. Ganz Liebesgangster, aber auch ganz Bitterzuckerbäcker von erotischen Mürbkeksen, Begehrensschaumgebäck mit einer Injektion Giftobers, die sich angesichts der ihm willig präsentierten, aber in edlem, grauem Tuch wohlverpackten Extremitäten der jungen Erna in der Hotelhalle am Völser Weiher kaum als Aphrodisiakum bewährt. Was ihm bleibt, ist ein erregtes Schnauben. Kein Wunder vor der kühlen Fassade, die ihm Katharina Lorenz allein anzubieten hat.

In den heimischen Gazetten attestiert man Hermanis ein Scheitern, das Publikum hielt sich mit Missfallensbezeugungen auch nicht gerade zurück. Lesen Sie in unserer Presseschau weiter!

Bei den Salzburger Festspielen ist es im Sommer ja nur eine szenische Lesung geworden -
die Uraufführung von Daniel Kehlmanns Bühnenerstling "Geister in Princeton" war am
Freitag (23.9.) im Grazer Schauspielhaus. Auch darüber können Sie in der Presseschau lesen!

Volksschauspielerin Sissy Löwinger gestorben!

Theater prägte ihr Leben: Sissy Löwinger, Leiterin der legendären Löwinger-Bühne, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Sie verstarb in der Nacht auf Sonntag in ihrer Heimat im niederösterreichischen Altlengbach. Ihr Ehemann Hans-Peter Blechinger bestätigte gegenüber der APA einen Online-Bericht der Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN). Todesursache dürfte laut Auskunft des Notarztes ein Lungeninfarkt gewesen sein. (Auszug aus der "Presse")

Thomas Bernhard gegen Minister Theodor Piffl-Percevic, "das war Brutalität"

„Hier hat, so dachte ich immer, mein Charakter ein großes Leck. Ich verachtete die, die die Preise gaben, aber ich wies die Preise nicht strikt zurück.“ Thomas Bernhards selbstkritische Schelmenprosa „Meine Preise“ fand am Freitag (23.9.) in der Neuen Residenz in Salzburg den Weg auf die Bühne.

Auszug aus "Drehpunkt Kultur": „Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und zur Geistesschwäche verurteilt ist“, wusste Thomas Bernhard etwa 1967 anlässlich der Überreichung des (Kleinen!) Österreichischen Staatspreises zu berichten. Unterrichtsminister Theodor Piffl-Perčević – O-Ton Berhard: „es mag sein, daß er etwas von steirischen Kälbern und Kühen und von obersteirischen Schweinen und von untersteirischen Mistbeeten verstand, von Kunst und Kultur verstand er jedenfalls nichts“ – stürmte medienwirksam aus dem Saal.

Thomas Bernhard habe ich nie kennengelernt, die Tochter Antonia des Unterrichtsministers Piffl-Percevic war aber eine Schulkollegin/Schulfreundin (St. Ursula" in Wien-Mauer) meiner Frau und deswegen sogar bei unserer Hochzeit dabei! Meine Frau entstammt eigentlich einer Arbeiterfamilie, trotzdem haben ihr die Eltern die Ausbildung in dieser elitären Schule ermöglicht! Selbst der Unterrichtsminister hat keine bessere Schule gewusst!

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.
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MITTWOCH, 28. SEPTEMER 2011

Auch meine "Puppe" sieht nicht ein, dass sie den Leuten den Trottel machen soll - und das "Herrl" spielt Agent und kassiert! Ihre Forderung: Keine lebenden Tiere auf der Bühne! Foto: Barbara Zeininger

Diese Hunde waren freilich ohnedies nie für die Bühne vorgesehen, obgleich sie mir durchaus talentiert erscheinen. Es sind die beiden Damen meines Hundetrios, die Terrierdame "Daisy" und die Gebirgsschweißhund-Hündin "Puppe" - eine anerkannte Schönheit ihrer Rasse und auch entsprechend arrogant!

Die "Presse" schreibt: Die Mailänder Scala wird Aufführungen mit lebenden Tieren künftig unterlassen. Tierschützer protestierten in den vergangenen Tagen vehement gegen eine geplante Inszenierung von Richard Strauss' "Rosenkavalier" mit drei Hunden und einem Papagei. Während der Proben für den "Rosenkavalier", der ab dem kommenden Samstag sechsmal an der Scala aufgeführt wird, seien unter anderem ein Chihuahaua-Welpe und zwei Windhunde eingesetzt worden.

Peter Dvorsky, demnächst 60 und heute im Slowakischen Kulturstitut in der Wipplingerstraße (Wien 1) im Gespräch mit "Heft-Merker"-Chefin Dr. Sieglinde Pfabigan.

Heute um 18,30 h spricht Merker-Chefredakteurin Dr. Sieglinde Pfabigan im Slowakischen Kulturinstitut in der Wipplingerstraße mit dem Tenor und nunmehrigen Operndirektor des Slowakischen Nationaltheaters Bratislava, Peter Dvorsky, anlässlich dessen 60. Geburtstages. Deswegen habe ich Pfabigans Karte für den Staatsopern "Onegin" "geerbt" und absolviere einen meiner wenigen Opernbesuche (wer macht für mich die Redakteursarbeit in der Nacht?).

Morgen kandidiert Merker-Mitarbeiter Dr. Hans Sabaditsch für den Publikumsbeirat der Wiener Staatsoper. Die Abstimmung findet ab 18 h (29.9.) auf der Probebühne der Wiener Volksoper in der Severingasse statt. Treffen wir einander dort? Die "Merker" müssen doch zusammenhalten!

Und wenn wir schon bei "Merkereien" sind: Am Montag (3.10.) sind in der Wiener (Döblinger Hptstr. 96) Villa Wertheimstein "Starke Frauen in der Oper zu erleben". Anna Ryan, Vivian Cooksley /Chariklia Mavroupoulo sind im "Merker-Kunstsalon zu erleben!

Frank van Aken ist "Otello" in Graz. Für den Ehemann von Eva-Maria Westbroek ist der "Otello" eine Traumrolle wie der "Tristan"

Die"Kleine Zeitung" sprach mit dem Tenor: Wie kommt man im flachen Land von Laren in Nordholland zum Opernsingen?

FRANK VAN AKEN: Anfangs durch den Kinderchor in der Kirche: Da war ich der einzige Bub unter Mädchen. Und mit 18 Jahren riet mir meine Musiklehrerin, mich zu einem Vorsingen anzumelden. Das traf sich mit meinem noch nebulosen Traum, eine Weltkarriere zu schaffen wie "Der große Caruso" im Hollywood-Film mit Mario Lanza. Ich wurde in Utrecht und endlich am Opernstudio des Königlichen Konservatoriums in Den Haag aufgenommen. James McCray, der in Graz 1990 den Otello sang, war mein wichtigster Lehrer.

Nach dem Debüt als Macduff in Giuseppe Verdis "Macbeth" in Enschede rief gleich Rom?

VAN AKEN: Das war schon recht gewagt: Dort sang ich erstmals gleich den Cavaradossi in Puccinis "Tosca". 1998 ging ich ins erste Fix-Engagement an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg. Und schaffte den Aufschwung vom Hans in Smetanas "Verkaufter Braut" bis zum Parsifal. 2006 holte mich Sebastian Weigle an die Frankfurter Oper. Da konnte ich in divergenten Rollen, etwa als Laca in Janáeks "Jenufa", als Hermann in Tschaikowskys "Pique Dame" und als Tannhäuser, zeigen, was ich konnte. Wagners "Tannhäuser" war ein Wendepunkt: Den "probierte" ich in Frankfurt im Mai und Juni 2007 aus und sang ihn bereits Wochen später in Bayreuth. Jetzt mache ich in Graz gut zwölfmal den Otello, meine absolute Traumpartie, bevor ich sie auch in Frankfurt singen darf.

Unser "Opernfreund" (www.deropernfreund.de) Dr. Peter Bilsing schwelgte wegen der Bonner "Manon Lescaut" in Superlativen. Grund genug, den "Bonner Generalanzeiger" zu befragen: Geld oder Liebe? Sie entscheidet sich erst für die Liebe, dann, im zweiten Akt, fürs Geld. Für Christine Mielitz hat die Situation, in der Manon sich befindet, etwas von Heidi Klums Germany's Next Topmodel.

Die Gesellschaft ermöglicht ihr jeden erdenklichen Luxus, setzt sie aber zugleich unter einen ungeheuren Druck. Mielitz findet ein beeindruckendes Bild dafür, wie die Äußerlichkeiten irgendwann das Leben völlig zu ersticken drohen, wenn Manon auf der Brücke hinter einem Luxuskleid steht, das sich in breiter Bahn über der gesamten Kuppel ergießt und sie bedeckt.

Der Kontrast zum letzen Akt, der die auf Betreiben des gedemütigten Geronte als Diebin verbannte Manon mit Des Grieux in der Wüste irgendwo in Amerika zeigt, ist größer nicht denkbar. Dass die Brücke abgebaut wurde und nun an Drahtseilen bedrohlich über den Köpfen des Paares schwebt, unterstreicht, dass es kein Zurück mehr gibt. Die von Max Karbe entworfene Lightshow der ersten Akte ist erloschen, die Welt aschgrau.

In Manons Arie "Sola perduta abbandonata", in der Galina Shesterneva nach einer großartigen Gesamtleistung zu Tränen rührt, erglüht die Welt ein letztes Mal in kostbarem Gold. Hier aber ist es die Farbe der untergehenden Sonne, die Farbe des Todes.

Großen Anteil an der emotionalen Tiefe dieser Szene hatten Generalmusikdirektor Stefan Blunier und das Beethoven-Orchester.

Giacomo Meyerbeer. In Würzburg wird nun seine "Afrikanerin" gespielt!

Irgendwann, vielleicht nach einer Stunde, schleicht sich das Gefühl ein, man habe das alles schon gehört. Was nicht nur daran liegt, dass die Harmonien taktweise aus einer Verdi-Partitur stammen könnten. Es liegt daran, dass die Musik ohne Ecken und Kanten ist, zwar auf hohem Niveau dahinfließt, gefühlsmäßig aufgeladen, als habe Rosamunde Pilcher in einem früheren Leben Meyerbeer geheißen – doch echte Höhepunkte fehlen. Da hilft auch der Einsatz von Harfe oder Glockenspiel nicht. Enrico Calesso gibt einen exzellenten Einstand als Würzburger Generalmusikdirektor (GMD). Mit deutlichen, vorausschauend gegebenen Zeichen führt er die Musiker des Philharmonischen Orchesters, hat Solisten und Chor (Einstudierung: Markus Popp) im Griff. (Quelle: "Mainpost")

Kurz vor der Uraufführung im National Center for the Performing Arts in Peking hat das offizielle China eine Oper des Komponisten Huang Ruo über den Revolutionsführer und ersten Staatspräsidenten Sun Yat-sen abgesetzt.

Die Oper hätte Feierlichkeiten zur Hundertjahr-Feier der chinesischen Revolution begleiten sollen. Laut «New York Times» sei die Art der Musik bei Funktionären, die die Proben besuchten, auf Ablehnung gestossen.

Branchenkenner vermuten, dass die Musik Huang Ruos für die offiziellen Ohren Chinas zu wenig romantisch und heroisch geklungen haben dürfte.

Gestern machte mich eine Leserin auf die "Lohengrin"-Premiere in Innsbruck aufmerksam. Nachträglich suchte ich im Net nach Kritiken, fand aber nur eine - und diese ging eigentlich nicht auf die Inszenierung ein. Auch heute - nur Leermeldungen. Verstehen Sie mich bitte richtig, ich kann nichts dafür, wenn in diversen Städten Internetmuffel sitzen, denen es genügt, wenn ihre Kritik Wochen später in gedruckter Form erscheint. Anderseits kann ich keine neuen Strukturen aufbauen, solange Platzhirschen auf ihren Status bestehen. Die Lockerung des Verhältnisses zwischen Heft und "Online-Merker", vollzogen bei der letzten Hauptversammlung, war zwar ein Schritt in eine für mich vorstellbare Richtung, ändert aber nichts daran, dass ich zum Beispiel über eine wichtige Premiere in Tirol keine Rezension habe. Allerdings habe ich auch in Tageszeitungen nicht viel gefunden!

"Lohengrin" am Tiroler Landestheater. Lohengrin: Montazeri (Lohengrin): Durchschnitt; Maines (Ortrud), Seipp (Telramund): grandios; von der Burg (Elsa): sehr gut

Die erste Kurzkritik entnehmen wir "Mein Bezirk.at": Dreieinhalb Stunden dauert Wagners Eifersuchtsepos um den Gralsritter „Lohengrin“ und seine Elsa, am Sonntag fand am Tiroler Landestheater die Premiere statt. Und gleich Vorweg ein Pauschallob an David Prins für die behutsame, schlüssige Inszenierung, für die klare Bühnengestaltung von Arnold Schalks und die ästhetisch schönen Kostüme von Marrit van der Burgt. Ja, eine romantische Oper wie es Lohengrin ist, darf ausstattungsmäßig ruhig einmal „nur“ schön sein, auch wenn der Kitsch die Bühne bereits berührte.
Alexander Rumpf stand am Pult des Tiroler Symphonie-Orchesters Innsbruck, einmal mehr gerieten etliche Passagen zu laut. Kleine Stimmungs-Unebenheiten und verkorkste Bläsereinsätze trübten ein wenig die gute Orchesterleistung.
Die Sängerleistung war durchwachsen. Jennifer Maines als Ortrud und ihr Partner Joachim Seipp als Telramund stahlen den beiden Protagonisten die Show. Seipp in Höchstform, Maines sang böse, giftig, und bestechend in Ton und Fülle. Susanna von der Burg als Elsa, hatte wenige Probleme, eine solide Darbietung. Mehrzad Montazeri als Lohengrin hingegen hatte sowohl stimmlich als auch mit der deutschen Sprache manche Grenzen zu meistern. Und ein wenig heldenhafter hätte es auch sein können

Heute: Artur Hartlieb-Wallthor präsentiert "Mein Leben mit dem Rosenkavalier"

Wien: Das Bezirksmuseum Josefstadt (8., Schmidgasse 18) zeigt von Mittwoch, 28. September, bis Sonntag, 29. Jänner, die Sonder-Ausstellung "Mein Leben mit dem Rosenkavalier". Gestalter der informativen Schau ist Artur Hartlieb-Wallthor, der sich schon seit langer Zeit mit den vielfältigen Facetten des Opernwerks "Der Rosenkavalier" beschäftigt. 1911, also vor 100 Jahren, fand die Uraufführung der Oper von Richard Strauss (Musik) und Hugo von Hofmannsthal (Libretto) in Dresden statt. Im "Jubiläumsjahr" 2011 weist der Kenner auf Hintergründe der Texte Hofmannsthals und auf
historische Verbindungen zur Zeit Maria Theresias hin. In Wort und Bild macht der Fachmann auf vielerlei Finessen im "Rosenkavalier" aufmerksam. Musik- und Video-Beiträge ergänzen die Schau. Das Museum ist jeweils am Mittwoch (18.00 bis 20.00 Uhr) und am Sonntag (10.00 bis 12.00 Uhr) offen. Der Zutritt ist kostenlos. Informationen: Telefon 403 64 15 (teilweise Anrufbeantworter).

Wien/ Burgtheater. "Immer noch Sturm" von Peter Handke hat am 3.10. Premiere. Wie zu hören ist, läuft der Vorverkauf selbst für die Premiere miserabel. „Immer noch Sturm“ ist wahrscheinlich Peter Handkes persönlichstes Stück. Zur „Ich“-Figur spricht der längst verstorbene Onkel: „Es herrscht weiterhin Sturm. Immer noch Sturm. Geschichte: der Teufel in uns, in mir, in dir, in uns allen, spielt Gott, höchste Instanz, höchstes Prinzip.“
Wir vom "Online-Merker" sind natürlich dabei, legen aber auch Ihnen nahe, sich Karten zu besorgen!

Freddy Quinn ist 80!

Auch jene, die, von Flucht verschont, in Gesangsvereinen „Im schönsten Wiesengrunde“ schmetterten, sahen sich verstanden. Freddy Quinn musste ein Star werden.

Sein samtiger Bariton trug viel dazu bei. Doch die wahren Väter des Erfolgs waren Ralf Arni und Ernst Bader. Sie hatten Dean Martins Liebesschlendersong „Memories Are Made of This“ zur großen Klage umgetextet. Selbst die Eingangszeile „Brennend heißer Wüstensand“, dem Produzentenwunsch nach Fremdenlegions-Flair entsprungen, wurde nicht als befremdlich empfunden: Als Metapher für die Bußwüste, in der man sich nach den Greueln des „Dritten Reichs“ fühlte, geisterte er lange durch das deutsche Unbewusste. Noch 1962 stürmte die Italienerin Mina mit „Heißer Sand“, einem Fluchtdrama mit Legionsfirnis, die hiesige Hitparade.

Freddy Quinn aber etablierte sich, obwohl seine Lieder auch damit kokettierten, nicht als singender Söldner, sondern als einsamer Seemann, Artist und Cowboy. „Heimatlos“ hieß sein Anschlusshit, es folgten acht weitere, darunter, neben „Heimweh“ am bekanntesten, „Junge, komm bald wieder“. Für eine Dekade belegte Quinn jährlich den ersten Platz der deutschen Hitparade, ein bis heute ungebrochener Rekord. (Auszug aus "Frankfurter Allgemeine")

Helmut Qualtinger starb 57-jährig am 29. September 1986. Das Phänomen Qualtinger, von dem Biron mit Bewunderung spricht, wird aus Anlass des 25. Todestags des Satirikers und Schauspielers nun wieder verstärkt umkreist."Er war eine grantige Instanz", nähert sich der Schriftsteller Georg Biron im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" einer Ikone. "Unbestechlich und wahrhaftig, bis heute unnachahmlich. Er hat sich nie angebiedert, weder beim Publikum noch bei Institutionen. Für mich ist das Ausdruck einer gesellschaftspolitischen Haltung." Georg Birons Einführung in Helmut Qualtingers Leben und Werk konzentriert sich auf die Rezeption der berühmten Bühnenfigur Herr Karl. Der Monolog wurde übrigens vor 50 Jahren zum ersten Mal im Fernsehen ausgestrahlt.

Georg Biron: Quasi Herr Karl. Helmut Qualtinger – Kultfigur aus Wien. Braumüller Verlag: Wien, 2011, 219 S, € 24.90.

Der Autor veranstaltet eine Lesung mit Karlheinz Hackl, Hanno Pöschl u.a. in der Komödie am Kai, am 2. und 3. sowie 9. und 10. Oktober, 19.30 Uhr, Karten: 01/533 24 34.

Renate Wagner ist wieder von ihrer Kurzreise zurück und besuchte gestern im Stadttheater Walfischgasse Doris Kunstmann, die dort mit "Oskar und die Dame in Rosa" einen Tourneestop einlegte:

Die Kunstmann, nun Mitte 60, war in den siebziger Jahren eine der schönsten Frauen des deutschen Films. Das hat sich nicht gehalten, aber sie hat der Zeit, die ihr Figur und die edlen Züge genommen hat, einiges entgegenzuhalten – Handwerk, Instinkt, Können, starkes, von der Bühne herabstrahlendes Charisma

Genug für heute, wieder viel zu lang!
Ich wünsche einen schönen Tag!
A.C
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DONNERSTAG, 29. SEPTEMBER 2011
Markus Eiche stand gestern erstmals als Eugen Onegin auf der Bühne der Wiener Staatsoper

Renate Wagner besuchte natürlich dieses Debüt und berichtet: Diese Aufführungsserie von Tschaikowskis „Eugen Onegin“, der seit der Premiere im März 2009 schon manche interessante Besetzung gefunden hat, war wohl dazu da, einem Ensemblemitglied die Chance zu geben, sich in einer absoluten Hauptrolle zu zeigen. Wozu plagt man sich schließlich jahrelang an einem großen Haus wie der Wiener Staatsoper mit „zweiten“ Rollen, zeigt sein Bestes, beeindruckt immer wieder durch Persönlichkeit und Schärfe der Charakterisierung, wenn man nicht eines Tages seine Chance bekommen sollte? Nun ist also Markus Eiche, seit 2007 am Haus, erstmals der Eugen Onegin.

Auf der Bühne steht ein ansehnlicher Mann im Straßenanzug, mit einem markigen, interessant timbrierten, gut geführten Bariton, den er für diese Großpartie nur gelegentlich forcieren muss. Aber der Gesang allein macht es bekanntlich noch nicht. Kaum anzunehmen, dass Eiche für dieses Riesendebut mehr bekommen hat als ein paar Anweisungen, wo er auf der Bühne zu stehen hat (aber das ist eine Vermutung, wenn es anders war, bitte uns zu korrigieren). Kurz gesagt: Als Darsteller bot Eiche noch einen Onegin ohne Eigenschaften, zu sehr damit befasst, die Rolle auch korrekt zu singen, um sie auch als Figur erfüllen zu können. In ein paar Jahren, wenn er den Onegin oft gesungen haben wird (und möglicherweise in besseren Inszenierungen als dieser, die ihn im Straßenanzug ins Nichts stellt, vielleicht einmal in einer, die ihm ein Umfeld gibt, in dem man eine Gestalt auch entwickeln kann) – dann sehen wir weiter.

Der Abend bot zwei weitere Debutanten, wobei Monika Bohinec erstmals ihren Fuß auf Staatsopernbretter setzte. Opernfreunden war sie diesen Sommer als Czipra in Mörbisch aufgefallen, und auch an diesem Abend nahm sie sofort mit ihrem großen, klangvollen Mezzo gefangen, wobei es sich auch bei ihrer Larina um eine „Mama“ handelt, die vermutlich so alt ist wie die Töchter und sehr gut aussieht.

Schließlich landete der Triquet erstmals bei Norbert Ernst, wo es ihm weit besser ging als bei anderen Vertretern dieser Rolle – und selbst Ernst ließ gelegentlich hören, welche enorme Schwierigkeiten in diesem Mini-Auftritt stecken. Immerhin, bei ihm war die Figur gut aufgehoben.

Die übrige Besetzung war nicht neu erprobt, lesen Sie die gesamte Rezension in unserer Rubrik!

Dr. Georg Freund war auch in der Staatsoper und stimmt in weiten Teilen seiner Kollegin bei: Als Onegin stellte sich Markus Eiche erstmals dem Wiener Publikum vor: Eiche konnte an der Staatsoper jahrelang in kleineren Rollen gefallen, mit der Hauptrolle in Tschaikowskis lyrischen Szenen war er aber leider überfordert: Wenn er so mit eingezogenem Kopf auf der Bühne stand und seine Hände in die Hosensäcke versenkte, war er jeder Zoll kein blasierter adeliger Weltmann und auch sein Russisch klang nicht idiomatisch. Gesanglich konnte er einigermaßen entsprechen und er hätte wohl auch das für die Partie erforderliche Stimmvolumen. Freilich müsste er an dieser Rolle noch sehr eingehend arbeiten, bevor er sie in einem führenden Opernhaus verkörpern könnte.

Die zuerst von Onegin abgelehnte und später begehrte Tatjana wurde von Olga Guryakova gewandt gespielt, aber ihr hartes Timbre ist halt Geschmackssache und scheint mir für die Verkörperung eines jungen Mädchens wenig geeignet. Zudem verliert die Stimme der Guryakova in Forte an Qualität. Ein ganz anders Niveau hatte der Lenski des Abends:

Pavol Bresliks Lenski ist in Wien ja bereits bekannt und der junge Künstler bewies wiederum, dass er eine Idealbesetzung für den schwärmerischen Poeten darstellt. Seine mit berückendem Schmelz und feinsten dynamischen Schattierungen vorgetragene Abschiedsarie war für mich der Höhepunkt Abends, aber auch schon das an Olga gerichtete Arioso und Lenskis Beitrag zum mitreißenden Ensemble am Ende des Festes bei Larina bescherte dem Zuhörer „Fülle des Wohllautes“, um Thomas Mann zu zitieren.

Es ist selten genug, aber auch ich war in der Staatsoper - und beobachtete das Publikum. Die Vorstellung war gut besucht, einige "weiße Flecken" in den Parkettreihen sagen gar nichts, denn es gibt immer wieder Leute, bei denen Geld keine Rolle zu spielen scheint und die sich Karten "auf Verdacht" kaufen - um sich dann wieder anders zu besinnen. Der Galerie- und Balkon-Stehplatz war schwach besucht, aber "Eugen Onegin" war nie eine Stehplatz-Oper. Ein großer Teil des offenbar bloß gelegentlichen Opernpublikums glaubte anfangs in einer Verdi-Nummernoper zu sein und apllaudierte an Stellen, an denen früher niemand applaudiert hat - um dann wiederum in Inaktivität zu verfallen, wo man sich Aktivität erwartet hätte. Unser Rezensent Dr. Klaus Billand hat schon recht, das Publikum ist nicht unbedingt ein Gradmesser für Qualität, schon gar nicht an einem "Touristenhaus" wie Wien!

Tags zuvor wurde "Alcina" wieder in den Spielplan aufgenommen. Martin R. Botz meint: Das interessiert niemand, das passt nicht in die Staatsoper – das war die weit verbreitete Meinung über Barockopern, und das in der Barockstadt Wien! Man vergaß allerdings, das bereits Karajan Monteverdis „Poppea“ erfolgreich aufführte.

Jedenfalls war die „Alcina“ ein großer Erfolg der neuen Staatsopern-Direktion, und ist es immer noch.

Ob er damit explizit den Besuch gemeint hat, geht aus der Rezension nicht hervor. Wohl aber befasst sich Dominik Troger auf www.operinwien.at mit diesem Thema: Dass es sich dabei um eine Erfolgsproduktion der letzten Saison gehandelt hat, dürfte das Publikum inzwischen aber wieder vergessen haben. Im Parkett waren ein paar Dutzend Plätze leer geblieben, der Stehplatz war mäßig besucht. In der Pause lichtete sich das Feld noch einmal deutlich. Dabei ist die Aufführung einen Besuch wert und nahezu alle Vorzüge haben sich übers Jahr erhalten.

Künstlerisch - und das hat uns wohl am meisten zu interessieren - war die Wiederaufnahme ein unbestittener Erfolg - trotz Umbesetzung der Titelrolle! Bei mir kommt aber immer wieder der Kaufmann durch, deswegen das Schielen auf die Besucherzahlen.

In Superlativen schwelgt (immerhin) die "Frankfurter Allgemeine", weil dem Rezensenten Jordan Mejias nach "Anna Bolena" an der Metropolitan Opera New York sichtlich "die Rösser durchgingen":


Laut "FAZ" die regierende "Königin der Oper": Anna Netrebko


Jubel an der Metropolitan Opera: Wenn Anna Netrebko Donizettis „Anna Bolena“ singt, bleibt dem New Yorker Publikum die Luft weg. Nach diesem Auftritt zweifelt keiner daran, dass ihr der Opern-Thron gebührt.
Sie wird jetzt in einem Atemzug mit Maria Callas genannt: Sopranistin Anna Netrebko in New York

Die Met steht noch. Atemberaubend, wie sie war, hat die Schlussszene das Haus dennoch nicht zum Einstürzen gebracht. Ovationen, ja durchaus, und die obligaten Bravos für eine Königin, die im anderen Leben eine Göttin, eine Diva, ist. Die Assoluta gar? Wie gesagt, die Met steht noch. Aber jetzt, nach immerhin neun Testjahren, dürfte auch New York nicht mehr daran zweifeln, dass Anna Netrebko auf der Opernbühne heute die Krone gebührt, allem Hype und Medienrummel zum Trotz.


Innsbrucks "Lohengrin" - hier in "operettts" an der Wiener Volksoper. Mehrzad Montazeri, der "lyrische Belcantist"


Die Tiroler Tageszeitung liefert nun die lang erwartete Beschreibung der Inszenierung (eine Leserin aus Köln hat mir diese Rezension geschickt): Ein Ritter geheimnisvoller Identität, von einem Schwan gezogen, eilt einer Jungfrau zu Hilfe, hat mit der Abwehr eines dämonischen Paares zu tun, erlässt ein Frageverbot. Ein Märchen. Oder Traum, Sehnsucht, und zwischen Politik, Vision, Mythologie und Trauma changierender Kommentar. Die Regisseure wählen ihren Blickwinkel. David Prins, der Wagners „Lohengrin“ fürs Tiroler Landestheater inszenierte, hält sich da weitgehend, wenn auch nicht ganz raus. Er stülpt kein persönliches Konzept übers Stück, erzählt allein die Geschichte möglichst genau, verweist auf Deutungsmöglichkeiten, lässt viel Spielraum. Was ihm am wenigsten gelingt, ist, den großen Chor schlüssig in Bewegung zu setzen. Adäquat Chormeister Jan Altmann: Chor und Extrachor des TLT traten bei der Premiere hinsichtlich Homogenität, klanglicher Rundung und Gruppendynamik unfertig auf. Prins’ engste Partner sind der Dirigent Alexander Rumpf, und, glückloser, Kostümbildnerin Marrit van der Burgt. Sie beginnt bei den Frauen konventionell im Burgfräuleinstil, ein „schönes“ Gewand in Apricot für Elsa, in dunklem Zauberer-Rot, wie sein Gefolge mit Fellen um die Schultern, das finstere Paar Ortrud und Telramund. Die Brabanter stecken in Rastalocken-gekröntem Ethnolook, ritterlich Blau König Heinrichs Gefolgschaft. Das steigert sich bis zur Lächerlichkeit. Der Filmkitsch der Kostüme klebt das Stück zu. Überzeugender der Weg von Bühnenbildner Arnold Schalks, der aus abstraktem Schwarzweiß die Illusion einer Arena, Wegstrecke oder waldigen Höhle und mit sich drehenden Metallschrauben den stillen Wellengang des Wassers schuf.

Im Brautgemach, wo Ortrud versteckt noch immer ihre giftigen Kräfte aussendet, herrscht keusches Weiß, da outet sich Lohengrin als messianische Gestalt. Aber Elsa, die zuletzt ins Wasser geht, fragt den Gottgesandten halt doch nach seiner Identität, die zu wissen sie vernichtet, und Wagners manische, der Brabanter tumbe Erlösungssehnsucht hat einen Sprung.

Lesen Sie mehr über die Sänger in unserer Presseschau!

Leverkusen: Eine liebende Frau daran zu hindern, ihr Ziel zu erreichen, das ist „das Unmöglichste von Allem“ (Oper von von Anton Urspruch).
- so die Erkenntnis aller Beteiligter. Das Musiktheater „ Pianopianissimo“ aus München hat im Forum die komische Oper „Das Unmögliche von Allem!“ aufgeführt. Das Stück verliert sich in Effekthascherei

Eine weitere Rezension über die gelungene Bonner "Manon Lescaut" (Inszenierung Christine Mielitz" steht in der Presseschau online!

In Wiens meiner Ansicht nach bürgerlichsten Bezirk (nach der teilweisen "Vergemeindebauung" von Hietzing und Döbling), der Josefstadt, führte Artur Hartlieb-Wallthor durch seine Ausstellung rund um den Text des "Rosenkavaliers". Der Saal des Bezirksmuseums war zum Besten gefüllt, sodass die Reden/Lesungen (Fritz von Friedel, Franz Robert Wagner) sogar in einem Nebensaal auf Bildschirm zu verfolgen waren. Für seine jahrelange Mitarbeit wurde Hartlieb-Wallthor vom "Club Rofrano" mit der "Silbernen Rose" geehrt.


Birgit Minichmayr auf Wohnungssuche in München

Absolut Absolut nichts davon wissen wollte Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, dass er Schauspieler nach München an Kusej verliert. So erfährt er eben aus dem "Neuen Volksblatt", dass Birgit Minichmayr ihre Wiener Zelte abbricht und in der bayerischen Hauptstadt eine Bleibe sucht. Seltsam, dieses öffentliche Leugnen von Fakten? Oder das Nicht-Wahrhaben-Wollen, dass nicht
sein kann, was nach Direktors Meinung "nicht sein darf"?

Werden Sie jetzt nach München ziehen? Ja, ich gehe für zwei Jahre nach München und bin jetzt gerade auf Wohnungssuche, was aber nicht so einfach ist.
Mehr Infos zur Wohnungssuche


Diese Info hat Renate Wagner für uns aufgestöbert!



Wickie“ war schon als Comic-Held eine Sache für sich, er hat für die Wikinger getan, was Asterix für die Gallier leistete, wurde positives Symbol, Goldstück, Allerwelts-Liebling. Weil er eben – wie sein französischer Verwandter – Herz und Köpfchen besitzt, eine unwiderstehliche Mischung, zumal, wenn sie bei einem kleinen Jungen anzutreffen ist. Er guckt unter seinem Wikingerhelm hervor, reibt sich seine Nase, und – „Kombiniere!“, wie Nick Knatterton sagen würde, schon fällt ihm eine Problemlösung ein. Und Probleme gibt es zahlreiche, weil nicht alle Wikinger so klug sind wie er. Im Gegenteil…

Vor zwei Jahren schickte Bully Herbig den Wickie „real“ auf die Leinwand, der Erfolg war überwältigend, die Fortsetzung folglich unvermeidlich. Und auch wenn Herbig sich zurückgezogen hat (und auch Komiker-As Christoph Maria Herbst fehlt diesmal leider), so macht sein Nachfolger, Regisseur Christian Ditter, die Sache fast ebenso gut. Erstens versteht er was von Filmen mit Kindern, und zweitens hat er ganz große Ambitionen, was die Story angeht – da wird die Computertrickkiste mehr als einmal geöffnet, um das große Abenteuer auch mit entsprechend bombastischen Bildern auszustatten. Aber keine Angst, Wickie bleibt Wickie…

Auszug aus Renate Wagners Besprechung des Films.

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Anita Ekberg wird 80!

Und das machte die gnadenlose Zeit aus ihr!

Täglich laufen mir Augustin-Verkäufer über den Weg. Die Zeitung brauche ich nicht, ich gebe - je nach momentaner Stimmung und auch Einschätzung des Verkäufers gerne 2 Euronen - die Zeitung soll er /sie behalten, dann kann er/sie mit dem Verlag (hoffentlich) rückverrechnen. Eigentlich sind die "Gutmenschen" nämlich arg: die verkaufen die Zeitung um 1,25.- Euro an die (vermeintlichen) Obdachlosen, die dann für sich einen Aufschlag einheben können. In meiner Vorgangsweise fühle ich mich durch die neuesten Erkenntnisse bestätigt, denn ich will Menschen helfen, keinen Verlagen mit deren Geschäftsführern und Angestellten. Das "Geschäft mit der Armut und dem Mitleid" ist ein lukratives geworden! Mich kann man bei diversen Charitys ohnedies nicht für dumm verkaufen, aber viele gutmeinende Zeitgenossen schon!
Nun sind aber sogar ausländische Bettlerorganisationen auf die "Augustin-Aktion aufmerksm geworden - und fälschen die Zeitung um wenige Cent in der Slowakei - um sie dann illegal in Niederösterreich zu verkaufen. Pfui Teufel, kann ich da nur sagen! Wie gesagt, das "Geschäft mit dem Mitleid" ist ein schmutziges - auch bei uns in Österreich!

Reinhard Fendrich war immer schon ein "Oaschloch" - meint Wolfgang Ambros! "Oaschlöcher" gibt es überall - auch in Spendenorganisationen - siehe oben!

Vergessen Sie nicht: Heute um 18 h Wiener Volksoper/Probebühne. Wahl zum Pubikumsbeirat der Staatsoper. Unser Kandidat. Dr. Hans Sabaditsch!

Den Montag merken Sie sich bitte auch vor. 19,30 h in der Villa Wertheimstein. "Starke Frauen in der Oper" im "Merker-Kunstsalon"!

Damit schließe ich für heute und wünsche einen schönen Tag!

A.C
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FREITAG, 30. SEPTEMBER 2011
Konnte Maria Callas wirklich alles singen - oder hat sie es bloß getan? (Auszug aus unserem Forum). Eine Hymne aus New York bewegt derzeit unsere diskutierenden Opernfreunde.

Es ist keineswegs egal, welche Zeitung nun Anna Netrebko auf eine Stufe mit Maria Callas hebt. Die gestern erstmals veröffentlichten Zeilen aus der "Frankfurter Allgemeinen" - der man Weltformat zugestehen muss - erregen die Gemüter unserer Opernfreunde. Stünden sie in der Bild-Zeitung, wären sie keine Aufregung wert, so aber erheben sie durch die "FAZ" Anspruch darauf, durchaus ernstgenommen zu werden!

"Pavarotti-Fan" dürfte kein großer Amici der Amerikaner sein: Der Vergleich mit der CALLAS ist nur peinlich. Was die meisten Amerikaner, die sich leider kulturell immer noch im Status der Cowboys, Büffelkiller und Indianerjäger befinden da lallen, muss eine kultivierte Zeitung nicht unbedingt nachbeten.

Anderseits, "anony", von dem der von mir eingangs zitierte Satz stammt, bezweifelt, dass die Callas heute als "Carmen" wirklich durchginge!

Jan de Turovsky, der meiner Vermutung nach in den USA lebt, sandte mir folgende Mail als Replik auf untenstehenden Netrebko-Artikel: Lieber Anton Cupak, protestiere vehement gegen die Gleichsetzung der Netrebko mit Maria Callas durch wen auch immer. Habe die Callas fünf Mal live gehört. Gegen sie ist die Netrebko Stadttheaterniveau, wenn auch hohes. Schlimm, wenn die Pferde durchgehen oder man den Verstand verliert.
Best wishes
Jan de Turovski

Damit die neu hinzugekommenen Leser wissen, worüber wir diskutieren, lasse ich den besagten Artikel heute noch stehen, nehme aber für mich in Anspruch, ihn mit der Vermutung, dass hier wohl im Stile eines Fans "die Rösser durchgegangen sind" kommentiert zu haben!

In Superlativen schwelgt (immerhin) die "Frankfurter Allgemeine", weil dem Rezensenten Jordan Mejias nach "Anna Bolena" an der Metropolitan Opera New York sichtlich "die Rösser durchgingen":

Laut "FAZ" die regierende "Königin der Oper": Anna Netrebko

Jubel an der Metropolitan Opera: Wenn Anna Netrebko Donizettis „Anna Bolena“ singt, bleibt dem New Yorker Publikum die Luft weg. Nach diesem Auftritt zweifelt keiner daran, dass ihr der Opern-Thron gebührt.
Sie wird jetzt in einem Atemzug mit Maria Callas genannt: Sopranistin Anna Netrebko in New York

Die Met steht noch. Atemberaubend, wie sie war, hat die Schlussszene das Haus dennoch nicht zum Einstürzen gebracht. Ovationen, ja durchaus, und die obligaten Bravos für eine Königin, die im anderen Leben eine Göttin, eine Diva, ist. Die Assoluta gar? Wie gesagt, die Met steht noch. Aber jetzt, nach immerhin neun Testjahren, dürfte auch New York nicht mehr daran zweifeln, dass Anna Netrebko auf der Opernbühne heute die Krone gebührt, allem Hype und Medienrummel zum Trotz.

Über "Eugen Onegin" an der Wiener Staatsoper habe ich zwar zwei "Merker"-Kritiken eingestellt, die sich in weiten Belangen decken, obwohl beide Rezensenten einander nicht einmal kennen, in der Tagespresse jedoch noch keine veröffentlichte Meinung gefunden. Ein völlig anderer Aspekt tauchte jedoch in unserem Diskussionforum auf: Wie kann man eine Oper, die etwa zweidreiviertel Stunden reine Spieldauer hat, so "teilen", dass die erste und einzige Pause nach mehr als zwei Stunden erfolgt? Ich war diesmal selbst in der Oper und ertappe mich immer wieder dabei, dass mich andere Vorgänge mehr interessieren als die Aufführung, wegen der ich eigentlich gekommen bin. Meine Beobachtung: So glaubten doch tatsächlich gar nicht so wenige touristisch unterwegs befindliche Opernbesucher, dass das Stück nun lange genug gedauert hat und mit dem in den meisten Opern üblichen Todesfall (Lenski) zu Ende sei. Folge: ein Exodus in der Pause, obwohl die Oper fast durchgelitten war!

Nun dauert der dritte Aufzug der "Meistersinger" oder der erste Aufzug "Götterdämmerung" auch sehr lange - nur weiß man das vorher und Besucher mit Blasenschwäche können sich danach richten (oder erst gar nicht gehen, bzw. vor der Aufführung durch einen Besuch des WCs vorbeugen)! Auch "Rheingold" ist insgesamt etwas länger als dieser erste Teil "Eugen Onegin" . Aber bei dieser Inszenierung wird der Besucher ziemlich unerwartet und ohne Vorwarnung mit der seltsamen Teilung konfrontiert, weil der Regisseur "die Spannung halten wollte" . Das ist tröstlich für Besucher, die die Pause aus oben erwähnten Gründen herbeisehnen!

Dass der Direktor in seiner Loge mit solchen menschlichen Bedürfnissen nicht konfrontiert ist, glaube ich ihm gerne, auch die anderen Staatsopern-Mitarbeiter genießen Logen-Komfort. Meine Begleiterin und ich saßen jedoch auf den sogenannten "billigen Plätzen" auf der Galerie. Und da merkten wir schon störende "Menschenwanderungen"! Liebe Damen und Herren der Wiener Staatsoper, denken Sie einmal darüber nach, bevor Sie Ihre Besucher Höllenqualen aussetzen - aus einer Laune eines Einzelnen heraus!

Alexander Pereira tritt am Samstag offiziell sein Amt in Salzburg an

Mit einer ganz Großen der Oper habe ich den heitigen Kommentar begonnen, nun steige ich zu begnadeten Netzwerkern herab, die aber im Moment auch immens wichtig, wenngleich keine "Großen" sind. Am Samstag ist der erste offizielle Arbeitstag des neuen Salzburger Festspielintendanten Alexander Pereira. Dieser ist der "Wiener Zeitung nachstehenden Kommentar wert: Ab Samstag haben die Salzburger Festspiele einen neuen Intendanten: Der 63-jährige Wiener, Alexander Pereira, ist für fünf Jahre bestellt und übernimmt von Markus Hinterhäuser, der die Festspiele ebenso kurz wie erfolgreich geleitet hat. Pereira bleibt parallel zu seiner Intendanz in Salzburg bis zum Ende der laufenden Saison, also bis zum Sommer 2012, Leiter des Opernhauses Zürich. Am Dienstag wird Pereira die erste Abteilungsleiter-Sitzung in Salzburg leiten, um am Tag darauf in Zürich die Neuausrichtung des Young Conductors Award der Salzburger Festspiele zu erläutern. Sein erster großer Auftritt als Festspiel-Intendant ist für den 11. November geplant, da steht die Präsentation des Salzburger Sommerprogramms im Kalender.

Aber es regt sich bereits heftige Kritik an seinen Plänen

Von Pereiras Plänen sind eine Reihe von durchaus zentralen Details bereits durchgesickert. So soll Peter Stein 2013 Verdis "Don Carlos" inszenieren, und Daniele Gatti dirigiert im Wagner-Gedenkjahr "Die Meistersinger von Nürnberg". Bereits im kommenden Sommer wird Ingo Metzmacher Bernd-Alois Zimmermans "Die Soldaten" verantworten, und auch "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss ist im Gespräch. Zudem soll Nikolaus Harnoncourt mit einer "Zauberflöte" nach Salzburg zurückkehren. Außerdem sind "Carmen" und "La Boheme" mit Anna Netrebko und Piotr Beczala in den Hauptrollen vorgesehen.

Letztere Vorhaben sind bereits auf harsche Kritik gestoßen. Die drei meistgespielten Opern der Musikgeschichte könnten wohl nicht für ein festspielwürdiges Abheben vom Alltag stehen.

Und Peter Stein wird 2013 sicher nicht interessanter sein als heute - meine ich!

Wir bleiben in Wien. In den letzten Jahren aber sind die Auftritte Claudio Abbados - auch aus gesundheitlichen Gründen - zu seltenen, dafür umso bedeutenderen Ereignissen geworden. Dem Musikverein jedoch hält Abbado die Treue. Nicht zuletzt mit dem unter seiner Schirmherrschaft stehenden Orchestra Mozart, das 2004 in Bologna mit dem Ziel gegründet wurde, jungen Musikern nebst erfahrenen Kollegen eine internationale Plattform zu geben. Im Musikverein hatte das Orchestra Mozart nun diese Plattform. Auch dank Claudio Abbado, der den überwiegend jungen Damen und Herren alles, aber wirklich alles abverlangte und dafür mit Ovationen belohnt wurde. (Auszug aus dem "Kurier")

Renate Wagner besuchte "Baal" in der Neuen Oper Wien. Wieso im Heft Gottfried von Einem als "Baal"-Komponist genannt wurde, weiß ich nicht, das dürfte auf eine Verkettung unglücklicher Zufälle zurückzuführen sein, Denn, glauben Sie mir, die Heft-Chefin kennt ihren Friedrich Cerha im Schlaf! Und ich habe es bei "Online" leicht: derartige Fehler lassen sich binnen Sekunden beheben!

Ein Auszug aus Wagners Rezension: Trotz aller Bemühungen: Die dreieinviertel Stunden werden schon sehr lang, der Abend hängt mehr als einmal durch, wenngleich er sich immer wieder zu musikalischen Höhepunkten ballt. Es ist keine akademische Musik, sondern eine sehr lebendige, die sich auch ohne Scheu etwa an amerikanischen Unterhaltungsrhythmen (oder Alban Berg) anlehnt. Aufregen wird das freilich niemanden. Vor drei Jahrzehnten war man dankbar, dass es „modern“ klang und nicht wehtat. Für uns ist das ein moderierter Klassiker. Freundlich, herzlich, aber letztlich doch moderiert war auch der Beifall, selbst als Kobéra den Komponisten im Zuschauerraum für die Zustimmung der Zuschauer freigab.

Einen ersten Probenbericht gibt es von Verdis "Don Carlo". Marco Arturo Marelli inszeniert an der Deutschen Oper in Berlin.

An der Komischen Oper hat am Sonntag Janaceks "Das schlaue Füchslein" Premiere. Weil darin putzige Tiere vorkommen, glauben viele Eltern, dass das eine Kinderoper sei - und richten damit immensen Schaden an - für die Oper im Bewusstsein der Kinder!

In Duisburg hat heute "Dialogues des Carmélites" von Poulenc Premiere. RP-online" bietet eine Vorschau: Regisseur Guy Joosten will zeigen, welche Provokation eine solche Gemeinschaft für eine Gesellschaft sein kann, nicht nur unter einem Terror-Regime. Er folgt dabei einem Gedanken der Karmelitin Edith Stein, die von den Nazis ermordet wurde, dem zufolge eine Gemeinschaft von Individuen zur Freiheit fähig sein kann, im Gegensatz zur gesichtslosen Masse.

Am Freitag, 30. September, 19.30 Uhr, übernimmt die Deutsche Oper am Rhein ihre erfolgreiche Produktion dieser Oper in ihr Duisburger Haus. Die Besetzung der vielen, fast ausschließlich weiblichen Rollen ist dabei komplett neu, allen voran die bewährte Sopranistin Sylvia Hamvasi als Blanche und die Mezzosopranistin Susan Maclean als Priorin Mme de Croissy, die kurz sich vor ihrem Tod in Blanche gespiegelt sieht.

Renate Wagner kennt "ihren Schnitzler" in- und auswendig! Demnach schmerzt es sie, wenn sich Regisseure, denen Schnitzler nicht allzu vertraut ist, des Autors annehmen. So wie etwa Igor Bauersima im Wiener Theater in der Josefstadt bei der "Traumnovelle": Kein Glücksfall für die Josefstadt, die doch einmal ein dezidiertes „Schnitzler-Haus“ war. Da lag der Grundfehler schon in der Personalentscheidung für diese bestellte Uraufführung – Bauersima mag einer jener Autoren sein, die unsere Bühnen derzeit mit Gebrauchsstücken (einmal spielen und vergessen) beliefern – aber von Schnitzler hat er keine Ahnung.

Mary Surratt war gewiss im höheren Sinne nicht unschuldig. In ihrem Gästehaus gingen die „Verschwörer“ gegen Lincoln aus und ein, ihr Sohn war selbst einer. Frederick Aiken wird nun von seinem Chef, der selbst nicht in das Wespennest stechen will (brillant: Tom Wilkinson), mit der Verteidigung der Dame beauftragt. Sie ist das eigentliche Zentrum des Films – die unglaublich damenhafte, zurückhaltende, keinerlei Emotionen zeigende Robin Wright (den Doppelnamen hat sie mit Ex-Gatten Sean Penn hinter sich gelassen). Um ihr Schicksal geht es, und es ist ein historisches Faktum, dass die jungen USA schweres Unrecht auf sich geladen haben: Sie setzten den Freispruch aus und richteten sie aus propagandistischen Gründen hin.

Darum geht es Robert Redford in seinem Film, brillant gespielt, aber nie ein schwungvolles Kostümdrama, immer eine tiefstinnerst trockene Sachverhaltsdarstellung auf hohem Niveau, mit Gleichnishaftigkeit und Belehrungsanspruch.

Dies ist ein Auszug aus Renate Wagners Filmbetrachtung. Auch "Atmen" von Karl Markovics wird heute besprochen: Der Film läuft so langsam, dass man sich fragt, ob er mehr als die Schilderungen von Arbeits- und Gefängnisalltag bringt, aber dann trägt eine Leiche einen Nachnamen, den Roman kennt. Offenbar stellt er sich die Frage, ob das seine Mutter sein könnte. Auf der Suche nach ihr, die er findet und undramatisch zum Sprechen bringt, gelingt es Markovics, einen gänzlich tragischen Lebenshintergrund seiner Hauptfigur zu zeichnen, ohne im geringsten sentimental zu werden: Aber eine Unterschicht-Mutter, die ihr Kind einfach weggibt, weil sie sich mit seiner Existenz nicht auseinandersetzen will, legt diesem Geschöpf eine schwere Hypothek in die Wiege. Erschütternd als Schicksal ohne Ausweg einerseits, als selbstverständliches Ego-Monster andererseits: die ganz normale Prolo-Frau der Karin Lischka, stellenweise atemberaubend.

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Wenn Sie glauben, dass unsere Serverprobleme behoben sind, irren Sie sich leider. Immer wieder fällt die Site aus, in letzter Zeit gottlob nur kurzzeitig. Es kann einer von hundert in Frage kommender Fehler sein - aber auf den müssen wir erst kommen! Wir arbeiten daran, gehen Sie also zwischenzeitlich nicht fremd!

Einen schönen Freitag wünscht

A.C
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SAMSTAG, 1. OKTOBER 2011

Heute Otello-Premiere in Graz. James Rutherford als Jago im Clownskostüm!. Wenn Laptop und Server mitspielen, haben wir gorgen früh den ersten Premierenbericht!

Merker-Mitarbeiter Ing. Peter Skorepa ist nämlich bereits nach Graz unterwegs!

Apropos Server! Gestatten Sie mir einige Worte in eigener Sache. Angeblich sollen vereinzelt Besucher in Deutschland nach dem Serverwechsel die Site nicht empfangen können. Das könnte am Browser liegen - aber fragen Sie mich nicht nach technischen Details. Jedenfalls haben wir derzeit einige Probleme, bei der Umstelllung wurde ein Programmierfehler offenkundig, der die Site eine Unmenge von Daten produzieren lässt, die sich noch dazu immer speichern bzw. vervielfachen. Leider bin ich diesbezüglich totaler Laie, wenn Sie mir mit Beobachtungen weiterhelfen können, wäre ich Ihnen sehr verbunden! Ein Tipp von mir: In den vergangenen Tagen bekam ich manchmal unmittelbar nach dem Einstieg die Meldung "Keine Verbindung" zu sehen. Ich habe es dann ein weiteres Mal versucht - und plötzlich war die Verbindung da! Bleiben auch Sie hartnäckig!!

Nun aber zu "Otello" nach Graz. "ORF.at" bietet einen ganz kurzen Einblick in die Gedanken des Regisseurs:

Regisseur Stephen Lawless steckt Jago in ein Clownkostüm. Der Brite zeigt ihn als eine Art Spiele-Macher, der im wahrsten Sinne die Vorhänge zieht, sein grausames Spiel mit den anderen treibt. Lawless lässt auf einer beinahe leeren Bühne spielen, in historischen Kostümen zwar, aber nicht historisierend, ist die Verdi-Oper für ihn doch zeitlos.

"Im Credo sagt Jago, dass nach dem Tod nichts mehr kommt", so Lawless. "Wenn kein Urteil über uns gefällt wird, warum sollte man dann gut sein? Das ist glaube ich eine zeitlose Geschichte."

James Rutherford ist dieser Jago, Frank van Aken der Otello. Warten wir auf den ersten Premierenbericht - so der Server will! Vergangenes Wochenende wollte er ja nicht!

Die Diskussion um den Vergleich Maria Callas / Anna Netrebko in unserem Forum geht weiter

Peter Skorepa fiel dazu ein bemerkenswerter Satz ein: Natürlich kann man heute der A.N. den Thron zusprechen, der Callas allerdings muß sie sehr wohl zu Füßen Platz nehmen. Die Töne der Netrebko machen sich wohlwollend im Ohr breit, die Töne der Callas hingegen gingen unter die Haut.

Dazu passend auch noch ein Auszug aus unserem Diskussionsforum:

Mein Gott Leute, warum soviel Aufregung um einen simplen Medienartikel? Warum?? Diese Zeitung galt bisher als seriöseste und im Kulturbereich sehr qualifiziert besetzt. (Anm.d.Red.: Gemeint ist die "Frankfurter Allgemeine")

Da schreibt halt ein verblendeter Fan der von seinem Fach nicht all zu viel zu verstehen scheint?Nein - das ist ein Zeichen der Zeit, nämlich das Outsourcing von qualifizierten Kulturredakteuren. Man beschäftigt nur noch freie, billige Mitarbeiter, die um ihren Job fürchten müssen, sobald sich jemand beschwert. Ich könnte da gleich mehrere konkrete Fälle aufzeigen. Deswegen schreiben sie, was die Leute lesen wollen - die Fans im Besonderen. Ahnung haben sie wenig. Mehr kriegt man auch auf dem Markt für sowenig Geld nicht.

Die letzte Person nämlich, die den Ausdruck "Assoluta" verwenden würde, ist nämlich die Netrebko selbst! Sie weiss genau, was sie kann, wählt ihre Rollen klug aus und sagt zu vielem Nein (das verbindet sie mit der großen Freni, die trotz Fachwechsels auch nie eine Assoluta war).

Wegen einer Intervention hinausgeworfen zu werden, müssen Mitarbeiter beim Online-Merker nicht fürchten. Interventionen prallen an mir ab, diese Versicherung kann ich abgeben. Man kann mit mir sehr vernünftig reden, aber niemand darf drohen! Trotzdem habe ich das Problem, dass manche Mitarbeiter den Weg des geringsten Widerstandes gehen und schmeichelweich berichten - und zwar immer und überall! Nur nicht anecken wollen - Freunde, das kann es doch auch nicht sein!!

Wiener Staatsoper/ "Eugen Onegin": Immer wieder freue ich mich, wenn die ersten Eindrücke unserer Rezensenten einen oder gar einige Tage später von der "Berufspresse" bestätigt, vielleicht sogar aufgegriffen werden! In der "Presse" liest sich die "Eugen Onegin"-Kritik so: Pavol Breslik schaffte es, dem Lenski innige Momente abzuringen. Ain Anger orgelte brav den Fürst Gremin, Nadia Krasteva war eine kokette Olga, Norbert Ernst ein tüchtiger Triquet. Markus Eiche sang zum ersten Mal den Onegin in Wien, geschmeidig, kultiviert, er hat aber zur überzeugenden Rollendeckung noch einigen Aufholbedarf. Meilenweit überholt hat Olga Guryakova die Tatjana, mit ihrem tremolofreudigen, in der Höhe schrill, hart und unpräzise klingenden Sopran. Kurz: Diese Tschaikowsky-Szenen müssen ihre Lyrik im Staatsoper-Alltag noch finden.

Cerhas "Baal" an der Neuen Oper Wien. Eine seltsame Männerfreundschaft: Baal (Sebastien Soules) und Ekart (Michael Wagner).

So bleibt die Inszenierung als respektable Umsetzung eines schwierigen Stoffes in Erinnerung, bei der zweifellos der orchestrale Part den meisten Glanz versprühte. Dirigent Walter Kobera setzt mit dem Amadeus Ensemble Wien den flächig-elegische Grundton wirksam um, und auch die dramatischen orchestralen Zuspitzungen behalten in ihrer Heftigkeit Transparenz. Viel Applaus der Anwesenden, zu denen auch der erfreut wirkende Komponist zählte. (Auszug aus dem "Standard")

Umbesetzung im Theater an der Wien: Am 15. November kommt die Oper "Gogol" der jungen russisch-amerikanische Komponistin und Dichterin Lera Auerbach im Theater an der Wien zur Uraufführung. Wegen einer längerfristigen Erkrankung hat Bo Skovhus vor wenigen Tagen die Titelpartie zurückgelegen müssen. Die Rolle wird aufgeteilt und vom österreichischen Bariton Martin Winkler und dem deutschen Bassbariton Otto Katzameier übernommen.

Otto Katzameier

Lera Auerbach zeigt in ihrem Auftragswerk Momente der Zerrissenheit und Verzweiflung aus der letzten Lebensphase des großen, russischen Dichters Nikolai Gogol. Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Vladimir Fedoseyev spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. (Quelle: "Der Standard")

Henrik Nánási dirigiert in Frankfurt "L'Etoile"

Der ungarische Dirigent Henrik Nánási, der ab der kommenden Spielzeit neuer GMD der Komischen Oper in Berlin wird, studiert gerade an der Oper Frankfurt die 1877 komponierte Opéra-bouffe „L’Étoile“ von Emmanuel Chabrier ein. Diese Belle-Époque-Operette wurde in den 1870ern rund 50 Mal gespielt, dann aber bis in die 1980er Jahre hinein vergessen. 2009 wurde sie am Théâtre de Genève, 2010 an der Berliner Staatsoper neu herausgebracht. Am Sonntag folgt die Frankfurter Erstaufführung
Ein Interview mit Henrik Nánási lesen Sie in der "Frankfurter Rundschau"

Nach Dortmund! "Der Westen.de" hat mit dem neuen Intendanten (als Intendant ist er noch "Azubi") Jens Daniel Herzog gesprochen: Das Publikum ist nicht immer gut auf die Dortmunder Oper zu sprechen...

Ich bin hier so oft wie noch nie in einer Stadt gefragt worden, ob ich denn auch dieses böse Regietheater mache... Die Menschen haben scheinbar eine große Furcht davor.

Was schließen Sie daraus?

Erstmal muss ich antworten, dass ich natürlich für Regietheater stehe, ich bin ja Regisseur. Ich respektiere aber, dass es da eine Angst gibt. Das Vertrauen des Publikums in die Theatermacher scheint gestört. Das müssen wir uns wieder erkämpfen. Wir werden dem Publikum nicht einfach was vorsetzen und sagen „Friss oder stirb!“ Wir werden uns aber auch nicht ranschmeißen. Es geht darum, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Man kann eine Aufführung nicht mögen und trotzdem über sie diskutieren. Schlimm ist nur, wenn man nicht mehr hingeht und das Theater einfach ignoriert.

Frau Pesch, geschäftsführende Direktorin der Oper, hat gesagt, sie erwarte nicht, dass Sie rasch die Auslastung erhöhten. Ist das nicht auch die deprimierende Erkenntnis, wie schlecht es dieser Oper geht?

Man macht nicht das Licht an, und dann sind die Leute wieder da. Das dauert, das muss sich rumsprechen. Jürgen Klopp hat mal gesagt: Ballverlust als Chance. Denn danach kann man das Spiel neu aufbauen.

Jetzt hat Herzog bei mir einen Stein im Brett, denn er zitiert Jürgen Klopp, den Dortmunder Fußball-Meistermacher. Und er tut gut daran, denn wer die Zusammenhänge zwischen Fußball und Theater nicht erkennt, hat wenig Ahnung vom Theater!

Das "Lohengrin"-Ensemble der Bayerischen Staatsoper nach der Gastspiel-Vorstellung in Japan

Die "Münchner Abendzeitung" wirft einen Blick hinter die Kulissen: Weltstar Edita Gruberova hatte ein eigenes Strahlenmessgerät dabei. Bariton Paolo Gavanelli war gar nicht erst mitgeflogen. Er bekam es mit der Angst zu tun, was aber in seinem mit der Bayerischen Staatsoper abgeschlossenen Vertrag nicht als Rücktrittsgrund vorgesehen ist. Also zog er sich eine Mittelohrentzündung zu. Doch Opernchef Nikolaus Bachler glaubt ihm nicht. Jetzt geht es vor Gericht.

Wegen der Katastrophe von Fukushima stand die siebte Japan-Tournee der Münchner Oper vor einigen Problemen. Von den geplanten 400 mitreisenden Künstlern, Musikern und Bühnenarbeitern blieben etwa 100 zu Hause. Sie mussten unbezahlten Urlaub nehmen. Im Chor und im Orchester ist jeder Zweite ein Gastarbeiter.

Auch wenn die Offiziellen das nicht so gerne hören mögen: Gelegentlich merkte man es schon – weniger bei Donizettis „Roberto Devereux” als bei Wagners „Lohengrin”. Daran nicht ganz unschuldig war Chefdirigent Kent Nagano, der in der wunderbaren Suntory Hall die vierte Symphonie von Brahms zu einer Musik für Schildkröten verwandelte: Das klang wie auch manches im „Lohengrin” spannungslos und nahezu lethargisch.

Die Ungereimtheiten der „Lohengrin”-Inszenierung von Richard Jones ertrug das japanische Publikum mit Fassung. Der Beifall danach war herzlich, aber nicht euphorisch. Gefeiert wurden vor allem Waltraud Meiers noch immer phänomenale Ortrud und der über sich selbst herauswachsende Johan Botha in der Titelpartie. Sogar Musiker kamen ins Schwärmen: „Alles, was Jonas Kaufmann spielt, das singt Botha”, meinte ein Geiger wenig galant. Der Münchner Tenor musste bekanntlich wegen einer Operation zuhause bleiben.

Jetzt wissen wir also, dass Paolo Gavanelli gekniffen hat und geklagt wird. Und dass Johan Botha mühelos mit Jonas Kaufmann mithalten kann, weiß ich schon lange. Gemeint ist aber nicht das Aussehen! Das konnte ich unlängst genau aus nächster Nähe betrachten, als ich Botha bei "Obi" in der Wiener Hadikgasse begegnete, als er Pflanzen für seinen Garten einkaufte!

Woyzeck und die Tiger Lillies im Wiener Museumsquartier

Man kennt das „Händchen“ der scheidenden Vereinigte-Bühnen-Intendantin Kathrin Zechner für „Events“ (für Wrabetz scheint das ja der Rettungsanker für seinen maroden ORF zu sein): Es ist ihr gelungen, ein Stück, das sich normalerweise nicht viele Leute ansehen würden, durch den chicen Aufputz zum Hit zu machen. Noch eine Woche nach der Premiere war der wahrlich nicht kleine Saal im MuseumsQuartier rappelvoll (wie es sich etwa die Festwochen nur erträumen können). Ob das, was man gesehen hat, neben der unzweifelhaften Qualität der Darbietung wirklich inhaltlichen Standards standhält, das muss jeder für sich beurteilen.

So endet Renate Wagner ihre Rezension (online in unserer Rubrik). Man muss - wie etwa ich - die "rote" Kathrin Zechner nicht mögen, aber dass sie tüchtig ist und voraussichtlich der "Beste Mann im Wrabetz-Team" ist, kann man nicht leugnen!

Auch bei Schnitzlers "Traumnovelle" (Wien/ Theater in der Josefstadt) deckt sich die Ansicht unserer Rezensentin in etwa mit jener des "Kurier". Igor Bauersima inszenierte weder erotisch noch gefährlich, sondern schwerfällig und langweilig!: Ergebnis: Das ist kein wirklich schlechter Abend - dazu sind alle Beteiligten (vor allem Schnitzler) zu gut. Nur ein recht fader.
Bleibt eine Frage: Warum ist es überhaupt notwendig, einen großartigen Prosatext zu einer Bühnenfassung zu marginalisieren? Wenn man ja auch - wenn es schon um Schnitzler, Sex und seelische Abgründe gehen soll - "Das weite Land" zur Verfügung hätte? Da die Josefstadt es trotzdem versucht hat, kann man ihr den Vergleich mit dem großen Stanley Kubrick nicht ersparen. Seine Filmversion "Eyes Wide Shut" - für die er die vorhandenen Krisen seines Darstellerpaares Tom Cruise und Nicole Kidman gnadenlos ausbeutete - war ungleich gefährlicher, erschreckender und auch erotischer.
Am Ende gab es wenig begeisterten Applaus vom größeren Teil des Premierenpublikums - und trotzig klingende Bravos vom kleineren.

Auszug aus Renate Wagners Filmbetrachtung. "Atmen" von Karl Markovics wird heute besprochen: Der Film läuft so langsam, dass man sich fragt, ob er mehr als die Schilderungen von Arbeits- und Gefängnisalltag bringt, aber dann trägt eine Leiche einen Nachnamen, den Roman kennt. Offenbar stellt er sich die Frage, ob das seine Mutter sein könnte. Auf der Suche nach ihr, die er findet und undramatisch zum Sprechen bringt, gelingt es Markovics, einen gänzlich tragischen Lebenshintergrund seiner Hauptfigur zu zeichnen, ohne im geringsten sentimental zu werden: Aber eine Unterschicht-Mutter, die ihr Kind einfach weggibt, weil sie sich mit seiner Existenz nicht auseinandersetzen will, legt diesem Geschöpf eine schwere Hypothek in die Wiege. Erschütternd als Schicksal ohne Ausweg einerseits, als selbstverständliches Ego-Monster andererseits: die ganz normale Prolo-Frau der Karin Lischka, stellenweise atemberaubend.

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Zwei Idioten, die in Wien ahnungslose Passanten vom Auto aus beschossen, wurden nun verhaftet.

Mit diese guten Meldung entlasse ich Sie in ein hoffentlich schönes Wochenende!

A.C.
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SONNTAG, 2. OKTOBER 2011
Otello" in Graz. James Rutherford (Jago), Frank van Aken (Otello).

Peter Skorepas Bericht von der gestrigen Premiere steht online!: Eine zuletzt stark bejubelte Aufführung mit hohen Regieanteilen, aber ohne Regiemätzchen. Opernbesuch also ohne Angsterwartung für Abonnenten.

Morgen berichten wir ausführlicher!

Wiener Staatsoper: Jetzt kenne ich mich nicht ganz aus: Verstehe ich den „Prolog“ von Oktober richtig, dann gibt es im Oktober keine Vorstellungen mehr von der "Oper am Platz"! (Übertragungen auf den Karajanplatz)

Da möchte ich schon nachfragen: Bisher war Oktober (ebenso wie September und Mai / Juni) ein Monat, wo Opern auf den Platz übertragen wurden. Renate Wagner wollte sogar anregen, dass die Wiener Staatsoper den Thielemann-Ring Anfang November noch vors Haus geben (wer frieren will, soll doch die Möglichkeit dazu bekommen!!!), weil er eben nur einmal ist und ein wirklicher Wirbel darum sein wird.

Heute wird der "Echo-Klassik" vergeben. ZDF sendet ab 22 h eine Aufzeichnung der Veranstaltung.

Kleopatra Sofrionou, Manfred Honeck, Stephan Braunfels. Foto: Dr. Klaus Billand

Anlässlich der bevorstehenden Vergabe des Deutschen Musikpreises Echo Klassik 2011 in der Kategorie „Welt-Ersteinspielung des Jahres“ für die Aufnahme der „Jeanne D’Arc, Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna“ von Walter Braunfels mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Manfred Honeck (Decca) lud der Enkel des Komponisten und Architekt Prof. Stephan Braunfels am Morgen nach einem Gedenk-Konzert des Pittsburgh Symphony Orchestra an den 11. September 2001 unter Leitung von Manfred Honeck in der Berliner Philharmonie (u.a. eine exzellente Interpretation der Symphonie Nr. 5 cis-Moll von G. Mahler) zu einem Pressegespräch in einem Berliner Hotel ein. Der Echo Klassik ist der renommierteste Klassikpreis der Welt und wird seit 1994 verliehen.

Unser Mitarbeiter Dr. Klaus Billand berichtet von diesem Pressegespräch.

Eine Premiere gibt es heute an der Oper Frankfurt: Emmanuel Chabriers "L'Etoile".

Sharon Carty, Juanita Lascarro. Foto: Wolfgang Runkel

Die Theologie des Tübinger Professors Hans Küng wird vertont. Die Berliner Philharmoniker werden am 13. Oktober das Werk "Weltethos" uraufführen. In dem rund eineinhalbstündigen Chor- und Orchesterwerk hat der britische Komponist Jonathan Harvey die Gedanken des 83 Jahre alten Theologen zu den Weltreligionen musikalisch umgesetzt. Das Libretto hat Küng selbst geschrieben. (Auszug aus der "Kleinen Zeitung").

Die junge Pianistin Alice Sara Ott hat Beethovens Waldsteinsonate eingespielt.

Technisch mühelos, allein, es fehlt ihr noch an Lebenserfahrung. Lesen Sie weiter in der "Zeit online"!

Heiner Wesemann war für uns im Wien Museum und berichtet über Wiens berühmtesten "Mohren":
Dass es "Mohren" im Wien der Maria Theresia gab, weiß der Opernfreund aus dem "Rosenkavalier", wo Hugo von Hofmannsthal dem kleinen Pagen der
Marschallin sogar die Schlusspointe der Oper zugeteilt hat. Der bekannteste "echte" Schwarze damals war Angelo Soliman, der schon zu seinen Lebzeiten Berühmtheit erlangt und sie über seinen Tod hinaus behalten hat. Gerade heute gilt er uns als warnendes Beispiel dafür, wie einst, im Wien des 18. Jahrhunderts, mit "Andersartigkeit" umgegangen wurde - wobei man allerdings nicht in den Fehler ahistorischen Denkens verfallen darf, unsere
Vorstellungen und unsere moralischen Maßstäbe auf die Vergangenheit anzulegen. Angelo Soliman, dem das Wien Museum nun eine Ausstellung widmet, ist nicht nur schandbar "ausgestopft" worden: Davor gab er sogar ein positives Beispiel - wie man durch eigene Fähigkeiten aus der
Chancenlosigkeit in die Bedeutung aufsteigen kann.
Auch Oper ist ein Medium, das auf den Zeitgeist reagiert, und wenn Emanuel Schikaneder mit dem Monostatos einen wahrlich "hässlichen" Mohren in die" Zauberflöte" schrieb, hässlich an Angesicht und Charakter, dann reflektierte er zweifellos etwas vom Bewusstsein seiner Epoche. Die Ausstellung im Wien Museum, die von Philipp Blom kuratiert wurde, befasste sich demgemäß zu Beginn mit dem Bild, das sich Europa seit dem 16. Jahrhundert von Afrika machte. Dabei ähnelt der "Exotismus" jenen
Vorstellungen, die man auch von der "Neuen Welt" hatte (wilde Tiere, abenteuerliche Gewänder, furchterregende Sitten). Der Sklavenhandel erreichte auch Europa, obwohl es vor allem ein "weißes" Amerika in den Südstaaten war, das seinen Reichtum aus der Arbeitskraft importierter Afrikaner zog.
Mit 75 Jahren Lebensdauer wurde Angelo Soliman für die damalige Zeit ziemlich alt. Wenn Dr. Franz Joseph Gall, Vertreter der "Schädellehre", von dem Toten einen Abguss seines Kopfes wünschte, war das wissenschaftliches Interesse und keinerlei Missachtung. Dass man Soliman jedoch wie einem Tier die Haut abzog und ihn ausstopfte, um ihn als "Wilden" im Naturmuseum des Kaiser Franz auszustellen, erscheint der Nachwelt als Leichenschändung der übelsten Art. Die Ausstellung hat dazu nur noch den Schaukasten für den "präparierten Afrikaner" zu bieten. Zwar hat Solimans Tochter Josephine den harten Kampf um eine würdige Beerdigung des Vaters verloren, aber als während der Revolution von 1848 Teile der Hofburg in Brand gerieten, kam Soliman unvorhergesehen zu einer Feuerbestattung.

Martin Kusej ist dieser Tage ein gefragter Interview-Partner

Auszug aus einem Interview mit dem "Münchner Merkur": Das Münchner Residenztheater ähnelt in diesen Tagen einem Bienenstock: An der Pforte ein Kommen und Gehen der Schauspieler, Techniker, Handwerker und anderer Mitarbeiter des Hauses. Im Hof harren halbfertige Kulissenteile ihrer Vollendung, und manches Büro versprüht noch den Charme des Übergangs. Am Donnerstag beginnt mit seiner Inszenierung von Arthur Schnitzlers „Das weite Land“ die Intendanz von Martin Ku(s)ej am Bayerischen Staatsschauspiel. Verglichen mit dem Gewusel um ihn herum wirkt der 50-jährige Kärntner beim Gespräch gelassen und aufgeräumt. Doch der Eindruck täuscht, wie der neue Hausherr später verraten wird.
Sie sind sicher froh, dass Ihre erste Spielzeit als Intendant des Residenztheaters endlich losgeht...
Ja, allerdings sind das momentan eher verschiedene Wellen, durch die ich muss. (Lacht) Die Phase, in der ich froh war, dass es losgeht, war Anfang September. Gerade bin ich so überdreht, dass ich gar nicht mehr rational beurteilen kann, wie es mir geht, wie mein Gemütszustand ist. Ich mach’ einfach. Es steht jetzt die letzte Wand vor mir – und dann geht es wieder bergab oder so. (Lacht.)
Was ist diese Wand?
Die letzte Steilwand vor dem Gipfel. Und der ist für uns das erste Premierenwochenende. Das ist wirklich ein gewaltiger Gipfel, denn wir haben vier Premieren in Folge (zwischen 6. und 9. Oktober; Anm. d. Red.). Außerdem probe ich selbst gerade Schnitzlers „Das weite Land“ – muss aber auch anfangen, mich um die anderen Produktionen zu kümmern, will die ja sehen, mich mit Regisseuren und Schauspielern austauschen. Wie ich das alles unter einen Hut kriege, weiß ich nicht. Das Gefühl ist jedenfalls: Ich bin schon auf 4000 Meter, hab aber die Eiger-Nordwand trotzdem noch vor mir.

Auszug aus der Samstag-Kolumne:

Umbesetzung im Theater an der Wien: Am 15. November kommt die Oper "Gogol" der jungen russisch-amerikanische Komponistin und Dichterin Lera Auerbach im Theater an der Wien zur Uraufführung. Wegen einer längerfristigen Erkrankung hat Bo Skovhus vor wenigen Tagen die Titelpartie zurückgelegen müssen. Die Rolle wird aufgeteilt und vom österreichischen Bariton Martin Winkler und dem deutschen Bassbariton Otto Katzameier übernommen.

Martin Winkler, auf diesem Foto in "Le grand macabre"

Lera Auerbach zeigt in ihrem Auftragswerk Momente der Zerrissenheit und Verzweiflung aus der letzten Lebensphase des großen, russischen Dichters Nikolai Gogol. Unter der musikalischen Leitung des Dirigenten Vladimir Fedoseyev spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien. (Quelle: "Der Standard")

Jens-Daniel Herzog

Nach Dortmund! "Der Westen.de" hat mit dem neuen Intendanten (als Intendant ist er noch "Azubi") Jens Daniel Herzog gesprochen: Das Publikum ist nicht immer gut auf die Dortmunder Oper zu sprechen...

Ich bin hier so oft wie noch nie in einer Stadt gefragt worden, ob ich denn auch dieses böse Regietheater mache... Die Menschen haben scheinbar eine große Furcht davor.

Was schließen Sie daraus?

Erstmal muss ich antworten, dass ich natürlich für Regietheater stehe, ich bin ja Regisseur. Ich respektiere aber, dass es da eine Angst gibt. Das Vertrauen des Publikums in die Theatermacher scheint gestört. Das müssen wir uns wieder erkämpfen. Wir werden dem Publikum nicht einfach was vorsetzen und sagen „Friss oder stirb!“ Wir werden uns aber auch nicht ranschmeißen. Es geht darum, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Man kann eine Aufführung nicht mögen und trotzdem über sie diskutieren. Schlimm ist nur, wenn man nicht mehr hingeht und das Theater einfach ignoriert.

Frau Pesch, geschäftsführende Direktorin der Oper, hat gesagt, sie erwarte nicht, dass Sie rasch die Auslastung erhöhten. Ist das nicht auch die deprimierende Erkenntnis, wie schlecht es dieser Oper geht?

Man macht nicht das Licht an, und dann sind die Leute wieder da. Das dauert, das muss sich rumsprechen. Jürgen Klopp hat mal gesagt: Ballverlust als Chance. Denn danach kann man das Spiel neu aufbauen.

Jetzt hat Herzog bei mir einen Stein im Brett, denn er zitiert Jürgen Klopp, den Dortmunder Fußball-Meistermacher. Und er tut gut daran, denn wer die Zusammenhänge zwischen Fußball und Theater nicht erkennt, hat wenig Ahnung vom Theater!

Das "Lohengrin"-Ensemble der Bayerischen Staatsoper nach der Gastspiel-Vorstellung in Japan

Die "Münchner Abendzeitung" wirft einen Blick hinter die Kulissen: Weltstar Edita Gruberova hatte ein eigenes Strahlenmessgerät dabei. Bariton Paolo Gavanelli war gar nicht erst mitgeflogen. Er bekam es mit der Angst zu tun, was aber in seinem mit der Bayerischen Staatsoper abgeschlossenen Vertrag nicht als Rücktrittsgrund vorgesehen ist. Also zog er sich eine Mittelohrentzündung zu. Doch Opernchef Nikolaus Bachler glaubt ihm nicht. Jetzt geht es vor Gericht.

Wegen der Katastrophe von Fukushima stand die siebte Japan-Tournee der Münchner Oper vor einigen Problemen. Von den geplanten 400 mitreisenden Künstlern, Musikern und Bühnenarbeitern blieben etwa 100 zu Hause. Sie mussten unbezahlten Urlaub nehmen. Im Chor und im Orchester ist jeder Zweite ein Gastarbeiter.

Auch wenn die Offiziellen das nicht so gerne hören mögen: Gelegentlich merkte man es schon – weniger bei Donizettis „Roberto Devereux” als bei Wagners „Lohengrin”. Daran nicht ganz unschuldig war Chefdirigent Kent Nagano, der in der wunderbaren Suntory Hall die vierte Symphonie von Brahms zu einer Musik für Schildkröten verwandelte: Das klang wie auch manches im „Lohengrin” spannungslos und nahezu lethargisch.

Die Ungereimtheiten der „Lohengrin”-Inszenierung von Richard Jones ertrug das japanische Publikum mit Fassung. Der Beifall danach war herzlich, aber nicht euphorisch. Gefeiert wurden vor allem Waltraud Meiers noch immer phänomenale Ortrud und der über sich selbst herauswachsende Johan Botha in der Titelpartie. Sogar Musiker kamen ins Schwärmen: „Alles, was Jonas Kaufmann spielt, das singt Botha”, meinte ein Geiger wenig galant. Der Münchner Tenor musste bekanntlich wegen einer Operation zuhause bleiben.

Jetzt wissen wir also, dass Paolo Gavanelli gekniffen hat und geklagt wird. Und dass Johan Botha mühelos mit Jonas Kaufmann mithalten kann, weiß ich schon lange. Gemeint ist aber nicht das Aussehen! Das konnte ich unlängst genau aus nächster Nähe betrachten, als ich Botha bei "Obi" in der Wiener Hadikgasse begegnete, als er Pflanzen für seinen Garten einkaufte!

Unter'm Strich kommen wir zur Politik und stellen via "Der Spiegel" Erschreckendes fest: Umso mehr dürfte zu denken geben, wie es um die Sachkenntnis der Abgeordneten steht. Reporter des ARD-Magazins "Panorama" haben Politiker aller Fraktionen vor dem Plenarsaal befragt, worüber sie da eigentlich abstimmen. Das Ergebnis der am Donnerstag ausgestrahlten Umfrage ist desaströs: Viele konnten nicht einmal beantworten, mit wie vielen Milliarden Euro der deutsche Steuerzahler denn nun haftet. Es sind 211 Milliarden Euro.

Auch bei der Frage, an welche Staaten der Rettungsfonds EFSF bereits Hilfen ausgezahlt hat, sind mehrere Abgeordneten überfordert. "Griechenland?", raten zwei Abgeordnete. Doch tatsächlich bekommt das hochverschuldete Land Notfallkredite der Euro-Partner aus einem separaten Hilfspaket. Der EFSF hat bislang nur Portugal und Irland Geld geliehen.

Nun kann man von den Volksvertretern nicht verlangen, dass sie die Details aller Gesetzesvorhaben kennen. Doch bei dem Euro-Rettungsschirm geht es eben nicht um irgendein Gesetz, sondern um die Rettung der Währungsunion. Das Thema bestimmt die politische Agenda. Da wäre es schon wünschenswert, dass die Politiker wissen, worüber sie eigentlich abstimmen.

Doch da besteht bei einigen Volksvertretern offenbar wenig Hoffnung, wie ein Beispiel zeigt.

Trotzdem, ein schöner Sonntag sei Ihnen gewünscht!

A.C.
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MONTAG, 3. OKTOBER 2011
Echo-Klassik". Zubin Mehta erhielt ihn gestern für sein Lebenswerk!

Der Dirigent Zubin Mehta hat den Echo Klassik für sein Lebenswerk erhalten. Der 75-jährige Inder bekam die Ehrung am Sonntag in Berlin aus den Händen seines langjährigen Freundes und Kollegen Daniel Barenboim. Mehta werde sowohl für seine herausragenden musikalischen Leistungen als auch für sein soziales Engagement geehrt, sagte Barenboim.

Der Echo Klassik wurde zum 18. Mal vom Verband der Musikindustrie verliehen. Weitere Preisträger bei der Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt waren unter anderem die aus Leipzig stammende Sopranistin und "Punk-Queen" Simone Kermes, die norwegische Violinistin Vilde Frang und die chinesische Klaviervirtuosin Yuja Wang.

Der Tenor Rolando Villazon und das junge, innovative Quintett Spark wurden in der Sparte Klassik ohne Grenzen geehrt. Zum Sänger des Jahres ernannte die Jury den US-Bariton Thomas Hampson. Den Preis als beste Instrumentalisten erhielten unter anderem die Violinistin Lisa Batiashvili, der Gitarrist Frank Bungarten und der Pianist Murray Perahia.

Unter den Preisträgern des Echo Klassik 2011 waren auch einige Österreicher: Das Salzburger Hagen Quartett wurde als Ensemble des Jahres ausgezeichnet, die Grazer Lautenistin und Harfenistin Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L'Arpeggiata für die Chorwerk-Einspielung des Jahres (16./17. Jh.). Der Dirigent Manfred Honeck durfte sich über die Welt-Ersteinspielung des Jahres freuen. In der Kategorie "Sinfonische Einspielung des Jahres (20./21. Jh.)" wurde der französische Dirigent Pierre Boulez mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Singverein ausgezeichnet.

Über die "Klassik-Echo"- Verleihung berichtet die "Kleine Zeitung".

Kleopatra Sofrionou, Manfred Honeck, Stephan Braunfels. Foto: Dr. Klaus Billand

Der Echo für die "Ersteinspielung des Jahres" ging an " „Jeanne D’Arc, Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna“ von Walter Braunfels mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Manfred Honeck . Auf obigem Foto sehen Sie Prof. Stephan Braunfels, Enkel von Walter Braunfels und angesehener Architekt!

Thomas Gottschalk (61) moderierte am Sonntag die vom ZDF übertragene Verleihung des Echo Klassik. Auch bei klassischer Musik gehe es immer um das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, sagte Gottschalk. "Wenn Klassik öfter laufen würde, würde sie auch öfter gesehen, und dann würde sie auch besser laufen", sagte er. Offenbar gebe es auch bei jungen Menschen ein Interesse an dieser Art von Musik, es müsse aber gefördert werden.

Auf die Frage, ob er "aus missionarischen Gründen" die Moderation des Echo Klassik übernommen habe, antwortete Gottschalk: "Ich bin ja ein oberflächlicher Geselle und ich verbringe keine schlaflosen Nächte, weil die deutschen jungen Menschen sich nicht genug für Musik interessieren. Aber ich finde, das ist eine dankbare Aufgabe."
Auszug aus der "Sueddeutschen Zeitung".

"Otello" in Graz: Gal James (Desdemona" und Frank van Aken (Otello)

Der Brite Stephan Lawless stellte seine Regiearbeit in die von Frank Philipp Schlößmannn, mit heb- und senkbaren Bühnenboden bzw ebensolcher Decke ausgestattete Bühne, ein verschieblicher Vorhang, ein Thronsessel, ein Kruzifix, eine Sitzbank und das Bett Desdemonas tauchten zeitweise auf der sonst leeren Bühne auf. Die Inszenierung hält sich an das Libretto, versucht nicht Botschaften oder krude Ideen zu vermitteln, sondern legt die Verhältnisse zwischen den Protagonisten und deren innerem Zustand durch intensive Personenführung bloß. Ein Flottenführer der schon von Beginn an unter burn out zu leiden scheint, ein Jago, der allein schon durch sein Narrenkostüm Narrenfreiheit für schändliches Intrigieren bekommt, eine Desdemona mit geradezu krankhafter Sucht nach Selbsterniedrigung und ein Cassio, der arrogante Selbstgerechtigkeit zeigt, aber selbst zum Alkoholismus neigt. Dass der Herold mit dem Abberufungdekret Otellos - höhere Ämter warten wohl auf ihn in Venedig - in einer Art Kardinalstracht mit ebenso ausgestattetem Begleitpersonal auftaucht, das ist natürlich - bewußt oder unbewußt – Geschichtsfälschung. Nie hätten die Venezianer geistlichen Würdenträgern derartige Regierungsgeschäfte anvertraut. Allerdings: von der korrekten Einkleidung her erinnerten sie ja doch eher an Faschingsfiguren! Das Finale des 3. Aktes hatte den gefühlsmäßigen Höhepunkt, als sich nach dem Zornesausbruch des Mohren Personal und Volk um die am Boden knieende Desdemona scharten und ihr, gegen den Willen Otellos, Beistand und Sympathie bekundeten. Die erwähnenswerten Kostüme von Jorge Jara waren dem Zeitraum der Handlung angepasst, die Lichtregie von Franck Evin zeigte Wirkung.

Frank van Aken, der mit seinem Heldentenor das Deutsche Fach beackernde Niederländer - in Wien als Tannhäuser schon seit der letzten Saison bekannt – gab sein Debüt als Otello, mit beachtlichen Stentortönen, auch zeitweilig hörenswerter italienischer Phrasierung aber auch noch verbesserungswürdigen Piani. Dass die Stimme in Extremlagen manchmal zu steifem Klang und kopfigem Timbre neigt, das hat der Sänger mit berühmteren Kollegen gemeinsam. Untadelig seine Darstellung, im Triumph wie in der Niederlage, die sich schon unmittelbar nach dem Auftritt abzeichnet, wenn er unter dem Kruzifix erschöpft zusammenbricht. James Rutherford, als junger Sachs von Graz immerhin nach Bayreuth gelangt, scheint mit seiner Narrengewandung eher wie ein Hofnarr in spielerischer Leichtigkeit seine Intrige anzuzetteln, mit leichtfüßiger Spielastik aber hinterlistiger stimmlicher Gestik seines breiten Bassbaritons. Das Ziel seiner Rache war der verhasste Mohr, aber als Desdemona war Gal James das Opfer, ohne Zweifel in der Publikumsreaktion die Gewinnerin des Abends. Vom naiven Versuch, den tobenden Gatten zu verstehen bis hin zum Widerstand gegenüber seiner Gewalt in der Ratssaalszene, ihre Hoffnung wahrend bis zuletzt. Sie spielt das alles mit berührender Innigkeit und setzt ihren gut klingenden Sopran vor allem im Lied von der Weide wirkungsvoll ein.

So sieht "Merker-Mitarbeiter Peter Skorepa den Grazer "Otello".

Befragen wir aber auch den "Kurier": Die Inszenierung ist ideenreich, klug und durchdacht, seine Personenführung vital bei den Massenszenen, packend bei den historisch kostümierten Protagonisten.

Mit packendem Zugriff weiß auch Johannes Fritzsch die Grazer Philharmoniker zu aufregendem und detailreichen Musizieren zu animieren. Seine recht straffen und manchmal zu unnachgiebigen Tempi bewirken jedoch, dass nicht jede lyrische Phrase ausgiebig ausgekostet werden kann.

José Carreras singt am 14.10. in Wien

Wer an Musik denkt, denkt auch an José Carreras. Wie wenige andere Künstler hat der Tenor die Opernwelt geprägt; sein Auftritt in Wien steht unter dem Motto "Liebe und Leidenschaft".

KURIER: 2004 haben Sie zum vorerst letzten Mal Oper gesungen. Warum ist das so lange her?

José Carreras: Ich muss jetzt sehr offen und direkt sein. Das übliche Repertoire, dass ich in den 70ern, 80ern und 90ern gesungen habe, könnte ich mit Sicherheit nicht mehr so wie vor 30 Jahren machen. Der Standard, den sich Leute von mir erwarten, ist der Grund, warum ich entschieden habe, mich auf Konzerte zu konzentrieren. Das bedeutet nicht, dass ich nicht einmal wieder mit Freuden an einer Opernproduktion teilnehme.

Gibt es konkrete Pläne?
Es gibt eine Oper, die gerade im Entstehen ist, erste musikalische Proben sind aber vielversprechend. Ich kann nur soviel sagen, dass die Geschichte in Spanien spielt. Es ist eine ganz starke, authentische Story. Wenn alles klappt, könnte im Frühjahr 2013 Premiere sein.

Das Konzert in Wien, das Sie am 14. Oktober geben, trägt den Titel "Liebe und Leidenschaft". Ist Singen immer noch Ihre Leidenschaft?
Oh ja. Es ist mein Beruf, meine Berufung, mein Hobby. Ich glaube ehrlich, dass Singen das ist, wofür ich geboren wurde.

Dieses Interview finden Sie im "Kurier"!

Wiener Staatsoper: Umgehend geantwortet hat Dr. Andreas Láng aus der Wiener Staatsoper betreffend meiner Nachfrage wegen der Übertragungen der Vorstellungen im Oktober auf den Karajan-Platz seitlich der Oper: Im Oktober werden keine Aufführungen auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Da in den letzten Jahren auf Grund der doch schon kalten Temperaturen im Oktober immer weniger Menschen die Übertragungen angesehen haben, wurden die Übertagungstermine "verschoben": Das heißt; statt September/Oktober und Mai/Juni werden Termine im September und in den Monaten April/Mai/Juni angeboten - so wie es übrigens schon im letzten Frühjahr der Fall war.

Der Schauspieler Thomas Freudensprung ist tödlich verunglückt!

Keine Rolle war ihm zu groß, keine zu klein. Thomas Freudensprung nahm jedes Engagement ernst, legte sein ganzes Herzblut in die Charaktere, die er verkörperte. 25 Jahre lang hatte er auf den heimischen Bühnen gestanden. Samstagnachmittag wurde der gebürtige Wiener Neustädter durch einen tragischen Unfall aus dem Leben gerissen. Der leidenschaftliche Motorradfahrer war mit seiner Ducati Monster im mittleren Burgenland unterwegs gewesen, als er bei Landsee aus ungeklärter Ursache in einer Rechtskurve zu Sturz kam, auf die Gegenfahrbahn schlitterte und frontal in einen entgegenkommenden Pkw prallte. Der 46-Jährige starb noch an der Unfallstelle. (Auszug aus dem "Kurier").

Das "Wirtschaftsblatt" meldet: Den jährlichen Besucherrekord bei der "Langen Nacht der Museen" hat es heuer zwar nicht zu vermelden gegeben, dennoch war die zwölfte Ausgabe der ORF-Aktion in Österreich und Liechtenstein für die Initiatoren wieder ein Erfolg.

Insgesamt 411.200 Besucher wurden laut ORF am Samstagabend österreichweit in den rund 660 beteiligten Museen, Galerien und Kulturinstitutionen gezählt. Das sind mehr als 30.000 Besucher weniger als in den beiden Jahren zuvor.

Am meisten Besucher verzeichnete Wien (191.600) vor Salzburg (41.350) und Kärnten (40.800). Das Naturhistorische Museum behauptete mit 10.446 Besuchern die langjährige Spitzenposition.

Heiner Wesemann war für uns im Wien Museum und berichtet über Wiens berühmtesten "Mohren"

Hinter dem Armaturenbrett eines Cadillac brachten Fluchthelfer mehr als 200 DDR-Bürger in den Westen. Neue Bücher verraten weitere Tricks. Aus "Welt-online"

Heute um 19,30 h bietet der "Merker-Kunstsalon" in der Döblinger Villa Wertheimstein (Döblinger Hauptstraße 96 - kommen Sie mit den Öffis und nehmen Sie mir den Parkplatz nicht weg) "Frauen um Agamemnon". Anna Ryan, Vivien Cooksley, Vitomir Marof, Daniel Magdal und Pablo Cameselle singen, Peter Dusek moderiert! Manfred Schiebel begleitet am Klavier.

Besuchen Sie uns!!

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.
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DIENSTAG, 4. OKTOBER 2011
Der fliegende Holländer" in Dortmund (Inszenierung Jens Daniel Herzog). Wird Senta nun von Erik erschossen, oder gibt sie sich selbst die Kugel? Christiane Kohl (Senta)

Auf diesem Foto scheint die Frage klar beantwortet, die Frage ist nur, ob der Beweis vor Gericht standhalten würde! Denn ihre Hand ist auch in unmittelbarer Nähe!

"Opernfreund" Dr. Peter Bilsing (www.deropernfreund.de ") ist vom Dortmunder "Holländer" begeistert: "Der Fliegende Holländer" ist wieder in. Allein drei Premieren in NRW - In Wuppertal hat es vor 2 Wochen gräuselig angefangen. Ursprünglich wollte ich eine Doppelkritik schreiben, aber nach der gestrigen Premiere in Dortmund würde der Vergleich so enden wie das Niveau der Fußballmannschaften: Bundesliga versus 4.Liga (Regional-Liga West). Drei Klassen schlechter war es halt in Wuppertal, doch damit genug der bösen Kritikerworte, denn der Dortmunder "Holländer" schafft durchaus Frohsinn.

Unser Kritiker Bilsing will künftigen Besuchern die Spannung nicht nehmen und orakelt über einen spektakulären Schluss, ohne diesen zu verraten. Macht nichts, lieber Peter, wir haben ja auch die "Emsdettener Volkszeitung", die weniger verschlossen ist. Zuerst stimmt Julia Gass aber in Bilsings Jubel ein: Was für ein Jubel im ausverkauften (!) Dortmunder Opernhaus. Der neue Intendant Jens-Daniel Herzog hat das Publikum am Sonntag mit seiner packenden Inszenierung von Wagners Oper "Der fliegende Holländer" im Sturm erobert. Mit stehenden Ovationen feierte es den Aufbruch zu neuen Ufern.

Doch dann: Starke Wirkung hat das Schlussbild auf offener Bühne vor dem Meer-Prospekt mit dem Holländer, der Senta ziehen lässt. In Dortmund stürzt sich das Mädchen nicht von einem Felsen - Erik erschießt seine Geliebte.

Wie aber sieht Martin Schrahn in "Der Westen.de" dieses Finale?: Da ist es nur konsequent, dass der neue Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog, in Personalunion mit Regisseur Herzog, am Ende die Bühne freiräumen lässt. Richard Wagners romantische Oper „Der fliegende Holländer“ findet ihr Finale in kalkiger Leere. Senta gibt sich die Kugel, der ewige Wandler über den Meeren verschwindet in grauer Gischt. Uns fröstelt.

Mord oder Selbstmord? Also doch ein Krimi! Hier steht Aussage gegen Aussage, der Albtraum jedes Richters. Warten wir weitere Zeugen ab - unsere Mailadresse steht offen.

Heißt es nun "Albtraum" oder "Alptraum"? "Wikipedia" gibt auch keine klare Auskunft, lässt bloß darüber diskutieren. Mit "Alpen" hat dieser Traum meiner Ansicht nach nichts zu tun, deshalb wählte ich die "weiche Schreibweise". Vielleicht liege ich aber falsch!

Nun zu einem anderen Thema, nämlich zu Ehrungen: Wiens Musikvereinschef Thomas Angyan erhält den französischen Kulturverdienstorden und wird von Botschafter Philippe Carre zum "Chevalier des Arts et des Lettres" ernannt. Angyan "widmet sich seit bald 25 Jahren mit Herz und Seele seiner Aufgabe" im Musikverein und sei "bekannt für seinen Sinn für Innovation", heißt seitens der französischen Botschaft in Wien, wo die Ehrung am Mittwoch stattfinden wird. (Quelle: "Kleine Zeitung")

Der Orden kommt mir sehr bekannt vor, denn er wird relativ oft (hoffentlich nicht auch leichtfertig) vergeben. Ich weiß von Ioan Holender, der mich eigens angerufen hat, damit ich die Meldung unter die Wiener Opernfreunde bringe, und auch von Brigitte Fassbaender (die auch eine Pressemitteilung vom Stapel ließ). Was wären wir ohne unsere kleinen Eitelkeiten. Diesem französischen Orden kann man anscheinend schwer entgehen, wenn man in Kunst und Kultur halbwegs medienwirksam unterwegs ist!

Nun zum "Echo-Klassik". Zubin Mehtas Ehrung habe ich gestern sogar mit dem Titelfoto gewürdigt, lieber als über den berühmt-berüchtigten "Abstauber" Zubin Mehta (bei jedem gewinnträchtigen Event dabei) berichte ich aber vom "Echo-Klassik" für Simone Kermes, die allerdings auch schon seit Jahren zum engsten Kreis der üblichen Verdächtigen gehört.

Einen fetzigen Auftritt hat die Leipzig geborene Sopranistin Simone Kermes, die zur „Sängerin der Jahres“ gekürt wird. Die ehemalige Fachkraft für Schreibtechnik, vermutlich Jahrgang 1970, gehört heute als „Crazy Queen des Barock“ zu den gefragtesten deutschen Opernsängerinnen. Sie trägt die von ihr ausgegrabenen 300 Jahre alten Lieder mit so viel Swing und Groove vor, dass Gottschalk sie gern als „Gesamtkunstwerk“ vorstellt. (Aus der "Berliner Morgenpost").

Merce Cunningham löst seine Dance-Compagnie auf und absolviert mit ihr derzeit eine Abschiedstournee. Der "Neuen Zürcher Zeitung" fällt dazu Folgendes ein: Dieses und jedes weitere Stück, das auf der „Legacy Tour“ erneut an die Öffentlichkeit kommt, nur um bald ganz zu verschwinden, vergrößert die persönliche Verlustbilanz jedes Zuschauers. Als würde das Schicksal sagen, „Du hast den Apollo von Belvedere noch nie gesehen? Nimm diese dreißig Minuten, ihn in Ruhe zu betrachten, danach zerschlage ich ihn“. Als Publikum kämpft man nicht mit den technischen Schwierigkeiten, sondern mit dem Kummer, dass Cunninghams Stücke bald nur noch solche bereiten werden.

José Carreras singt am 14.10. in Wien

Wer an Musik denkt, denkt auch an José Carreras. Wie wenige andere Künstler hat der Tenor die Opernwelt geprägt; sein Auftritt in Wien steht unter dem Motto "Liebe und Leidenschaft". Im "Kurier"-Interview bekennt er offen, dass er sein Opernrepertoire dem Publikum nicht mehr vorsetzen will, da er sehr selbstkritisch ist. Was Placido Domingo recht ist, kann José Carreras nur billig sein: An einer maßgeschneiderten Oper wird derzeit gearbeitet!

Wiener Staatsoper: Umgehend geantwortet hat Dr. Andreas Láng aus der Wiener Staatsoper betreffend meiner Nachfrage wegen der Übertragungen der Vorstellungen im Oktober auf den Karajan-Platz seitlich der Oper: Im Oktober werden keine Aufführungen auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Da in den letzten Jahren auf Grund der doch schon kalten Temperaturen im Oktober immer weniger Menschen die Übertragungen angesehen haben, wurden die Übertagungstermine "verschoben": Das heißt; statt September/Oktober und Mai/Juni werden Termine im September und in den Monaten April/Mai/Juni angeboten - so wie es übrigens schon im letzten Frühjahr der Fall war.

Muss ein Rezensent eigentlich über jedes besuchte Stück berichten? Ich sage nein, denn manchmal erweist man dem Theater und auch sich einen Gefallen, wenn man schweigt. Vor wenigen Tagen beriet ich mich mit einer Redakteurin über so einen Fall, noch dazu zu einem Thema, das in jedem Fall zu Diskussion herausfordert. Wir verweigern also die Berichterstattung, um erstens dem Theater einen Gefallen zu erweisen (das Stück ist ein schrecklicher Mist, schade um den Einsatz vorzüglicher Schauspieler) und zweitens die Rezensentin vor unvermeidlichen Angriffen in unserem Forum zu schützen. Masochismus kann ich von keinem Mitarbeiter verlangen - wenn die Pressereferentin des Theaters eine Kritik urgiert, werde ich ihr sagen, wovor wir sie bewahrt haben! Und wenn Sie das nicht einsehen, liebe Pressefrau, dann schicken Sie mir eine Rechnung für die Pressekarte!

In der Vorwoche habe ich "Pinkelpausen" in Theatern thematisiert, weil die Wiener Staatsoper den ersten Teil des "Eugen Onegin" ohne Vorwarnung auf über 2 Stunden gedehnt hat. Heute berichtet Renate Wagner in ihrer Rezension zu Peter Handkes "Immer noch Sturm" im Wiener Burgtheater von einem noch längeren Durchgang: Naht ihr euch wieder, schwankende Gestalten… Ja, sie sind nun in Wien gelandet, nachdem Peter Handkes „Stück“ (wenn wir es einmal so bezeichnen wollen) „Immer noch Sturm“ im Sommer bei den Salzburger Festspielen seine Uraufführung erlebt hat und dann in Hamburg, seiner ureigensten Produktionsstätte im Thalia-Theater, herausgekommen ist. Drei Vorstellungen am Burgtheater werden zwar als „Premiere“ verkauft, gleichen aber eher einem Gastspiel, besonders da das Burgtheater zur gleichen Zeit in Hamburg gastiert. Da schon die Premiere nur mangelhaft gefüllt war, reichen die drei geplanten Aufführungen aber möglicherweise ohnedies aus. Viereinviertel Stunden Text sind nicht jedermanns Sache, Pause ist nach gestrichenen zweieinhalb Stunden – und da erregt sich das Opernpublikum bei zwei durchgespielten Stunden!

Nach der Pause allerdings ist alles anders. Wenn es um die Nachkriegszeit geht und die Kärntner Slowenen meinen, ihre Partisanen-Leistung im Zweiten Weltkrieg müsse ihnen doch eine Sonderrolle in der neuen Republik einräumen, werden sie bekanntlich enttäuscht – man mag sie noch immer nicht. Jetzt freilich stampft die Oma in schon geschilderter Weise auf – und Handke gibt sich selbst den Schlussmonolog. Jens Harzer, derzeit zweifellos einer der ganz besonderen Schauspieler auf deutschen Bühnen, bisher fast ein wenig ironisch durchs Geschehen gewandert, hat nun seinen ca. halbstündigen Schlussmonolog zu halten bzw. meist zu schreien. Denn jetzt spuckt Handke nicht nur seine Empörung über die österreichische Politik aus, sondern lässt auch seinem „Alle Menschen samma zwida“-Menschenhass freien Lauf, seinem Ekel, seinem Zorn, seiner Verachtung gegen die Mitwelt, und diese Polemik gewichtet den Abend doch ziemlich um. Der reiche Beifall war ihm dennoch sicher. Sollte Handke irgendwo in persona versteckt dabei gewesen sein, so ließ er sich jedenfalls nicht blicken.

Es gibt Sachen, die sind unglaublich, sogar unglaublich blöd! Karina Sarkissova tanzt ihren Arbeitgebern an der Wiener Staatsoper auf der Nase herum - und die beiden Herren machen entweder gute Miene zum bösen Spiel - oder sind hilflos!

Auszug aus "Oe24-Kultur": Einst aus der Staatsoper verbannt, heute in aller Munde. Star-Ballerina Karina Sarkissova (28) hat derzeit einen dicht gedrängten Terminkalender. Und wenn einmal ein bisserl Zeit übrig ist, dann fungiert sie als Baupatin in Wien.

Geschehen wird das heute, wenn die Die Große Chance-Jurorin im Austria Trend Hotel Park Royal Palace Vienna antanzt. Denn das noble Vier-Sterne-Plus-Hotel öffnet seine Pforten und Sarkissova wird anlässlich dessen mit ihren Künsten die Gäste verzaubern. Kleines Dessert inklusive.

Die attraktive Blondine bekommt nämlich von den Betreibern ein eigenes Zimmer gewidmet. Kein Schmäh. Wer künftig dort logieren will, der kann explizit nach der Sarkissova-Suite verlangen.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass ich am Anfang der Affaire die Balletteuse an dieser Stelle verteidigt habe. Ich konnte aber nicht ahnen, wie sehr sie diese unverhoffte Popularität ausnützen würde - zu einem echten Kasperletheater. Ich fürchte, nun ist es für ein ernstes Wort zu spät, Frau Sarkissova ist populärer als die Herren Meyer und Legris gemeinsam! Einem Unternehmen kann aber das öffentlich zur Schau gestellte Privatleben eines/einer Angestellten nicht egal sein. Ich erinnere mich eines Falles aus meiner Umgebung, als eine Bank einem ihrer Angestellten nahelegte, raschest seinen Freundeskreis, mit dem er seit Kindheit verbunden war, zumindest im öffentlichen Auftreten (Restaurant- bzw. Sportveranstaltungsbesuche) abzulegen!

Feuerwehrhaus (Irgendwo). In Wiesen ist es umstritten!

Zum Abschluss der heutigen Kolumne habe ich eine Farce aus dem Land der Burgen anzubieten. Die Presse schreibt: Der burgenländische Regisseur Wolfgang Murnberger hat im Streit um den Standort des neuen Feuerwehrhauses in seiner Heimatgemeinde Wiesen ein unmissverständliches Statement abgegeben: Am Montagvormittag hat er seine "Goldene Erdbeere" zurückgegeben, berichtete der ORF Burgenland. Die Statue war ihm 1992 "für besondere Verdienste um die Gemeinde Wiesen" verliehen worden. Murnberger drehte Filme wie "Ich gelobe" sowie die Verfilmungen von Wolf Haas' Brenner-Reihe "Komm, süßer Tod", "Silentium" und "Der Knochenmann" mit Josef Hader.

Murnberger sprach sich gegen den Bau eines neuen Feuerwehrhauses aus und wird deshalb in der Gemeindepostille als Nestbeschmutzer beschimpft!

Liebe Leute, gegen die Freiwillige Feuerwehr ist man machtlos, die ist überall eine "heilige Kuh". In meiner Heimatgemeinde Mauerbach, nicht ganz 5000 Einwohner, gibt es sogar zwei (!!!) Feuerwehren. Nein, keine SPÖ bzw. ÖVP-Feuerwehr, sondern jeweils eine im Ober- und eine im Unterort (Steinbach an der Stadtgrenze zu Wien).
Legendär ist dort der Aufschrei unmittelbar vor einem Löscheinsatz, zu dem sich beide Feuerwehren eingefunden hatten, zumal die Kompetenz in der Eile nicht zu klären war: "Zurück, das ist unser Brand!

Dazu ist zu sagen, dass ich so ziemlich in der Ortsmitte wohne und eigentlich nicht weiß, welche der beiden Feuerwehren für mich zuständig ist. Ich muss das raschest klären, wenn wenn dies erst unmittelbar vor einem Einsatz geschieht, ist die Hütte vielleicht schon angebrannt, bevor die Floriani-Jünger wissen, wer nun den Schlauch in die Hand nehmen darf!

Hinter vorgehaltener Hand fordern Gemeindebürgern von Ortspolitikern, diesen "Blödsinn" endlich einmal abzustellen. Doch kein Politiker traut sich, einen diesbezüglichen Antrag einzubringen, zumal auch die Zustimmung hierfür unmöglich ist. Gegen die Feuerwehr - das wäre Harakiri mit Anlauf!

Die Wichtigkeit einer Freiwilligen Feuerwehr ist unbestritten, ohne sie wäre ein Katastrophenschutz nicht gegeben. Jede Gemeinde hat für die Grundausstattung einer Feuerwehr laut Gesetz zu sorgen - und billig ist ein Löschfahrzeug, ein Feuerwehrhaus etc. auch nicht! Herrn Regisseur Murnberger möge also froh sein, dass es in Wiesen nur eine einzige Feuerwehr gibt! Was soll ich als Mauerbacher da sagen?

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

A.C.
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MITTWOCH, 5. OKTOBER 2011
Innenraum des neuen "Opernhauses des Jahres", Théâtre de la Monnaie in Brüssel

Die "Opernwelt" hat das Monopol auf die Verleihung derartiger Titel. Ich bin als "Merker" keineswegs neidisch, denn wir könnten das um keinen Deut besser, zuviel Fandenken fließt bei uns ein. Bei der "Opernwelt" habe ich die Vergabekriterien noch nicht so ganz durchschaut, vermute aber, dass diese weit rationeller als unsere sind. Immerhin wurde mir zugetragen, dass zur Hebung der Auflage schon mal 80 % der gedruckten Hefte im Altpapier landen. Aber der Zweck heiligt die Mittel: eine hohe Auflage (die Verkaufszahlen werden nicht genannt) garantiert hohe Werbeeinahmen - und die begehrten Preise bewirken auch, dass für die Juroren der rote Teppich ausgerollt wird. Soll sein, die "Ehre" ist voraussichtlich teuer genug. Nun raten Sie mal, wie das gemeint ist!

Erstmals wurde ein Theater außerhalb des deutschsprachigen Raumes "Opernhaus des Jahres, das Théâtre de la Monnaie Brüssel.

Die Münchner Abendzeitung meint: Der Erfolg des Brüsseler Opernhauses gehe vor allem auf Intendant Peter de Caluwe zurück: "Ein Mann mit klaren Überzeugungen und langem Atem, der lieber im Hintergrund agiert, mit Künstlern und Mitarbeitern diskutiert, statt sich vor laufender Kamera zu produzieren", teilte die Fachzeitschrift "Opernwelt" am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin mit. Das Blatt hat für die Opern-Hitliste 50 Kritiker aus dem In- und Ausland befragt.

Der Intendant ist in der Tat ein bemerkenswerter Mann. Er ist so ziemlich das Gegenteil des "Kleinen mit der großen Klappe", der sich selbst nach Spanien entsorgt hat!

Auszug aus "Kultiversum": Deutschlands Oper Nummer 1 ist nach wie vor Frankfurt. Auch dort sind die Teams der einzelnen Produktionen sorgfältig zusammengestellt. Auch dort entfaltet sich eine breite ästhetische Palette. Nur kann sich Frankfurt mehr Premieren leisten als Brüssel (wo Bernd Loebe lange zur Direktion gehörte). 2010/11 war eine besonders starke Spielzeit, in der unter anderen Anne Sofie von Otter als Charpentiers Medea und John Tomlinson in Pizzettis «Murder in the Cathedral» (nach T. S. Eliot) beeindruckten. Zum dritten Mal in Folge wurde das Frankfurter Opern- und Museumsorchester zum Orchester des Jahres gewählt. Die Pflege des Ensembles und dessen Durchmischung mit Gästen und Nachwuchs gehört zu Bernd Loebes Markenzeichen. Kein Zufall also, dass Johannes Martin Kränzle, der Sänger des Jahres, zum Frankfurter Haus gehört, obwohl er längst in aller Welt gastiert. Und Christian Gerhaher – Sänger des Jahres 2010 und diesmal der Zweitplatzierte – punktete (vor allem) in Frankfurt: mit seinem unwiderstehlich melancholischen Eisenstein in Christof Loys «Fledermaus»-Inszenierung.

Johannes Martin Kränzle

Johannes Martin Kränzle ist, wie Kollege Gerhaher, der Antityp eines Stars. Vielmehr hat er sich seinen (auf dem Markt nach wie vor unterschätzten) Rang mit selbstkritischem Ernst, innerer Freiheit und natürlicher Bescheidenheit erarbeitet. Zwei Jahrzehnte dauerte es, bis er mit großen Partien auf internationalem Parkett auftauchte und die Vielseitigkeit seines Baritons unter Beweis stellen konnte.

Placido Domingo ist erbost über eine Rezensentin und schreibt einen Leserbrief

Normalerweise geben Musiker vor, Medienkritiken ihrer Auftritte zu ignorieren. Auf eine Opernbesprechung der «Washington Post» hat Placido Domingo nun aber mit dem «ersten Leserbrief seines Lebens» reagiert.

Domingo bemängelt in der Zuschrift an die «Washington Post» die Art und Weise, wie die Kritikerin Anne Midgette eine «Tosca»-Produktion der Washington National Opera rezensiert hat, in der er als Dirigent amtete.

Es sei das erste Mal in seinem Leben, dass er einen Leserbrief verfasse, vermerkt Domingo in der Zuschrift, die Journalistin habe aber die Grenze zwischen objektiver Kritik und offener Feindschaft überschritten.

Midgette schrieb, alle «Tosca»-Aufführungen seien von Dirigenten sabotiert worden. Statt die Sänger zu unterstützen, habe er sie erheblich behindert.

Domingo betrachtet Midgettes Verdikt als «beleidigend und diffamierend». In einem Blog der «Washington Post» entgegnet Midgette, sie schätze Domingo als Musiker, als Dirigent erreiche er aber nicht nur ihrer Meinung nach nicht dasselbe internationale Niveau wie als Sänger.

Diese Info stammt aus "Codex flores"

"Aus einem Totenhaus" an der Staatsoper Berlin. Foto: Monika Rittershaus

Merker-Kritikerin Ursula Wiegand lieferte die allererste Rezension (online!): Hohe Anerkennung lief dieser Neu-Inszenierung von Leoš Janáčeks letzter Oper „Aus einem Totenhaus“ voraus. Nach der Uraufführung dieser Fassung während der Wiener Festwochen im Jahr 2007 erntete die Arbeit von Patrice Chéreau – bekannt als Schöpfer des „Jahrhundert-Rings“ – auch anderenorts höchstes Lob.
Insgesamt ist es eine Koproduktion der Wiener Festwochen mit dem Holland Festival, Amsterdam, dem Festival d’Aix-en-Provence, The Metropolitan Opera New York und dem Teatro alla Scala di Milano.
Mehr als vier Wochen hat Chéreau akribisch für diese Berliner Premiere an der Staatsoper im Schillertheater geprobt. Wiederum lässt er die Strafgefangenen zwischen grauen, verschiebbaren Quadern (Bühnenbild: Richard Peduzzi) ihre elenden Tage verbringen.

Lesen Sie weiter in der Online-Kritik!

Nun zur Rezension der "Berliner Zeitung": Simon Rattle dagegen bindet diese Musik in ein dramaturgisch souverän gestaffeltes Kontinuum ein, ohne ihr an expressiver Gewalt das Geringste zu nehmen: Die Staatskapelle spielt die glühenden Farben und neuartigen Dissonanzen leidenschaftlich aus. Wo Janácek die letzten Reste eines traditionellen Operntyps stehen ließ, greift die Regie ein: Den bräsigen Chor von der verlorenen Heimat illustriert Patrice Chereau mit nackten Menschen, denen gerade etwas Schreckliches widerfahren sein muss. Der Adler, dessen Flug in die Freiheit der Chor am Ende begeistert besingt, ist hier nur ein Modell, das keinen Flügelschlag allein tut. Auf Freiheit ist kaum zu hoffen, es gilt stattdessen, auch im Lager ein Mensch zu bleiben.

Andreas Homoki geht in Berlin in seine letzte Saison, in Zukunft beglückt er die Oper Zürich. An der Komischen Oper hat er nun Janaceks "Schlaues Füchslein" inszeniert und einen Paukenschlag gesetzt, wie die "Berliner Morgenpost berichtet: Das schlaue Füchslein hat Regisseur Andreas Homoki auf die rote Couch gelegt. Die Komische Oper zeigt eine klingende Psychoanalyse. In dieser Inszenierung ist der Rotschopf eine begehrte und auch begehrende Frau. Die junge Frau in Rotblond ist das unverdorbene Naturweib, wenn man so will. Sie ist alles in einem und letztlich doch nur eine Alte-Männer-Phantasie. Freud lässt grüßen. Und das ganze Bühnentreiben drumherum lässt diesen Abend gar nicht so gestelzt, vergackert und putzig daherkommen, wie es vielleicht das Publikum bei Leos Janaceks tierfabeliger Oper erwartet. Das Premierenpublikum feiert den Regisseur am Ende für seine atemvolle Inszenierung. Und wohl auch, weil es seine letzte Inszenierung als Intendant am Hause ist. Seine Abschiedssaison hat damit begonnen.

Nach Dresden. Elisabeth Stöppler inszeniert Verdis "Maskenball". "DNN" berichtet:

Regisseurin Elisabeth Stöppler spricht von einem Kraftwerk der Gefühle, und das müsste von Raum und Zeit unabhängig sein, Psychologie stünde gegen Politik. Die Bühne von Rebecca Ringst und Annett Hunger ist die erste sichtbare Konsequenz dieses geistigen Prozesses. Ein eigentliches Bühnenbild existiert nicht. Hubpodien werden fast schon im Übermaß eingesetzt, andere riesenhafte quadratische Elemente dienen als Leuchtenträger (Lichtdesign Fabio Antoci), können aber ebenfalls als Spielflächen verwendet werden. Das beständige Verfahren der oberen und unteren Elemente wirkt einerseits verspielt, nutzt sich aber in seiner Wirkung auch relativ schnell ab, so dass man den Wunsch nach anderen Lösungen nicht auf Dauer unterdrücken kann. Über die Sänger lesen Sie in der Presseschau!

Krimi in Dortmund: Wie kam Senta ums Leben? Mord oder Unfall?? Der Gerichtsmediziner ist am Wort!

Da hat Dr. Peter Bilsing in seiner Rezension doch eine Frage offen gelassen, die so rasch nicht zu beantworten sein wird. Es gibt ein Gerangel zwischen Senta und Erik - und Senta bleibt auf der Strecke. War es nun ein Unfall oder ein Mord. Zum Glück haben wir die Gerichtsmedizin!

Ein Rätsel gab auch meine Bemerkung in der Kolumne von gestern auf. Wie heißt nun das Stück, dass eine nicht genannte Rezensentin nicht besprechen wollte, weil es ganz einfach zu nichtssagend ist? Eine streitbare Forumsdame war sich ihrer Sache - wie immer - ganz sicher - und stieg furchtbar auf die Seife! Die Dame irrt, wie dort, so hier! Es darf weiter gerätselt werden - von mir erfahren sie nichts. Dramaturgisch scheint das ganz gut aufgebaut zu sein, allein, es war nicht von mir beabsichtigt. Schade, ich schmücke mich nicht mit fremden Lorbeeren!

Michael Maertens will aus Wien schon wieder weg. Zumindest erzählt er das in Hamburg!

Matthias Hartmann hat es nicht leicht und muss allerlei über seine Künstler in der Zeitung lesen. Neulich, dass Birgit Minichmayr nach München übersiedelt. Jetzt, dass sein absoluter Star, Michael Maertens, eigentlich lieber in Hamburg wäre und möglicherweise bei erster Gelegenheit dorthin abspringen wird…

Michael Maertens lebt seit ein paar Jahren in Wien, spielt am Burgtheater. Ist man als Schauspieler am Ziel angekommen, auf dem Olymp, wenn man am wichtigsten deutschsprachigen Theater spielt? "Ich will nun wirklich nicht schleimen", sagt Michael Maertens, "aber Hamburg ist die wichtigste deutsche Theaterstadt. Hier haben so viele tolle Schauspieler gespielt, so viele tolle Regisseure gearbeitet. Das Publikum hat das alles zu schätzen gewusst. Ich bin nur leider zu rastlos, um immer an einem Ort zu bleiben. In den letzten Jahren hat sich das aber schon gebessert. Ich sag's mal so: Ich will nicht immer in Wien bleiben. Ich hoffe, dass ich es irgendwann ganz nach Hamburg schaffe. Ich hab die Stadt wahnsinnig gern. Die Vorurteile stimmen nicht, die Hamburger sind hilfsbereit und lustig. Ja, manchmal hab ich Heimweh."

Diese Info aus dem "Hamburger Abendblatt" fand Renate Wagner für uns!

Michael Tanzler, auch bekannt als M.T. in unserem Forum, ist ein "Macher, wie er im Buche steht". Nun veranstaltet er die "Schwarzataler Belcantowochen", die am Freitag in der Katholischen Pfarrkirche Neunkirchen mit Rossinis "Stabat Mater" eröffnet werden! Mit dabei: Marianna Pizzolato, immerhin Partnerin von Anna Netrebko bei deren "Stabat-Tournee". Höhepunkt ist aber wohl Verdis Attila (konzertant) am 22.10. in der Stadthalle Ternitz. In unseren Tagesinfos erfahren Sie mehr darüber, auch wie Sie zu den raren Karten kommen!

Alberto Gazale gastiert in Ternitz

Dafür bietet Tanzler tolle Namen auf: Alberto Gazale, Francesco Elleo d'Artegna, Ingnacio Encinas, Elena Lo Forte und Neunkirchens wohl einzigen "Kammersänger", Stefan Tanzer von der Wiener Volksoper!

Besuchen Sie die Schwarzataler Belcantowochen!!

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.
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DONNERSTAG, 6. OKTOBER 2011

Sonntag Premiere "La Traviata" an der Wiener Staatsoper. Regisseur ist Jean-Francois Sivadier

Oft will das Publikum in ,La Traviata ein großartiges Bühnenbild und aufwendige Kostüme sehen. Doch die Protagonisten sind keine Helden, nicht gut oder böse, sondern einfach menschlich." Jean-Francois Sivadier, der in der Neuproduktion von Verdis Drama um die "vom Weg abgekommene" Violetta Valéry in der Wiener Staatsoper Regie führt, hält wenig von historischen Kostümen und luxuriösen Dekors: Das Besondere an der Tragödie der Kurtisane, die ihr ungebundenes Leben der Liebe willen aufgibt und schließlich an gesellschaftlichen Konventionen scheitert, sei doch gerade, dass es sich um keine Heroengeschichte in antikem Ambiente handle, sondern um eine realistische Begebenheit aus dem Hier und Jetzt des Publikums. Darum agieren die Protagonisten in der Regie des Franzosen, die nach beinahe exakt 40 Jahren die Inszenierung von Otto Schenk ablösen wird, auch in moderner Kleidung und schmucklosem Ambiente (Bühne: Alexandre de Dardel). "Ich mag es, wenn ich in der Oper nicht weiß, zu welcher Zeit die Handlung spielt", so der Regisseur. "Denn die Musik ist zeitlos, universell."

So der Regisseur in der "Wiener Zeitung". Wirklich gespannt ist wegen dieser Premiere niemand, denn die, die sie interessiert, haben die Inszenierung bereits via "Arte" aus Aix im TV gesehen und wissen, was sie erwartet. Auch die Violetta ist mit Natalie Dessay ident besetzt, an der zierlichen Sopranistin scheiden sich ohnehin die Geister! Wir vom Online-Merker sind natürlich dabei und bleiben auch in der Vorberichterstattung am Ball!

Philippe Jordan, ab 2014 Chef der Wiener Symphoniker

Sängerknabe, Klavierschüler, mit 16 dann schon Student am Zürcher Konservatorium: Dem Sohn des Dirigenten Armin Jordan prophezeiten hellhörige Beobachter bald eine schnelle Karriere. Philippe Jordan, heute 36, war kaum 20, als er Jeffrey Tate in Paris assistieren durfte, als der Wagners „Ring des Nibelungen" einstudierte.
In Paris war er dann mit Mitte dreißig selbst an führender Stelle inthronisiert: Seit zwei Jahren ist Philippe Jordan Chefdirigent der Pariser Oper und angesichts des anhaltend labilen Gesundheitszustands von Intendant Nicolas Joël ungewöhnlich stark in die Direktionsgeschäfte involviert. (Auszug aus der "Presse")

Eine Überraschung ist diese Bestellung keineswegs, denn darüber haben wir bereits vor 6 Monaten berichtet. Da Jordan erst ab 2014 zur Verfügung steht und Fabio Luisis Vertrag (so er diesen durch seine Met-Verpflichtungen überhaupt erfüllen kann) bereits 2013 endet, sind die Symphoniker ein Jahr lang "führerlos". Wetten, dass sie das Jahr problemlos schaffen!

Nun zum Japan-Gastspiel der Bayerischen Staatsoper. Die Strahlung war im Flugzeug weit höher als in Tokio, die Hysterie vor dem Abenteuer sicher übertrieben. Vorsicht muss sein - aber man kann auch übertreiben! Die "Welt-online" berichtet: Inzwischen sind mehr als die Hälfte der 415 Japanmitfahrer wieder in München aufgeschlagen, "Lohengrin" und Donizettis "Roberto Devereux" sind abgespielt, und das Restensemble hat mit den Proben für das letzte Bayern-Schmankerl, "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss, begonnen. Auch Edita Gruberova eigens mitgeführter Geigerzähler schlug nicht aus und der Spaghetti-Notvorrat der Diva blieb unangetastet. So fanden 150 Jahre deutsch-japanische Freundschaft, mit diversen Wimpeln an allen Spielstätten ausgeflaggt, doch noch ein gutes Ende.

Kent Nagano war angeblich der Schwachpunkt des Gastspiels

Kent Nagano, Kalifornier der zweiten Generation, der selbst den Japanern mit seiner Zen-Introvertiertheit fremd scheint, wirkte bei seinen Opern- und Konzertdirigaten in Tokio wie sich selbst abhanden gekommen. Selten hat man ihn so gehemmt, so flau und langatmig, so unsicher erlebt. Und das sicher nicht nur, weil er den Machtkampf mit Opernintendant Bachler verloren hat, im Sommer 2013 (nach immerhin sieben Spielzeiten) wieder Abschied von der Isar nehmen wird. Nun mag der schwache Auftritt des Noch-Generalmusikdirektors zwar Wasser auf der Mühle am rauschenden Bach(ler) sein. Aber für die Staatsoper, die hier immerhin einst mit dem in Japan hochverehrten Wolfgang Sawallisch, dem gurugleichen Carlos Kleiber und dem glamourösen Zubin Mehta angetreten war, ist das nicht gut. Nagano hat keine sonderliche Beziehung zu Wagner (auch wenn er diese Spielzeit in München noch den ganzen "Ring" herausbringen wird), sein "Lohengrin" in der Bunka Kaikan aber war so auf Sicherheit dirigiert (und wackelte trotzdem kräftig), dass er etwas Ledern-Lasches bekam.

Lesen Sie weiter in der "Welt-Online"!

Es geht in folgendem Beitrag nicht um den unumstrittenen Sänger Placido Domingo, sondern um den sehr wohl umstrittenen Dirigenten gleichen Namens.

Placido Domingo ist erbost über eine Rezensentin und schreibt einen Leserbrief

Normalerweise geben Musiker vor, Medienkritiken ihrer Auftritte zu ignorieren. Auf eine Opernbesprechung der «Washington Post» hat Placido Domingo nun aber mit dem «ersten Leserbrief seines Lebens» reagiert.

Domingo bemängelt in der Zuschrift an die «Washington Post» die Art und Weise, wie die Kritikerin Anne Midgette eine «Tosca»-Produktion der Washington National Opera rezensiert hat, in der er als Dirigent amtete.

Wie aber sieht Jan de Turovsky in den USA den Dirigenten Placido Domingo? Jan hat mir eine mail geschrieben: Lieber Anton Cupak, Domingo ist ein schrecklich mittelmäßiger um nicht zu sagen schlechter Dirigent. Habe selbst die Bohème-Aufführung in der Met 7. 12. 2006 erlebt, in der er vehement ausgebuht wurde. Zu Recht. Netrebko fühlte sich hilflos und verlassen und sang trotz allem glorios ihren Weg durch die Partitur, während Domingo stur wie ein Dorfkapellmeister, als habe er das Metronom am Ohr, einfach weitermachte.
Etwas Ähnliches erlebte ich am 26. 3. dort in Romeo et Juliette.
Jan

Auch eine weitere Info erging an mich:

Lieber Toni!
Ein schon pensionierter Philharmoniker zum Dirigenten Domingo: "Er ist so ein lieber Kerl, wir lassen ihn fuchteln, die Einsätze für Bühne und Orchester übernehmen die Konzertmeister vom Geigenpult aus. Dann haben wir eine schöne vorstellung und er ist glücklich."
Das bezieht sich auf div. Silvesterfledermäuse und einige Trovatore Vorstellungen. Gruß Elena

Die singenden Mönche des Wienerwaldstiftes Heiligenkreuz kehren zurück ins Musikgeschäft.
Unter dem Titel «Chant - Amor et Passio» bringen sie nach 2008 eine zweite CD auf den Markt.

Eine Forumsdiskussion stößt Renate Wagner sauer auf. Sie bezieht Stellung, obwohl ich ihr davon abgeraten habe. Aber dieser Internetauftritt wird von keiner Stelle gefördert, wir sind absolut unabhängig und können uns eine eigene Meinung leisten! Welches Medium in Österreich kann das noch?? Lesen Sie in den heutigen Tagesinfos, was Renate Wagner über das Stück zu sagen hat!

Ben Johnsons "Volpone oder der Fuchs", ebenfalls aus der "Firma Wiener Volkstheater" wird dagegen den Lesern an das Herz gelegt, von Renate Wagner mit Einschränkungen, von meiner Frau - die ebenfalls Renate heißt - uneingeschränkt. Auszug aus der Wagnerschen Kritik: Wie Susa Meyer, jeder Arm in einen anderen Mantel gesteckt, solcherart zwei Leute zugleich verkörpert und ein Zwiegespräch mit sich selbst führt, ist ein Gusto- und Prunkstück des Abends. Im übrigen verkörpert sie von der Nutte über den komischen Alten bis zur zweifelhaften Ehefrau alles mit gleicher komischer Kraft. Ronald Kuste spielt den Volpone als boshaften Zwerg, holt sich aber dann die meisten Lacher, wenn er als Richter nach allen Regeln der Kunst sächselt. Günther Wiederschwinger hat die törichten Typen zugeteilt bekommen, während sich Patrick O. Beck und Clemens Matzka – wahrlich einer besser als der andere – die durchtriebenen teilen.

Was ist dann des Abends Schwäche? Erstens die Einförmigkeit, mit der über die Bühne gestürmt wird, immer gleich laut, gleich schnell, gleich vordergründig. Und zweitens die Länge: Von den zwei Stunden vierzig Minuten könnte man auf die 40 Minuten mühelos verzichten (Streichen ist eine hohe Kunst, aber auf dem Theater eine ungemein wichtige) – und weniger wäre hier sicherlich mehr. Man täte dem Abend allerdings unrecht, wollte man nicht vermerken, dass er dem Publikum offenbar außerordentlich gefallen hat.

Michael Maertens will aus Wien schon wieder weg. Zumindest erzählt er das in Hamburg!

Matthias Hartmann hat es nicht leicht und muss allerlei über seine Künstler in der Zeitung lesen. Neulich, dass Birgit Minichmayr nach München übersiedelt. Jetzt, dass sein absoluter Star, Michael Maertens, eigentlich lieber in Hamburg wäre und möglicherweise bei erster Gelegenheit dorthin abspringen wird…

Michael Maertens lebt seit ein paar Jahren in Wien, spielt am Burgtheater. Ist man als Schauspieler am Ziel angekommen, auf dem Olymp, wenn man am wichtigsten deutschsprachigen Theater spielt? "Ich will nun wirklich nicht schleimen", sagt Michael Maertens, "aber Hamburg ist die wichtigste deutsche Theaterstadt. Hier haben so viele tolle Schauspieler gespielt, so viele tolle Regisseure gearbeitet. Das Publikum hat das alles zu schätzen gewusst. Ich bin nur leider zu rastlos, um immer an einem Ort zu bleiben. In den letzten Jahren hat sich das aber schon gebessert. Ich sag's mal so: Ich will nicht immer in Wien bleiben. Ich hoffe, dass ich es irgendwann ganz nach Hamburg schaffe. Ich hab die Stadt wahnsinnig gern. Die Vorurteile stimmen nicht, die Hamburger sind hilfsbereit und lustig. Ja, manchmal hab ich Heimweh."

Diese Info aus dem "Hamburger Abendblatt" fand Renate Wagner für uns!

Michael Tanzler, auch bekannt als M.T. in unserem Forum, ist ein "Macher, wie er im Buche steht". Nun veranstaltet er die "Schwarzataler Belcantowochen", die am Freitag in der Katholischen Pfarrkirche Neunkirchen mit Rossinis "Stabat Mater" eröffnet werden! Mit dabei: Marianna Pizzolato, immerhin Partnerin von Anna Netrebko bei deren "Stabat-Tournee". Höhepunkt ist aber wohl Verdis Attila (konzertant) am 22.10. in der Stadthalle Ternitz. In unseren Tagesinfos erfahren Sie mehr darüber, auch wie Sie zu den raren Karten kommen!

Alberto Gazale gastiert in Ternitz

Dafür bietet Tanzler tolle Namen auf: Alberto Gazale, Francesco Elleo d'Artegna, Ingnacio Encinas, Elena Lo Forte und Neunkirchens wohl einzigen "Kammersänger", Stefan Tanzer von der Wiener Volksoper!

Besuchen Sie die Schwarzataler Belcantowochen!!

Nun zu den Filmen: Lars von Triers Hitler-Sager wird nun von den Behörden überprüft. Ich habe rasch noch das Datum des mir vorliegenden Zeitungsartikels (es sind sogar zwei) überprüft, tatsächlich stammt die Info vom 5.10.2011. Dabei war der Vorfall bereits in der Steinzeit! Und es sind keine österreichischen Behörden am Werk, "Schneckenjustiz" gibt es offenbar überall!

Atkinson bietet sein alte Verhaltens-Erfolgsrezept: Wer alles betont richtig machen will, fällt besonders ergötzlich auf die Nase. Dabei ist er in seiner Bemühtheit wirklich liebenswert – und aufgrund der von Regisseur Oliver Parker hemmungslos entfalteten Slapstick-Komik auch brüllend komisch. Am Ende soll er zum Dank für seine doch noch siegreichen Leistungen von der Queen zum Ritter geschlagen werden. Klar, dass das nach allen Regeln der Kunst schief geht. Er denkt, es ist die China-Oma und nimmt die alte Lady fest in den Schwitzkasten. Aber nein, es ist die echte Queen… und nur die ultimative Pointe bleibt der Film schuldig: Nein, wir sehen jetzt nicht Helen Mirren. Aber trotzdem einen hemmungslosen Briten-Spaß.

Wer dafür etwas übrig hat, wird bestens bedient.

Soweit ein Auszug aus Renate Wagners FILMRUBRIK!

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.
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FREITAG, 7. OKTOBER 2011
Sonntag Premiere "La Traviata" an der Wiener Staatsoper. Charles Castronovo und Natalie Dessay. Foto: Barbara Zeininger

Unsere Fotografin Barbara Zeininger besuchte die Fotoprobe, wir beliefern Sie in den nächsten Tagen mit "Traviata"-Fotos. Vier davon sind bereits heute in den Tagesinfos zu sehen!

Natalie Dessay steht natürlich im Mittelpunkt. Im Gespräch mit Dr. Wilhelm Sinkovicz von der "Presse" verriet sie, dass sie sich auf Sonntag besonders freut: Ich hätte ja nie gedacht, dass ich diese Partie je singen würde“, sagt Natalie Dessay und korrigiert sich gleich: „Dass ich sie singen darf! Dürfen ist das richtige Wort.“ Am Sonntag ist sie die Violetta in der Neuinszenierung von Verdis „Traviata“ an der Wiener Staatsoper.

Die Produktion wird, wie berichtet, von den Festspielen in Aix en Provence übernommen, wo im Sommer das viel beachtete Debüt der Sopranistin in der Titelpartie stattgefunden hat. (Anm. d. Red.: Die Leserin Brigitte Tautscher macht uns aber darauf aufmerksam, dass das eigentliche Debüt 2009 in Santa Fe erfolgt ist) „Natürlich“, sagt die Dessay, „ist in Wien die viel bessere Akustik. Und das unglaublich gute Orchester. Das sind natürlich herrliche Bedingungen.“

Die Violetta zu singen, bewertet sie für sich dennoch als waghalsig: „Eigentlich gehe ich damit über meine Grenzen hinaus“, bekennt sie, „und ich weiß das natürlich ganz genau.“ Als unkontrolliertes Bühnenwesen ist sie nicht bekannt. Im Gegenteil. Natalie Dessay hat sich seit ihrem triumphalen Durchbruch anlässlich der Wiener Premiere von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, 1993, jeden Schritt genau überlegt.

Ihr "Alfredo" ist Charles Castovovo

Natalie Dessay wollte eigentlich keine Opernsängerin werden, sie tendierte eindeutig zum Schauspiel, bei dem sie letztlich wieder landen wird/will: Ich möchte Theater spielen; bin daran mehr interessiert als viele meiner Sängerkollegen. Eigentlich würde ich demnächst gern aufhören zu singen und wirklich zum Sprechtheater gehen. Vielleicht liest das ja ein Direktor und engagiert mich?“

Jetzt lockt aber vorerst doch noch die „Traviata“, später, sagt Natalie Dessay, „vielleicht einmal alle großen Frauenpartien in ,Hoffmanns Erzählungen“, vielleicht dann auch noch Bellinis ,Puritani“ – das ist zwar langweilig zu spielen, aber sehr schöne Musik. Aber dann?“

Nach Berlin: Janácek-Zeit: Das passt schon für einen Spätzünder, der alle seine wichtigen Werke erst in reifen Jahren schrieb und dabei oft das Altern und Vergehen zum Thema machte. Nicht zuletzt in jenen beiden Opern, die an der Behren- und an der Bismarckstraße die diesjährige Berliner Musiktheater-Saison eröffnen: „Das schlaue Füchslein“ und „Aus einem Totenhaus“. Ihr Zusammentreffen mag Zufall sein, zumal die Staatsopern-Inszenierung Patrice Chereaus ein internationaler Exportartikel ist, herausgebracht zu den Wiener Festwochen 2007. Genügend Symbolik schwang trotzdem mit: Die Gefangenen-Oper nach Dostojewski ist Leoš Janáceks letzte vollendete Oper überhaupt, und an der Komischen Oper gab Andreas Homoki mit dem "Füchslein"seinen Regisseurs-Abschied an dem Haus, das er nach neun Intendantenjahren verlassen wird. (Quelle: "Märkische Allgemeine")

Ivan Fischer ist ein Dirigent der Meisterklasse und neuer Chef des Konzerthauses am Gendarmenmarkt. Sein Vertrag beginnt mit der Saison 2012/13 und läuft drei Jahre. ²Morgenpost Online" stellt den empfindsamen Chefdirigenten vor.

Frankfurts Erfolg hat zwar mehrere Namen, ein wichtiger davon ist aber Bernd Loebe

Orchester des Jahres, Sänger des Jahres. Wieder hat die Oper Frankfurt auf zwei wichtigen Positionen die Gunst der internationalen Musikkritik gefunden. In der jährlichen Umfrage der Zeitschrift "Opernwelt" liegt das von Bernd Loebe geführte Haus einmal mehr an der Spitze der deutschen Opernhäuser und international – nach dem Brüsseler "Théâtre de la Monnaie" – an zweiter Stelle. Im Brüsseler Haus hatte Loebe übrigens vor seiner Frankfurter Intendanz zehn Jahre lang das Künstlerische Betriebsbüro geleitet.

Es wäre nun ebenso einfach wie unangemessen, den Erfolg kurzerhand mit Loebes Namen zu verbinden. Gewiss, er liebt die Oper – eine in diesem Metier gar nicht selbstverständliche Tugend. Aber er geriert sich nicht als schillernde Figur, verzichtet auf sängerischen und dirigentischen Starkult, bucht keine aufsehenerregenden Skandalregisseure und stellt sich auch nicht an die Spitze der kulturpolitischen Jammerfront. Die Väter und Mütter des Frankfurter Erfolgs heißen – wenig spektakulär – Sachkenntnis, Ensemblepflege, Teamgeist, Mut und Verlässlichkeit in Bezug auf das Niveau jeder einzelnen Aufführung wie auch auf das Gespür fürs Publikum aus Stadt und Region, das die Oper als musikalisches Kraftzentrum in Frankfurt erlebt. (Auszug aus "Nassauische Freie Presse").

Darmstadt-Ring: Rals Lukas (Wotan/Wanderer), Elisabeth Hornung (Erda). Foto: Barbara Aumüller

Darmstadt legt mit einer beachtlichen Taktung die vier Teile von Wagners »Ring des Nibelungen« vor - wobei der Intendant John Dew mit dem ersten Ring an diesem Haus seit 65 Jahren allerdings auch in den Grundzügen auf seine von 2002 bis 2006 in Wiesbaden entwickelte, ihrerseits wiederum auf eine einstmals aufsehenerregende Großtat des noch jungen Regisseurs in den 80er Jahren in Krefeld zurückgehende Konzeption zurückgreift.
Diesem Umstand mag auch die Tatsache geschuldet sein, dass im »Siegfried«, dem dritten Teil, der nach »Rheingold« und »Walküre« am Ende der vergangenen Spielzeit jetzt Premiere hatte, der titelgebende Protagonist mit seinem glitzernd vor der imposanten Wampe baumelndem Peace-Zeichen unter der Jeansweste und der Wanderklampfe wie bereit zum Aufbruch nach Woodstock wirkt und nicht wie wenn er in abenteuerlich-jugendlichem Furor in den finsteren Wald ziehen wollte, um das Fürchten zu lernen. Schon in den 80er Jahren ist dieser Typus schon eine im Verschwinden befindliche Zeiterscheinung der vorangegangenen Jahrzehnte gewesen. (Auszug aus "Main-Netz.de")

Vor zwei Tagen kam mir ein Artikel über eine "Aida" an einem deutschen Theater unter die Hände, in dem berichtet wird, dass Radames bei seiner "Celeste Aida" gerade einen Parkettboden verlegt! Nun wollte ich diese interessante Variante vor Ihnen ausbreiten, finde aber den Link nicht mehr. Weiß ein Leser, welches Theater da gemeint war?? Mittlerweile, um 13 h, hat sich der Fall geklärt. Es handelt sich um die Heidelberger-Produktion, die von Merker-Mitarbeiter Friedeon Rosén rezensiert wurde (siehe "Kritiken"). Mein Gedächtnis ist auch nicht mehr auf dem früheren Stand!

Wagnerianer pilgern dieser Tage nach Eisenach. Dort beklagen Sie via "in.Franken.de", dass Bayreuth sich ihnen immer mehr entfremded. Wir haben uns ganz zurückgezogen von Bayreuth", sagte der Musikwissenschaftler, Germanist und Kunstgeschichtler Pohl. "Das mag viele verwundern, aber Wagner findet auch ohne Bayreuth statt." Bloß, wenn nichts mehr mit Wagner zu tun habe, "was sollen wir noch dort?", fragte Pohl. "Es ist nichts mehr auf dem Spielplan, was szenisch mit der Vorgabe der Partituren übereinstimmt", kritisierte der 51-Jährige. Text, Musik und Szene würden zunehmend bei Wagner-Aufführungen aufgebrochen.
"Wir wollen keinen besonderen Stil, etwa den der Uraufführung, sondern das, was Wagner in der Partitur festgelegt hat - durchaus mit modernen Mitteln", benannte er die Wünsche der Mitglieder. Aber dabei laufe man in Bayreuth ziemlich gegen die Wand.

Der Literatur-Nobelpreisträger 2011: Tomas Tranströmer - auch nicht unumstritten!

Die Stockholmer haben einen der Ihren ausgezeichnet, einen Fall für Spezialisten, Lyrik-Fexe. Das mag ja noch angehen. Aber muss es unbedingt ein Vertreter jener klassischen Moderne sei, die seit mindestens einem halben Jahrhundert etabliert ist, von der nichts Neues mehr ausgeht und die keinen geistig produktiven Menschen heute noch beflügeln würde?

Und was folgert "Welt-Online" daraus:
Der Literatur-Nobelpreis übersah zu oft die wirklich Großen

Die Ott also - man muss dem österreichischen Kinobesucher die Legende nicht schildern, er kennt sie aus Jahrzehnten und in hundertfacher Variation ihres öffentlichen Auftretens. Bewundernswert ihre Arbeitskraft – Hirzenberger ist ihr offenbar längere Zeit wie ein Schatten gefolgt, erlebt sie meist in ihrer Schauspielschule, bei Aufnahmeprüfungen, auch einmal im Kostümverleih, ebenso bei den Festspielen in Liechtenstein, man erlebt die Ott auch bei Auftritten auf der Bühne oder bei irgendwelchen Bürgermeister-Veranstaltungen. Hirzenberger befragt ihre Mitarbeiter, besonders ihren Adoptivsohn (und für alle, die gerne im Schmutzkübel wühlen, erinnert er gelassen an all die Gerüchte, die über ihn und die Ott herumschwirrten), er zeigt, was junge Schauspielschüler hier an Können vorfanden und was sie davon erhoffen. Und die Ott selbst gibt bereitwillig auf Fragen des interviewenden Filmemachers Antworten.

Bei Johnny Raducanu ist der Radius kleiner, man erlebt ihn in seiner Wohnung, eine Kollegin schildert die besondere Einsamkeit dieses interessanten Zigeuners, schließlich er selbst, diese Legende der Jazzmusik. Für denjenigen Kinobesucher, der ihn nicht vorn vornherein kennt, wird hier wenig zu gewinnen sein.

Apropos Arbeitskraft, Vitalität der „alten Meister“: Das war ja nun wohl Hirzenbergers Thema. Unsensible Menschen werden brutal fragen, warum „die Alten“ denn keine Ruhe geben können. Hirzenberger zeigt, und das ist dann wohl doch die Leistung seines Films, wie unstillbar das Bedürfnis der „Alten Meister“ ist, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben… und wie wunderbar egal es ihnen ist, was die anderen von ihnen denken.

Besuchen Sie Renate Wagners FILMRUBRIK!

Was ist eine Einladung? Fragen Sie Hans Niessl und Michael Häupl

Folgendes berichtet uns der "Kurier": Landesweit war via großflächiger Plakate zum Pendler-Vereinigungsfest in die Bundeshauptstadt geladen worden. Auf der Homepage des Landes war gar zu lesen, dass es sich die Landeshauptleute Niessl und Häupl nicht nehmen lassen, "...Sie GRATIS ins Rathaus einzuladen." Wer diese Zeilen las, fand auch heraus, dass man sich für das Fest anmelden musste, was mehr als 2400 Burgenländer auch taten. Doch fast nochmal so viele kamen Mittwoch unangemeldet zum Rathaus, wo das Chaos gegen 19.30 Uhr seinen Lauf nahm.

Denn: Auf den Plakaten stand nichts von einer Anmeldung! Gerade Wiener sind bekannt dafür, dass sie für ein Paar "Gratis-Frankfurter" durch ganz Wien zu fahren bereit sind. Der große Ansturm stellte die Veranstalter vor Probleme, denn selbst die Angemeldeten mussten eine Stunde vor für sie verschlossenen Türen warten, während die "Vips" bereits drinnen lautstark feierten - und das Büffet, das - wie sich nachher herausstellte - ohnedies nicht für das gemeine Volk gedacht war, abräumten! "Ihr da oben, wir da unten" - das demonstriert echte Volksverbundenheit! Als man dann nach einer Stunde jene in den Festsaal ließ, denen es bis dahin nicht zu blöd geworden war (bzw. jene, die unbedingt ein Gratis- Würstel mit Bier haben wollten), machte sich große Ernüchterung breit. Unter "gratis" verstehen Niessl & Häupl nämlich 5 Euro für ein Bier!!! Gratis waren nur die Vips dabei!

So macht man sich echte Freunde!!!

Starten Sie gut in ein verregnetes Wochenende!

A.C.
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SAMSTAG, 8. OKTOBER 2011
Natalie Dessay: Stand Sie vor der Absage? Foto: Barbara Zeininger

Vor der Generalprobe am Freitag gingen Gerüchte um, wonach Natalie Dessay die "Violetta" in der Wiener Staatsopernpremiere "La Traviata" abgesagt habe. Als Ersatz stand bzw. steht natürlich immer noch Alexandra Reinprecht parat - und ich nehme eine Wette an, dass die Reinprecht einer der Vorstellungen während der Premierenserie singen wird.

Martin R. Botz besuchte die Generalprobe. Bevor wieder Rügen wegen eines Berichtes von einer Generalprobe (in diesem Fall sind es ja nur wenige zusammenfassende Zeilen) eintreffen, erkläre ich meine diesbezügliche Philosophie: Schlechte Nachrichten würde ich aus einer GP nie veröffentlichen (was die Sänger betrifft, die Inszenierung unterliegt ja keiner Tagesform und kann auch nicht im Schongang gefahren werden), aber beruhigende Infos schon. Was also kann Herr Botz vermelden: Heute war ich in der Generalprobe. Ich ging mit großer Skepsis nach der VT-Übertragung aus Aix.
Auf er Bühne schaut die Inszenierung wesentlich besser aus. Die Bühne ist sparsam bestückt mit einigen Hängern, Sesseln usw.
Die Personenführung scheint mir ganz gut gelungen. Das Orchester unter de Billy glänzend.
Die Dessay muss sicher ihre ganze Kraft einsetzen, aber sie überzeugt immer stärker. Castronovo beginnt mit sehr dunklem Timbre, singt die Cabaletta ohne Spitzenton, wird aber immer freier und das Timbre klingt viel heller - er ist gesanglich auch immer besser. Capitanucci hatz eine Superstimme, schaut aber nicht aus wie ein vecchio genitor, sondern wie der ältere Bruder. Ich wurde immer mehr von der Vorstellung gepackt und mir geht die alte, romantische Inszenierung nicht ab. Man wird sehen, wie das Publikum in der Premiere reagiert, diesmal gefiel es, so schien es jedenfalls, sehr.

Der "Standard sprach mit Natalie Dessay über deren Rolle und vor allem über "Singschauspieler", zu denen Dessay zweifellos gehört: Aber ich möchte jetzt auch mit echten Schauspielern spielen, denn sehr oft sind die Sänger nur Sänger. Nicht immer, glücklicherweise. Aber nur wenn sie auch Schauspieler sind, dann ist Oper wirklich toll.

STANDARD: Das ist ja etwas, das sich erst in den letzten Jahrzehnten als Ideal ergeben hat: Sänger-Darsteller.

Dessay: Ja, mit Maria Callas ist das gekommen, und mit anderen Sängern, die zugleich auch großartige Schauspieler waren und ein großes Charisma hatten. Aber dafür muss man natürlich auch sehr viel proben. Wenn man Theater spielt, braucht man fünf, sechs oder acht Wochen Proben. Bei der Oper ist es fast schwieriger, und man probt eigentlich immer zu wenig. Und sehr oft probt man gar nicht, weil man denkt: Ach, wir haben ja die Musik, das ist so einfach. Aber das Gegenteil ist wahr. Dann ist es ein Konzert im Kostüm.

Aufmerksame "Online-Merker"-Leser wissen bereits seit zwei Tagen, dass der designierte Symphoniker-Chefdirigent Phillipe Jordan an der Pariser Oper bis 2018 verlängert hat. Für den Online-Merker war nämlich Dr. Ingobert Waltenberger, Finanzattachée in Paris, bei Jordans Pressekonferenz und übermittelte umgehend seine Informationen. Nun zieht der "Standard" nach: 2012 wird Jordan außerdem sein Debüt in Bayreuth geben: Sechsmal soll der Schweizer Dirigent am "grünen Hügel" den "Parsifal" leiten. 2013 steht dann in Paris die Wiederaufnahme des Wagner-"Ring" auf dem Spielplan.

"Man sieht mich eher als Dirigent für Opern als für symphonische Programme", so Jordan. "Ideal wäre aber ein Gleichgewicht." Seine neue Funktion am Symphoniker-Chefpult in Wien werde ihm dies ermöglichen.

Jetzt setze ich für den "Merker" noch einen drauf, denn Sie sind bei uns nicht nur schneller, sondern auch besser informiert. Ein Auszug aus Dr. Waltenbergers Info: Die gefeierte "Parsifal"-Produktion stammt aus dem Jahr 2008 und wird in der nächsten Saison unter der Leitung von Jordan auch für DVD aufgezeichnet und letztmals in Bayreuth zu sehen sein. A propos Herheim: Die Pariser Oper wird 2013 Wagners Meistersinger von Nürnberg mit den Salzburger Festspielen in der Regie von Stefan Herheim ko-produzieren.

Reinhard von den Thannen
Reinhard von der Thannen, Professor an der Fakultät Design, Medien, Information (DMI) der HAW Hamburg, ist von 50 internationalen Kritikern im Auftrag der Zeitschrift „Opernwelt" zum „Kostümbildner des Jahres 2011“ gewählt worden.

Ausgezeichnet wurden unter anderem seine provokanten Kostüme in der Oper „Lohengrin“ von Richard Wagner, die bei den Bayreuther Festspielen 2010 international für Aufsehen sorgten. Reinhard von der Thannen erhält diesen begehrten Titel seit dem Jahr 2000 bereits zum vierten Mal. Die Auszeichnungen wurden ihm für seine Kostümierungen der Opern „Nabucco“ (Verdi), „Fidelio“ (Beethoven), „Idomeneo“ (Mozart) und nun für „Lohengrin“ verliehen. (Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

Diese Haarlocke allein ist bereits ein Kunstwerk!

Autor Horst Hollmann testet den Oldenburger Stehplatz. Foto: Torsten von Reeken!

Jetzt wissen wir, was ein Opernhaus erst zu einem "Großen Opernhaus" macht - der Stehplatz!! Das meint zumindest "NWZ-online"

Alle Regiegrößen von August Everding bis Peter Konwitschny hätten in Oldenburg inszenieren können. Es hätte nichts genutzt. Zu einem großen Opernhaus fehlte dem Großen Haus über Jahrzehnte das Entscheidende: der Stehplatz! Jetzt ist Oldenburg zu den großen Häusern aufgestiegen. Es weist im zweiten und dritten Rang 47 Stehplätze auf. Und was für welche!

Die erste standhafte Erfahrung mit diesen Kult-Plätzen ist umwerfend, natürlich im übertragenen Sinn. Ein Selbstversuch mit der „Zauberflöte” zeigt das. Erstens hört man im dritten Rang unterm Dach sowieso am besten. Ist es noch weit bis zum Olymp? Zweitens verschafft der aufrechte Stand hinter den Stuhlreihen ein Überlegenheitsgefühl. Wie ein Torwart im Fußball thront man hinter dem Geschehen, erlangt die beste Übersicht .

Ich sage das ja immer - und bevor ich auf den "Merker-Sitzen" an der Wiener Staatsoper meine lädierten Beine verrenken muss, bin ich lieber (und billiger) auf Stehplatz!

Charles Aznavour (85) ist gebürtiger Armenier. Nun baute man in Yerevan ein Haus mit Museum für Aznavour. Sensationell sind die Errichtungskosten des vierstöckigen Gebäudes: Läppische 1 Million Euro!

Gestern besuchte ich die Herbsttage Blindenmarkt. Mein Freund Toni Wendler wollte unbedingt die Premiere "Orpheus in der Unterwelt" sehen (und im Heft-Merker darüber berichten), traute sich jedoch nicht über eine lange nächtliche Autofahrt. Also wurde ich als Chauffeur engagiert. Die Heimfahrt Blindenmarkt - Wien dauerte lediglich 55 Minuten - trotz vieler Baustellen auf der "West"! Dr. Peter Dusek wird ohnedies bald berichten. Mir gefällt die flotte Produktion recht gut, es wären keine Leerkilometer, wenn Sie Blindenmarkt (bei Amstetten/NÖ )ansteuern würden!
Besonders schauspielerisch ist die Produktion sehenswert. Wenn ich nun Christian Baumgärtel (Pluto) und Julia Cengic ("Öffentliche Meinung") besonders hervorhebe, dann deswegen, weil ihre Rollen meiner Ansicht nach die dankbarsten, ergiebigsten sind.

Eine etwas zu überdrehte "Öffentliche Meinung" gab Julia Cengic ab!

Aber ach Gernot Kranner, Erwin Belakowitsch, Sarah Tuleweit, Simona Eisinger, Claudia Guarin u.a. sind hervorragende Singschauspieler, während Gabriele Schuchter als Typ umwerfend ist!!

Heute fahre ich nach Bratislava, dort steht im Alten Theater Verdis "Nabucco" auf dem Programm (19 h, Karten gibt es an der Abendkassa, Bratislava ist für uns Wiener zwar Ausland, aber immer noch näher als Blindenmarkt!

Martin Kusej inszenierte in München Schnitzlers "Das weite Land". Vor wenigen Wochen hatte das gleiche Werk am Wiener Burgtheater Premiere. Die "Welt-online" - also eine deutsche Zeitung, meint nun im Vergleich, dass es wohl 1:0 für das Wiener Theater steht. Wie gesagt, das meint eine deutsche Zeitung, wir Wiener üben uns ja bekanntlich in Bescheidenheit!

Ein Freund ist ein Freund, solange man auf der Uni herumhängt, und sondert sich ab, als er karrieremäßig verbürgerlicht (Robert Stadlober). Ein paar Abenteuer führen kurze Zeit vom Weg ab – in Deutschland um jeden Preis (und unter der Leitung von Detlev Buck) Abos zu verklopfen, geht ja noch, aber mit Josef Hader und Maria Hofstätter zu dritt ins Bett… na ja, das ist immer noch nicht Hardcore, wir sind in Österreich, die beiden reden auch noch lieb mit ihm, bevor es zur Sache geht (und dann wird auch noch abgeblendet). Zwischendurch wird unser Antiheld auch Taxfahrer (und Robert Palfrader als seinen großen Auftritt als halb krimineller Boß). Ein bisschen Hautgout des jeweiligen Flairs der sich wandelnden Jahrzehnte ist immer dabei.

Das alles wird ein wenig fleckerlteppichartig zusammen gestoppelt (jede Szene irgendein bekanntes Gesicht, Kabarett-Szene bevorzugt), aber auch das ist ein Stil, und er passt zur Geschichte. Man soll nicht mehr verlangen, als Autoren und Regisseure zu geben bereit sind – es ist keinesfalls zu wenig für den Preis einer Kinokarte. Auch wenn man nicht erfährt „wie man leben soll“. Aber das kann man bekanntlich nirgends nachlesen oder nachschauen, damit muss man sich schon selbst plagen.

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Nero - ein Literatur-Nobelpreisträger tat ihm bitter unrecht!

Wie der polnische Literaturpreisträger Heinrich Sinkiewicz (gest. 1916) in seinem berühmten Roman "Quo vadis?" Kaiser Nero dargestellt hat, ist eine Gemeinheit und grundfalsch. Die "Welt-online" will mit ihrer Richtigstellung beweisen, dass die Vergabe des Literaturnobelpreises oft eine reine Glückslotterie ist: Ungeachtet der pathologischen und mörderischen Seiten, die Nero – für römische Kaiser freilich nicht untypisch – auch besaß, erlebte Rom unter ihm eine beispiellose Periode äußeren Friedens, kultureller Blüte und wirtschaftlichen Aufschwungs. Nero war ein ungewöhnlich vielseitig interessierter Herrscher. Er brachte es zu durchaus ansehnlichen Fertigkeiten als Sänger, Dichter, Schauspieler und Wagenlenker, war an naturwissenschaftlichen und technischen Neuerungen interessiert, suchte die Nähe von Künstlern, Philosophen, Erfindern.

Diese Eigenschaften erschienen der privilegierten konservativen Aristokratenklasse freilich unschicklich und „unrömisch“. Vor allem provozierte sie Neros Volksnähe. Er verteilte großzügige Geldgeschenke an die Plebs, leitete Rechts- und Steuerreformen sowie eine die Vorrechte des Adels beschneidende Währungsreform ein. Gründe genug für konservative römische Historiker wie Tacitus, Nero posthum als Personifikation bestialischer Willkür und Sittenlosigkeit zu verteufeln.

Ein schwacher Trost für mich, dass auch Nero Unrecht angetan wurde!

Trotzdem, ein schönes Wochenende wünscht

A.C.
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SONNTAG, 9. OKTOBER2011
Fabio Capitanucci sieht in der Wiener Traviata (Premiere heute) eher wie der ältere Bruder von Alfredo aus: Foto: Barbara Zeininger

Der Worte sind eigentlich genug gewechselt, nun wollen wir Taten sehen! Aber noch einmal bieten wir Interviews im Vorfeld der Premiere einer Oper an, die mit Sicherheit - und das lässt sich ohne jedes Risiko bereits vor der Premiere sagen - in den kommenden Jahren zu den meistgespielten Produktionen der Wiener Staatsoper zählen wird! "La Traviata" - das ist eine "sichere Bank", auf die der Direktor, aber mehr noch der Säckelwart der Oper setzen darf! Umso wichtiger wäre es, wenn die Inszenierung heute gut aufgenommen wird. Die Vorzeichen dafür stehen günstig, denn Monsieur Sidavier hat keine wirklich unnötigen Mätzchen inszeniert, Genieblitze tauchen freilich auch nicht auf.

Und da sind wir auch schon bei einem Problem unserer Zeit, dass wir nämlich heute die Premiere einer Inszenierung erleben, die wir via Fernsehen bereits kennen. Die Spannung ist raus, das ist wie ein Autorennen oder ein Fußballspiel, dessen Resultat man bereits kennt!

Auch Bertrand de Billy hat seine "Version" wohl auch bereits in Aix abgerufen, uns erklärt er sie noch einmal im Gespräch mit dem "Kurier", dass er aber gemeinsam mit Natalie Dessay geführt hat:

Jeder Opernfreund kennt "La Traviata", das Orchester hat diese Oper unzählige Male gespielt. Was kann ein Dirigent da tun?
Bertrand de Billy: Jeder glaubt nur, dieses Werk gut zu kennen. Natürlich hat das Orchester Verdi extrem oft gespielt. Aber im Laufe der Jahre haben sich viele Ungenauigkeiten eingeschlichen. Man muss sich nur die Partituren ansehen, die über die Jahre hinweg verwendet wurden. Jeder Dirigent hat da so seine Eigenheiten hinterlassen, und auch die Wünsche der jeweiligen Sänger fanden da ihren Niederschlag. Nun muss man bei einer Neuproduktion diese manchmal sehr willkürlichen Zutaten entfernen und wieder mehr den Komponisten ins rechte Licht rücken.

Und wie geht das?
Ich habe eine neue, revidierte Partitur verwendet, die genau dem entspricht, was Verdi wollte. Er hat ja gerade diese Oper sehr genau und auch oft extrem bezeichnet - sowohl was Tempo, als auch was Dynamik und Ausdruck betrifft. Wenn man das umzusetzen versucht, klingt "La Traviata" zum Teil ganz ungewohnt und wieder neu.

Vielleicht werden wir heute doch noch etwas überrascht! Klammern wir uns an diese Hoffnung!

Von irgendwelchen Umbesetzungen ist zur Stunde nichts bekannt, was man von der Repertoir-"Butterfly" nicht behaupten kann. Das Sänger-Ehepaar Daniela Dessi/ Fabio Armiliato tritt, wann und wo immer möglich, gemeinsam auf. Angenehm dabei ist, dass sich auch die Spesen verringern. In diesen Tagen war diese Variante auch geplant, die Dessi als "Butterfly", Fabio als der "Windbeutel" Pinkerton. Aber Armiliato musste krankheitsbedingt w.o geben, so rückte Marian Talaba nach. Der war aber nicht (allein) schuld, dass die erste Vorstellung nach Ansicht unseres Mitarbeiters Johannes Marksteiner sehr zähe geriet:

Auch eine biedere Repertoirevorstellung kann enttäuschen. Josef Gielens alte Inszenierung war kein guter Boden für die aktuellen Protagonisten. Jede Stimme enttäuschte irgendwie, das Orchester patzte nach (welchen?) Noten, der Dirigent (Patrick Lange) hatte alle Mühe, das vollkommene Desaster zu verhindern.

Daniela Dessi bot in der Titelrolle zu wenig, um den Abend retten zu können. Ihre Mittellage war makellos, aber in den höheren Regionen plagt sie sich sehr. Anfängliche Nervosität war sicher auch schuld daran, dass sie diese schwere Partie so vorsichtig anlegte und höhere Töne nur kurz angesungen hatte. Aber auch im zweiten und dritten Akt war für die dramatischen Passagen zu wenig Kraft und Sicherheit vorhanden. Marian Talaba war für den erkrankten Fabio Armiliato eingesprungen, er sang den Pinkerton mit großem Einsatz, aber seine Stimme konnte nicht begeistern. Da war zu wenig Schmelz, in den dramatischen Passagen auch zu wenig Kraft. Auch darstellerisch blieb er ziemlich blass. Eijiro Kai sang den Sharpless durchaus ordentlich, wenngleich man über sein Timbre nicht unbedingt begeistert sein muss.

Unsere Berliner Online-Mitarbeiterin Ursula Wiegand war bei der zweiten Vorstellung von Janaceks "Das schlaue Füchslein" an der Komischen Oper Berlin. Bekanntlich lieferte Andreas Homoki seine (vorläufige) Abschiedsinszenierung an der Komischen Oper. Viele Eltern glauben immer noch, das "Füchslein" ist eine Kinderoper, weil putzige Tiere herumlaufen. Frau Wiegand schreibt (online in unseren Kritiken): Als der Förster das vom Wilderer erschossene Füchslein-Mädchen verzweifelt in seinen Armen hält, weint ein anderes Mädchen im Zuschauerraum laut auf. „Das schlaue Füchslein“ ist keine harmlose Kinderoper.

Dieser Beweis ist Homoki und allen Beteiligten – auch den hier nicht genannten – gelungen. Das Missverständnis „draußen“ scheint jedoch anzuhalten. Oder gilt etwa Janáčeks Musik noch immer als spröde? Wie sonst wäre es zu erklären, dass nach der überwiegend belobigten Premiere schon in dieser zweiten Aufführung viele Sessel leer bleiben? Das haben diese Oper und ihre Inszenierung nicht verdient!

Nach langer Zeit besuchte ich gestern das "Historische Nationaltheater Bratislava", also das alte Haus, in dem gestern "Nabucco" eine gute, wenngleich keine herausragende Vorstellung erlebte. Diese Vorstellung war gut besucht, die billigeren Karten total ausverkauft. In der teureren Kategorie gab es aber ca. 100 freie Plätze (angeblich ein ausgezeichneter Besuch in Bratislava, weil das Theater mit keinem "Touristenhaus", wie es die Wiener Staatsoper zweifellos ist, verglichen werden darf. Ich besorgte meine Karten an der Abendkassa (wohlgemerkt, keine Presse- sondern normale Kaufkarten), erhielt die Loge I auf dem 2. Balkon, mit leicht eingeschränkter Sicht - und löhnte dafür 50 Euro. Nicht pro Karte, sondern für die Zweierloge, die allerdings kein Separée ist, weil dafür das wichtigste Möbelstück fehlt.

Anna Ryan (Abigail). Foto:privat

Leid tat mir beim Kartenanstellen eine Gruppe englischsprachiger Mädchen, denen das verbliebene Kartenangebot zu teuer war. In der Wiener Staatsoper gibt es meines Wissens nach eine Aktion für Studenten, die unmittelbar vor der Vorstellung nicht verkaufte Karten billiger erwerben können ( Bratislava zur Nachahmung empfohlen).

Mit Anna Ryan, Denisa Hamarova; Michele Kalmandi, Jozef Benci und Tomas Juhasz war die Vorstellung gut besetzt, Rastislav Stur waltete souverän auf nicht ungefährlichem Standort seines Dirigentenamtes. Das etwa 1 Meter erhöhte Podest weist seitlich keine Abstützungen auf, in meiner Firma hätte das der Gewerbeinspektor nie und nimmer gestattet!

Da "Nabucco" zu den Choroper zählt, kamen mir so meine Gedanken bezüglich der Opernregisseure, die eigentlich arme Hunde sind. Wie beschäftigt man halbwegs vernünftig einen Opernchor, ohne total der Lächerlichkeit zu verfallen? Da treten Leute in gleicher Gewandung im gleichen Moment auf und ab, vollführen idente Handbewegungen und schauen dabei sogar manchmal recht gelangweilt aus der Wäsche (so nah war ich dran!). Suzana Gilhuus in ihrer einige Jahre alten Inszenierung hat versucht, das Beste daraus zumachen, lieferte auch einige gute Einfälle, für den Chor fiel ihr aber überhaupt nichts ein. Aber so eine wirkliche Idee hätte ich da auch nicht, also gehen wir mit den Regiekünstlern nicht allzu hart ins Gericht!

Die Kosten für einen Bratislava-Trip: Etwa 8 Euro für das slowakische Autobahnpickerl (Preisangabe ohne Gewähr, denn ich wählte den Umweg über Berg auf der Bundesstraße), € 7,60.- für die Parkgarage unmittelbar beim Opernhaus, das Sie um diesen Preis allerdings fluchtartig verlassen müssen, denn bei einem Restaurantbesuch zahlen Sie pro begonnener Stunde € 2,60.- mehr).

Jetzt rechnen Sie einmal nach, ob das mit Ihrem Budget vereinbar ist!

Höhere Benzinkosten haben Sie, wenn Sie von Wien aus nach Blindenmarkt zu "Orpheus in der Unterwelt" fahren. Ich habe mich aber ganz gut unterhalten - auch vor Beginn der Vorstellung, als Intendant Michael Garschall versuchte, Prominenz zu sichten. Dass die lokalen Politiker und auch die Leute, die für die Subvention des Landes Niederösterreich zuständig sind, extra zur Verbeugung antreten dürfen, ist bei einem lokalen Event logisch und in Ordnung. Dass bei den A-Promis aber das Auslaufmodell, "Frau Minister außer Dienst (schon längere Zeit nach umso kürzerer Amtsdauer) Dr. Andrea Kdolsky das Fähnchen dieser Promigruppe aufrecht erhalten musste, mutet etwas mickrig an!

Erwin Belakowitsch (CD-Präsentation mit Schuberts Winterreise am Dienstag im Wiener "Haus für Mozart) als Prof. Orpheus und Julia Cengic als "Öffentliche Meinung". Foto: Lukas Beck

Der "Kurier" bietet in unsere Presseschau 21 Fotos dieser Produktion an.

Merker Mitarbeiter Prof. Dr. Anton Wendler, selbst frührer Staatsoper-Sänger, schreibt in seiner Online-Kritk wie folgt: Mit der gebürtigen Kolumbianerin Claudia Guarin stand eine sehr attraktive Eurydike zur Verfügung, die es durchaus glaubhaft machte, daß sie der Höllenfürst Pluto (sehr gewandt und selbstsicher: der elegant singende Christian Baumgärtel) dem Gatten Orpheus (Erwin Belakowitsch, recht nonchalant und routiniert) entführt. Den Göttervater Jupiter brachte recht glaubhaft Gernot Kranner mit seiner Hilflosigkeit eines Autoritätslosen auf die Bühne, und wir Heutigen hätten nur allzu gerne gewußt, wie Johann Nestroy seinerzeit den Olympier bei der Wiener Erstaufführung dargestellt hat. Gabriele Schuchter als seine Gattin Juno lieferte einen äußerst köstlichen Stöckelschuhauftritt ab.
Julia Cencig /Öffentliche Meinung im Stile amerikanischer TV-Reporter war lebhaft und sehr engagiert.

Obwohl der so oft schon bewährte "Hauskomiker" Willi Narowetz die von Schauspielern sehr begehrte Rolle des Höllenfaktotums John Styx übernommen hatte, hielt sich seine Lustigkeit diesmal etwas in Grenzen, denn sein schon mehrfach erwiesener Humor wollte sich nicht so richtig entfalten. Doch, was soll's: Seine Anhänger genossen trotzdem die Schrulligkeit des mittelalterlich gekleideten Unikums

Im Vergleich mit Bratislava brauchen Sie für die Fahrt nach Blindenmarkt kein zusätzliches Autobanpickerl - und der Parkplatz ist - wenn vorhanden - auch gratis - und von der Freiwilligen Feuerwehr bewacht!!

Lüneburg: Vor zwei Jahren stellte Peter Reiter seine Komposition "Tosca" fertig. Sie wurde mit der Bigband des Hessischen Rundfunks gründlich geprobt und insgesamt zweimal im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt. Seitdem herrschte Funkstille um diese Melange aus Arrangement und Eigenkomposition nach Puccinis berühmter Oper. Bis Blechschaden-Chef Detlef Schult sich für dieses Projekt interessierte. Er bereitete seine Bigband seit September auf die Aufführung vor, zwei Proben mit dem Komponisten folgten. Das brillante Ergebnis in feinstem akustischem Sound wurde nun unter Reiters Leitung im Theater Lüneburg von einem nicht sehr zahlreichen, aber begeisterten Publikum bewundert (Auszug aus "Landeszeitung Lüneburger Heide").

Sieht etwas "gschtaucht" aus, der Falco! Denkmal-Enthüllung in Gars

Es ist die „erste und einzige“ Statue des 1998 verunglückten Popstars. Das Denkmal wurde im Kurpark enthüllt. 600 Wegbegleiter, Freunde und Fans waren trotz Regens und Kälte dabei. Ex-Falco-Bandleader Thomas Rabitsch war genauso unter den Gästen wie Ronald Seunig, der Falcos betagte Mutter Maria Hölzl begleitet hatte. (Auszug aus "ORF.at".

Sebastian Vettel wurde heute in den Morgenstunden "Formel 1" Weltmeister. Das war wenig überraschend, denn er nützte bloß den ersten "Matchball" von deren vier! Trotzdem bin ich nicht ganz glücklich, weil ich eine Wette verloren habe. Die zugegeben ganz kuriose und unrealistische Wette mit meiner Frau lautete, dass ich - würde ich heute aus der Situation Sebastian Vettels mit meinem Mitsubishi an den Start gehen, wohl auch Weltmeister würde - wobei mir selbstverständlich klar war, dass ich wohl nicht das Ziel erreicht hätte. Voraussichtlich wäre ich mit voller Hose nach 2 Runden ausgestiegen, ich baute aber fest darauf, dass Vettel keinen WM-Punkt mehr brauchen würde, da Jenson Button nicht gewinnt. Fehlanzeige, Button hat gewonnen - und Vettel sicherte sein dritter Rang vorzeitig den WM-Titel!

Die "Simpsons" sind gerettet! Zwei neue Staffeln werden gedreht! Diese Info verschönt mir den Sonntag.

Hoffentlich auch Ihnen! Das wünscht

A.C.
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MONTAG, 9. OKTOBER 2011
Zweimal Natalie Dessay in der Wiener "Traviata"
Foto: Barbara Zeininger

Überraschungen gab es keine: Kein Opernfreund hat sich, so er nicht live in Aix-en-Provence war, die Übertragung der neuen „La traviata“ der Wiener Staatsoper via arte im Fernsehen entgehen lassen. Nur – dort, aus dem Blickwinkel der Kameras, wirkte die Aufführung um einiges überzeugender. Nun tatsächlich auf die Bühne in Wien übertragen, stellt man fest, wie „leer“ diese Inszenierung ist – sowohl szenisch wie inhaltlich. Sie wird den Sängern des Hauses, wenn die Premierenbesetzung einmal verweht ist, dasselbe unglückliche Los bescheren wie derzeit der „Eugen Onegin“: Sie werden hilflos auf der Bühne herumirren, auf der Suche nach einer Inszenierung, die nicht stattfindet und sie dabei allein lässt, Verdis vitale Schicksale zu erfüllen…

Mit diesen Worten startet Renate Wagner den Bericht über Ihre ersten Eindrücke der neuen Wiener "La Traviata", also über einen der Eckpfeiler des Repertoires wohl jedes Opernhauses!

Dank der "Kleinen Zeitung", die flugs die APA-Meldung übernahm, bin ich in der Lage, die Gegenprobe zur "Merker"-Rezensentin anzutreten. Laut APA schallte dem Regieteam ein veritables "Buh"-Konzert entgegen!

Allen voran die ausdrucksstarke Natalie Dessay fügt sich ob ihrer Fähigkeiten nahtlos ins Regiekonzept des schauspielerzentrierten Musiktheaters, auch wenn die 46-jährige Französin stimmlich vornehmlich in den tiefen Lagen teils deutliche Schwächen aufwies. Gegenüber der dominanten Violetta-Rolle absolut bestehend, fand sich mit erdig-sicherem Tenor wie schon im Juli in Aix-en-Provence erneut der US-Amerikaner Charles Castronovo im Liebesdrama. Für Wien neu im Ensemble als Alfredos Vater hingegen Fabio Capitanucci, der für seinen tragenden Bariton zurecht mit Bravorufen bedacht wurde.

Ebenso entschlackt wie das Bühnenbild führte Dirigent Bertrand de Billy das Staatsopernorchester durch den Abend. Pathos weitgehend meidend, bot er das Pendant zur reduzierten Interpretation auf der Bühne. Alles in allem ein reflexiver Abend über einen der großen Stoffe der Opernliteratur, dessen Regie-Ideen jedoch hinter dem intendierten intellektuellen Anspruch zurückbleiben. Ein passabler, kein großer Einstieg in die neue Saison.

Nun sind auch die Rezensionen von Dr. Wilhelm Sinkovicz in der "Presse" und Merker-Rezensent Dr. Georg Freund online!

Dr. Freund meint: Natalie Dessay hat in einem Interview gesagt, es fehle ihr die rechte Stimme für Verdis Traviata. Diesem Urteil kann man nur vollinhaltlich beipflichten. Demoiselle Dessay verfügt zwar auch nach diversen Stimmkrisen immer noch über einen recht höhensicheren Koloratursopran , es fehlt ihr aber für die Partie der Violetta an ausreichender Mittellage und vor allem auch an Stimmvolumen. So gelang ihr die Arie des 1. Aktes recht gut, mit tadellosen Verzierungen und dem vom Publikum sehnlich erwarteten Es am Schluss, das sonst so erschütternde „amami Alfredo“ blieb hingegen effektlos und „addio del passato“ zeigte deutlich die Ermüdung der überforderten Stimme.
Dessay gilt als sehr gute Darstellerin. Als Kurtisane überzeugte sie aber kaum: Zu Beginn der Oper sollte Violetta ja noch hektische Lebenslust mit einem Schuss Vulgarität ausstrahlen und nicht wie ein Häuflein Elend tiefe Melancholie. Eine derartige Trauerweide könnte im horizontalen Gewerbe kaum reüssieren und einen unerfahrenen Jüngling an sich binden.

Auszug aus der "Presse"-Rezension: Die Dessay hatte vorab verkündet, hinfort lieber Theater spielen zu wollen, als Oper zu singen. Sie spielt bereits Theater, möchte man nach dieser Premiere entgegnen. Ihre Ängste, der Partie der Violetta stimmlich ganz nicht gerecht werden zu können, erfüllen sich zwar, vordergründig betrachtet: Natürlich fehlt ihrem Sopran das Volumen und die Kraft, manche Gefühls-Aufwallungen so explodieren zu lassen, wie Verdi das in seiner Partitur vorschreibt. Natürlich liegt ihr vieles - namentlich am Beginn der Oper - etwa eine Terz zu tief.

Andererseits aber macht diese Singschauspielerin Töne hörbar, die kaum je von einer Violetta so innig gesungen wurden. Sie kehrt den dramaturgischen Spieß um und straft alle oberflächlichen Definitionen von musikalischer Italianità Lügen: Je leiser die Töne, desto intensiver ihre Wirkung!

Nach und nach werden die weiteren Rezensionen eintrudeln. Wir stellen fest, dass die "Französischen Jahre" in Wien weitergehen, dass wir uns nach dem Geschmack des Direktors, der die von ihm eingekauften Produktionen ja vor dem Kauf bereits gesehen hat, zu richten haben. Über Holenders "Temesvar-Manie" haben wir gewitzelt, Monsieur Meyer bringt seinen Kurs - mit seiner Seilschaft - etwas eleganter durch. Aber schön langsam merken wir die Absicht - und sind (noch) nicht verstimmt. Wie lange?

Für einen Fehler in der gestrigen Kolumne muss ich mich entschuldigen: Bertrand de Billy hat nicht in Aix dirigiert. Seine "Wiener Version" ist also durchaus neu!

Ich oute mich als Fan von Christa Sigg, die für die "Münchner Abendzeitung" die Neuinszenierung der "Verkauften Braut" im Gärtnerplatztheater rezensiert:

Vor Maries Milch-Kiosk. Foto: Herrmann Posch

Das müssen doch reizende Eltern sein, die ihrer Tochter einen Milchkiosk spendieren. Sozusagen als Existenzgrundlage in heimeliger Fliegenpilzform. Dass sich die Alten dafür jede Mark pumpen, ist dann weniger nett. Erst recht nicht, dass sie ihr Mädchen an den Geldgeber verschachern, obwohl das doch einen andern liebt. Regisseur Peter Baumgardt hat Smetanas kracherten Böhmerwaldschwank in die biedere Kleinbürgerlichkeit der 50er-Jahre gehievt, allerdings mit heutigen Zutaten gespickt. Und damit waren die Brüche dieser „Verkauften Braut” auch schon augenfällig.

Denn was Karohemd-Betulichkeit und Persil-Idylle womöglich persiflieren sollten, ist letztlich auf der grünen Heide versumpft. Und im Schuhgeplattel, für das Gärtnerplatz-Choreografin Fiona Copley ein schmerzliches Faible hegt. Dass Tilmann Unger, der fesche Hans, dann auch noch ausschaut wie eine Mischung aus Rudolf Prack und Tom Cruise nach der Streckbank, ist eh der (Heimat)Clou.

Die "Neue Zürcher Zeitung" wirft einen Blick auf die amerikanischen Sommerfestivals: Zehntausende von Zuhörern pilgern Sommer für Sommer zu den zahlreichen Festivals, die in allen Ecken Europas mit bedeutenden künstlerischen Projekten auf sich aufmerksam machen. Für einige Monate verlagert sich die Szene der klassischen Musik von den Metropolen hin zu so idyllischen Flecken wie Salzburg, Bayreuth, Luzern, Verbier und Glyndebourne. Weniger bekannt ist in unseren Breitengraden jedoch, dass es auch in den USA eine lebendige Sommerfestivalszene gibt. Sie unterscheidet sich von der europäischen in einem wesentlichen Punkt. Die wichtigsten nordamerikanischen Festivals finden nicht in einem Konzertsaal statt wie in Europa, sondern im Freien. Zwar sind auch Bregenz und Spoleto Freiluftfestivals, doch sind diese kaum mit dem Festivalbetrieb des Ravinia Festival (auf dem Sommersitz des Chicago Symphony Orchestra) ausserhalb von Chicago, des Blossom Festival (Cleveland Orchestra), der Hollywood Bowl (Los Angeles Philharmonic Orchestra), des Wolf Trap Festival ausserhalb von Washington D. C. oder des Tanglewood Festival (Boston Symphony Orchestra) vergleichbar.

Näheres in der Presseschau!

München: Tragikomische Affären: Fräulein Erna Wahl (Britta Hammerstein) mit Friedrich Hofreiter (Tobias Moretti)

Eine hübsche Idee: Tauscht das Publikum aus! Die Wiener, die vor knapp zwei Wochen im Burgtheater „Das weite Land“ von Arthur Schnitzler in der Regie von Alvis Hermanis bei der Premiere ausbuhten, hätte man jetzt in toto zur Münchner Premiere des „Weiten Lands“ transferieren sollen, mit der Martin Kusej, der neue Hausherr des Bayerischen Staatsschauspiels, seine Intendanz eröffnet.

Und die Münchner, die über Kusejs Regie im Residenz Theater schier aus dem hysterischen Jubelhäuschen gerieten, hätte man in toto nach Wien verfrachten müssen.

Die überahnungsvollen Wiener, die glauben, „ihren“ Schnitzler als Lokal-Darling mit der Schmähmuttermilch aufgesogen zu haben und es dem lettischen Regisseur übelnahmen, dass er die dunklen, abgründigen, verbrecherischen Seiten der Tragikomödie von 1911 (zwei Erschossene, jede Menge zerschossener Beziehungen) in einem herrlich geheimnisfunkelnden Film Noir im Hollywood-Gangster-Stil der vierziger, fünfziger Jahre aufleuchten ließ, hätten sehen können, was sie an ihrer Inszenierung haben. Nämlich (fast) alles.

Bingo!!! Und das in der "Frankfurter Allgemeinen"! In der Kritik steht etwas von einem hysterisch bejubelten Flop zu lesen. Das muss ich mir merken und in meinen Wortschatz aufnehmen - falls ich in Wien zu einer Premiere gehe!

Man muss es mehrmals lesen, um es zu glauben: Auf den Literaturnobelpreisträger wurden in den letzten Stunden vor der Preisbekanntgabe hohe Wetten getätigt, welche die Quoten in den Keller rasseln ließen. Das war bisher nur beim Fußball üblich, wir nennen es "Wettmafia". Nun hat offenbar jemand aus dem honorigen Kreis der Nobelpreis-Jury rechtzeitig vor Wettschluss einen heißen Tipp weitergegeben. Unfassbar - in diesen Kreisen! Aber überrascht Sie heute wirklich noch etwas?

Am Dienstag wird Alfred Dorfer 50. Besser gesagt: Dr. Alfred Dorfer. Nach 25 Jahren hat er
seine Dissertation geschrieben, weil er "Lust auf andere Probleme" hatte.

20 Jahre älter ist Klaus Rott. Ihn nur auf seine Rolle als Karli Sackbauer ("Ein echter Wiener geht nicht unter") zu reduzieren, wäre höchst ungerecht!

Daniela Katzenberger schreibt ihre Memoiren - mit 25!!
Da warte ich doch glatt, bis die Blondine 75 ist - vielleicht hat sie dann etwas zu sagen!

Ich wünsche eine schöne Woche

A.C.
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DIENSTAG, 11. OKTOBER 2011"La Traviata" in Wien steht und fällt mit Natalie Dessay. Foto: Barbara Zeininger

Die Rezensionen der neuen Wiener "La Traviata" liegen weitgehendst vor, unterschiedlich sind sie nur in der Beurteilung von Natalie Dessay. Wer eine grandiose Singschauspielerin zu schätzen weiß, ist mit der Dessay bestens bedient. Wer nur eine Produzentin schöner und kräftiger Töne akzeptiert, sieht in der Dessay eine Fehlbesetzung - allerdings die denkbar beste! Im "Kurier" schreibt Gert Korentschnig: Immer dieses blöde Kastl-Denken!
Die Sopranistin Natalie Dessay will sich fürderhin - das hat sie zumindest vor der Premiere von Verdis "La Traviata" an der Wiener Staatsoper in Interviews betont - dem Schauspiel widmen, weil das Opernfach nicht genügend interessante Rollen für ihre Stimme biete. Wer weiß, vielleicht war, was man am Sonntag im Haus am Ring erleben konnte, sogar die letzte Premiere mit der Dessay.

Heutzutage ist das ja offenbar so: Man ist entweder Schauspieler, wenn die diesbezügliche Begabung ausreichend ist; oder man ist Sänger, wenn man sich aufs Produzieren schöner Töne versteht.

Das eine bedingt das andere anscheinend gar nicht - und es ist zutiefst traurig, dass es nur ein Entweder/Oder zu geben scheint.

"Oe-24-Kultur" meint: Ins reflexiv-reduzierte Regiekonzept fügte sich allen voran Natalie Dessay mit ausdrucksstarkem Sopran ein, obgleich sie vor allem in den Mittel- und Tiefenlagen teils eklatante Schwächen zeigte. Ein die Klarheit verstellendes Rauschen ist selten zu überhören. Allerdings besticht die 46-Jährige, die zuletzt mehrfach sinniert hatte, ganz ins Schauspiel zu wechseln, mit ihrem Spiel. Der Wechsel in den dritten Akt zur sterbenden Violetta gerät da bedrückend fragil, kommt dem Dessay'schen Sopran auch stimmlich entgegen.

Mit erdig-sicherem Tenor als diesesmal jüngerer Liebhaber der Violetta zur Seite steht der US-Amerikaner Charles Castronovo. Dieser hatte die Dessay bereits bei der Premiere der Koproduktion mit Aix-en-Provence im Juli angeschmachtet. Für Wien neu im Ensemble als Alfredos Vater hingegen Fabio Capitanucci, der für seinen tragenden Bariton zurecht mit Bravorufen bedacht wurde.

Ein kurzer Auszug aus den "Oberösterreichischen Nachrichten": Eine neue, zeitgemäße „La Traviata“-Produktion an der Staatsoper war tatsächlich notwendig, aber ob die am Sonntag aus der Taufe gehobene dieses Manko ausgleicht, ist fraglich.

Auch Ljubisa Tosic vom "Standard" meldet sich zu Wort - und nimmt die Inszenierung aus Korn: Da lebt kein romantisches Illusionstheater auf; da wird kein soziales Hierarchiegefälle sichtbar. Die Bühnenaskese (Bühnenbild: Alexandre de Dardel) wird nur durch zierliche Luster und kleine Bühnenprospekte (mit Natur oder Himmel drauf) aufgelockert. Ein Theater mit einem kleinen Budget muss das hier sein.

Nur wenn es in den Backstage-Bereich geht (der hier an der Rampe liegt), zieht sich hinter der erschöpften Violetta, die hier wohl eine todeskranke Sängerin ist, ein glänzend-blauer Vorhang zu. Das immerhin schafft dann Atmosphäre und Intimität.

Besonders hier sieht man: Es bedarf für theatrale Momente von hoher Dichte keiner Ausstattungsprahlerei. Es reicht vollkommen, eine Darstellerin vom subtilen Format einer Natalie Dessay an seiner Regieseite zu haben. Sie ist das Zentrum dieser von der Staatsoper importierten Produktion, sie macht Violettas verzweifelte Feiergesten ebenso deutlich wie die finale, in Todesnähe sich aufbäumende letzte Hoffnung. Allerdings ist Dessays Stimme weit davon entfernt, als ideal für diese Partie gelten zu können - und das schafft gewisse Probleme.

Diese Probleme sehe ich auch, nämlich dann, wenn die Dessay nicht zur Verfügung steht!

Ich komme kaum zum Fernsehen. Deshalb machte mich ein treuer Leser auf die ORF-Seitenblicke aufmerksam: Ich weiß nicht, ob Sie gerade die Seitenblicke gesehen haben. Wenn nicht, eine kurze Info über den Bericht über die Premierenfeier nach der Traviata-Premiere. Der Regisseur konnte die Buhrufe nicht verstehen und hat sich nebenbei noch abfällig über die alte Schenk-Inszenierung geäußert und Herr Castronovo meinte, er zeige den Buhrufern die lange Nase. Zeugt nicht unbedingt von Größe....
Letzter Satz bezieht sich nicht auf die Größe der Nase des Herrn Castronovo, die Merker-Rezensent Dr. Georg Freund als bemerkenswert bezeichnet hat (wenn das "die Wagner" geschrieben hätte, wäre wieder einmal im Forum der Teufel los!

Na gut, Mister Castronovo - wir werden es uns merken!

Für den Thielemann-Ring liegt in unseren Tagesinfos ein Angebot vor. Eine Leserin muss einen unvorhergesehen Auslandstripp einlegen und bietet ihre ausgezeichneten Logenplätze zum regulären Preis an. Dieser beträgt aber pro Karte 300.- Euro, macht für zwei Personen für den gesamten "Ring" € 2.400.- . Kann mir jemand sagen, ab wann Eintrittspreise für die Oper obszön werden! Wo liegt die Grenze??

Kommen wir aber nun zum Gegenteil, zu den verbilligten Karten an der Wiener Staatsoper. Akut wurde für mich dieses Thema, als am Samstag in Bratislava eine Gruppe von Studenten angesichts der in Vergleich zu Wien oder München ohnedies sehr moderaten Preise in der slowakischen Hauptstadt an der Kassa passen mussten, aber etwa 80 Plätze bei "Nabucco" unbesetzt blieben. Eine Anfrage bei Wiens Kaufmännischen Direktor Thomas Platzer wurde umgehend beantwortet:

Nachfolgend unserer Regelung für verbilligte Restkarten: Für Schüler, Studenten, Lehrlinge, Präsenz- und Zivildiener sowie Arbeitslose mit entsprechendem Lichtbildausweis gibt es bei nicht ausverkauften Vorstellungen ermäßigte Karten zum Preis von € 10,- bei
Preisen C und K, zum Preis von € 15,- bei Preisen B, S, A, G und N sowie zum Preis von € 25,- bei Preisen P ab 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung an der Abendkasse.

Der "Münchner Merkur" ist von einem Tenor begeistert: Brandon Jovanovich singt als Don José angeblich seine "Carmen" Vesselina Kasarova glatt an die Wand. So geschehen an der Bayerischen Staatsoper!

Vesselina Kasarova, Brandon Jovanovich.

Tenor-Mangel, das war einmal. Zumindest die Bayerische Staatsoper führt gerade vor, dass dem Kaufmann-Villazón-Calleja-Breslik-Zirkel beängstigende Konkurrenz erwächst. Gerade brachte beim Tokio-Gastspiel der junge Russe Alexey Dolgov als Roberto Devereux Edita Gruberova zum herbstlichen Erglühen, nun muss man sich schon wieder einen Namen merken: Brandon Jovanovich, Münchens aktueller Don José, geboren im US-Staat Montana und gesegnet mit einer Stimme, der man sowohl den Testosteron-Protz also auch den zärtelnden Liebhaber abkauft – kurz: die ideale Besetzung als Carmen-Partner.

Leser A.Thien machte uns auf die Arte-Übertragung des Münchner "Hoffmann aufmerksam (21.11.). Es handelt sich nicht um die Premiere, aber gerade diese wäre spannend - wegen Rolando Villazon. Details in den Tagesinfos!

"La Bartoli" war in Graz im Musikverein zu Gast (übermorgen ist sie in Bratislava): Die Bartoli war da: Im Musikverein bewies die Königin der Koloraturen einmal mehr, dass sie vulkanischen Ursprungs ist. Ein Naturereignis! (Aus der "Kleinen Zeitung").

Der schwedische Bariton Ingvar Wixell, einst herausragender Sänger an der Deutschen Oper Berlin, ist tot. Nach Angaben der Oper starb der 80-Jährige nach kurzer schwerer Krankheit am Samstag in Malmö in Schweden. Wixell debütierte 1955 als Papageno in Mozarts «Zauberflöte» in seiner schwedischer Heimat. 1963 kam er nach Berlin. Von dort aus startete er seine internationale Karriere. Wixell habe sein Publikum mehr als drei Jahrzehnte lang mit unwiederbringlichen Auftritten begeistert, darunter als Rigoletto in der Inszenierung von Hans Neuenfels, betonte die Deutsche Oper. (Auszug aus der "Welt online". Es ist keine böse Absicht, aber im Internet konnte ich kein Foto von Ingvar Wixell auftreiben!

Unsere Leserin Dorothee Wisselmann macht uns auf einen hervorragenden "Orpheus in der Unterwelt" in der Inszenierung von Manfred Straube im Landestheater Neustrelitz aufmerksam: Ja, ja, die öffentliche Meinung. Sie achtet auf die Sitte, jubelt hoch, prangert an, mischt sich in alles ein. Gut beraten ist, wer auf sie hört und sich nicht gegen sie stellt. Auch Operettenerfinder Jacques Offenbach hat um die Macht der Dame gewusst und ihr in seiner hinreißenden Mythologieparodie "Orpheus in der Unterwelt" einen beachtlichen Raum und Rahmen eingeräumt. Am Sonnabend erlebte sie in der turbulenten Inszenierung von Manfred Straube ihre umjubelte Premiere am Landestheater Neustrelitz. Vorstellung im Oktober: 21.10, 19.30 Uhr, Landestheater Neustrelitz. Auch im November gibt es noch Vorstellungstermine. (Auszug aus dem "Nordkurier")

"Orpheus in der Unterwelt" ist derzeit auch der "Renner" bei den Herbsttagen Blindenmarkt /NÖ bei Amstetten. Über die Premiere berichteten wir bereits. Samstag steigt dort ein ganz anderes Programm: "Im weissen Rössl", adaptiert für Kinder und mit Christoph Wagner-Trenkwitz - nicht nur als "schöner Sigismund". Beginn 15 h, Infos in unseren Tagesinfos!

Otto Tausig gestorben: Kasperl, Kummerl, Jud, so nannte er sich selbst!

2009 erhielt er den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk: Otto Tausig, einer jener Schauspieler, die ein Stück österreichischer Theatergeschichte verkörperten. Und ein Mensch, der ein Stück österreichischer Geschichte dargestellt hat – ausgestattet mit Charakter, Engagement und Rückgrat. Einen Bühnenrückblick auf sein Leben 2001 nannte er „Kasperl, Kummerl, Jud“. Das drückt durchaus sein bewegtes Leben in drei Worten aus. Geboren am 13. Februar 1922 in Wien, musste er als Jude 1939 nach England emigrieren, wo er sich als Arbeiter durchschlug. Nach 20 Monaten Internierungslager wurde aus dem ursprünglich aus bürgerlichem Milieu stammenden Burschen ein Marxist, das „Kummerl“.

Nach dem Krieg kehrte Tausig nach Wien zurück und studierte am Max-Reinhardt-Seminar. Sein Debüt gab er am Neuen Theater in der Scala. Als Schauspieler war er schon bald auf das komische Fach spezialisiert – bereicherte es aber durch eine Vielzahl an tragischen Zwischentönen.

Er gab den Cyrano de Bergerac und den spanischen Ritter vom Mirakel, wirbelte als Goldonis Truffaldino über die Bühne und blödelte mit Walter Giller in der TV-Serie „Locker vom Hocker“. Nach der Scala-Schließung 1956 ging er, so wie viele Kollegen auch, ans Deutsche Theater nach Ostberlin. Es folgten Stationen in Zürich, Wien, Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt und München. Von 1970 bis 1983 war er Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seinen offiziellen Bühnenabschied gab er 1999 im Volkstheater als Schnoferl in Nestroys „Das Mädl aus der Vorstadt“.

Im Dresdener Zwinger findet derzeit ein Gipfeltreffen der Gottesmütter statt.

Stuppacher Madonna auf Stippvisite

Schon in der Renaissance war das Madonnenbild Kunstwerk und nicht mehr eine Ikone, die man anbetete. Das 19. Jahrhundert steigerte die sentimentgeladenen Heiligen der Barockmalerei erstmals in die laue Ebene von Kitsch. Aber was ist heute? In Deutschland werden zwar Malerstars wie Neo Rauch und Gerhard Richter für die Gestaltung von Glasfenstern herangezogen, die große Zeit der Kirchenkunstaufträge ist jedoch vorbei.

Über die Ausstellung berichtet die "Wiener Zeitung"

Das Karikaturmuseum Krems ist normal von Manfred Deix besetzt. Nun stellt aber Gerhard Haderer aus:


Innenminister Maria Fekter in der Karikatur

Im Karikaturmuseum findet man etwa ein Bild Gerhard Haderers, das einen Kreisverkehr zeigt. Einen Kreisverkehr an und für sich: mitten im Grünen, um ein Bürgermeisterdenkmal herum. Man muss nicht aus Niederösterreich sein, um über diese Idylle zu schmunzeln. Gerhard Haderer, dem oberösterreichischen Meister der nieder-, ober-, unter- und überösterreichischen Idyllen, gilt eine der beiden Ausstellungen zum Jubiläum des Karikaturenmuseums zur Gänze; in der anderen – die 50 Werke von 50 Zeichnern versammelt – ist ein Haderer-Cartoon das Highlight: In einer „Wohnlandschaft mit Pferdekopfpolster“ zeigt ein Herr mit Fönfrisur seinem Besucher Fotos mit Bikinigirls, offenbar aus dem Urlaub, seine Frau neben ihm blickt etwas pikiert drein. Auf diesem Bild stimmt alles, von den Meereswellen bis zu den Kragenfalten, es ist entlarvend, ohne denunziatorisch zu sein, es schreit nicht: Spießer!, sondern lächelt: So ist es halt

So ist es halt!

Einen schönen Tag wünscht

A.C
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MITTWOCH, 12. OKTOBER 2011

Sonntag im Theater an der Wien: Händels "Serse". Bejun Mehta, Adriana Kucerova. Foto: Armin Bardel

Auszug aus der "Wiener Zeitung": Händels drittletzter Oper war erst spät Erfolg beschieden: Die Geschichte vom amourösen Wirrwarr rund um den Perserkönig Xerxes floppte bei den Zeitgenossen. Das Konglomerat aus komischen und tragischen Elementen galt den Verfechtern der Opera Seria als nicht mehr zeitgemäß - andererseits machte gerade sein hybrider Charakter "Serse" zu einer der meistaufgeführten Händel-Opern der jüngeren Vergangenheit. Diesem Trend folgt nun das Theater an der Wien mit einer Produktion unter der Leitung von Jean-Christophe Spinosi, die kommenden Sonntag Premiere hat (Regie: Adrian Noble).

Wo liegt der Grund für den Händel-Boom? "Händel ist ein Genie; seine Musik ist himmlisch schön, ebenso gut wie Mozart und Bach", meint Countertenor Bejun Mehta, der die Rolle von Xerxes’ Bruder Arsamene spielt. Aber auch die wachsende Akzeptanz für sein Stimmfach spielt für Mehta eine Rolle: "Das Publikum ist bereit, Männer, die ganz hoch singen, auf der Bühne zu sehen." Ist es seltsam, dass er eine Partie übernimmt, die einer Frau auf den Leib geschrieben wurde? "Nein, aber es könnte genauso gut mit einer Frau besetzt werden."

Der "Online-Merker" ist natürlich vertreten!

Da wir beim Theater an der Wien sind: Unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, findet am 24. Oktober 2011 um 19 Uhr im Theater an der Wien das Jubiläumskonzert "15 Jahre Kunst auf Rädern" statt. Es handelt sich um ein Benefizkonzert mit Wiener Publikumslieblingen. Details finden Sie in unseren heutigen Tagesinfos!

Met-Manager Peter Gelb sammelt Sponsoren um sich!

Die Termine für die weltweiten Übertragungen von Met-Produktionen in Kinos stehen fest. Am Ande der Kolumne, nach dem Merker-Heft-Cover, habe ich sie angeführt (natürlich gelb markiert), "Siegfried" und "Götterdämmerung" sind dabei, natürlich Placido Domingo und auch Jonas Kaufmann (als "Faust").

Die Met erlebt in der Ära Peter Gelb finanziell einen Höhenflug, der in erster Linie Sponsoren geschuldet ist. Denn die Kinoübertragungen sind in erster Linie Imagepflege - und der Kartenverkauf im Haus selbst stagniert, wie "Codex flores" zu berichten weiß:

Die Sponsoringbeiträge decken mittlerweile 43 Prozent des Met-Budgets von 325 Millionen Dollar ab. 2005 waren es noch 38 Prozent.

Zum ersten Mal seit sieben Jahren weist das Opernhaus zudem ein ausgeglichenes Budget aus - nicht zuletzt wegen der Einnahmen aus den Broadcasts seiner Produktionen in Kinos.

Damit scheint die riskante Strategie des Direktors Peter Gelb aufzugehen, der laut «New Xork Times» davon ausgeht, dass mehr Geld eingenommen werden kann, wenn auch viel Geld ausgegeben wird. In den letzten Jahren wuchs das jährliche Budget der Met denn auch um 50 Prozent.

Ihre finanziellen Probleme ist die Met damit allerdings noch nicht los. Sie schiebt noch immer Schulden von 41 Millionen Dollar vor sich her, ihre Rentenkasse ist unterfinanziert und die Ticketeinnahmen gehen zurück.

Vergleichsweise hat es da unser Wiener Direktor gut, der kann sich künstlerischen Fragen zuwenden und auch Produktionen besichtigen, die seinem Geschmack entsprechen und die er uns dann später vorsetzt. Da Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, kann dann schon mal rauskommen, was wir eben erleben! Denn die Kritiken über "La Traviata" sind ziemlich einhellig und drehen sich im Kreis. Heute bieten wir wieder zwei davon an, aber wenn sie die ersten gelesen haben, haben sie bereits alles gelesen!

Peter Gelb scheint in erster Linie Manager zu sein. Ich gehe davon aus, dass er an den von ihm "aufgerissenen" Sponsorbeiträgen finanziell ganz legal über Provisionszahlungen beteiligt ist. Dieses System funktioniert auch beim Züricher Operndirektor und nunmehrigen Salzburger Intendanten Alexander Pereira sehr gut. Provisionen sind legal, ich gehe davon aus, dass die Herren auch versteuern! Das System von Provisionsarbeitern ist jedoch ein niedriger Grundgehalt, dafür hohe Provisionen. Zumindest bei einem der genannten Beispiele stimmt diese Rechnung nur zu 50 %, denn auch der Grundgehalt ist hoch! Dabei bietet der Arbeitgeber erst die Möglichkeit, dass der "Keiler" auch erfolgreich sein kann, man ihm gegenüber kaum nein sagen kann. Denn einen amtlich bestellten Intendanten schmeisst man nicht raus, einem Handelsvertreter weist man schon mal höflich die Türe!

Das "Christmas in Vienna" heuer von Angela Denoke, Ramon Vargas und Paul Armin Edelmann bestritten wird, war an dieser Stelle bereits vor sechs Wochen zu lesen - Dank unserem Netzwerk.
Nun ist es auch offiziell.

L'Eliogabalo. Foto: Thomas M. Jauk

Dortmund: Jens-Daniel Herzog hat sich als neuer Intendant der Oper Dortmund für diese Spielzeit viel vorgenommen. Direkt eine Woche, nachdem er mit der Eröffnungspremiere Der fliegende Holländer seine Visitenkarte als Regisseur abgegeben hat, wird im Opernhaus die nächste Premiere präsentiert. Und um den Bogen möglichst weit zu spannen, folgt nach Wagners großer romantischer Oper ein völlig unbekanntes Barockwerk, bevor es in zwei Wochen mit der Musicalsparte weitergehen wird. Abwechslungsreicher kann man die Premieren innerhalb des ersten Monats kaum zusammenstellen. Schade ist nur, dass dieses breit gefächerte Angebot - zumindest bei der Premiere der Cavalli-Oper - noch nicht zu der ihr gebührenden Platzauslastung führt. So bleiben bei der Premiere die Ränge und die letzten Reihen im Parkett leider leer, wofür es mehrere Gründe geben mag. Zum einen gibt es zwei Premieren-Abonnements, die sich nicht in allen Veranstaltungen überschneiden. Somit geht L'Eliogabalo nur durch ein Premieren-Abonnement und scheint den Freiverkauf noch nicht sonderlich angekurbelt zu haben, zumal sich Dortmund überregional in den letzten Jahren nicht gerade den Ruf erarbeitet hat, eine Barock-Hochburg zu sein. Es bleibt Jens-Daniel Herzog zu wünschen, dass er das Dortmunder Opernhaus mit seinem ambitionierten Spielplan aus dem Platzauslastungstief der letzten Zeit herausholen wird. Die musikalische und szenische Qualität dieser Produktion hätte es verdient.
Auszug aus "Online Musikmagazin"

Nürnberg: Vor Premiere der "Meistersinger" (Samstag, 15.10.). Dirigent Marcus Bosch vor dem Bühnenbild zum zweiten Aufzug.

Berühmt-berüchtigt wurden die pompösen Inszenierungen während der Nürnberger Reichsparteitage im Opernhaus nach einem Entwurf von „Reichsbühnenbildner“ Benno von Arent – wie überhaupt die Nazis die „Meistersinger“ propagandistisch ausschlachteten, etwa bei den Bayreuther Kriegsfestspielen.

Die Nürnberger Neuinszenierung besorgt nun der israelische Regisseur David Mouchtar-Samorai, der im Opernhaus bislang Rossinis „Moses und Pharao“ und Saint-Saens „Samson und Dalila“ auf die Bühne gebracht hat. Die Premiere wird nicht nur vom Sender Arte im Internet sowie im Radio live übertragen, sondern ist auch beim Public Viewing am Sebalder Platz zu sehen. (Auszug aus der "Nürnberger Zeitung")

Ab und an leisten sich Opernhäuser eine Ausgrabung. In Gelsenkirchen eröffnet man damit sogar die Spielzeit. „Merlin“: Über 100 Jahre nach ihrer Erschaffung kam am Musiktheater im Revier Isaac Albéniz’ seltsame Mythen-Oper jetzt auf die Bühne.

Darf man das sagen: Dass man einen recht schönen Abend im Musiktheater hatte, obwohl die Oper an sich der reinste Kokolores ist?

Das wiederum erklärt sich so: Vor gut 100 Jahren hielt Isaac Albéniz, ewiges katalanisches Wunderkind mit Hang zum Salon, dem schwülstigen Libretto eines mäßig begabten Briten gegen Gebühr die Tonleiter. Das Ergebnis sind Ritterspiele mit Gesang, ein Kuriosum, kaum mehr. Weder der Texter noch der Tonsetzer sahen ihre Schöpfung um den Zauberer „Merlin“ je auf der Bühne. Da ist es mindestens mutig, wenn Gelsenkirchens Musiktheater der Oper um Tafelritter, Erlösungssringen und lange Schurkenschatten der Vorzeit doch noch zur deutschen Erstaufführung verhilft.

Karina Sarkissova feiert den ersten Jahrestag ihrer "Berühmtheit"

Vor genau einem Jahr wurde sie fast aus der Wiener Staatsoper rausgeschmissen. Diese überzogene Reaktion verhalf ihr zu "Berühmtheit". Diese gehört gebührlich gefeiert! "Oe 24-Kultur" hilft ihr dabei (zwangsläufig helfe ich mit).

Sie kann auf einer Stange durch reine Körperkraft wie schwerelos balancieren, ohne dass sie eine Miene dabei verzieht. Karina Sarkissova (28) weiß, wie man Haltung bewahrt. Als Prima-Ballerina hat sie schon früh gelernt, auch wenn die „Lippen vor Erschöpfung blau anlaufen“, entspannt weiterzulächeln.

Durch einen Nackt-Skandal, der sie fast die Tanz-Karriere an der Wiener Staatsoper kostete, wurde sie genau vor einem Jahr berühmt. Im Interview erzählt sie über diesen harten Rückschlag: "Ich dachte, dass ich Österreich verlassen muss. Ohne Tanz gibt es für mich kein Leben." Doch Sarkissova gab weder den sterbenden Schwan, noch erlitt sie das Schicksal einer Eintagsfliege. Diesmal aber weniger dank ihrer Tanz-, sondern gewagter Sprachpirouetten. Mit Sprüchen wie „Bist du deppert, ist das geil!“ überrascht und begeistert sie derzeit als Jurorin der ORF-Show Die große Chance.

Jetzt hätte ich ganz gerne einmal die Hierarchie unter Ballett-Tänzerinnen gekannt. Was ist eine Primaballerina, was eine Ballerina, wie nennt man die Tänzerinnen in der zweiten Reihe? Ist Sarkissova eine Prima-Ballerina, schmückt sie sich mit fremden Federn?? Ich schreibe keine Ballett-Kritiken, deshalb darf ich so blöd fragen!

Dutzende Clubs in Berlin sollen nachzahlen, weil sie laut Finanzamt Tanzveranstaltungen als "Konzerte" ausgaben. Konzerte sind niedriger besteuert als Tanzveranstaltungen. Haben Sie das gewusst??

Heute ab 19 h steigt bei "Zattl" (Freyung 6) die "Merker-Forums-Diskussion". Das waren bisher nette Plaudereien ohne wirklichen Bezug zum Forum, diesmal könnte/sollte es etwas anders werden. Wer mir etwas zu sagen hat, möge das heute tun, im Forum kann er es immer noch machen, wenn seine Meinung nicht ensprechend beachtet wird. Ratschläge werden gerne entgegen genommen, auch Kritik - und ich sehe mir auch gerne Beweise an, wie das Forum durch mich parteipolitisch missbraucht wird. Nur bitte ich um Beweise, keine Hüftschüsse und Schläge unter die Gürtellinie! Suchen Sie also nach passenden Beispielen und werfen Sie mir diese bitte am Abend um die Ohren. Dr. Renate Wagner, bisher Forum -abstinent, wird sich ihren zahlreichen Kritikern stellen. Ich hoffe, diese Kritiker sind bereit, offen zu ihren Meinungen zu stehen!

Bis heute abend also!

A.C.
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DONNERSTAG, 13. OKTOBER 2011
Samstag: "Salome"-Premiere an der Wiener Volksoper. Marguérite Borie liefert laut Eindrücken aus der Generalprobe eine intelligente Deutung ab, die anderseits niemand weh tut!

Auszug aus der "Wiener Zeitung": Starker Tobak war das zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Vergeblich kämpfte Hofoperndirektor Gustav Mahler um grünes Licht für die Strauss-Novität. Und in Deutschland war Kaiser Wilhelm II. erst nach einer Konzession umzustimmen: Der Stern von Betlehem musste am Ende glimmen.

Hätte Marguérite Borie damals das Sagen gehabt - die Aufführungen wären problemlos vom Stapel gelaufen. "Innerhalb von knapp zwei Stunden macht Salome eine ungeheure Lebenserfahrung, durchläuft eine Entwicklung, an deren Ende sie sich einer dekadenten und erstickenden Welt entzogen hat", lautet die Zusammenfassung der Regisseurin. Wie bitte? Laut Borie - deren Lesart nun auf die Volksopern-Bühne kommt - ist Salome mitnichten nur sexuell interessiert am Propheten: "Sie erkennt die Verdorbenheit der Welt, in der sie aufgewachsen ist. In der Begegnung mit Jochanaan zeigt sich ihr ein neuer Weg."

Laut Augenzeugenberichten aus der Generalprobe
liefert die Regisseuse eine interessante, kluge Inszenierung ab, die aber nicht verstört. Freilich, in der "Wiener Zeitung" muss sie ungemein geschwollen herumreden - das haben Regiekünstler so an sich!

Annemarie Kremer aus den Niederlanden ist die Titelrollen-Darstellerin

Der Ersteindruck: was für eine Powerfrau. Konzentriert, schnell, geradeheraus, aufgeladen mit Energie. Optisch an die deutsche Schauspielerin Hannelore Elsner erinnernd, wenn diese denn Sängerin einer Rockband geworden wäre.

Sind das gute Voraussetzungen für eine Salome-Interpretin? Strauss' Musik ist so großartig wie das Libretto von Oscar Wilde, sie ist schrill, gefährlich, verführerisch, mächtig. Ist auch Salome so maßlos fordernd und begehrend?...

...Richard Strauss habe, sagt Kremer, in der Partitur seiner Salome -Dirigate an der Wiener Staatsoper notiert, dass die Salome beim Schlussgesang an der Rampe stehen soll. Ist das bei der Inszenierung von Marguerite Borie auch so? "Nein." Etwas bedauert sie in der Inszenierung auch noch: "Der Tanz der sieben Schleier wird von mir selbst getanzt - aber nicht auf orientalische Weise, sondern stilisiert, mit kleinen Gesten. Schade eigentlich! Ich tanze sehr gern, und wie ich wusste, dass ich Salome machen werde, habe ich noch extra Bauchtanz gelernt!" .

Das Interview finden Sie in voller Länge im "Standard"!

Angeblich geht sie dann mit nacktem Hintern ab, was niemand stört. Die Sorgen um die Besetzungsmöglichkeiten der Volksoper scheinen nach ersten Berichten unbegründet, auch Irmgard Vilsmaier (Herodias) und Wolfgang Alblinger-Sperrhacke (Herodes) agieren absolut überdurchschnittlich. Den Eindruck über Sebastian Holecek bilden wir uns bei der Premiere, in weiterer Folge steht dann auch Morten Frank Larsen für den Jochanaan zur Verfügung!

Mariusz Kwiecien musste sofort operiert werden und fällt als "Don Giovanni" an der Metropolitan-Opera aus.

Der polnische Bariton Mariusz Kwiecien, der an der Met die Titelrolle in einer neuen «Don Giovanni»-Produktion hätte singen sollen, musste nach einer Kostümprobe ins Spital überführt werden. Grund für die Hospitalisierung ist laut einer Meldung der «New York Times» eine Diskushernie, die eine Operation nötig machte.

Die Gesundungsprognosen seien ausgezeichnet, es sei aber unklar, wann Kwiecien auf die Bühne zurückkehren könne. Für Kwiecien springt als Don Giovani nun Peter Mattei ein, der am New Yorker Opernhaus zur Zeit als «Barbier von Sevilla» amtet.

Die Info stammt aus "Codex flores", der Don Giovanni ist auch in den Kinos zu sehen!

In Gelsenkirchen wird derzeit Isaac Albeniz "Raubersgschicht" "Merlin" gespielt, wir bieten eine sehr wohlwollende Rezension aus "Der Westen.de".

Diese Zeitung weist auch auf die Duisburger "Carmen-Premiere am kommenden Samstag hin. Carlos Wagner inszeniert: Jede Nummer ein Ohrwurm“, sagt Rheinopern-GMD Axel Kober, der die Neuinszenierung von Carlos Wagner am Samstag, 15. Oktober, im Theater am König-Heinrich-Platz leitet.

Carlos Wagner wuchs in Caracas/Venezuela auf, wo er auch Cello lernte, kam als 17-Jähriger in die Schweiz, studierte in London Schauspiel und Regie und wurde von Guy Joosten am Opernstudio Gent entdeckt. „Immer wenn Carlos auf die Bühne geht, spricht er eine andere Sprache“, sagt Rheinopern-GMD Axel Kober bewundernd. Er hat zwar schon viele „Carmen“ dirigiert, die neue Rheinopern-Inszenierung ist aber die erste, die er auch selbst einstudiert. „Eigentlich müsste man Carmen mal 20 Jahre verbieten“, scherzt Kober – erst dann könne man das Werk richtig neu hören, entschlackt von allen Hörgewohnheiten und Deutungen.

Heinz Bennent tot!

Besonders eindringlich spielte er Außenseiter, Einsame und Sonderlinge: Heinz Bennent war zeitlebens auf das Charakterfach abonniert. Mit seinen mehr als 150 Rollen für Theater, Film und Fernsehen erwarb sich der international gefeierte Darsteller den Ruf eines großen Künstlers - als Star galt er nie. Am Mittwoch ist Bennent im Alter von 90 Jahren in Lausanne gestorben, wie das Berliner Renaissance Theater unter Berufung auf seine Familie mitteilte.

Einen seiner größten Erfolge feierte Bennent in Francois Truffauts Meisterwerk "Die letzte Metro" (1980) als ein von den Nazis verfolgter jüdischen Theaterdirektor in Paris. Weitere wichtige Filme waren "Das Schlangenei" (1977) von Ingmar Bergman, "Im Jahr der Schildkröte" (1988) von Ute Wieland und "Kalt ist der Abendhauch" (2000) von Rainer Kaufmann.

Botero im Wiener Bank Austria Kunstforum

Mag. Heiner Wesemann besuchte für uns die "Dicken-Ausstellung": Man kommt an dem Thema nicht vorbei, dass die „Dicken“ das Markenzeichen des Künstlers geworden sind – Botero, die Kampfansage an Weight Watchers. In einer Welt, wo moderne Kunst vielfach nicht unterscheidbar ist (Ist das nun von… oder nicht doch von…?), schlägt ein Bekanntheitsgrad dieser Art durchaus positiv zu Buche. Allerdings geht damit auch die Gefahr der Simplifizierung des Künstlers Hand in Hand, von dem man dann nichts anderes mehr wahrnimmt, als dass auch seine Tiere (von Katzen bis Stiere, ja sogar die Fliegen auf den Stillleben) dick sind. Und die Menschen sowieso – wie auch anders, wenn sich schon Adam und Eva mit exzessiven Fettpölstern präsentieren. Und kein Opernfreund wird den Gedanken verdrängen können, dass bei Botero Christus am Kreuz aussieht wie der wohl genährte Luciano Pavarotti…

Der Beweis für Heiner Wesemanns Vergleich

Das Buch "Frauen verstehen in 60 Minuten" machte das Rennen - und wurde bei der Frankfurter Buchmesse zum kuriosesten Titel des Jahres gekürt.

Nun kommen wir zu Renate Wagners allwöchentlich aktualisierter FILMSEITE:

Man will ja honetterweise nichts verraten, aber jeder einigermaßen versierte Kinobesucher kann sich vorstellen, dass uns die Aliens und Riesenspinnen nicht erspart bleiben – und dass eine DVD mit jedem alten „Alien“-Film mehr bringt als dieses billige B-Movie, das am Schluss noch seine Kritik an der US-Regierung anbringt: Die Herrschaften finden es zu riskant, ihre Leute zurück zu holen und opfern sie kaltblütig – aber Heldenmeldungen über ihren Tod im Pazifik werden verbreitet. Die kosten ja nichts… Der Film hat auch nicht viel gekostet. Man sieht es ihm an.

Merk’s: Geh nicht in den Weltraum, denn die Monster kommen und fressen alle.

Der ORF startet heute seine Serie über die "Borgias". Soeben haben wir erst ATV überstanden.

Wie gehabt ging gestern beim "Zattl" das Merker-Forumstreffen über die Bühnen. Es war eine "Nette Leit-Schau", auch Renate Wagner wollte sich ihren Kritikern stellen - die kamen aber nicht, weil es viel leichter (und mutiger!) ist, aus dem Hintergrung zu feuern! Außerdem laufen diese sooo fortschrittlichen und toleranten Leute nicht Gefahr, durch ein persönliches Zusammentreffen langsam und sorgfältig aufgebaute Vorurteile zu gefährden! Es kann schließlich nicht sein, was nicht sein darf! So ist es in vergleichbaren Fällen immer, damit müssen wir uns abfinden!

Daniela Katzenberger ist klüger als ihre Kritiker, die sich für furchtbar klug halten!

Daniela Katzenberger, irgendwie vertritt die Dame auch meine Lebensphilosophie, denn sie stellt sich blöd! Die Blöden sind dann aber jene, die sehr gescheit tun. Für eine 25jährige ist diese Erkenntnis sehr weise! Ich habe Daniela Katzenberger bereits bei ihrer ersten Sendung durchschaut. Wenn man sich blöder stellt, als man ist, wird man von Gegenüber unterschätzt, was weit besser ist, als würde man überschätzt. Etwaige Gegenspieler machen dann aus Arroganz und Leichtsinn ihrerseits Fehler - und sind dann die wahren Blöden! Man muss natürlich die persönliche Eitelkeit überwinden - aber wer kann das schon - außer Daniela Katzenberger - und ich!

Nun hat Katzenberger sogar ein Buch geschrieben: Die Barbie aus der Pfalz, Daniela Katzenberger, hat ein Buch geschrieben: "Sei schlau, stell dich dumm". Vorher hat die 25-jährige Katzenberger dienstags auf Vox anderen in ihrer Dokusoap erklärt, was "Natürlich blond" ist.

Die "Katze" hat in den vergangenen drei Jahren aus nichts unglaublich viel gemacht. Sie kommt aus Oggersheim und lebt dort in ihrer 60-Quadratmeter-Wohnung mit viel rosa Farbe und ohne Türen. Ihre Zeit verbringt sie aber auch auf Mallorca, wo sie ihr "Café Katzenberger" hat. Ihre Begabung, sagen gleichsam Neider und Verehrer, ist die Authentizität. Sie selbst aber bleibt trotzdem auf dem Teppich. "Ich habe eine gewisse Fallhöhe erreicht", sagt Katzenberger, die auch fast einwandfreies Hochdeutsch sprechen kann.

Für heute habe ich für Wiener einen Programmtipp: Ab 19,30 h stellt Prof. Elsa Kastela-Kreihsl im Festsaal des Amtshauses in Wien-Währing ihre Gesangsschülerinnen vor. Adresse: Martinstraße 100, 2. Stock.

Der Eintritt ist frei! Kommen Sie hin, ich bin auch dort!

Einen schönen Tag wünscht

A.C
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FREITAG, 14. OKTOBER 2011
Daniel Barenboim nun auch offiziell musikalischer Leiter der Mailänder Scala

In der Praxis ist er es ja bereits seit Jahren,
nun erfolgte die offizielle Bestätigung. Die "Presse" berichtet: Sechs Jahre war der Posten unbesetzt, ab 1. Dezember bekommt die Mailänder Scala wieder einen Musikdirektor: Den Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim. Der israelische Dirigent wird den Posten bis Ende 2016 bekleiden, teilte die Scala dem Donnerstag mit. Das Amt des Musikdirektors war an der Scala seit 2005 vakant, seitdem Stardirigent Riccardo Muti wegen eines Streits mit der Geschäftsführung zurückgetreten.

Daniel Barenboim ist 69 - und bekleidet mehrere Jobs. Damit unterwandert er die Bemühungen der Gewerkschaften, das Rentenalter nicht allzu sehr in die Höhe schnellen zu lassen. Offenbar ist man auch mit 69 noch voll leistungsfähig (was ich mit einigen Jahren darunter so nicht unterschreiben würde). Grundsätzlich darf ein Arbeitnehmer einen Zweitjob annehmen, ohne dass der Arbeitgeber ein Veto einlegen kann. Für einen Zweitjob gibt es vor allem zwei Gründe: Man braucht das Geld ganz dringend! Im Fall Barenboim kann man das freilich ausschließen, denn mickrig werden die Berliner nicht zahlen. Ein weiterer Grund mag sein, dass man durch den "Erstjob" nicht ausgelastet ist! Da sollte der Arbeitgeber hellhörig werden!

Riccardo Muti ist ungefähr im "Barenboim-Alter" und plant auch bereits für die nächsten Jahrzehnte. So teilt er mit, dass er in den nächsten Jahren wohl keine Pläne für Operndirigate in Österreich hat, das aber für die Zukunft ändern will. Der Optimismus des Maestro ist berechtigt, sind doch er und auch Barenboim im Vergleich etwa zu Maazel oder Harnoncourt echte Jungspunde.

Fast noch im Babyalter ist im Vergleich zu den Vorgenannten Fabio Luisi!

Fabio Luisi ist derzeit Nr.1 bei den Jobsammlern!

In Wien sagt Fabio Luisi derzeit mehr ab, als er dirigiert. Es sieht so aus, als wären ihm die Wiener Symphoniker, deren Chefdirigent er ist und denen er sich auch menschlich verbunden fühlen müsste, vollkommen wurscht. "Der Standard" meint: Bemerkenswert also, mit welcher Großzügigkeit und Verzichtsfreude das Management des Orchesters den neu eingegangenen Verpflichtungen des Italieners in New York (Chefdirigent der Metropolitan Opera) und in Zürich (Generalmusikdirektor der Oper ab der Spielzeit 2012/2013) Raum gewährt. Ob die im November anstehende USA-Tournee der Symphoniker mit Luisi der Hauptgrund dafür ist? Mit George Prêtre, Rafael Frühbeck de Burgos und Vladimir Fedosejev wird immerhin ein rüstiges Trio an Luisi-Vorgängern aufgeboten, um in Wien die Chefdirigenten-Leere atmosphärisch zu überpinseln.

Falls er die Chefdirigentenposition an der Met behält, was Angyan für möglich hält, würde Luisi in der kommenden Saison zwei Chefdirigenten-Ämter großer Opernhäuser auf zwei verschiedenen Kontinenten innehaben - eine einzigartige Situation - und wäre gleichzeitig noch Chefdirigent der Symphoniker. Um dies zu bewältigen, müsste er sich dreiteilen.

Auch diesbezüglich frage ich mich, ob nicht ein sauberer Schnitt besser und vor allem ehrlicher wäre. Auch bei Luisi gehen ich davon aus, dass er es nicht nötig hat, in Wien ein fast arbeitsloses Einkommen zu beziehen!

Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien für José Carreras. Foto: DI. Dr. Andreas Haunold.

Gestern hat José Carreras die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold von Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny überreicht bekommen. Staatsoperndirektor Dominique Meyer hielt die Laudatio. Heute singt José Carreras in Wien in einem Konzert!

Probenfoto der Wiener Volksopern-Salome: Annamarie Kremer (Salome) und Sebastian Holecek (Jochanaan. Premiere ist Samstag. Foto: Barbara Zeininger.

Weitere Fotos von Barbara Zeininger wurden soeben in die "Tagesinfos (Aktuelles) gestellt!

Die "Merkerei" verlagerte sich gestern nach Bratislava. Dort gastierte Cecilia Bartoli mit ihrem "Sacrificium". Dr. Peter Dusek zeigt sich begeistert: Und sie macht ihre Fans nun schon 20 Jahre lang in jeder Hinsicht glücklich. Ich weiß, dass die temperamentvolle Römerin auch Gegnerschaft hervorruft. Man wirft ihr einen gewissen Manierismus vor, man verweist auf die Oberton-Technik ihrer Höhenlage. Und kritisiert den Show-Charakter ihrer Konzerte. Aber alles in allem: keine andere Sängerin hat so sehr das Repertoire verändert und dem barocken Lebensgefühl wieder entdeckt wie Cecilia Bartoli. Als Österreicher kann man stolz darauf sein, dass man über das Salzburger Pfingst-Festival an diesem „Wunder“ in Zukunft regelmäßig „mitnaschen“ darf. Cecilia Bartoli scheint mir jedenfalls den Zenit ihres Könnens noch immer nicht ganz erreicht zu haben. Bratislava und die Zugaben von Händel, Vivaldi und Broschi haben es nicht zuletzt bewiesen..

Ich war nicht in Bratislava, sondern bei einem kleinen Konzert in der Wiener Martinstraße. Selbst das kann ich mir aber eigentlich nicht leisten, denn durch so einen Abendtermin bleibt unerhört viel Arbeit liegen - und die Rechnung bekomme ich dann am nächsten Morgen präsentiert - ich bin hoffnungslos im Rückstand

Anna Netrebko als "Anna Bolena" an der Met - morgen in den Kinos zu sehen!

Und Samstag mache ich den gleichen Fehler, ich schaue mir "Anna Bolena" aus der Metropolitan Opera an, obwohl ich kein Fan von Belcanto-Opern bin. Ich habe auch keine Ahnung, ob und wo es noch Karten gibt. Um das herauszufinden, können Sie den Link auf dieser Startseite benutzen!

Was tut sich an der Wiener Staatsoper: Florian Felderer besuchte Mittwoch "La Traviata": Ich war gestern in der Traviata. Es gäbe viel dazu zu sagen, aber alles nicht wirklich notwendig. Die Violetta ist erst nach dem Verlöschen der Scheinwerfer tot umgefallen. Es könnte ja auch die Schuld am Lichttechniker liegen, der den Schalter zu früh umgelegt hat, am zu still spielenden Orchester, oder am Regisseur, am Regenwetter, dem Vollmond, der Luft oder am irritierten und irritierenden Publikum, alles Interpretations- und Ansichtssache.
In Zukunft könnte wohl Kristiane Kaiser die Staatsopern-Traviata beleben, eigentlich höchste Zeit, wobei ich sie fast zu schade für eine günstige Ikea-Taferl-Inszenierung finde. Die Kasse hat aber geklingelt, das Haus war voll, die Touristen hat es gefreut. Die Oper ist halt doch nur ein Theater.

Eine persönliche Anmerkung von mir: Da wäre wohl eher Alexandra Reinprecht an der Reihe, die sich derzeit ohnedies als Dessay-Ersatz bereit hält!

Ein ehemaliger Darling der österreichischen Kulturpolitiker dreht nun den Speß um und klagt die Republik aus ausstehende Gelder: Detailliert listet die Tageszeitung "Der Standard" in ihrer heutigen Ausgabe auf, welche Forderungen der im März fristlos entlassene Ex-Museumsdirektor Peter Noever von seinem früheren Arbeitgeber, dem Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK), beim Wiener Arbeits- und Sozialgericht eingeklagt hat: "Neben Kündigungsentschädigung (160.000 Euro), Abfertigung (194.543 Euro) und Urlaubsersatzleistung (25.000 Euro) pocht Noever auf die Erfolgsprämie in Höhe von 32.245 Euro für seine erbrachten Leistungen im Jahr 2010" - in Summe also mehr als 400.000 Euro.

Weiters würden in der Klagsschrift "zahlreiche Leistungen, die Noever in seiner langen Amtszeit erbracht hat und die nicht durch das Direktorengehalt abgegolten sein sollen" aufgelistet. Laut der Zeitung argumentiert Noevers Anwalt Georg Schima, dass die Entlassung verspätet, nämlich einen Monat nach der Strafanzeige des MAK, erfolgt sei und die umstrittenen Geburtstagsfeiern für die Mutter des Direktors zudem im Interesse des Museums gewesen seien. Von fingierten Belegen habe der Direktor nichts gewusst.

Also, wenn das mit der verspäteten Entlassung stimmt, dann müssten die zuständigen Juristen den Hut nehmen - und besser auch gleich jene Ministerin, die in Verantwortung für diese Leute steht!

Ist Journalismus ein Traumberuf?? Von der Bezahlung abgesehen höchstens beim Online-Merker, denn bei uns dürfen Mitarbeiter auch Meinungen vertreten, die nicht zur "Blattlinie" passen. Die "Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Studie, welche die Journalisten als echt arme Hunde ausweist: An die 120 Neueinsteiger würden im österreichischen Journalismus im Jahr gebraucht, um die natürlichen Abgänge wettzumachen. In den Markt drängen sieben Mal so viele. Mehr denn je gilt Journalismus bei jungen Menschen als Traumberuf - weniger denn je ist dieses Bild mit der Realität in Einklang zu bringen. Das ist die Kernaussage der Studie "Medienkarrieren im Umbruch", die von Roland Hummel und Susanne Kirchhoff vom Salzburger Institut für Kommunikationswissenschaft veröffentlicht wurde.
"Wahrhaft abstruse Erwartungshaltungen führen zu einem verklärten Journalismus-Bild", erklärt Hummel. Der Studie zufolge sehen sich angehende Journalisten noch immer in der Rolle von neutralen Informationsvermittlern, die komplexe Sachverhalte ausgewogen und verständlich für aufbereiten. Kreativität, kritische Reflexion und gutes Formulieren sind ihre Qualitätskriterien...

Die Wahrheit sieht anders aus. Eigentümerinteressen sind wahrzunehmen, auf Anzeigenkunden darf keineswegs losgegangen werden. Kurzum, Journalisten sind weisungsgebunden - und somit eigentlich kleine Wursteln!

Abzuhelfen wäre dem nur, wenn so ein Journalist sein eigener Herausgeber würde. Dann müsste er sich aber auch selbst bezahlen! In meinem Fall leiste ich mir den Luxus auf eine eigene Meinung, verbunden mit einem beträchtlichen finanziellen Defizit!

Der chinesische Künstler Ai Weiwei kommt mit seinem künstlerischen und politischen
Engagement gut an. Das britische Magazin "Art Review" bescheinigt ihm den ersten
Platz in der Liste der Einflussreichsten in der Kunstbranche.

Und wem verdankt Ai Weiwei das? Im Grunde genommen den "Überreagieren", die ihn in den Knast gesteckt haben. Parallelen zu Karina Sarkissova in Wien mögen im ersten Moment nicht passend erscheinen, aber auch die wurde erst von Leuten "gemacht", die das Gegenteil dessen bezweckt haben. Ob nun AI Weiwei tatsächlich Steuern hinterzogen hat, interessiert die internationale Presse überhaupt nicht - für diese ist er ein Märtyrer - und Märtyrerrollen sind bekanntlich die besten.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die Meinung der offiziellen Ukraine zu Yulia Timoschenko zu hören. Die wurde mir bei Borscht und Wodka serviert, deshalb bin ich auch vorsichtig. Meine Meinung nach dieser Anhörung möchte ich Ihnen nicht aufs Auge drücken, Sie können sich ja selbst informieren. In Österreich wäre allein schon undenkbar, Politiker für Vereinbarungen, die dem Staat zum Schaden gereichen, anzuklagen. Da hätten wir bald nur mehr vorbestrafte Volksvertreter!

Nun wieder zu Renate Wagners FILMSEITE

Schließlich haben sie alle, weil das amerikanische Lustspielkino ja grundsätzlich moralisch ist, wenn es nicht von ganz bösen Buben gemacht wird (und ein solcher ist Lustspiel-Spezialist David Dobkin sicher nicht), sogar etwas fürs Leben gelernt. Nur für die Kinobesucher war es eigentlich halb so lustig…

Eine Dame aus unserem Forum, die natürlich weit klüger als die übrige Belegschaft zusammen ist, kritisierte meine Worte über Daniela Katzenberger in der gestrigen Ausgabe folgendermaßen: In einem Kulturforum fühlt man sich eigentlich vor solchen Kotzenberger'schen Heimsuchungen sicher, aber der Merker ist eben in verschiedener Hinsicht anders...

Wie wahr, wie wahr, Verehrteste! Wenn ich aber in ein Theater gehe , zum Beispiel zum "Woyzeck" in das Wiener Museumsquartier, erwarte ich eigentlich auch, mit Schlägergesocks nicht konfrontiert zu werden.

Ben Becker prügelte sich mit dem Abendregisseur - oder prügelte er den Regisseur?

Der Der deutsche Schauspieler Ben Becker soll in Wien in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Wie die Tageszeitung „Österreich“ (Freitag-Ausgabe) berichtet, soll der 46-Jährige, der derzeit in „Woyzeck & The Tiger Lillies“ zu sehen ist, nach einer Vorstellung der Musical-Version des Büchner-Fragments im MuseumsQuartier auf den zuständigen Abendregisseur Stephan Pfister eingeschlagen haben. Der Verletzte wurde demnach im AKH behandelt, das Krankenhaus erstattete Anzeige.

Für eine Stellungnahme seitens der für die Produktion zuständigen Vereinigten Bühnen Wien (VBW) war am Donnerstagabend niemand erreichbar. „Österreich“ gegenüber hätten die VBW angegeben, dass die beiden Herren den Vorfall „unter vier Augen respektvoll bereinigt“ hätten. Die Tageszeitung zitiert auch die Mutter des Opfers, der zufolge Becker insgesamt dreimal auf den bereits am Boden Liegenden eingeschlagen habe.

Wie freue ich mich auf die nächste Moralpredigt eines Schauspielers!

Mistelbach will nun auch ein Falco-Denkmal, weil Gars seines bereits hat (wir berichteten). Immerhin hat der Gemeinderat bereits das Grundstück zur Verfügung gestellt! Falco war vielleicht irgendwann in Mistelbach, hat dort jedoch keine Spuren hinterlassen. Ein Journalist wollte von den Initiatoren wissen, warum gerade Mistelbach ein Falco-Monument für sich reklamiert. Antwort der Verantwortlichen: "Warum nicht".

Der Schlüssigkeit dieser Argumentation kann ich mich nicht entziehen.

Somit wünsche ich Ihnen einen guten Start in das Wochenende
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SAMSTAG, 15.10.2011

Roland Geyer hat große Pläne - und auch ein Konzept für die Wiener Kammeroper

Es ist dem Intendanten des Theater an der Wien mehrfach passiert, dass er auf dem Naschmarkt mit etwa folgender Bemerkung angesprochen wurde: Sie gehen ja jetzt nach Bregenz, schade ... Auch darob sieht sich Roland Geyer zu einer Klarstellung veranlasst: "Ich leite das Theater an der Wien noch bis Sommer 2016. Dann erst übersiedle ich nach Bregenz." Im Jahr 2015 werde er die Bregenzer Festspiele parallel zu Wien betreuen.

Insgesamt 100 Produktionen werden es im Jahr 2016 sein, die Geyer an der Wien herausgebracht haben wird. Am Sonntag steht Händels "Serse" auf dem Programm, womit Geyer bei etwa 60 Produktionen steht. Der Schwerpunkt mit alter Musik werde auch auf alle Fälle weiterlaufen, sagt er im KURIER-Interview: "Ein Drittel des Repertoires bleibt das Barock. Es wird auch der Monteverdi-Zyklus weitergehen. Diese Saison inszeniert Claus Guth ,Orfeo', Ivor Bolton wird dirigieren. Danach kommen noch ,Ulisse' und ,Poppea' von Monteverdi, alle mit unterschiedlichen Dirigenten."

Dazu wird es bis 2016 jedes Jahr eine Uraufführung geben. Heuer ist es "Gogol" von Lera Auerbach (Premiere am 15. 11.). Bo Skovhus war für die Titelpartie vorgesehen, musste jedoch krankheitsbedingt absagen. Regisseurin Christine Mielitz entschied sich daraufhin, die Partie zu teilen und von zwei Sängern (Martin Winkler, Otto Katzameier) singen zu lassen.

Schon am 4. November wird übrigens in der Kammeroper die Miniaturoper "Vogel, Herzog, Idiot" uraufgeführt - das erste Bespielprojekt des Theaters an der Wien in jenem Haus, das zuletzt durch finanzielle Schwierigkeiten in den Medien war. "Es gibt ein Konzept von mir, die Kammeroper zu retten und ganzjährig im Geiste ihres Gründers Hans Gabor zu bespielen", verrät Geyer. (Auszug aus dem "Kurier")

Wer folgt nun auf Roland Geyer im Theater an der Wien? Tenor Michael Schade hat sein Interesse an der Leitung des Hauses angemeldet. In letzter Zeit taucht auch der Name des Dirigenten Bertrand de Billy in der Liste der Bewerber auf. Im Moment sind das alles nur Gerüchte!

Sonntag gibt es die "Serse"-Premiere im Theater an der Wien. Adriana Kucerova ist dabei! Foto: Barbara Zeininger

Annemarie Kremer (Salome) und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke (Herodes). Foto: Barbara Zeininger

Bereits heute hat an der Wiener Volksoper "Salome" Premiere. Ich hoffe, dass ich in den Morgenstunden des Sonntag einen ersten Kurzbericht bekomme. Vereinbart ist nichts, das ist wie ein Überraschungsei!

Annemarie Kremer scheint in den vergangenen Tagen rund um die Uhr Interviews gegeben zu haben - so etwa der "Presse": „Als ich sie zu studieren begann, fühlte ich mich ziemlich weit entfernt von dieser artifiziellen Person. Wie kommt man dazu, den Kopf eines Mannes zu verlangen? Aber wenn man sich ihr hingibt, dann begreift man, wie sich diese Kindfrau an der Begegnung mit dem unnachgiebigen Propheten entwickelt. Sie hat so viele Facetten in sich, das Kindliche, vielleicht auch etwas Tierisches. Und durchaus auch – in ihrem verdorbenen Umfeld – einen Hang zur Keuschheit. Diese oft widersprüchlichen Facetten alle auszuspielen, das ist schon eine tolle Herausforderung.“

Wir vom Online-Merker haben für kommende Woche ein Gespräch mit Irmgard Vilsmaier, der "Herodias, vereinbart!

José Carreras bei seinem Wiener Konzert (gestern, 14.10.). Foto: DI. Dr. Andreas Haunold

Zwei weitere Fotos sehen Sie in unseren heutigen Tagesinfos!

Albert Pesendorfer. Als "Hans Sachs" ist er heute über Web-Stream zu sehen!

Über Webstream können Sie heute live die Premiere der "Meistersinger von Nürnberg" aus dem Staatstheater Nürnberg sehen: Mehr Info

Der amerikanische Tenor Michael Putsch singt den Stolzing, der Oberösterreicher Albert Pesendorfer ist Hans Sachs!

In Duisburg hat heute "Carmen" Premiere: In Sevilla ist es dunkel, weil die Innenräume hermetisch gegen das grelle Sonnenlicht abgeschottet sind, das nur in Strahlen durch kleine Fensterchen hereindringt. So findet man es auch auf den Bildern des spanischen Malers Francisco de Goya, die außerdem surreale Motive zeigen wie Menschen mit Tierköpfen.
Der Opernregisseur Carlos Wagner, der Bühnenbilder Rifail Ajdarpasic und der Beleuchter Fabrice Kebour fanden in diesen Bilderwelten den Ausgangspunkt für ihre Inszenierung der Erfolgsoper "Carmen" von Georges Bizet, die bereits im Januar dieses Jahres an der französischen Opéra National de Lorraine in Metz und Nancy von Publikum und Profi-Kritikern gefeiert wurde und jetzt an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg neu produziert wird. Am Samstag, 15. Oktober, um 19.30 Uhr, steigt die Premiere im Theater Duisburg.

Wenn ich diese Einführung aus "RP-online" richtig deute, können Sie sich auch billige Karten kaufen - denn es wird auf der Bühne finster sein!

Ende kommender Woche ist es so weit: Die Festspiele Ludwigshafen zeigen mit der „Walküre“ den zweiten Teil des Opernwerks „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner. Die Kooperation des Theaters im Pfalzbau mit der Oper Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz wird am 21. und 23. Oktober aufgeführt. Premiere war Ende September in Halle. Vergangenes Jahr war mit „Das Rheingold“ bereits der erste Teil des Rings unter Leitung von Pfalzbau-Intendant Hansgünther Heyme aufgeführt worden.

Der Pressechef des Theaters rief eigens in unserer Wiener Online-Redaktion an, um einen Rezensenten zugeteilt zu bekommen. Friedeon Rosén hat zugesagt. Es ist schön, wenn Theater unsere Arbeit würdigen!

Überall in der Welt wurde "The Sound of Music" gespielt - nur Salzburg hat sich bisher geniert! Wietske van Tongeren und Uwe Kröger spielen die Hauptrollen.

Seit dem 12. September wird geprobt, am 23. Oktober 2011 ist es soweit: Erstmals wird das Musical "The Sound of Music" auf einer Salzburger Bühne zu sehen sein. Das Landestheater bringt den weltweit beliebten, aber im deutschen Sprachraum vielfach ignorierten Welterfolg mit der Musik von Richard Rodgers und Texten von Oscar Hammerstein zurück an seinen Ausgangspunkt.

Die Hauptrollen sind mit Wietske van Tongeren (Maria) und Uwe Kröger (Baron von Trapp) mit prominenten Musical-Darstellern besetzt. Die sieben Trapp-Kinder wurden in Salzburg, Wien und Hamburg von den Regisseuren Andreas Gergen und Christian Struppeck sowie der Choreographin Kim Duddy in mehrtägigen Verfahren ausgesucht. Allein aus Salzburg haben sich 200 junge Sänger und Schauspieler beworben. (Aus "Kleine Zeitung")

Harald Serafin im Pensionschock? In jedem Fall im Volkstheater in einer Rolle, die es bisher bei Nestroy nicht gegeben hat.

Renate Wagner war gestern bei der Premiere von Nestroys "Der Färber und sein Zwillingsbruder" im Wiener Volkstheater - und eigentlich ist sie "Direktor Schotti" sehr gewogen. Nur diesmal übt sie Kritik: Eines darf man an diesem Abend gewiss nicht: An die große Nestroy-Tradition des Volkstheaters denken. Wo immer Gustav Manker begraben ist, es werden dort noch lange (zumindest so lange, wie diese Aufführung auf dem Spielplan ist) quälende Geräusche zu vernehmen sein: Der arme Mann rotiert in seinem Grab in Verzweiflung darüber, was in seinem Haus bei bzw. gegen Nestroy möglich ist…

Es läuft hier bis zur Pause nichts weiter ab als eine entsetzlich leere Militärklamotte.

Nach der Pause wird sie dann zusätzlich zur Operette und erhält einen „Dritten-Akt-Komiker“, der durch den Zuschauerraum auftritt und begeisterten Beifall erhält: Jöh, der Serafin! Was macht er da? Die Rolle des Generals existiert bei Nestroy nämlich nicht. Nun weiß man ja, dass Mörbisch für ihn gelaufen ist, und vielleicht erwischt ihn nun sehr verspätet der Pensionsschock. Niemand hat etwas gegen Harald Serafin, aber das Volkstheater ist wirklich nicht zu der zutiefst unkünstlerische Überlegung verpflichtet, einem Schauspieler eine gänzlich überflüssige Rolle in ein Stück hineinzuschreiben, nur damit er wieder auf der Bühne stehen kann – und ein Haus, das übrigens angeblich gar kein Geld für „Gäste“ hat, wie man hören konnte, hier einen populären Namen aufbietet, der aber für Nestroy nicht das geringste Talent besitzt. Serafin segelt textunsicher durch irgendwelche erfundenen Banalitäten aus der untersten Textlade und soll schließlich, welche Genieidee, das Georg-Kreisler-Chanson „Der General“ singen. Das ist ein äußerst witziges, scharfes und sehr jüdisches Stück, interpretiert von einem Mann, der nicht einmal das Wort „Jingel“ über die Lippen bringt, nicht jüdeln kann und Kabarett-Witz zu Operetten-Sauce verschleift. Was soll das? Man kann es weder Vicki Schubert noch Michael Schottenberg verzeihen – und hier spricht nicht Purismus im Dienst von Nestroy, denn den kann es gar nicht geben. Niemand war dem lebendigen Theater näher und puristischen Verboten ferner als er. Das ist einfach eine Frage der Qualität, die hier nicht eingehalten wird.

Ich bitte die Fans beider bereits verblichener Sänger um Entschuldigung und bin untröstlich, denn ich habe gestern Michael Jackson und Falco verwechselt. So etwas darf nicht einmal meiner Generation passieren, aber ich kann heute richtigstellen: Mistelbach plant ein Michael-Jackson-Monument, während Gars sich mit Falco etwas bescheidener gibt. "Die Presse" hat Querverbindungen von Mistelbach zu Michael Jackson aufgezeigt: In nur drei Minuten entschied der Gemeinderat von Mistelbach, grünes Licht für ein Michael-Jackson-Denkmal zu geben. Verständlich, schließlich ist der Ort Mistelbach seit jeher untrennbar mit Michael Jackson verbunden. Man denke nur an den Hit „Stranger in Mistelbach“ oder den berühmt gewordenen „Mistelbach-Walk“, den der King of Pop während seiner Konzerte zum Besten gab. Unvergessen ist auch der Mistelbacher Kinderchor, der uns im Video zu „They don't care about us“, entzückte.

Dazu kommt die völkerverbindende Geste. Es ist doch schön, dass im schwarzen Niederösterreich mit Michael Jackson ein Weißer geehrt wird. Und die Mistelbacher wollen noch mehr. Ein „Walk of Fame“ mit weiteren Musikgrößen wie etwa den Beatles oder Elvis Presley ist angedacht.

Nicht vergessen sollten die Mistelbacher aber, dann auch dem Nasenbären Neppomuk, seines Zeichens Maskottchen der EAV, eine Statue zu widmen. Schließlich besang die EAV Mistelbach ja tatsächlich: „An der Copacabana und am Wörthersee, starke Männer sind längst passé. Nur am Schotterteich von Mistelbach wird vielleicht noch die Christl schwach!“ Na, wenn sich das kein Denkmal verdient hat...

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Ben Becker prügelte sich mit dem Abendregisseur - oder prügelte er den Regisseur?

Das bezeugte Dagmar T. (Name der Redaktion bekannt), die Mutter des mutmaßlichen Opfers, gegenüber ÖSTERREICH: „Ich war mit meinem Mann im MuseumsQuartier. Und nach der Vorstellung, so gegen 22.15 Uhr, wurde mein Sohn von Ben Becker grundlos zusammengeschlagen. Der Angriff erfolgte nicht ein Mal, sondern Becker schlug drei Mal auf den am Boden Liegenden ein.“ Und Dagmar T. weiter: „Wir brachten meinen Sohn ins AKH, wo umgehend Anzeige erstattet wurde.“

Auf ÖSTERREICH-Anfrage bestätigte man im AKH: „Der Patient wurde am vergangenen Mittwoch in unserer Notfallabteilung aufgenommen und ambulant behandelt. Es wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“

Während Beckers deutsche Agentur „Meistersinger“ von der Auseinandersetzung noch nichts erfahren hatte, bestätigen die Vereinigten Bühnen Wien auf ÖSTERREICH-Anfrage: „Wir bedauern diesen Vorfall sehr.“ Inzwischen hätten aber „die beiden betroffenen Herren den Vorfall unter vier Augen respektvoll bereinigt“.

So sieht das auch Stephan Pfister, der mit einem blauen Auge davongekommen ist: „Wir haben uns ausgesprochen und schauen, dass wir noch drei gute Woyzeck-Abende schaffen.“ Er wolle die Anzeige zurückziehen.

Geht nicht, guter Mann. Die Anzeige hat das Spital erstattet! Und das mit gutem Grund, denn für Ihre Behandlung muss die Allgemeinheit aufkommen. Oder sind Sie Privatpatient??

Aber jetzt sind beide Herren einander wieder gut. Wie lautet ein altes Sprichwort: "Pack..."

Die gesamte Erstauflage von Reiner Calmunds Buch "Eine Kalorie kommt selten allein"muss wegen einer einzigen Zahl eingestampft werden.

Das zweite Buch des ehemaligen Fußball-Managers Reiner Calmund wird vorläufig kein Bestseller. Der Mosaik-Verlag muss die erste Auflage von "Eine Kalorie kommt selten allein" einstampfen. Denn es gab einen so genannten Lektoratsfehler. "Intoniert wurde 1954 im Wankdorf-Stadion in Bern die erste Strophe des Deutschlandliedes, die ich auch heute noch bei Länderspielen voll mitsinge", heißt es dort. Die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen, ist jedoch ein Tabu, weil diese Strophe eng mit den Nazis und dem Dritten Reich verbunden wird. Und Bayer Leverkusens Ex-Manager Calmund betonte: "Die dritte – die erste steht leider drin, aber es ist die dritte! Einigkeit und Recht und Freiheit. Das singe ich heute noch mit und da habe ich immer noch eine Gänsehaut."

Der Fehler ist allerdings für die erste Auflage, die bereits ausgeliefert wird, nicht mehr zu korrigieren. Darüber ist vor allem die Cheflektorin Monika König angemessen betrübt. "Wie es genau zu diesem Fehler kam, kann man nachträglich schlecht sagen. Ich glaube, an dem Satz ist etwas verändert worden und jetzt ist es tatsächlich ein missverständliches, seltsames Satzgebilde geworden. Natürlich muss es richtig heißen, dass in dem Stadion 1954 zwar diese peinliche und heute nicht mehr vertretbare Strophe gesungen wurde. Was Herr Calmund heute mitsingt, ist die dritte Strophe. Nur so ist das gemeint gewesen", erklärte sie gestern in einer ersten Stellungnahme.

Die erste Auflage von "Eine Kalorie kommt selten allein", die nun in den Reißwolf gelangt, ist immerhin mit 6000 Exemplaren erschienen. Die umstrittene Passage im Buch werde für die nächste Auflage selbstverständlich geändert, versicherte der Verlag.

Vielleicht hätte es genügt, einen Zettel beizulegen. Mehr will ich nicht sagen, denn ich verbrenne mir ungern den Mund!

Ein schöner Samstag sei Ihnen gewünscht!

A.C.
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SONNTAG, 16.OKTOBER 2011
Salome" an der Wiener Volksoper. Unsere Rezensenten bezeichnen das "Herrscherpaar" als großartig: Irmgard Vilsmaier und Wolfgang Ablinger-Sperrhacke. Foto: Barbara Zeininger

Die erste Kritik lieferten diesmal Maria & Johann Jahnas ab: Aufgrund der Berichte von der Generalprobe und der Werkseinführung erwarteten wir eine konservative Inszenierung, die "niemandem weh tut". So hörten wir es von Besuchern der Generalprobe. Umso überraschter waren wir, dass wir eine Inszenierung erlebten, die für unseren Geschmack einfach perfekt ist. Minimalistisches Bühnenbild, zweckmäßige Kostüme (Einspruch von meiner modebewussten Frau), unaufdringliche, stimmige Symbolik - z.B rote Schleppe des Jochanaan, gute Personenführung, die nie den Eindruck einer Rampen-Stehpartie aufkommen lässt und ein klares Regiekonzept, das die Geschichte nicht beschädigt.

Bezüglich der Gesangssolisten muss man der Volksoper ein ganz großes Kompliment machen. Sebastian Holecek hat sich zu einem hervorragenden Jochanaan entwickelt - sein mächtiger Bariton vermittelt spielend leicht die Besessenheit des Propheten - dass man so schöngesanglich so bitter anklagen kann!!
Fast unglaublich, dass ein Morten-Frank Larsen als Zweitbesetzung zur Verfügung steht!
Annemarie Kremer singt eine gute, aber keinesfalls hervorragende Salome. In den tiefen Lagen ist sie kaum zu hören und weicht oft in den Sprechgesang aus, in der Höhe neigt sie zur Schärfe - die Stimme ist (vielleicht noch) für die Salome etwas zu klein. Wunderschön strömt ihr Sopran allerdings in der nicht angestrengten Mittellage z.B. beim Schlussmonolog - da erkennt man das Potential dieser Stimme.

Ganz großartig ist das Königspaar: Wolfgang Ablinger-Sperrhacke ist ein Glücksgriff. Er singt diese schwere Partie mit Leichtigkeit und ist auch darstellerisch ein vielschichtiger Herodes - zum Glück kein geiler Idiot.
Irmgard Vilsmaier ist gut bei Stimme, agiert hysterisch, schmeichelnd und stolz - eine Idealbesetzung.

Renate Wagner war vormittag im Kinderopernzelt der Wiener Staatsoper (Ioan Holenders "Erfindung") bei Aladdin und die Wunderlampe": Die Veranstaltungen im Kinderoperzelt zählen zu den Hits aus der Ära Holender – die Staatsoper verspricht hier für heuer Wagners „Feen“. Bis dahin hält man sich an Wiederaufnahmen. Mit „Aladdin und die Wunderlampe“ von Nino Rota (1911-1979) greift man auf einen kleinen „Klassiker“ zurück, denn Geschichten aus „Tausendundeine Nacht“ verlieren nie ihren Zauber, nicht zwischen Buchdeckeln, nicht im Kino und offenbar auch nicht in der Oper.

Und die "Kleinen", für die diese Oper eigentlich gespielt wird? Die sind am Überlegen! Aber ein guter Anfang ist gemacht, der Weg zum Opernfreund freilich noch weit!

Peter Dusek sah gestern "Anna Bolena" aus der New Yorker Metropolitan Opera in einem Wiener Cineplexx-Kino: In den letzten 20 Minuten schreibt sie endgültig Operngeschichte: Anna Netrebko in der Titelrolle von Anna Bolena, der zweiten Frau von Heinrich VIII und Mutter von Queen Elisabeth, hat an der New Yorker Met zumindest in der Schlussszene der Donizetti-Oper ihr Wiener Rollendebüt vergessen gemacht. Freilich: diesmal ist das Stück über die tödliche Rivalität zwischen Ann Boleyn und Jane Seymour zur Solonummer für eine Diva assoluta geschrumpft.

Ich habe die Aufführung auch gesehen und unterschreibe Duseks Eindruck voll!

Heute findet im Theater an der Wien die "Serse" (Xerxes)-Premiere statt.

Danielle de Niese. Foto: Barbara Zeininger

Auszug aus den "Oberösterreichischen Nachrichten": Im Theater an der Wien sang sie zuletzt, unter der Stabführung von Nikolaus Harnoncourt, Händels „Rodelinde“. Ab Sonntag ist Danielle de Niese, 32, in Händels „Serse“ („Xerxes“) wieder in diesem Haus zu sehen. Zuletzt hat die bildhübsche Sängerin mit australisch-niederländisch-schottischen und sri-lankischen Wurzeln das Album „Beauty Of The Baroque“ veröffentlicht.

OÖN: Um den Ausdruck „Wunderkind“ nicht zu strapazieren: Bei Ihnen hat sich jedenfalls schon sehr früh großes musikalisches Talent gezeigt?

De Niese: Meine erste Lehrerin war meine Mutter, sie gab mir Gesangs- und Klavierstunden. Sie selbst war hochbegabt, aber scheu. Also landete sie nie auf der Bühne, denn dort wäre sie tausend Tode gestorben. Ich konnte sehr schnell und sehr klar Töne perfekt singen. Meine Eltern haben das auf Tonband festgehalten.

OÖN: In der Schule sind Sie wahrscheinlich auch gleich aufgefallen?

De Niese: Die Lehrer riefen meine Eltern und erklärten: „Dieses Kind ist außergewöhnlich. Ein kleiner Star.“ Gott sei Dank halfen mir die Eltern nicht nur, meine Träume zu erfüllen, gleichermaßen sorgten sie auch dafür, dass ich immer auf dem Boden blieb. Als wir noch in Australien lebten, fand ich dort auch eine besonders gute Lehrerin. Der Samstag war mein Lieblingstag. Da begann ich um acht Uhr morgens mit Ballett, Modern Dance, Jazz Dance, und der Tag endete mit Schauspiel- und Gesangsunterricht. Das frühe Aufstehen machte mir gar nichts aus, vor lauter Freude sprang ich förmlich aus dem Bett. Nun: Eine schöne Stimme zu haben, ist die eine Sache, Talent die andere. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht.

Heute abend im Theater an der Wien können Sie Danielle de Niese, in diesem Theater so etwas wie ein Stammgast, erleben!

Erfurt: "Robert der Teufel" spielt im Irrenhaus. Foto: L. Edelhoff

Udo Pacolt spürt für uns jeder Rarität nach. Diesmal war er in Erfurt, wo Meyerbeers "Robert der Teufel" im Irrenhaus spielt

"Wien modern": Vom Enfant terrible ist Friedrich Cerha zum viel gespielten Komponisten geworden. Im Gespräch mit der "Presse" erläutert er, wie er gegen Anfeindungen und Eitelkeiten gleichermaßen immun wurde.

Frankfurt: Mit Claudio Abbado gegen die Krise
Zwei junge italienische Orchester kommen zu den Kulturtagen der Europäischen Zentralbank.

Konzerthaus Berlin: Bislang beginnen Konzerte meist um 20 Uhr. Der Intendant des Konzerthauses Berlin, Sebastian Nordmann, will das ändern. Warum nicht mittags für 45 Minuten oder ab 21.30 Uhr Musik genießen?

Auszug aus der "Berliner Morgenpost"

"The Rocky Horror Picture-Show" in Rheydt, als Krefelder Gastspiel: Adrian Linke. Foto: Matthias Stutte

Unser Operfreund Dr. Peter Bilsing (www.deropernfreund.de) ärgerte sich in Rheydt grün und blau über das indiskutable Publikum. Jeder Fußballplatz trachtet, solche "Fans" loszuwerden: A propos "billige Plätze": Wahrscheinlich sind die Karten zu billig. 15 Euro kostet die preisgünstigste Karte und da verliert sich (zumindest in Mönchengladbach) dann prompt auch jenes angesoffene Fußballplatz-Gesockse ins Theater, welches man anscheinend vom edlen Borussia-Rasen schon vertrieben hat. Es wird Zeit, wenn es so weiter geht, dass man zusätzlich zu den alten rüstigen Damen der Türstehergilde vielleicht demnächst 3-4 Security-Leute beschäftigt, welche eindeutig Angetrunkenen (die mir persönlich schon im Vorfeld auffielen!) den Zutritt verwehrt. Freunde! Die ruinieren Euer liebenswürdiges kleines Theater!

Rufe wie "Arschloch!" und ähnliches bei den Sprecherszenen wollen wir nicht hören!!! Auch nicht "Ausziehen!" oder "Lass es nochmal hüpfen!" bei den Tanzszenen von Frau Breest und ähnliches.

Dass dann das "ehrenwerte" Publikum auch noch mehrheitlich diese dämlichen Zwischenrufe unterstützend akklamiert und damit solche Volltrottel bestätigt und zum Weitermachen quasi auffordert, vertreibt mich vorerst aus diesem Theater. Schade, denn ich hätte mir gerne noch (wie in Krefeld) weitere Vorstellungen des wirklich absolut genial inszenierten Stückes angeschaut.

Es sind genau diese Dinge, die mich einst auch aus den Kinos getrieben haben. Hoffentlich erkennt die Theaterleitung diesen Missstand, bevor der Ruf des Hauses vollends ruiniert ist. Mehr kann der Kritiker nicht tun. Handlungsbedarf ist dringend angesagt

Gerald Matt in Bedrängnis

Ein halbes Jahr nach Aufkommen der ersten Vorwürfe gegen Kunsthallen-Direktor Gerald Matt werden nun neue Anschuldigungen erhoben. Wie das profil berichtet, soll Matt von 1998 bis 2005 private Dienstleistungen über das Ausstellungshaus verrechnet haben, und zwar "in beträchtlichem Umfang". Für Bankgeschäfte, Steuerangelegenheiten und Urlaubsreisen, aber auch für Umbauarbeiten in Matts Wohnung sollen Kunsthallen-Mitarbeiter betraut und vom Ausstellungshaus bezahlt worden sein. Dies bezeugen fünf eidesstattliche Erklärungen, die an Staatsanwaltschaft und Kontrollamt übermittelt wurden.

Demnach sollten sich Mitarbeiter um diverse Installations-, Reparatur-, Umbau- und Transportarbeiten in Matts Wohnung in der Gumpendorfer Straße kümmern. Auch Reparaturarbeiten an seinen Autos sollen durchgeführt worden sein.
Schon vor Monaten war Matt unter anderem mit Vorwürfen wie zu hohe Reisespesen, frisierte Besucherzahlen und dem Ansinnen, für potenzielle Sponsoren Staatsbürgerschaften zu erwirken, konfrontiert gewesen. (Auszug aus dem "Kurier")

Nachstehender Auszug stammt aus der "Wiener Zeitung"

France Soir erscheint nur mehr im Internet

Die Direktion des französischen Traditionsblattes "France Soir" hat am Freitag gegenüber dem Betriebsrat bestätigt, dass die Printausgabe ab Dezember eingestellt wird und die Tageszeitung von da an nur noch im Internet erscheinen soll. Von den 140 beschäftigten Journalisten sollen nach den Plänen 89 gekündigt werden. In der Web-Redaktion sollen nur noch 32 Redakteure arbeiten. Am Freitag protestierten vor dem Sitz der Zeitung in den Champs-Elysees rund 300 Personen gegen die Pläne der Direktion. Aufgrund eines Streiks wird das Blatt am Samstag nicht erscheinen.

"France Soir" zählte einst zu den auflagestärksten Tageszeitungen in Frankreich. In den 1960er Jahren arbeiteten für das Blatt, das eine Auflage von mehr als 1,5 Millionen Exemplaren erreichte, mehr als 400 Redakteure. Mittlerweile verkauft "France Soir" weniger als 70.000 Exemplare pro Tag

Reiner Calmund

Die gesamte Erstauflage von Reiner Calmunds Buch "Eine Kalorie kommt selten allein"muss wegen einer einzigen Zahl eingestampft werden.

Das zweite Buch des ehemaligen Fußball-Managers Reiner Calmund wird vorläufig kein Bestseller. Der Mosaik-Verlag muss die erste Auflage von "Eine Kalorie kommt selten allein" einstampfen. Denn es gab einen so genannten Lektoratsfehler. "Intoniert wurde 1954 im Wankdorf-Stadion in Bern die erste Strophe des Deutschlandliedes, die ich auch heute noch bei Länderspielen voll mitsinge", heißt es dort. Die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen, ist jedoch ein Tabu, weil diese Strophe eng mit den Nazis und dem Dritten Reich verbunden wird. Und Bayer Leverkusens Ex-Manager Calmund betonte: "Die dritte – die erste steht leider drin, aber es ist die dritte! Einigkeit und Recht und Freiheit. Das singe ich heute noch mit und da habe ich immer noch eine Gänsehaut."

Der Fehler ist allerdings für die erste Auflage, die bereits ausgeliefert wird, nicht mehr zu korrigieren. Darüber ist vor allem die Cheflektorin Monika König angemessen betrübt. "Wie es genau zu diesem Fehler kam, kann man nachträglich schlecht sagen. Ich glaube, an dem Satz ist etwas verändert worden und jetzt ist es tatsächlich ein missverständliches, seltsames Satzgebilde geworden. Natürlich muss es richtig heißen, dass in dem Stadion 1954 zwar diese peinliche und heute nicht mehr vertretbare Strophe gesungen wurde. Was Herr Calmund heute mitsingt, ist die dritte Strophe. Nur so ist das gemeint gewesen", erklärte sie gestern in einer ersten Stellungnahme.

Die erste Auflage von "Eine Kalorie kommt selten allein", die nun in den Reißwolf gelangt, ist immerhin mit 6000 Exemplaren erschienen. Die umstrittene Passage im Buch werde für die nächste Auflage selbstverständlich geändert, versicherte der Verlag.

Vielleicht hätte es genügt, einen Zettel beizulegen. Mehr will ich nicht sagen, denn ich verbrenne mir ungern den Mund!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag

A.C
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MONTAG, 17.10.2011
Begeisternde "Serse"-Premiere im Theater an der Wien. Bejun Mehta, Malena Ernman. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner besuchte die umjubelte Premiere im Theater an der Wien und informiert: Der englische Regisseur Adrian Noble hat das Händel-Wunder, das ihm mit der „Alcina“ in der Staatsoper gelungen ist, wiederholt. Er wahrt die heikle Balance des Werks, bedient Heiterkeit und Ironie, gibt aber wahre Gefühle nie dem Gelächter preis, macht sie nie klein. Tatsächlich gibt es viele große Gefühle hier, neben wahrer Liebe und blind-verzehrender Leidenschaft noch Eifersucht, Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit… die ganze Palette. Und alles funktioniert schlicht und einfach richtig...

...Am Ende, nach dreieinhalb Stunden (die Pause liegt bei 1,55 Stunden ziemlich weit hinten) „kochte“ das Haus, die Zuschauer jubelten mit allem erdenklichen Enthusiasmus, bis der Applaus für Sänger und Leading Team in Stakkato-artige Klatschorgien und Bravo-Rufe überging. Mit weniger wäre man diesem außerordentlichen Abend auch nicht gerecht geworden.

P.S. Für alle Opernfreunde, die auch Krimi-Freunde sind: Zwei Plätze neben mir saß Donna Leon, die bekennendste Händel-Wahnsinnige unserer Tage, die offenbar für eine Premiere auch nach Wien kommt. (Von Venedig ist es ja nicht allzu weit.) Ich finde ja, man soll die Privatheit von Leuten respektieren, darum habe ich sie nicht angesprochen. Aber ich hätte schon gerne gewusst, ob Brunetti Händel liebt…

Die "Salome"-Rezensionen aus der Wiener Volksoper liegen nun auch vor, sie sind "durchwachsen. Es wird auch die Frage nach der Notwendigkeit dieses Werks an diesem Haus gestellt.

Annemarie Kremer als "Salome". Ruiniert sie mit dieser Rolle ihre Stimme. Foto: Barbara Zeininger

Dominik Troger meint in seinem privaten Opernblog www.operinwien.at : Wie meist, wenn man Werke dieser Art in ein Deutungsschema presst: die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten leidet schwer darunter. Der Abend hinterließ bei mir insgesamt den Eindruck, als habe man den Inhalt von Herodes Schmuckkästchen, das Juwelen, Perlen, Topase, Opale, Chrysolithe, Berylle, Chrysoprase, Rubine, Sardonayx, Hyacinthsteine, Türkise und anderes mehr enthält, gegen ein paar spitze und scharfkantige Kieselsteine ausgetauscht. Anstatt die Edelsteine des Herodes wohl ausgeleuchtet in die Vitrine zu stellen, wird hier die Geschichte des Blutes erzählt, das an ihnen klebt. Das ist sehr „korrekt“. Wer kann hier noch einen Einwand vorbringen, ohne sich selbst zu diskreditieren?

Man darf aber schon anmerken, dass von der „Salome“, wie sie sich eine genusssüchtige Décadence einmal vorgestellt haben mag, an der Volksoper nicht viel übrig bleibt – szenisch und musikalisch. (Und wer zu den Quellen des üppig-lüsternen Orientalismus im 19. Jahrhundert vorstoßen möchte, der werfe einen Blick in die Reisetagebücher von Gustave Flaubert. Dort erfährt man viel über die erotische Wirkung des Tanzes – und Flaubert verschweigt auch nicht, wenn er sich danach mit einer tanzversierten Ägypterin im Bett wiederfand.)

Annemarie Kremer, als Salome mit Hausdebüt, erfüllte die landläufigen Erwartungen an diese Rolle nicht. Sie ließ einen etwas hart timbrierten, stark vibrierenden Sopran hören und gestaltete die Salome wie eine Verismo-Partie. Die Stimme klang überspannt und so kratzbürstig und bockig wie der regiegefertigte Charakter. Es stellte sich keine Sinnlichkeit ein, keine mystisch-absurde Liebeserfahrung. Diese Salome hatte keine Verführungsabsicht, sondern zielte nur darauf, ihrer Opferrolle zu entkommen.

Sebastian Holecek sang einen stimmlich beeindruckenden Johanaan, der sich als aggressiver, strahlender Soldat Gottes eignete, aber weniger den mystisch fundierten Propheten herauskehrte. Sein Bariton klang eher hell gefärbt, mit durchschlagskräftiger Höhe, aber weniger Fülle in der Tiefe. Er war ein überzeugender, geradliniger Bekenner seines Glaubens, ohne religionseurotische, erlösungsverheißende Tiefenschichten, an denen Salomes Liebesbedürfnis hätte andocken können.

Der "Kurier" macht sich Sorgen um Annemarie Kremer: An ihre Grenzen stößt die Volksoper aber in musikalischer Hinsicht. Denn Dirigent Roland Böer - er war als Einziger mit Buh-Rufen konfrontiert - hämmert mit dem an sich willigen Volksopernorchester Strauss förmlich nieder, wird mit der problematischen Akustik des Hauses nicht fertig. Vieles zerfällt in Einzelteile und wird der puren Kraftmeierei geopfert.

Nicht leicht für die Sänger, die ebenfalls an ihre Grenzen gehen und diese oft sehr weit überschreiten. So ist Annemarie Kremer eine darstellerisch brillante Salome; stimmlich aber ist diese Partie Gift für ihren kleinen, dabei recht schönen Sopran. Das ist ein vokaler Selbstmord mit Anlauf.

Renate Wagner hat Irmgard Vilsmaier, die imponierende Herodias dieser "Salome, interviewt. Die Niederschrift des Gespräches finden Sie in den Interviews! Zum Interview

Gute Nachrichten gibt es von Elisabeth Kulman

Gestern habe ich sie nämlich wieder singen gehört - bei der Präsentation ihrer neuen CD im Wiener Künstlerhaus. Verbunden war diese Präsentationmit der Finissage der Makart-Ausstellung, die mich sehr interessiert hat.

Rund um diese CD gibt es im Radio ein umfangreiches Programm: Im Radio: Samstag, 22. Oktober 2011, ab 10.05 Uhr - Raiding
Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt:
• 10.05 Uhr: Ö1 Klassiktreffpunkt
Mit Johannes und Eduard Kutrowatz sowie Elisabeth Kulman live aus Raiding, wo Franz Liszt vor 200 Jahren geboren wurde.
Moderation: Renate Burtscher
• 12.00 Uhr: CD-Vorstellung "Liszt - Roots & Routes" und Autogrammstunde im Lisztzentrum Raiding

Anna Netrebko. Foto: Barbara Zeininger

Was die Netrebko am Samstag nicht nur auf der Bühne der Met, sondern auch in 1500 Kinos weltweit ablieferte, war schlichtweg sensationell.

Diese Kunde über diese "Anna Bolena" wurde sogar von zwei Merker-Rezensenten in die Tastaturen gehämmert! Ich bin nicht unbedingt ein Belcanto-Freak, aber Samstag hat es mich dennoch in das Kino Wien-Mitte verschlagen - und ich habe es nicht bereut!

Hier ein Arte-Mitschnitt der Premiere "Die Meistersinger von Nürnberg" (Samstag, 15.10. im Nürnberger Opernhaus:

Hier ein Arte-Mitschnitt der Premiere vom Samstag!

Karlsruhe: Eine Rezension der Premiere Les Troyens (Berlioz) vom Samstag liegt vor (aus www.opernnetz.de )

Ein bombastisches Werk, voll glühender Musik und durch großen dramaturgischen Aufriss von extremer Wirkung: Les Troyens (Die Trojaner) von Hector Berlioz (1803 – 1869). Das Badische Staatstheater Karlsruhe gönnt sich jetzt zu Beginn der Intendanz Peter Spuhler als Saisoneröffnung die Aufführung einer zweiteiligen Oper, die zu den größten und anspruchsvollsten der Musikgeschichte gehört. Und besteht diese Feuerprobe, während der Ensemble, Chor und Orchester aufs Äußerste gefordert werden, glanzvoll.

Tosca - neu inszeniert in Leipzig

Ingo Rekatzky berichtet für den Online-Merker aus Leipzig: Am Ende fällt der Jubel laut und langanhaltend aus: Für die Solisten, den Chor, das wunderbare Gewandhausorchester und – mit leichten Abstrichen – auch für die Regie, die nur kaum hörbaren Protest einzustecken hat. Dijkemas Inszenierung mag kein Meilenstein in der Puccini-Rezeption sein, sie wird in ihrer atmosphärisch-gefälligen Art ihr Publikum allerdings finden und damit ein wesentliches Anliegen der neuen Intendanz erfüllen, nämlich langfristig ein spielfähiges, gutbesuchtes Repertoire aufzubauen. Ob diese Tosca-Produktion nun aber das künstlerische Profil des Hauses verstärkt, steht auf einem anderen Blatt.

Max Raabe gastierte in der Wiener Stadthalle

Vergangenes Wochenende gastierte dieser schwarz-weiße Paradiesvogel an drei aufeinanderfolgenden Abenden in der Wiener Stadthalle F. Der 48-jährige Bariton wurde mit einem Repertoire berühmt, das sich vornehmlich aus der Zeit der Weimarer Republik speist. Früh im Jahr erschien heuer das mit Annette Humpe geschriebene Album Küssen kann man nicht alleine.

Samstag besuchte Renate Wagner "Hamlet" im Wiener Burgtheater - als Gastspiel in russischer Sprache

Dmitry Lysenkov

Ja, dieser Hamlet. Anfangs denkt man, was Dmitry Lysenkov da auf die Bühne stellt, anfangs bloß schlaksig, trüb-augig, irgendwie völlig daneben wirkend, könnte nur einen Abgesang auf den Dänenprinzen darstellen, aber das Gegenteil ist der Fall: Der Abkömmling der Apparatschiks wehrt sich vehement. Rosenkranz und Güldenstern wollen ihn noch manipulieren (es scheint, als ob sie ihm die Geistererscheinung des Vaters vorspielten, um ihn endlich in Bewegung zu bringen). Doch sobald Horatio auftaucht (Andrei Matyukov mit Rücksack und Kopfhörern), erfährt man, dass dieser Hamlet bereit ist, das Unrechts-Regime mit aller Kraft zu bekämpfen. Lysenkov ist ein Schauspieler, der geradezu vibriert, den Abend mit Zynismus, Häme, Aggression beherrscht, das Publikum völlig in seinen Bann zieht.

In eigener Sache: Heute gab es wieder ein technisches Problem, von dem Sie hoffentlich nicht viel gemerkt haben. Aber es hat mich in meiner Arbeit um gut zwei Stunden zurückgeworfen. Deswegen konnte ich auch nicht besonders sorgfältig arbeiten, ich bitte um Verständnis!

Man berichtet mir immer wieder, dass Merker-Leser, die nach dem „Absturz“ versäumt haben, sich gleich neu zu registrieren, gerne im Forum mitreden würden, das aber derzeit nicht können, weil keine neuen Registrierungen möglich sind. Das sollte sich in kürzester Zeit ändern, und ich gebe sofort Bescheid, wenn alles wieder normal läuft

Sehr genervt wünsche ich Ihnen einen schönen Tag!

A.C
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DIENSTAG, 18. OKTOBER 2011

"Serse" am Theater an der Wien. Die Kritiken sind durchwegs hervorragend. Danielle de Niese zeigt gerne ihre Oberweite . Wer hat, der hat eben! Foto: Barbara Zeininger

Auszug aus der "Presse": Ja. Vorbehaltlos ja. Es gibt Opernabende, an denen einfach alles stimmt. Die Aufführung von Händels „Xerxes“ am Theater an der Wien ist ein solcher. Regisseur Adrian Noble hat nach der Staatsopern-„Alcina“ dem Wiener Publikum eine zweite Erfolgsproduktion geschenkt. Und erneut ebenso launig wie virtuos demonstriert, dass Barockoper eine höchst lebendige Angelegenheit sein kann.
Auch wenn – wie im vorliegenden Fall – die Dramaturgie des Librettos für heutige Verhältnisse eigentlich untragbar ist.

Janacek-Theater Brünn vor der Schließung??

Gestern ereilte mich ein Hilferuf aus Brünn. Unter dem offensichtlichen Vorwand der Generalsanierung soll das Brünner Opernhaus geschlossen werden.

Die Schließung des bei vielen Wienern beliebten Brünner Opernhauses steht bevor - am 1. 5. 2012 hat die Brünner Stadtregierung vor, 130 Jahre Operntradition "abzudrehen" - unter dem Vorwand, das Theater sanieren zu müssen - Das Haus wird seit bereits 4 Jahren immer während Juni-September generalsaniert (es gab für 7 Jahre Generalsanierung 100 Millionen Kronen, von denen allerdings nach bereits 4 Jahren interessanter Weise nichts mehr vorhanden ist ... ).

Es dreht sich einfach nur darum, der Stadt zu ermöglichen, den gesamten Apparat loszuwerden und dadurch die Summe von 40 Millionen Kronen (etwa 1,65 Millionen Euro) im Jahr 2012 einzusparen, denn die Stadt braucht dringend Geld, um ihren Pflichtanteil zum Erhalt eines Zuschusses der EU leisten zu können - dafür setzt man 210 Leute auf die Straße Orchester, Chor, Solistenensemble, Technisches Personal, also die Menschen, welche in diesem Unternehmen produktiv sind ( 51 Personen der künstlerischen Werkstätten wurden bereits zum 31.12. gekündigt.

Um diese Katastrophe vielleicht noch demokratisch abwenden zu können, zieht das gesamte Opernensemble, von einer großen Zahl Brünner Bürger begleitet und unterstützt, am Mittwoch 19.10. um 13 Uhr in einem Protestmarsch vom Opernhaus durch die Brünner Innenstadt - über Hauptplatz und zum Rathaus dürfen Sie nicht : Der Bürgermeister hat Angst, dass sich Unruhen entwickeln könnten, denn in letzter Zeit hat sich wegen einer ganzen Reihe von Ungereimtheiten und Willkürlichkeiten ein sehr explosives Klima in der Stadt entwickelt.

Wenn es auf irgendeine Weise in Ihrer Möglichkeit steht, in dieser Sache zu unterstützen und zu helfen, dass diese wichtige Kultureinrichtung nicht in ihrer Kontinuität und Leistungsfähigkeit gefährdet beziehungsweise zerstört wird, so bitten Sie die verbliebenen rund 160 hochqualifizierten Musiker flehentlich darum.

Soweit der Inhalt des Hilferufes. Ich glaube zwar nicht, dass sich tschechische Politiker durch Zurufe aus dem Ausland beeinflussen lassen, aber versuchen können wir es.

Für mich ist bemerkenswert, dass Politiker unumwunden zugeben, dass sie das eingesparte Geld für den Moloch Europäische Union brauchen. In Österreich gäbe das niemand zu!

Diese Schließung hätte noch weitere Folgen für den "Opernmarkt". Das gesamte Brünner Ensemble, nunmehr arbeitslos, würde in die noch bestehenden Häuser drängen, der Sängermarkt ist ohnedies hoffnungslos gesättigt. Die Folge wären Dumpinglöhne und - was noch schlimmer ist - ein noch weit rücksichtsloserer Umgang mit Künstlern wäre logisch. "Der/die Nächste bitte, denn wir haben genug Auswahl!" .

Dazu passen auch die Vorgänge an der Wiener Volksoper, an der Annemarie Kremer mit der "Salome" ein ganz gefährliches Spiel mit ihrer Stimme treibt. Sogar Kritiker aus Deutschland sind angereist, um dieses Drama zu erleben bzw, - wenn geht - abzuwenden!

Ihre Fans aus Deutschland sorgen sich um Annemarie Kremer: "Stoppt diesen Wahnsinn"!!. Foto: Barbara Zeininger

Ludwig Steinbach schreibt in www.deropernfreund.de, also in einem Medium, das regional ganz nah an Annemarie Kremer dran ist: Leider war der Eindruck, der sich einem im Lauf des Abends bot, sehr ernüchternder Natur. Darstellerisch war Frau Kremers Rollenporträt wie immer vorzüglich. Sie verfügt über eine hervorragende schauspielerische Ader, die sie hundertprozentig einsetzte. Mit einem Höchstmaß an Intensität stürzte sie sich in die Rolle, die sie mit feurigem Elan ausfüllte, wobei sie - wohl zum ersten Mal in ihrer Karriere - auch vor gänzlicher Nacktheit nicht zurückschreckte. Prüde ist wie wirklich nicht.

Das Gesangliche machte uns Kritikern (ich spreche hier auch für die Kollegen Peter Bilsing und Martin Freitag, die wir Frau Kremer eigentlich lieben und bewundern!), schon im Vorfeld große Sorgen. Und in der Tat muss ich nach der Premiere sagen, dass alle schlimmen Vorahnungen dann auch bestätigt wurden. Rein gesanglich hat sie ihrer Stimme mit der Salome einen Bärendienst erwiesen.

Strauss wünschte sich für diese Partie eine Isolde-Stimme. Und eine Isolde ist Frau Kremer nun mal überhaupt nicht - genauso wenig wie eine Salome, von der sie besser die Finger gelassen hätte. In Mittellage und Tiefe war ihr an sich hübscher Sopran oft nicht füllig genug, um sich gegenüber den enormen Klangmassen zu behaupten. Gnadenlos ging sie in dem gewaltigen Orchesterapparat unter. Und in der Höhe wartete sie durchaus nicht mit der technischen Vollkommenheit auf, die man sonst von ihr gewöhnt ist. Sobald es in dramatische Höhengefilde ging, verlor ihre Stimme an Körperstütze und nahm einen schrillen und harten Klang an, was gerade bei dieser sonst tollen Sängerin doch sehr irritierte. Die fulminanten Ausbrüche der Prinzessin waren ihre Sache überhaupt nicht. Das hörte sich manchmal ziemlich blechern an. Vereinzelte schöne Linien waren zwar durchaus vorhanden, aber allein damit kommt eine Sängerin bei der Salome nicht weit. Das Essentielle der Rolle konnte Frau Kremer rein stimmlich gar nicht vermitteln. Da blieb wahrlich einiges auf der Strecke.

Was sind das für Sängeragenturen, die eine Annemarie Kremer in solch ein selbstmörderisches Abenteuer stoßen?? Ich weiß schon, die Nächste wartet, wir haben ja genug davon!!

Die Nächste wäre in diesem Fall Morenike Fadayomi, die tatsächlich eher das Kaliber einer "Salome" aufweist!
Auch diesbezüglich eine Info aus Deutschland (sie wissen schon, mein Netzwerk, auf das ich stolz bin): Die Lady Macbeth von Mzensk hat sie allen Unkenrufen zum trotz fantastisch hingekriegt ebenso die Marie in der Toten Stadt. Sie hat aber auch ein ganz anderes Format als die Kremer, deren Grenzen schon in der Butterfly erkennbar wurden.

Der "Münchner Merkur" bietet ein Interview mit dem Baritonisten Michael Volle: Vor dem Sprung ins schwere Wagner-Fach debütiert Bariton Michael Volle demnächst als Wotan und Hans Sachs. Über den Wechsel spricht er im Merkur-Interview.

Im "Merker"-Forum läuft eine Diskussion, bei der behauptet wird, Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer hält im "Sole" einen regelmäßigen Journalistenstammtisch ab. Davon höre ich das erste Mal (wir sind sicher nicht dabei, daher auch eher kritische Besprechungen von Frau Dr. Wagner und Herrn Dr. Freund), wer dazu etwas sagen kann, möge dies tun. Das Thema wird in den nächsten Tagen an dieser Stelle behandelt!

Nach Nürnberg, wo Samstag die "Meistersinger" Premiere hatten. Das Theater setzte mit der Verpflichtung des israelischen Regisseurs David Mouchtar-Samorai einen klugen Schachzug, denn in den letzten Jahren sind die "Meistersinger" ein Werk geworden, das "uninszenierbar" ist. Die Chance, irgendwo anzuecken, liegt bei 100 %

Hans Sachs (Albert Pesendorfer) steht in der Schlussszene wie ein Fels in der Brandung zwischen den Fußballfans in Schwarz-Rot-Gold und den Meistern in Feierlaune. Foto: Ludwig Olah

" in.franken.de" schreibt: Seit über einem halben Jahrhundert tun sich die Deutschen schwer mit ihrer Festoper schlechthin, mit Richard Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg". Deshalb hat Peter Theiler, Intendant des Staatstheaters Nürnberg, gut daran getan, die Neuinszenierung des heiter-tiefsinnigen, aber nationalsozialistisch verseuchten Werks an seinem Haus dem Regisseur David Mouchtar-Samorai anzuvertrauen.

Der in Bagdad geborene Israeli hat die Oper, mit der ab 1935 die Reichsparteitage in Nürnberg eröffnet und bis 1944 die Kriegsfestspiele in Bayreuth durchgeführt wurden, so inszeniert, dass der braune und antisemitische Kontext keine Rolle spielt, ohne dass er unter den Teppich gekehrt würde. Im Gegenteil: Indem Mouchtar-Samorai unaufdringlich, aber bestimmt die gegebenen biblischen Bezüge akzentuiert, könnte der 1. Akt glatt in Jerusalem spielen...

...Nur im Schlussbild haben die Verantwortlichen das mit der Traumhaftigkeit vielleicht zu wörtlich genommen: Die Festwiese spiegelt das deutsche Fußball-WM-Sommermärchen von 2006, Olaf Metzels umstrittene Stadionsitz-Installation inklusive. Das passt zwar inhaltlich prima zu diesem Lehrstück über Kunst und Leben, Tradition und Innovation. Aber den schlussendlichen Umschwung von der schwarz-rot-goldenen Euphorie zu den besternten blauen Europa-Fahnen versteht kaum jemand auf Anhieb.

Was ist deutsch und echt? Dabei zielt genau das auf Hans Sachsens Schlussansprache ab: Wie Häuptling Chief Bromden in "Einer flog übers Kuckucksnest" steht der eindringlich-souveräne Albert Pesendorfer da und lässt einen darüber nachdenken, dass das, was Wagner als deutsch und echt bezeichnet hat, doch nichts mit Nationalismus zu tun hat, sondern mit deutscher Handwerkertugend - und vor allem mit großer deutscher Kunst.

Die ist im Nürnberger Opernhaus dezidiert zu hören!

Ein VIDEO haben wir auch anzubieten! Das ist allerdings ein Audio-Beitrag, nun also das VIDEO!

Nun merke ich technischer Nullgruppler erst, dass das die gesamten "Meistersinger" sind. Wer aber kann seinen PC 4 Stunden und 22 Minuten zur Betrachtung der Nürnberger "Meistersinger" blockieren??? Gibt es eine technische Möglichkeit, diese Aufnahme auf DVD zu bannen?? Technikfreaks sind gefragt!

Mittlerweile habe ich auch eine technisch fundierte Antwort: Nein, das geht leider nicht! Angeblich soll die DVD aber noch vor Weihnachten auf den Markt kommen!

Am Dienstag finde ich meist die Premierenberichte der kleineren Bühnen in den Zeitungen. So kann ich heute Auszüge aus Besprechungen über "La Traviata" in Coburg, "Carmen" in Duisburg, "Die Trojaner" in Karlsruhe, "Don Giovanni" in Bielefeld sowie "The Rake's Progress im schweizerischen Bern anbieten, wovon wir auch eine in englischer Sprache gehaltene Rezension in unserer Rubrik haben.

Erstmals gastiert der belgische Origininalklangpionier Jos van Immerseel beim Musikverein in Graz.
Sein Orchester Anima Eterna spielt Werke von Wagner und Liszt. Das zweite Konzert findet heute statt!

Joshua Bell. Die Stradivari kostet 4 Millionen Euro!

Der amerikanische Geiger Joshua Bell (43) hat mehrere Grammys gewonnen, einen Oscar für den Soundtrack zum Film „Die rote Violine“ eingespielt und spielt eine über vier Millionen Dollar teure Stradivari. 200 Tage im Jahr ist er auf Reisen, tritt mit den berühmtesten Orchestern der Welt auf. In Berlin ist er in den kommenden Monaten gleich dreimal zu hören.
Darauf macht uns die "Berliner Morgenpost" aufmerksam!

Ein Fall von Raubkunst beschäftigt nun auch Instanzen in Berlin/bzw. München. Es handelt sich um einen Picasso!

Der "Fall Matt /Kunsthalle Wien" ist nun vollends zum Politikum geworden. Die Wiener Oppositionsparteien fordern den Rücktritt von Matt, die Sozialisten mauern! Und die Grünen, die andere Fälle ins Rollen brachten, halten offenbar still! Die Sache ist für mich undurchschaubar, also enthalte ich mich eines Kommentars. Das Argument, dass die "Zeugen der Anklage" (falls es zu einer kommt) bereits seit sechs Jahren nichts mehr mit der Kunsthalle zu tun haben (dürfen) und deshalb "aus niederen Motiven" handeln, zieht freilich ebensowenig wie der Vorwurf, dass diese Leute nicht zu den Behörden, sondern zu den Medien gegangen sind (immerhin liegen nun Eidesstattliche Erklärungen vor - und die sind "behördlich" genug!).

Da kann ich auch ein "Gschichterl" erzählen: In meiner damaligen Eigenschaft als Obmann eines Fußballvereins habe ich mich vertrauensvoll und mit einer geradezu leichtfertigen Naivität (die ich nicht zuletzt auf Grund dieser Erfahrung abgelegt habe) an einen bereits verstorbenen Wiener Bürgermeister gewandt, weil ich Unregelmäßigkeiten beim Sportamt der Stadt Wien vermutete (und auch belegen konnte). Der Bürgermeister drehte den Spieß sofort um, das Sportamt strich meinem Verein Vergünstigungen und wollte den Sportplatz "kassieren" (was freilich nicht gelang, denn ich bin auch nicht "auf der Nudelsuppe dahergeschwommen").
Später trat der Sportamtsleiter zurück, was "natürlich" überhaupt nichts mit meinen Infos an den BM zu tun hatte!
Ein Tipp: Gehen Sie in solch einem Fall besser wirklich zu den Medien, die sind zwar auch "befangen" (Besitzverhältnisse und Inseratenkunden beachten), aber bis die Unbedarften die Situation schnallen, haben sie die Sache bereits losgetreten!

"Winterbilder" im Kunsthistorischen Museum in Wien

An diesem Tag der Pressekonferenz und der Präsentation der jüngsten Ausstellung, am 17. Oktober 2011, feierte das Kunsthistorische Museum seinen 120. Geburtstag. „Alles ist sehr schön ausgefallen“, sagte Kaiser Franz Joseph, als er am 17. Oktober 1891 in der Kuppelhalle des prächtigen Gebäudes stand, die damals schon so aussah wie heute. Sabine Haag, die Direktorin unserer Tage, hat dem Ereignis zwei Schaukästen auf der großen Stiege gewidmet – und dem Haus selbst, vor allem aber den Besuchern eine wunderbare Ausstellung zum Geburtstag „geschenkt“, wenngleich man sich vorstellen kann, dass Leihkosten, Versicherungskosten, Personalkosten eines solchen gigantischen Unternehmens hoch zu Buch schlagen… Aber es sollte wieder hereinkommen. Denn etwas wie dieses „Wintermärchen“ sieht man nicht alle Tage.

Diese Empfehlung gibt Heiner Wesemann ab! Seine Reportage über die Ausstellung steht online!

Der letzte "Spitzbub" ist tot! Helmut Reinberger gestorben

Das letzte Mitglied der Wiener Heurigen-Kabarettgruppe "Die 3 Spitzbuben" ist tot: Helmut Reinberger ist am Sonntag 80-jährig in einem Wiener Spital einem Krebsleiden erlegen. Gemeinsam mit Helmut Schicketanz und Toni Strobl bildete er 1953 bis 1972 das legendäre Musik-Kabarett-Trio. Später war er mit Bill Grah und Peter Peters als "Die Schmähtandler" unterwegs, nach 1982 mit Toni Strobl und Rudi Kandera als "Toni Strobl und seine Spezis" und mit Peter Peters und Rudi Kandera als die "Stehaufmandln".

Helmut Reinberger wurde am 30. August 1931 in Wien geboren. Nach dem Abschluss der Schule erlernte er den Beruf des Schriftsetzers, den er aber nie ausüben sollte. Von 1947 bis 1950 begeisterte er als Musiker unzählige amerikanische Soldaten in verschiedenen Clubs in Wien. 1950 wurde er Mitarbeiter der Postverwaltung. Seine Musikerkarriere startete er im Nebenberuf.
Lesen Sie den Nachruf in der "Wiener Zeitung".Auch ein VIDEO ist abrufbar!

Somit wünsche ich Ihnen einen schönen Dienstag!

A.C.
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MITTWOCH, 19. OKTOBER 2011

Elina Garancas Tochter wird Catherine-Louise genannt!

Vergangenen Mai konnten wir die Frohbotschaft vermelden: Elina Garanca bekommt ein Baby. Jetzt ist es, wie "Österreich" aus dem Freundeskreis des Wiener Gynäkologen von Garanca erfuhr, glücklich „gelandet“! Und auf Anfrage bedankt sich Garanca persönlich für die Glückwünsche: „Mir und meinem Mädchen geht es wunderbar.“ Und verrät auch zum ersten Mal den Namen ihrer Tochter: „Sie heißt Catherine Louise.“

Mehr will sie nicht verraten. „Ich bin bis jetzt immer äußerst zurückhaltend gewesen, was meine Familie angeht und jetzt bin ich es eben noch mehr“, bittet sie um Verständnis.

Wie "Österreich" bereits berichtete, kam das Baby vor eineinhalb Wochen zur Welt. Es wurde in Südspanien, wo sie mit ihrem Mann Mark Chichon ein Haus hat, geboren.

Garanca wird dem Vernehmen nach nicht gleich auftreten, sondern eine mehrmonatige „Künstlerpause“ einlegen. Ihr großes Comeback wird sie nächstes Jahr an der Wiener Staatsoper zelebrieren: Ab 15. April singt Garanca wieder eine ihrer Paraderollen, den Octavian in Richard Strauss’ Rosenkavalier. Und ihre erste Staatsopern-Premiere ist für 17. Mai 2012: Da tritt die große Blonde als Sesto in Mozarts La clemenza di Tito an.

Den Namen der Zeitung, der diese Info entnommen ist, brauche ich wohl nicht zu verraten - das tat diese in aller Bescheidenheit bereits mehrmals selbst!

Annemarie Kremer sang gestern eine mehr als passable "Salome" an der Wiener Volksoper.

Da ich gerne weiß, worüber ich schreibe, habe ich mich gestern spontan zum Besuch der "Salome" an der Wiener Volksoper" entschlossen.

Ob die Stimme von Frau Kremer durch das oftmalige Singen dieser Rolle Schaden erleidet, vermag ich nicht zu sagen - dafür fehlt mir die Kompetenz. Ich kann aber bestätigen, dass sie die Vorstellung tadellos gemeistert hat und dafür großen Zuspruch des Pubikums erntete. Vielleicht hat auch Dirigent Roland Böer die Orchestermassen etwas zurückgenommen - wie gesagt, ich war bei der Premiere nicht dabei und kann das daher nicht behaupten. Auch Sebastian Holecek (Jochanaan) wurde mit reichem Beifall bedacht. Insgesamt kann man diese Produktion als gelungen bezeichnen, was auch die "Neue Zürcher Zeitung" so sieht: Einen leichten Stand hat das Haus nicht. Bringt die Volksoper Wien grosse Oper, lässt der Vergleich mit der Staatsoper oder dem Theater an der Wien nie lange auf sich warten. Und bei der Operette, die hier traditionellerweise im Zentrum steht, spielt gerade in der Stadt von Lehár und der Strauss-Dynastie eine spezielle Erwartungshaltung des Kernpublikums hinein, die schon jede Spur eines inszenatorischen Deutungsansatzes als Entstellung empfindet. Eine Belastung sind ausserdem die schwierigen akustischen Verhältnisse und der nahe Verkehr, der das Haus in regelmässigen Abständen erzittern lässt. Doch bei alldem sieht die Lage am Währinger Gürtel heute wesentlich rosiger aus als noch vor wenigen Jahren...

...Es wäre aber nicht Wien, würden nicht manche ortsansässige Medien eine Volksopernpremiere dennoch mit Unkenrufen begleiten.

Dazu gehören wir diesmal nicht, denn wenn eine Produktion gut ist, dann ist sie eben gut. Ob uns der Direktor des Hauses sympathisch ist, ist mir - ehrlich gesagt - wurscht, was übrigens auch für die Staatsoper gilt! Im Moment sind wir dabei, die Pressekontakte des dortigen Chefs zu hinterfragen. Hat man die Hintergründe einmal durchschaut, verliert manch Jubelartikel völlig an Bedeutung!

Übrigens, es geht nichts über gute Planung und gute Zusammenarbeit! Am Samstag spielt die Wiener Staatsoper die 200. Vorstellung der alten "Jugendstil-Salome"-Inszenierung! Markus Marquardt springt für den erkrankten Juha Uusitalo als Jochanaan ein und feiert damit sein Staatsopern-Debüt!

Martin R. Botz war in der vierten Aufführung der neuen "La Traviata" an der Wiener Staatsoper und berichtet von einer seltsam emotionslosen, kühlen Stimmung - und das bei einem "Renner" des Opernrepertoires.

Vesselina Kasarova überzeugt in München als "Carmen"

"www.kultur-vollzug.de " schreibt (mit einiger Verspätung) über die Saisoneröffnung: Kasarova macht vom ersten Ton der Habanera an klar, dass sie im vollen Besitz ihrer stimmlichen Kräfte ist, die Mittellage üppig, hohe Töne punktgenau. Nach vermeintlichen Wackelpartien mag das manchen Fan erleichtern, manchen Kritiker Lügen strafen. Brandon Jovanovichs Don José ist mehr von der Hau-Drauf-Sorte. Seine Stimmgewalt ist beeindruckend, an manchen Stellen hört man gar zuviel davon. Dazu gesellt sich der eine oder andere ruhige Moment wie am Ende der Blumenarie, wo er mit einem mezza voce weich wie Sahne aufwartet. Da kann man schon verstehen, wieso er einer der begehrtesten Don Josés der letzten Saison war.

Die klare Gewinnerin des Abends ist aber Aga Mikolaj, nach deren Arien Beifallsstürme losbrechen. Und das ganz zurecht. Sie verleiht dem Landei Micaëla viel Sympathie und singt mit aller Innigkeit. Vierter im Bunde war Gerald Finley als Escamillo. Er singt einen sinnlichen wie stimmlich agilen Torero. Einer Carmen wird es da nicht schwer fallen sich in ihn zu verlieben.

Auf deutschen Spielplänen ist der Opern-Krimi „Adriana Lecouvreur“ bis heute nur relativ selten zu finden. Heute wird eine Aufführung des Royal Opera House London live
übertragen - im Düsseldorfer Atelier-Kino. Wo "Adriana Lecouvreur noch zu sehen ist, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus, dass es nicht nur in Düsseldorf sein wird!

Szenwechsel - nach Darmstadt. John Dew schmiedet den "Ring" fertig:
Liebe bis in den Untergang: Katrin Gerstenberger als Brünnhilde. Foto: Barbara Aumüller

"Echo-online" war dabei: In der „Götterdämmerung“ gehen ja alle mit. Wagner lässt eine Welt, ein System untergehen; und zumindest die größten Störenfriede Mensch und Gott sind dann mal weg. Dew deutet den „Ring“ hauptsächlich als Lehrstück gegen Naturzerstörung und die Fähigkeit zur totalen Vernichtung. In der Auftakt-Oper „Rheingold“ tauchte drohend ein Atomkraftwerk auf, und Feuergott Loge schrieb als Albert Einstein dessen Weltformel E=mc² ans Bühnenportal.
Weil es seitdem dort steht, kann im Schlussakt nicht überraschen, dass John Dew diesen Schicksalsfaden wiederaufnimmt. Albert Loge kommt, sieht, schüttelt den Kopf und wischt aus. Es folgt ein Knall, das Publikum hört Dur und sieht Sterne. Nach dem Atompilz wechseln Bilder einer Supernova mit beruhigenden Ausblicken ins ewige All, unten kräuseln sich die Wellen des Rheins.

"Carmen" in Düsseldorf: Carlos Wagner pfeift auf das pittoreske operettenhafte Volkstheater, das etwa Jerôme Savary vor neun Jahren an der Rheinoper für die "Carmen" aufgeboten hat. Er präsentiert eine eher düstere spanische Folklore, bei der - wie bei den Flamenco-Kleidern - das Schwarz das Rot überdeckt.

Wohl bedient Wagner die Spanien-Klischees mit Dragoneruniformen, Flamenco-Gitarristen und -Tänzern sowie prächtig ausstaffiertem Torero (Kostüme: Patrick Dutertre). Aber er betrachtet alles mit den Augen des spanischen Malers und Grafikers Francisco de Goya, dessen braun getönte, vernebelte Bildwelten die Inszenierung bestimmen.
Lesen Sie mehr darüber in der "Emsdettener Volkszeitung"

"Deutschlandfunk" findet die neue Leipziger "Tosca" kitschig bis zum "Geht nicht mehr"! : Die erste Premiere unter der neuen Intendanz, wenn auch sicher schon des längeren vorher programmiert, belehrt einen eines anderen. Es mufft gewaltig auf der Bühne. So viel Kitsch, das erinnert eher an frühere Zeiten.

Ich lese im Forum immer wieder über die "szenische Rückständigkeit" des Wiener (Staatsopern-)Publikums. In Deutschland ist natürlich alles viel besser, die Opernfreunde sind im Land des Regietheaters weit aufgeschlossener - was sich allerdings noch nicht bis Ulm herumgesprochen haben dürfte - wie wir aus der "Südwestpresse" erfahren: Das Publikum mag Matthias Kaisers Inszenierung von Giacomo Puccinis Oper "Madama Butterfly" am Theater Ulm. Vor allem Detlev Beaujeans Bühnenbild sammelt Punkte. Verena Simon hat Zuschauer befragt.

Die "Nürnberger Zeitung" sah die "Meistersinger von Nürnberg" beim "Public Viewing" in Nürnberg- wobei man allerdings um etwa zwei Monate zu spät dran war - an den Temperaturen gemessen Psst, wir sind hier in der Oper!: Nein, sind wir eben nicht. Bei einer Oper unter freiem Himmel ist alles erlaubt, was im Kulturtempel verpönt ist: Fotografieren, ins Handy quatschen, essen und trinken während der Vorstellung. Oder mittendrin gehen, weil es halt doch zu kalt wird. Wem der Magen knurrt, vervollkommnet das Meistersingergefühl mit „Drei im Weggla“. Die Männer trinken Bier, die Frauen lieber Glühwein oder „Hot Caipi“, das ist heißer Caipirinha.

Sensationell: Die gesamten "Meistersinger von Nürnberg" in dieser Nürnberger Inszenierung sind noch 85 Tage als VIDEO! auf Ihrem Bildschirm/Internet zu sehen (4 Stunden, 22 Minuten)


In Wiener Neustadt läuft derzeit eine Ausstellung über den Heldentenor Hans Beirer.

Dr. Peter Dusek hält in diesem Zusammenhang am kommenden Freitag, den 21.Oktober von 19Uhr30 – 21 Uhr im Stadt-Museum von Wiener Neustadt (Petersgasse 2a) einen Vortrag über „Hans Beirer – der letzte Dinosauerier der Heldentenöre“. Kartenbestellung unter 02622-373-951.

Er war jahrzehntelang der letzte Vertreter der Opernspezies „Heldentenor“, sein Tannhäuser, Tristan oder Siegmund war – zumindest an guten Abenden –kaum zu überbieten. Und doch : Hans Beirer polarisierte fast immer. Während ihn die einen als Nachfahren eines Erik Schmedes oder Lauritz Melchior feierten, verwiesen die anderen auf häufige Intonations- bzw. Textfehler. Hans Beier hatte in der Tat mitunter etwas Tollpatschiges an sich, er (über)schminkte sich selbst; hielt Reden vor dem Vorhang und trat mitunter von der Bühne ab, weil er von einer akuten Stauballergie beeinträchtigt wurde .

Wenn Sie mehr über Hans Beirer wissen wollen, besuchen Sie Peter Duseks Vortrag!

Janacek-Theater Brünn vor der Schließung??

Gestern ereilte mich ein Hilferuf aus Brünn. Unter dem offensichtlichen Vorwand der Generalsanierung soll das Brünner Opernhaus geschlossen werden.

Die Schließung des bei vielen Wienern beliebten Brünner Opernhauses steht bevor - am 1. 5. 2012 hat die Brünner Stadtregierung vor, 130 Jahre Operntradition "abzudrehen" - unter dem Vorwand, das Theater sanieren zu müssen - Das Haus wird seit bereits 4 Jahren immer während Juni-September generalsaniert (es gab für 7 Jahre Generalsanierung 100 Millionen Kronen, von denen allerdings nach bereits 4 Jahren interessanter Weise nichts mehr vorhanden ist ... ).

Es dreht sich einfach nur darum, der Stadt zu ermöglichen, den gesamten Apparat loszuwerden und dadurch die Summe von 40 Millionen Kronen (etwa 1,65 Millionen Euro) im Jahr 2012 einzusparen, denn die Stadt braucht dringend Geld, um ihren Pflichtanteil zum Erhalt eines Zuschusses der EU leisten zu können - dafür setzt man 210 Leute auf die Straße Orchester, Chor, Solistenensemble, Technisches Personal, also die Menschen, welche in diesem Unternehmen produktiv sind ( 51 Personen der künstlerischen Werkstätten wurden bereits zum 31.12. gekündigt.

Um diese Katastrophe vielleicht noch demokratisch abwenden zu können, zieht das gesamte Opernensemble, von einer großen Zahl Brünner Bürger begleitet und unterstützt, am Mittwoch 19.10. um 13 Uhr in einem Protestmarsch vom Opernhaus durch die Brünner Innenstadt - über Hauptplatz und zum Rathaus dürfen Sie nicht : Der Bürgermeister hat Angst, dass sich Unruhen entwickeln könnten, denn in letzter Zeit hat sich wegen einer ganzen Reihe von Ungereimtheiten und Willkürlichkeiten ein sehr explosives Klima in der Stadt entwickelt.

Soweit der Inhalt des Hilferufes. Ich glaube zwar nicht, dass sich tschechische Politiker durch Zurufe aus dem Ausland beeinflussen lassen, aber versuchen können wir es.

Für mich ist bemerkenswert, dass Politiker unumwunden zugeben, dass sie das eingesparte Geld für den Moloch Europäische Union brauchen. In Österreich gäbe das niemand zu!

Diese Schließung hätte noch weitere Folgen für den "Opernmarkt". Das gesamte Brünner Ensemble, nunmehr arbeitslos, würde in die noch bestehenden Häuser drängen, der Sängermarkt ist ohnedies hoffnungslos gesättigt. Die Folge wären Dumpinglöhne und - was noch schlimmer ist - ein noch weit rücksichtsloserer Umgang mit Künstlern wäre logisch. "Der/die Nächste bitte, denn wir haben genug Auswahl!" .

Die Menschrechtsgruppe Human Rights Foundation hat die Geigerin Vanessa Mae, den Sänger Seal und die Schauspieler Hilary Swank und Jean-Claude Van Damme für einen Auftritt an einem Geburtstagskonzert für den Tschetschenen-Führer Kadyrow kritisiert.

So steht es bei "Codex flores". Die Menschenrechtsgruppe redet sich auch sehr leicht. Sollte zum Beispiel das Ensemble der Wiener Staatsoper eine Vorstellung boykottieren, weil die Regierung einen von "Human Rights" als Diktator eingestuften Politiker in die Mittelloge eingeladen hat? Sollte sich die Staatsoper überhaupt weigern, in einem solchen Fall zu spielen?

Überraschend kommt der spontan anmutende Rücktritt des Geschäftsführers des Wiener Liechtenstein-Museums. Johannes Schneider trat Montag wegen „unüberbrückbarer Meinungsunterschiede“ zurück. Die interimistische Leitung der Geschäfte übernimmt ein Vertrauter aus den Liechtensteinischen Betrieben. Auszug aus der "Presse": Das klingt nach großem Krach in Wiens prächtigstem Privatmuseum. Vonseiten des Fürstenhauses Liechtenstein kamen am Dienstag klare Worte: „Der plötzliche Rücktritt von Johannes Schneider als Geschäftsführer des Liechtenstein Museums am Vorabend der Pressekonferenz war für alle Beteiligten überraschend. Da kein ausreichend detailliertes Konzept von Johannes Schneider für die Neupositionierung der beiden Häuser vorlag, konnten die von Johannes Schneider gewünschten Entscheidungen nicht getroffen werden, was zu seinem Entschluss führte, zurückzutreten.“

Susan Sarandon bringt sich ins Gespräch, weil sie den Papst einen "Nazi" nennt.

Als es in einem Interview um ihre Rolle als Schwester Helen Prejean im Film "Dead Man Walking" aus dem Jahr 1995 ging, sagte Sarandon dem Blatt zufolge, dass sie dem Papst ein Exemplar von Prejeans Anti-Todesstrafe-Buch geschickt habe. "Dem davor, nicht dem Nazi, den wir gerade haben", sagte die Schauspielerin nach Angaben von Newsday. Der Vorgänger von Papst Benedikt war bis April 2005 Papst Johannes Paul II.

Der Filmkritiker der Zeitung, Rafer Guzman, bestätigte am Montag entsprechende Äußerungen. Guzman war anwesend als Sarandon am Wochenende beim Hamptons International Film Festivals von ihrem Schauspieler-Kollegen Bob Balaban interviewt wurde. Als dieser die provokante Aussage abschwächen wollte, habe die Oscarpreisträgerin - die auch als Polit-Aktivistin bekannt ist - den Satz bei Gelächter aus dem Publikum noch einmal wiederholt.

Die jüdische Anti-Defamation League bezeichnete die mutmaßliche Bemerkung als "verstörend, schwer beleidigend und vollkommen unangebracht". Die Bürgerrechtsorganisation Catholic League for Religious and Civil Rights nannte den angeblichen Kommentar "obszön".

Ich stelle diese Info aus dem "Kurier" kommentarlos ein, denn die Chance, mit einem Kommentar nirgendwo anzuecken, beträgt 0 %.

Ben Becker scheint von allen guten Geistern verlassen zu sein!

Wie berichtet, hatte der Schauspieler Ben Becker nach einer Vorstellung von Woyzeck den Abendregisseur Stephan Pfister spitalsreif geschlagen. Tags darauf entschuldigte sich der exzessive Bühnenstar zwar, und Pfister erwog, die Anzeige fallen zu lassen . Bei einer Lesung im Stadttheater Walfischgasse griff Becker Pfister aber erneut an – diesmal verbal: „der depperte Regieassistent …“.

Jetzt wehrt sich Pfister via "Österreich": „Ich bin zutiefst bestürzt über die Aussage von Herrn Becker. Sie zeigt mir, dass seine Entschuldigung nicht ernst zu nehmen ist.“

Muss das älteste Kino der Welt bald zusperren?

Bis Mitte Februar ist das Programm des ältesten Kinos Österreichs gesichert, doch wie es danach weitergeht ist aufgrund der letzten Besucherbilanz fraglich. Anna Nitsch-Fitz ist seit 1969 Inhaberin des 1905 gegründeten Kinos. Ein wahrer Schatz der Wiener Kinokultur also. Verständlicherweise ist die Besitzerin verzweifelt: „Wir haben im gesamten September 96 Besucher gehabt und 921 Euro eingenommen. Wenn das so weitergeht, muss ich leider mit blutendem Herzen zusperren“, so die Dame laut orf.at.

Derzeit setzt sie auf "Sandalenfilme". Welche sind das??? Etwa "Ben Hur" oder "Spartacus"!

Dem Breitenseer-Kino verdanke ich ein einmaliges Geburtstags-Erlebnis. Ich wollte mir zur Feier des Tages einen Film anschauen. Ich komme grundsätzlich zu spät, was den Vorteil hat, dass man nie warten muss! An diesem Tag war es aber arg, der Film hätte schon seit 20 Minuten laufen sollen. Trotzdem kauften meine Frau und ich noch Karten und waren überrascht, als wir an der Kassa gefragt wurden, ob wir auf die "Wochenschau" und Werbung verzichten würden. Des Rätsels Lösung: Der Film wurde erst gestartet, als wir auf unseren Plätzen saßen - wir waren nämlich die einzigen Zuschauer!

Ich wünsche ein schönen Tag!

A.C.
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DONNERSTAG, 20. OKTOBER 2011
Carlos Alvarez sagt der Wiener Staatsoper zwar ab, kommt aber wieder!

Carlos Álvarez, der nach einer längeren stimmlichen Rekonvaleszenz wieder auf die Opernbühne zurückgekehrt ist, hat die Direktion der Wiener Staatsoper gebeten, ihn von seinen Verpflichtungen als Jago in den "Otello"- Vorstellungen im Jänner 2012 zu entbinden, da er diese große und schwere Partie erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen möchte. An seiner Stelle wird der italienische Bariton Franco Vassallo den Jago in allen Vorstellungen (13., 18., 22. und 26. Jänner 2012) an der Seite von Peter Seiffert (Otello) und KS Krassimira Stoyanova (Desdemona) unter der musikalischen Leitung von Dan Ettinger übernehmen.

Carlos Álvarez freut sich auf seine Rückkehr an die Wiener Staatsoper im Februar 2012 mit seinem Rollendebüt am Haus als Escamillo ("Carmen"). Unter Yves Abel sind am 24. und 27. Februar sowie am 1. März 2012 Elena Maximova als Carmen, Maija Kovalevska als Micaëla und Massimo Giordano als Don José zu erleben.

Das teilt uns die Wiener Staatsoper mit.

Eine weitere Info der Wiener Staatsoper: Am Sonntag, 23. Oktober 2011, findet um 11.00 Uhr die zweite Matinee der Reihe „Das Ensemble stellt sich vor“ im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper statt. Die beiden Ensemblemitglieder Christina Carvin (Sopran) und Sorin Coliban (Bass) präsentieren Arien, Duette und Lieder von Gioachino Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Jules Massenet, Richard Wagner, Claude Debussy, Francis Poulenc, Jacques Ibert, Alban Berg, Sergei Rachmaninov und Gaetano Donizetti.

Staatsoperndirektor Meyer und ich haben eine gemeinsame Feindin

Man kann ruhig von "Feindin" sprechen, denn mit Kritik haben diverse Anwürfe nicht viel zu tun. In unserem Forum benützt eine Dame jede mögliche - aber auch unmögliche - Gelegenheit, aus fast jedem Thema ein "Anti Meyer-Thema" zu machen. Dass es auch ständige Anwürfe gegen mich gibt, sei nur am Rande erwähnt - und heute nicht das Thema. Also haben Monsieur Meyer und ich etwas Gemeinsames - wenn es auch nur eine gemeinsame Feindin ist. Weiß Gott, was der Direktor der Dame angetan hat, was mich betrifft, denke ich seit Monaten darüber nach - und komme zu keinem Ergebnis. Das Nachdenken ist nicht intensiv, denn so wichtig ist die Dame auch wieder nicht.

Jetzt nutzte die Dame einen Thread, bei dem es eigentlich um die von mir sehr großzügig gehandhabte Meinungsfreiheit in unserem Forum ging, um sofort wieder auf den Staatsoperndirektor hinzuhacken, im Rundumschlag war dann auch ich inbegriffen. Sie dürfte sich intensiv mit Monsieur Meyer beschäftigen, denn wie sonst sollte sie wissen, dass der Direktor früher Rugby gespielt haben soll, was sie mit einer gewissen Verachtung vor längerer Zeit in die Runde warf. Sport ist Proletensache - so ungefähr war die Aussage, dabei muss es sich gar nicht um Fußball handeln!.

Im jüngsten Thread tat die Dame einer atemlos lauschenden Runde kund, dass Herr Meyer einen Stammtisch im "Sole" betreibt, bei dem er sich regelmäßig mit Freunden trifft!

Da ich nun überhaupt nicht Anstößiges daran finden kann, wenn sich jemand in Wien einen Freundeskreis aufbaut und sich mit diesem im "Sole" oder anderswo trifft, folgerte ich automatisch, dass es sich um eine Journalistenrunde handelt. Denn nur das wäre, wenngleich auch nicht verwerflich, so doch im Interesse einer fairen Berichterstattung bedenklich.

Für diese voreilige Folgerung bekomme ich nun wieder mein Fett ab (ich sollte weniger denken, sondern nur lesen, was so dahergeschrieben wird) , werde aber darüber sicher nicht diskutieren. Ich stelle also klar. Der Direktor-Stammtisch ist kein Journalisten-Stammtisch, sondern besetzt mit Freunden aller Richtungen aus Kunst und wohl auch Politik, wenngleich da sicher der eine oder andere Journalist dabei sein wird. Das ist in meinen Augen aber auch kein Problem, denn erstens kann sich der Direktor seine Freunde selbst aussuchen (leider nicht seine Feindinnen) und mit der Zeit merkt auch die interessierte Öffentlichkeit, wie der Hase medial läuft.

Auf Kreuzschifffahrt würde ich aber an des Direktors Stelle mit keinem Redakteur gehen, das könnte wirklich zumindest Neider auf den Plan rufen!

So viel zum Thema "Der Direktor und seine neuen Wiener Freunde"!

Der britische Bariton Simon Keenlyside sang im Mozart-Saal vor begeisterten Publikum Mahler, Strauss,
Duparc, Debussy und Schubert. Da wie dort mischte sich Beliebtes mit Rarem, dramatische Deklamationen mit lyrischer Innigkeit

Musikverein Graz: Als Gratulation zum 200. Geburtstag (am 22. Oktober) rehabilitieren Jos van Immerseel und
Anima Eterna Franz Liszt als Orchesterkomponisten

Lesen Sie mehr darüber in der "Kleinen Zeitung"

Das Stadttheater Baden spielt Oper: Gounods Faust" hat am Sonntag Premiere. Auf dem Foto: Intendant Dr. Robert Herzl

Natürlich, das weiß der erfahrene Theater-Haudegen Herzl, tut es einem Ensemble, das sich vorrangig mit der leichten Muse beschäftigt, gut, sich auch einmal im großen Schwester-Genre zu verdingen. „Natürlich machen wir jetzt nicht der Staatsoper Konkurrenz“, sagt Herzl lachend, „das wäre ja absolut lächerlich, so etwas auch nur zu denken. Aber eine Oper alle zwei Jahre, das ist eine ideale Ergänzung des Spielplans. Wir möchten einfach zeigen, dass das, was uns bei Operette und Musical so gut gelingt, auch bei der Oper möglich ist.“
Dass die Qualität stimmen muss, das weiß der künstlerische Leiter des Badener Hauses recht gut: „Wir stehen da selbstverständlich genau unter Beobachtung. Immerhin haben wir bei unseren Aufführungen in der Sommerarena eine Auslastung von über 97 Prozent. Ich red' schon wie mein Marketingchef, aber es stimmt: Da gibt es eine Position zu verteidigen!“

Die Staatsoper Hannover freut sich über 12 Nominierungen in der Zeitung "Opernwelt", mit dabei ist auch der Oberösterreicher Albert Pesendorfer für seinen Hagen und Hunding im Kosky-Ring (der Regisseur ist auch nominiert). Pesendorfer wird übrigens ab der Saison 2012 zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin gehören!

Harald Serafin stellt in einem höflichen Anruf in der zuständigen Redaktion bezüglich seiner Rolle im Wiener Volkstheater richtig.

Renate Wagner möchte klar stellen:

Harald Serafin rief mich an, so formvollendet freundlich und höflich wie immer, und bat mich, eine Formulierung in meiner Kritik über „Der Färber und sein Zwillingsbruder“ klar zu stellen.

Keineswegs ging es für ihn darum, nach einem Mörbisch-Pensionsschock, wie ich unterstellt habe, um jeden Preis wieder auf der Bühne zu stehen. Vielmehr hat er sich als Retter für seinen alten Freund Michael Schottenberg, dem er ja schon vor einigen Jahren in „Ein seltsames Paar“ die Kassen gefüllt hat, betätigt.

Die Rolle des „Generals“ hatte man ursprünglich für das Nestroy-Urgestein des Volkstheaters, Heinz Petters, in den Abend hineingeschrieben. Als Petters erkrankte, rief Schottenberg 13 Tage vor der Premiere nächtlich bei Serafin an und bat dringlich um Rettung. Dieser sagte aus Kollegialität zu und spielte die Rolle.

„Ich muss nicht mehr so viel machen“, meint Serafin, „ich werde im Dezember 80, nächsten Februar gehe ich nach Paris und spiele den Zeta in der „Lustigen Witwe’, nächsten Sommer gibt es mit der „Fledermaus’ meine letzte Produktion in Mörbisch, Helmuth Lohner inszeniert und gibt den Frosch, ich spiele zum Abschied den Frank – ich bin absolut ausgelastet. Als General bei Nestroy bin ich nur Schotti zuliebe auf die Bühne gegangen – aber ich tue es natürlich sehr gerne.“

Schauplatz Köln. Der Intendant Uwe-Eric Laufenberg ist ein streitbarer Mann. Mit Attacken gegen Politiker, verpackt in "Offene Briefe", kann man freilich seiner gerechten Sache ein Bärendienst erweisen, wie die "Kölner Rundschau" folgert:

Uwe Eric Laufenberg

Womöglich stünden die politischen Chancen für eine Budget-Aufstockung trotz heikler Haushaltslage gar nicht schlecht, doch vernebelt permanenter Pulverdampf aus der Bühnen-Chefetage inzwischen auch den Blick auf Laufenbergs imposante Erfolge. Fast jeder Auftritt ein Ausbruch - der Intendant wirft sich ins fadenscheinige Nervenkostüm.

Gleichzeitig entpuppt sich das gleichberechtigte Bühnen-Dreigestirn als Schönwetterkonstruktion, die nur funktionierte, wenn sich alle ganz doll lieb hätten. Tun sie aber mitnichten. Allzu lange dürften die rhetorischen Waffen kaum schweigen.

Fortschritt gibt es bei ihm nicht, dafür Schutz- und Warteräume im Vakuum. Der Regisseur und Traumhelfer Christoph Marthaler wird heute sechzig Jahre alt.

Wie immer das gemeint ist, es wird stimmen! Denn es steht in der "Frankfurter Allgemeinen"

Kunsthalle Wien - längst ein Politikum

Österreichs Zeitungen sind staatlich subventioniert und somit befangen. Also hören wir, wie das von österreichischen Brosamen unabhängige deutsche Feuilleton - konkret "Die Zeit" - über Gerald Matt und die Situation insgesamt denkt: Wer an einem Wochentag durch die Kunsthalle im Wiener Museumsquartier streift, kann sich einsam fühlen. Menschenleere Hallen, gelangweiltes Personal. Auf der Internetseite des Ausstellungshauses empfängt der Chef persönlich die Besucher. »Die Gazelle zittert, weil der Löwe brüllt. Die Hyäne wittert. Doch die Kunst erfüllt«, deklamiert Direktor Gerald Matt in seinem Begrüßungsvideo.

Ob die Kunsthalle außer Matt noch jemand anderem Erfüllung bringt, darüber herrscht Streit. Kritiker monieren seit Jahren, Matt besitze kein Naheverhältnis zur Kunst, sondern sei vor allem ein narzisstischer Despot, der sich in der Pose des Dandys gefalle. Die Kritik am Kunsthallen-Direktor beschränkt sich aber nicht auf Stilfragen: Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, deckte im Frühjahr auf, dass Matt die Ressourcen der Kunsthalle immer wieder für private Nebentätigkeiten nutzte.

Thomas Mießgang, der im Mai dieses Jahres entlassene ehemalige Chefkurator, sagt, er habe elf Jahre lang so gut wie jeden Text geschrieben, der unter dem Namen seines Chefs erschienen sei. Ähnliches behauptet auch die Vorgängerin des in Ungnade gefallenen Ghostwriters über ihre Dienstzeit.

Wetten, dass sich Matts "rote Gönner" (Zitat "Die Zeit") langsam aber sicher von diesem Klotz am Bein absetzen!

In Wiener Neustadt läuft derzeit eine Ausstellung über den Heldentenor Hans Beirer.

Dr. Peter Dusek hält in diesem Zusammenhang am kommenden Freitag, den 21.Oktober von 19Uhr30 – 21 Uhr im Stadt-Museum von Wiener Neustadt (Petersgasse 2a) einen Vortrag über „Hans Beirer – der letzte Dinosauerier der Heldentenöre“. Kartenbestellung unter 02622-373-951.

Er war jahrzehntelang der letzte Vertreter der Opernspezies „Heldentenor“, sein Tannhäuser, Tristan oder Siegmund war – zumindest an guten Abenden –kaum zu überbieten. Und doch : Hans Beirer polarisierte fast immer. Während ihn die einen als Nachfahren eines Erik Schmedes oder Lauritz Melchior feierten, verwiesen die anderen auf häufige Intonations- bzw. Textfehler. Hans Beier hatte in der Tat mitunter etwas Tollpatschiges an sich, er (über)schminkte sich selbst; hielt Reden vor dem Vorhang und trat mitunter von der Bühne ab, weil er von einer akuten Stauballergie beeinträchtigt wurde .

Wenn Sie mehr über Hans Beirer wissen wollen, besuchen Sie Peter Duseks Vortrag!

Einen langen, nostalgischen Spaziergang durch die Geschichte Hollywoods kann man derzeit im Jüdischen Museum Wien unternehmen. Das neu renovierte Haus soll nach dem Wunsch von Direktorin Danielle Spera vor allem „lebendig“ sein. Angesichts des Reizes, den das Thema „Film“ auf breitester Ebene ausstrahlt, kann man sich vorstellen, dass die erste Ausstellung nach neunmonatiger Schließ- und Umbaupause gut gewählt ist. Und „Hollywood“ ist natürlich ein jüdisches Thema. Die Begabung der Juden für das Mediale konnte sich hier, in Kalifornien, voll entfalten. Heiner Wesemann besuchte die Ausstellung und schreibt darüber in unseren Kritiken.

Auch Renate Wagners FILMSEITE ist neu bestückt:

Der Wahnsinn unserer Zeit zeigt sich dann durchaus glaubhaft, als das Serum gefunden wird - aber als es existiert, stellt sich die Frage, wer es denn nun bekommen soll, denn es gibt viel zu wenig davon, die Toten gehen in die Millionen, die Erkrankten desgleichen. Es ist wirklich schaurig, wie das Serum im amerikanischen Fernsehen quasi im Stil einer Quiz-Show verlost wird… aber wie könnte man im Ernstfall eine gerechte Lösung finden? So geht man am Ende nur mit dem Wunsch aus diesem Film, dass es so schlimm, wie hier dargestellt, nie kommen möge.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.

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FREITAG, 21. OKTOBER 2011

Waltraud Meier war gestern eine überzeugende Leonore ("Fidelio" an der Wiener Staatsoper.

Renate Wagner war für uns dabei: Was die Besetzung betrifft, so glänzte die Besetzung der Hauptrollen vom Theaterplakat. Was braucht eine Leonore? Einen vollen, tragfähigen Mezzo mit triumphaler Sopranhöhe, und niemand passt auf diese Beschreibung besser als Waltraud Meier. Sie macht exzellente Figur – vielleicht eine Spur zu elegant für den „Schließer“ des Herrn Rocco, wenn sie in ihrem Privatkostüm (das ist eine Vermutung) ankommt, in dem sie in einem Maßanzug-Rock und einer Studentenmütze erscheint wie der junge Herr aus dem Biedermeier – am Ende schüttelt sie natürlich das lange Schwarzhaar hervor, das kleidet jede Leonore enorm. Was die Stimme betrifft, so ließ Waltraud Meier zumindest am ersten Abend der Serie nicht ganz die mühelose Fülle ihres dunklen Timbres hören, in das sie uns mit vielen Kundrys eingehüllt hat, manche Ausflüge in die Höhe gerieten leicht flackernd, aber die Leonore ist eine "Mörderpartie" und als solche sicher auch Gegenstand der Abendverfassung.

Robert Dean Smith kennt unsereiner besser aus Bayreuth denn von der Wiener Staatsoper, und es war auch sein erster Florestan am Haus, den er diesmal sang. Glücklicherweise einer, der sich mit der Rolle nicht so hörbar anstrengt wie die meisten seiner Kollegen (das kann man wirklich sagen) und sie technisch tadellos bewältigt. Leider hat sein Timbre einen zu leicht gequetschten Beiklang, um als wirklich schön zu gelten, aber das mag auch Geschmacksache sein. Jedenfalls eine starke Besetzung.

Übrigens, die Rezensentin musste keineswegs Ihre Ansichten bezüglich Harald Serafin richtigstellen - sie tat es aus freier Entscheidung (denn zwingen lassen wir uns sicher nicht), nachdem sie von Herrn Serafin sehr höflich telefonisch informiert wurde, wie die Sache mit dem "General" - eine eigentlich für Heinz Petters dazugeschriebene Rolle in "Der Färber und sein Zwillingsbruder" am Wiener Volkstheater - tatsächlich ablief.
Wir müssen nämlich überhaupt nichts, wir nehmen von keiner Seite auch nur einen Cent für diese Website (schon gar nicht vom "Merker-Verein"), von staatlicher Stelle würde ich nichts nehmen, selbst wenn man mir das Geld nachwerfen sollte!

Marie Taglioni (1804 - 1884) und ihr Bruder Paul auf einem Gemälde

Die Redensart "zur richtigen Zeit, am richtigen Ort" trifft bei Marie Taglioni mehr als nur zu. Als logische Folge der romantischen Prinzipien, die etwa das Ideal weiblicher Unschuld glorifizierten, kam es zu einer Aufwertung der Ballerina mit schwärmerischer Verehrung eben dieser. Der Tänzer hingegen mutierte im 19. Jahrhundert zum sogenannten dritten Bein der Ballerina.

Marie Taglioni (1804-1884) wurde von ihrem Vater Filippo trainiert und mit "La Sylphide" schließlich ins rechte Bühnenlicht gerückt: Der italienische Choreograph - er wurde übrigens 1805 zum Ballettmeister auf Lebenszeit am Kärntnertortheater Wien ernannt - ließ seine Tochter als ätherisches Luftwesen revolutionär auf ihren Fußspitzen fast schwerelos schweben.

Das Wiener Staatsballett zeigt ab Mittwoch die Originalversion aus 1832 des romantischen Klassikers "La Sylphide" in der Wiener Staatsoper!

Er wird derzeit mit Ehrungen überhäuft: Christian Thielemann: Foto: Hana Zushi

Gleich zwei Ehrungen werden dem zukünftigen Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle in diesem Monat zu teil. Heute, am Freitag, den 21. Oktober 2011, verleiht die Weimarer Hochschule für Musik Franz Liszt Christian Thielemann die Ehrendoktorwürde. Damit werden, so der Hochschulsenat in seiner Begründung, Thielemanns »außergewöhnliche Leistungen und besondere Verdienste um die Musik des 19. Jahrhunderts« gewürdigt. Am Tag darauf, dem 200. Geburtstag von Franz Liszt, dirigiert Thielemann in der Weimarhalle ein Konzert zu Ehren des Jubilars und steht dabei am Pult eines Projektorchesters, welches sich aus Mitgliedern der Weimarer Staatskapelle, Professoren und Dozenten der Weimarer Musikhochschule sowie deren Studierenden zusammensetzt. Auf dem Programm stehen Liszts »Totentanz«, sein zweites Klavierkonzert (jeweils mit dem Solisten Konstantin Scherbakov), die Symphonische Dichtung »Les Préludes« sowie Richard Wagners »Tannhäuser«-Ouvertüre. Das Konzert wird noch am gleichen Abend auf arte zeitversetzt übertragen.

Bereits am vergangen Freitag, den 14. Oktober, nahm die Londoner Royal Academy of Music Christian Thielemann in die überaus prominente Schar ihrer Ehrenmitglieder auf

Einen handfesten Wirbel gibt es wieder um eine Auftragsvergabe beim Bau des Linzer Musiktheaters. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" kennen Details: Der rund 3,5 Millionen Euro schwere Auftrag für die Beschallungs- und Videotechnik im neuen Linzer Musiktheater geht nach Deutschland. Weil nur das viertbeste Angebot den Zuschlag bekam, haben die „übergangenen“ Anbieter den Unabhängigen Verwaltungssenat eingeschaltet.

Knapp sieben Stunden dauerte am Dienstag die Marathonsitzung des Unabhängigen Verwaltungssenates. Diese Instanz wurde vom zweitbesten Anbieter – die deutsche Firma Digitech bot um rund 300.000 Euro günstiger an – und der Linzer Firma PKE (drittbestes Angebot, rund 100.000 Euro günstiger) angerufen. Der Bestbieter, die Firma Thomann (Deutschland), verzichtete auf einen Einspruch.

Grund des Einspruchs: Der deutsche Beschallungsspezialist Stagetech hatte die internationale Ausschreibung mit dem viertbesten Angebot gewonnen. Zwei Sachverständige hatten unabhängig voneinander befunden, dass allein die Stagetech dem rund 1000-seitigen Anforderungskatalog entsprach. Das wollen die „Unterlegenen“ nicht so hinnehmen.

Der Billigstbieter muss nicht automatisch der Bestbieter sein. In meiner Branche wurde ich mit diesem Problem oft konfrontiert - habe aber auch das ganz gut überlebt!

Fast zwei Jahre hat die Staatsanwaltschaft Salzburg in der Causa "Osterfestspielaffäre" wegen ungereimter Geldflüsse von rund zwei Millionen Euro ermittelt. Jetzt liegt ein "Vorhabensbericht" der Behörde auf dem Tisch, in dem festgehalten ist, dass der ehemalige Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte (45), und der ehemalige Technische Direktor der Sommerfestspiele, Klaus K. (51), wegen des Verdachtes der Untreue bzw. der Beitragstäterschaft angeklagt werden sollen. Die Staatsanwaltschaft geht vorerst von einem Gesamtschaden in der Höhe von 657.000 Euro aus, wie Mediensprecherin Barbara Feichtinger am Donnerstag der APA bestätigte.
(Auszug aus dem "Kurier")

Der Komponist Helmut Lachenmann wird für sein musikalisches Lebenswerk mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.
Mehr darüber weiß "Codex flores"

Das Kammermusikfest Lockenhaus hat einen neuen Künstlerischen Leiter: Der Cellist Nicolas Altstaedt übernimmt die Agenden von Gidon Kremer, der nach 30 Jahren im heurigen Jubiläumsjahr seinen Rücktritt bekanntgab, teilte der Kulturverein Kammermusikfest Lockenhaus am Donnerstag in einer Aussendung mit. Gidon Kremer selbst schlug Altstaedt dem Gremium vor!

Reich, schön und sündig: Eine großartige Ausstellung in Florenz zeigt, wieviel die Kunst der Renaissance dem modernen Bankwesen und der Wucherei verdankt.

Neues aus der Causa Gerald Matt/ Kunsthalle Wien: Neue Vorwürfe gegen die Wiener Kunsthalle und ihren Direktor Gerald Matt sind am Donnerstag in der deutschen Wochenzeitung Die Zeit aufgetaucht. Demnach sei die 2009 von der Stadt Wien in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für eine mögliche Fusion von Kunsthalle und Künstlerhaus ausgerechnet von einer Firma durchgeführt, die Matts langjähriger Freundin Susanne Moser gehörte. "Wenig erstaunlich, dass Mosers Gutachten Punkt für Punkt Matts Argumentation folgte, für die Kunsthalle sei kein Platz im Künstlerhaus", heißt es in der Österreich-Ausgabe der Zeitung. Auch die Eintritte von 2001 bis 2010 seien um knapp 500.000 Besucher höher angegeben worden, als der Rechnungshof berechnet habe.

Die Kunsthalle wies am Donnerstag diese neuerlichen Vorwürfe als "weiteren Teil einer Kampagne zur Diskreditierung" des Hauses zurück. Laut Präsident Thomas Häusle habe die Kunsthalle "niemals einen Auftrag zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie" gegeben - dieser Auftrag in Höhe von "33.600 Euro zuzüglich Spesenpauschale und Umsatzsteuer" war aber von der Stadt Wien vergeben worden.

Man bedenke: 33.600 Euro Steuergeld für einige Blätter Papier, die man besser gleich dem Reisswolf übergeben hätte! Wobei es eigentlich egal ist, ob mit diesem Worten das Geld oder die Studie gemeint ist!

Archäologischer Sensationsfund: Schiffsgrab, 1000 Jahre alt!

Die letzte Reise unternahm der Mann in einem Boot, nur begleitet von seinem Schwert, seiner Streitaxt, seinem Speer und seinem Schmuck. Damit hatte der Krieger die große Chance, die Reise schnell hinter sich zu bringen, von Schottland aus in die Welt der toten Seelen.

Die britischen Archäologen sprechen von einer Sensation. Auf der Halbinsel Arnamurchan in Westschottland stießen sie auf die Spuren eines Bootes, das sich als Wikingerschiff entpuppte. Gut fünf Meter lang, mehr als tausend Jahre alt und weitgehend intakt, zweifellos die best erhaltene Begräbnisstätte eines Wikingers in Großbritannien.

Genaueres nennt die "Berliner Morgenpost!

Auch Renate Wagners FILMSEITE ist neu bestückt:

Possierlich – und so geriert sich die Geschichte auch in diesem Film von Bernard Rose. Das Leben als großes Drogenabenteuer, nebenbei hat der gute Mann auch noch Frau und einen Schippel Kinder, lebt auf einer spanischen Insel und versucht sich, als die Briten ihn endlich schnappen, damit auszureden, er sei ja eigentlich als Geheimagent für MI 6 tätig gewesen…

Auch das Gefängnis wird ihm (bis auf eine brutale Zahnzieh-Szene) eher leicht – und wieder heraußen, die lieben Kinder warten schon, ist der Mann dank seiner Memoiren populär und schon wieder reich. Bei Filmen wie diesen wird man das Gefühl nicht los, brave, unbescholtene Leute hätten ihr Leben einfach ganz falsch angepackt…

Immerhin, es ist ganz zweifellos ein Zeitbild von den Siebzigern bis heute, und Rhys Ifans, der als großer Verwandler jetzt wirklich die großen Rollen schnappt (demnächst sieht man ihn als Lord, der eigentlich Shakespeares Stücke geschrieben hat), macht den schlaksigen Howard Marks so vorzüglich, wie David Thewlis als absolut unehrenhafter IRA-Boß herumdruckst. Christian McKay (als „Orson Welles“ in bester Erinnerung) kifft als Jugendlicher auch nach Leibeskräften herum – und ist dann plötzlich beim Geheimdienst. Na ja, nicht mit allen geht es so unbeschwert weiter im Leben. Wir wollen mal nicht moralinsauer werden: Als „Zeitbild“, wie gesagt, ist es interessant. Man soll nur nicht ganz seinen Verstand und seine Maßstäbe bei so viel fröhlicher Kriminalität abgeben.

Wenn das stimmt, was der Lobbyist Peter Hochegger so von sich gibt, dann spielen wir im Parlament bald Kleist's "Der zerbrochne Krug". Gesucht wird derzeit ein Ausschussvorsitzender bwz. eine Vorsitzende, der/die nicht in die Affäre Telecom verwickelt ist. Es ist verdammt schwer, eine völlig unbelastete Person zu finden - denn wir befinden uns in Österreich!

Opernfreund Dr. Peter Bilsing berichtet von den "VW-Wasserspielen", die wahrlich keine Festspiele sind!

Unser "Opernfreund" (www.deropernfreund.de ) Dr. Peter Bilsing ist gar nicht so stolzer Besitzer eines VW Fox: Sind Sie ein Abenteurer? Wüsten-Durchquerer und Paris-Dakar-Fan? Sie fahren einen teuren Landrover für 100 Mille? Vergessen Sie Ihr Luxusgefährt! Für ein Zehntel des Preises bekommt man einen VW Fox. Und nun verrate ich Ihnen das Geheimnis: Das Fahrzeug sammelt Regenwasser. Boh! Aber das ist noch nicht alles; es sammelt dieses Regenwasser selbständig und in den Türen! Donnerkittel! Jetzt sind Sie platt, oder?
Natürlich können Sie nach jedem Regen die Tür weit öffnen und das kostbare Naß rund fünf Minuten lang ablaufen lassen - soviel Zeit muß sein! Aber holla, nutzen Sie dieses wunderweiche Naturwasser doch lieber für Ihre Blumen im Garten z. B. Also einfach demnächst eine Gießkanne darunterstellen und die wertvolle Lebensflüssigkeit nutznießen.
Bei Wüstendurchquerungen können Sie das Spundloch einfach mit einem Stopfen verschließen und damit mehrere Liter gutes Trinkwasser, sozusagen als Überlebensreserve, sammeln. Das glucksende Geräusch des schwabbelnden Wassers in der Tür erzeugt in Ihnen immerhin derweil die ständige Sicherheit: Wir können noch weiterfahren! So etwas beruhigt. Der Tank signalisiert ihnen solche Sicherheit akustisch keinesfalls!
In unseren Breiten, also im deutschen Alltag, könnten Sie darin auch Goldfische züchten oder Molche. Der Tip unseres VW-Händlers: Parken Sie möglichst in Fahrtrichtung bergab, wenn Sie viel Wasser brauchen (Erklärung für Physiker: Das Spundloch ist am Ende der Vordertür!) - Umgekehrt immer nur dann, wenn Sie es morgens eilig haben.!

Sind wir also fröhlich und singen zur Melodie von Erik Silvesters "Zucker im Kaffe" nach jeder Regennacht, wenn wir vom neidischen Nachbarn morgens angemacht werden:

„Wasser in der Tür
ja da kann ich leider überhaupt nichts für
überall da hinterlass ich eine Spur
das ist wunderbar Senjur“

tataramtammtammtam...

Herzlich grüßt
Ihr Peter Bilsing (von den VW-Wasser-Sportfreunden).

Wenn es Dir ein Trost ist, lieber Peter, kann ich auch eine Geschichte erzählen. Bei meinem Mitsubishi mit Schiebedach bekomme ich nach jedem Regen einen nassen Gruß von oben - in die Haare und auch über die Bekleidung. Natürlich war ich beim "Misubishi-Fachmann". Der suchte ebenso verzweifelt wie vergeblich die Ursache und bot an, das Schiebedach mit Silicon abzudichten!. Freilich darf ich es dann nie mehr öffnen!

Ich wünsche einen schönen Beginn des Wochenendes!

A.C.
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SAMSTAG, 22. OKTOBER 2011

Heute ist der 200. Geburtag von Franz Liszt

Franz Liszt, der am 22. Oktober 1811 geboren wurde, war vieles - Wunderkind, Virtuose, Erneuerer -, aber ein "überzeugter Europäer", als welcher er heuer vielfach gefeiert wird, war er wohl nicht.

Das meint Markus Vorzellner in der "Wiener Zeitung".

Auszug aus dem "Münchner Merkur". Die Damenwelt fiel bei seinen Auftritten in Ekstase oder Ohnmacht: Franz Liszt, der an diesem Samstag vor 200 Jahren geboren wurde, war der erste „moderne“ Superstar der Klassikszene. Heute allerdings kümmert sich das Musikleben kaum mehr um ihn.
Kurz vor Beginn der jüngsten Bayreuther Festspiele trat seiner Ur-Urenkelin familiengemäß der Schaum vor den Mund. „Unverständlich, beschämend und skandalös“ fand Nike Wagner, dass ihren Cousinen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier nichts zum 200. Geburtstag des Tasten-Artisten eingefallen war. Wieder einmal also Liszt im Schatten seines Schwiegersohnes Richard Wagner, argwöhnte seine irdische Sachwalterin. Doch die Festspiel-Leitung präsentierte keine üblen Argumente: Immerhin hatte die Stadt Bayreuth 150 Jubiläumsveranstaltungen organisiert – was sollte man da noch dagegensetzen?

Irgendwie passt das Affärchen zur aktuellen Wahrnehmung von Franz Liszt. Wichtig finden ihn alle. Doch wenn sich einmal die Klassikszene zur Wiedervorlage des schillernden Künstlers aufrafft, dann wird das kaum registriert. Überhaupt finden sich in den meisten aktuellen Orchesterprogrammen nur Spurenelemente à la Klavierkonzerte oder die „Faust-Symphonie“: Liszt – war da was?

Lesen Sie weiter in unserer Presseschau!

José Cura ist Zürichs "Otello"

Theater ohne Politik ist undenkbar. Graham Vick gestaltet seinen Züricher "Otello" besonders politisch, der Politischen Korrektheit verpflichtet. Otello ist aus nachstehend ersichtlichen Gründen kein Schwarzer: Graham Vick stellt ihn nicht als Opfer, sondern als Täter auf die Bühne. Ein unberechenbarer Despot, stets auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Souverän in seinen öffentlichen Auftritten - ein gefährlicher Schwächling im Privatleben. Diesen Launen ist eine elegante, feinfühlige Desdemona ausgeliefert. Chancenlos. José Cura und Fiorenza Cedolins singen und spielen diese dramatische Auseinandersetzung überzeugend. Weil sie ihren privaten Otello über alles liebt und er sich ihrer - wie auch sich selbst - nie sicher zu sein scheint, hat Jago leichtes Spiel. Thomas Hampson gibt den aalglatten Intriganten stets freundlich und charmant, auch stimmlich. Graham Vick beweist hier viel Feingefühl für gepflegte Personenführung in der Oper.

Die Zeilen sind "Deutschland-Radio.de" entnommen.

Aber natürlich ist bei einer Züricher Aufführung die "Neue Zürcher Zeitung" die erste Adresse: Die eidgenössischen Wahlen 2011 werfen ihre Schatten voraus, auch auf die Bühne des Opernhauses Zürich. Der britische Regisseur Graham Vick liess es sich nicht nehmen, die Wahlplakate einer gewissen polarisierenden Partei für seine Inszenierung von Giuseppe Verdis «Otello» zu adaptieren. Auch in Zypern, das Otello mit seiner venezianischen Flotte gerade erobert hat und nun besetzt hält, scheint man sich über religiöse Pluralität zu sorgen, scheint man Tiere je nach Farbigkeit anders zu behandeln. Eine nette Illustration sind diese Bilder, einen unmittelbaren Bezug zum Geschehen aber haben sie nicht.

In Wien steht Waltraud Meier in der Uralt-Inszenierung des "Fidelio (Otto Schenk war der Regisseur) auf der Bühne. Dr. Wilhelm Sinkowicz schreibt in der "Presse": „Der fehlte wohl, der darauf riet“, dass eine Heroine vom Format der Waltraud Meier nach allem, was sie im hochdramatischen Fach schon er- und durchlebt hat, sämtliche Spitzentöne der Leonore ohne Blessuren abzuliefern imstande wäre. Andererseits aber: Wieder einmal lässt sich anhand einer Staatsopern-Aufführung, diesfalls des „Fidelio“, exemplifizieren, dass es auf einzelne Töne nicht ankommt.

Ähnliches hat unsere Renate Wagner auch geschrieben (siehe Kritik in unserer Rubrik), nur ihre Meinung zwischen den Zeilen verpackt.

Aber wieder zu Dr. Sinkovicz, der Bertrand de Billy eine Hymne widmet: Exzellent: Robert Dean Smiths hellstimmiger, mühelos singender Florestan und der wohltönende Rocco von Lars Woldt. Ordentlich der Minister des Debütanten Markus Marquardt. Durchschlagskräftig endlich wieder der Chor. Und dank der Tatsache, dass wir seit der Premiere von Otto Schenks vierzig Jahre alter Inszenierung keine Neuproduktion erdulden mussten, finden sich auch Darsteller wie Publikum zurecht – und man erlebt, vom Orchester so richtig angespornt, einen effektvoll-spannenden wie anrühenden Opernabend.

Sinkovicz outet sich also als Freund der Schenk-Inszenierung und begrüßt, dass Monsieur Meyer noch keinen seiner "les Amis" - auf Deutsch: die alten französischen Freunderln - mit einer Neuinszenierung beauftragt hat!

Das "Europe-Online-Magazin" verrät uns die Programmvorbaben des unmittelbar vor der Wiedereröffnung stehenden Moskauer Bolschoi-Theaters. Der reguläre Spielbetrieb im sanierten historischen Bolschoi Theater in Moskau beginnt im November. Nach und nach ziehen dann legendäre Opern- und Ballettaufführungen von der neuen Bühne wieder nebenan in den Musentempel um. Bespielt werden künftig aber beide Theater. Als Premieren sind unter anderem geplant:- Ballett «Dornröschen» von Peter Tschaikowsky in der Choreografie von Marius Petipa, neu bearbeitet von Juri Grigorowitsch, vom 18.-20. und vom 23.-25. November 2011- Oper «Ruslan und Ljudmila» (nach Puschkin) von Michail Glinka in der Regie von Dmitri Tschernjakow unter musikalischer Leitung von Wladimir Jurowski, am 2., 3., 5., 6. und vom 8.-10. November 2011- Oper «Der Rosenkavalier» von Richard Strauss in der Regie des Briten Stephen Lawless unter Leitung von Generalmusikdirektor Wassili Sinajski, am 3., 4., 6., 7., 8. und 10. April 2012.

Gestern berichtete ich, dass Kölns Intendant Uwe Eric Laufenberg seine Zunge nicht so im Zaum halten kann, wie es seiner Sache dienlich wäre. Nun hat ihn sogar Kölns Oberbürgermeister mit Sprechverbot belegt: Nun darf er nichts mehr sagen. Zumindest nicht öffentlich. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters hat dem Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg einen Maulkorb verpasst. Nachdem dieser immer heftiger gegen all jene geschossen hatte, die ihm vorwerfen, seine Oper habe ein Millionendefizit eingefahren. Darunter befindet sich der geschäftsführende Direktor der Kölner Bühnen, Patrick Wasserbauer...

...In einer Pressekonferenz sagte er: "Ich stehe am Pranger!" Er wolle die Zeitung verklagen, so Laufenberg. "Ich habe doch kein schwarzes Zimmermädchen gefickt." Die Wutrede schloss mit dem Satz: "Dann schießt mich doch ab!"...

...Auch wenn Oper wie Schauspiel national wieder Spitze sind, bleibt die Kölner Kulturpolitik ein Kasperltheater. Klatsche raus und feste druff! Nur dass sich diesmal der Opernintendant erst zum Kasper macht und nun das Krokodil gibt. Laufenberg muss einstecken und darf nicht mal zurück beißen.

Wen die ganze Story interessiert, liest in der "Welt-online" weiter.

Im Pfalzbau Ludwigshafen steht heute die Premiere der "Walküre" an. "Morgenweb.de" führte ein Gespräch mit dem Regisseur Hansgünther Heyme: Die Koproduktion mit der Oper Halle unter musikalischer Leitung von GMD Karl-Heinz Steffens wurde im September in Halle mit großem Erfolg vorgestellt.

Nichts Neues gibt es im "Justizfall Bayreuth". Bezüglich der Kartenvergabe sind zwei Anzeigen anhängig, aber es ist immer die selbe Leier. Ganz ehrlich, ich verstehe sowohl die Festspielleitung wie auch die "Freunde", die immerhin große Summen springen lassen! Wohlgemerkt, sie erwerben mit ihrer Großzügigkeit das Recht, sich Karten zum regulären Preis kaufen zu dürfen!

Thomas Quasthoff hat seine Jazz-Ambitionen nun zurückgelegt, das für Juli 2012 angesetzte Nachholkonzert in der Wiener Staatsoper ist nun endgültig abgesagt!

Rammstein-Konzert am Totensonntag abgesagt bzw. verschoben

Die Stadt München hat ein Konzert der Band Rammstein („Asche zu Asche“) am Totensonntag verboten. Das ausverkaufte Konzert wird um zwei Tage auf den 22. November verschoben.

Eine öffentliche Unterhaltungsveranstaltung sei laut Gesetz nur dann zulässig, wenn der ernste Charakter der stillen Tage gewahrt sei, sagte Wilfried Blume-Beyerle, Chef des Kreisverwaltungsrates. „Das ist bei Rammstein nicht der Fall. Sie haben brennende Personen auf der Bühne, sind riesig laut und auch die Texte sind dem stillen Tag nicht gerade angemessen”, sagte Blume-Beyerle. (Auszug aus "Münchner Abendzeitung)

Hackt nicht immer auf meinen Bayern herum, zu Karfreitag wurde "Madama Butterfly untersagt . Und das war weit nördlich von Bayern!

Zur am Sonntag angesetzen Premiere "The Sound of Music" am Salzburger Landestheater läuft parallel eine Dokumentation von "Servus-TV". Die "Oberösterreichischen Nachrichten" befassen sich mit dieser: Zum Auftakt am Donnerstag ging das Servus-TV-Team dem Phänomen „Sound of Music“ auf den Grund. Oder versuchte es zumindest. Denn eine Umfrage unter gebürtigen Salzburgern brachte ein ernüchterndes Ergebnis: „Na jo, des i do der kitschige Hollywood-Schinken?“ war noch die netteste der grantelnden Wortspenden. Nächste Einstellung: Ehrfürchtigen US-Touristen drückt es im Mirabellgarten vor lauter „Sound of Music“-Rührung die Tränen literweise in die Augen.

Sind die Österreicher also Kulturbanausen ohne Faible für Romantik? Oder ist den kitschbesessenen Amis im Lederhosen- und Dirndlrausch der Sinn für die Realität abhanden gekommen? Die Entscheidung wurde vertagt. Zumindest bis 27. Oktober. Dann läuft nämlich der zweite Teil der Dokumentation.

Heute abend im "Reigen" - Wien 14. Hadikgasse

Da ich kein bedingungsloser Opernfan bin und nur in Einbahnen denke, weise ich auf das heutige Konzert meines langjährigen Freundes "Wolfman" im Wiener "Reigen" hin! Diesmal finden Sie sogar einen Bezug zu Mozart!

Wolfmans Gruppe probt seit vielen Jahren im Keller des mir gehörenden Mietshauses in Wien -Meidling in einem schalldicht abgeschlossenen Proberaum. In jungen Jahren betrieb ich dort eine Disco und so ziemlich eine der ersten Lichtorgeln Wiens! Wenn Sie Zeit und Lust haben, gehen Sie heute mit Wolfman und seiner Gruppe fremd!

Ein Jeep. ein Jeep, ein Königreich für einen Jeep!

Panisch flieht der Tyrann vor den Armeen der anrückenden Rebellen. „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!“, ruft in seiner Todesangst Richard III. Doch er hat kein Königreich mehr, und er bekommt kein Pferd. Wenig später kann der Anführer der Aufständischen verkünden: „Das Feld ist unser und der Bluthund tot.“

An diese Szene aus Shakespeares Drama erinnern die letzten Augenblicke Muammar al-Gaddafis. Ganz Libyen hätte er wohl zum Schluss für einen Toyota oder einen Jeep gegeben, um aus Sirte zu fliehen, doch Libyen gehört ihm nicht mehr. Der ehedem Allmächtige wird in einem engen Abwasserrohr aufgestöbert und bald danach brutal erledigt. Die Staatsoberhäupter, die noch gestern um seine Gunst und sein Öl buhlten, bekunden ihre Befriedigung darüber, dass der Bluthund endlich tot ist.

Da ich zwar in unserem Forum Meinungsfreiheit in größtmöglichem Ausmaß gewähre, mich aber anderseits selbst zurückhalten muss, weil meine Ansicht oft nicht mit der gängigen und von der heimischen Presse verordneten Jubelstimmung übereinstimmt (und diese Meinungsfreiheit bei einigen Forumsmitgliedern nur gilt, wenn man ihre Meinung vertritt), muss ich auch hier vorsichtig formulieren. Ich hoffe also, dass die Jubelstimmung bei Sarkozy, Merkel, Obama & Co. lange anhält. Angesichts der Bilder der Hinrichtung Gaddafis melde ich ernste Zweifel an, dass alles in Lybien so läuft, wie sich "die Welt" das vorstellt! Obiger Auszug ist übrigens auch aus der "Welt"!

Einigermaßen besorgt wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende!

A.C.
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SONNTAG, 23. OKTOBER 2011
Don Carlo"-Premiere an der Deutschen Oper Berlin. Anja Harteros musste aus familiären Gründen absagen, Lucrezia Garcia singt bei der Premiere und den ersten Folgevorstellungen die Elisabetta

Figürlich ist Lucrezia Garcia so ziemlich das Gegenteil von Anja Harteros, also mussten die Kostümschneiderinnen Sonderschichten einlegen.

Donald Runnicles dirigiert, Marco Arturo Marelli inszeniert.
Die Titelrolle singt Massimo Giordano, dafür musste er Haare lassen!. Rechts sehen Sie Lucrezia Garcia.

Massimo Giordano spielt meist die feurigen Liebhaber, doch jetzt ist alles anders. Für die Titelpartie in Verdis „Don Carlos“ an der Deutschen Oper schickte ihn Regisseur Marco Arturo Marelli erst mal zum Friseur. Die langen Locken mussten weg. B.Z.-Redakteurin Martina Hafner sprach mit dem italienischen Tenor.

B.Z.: Herr Giordano, haben Sie sich leicht von Ihrem Haar getrennt?

Ich war einverstanden. Man sah mein Gesicht nicht bei Bewegungen auf der Bühne. Und die Aufmerksamkeit sollte auf der Rolle liegen, nicht auf dem Haar oder dem Latin Lover.

Don Carlos ist ein Loser, mögen Sie den Charakter?

Ich liebe ihn! Ich spiele gern den verdorbenen Sohn. Er ist schwach, er schwankt zwischen in sich gekehrt und Ausbrüchen. Sein Vater will ihm alles nehmen, weil er Angst hat, der Sohn könnte ihn verdrängen. Und Don Carlos macht lauter Fehler. Ich kriege nicht, was ich will? Dann mache ich Revolution!

Auch beim Online-Merker gab es eine Umbesetzung. Für die erkrankte Renate Wagner musste deren Gatte Heiner Wesemann im Theater an der Wien beim konzertanten "Orlando Furioso" Dienst machen: Von Spinosis CD-Aufnahme des Werks kam nur die Angelica der Veronica Cangemi mit nach Wien. Die anderen Rollen waren mit der französischen Mezzosopranistin Delphine Galou in der Titelrolle (mit bemerkenswerten Wahnsinnsphasen), der italienischen Mezzosopranistin Marina de Liso als Acina, der schwedischen Mezzosopranistin Kristina Hammarström (mit einer hinreißenden „Zankarie“) sowie der französischen Mezzosopranistin Blandine Staskiewicz besetzt – ein wahrer Wettstreit der dunklen Töne. Gerade weil sie dermaßen in der Minderzahl waren, hatten die Herren – der vorzügliche Countertenor Iestyn Davies (der ein faszinierendes „Duett mit einer Flöte“ bekam) und der kraftvolle, schön timbrierte chilenische Bariton Christian Senn - verhältnismäßig leichtes Spiel, sich im Ensemble zu behaupten. Den geforderten „Chor“ am Ende stellten alle Solisten (bis auf Orlando) gemeinsam.

Sie erreichten damit jene wunderbare Fülle, die auch das Ensemble Matheus auszeichnet. Vor allem die Streicher waren eingesetzt, die Bläser kamen nur gelegentlich quasi solistisch ins Spiel. Das Ensemble kann von kammermusikalischer Zartheit bis zu voller Dramatik hochfahren. Ein Fest für Barockfans.

Markus Marquardt ist auch ein "Einspringer" - an der Wiener Staatsoper als Jochanaan in "Salome" , nach der Absage von Juha Uusitalo

Maria und Johann Jahnas versuchen ein Vergleich der beiden Wiener "Salomes" - und orten eine Pattstellung - was eigentlich ein Erfolg der "kleinen Schwester" Volksoper ist. Aber mit diesen Vergleichen muss man vorsichtig sein - zu unterschiedlich sind die Grundvoraussetzungen.

Camilla Nylund ist stimmlich in Hochform, singt von der Mittellage bis zu den Spitzentönen unangestrengt, ausdrucksvoll von lyrisch über trotzig bis hysterisch. Schauspielerisch und tänzerisch war das für eine nordische Sängerin durchaus passabel. Im Vergleich zur etwas überforderten Annemarie Kremer ein weiteres Plus für die Staatsoper.

Beim Jochanaan sind die Vorzeichen genau umgekehrt. Markus Marquardt bietet einen warmen, wohlklingenden Bariton mit beeindruckender Tiefe. Für die Passagen aus dem Verlies fehlt allerdings etwas an stimmlicher Präsenz. Dank dem eindrucksvollen Jochanaan von Sebastian Holecek ein kleines Plus für die Volksoper.

Franz Liszt - Geburtstagsehren mit einem Tag Verspätung.

Gestern vor 200 Jahren wurde Franz Liszt geboren - der große Schub an Pressewürdigungen kommt erst heute. In Weimar musste auch der deutsche Bundespräsident Wulff seinen Kommentar abgeben. Wir halten uns aber an Nike Wagner in der "Neuen Zürcher Zeitung": Die Künstlerfreundschaft zwischen Franz Liszt und Richard Wagner gehört zu den bedeutendsten Konstellationen der Musikgeschichte. Wir wissen aber auch, von welchen Rollenverteilungen sie getragen war: Liszt war der Gebende, Wagner der Nehmende. Und in der Familie Wagners war Liszt nicht besonders geschätzt.

Mit Engelsgeduld unterstützte der berühmteste Klaviervirtuose Europas den aufsteigenden sächsischen Opernkomponisten. Als Franz Liszt «Rienzi» zu hören bekam, wurde ihm das musikalische Genie Richard Wagners bewusst, und er stellte sich ganz in seine Dienste – finanziell, organisatorisch und künstlerisch. In Weimar niedergelassen, in den Jahren 1848 und 1849, und vom reisenden Starpianisten zum sesshaften Hofopernkapellmeister und Komponisten geworden, plante Liszt die Zukunft der Musik – zusammen mit Wagner.

Wiesbaden eröffnet mit "Tosca". Die "Frankfurter Allgemeine Rhein/Main" beschreibt die Szenerie wie folgt: Dieser Oper wird allzu leichtfertig ihre vermeintliche Nähe zum Groschenroman angelastet. Eine Neigung, der auch die aktuelle Neuinszenierung am Staatstheater Wiesbaden nachgibt. Symptomatisch dafür steht die inflationäre Verwendung des Wortes „Kolportage“ schon im Programmheft. Reizvoller wäre es zweifellos, die Parallelen zur „Todesfuge“ von Paul Celan zu evaluieren. Denn was Puccinis Zeitgenossen noch als Übertreibung im Dienst der dramatischen Fallhöhe erscheinen mochte, ist im 20. Jahrhundert schreckliche Wirklichkeit geworden.

Die Trapp-Familie am Salzburger Landestheater. Premiere ist heute!

Die Idee ist eigentlich naheliegend, doch bisher scheuten sich die Salzburger Theaterverantwortlichen vor deren Vollzug - allzusehr haftet dem Musical "The Sound of Music" das Prädikat "Kitsch total" an. Außerdem - was den Amerikanern gefällt, scheint andernorts verdächtig.

Landestheater-Intendant Carl Philip Maldeghem hat mit seiner Idee, das Musical erstmals nach Hause zu holen, jedenfalls einen Run auf die Karten ausgelöst. Die Vorstellungen bis Weihnachten sind so gut wie ausverkauft. Und es wird sogar schon überlegt, Zusatztermine einzulegen und das Stück auch in der nächsten Saison wiederaufzunehmen.

Anlaufstellen für die weltweiten Fans von „Sound of Music“ gab es in Salzburg bisher nämlich kaum. Immerhin kommen seit Jahren stabil rund 300.000 Gäste pro Jahr wegen des Musicalfilms in die Mozartstadt. Waren es früher hauptsächlich Amerikaner und Briten, dominieren mittlerweile längst die Asiaten bei den „Sound of Music“-Gästen. Der Film sei der ideale Träger ebenso positiver wie massenwirksamer Gefühle, begründet die Touristikerin Maria Altendorfer, warum das Phänomen Trapp seit bald 50 Jahren als Tourismus-Turbo funktioniert. „Viele unserer „Sound of Music“-Gäste halten den berühmten Song „Edelweiß“ für die österreichische Nationalhymne“, weiß Altendorfer.

Seit Jahren wird über ein Trapp-Museum diskutiert, doch die Politik hat bisher keinen passenden Standort gefunden. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es passend zur Musicalpremiere ab 4. November: Da eröffnet das Salzburg Museum eine temporäre Ausstellung zum Thema Mythos Trapp. Die in den USA lebenden Nachkommen der Familie Trapp touren übrigens nach wie vor mit einem Chor durch die Welt. Und am Familiensitz im amerikanischen Vermont können die Fans einen Aufenthalt auf der großen Lodge im Alpenstil buchen.

Vor 50 Jahren wurde erstmals in Deutschland das Erfolgsmusical schlechthin, "My fair Lady", aufgeführt. Es war ein finanzieller Trapezakt, wie die "Berliner Zeitung" berichtet.

Karin Hübner und Rex Gildo in "My fair Lady"

Hans Wölffer wollte endlich in Deutschland zeigen, wovon damals alle Welt schwärmte, von glamourösen Inszenierungen, die am New Yorker Broadway und am Londoner Westend die Zuschauer in Verzückung versetzten, Abend für Abend, sogar Jahr für Jahr, lief das immer gleiche Stück mit Musik und Tanz. Undenkbar im subventionierten deutschen Repertoire-Betrieb. Undenkbar?

Wölffer wollte es unbedingt. Er besorgte eine Million DM für seinen "My Fair Lady"-Import, damals eine unglaubliche Summe, und übernahm das leer stehende Theater des Westens. Das war nach dem Krieg von der Städtischen Oper als Provisorium genutzt und soeben in Richtung Bismarckstraße verlassen worden. Wölffer verhandelte nun gleichzeitig mit der Stadt, mit gewieften Broadway-Produzenten und war guter Dinge. Doch dann ließ der Bau der Berliner Mauer am 13. August Hans Wölffers gesamte Planungen einstürzen. Er hatte nämlich mitten im Kalten Krieg gesamtdeutsch kalkuliert, mit Besuchern aus dem Osten. Die durften damals in Kinos und Theatern West-Berlins mit Ost-Mark bezahlen, nutzten das auch eifrig, und der Senat tauschte den Veranstaltern am Ende die Eintrittsgelder 1:1 um.

Wie sollte Wölffer nun ohne Ost-Berliner das Parkett füllen? Er hatte alles eingefädelt und schon so viel ausgegeben, dass er seinen waghalsigen Coup nicht mehr abblasen konnte. In seiner Not ersann er einen Deal, der aber nur funktionieren würde mit einer sensationellen Premiere. Es wurde eine sensationelle Premiere.

Nun zu einem Schlagabtausch zwischen zwei Parteifreunden. Die "Berliner Zeitung zitiert Thilo Sarrazin, der Klaus Wowereits neues Buch gelesen hat und der es "sehr anspruchslos" findet: Der Berliner Ex-Finanzsenator, hat ein Buch geschrieben: "Deutschland schafft sich ab". Klaus Wowereit (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister, hat auch ein Buch
geschrieben: "Mut zur Integration". Das hat sich Sarrazin vorgenommen. Seine Kritik ist ein Verriss: Es fehle "geistiges Niveau", zu lesen sei mitunter "blühender Unsinn". Und Wowereits Selbstdarstellung findet Sarrazin "peinlich

Ein Jeep. ein Jeep, ein Königreich für einen Jeep!

Panisch flieht der Tyrann vor den Armeen der anrückenden Rebellen. „Ein Pferd! Ein Pferd! Mein Königreich für ein Pferd!“, ruft in seiner Todesangst Richard III. Doch er hat kein Königreich mehr, und er bekommt kein Pferd. Wenig später kann der Anführer der Aufständischen verkünden: „Das Feld ist unser und der Bluthund tot.“

An diese Szene aus Shakespeares Drama erinnern die letzten Augenblicke Muammar al-Gaddafis. Ganz Libyen hätte er wohl zum Schluss für einen Toyota oder einen Jeep gegeben, um aus Sirte zu fliehen, doch Libyen gehört ihm nicht mehr. Der ehedem Allmächtige wird in einem engen Abwasserrohr aufgestöbert und bald danach brutal erledigt. Die Staatsoberhäupter, die noch gestern um seine Gunst und sein Öl buhlten, bekunden ihre Befriedigung darüber, dass der Bluthund endlich tot ist.

Da ich zwar in unserem Forum Meinungsfreiheit in größtmöglichem Ausmaß gewähre, mich aber anderseits selbst zurückhalten muss, weil meine Ansicht oft nicht mit der gängigen und von der heimischen Presse verordneten Jubelstimmung übereinstimmt (und diese Meinungsfreiheit bei einigen Forumsmitgliedern nur gilt, wenn man ihre Meinung vertritt), muss ich auch hier vorsichtig formulieren. Ich hoffe also, dass die Jubelstimmung bei Sarkozy, Merkel, Obama & Co. lange anhält. Angesichts der Bilder der Hinrichtung Gaddafis melde ich ernste Zweifel an, dass alles in Lybien so läuft, wie sich "die Welt" das vorstellt! Obiger Auszug ist übrigens auch aus der "Welt"!

Einigermaßen besorgt wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende!

A.C.
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MONTAG, 24. OKTOBER 2011

Olga Bezsmertna gwann den Wettbewerb "Neue Stimmen" in Gütersloh. Den Jury-Vorsitz hatte
Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer inne

Der Lyrische Sopran Olga Bezsmertna (28) ist die Neue Stimme 2011. Der alle zwei Jahre von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh ausgelobte gleichnamige Wettbewerb endete an diesem Sonnabend-Abend in der Gütersloher Stadthalle mit dieser Entscheidung des hochkarätig besetzten Preisgerichts unter Vorsitz des Intendanten der Wiener Staatsoper Dominique Meyer.

Zu dem diesjährigen Wertbewerb hatten sich rund 1.400 Sängerinnen und Sänger aus aller Welt beworben. Zu den abschließenden Entscheidungen kamen 41 nach Gütersloh. Darunter auffallend viele Südamerikaner, nur ein Deutscher und keine Teilnehmer aus Frankreich oder Italien.

Die große Überraschung: Der chinesische Tenor Xiahou Jinxu als jüngster Teilnehmer (20) kam auf einen beachtlichen dritten Platz. Zweiter wurde der südkoreanische Bass Jungmin Park (25), Vierte die rumänische Sopranistin Cristina Antoaneta Pasarouiu (26).

Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch die Fähigkeit, es auszuüben. Also war Dominique Meyer Vorsitzender der Jury. In Wien werden seine Sängerbesetzungen manchmal kritisiert, aber der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Land. Angesichts der bereits angekündigten "verlängerten Vertragsdauer" darf man auch in diesem Fall schon vom "eigenen Land" sprechen, denn Monsieur Meyer ist "unser Direktor".

Der erste Bericht von der Berliner "Don Carlo"-Premiere ist online. "Merker"-Mitarbeiterin Ursula Wiegand berichtet von einem "Sängerfest". Morgen werden wir in den Tageszeitungen lesen, ob das Berliner Feuilleton das ebenso empfunden hat.

Dafür berichtet Dr. Ingobert Waltenberger, österr. Finanzattaché in Paris, über "Faust" und ein Privatduell Roberto Alagna gegen Alain Lombard an der Bastille-Opéra, bei dem der Dirigent letztlich das Handtuch warf.

Ist sich keiner Schuld bewusst: Roberto Alagna

Wobei wir beim Dirigenten der Aufführung und einer „Affaire Dirigent gegen Tenor“ angelangt wären. Der ursprünglich vorgesehene Altmeister Alain Lombard, der nach 23 Jahren Absenz von der Opera de Paris sein Comeback hätte feiern sollen, hatte 6 Tage vor der Premiere das Handtuch geworfen. Der renommierte frz. Dirigent hatte Roberto Alagna eines skandalösen Verhaltens bezichtigt, Alagna wäre während der Proben kindisch, kapriziös und nicht professionell gegenüber den Sängerkollegen, den Orchestermusikern, den Choristen und den Technikern gewesen. Und er wäre zweimal zu spät zu den Proben gekommen. Alagna repliziert im Le Figaro, dass das zu spät kommen auf die Verkehrsverhältnisse in Paris zurückzuführen gewesen sei, und im Übrigen der Gesundheitszustand des Maestro so angeschlagen wäre, dass in Wahrheit Lombard Proben abgebrochen oder abgesagt hätte. Neuer Zornausbruch des Chefs aus Straßburg, der in „France Inter“ die Verleumdungen und Lügen Alagnas anprangert und die künstlerischen Divergenzen mit einem Sänger betont, der bei fast jeder Probe das Konzept ändert. Eine für die Opera de Paris in höchstem Maß schädliche Angelegenheit.

Alain Altinoglu springt kurzfristig für den verärgerten Lombard ein. Sicherlich ein (viel)versprechender Musiker, dem aber die Musik seltsam am eher hektisch geführten Stab kleben bleibt. Schöne Legatophrasen wechseln ab mit erschreckenden Löchern im musikalischen Fluss wie in einem überdehnten Teig und rythmischen Wacklern mit der Bühne, insbesondere dem Chor (Einstudierung: Patrick Marie Aubert).

Merker-Mitarbeiter Udo Pacolt begab sich wieder auf Raritätensuche und wurde wie gewohnt fündig. Haben Sie schon einmal von "Das Fürstenkind" (Operette von Franz Lehar) gehört? Ich nicht! Pacolt sah die Premiere dieser Operette in Leipzig.
Tags zuvor war Pacolt in Dresden, um sich in der "kleinen szene" die Premiere von Karl Amadeus Hartmanns "Simplicius Simplicissimus" anzuschauen.
Beide Berichte sind online!

In Wien sang Matthias Goerne im "Philharmonischen " unter Christoph Eschenbach aus Mahlers "Des Knaben Wunderhorn". "Die Presse" (Autor nicht angeführt) schreibt: So verstieß man also im Abonnementkonzert Nr. 1 2011/12 gegen geheiligte Traditionen. Auch hat man ja noch nie einen Sänger engagiert, um elf Mahler'sche „Wunderhorn“-Gesänge ohne Unterbrechung zu singen. Abgesehen von der Durchhaltekraft Matthias Goernes: Auch die schönste Stimme kann die Aufmerksamkeit des Publikums nicht 60 Minuten lang fesseln – zumal, wenn sie in der Tiefe doch schwächer tönt, als das Mahlers Musik zuträglich ist, und wenn sie von den Philharmonikern mit einer undifferenzierten, nur – und das ohne jeden Geschmack – in Richtung von larmoyanten Ritardandi differenzierten Einheitssauce überdeckt wird.

Christian Thielemann ist künftig mit "Herr Doktor" anzusprechen.

Sichtlich bewegt war der 51-jährige Pultstar von der hohen Auszeichnung, die ihm zuteil wurde: Seit Freitag zählt er zu dem erlesenen Kreise der Ehrendoktoren an der Hochschule für Musik "Franz Liszt".

Dabei hat er selbst nie eine Universität besucht. Studiert hat Thielemann, der designierter Chef der Staatskapelle Dresden und künftig Leiter der Salzburger Osterfestspiele ist, vielmehr an den deutschen Musiktheatern. Bereits mit 19 Jahren wurde der Karajan-Protegée Korrepetitor an der Deutschen Oper Berlin und avancierte nach Stationen in Gelsenkirchen, Karlsruhe und Hannover 1988 zum damals jüngsten Generalmusikdirektor Deutschlands in Nürnberg. Heute gehört er zu den gefragtesten und schillerndsten Persönlichkeiten seines Fachs und gilt als exzellenter Interpret der Musik Richard Wagners - nicht nur in Bayreuth - und Richard Strauss' - zuletzt in Salzburg. Dabei ist sein Repertoire ungewöhnlich auf das klassisch-romantische Repertoire konzentriert. Diese Information stammt aus der "Ostthüringer Zeitung".

Das Orchester der Bayerischen Staatsoper spielte für den Papst

Auszug aus "Welt-online": Das Orchester der Bayerischen Staatsoper hat am Samstag zum ersten Mal im Vatikan für Papst Benedikt XVI. gespielt. Der Papst dankte dem Orchester und der Audi Jugendchorakademie für das Konzert. "Die glänzende Aufführung von zwei Hauptwerken Bruckners, das "Te Deum" und die "Symphonie Nr. 9", hat uns in die tiefgründige Musik dieses großen Komponisten eintauchen lassen", sagte er. Dem Generalmusikdirektor der Staatsoper, Kent Nagano, fehlten nach der Aufführung in Rom beinahe die Worte. "Nach dieser Erfahrung ist es schwer, zu sprechen", sagte er. "Wir haben alle etwas Besonderes gefühlt heute."

Das Konzert fand im Großen Audienzsaal statt. Mit 3000 Besuchern war dieser jedoch nur zur Hälfte gefüllt!

Samstag pilgerten vie Wiener Opernfreunde nach Ternitz. In der dortigen Stadthalle veranstalteten die "Amici del Belcanto" unter ihrem rührigen Chef Michael Tanzler eine konzertante Aufführung von Verdis "Attila". Zwei Rezensionen stehen online, ein Foto von Alberto Gazale und dessen Hund "Pippo" (anderen Quellen zufolge heißt der Hund "Bart", nach Bart Simpson. Vielleicht ist unserer Rezensentin, die ein Fan von Giuseppe di Stefano war, da ein "Freud'scher Verschreiber" passiert) finden Sie in unseren Tagesinfos! !

Damian Kern besuchte Prag und informiert uns über zwei Vorstellungen von ziemlich unterschiedlichem Niveau. Über "Aida" an der Nationaloper urteilt er ziemlich hart: Auf der Bühne jedoch wirkt das Personal überfordert, ausrangiert oder unbegabt.

Versöhnt hat Mozarts "Le Nozze di Figaro" am Ständetheater: Getragen wird sie Szene von den guten bis grandiosen Sängerdarstellern an diesem Abend.

Adam Plachetka

Schwärmen kann man nur von Adam Plachekta in der Titelrolle. Der Rezensent kann sich nicht erinnern, je eine so durchdachte, vorwitzige, mitreißende und kluge Gestaltung dieses Figaro gesehen zu haben. Und auch stimmlich bleibt bei einer voll auf dem Atem strömenden, vielfarbigen, tragfähigen und hochmusikalischen Bass-Bariton-Stimme kein Wunsch offen. Das wächst ein ganz Großer heran, den auch andere schon entdeckt haben.
Seine Partnerin Susanna, Katerina Knezikova, kann fast mithalten. Ihren leichten Sopran setzt sie gewinnend ein und spielt ihren Part anmutig und lebhaft.

Also haben wir einen Bass-Bariton entdeckt! Doch halt, den kennen wir doch schon. Plachetka gehört dem Ensemble der Wiener Staatsoper an und ist eine positive Entdeckung von Dominique Meyer. Wahrscheinlich hatte unser Herr Direktor doch berechtigt den Vorsitz beim "Neue Stimmen"- Wettbewerb inne!

Hin und wieder will man in der Operettenmetropole Baden unter Beweis stellen, dass man auch große Oper auf die Bühne des Stadttheaters zu stellen imstande ist. So auch mit Charles Gounods "Faust", der am Samstagabend in einer ausladenden Inszenierung des Hausherrn Robert Herzl zur Premiere gelangt ist. Viel Applaus nach dreieinviertel Stunden Spieldauer. In der "Kleinen Zeitung" finden Sie eine Kurzkritik.

Olivier Tambosi will in Linz "amüsieren und unterhalten"!

Amüsieren und unterhalten sollen sich die Leute, sagt Olivier Tambosi, Regisseur bei Emmerich Kalmans Operette „Gräfin Mariza“, die am Samstag, 29. Oktober Premiere im Landestheater Linz hat.

Tambosi (* 1963) hat „eine große Liebe zur Operette. Ich bin in Wien aufgewachsen, und daheim im Radio waren die Operetten-Melodien zu hören, gesungen von Rudolf Schock, von Fritz Wunderlich usw.“. Er will die „Mariza“ mit dem Verständnis für jene Zeit, in der sie entstanden ist, zeigen: 1924 in Wien uraufgeführt. „Damals waren viele verarmt, nur wenige konnten die so genannten Goldenen 20er Jahre genießen.“ Er lässt alles mit der „Atmosphäre dieser Zeit“ ablaufen. Und will „eine beschwingte Tanzoperette zeigen.

Schauspielhaus Graz: Gekränkte Soldatenehre kann antiquiert auf die Bühne kommen. Nicht so in der Grazer Neuinszenierung der "Minna von Barnhelm", zuletzt 2002 am Schauspielhaus. Ein kurzweiliges Lustspiel. Das ist ein Auszug aus der "Kleinen Zeitung".

Auftakt am Düsseldorfer Schauspielhaus: Falk Richter bringt Michel Houellebecqs Roman
„Karte und Gebiet“ beflissen und einfallslos auf die Bühne

Auszug aus der "Frankfurter Allgemeinen": In einer Videosequenz, die Houellebecqs Beerdigung zeigt, taucht Staffan Valdemar Holm, der neue Düsseldorfer Generalintendant, kurz als Pfarrer auf. Doch der Beistand, den er jetzt braucht, kommt nicht von oben. Der Hoffnungsträger aus Schweden hat mit seiner "Hamlet"-Inszenierung, die als Eröffnungspremiere angesetzt war und, da die Sanierung des Großen Hauses nicht rechtzeitig fertig wurde, um drei Wochen zurückgestellt werden musste, etwas geradezurücken. Denn Falk Richter, den er als Hausregisseur verpflichtet hat, setzt mit "Karte und Gebiet" ein falsches Signal: Ein Auftakt, der die Berliner Schaubühnen-Ästhetik von vor zehn Jahren recycelt, kann kein Neubeginn sein.

Motorrad-Weltmeister Marco Simoncelli ist tot. Der Vater, die Freundin und die Mutter des Rennfahrers mussten dessen Todessturz miterleben!

Die Rennfahrer-Kollegen verkrochen sich geschockt in die eigene Box, auf dem Sepang International Circuit herrschte nach dem Horrorunfall lähmendes Entsetzen. Der ehemalige Motorrad-Weltmeister Marco Simoncelli ist tot. Der Italiener starb am Sonntag noch an der Strecke, nachdem er beim MotoGP-Lauf in der zweiten Runde gestürzt und von Colin Edwards (USA) und Valentino
Rossi (Italien) überrollt worden war. Nur Stunden vor der Trauerfeier für den eine Woche zuvor tödlich verunglückten Indycar-Piloten Dan Wheldon wurde der Motorsport damit erneut von einer Schreckensnachricht erschüttert. Simoncelli wurde 24 Jahre alt. (Auszug aus "Münchner Abendzeitung")

Wir verneigen uns auch vor den Opfern der Erdbebenkatstrophe in der Türkei.

Trotzdem, einen schönen Tag wünscht

A.C.
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DIENSTAG, 25.OKTOBER 2011

"Don Carlo" in Berlin. Inszenierung: Marco Arturo Marelli. Massimo Giordano (Carlo), Lucrezia Garcia (Elisabetta). Foto: Barbara Aumüller im Auftrag der Deutschen Oper Berlin

"Merker"-Rezensentin Ursula Wiegand" schreibt: Graue Betonblöcke beherrschen die Bühne. Durch ihr automatisches Hin- und Herschieben verändert sich das Bild um einige Nuancen, bleibt aber im Grunde gleich. Die freien Spalten zwischen den Blöcken bilden stets ein Kreuz. Wer hier sein Dasein verbringt, lebt in einem Gefängnis und unter dem Kreuz der Inquisition, selbst König Philipp II. Wer sich dem Zwang im Zeichen des Kreuzes nicht beugt, riskiert Leib und Leben.

Regisseur Marco Arturo Marelli verwirklicht mit diesem düsteren Umfeld den bedrückenden Eindruck, den der Escorial, diese Trutzburg für Thron und Altar, auf Giuseppe Verdi bei seiner Spanienreise gemacht hatte. Nach dieser Erfahrung widmete sich Verdi diesem Sujet, das er vorher abgelehnt hatte. 20 Jahre rang er darum, Friedrich Schillers „Don Karlos“, der den Librettisten Joseph Méry und Camille Du Locle als Vorbild diente, auf angemessene Weise zu vertonen.

"Halloween" an der Deutschen oper? Nein, es ist die Ketzerverbrennung in "Don Carlo

Die "Berliner Zeitung malt ein Szenario, das bewusst vermieden wurde: Wenn ein Hans Neuenfels den Großinquisitor oder die Ketzerverbrennung inszeniert hätte, die Deutsche Oper hätte vermutlich die nächste Produktion im Repertoire, die man aus Terrorangst schnell wieder verstecken würde wie seinerseits den „Idomeneo“.

Marelli dagegen schiebt die Ketzerverbrennung im dritten Akt weit in den Hintergrund, roter Flammenschein dringt davon als freundlich verharmlosende Beleuchtung nach vorn, wie er ohnehin diese eigentlich weit aufgerissene Massenszene eher in der Nahaufnahme hält. Die von Verdi hinzugefügte, tröstliche „Stimme vom Himmel“ gehört hier einer jungen Mutter, bestrickend klar gesungen von Kathryn Lewek, der die Schergen der Kirche das Kind aus der Hand reißen. Na immerhin.

Prinzipiell geht es Marelli jedoch weniger um die Gewalt nach außen, als um die Verheerungen im Inneren...

Nun noch zur "Berliner Morgenpost: Nun – das Werk wurde nicht für Italien, sondern für die Pariser Oper komponiert, die auf treuer Gefolgschaft zu Meyerbeers Grand Opera bestand. Er inhaftierte sein Publikum gern über viele Stunden hin in der Oper und fütterte es dort gelassen musikalisch ab. Damit hatte der geborene Musikdramatiker Verdi, je älter er wurde, desto weniger im Sinn. Auch neigte er mehr denn je zur musikalischen Charakterzeichnung. Der „Don Carlo“ schiebt eine außerordentliche, unverwechselbar eigenwillige Reihe von Figuren an die Rampe, die jede auf ihre eigene Weise ihre Seelenleben hinter der repräsentativen Fassade enthüllen. Jeder lebt auf seine eigene Weise, und jeder stirbt oder leidet auf seine eigene Weise an ihr.

Es fragt sich nun freilich, wie authentisch das Schlussbild wohl sein mag, das man bislang nie zu sehen bekam. Es stülpt dem Drama geradezu das bislang strikt gemiedene schmierige Operntheater über, das Verdi regelrecht mit Besessenheit zu meiden versucht hatte. Es macht die vorangegangene Oper mit all ihrem Ernst, ihrer politischen Geständnisfreudigkeit, ihrer Neuheit geradezu lächerlich. Jammerschade

Gesungen wurde recht ordentlich, mit Ausnahme der obligaten "Buhs" gegen das Inszenierungsteam gab es freundliche Zustimmung seitens des Publikums.

Mittwoch steht an der Wiener Staatsoper die Premiere eines Ballettklassikers an:

Pierre Lacotte hat choreografiert und zeigt sich vom Wiener Staatsballett begeistert

Der Standard bringt eine Vorschau auf die Premiere: Für die heutige Ballerina ist die Rolle der Sylphide schwer zu tanzen. "Der romantische Stil ist eines, aber das Immaterielle zu tanzen, ist sehr schwer. Man muss verstehen, dass sie nicht da ist, dass sie ja nur ein Schatten ist. Das Wichtigste ist der Stil, die Seele, die Emotion. Wenn große Werke erfolgreich sind, dann nur, weil es einen inneren Reichtum gibt, weil sie psychologisch und spirituell sind."In Wien ist Irina Tsymbal die ideale Besetzung, und Lacotte zeigt sich vom Wiener Staatsballett insgesamt begeistert: "Manuel Legris hat eine unglaubliche Arbeit geleistet. Er hat eine Metamorphose gemacht, man erkennt die Truppe nicht wieder. Ich bin sehr glücklich und bin stolz auf ihn."

Ihre Peinlichkeit, Karina Sarkissova, scheint wieder nicht in der Besetzungsliste auf. Die Dame geht aber wenn ich einer Info Glauben schenken darf, nicht bei vollen Bezügen anderen Tätigkeiten nach. Nach einer Zeitungsmeldung im September hat sie aber um Karenzierung angesucht (also keine Auftritte und keine Bezahlung), damit sie genug Zeit für ihre Zweitkarriere als Fernseh-Lady hat.
Ob das klug von ihr ist, steht in den Sternen. Sie war zwar keine Prima-Ballerina = erste Solistin, sondern nur eine von vielen Solistinnen, aber doch eine gute, ausdrucksstarke Tänzerin, die noch viele Jahre lang eine Karriere als Tänzerin gehabt hätte, während ihr Glanz als Society-Lady wohl schnell verblassen wird. Und was macht sie dann?.

Aber den Steuerzahler kostet sie, wenn ich richtig informiert bin, nichts.

Ihren (ehemaligen?) Chefs ist sie längst über den Kopf gewachsen, woran diese selbst schuld sind! Im ORF ist sie augenblicklich eine ganz große Nummer, weil sie kaum eine Geschmacklosigkeit auslässt. Bei der Sendung "Das Supertalent" waltete sie als Jurorin ihres Amtes und sagte dort einem in Frauenkleidern auftretenden Mann, der als bärtige Frau dort Furore macht, dass sie ein Kind von ihm/ihr will! Gegen die Sarkissova ist die vielgescholtene Katzenberger eine Intellektuelle!

In Brüssel inszenierten La Fura dels Baus Ensecus "Oedipe". La Monnaie ist zu einem hochinteressanten Opernhaus geworden, was sich auch in dem von der "Opernwelt" eigenmächtig verliehenen Titel "Opernhaus des Jahres" niederschlägt. Die "Welt-online" beschäftigt sich eingehend mit "La Monnaie": Doch schon jetzt fällt in Brüssel - wo man auch hart sparen muss - die intelligente und ungewöhnliche Kombinatorik von Stücken und Besetzungsteams auf. La Fura dels Baus lieferten hier eine ihrer besten Arbeiten; Regisseure, die neu für Belgien sind, glänzten, etwa Andrea Breth, Olivier Py oder Stefan Herheim; dem Novizen Romeo Castellucci und selbst dem qualitätsschwankenden Krszystof Warlikowski gelangen hier besonders starke Arbeiten. Mit seinen 43 Millionen Euro Etat schafft Peter de Caluwe einen bemerkenswert dichten, viele Querbezüge aufweisenden Stagione-Spielplan, der auch die Konzerte dramaturgisch eng mit in seine konzeptionelle Struktur einbindet.

"The Sound of Music" am Salzburger Landestheater

"Drehpunkt Kultur" besuchte die Premiere: „Sound of Music“ in Salzburg, stimmiger geht es nun wirklich nicht. Es ist ungefähr wie Pizza essen in Neapel. Oder gekillt werden in der Bronx. Hoch gepokert hat Intendant Carl Philip von Maldeghem, indem er dieses "vorbelastete" Musical ins Programm genommen hat. Mit dieser Aufführung hält er dafür jetzt den Royal Flash in der Hand.
Frühere Intendanten haben sich vor dem Kitsch in diesem Musical gefürchtet - und wohl auch davor, durch dessen Ansetzung intellektuell herabgestuft zu werden - wie bei einer Rating-Agentur! Dabe ist "Trapp in Salzburg" eine todsichere Bank - gemeint ist natürlich nur das Musical, denn "Trapp in Salzburg ist bereits einmal glorios gescheitert. Aber das wissen nur die Fußballfreunde, denn Giovanni Trappatoni hat mit den "Bullen" seinerzeit keine Bäume ausgerissen!

Allein 300 000 US-Amerikaner besuchen jährlich Salzburg nur wegen dieses "Edelweiß-Films". Die Reiseleiter und Fremdenführer sind nervlich an der Grenze der Belastbarkeit angelangt und plädieren auf Frühpension. US-Reisegäste aus Sightseeingstour sind angeblich so ziemlich das schlimmste, das passieren kann.

Der Brünner Operndirektor Rocc (er gebraucht immer diesen Künstlernamen), der erfolgreich die Operndirektion in Brünn gemacht hat, dazu noch einige bemerkenswerte Inszenierungen, so z. B. zuletzt die phantastische LA DAFNE nach Jacopo Peri, ist als Operndirektor nach Prag berufen worden. In Prag werden ab 1. 1. 2012 die beiden Opernhäuser zu einer Institution vereinigt (die Staatsoper und das Nationaltheater mit dem Ständetheater als Annex). Zwei Ensembles zu einer Einheit zu führen, wird keine leichte Aufgabe sein. Diese Info stammt von unserem nahe der tschechischen Grenze als katholischer Pfarrer waltenden Mitarbeiter Martin R. Botz!

In Brünn ist noch nicht entschieden, welche Maßnahmen die Stadtverwaltung zwecks Einsparungen in der Oper wirklich beschließen wird.

Was sollen wir viel herumreden, schauen wir uns ein Kurzvideo von Hansgünter Heymes "Ludwigshafener Walküre" an. Die dortige Presse bezeichnet Heymes Inszenierung als Gradios!

Zum Video
Dr. Ingobert Waltenberger, österr. Finanzattaché in Paris, berichtet über "Faust" und ein Privatduell Roberto Alagna gegen Alain Lombard an der Bastille-Opéra, bei dem der Dirigent letztlich das Handtuch warf.

Ist sich keiner Schuld bewusst: Roberto Alagna

Wobei wir beim Dirigenten der Aufführung und einer „Affaire Dirigent gegen Tenor“ angelangt wären. Der ursprünglich vorgesehene Altmeister Alain Lombard, der nach 23 Jahren Absenz von der Opera de Paris sein Comeback hätte feiern sollen, hatte 6 Tage vor der Premiere das Handtuch geworfen. Der renommierte frz. Dirigent hatte Roberto Alagna eines skandalösen Verhaltens bezichtigt, Alagna wäre während der Proben kindisch, kapriziös und nicht professionell gegenüber den Sängerkollegen, den Orchestermusikern, den Choristen und den Technikern gewesen. Und er wäre zweimal zu spät zu den Proben gekommen. Alagna repliziert im Le Figaro, dass das zu spät kommen auf die Verkehrsverhältnisse in Paris zurückzuführen gewesen sei, und im Übrigen der Gesundheitszustand des Maestro so angeschlagen wäre, dass in Wahrheit Lombard Proben abgebrochen oder abgesagt hätte. Neuer Zornausbruch des Chefs aus Straßburg, der in „France Inter“ die Verleumdungen und Lügen Alagnas anprangert und die künstlerischen Divergenzen mit einem Sänger betont, der bei fast jeder Probe das Konzept ändert. Eine für die Opera de Paris in höchstem Maß schädliche Angelegenheit.

Alain Altinoglu springt kurzfristig für den verärgerten Lombard ein. Sicherlich ein (viel)versprechender Musiker, dem aber die Musik seltsam am eher hektisch geführten Stab kleben bleibt. Schöne Legatophrasen wechseln ab mit erschreckenden Löchern im musikalischen Fluss wie in einem überdehnten Teig und rythmischen Wacklern mit der Bühne, insbesondere dem Chor (Einstudierung: Patrick Marie Aubert).

Wenn die jüngste Ausstellung im Belvedere es unternimmt, die Werke und geistigen Welten von Gustav Klimt und Josef Hoffmann zusammen zu führen, dann ist es nicht mit Gemälden hier, Objekten dort getan. Beide Künstler waren dem secessionistischen Credo des „Gesamtkunstwerks“ verpflichtet. Sie haben, was man in diesem Ausmaß nicht wusste, oft zusammen gearbeitet. Die Wiener Ausstellung schafft es, in einer Stadt, wo man meinte, das meiste über diese beiden Ikonen der vorigen Jahrhundertwende zu wissen, neue Erkenntnisse zu transportieren – und auch in neuer Form. Die Nachgestaltung von Räumen und Gebäuden, die der Dreidimensionalität der Architektur huldigen, geben dieser Exposition ihren besonderen, unverwechselbaren und absolut faszinierenden Umriss.

So leitet Heiner Wesemann seinen Bericht über die Ausstellung ein! Lesen Sie weiter in unseren "Kritiken"!

Morgen, am Nationalfeiertag, startet der ORF seinen neuen Kultursender (auch einen neuen Sportsender gibt es). Ab 14 h sind sie dabei. Gestartet wird übrigens mit dem Salzburger "Unterwäsche-Don Giovanni" aus 2006!

Dafür sind die "Borgias" im ORF heute bei der letzten Folge angelangt.

Viel nackte Haut bei den "Borgias"

Lucrezia Borgia kommt in der Geschichtsschreibung schlechter weg, als sie tatsächlich war. Der "Welt-online" hat das keine Ruhe gelassen und sie tritt zu einer Ehrenrettung an: Dass sie nicht nur eine hochattraktive und erfahrene Frau, sondern auch eine höchst versierte Regentin erhielten, dafür hatte der Papst gesorgt. Als er sich daran machte, die Güter seiner römischen Feinde einzuziehen, ließ er Lucrezia einmal mehr als seine Stellvertreterin im Vatikan zurück. Tiefer, so wird es wohl den Kirchenfürsten erschienen sein, konnte der Vatikan nicht mehr sinken. Eine strahlend schöne Frau und Mutter, von der es hieß, sie feiere mit ihrer Familie Orgien und deren Bruder eine einzige Blutspur hinterließ, leitete das Konsistorium der Kardinäle. Aus frivolen Fantasien und abgrundtiefem Hass wurden Gerüchte mit dem Segen der Kirche.

Als Lucrezia Anfang 1502 schließlich nach Ferrara aufbrach, zwang ihr Vater alle Kardinäle, ihr bis zum Stadttor das Ehrengeleit zu geben. Während Cesare das Aufbegehren gegen die Borgia-Herrschaft in Latium und Rom in der Folge in Blut ertränkte, wandelte sich die neue Fürstin von Ferrara zu einer Heiligen. Sie gebar acht Kinder, förderte Künstler und Wissenschaftler und erwarb sich durch ihre Fürsorge für Arme und Kranke geradezu den Ruf einer Heiligen.

Lucrezia Borgia
Als Lucrezia aber 1519 im Kindbett starb, war sie eine hochgeachtete Familien- und Landesmutter. Doch ihr wirkliches Leben war längst von der unheimlichen Geschichte ihrer Familie verschlungen worden und den monströsen Bildern, die ihre Gegner davon zeichneten.

Die Rechnung aber präsentierte kurz darauf ein Theologe in Wittenberg. 14 Jahre nach Alexanders VI. Tod forderte Martin Luther lautstark die Reformation des offensichtlichen Sündenpfuhls, der sich Kirche nannte.

Volker Reinhardt: Die Borgia. Geschichte einer unheimlichen Familie. C. H. Beck, München. 128 S., 8,95 Euro.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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MIITWOCH, 26. OKTOBER 2011
Bolschoi-Theater Moskau: Freitag wird eröffnet, "Arte" überträgt. Die Karten werden mit bis zu 50.000 (!!!) Euro gehandelt. Foto: Wolfgang Aggle

Zutritt zur Gala zur Wiedereröffnung nach der Renovation des Moskauer Bolschoi Theaters gibt's nur auf persönliche Einladung. Das hindert Händler nicht daran, Eintrittskarten für bis 50'000 Euro für den Megaevent anzubieten.

Anm. der Redaktion: Diese 50.000m Euro nennt "Codex flores" - ich habe nicht falsch zitiert! Aber wenn man Russen im Casino beobachtet (ein Tipp, vor 2 h früh sind im Casino nur so Kleinkrämer wie ich), glaubt man ohnehin, dass in diesem Land das Geld abgeschafft wurde!

Laut «Moskau News» zeigt sich der russische Kulturminister Alexander Avdeyev besorgt über den Handel unter der Hand, der mit den Enitrttskarten offenbar getrieben wird. Zutritt zur Gala gebe es nur auf persönliche Einladung. Ein Onlinehändler erklärt, er habe gehofft, es werde ein Kontingent an frei verfügbaren Eintritten geben. Dies sei aber offenbar nicht der Fall. Verwirrung gibt es offenbar auch zur Frage, wer die Ticketvergabe organisiert.

Während die Pressestelle des Bolschoi-Theaters erklärt, dies erledige das Büro des russischen Präsidenten, erklärt letzteres, man sei bloss im Besitz der Karte für Präsident Medwedew. Auch zur Frage, wer die Gästeliste betreue, gibt es widersprüchliche Angaben.

Die Gala vom 28. November wird von verschiedenen Fernsehkanälen ausgestrahlt und in Kinosäle rund um den Globus direkt übertragen.

Diese Info stammt aus "Codex flores". Ich wurde darüber informiert, dass auch "Arte" überträgt (Freitag, 28.10.). Genaues weiß ich noch nicht, nur dass ich keine 50.000 Euro springen lassen würde!

Gerlinde Ciganec nennt uns die exakten Termine: die genauen Programmdaten von ARTE findet man im Internet unter: www.arte.tv.de Die Übertragung am Freitag beginnt um 20.15 Uhr und dauert bis 22.05 bzw. 22.10.

Gerüchte besagen, dass auch "Ruslan und Ludmilla" übertragen wird (13. und 14.11. zweigeteilt). Das ist die Oper mit der tollen Ouvertüre! Ich bemühe mich, die Termine zu erfahren und natürlich an dieser Stelle zu veröffentlichen!

Und schon hat A. Thien reagiert und für uns die Termine erfragt:

Hier sind die Daten für die Sendung der Oper "Ruslan und Ludmilla" bei ARTE. Gesendet wird eine Aufzeichnung in zwei Teilen. Der erste Teil am 13.11. von 14.00 Uhr bis 16.05 Uhr, der zweite Teil am 14.11.
von 22.50 Uhr bis O.10 Uhr. Besetzung: Ludmilla (Albina Shagimuratowa) - Großfürst Swjetosar (Waladimir Orgnovenko) - Ritter Ruslan (Mikhail Petrenko). Regie führt Dimitri Tcherniakov

Freudige Überraschung: Der "Thielemann-Ring" wird auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Start ist am 1. November mit "Das Rheingold"

Ich habe keine Ahnung, ob die Augenärztin, die überraschend ins Ausland musste, ihre Ring-Logenkarten um je 300 Euro an den Mann gebracht hat. Im Vergleich zu den oben genannten Bolschoi-Preisen sind diese Karten jedoch echt Schnäppchen! Trotzdem war dieser Ring bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsstart restlos ausverkauft, angeblich kamen keine Karten zu den Kassen. Darob herrschte bei uns einige Aufregung!

Vor einigen Wochen hat nun Renate Wagner an dieser Stelle vorgeschlagen, den "Ring" auf die Leinwand seitlich der Oper (Karajan-Platz) zu übertragen, wie das mit vielen Vorstellungen im April, Mai, Juni und September geschieht. Ich verwies das in das Reich der Utopie, habe es aber dennoch an die Staatsoper herangetragen. Renate Wagner ist nun mächtig stolz, dass ihre Idee umgesetzt wird, wenngleich wir nicht so arrogant sind zu glauben, dass dies nur wegen uns geschieht. Soll doch derjenige die Lorbeeren ernten, der unabhängig von uns auch diese Idee und die Möglichkeit zur Durchführung hatte! Wichtig ist, dass die kostenlose Möglichkeit zur "Ring-Besichtigung" besteht!!

Nun müssen Wiens Opernfreunde und die zahlreichen Wagnerianer unter ihnen aber auch ihren Beitrag leisten und das Angebot auch annehmen, denn sonst wird die Sache zum (von mir befürchteten) Flop. Mit den Touristen ist da eher nicht zu rechnen, die frieren sich nicht einige Stunden lang im November den Arsch ab, das müssen schon wir Wiener tun! Wir werden alle Vorstellungen bewerben, diese gute Idee verdient, dass sie auch entsprechend honoriert wird. Zeigen Sie nun Ihre echte Begeisterung - und hoffen wir alle auf erträgliches Wetter!

Elena Habermann hat einen weiteren Tipp bzw. eine Frage/Anregung: Na hoffentlich gibt es einen Glühweinstand und einen Maroni- und Wurstbrater.
Sonst drehen die im Cafe durch, da kann man sichs allerdings im Warmen geben.

Heute hat an der Wiener Staatsoper das Ballett "La Sylphide" Premiere. Roman Lazik und Irina Tsymbal. Foto: Barbara Zeininger

Am Mittwoch hat an der Wiener Staatsoper Filippo Taglionis "La Sylphide" in der Choreografie von Pierre Lacotte Premiere. Ein romantisches Ballett, das lange vergessen war, ehe es Lacotte (jetzt in der Einstudierung von Ballettchef Manuel Legris) wieder auf die Bühne gebracht hat. Für Legris ein "weiterer Baustein im Repertoire".

Diese Kurzinfo stammt aus dem Kurier, der auch eine Fotostrecke anbietet. Aber unsere Fotografin Barbara Zeininger war auch zur Fotoprobe geladen, wir veröffentlichen bereits heute in den Tagesinfos die ersten Fotos, weitere folgen in den nächsten Tagen und einige werden auch in unserer Fotogalerie unter den Balletfotos Platz finden

Anna Smirnova: Die "Eboli" in Berlin wurde zum persönlichen Triumph!

Dass Marco Arturo Marelli in Berlin bei "Don Carlo" (Premiere vergangenen Sonntag an der Deutschen Oper) nicht viel "anstellen" würde, war klar. So beschränkte sich das Hauptinteresse auf die Sänger - und bei denen ragte Anna Smirnova noch besonders hervor. Die "Frankfurter Allgemeine" widmet ihr eine Hymne: Die Moskauer Mezzosopranistin Anna Smirnova hat den Abend zu ihrem Triumph gemacht und in einem echten Drama der Stimme den Weg der Prinzessin Eboli in allen Höhen und Tiefen plastisch beschrieben: Da ließ sie die Koloraturen frivol gluckern in jenem maurischen Lied, das die Ehre der Königin von Spanien in den Schmutz zog; da ließ sie als Intrigantin weißglühende Funken sprühen gegen den Infanten Don Carlos und seinen Freund Posa. Und dann war sie schließlich auch noch fähig zum großen Pianissimo des zerschlagenen Herzens, auf den Knien vor Königin Elisabeth, bis sie ihre eigene Schönheit verfluchte, vom hohen Ces hinabstürzend zum tiefen, zwei Oktaven darunter. Eine ganz ungewöhnliche Stimme war da zu bestaunen: ein hell und brillant timbrierter Mezzo, leichtgängig in den Verzierungen, ebenso raffiniert wie zur frontalen Attacke fähig, eisig kalkulierend und dann in ungepanzerter Wärme sich verströmend. Dass der Regisseur diese Eboli sich schließlich - als Liebesbeweis für den verlorenen Carlos - an die Spitze der Bewegung gegen Spaniens König Philipp II. stellen ließ, hätte zu einem äußerlichen Einfall missraten können, wenn Anna Smirnova diesen Weg nicht so eindrucksvoll durch ihren Gesang beglaubigt hätte!

Aleksandra Kurzak feiert in ihrer Heimat ein Triumph als "Lucia" - und bewirbt ihr neues Album

Aleksandra Kurzak, bereits auf den internationalen Opernbühnen zwischen New York, London, Wien und Verona bestens bekannt, konnte mit ihrem Decca-Debütalbum „Gioia!“, welches vor kurzem in ihrer Heimat veröffentlicht wurde, binnen Wochenfrist eine Goldene Schallplatte für sich reklamieren. Quasi als Dankeschön für diesen Enthusiasmus ihrer Landsleute und um auch im eigenen Land präsent zu sein, setzte das Management des Warschauer Teatr Wielki kurzfristig drei Aufführungen von Donizettis „Lucia di Lammermoor“ aufs Programm – eine der aktuellen Paraderollen von Aleksandra Kurzak. Die Sopranistin machte aus der dezent überholten Inszenierung, welche eigentlich schon längst im Fundus eingemottet worden war, eine veritable One-Woman-Show und legte damit den Grundstein für einen Erfolg, der alle Vorschusslorbeeren rechtfertigte und am Ende zu einer alle (deutschen) Maßstäbe sprengenden „Kurzak-Feier“ wurde: Standing Ovations, nicht enden wollender frenetischer Applaus und zahllose Vorhänge, von dem Blumenmeer ganz zu schweigen, in welchem man die junge Sopranistin baden ließ! Ein beeindruckendes und zutiefst berührendes „Coming home“ für eine Künstlerin, welches am Ende auch an der Sängerin selbst nicht spurlos vorüber ging.

Lance Ryan singt am Sonntag den "Siegfried" in Frankfurt - und spricht über seine Rolle Klartext: "Siegfried ist eigentlich ein Trottel - wie Parsifal"

Ob aus Siegfried wirklich der vorbildliche Herrscher und Weltenretter geworden wäre, den Wotan in ihm sah, bezweifelt auch Lance Ryan. "Siegfried ist nicht fähig, Gut und Böse richtig einzuschätzen, dazu fehlt ihm die Erfahrung", meint der Sänger. "Hagens Vergessens-Trank ist nur ein Symbol. Siegfried sagt etwas zu, was er nicht tun sollte, aber er besitzt von seinem Charakter her nicht die Mentalität, nein zu sagen. Er ist eigentlich ein Trottel, der reine Tor, eine Fortsetzung von Parzival. Doch anders als für Siegfried kommt für Parzival das Erwachsenwerden und die Erkenntnis der wichtigen Werte im Leben nicht zu spät."

Oper Frankfurt, Premiere 30. Oktober, 17 Uhr. Weitere Aufführungen bis 28. Juni 2012, jeweils 17 Uhr. Karten unter Telefon (069) 212-49 494.
Internet http://www.oper-frankfurt.de

Lance Ryan spricht das aus, was ich mir längst denke, was man aber speziell in Kreisen von Wagneranerinnen nicht sagen sollte. Wie man glauben kann, dass dieses Würstchen für die Rettung der Welt auserkoren ist, war mir immer ein Rätsel! Wagner war ein echter Frauenfreund: starke Frauen, schwache Männer!

Diana Damrau. Montag ist "Hoffmann"-Premiere in München.

Der "Münchner Merkur" sprach mit der gefragten Sopranistin: Nur wenige haben sich bislang an dieses Experiment gewagt. Premiere ist am kommenden Montag im Nationaltheater. Constantinos Carydis dirigiert, die Titelrolle übernimmt Rolando Villazón, Richard Jones inszeniert.

Sind diese vier „Hoffmann“-Frauen mit ihrer großen vokalen Bandbreite ein Sprung ins kalte Wasser?

Schauspielerisch auf keinen Fall. Ich habe genügend Rollen im Repertoire, die das abdecken. Olympia habe ich außerdem vor zwölf Jahren in zwei Mannheimer Vorstellungen gesungen. Ich weiß also, wie sich ein Frauenautomat anfühlt. Insgesamt ist es aber schon spannend, das alles zusammenzusetzen.

Weil man sich vokal testet und schaut, wohin die Karrierereise geht?

Och, das eher nicht. Ich habe ja längst Rollen wie Olympia überholt. Auf jeden Fall ist es eine gute Vorbereitung für spätere „Traviatas“. „Hoffmann“ ist ein Ausflug in die Extreme, den ich einmal in meinem Leben unternehmen wollte.

Welche der Frauen verdient das meiste Mitleid?

Ich denke Stella. Sie will an der Beziehung zu diesem komplizierten Hoffmann arbeiten. Sie ist Sängerin, wird quasi in eine öffentliche Rolle gezwungen und muss auch abseits der Bühne gesellschaftliche Zwänge erfüllen, weil sich vielleicht VIPs mit ihr schmücken. Hoffmann hat mehr Zweifel als sie. Und sie muss sich am Schluss eingestehen: Es hat keinen Sinn.

Bei den Salzburger Kulturtagen wurde im Großen Festspielhaus "Madama Butterfly" gespielt. Stolz ist man seitens der Initiatoren darauf, dass man sämtliche japanischen Rollen mit Asiaten besetzen konnte - was angesichts des Angebotes keine große Kunst ist. Umgekehrt hielt man es kürzlich an der Wiener Staatsoper. Dort waren Butterfly und Suzuki mit Europäerinnen besetzt, dafür war der amerikanische Konsul ein Asiate!

In Bamberg, bei der Sommeroper, macht man es sich zum Anliegen, junge Sänger in deren schwierigem Beruf ein erstes Sprungbrett zu bieten. In Karlsruhe stellen Gesangsstudenten "Falstaff" auf die Bühne. Immer mehr junge Menschen drängen in diesen Beruf - und es sind eigentlich zu viele. Der Markt kann gar nicht so viele aufnehmen. Selbst in meinem Wohnhaus gehen Gesangsschüler aus und ein, für die ich nur hoffen kann, dass sie ihre Berufswahl nie bereuen! Das Geschäft mit dem Singen ist bereits ein lukratives geworden!

Für Kulturinteressierte ist heute ein historisches Datum. Der ORF eröffnet seinen Kultursender. Zur Feier des Tages wird "Don Giovanni" aus Salzburg (aus 2006) mit Thomas Hampson und viel Unterwäsche gesendet.

Ich wünsche einen schönen Tag! Merken Sie den "Ring" an der Wiener Staatsoper vor, die "Außenübertragung" braucht Quote. Wer bringt dafür mehr Verständnis auf, als ich?

A.C.
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DONNERSTAG, 27. OKTOBER 2011
La Sylphide". Ballettpremiere an der Wiener Staatsoper. Der Premierenbericht steht online! Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner besuchte die Premiere und fasst zusammen: Das Publikum gab sich am Ende sehr begeistert (wobei man sich noch eine Pointe beim Verbeugen einfallen ließ, als tatsächlich zwei „Lakaien“ in Barock-Montur den Vorhang aufhielten). Es sei erlaubt, dass man die an diesem Abend gewonnene Information über das unmittelbare Tanzerlebnis stellt.

Bolschoi-Theater /Innenraum. Morgen wird eröffnet

Auszug aus der "Berliner Zeitung": Die Renovierung hat die Spuren der Sowjetzeit getilgt. Am Giebel etwa prangt nun wieder der Doppeladler der Zaren, wo einst das Sowjetwappen hing. Alles soll so aussehen wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als das Gebäude seine jetzige Form erhielt. Damals baute der Architekt Alberto Cavos in Windeseile das Schauspielhaus wieder auf, das einem Brand zum Opfer gefallen war. Die Zeit drängte, denn das neue Haus sollte zur Krönung von Zar Alexander II. fertig sein.

Alberto Cavos war nicht der glänzendste Architekt seiner Zeit, aber er war ein Meister der Akustik. Der Sohn eines Opernkomponisten am Petersburger Hof entwarf den Saal des Bolschoi wie einen riesigen Geigenkasten. Im 19. Jahrhundert war die Akustik hier die beste der Welt, sagt Michail Sidorow von der Summa-Group, dem Generalunternehmer der Renovierung. Er sagt es im Saal selbst, wo die Besucher zwergenhaft klein wirken unter fünf Rängen und einer 20 Meter hohen Decke. Selbst der sechs Meter breite Lüster dort oben wirkt klein...

Die Akustik wurde ebenfalls nachgestellt - mit Fichtenholz. Wie gut sie ist, kann man erst bei vollem Haus feststellen!

Die Eröffnung des renovierten Bolschoi-Theaters wird auf "Arte übertragen. Die genauen Programmdaten von ARTE findet man im Internet unter: www.arte.tv.de Die Übertragung am Freitag beginnt um 20.15 Uhr und dauert bis 22.05 bzw. 22.10.

Aus dem Bolschoi-Theater sehen wir auf "Arte" auch "Ruslan und Ludmilla: Gesendet wird eine Aufzeichnung in zwei Teilen. Der erste Teil am 13.11. von 14.00 Uhr bis 16.05 Uhr, der zweite Teil am 14.11.
von 22.50 Uhr bis O.10 Uhr. Besetzung: Ludmilla (Albina Shagimuratowa) - Großfürst Swjetosar (Waladimir Orgnovenko) - Ritter Ruslan (Mikhail Petrenko). Regie führt Dimitri Tcherniakov


Barbara Frittoli ersetzt Elina Garanca in Mailand als "Donna Elvira".

Und weil wir schon bei TV-Übertragungen sind: auch die Eröffnungsvorstellung der Mailänder Scala, "Don Giovanni" - wird am 7.12,. (leicht zeitversetzt) übertragen: A. Thien übermittelte uns folgende Info: Am 7. Dezember wird die neue Saison der Mailänder Scala mit einer Neuproduktion von Don Giovanni eröffnet. Die Premiere wird von ARTE live (zeitversetzt) übertragen.
Die Besetzung ist vielversprechend: Peter Mattei (Don Giovanni), Anna Netrebko (Donna Anna), Barbara Frittoli (Donna Elvira), Anna Prohaska (Zerlina), Bryn Terfel (Leporello), Guiseppe Filianoti (Don Ottavio), Kwangchul Youn (Komtur), Stefan Kocán (Masetto).
Regie führt Robert Carsen, die musikalische Leitung hat Daniel Barenboim.

Jetzt hat es also Stefan Kocan sogar zu einer Mailänder Saisoneröffnung gebracht. Der Slowake ist wohl der prominenteste junge Sänger, der in Elena Habermanns "Merker-Kunstsalon" in der Döblinger Villa Wertheimstein sogar mehrmals zu Gast war. Er studierte in Wien bei Jewgenij Nesterenko, der ihm "die Rutschn" zu Habermann legte!

Freudige Überraschung: Der "Thielemann-Ring" wird auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen. Start ist am 1. November mit "Das Rheingold"

Ich habe keine Ahnung, ob die Augenärztin, die überraschend ins Ausland musste, ihre Ring-Logenkarten um je 300 Euro an den Mann gebracht hat. Im Vergleich zu den oben genannten Bolschoi-Preisen sind diese Karten jedoch echt Schnäppchen! Trotzdem war dieser Ring bereits vor dem offiziellen Vorverkaufsstart restlos ausverkauft, angeblich kamen keine Karten zu den Kassen. Darob herrschte bei uns einige Aufregung!

Vor einigen Wochen hat nun Renate Wagner an dieser Stelle vorgeschlagen, den "Ring" auf die Leinwand seitlich der Oper (Karajan-Platz) zu übertragen, wie das mit vielen Vorstellungen im April, Mai, Juni und September geschieht. Ich verwies das in das Reich der Utopie, habe es aber dennoch an die Staatsoper herangetragen. Renate Wagner ist nun mächtig stolz, dass ihre Idee umgesetzt wird, wenngleich wir nicht so arrogant sind zu glauben, dass dies nur wegen uns geschieht. Soll doch derjenige die Lorbeeren ernten, der unabhängig von uns auch diese Idee und die Möglichkeit zur Durchführung hatte! Wichtig ist, dass die kostenlose Möglichkeit zur "Ring-Besichtigung" besteht!!

Nun müssen Wiens Opernfreunde und die zahlreichen Wagnerianer unter ihnen aber auch ihren Beitrag leisten und das Angebot auch annehmen, denn sonst wird die Sache zum (von mir befürchteten) Flop. Mit den Touristen ist da eher nicht zu rechnen, die frieren sich nicht einige Stunden lang im November den Arsch ab, das müssen schon wir Wiener tun! Wir werden alle Vorstellungen bewerben, diese gute Idee verdient, dass sie auch entsprechend honoriert wird. Zeigen Sie nun Ihre echte Begeisterung - und hoffen wir alle auf erträgliches Wetter!

Elena Habermann hat einen weiteren Tipp bzw. eine Frage/Anregung: Na hoffentlich gibt es einen Glühweinstand und einen Maroni- und Wurstbrater.
Sonst drehen die im Cafe durch, da kann man sichs allerdings im Warmen geben.

Dass der Berliner "Don Carlo" eigentlich "nur für die Ohren" war, haben wir in dieser Woche bereits mehrmals gelesen.

Und dass es bei Operette schon sehr auf die Kostüme ankommt ("Ooh-Erlebnis"), wissen wir sogar, ohne es lesen zu müssen! "Die lustige Witwe" hat zu Silvester in Dortmund Premiere!

Die Berichte dazu finden Sie in der heutigen Presseschau!

Ich wurde dieser Tage gerügt, weil ich zu viel über Karina Sarkissova geschrieben habe. Liebe Leute, wenn Ihr in die Zeitungen schaut, findet Ihr noch viel mehr über die Tänzerin, von der die breite Öffentlichkeit glaubt, sie habe das Tanzen erst erfunden. In Wahrheit hat sie sich angeblich vom Wiener Staatsballett karenzieren lassen, damit sie ungestört ihren TV-Auftritten sowie allen gesellschaftlichen Einladungen nachgehen kann. So feierte Sie kürzlich ihren Geburtstag mit 100 Freunden und bekam als Geschenk einen extra für sie angefertigten BMW (angeblich mit Außenanschrift, damit man weiß, wer da gerade daherkurvt). Böse Zungen legen diese Beschriftung allerdings als Warnung aus, zumal Karina erst seit ein paar Wochen den Führerschein besitzt!

Lance Ryan singt am Sonntag den "Siegfried" in Frankfurt - und spricht über seine Rolle Klartext: "Siegfried ist eigentlich ein Trottel - wie Parsifal"

Ob aus Siegfried wirklich der vorbildliche Herrscher und Weltenretter geworden wäre, den Wotan in ihm sah, bezweifelt auch Lance Ryan. "Siegfried ist nicht fähig, Gut und Böse richtig einzuschätzen, dazu fehlt ihm die Erfahrung", meint der Sänger. "Hagens Vergessens-Trank ist nur ein Symbol. Siegfried sagt etwas zu, was er nicht tun sollte, aber er besitzt von seinem Charakter her nicht die Mentalität, nein zu sagen. Er ist eigentlich ein Trottel, der reine Tor, eine Fortsetzung von Parzival. Doch anders als für Siegfried kommt für Parzival das Erwachsenwerden und die Erkenntnis der wichtigen Werte im Leben nicht zu spät."

Oper Frankfurt, Premiere 30. Oktober, 17 Uhr. Weitere Aufführungen bis 28. Juni 2012, jeweils 17 Uhr. Karten unter Telefon (069) 212-49 494.
Internet http://www.oper-frankfurt.de

Lance Ryan spricht das aus, was ich mir längst denke, was man aber speziell in Kreisen von Wagneranerinnen nicht sagen sollte. Wie man glauben kann, dass dieses Würstchen für die Rettung der Welt auserkoren ist, war mir immer ein Rätsel! Wagner war ein echter Frauenfreund: starke Frauen, schwache Männer!

Am Wiener Burgtheater hat übermorgen die David Bösch Inszenierung von "Romeo und Julia" Premiere. Der "Kurier" berichtet: Zweieinhalb Stunden soll die Fassung in Wien (Premiere: 29. 10.) dauern. Tempo! Damit das Liebespaar gar nicht dazukommt, dem Dilemma des doppelten Sterbens auszuweichen. Bösch: "Man trifft sich um drei Uhr Nacht auf der Party, um vier hat man Sex, um acht Uhr morgens wird geheiratet und um neun gibt's erste Tote. Es passiert so viel und das so schnell, dass die gar nicht sagen können: Komm, wir setzen uns ins Auto und hauen einfach ab."

Auto wird's übrigens keines geben. Bösch, das Etikett Jungtalent zwar schon losgeworden, aber immer noch der Direktoren Hoffnung als Jungregisseur für junges Publikum zu sorgen, will "keine modernistische Inszenierung": "Die Montagues sind nicht Amerika und die Capulets nicht der Irak. Wir zeigen eine poetische, märchenhafte Welt, eine Art italienischer Lustgarten mit Wasserspielen. Und wir haben einen Balkon, der zum Sarg wird."

Nun gelangen wir zu den FILMEN DER WOCHE, wie immer von Renate Wagner zusammengestellt:

Das „Hotel Lux“ gab es wirklich, es stand in Moskau und beherbergte all jene Flüchtlinge vor Hitler, die zu Väterchen Stalin gekommen waren, um dort im Schutz des wunderbaren Kommunismus das Ende des schrecklichen Nationalsozialismus abzuwarten… Wenn man da Walter Ulbrich zusehen darf, wie er mit Zuckerstückchen schon einmal übt, eine Mauer zu bauen, dann weiß man, dass die politische Satire mit leichter Hand gelungen ist.

Es ist eine schreckliche Geschichte, was in diesem „Hotel Lux“, wo jeder den anderen ideologisch übertrumpfen will, so alles passiert: Menschen verschwinden, Kinder verraten ihre Eltern, jeder hier ist gewärtig, dass er als nächster an die blutige Reihe kommt. Man erkennt die ganz braven deutschen Genossen, die überlebt haben, um dann in der DDR das Verbrecher-Regime der Nazis nahtlos fortzuführen, mit dem Verschwinden der Andersdenkenden bis zur Euthanasie, der gnadenlosen Unterdrückung und Erpressung der Untertanen bis zum Abschießen der eigenen Bürger am Stacheldraht: Nur blauäugige Westler können meinen, es sei alles gar nicht „so schlimm“ gewesen, und der brave Durchschnittsmensch, so er sich nur duckte, hätte es sich schon richten können… Nein, es ist das blanke Entsetzen, mit dem hier Scherz getrieben wird, Väterchen Stalin erschießt jeden Dolmetscher ungerührt persönlich, dann kann dieser nichts erzählen, und man hat ja genügend von ihnen in petto.

Und doch ist es eine Komödie (der Regisseur Leander Haußmann hat sicherlich in Richtung Ernst Lubitsch geschielt), die über die Schrecken hinwegtänzelt und in der Lachen erlaubt ist. Dergleichen stellt immer einen schwierigen Balanceakt dar, aber man kann ihn für geglückt erachten, wenn man für politische Witze etwas übrig hat und Dialoge mit Väterchen Stalin nicht grundsätzlich als jenseits der Unterhaltungsgrenze erachtet…

Der Kölner Kunstfälscherprozess geht heute zu Ende, die Urteile stehen praktisch fest. Nachstehend ein Auszug aus der "Frankfurter Rundschau": Nur neun Verhandlungstage brauchte das Kölner Landgericht, um das wohl größte Kunstfälscher-Verfahren der Nachkriegszeit in Deutschland zum Abschluss zu bringen. Ein „Deal“ zwischen Richter, Staatsanwälten und Verteidigern machte es möglich: Im Gegenzug für ihre Geständnisse bekommen die vier Angeklagten Strafrabatt. Zwischen zwei und sechs Jahren Haft wurden als Höchststrafen vereinbart. Keiner der 168 benannten Zeugen wurde vor Gericht geladen. Am Donnerstag wird das Urteil gesprochen.

Der Fälscher Wolfgang Beltracchi (60) und seine Frau Helene (53), die seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft sitzen, können ein wenig aufatmen. Ohne die Absprache hätten ihnen neun bis zehn Jahre Haft gedroht. Erst im Juni war im Stuttgarter Prozess um 1000 gefälschte Giacometti-Skulpturen ein Hauptangeklagter zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Dafür hat man in Linz geliehene Schiele-Skizzen ganz einfach verschlampt, aus Steuergeld müssen nun 100.000 Euro an die Erben nach der Verleiherin bezahlt werden. Da hat Linz noch einmal Glück gehabt, handelt es sich doch um einen eher christlichen Preis!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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FREITAG, 28. OKTOBER 2011

Nun scheint es fix: Frank Castorf macht den Bayreuther Ring

Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben, sondern lediglich "unterschriftsreif", aber Frank Castorf hat Katharina Wagner ermächtigt, die Frohbotschaft zu verkünden. Das tat diese auch -
und zwar im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin, bei der auch Online-Merker-Mitarbeiterin Ursula Wiegand zugegen war.

Die "Welt-online" war auch dort und weiß zu berichten: Nach wie vor prallen Welten aufeinander, wenn das Wagner-Festival seinen gewohnten Weiheort verlässt und sich in die weite, raue Kulturszene vortastet. Dabei gab es von beiden, diesmal sogar als Duo leibhaftig präsenten Festspielleiterinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner durchaus Wuchtiges zu verkünden. Schließlich waren seit dem zum Festspielende geschlossenen Vorhang viele Fragen offen. Die wurden meistenteils beantwortet. Aber erst durften sich die Sponsoren verbreiten und dann wurden deren "holde Gattinnen zur Rechten" begrüßt. Rührend.

Das Wichtigste: Ja, Frank Castorf wird 2013 den Jubiläums-"Ring" zum 200. Geburtstag inszenieren. Er hat Katharina Wagner gesagt, dass sie dieses "Ja" verkünden darf, auch wenn die Verträge wegen "formeller Details" noch ununterschrieben beim Anwalt liegen. An Wagners Geburtstag, dem 22. Mai, wird Christian Thielemann zudem im Festspielhaus ein Sonderkonzert dirigieren.

Im Juli werden in der akustisch aufgepeppten Oberfrankenhalle die drei Frühwerke zu sehen sein, denen die Hügelehre weiter verwehrt bleibt. Das Gewandhausorchester spielt, und die Oper Leipzig produziert, wo man sich besonders freut, erstmals auf der Achse Oberfranken-Sachsen Wagners Leben von der Geburtsstadt bis zur Bahre zu zelebrieren.

Wiener Staatsballett: Irina Tsymbal ist "Erste Solotänzerin" . Foto: Barbara Zeininger

Im Anschluss an die am 26. Oktober 2011 mit großem Beifall aufgenommene Premiere von Pierre Lacottes "La Sylphide" in der Wiener Staatsoper gab der Direktor des Wiener Staatsballetts, Manuel Legris, das Avancement von Irina Tsymbal zur Ersten Solotänzerin des Wiener Staatsballetts bekannt.
Bei dieser bei der Premierenfeier in der Wiener Staatsoper vorgenommenen Ernennung waren auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer und der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Dr. Georg Springer, zugegen.

Die Kritiken der Staatsopern-Ballettpremiere sind großteils auch bereits öffentlich, "oe24-Kultur" fasst kurz und prägnant zusammen: Kitschige Musik, putzige Kulissen und eine hervorragende Primaballerina.

Beim heutigen "Barbiere" stellt sich ein neues Ensemblemitglied als "Rosina" vor:

Rachel Frenkel stellt sich heute an der Wiener Staatsoper als Rosina im "Barbiere" vor.

Als Dirigent springt Michael Güttler für den jungen Vater Karel Mark Chichon ein! Vater-Auszeit? In Österreich ist die bereits im Gesetz verankert!

Und prompt ist es so, wie ich der Zeitung "Oesterreich" entnehme: Auch der Neo-Papa legt Catherine Louise zuliebe eine kleine Pause ein: Seine für 2. und 4. November an der Wiener Staatsoper geplanten Dirigate (Barbiere di Siviglia) übernimmt Michael Güttler. Über seine junge Familie lässt er ausrichten: Es gehe Mutter und Tochter „ausgezeichnet“.

Und wie sehen tatsächlich die nächsten Termine von Elina Garanca aus?: Am 9. März singt Garanca im Grazer Stephaniensaal, begleitet wird sie dabei von Roger Vignoles (Klavier). Das Konzert wird sie am 25. Juli an der Bayerischen Staatsoper in München wiederholen.
•Ab 15. April tritt die gebürtige Lettin dann wieder an der Wiener Staatsoper auf – in einer ihrer Paraderollen: als Oktavian in der Richard-Strauss-Oper Rosenkavalier.
•Die erste Staatsopern-Premiere ist für 17. Mai anberaumt: Da tritt die junge Mutter als Sesto in einer Neuinszenierung von Mozarts La clemenza di Tito an.
•Für 11. Juli wurde ein Konzert im Stift Göttweig fixiert: Bei Klassik unter Sternen wird Garanca die Highlights ihrer Stifts-Konzerte der letzten Jahre resümieren (Tickets: 01/96 0 96).

Sylvia Schwartz singt bei der "Austria-Gala" der Tageszeitung "Die Presse". Im Gegenzug revanchiert sich diese mit einem Interview: Die Welt wieder in Ordnung zu bringen, das ist auch das Ziel der Opern-Führung, die darauf sieht, dass hinter den Kulissen die Atmosphäre entspannt und durch möglichst wenig Konkurrenzdenken belastet ist. Auch darüber hat Schwartz in Interviews bereits zu erzählen gewusst und das Arbeitsklima zwischen den Kollegen als erfreulich beschrieben: Man hört einander zu und lernt voneinander.

Und hat Gelegenheit, seine Stimme vorzustellen, in die sich im Falle von Sylvia Schwartz schon mancher Wiener Opernfreund verliebt hat: Quirlige Erzählfreude, gepaart mit hübschem Timbre, das passt so recht ins Konzept einer modernen, schlanken Musiktheaterlinie.

Also gut, für uns singt Frau Schwartz nicht, deswegen sind wir ihr auch nichts schuldig. Wir hoffen aber, dass wir obige Zeilen auch bald unterschreiben können! Generell ist der Trend erkennbar, nach dem sich Ensemblemitglieder mit etwas durchwachsenem Start nun klar in einer Aufwärtsbewegung befinden!

Vergessen Sie heute nicht auf die "Arte"-Übertragung der Eröffnungsgala im Bolschoi-Theater (ab 20,15 h). Mit dabei: natürlich Placido Domingo und diesmal auch Natalie Dessay!

Ein historisches Foto des Bolschoi-Theaters

In der "Berliner Morgenpost" schreibt Manuel Brug: Wird am Freitagabend, wenn teuer eingeflogene Goldkehlen wie Plácido Domingo und Natalie Dessay sich in einer Eröffnungsgala vor exklusiven Ehrengästen mit Präsident Dmitri Medwedew an der Spitze sich produzieren (übertragen von TV-Anstalten und in Kinos weltweit), auch der symbolische Sumpf verschwunden sein, der dieses Haus, vor allem aber die Institution so lange lahmlegte? Wohl kaum.

Während seit den Neunzigerjahren die längst wieder als Marientheater erblühte Konkurrenz unter seiner nimmermüden Dirigiergranate Valery Gergiev auf Tourneen punktet und Devisen einspielt, sich mit Anna Netrebko an der Spitze als Petersburger Sängerschmiede erweist und neben einem neuen Konzertsaal bereits an einem zweiten, noch größeren Auditorium baut, steht das Bolschoi künstlerisch weiterhin auf wackligen Füßen.

Dr. Ingobert Waltenberger berichtet in unseren Kritiken von der Wiederaufnahme des "Tannhäuser" an der Pariser Bastille-Oper: Mit großem Jubel wurde an der Oper von Paris die 2007 vom kanadischen Regisseur Robert Carsens kreierte Inszenierung wieder in den Spielplan genommen. Der durchaus interessante Interpretationskern dreht sich um den schöpferischen und künstlerischen Impuls eines Künstlers in der Gesellschaft, in der er lebt und arbeitet. Tannhäuser ist nicht Minnesänger, sondern Maler. Venus ist Muse/Modell, Quelle und Inspiration für den „Künstler der Zukunft“. Das Bacchanal ist eine Art ästhetisch choreographierter (Philippe Giraudeau) wüste Schütt-Aktion à la Hermann Nitsch, wo (beinahe) nackte Jünglinge sich in roter Farbe wälzen. In dem Moment, wo er sein Atelier (=Venusberg) und damit Venus verlässt, setzt sich Tannhäuser, der Kunst und Gesellschaft miteinander versöhnen will, dem Schock, dem Unverständnis und der Verachtung seiner Zunft aus. Denn auch die übrigen Minnesänger sind hier Maler, die im 2. Akt (Vernissage) um die Gunst des Publikums und Elisabeths werben. Letztere erkennt Tannhäusers originäres Genie (à la Stolzing in den Meistersingern) und im Verweis auf Venus letztlich auch eine Hommage und Huldigung ihrer selbst. Elisabeth liebt in Tannhäuser den großen Künstler und verteidigt ihn im Wissen um die Notwendigkeit von Inspiration und dionysischem Schaffen und letztendlich Verzicht. Im Schlusstableau hüllt sich Elisabeth zwillingshaft in das gleiche Tuch wie Venus...

Heft-Chefredakteurin Dr. Sieglinde Pfabigan zeigt sich von "Faust" am Stadttheater Baden begeistert und will Regisseur Robert Herzl den "Merker-Preis" (den es Gott sei Dank noch nicht gibt) um den Hals hängen!

Die Alte Oper Frankfurt wurde mit einer neues Fassade beschönt.

Im kommenden Jahr wird es auf der Bühne im Berliner Strandbad Wannsee wieder ein
großes Opernfestival geben. Der Kartenverkauf für das "Carmen"-Spektakel läuft bereits

Barbara Frittoli ersetzt Elina Garanca in Mailand
als "Donna Elvira".

Und weil wir schon bei TV-Übertragungen sind: auch die Eröffnungsvorstellung der Mailänder Scala, "Don Giovanni" - wird am 7.12,. (leicht zeitversetzt) übertragen: A. Thien übermittelte uns folgende Info: Am 7. Dezember wird die neue Saison der Mailänder Scala mit einer Neuproduktion von Don Giovanni eröffnet. Die Premiere wird von ARTE live (zeitversetzt) übertragen.
Die Besetzung ist vielversprechend: Peter Mattei (Don Giovanni), Anna Netrebko (Donna Anna), Barbara Frittoli (Donna Elvira), Anna Prohaska (Zerlina), Bryn Terfel (Leporello), Guiseppe Filianoti (Don Ottavio), Kwangchul Youn (Komtur), Stefan Kocán (Masetto).
Regie führt Robert Carsen, die musikalische Leitung hat Daniel Barenboim.

Jetzt hat es also Stefan Kocan sogar zu einer Mailänder Saisoneröffnung gebracht. Der Slowake ist wohl der prominenteste junge Sänger, der in Elena Habermanns "Merker-Kunstsalon" in der Döblinger Villa Wertheimstein sogar mehrmals zu Gast war. Er studierte in Wien bei Jewgenij Nesterenko, der ihm "die Rutschn" zu Habermann legte!

Rihanna auf Deutschland-Tournee

Während sich die Bühne dreht und schiebt, lässt die 23-Jährige in Hotpants und Glitzerbustier die Hüften kreisen, begattet den Boden, fläzt auf einem Auto, wird hintereinander zur Domina und zur Sklavin, greift sich in den Schritt, schwoft mit weiblichen wie männlichen Background-Tänzern und besteigt hilflose Männer, die sie zuvor auf die Bühne geholt hat.

So berichtet die angesehene "Frankfurter Rundschau über den Auftritt Rihannas in Frankfurt. Da im Bericht über die Münchner Show der letzte Satz nicht bestätigt wird, gehe ich davon aus, dass die Münchner Männer weniger hilflos waren!

Renate Wagner besuchte gestern die Uraufführung "Todestanz / Lebenstanz" August Strindberg/Friederike Roth im Theater in der Josefstadt: Das ist der Abgesang der Friederike Roth, aber offen gestanden nichts, was einen Theaterabend rechtfertigt, nicht ohne Strindberg und schon gar nicht mit ihm: Der ist allein stark genug, der bräuchte eigentlich keinen Kommentar. Er bräuchte eine Inszenierung, und die ist ihm an diesem seltsam-schrägen Josefstädter Abend nicht geworden.

Lars von Trier kann man nur anraten, künftig besser den Mund zu halten. Dan erspart er sich nämlich das lächerliche Gestammel, das er gegenüber der "Wiener Zeitung" als Rechtfertigung loslässt: Meine Wortwahl in Cannes tut mir leid. Denn hätte ich diese Aussage auf Dänisch getroffen, wäre sie viel nuancierter gewesen: Natürlich stimme ich mit nichts überein, was Hitler getan hat. Das Einzige, was ich sagen kann, ist - vor allem, nachdem ich Bruno Ganz in "Der Untergang" gesehen hatte - dass in Hitler ein kleiner Mann steckte, genauso wie in jedem von uns ein kleiner Nazi steckt. Das war mein Punkt, aber der kam überhaupt nicht rüber. Ich war ein kompletter Idiot, ich war naiv und dumm. Ich habe auf meine Pommes gepisst, so heißt das auf Englisch, glaube ich. Aber wir sollten uns auch darum sorgen, nicht über Dinge zu sprechen, nur weil es verboten ist. Das bringt uns nirgendwohin. Nur die Art, wie ich es tat, war idiotisch. Aber ich muss dazu sagen, dass die Macht in mir, die mich dazu anleitet, dumme Dinge zu tun, dieselbe Macht ist, die es mir ermöglicht, Filme zu machen. Nun gut, meine Filme mögen ja auch dumm sein.

Nun gelangen wir zu den FILMEN DER WOCHE, wie immer von Renate Wagner zusammengestellt. Und auch da meldet sich Lars von Trier zu Wort, allerdings in seinem Metier und somit positiv:

Lars von Trier ist, keine Frage, ein Meisterregisseur, und eine tolle Besetzung hat sich gedrängt, hier dabei zu sein. Kirsten Dunst ist als Justine, die rätselhafte Blonde, gut wie noch nie in ihrem Leben, und Charlotte Gainsbourg hat ja schon in „Antichrist“ gezeigt, dass niemand mehr aus ihr herausholt als Trier. Wunderbar ist die Rücksichtslosigkeit, mit der Charlotte Rampling die Mutter spielt, die keine Lust hat, ihre Destruktivität hinter gesellschaftlicher Tünche zu verbergen. Interessant aber auch, dass der scheinbar viel menschlichere Papa des herrlich zerknitterten John Hurt sich auch schnell drückt, wenn man etwas von ihm braucht. Ganz innere Unsicherheit, die mit Schroffheit bemäntelt wird, bringt Kiefer Sutherland, während die brutale Härte von Stellan Skarsgard echt bis in die ekelhaften Fingerspitzen wirkt. Kurz, wer gerne große Schauspieler sieht, der bekommt hier einiges zu schauen. Die Weltuntergangsgeschichte mag nicht jedermanns Sache sein, eine Sci-Fi-Story nicht in einen Thriller, sondern in Psycho-Krämpfe verpackt, mühsam, depressiv. Aber es sind halt die Krämpfe des Herrn von Trier, und damit spielen sie sich auf höchstem Niveau ab. Und der Opernfreund fragt sich wieder, was einige Regisseure ohne Richard Wagner täten: Auch hier liefert er mit „Tristan“ und mehr die ideale Filmmusik…

Der Kölner Kunstfälscherskandal ist zu Ende gegangen, der Deal hat gegriffen. Es gab nach der Urteilsfindung bei den Beteiligten nur zufriedene Gesichter. Freilich, die Wahrheit blieb irgendwo auf der Strecke. Doch davon vielleicht morgen mehr!

Für heute wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.

PS.: Samstag "Don Giovanni" aus der Met in den Kinos!!!
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SAMSTAG, 29.OKTOBER 2011
Der neue "Eiserne" der Wiener Staatsoper.

Gestern präsentierte Dominique Meyer den neuen "Eisernen", der nun acht Monate lang die Wiener Staatsoper zieren soll. Es wird sicher Leser geben, die den "Neuen" als Provokation auffassen - und natürlich auch solche, die vor Begeisterung überschwappen - eben weil sie nicht zu denen gehören wollen, die das Kunstwerk für entbehrlich halten. Verrückt? Jeder urteile für sich! Im Grunde genommen spiegelt die Situation rund um den "Eisernen" die Amtsführung des Staatsoperndirektors wider, die da lautet: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass"! Zuerst zwei Monate lang der "Orpheus", dann rasch wieder verhüllen, verstecken - oder wer weiß, wie man die Vorgangsweise richtig benennen soll.

Auszug aus der "Kleinen Zeitung":

Am Freitag ist in der Wiener Staatsoper der vom britischen Künstler Cerith Wyn Evans gestaltete Eiserne Vorhang präsentiert worden. Die auf schwarzem Hintergrund stehenden philosophische Gedanken in riesigen Lettern sind für Staatsopern-Direktor Dominique Meyer "eine schöne Ouvertüre zu gelungenen Opernvorstellungen".

Zum bereits 14. Mal wird der denkmalgeschützte und 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang von einem Künstler mit einer temporären Arbeit verhängt. Die aktuelle Spielzeit zeigt sich dabei zweigeteilt, wurde doch in den vergangenen beiden Monaten das Original, ein "Orpheus und Eurydike"-Motiv des umstrittenen Künstlers und Kunstfunktionärs Rudolf Eisenmenger (1902-1994), gezeigt. Evans meinte etwas süffisant, dass er eigentlich gar nicht wisse, wozu der Brandschutzvorhang diene. "Wohl um zu verhindern, dass das Publikum vor der Aufführung in Flammen aufgeht." Aber natürlich fühle er sich sehr geehrt, "in diesem heiligen Raum eine Intervention durchführen zu dürfen".

Diese gestaltet sich reduziert auf drei Sätze: "Lass es zu, von dem, was du gerade jetzt liest, in eine andere Situation hinüberzugleiten, in ein anderes Handeln innerhalb der historischen und psychischen Orte, in denen dein Lesen im Hier und Jetzt geschieht. Hier - und jetzt - den Platz einnehmend für andere leidenschaftliche und aufgeladene Verbindungen zwischen uns. Stell dir eine Situation vor, in der du dich mit größter Wahrscheinlichkeit noch nie befunden hast." Gerade das gut betuchte Opernpublikum wolle Evans damit zum Nachdenken anregen und "gewisse Zweifel" wecken.

Gerade das "betuchte Publikum", das erhöhte Kartenpreise für den nächste Woche startenden "Ring" zu zahlen in der Lage auch bereit ist, sichert den Weiterbestand der Oper und dem Direktor seinen Job. Warum spekuliert man immer mit dem schlechten Gewissen der "Betuchten"? Ich weiß schon, "Eigentum ist Diebstahl". Aber das immer strapazierte "betuchte Publikum" besteht nur zu einem Promillesatz aus Wirtschaftsverbrechern! Ich gehöre sicher nicht zu jenen, die Mister Evans zu den "Betuchten" zählt (obwohl ich nicht klagen kann, aber an seine Einkünfte reichen meine sicher nicht heran), die Begeisterung für solche Begründungen und damit auch der Applaus für den "Eisernen" hält sich bei mir angesichts solcher Wortspenden in Grenzen!

Man probiere es doch einmal unter Ausschluss der so verpönten "Betuchten". Was ist das überhaupt für eine blöde Bezeichnung, die der Herr verwendet, der nicht einmal weiß, weswegen Theater einen "Eisernen" brauchen! . Ich verkehre durchaus auch in Bevölkerungsschichten - und das sind keineswegs die allerärmsten - die nicht einmal mit einer geschenkten Karte in die Oper gehen würden. Aus dem geschützten Bereich heraus kann man den Mund sehr leicht voll nehmen, Mister Evans und Monsieur Meyer - und - im Falle des Cerith Wyn Evans, leicht das "Kummerl" heraushängen lassen!

Gestern wurde in Moskau das renovierte Bolschoi-Theater wiedereröffnet. Im Vorfeld kursierten Gerüchte im Eintrittspreise bis zu 50.000 Euro, die immerhin von einer Schweizer Website (im Normalfall seriös, dafür etwas langsam und auch manchmal etwas zu trocken) lanciert wurden. Wollen wir nun den Schweizern zubilligen, dass sie ordentlich recherciert haben (sonst könnten wir gleich aus der "Bild-Zeitung" zitieren), dann kann sich dieser Preis nur auf die Eröffnungsgala beziehen, die übrigens eindrucksvoll war!

Ein historisches Foto des Bolschoi-Theaters

Die Eröffnungsgala widmet Bolschoi-Regisseur Dmitri Tschernjakow ganz der russischen Kunst - eine "Herausforderung für Domingo und viele andere Gäste, die sonst nie Russisch singen", sagt er. Das Bolschoi mit seinen mehr als 2000 Mitarbeitern werde das ganze Spektrum abdecken: Orchester- und Opernwerke und eben Ballett.

Die Tickets für die historische Bühne sind schon auf Wochen im Voraus vergriffen. Bis zu 10 000 Rubel - etwa 250 Euro - kostet eine Karte, je nach Angebot und Nachfrage, wie Intendant Iksanow sagt. "So kämpfen wir gegen Spekulanten", erklärt er. Iksanow meint damit Moskaus Ticketmafia, die Karten stapelweise aufkauft und dann zu Wucherpreisen auf dem Schwarzmarkt verhökert.

"Wir haben jedoch pro Vorstellung ein Kontingent von Tickets für 100 Rubel für diejenigen, die sich das nicht leisten können", betont Iksanow. Der Preis von rund 2,50 Euro ist eher symbolisch - auf dem 100-Rubel-Schein ist das Bolschoi Theater abgebildet.

Was lernen wir daraus? Auch Infos aus Schweizer Quellen sind mit Vorsicht zu genießen!

Frank Castorf macht nun doch den Bayreuther "Ring"

Die "Berliner Morgenpost" erinnert an Castorfs "Wagner-Erfahrung": Immerhin: Wagner hat er schon einmal inszeniert. Dennoch wird das eingeschworene Bayreuth-Publikum mit Frank Castorf als neuem «Ring»-Inszenator sicher erstmal fremdeln. Der sperrige Intendant der Berliner Volksbühne gilt als Theaterwüterich, Stücke-Zertrümmerer und Provokationsmaschine. Pathos und der hohe Ton sind seine Sache nicht. Castorfs wilder Regiestil wird die in feinen Roben mit Fernglas und Klavierauszug auf dem Schoß im Bayreuther Festspielhaus sitzenden Herrschaften möglicherweise erschrecken - und das ausgerechnet beim Jubiläums-«Ring» 2013, bei dem der 200. Geburtstag von Richard Wagner gefeiert wird.

Co-Festspielleiterin Katharina Wagner ist sich bewusst, dass ihre Entscheidung auch auf Kritik stoßen wird. «Man muss Castorf nicht mögen», sagte sie am Donnerstag, als sie in Berlin die Wahl des neuen «Ring»-Regisseurs bestätigte. Aber: «Er arbeitet handwerklich sauber», seine Inszenierungen seien sehr spannend - «ein Vollprofi». Castorf sei sich der Bedeutung bewusst, den Jubiläums-«Ring» zu inszenieren, sagte Wagner. Er habe zu ihr gesagt: «Ja, ich möchte es machen.»

Sehr viel Opernerfahrung hat Castorf tatsächlich nicht. In Basel inszenierte er vor 13 Jahren Verdis «Othello». Im Jahr 2006 brachte er in Berlin Wagners «Meistersinger von Nürnberg» mit Schauspielern und einem «Chor der werktätigen Volksbühne» auf die Bühne - vermengt mit Textbrocken aus Ernst Tollers Revolutionsdrama «Masse - Mensch», einem mit der Maschinenpistole um sich feuernden Walther von Stolzing und einem kotzenden Trojanischen Pferd. Das «Orchester» bestand aus zwei Klavieren, Keyboard und fünf Bläsern. Das Motto des Abends: «Versuchsanordnung für Revolutionäre zwischen Schlachtfeld und Spielzimmer, Salon und Knast, Subvention und Subversion».

Erst nach Lektüre der "Berliner Zeitung verstehe ich, auf welche Kenntnisse sich einige unserer Forumsteilnehmer beziehen. Auch ich lerne nie aus!

Heute hat Castorf in München/ Residenztheater Premiere. Er inszenierte Horvaths "Kasimir und Karoline und hält sich selbst für eine Fehlbesetzung - wie er dem "Münchner Merkur" verrät: Ein Künstler muss sich immer in die absoluten asozialen Triebstrukturen, in das Gegenteil hineinversetzen können. Und wenn ein Künstler wie Lars von Trier, der mit Gesellschaft und Poesie zu tun hat, für eine Äußerung („Ich bin ein Nazi“, sagte der Regisseur heuer bei den Filmfestspielen in Cannes. Später entschuldigte er sich dafür; Anm. d. Red.) von einem Festival ausgeschlossen wird, ist es nur dämlich a) von ihm, dass er sich entschuldigt und b) von einem Festival, ihn zu stigmatisieren.“

Zurück zum Stück: Wenn Castorf den Menschen so zeigen möchte, wie er ist - wie auch Horváth ihn zeigt, in seinen Sehnsüchten, seiner Einsamkeit, seiner Trauer, seiner Lächerlichkeit, sind dann zusätzliche Texte nicht Ablenkung oder gar Überforderung? „Ich weiß nicht. Also erstens: Ich bin ein Egoist. Ich mach nur das, was mir Spaß macht - das ist so ’n Leben, was ich mir geschenkt habe, relativ frühzeitig. Und da gibt es keine Infragestellung meiner Person. Also ich bin glücklich. Und ich möcht ooch glücklich sein. Ich bin ooch neurosenfrei.“ Das kommt berlinerisch spontan-sympathisch rüber. Und so, wie er über sein etwas kompliziert zu organisierendes (Nicht-)Familienleben mit fünf Kindern von verschiedenen Frauen redet („Weihnachten wird’s immer besonders schwierig“), sitzt der gewollte Außenseiter plötzlich als ganz normaler Mensch vor einem.

Besonders die Worte über Lars von Trier imponieren mir, denn der hat sich mit seinem jüngsten Gestammel als echtes Würstchen erwiesen!

Theater in der Josefstadt: Todestanz - Lebenstanz: Joachim Nimtz, Sandra Cervik. Foto: Astrid Knie

Regisseur Günter Krämer scheint bei der Inszenierung der Teufel geritten zu haben. Einerseits setzt er auf eine symbolistisch überfrachtete Ägyptomanie (Bühnenbild: Herbert Schäfer) mit Fernand-Khnopffscher Sphinx, Gott Anubis und Mumie, die Joachim Nimtz, der „Kurt“ aus den Strindbergszenen, völlig sinnentleert über die Bühne schleift. Sandra Cervik absolviert Passagen in einer Lady-Gaga-Kostümierung, und die „Leidensfreien“ kommen als achtköpfiger Chor mit der Dachmarke „Happiness“ daher.

Roths austarierte Dramaturgie muss vom szenischen Illustrationshammer einen ordentlichen Kinnhaken einstecken. Der Schlussgong rettet vor dem K.o.

Auszug aus den "Oberösterreichischen Nachrichten".

Gestorben sind der Schriftsteller und Politiker Jiri Grusa und der Maler Franz Ringel. Zu Ringel meint die "Kleine Zeitung": Obgleich eine scheue Persönlichkeit, durchzog eine beinahe manische Auseinandersetzung mit seiner eigenen Person das Werk des österreichischen Malers Franz Ringel. Der Künstler ist am Freitag nach langer Krankheit 71-jährig im Kreis seiner Familie in Graz verstorben. Noch im vergangenen Jahr feierte das Gründungsmitglied der Gruppe "Wirklichkeiten" seinen 70. Geburtstag, zu dessen Anlass Thaddaeus Podgorski jun. sein Filmporträt "M.J.M. Ringel - Notgedrungen Maler" in Metrokino und ORF präsentierte. Der ORF ändert in memoriam Franz Ringel sein Programm und zeigt das Künstler-Porträt am kommenden Dienstag (1.11.) um 0.20 Uhr in ORF 2.

Wenig überraschend, weil sehr milde, fielen die Urteile im Kölner Bilderfälscherprozess aus. Die "Zeit online" zeigt sich enttäuscht, weil der Prozess so wenig Spannung für Journalisten bot, die sich Aufschlüsse über den Kunstmarkt erhofft hatten. Der aber wurde nicht bloßgestellt, dank des Hauptangeklagten: Das allerdings hätte geklärt, an welchen Stellen der internationale Kunsthandel all die Jahre des fröhlichen Betrugs versagte – und es hätte einige der Beteiligten in schwere Erklärungsnot gebracht. Von der kriminellen Energie des Quartetts einmal abgesehen, verblüfften zahlreiche Details, die der Vorsitzende Richter immer mal wieder einstreute. Zum Beispiel, ob niemandem aufgefallen sei, dass Helenes Großvater Werner Jägers, der die vermeintlichen Meisterwerke in seiner Sammlung zusammengetragen haben soll, im Alter von 17 Jahren nicht nur ein großes Interesse an Avantgardekunst hätte haben müssen, sondern ein ebenso dickes Portemonnaie.

Antworten darauf gibt es nun keine. Stattdessen wird Beltracchi im Gerichtssaal wie einer gefeiert, der die Gier des Kunstbetriebs bloßgestellt hat. Hier der sympathische Eulenspiegel, dort die vermögenden Sammler, die endlich auch ein Bild von musealem Rang besitzen wollten und dem Fälscher auf den Leim gingen. Vergessen wird, dass die Angeklagten nicht nur mit großer krimineller Energie vorgingen, sondern sich mit den ergaunerten Millionen auch jenen großspurigen Lebensstil erlaubten, den sie wohl bei den Betrogenen vermuteten. Die Gier nach Geld war immer die Triebfeder.

Nun gelangen wir zu den FILMEN DER WOCHE, wie immer von Renate Wagner zusammengestellt.

Freilich, ob das ein so bezaubernder Film wäre, wenn Markus Goller nicht drei ideale Hauptdarstellerinnen gefunden hätte, sei dahingestellt, aber er hat sie: Angesichts der wunderbaren Menschlichkeit von Bettina Mittendorfer muss einem das Herz aufgehen, die trockene Schnippischheit von Gisela Schneeberger kennt und liebt man längst, und Rosalie Thomass schafft es, so schüchtern und dann doch wieder unternehmungslustig zugleich zu sein – hinreißend. Als bitterböse Wirtsfrau steht ihnen die Kabarettistin Monika Gruber mit Gift und Galle kontrapunktisch gegenüber. Andreas Lust, der so viel Verschiedenes kann, ist auch als sehr einsamer Bankbeamter überzeugend, und Peter Mitterrutzner zappelt einen lüsternen Alten bis zur Ergötzlichkeit. Eine sehr schöne Rolle hat auch Ferry Oellinger als der Schneeberger-Gatte: arbeitslos und anfangs sehr verzagt, blüht er zu altem, vollem Menschen- und Männerleben auf, als die Dinge endlich besser laufen…

Dazu muss sich aber herausstellen, dass die Damen unter ihren treuen Telefon-Kunden (sie haben ja gute Ohren für Stimmen) nicht nur den Bankbeamten, sondern auch einen für das Geschehen höchst wichtigen hohen Geistlichen erkennen…

Vor 100 Jahren starb Joseph Pullitzer

Joseph Pulitzer, geboren 1847, stammte aus einer gut situierten jüdischen Handelsfamilie, die zuletzt in Budapest wohnte. Nach dem Tod des Vaters ging es aber rapide bergab und der damals siebzehnjährige Joseph Pulitzer sah 1864 keine andere Möglichkeit, als nach Amerika auszuwandern. Dort herrschte gerade Bürgerkrieg, und mittellose junge Männer aus Europa waren als Soldatennachschub höchst willkommen. Pulitzer kam mit einer hinter den Fronten arbeitenden Versorgungstruppe ganz gut durch den Krieg. Die Probleme begannen mit dem Ende des Krieges, im Frühsommer 1865.

Zusätzlich zu dem ständigen Einwandererstrom suchten plötzlich Zehntausende ehemalige Soldaten Arbeit, die meisten schlecht qualifiziert - zu viel für den amerikanischen Arbeitsmarkt. Auch Pulitzer hatte Probleme: Keine Englischkenntnisse und eine abgebrochene Gymnasiumausbildung sind heute wie damals nicht die besten Karrierevoraussetzungen. Da das Geld nach der Abmusterung schnell verbraucht war, dienten ihm die Parkbänke des City Hall Parks im südlichen Manhattan als Nachtquartier.

Aber er hat es geschafft! Heute ist der begehrteste Journalistenpreis nach ihm benannt. Lesen Sie die gesamte Geschichte über Joseph Pullitzer in der "Wiener Zeitung"!

Ich wünsche ein schönes Wochenende
A.C.
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SONNTAG, 30. OKTOBER 2011
Wahlkampf im Bolschoi?? Die Rede Medwedews stört viele Theaterleute!

Die "Sueddeutsche Zeitung" schreibt: Zur Gala hatte nicht das Theater, sondern der Kreml geladen. Die 1740 Eintrittskarten hatten nur Regierungsgäste, darunter Minister und Unternehmer, sowie Diplomaten und einige frühere Bolschoi-Mitglieder wie die Ballettlegende Maja Plissezkaja erhalten. Sie gingen wie die weiteren Ehrengäste über einen roten Teppich und durch ein Spalier von Soldaten mit Paradeuniformen in das Gebäude.

Die Neueröffnung sei angesichts der vorangegangenen Probleme «ein Wunder», sagte Präsident Medwedew in einer Rede. Das Wichtigste aber sei, dass der Geist des legendären Musentempels erhalten geblieben sei.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hatte sich die Leitung des Theaters gegen einen Auftritt Medwedews inmitten des russischen Wahlkampfs ausgesprochen, da das Bolschoi eine kulturelle Einrichtung und kein politisches Forum sei.

Jetzt frage ich mich, ob die politischen Sitten in Österreich oder Deutschland bereits so verroht sind (oder jene in Russland übersensibel), dass Reden zu Festspieleröffnungen oder sonstigen kulturellen Anlässen selbst mitten in Wahlkämpfen bei uns als selbstverständlich hingenommen werden und nicht einmal die Opposition stören. Gospodin Medwedew hat eine der üblichen Eröffnungsreden gehalten, eine Wahlrede hat er angesichts der politischen Verhältnisse in Russland wirklich nicht nötig! Ich glaube eher, dass sich da einige Herrschaften übergangen fühlen, weil sie nicht die Einladungen ausschicken durften!

Die Höhepunkte der Eröffnung waren wohl die Balletteinlagen!

Auch die "Frankfurter Allgemeine" weist auf gekränkte Eitelkeiten hin: Nur am Karl-Marx-Denkmal gegenüber des größten Theaters der früheren Sowjetunion versammelten sich unter Polizeiaufsicht bei Temperaturen von knapp über Null einige Hundert Moskauer und Medienvertreter. Sie verfolgten das Spektakel auf Großleinwänden. Millionen andere Zuschauer sahen die feierliche Neueröffnung der von 2005 bis 2011 geschlossenen Bühne im Fernsehen. Auch 600 Kinosäle weltweit hatten zu dem kulturellen Großereignis eingeladen.

„Eine Gala wie bei der Oscar-Verleihung“, schwärmten Moderatoren des russischen Fernsehsenders NTW. Der Kanal kritisierte aber wie viele andere Medien und Kommentatoren auch: „Für Normalsterbliche war der Eintritt verboten.“ Bereits zuvor hatte es Streit über die strikte Gästeliste gegeben. Auf dem Schwarzmarkt waren Tickets - echt oder gefälscht - für umgerechnet fünfzigtausend Euro angeboten worden. Dass
Medwedew mit seinem Auftritt - andere Redner gab es nicht - und die vielen Funktionäre im Saal dem Freitagabend den Anstrich eines Staatsaktes gaben, störte auch die Theaterleitung.

Intendant Anatoli Iksanow kam nicht zu Wort. Er hatte schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass der Staatsapparat die Gästeliste des Abends bestimmt habe und nicht das Theater. Die frühere Operndiva Galina Wischnewskaja, Witwe des berühmten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, gehörte zu den Auserkorenen: „Ich erkenne das Bolschoi fast nicht wieder. Alles ist so hell“, schwärmte die 85-Jährige. Eine solche Restaurierung sei in Russland, wo wertvolle Bauten immer wieder zerstört werden, eine absolute Ausnahme.

Wo war übrigens Placido Domingo, der groß angekündigt war?? Bei der TV-Übertragung habe ich ihn nicht gesehen - sein Name wurde auch nicht erwähnt.

Frank Castorf polarisiert - und ist deshalb "ein Fressen für Journalisten"

Als ehrlich, ich glaube nicht, dass sich auch nur ein einziger Wagnerianer von der Bayreuther Warteliste streichen lässt, weil Frank Castorf nun auch offiziell zum "Ring"-Regisseur gekürt wurde. Für die Journalisten ist Castorf ein Segen, die werden zu Hundertschaften anrücken. Nicht, weil Herr Castorf so gut ist, sondern weil er sicher für mehr Gesprächsstoff sorgen wird als einer der ebenfalls in diesem Zusammenhang genannten Langweiler. Eine mir bislang unbekannte "Junge Welt" proviert bereits kräftig: In den vergangenen Jahren war es recht still geworden um den zur permanenten Selbstinszenierung neigenden Regisseur. Seine Anfang der 90er Jahre aufsehenerregende Dekonstruktion klassischer Bühnenwerke von Ibsen bis Schiller verkam zunehmend zur Pose. Noch immer wird auf der Bühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin Kunst als Trash oder Trash als Kunst zelebriert, doch Abnutzungserscheinungen sind unverkennbar. Die Sau läßt Castorf jetzt eher in Interviews raus, wie am Freitag in der Süddeutschen Zeitung, wo er sich einerseits zum »anarchistischen«- oder auch »infantilen Pissi-Pippi-Kacka-Theater« und zum »Haß auf die Gesellschaft«, aber auch zu seiner »Sehnsucht nach totalitären Strukturen« bekennt.

Jedenfalls dürfte Castorf der »Ring« liegen. Bereits 1995 inszenierte er Friedrich Hebbels Nibelungen-Trilogie an der Volksbühne als siebenstündige Freakshow mit Hagen als besoffenem Hooligan, jeder Menge Schmuddelsex, russischen Folklorebarden, Einspielungen von Oliver Stones »Natural Born Killers« und finalem Kettensägenmassaker. Etwas in dieser Preisklasse wird es wohl auch in Bayreuth werden. Denn schließlich hat Castorf seinen Ruf als Krawallregisseur zu verteidigen und zudem mit dem Makel zu kämpfen, daß er für den Wagner-Clan nur zweite Wahl war: Ursprünglich sollte Wim Wenders 2013 den Ring inszenieren, bekam aber offenbar kalte Füße.

Das "Richard Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen" wird 2012 programmatisch umgestellt. Anders als in den vergangenen Jahren wird das Festival 2012 nicht mit einer konzertanten Oper aufwarten, dafür aber drei Orchesterkonzerte präsentieren - allesamt mit Ensembles besetzt, die man in Bayern nicht alle Tage zu hören bekommt.

Auch ein weiterer Programmpunkt der vergangenen Jahre wird 2012 ausfallen: die Festrede zur Eröffnung. Statt vieler Worte erklingen: eine Fanfare von Strauss und direkt im Anschluss das erste Konzert mit dem Ensemble German Winds. Künstlerische Leiterin Brigitte Fassbaender schien über diese Reduzierung des Rituals sichtlich erleichtert zu sein

Das berichtet die "Sueddeutsche Zeitung".

"Romeo und Julia" am Wiener Burgtheater: Daniel Jesch, Fabian Krueger und Daniel Straesser. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner liefert den ersten Premierenbericht: Klaus Figge vor den Vorhang, er figuriert im Programmheft (das keines ist, sondern nur ein paar schmale Blätter – die Dramaturgie des Hauses reißt sich keine Haxen aus, wie man so schön sagt) unter dem Motto „Kampfszenen“. Und da hat er den Herren Krüger, Jesch, Meyer und Sträßer allerhand abverlangt. Wie sie da über die Bühne fetzen – Kompliment. Wie im Kino. Ob jene Jugendlichen, die dergleichen vermutlich gerne sehen würden, doch erklecklich ein paar Euro mehr als für eine Kinokarte hinlegen, um sich das anzusehen, sei dahingestellt, zumal sie mit dem Rest der Geschichte vermutlich dann doch nicht so viel anzufangen wissen…

Die Website des Burgtheaters (man fragt sich wirklich, wer sich da was denkt) verkündet: Im Verona des frühen 15. Jahrhunderts leben zwei bis aufs Blut verfeindete Familien: die Montagues und die Capulets. Romeo Montague erscheint maskiert auf einem Ball der Capulets und begegnet dort deren 14-jähriger Tochter Julia... Na hoppla, das passiert vielleicht bei Shakespeare, aber bestimmt nicht im Burgtheater in der Inszenierung von David Bösch, dergleichen also zu behaupten, ist glatter Etikettenschwindel. Tatsächlich wird man den Eindruck nicht los, der gute alte Shakespeare hat den Regisseur nur gestört, denn was immer er erzählen will, das Stück passt einfach nicht dazu, das zipft an allen Ecken und Enden…

Am Ende gab es natürlich wieder den üblichen Premierenjubel, man will ja schlussendlich nicht als Banause dastehen! Ein einziger Buhrufer stemmt sich hartnäckig gegen den Jubel, was auch der "Kurier" vermerkte, dessen erste Nachtkritik ebenfalls bereits zu lesen ist!
Was veranlasst eigentlich einen Besucher, sich so vehement gegen die Meinung der Mehrheit zu stellen? Gar nicht so wenig Zuschauer verließen kopfschüttelnd, aber lautlos das Theater, eine an sich übliche Reaktion, wenn einem etwas nicht gefällt. Aber angesichts der tobenden Jubelmasse ist dieser Protest natürlich wirkungslos.

Lieber wackerer Buhrufer, melden Sie sich bei mir! Ich würde Sie gerne befragen und Ihrer Meinung Raum geben!!

Peter Skorepa meldet sich aus der Wiener Staatsoper und analysiert den "Jubel" nach "Il Barbiere di Siviglia", einer sehr durchschnittlich besetzen Repertoireaufführung. Doch zuerst zur Zusammenfassung des Gesehenen und Gehörten: Ganz so wie der Herr Direktor bei seinem Publikumsgespräch verkündete, präsentiert sich der “Barbier” frisch gestrichen und das Dank der Einsparungen, die durch die Gemeinschaftsproduktionen entstanden. Des einen Leid – gerade diese Produktionen gerieten von “Giovanni” über “Figaro” bis hin zur “Traviata” zu einem überwiegenden Teil in die heftige Kritig eines Teils des Publikums und der Presse – ist des anderen Freud, nämlich die wieder putzig anzusehende Puppenbühne des Dr. Bartolo.

Leider blieben dafür an diesem Abend die musikalischen Erwartungen hinter der frisch gestrichenen Optik weit zurück und erst – eben beim angesprochenen guten Ende – so ab der Balkonszene, begannen die Beteiligten auch an Rossini zu denken und das schwache Geblödel zu lassen

Die Folge: Nach etwa fünf Minuten war das Haus geleert und die Besucher in die umliegenden Lokalitäten oder womöglich gar ins traute Heim vor den Fernseher entlassen. Touristenopern-Schicksal eben!

Dafür beginnt nächste Woche eine "Hoch-Zeit", nämlich der Thielemann-Ring. Die Karten sind bereits längst vergriffen, die Staatsoper überträgt auf die Riesenleinwand an der Außenfront. Dienstag wird mit "Das Rheingold" gestartet. Sehen wir einander dort?? Hoffen wir gemeinsam auf erträgliche Temperaturen!!

Heute um 16 h gibt es im Wiener Cafe Prückl eine interessante "Fidelio-Interpretation" zu sehen. Musikalischer Leiter ist Janko Kastelic, bekannt aus der Oper in Maribor.

Ein Auszug aus der Samstag-Ausgabe:

Der neue "Eiserne" der Wiener Staatsoper.

Am Freitag präsentierte Dominique Meyer den neuen "Eisernen", der nun acht Monate lang die Wiener Staatsoper zieren soll. Es wird sicher Leser geben, die den "Neuen" als Provokation auffassen - und natürlich auch solche, die vor Begeisterung überschwappen - eben weil sie nicht zu denen gehören wollen, die das Kunstwerk für entbehrlich halten. Verrückt? Jeder urteile für sich! Im Grunde genommen spiegelt die Situation rund um den "Eisernen" die Amtsführung des Staatsoperndirektors wider, die da lautet: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass"! Zuerst zwei Monate lang der "Orpheus", dann rasch wieder verhüllen, verstecken - oder wer weiß, wie man die Vorgangsweise richtig benennen soll.

Auszug aus der "Kleinen Zeitung":

Am Freitag ist in der Wiener Staatsoper der vom britischen Künstler Cerith Wyn Evans gestaltete Eiserne Vorhang präsentiert worden. Die auf schwarzem Hintergrund stehenden philosophische Gedanken in riesigen Lettern sind für Staatsopern-Direktor Dominique Meyer "eine schöne Ouvertüre zu gelungenen Opernvorstellungen".

Zum bereits 14. Mal wird der denkmalgeschützte und 16 Tonnen schwere Eiserne Vorhang von einem Künstler mit einer temporären Arbeit verhängt. Die aktuelle Spielzeit zeigt sich dabei zweigeteilt, wurde doch in den vergangenen beiden Monaten das Original, ein "Orpheus und Eurydike"-Motiv des umstrittenen Künstlers und Kunstfunktionärs Rudolf Eisenmenger (1902-1994), gezeigt. Evans meinte etwas süffisant, dass er eigentlich gar nicht wisse, wozu der Brandschutzvorhang diene. "Wohl um zu verhindern, dass das Publikum vor der Aufführung in Flammen aufgeht." Aber natürlich fühle er sich sehr geehrt, "in diesem heiligen Raum eine Intervention durchführen zu dürfen".

Diese gestaltet sich reduziert auf drei Sätze: "Lass es zu, von dem, was du gerade jetzt liest, in eine andere Situation hinüberzugleiten, in ein anderes Handeln innerhalb der historischen und psychischen Orte, in denen dein Lesen im Hier und Jetzt geschieht. Hier - und jetzt - den Platz einnehmend für andere leidenschaftliche und aufgeladene Verbindungen zwischen uns. Stell dir eine Situation vor, in der du dich mit größter Wahrscheinlichkeit noch nie befunden hast." Gerade das gut betuchte Opernpublikum wolle Evans damit zum Nachdenken anregen und "gewisse Zweifel" wecken.

Gerade das "betuchte Publikum", das erhöhte Kartenpreise für den nächste Woche startenden "Ring" zu zahlen in der Lage auch bereit ist, sichert den Weiterbestand der Oper und dem Direktor seinen Job. Warum spekuliert man immer mit dem schlechten Gewissen der "Betuchten"? Ich weiß schon, "Eigentum ist Diebstahl". Aber das immer strapazierte "betuchte Publikum" besteht nur zu einem Promillesatz aus Wirtschaftsverbrechern! Ich gehöre sicher nicht zu jenen, die Mister Evans zu den "Betuchten" zählt (obwohl ich nicht klagen kann, aber an seine Einkünfte reichen meine sicher nicht heran), die Begeisterung für solche Begründungen und damit auch der Applaus für den "Eisernen" hält sich bei mir angesichts solcher Wortspenden in Grenzen!

Man probiere es doch einmal unter Ausschluss der so verpönten "Betuchten". Was ist das überhaupt für eine blöde Bezeichnung, die der Herr verwendet, der nicht einmal weiß, weswegen Theater einen "Eisernen" brauchen! . Ich verkehre durchaus auch in Bevölkerungsschichten - und das sind keineswegs die allerärmsten - die nicht einmal mit einer geschenkten Karte in die Oper gehen würden. Aus dem geschützten Bereich heraus kann man den Mund sehr leicht voll nehmen, Mister Evans und Monsieur Meyer - und - im Falle des Cerith Wyn Evans, leicht das "Kummerl" heraushängen lassen!

Zum "Jackson-Prozess": Schon am Montag könnte im Verfahren gegen Conrad Murray ein entlastendes Urteil fallen. Michael Jackson soll sich Narkosemittel selbst gespritzt haben.

Auch Angela Merkel wird definitiv nicht Nachfolgerin von Thomas Gottschalk

Die Nachfolgesuche nach Thomas Gottschalk geht munter weiter. Sie will auch sorgsam betrieben sein, hängt doch von ihr auch das Schicksal der Nation ab. "Die Zeit" schlägt eine interessante Rochade vor: Indes – da sich der Vergleich schon einmal aufdrängt, wäre zu überlegen, ob nicht Kerkeling und Schöneberger besser in der Politik untergebracht wären und statt ihrer Peter Hintze und Guido Westerwelle die Show übernehmen könnten.

Die Intendanz des ZDF würde darauf wahrscheinlich erwidern, dann könne man ebenso gut gleich Pilawa und Hunziker nehmen, aber damit hätte sie den Nutzen des kreativen border crossing verkannt und auch den finanziellen Zusatznutzen, der in den gewiss deutlich geringeren Honorarforderungen bestünde – wenn nicht sogar CDU beziehungsweise FDP ein Draufgeld für die Entsorgung der Plappermäulchen zahlen würden.

Die aussichtsreichste Kandidatin aus dem Feld der Politik hat allerdings schon abgesagt. Angela Merkel, berühmt für ihre Schlagfertigkeit in Sofarunden, ist von Gottschalk persönlich gefragt worden – aber leider nur für die Rolle des Gastes. Und damit, lieber Herr Gottschalk, kann man einer Frau, die immerhin schon Bundeskanzlerin geworden ist, nun wirklich nicht mehr kommen!

Ich wünsche einen schönen Sonntag!

A.C
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MONTAG, 31. OKTOBER 2011
Donna Anna" aus Riga: Marina Rebeka sang diese Rolle am Samstag an der Metropolitan-Opera, weltweit in Kinos übertragen.

Peter Dusek kommentiert für uns die "Kino-Opern, also auch den "Don Giovanni", der am Samstag über die Bildschirme (nicht) flimmerte. Die Hauptdarsteller haben Wien-Bezug: Allen voran der Titelheld aus Polen, geboren 1972 in Krakau. Mariusz Kwiecien. wurde 1996 international beim Belvedere-Wettbewerb in Wien „entdeckt“ (neben Lado Atanelli und Adrian Eröd) und ist seit fast 10 Jahren der führende Don Giovanni in allen wichtigen Opernhäusern. Nur New York hat noch gefehlt. Nun hat er sein aktuelles vielbejubeltes Met-Debüt auch via Satelliten-Übertragung in alle Welt „ausgestrahlt“ und damit für die Nachwelt festgehalten. Sein Giovanni ist ganz auf „Frauenversteher“ aufgebaut – er findet für jede Frau einen anderen Zugang, er protzt sich (Champagner-Arie), er schmeichelt (Ständchen) und verführt quasi öffentlich (Duett mit Zerlina). Der 39jährige Bariton liefert einen Draufgänger, der in seine erste fatale Psycho-Krise schlittert. Und die Todesangst in der Komtur-Szene hat man noch selten so intensiv erlebt. Der Komtur –der Slowake Stefan Kocan - ist jedenfalls ein adäquater Partner für diesen Psycho-Höllenritt.

Ausgezeichnet das Damen-Trio Marina Rebeka (Donna Anna), Barbara Frittoli (Elvira) und Mojca Erdmann als Zerlina. Wieder ist es eine Lettin aus Riga, die durch die Kombination Musikalität, schöne Stimme und blendendes Aussehen besonders punktet. Marina Rebeka erobert seit ein paar Jahren die internationale Opern-Szene. Jetzt könnte bald ein Garanca-„Hype“ entstehen. Jedenfalls verfügt diese Anna über Dramatik und Lyrik und besticht auch in der HDV-Großaufnahme.

Marina Rebeka habe ich an der Wiener Volksoper als Violetta in "La Traviata" gehört. Und über Stefan Kocan, der sogar im "Merker-Kunstsalon in der Villa Wertheimstein gesungen hat (mehrmals), habe ich bereits in der Vorwoche geschrieben.

Ursula Wiegand zeigt sich von Edita Gruberova als "Norma" begeistert. Mit dieser Rolle gastierte die Gruberova am Samstag an der Deutschen Oper Berlin(konzertant). Aber auch sonst war Bellins meistgespielte Oper grandios besetzt: Alles in den Schatten stellen jedoch diese zwei Frauen: Edita Gruberova als Norma und Sonia Ganassi als Adalgisa. Ihre Liebes- und Seelenkonflikte machen beide auch mit Gesten und Mimik deutlich, so dass man in solchen Momenten von einer irgendwie gearteten Bühne keinesfalls abgelenkt werden möchte.

Pollione war Johan Botha, den ich in dieser Rolle auch bereits in Wien an der Volksoper gehört habe. Die Wiener Volksoper als Talentepool? Derzeit eher nicht!

"Faust" am Stadttheater Baden

Renate Wagner besuchte für uns die sechste Aufführung der aktuellen Serie: Ein bisschen Oper von Zeit zu Zeit muss „drin“ sein, meint Direktor Robert Herzl, und das Publikum im Stadttheater Baden hat nichts dagegen: Noch die sechste Vorstellung, an einem Sonntagnachmittag, ist ganz voll. „Faust“ von Gounod auf Deutsch, das ist die Herausforderung auch an den Wiener Opernbesucher, der dies vermutlich noch nie erlebt hat und folglich gern die 25 km südlich rutscht. Man bezieht sich auf die kritische Neuausgabe von Fritz Oeser, die nach der Urfassung 1859 eingerichtet wurde und mit gesprochenen Dialogen überrascht. Die Übertragung von Walter Zimmer klingt allerdings nicht vertraut, denn der Abschied des Valentin ist auf deutschsprachigen Uralt-Schallplatten noch als „Da ich nun verlassen muss…“ im Ohr, und das war’s nicht. Egal, stellen wir fest, dass man ausgezeichnet verstanden hat, was bei deutschsprachigen Aufführungen durchaus nicht die Regel ist. Auch der slowenische Faust und die koreanische Margarete prunkten mit klarer Aussprache…

Oper in der Operettenmetropole kann also durchaus empfohlen werden!

Johann Jahnas berichtet über die Sonntag-Nachmittagsvorstellung des "Fidelio" an der Wiener Staatsoper: Der erste Eindruck beim pünktlichen Eintreffen trotz Zeitumstellung war "endlich" wieder ein Vorhang-Kunstwerk. Nachdem wir jetzt zwei Monate den Original-Eisenmenger-Vorhang ansehen mussten, der wunderschön ist und perfekt ins optische Konzept des Zuschauerraumes passt, werden wir mit der Neugestaltung endlich wieder intellektuell gefordert. Zum Glück habe ich kein geisteswissenschaftliches Studium absolviert - also muss ich nicht verstehen, was uns Cerith Wyn Evans mit vielen Worten in aufgeblähten Sätzen eigentlich sagen will. Er wird doch nicht meinen, dass man den Alltag draußen lassen und sich mit offenen Sinnen auf die künstlerische Darbietung einlassen soll? Das wäre ein hochgestochenes "no-na"!

Jetzt mal ehrlich, wer kann mit dem Text, den Herr Evans mit seinem "Eisernen" verbindet, tatsächlich etwas anfangen? Wenn alle "Depperl" (wie etwa ich) zur Erkenntnis gelangen, dass der Musentempel für sie intellektuell eine Überforderung darstellt, könnte man sich auf zwei Sitzreihen im Parkett beschränken!

Frank Castorf hat mit seiner Ring-Zusage das erreicht, was er offenbar wollte: Er ist plötzlich wieder in unser aller Munde. Da muss er sich gefallen lassen, dass er auf dem Prüfstand steht. Heute früh wurde ich via Radio bereits über Castorfs angeblich chaotische Inszenierung von Horvaths "Kasimir und Karoline" am Münchner Residenztheater informiert. Also googelte ich und fand die erste Kritik in "Nachtkritik.de". Wobei zu bemerken wäre, dass diese Kritik eher harmlos im Vergleich zur Rundfunk-Meinung ist: Er mischt die Szenen wild durcheinander, so dass sich die Geschichte nicht entfaltet, sondern als Puzzlespiel daherkommt.

Nach der Pause bleiben dann nur noch Spurenelemente des ursprünglichen Textes über den Oktoberfestreigen, seine vordergründige Gleichmacherei, die Arm und Reich an der Pissrinne zusammenführt, und den Zwiespalt der Figuren zwischen ihren Gefühlen und dem Wunsch nach ökonomischer Sicherheit. Dass Castorf seine Inszenierung trotzdem auf über vier Stunden bringt, liegt an zahlreichen Einschüben, die sich an dem zentralen Begriff Typus abarbeiten – Abhandlungen über den Typus des entindividualisierten Filmschauspielers oder über die Rangordnung des Typus und des Individuums...

...Diese widmet sich in der Endphase einer quälend langen Nazi-Assoziationskette. Albert Speer liegt röchelnd auf einer Matratze und wird von einer asiatischen Prostituierten geschlagen. In einem Schilffeld wird das von KZ-Häftlingen erfundene Lied "Die Moorsoldaten" gesungen, eine Partei-Uniform landet im Klo, ihr Träger bekommt den Hintern versohlt und hat homosexuelle Anwandlungen.

Was als Sampling-Technik bei René Pollesch vielleicht ein rasant geschnittener, cooler Videoclip geworden wäre, hinterlässt bei Castorf das gleiche Gefühl wie Herumzappen in einem Abendprogramm, dessen Werbepausen mit den Nazi-Dokus von Time Life bestückt ist: Erschöpfung und Leere.

Wer weiß, ob ich den Bayreuther Jubiläumsring noch erlebe. Wenn ja, dann freue ich mich darauf, denn da wird hoffentlich ordentlich was los sein. Wer auf seine Karten infolge Castorf-Phobie freiwillig verzichtet, eröffnet mir die Chance, meine Eindrücke nicht bloß aus zweiter Hand zu beziehen. Danke im voraus!!!

Da sind wir nun schon voll beim Schauspiel. Schauplatz Wien/ Burgtheater:

"Romeo und Julia" am Wiener Burgtheater: Daniel Jesch, Fabian Krueger und Daniel Straesser. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner liefert den ersten Premierenbericht: Klaus Figge vor den Vorhang, er figuriert im Programmheft (das keines ist, sondern nur ein paar schmale Blätter – die Dramaturgie des Hauses reißt sich keine Haxen aus, wie man so schön sagt) unter dem Motto „Kampfszenen“. Und da hat er den Herren Krüger, Jesch, Meyer und Sträßer allerhand abverlangt. Wie sie da über die Bühne fetzen – Kompliment. Wie im Kino. Ob jene Jugendlichen, die dergleichen vermutlich gerne sehen würden, doch erklecklich ein paar Euro mehr als für eine Kinokarte hinlegen, um sich das anzusehen, sei dahingestellt, zumal sie mit dem Rest der Geschichte vermutlich dann doch nicht so viel anzufangen wissen…

Die Website des Burgtheaters (man fragt sich wirklich, wer sich da was denkt) verkündet: Im Verona des frühen 15. Jahrhunderts leben zwei bis aufs Blut verfeindete Familien: die Montagues und die Capulets. Romeo Montague erscheint maskiert auf einem Ball der Capulets und begegnet dort deren 14-jähriger Tochter Julia... Na hoppla, das passiert vielleicht bei Shakespeare, aber bestimmt nicht im Burgtheater in der Inszenierung von David Bösch, dergleichen also zu behaupten, ist glatter Etikettenschwindel. Tatsächlich wird man den Eindruck nicht los, der gute alte Shakespeare hat den Regisseur nur gestört, denn was immer er erzählen will, das Stück passt einfach nicht dazu, das zipft an allen Ecken und Enden…

Am Ende gab es natürlich wieder den üblichen Premierenjubel, man will ja schlussendlich nicht als Banause dastehen! Ein einziger Buhrufer stemmt sich hartnäckig gegen den Jubel, was auch der "Kurier" vermerkte, dessen erste Nachtkritik ebenfalls bereits zu lesen ist!
Was veranlasst eigentlich einen Besucher, sich so vehement gegen die Meinung der Mehrheit zu stellen? Gar nicht so wenig Zuschauer verließen kopfschüttelnd, aber lautlos das Theater, eine an sich übliche Reaktion, wenn einem etwas nicht gefällt. Aber angesichts der tobenden Jubelmasse ist dieser Protest natürlich wirkungslos.

Lieber wackerer Buhrufer, melden Sie sich bei mir! Ich würde Sie gerne befragen und Ihrer Meinung Raum geben!

Den Biographien entnehme ich, dass Julia (Yohanna Schwertfeger) fünf Jahre älter als ihr Romeo ist. Foto: Barbara Zeininger

Norbert Mayer in der "Presse" schließt sich nicht ganz der Meinung unserer Rezentin an und ist froh darüber, dass Bösch den Text des ollen Skakespeare auf gut ein Drittel gekürzt hat. Somit geht sich nach der Premiere noch glatt ein Restaurantbesuch aus, was fremdenverkehrsfördernd wirkt: Regisseur David Bösch, der dieses Stück seit 2004 drei Mal inszeniert hat und am Samstag mit einer feinen Version Premiere am Burgtheater feierte, behält das Fixe der Jugend und die Verflixtheit des Schicksals immer klar im Auge. Er hackt den Text (in der Übersetzung von Thomas Brasch) auf ein gefühltes Drittel zusammen, er modernisiert ihn in Nebenbemerkungen aufs Gröbste und lässt es rocken – doch blieb, oh Wunder, in zweieinhalb Stunden (inklusive Pause) das Wesentliche von Shakespeare erhalten. Dieser Romeo (Daniel Sträßer) und diese Julia (Yohanna Schwertfeger) haben Klasse, auch deshalb, weil sie von tollen Charakterdarstellern getragen werden.

Giudo Tartarotti zeigt sich im "Kurier" von so ziemlich allen Schauspielern begeistert: Die schauspielerischen Leistungen sind wunderbar: Zwar übertreibt Yohanna Schwertfeger wieder einmal das Kleinmädchenhafte, dennoch ist diese Julia ihre bisher beste Leistung in Wien. Daniel Sträßer ist ein fantastischer, unbesiegbar junger Romeo. Fabian Krüger und André Meyer, die Mercutio und Benvolio als Rüpel anlegen; Ignaz Kirchner als widerlicher Vater Capulet; Petra Morzé als dessen versoffene Frau; Daniel Jesch als stotternder Tybald; Branko Samarovski als Mönch; Britta Furgler, Gerrit Jansen, Franz J. Csencsits: Alle toll

Dieser Tage stellten die rührigen "Hallenbadfreunde", die das historische Alte Hallenbad in Friedberg / Hessen vor dem Verfall bewahren wollen, ihren Imagefilm vor. Aus dem Hallenbad soll nämlich ein Theater werden! Lesen Sie mehr darüber in unseren Tagesinfos!

Die "Oberösterreichischen Nachrichten" beleuchten einen Kriminalfall. Zumindest ein Schiele ist nämlich spurlos aus der Linzer Galerie verschwunden, dummerweise eine Leihgabe, die die Erben nach der großzügigen Verleiherin nun zurück haben wollen. Pech ist, dass seinerzeit Kunsthändler und Sammler Wolfgang Gurlitt seine Hände im Spiel hatte, der zwischen öffentlich und privat scheinbar kaum unterschieden hat: Zurück zum Rechtsstreit, der 2006 zwischen dem Großneffen der Wienerin und der Stadt Linz begonnen hat, nachdem die Leihscheine im Nachlass der 1965 verstorbenen Wienerin gefunden wurden. „Wir wehren uns gegen die Aussage, dass die Bilder aus Schlamperei der Galerie-Angestellten verschwunden sind, denn diese Bilder sind gar nicht in die Sammlung der Stadt übergegangen“, sagt Stieber. Sicher sei, dass „Gurlitt eine höchst dubiose Figur war und undurchsichtige Geschäfte auch mit Nazibonzen gemacht hat. Noch heute holt uns sein Tun auch bei Restitutionsfällen immer wieder ein.“

Boris, der Streitbare!

In einen kuriosen Rechtsstreit ist wieder einmal Boris Becker verwickelt: Boris Becker, 43, Ex-Tennisstar, steht wegen Zechprellerei vor Gericht - in der Kirche. Er weigert sich, die Rechnung des Pfarrers für seine Hochzeit mit Lilly Kerssenberg am 12. Juni 2009 in St. Moritz zu bezahlen. Romantiker Becker ("einer der schönsten Tage meines Lebens") sagte, im Kostenvoranschlag, den er eingeholt habe, sei nur von 2000 Franken die Rede gewesen. Pfarrer Brent Fisher will nun aber 9600 Franken, umgerechnet fast 7900 Euro. Und das ist Becker die Ehe nun offenbar auch nicht wert. "Dieser Pfarrer will mich abzocken", sagte er vor dem Kantonsgericht Zug. Becker, der mit verletztem Fuß und auf Krücken gestützt vor Gericht erschien, begründete den Prozess damit, dass es ihm ums Prinzip gehe. Er sei sehr enttäuscht vom Verhalten dieses Kirchenvertreters, sagte er.

Pfarrer Fisher selbst, ein amerikanischer Staatsbürger mit Wohnsitz St. Moritz, der sich auf Prominententrauungen spezialisiert hat, rechnet anders. 2000 Franken seien der Tarif für normale Trauungen - die Becker-Hochzeit sei aber nicht normal gewesen. Unter anderem setzte der Geistliche Becker vier Stunden Arbeitszeit auf die Rechnung, in denen er von RTL interviewt worden war. Das Urteil soll in zwei bis drei Wochen gesprochen werden.

Sachen gibt es auf der Welt, die unglaublich sind. "Spezialist für Prominententrauungen", wer hat das je gehört!

Somit verbleibe ich mit Wünschen für eine schöne Woche

A.C
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DIENSTAG, 1. NOVEMBER 2011
Heute startet an der Wiener Staatsoper der "Thielemann-Ring". Auch wer keine Karten hat, kann ab 19 h mittels Riesen-Leinwand an der Außenfront der Staatsoper "Das Rheingold" sehen.

Wir, das sind unsere Rezensentin Renate Wagner (die diese Idee an dieser Stelle propagiert hat), meine Frau und ich, werden heute nicht in, sondern vor der Oper sein und beobachten, wie dieses Angebot von den Opernfreunden angenommen wird. Kommen auch Sie sehr zahlreich, wir können zwar keinen lauen Sommerabend versprechen, aber das Wetter dürfte es mit diesem Vorabend zum "Ring" nicht schlecht meinen.

Die erste Rezension der mit Spannung erwarteten Premiere von "Les Contes d'Hoffmann" in München steht auch schon online. Jakobine Kempkens saß allerdings so ungünstig, dass sie sich auf musikalische und vokale Eindrücke beschränkt. Für Rolando Villazon wurde die Premiere zum Triumph!!

"Siegfried" in Frankfurt. Vera Nemirova liefert fast ein Kammerspiel ab. Lance Ryan auf dem Weg zu Brünnhilde (Susan Bullock). Foto: Monika Rittershaus.

Die mit Spannung erwartete "Siegfried"-Premiere an der Frankfurter Oper (Sebastian Weigle dirigierte, Vera Nemirova inszeniert den gesamten "Ring") schlägt sich auch in unserer Presseschau nieder. Wie sieht das die "Welt online"? Die Frankfurter Oper liegt am Rande des Bankenviertels, vor den fassadengroßen Panoramascheiben stehen die Hochhäuser Spalier. Unten, am Boden zwischen Oper und Europäischer Zentralbank, campiert die Occupy-Bewegung. Auch im Opernhaus wird am Sonntagabend eine Art Kapitalismuskritik betrieben: Siegfried will dem Drachen "das Gold, das zum Herrscher macht" entreißen. Der wehrt müde ab: "Ich lieg und besitz'. Lasst mich schlafen."

Wie auf das Feindbild der Occupy-Bewegung gemünzt, beginnt auch Richard Wagners vier Abende umfassender Opern-Zyklus mit einer auf Pump gekauften Immobilie

"Deutschlandradio" tut uns kund: Die Welt ist eine Scheibe, zumindest in der bornierten Götterwelt Wotans, in der ja sowieso sehr spezielle Gesetze gelten, zum Beispiel dass man einen besonderen Ring benötigt, um die Macht über die Welt zu haben. Vera Nemirova lässt alle vier Teile der Wagner'schen "Ring"-Tetralogie auf und unter und neben einem bühnenfüllenden Rondell spielen, einer mit Jahresringen gezeichneten Scheibe eines Baumstammes ähnelnd, die so karg und weit ist, dass nichts ablenkt von dem, was ihr wichtig ist: von den Menschen, die sich hier allmählich vernichten. "Der Wanderer" (Terje Stensvold), Siegfried (Lance Ryan), Mime (Peter Marsh) scheinen sich in dieser Weite als Protagonisten eines intimen Kammerspiels einzufinden, in dem die Rede, das Spiel miteinander alles, die Ausstattung eher wenig ist.

Die "Gießener Allgemeine" meint: Bei der bulgarischen Regisseurin Vera Nemirova darf Siegfried all das sein und noch viel mehr. Getreu ihrem gut durchdachten, psychologisierenden Deutungsansatz sieht sie in dem tölpeligen Drachentöter vor allem ein zutiefst frustriertes Kind, dem elterliche Zuneigung ebenso fehlen wie positive Vorbilder. Dass so einer gefühlskalt Fafner und Mime erschlägt, gleichzeitig aber aus Furcht vor der Liebe zu einer Frau Qualen leidet, ist durchweg überzeugend.

Im Kanadier Lance Ryan hat sie einen Titelhelden gefunden, der trotz seiner bereits achten Verkörperung der Rolle noch neugierig genug ist, sich mit diesen zumeist übersehenen, Kasper Hauser ähnlichen Zügen von Wagners Lieblingsrecken auseinanderzusetzen.

"Ihr bunten Götter, wie geht's". Jürgen Müller als "Loge" in Achim Freyers Mannheimer "Rheingold".

Auszug aus der "Frankfurter Allgemeinen": Eine Inszenierung ist das nicht. Es ist mehr und weniger zugleich. Hier geht einer zurück auf null und schlägt mit leichter Hand sein eigenes Welttheater auf. Hält sich, ganz konkret und doch poetisch, an jene Pfosten und Bretter, die schon dem hohen Herrn aus Weimar für seinen „Faust“ genügten. Budenzauber also, aber in höherer Potenz. Aus Brett und Stange wird die leuchtende Gerade des Zeitenlaufs, drei dieser Schicksalslinien verbinden sich zu mystischer Trinität, unterm magischen Dreieck wölbt sich das Bühnenrund zur Kugel. Urelemente, orphisch, zu dunklem Es-Dur-Geraune - und jedermann erwartet sich ein Fest.

Ein Fest bekommen die Zuschauer im Mannheimer Nationaltheater tatsächlich; allerdings ganz anders, als mancher orthodoxe Wagnerianer sich das vorgestellt haben mag. Es gibt keinen Rhein und kein richtiges Gold in diesem „Rheingold“, Walhall bleibt ein Wolkenkuckucksheim, irgendwo im offenen Schnürboden; dessen künftige Bewohner, die Germanengötter, schreiten einher, als wären sie Bildern von Dalí und Max Ernst entschlüpft; und Alberich, der Fiesling, ist bloß ein frustrierter Clown auf überhohen Kothurnen, der offenbar zu oft den „Großen Diktator“ nachgeahmt hat.

Aus Stuttgart berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" über Berlioz "La Damnation de Faust": Am Regietisch sassen nicht die beiden Hausherren, sondern Andrea Moses, die als Leitende Regisseurin das szenische Gesicht des Hauses mitprägen wird. Ihre Handschrift ist unverkennbar, die Prämissen sind jedoch die, die sich in der ästhetischen Familie von Jossi Wieler von selbst verstehen. Weshalb die Inszenierung den Stoff aus der Perspektive der Gegenwart heraus entwickelt und in eine eigene Bildersprache fasst. Faust ist insofern ein Einsamer, Draussengebliebener, als er das Geschehen um ihn herum aus der Distanz beobachtet und mit seiner Videokamera aufzeichnet. Ob Mephistopheles eine Projektion von Faust ist oder umgekehrt, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, dass mit Mephistopheles das allenthalben präsente Prinzip des Negativen und Zerstörerischen in Wirksamkeit tritt. Das Frühlingsfest zu Beginn des Stücks offenbart sich als eine Hochzeit unter Roma, die von einem Schlägertrupp des Jobbik brutal zu Ende gebracht wird. Der Chef der Truppe ist Mephistopheles, er zieht die Fäden – nicht zuletzt mit Hilfe von Gretchen, die alsbald als eine seiner Assistentinnen zum Einsatz kommt.

Intellektuell etwas aufgeblasen, aber dennoch unterhaltsam kommt "Gräfin Mariza" in der Inszenierung von Olivier Tambosi am Linzer Landestheater daher:

Tineke van Ingelgem in der Titelrolle. Foto: Brachwitz

Für den Online-Merker" schreibt Michael Koling: Vor diesen historischen Hintergrund stellt Olivier Tambosi seine Inszenierung, die letzten Samstag, 29.Oktober, den Tag vor Kálmáns Todestag, im Linzer Landestheater Premiere hatte. Tambosi lässt diese „Gräfin Mariza“ in einem Café von einer Laientruppe spielen, man spielt um Essen statt um Geld, und das Stück von den Kaffeehausbesuchern mit historischen Zitaten kommentieren. Die Inszenierung umgeht dabei bewusst jede scheinungarische Folklore (Bühnenbild: Andreas Wilkens), gewinnt aber durch Zitate an die so genannt goldenen 20er-Jahre (Kostüme: Brigitta Lohrer-Horres, Choreographie: Stephan Brauer) an Dichte und Ausdruck. Und wenn das Bühnenbild in den Szenen am Landgut der Gräfin bewusst mit Requisiten geizt und die bunten Prospekte an mit Wasserfarben gemalte Schülerbilder erinnern, werden in anderen Szenen und als groteske Begleitung mit optischen Zitaten an George Grosz realitätsnah karikierende Gegensätze gesetzt. Die Parallelen zu Politik und Wirtschaftsleben von heute sind gewollt und unübersehbar. Und dennoch, trotz aller Realitäsbezogenheit arbeitet Tambosi nie mit dem Holzhammer.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, dachten offenbar die "Oberösterreichischen Nachrichten" und titeln "Intellektuell aufgeblasener Mulatschak im Traxlmayer". Wer aber nun ein Verriss erwartet, der irrt. Auch diese Zeitung empfiehlt den Besuch der "Mariza":

Tambosi lässt das Nachtrauern um eine glanzvolle Zeit nicht einfach so ablaufen, sondern bettet es in eine selbst erdachte Rahmenhandlung ein. Und die spielt in einem Linzer Café, in dem eine Theatertruppe die eben erst in Wien uraufgeführte „Gräfin Mariza“ nachzuspielen versucht. Nicht um Geld als Gage, sondern um ein warmes Essen.

Theater auf dem Theater vermischt mit intellektuell etwas zu aufgeblasener Hintergrundinformation, die – per se interessant und treffend – dann doch den Ablauf manchmal bremste und die nachgestellte Aufführung in der Provinz unnötig in die Länge zog. Dennoch – und das ist auch bei Kálmáns Csárdásfürstin nicht anders – hat die Operette durchaus politischen Sprengstoff. Der Zusammenbruch der Monarchie bewirkte nicht nur Not bei den einfachen Leuten, sondern trieb auch viele Adelige und vor allem Mitglieder des Beamtenheeres und hochgestellte Militärs in den Ruin.

Daher ist es gar nicht schlecht, die Operettenrealität nicht durch schöne Musik zur weltfremden Fiktion verkommen zu lassen, sondern das Stück dort zu belassen, wo und aus welchem Anlass es entstand. Das funktionierte auch deshalb, weil Tambosi sein Konzept minutiös geplant hat und diese Perfektion auch in großteils sehr bühnenwirksame Aktionen umsetzen konnte. Es gab vielleicht inhaltliche Längen, aber keine inszenatorischen Durchhänger.

Berlin, Stadt mit großer Migration, Komische Oper: Die Berliner Zeitung besuchte die "Migrations-Kinderoper "Mikropolis": In "Mikropolis", der neuen "abenteuerlichen Insektenoper" des Komponisten Christian Jost und des Librettisten Michael Frowin, ist die Komische Oper dazu übergegangen, mit Kinderopern kulturpolitische Signale zu senden. Das ist neu, und nur an wenigen anderen deutschen Opernhäusern hat man in den letzten Jahren so konsequent die Rahmenbedingungen dafür geschaffen wie hier...

...Und so enthält die in Berlin und Brandenburg spielende Oper "Mikropolis" natürlich Figuren, die zu dieser Ansprache in der Lage sein sollen: Da sind Matthias Siddharta Otto als Stubenfliege Kostas und Horst Lamnek als Bremse Erdal ("Bist du Stadt, bist du Abenteuer"), dessen Insekten-Gehörgänge wie szenige DJ-Kopfhörer aussehen. Zwei südländische Großstadtmachos mit gutem Herz, klar. Da ist, als eher abschreckendes Beispiel, der deutsch-chinesische Marienkäfer Kung (Peter Renz), der eine Art Integrationskomplex hat, mit Lederhosen und Gamsbart auftritt und penetrant auf seinen neuen Namen "Kurt" verweist. "Chinesische Spießer in deutschen Wiesen können einem den Tag vermiesen", singen Ameise Anabelle (Anastasia Melnik) und Kreuzspinne Natalie (Annelie Sophie Müller).

Dem Versuch ist Glück zu wünschen - und nicht solche Kinder, wie ich eines war. Wenn man mir etwas einzureden versucht hat, habe ich es sofort gemerkt und eine Gegenhaltung eingenommen. Solch ein Kind bin ich bis zum heutigen Tag geblieben. Möge der Schuss also nicht nach hinten losgehen!

Vesselina Kasarova gibt am Donnerstag in Graz einen Liederabend.

Die "Kleine Zeitung" interviewt die bulgarische Mezzosopranistin: Welche Dirigenten haben Sie am stärksten beeinflusst?

KASAROVA: Vor allem Nikolaus Harnoncourt, von dem ich so viel gelernt habe, aber auch FranzWelser-Möst, der ein sehr emotioneller Typ ist, und Marc Minkowski, der nichts Eindimensionales mag und Ausdruck liebt.

Vesselina Kasarova: Liederabend am 3. November, 19.45 Uhr, Stephaniensaal, Graz. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.

"La Sylphide" an der Wiener Staatsoper. Nun kommt die Alternativbesetzung zum Zug: Natalie Kusch, Maria Yakovleva und Shane Wuerthner. Foto: Barbara Zeininger

Mark Knopfler und Bob Dylan sind derzeit gemeinsam auf Tour: An diesem Abend tanzt Bob Dylan munter durch sein Werk wie ein betrunkener Wanderprediger. Geht in die Knie am Mikrofon und mit der Mundharmonika und lässt die Hüften kreisen, wenn er sich an seiner Orgel festhält. Was aus seinem Hals drängt, hört sich nach der Seele jenes alten Mannes an, der er bereits vor 50 sein wollte, auf den New Yorker Kneipenbühnen.

Was sein Treffen mit Mark Knopfler lehrt: Man kann die Rockgeschichte von zwei Seiten her erzählen. Aus der Sicht des Schmeichlers, der seine Musik als Dienstleistung versteht und auch von seinen Hörern so verstanden wird. Und aus der Sicht des Schrats, der seine Stücke ernster als sich selber nimmt und nicht verlangt, dass man ihn mag. Am Ende zeigt Bob Dylan seine leeren Hände, ohne Zugabe und Gruß geht er davon. (Auszug aus der "Berliner Morgenpost")

Weitere Termine: 6.11. Hannover, 7.11. Nürnberg, 8.11. Innsbruck

„Ich bin psychopathogen, ich muss es als Querulant immer anders machen, als es dasteht“, sagt Frank Castorf über sich.

Nachdem der große Knaller in Martin Kusejs Premieren-Marathon bisher ausgeblieben ist, richten sich die Schock- Erwartungen jetzt auf den als Stückezertrümmerer berühmt-berüchtigten Intendanten der Berliner Volksbühne.

In der Website www.kultur-vollzug.de. verrät Castorf nicht nur, dass er Kommunist und deswegen "neurosenfrei", sondern auch, dass der Vertrag mit Bayreuth noch nicht unterschrieben ist:

Ich habe noch nicht unterschrieben, ich muss erst meinen Regierenden Bürgermeister fragen.

Sie haben nur anderthalb Jahre Zeit.

Der Druck ist extrem. Aber ich arbeite unter Druck am liebsten und bin ein sehr schneller Maschinenarbeiter. Der „Ring“ hat einen Vorteil: Er ist nicht unter 17 Stunden zu haben. Anderswo heißt es immer: Mach's nicht so lang, denk an die letzte U-Bahn.

Sie haben bisher nicht viel Opern-Regieerfahrung.

Ich habe viele Angebote abgesagt, weil für mich ein künstlerischer Freiraum wichtig ist. Aber wenn Richard Wagner 200 wird, verdient er schon, dass ich es mache.

Martin Kusej hat den Mund wieder einmal zu voll genommen, seine bisherigen Premieren im Münchner Residenztheater verliefen großteils enttäuschend. Nun sollte es Frank Castorf "richten", berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" unter dem Titel "Zoff auf dem Wohn-Klo": Nun sollte es der Meister in der bayrischen Hauptstadt noch einmal richten und – nach mittlerweile sechs mehr oder weniger verhauten oder schlichtweg mit zu hohen Erwartungen belasteten Premieren – dem Start von Intendant Martin Kušej am Residenztheater mit Ödön von Horvaths bös-bitterem Oktoberfest-Panoptikum «Kasimir und Karoline» doch noch zu einem anarchischen Glanzpunkt verhelfen.

Es war klar, dass Castorf die Horvathsche Reissbrett-Psychologie – Kasimir wird «abgebaut» und verliert dadurch nicht nur seine Existenz, sondern «automatisch» auch die Liebe seiner Verlobten – nach Strich und Faden aus den Angeln reissen würde. Entscheidend ist aber vor allem, mit welchem Energielevel, man könnte auch sagen Härtegrad, das längst etablierte Verfahren der Dekonstruktion in das zugrundegelegte Drama einschlägt. Gelingt der Zugriff, dann kann die Castorfsche Theatermaschine wie eine Dampfwalze mit Ferrari-Motor durch ein Stück rollen und beim Zersplittern gewohnter Sinnzusammenhänge eine Wolke wüster Wahrheiten zum Aufleuchten bringen. In München allerdings bleibt nach vier streckenweise zäh dümpelnden Stunden nur ein Haufen rostiger Ideologieschrott übrig, und auch durch die mit Ernst Jüngers Arbeiter-Mobilmachungs-Pathos neu eingezogene politische Zwischenebene vermitteln sich, soweit man den atemlosen Stakkato-Monologen folgen kann, keine elektrisierenden Erkenntnisse.

Frank Castorf im Originalton: "Was das Publikum denkt, geht mir am Arsch vorbei"!

Aus journalistischer Sicht freue ich mich auf seinen Ring. Langweiler ist er keiner!

Im Normalfall entnehme ich "Codex flores" eher trockene Infos, die Schweizer sind ja nicht ob ihres Humors berühmt. Nachstehende Geschichte ist jedoch humorig: Ein 60jähriger Geiger, der einen Nachwuchswettbewerb für 16- bis 26-jährige wegen Altersdiskriminierung verklagt hat, klagt nun gegen den Richter, der die Klage abgeschmettert hat. Der könnte altersmässig sein Vater sein.

Laut einem Bericht der «New York Daily News» wies der Richter Robert Patterson die Klage des Geigers gegen den Wettbewerb wegen formaler Mängel zurück.

Dies will der 60jährige «Nachwuchsgeiger» offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Er ficht das Urteil an, weil er der Überzeugung ist, dass Patterson nicht mehr über die nötigen «physischen und mentalen Fähigkeiten» zum Entscheiden der Sache verfüge.

Tatsächlich ist auch Patterson nicht mehr gerade ein Jungspund. Mangel an Erfahrung dürfte man ihm aber kaum vorwerfen können - immerhin zählt er 88 Lenze

Heute ist Allerheiligen-Feiertag. Passend dazu nun eine Tipp aus "Drehpunkt Kultur", wie man auch "Do it yourself"-Begräbnisse arrangieren und dabei Geld sparen kann: Der Spartrend bei Begräbnissen setzt sich fort. Discont-Bestatter boomen und immer mehr Aufgaben werden von Angehörigen aus Kostengründen in Eigenregie übernommen“, erfahren wir aus der Pressemeldung. „78 Prozent der Deutschen wollen künftig bei der Bestattung ihrer Angehörigen mithelfen, wenngleich dies bisher erst 21 Prozent gemacht haben.“ Das zeige eine aktuelle Umfrage eines einschlägigen Online-Portals.

Was steht an im Fall des Falles, um das Börsel zu schönen? Zu den bevorzugten Aufgaben, die Angehörige übernehmen wollen, gehört die Auswahl der Trauermusik (71 Prozent), die Dekoration (53 Prozent) und das Halten der Trauerrede (37 Prozent). Traueranzeigen werden oft selbst aufgegeben oder die Trauerkarten gestaltet. Selten, aber öfter als früher wollen die Angehörigen auch Sarg oder Urne designen, die Formalitäten selbst erledigen oder den Sarg beim Begräbnis tragen.

Bis zu vierhundert Euro könne man sich ersparen, wenn man den Trauerredner einspart und sich selbst lobesame Worte ausdenkt. Aber es darf nicht nur um den schnöden Mammon gehen: Psychologen sehen in dieser Entwicklung die Rückkehr des Persönlichen in den Trauerprozess: „Die eigene Beteiligung hilft den Angehörigen sehr in der Trauer und kann sie aus ihrer Hilflosigkeit bei einem Todesfall herausholen“, so die Bestatterin und Trauerpsychologin Christine Pernlochner-Kügler.

Lesen Sie in unserer Presseschau weiter, wenn es Sie interessiert. Verulken möchte ich den heutigen Tag sicher nicht!

Kommen Sie, soferne Sie in Wien wohnen, heute zum "Rheingold" vor die Wiener Staatsoper. Ziehen Sie sich warm an, denn am Abend wird es "frisch" sein!

Bis dahin grüßt Sie

A.C.

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MITTWOCH, 2. NOVEMBER 2011
München: Triumph für Rolando Villazon und Diana Damrau. Szenisch belangloser "Hoffmann".

Was hat man nicht Rolando Villazon für seinen "Hoffmann vorausgesagt! Ein Scheitern war vorprogrammiert, die Mitleidsmasche sollte wieder aktiviert werden. Zumindest bei der Premiere konnte der Tenor aber all diese Bedenken zerstreuen.

Merker-Mitarbeiterin Jakobine Kempkens hat auch bereits erkannt, dass man seine Leserzahl vervielfacht, wenn man rasch liefert. So berichtete sie bereits wenige Stunden nach Ende der Premiere vom Triumph Villazons, aber auch von einem ebensolchen der Diana Damrau, der aber weniger überrascht: Dieser Premierenabend jedenfalls gestaltete sich zum umjubelten Triumphzug von Rolando Villazón: Bangte man im 1. Akt noch ein wenig ob der von Constantinos Carydis am Pult vorgegebenen Härte und wuchtigen Orchestersprache um den Tenor, der sich mit einem glänzend gesungenen „Kleinzack“ präsentierte, so wurde Villazón im Laufe des Abends immer geschmeidiger und weicher (das großartig spielende Bayerische Staatsorchester übrigens auch!), sein berühmtes Leuchten, seine wunderbaren gefühlvollen Piani waren da, die Höhe strahlte kraftvoll und makellos. Fast hatte man den Eindruck, er sänge sich zunehmend „warm“ und in Stimmung. Mit seiner enormen Bühnenpräsenz und seinem schauspielerischen Geschick wird er dem zerrissenen Dichter voll und ganz gerecht. In dieser Inszenierung ist er ein Abhängiger, von der oder den Frauen/en seines Lebens und von der Wodkaflasche, die ihm wahlweise die Muse Niklausse oder die Souffleuse aus dem Kasten reichen.

Diana Damrau, Rolando Villazon

Laut Volker Boser von der "Münchner Abendzeitung gebührt die Krone des Abends jedoch Diana Damrau: Schon zu Beginn lässt Diana Damrau keine Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend in der Staatsoper die Kohlen aus dem Feuer holen wird. Mutig hat sie alle drei Sopranpartien in Offenbachs Oper übernommen. Die Koloraturen der Olympia gelingen hinreißend, später dann, als todkranke Antonia, wird sie leider von der Regie in eine alberne Stummfilm-Pose gezwungen. Mit schwarzer Perücke im weißen Nachthemd (Kostüme: Buki Shiff) geistert sie über die Bühne und gibt Rätsel auf. Als Kurtisane Giulietta darf sie gelegentlich ordinär lachen und resolut die Arme in die Hüften stemmen.

Ein Glück, dass sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Musikalisch setzt Diana Damrau einen Höhepunkt nach dem anderen. Sie ist die grandiose Mitte, um die sich alles dreht. Und der sich auch der Titelheld beugen muss. Vorab war man etwas beunruhigt, ob Rolando Villazón für die Partie des Hoffmann das nötige Stehvermögen mitbringen würde. Auch vor seiner Stimmkrise dürfte er nicht die Idealbesetzung gewesen sein.

Jetzt, wo man ihm anmerkt, wie schwer manche Passagen – vor allem im Giulietta-Akt – zu bewältigen sind, bleiben trotz der dramatischen Vehemenz dann doch Wünsche offen: Wenn er forciert, wird die Stimme eng. Glanz und Durchsetzungsvermögen halten sich in Grenzen. Und auch im Spiel wirkt der Mexikaner zwar ungemein intensiv, aber manchmal allzu aufgedreht. Regisseur Richard Jones lässt ihn seine Liebesabenteuer mit der Flasche in der Hand erzählen – Hoffmann, ein schwadronierender Suffkopf? Wohl eher nicht, aber die Inszenierung hatte ohnehin kaum vor, viele Zwischentöne zu investieren

Der "Kurier" hat Gert Korentschnig eine Dienstreise nach München genehmigt: Richard Jones macht also vor, wie konservatives Musiktheater heute noch (oder wieder?) funktionieren kann. Zeigt, was etwa Jean-Louis Martinoty zuletzt in Wien zu zeigen nicht gelungen war. Die Bühne von Giles Cadles besteht nur aus einem Zimmer und seitlich einem Korridor. Dieses Zimmer wird aber in jedem Akt zur Wunderbox. Zu Meister Luthers Weinkeller. Zum liebevoll dekorierten Puppenhaus der Olympia. Zum Heim der Antonia, in dem eine goldene Schallplatte an der Wand hängt und die Stimme der an der Kunst verstorbenen Mutter aus dem Grammofon tönt. Zum Spiegel-Salon der Giulietta, der gleichzeitig Grusel-Kabinett ist.

Neben der fabelhaften Personenführung sind vor allem die Präzision des Regisseurs und der Ideenreichtum bemerkenswert. Olympia erscheint im Kleid von Walt Disneys "Cinderella" und wird von Richard Jones humorvoll choreografiert. Ein weiteres Filmzitat bringt die "Familie Munster" in Erinnerung: Miracle tritt als Herman Munster auf und mit ihm eine bedrohliche Schar Gleichgeschminkter. Am Ende formieren sich nochmals alle Gestalten und erscheinen dem Trunkenbold Hoffmann - um zu dessen Romanfiguren zu werden. Theater zum Staunen und Mitdenken - manchen im Publikum war's eine Spur zu gemütlich, zu altmodisch.

"Siegfried" in Frankfurt. Vera Nemirova hat inszeniert. Schluss-Szene mit Lance Ryan und Susan Bullock. Foto: Monika Rittershaus.

Dr. Klaus Billand besuchte die Premiere in Frankfurt:
Die Tragfähigkeit von neuen Regiekonzepten für Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, die beim näheren Hinsehen oft gar nicht so neu sind, erweist sich häufig erst beim „Siegfried“, der auch bei großen Regisseuren nicht selten zu einer Hängepartie werden kann. Dort ist der neue Frankfurter „Ring“ in der Inszenierung von VERA NEMIROVA und ihrem Dramaturgen MALTE KRASTING nun angekommen. Sie greift mit dem Bühnenbildner JENS KILIAN auf ein altbewährtes Bühnenkonzept zurück, ein plastisches Grundkonzept, mit dessen Elementen sich immer wieder neue Bilder entwickeln lassen, ohne jemals dieses Raumkonzept zu verlassen. Bereits im Neubayreuth Wieland und Wolfgang Wagners war die berühmte Scheibe zu sehen, die sich - ebenfalls in Bayreuth - abgewandelt u.a. bei Alfred Kirchner und Rosalie in einem abgeschnittenen Segment der Weltkugel wieder fand. Weltenrund, Ring und Scheibe passen einfach gut zusammen. Bei Vera Nemirova ist es nun ein schräg angeschnittener Zylinder, der aus einem Mittelteil und vier Ringen besteht. Durch das Verschieben und Drehen dieser Segmente gegen ihre jeweiligen Ebenen ergeben sich fast unmerklich wechselnde Perspektiven, die bei offenem Vorhang Verwandlungen in neue Bilder und damit eine interessante optische Dynamik ermöglichen.

Die umfangreiche Rezension steht online!

Bei dieser Gelegenheit sei auf die Rezension des selben Autors über die DVD des Lübecker "Rings" verwiesen (Aktuelles und DVD-Besprechungen).

Mit diesem „Ring“, wenn man von gewissen inszenatorischen Details und Abwegigkeiten absieht, hat sich Lübeck an die Front der derzeitigen Wagner-Rezeption gespielt. Diese DVD Edition gehört in die Sammlung eines jeden Verehrers des Wagnerschen Werkes. Sie ist ein Dokument dafür, was sog. kleine Häuser mit viel Fantasie, ernsthafter Probentätigkeit und dennoch relativ begrenzten Mitteln auf die Beine stellen können.

Heute findet im Moskauer Bolschoi-Theater die erste Premiere nach der Renovierung statt - es ist "Ruslan und Ludmilla" . In den Genuss einer Übertragung durch "Arte", der durch Annette Gerlachs Moderation etwas vermindert wird, gelangen wir am 13. und 14. dieses Monats!

"Das Rheingold" vor der Wiener Staatsoper - gestern selbst erlebt!. Foto: Renate Wagner

Dankenswerter Weise überträgt die Wiener Staatsoper die vier Ring-Teile mittels Riesen-Leinwand an der Außenfront auf den Herbert von Karajan-Platz. Zu Beginn war die Freiluft-Aufführung recht gut besucht, man konnte sich auch - bei durchaus moderaten Preisen - mit Glühwein und Schnitzelsemmel laben. Ton- und Bildqualität waren hervorragend, die Aufführung Spitze - wie uns Kurt Vlach berichten wird.

Ich saß mit Renate Wagner und deren Gatten 1. Reihe fußfrei, eine (von privater Seite) angebotene Logenkarte reichte ich großzügig an meine durch die Friedhofsbesuche am Allerheiligentag durchfrorene Gattin weiter (soll niemand sagen, dass ich kein Kavalier bin). "Die Walküre" wird am kommenden Sonntag übertragen, wobei ich die Mitnahme von Handschuhen empfehle. Stühle brauchen Sie nicht eigens mitzubringen, die zur Verfügung stehenden werden ausreichend sein!

Kurt Vlach liefert uns im Forum seine ersten Eindrücke im Telegrammstil: Die Philharmoniker fressen Thielemann aus der Hand - wieder ein paar Generalpausen (wo sie auch dramaturgisch passten), vom Tempo her nur unmerklich langsamer als Welser-Möst (3 Minuten). Ich denke, dass der Trauermarsch in der Götterdämmerung GEWALTIG wird....
Eröd hatte zweimal Probleme bei Höhen, weiß nicht, wie oft er den Loge noch singen wird; schauspielerisch eine Wucht. Koniecny beherrschte das erste Bild, sang teilweise fast veristisch; eine kleine Unsicherheit im letzten Bild. Dohmen war solide, Baechle überzeugend; Wagner liegt ihr mehr als Verismo

SEHR gute Rheintöchter; Kushpler extrem wortdeutlich (da kündigen sich schon weitere Wagner-Rollen an), Tonca hat mehr Volumen als zuletzt, überzeugendes Debüt von Henzel, das gleiche kann man von Lars Woldt als Fasolt berichten, der mehr überzeugte als Ain Anger (obwohl dieser auch gut war).

Lippert als Froh unter seinen Möglichkeiten, Eiche als Donner gut. Reinprecht eine sehr gute Freia. Larsson war eine überzeugende Erda, Schmidt ein guter Mime (obwohl mir das Timbre von Pecoraro nach wie vor besser gefällt).

Das Publikum war sehr angetan - und das mit Recht!!!!

Birgit Minichmayr und Nikolaus Ofczarek in Horvaths "Kasimir und Karoline" am Münchner Residenztheater.

Das Kalkül geht auf. durch die (fast) fixe Übernahme der Bayreuther "Ring"-Inszenierung ist der Altspatz Frank Castorf noch einmal ungeheuer modern geworden. Seine Horvath-Inszenierung bei Kusej steht demnach mehr im Fokus, als zu erwarten war - und die Meinungen gehen naturgemäß auseinander. "Die Presse" bezeichnet die Aufführung als "Altherrenabend in München: Ödön von Horváths trauriges Volksstück „Kasimir und Karoline“
dient als Vorwand für einen zynisch abgebrannten Volksbühnenzirkus".

Die "Frankfurter Allgemeine" relativiert: Die einzigen Fahr-Geschäfte auf Hartmut Meyers Bühne sind zwei rollbare Toiletten-Kabinen ohne Vierte Wand. Dazu eine Handvoll ausgedienter Türen, zusammengeschustert zu einem Paravent mit der Slapstick-Tendenz umzufallen; Stühle; Tische; randvolle Maßkrüge je nach Bedarf; und einige riesenbabyhafte Köpfe, nationalsozialistische Regime-Pappkameraden.

Vielleicht ist Castorf aufgefallen, wie gut er zu Horváth passt: launisch, kantig, wandelbar, ein Volksstück für und wider das Volk. Dekonstruktion durch Konstruktion, Demaskierung durch Maskierung. Vielleicht stolpert er deswegen im zweiten Teil auf und davon, während er kichernd lange Textpassagen von Ernst Jünger „über die Gestalt des Arbeiters und den Typus des Schauspielers“ vortragen lässt und sich nach einer Weile gar nicht mehr umblickt, um zu sehen, ob die Zuschauer ihm noch folgen. Also folgen sie ihm nicht mehr und lassen ihn alleine seine verschiedenen Hühnchen - Thai Chicken wie Brathendl - in ihrer ganzen plumpen kunstledernen Vollbusigkeit rupfen.

Natürlich ist Castorfs Oktober-Fest vor allem auch eines: laut und provokativ. In enervierender Endlosschleife steht in München ein Hofbräuhaus und „das Kreuz, das hakerte“ kommt naturgemäß auch nicht zu kurz. Aber die Buh-Rufe gegen die Regie sind nichts gegen die Erleichterung, dass Horváth schließlich doch das letzte Wort behält. Der schönst-traurige, alles sagende Dialog zwischen Kasimir und Erna, mit dem Castorf, der sich zugleich so ernst und so ironisch nimmt, sich nach diesen langen vier Stunden, ob bewusst oder unterbewusst, selbst demaskiert: „Du Erna -“ „Was?“ - „Nichts.“ Eben.

Ai Weiwei soll Steuer nachzahlen! Warum eigentlich nicht?

Pekings Steuerbehörde hat gegen den oppositionellen, weltbekannten Konzeptkünstler Ai Weiwei ein drakonisches Bußgeld von mindestens 15 Millionen Yuan (1,7 Millionen Euro) verhängt. Der Bescheid wegen Steuerbetrugs erging gegen die von Ehefrau Lu Qing geführte Künstleragentur „Fake“, die Ai Weiweis Werk vermarktet. Er wurde dem Pekinger Künstler am Dienstag früh in seinem Atelier in Cao Changdi zugestellt.

Der als Bürgeranwalt engagierte Ai Weiwei war am 3. April polizeilich verschleppt worden und wurde in Isolationshaft eingesperrt. Erst nach seiner Festnahme nahmen Polizei und Steuerbehörde eine Hausdurchsuchung in seinem Atelier vor.

Das berichtet die "Berliner Morgenpost". Jetzt kennen wir nicht die Steuergesetzgebung in China und wissen daher nicht, inwieweit Herrn Ai Weiwei tatsächlich Unrecht geschieht. Aber offenbar zahlen die anderen Chinesen schon ganz gerne Steuern, denn immerhin ist China drauf und dran, Teile Europas zu kaufen!

Madonna war immer schon ein Miststück!

Das sagt einer, der es wissen muss: ihr Bruder!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C

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DONNERSTAG, 3. NOVEMBER 2011
Fulminanter Auftakt des "Rings" unter Christian Thielemann an der Wiener Staatsoper. 1. Szene mit Tomasz Konieczny (Alberich) und den Rheintöchtern (ganz vorne Zoryana Kushpler). Foto: Wiener Staatsoper

Kurt Vlach schreibt im "Online-Merker" : Eine Stimmung wie vor einer Premiere war zu spüren, viele Menschen suchten Karten, interessant war auch, dass die „üblichen“ Agioteure nicht zu sehen waren. Es ist der Direktion hoch anzurechnen, dass sie alle vier Abende live auf den Herbert-von-Karajan-Platz überträgt, was für WagnerianerInnen, die keine Karte bekommen haben, sicherlich ein toller Service ist. Etliche Interessierte nahmen dieses Angebot an (und wenn sie nicht erfroren sind, so kommen sie am Sonntag auch wieder).

Angeblich war dieser Ring achtfach überbucht – was eigentlich gar nicht so verwunderlich ist. Einerseits wird die Tetralogie diese Saison nur ein Mal gezeigt – und Wien hat viel mehr „Wagnerianer“.

Dominik Troger relativiert in seiner Website www.operinwien.at etwas: Trotzdem war dieser Abend kein „ultimatives Opernerlebnis“ – und das hatte mehrere Gründe: nicht alle Sänger agierten in Höchstform, das „Rheingold“ mit seinem oft kammerspielartigen Konversationston ist eher nicht das ureigenste Metier des Dirigenten, und die manchmal fast comicartig anmutende Szene mit dem leichtgewichtigen Stil des Regisseurs Sven-Eric Bechtolf schlug sich mit Thielemanns musikalischen Ansprüchen.

Wo Thielemanns „ureigenstes Metier“ liegt, das erfuhr man im breit angelegten, sich langsam „einbrummenden“ Vorspiel, im Finale, beim ersten Auftritt der Riesen, oder beim Abstieg nach Nibelheim: ein breites, in erdigdeutschem Wohlklang schwingendes Orchester, das sich zu einer klarsichtigen Monumentalität erhebt, die heutzutage ihresgleichen sucht. Aber fast könnte man der Meinung sein, diese Thielemann'sche „Retro-Romantik“ genüge schon sich selbst. Mit den pointenreichen Dialogen des „Rheingolds“ hat sie sich meiner Meinung nach weniger gut angefreundet, dafür blieb der musikalische Fluss zu langatmig. Außerdem bedurften einige Mitwirkende an diesem Abend deutlich der Unterstützung des Dirigenten, die dieser auch fürsorglich beisteuerte.

Christian Thielemann ist der unumstrittene Star des Wiener "Rings"

Dr. Georg Freund meint in seiner "Merker"-Kritik: Christian Thielemann ist wohl gegenwärtig der beste Wagner-Dirigent. Diese Ansicht zu wiederholen heißt freilich Eulen nach Athen tragen. Höchste handwerkliche Präzision vereinigt sich bei diesem Künstler mit tiefer Emotion und unvergleichlicher Werkkenntnis. Man muss schon weit in die Vergangenheit zurückgehen, um vergleichbare Spitzenleistungen eines Orchesterleiters auf diesem Gebiet zu finden. Wie fast immer bei bedeutenden Dirigenten gaben auch die Philharmoniker ihr Bestes und sogar die Blechbläser spielten tadellos.

Diesmal habe ich besonders Thielemanns Fähigkeit bewundert, Sänger zu begleiten und zu unterstützen, wie dies nur den erfahrensten Kapellmeistern gelingt. Davon profitierte in erster Linie Albert Dohmen, der Wotan des Abends.

Lesen Sie weiter in den Rezensionen der Tageszeitung, die wir Ihnen in unserer Presseschau aufbereiten!

Fabio Luisi hat seinen Wohnsitz samt Familie und Hund nach New York verlegt, tauchte aber ziemlich überraschend vorige Woche im Baumgartner Casino in der Linzerstrasse (Wien 14, kein Spielcasino, ein kleiner Veranstaltungssaal, der gerne für CD bzw.DVD-Präsentationen benützt wird) auf.

Fabio Luisi mit Hund

Luisi, seit 2005 Chefdirigent der Symphoniker, hat seinen Vertrag im vergangenen Jahr bis 2013 verlängert. Das Angebot, für weitere drei Jahre zu verlängern, habe er abgelehnt. „Acht Jahre sind genug“, sagte Luisi zur „Presse“. Er hätte mit dem Orchester gearbeitet und mit den Strukturen der Stadt Wien gekämpft, nun solle das ein anderer machen. „Es bringt nichts, wenn ein Einzelner immer wieder dasselbe sagt. Wenn ein neuer Chefdirigent ähnliche Vorschläge einbringt, kann vielleicht tatsächlich etwas verändert werden. Ich“, so Luisi, „kann hier nichts mehr verändern.“

Herr Luisi ist zwar kein geborener Wiener, kennt aber die Wiener Mentalität ziemlich genau. Jetzt mal ehrlich, wer von uns hätte nicht so gehandelt wie der "Maestro? So eine Chance bekommt man einmal im Leben - sie muss genützt werden!

Wer fliegt 16 Stunden nach Buenos Aires (und natürlich wieder retour), um sich dort zweimal "Lohengrin" in einer Neuinszenierung anzusehen? Das kann nur ein sogenannter "Opern-Irrer" sein. Dr. Klaus Billand ist so etwas zuzumuten - nun berichtet er aus dem Teatro Colon (Rezension online) - und trifft dort Bekannte aus Wien. Kurt Rydl sang den "König Heinrich", Janina Baechle war die "Ortrud". Das Ereignis dieser Produktion war jedoch Ann Petersen als "Elsa". Die Titelrolle wurde von Richard Crawley gesungen!

Vera Nemirova zeichnet für den Frankfurter "Ring" verantwortlich

Und wie leicht kann Peinlichkeit aufkommen, wenn Siegfried das Fürchten tatsächlich lernt, indem er das Weib ("Brennender Zauber zückt mir ins Herz") an sich entdeckt!

Nicht so im Frankfurter "Ring". Vera Nemirova entdeckt am dritten Abend der Tetralogie nämlich noch andere Spuren: Zärtlichkeit, Mitleid – und dass "Siegfried", obwohl der junge Held hier aufbricht, die Welt zu retten (ohne es zu wissen), auch Momente des Abschieds beinhaltet. Brünnhilde (empfindsam und zugleich kraftvoll: Susan Bullock) auf dem Felsen muss von der Rolle aus ihrem ersten Leben als kämpfende Maid lassen, um sich den Gefühlen zu ergeben, mit denen der junge Mann sie bestürmt und die er in ihr geweckt hat.
Dieser Auszug stammt aus der "Nassauischen Neuen Presse)".

Rolando Villazon. War er nun wirklich gut - oder doch nicht?

Die "Neue Zürcher Zeitung" kommt für Schweizer Verhältnisse relativ früh mit ihrer "Hoffmann"-Kritik aus München heraus. Entweder war der Rezensent in einer anderen Vorstellung - oder sahen seine Kollegen den mexikanischen Tenor etwas verklärt: Natürlich stellt sich die Frage, ob man sich daran gewöhnen möchte, dass Rolando Villazón ein anderer geworden ist. Sein Schicksal berührt zutiefst, Burnout und Krisen mit der Stimme haben den Tenor gezeichnet. Dennoch ist jeder Sänger selber für sein Wohlbefinden und die Stimme verantwortlich – für die richtige Technik, für die zwingend notwendige Stimmhygiene und ein gesundes Mass an Karriere. In allen Bereichen gab es frühzeitig Warnsignale, Villazón hat sie überhört. Dass er nicht mehr der Alte ist, das zeigte sich nun auch in München.

An der Bayerischen Staatsoper gestaltete er die Titelpartie in «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach. Die Rolle ist ihm vertraut, zwischen 2005 und 2008 hat er sie in Wien, Paris und London gesungen. In München war Villazón hörbar gehemmt und hatte Mühe, das grosse Haus mit seiner Stimme zu füllen. Stumpf klang dieser Hoffmann an der Premiere, die Angst schwang mit. Angst isst die Seele auf, befreit war Villazóns Gesang nicht. Gerade deswegen schenkte er aber dem zerrissenen, krisengeschüttelten Dichter E. T. A. Hoffmann grösste Authentizität und Glaubwürdigkeit

Rupert Bergmann. Foto: Barbara Zeininger

Das Theater an der Wien verlegt die Produktion "Vogel, Herzog, Idiot", 3 Miniopern für Bassbariton, von der "Hölle" in die Kammeroper. Premiere ist morgen, 4.11.

Martin Kusej lobt sich selbst und findet, dass er in München einen guten Job macht. Lesen Sie ein diesbezügliches Interview in der Presseschau.

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger ist über die finanzielle Situation seines Theaters betrübt und lädt seine Enttäuschung auch an den Vorgängern ab: Herbert Föttinger: Ich bin fünf Jahre hier Direktor. Ich bin vielleicht auch ziemlich arrogant. Aber ich erlaube mir diese Arroganz, weil ich glaube, ich habe eine ziemlich gute Direktionszeit hinter mir. Weil ich dieses Haus verändert habe und trotzdem Zahlen eingefahren habe, von denen andere nur träumen können. Ich habe etwas Atypisches gemacht, was in der Josefstadt nie erwartet wurde, und trotzdem acht Millionen Euro eingespielt. Da möchte ich gerne wissen, wer das noch kann. Ich musste mit dem selben Budget auskommen wie meine Vorgänger. Und wie die seit 1988 gehaushaltet haben, darüber möchte ich nicht reden. Nicht einer allein hat Schulden gemacht.

Wenn die Herrschaften dann mal bei den Seitenblicken zusammentreffen, schlecken sie sich gegenseitig ab. So ist es in dieser verlogenen Branche - und so wird es immer sein!!

Renate Wagner sieht Gespenster! Sie war gestern in Baden bei Ibsens Stück: Die „Gespenster“ wörtlich genommen hat Regisseur Michael Gruner für seine Aufführung von Ibsens legendärem Stück im Landestheater Niederösterreich, das seine Aufführungen von St. Pölten dann auch nach Baden hinüberschickt. Die Bühne von Michael Sieberock-Serafimowitsch holt das Publikum nicht in das Haus der wohlhabenden Frau Alving, sondern ist eine Ruinenstätte – so sieht es möglicherweise nach einem Brand aus, so wie jenem, der das Kinderheim zerstörte: Umgestürzte Balken, Mauerreste, eine Pfütze. Die Menschen, die sich hier bewegen, wirken auch nicht als solche – in zerknitterter, verschmutzter dunkler Kleidung, barfuss, sprechen sie nicht miteinander, sondern starr und unbewegt vor sich hin. Gespenster, wie der Titel sagt, lebendige Tote. Jeder scheint nur sein eigenes Schicksal zu memorieren, manchmal, wie in einer Endlosschleife, den Text immer wiederholend…

Zu Renate Wagners FILMSEITE:

Es geschieht immer wieder, dass man Hochkaliber-Schauspieler in Filmen dieser Art findet, in diesem Fall ist es Hugh Jackman, der um einiges mehr kann, aber honetterweise den eine so ernsthafte Leistung hinlegt, als wäre das Drehbuch der Rede wert. Der Junge Dakota Goyo macht dann den Thriller teilweise wieder zum Familienfilm, und bei solcher Mischung wundert es nicht, dass einer der Produzenten Steven Spielberg heißt, denn bei ihm muss auch immer „alles drin“ sein. Abgesehen von seiner Nase für Erfolg - mit seiner bekannten Vorliebe für bewegliche Monster (es müssen ja nicht immer Dinosaurier sein) hätte sich wohl nicht auf die Roboter-Boxer-Story eingelassen, wenn er nicht ihr Kinokassen-Potential erkannt hätte…

Queen Victorias riesige Unterhosen kommen unter'n Hammer

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Stück aus Queen Victorias Unterhosen-Schrank versteigert wurde - und die Preise steigen: Ein riesiger Seidenschlüpfer der ehemaligen britischen Königin ist nun in Schottland für die Rekordsumme von umgerechnet knapp 11.000 Euro versteigert worden. Die XXL-Unterhose erzielte damit bei der Auktion am Dienstagabend in Edinburgh mehr als das Dreifache des Schätzpreises, wie ein Sprecher des Auktionshauses Lyon and Turnbull mitteilte.

Das berichtet uns der "Standard"

Ich verbleibe mit Wünschen für einen schönen Tag

A.C.
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FREITAG, 4. NOVEMBER 2011
"Pique Dame" in Graz. Sonntag ist Premiere der Konwitschny-Inszenierung. August Amonov singt den Hermann.

Peter Konwitschny inszeniert Tschaikowskis "Pique Dame" für die Grazer Oper. Wie es sich für einen fortschrittlichen Regisseur gehört, stirbt die Gräfin nicht nach einem Schock, sondern nach einem Liebesspiel mit Hermann - wobei sie sich wohl altersbedingt physisch übernimmt. Aber geschockt kann sie natürlich auch gewesen sein, dieser Hermann ist ja ein wilder Hund, was Lisa so fasziniert - wie uns der Regisseur in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" verrät: "La Traviata" war die schlichteste Inszenierung, die ich von Ihnen gesehen habe. Wird "Pique Dame" auch so? KONWITSCHNY: Nein, es ist schon reduziert, das ist ja ein Prinzip meiner Arbeit. Aber es gibt hier nicht nur sieben Vorhänge und einen Stuhl.

Gibt es eine zweite Erzählebene? KONWITSCHNY: Nein, es ist nur die Geschichte zwischen diesen beiden und wie hämisch die anderen sich dazu verhalten. Oder eigentlich eine Dreiergeschichte. Die alte Gräfin spielt eine ganz große Rolle. Zwischen der Gräfin und dem Hermann gibt es auch eine Faszination.

Von beiden Seiten? KONWITSCHNY: Von beiden Seiten und das ist existenziell. Das habe ich ins Extrem getrieben, indem der Hermann mit der Gräfin schläft. Damit übernimmt sie sich physisch. Das geht hauptsächlich von der Gräfin aus.

Wieso dieser Eingriff? KONWITSCHNY: Wenn die Gräfin nur aus Schreck vor Hermanns Pistole stirbt und Hermann und Lisa schlafen auch nicht miteinander, weil Lisa sauer ist, weil die Gräfin tot ist, dann finde ich das am Stück vorbei inszeniert. Das ist zwar wörtlich, also buchstabengetreu, aber es ist nicht Tschaikowskis Botschaft.

Die wäre? KONWITSCHNY: Tschaikowski - das wissen wir aus den Tagebüchern, die erst etwa 1990 erschienen sind - hatte extreme sexuelle Fantasien. Er war homosexuell, pädophil und hatte damit ganz große Not in dieser reglementierten Gesellschaft. Und das kommt in diesen Stücken heraus, diese Sucht gerade nach dem Eigentlichen, es jetzt und um jeden Preis zu haben. Das habe ich dem Sinn nach getreu interpretiert.

An der Wiener Staatsoper wird demnächst "L'Elisir d'Amore" erstmals in dieser Saison gespielt, mit Aleksandra Kurzak und Stephen Costello.

Nach Dresden:

"Alcina". Foto: Matthias Creutziger

Händels "harmlose" Alcina ist für den Regisseur Jan Philipp Gloger der Probelauf für Bayreuth. Dort schlägt im nächsten Jahr seine große Stunde mit der Festspieleröffnung /Neuinszenierung des "Fliegenden Holländer". "Welt online berichtet aber nun einmal über seine "Alcina" an der Semperoper: Vielseitig ist der junge Mann also, der sich selbst als "psychologisch denkenden Regisseur" sieht und offen zugibt, dass er von seiner Dramaturgin erst gebrieft werden musste, was für Sichtweisen auf das feuchte Seefahrerstück in Bayreuth bisher durchexerziert wurden. Doch sonderlich viel zu erzählen hatte Jan Philipp Gloger in seiner "Alcina" nicht. Die Oper ist tückisch, meist wird hier auf hohem Larmoyanzton gelitten, denn die alternde Magierin Alcina lernt schmerzensreich, dass sie den von ihr entführten Ruggiero nicht halten kann. Diese hier auf drei Stunden gekürzten, trotzdem sich kaugummizäh ziehenden Variationen der Trauer und Wut verlegten Gloger und sein Bühnenbildner Ben Baur in einen "Irrgarten der Liebe", will sagen: in ein kahlweißes Zimmer, dessen Wände sich permanent segmentartig verschieben, um zum Finale stillzustehen. Daran hat man sich bald sattgesehen, zumal in verborgenen Kabinetten nur Versatzstück-Banalitäten wie ein ausgestopfter Löwe, leere Flaschen, umgestürzte Stühle, ein Armida-Ölschinken oder ein Kronleuchter lauern. Abgenutzte Vanitas-Symbole, die den schier endlosen Arienfluss gliedern und bebildern sollen...

"Lulu" - Szene aus dem 1. Akt. Foto Opera Bastille

Dr. Ingobert Waltenberger ist "unser Mann in Paris".
Heute berichtet er über "Lulu" an der Opéra Bastille:
Lulu ist in Wirklichkeit ein ungemein heutiges Stück. Die Protagonistin eine geldgierige, egomane Vorstadt-Überlebensmaschine. Das Äußere ist alles, ein oder zwei Loyalitäten (Dr. Schön, Schigolch) hält man sich als Säulen der Restidentität. Wer in Paris am Samstagabend in einer Vorortelinie fährt, findet Lulus aufgereiht in der Metro sitzen, eine nach der anderen. Arrogant das Elend übertünchend, auf der Suche nach dem schnellen Glück (?), scheinen diese weiblichen (um klar zu sein: es gibt auch männliche) Nachtvögel einzig dem Eintauchen in kurzlebigen Spaß und launischen Augenblick ergeben. Dass es anders geht, zeigen Wedekind und Berg am Beispiel der lesbischen Gräfin Geschwitz: Nur sie ist ein großherziger, großzügiger, großer Mensch, zu echter Liebe nicht nur fähig, sondern sie bis in die kleinste Pore ihrer wundervollen Person verkörpernd. Ihr Drama einer unerwiderten (wie soll Lulu in ihren kleinen Klischees und Konventionen verhangen auch fähig sein, eine solche Ausnahme in ihrem Leben zu erkennen?) Liebe ist vielleicht der echte Kern der künstlerischen Botschaft dieser Oper. Die durch Anomalität gehandikapte Frau als einzig authentisches Wesen, unfruchtbare Hoffnung auf eine bessere Menschheit, die also Utopie bleiben muss bis zum berühmten Gensprung. Also auf die ziemlich lange Bank geschoben...

Warum man aber "Lulu" spielen muss, wenn man bloß Laura Aikin für die Titelrolle aufbieten kann, fragt der Rezensent. Welcher Mann ist bereit, für diese "Hausfrau" sein Leben zu lassen?

Pavel Cernoch als "Faust" in Stuttgart

Andrea Moses inszenierte Berlioz' "Faust" in Stuttgart und verlegt die Handlung nach Ungarn: Vor einem halben Jahr versammelte sich in Gyöngyöspata, nordöstlich von Budapest, eine paramilitärische Truppe in der Nähe einer Roma-Siedlung. Frauen und Kinder der ethnischen Minderheit stiegen daraufhin in Busse des ungarischen Roten Kreuzes und wurden in Sicherheit gebracht. In so einem Europa gerät man nicht unbedingt in freudige Erwartung, wenn sich auf einer Opernbühne eine ziganeske Hochzeitsgesellschaft vorm Wohnwagen versammelt. Sie wirkt schon bedroht, ehe hinten nebst ungarischer Flagge auch die (offiziell verbotene) rechtsradikale Nationale Garde aufzieht.

Die Töne zum Überfall liefert Hector Berlioz. Der ungarische Rákóczi-Marsch ist das bekannteste Stück seiner Damnation de Faust, und was zu seinen Klängen geschieht, filmt der Titelheld als Kameramann persönlich. Den jungen Faust hat es, in der Partitur wie auf der Bühne der Stuttgarter Staatsoper, nach Ungarn verschlagen.

Das berichtet die "Zeit online"!

Linz bekommt das modernste Musiktheater Europas. Die Werbetrommel wird heftigst gerührt, jeden Sonntag finden Baustellen-Führungen statt. Gleichzeitig entbrennt ein Streit über das Kriegerdenkmal im Volksgarten. Die Diskussion darüber strotzt vor Selbstgerechtigkeit, man unterscheidet zwischen "wertvollen und wertlosen Toten".

www.kultur-vollzug.de befasst sich nochmals mit "Hoffmanns Erzählungen" an der Bayerischen Staatsoper: Hoffmanns Erzählungen mit Damrau und Villazón in der Staatsoper. Zwei Weltstars –
Diana Damrau und Rolando Villazon, ein Dirigent – Constantinos Carydis, der sich anschickt,
den Olymp zu erobern – die Zeichen standen gut...

"Ka-City.de" kommt auf die Premiere "Les Troyens" in Karlsruhe zurück: Als wahre Entdeckung der Premiere wurde die amerikanische Sopranistin Heidi Melton in der Rolle der Dido gefeiert: „Meltons Stimme fließt frei und geschmeidig durch alle Lagen, ist voller Volumen, warm und satt.

Der Tänzer und Ballettdirektor Ivan Liska wird mit dem Deutschen Tanzpreis 2012 geehrt. Der gebürtige Tscheche stand fast 30 Jahre lang auf deutschen Bühnen und übernahm 1998 die Leitung des Bayerischen Staatsballetts. “Er ist ein bewundernswerter Tänzer in allen Charakteren gewesen“, begründete der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Tanzkunst in Deutschland, Ulrich Roehm, am Mittwoch in Essen die Wahl der fünfköpfigen Jury. Die Ehrung ist undotiert und wird zum 29. Mal vergeben.

Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann verkündet eine Handke-Uraufführung und den Ausverkauf des alten Bühnenbodens ein. Ein Stück Bühnenboden im Ausmaß von 21 mal 15 cm kostet wohlfeile 600 Euro
Dass das ein "Renner" wird, wage ich zu bezweifeln!

Das Theater in der Josefstadt beschäftigt 420 (!!!) Mitarbeiter.

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger jammert, was das Zeug hält. Er braucht zusätzliche Subventionen, seine Subventionsgeber bewilligen jedoch nur einen Teil davon. Dabei hat Herr Föttinger vor der Wiener Wahl bewusst "Politisches Theater" zu Gunsten seiner Geldgeber gemacht, was aber angesichts des Wahlergebnisses nicht allzuviel genützt haben dürfte.

Völlig überrascht war ich von der Mitteilung, dass das Theater (natürlich mit dem Ensemble) insgesamt 420 Personen beschäftigt! So steht es tatsächlich in der "Presse". Was, bitte, machen 420 Personen im Theater in der Josefstadt?? Ist das ein Druckfehler? Kann uns da jemand aufklären???

Ist das bereits der Entwurf für den ersten Akt "Walküre" beim Bayreuther Jubiläumsring?

Nein, ich kann Sie beruhigen. Es ist ein Ausschnitt aus Castorfs "Kasimir und Karoline" bei Freund Kusej.

Zu Renate Wagners FILMSEITE:

Renate Wagner war in „Aushilfsgangster“, worin es nicht in erster Linie um die Stars Ben Stiller und Eddie Murphy geht:
Es war nur eine Frage der Zeit, bis die „hochkarätigen“ Gangster der Wall Street, die arme Leute um das bisschen Ersparte bringen, anklagend auf der Kinoleinwand vor den Vorhang gerufen werden. Hier sieht dieser Bernie Madoff-Typ aus wie Alan Alda, verbindlich, scheinbar „sehr nett“, Besitzer eines supernoblen Appartementhauses à la Trump Tower, der großzügig bereit ist, gnadenhalber das Geld seiner armen kleinen Angestellten zu nehmen, um es angeblich zu vermehren…. Auch wenn er längst weiß, dass ohnedies schon alles den Bach runter ist – kein Problem, wenn man persönlich seine Schäfchen im Trockenen hat. Und todsicher ist, dass einem nichts passieren kann. Er hat ja recht: Wenn schon Untersuchungshaft, dann darf er sie doch in seinem luxuriösen Penthouse verbringen, und wenn die FBI-Beamten noch so mit den Zähnen knirschen…
Allzu flott findet unsere Rezensentin den Film nicht, aber am Ende wird es dann amüsant:
Bis sich dann im letzten Teil des Films etwas wahnsinnige, tatsächlich noch nicht da gewesene Action ergibt, wenn roter Luxus-Sportwagen (der angeblich einmal Steve McQueen gehört hat) aus dem Penthouse-Fenster gehievt wird… und Weiteres sollte nicht verraten werden, es ist tatsächlich der einzige sehenswerte Clou des Films, und dass ein paar tolle Gags nicht eben an Glaubwürdigkeit kranken, nimmt man nicht übel, weil sie wirklich vergnüglich sind.

In einem Dortmunder Museum hat eine Putzfrau Teile eines Kunstwerks weggeschrubbt. Eine Museumsrestauratorin hält das Werk „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ für nicht wiederherstellbar - die Sache ist nun ein Fall für die Versicherung.
Die Arbeit des Künstlers Martin Kippenberger (1953 bis 1997), eine Dauerleihgabe für das Museum Ostwall im Dortmunder U, besteht aus einem menschenhohen Holzplattenturm. Unten in der Mitte befindet sich ein Gummitrog mit einem weißlichen Kalkfleck - oder besser: befand sich. Denn ebendiesen Fleck hat die Putzfrau an allen vier Seiten weggeputzt.
„Das war vom Künstler nicht so intendiert“, sagte Stadtsprecherin Dagmar Papajewski. Eigentlich hätten die Putzkräfte genaue Anweisung, die Werke zu schonen. „Selbstverständlich werden die eingewiesen“, sagte Papajewski. 1986 hatte übereifriges Reinigungspersonal in der Düsseldorfer Kunstakademie die berühmte Fettecke von Joseph Beuys (1921 bis 1986) weggekratzt. Dafür zahlte das Land Nordrhein-Westfalen später 40.000 Mark Schadenersatz

Hermann Nitsch.

Vatikan ist das Leopold-Museum noch nie genannt worden“, schien selbst der Superlativen nie abgeneigte Carl Aigner, Vorstandsmitglied des Hauses und Kurator der Nitsch-Ausstellung, fast ein wenig neidisch auf die Formulierung Hermann Nitschs bei der Pressekonferenz zur Ausstellung „Strukturen“ am Donnerstag. Nitsch stellt derzeit im Leopold-Museum aus!

Justin Bieber in Nöten!

Der Krimi um das „Justin-Bieber-Baby“ eskaliert: Groupie Ma­riah Yeater (20) gebar am 6. Juli Sohn Tistyn und behauptet per Klage, Bieber (17) sei der Vater. In allen Details beschreibt sie in einem Gerichtsakt, wie Bie­ber sie nach einem Konzert im Vorjahr hinter die Bühne holte, sie am Klo per 30-Sekunden-Quickie schwängerte (ÖSTERREICH berichtete). Bieber hätte sich mies verhalten: Er lehnte ein Kondom ab, da es sein „erstes Mal“ gewesen sei und er alles „spüren wollte“. Wenige wollen das glauben: Er war damals fix liiert mit Freundin Selena Gomez. Er hätte Yeater auch vor dem Sex seine Handy-Nummer versprochen, nachher wollte er sich aber nur ihre „merken“. Seine Sprecher wehrten sich gegen „bösartige, diffamierende, erwiesenermaßen falsche Anschuldigungen“.

Ich habe da meine eigene Meinung zu dieser Sache, aber die behalte ich für mich!

Einen schönen Tag wünscht

A.C
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SAMSTAG, 5. NOVEMBER 2011
Bei der Hamburger Elbphilharmonie gibt es schon wieder Probleme. Nun musste ein teilweiser Baustopp verfügt werden.

Ursprünglich sollte die Hamburger Elbphilharmonie 77 Millionen Euro kosten und 2010 eröffnet werden. Mittlerweile ist man bei 500 Millionen, und die Arbeiten ruhen in weiten Teilen
Ginge es nach dem letzten Vertrag, würden in diesen Tagen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Jahrhundertbauwerks in Hamburg beginnen. Doch die Elbphilharmonie in der Hafencity ist nach wie vor eine Baustelle, der Termin für die Fertigstellung längst auf April 2014 verschoben – und er könnte sich erneut verzögern. Denn statt Baufortschritt herrscht in wichtigen Teilen des Konzerthauses Baustopp. Seit einigen Tagen tut sich nun auch an der Decke des Großen Saals nichts mehr.

Hier sorgt die komplizierte Statik der Stahlkonstruktion für Streit. „Wir haben große Sicherheitsbedenken“, sagt der Sprecher des Baukonzerns Hochtief, Bernd Pütter. Diese Einschätzung teilt die Stadt nicht. Ihrer Ansicht nach sind die Voraussetzungen für die Fortsetzung der Bauarbeiten gegeben: „Prüfstatiker und Bauaufsichtsbehörde haben die Planungen freigegeben“, erklärt Projekt-Sprecher Karl Olaf Petters. Das reicht dem Baukonzern nicht. Externe Gutachter teilten nach Pütters Angaben die Sorgen des Unternehmens. Im Extremfall könne es später zu Ausfällen kommen, eine Nachrüstung wäre noch teurer.

Apropos Baustelle: Diese Website wir derzeit auch umgebaut - besser gesagt, sie wird überhaupt neu gebaut. Auch bei uns traten Sicherheitsmängel auf. Im Moment funktioniert zwar alles bestens (es ist wie beim Zahnarzt, ist man einmal dort, sind auch die Schmerzen vorbei) und der Server hat sich mit der Site offenbar angefreundet - aber die neue Site ist praktisch fertig - im alten Gewande. Mittwoch gibt es eine Einschulung in die neue Technologie, dann erfolgt der Umzug von Teilen des Inhalts der nunmehrigen Website in die neue! Wer weiß, welche Probleme dann wieder auftreten? Wenn die neue Site in Betrieb geht, ist dann auch das Forum wieder uneingeschränkt benützbar! Diese "mittelalte" Site bleibt aber auch bestehen, weil der Umzug des gesamten Inhalts in die neue eine unbewältigbare Arbeit wäre. Wir haben dann zwei Sites als Archive, die "Pionier-Site" www.der-neue-merker.at " besteht auch nach wie vor, nun kommt die Nachfolgersite zur Archivierung dazu!

Wieso Archivierung??? Ich bin das Gegenteil von einem Nostalgiker, aber es gibt Mitarbeiter, die wollen ihre Berichte für die Ewigkeit gespeichert wissen. Ein Tipp: Drucken Sie zur Sicherheit Ihre Lieblinsartikel aus - bevor wirklich etwas schief geht!
Die Website hat in den letzten Wochen mehrmals die 3000er-Grenze (pro Tag!!) überschritten, selbst an "schwachen Tagen" (Samstag ist der schwächste Tag) kratzt sie daran. Absoluter Höhepunkt ist immer Montag zwischen 9 und 11 h. Wegen dieser Frequenz ist die Site auch ein beliebtes Zile von Spams und Hackerattacken, deshalb musste die Technologie angepasst werden. Ein teurer Spaß!!

Rupert Bergmann in der "Vogel, Herzog, Idiot"-Produktion des Theater an der Wien in der Wiener Kammeroper. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner war für uns dabei - für eine einzige Stunde! Der ganze Abend dauert genau eine Stunde, aber nach dieser ist man als Zuschauer hoch zufrieden. Hier hat schlicht und einfach ein überzeugendes Konzept gegriffen, und dass das Theater an der Wien als Auftraggeber und Uraufführungs-Produzent von seinem Pausenraum im Souterrain, „Hölle“ genannt, in die von allerlei Schicksalsschlägen gebeutelte Kammeroper übersiedelt ist, erwies sich als Glücksfall: Es schien der ideale Raum für die drei Mini-Mono-Opern, die hier nach der Idee des Bassbaritons Rupert Bergmann das Licht der Bühne erblickten. Und selbst wenn es ihm nur, ganz künstler-egoistisch, um drei wirkungsvolle Rollen ging, herausgekommen ist ein feiner, runder, lustiger Abend, der heutiges Musiktheater leicht macht (wenn dergleichen denn sein darf…!) und schön mit den Möglichkeiten des Genres spielt.

Morenike Fadayomi hat die "Isolden-Stimme" für die "Salome" an der Wiener Volksoper.

Maria und Johann Jahnas waren von der "Alternativbesetzung" (Zweitbesetzung klingt abwertend und wäre im konkreten Fall auch falsch) begeistert: Herrlich, wundervoll". Wie Herodes nach dem Schleiertanz, so haben auch wir nach der Vorstellung ausgerufen. Nach einer sehr guten Premiere war in der gestrigen Aufführung mit der kompletten Alternativbesetzung der Hauptrollen eine deutliche Steigerung hörbar. Dies ist in erster Linie dem Volksopernorchester unter Gerrit Prießnitz zu danken, der eine berührende, exakte, aufregende Interprätation geboten hat. Über weite Strecken konnte man vergessen, dass hier nicht über hundert Philharmoniker, sondern die reduzierte (allerdings von Richard Strauss legalisierte) Besetzung des Volksopernorchesters am Werk war.

Ein weiterer Höhepunkt war die Salome der Morenike Fadayomi. Diese englische Sopranistin besitzt die geforderte "Isolden-Stimme", ist in keiner Phase überfordert, singt lyrisch schön, eindrucksvolle Bögen und hochdramatische Ausbrüche. Darüberhinaus spielt sie auch noch das von der Inszenierung vorgesehene verzogene, pubertierende Mädchen, die Wandlung zu der in ihrer Verliebtheit zurückgewiesenen und enttäuschten Frau überzeugend.

Morten Frank Larsen ist ein schöner, mit seinen blonden Haaren nicht unbedingt biblisch anmutender Jochanaan - wenn er aber von Jesus singt, spürt man den Heiligen Geist, der ihn beseelt. Diesmal hatte er bei den lyrischen, getragenen Passagen seine besten Momente...

Das Cleveland Orchestra bestreitet zurzeit im Wiener Musikverein seine bereits traditionelle Residenz, und das bescherte den Linzern am Donnerstag ein Konzert mit seinem Music Director Franz Welser-Möst. Vielfältiger könnte wohl kein Programm sein, aber ideal, um die unterschiedlichen Stärken des Orchesters zu präsentieren.
Das meinen die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Drei Stücke gehen an der Kasse immer, das weiß jeder Opernchef. Und da sie A, B und C abgekürzt werden, kann sie sich auch jeder merken: "A" wie "Aida", "B" wie "Bohème" und "C" wie "Carmen". Das "A" dieses klassischen Erfolgstrios hat die Hamburgische Staatsoper nun wieder im Sortiment. Verdis pyramidonales Drama - besonderes Kennzeichen: der allseits beliebte Triumphmarsch - über die stolze nubische Prinzessin Aida, die dem altägyptischen Heerführer Radamès schwer den Kopf verdreht, kehrt in der nächsten Woche in den Spielplan zurück.

Guy Joostens auf Sandalen- und Folklore-Schauwerte weitgehend verzichtende Inszenierung, die im Mai 2010 Premiere hatte, wird durch einen Sänger aufgewertet, der momentan bestens im globalen Opern-Geschäft ist: Johan Botha singt und verkörpert den Radamès. (Auszug aus der Berliner Morgenpost).

Bei Botha mache ich mir um die stimmliche Präsenz auch keinerlei Sorgen, aber die Verkörperung wird gewaltig sein!

"Siegfried" hat sein "herrlichstes Weib" errungen. Lance Ryan und Susan Bullock in der Frankfurter Produktion. Foto: Monika Rittershaus

Der Dirigent Sebastian Weigle weiss, wie mit Wagner umzugehen ist. Seit einigen Jahren ist er in Bayreuth für die «Meistersinger» abonniert, für jenes Werk also, das Wagner während seiner Arbeit an der «Ring»-Tetralogie dazwischenkam. Als Chef der Frankfurter Oper erarbeitet Weigle derzeit einen eigenen «Ring» und ist jetzt beim «Siegfried» angekommen, dem vielleicht unpopulärsten Musikdrama Wagners. Und Weigle tut alles, um auch dem dritten Teil der Tetralogie gleichsam den Einzug in Walhall zu garantieren: Er dirigiert den «Siegfried», als wäre er schon die vorweggenommene «Meistersinger»-Partitur, mit kammermusikalischer Auflichtung, durchweg streicherbetont, jeder Schwere enthoben. An die Stelle oft zu hörender klanglicher Massivität setzt Weigle mit grossartigem Gespür für Wagners Orchestersatz die feingliedrige Beweglichkeit rascher Wechsel in Farbe, Tempo und Dynamik: ein einziges Waldweben über drei Akte hinweg, süffig, sinnlich, beglückend.

Das meint die "Neue Zürcher Zeitung" über Frankfurts "Siegfried"!

Nicht vergessen: Heute wird in die Kinos "Siegfried" aus der Metropolitan-Opera übertragen. Rufen Sie in den Cineplexx-Kinos an, ob es noch Karten gibt!

Wie Zeitungen in unseren Breiten berichten, hat eine Putzfrau in Dortmund ein Kunstwerk unabsichtlich zerstört - weil sie es für Schmutz hielt. Nun muss wohl ein (überforderter??) Richter definieren, was eigentlich Kunst ist. Der Spruch "Kunst ist das, was man nicht kann, denn wenn man es kann, ist es keine Kunst mehr" wird hier wohl zu simpel sein!

Was Kunst ist und was nicht, war zu allen Zeiten schwer zu definieren. Die Impressionisten wurden auch als Schmierfinken beschimpft. Kalk- und Fettflecken können Kunst sein, wenn damit eine Aussage verbunden ist. Mit dem Fett wollte Beuys zum Beispiel ein Werk schaffen, das seine Farbe und Konsistenz verändert, das „lebt“ und – genauso wie der Mensch – irgendwann nicht mehr da ist.

Durch die Putzfrau wurde dieser Prozess des Verschwindens allerdings arg beschleunigt. Wobei es durchaus Künstler gibt, die solche Eingriffe zu schätzen wissen: Als ein Unwetter 2007 eine Skulptur von Ai Weiwei auf der Documenta in Kassel einstürzen ließ, meinte der Chinese anschließend: „Das ist besser als vorher.“

Der Herr Ai Weiwei hat nun ob dieses Eingeständnisses plötzlich bei mir bessere Karten! Wem verdankt er das? Der "Berliner Morgenpost"!

Entertainer Harald Schmidt will nicht länger Theater spielen. Er habe seine Grenzen erkannt, sagte der 54-Jährige am Donnerstagabend in der ARD-Sendung "Beckmann". "Ich habe gemerkt, dass ich einer Jugend-Illusion hinterher gerannt bin. Und dann steht man auf der Bühne mit richtigen Könnern und merkt: Da kann ich gar nicht mithalten." Zuletzt war er in der vergangenen Spielzeit am Stuttgarter Staatstheater in René Polleschs Stück "Drei Western" zu sehen gewesen.

Die für das Theater wahrhaft erschütternde Mitteilung beschert uns "Die Presse".

Das Theater in der Josefstadt beschäftigt 420 (!!!) Mitarbeiter.

Ein Forumsdiskutierer klärt uns auf. Die 420 Mitarbeiter für Josefstadt und Kammerspiele sind kein Druckfehler, sondern Tatsache. Wobei meine Frage weiterhin im Raum steht: Was machen 420 Mitarbeiter den ganzen Arbeitstag über in diesen kleinen Theatern?? Erfolgte die Zusammenlegung nicht in der Absicht, Synergien zu bündeln?

Wenn ich es nicht verstehe, besagt das noch lange nichts. Beruflich komme ich aus einer anderen Welt, in dieser musste jeder Mitarbeiter tagtäglich Rechenschaft darüber ablegen, ob seine Arbeitsleistung an diesem Tag das Geld wert war!

Ist das bereits der Entwurf für den ersten Akt "Walküre" beim Bayreuther Jubiläumsring?

Nein, ich kann Sie beruhigen. Es ist ein Ausschnitt aus Castorfs "Kasimir und Karoline" bei Freund Kusej.
Zu Renate Wagners FILMSEITE !

Österreichs Radiolegende Günther Bahr, der die Sendung "Autofahrer unterwegs" moderierte, ist gestern bei einem Vortrag plötzlich tot zusammengebrochen. Diesen Tod wünschen wir uns wohl alle, jedoch noch nicht mit 67!

Justin Bieber in Nöten!

Laut Angaben der Zeitung "Österreich" behauptet Justin Bieber, die angebliche Mutter seines Kindes nie im Leben gesehen zu haben. Es soll zwar Sex im Dunklen auch geben, aber ich glaube der Dame ganz einfach die 30 Sekunden nicht. Oder bin ich bloß schon zu weit von der Praxis entfernt??

Jedenfalls dreht Biebers Anwalt nun den Spieß um: Der angebliche One-Night-Stand mit einem Groupie könnte noch mehr Folgen haben, als gedacht: Mariah Yeater (20) behauptet, Justin Bieber (17) sei der Vater ihres Sohnes Tristyn und reichte Klage eine. Sie fordert einen DNA-Test und will das der Teenie-Star die Vaterschaft anerkennt. Deswegen könnten der Kindsmutter jetzt rechtliche Konsequenzen drohen.

Angeblich soll es am 25.Oktober vergangenen Jahres zwischen Bieber-Groupie Yeater und dem Mädchenschwarm zu einem kurzen sexuellen Intermezzo gekommen sein. Wenn Yeater die Wahrheit spricht, war Justin bei dem sexuellen Intermezzo gerade erst 16 Jahre alt. Somit hätte Yeater eine Ordnungswidrigkeit begangen und sich wegen Verführung eines Minderjährigen strafbar gemacht. Laut kalifornischem Gesetz droht dem Bieber-Groupie bis zu einem Jahr Gefängnis. Andrew Smith, Kommandant der Polizei von Los Angeles, meinte diesbezüglich gegenüber der Associated Press: "Wenn es notwendig ist, werden wir uns des Falles annehmen." Yeaters Anwalt Matthew Pare kontert: "Selbst wenn meine Mandantin sich schuldig gemacht haben sollte, so hat das nichts mit der Vaterschaftsklage zu tun." Er bittet diese zwei Fälle getrennt voneinander zu betrachten.

Bescheiden gibt sich die Dame aber nicht. Sie fordert Unterhaltszahlungen - 250 000 Dollar - pro Monat!!

Wie gestern gesagt, ich denke mir mein Teil und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
A.C.
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SONNTAG, 6. NOVEMBER 2011
Treffpunkt heute 17 h - vor der Wiener Staatsoper: "Die Walküre" wird auf die Großbildleinwand auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Logistisch ist das gar nicht einfach. Die Großbildleinwand war bereits abgebaut und winterfest verstaut, wegen des "Thielemann-Ringes" musste sie wieder aufgebaut werden. "Das Rheingold" am Dienstag war nicht schlecht besucht, aber es waren nicht alle Plätze besetzt. Sie brauchen also sicher auch heute keinen Gartensessel mitnehmen - für Sie ist sicher noch ein Sessel frei. Die Gastronomie, eigens für die "Open Air-Besucher" eingerichtet, machte auch nicht gerade das Geschäft ihres Lebens - das bezeuge ich gegenüber dem Finanzamt! Allerdings, der Glühwein ist akzeptabel (€ 2,90.-), zusammen mit einer Schnitzelsemmel macht das € 5,90.-. Auch wenn wir Griechenland zu erhalten haben, können wir uns das gerade noch leisten! Vergessen Sie nicht auf Handschuhe!

Wie Sie erkennen können, interessiert mich meist das Drumherum mehr als die Vorstellung selbst. Ich betrachte das als glückliche Fügung, denn irgendwer muss auch informieren und nicht nur in Wagalaweia-Seligkeit schwelgen!

"Wagalaweia" erwartet uns bei der "Walküre nicht, es singen Waltraud Meier (Sieglinde), Janina Baechle (Fricka), Katarina Dalayman (die Schwedin debütiert an der Wiener Staatsoper als Brünnhilde), Christopher Ventris (Siegmund, Eric Halfvarson (Hunding) und Albert Dohmen (Wotan).

Der Direktion der Wiener Staatsoper gebührt Dank für diese Initiative, nützen Sie die Gelegenheit auch und jammern Sie nicht herum, weil Sie keine Karten für "drinnen" bekommen haben! Treffen wir einander heute also an der frischen Luft!

Auch an der Mailänder Scala waltet ein Franzose des Amtes (Stephane Lissner) - und auch dort ist man mit den szenischen Umsetzungen nicht immer zufrieden - in Italien aber doch noch mehr als bei uns, denn für den szenischen Geschmack bei Opern sind die Italiener nicht gerade berühmt!

Juan Diego Florez und Joyce DiDonato in "La Donna del Lago" an der Mailänder Scala.

„La Donna del Lago", ein gerade wegen seiner Schwierigkeiten selten gespieltes Glanzstück aus dem Jahr 1819, steht mit der Dreierkonstellation aus Sopran-Sensibelchen, Testosteron-Tenor und Hosenrollen-Lover für die denkbar unrealistische Stilisierung humaner Leidenschaften zur Lebensmelodie - für reinsten Belcanto also. Dass die Mailänder Scala im Verein mit den Opernhäusern in Paris und London dieses große Kleinod wieder einmal präsentiert, ist für sich bereits ein Wurf.

Für die heikel zu besetzende Rolle des Edeltenors - „tenore di grazia" im Fachjargon - steht wohlhabenderen Häusern heute immerhin der Glücksfall eines Juan Diego Flórez für die Königs- und (hier ausnahmsweise unglückliche) Liebhaberrolle zur Verfügung. Die scheinbare Mühelosigkeit des Peruaners im hohen Register, sein ganz leicht näselndes und daher unverwechselbares Timbre, seine elegante, wie mit Stahlgriffel gezogene Linienführung durch die allerheikelsten Oktavsprünge machen jede Sekunde seiner Arien zum Hochgenuss.

Geschieht das im Duett mit Joyce DiDonato, die der zeittypisch an Männerdominanz leidenden Titelheldin Elena wundervolle Injektionen emanzipatorischer Stimmdynamik mitgab, darf man solch erotisches In-, Um- und Miteinander zweier technisch perfekter Edelkehlen als begnadete Augenblicke bezeichnen...

...Als wäre das nicht genug, ist auch Daniela Barcellona mit der virilen Hosenrolle des Lovers Malcolm nahezu perfekt besetzt. Bis auf einige kleine Forcierungen im tiefen Register bewältigt dieser vorzügliche Alt den Spagat, mit elfenhaft trällernden Koloraturen die Hormone eines Lovers zum Schwingen zu bringen.

Diese Super-Solisten agierten in einem szenischen Fiasko, wie die "Frankfurter Allgemeine" berichtet: Lluis Pasqual hatte sich von Ezio Frigerio für den edlen Zusammenstoß dreier Schicksale eine aufklappbaren Riesengalerie mit Säulenordnungen und Balkonen errichten lassen, in welcher dann aber reinweg gar nichts passierte. Rossini bediente im Gefolge des Schauerromanciers Walter Scott die damalige Schottland-Manie - wie später Donizetti mit seiner „Lucia di Lammermoor" - und arbeitete mit horntönenden Wald- und Jägerpanoramen, ließ Highland-Stürme durchs Orchester brausen und das Wasser von Loch Ness im Orchestergraben brodeln - was Roberto Abbados betuliches Dirigat freilich bei weitem nicht auszukosten vermochte.

Bei Pasquals fast schon zynischer Arbeitsverweigerung kulminieren all diese Leidenschaften von Mensch und Natur in ausdruckslosem Rampengesang, in beamtenhaften Auf- und Abgängen, kommentiert von einem müden Chor im - warum nur? - Frack

Wer immer in Berlin Kultursenator wird, er/sie hat personelle Probleme zu lösen. Der Bayreuther Jubiläumsring beinflusst indirekt auch die Berliner Kulturpolitik, denn Fank Castorf gilt dort als fixe Größe: Nun zeichnet sich ein Ausstiegsszenario ab. Castorf soll 2013 den „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth inszenieren. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, beide Seiten zeigen sich optimistisch. Es bleibt auch nicht mehr viel Zeit. 16 Stunden Oper, Richard Wagners vierteiligen Weltenzyklus stemmt man nicht eben mal so auf dem Grünen Hügel. Zumal Castorf gerade erst am Bayerischen Staatsschauspiel einen Horváth hingelegt hat. Wie will einer das schaffen in nicht einmal zwei Jahren: Wagners „Ring“ neu erfinden und nebenbei noch ein Haus in Berlin leiten, das dringend eine starke Intendanz braucht? Heikel bis unmöglich sieht das jetzt schon alles aus, und natürlich könnte er mit der Castorf’schen Lässigkeit sagen: Im Sommer 2013 bin ich mit Wagner fertig, danach kann ich mich wieder um die Volksbühne kümmern ...
Lesen Sie mehr darüber im "Tagesspiegel" .

Dame Gwyneth Jones wird 75! Oe1-Radio widmet ihr heute um 15,05 h die Sendung "Apropos Oper".

In den 1970er und 1980er Jahren war sie die "Hochdramatische" vom Dienst: die britische Sopranistin Dame Gwyneth Jones. An den größten Bühnen der Welt und bei internationalen Festivals wurde sie als Brünnhilde in den "Ring"-Opern von Richard Wagner sowie als Salome und Elektra in den Opern von Richard Strauss gefeiert. Keine noch so großen Orchesteraufwallungen im Fortissimo, die ihr üppiger Sopran mit den stählernen Höhen nicht durchdrungen hätte; doch es waren nicht allein ihre imposanten Stimmmittel, die sie für dieses Fach prädestinierten, die Jones war immer auch eine intensive und ausdrucksstarke Bühnengestalterin von faszinierender Ausstrahlungskraft.

Hans Joachim Frey - umstritten!

Die Bestellung von Hans Joachim Frey zum neuen künstlerischen Leiter der Linzer Veranstaltungsgesellschaft (Liva), zu der auch das Brucknerhaus gehört, sorgte in der oberösterreichischen Landeshauptstadt für Aufregung. Kulturstadtrat Erich Watzl (ÖVP) hatte gegen den Deutschen gestimmt, der 2013 Wolfgang Winkler nachfolgt. Frey hatte das Theater Bremen 2010 vorzeitig verlassen. Ihm wurde Misswirtschaft vorgeworfen.

Was in Bremen passiert ist, werden wir wohl nie erfahren, da gibt es zwei Versionen, die voneinander abweichen. Ein Sanierer ist Herr Frey wohl nicht, aber die "Liva" ist auch noch kein Sanierungsfall. Im "Standard" hören sich Freys Ansichten sehr vernünftig an: Was wollen Sie "erschaffen", wenn Sie ab 2013 künstlerischer Leiter der Liva und damit auch des Brucknerhauses sind?

Frey: Kultur darf auf keinen Fall elitär sein, deshalb bin ich offen für alle Formate. Also, wenn ich Top-Künstler habe wie Udo Jürgens oder Herbert Grönemeyer, so gehören die für mich genauso nach Linz wie das Brucknerfest. Ich muss das Angebot erweitern. Mit klassischer Musik erreiche ich maximal neun Prozent der Bevölkerung. Mit Musicals komme ich auf 18 Prozent, wenn ich jetzt noch in den Volksliedbereich und in den Pop gehe, komme ich auf 30 Prozent einer Gesellschaft, die konkret zu einer Veranstaltung gehen. Zugleich muss ich in den jeweiligen Sparten ganz klar Qualität bieten, damit Klassikfreaks, Popfreaks und auch die Volksmusikfans nach Linz kommen. Ich darf nicht allein im klassischen Segment bleiben.

Wie es in Linz weitergehen soll, wenn täglich 1000 neue Plätze im Musiktheater hinzu kommen, steht in den Sternen. Frey erkennt auch das richtig, denn er vermutet, dass das Musiktheater einen tollen Start hinlegen (jeder will einmal dabei gewesen sein), aber spätestens in der dritten Saison einen Einbruch erleben wird!

In Bonn hat heute Mozarts "La finta giardiniera" in der Inszenierung Philipp Himmelmanns Premiere. Die Hauptdarstellerin Anna Siminska war in der Proben-Endphase krank, wird aber heute voraussichtlich die Premiere singen. Weitere Rezensionen treffen über den Frankfurter "Siegfried" und den Münchner "Hoffmann" ein, die aber keine wesentlich neuen Erkenntnisse bieten!

Die Zisterzienser-Mönche erklimmen wieder die Charts

Die Zisterzienser-Mönche aus Heiligenkreuz treten zum zweiten Mal an, um die Hitparaden zu erobern. Ab sofort gibt’s ihr neues Album Chant – Amor et Passio im Handel. Die Vorgänger-CD, Chant – Music for Paradise wurde bekanntlich zur internationalen Sensation. Die Mönche kletterten in den USA und in Großbritannien in die Top Ten und holten siebenfach Platin. Auch auf der neuen CD sind wieder Gregorianische Choräle zu hören, die vor 1.000 Jahren komponiert wurden. Die Mönche: „Wir wollen den Menschen Freude machen und sie mit dem lieben Gott verbinden.“ (Auszug aus Oe24-Kultur).

Der Journalist und langjährige ORF-Mitarbeiter Paul Schulmeister ist in der Nacht auf Samstag nach längerer schwerer Krankheit 69-jährig in Wien verstorben. Schulmeister war lange Jahre als ORF-Deutschlandkorrespondent in Bonn und Berlin tätig, zeitweise auch stellvertretender Chefredakteur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Er hinterlässt seine Frau sowie drei Söhne und eine Tochter.

Auch der Papst könnte seine Schäflein nicht schöner segnen als Hermann Nitsch die Besucher seiner Ausstellung im Leopold Museum, das er zum "Vatikan" (der Kunst wohl nur...) erklärt hat

Heiner Wesemann war für uns in der Nitsch-Ausstellung und hat sich bei der Pressekonfernz nicht ohne Amüsement in höchst "frommer" Umgebung gefunden:

HEILIGMÄSSIG ZUMUTE Wenn man selbst nicht zum Überschwang neigt, dann mag man bei der jüngsten Pressekonferenz des Leopold Museums gelegentlichgelächelt haben. Wie Kurator Carl Aigner von Hermann Nitsch nur per "der Meister" sprach und einmal auch anregte, man möge vor dessen Werken niederknien (was vielleicht doch eine Spur übertrieben ist), wie Nitsch selbst, der stets so liebenswürdig wirkende Herr, das Leopold Museum mit dem "Vatikan" verglich... Nun, Religiöses ist mit diesem Künstler ja immer
verbunden, Altäre und Messgewänder und heiligmäßigen, friedhofsgleich duftenden Blumenschmuck findet man auch hier, und vielleicht gehen Fans der modernen Kunst hierher wie in eine Kirche. Diese versteht es ja auch, sich effektvoll in Szene zu setzen - zumindest das hat Hermann Nitsch mit ihr gemeinsam.

Hape Kerkeling macht nicht "Wetten, dass...?"

Hape Kerkeling hat gestern bei der Sendung "Wetten dass...?" definitv für die Gottschalk-Nachfolge abgesagt! Seine Lebensplanung sieht anders aus! Nun sind wir ratlos wie nie zuvor!

Kaum eine Frage beschäftigt die TV-Nation so sehr wie diese: Wer wird Thomas Gottschalks Nachfolger bei "Wetten, dass..?" und damit Chef-Unterhalter der Republik? Na gut, da gibt es noch die zerbrechende Währung, den hereinbrechenden Herbst und irgendwo ganz weit weg ein schmurgelndes Atomkraftwerk - aber das ist alles unwichtig gegen die Frage, wer ab 2012 die vertrauten Worte "Top, die Wette gilt!" sprechen darf, während von den Großeltern bis hinunter zu den Enkeln die Familie einträchtig vor dem Fersehgerät versammelt ist.

Soweit der Spiegel". Also ich oute mich: Anke Engelke oder Thomas Raab - das sind meine Favoriten!

Unterstützer des chinesischen Künstlers und Dissidenten Ai Weiwei haben ihm eine Million Yuan (115.000 Euro) gespendet, damit er staatliche Steuerforderungen in Höhe von 15 Millionen Yuan begleichen kann. Mehr als 10.000 Menschen, vor allem Studenten und Jugendliche, schickten ihm Spenden, sagte der Künstler am Freitag. "Das ist unglaublich. Sie schreiben, diese Zahlungen seien wie eine Art zu wählen", sagte Ai.

Er versicherte, genau Buch über die Spenden zu führen, um sie anschließend zurückzahlen zu können. Ai habe keine Erklärung zu der angeblichen Steuerschuld erhalten und wenn er nicht rechtzeitig zahle, drohten ihm bis zu sieben Jahre Haft, sagte der Künstler.

Andre Heller wird von der "Presse" als moralische Instanz bezeichnet. Jeder versteht darunter etwas anderes. Andre Heller hat große Events geboten, aber er war auch in einen Konkurs verwickelt (auch wenn er nicht unmittelbar daran schuld war). Da ich in eine Welt reingeboren wurde, in der ein Konkurs, bei dem andere Menschen finanziell zu Schaden kommen, ein ganz arges Vergehen ist, erlaube ich mir, Herrn Heller als großen Illusionisten, aber nicht als moralische Instanz zu betrachten. Ich hätte in die Tasche gegriffen und den Schaden bezahlt - ohne deswegen Anspruch auf die Bezeichnung "moralische Instanz" zu erheben!

Aber die Menschen sind halt verschieden!

Ein schöner Sonntag sei Ihnen gewünscht , wer Zeit und Gelegenheit hat, verstärke am Abend das "Freiluft-Publikum" bei der "Walküre" vor der Wiener Staatsoper!

A.C.
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MONTAG, 7. NOVEMBER 2011
Eine fulminante "Walküre" erlebten nicht nur die Besucher in der Wiener Staatsoper, sondern auch die "Gratisblitzer" an der Außenfront.

Allein für den ersten Aufzug "Die Walküre" hat sich der Aufwand gelohnt, sogar an der "Außenstelle wurde nach dieser denkwürdigen Darbietung applaudiert. Auszug aus unserer "Aktuellen Seite: Nicht nur Christian Thielemann, auch Waltraud Meier als Sieglinde und Christopher Ventris als Siegmund sorgten für eine Sternstunde im wahrsten Sinne des Wortes, denn Thielemann benötigte für den ersten Aufzug rekordverdächtige 59 Minuten. Im Sog dieser Traumleistung steigerten sich auch Katarina Dalayman (erfolgreiches Debüt an der Wiener Staatsoper), Albert Dohmen (für viele die Überraschung des Abends), Janina Baechle und Eric Halfvarson zu Leistungen, die dieser "Walküre" das Attribut "einzigartig" verleihen.

Auch die Gastronomie dürfte zufrieden sein, nicht nur wegen meiner zwei Schnitzelsemmel, sondern weil nach dem pausenlosen Rheingold das Laufkundengeschäft ordentlich ansprang. Viele Leuten blieben stehen, konsumierten Getränke und einige Minuten "Walküre", um dann wieder ihres Weges zu gehen.

Vor den Vorhang: Christopher Ventris
und Waltraud Meier
Da ging das gute Wien-Debüt von Katarina Dalayman etwas unter

Katarina Dalayman

Albert Dohmen kam bisher bei den Wienern nicht sonderlich gut an. Ein "gar so schlecht ist der ja gar nicht" gilt da schon als hohes Lob!

Der "Vater des Wiener Ring-Wunders", Christian Thielemann, gewährte dem "Kurier" ein Interview, in dem er kundtat, dass er sich in Sachen "Ring" in nächster Zeit sehr bedeckt hält: Es ist gar nicht so leicht, diesen 'Ring' zum Klingen zu bringen." Das sagt Christian Thielemann. Jener Dirigent, der Wagnerianer an der Wiener Staatsoper gerade in einen Ausnahmezustand versetzt, und der nach dem "Rheingold"-Auftakt frenetisch bejubelt wurde. Am Mittwoch dirigiert Thielemann dann "Siegfried" und am 13. die "Götterdämmerung".

Und das war's dann. Für lange Zeit. Denn, so Thielemann im KURIER-Interview: "Einen nächsten 'Ring' mache ich erst in der Saison 2017/18. Aber nicht in Wien. Das hat sich einfach so ergeben." Im Wagner-Jahr 2013 (200. Geburtstag des Komponisten) widmet sich der deutsche Stardirigent anderen Wagner-Werken. Etwa dem "Parsifal" bei den Salzburger Osterfestspielen, deren künstlerische Leitung Thielemann nach dem Abgang der Berliner Philharmoniker übernimmt.

Zu Beginn der "Walküre gab es ein "volles Haus" vor der Oper. Lockerer wurde die Besetzung erst im dritten Aufzug. Mag. Heiner Wesemann und Anton Cupak vor der Oper. Foto: Renate Wagner

Gemütlicher, aber auch teurer, war es am Samstag bei "Die Met im Kino". Für "Siegfried brauchten die Besucher aber auch Durchhaltevermögen:

Jay Hunter Morris sprang an der Metropolitan Opera kurzfristig als "Siegfried" ein - bei weltweiter Kino-Übertragung

Ursprünglich war der von Wiens Staatsoperndirektor sehr geschätzte Gary Lehman für den "Siegfried" vorgesehen, am Samstag musste er jedoch w.o. geben. Und das ausgerechnet bei der Übertragung in die Kinosäle. Jay Hunter-Morris nutzte die Gunst der Stunde, wie unser Rezensent Johannes Marksteiner berichtet: Der dritte Teil des "Ringes" hatte wenige Tage vor dieser Übertragung Premiere. Wie an den ersten beiden Abenden war das technische Spektakel (Regie: Robert Lepage) wieder gigantisch, die Bühnenmaschinerie musste auch hier ein „echtes“ Bühnenbild ersetzen und tat es hervorragend. Die optischen Effekte (Etienne Boucher und Pedro Pires) waren verblüffend und zauberten einen sehr passenden Hintergrund für die Handlung hervor.

Ein Glücksfall war es, dass Fabio Luisi, der nun auch diese Produktion von James Levine übernommen hatte, sich eher überraschend als ausgezeichneter Wagner-Dirigent entpuppte. Er dirigierte das ausgezeichnete Orchester mit viel Gefühl für die Sänger, er vermied es, die Sänger mit wuchtigem Klang untergehen zu lassen, sorgte aber dafür, dass die Dramatik der Handlung musikalisch sehr spannend untermalt war.

Deborah Voigt, Jay Hunter Morris, ein bis dato unbekannter Tenor aus Texas, war als Siegfried im letzten Moment eingesprungen und zeigte sich der schier unmöglichen Aufgabe durchaus gewachsen. Mit kräftiger Stimme („…nicht mit der lautesten“, wie er selbst im Interview sagte) bewältigte er die Monsterpartie bravourös. Von Natur aus mit dem nötigen Gesichtsausdruck des naiven Helden ausgestattet, überwand er alle (auch gesanglichen) Hindernisse bis zum glücklichen Ende. Aus den beiden ersten Teilen wusste man, dass Bryn Terfel (Wanderer) auch hier mit mächtigem Bass auftrumpfen und - rangmäßig korrekt - alle Kollegen in den Schatten stellen würde.

Das Erstaunliche an MET-Produktionen ist es, dass man selten Schwachpunkte in der Besetzungsliste vorfindet. Wenn Vorgenannter in einer eigenen Liga singt, muss man doch feststellen, dass alle Protagonisten Hervorragendes leisteten: Deborah Voigt als Brünnhilde setzte ihren kräftigen Sopran bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten ein, im Duett mit Siegfried bewies sie ihre Klasse als Wagner-Heroine. Gerhard Siegel (Mime) und Eric Owens (Alberich) waren sowohl in der Darstellung als auch im Gesang tragende Säulen des Abends. Auch Patricia Bardon in der kleinen Rolle als Erda und Mojca Erdmann als Waldvogel konnten zum triumphalen Erfolg des Abends erheblich beitragen.

Zum deutschen "Theater-Preis FAUST": Claudia Barainsky wurde für ihre Frankfurter "Medea" als beste Sängerin im Musiktheater geehrt. Der Preis für den besten Tänzer ging an Giuseppe Spota für das Ballett "Blaubarts Geheimnis" in Wiesbaden. Die undotierte Ehrung, die als "Oscar" der Bühnenkunst gilt, wird vom Deutschen Bühnenverein vergeben.

Über die Preisträger stimmen die Mitglieder der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ab. Nominiert waren je drei Bühnenkünstler in acht Kategorien. Die Preisverleihung findet immer in einer anderen Stadt statt. In diesem Jahr war die Oper Frankfurt Gastgeber der Gala. Der Kabarettist Michael Quast führte durch den Abend.

Regisseur Peter Sellars ist vom 10.-12.11. bei den Berliner Festspielen mit der Koproduktion "Desdemona" zu Gast. Dem "Tagesspiegel" erzählt er, dass er "Othello" für ein schwaches Stück hielt: Die Geschichte begann vor zehn Jahren, als ich in Princeton mit Toni Morrison beim Lunch saß und wir über Shakespeare sprachen. Damals dachte ich: „Othello“ ist wirklich ein schlechtes Stück, oberflächlich, kaum nachzuvollziehen.

Da ist was dran: Dieser Eifersuchtsmord ergibt keinen Sinn, und Desdemona ist eine sehr dünne Figur, ohne eigenen Spielraum.

Ich sah noch viel größere Schwächen: Wie können Jagos Lügen, die vollkommen durchschaubar sind, eine solch fatale Wirkung entfalten? Shakespeare hat auch nie einen Afrikaner gesehen. Wer ist dieser Othello überhaupt, der nicht einmal einen anständigen Monolog bekommt? Ja, ein verdammt flaches Stück, so schien es mir, und dann wurde es ein sehr langes Mittagessen, bei dem Toni mir erklärte, wie falsch ich in Bezug auf „Othello“ lag.

Wie hat Toni Morrison Sie überzeugt?

Sie machte mir klar: Jagos Sprache ist die Sprache von Dick Cheney und Co. ...

... er war Vizepräsident von George W. Bush, der Kriegsstratege und Strippenzieher der Neocons.

Burg-Chef Matthias Hartmann ist unter die Holzhändler gegangen und verkauft den Bühnenboden des Burgtheaters. Zu einem sehr stolzen Preis, denn ein Kilo Holz (im Normalfall wird Holz nicht per Kilo, sondern per Kubikmeter/Festmeter verkauft, zumindest in der Holzbranche - bei Brennholz mag schon ein Kilopreis üblich sein) kostet bei ihm 600 Euro! Da ihm das doch etwas übertrieben scheint (vielleicht hat er sich über die Marktpreise erkundigt, so ein hochbezahlter Theaterdirektor verliert ja manchmal die Beziehung zur Realität), kann man bis zum 8.Dezember das Scheit um den Subskriptionspreis von 480.- Euro erstehen. Das teuerste Rio-Palisander-Holz kostet nicht annähernd soviel! Wenn Hartmann den gesamten Bühnenboden tatsächlich um diesen Preis verhökern kann, steht ihm der Weg zu jedem Holzhändler als Starverkäufer offen. Man kann ja nie wissen, was so ein Künstlerberuf noch in sich birgt...!

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger ist Großmeister im Jammern. Heute jammert er dem "Standard" etwas vor: "Fünf Millionen Euro habe ich bereits von Donatoren für dieses Projekt Renovierung zugesagt bekommen", sagt Föttinger: "Unser Ziel ist, dass wir mit acht Millionen aus eigener Kraft diese Renovierung stemmen. Die Stifter, Bund und Stadt, sollen mit je zwei Millionen die Sanierung unterstützen." Fazit: "Den Löwenanteil bestreitet die Josefstadt mit ihren Sponsoren selbst. Das ist sicher einzigartig in der Theatergeschichte." Andernfalls, so Föttinger, werde er, wie im Standard bereits im Spätsommer angekündigt, auf der Kärntner Straße sammeln gehen.

Von noch schwindelerregenderer Brisanz aber ist jene Notsituation, die mit der erwarteten Kollektivvertragserhöhung für das Budget des Hauses unausweichlich heraufzieht. Die anstehende Erhöhung der Gehälter von rund 360 Mitarbeiterinnen - sie unterliegen dem Gemeindebediensteten-Kollektivvertrag - wird auf voraussichtlich zwei bis drei Prozent taxiert. Die Angestellten, vom Tischler über den Tapezierer bis zum Billeteur, hätten "ein Recht darauf, die von der Gewerkschaft verhandelten Erhöhungen bezahlt zu bekommen." Föttinger, noch deutlicher: "Ich finde es unverantwortlich, dass unsere Mitarbeiter den Gemeindebediensteten nicht gleichgestellt sind, dort wird die KV-Erhöhung selbstverständlich von der öffentlichen Hand finanziert.

In der Vorwoche war noch von 420 Mitarbeitern die Rede! Ich kenne den Fassungsraum von Josefstadt und Kammerspiele nicht, aber stehen dazu die genannten 360 Mitarbeiter in einer gesunden Relation??

Auch der Papst könnte seine Schäflein nicht schöner segnen als Hermann Nitsch die Besucher seiner Ausstellung im Leopold Museum, das er zum "Vatikan" (der Kunst wohl nur...) erklärt hat

Heiner Wesemann war für uns in der Nitsch-Ausstellung und hat sich bei der Pressekonfernz nicht ohne Amüsement in höchst "frommer" Umgebung gefunden:

HEILIGMÄSSIG ZUMUTE Wenn man selbst nicht zum Überschwang neigt, dann mag man bei der jüngsten Pressekonferenz des Leopold Museums gelegentlichgelächelt haben. Wie Kurator Carl Aigner von Hermann Nitsch nur per "der Meister" sprach und einmal auch anregte, man möge vor dessen Werken niederknien (was vielleicht doch eine Spur übertrieben ist), wie Nitsch selbst, der stets so liebenswürdig wirkende Herr, das Leopold Museum mit dem "Vatikan" verglich... Nun, Religiöses ist mit diesem Künstler ja immer
verbunden, Altäre und Messgewänder und heiligmäßigen, friedhofsgleich duftenden Blumenschmuck findet man auch hier, und vielleicht gehen Fans der modernen Kunst hierher wie in eine Kirche. Diese versteht es ja auch, sich effektvoll in Szene zu setzen - zumindest das hat Hermann Nitsch mit ihr gemeinsam.

Die neue "Miss World"!!

Die Venezolanerin Ivian Lunasol Sarcos Colmenares (21) ist am Sonntag in London zur "Miss World 2011" gekürt worden. Auf Platz zwei kam Gwendoline Ruais aus den Philippinen, auf Platz drei die Puerto-Ricanerin Amanda Perez. Die 19-jährige Tirolerin Julia Hofer , die für Österreich angetreten war, schaffte es nicht ins Finale.

Keine Europäerin also unter den Ersten! Sollen wir deshalb auswandern, meine Herren!

Eine schöne Woche wünscht

A.C
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DIENSTAG, 8. NOVEMBER 2011
Katarina Dalayman sagt die "Siegfried"-Brünnhilde an der Wiener Staatsoper ab! Was wird da seitens der Buh-Rufer gespielt??

Gestern flatterte die Mitteilung über die krankheitsbedingte Absage der Katarina Dalayman für die Mittwoch-Vorstellung des "Siegfried", in der sie die Brünnhilde singen hätte sollen, in unsere Redaktion (Linda Watson übernimmt die Rolle). Überraschend war bereits, dass sich nach einer durchaus gelungenen "Walküre-Brünnhilde" am Sonntag einige Buh-Rufe gegen die schwedische Sopranistin vernehmen ließen, die nicht nur meiner Ansicht nach unverständlich waren. Auch in den heutigen Presseberichten kommt Dalayman gut weg.

Soeben erfahre ich, dass Katarina Dalayman tatsächlich nicht ganz gesund zu ihrer ersten Brünnhilde in Wien angetreten ist. Umso beachtlicher ist ihre Leistung. Denn am Sonntag war von einer Beeinträchtigung nichts zu merken - und wir sowie die Rezensenten der Tageszeitungen sind auch nicht auf den Ohren gesessen. Sowohl Frau Dalayman als auch die Direktion der Wiener Staatsoper hoffen, dass sie am Sonntag die "Götterdämmerung" singen kann.

Merker-Mitarbeiter Kurt Vlach lieferte die erste Kritik und meint: Die vereinzelten Buhrufe für Katarina Dalayman waren meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Natürlich war ihr Brünnhilden-Debüt nicht überragend, aber zumindest solide. Ihr fehlt das Strahlende, die Mittellage drohte manchmal wegzubrechen bzw. war schwer hörbar. Auf dies nahm dann aber Thielemann sehr viel Rücksicht. Positiv zu vermerken ist, dass sie fast überhaupt keinen „Wobble“ hat.

In der "Presse" schreibt Dr. Sinkovicz: Katarina Dalayman, als Oberschwester Brünnhilde die neunte im Bunde, serviert die notorischen Extremtöne ihrer Partie dankenswert sicher. Für die große melodische Linie ist im Übrigen im Orchestergraben gesorgt. Und das reichlich – und entsprechend reichlich bedankt.

Der "Kurier" -Rezensent empfindet ähnlich: Albert Dohmen, der im "Rheingold" noch zu kämpfen hatte, singt den "Walküren"-Wotan extrem differenziert und sehr klug. Berührend etwa sein "Abschied vom Kind". Warum dieses, nämlich Katarina Dalayman als Brünnhilde, zuletzt mit
(kleinen) Protesten konfrontiert war, ist unverständlich. Dalayman gibt eine gute, kaum schrille Brünnhilde und ist dieser Partie mehr als gewachsen. Tadellos auch die übrigen Walküren, die Thielemanns atemberaubender Deutung folgen

Nicht ganz verstehe ich allerdings, dass Katarina Dalayman nicht "angesagt" wurde. Vielleicht wäre das eine hilfreiche Information für die überkritischen Besucher gewesen!

In unserem Forum befindet ein Diskutierer namens "Wotan" sogar diese ganze "Walküre" als schwach - was ich unter Profilierungssucht einreihe, Der "Wotan" in unserem Forum ist angeblich ein sehr junger Mann, der aber natürlich auch seine Meinung äußern darf - auch wenn er damit ziemlich einsam dasteht: Auf die Gefahr, mich hier wieder unbeliebt zu machen : Gestern war ich alles andere als begeistert. Ventris höhenschwach; Halfvarson ok, Meier hat ihre beste Zeit schon hinter sich; Dohmen hat sich tapfer durchgekämpft; Baechle solide. Richtig schrecklich fand ich das Dirigat besonders im ersten Akt; aber: Das ist meine persönliche Meinung und ich möchte keinem die Freude an den Aufführungen nehmen!

Dalayman hat "Wotan" gar nicht erwähnt, aber ginge es nach ihm, müsste morgen Thielemann krankheitsbedingt absagen!

Nach Graz zu "Pique Dame":

Modern ist, neue Figuren für ein altes StücK zu erfinden. Also ist auch Peter Konwitschny modern, der nach Neuenfels-Vorbild eine "Spielleiterin" für "Pique Dame" installiert. Diese Rolle ist mit Nazarnin Ezazi besetzt!

Nicht ganz an den Erfolg mit seiner "Traviata" konnte Peter Konwitschny in Graz anschließen, obwohl er dort laut Merker-Mitarbeiter Peter Skorepa ein "Heimspiel" hat. Fast ein Heimspiel ist es immer für den Regisseur, denn Peter Konwitschny hat in Graz seit 1991 schon sieben Produktionen betreut und das dortige Publikum davon überzeugt, sich auf seine Arbeit auch einzulassen. Brachten empörte Zuschauer schon einmal einen Abend an den Rand eines Abbruchs – die heute schon als kultig geltende “Aida” ohne Ballett und Triumphgehabe war einstens heiß umfedet – so nehmen heute die Grazer Besucher seine Arbeiten samt deren Ecken und Kanten mit Wohlwollen zur Kenntnis. Wie weit das auch mit einem gewissen Chic für die Premierenbesucher einhergeht, mitsamt den inszenatorischen Eigenheiten im Mittelpunkt zu stehen und damit sich selbst zu bejubeln, das zu beurteilen bleibt jedem Einzelnen überlassen.

Der Regisseur zeigt die Welt dieser Aussenseiter in schonungsloser, teils krasser Deutlichkeit, die versoffenen Offiziere, vor denen keine Frau vor Verfolgung und kein Fahnenmast vor Verpinkelung sicher ist, die alte, geile Gräfin, die auch nicht davor zurückschreckt, mit dem herunter gekommenen Hermann ein letztes Liebesglück zu haben, ohne aber vor ihrem darauf folgenden Herztot die Karten zu verraten. Und Lisa leidet unter nervösem Magen so sehr, dass sie auf die Ermahnungen sogar ihres Verlobten, aber erst recht auf die Vorhaltungen der Alten mit Erbrechen reagiert. Die am interessantesten gelungene Szene ist jene mit den Untoten, in deren Schar die Gräfin ist und ihre Nummern verrät. Und vor der Leiche Hermanns wird zu letzt mit großer Gier eine Jagd auf die Geldscheine gemacht, die der entsetzte Jeletzki zurückließ.

Asmik Grigorian, Nazarnin Ezazi, Avgust Avromov.

Es fängt heftig an: Die lieben russischen Kinder freuen sich am Frühlingstag, hüpfen süß herum - und wollen dann gleich einmal den Besoffenen auf der Parkbank anzünden.
Nein, Idylle gibt es bei Peter Konwitschnys "Pique Dame"-Inszenierung in Graz, so ahnt man, keine. Doch zum Schlussapplaus mit seinem recht heftigen Wettstreit zwischen Buh- und Bravorufern weiß man dann: Diesmal ist es sich - nach dem Grazer Triumph mit "La Traviata" im Jänner - für Konwitschny nicht ausgegangen.
Der deutsche Starregisseur nimmt Tschaikowskys Oper um das Leben als nicht zu gewinnendes Glücksspiel zum Anlass, einiges recht Erwartbares zu Gier, Gesellschaft und Glück zu sagen. Aber zur zugleich bunt und karg gestalteten "Pique Dame" nur wenig.
Selbst die üblichen Fouls an der Gesellschaft der "Opernärsche" und jener "Scheißmusik", zu der Tschaikowsky bei der "Aufrichtigkeit der Schäferin" "gezwungen" worden sei, wirken seltsam lustlos: die Zitate klingen heftiger, als sie rüberkamen. Da geht zwar das Licht im Zuseherraum an, aber kein wirklich neues Licht auf. Ebenso wenig, als sich das Graffiti "Gibt es ein Leben nach dem Tod" zu "Gibt es ein Leben vor dem Tod" wandelt. Und auch nicht, wenn die "bessere Gesellschaft" mit Hasenohren am Kopf zur Party unter der Riesenkarotte hoppelt. Einhelliges Gelächter ist kein gutes Zeichen für Klamauk, der es bitter ernst meint.
Das berichtet Georg Leyrer für den "Kurier".

Mit den "Opernärschen" sind aber auch die Premierenbesucher gemeint, auch wenn sie noch so heftig "Bravo" brüllen. Zu einem Premierenprofi gehört auch eine ordentliche Portion Masochismus dazu. Und neu ist das alles nicht, Handkes Publikumsbeschimpfung liegt schon lange zurück!

Grafenegg präsentiert sein Programm für 2012. Der Erfolgslauf geht unvermindert weiter, solange sich Landeshauptmann Pröll sein NÖ-Festival leistet! Es ist allerdings schon bemerkenswert, was da in kurzer Zeit aufgebaut wurde!
James Levine sagt nun - wenig überraschend - auch die "Götterdämmerung an der Met ab.

Eigentlich blockiert er, auch wenn er es sich selbst nicht eingestehen will, und auch, wenn es ihm niemand zu sagen traut. Fabio Luisi hängt ebenso in der Luft wie die Wiener Symphoniker und auch die Oper Zürich. Wäre es da nicht ehrlicher, wenn Levine in den wohlverdienten Ruhestand ginge??
Mit James Levine hätte das österreichische Pesionssystem seine helle Freude. Während ein großer Teil der Österreicher in die Frühpension drängt, wehrt sich James Levine in den fernen USA mit aller noch zur Verfügung stehender Kraft dagegen!

Für viele ist es die Krönung einer langen Karriere. Mojca Erdmann schafft es schon mit 35 Jahren: Die deutsche Sopranistin singt an der Metropolitan Opera in New York.

Mojca Erdmann habe ich anscheinend unrecht getan, denn ihre Dauerpräsenz in den Zeitungen von Hamburg und Umgebung schien mir bereits penetrant - und war auch dem guten Aussehen geschuldet. Aber nun hat sie es an Metropolitan-Opera geschafft (als "Waldvogel" in der neuen "Siegfried"-Produktion) - und das gehört gewürdigt, wie das die "Deutsche Welle" macht:

Zart, fast zerbrechlich wirkt Mojca Erdmann, als sie die Kantine der Metropolitan Opera in New York betritt. In Jeans und blau gemustertem T-Shirt schaut sie sich kurz um und setzt sich dann an einen freien Tisch. Beinahe unauffällig und gar nicht so, wie man sich eine Opernsängerin vorstellt. Kein großer Auftritt, keine ausladenden Gesten. Eine hübsche Frau, die sich in einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt ganz offensichtlich wie zuhause fühlt. Kein Wunder: Mit Schauspielerei, Gesang und klassischer Musik ist Mojca Erdmann schon seit ihrer Kindheit vertraut.

"Le Nozze di Figaro" in Potsdam. Dazu engagierte man einen Filmregisseur.

Sich waschen und nicht nass werden: Andreas Dresen inszeniert Mozarts „Figaro“ in Potsdam als Beziehungskiste. Das meint der "Tagesspiegel".

Renate Wagner besuchte gestern in der Drachengasse "Herr Schuster kauft eine Straße von Ulrike Syha: Die deutsche Autorin Ulrke Syha aus Wiesbaden, Jahrgang 1976, schon mit Theaterpreisen und Einladungen zu renommierten Festivals versehen, hatte in der Wiener Drachengasse schon einmal Erfolg („Fracht – nautisches Denken I-IV“). Mit ihrem Stück „Herr Schuster kauft eine Straße“ (uraufgeführt am Nationaltheater Mannheim) überzeugt und amüsiert sie noch mehr. Ihr absolut gültiges Thema: Der tiefe Riss, der ideologisch durch die Familien geht, wenn die „linken“ 68er jetzt Großeltern sind, nie von ihrem Standpunkt des Klassen-, Polit- und Geschlechterkampfs abrückten und auf ihre Nachkommen blicken, deren politisches Engagement Null und die Anpassung an eine bequeme Bürgerlichkeit total ist.

Lesen Sie weiter in unseren "Kritiken".

Thomas Maurer, Robert Palfrader und Florian Scheuba treten ab 21. November im Rabenhof und ab 1. Dezember im ORF als "Wir Staatskünstler" auf.

Was ist ein Staatskünstler?? Einer, der die Hand nicht beißt, die ihn füttert - oder zumindest nur schmähhalber!

Sind nun die drei Genannten Staatskünstler?? Bilden Sie sich selbst Ihre Meinung!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.
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MITTWOCH, 9. NOVEMBER 2011
Das Wetter meint es gut mit den Staatsopernverantwortlichen, denn Übertragungen an die Außenfront im November sind eigentlich ein Irrsinn. Aber wer wagt, gewinnt! "Die Walküre" war hervorragend besucht, die "Götterdämmerung" wird es bei einem "Halbwegs-Wetter" auch sein - nur "Siegfried" ist das Sorgenkind jeder "Ring-Produktion. Heute ab 17,30 h können Sie also "Siegfried" in Freien genießen - falls Sie keine Karte haben. Nutzen Sie das Angebot, denn sonst kommt so etwas nicht wieder!

Heute singt Linda Watson die "Brünnhilde", für Sonntag in der "Götterdämmerung" ist Katarina Dalayman angesetzt. Sie war Sonntag bereits leicht erkrankt (bot trotzdem eine gute Leistung) und hat sich vernünftiger Weise entschlossen, erst wieder anzutreten, wenn sie im Vollbesitz ihrer Leistungsfähigkeit ist. Hoffen wir also, dass das am Sonntag der Fall ist!

Den "Siegfried" singt Stephen Gould, sicher einer der besten Interpreten dieser riesigen Rolle weltweit.

Christian Thielemann ist der ideale Reibebaum, an ihm scheiden sich die Geister (in diversen Foren - gut geschützt hinter Decknamen - lauern Heckenschützen). "Viel Feind, viel Ehr!" - nur wer Spitze ist, polarisiert!

Der erfolgreiche Geschäftsführer der "Vereinigten Bühnen Wien" wird "verlängert": Thomas Drozda

Auszug aus dem "Standard": Thomas Drozda, geschäftsführender Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), ist eineinhalb Jahre vor Auslaufen seines Vertrags für fünf weitere Jahre verlängert worden. Die zweite Amtsperiode läuft von 2013 bis 2018, teilte die Wien Holding am Dienstag mit. Drozda hatte die Leitung der VBW im Juli 2008 von Franz Häußler übernommen und zwei Jahre später zum erfolgreichsten Geschäftsjahr des Unternehmens geführt. Zu den Vereinigten Bühnen zählen die Musicalhäuser Ronacher und Raimund Theater sowie das Opernhaus Theater an der Wien.

Die Opernhäuser kaufen bei Sängern auch nicht "die Katze im Sack", wer den besten Scout beschäftigt, bekommt auch die besten Säünger, falls er sie noch dazu bezahlen kann. Aber diese Sänger-Entdecker haben in der Regel nicht mit aktuellen Spitzenleuten zu tun, sondern mit jenen, die es werden wollen - und deswegen wohl noch bezahlbar sind!

Wenn dieser Mann im Publikum sitzt, hüpft das Herz der Sänger entweder höher - oder es rutscht in die Hose - je nach Mentalität

Pal Moe, einer der einflussreichsten Stimmenkenner, fahndet für die Bayerische Staatsoper nach Sängern. Im "Münchner Merkur"-Interview spricht er über die Talentsuche, große Karrieren und die Rolle der Optik: Wenn er in der Vorstellung sitzt, bricht beim einen der Angstschweiß aus, beim anderen die Vorfreude: Pal Moe ist die meiste Zeit seines Berufslebens unterwegs, um neue Sänger zu entdecken. Der gebürtige Norweger gilt als einer der einflussreichsten und besten Stimmenkenner weltweit. Früher war Moe bei der Norwegischen Nationaloper, an der Pariser Oper und bei der Deutschen Grammophon tätig. Seine derzeitigen Arbeitgeber sind das Festival von Glyndebourne, die Oper von Lille – und die Bayerische Staatsoper. Um Solisten „einzukaufen“, wird Moe von ihr auf Reisen geschickt. Mit großem Erfolg, wie einige Besetzungsüberraschungen gerade in jüngerer Zeit bewiesen.

Wie wichtig ist noch das klassische Vorsingen? Oder sind Vorstellungen, die Sie an anderen Häusern besuchen, entscheidender?

Ein Vorsingen ist nur die halbe Wahrheit. Wenn man die Sänger in einer Vorstellung erlebt, dann gewinnt man viel mehr Erkenntnisse. Manche haben ja extreme Probleme mit der künstlichen Vorsing-Situation. Und wer ein gutes Vorsingen absolviert, muss nicht zwangsläufig eine gute Vorstellung singen. Mein Vorteil im Vergleich zu einem Festangestellten ist: Ich kann eben sehr viel herumreisen. 1A-Besetzungen im Stile von Netrebko und Calleja brauche ich dabei weniger. Es dreht sich ja um den vielversprechenden Neuling.

Welche Rollen lassen sich schwer besetzen? Kann man derzeit überhaupt eine adäquate „Aida“ oder „Elektra“ bieten?

„Elektra“ ist das beste Beispiel: Sie wird gerade an der Bayerischen Staatsoper nicht gespielt. Allgemein gesagt: Die großen, dramatischen Partien sind schwer zu besetzen, vor allem bei Verdi und Wagner. Dagegen war die Lage bei Barock, Mozart und Rossini noch nie so gut wie jetzt.

Mehr darüber in "Münchner Merkur"!

Nun zur "Wiener Meyerei". Staatsoperndirektor Dominique Meyer (der "Staatsmeyer") heißt mit zweitem Vornamen Robert. Ein Glück, dass sich Dominique Meyers Eltern doch nicht für Robert als Hauptname entschieden haben, denn sonst könnte es Verwechslungen mit dem "Volksopern-Meyer" , kurz "Volksmeyer" genannt, geben. Der "Standard" schreibt: Solch Namensprobleme sind indes aushaltbar - angesichts der Situation des Hauses. In seiner fünften Saison abgekommen, hat Robert Meyer das Haus längst stabilisiert, die 80 Prozent Auslastung, die er als Ziel hatte, erreicht er. Auch hat er nicht die Absicht, jenen Aufteilungsschlüssel, der die Subventionen innerhalb der Bundestheaterholding ordnet, in Frage zu stellen. "Ich kann mich nicht weinend vors Ministerium legen und bitten, dass mir die Ministerin doch noch was drauflegt. Vor allem nicht in diesen Zeiten. Wenn man nicht nur die Kulturseiten liest, sondern auch die Wirtschaft, muss man mit dem auskommen wollen, was man hat." Ab heute hat das Haus am Gürtel jedenfalls mit Volksoper tierisch ein neues Programm im Angebot, das Einnahmensausfälle verhindert. "Wir brauchen während der Endproben ein Programm vor dem Eisernen Vorhang, damit wir tagsüber lange proben können und am Abend keine Vorstellung entfällt.

Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation ehrt den "Volksmeyer", das soll auch einmal gesagt werden. Herbert Föttinger vom Josefstadttheater ist da ein "Jammerer vom Dienst"!
Robert (Volks)Meyer lässt uns auch an Besetzungsproblemen teilhaben: Extrem war es bei Figaro. Die Gräfin-Darstellerin war krank, die zweite hatte tags zuvor eine schwere Kieferoperation zu überstehen. Die dritte Gräfin? Sie war schwanger. Dann haben wir uns an eine Dame erinnert, die mittlerweile in Deutschland arbeitete. Sie reiste auch an, es stellte sich jedoch heraus, dass sie nicht einmal mehr vom Text eine Ahnung hatte."

Zum "rettenden Engel" wurde Elisabeth Flechl, "die die Gräfin drauf hatte - allerdings nur auf Italienisch. So hat die erste, kranke Gräfin gespielt und die Rezitative gesungen, das ging. Flechl stand an der Rampe und sang die Arien auf Italienisch. Eine wahnsinnige Sache", die Meyer noch immer mäßig lustig findet.

Dominik Trogers Website www.operinwien.at erfreut sich bei uns großer Beliebtheit, der Autor ist kompetent und bleibt dabei sachlich. Er schreibt in seiner heute veröffentlichten Rezension über Thiememanns "Walküre"- Interpretation an der Wiener Staatsoper: Nach dieser „Walküre“ sah man viele verklärte Gesichter. Christian Thielemanns Klangmalereien haben verzückt. In seine große, aus Musik gebaute „Wagner-Andachtskathedrale” konnte man sich wunderbar hineinschmiegen. Und Wotans Abschied zauberte mit weicher Streichermusik einen Klangraum wie aus tausend Federkissen zum „Brünnhilden-Aufbetten“, ehe Loges Feuerzünglein tausendfältig emporloderten. Solcher Klangzauber ist heutzutage nahezu einzigartig: die weitgespannte Größe dieser Raummusik, ihr Farbenreichtum, ihr Mut zur romantischen Übersteigerung. Dem Applaus und dem Andrang nach zu schließen lechzt ein großer Teil des Wiener Publikums geradezu nach solch üppigen, leicht eingedunkelten Klängen, nach seelenvoller, schwelgerisch aufrauschender Romantik, von der das Orchester verschwenderisch zu geben bereit war.

Schon im ersten Aufzug, dessen Schlusstakte mit einem kurzen, mitreißenden Energieanfall exekutiert wurden, zeigten sich die besonderen musikalischen Qualitäten dieses Abends, die verführerischen Klänge der Streicher, die sehnsuchtsvollwebenden der Cellisten, mit gesättigten Farben, mit detailliert herausgearbeiteten Orchesterstimmen geschaffene Klangträume und Klangräume für Liebende.

"Pique Dame" an der Oper Graz: Die "Kleine Zeitung bietet eine Zusammenassung von Zitaten ("Greisensex" etc.).

In diesem Sommer war Maximilian von Mayenburg auf dem Olymp der deutschen Opernwelt angekommen: Bei den Richard Wagner gewidmeten Bayreuther Festspielen, und zwar nicht als Zuschauer, sondern als Regisseur. Mit 28 Jahren.

Er inszenierte den Zyklus des "Rings" für Kinder. Katharina Wagner, Urenkelin des Komponisten Richard und Dozentin an Max' Uni, fragte den Regiestudenten der Berliner Hanns-Eisler-Musikhochschule bei einem Bier, ob er nicht Lust hätte, diesen Auftrag anzunehmen. Er hatte!

Lesen Sie mehr darüber in unserer Presseschau ("Der Spiegel")

Filmregisseur Andreas Dresen inszenierte "Le Nozze di Figaro" im Schlosstheater Potsdam. Die "Frankfurter Allgemeine" bewertet positiv: Das politisch Aufmüpfige dieses Stücks, die Rebellion Figaros gegen den hierarchischen Sex, den der Graf mit seinen weiblichen Angestellten praktiziert, brachte auch Dresen nicht auf die Szene. Immer mehr wird heute auf den Bühnen Mozarts „Figaro“ zu einem Stück über die Tiefenpsychologie der Liebe zwischen weitgehend gleichberechtigten Subjekten. Wie zwanglos und im Ergebnis ergreifend sich solche Aktualisierung durch Vertrauen auf die Musik herstellen lässt, das hat Dresen jetzt in Potsdam bewiesen.

Bemerkenswert an diesem "Figaro": Sergio Azzolini dirigierte blasend vom Fagott aus. Abwertung der Dirigenten? In unserem Merker-Archiv in der Rauchgasse finden sich Theaterzettel, auf denen der Name des Kapellmeisters nicht einmal genannt wird !

James Levine sagt nun - wenig überraschend - auch die "Götterdämmerung an der Met ab.

Eigentlich blockiert er, auch wenn er es sich selbst nicht eingestehen will, und auch, wenn es ihm niemand zu sagen traut. Fabio Luisi hängt ebenso in der Luft wie die Wiener Symphoniker und auch die Oper Zürich. Wäre es da nicht ehrlicher, wenn Levine in den wohlverdienten Ruhestand ginge??
Mit James Levine hätte das österreichische Pesionssystem seine helle Freude. Während ein großer Teil der Österreicher in die Frühpension drängt, wehrt sich James Levine in den fernen USA mit aller noch zur Verfügung stehender Kraft dagegen!

Für viele ist es die Krönung einer langen Karriere. Mojca Erdmann schafft es schon mit 35 Jahren: Die deutsche Sopranistin singt an der Metropolitan Opera in New York.

Mojca Erdmann habe ich anscheinend unrecht getan, denn ihre Dauerpräsenz in den Zeitungen von Hamburg und Umgebung schien mir bereits penetrant - und war auch dem guten Aussehen geschuldet. Aber nun hat sie es an Metropolitan-Opera geschafft (als "Waldvogel" in der neuen "Siegfried"-Produktion) - und das gehört gewürdigt.

Magritte-Ausstellung in der Wiener Albertina

Heiner Wesemann besuchte diese für uns: Was ist Surrealismus? Vielleicht die Erkenntnis, dass die Dinge nicht immer sind, was sie scheinen. Niemand stößt den Betrachter intensiver auf diese Tatsache als René Magritte mit seinen Werken. An sich scheint auf seinen Bildern jeder Gegenstand für sich ganz normal zu sein. Im Zusammenhang miteinander oder in sich selbst in ihre Bestandteile zerlegt, erweisen sie sich im höchsten Sinne als enigmatisch. In der Albertina wird der Kunstfreund durch ein Abenteuer des Schauens und des Rätselns getrieben: Klaus Albrecht Schröder hat für den belgische Surrealisten die größte Ausstellung auf die Beine gestellt, die es in seinem Haus je gab.

Leihgeber aus aller Welt wirkten zusammen, um 150 Gemälde und Zeichnungen, 117 „flankierende“ Werke in Plakat, Collage, Fotografie, Film (Magrittes eigene HomeVideos flimmern von vielen Leinwänden) sowie dokumentarisches Anschauungsmaterial zusammen zu bekommen. 2000 Quadratmeter der Kahn-Galleries im obersten Stock der Albertina wurden großzügigst und übersichtlich bestückt. Die chronologische Vorgangsweise mit der Ballung von Schwerpunkten (etwa bei den Plakaten) erweist sich als sinnvoll, weil Magrittes Entwicklung solcherart recht deutlich nachzuvollziehen ist – er hat Perioden, in denen er Kitsch, in denen er Erotik und Brutalität bevorzugt, dann wieder solche, wo er seine genialen „Rätsel“-Gemälde schafft.

Heiner Wesemann schreibt in unserer Filmrubrik: Zur Räuberpistole wird der Film angesichts der privaten Verstrickungen rund um de Vere und die Königin, die sich am Ende haarsträubend zu Blutschande-Dramen ausweiten, ohne dass man dem Film seine Gunst entziehen würde. Dazu ist er zu gut und spannend gemacht, zu prächtig ausgestattet (die Babelsberg Studios haben brillant gearbeitet), atmosphärisch zu stimmig. Und zu gut besetzt, darunter mit Englands derzeitiger Theaterlegende Derek Jacobi – und mit einem besonderen Clou in der Darstellung der Elizabeth I.: Dass die alte Königin eine wunderbare Rolle für eine harsch intelligente Vanessa Redgrave ist, das konnte man sich an zehn Fingern (oder viel weniger) ausrechnen. Dass nun, da ihre schöne Tochter Natascha Richardson so tragisch verstorben ist, die verbliebene, nicht so hübsche, aber ebenso begabte Joely Richardson sich als die ideale Ausgabe der jungen, spritzigen, unternehmungslustigen Elizabeth erweist, ist eine Besetzungspointe von hoher Qualität.

Der Endeffekt des Films – über Shakespeare nachlesen und sich fragen, ob der Mann aus Stratford wirklich diesen Kosmos aus Bildung, Ausbildung, weltmännischer Erfahrung, psychologischer Einsicht und dichterischer Imagination schaffen konnte, oder ob ein Lord mit dem Background wie de Vere hier nicht tatsächlich der überzeugendere „Verdächtige“ ist.

Lesen Sie mehr darüber in Renate Wagners FILMSEITE!

Einer fehlte beim Startschuss für die Spendenaktion Licht ins Dunkel am Dienstag in der Wiener Hofburg: Peter Rapp ist zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht mehr als Moderator dabei. Sein Rauswurf (ÖSTERREICH berichtete) war beim Auftakt aber Gesprächsthema Nr. 1. „Ich kann mir vorstellen, dass es ihm sehr wehtut“, sagt Alfons Haider. Barbara Sima, die im Vorjahr mit Rapp moderierte, kann die Aufregung nicht verstehen: „Wichtig sind die Leute, die spenden.“

Pornokratie, Mord an Konkurrenten, Prozess gegen Leichen: Die Oberhäupter der katholischen
Kirche nahmen es mit den zehn Geboten nicht immer ganz genau. Stefan Kuzmany sucht in
seinem Buch "Das können Sie glauben!" nach der besten Religion - und findet üble Sünder
auf dem Heiligen Stuhl.

Mehr darüber im "Spiegel"!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C
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DONNERSTAG, 10. NOVEMBER 2011Heute: "Katja Kabanova" wieder an der Wiener Staatsoper. Janice Watson und Stephanie Houtzeel. Foto: Barbara Zeininger

Einen Monat vor der nächsten Janácek-Premiere an der Wiener Staatsoper, "Aus einem Totenhaus" (11. Dezember 2011), steht ab 10. November die Produktion von "Kátja Kabanová" wieder auf dem Spielplan, die im Juni 2011 den Janácek-Zyklus unter GMD Franz Welser-Möst eröffnete.

In der Inszenierung von André Engel sind wie bereits in der Premierenserie Janice Watson in der Titelpartie, Klaus Florian Vogt als Boris, Deborah Polaski als Kabanicha, Wolfgang Bankl als Dikoj, Stephanie Houtzeel als Varvara und Marian Talaba als Tichon zu erleben.

Alisa Kolosova, neu im Ensemble der Wiener Staatsoper, debütiert als Glasa im Haus am Ring, Gergely Németi gibt als Kudrja* sein Rollendebüt an der Wiener Staatsoper. Reprisen: 14., 17. und 21. November

"Siegfried": Albert Dohmen (Wanderer) und Stephen Gould (Siegfried). Foto: Renate Wagner (aufgenommen vor der Wiener Staatsoper)

Gestern versammelte sich zu Beginn der "Siegfried"-Vorstellung an der Wiener Staatsoper wieder eine ahnsehliche Schar von "Gratisblitzern" vor dem Opernhaus, um die Vorstellung auf der Riesenleinwand zu erleben. Im Laufe der Vorstellung bröckelten viele Besucher wieder ab, einige neue kamen hinzu. "Siegfried" bestätigte seinen Ruf, der beim Publikum unbeliebteste Teil des "Ringes" zu sein.

Sie sahen "Siegfried" via Leinwand vor der Staatsoper. Mag. Heiner Wesemann (November- gerecht verpackt), Anton Cupak, der glaubt, dass noch Sommer ist. Foto: Renate Wagner)

Nachdem ich etwas gefroren hatte (aus eigener Schuld, denn ich war direkt sommerlich gewandet), erbarmte sich meiner ein Stehplatzler und schenkte mir für den 3. Aufzug seine Karte. Gesehen habe ich nichts, die Oper war bis zum Schluss gerammelt voll, die Stimmung geradezu euphorisch. Wir werden im Laufe des Tages mindestens zwei Rezensionen erhalten. Mein erster Eindruck war, dass nicht alle Sängerdarsteller ihr volles Potential abrufen konnten - trotzdem freue ich mich auf die "Götterdämmerung" am Sonntag mit Halfvarson als Hagen und hoffentlich wieder Katarina Dalayman als Brünnhilde!

Nun ist auch bereits die Kritik von Martin R. Botz eingetroffen. Er empfindet enthusiastischer als ich: Glücklicher Weise kam ich wenigstens in einen Ring-Abend. Christian Thielemann und die Philharmoniker bilden zusammen ein einmaliges Team. Wie sie aufeinander eingehen und reagieren, das führt zu sensationellen Ergebnissen. Das Ganze hat, so möchte man sagen absoluten Seltenheitswert. Man versteht jetzt die überschwänglichen Kritiken nach den ersten beiden Abenden, in den Zeitungen und auf der der Merker-website. Es entstand im Haus sehr bald eine enthusiastische Stimmung.

Der Siegfried gilt als das heikelste Werk im Ring, ganz besonders, wenn keine Spannung hineinkommt, es treten Längen auf. Diesmal jedoch war das Ergebnis von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach glorios. Erwähnt seien: das Vorspiel mit den tiefen Tönen, die aufsteigen, bis allmählich alle Instrumente einsetzen, und zum ersten orchestralen Höhepunkt führen. Oder: welch ein zartes Piano das Riesenrochester im 2. Akt, bei Siegfrieds Träumen vom Vater und der Mutter, erklingt. Bei Thielemann muss kein Sänger brüllen. So anfangs des 3. Aktes, wenn er das Orchester voll „aufdreht“ und beim Einsatz des Wanderers zurücknimmt. Die Grundlagen die Dirigent und Philharmoniker boten, waren kongenial und phantastisch.

Neues von Anna Netrebko! Erstes Foto von Sohn Tiago!

Jetzt haben wir seit einigen Tagen nichts von Anna Netrebko gehört und ich will an Entzugserscheinungen mancher Leser nicht schuld sein. Ich zitiere aus der Zeitung "Österreich" : Es ist ihr erster freier Tag seit langem und auf Sohnemann Tiago passt ausnahmsweise einmal die Babysitterin in ihrem Wiener Penthouse auf. Opern-Diva Anna Netrebko genießt einen Teller getrüffelter Pasta beim Nobel-Italiener Fabios und erholt sich von einer ausgedehnten Shopping-Tour durch die Innenstadt. Gestern kam die Russin erst aus Barcelona retour, wo ihr Lebensgefährte Erwin Schrott (38) gerade in Gounods Faust im Gran Teatre del Liceu zu hören ist. Und auch sonst steht bei der Sopranistin berufsbedingt Jet-Set auf dem Programm. Kürzlich feierte die 40-Jährige große Erfolge in der New Yorker Metropolitan Opera, am 10. Dezember wird sie die Mailänder Scala beehren und zwischendurch macht der Star kurze Abstecher nach Moskau oder London.

Im Interview mit Madonna SOCIETY spricht Sido über ihre Wien-Pläne, den 40er und ihre Zukunftssorgen.

Frau Netrebko, ich habe gehört, Sie nehmen fleißig Deutsch-Stunden. Wie geht es Ihnen damit?
Anna Netrebko: Ja, ich nehme Unterrichtsstunden. Aber es ist schwer, weil die meisten nur Englisch mit mir sprechen wollen. Trotzdem muss ich es jetzt perfekt lernen, weil mein Sohn Tiago hier bald in den Kindergarten kommt und er dort Deutsch lernt, und ich will mich mit ihm unterhalten können.

Das heißt, Tiago kommt in Wien in den Kindergarten?
Anna Netrebko: Ja, ich suche gerade eine passende Einrichtung. Er ist so schnell groß geworde , die Zeit ist wirklich wie im Flug vergangen. Ich erinnere mich noch, wie ich ihn als Baby aus dem Krankenhaus getragen habe und jetzt kommt er schon in den Kindergarten. Ich kann es gar nicht glauben. Und Wien hat einfach so viel Klasse und das Leben hier ist super.

Zwischendurch "Konzertiges": Die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager eröffnete ihren Musikvereinszyklus blendend, von Jean-Yves Thibaudet brillant begleitet, mit Liszt und Brahms. Der Liederabend war der Beginn des fünfteiligen
Kirchschlager-Zyklus.

Graz/ Musikverein für Steiermark: Musikalischer Vollendung nahe: Das Minetti-Quartett auf dem Weg nach oben. Die Juroren des Schubert-Wettbewerbs in
Graz haben sich anno 2006 nicht geirrt: Das österreichische Minetti-Quartett beweist im
Musikverein für Steiermark neuerlich, dass es musikalischer Vollendung immer näher kommt

Die Ausstellung "Arthur Schnitzler in Währing" wird heute eröffnet

Dr. Renate Wagner hat dazu eine Broschüre gestaltet. Die Eröffnung der Ausstellung (Kurator Paul Katt) erfolgt heute um 18 h im Amtshaus Währing (Währingerstraße/Martinstraße). Sie sind herzlich willkommen!

Die Opernhäuser kaufen bei Sängern auch nicht "die Katze im Sack", wer den besten Scout beschäftigt, bekommt auch die besten Säünger, falls er sie noch dazu bezahlen kann. Aber diese Sänger-Entdecker haben in der Regel nicht mit aktuellen Spitzenleuten zu tun, sondern mit jenen, die es werden wollen - und deswegen wohl noch bezahlbar sind!

Wenn dieser Mann im Publikum sitzt, hüpft das Herz der Sänger entweder höher - oder es rutscht in die Hose - je nach Mentalität

Pal Moe, einer der einflussreichsten Stimmenkenner, fahndet für die Bayerische Staatsoper nach Sängern. Im "Münchner Merkur"-Interview spricht er über die Talentsuche, große Karrieren und die Rolle der Optik: Wenn er in der Vorstellung sitzt, bricht beim einen der Angstschweiß aus, beim anderen die Vorfreude: Pal Moe ist die meiste Zeit seines Berufslebens unterwegs, um neue Sänger zu entdecken. Der gebürtige Norweger gilt als einer der einflussreichsten und besten Stimmenkenner weltweit. Früher war Moe bei der Norwegischen Nationaloper, an der Pariser Oper und bei der Deutschen Grammophon tätig. Seine derzeitigen Arbeitgeber sind das Festival von Glyndebourne, die Oper von Lille – und die Bayerische Staatsoper. Um Solisten „einzukaufen“, wird Moe von ihr auf Reisen geschickt. Mit großem Erfolg, wie einige Besetzungsüberraschungen gerade in jüngerer Zeit bewiesen.

Wie wichtig ist noch das klassische Vorsingen? Oder sind Vorstellungen, die Sie an anderen Häusern besuchen, entscheidender?

Ein Vorsingen ist nur die halbe Wahrheit. Wenn man die Sänger in einer Vorstellung erlebt, dann gewinnt man viel mehr Erkenntnisse. Manche haben ja extreme Probleme mit der künstlichen Vorsing-Situation. Und wer ein gutes Vorsingen absolviert, muss nicht zwangsläufig eine gute Vorstellung singen. Mein Vorteil im Vergleich zu einem Festangestellten ist: Ich kann eben sehr viel herumreisen. 1A-Besetzungen im Stile von Netrebko und Calleja brauche ich dabei weniger. Es dreht sich ja um den vielversprechenden Neuling.

Welche Rollen lassen sich schwer besetzen? Kann man derzeit überhaupt eine adäquate „Aida“ oder „Elektra“ bieten?

„Elektra“ ist das beste Beispiel: Sie wird gerade an der Bayerischen Staatsoper nicht gespielt. Allgemein gesagt: Die großen, dramatischen Partien sind schwer zu besetzen, vor allem bei Verdi und Wagner. Dagegen war die Lage bei Barock, Mozart und Rossini noch nie so gut wie jetzt.

Mehr darüber in "Münchner Merkur"!

"Hamlet" zur Eröffnung in Düsseldorf. Foto: Sebastian Hoppe.

Die "Frankfurter Allgemeine" beginnt ihre Rezension mit einer Lagebeschreibung: Es ist ein Fest. Eine Freude. Und eine Ehre. Denn die Einwohner der reichsten, der schuldenfreiesten Stadt der Nation drängeln sich massenhaft vor dem Schalter, auf dem "Ehrenkarten" steht. Das Düsseldorfer Schauspielhaus, äußerlich das verbunkertste der Nation, öffnet nach Jahren der Renovierung wieder seine Pforten.

Bis kurz vor Premierenbeginn werkeln noch die Putzkolonnen. Aber auf der Foyer-Empore schmettert ein Fanfarenzug eine stolz sich blähende Prunkmusik, als gebe die uniformierte provinzielle Blasmusikvereinsmeierei dem modischen Weltstadttheatergehabe erst die richtige Weihe. Ein neuer weltläufiger Intendant ist auch da: Staffan Valdemar Holm aus Stockholm.

Und er inszeniert auch diesen "Hamlet". Die Kritik liefert uns die "Frankfurter Allgemeine"

Die größte Leonardo Da Vinci-Ausstellung befindet sich derzeit in London!

31,3 Millionen Euro für Lichtenstein-Gemälde

Das große Geld wird aber in New York gemacht, wo ein Bild von Roy Lichtenstein einern Preis 43,2 Millionen Dollar erzielte.

Die "Berliner Morgenpost" weiß mehr: Bei Christie’s in New York ist der Rekord für ein Bild von Roy Lichtenstein gefallen. Für „I Can See the Whole Room ... and There’s Nobody in It!“ wurden bei der Herbstauktion 43,2 Millionen Dollar (etwa 31,3 Millionen Euro) gezahlt. Das sind 600.000 Euro mehr als der bisherige Höchstpreis für ein Gemälde des Pop-Art-Künstlers (1923-1997). Die 42,6 Millionen waren für „Ohhh... Alright ...“ von 1964 gezahlt worden – fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor auf der Herbstauktion von Christie’s 2010.

Die "Borgias"reiten wieder". Nun wiederholt Pro Sieben die ATV (?)-Serie.

Die "Welt online" befasst sich ebenfalls mit den Borgias, eigentlich mit dem von den Borgias ermordeten Mönch Savonarola: Lässt man einmal die Geschichte mit dem Tausendjährigen Reich und seinen Bezügen weg, wäre Savonarola also der ideale Kämpfer gegen Banken, Reichtum und Luxus. Sein „Feuer der Eitelkeiten“ brannte sogar – im Gegensatz zur Lunte von Guy Fawkes. Aus der gleichen Frontstellung Münch vs. Papst sollte sich nicht einmal zwanzig Jahre nach Savonarolas Feuertod die ultimative Reformation der katholischen Kirche entzünden. Martin Luther überlebte sogar.

Aber vielleicht ist die Konsequenz, mit der Savonarola seine eigene Person in die Wagschale warf, ja doch eine Aussicht, die manchem heutigen Kapitalismuskritiker zu unheimlich ist.

Am 9. November startet ProSieben die Serie "Die Borgias" (1. Staffel, 9 Folgen), 20.15 h.

ATV reagiert auf die Ausweitung von ORF seinerseits mit einer Ausweitung. Kultur soll ab Ostern ebenso einen höheren Stellenwert erhalten, wie zum Beispiel auch "Saturday Night Fever". In Sonntagmatineen sollen Opern zum Beispiel aus Zürich gezeigt werden!

Immer interessant: Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE!

David Cronenberg lässt Gangster und Horror auf der Leinwand erblühen wie wenige Regisseure sonst. Nun hat er direkt in der Realität eine Konstellation gefunden, die es mit jedem Drehbuch aufnehmen kann. Man kennt sie aus der Geschichte der Psychoanalyse: der „Fall Sabina Spielrein“ wurde von der Wissenschaft und vom Klatsch immer wieder begeistert aufgegriffen, könnten die handelnden Personen doch interessanter kaum sein – Sigmund Freud, der Übervater persönlich, Carl Gustav Jung, einige Zeit sein präsumptiver Nachfolger, und eine schöne, reiche russische Jüdin namens Sabina Spielrein.

Es wurde eine Dreiecksgeschichte, bei der allerdings Jungs Frau die Betrogene war (von Sarah Gadon als das demütige Opfer verkörpert). Was sich hier in der Schweizer Klinik Burghölzli begab, war ein klassischer Fall von „Übertragung“ (das heißt, die Patientin verliebt sich auf jeden Fall in den Arzt wie die Schülerin in den Lehrer...)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.
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FREITAG, 11. NOVEMBER 2011

Katharina Wagner erklärt uns, warum sie den "Ring" am Teatro Colon in Buenos Aires sogar gerne kürzt. Das Foto zeigt sie im Teatro Colon/ Stiegenaufgang

Merker-Redakteu Dr. Klaus Billand ist derzeit zwar in Hanoi, hält aber Kontakt zu "seinen" Opernhäusern. Und das Teatro Colon in Buenos Aires gehört zu "Billands Häusern". So erfahren wir als wohl erstes Medium in unseren Breiten Details über den "Colon-Kurz-Ring" im November/ Dezember 2012. Die genauen Besetzungen und auch die Dauer der gekürzten Teile finden Sie in unserer "Aktuellen Seite - Tagesinfos". Klaus Billand hat aus dem Spanischen für uns übersetzt: Ich bin der Überzeugung, dass dieses Projekt, welches wir zusammen mit dem Teatro Colón erarbeiten, einen wichtigen Schritt in der Rezeption des Werkes meines Urgroßvaters Richard Wagner sein wird. Schon allein die Idee, dass die Direktion des Colón die Herausforderung, diesen „Ring“ Kompakt zu produzieren, angenommen hat, schafft ernorme Erwartungen. Das Teatro Colón hat sich nach meiner Ansicht zum idealen Aufführungsort für dieses revolutionäre Projekt qualifiziert, weil es unmittelbar nach seiner Wiedereröffnung und mit der spektakulären Restauration und technologischen Renovierung, das Szenarium ist, welches - mit einer Wagner-Tradition von über 100 Jahren - nicht nur den Glamour und den Luxus des Hauses, sondern auch das Personal, die technischen Bedingungen sowie modernste Bühnentechnik hat, um ein wichtiges Projekt von internationalem Rang in Szene zu setzen.“

Und Cord Garben, Mentor des Projekts und für die musikalische Umsetzung verantwortlich, erklärt uns die Kürzungen: „Der Colón-„Ring“ ist das ambitionierteste Projekt - am Vorabend des Geburtsjahres -, die 200 Jahre der Geburt von Richard Wagner zu feiern, ein einzigartiges Projekt von internationaler Bedeutung und Transzendenz.
Der „Ring“ ist ein sehr langes Werk, in seiner Gesamtheit kaum umzusetzen. Jede der drei großen Opern des „Ring“ enthält große Dehnungen und viele Wiederholungen. Von einigen der Rückblendungen, die sich wiederholen und immer wiedererzählen, was bis dahin geschehen ist, kann man absehen. In dieser Adaptation – und es gab andere in der Vergangenheit! – ist es das Hauptziel, die Kohärenz und die argumentative Ordnung zu erhalten, während man lange Diskussionen und Wiederholungen von Strophen oder philosophischen Fragmenten, die den Fortgang unterbrechen und keine argumentative Bedeutung haben, unterdrückt.
Die Unterdrückung von Inhalten hängt von der musikalischen Entwicklung ab, was bedeutet, dass nur geschnitten wird, wenn es musikalisch möglich ist, i.e.: die gleiche Tonart, das Ende eines Motivs oder eine gesprochene Phrase, die weder den Dialog noch die Handlung verändern.
Die Welt hat sich drastisch verändert. Die Technologie hat Möglichkeiten geschaffen, die in vergangenen Jahrhunderten undenkbar waren, um Werke individuell mit elektronischen Medien aufzuführen. Die heutige Welt ist eine andere, in der der Wert der Zeit ein völlig anderer ist. Ich denke ständig an die Ideen des jungen Wagner, mit seinem konfrontativen und revolutionären Geist. Natürlich lässt sich ohne Mut nichts anfangen. Aber es bedarf auch guter Vorbereitung sowie des Wissens und der Erfahrung, um ein solches Projekt anzugehen. Also gut: Wenn jemand von etwas überzeugt ist und über die Mittel verfügt, es auszuführen, dann muss er es eben machen. Und ich bin zutiefst überzeugt von diesem „Ring“. Aber es gibt etwas ganz Wichtiges: diese Interpretation ergänzt ein Werk, sie ersetzt es nicht. In diesem Sinne ist unser Colón-„Ring“ eine Ergänzung, kein Ersatz des „Ring“-Originals.“

Rachel Frenkel, neu als Mezzo-Sopranistin an der Wiener Staatsoper, stellt sich Sonntag gemeinsam mit Carlos Osuna dem Wiener Publikum vor.

Am Sonntag, 13. November 2011, findet um 11.00 Uhr die dritte Matinee der Reihe „Das Ensemble stellt sich vor“ im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper statt. Die beiden Ensemblemitglieder Rachel Frenkel (Mezzosopran) und Carlos Osuna (Tenor) präsentieren Arien, Duette und Lieder von Francesco Paolo Tosti, Manuel de Falla, Pablo Sorozábal, Augustín Lara, Aaron Copland, Gioachino Rossini, Franz Lehár, Wolfgang Amadeus Mozart, Peter Iljitsch Tschaikowski und Jules Massenet.
Am Klavier werden sie begleitet von der musikalischen Studienleiterin Kathleen Kelly.
Karten à € 12,- sind an den Bundestheaterkassen sowie online erhältlich.

Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer ist Chefjuror beim Wettbewerb "Neue Stimmen", bei dem Rachel Frenkel vor einigen Jahren einen Preis gemacht hat (gewonnen hat sie nicht).

Die "Siegfried"-Kritiken aus der Wiener Staatsoper sind sowohl in unserer Rubrik, wie auch in denen der Tageszeitungen hervorragend. Die Staatsoper rüstet sich zum großen Finale am Sonntag bei "Götterdämmerung", wie es aussieht, dürfte auch diesmal das Wetter wieder mitspielen!

Hoffentlich sind Wiens Opernfreunde genug verrückt, sich auch noch die "Götterdämmerung" im freien anzusehen. In Italiens Kinos ist zwar geheizt, aber dennoch sind dort Opernübertragungen aus der Metropolitan-Opera New York zumindest in Ancona ein Flop. Unsere Leserin Gerlinde Ciganec pendelt zwischen Graz und Ancona hin und her und berichtet über die jüngste "Siegfried"-Übertragung: Samstag war ich in Ancona – Universitäts- und Hafenstadt – bei der Übertragung vom Siegfried von der MET, im 1. Akt waren wir zu zweit, dann musste dieser Besucher leider seinen Dienst im Spital antreten – er war so begeistert von seiner ersten Wagner Oper – dann war ich ganz allein in diesem Kinosaal. Bei Anna Bolena waren wir wenigstens zu viert. Die Karten sind viel billiger als in Österreich (15 €). Beim Faust von der Covent Garden Opera waren in den 15 € ein Aperitivo mit herrlichen Vorspeisen inkludiert. Dort waren wenigstens 15 Besucher

"Gogol" im Theater an der Wien. Uraufführung am 15. November

Wahnsinn, russischer Weltschmerz, religiöse Inbrunst: Im Theater an der Wien steht mit Lera Auerbachs "Gogol" am Dienstag (15. November) die Opernuraufführung der heurigen Saison an. "Ich bekenne mich dazu, dass es ohne neue Werke keine Zukunft für die Oper geben kann", beschied Intendant Roland Geyer am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts. (Auszug aus "Kleine Zeitung")

Thomas Albertus Irnberger

Der junge, vielfach preisgekrönte österreichische Geiger Thomas Albertus IRNBERGER ist am
11. November 2012 (heute) special guest bei der „Klangbilder Ausstellung|11“, Österreichs größter
Messe für hochwertige Unterhaltungselektronik, welche vom 11. – 13.11. im Wiener Hotel Hilton
Plaza stattfindet

"Le Nozze di Figaro" im Wiener Uniqua-Tower: Mitarbeiter Ernst Kopica schreibt: Diesmal sende ich einen Hinweis auf eine am Samstag stattfindende Veranstaltung, welche für Merker-Freunde interessant sein könnte, ich besuchte gestern die entsprechende Generalprobe. Veranstalter ist die Eventagentur White Bears und der Link lautet: Mehr Info

Sebastien Soules (zuletzt in Baal/Neue Oper Wien und in Klosterneuburg zu hören, demnächst an der Volksoper in Gianni Scicchi) inszeniert und fungierte während der proben als Coach, Lehrer und Regisseur. Junge österreichische Gesangsstudenten präsentieren eine (mit Ausnahme des Terzetts im zweiten Akt) ungekürzte "Nozze" - Aufführung in der wundervollen Location im Wiener Uniqa-Tower. Dabei gibt es meiner Meinung nach wunderbare Stimmen zu entdecken (allen voran die erst 21-jährige Simone Waldhart als Susanna und Christoph Filler als Figaro), aber was am meisten beeindruckt ist die witzige Low-Budget-Aufführung mit einer immensen Spiellaune der Beteiligten und witzigen Einfällen von Soules. Ich war jedenfalls mehr davon angetan als von so mancher Reptertoire-Hochzeit an großen Häusern. Es gibt noch Restkarten!

Als Bass ist man mit 26 noch blutjung. Anders als Tenöre und Soprane treten tiefe Männerstimmen
manchmal sogar noch mit Ende 70 auf die Bretter. Deshalb hat David Jerusalem keine Eile. Jerusalem?? Den Namen kennen wir doch. Richtig! Es handelt sich um den Sohn des Tenors Siegfried Jerusalem, der zumindest die Stimmlage nicht geerbt hat!
David Jerusalem ist Mitglied des Opernstudios der Rheinoper Düsseldorf!

Neu im Kino schildert Renate Wagner die Komödie „What a Man“ mit dem blonden Lockenkopf Matthias Schweighöfer:


Wie alles auf der Welt sich ändert, so verschiebt sich auch im Film immer das Darstellerangebot. Wer total „in“ war, verschwindet plötzlich, neue Gesichter tauchen permanent auf, besetzen plötzlich Hauptrollen. Seit einigen Jahren gibt es im deutschen Film zwei blonde junge Männer, den Österreicher Robert Stadlober und den Deutschen Matthias Schweighöfer. Bei Stadlober ist einem stets ein bisschen unheimlich, der tickt anders als die anderen. Bei Schweighöfer beginnt man wohlwollend zu lächeln – so blond, so nett, so sympathisch.

Was macht ein Schauspieler wie Matthias Schweighöfer, der gerade 30 ist und durchaus auf Erfolge zurückblicken kann – er hat immerhin ebenso im Film den „Roten Baron“, das deutsche Flieger-As Richthofer, wie im Fernsehen Friedrich Schiller persönlich verkörpert. Wartet er nun auf weitere Promi-Rollen (er war übrigens auch schon Reich-Ranicki als junge Ausgabe, schwer vorstellbar, aber doch)? Womit beschäftigt er sich, wenn er als Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und sein eigener Hauptdarsteller nun den ersten ganz „eigenen“ Film vorlegt? Matthias Schweighöfer greift nicht übertrieben hoch. Er belässt es bei den eigenen Beziehungsgeschichten…

Nun zu "In eigener Sache"! Die neueu Merker-Website ist bereits in Probebetrieb, sie enthält eine neue Technologie (im alten Gewand), Suchfunktionen etc. Im Moment ist sie noch nicht öffentlich, wir gehen erst an das Netz, wenn meine Praktikantin Cornelia Gelück-Woderscheck die Übersiedlung der Interviews und anderer Teile der Site durchgeführt hat - und wenn ich selbst geschnallt habe, wie die neue Handhabung ist. Also kann das noch etwas dauern. Dann funktioniert übrigens auch wieder das Forum wie gehabt (ohne Registrierung).

Aber wir haben derzeit ein rechtliches Problem.

Mitarbeiter Walter Nowotny, der seit Jahren die Jubiläen betreut, hat für das Franz Liszt-Jubiläum eine Kurzbiographie aus dem Online- Lexikon www.WHOSWHO.de runtergeladen und mir zur Veröffentlichung geschickt. Es handelt sich um in der Jubiläenrubrik übliche etwa 10 Zeilen lange Bio mit einigen Jahreszahlen, die er sich ebenso gut aus Wikipedia hätte holen können. Nun bekomme ich von der Hamburger Anwaltskanzlei Prinz & Partner eine Abmahnung, Klagsankündigung und Zahlungsaufforderung: Man fordert Geld von mir - nicht wenig Geld! Und das alles für ein paar eigentlich allgemein bekannte Sätze über Franz Liszt und seine Lebensdaten, die (wie mir erst jetzt bekannt wurde!) aus dem www.WHOSWHO.de stammen. Sie standen nur kurze Zeit auf der Website. Ein Christian Kaiser fordert Copyrightgebühren und die Kanzlei setzt den Streitwert für diese allgemein bekannten Sätze willkürlich auf 15 000 Euro fest.

Aber Kanzlei und Verlag geben sich großzügig. Wenn ich bis zum 21.11. den Betrag von 1.200 Euro für diese paar Sätze (die übrigens bereits wieder gelöscht wurden) bezahle, dann will man es dabei belassen! Diese Summe sind Anwaltskosten und Schadenersatz. Aber wem ist ein Schaden entstanden, weil eine Bio im Net veröffentlicht wurde, die ohnedies online steht??

Kennt sich einer unserer Leser mit dem deutschen Medienrecht aus?? Ich sende dem gerne die Abmahnung!

Wenn solche meiner Meinung nach lächerlichen Forderungen zunehmen, kann ich die Site zumachen.

Der gesamte MERKER-online steht auf dem Spiel.

Ich wünsche trotzdem einen schönen Tag!

A.C
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SAMSTAG, 12. NOVEMBER 2011
Mann des Tages ist heute Alexander Pereira. Er stellte seinen ersten Spielplan vor.

Auf dem Foto herzt er seinen Schauspielchef Sven Eric Bechtolf (Regisseur des derzeit an der Wiener Staatsoper gespielten "Ring").

Die Salzburger Festspiele werden länger und auch teurer. Nun ist Pereira als Sponsorenkeiler ebenso berühmt-berüchtigt wie hochgeschätzt, natürlich gegen Provisionen. Ein Anreiz muss immerhin gegeben sein.

Das ist durchaus üblich und soll so sein, wenn es den Steuerzahlern Geld erspart und ein Teil davon aus dem Ausland lukriert wird. Wenn nämlich inländische Firmen die Zuwendungen an die Festspiele - unter welchem Titel immer - steuerlich absetzen, haben wir Zahler und Staatserhalter von der "ersponserten " Summe herzlich wenig. Es sei erlaubt, das auch einmal anzusprechen!

Das genaue Festspielprogramm steht online (als erste Meldung der heutigen Presseschau), seitens der Kulturjournalisten wird der "Fang des großen Hechtes namens Niklolaus Harnoncourt" für eine "Zauberflöte" auf "Originalinstrumenten" besonders gefeiert. Der "Kurier" umreisst kurz Pereiras Gedanken: Pereira will schließlich in der Lage sein, "die Latte dorthin zu legen", wo er sich das vorstellt.
Heißt zum Beispiel: Ab kommendem Jahr dauern die Festspiele fünf Tage länger. Am 20. Juli beginnt ein Festival sakraler Musik, dessen Schwerpunkt neben christlichen auf jüdischen Werken liegen wird.
Einer Verpflichtung, einem Traum Max Reinhardts will man nachkommen, in dem die Theaterkünste zusammengeführt werden. Als ersten Schritt inszeniert Bechtolf Richard Strauss' "Ariadne auf Naxos" mit einem Einschub aus Molières
"Bürger als Edelmann".
"Ästhetische-inhaltliche Schmalführungen" interessieren den neuen Schauspielchef nicht. Auch er wälzt große Pläne. Einerseits jedes Jahr die Uraufführung eines österreichischen Autors, der gleichzeitig Festspielschreiber wird, andererseits den "Blick über den Tellerrand".
In Form internationaler Produktionen in englischer und französischer Sprache. Peter Brooks Tochter Irina wird diesmal dafür zuständig sein. Erstmals wird es auch ein Stück für Kinder geben. Und zum Abschluss einen Ball. Das verspricht Peirera: "Mulatschag bis in die Früh."

Reinhard Kriechbaum von "Drehpunkt Kultur" ist Insider vor Ort: In den vergangenen Monaten ist sehr kontrovers diskutiert worden, ob es statthaft sei, sich in Zeiten wie diesen wirklich sieben Opernpremieren zu leisten und auf Wiederaufnahmen zu verzichten. So gut Markus Hinterhäuser als Intendant 2011 eben auch die Wiederaufnahmen gelungen sind: Man darf man darüber nicht vergessen, dass gerade sie über Jahre ein Schwachpunkt waren. Die Dirigenten und Premierenbesetzungen waren nach dem ersten Jahr dahin, und dirigierende und singende Bürscherlpartien haben nicht selten zuerst gute Aufführungen festspielunwürdig zu Tode geritten. Dem setzt Pereira den „Originalanspruch“ einer Produktion entgegen. Wenn ein Dirigent und ein Regisseur mit einer ausgewählten Sängerbesetzung etwas gemeinsam geschaffen hätten, könne man dann nicht quasi lebendes Schach spielen und Positionen ersetzen. „Wer 2012 nicht bei den Festspielen ist, hat etwas versäumt“, sagt Pereira selbstbewusst.

Wien: "Götterdämmerung" am Sonntag wieder mit Linda Watson

Katarina Dalayman ist doch nicht so gesundet, dass sie am Sonntag als Brünnhilde antreten könnte. Also singt wieder Linda Watson. Leider musste auch Eric Halfvarsson absagen, auf dessen Hagen ich mich gefreut habe. Attila Jun wird von der Seitenrampe aus sein Hausdebüt geben, Halfvarsson wird den Hagen nur spielen.

Ich habe so etwas noch nie miterlebt, also interessiert es mich. Gerade durch die Nahaufnahme auf dem Riesen-Bildschirm stelle ich mir das schwierig vor. Warum aber Herr Jun in dieser doch keineswegs für Sänger schwierigen Produktion die Rolle nicht auch spielen kann, verstehe ich eigentlich nicht!

Rolando Villazon steht wieder im Zentrum einer Umbesetzung. Die Titelrolle in "Hoffmanns Erzählungen" in München muss umbesetzt werden!

Aber nicht Rolando Villazon muss ersetzt werden, sondern dessen Zweitbesetzung Arturo Chacon-Cruz - durch Villazon!

Das ist endlich wieder eine Gute Nachricht von Rolando Villazon!

Vorschau auf die Berliner Festtage: Die Premiere von Alban Bergs «Lulu» in der Regie von Andrea Breth und Richard Wagners «Ring»-Opern «Das Rheingold» und «Die Walküre» stehen im Mittelpunkt der Festtage der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Vom 30. März bis 9. April wird Daniel Barenboim alle Opern und Konzerte der Staatskapelle Berlin und des Orchesters der Mailänder Scala im Schiller Theater sowie in der Philharmonie dirigieren.

"Volksoper tierisch" ist in Wien eigentlich als Kinderprogramm gedacht. Warum man dann um 19,30 h beginnt, wenn die Kleinen schon mit dem Bett spekulieren, verstehe ich nicht ganz. So lauschten mehr Pensionisten als Kinder dem gekonnten Vortrag des Volksopernchefs Meyer (genannt "Volksmeyer"), was nicht unbedingt Sinn der Sache gewesen sein mag. Im Grunde genommen sind solche Produktionen "Sparprogramme", weil sich Herr Meyer nicht vor das Ministerium legen und bitterlich wegen zu niedriger Subventionen weinen will - wie er selbst in einem Interview betonte!

An der "Rheinoper Düsseldorf" wurde der Orchestergraben erweitert. In vier Monaten wurden 2,3 Millionen Euro verbaut. Die Musiker haben jetzt 22 Quadratmeter mehr Platz, in den Saal passen 29 Zuschauer weniger. Und alles schwärmt vom
akustischen Quantensprung!

Ulf Schirmer ist in Leipzig gerade mal 100 Tage im Amt - das muss gefeiert werden. Da kann schon sein, dass das Pressebüro etwas über das Ziel schießt und Eva Johannson als eine der "großen Wagner-Interpretinnen unserer Zeit" ankündigt. Die Veröffentlichung dieser Wertung brachte mir einen Rüffel des Merker-Redakteurs Dr. Klaus Billand ein: "Wie kannst Du nur so etwas unkommentiert übernehmen"?

Ich muss nicht überall meinen Senf dazugeben, lieber Klaus! Ich zitiere und stelle zur Diskussion. Wertungen finden sich in den Kritiken - wo sie auch hingehören!

Aber weil wir schon bei unserem Opern-Weltreisenden sind, stelle ich dessen "Ring-Info" aus Buenos Aires heute nochmals online. Gestern war nämlich ein turbulenter Tag, der Kommentar wurde irrtümlich gelöscht und musste rekonstruiert werden. "Übeltäter" war die Firma, bei der die Site gehostet wird. Zum Glück für die Angestellten war es der Chef selbst, der diesen Fauxpas auch zugegeben hat - was bei Chefs nicht gerade üblich ist. Wozu hat man sich zum Chef emporgearbeitet, wenn man dann niemand hat, an dem man sich abputzen kann??

Bei einer Flasche Wein werden wir darüber diskutieren und - wie ich mich kenne - herzlich darüber lachen!

Merker-Redakteu Dr. Klaus Billand ist derzeit zwar in Hanoi, hält aber Kontakt zu "seinen" Opernhäusern. Und das Teatro Colon in Buenos Aires gehört zu "Billands Häusern". So erfahren wir als wohl erstes Medium in unseren Breiten Details über den "Colon-Kurz-Ring" im November/ Dezember 2012. Die genauen Besetzungen und auch die Dauer der gekürzten Teile finden Sie in unserer "Aktuellen Seite - Tagesinfos". Klaus Billand hat aus dem Spanischen für uns übersetzt.

Cord Garben, Pianist, wird als "Schnipsler von Buenos Aires" in die Musikgeschichte eingehen.

Cord Garben, Mentor des Projekts und für die musikalische Umsetzung verantwortlich, erklärt uns die Kürzungen, die er "Unterdrückung von Inhalten nennt (wobei "Kürzungen" eleganter klingt): „Der Colón-„Ring“ ist das ambitionierteste Projekt - am Vorabend des Geburtsjahres -, die 200 Jahre der Geburt von Richard Wagner zu feiern, ein einzigartiges Projekt von internationaler Bedeutung und Transzendenz.
Der „Ring“ ist ein sehr langes Werk, in seiner Gesamtheit kaum umzusetzen. Jede der drei großen Opern des „Ring“ enthält große Dehnungen und viele Wiederholungen. Von einigen der Rückblendungen, die sich wiederholen und immer wiedererzählen, was bis dahin geschehen ist, kann man absehen. In dieser Adaptation – und es gab andere in der Vergangenheit! – ist es das Hauptziel, die Kohärenz und die argumentative Ordnung zu erhalten, während man lange Diskussionen und Wiederholungen von Strophen oder philosophischen Fragmenten, die den Fortgang unterbrechen und keine argumentative Bedeutung haben, unterdrückt.
Die Unterdrückung von Inhalten hängt von der musikalischen Entwicklung ab, was bedeutet, dass nur geschnitten wird, wenn es musikalisch möglich ist, i.e.: die gleiche Tonart, das Ende eines Motivs oder eine gesprochene Phrase, die weder den Dialog noch die Handlung verändern.
Die Welt hat sich drastisch verändert. Die Technologie hat Möglichkeiten geschaffen, die in vergangenen Jahrhunderten undenkbar waren, um Werke individuell mit elektronischen Medien aufzuführen. Die heutige Welt ist eine andere, in der der Wert der Zeit ein völlig anderer ist. Ich denke ständig an die Ideen des jungen Wagner, mit seinem konfrontativen und revolutionären Geist. Natürlich lässt sich ohne Mut nichts anfangen. Aber es bedarf auch guter Vorbereitung sowie des Wissens und der Erfahrung, um ein solches Projekt anzugehen. Also gut: Wenn jemand von etwas überzeugt ist und über die Mittel verfügt, es auszuführen, dann muss er es eben machen. Und ich bin zutiefst überzeugt von diesem „Ring“. Aber es gibt etwas ganz Wichtiges: diese Interpretation ergänzt ein Werk, sie ersetzt es nicht. In diesem Sinne ist unser Colón-„Ring“ eine Ergänzung, kein Ersatz des „Ring“-Originals.“

"Le Nozze di Figaro" im Wiener Uniqa-Tower: Mitarbeiter Ernst Kopica schreibt: Diesmal sende ich einen Hinweis auf eine am Samstag stattfindende Veranstaltung, welche für Merker-Freunde interessant sein könnte, ich besuchte gestern die entsprechende Generalprobe. Veranstalter ist die Eventagentur White Bears und der Link lautet: Mehr Info

Sebastien Soules (zuletzt in Baal/Neue Oper Wien und in Klosterneuburg zu hören, demnächst an der Volksoper in Gianni Scicchi) inszeniert und fungierte während der proben als Coach, Lehrer und Regisseur. Junge österreichische Gesangsstudenten präsentieren eine (mit Ausnahme des Terzetts im zweiten Akt) ungekürzte "Nozze" - Aufführung in der wundervollen Location im Wiener Uniqa-Tower. Dabei gibt es meiner Meinung nach wunderbare Stimmen zu entdecken (allen voran die erst 21-jährige Simone Waldhart als Susanna und Christoph Filler als Figaro), aber was am meisten beeindruckt ist die witzige Low-Budget-Aufführung mit einer immensen Spiellaune der Beteiligten und witzigen Einfällen von Soules. Ich war jedenfalls mehr davon angetan als von so mancher Reptertoire-Hochzeit an großen Häusern. Es gibt noch Restkarten!

Der Musiker und die Finanzen, das ist auch so ein Thema, das den meisten Wissenden schon mal ein verzweifelt-steifes Grinsen ins Gesicht zaubert. Es gibt da eine Anekdote eines ungenannten Münchner Jazzpianisten, der einen Anruf von der Sparkasse erhielt, sein Konto sei 20.000 DM im Minus. Er fragte den Angestellten: "Und was war vor zwei Monaten auf meinem Konto los?" Der Angestellte: "Da waren Sie 10.000 Mark im Plus." Der Pianist: "Und? Hab' ich Sie da angerufen???"

Den gesamten Artikel finden Sie unter www.kultur-vollzug.de

Wer es intelligent mag, schaut Arte - das galt zumindest bislang. Eine große Programmoffensive im kommenden Jahr soll dem Sender eine "gewisse Leichtigkeit" und mehr Zuschauer bringen. Damit droht der eigene Anspruch des Kulturkanals flöten zu gehen.

Genau das versuche ich schon seit langer Zeit, aber mir glaubt ja niemand! Nun ist auch Arte draufgekommen, dass die Frage nicht "Hochkultur oder Quote?", sondern "Wie verbinde ich Quote mit Hochkultur?" lautet. Als Pionier muss ich mich "Quotensau" schimpfen lassen - was mich aber angesichts steigender Quoten wenig tangiert. Wer Hochkultur nicht manchmal durch etwas leichtere (nicht zwangsläufig "seichtere") Themen auflockert, ist ein Langweiler und kein Medienprofi! Diese Leute mögen unter sich bleiben und brauchen nicht zu lesen, weswegen sie sich entrüsten, also nicht unbedingt den Online-Merker" lesen bzw. künftig "Arte" schauen.

Als "alter Indianer" bin ich schon so lange im Geschäft (das für mich nie eines war), dass schon genug Medienleichen an mir vorbeigetrieben sind!

Nun zu meinen rechtlichen Problemen. Der "schuldige Mitarbeiter" hat Schadenswiedergutmachung angeboten, was natürlich nicht in Frage kommt. Wir sind ein Team, ich der Leithammel. Also halte ich für meine Mitarbeiter den Kopf hin.

Ich bedanke mich für alle Ratschläge, auf die ich im Trubel des gestrigen Tages nicht einzeln eingehen konnte. Gelesen habe ich aber alle! Die Infos sind hilfreich und zugleich verwirrend, denn es gibt unzählige Rechtsmeinungen. Wenn ich einen Termin bekomme, befrage ich am Montag den Konsumentenschutz.

Da sich mittlerweile herausgestellt hat (Recherchen im Net und bei "google" über Kanzlei "Prinz, Neidhardt, Engelschall" in Hamburg), dass der Whoswho-Herausgeber im Verein mit der Kanzlei die Abzocke im großen Stil betreibt (immer mit dem gleichen Streitwert und der gleichen Abstandssumme) neige ich eher dazu, es auf einen Prozess ankommen zu lassen - oder, wenn möglich, die mit Vorbehalt Summe zwar zu bezahlen - und dann selbst zu klagen - wegen unlauterem Wettbewerb. Wenn mir ein Anwalt einen überschaubaren Kostenvorschlag (fixer Kostenrahmen) macht, bin ich einem Rechtsstreit nicht abgeneigt!

Die Urheberrechtsexperten Dr. Andreas Forsthoff und Dr. Marina Ettinger hatten bereits mit der Kanzlei Prinz, Neidhardt, Engelschall in einer ähnlichen Rechtssache zu tun und berichten im Internet: Vor kurzem erreichte einen Mandanten unserer Kanzlei jedoch eine Abmahnung durch die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall im Auftrag von Christian Kaiser, in dem es um die Verletzung des Urheberrechts ging.

Die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall wirft dem Empfänger der Abmahnung eine Urheberrechtsverletzung vor. In dem unserer Kanzlei vorliegenden Fall erfolgt die Abmahnung für Herrn Christian Kaiser, der unter der Firma rasscass Medien ContentVerlag das Biographien-Lexikon WHO´S WHO im Internet anbietet. Die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall verweist auf die Internetseite von Herrn Christian Kaiser:

http://www.whoswho.de

Auf dieser Seite sind Biographien verschiedener Personen zu finden. Ich habe mir einmal die Zeit genommen und ein wenig auf www.whoswho.de gestöbert. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Kultur, Wissenschaft und Showbusiness sind auf www.whoswho.de enthalten. Allerdings ist die Aufstellung nicht vollständig. Nicht gefunden habe ich Einträge beispielsweise über die Mininsterpräsidentn von Thüringen, Frau Christine Lieberknecht, den österreichischen Nationalspieler David Alaba oder den Rapper Bushido. Dies jedoch nur am Rande.
Im konkreten Fall wirft die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall meinem Mandanten vor, er habe in seinem privatem Internetblog die WHO´S WHO Biographie von Carl Miele ohne Zustimmung verbreitet. Im Auftrag von Christian Kaiser macht die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall daher verschiedene Ansprüche geltend. Zunächst wird ein Unterlassungsanspruch geltend gemacht. Daneben fordert die Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall in der Abmahnung dazu auf, den Text unverzüglich aus dem Blog zu entfernen. Darüber hinaus werden Schadensersatz mittels einer sog. fiktiven Lizenzgebühr sowie Anwaltskosten geltend gemacht. Die Anwaltskosten sollen sich dabei - ausgehend von einem Gegenstandswert von € 15.000,00 - auf € 899,40 belaufen, die fiktive Lizenzgebühr auf € 100,00 je Monat der Veröffentlichung im Internet.
Um die Sache zügig abzuschließen, gibt Prinz Neidhardt Engelschall weiter bekannt, der Mandant sei bereit, gegen Abgabe der geforderten Unterlassungserklärung sowie Zahlung eines Pauschalbetrages von

€ 1.200,00
die Angelegenheit abzuschließen.

Anders als bei Filesharing-Abmahnungen liegt der Urheberrechtsverstoß in vielen Fällen auf der Hand. Die vorgeworfene Urheberrechtsverletzung musste nicht über eine komplizierte Software und mittels Provider-Auskunft ermittelt werden, sondern das Zitat ist auf der in der Abmahnung genannten Internetseite jedermann zugänglich und damit auch der Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall bzw. Herrn Christian Kaiser. In vielen Fällen ist daher eine Unterlassungserklärung abzugeben.
Für einen einfachen, im Internet frei zugänglichen und ohne Weiteres selbst zu formulierenden Kurztext € 100,00 monatliche Lizenzgebühr zu verlangen sowie einen Gegenstandswert von € 15.000,00 anzusetzen, halte ich jedoch für weit überzogen. Nach meiner Einschätzung könnte allenfalls eine deutlich geringere Lizenzgebühr gefordert werden und die Anwaltskosten wären - im Falle einer berechtigten Abmahnung - nach § 97 a Abs. 2 UrhG auf € 100,00 gedeckelt
In unserem Fall war darüber hinaus der Autor als Quelle angebeben, weshalb nach meiner Auffassung von einer zulässigen Zitierung auszugehen ist und damit Zahlungsansprüche ohnehin ausscheiden. Wir haben daher der Kanzlei Prinz Neidhardt Engelschall gegenüber jegliche Zahlungsansprüche zurückgewiesen.

So weit, so ungut..

Ich warte nun einmal das Gespräch mit dem Konsumentenschutz der Arbeiterkammer Wien ab!

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.
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SONNTAG, 13. NOVEMBER 2011

Mit "Götterdämmerung geht heute der "Thielemann-Ring" an der Wiener Staatsoper zu Ende. Foto: Wiener Staatsoper

Ab 17 h versammeln sich jene Opernfreunde vor dem Musentempel, die es nicht geschafft haben, Karten für den "Ring" zu bekommen (oder denen die Karten schlichtweg zu teuer waren).

Preiserhöhungen stehen uns nächster Zeit sicher ins Haus, nicht nur in der Wiener Oper, auch in den anderen Bundestheatern und bei den (subventionierten) Salzburger Festspielen. Der Erlass kommt von politischer Seite, wer Hochkultur genießen will, soll ordentlich dafür blechen.

Oder Oper im Fernsehen konsumieren. Heute ist Gelegenheit dazu, "Arte" zeigt von 14 - 16,05 h den ersten Teil der Premiere "Ruslan und Ludmilla" aus dem Moskauer Bolschoi-Theater.

Michael Glinka, der Komponist von "Ruslan und Ludmilla"

Wenn Sie sich beeilen, können Sie also beide Opern sehen, in 55 Minuten schaffen Sie es von jedem Wiener Bezirk aus zur Staatsoper (Karajan-Platz).

Der zweite Teil von "Ruslan und Ludmilla" wird Montag ab 22,30 h ebenfalls auf "Arte" ausgestrahlt!

Auch sonst bieten die Kultursender nicht nur heute ein reichhaltiges Programm, Renate Wagner hat es für uns gesichtet und in den Tagesinfos (Aktuelles) propagiert.

Alexander Pereira. "Neue Besen kehren gut" - so lautet ein Sprichwort. "Alexander der Große" kehrt zumindest anders!

Markus Thiel fasst im "Münchner Merkur" zusammen: Das letzte Festspieldrittel, wenn die Besucher nicht mehr so strömen wie zu Beginn, will er aufwerten. Eine Opernpremiere wird in diese Zeit verlegt, überdies werden dann die Übernahmen von den barocken Pfingstfestspielen gezeigt. Außerdem gibt es erstmals einen Festspielball mit Dinner in der Residenz nebst anschließendem Halligalli in der Felsenreitschule, Disco inklusive. Und irgendwann, das ließen Pereira und Bechtolf durchblicken, wagt man sich auch an ein Sakrileg: Christian Stückls „Jedermann“ soll in den nächsten Jahren durch eine andere Inszenierung ersetzt werden.

Seine Zürcher Vergangenheit kann der neue Intendant nicht verleugnen. „La Scintilla“, die Originalinstrumententruppe der dortigen Oper, hat er für 2012 verpflichtet, ebenso das Ballett dieses Hauses. „Wir in Zürich“ , diese Formulierung verwendete Pereira gleich mehrfach bei der Pressekonferenz – von Präsidentin Helga Rabl-Stadler mit zitroniger Miene kommentiert: Nicht nur dank Pereiras Qualitäten als Zürcher Sponsorenjäger wird also Salzburg ein Stück weit eidgenössischer. Und dass der Intendant mit dem religiösen Urknall schlechthin, mit Haydns „Schöpfung“ (unter Gardiner) in seine Intendanz startet, möchte er bitte nicht falsch verstanden wissen: „Meine Urururgroßmutter hat die erste Haydn-Akademie mit diesem Werk finanziert.“

Dr. Karl Böhm war ein "echter Doktor" - und ließ sich auch gerne so anreden!

Klaus Geitels "Meine Geschichten" in der Berliner Morgenpost sind meist sehr amüsant. Diesmal erzählt er von einer Begegnung mit dem als eitel bekannten Dirigenten Dr. Karl Böhm. Böhm legte bekanntlich auf seinen akademischen Titel Dr. jur. sehr viel Wert. Als ihn ein Orchestermusiker einmal mit "Herr Böhm" ansprach, konterte der Kapellmeister mit "Da könnens gleich Karli zu mir sagen".

Was also weiß Klaus Geitel über Dr. Böhm zu berichten: Vom alten Karl Böhm erhielt ich eines Tages eine Postkarte aus New York. Er wollte sich für irgendeinen Artikel bedanken und lud mich ein, ihn bei seinem bevorstehenden Gastspiel in Hamburgs Staatsoper, wo er "Elektra" dirigieren würde, nach der Vorstellung im Künstlerzimmer, schlichter auch Garderobe genannt, zu besuchen. Ich schlich mich also, kaum dass der Vorhang gefallen war, hinter die Kulissen, um dem Vielgeehrten meine Aufwartung zu machen.

Man hatte ihn geradezu von der Bühne geschleppt, wo er sich, so deutlich erschöpft er auch war, noch einmal ausgiebig dem donnernden Beifall gestellt hatte. Zwei kräftige Männer nahmen ihn unter den Arm, er hielt sich mit beiden Händen an ihrem Nacken fest, und so schleiften sie ihn durch die Gänge in seine Garderobe. Warum, dachte ich damals, tut er sich das noch an? Offenkundig brauchte er die Musik zum Leben. Ich folgte dem makabren Grüppchen still und leise, mit der Überlegung beschäftigt, ob ich unter diesen mir tragisch erscheinenden Umständen überhaupt in das Künstlerzimmer eintreten solle. Es kostete mich tatsächlich einige Überwindung.

Klopf, klopf, klopf! Die Tür öffnete sich, und ich sah im hintersten Winkel den offenkundig erschöpften Karl Böhm auf einer Bank. Eine laute Stimme rief: "Karli, der Herr Geitel ist da!" und schon schoss der hingesunkene Böhm in die Höhe, eilte auf mich zu und fiel mir, patschnass vor Schweiß, wie er war, um den Hals und stammelte Liebenswürdigkeiten, wie sie ein Kritiker selten zu hören bekommt. Ich lernte wieder einmal, dass von ihrer Kunst besessene Menschen halt anders sind.

Erweiterter Orchestergraben in der Rheinoper

Ich habe gedacht, ich bin in einem anderen Opernhaus.“ So beschreibt Generalintendant Christoph Meyer das Klangerlebnis nach dem Umbau des Orchestergrabens in der Rheinoper. Und zum Beweis spielen 86 Düsseldorfer Symphoniker die letzten Takte aus Wagners „Götterdämmerung“. Beeindruckte Gesichter bei den Proben-Zuhörern.

Das war vorher so nicht möglich: Stützsäulen beschränkten den Raum, weniger Musiker fanden Platz, teilweise saßen sie versteckt unter Vorbauten, die die Akustik behinderten. Wenn sie so laut spielten, wie eine Wagner-Oper es erforderte, war es für sie selbst gesundheitsschädigend.
(Auszug aus "WZ - newsline").

Dresden: Gisela Schröter ist gestorben. Auf diesem Foto ist die Mezzosopranistin als Octavian /Rosenkavalier zu sehen.

Dresden, wo die 1928 im Dorf Sodehnen/ Ostpreußen geborene Mezzosopranistin 1957 bis 1959 zunächst Mitglied im Opernstudio und danach bis 1972 Solistin im Staatsopernensemble war (bevor sie im gleichen Jahr einen Festvertrag an der Berliner Staatsoper Unter den Linden erhielt), hatte ihre Karriere begonnen und erreichte hier ereignishafte Höhepunkte künstlerischer Schaffenskraft. Viele ihrer Dresdner Rollengestaltungen bleiben neben den schon erwähnten in lebhafter Erinnerung: unter anderem Cherubin, Donna Elvira, Venus, Sieglinde, Carmen, aber auch Marjutka in "Der letzte Schuss" von Siegfried Matthus. Gastspiele führten sie in viele Länder Europas, nach Japan und in die USA, wo sie ebenso wie in Deutschland begeistert gefeiert wurde.

Nun hat sich das Leben der begnadeten Sängerin vollendet. Am 5. November ist Gisela Schröter im Alter von 83 Jahren gestorben. (Quelle: DNN-online").

Nicht nur für gelegentliche Opernbesucher liefert die "Frankfurter Rundschau" Benimmregeln, gerade die alten Opernhasen sind da oft peinlicher. Aber die kennen zumindest meist die Handlung. Ist es schicklich, vor der Vorstellung die Zusammenfassung zu lesen? : Ist es eine Schande, die Zusammenfassung im Programmheft zu lesen? Nein. Jedenfalls ist es weit besser, als während der Vorstellung darin herumzublättern (Achtung, man hört Sie!), sich von der Begleitung die Handlung simultan erzählen zu lassen oder mitten im Akt mit großem Hallo die Übertitel zu bemerken. Wird „La Bohème“ gespielt, ist es eine Spur peinlich, die Zusammenfassung im Programmheft zu lesen. Halten Sie es dann so, dass offenbleibt, ob Sie nicht gerade das original Pariser Baguetterezept studieren (Deutschland, deine Programmhefte)...

...Wann darf ich applaudieren? Schwieriges Thema. Verdi wollte keinen Zwischenapplaus, schrieb aber Arienschlüsse, die nach Beifall jiepern. Wagner wollte beim „Parsifal“ vor lauter Heiligkeit gar keinen Applaus, war dann aber tödlich beleidigt, als keiner klatschte. Zwischenapplaus gilt Puristen als unschicklich. Andere liefern sich einen scharfen Wettbewerb darum, wer als Erster losklatscht. Ernsthaft. Offenbar meinen die Eifrigen, so nachweisen zu können, dass sie wissen, wann die Arie vorbei ist. Hier sind peinliche Irrtümer aber nicht ausgeschlossen. Dann wird gezischt!

Darf ich nach einer Zugabe rufen? Rufen Sie dann notfalls wenigstens „Da capo“. Aber in einer anständigen Oper werden Sie das niemals bekommen. In Italien hingegen schon. In Italien wird unter Umständen sogar eine Arie wiederholt. Ach, Italien.

Wien: Theater in der Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger versteht die (Wiener) Welt nicht mehr. Da hat er vor der Wiener Wahl lautstark verkündet, dass durch verstärktes "politisches Theater" als Wahlhelfer gegen rechte (und theaterfeindliche) Strömungen wirken will, und jetzt lassen ihm jene im Stich, denen er helfen wollte: Ich habe von Anfang an gesagt, ich werde kämpfen wie ein Löwe. Jetzt ist der Löwe gefordert und ich brülle. Ich fühle mich von den Kulturpolitikern im Stich gelassen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ihnen die Josefstadt und ihre Entwicklung wichtig sind. Ich würde mir gemeinsame Visionen für das Haus wünschen. Wir haben viel geschafft. 20 Uraufführungen in den ersten Jahren meiner Direktion. Ich denke, dass wir unsere Aufgaben sehr gut erfüllen.

Das meint Herr Föttinger gegenüber der "Presse" (Barbara Petsch). Lieber Herr Direktor, ich bin einige Jahre älter als Sie und auch mit vielen Wassern gewaschen - somit gebe ich Ihnen gerne einen Tipp: Machen Sie, was Sie für richtig halten - aber posaunen Sie es nicht lautstark in die Welt. Jene, die Sie bekämpfen wollen, gehen meist nicht in Ihr Theater, bekämen das also gar nicht mit. Aber Zeitung lesen können sie schon - notfalls liest ihnen jemand vor! Und glauben Sie mir, jeder Feind ist ein Feind zuviel - egal, aus welcher Ecke er kommt!

"Undank ist der Welten Lohn" ist auch ein Sprichwort. Denken Sie in einer stillen Stunde darüber nach!

Ausstellung im Wiener Jüdischen Museum (bis April 2012)

Eine Ausstellung über 100 Jahre Hollywood; in Wien; im Jüdischen Museum: Das hat mehr für sich, als es auf ersten Blick scheinen mag. Die Studiogründer der Filmmetropole waren Juden, die Mehrheit von ihnen kam aus Gebieten der alten Monarchie oder des Zarenreichs. In der goldenen Ära des Films, die zugleich das dunkelste Kapitel Europas war, flüchteten viele weitere talents, Kreative vor und hinter der Kamera, unter anderem aus Österreich an die Westküste. Und mit den Filmen kamen sie über den Atlantik wieder zurück.

Die laufende Ausstellung Bigger Than Life geht dieser langen und wechselhaften Geschichte nach, sie rekonstruiert Biografien von, sagen wir, Minsk über Rhode Island und New York bis an die Spitze von MGM (Louis B. Mayer), sie zeigt, wie die Filmmoguls das Traumbild von Amerika prägten, wie sie sich assimilierten und doch auf Feindschaft stießen. Filmausschnitte führen die jüdisch konnotierten Themen bis in die Gegenwart fort.

Eine bekennende Lesbe hat im ORF "Die große Chance" und 100.000 Euro gewonnen. Entscheidend war nicht der Juryspruch, sondern das Votum der Fernsehzuschauer, der berühmt-berüchtigten "breiten Masse" also. Gott, wie sind wir tolerant und vor allem aufgeschlossen! Das haben wir nun wieder einmal aller Welt bewiesen!

Die "Welt-online" sagt uns, dass das Wiener Kaffeehaus zum "UNESCO-Weltkulturerbe" erhoben wurde: "Im Kaffeehaus“, sagte der scharfzüngige österreichische Erzähler Alfred Polgar einmal, „im Kaffeehaus sitzen Leute, die alleine sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“ Und damit traf Polgar auch schon den Kern dessen, was die Wiener Kaffeehäuser so speziell macht.

Den Verdacht, dass ich kein typischer Wiener bin, hatte ich immer schon. Denn in ein Kaffeehaus gehe ich nur, wenn sich jemand mit mir dort treffen will. Auch um die "Espressos" und Starbucks mache ich einen weiten Bogen - man findet mich eher in Wiener Beisln - und auch das eher selten - aus Zeitgründen!

Zu meinem "Urheber-Rechtsstreit" mit der Kanzlei Prinz, Neidhardt und Engelschall (Hamburg) hätte ich noch eine Frage an Juristen. Zur Sache selbst habe ich inzwischen gut 25 Reaktionen und 25 verschiedene Rechtsansichten, für die ich Dank sage! Wer weiß, wo in meinem Fall Gerichtsstand wäre??? Ist das Wien, dann erwäge ich sogar, mich klagen zu lassen - und die Sache dann genüsslich zu zelebrieren! "Bedenken will ich's, wer weiß, was ich tu" !

Sehen wir einander heute bei der "Götterdämmerung" vor der Oper? Bei mir geht sich heute nur der erste Akt aus, dann feiere ich mit "Künstlerkollegin" Charlotte Pohl (wir arbeiten oft gemeinsam in meinem "Atelier", das eigentlich der Lackierraum meiner Tischlerei ist) deren Geburtstag. Skorpion-Geborene sind schwierig - aber "Zwillinge" wie ich einer bin, sind anpassungsfähig, tolerant und weiß Gott noch was!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.
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MONTAG, 14. NOVEMBER 2011

Götterdämmerung" in und vor der Wiener Staatsoper. Musikstudenten verfolgten den gesamten "Ring" in relativer Kälte vor dem Opernhaus. Foto: Renate Wagner

Der "Thielemann-Ring" ging gestern mit großem Jubel zu Ende. Auch Kollegin Dr. Renate Wagner und ich haben den "Ring" vor der Oper mitverfolgt, danken dem Wetter wie auch der Direktion der Staatsoper für diese Möglichkeit. Natürlich war es in den späten Abendstunden bereits sehr kalt und immer wird man nicht dieses Wetterglück haben. Betrachten wir es also als sehr seltenes Ereignis und freuen wir uns auf "Gratisoper in den Monaten April, Mai, Juni und September! Wer die Vorstellungen durchfroren hat, weiß "normale Open-Air"-Verhältnisse zu schätzen. Renate Wagner stellte noch eine "Ring-Impressionen" in unsere Tagesinfos und beendet ihre "Ring-Berichterstattung wie folgt: Sonntagabend ging Christian Thielemanns „Furor teutonicus“-Ring an der Wiener Staatsoper zu Ende. Vor dem Haus waren die Sitze zu Beginn sehr gut gefüllt, im Lauf des immer kälter werdenden Abends (glücklicherweise weder Regen und Wind, aber man brauchte Entschlossenheit, hier durchzuhalten) bröckelten dann Besucher ab, aber ein Hardcore-Kern blieb bis zum eindrucksvollen letzten Augenblick. Wieder hat Thielemann Wagners Musikfluten mit selten erlebter Power durchpflügt.
Und die Direktion der Wiener Staatsoper sei aufrichtig bedankt dafür, dass sie es Wagner-Freunden, die keine Karten bekommen hatten, aber auch nicht stundenlang stehen wollen oder können, ermöglicht haben, diesen „Ring“ zu erleben. Man hätte ihn nicht missen mögen.


Siegfried (Stephen Gould) von den Rheintöchtern (Ileana Tonca, Ulrike Helzel, Zoryana Kushpler) reizvoll umzingelt. Foto: Renate Wagner

Dass die Rezensentin keine Kritik von der Außenstelle schreibt, ist klar. Aber wir erwarten heute noch Rezensionen von "Merkern, die es in das Opernhaus geschafft haben!

Heute wird auf "Arte" der zweite Teil der Bolschoi-Premiere "Ruslan und Ludmilla" gesendet - ab 22,30 h können Sie dabei sein. Dafür hat der Sender die mit Spannung erwartete Übertragung von "Les Contes d'Hoffmann" aus der Bayerischen Staatsoper abgesetzt. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt, bei Rolando Villazon können sie nicht liegen. Der hat sich sogar stark genug gefühlt, bei einer Vorstellung einzuspringen, für die seine "Eiserne Reserve" Chachon-Cruz vorgesehen war!

Soeben erfahre ich, dass "Hoffmanns Erzählungen" doch gesendet wird, allerdings zu einem anderen Termin. Unser Leser A. Thien vermutet, dass dabei Szenen aus mehreren Aufführungen zusammengeschnitten werden: Die Oper soll jetzt am 29.12. um 22.05 Uhr gesendet werden. Vielleicht werden mehrere Vorstellungen aufgezeichnet und die jeweils „am besten“ gesungenen Teile zu einer Fassung zusammengeschnitten

An Stelle des "Hoffmann" wird am 21.11. nun die "alte Carmen (Scala-Eröffnung mit Rachelslishvili und Jonas Kaufmann) gezeigt. Hoffentlich hält aber die diesjährige Übertragung der Scala-Eröffnung ("Don Giovanni" mit Anna Netrebko, Peter Mattei etc. am 7.12.).

An der Oper Zürich gab es eine Uraufführung. Anno Schreiers "Stadt der Blinden" ist ein höchst anspruchsvolles Werk mit einer schwierigen Thematik, wie die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet: Die Versuchsanordnung ist schlüssig: Eine Gruppe von Menschen, die einer nach dem andern erblindet sind, werden in ein Lager eingesperrt, denn die Regierung fürchtet, dass sich diese Krankheit zu einer Epidemie ausweiten könnte. Die Erblindeten leben auf engstem Raum zusammen und wenden alsbald Überlebensstrategien an, die nur unter solch extremen Bedingungen entstehen können.
Mehr darüber in der "NZZ".


Theater an der Wien" Gogol" von Lera Auerbach. Ladislav Elgr und Natalia Ushakova.

Genialer Schriftsteller, religiöser Eiferer, von Wahnvorstellungen Gepeinigter - das Leben und Sterben des Nikolai Gogol (1809-1852) gibt einiges her. Immerhin hat Gogol einen Teil seines Werkes verbrannt, fühlte sich von Teufeln verfolgt und hungerte sich letztlich zu Tode. Ein Stoff, wie geschaffen für eine große, tragische Oper.

Das dachte sich auch die russisch-amerikanische Komponistin Lera Auerbach, die Gogols Leben eigentlich in Form eines Theaterstücks auf die Bühne bringen wollte. Dann aber wurde die Musik mächtiger. Und die Komponistin siegte über die Autorin; Auerbach vertonte im Auftrag des Theaters an der Wien ihr eigenes Libretto. Das Ergebnis, das ab Dienstag zu sehen und hören ist, heißt schlicht "Gogol" und soll "keine vertonte Lebensgeschichte" des russischen Autors sein.

(Auszug aus dem "Kurier")

Vladimir Malakhov will Tänzer-Karriere beenden!

Berlins Ballett-Virtuose Vladimir Malakhov tanzt am Freitag bei der Premiere von "Peer Gynt" an der Deutschen Oper die Titelrolle. Trotz seiner bald 44 Jahre und trotz der Verletzungen in der Vergangenheit. "Morgenpost Online" sprach mit ihm über diesen Krafttakt.

Aber mit 44 ist Malakhov tatsächlich ein "Tänzer-Opa"!

Unterschiedliche Meinungen zu Klaus Florian Vogts "Lohengrin" - konzertant in der Berliner Philharmonie. Foto: Axel Lipp

Merker-Mitarbeiterin Ursula Wiegand schreibt in ihrer Kritik über den Tenor wie folgt: Die sängerische Herrenriege kann nicht nur mit Klaus Florian Vogt punkten, doch er ist auch hier der Star. Der holsteinische Hüne singt „Mein lieber Schwan“ mit einer solchen Zärtlichkeit, wie ich es noch nie gehört habe. Bewundernswert ist auch, wie er im letzten Akt, als er seine Herkunft offenbart, das Wort „Taube“ in der Höhe abschattiert. Die kräftigen, metallischen Töne hat er ebenfalls parat, setzt sich auch mühelos gegen das Orchester durch. Selbst dabei klingt sein Tenor nie hart.

Bei Peter Uehling von der "Berliner Zeitung" hat Klaus Florian Vogt keinen Aussehens-Bonus, den kann er auch mit Zärtlichkeit nicht beeindrucken: Klaus Florian Vogt kann die Lautstärke seines Tenors zwar stufenlos regeln, seine knabenhafte Stimme wirkt jedoch in der Lohengrin-Partie absurd, in ihrer Farblosigkeit teilt sie vom Schicksal dieser Figur nichts mit.

Bei Ursula Wiegand erfahren wir, dass Annette Dasch schwanger ist und am "Lohengrin"-Abend verkühlt war! Mich würde noch interessieren, wo bei Ihnen der "Hüne" (selbst der "holsteinsche") beginnt, Frau Wiegand!

Grottenbahn - natürlich in der Met. Ein "echter Drache" - wo sonst gibt es den noch. Lesen Sie die Premierenberichte "Siegfried" und "Don Giovanni" aus der "Met" in der Frankfurter Allgemeinen"

Jordan Mejias berichtet: Der Riese Fafner, der uns nach Wunsch seines Schöpfers „in der Gestalt eines ungeheuren eidechsenartigen Schlangenwurms“ erscheinen soll, ist ein träger Gesell. Selbstgefällig brummt er vor sich hin: „Ich lieg’ und besitz’. Lasst mich schlafen!“ Richard Wagner müsste sich nun wundern, dass sein Fafner in der Neuinszenierung des „Siegfried“ an der New Yorker Metropolitan Opera einen Imitator vorfindet. Für seine Deutung des „Ring des Nibelungen“ hat Robert Lepage, der einst bahnbrechende Theatermagier, eine gigantische Maschine bauen lassen, die meist regungslos auf der Bühne liegt und sie mit ihren vierundzwanzig Tentakeln buchstäblich in Besitz genommen hat. In „Rheingold“ und „Walküre“ reckte und dehnte sich das schwerfällige Monstrum nur gelegentlich. In „Siegfried“ enttäuscht es nun vor allem, weil es sich nicht in Fafner verwandelt. Der muss stattdessen unter ihm hervorkriechen, als Schlangenwurm, wie ihn ein vortechnologisches Kasperletheater nicht putziger hätte zusammenbasteln können.

Die eigentliche Revolution findet im Orchester statt. Seit geradezu undenklichen Zeiten tönt der „Ring“ in New York ausschließlich so, wie James Levine es will. Über die Jahrzehnte haben sich unter seiner Leitung die Orchesterfluten immer riskanter verlangsamt, aber dafür strahlten sie auch immer prächtiger und edler in einem Goldglanz, dem sich ein unendliches Legato hinzugesellte. Gesundheitlich schwer angeschlagen, ist Levine seit Monaten außer Gefecht gesetzt, und ob er je wieder am Pult der Met erscheinen wird, steht dahin. Sein Ersatz heißt Fabio Luisi, der sich vorerst mit dem Titel eines „Principal Conductor“ zufrieden geben muss. Im „Siegfried“ wartet Luisi nun regelrecht als Anti-Levine auf.

Die Sängerleistungen waren dem Rezensenten zufolge trotz eines beeindruckenden Bryn Terfel nicht gerade aufregend. Der Einspringer-Siegfried war wirklich passabel, Deborah Voigt scheint ernstlich gefährdet, wenn sie in diesem Fach weitermacht!

Auch das szenische Konzept des "Don Giovanni" wird von Jordan Mejias beleuchtet: Der englische Regisseur Michael Grandage bot ihnen jedoch bloß einen Rahmen, der in seiner Traditionshörigkeit auch vor einem halben Jahrhundert keinen New Yorker Logenabonnenten aus der Ruhe gebracht hätte. Vielleicht ist auch der Blick aufs Ganze nicht länger entscheidend. Die attraktive Besetzung, die Grandage streckenweise durchaus in ein psychologisch glaubhaftes Spiel verstrickt, eignet sich wunderbar für die Großaufnahme im HD-Format. Als Kostümschinken, der sich an einer irgendwie als realistisch verstandenen Bild- und Darstellungssprache im populären Hollywooddesign orientiert, passt dieser „Don Giovanni“ bestens in die 1600 Kinos, in denen er in 54 Ländern live aus der Met zu sehen war.

Bayerische Staatsoper München: Oper verkehrt: Beim Bühnendinner der Staatsoper stand Golda Schatz in der Königsloge, während sie Puccini-Arien zum Besten gab, die Zuhörer saßen dagegen auf der Bühne. Wenn man mal so die Seiten tauscht, wird einem erst klar, wie groß die Wirkungsstätte
der Tenöre und Sopranisten eigentlich ist. Die Gäste waren beeindruckt. (Münchner Merkur)

Es handelt sich ein sogenanntes "Bühnendinner", bei dem die Bühne zum Restaurant umfunktioniert wird.

Schauspielhaus Graz: "Biedermann und die Brandstifter" . Die "Kleine Zeitung" findet die Aufführung zu plakativ: Es werden aber mehr in Bernadette Sonnenbichlers Regie auf der Probebühne des Schauspielhauses: Da fantasiert ein Brandstifter, dessen "Mutti wollte, dass ich Zahntechniker werde", vom Heizwert von Kebapständen. Stramme Trinksprüche sind mieseste Propaganda gegen Juden und Migranten. Dazu das "Dollfuss-Lied" der Austrofaschisten, Plakate von Vlaams Belang, Front National . . .

Danke, das war überdeutlich! Solche Grobschlächtigkeit tut dem Autor grausam Unrecht und unterschätzt hochmütig das Publikum. Auch Schulklassen, für die sich die temporeiche Produktion mit (gelungenen!) Gags wohl maßgeschneidert glaubt. Bestens aufgelegt agieren trotz allem Sebastian Reiß und Evi Kehrstephan als feige Bürger, Thomas Frank und Christoph Rothenbuchner als schmierig-unwiderstehliche Kriminelle. Schön schräg: Simon Käser als Dienstmädchen Anna.


Dr. Karl Böhm war ein "echter Doktor" - und ließ sich auch gerne so anreden!

Klaus Geitels "Meine Geschichten" in der Berliner Morgenpost sind meist sehr amüsant. Diesmal erzählt er von einer Begegnung mit dem als eitel bekannten Dirigenten Dr. Karl Böhm. Böhm legte bekanntlich auf seinen akademischen Titel Dr. jur. sehr viel Wert. Als ihn ein Orchestermusiker einmal mit "Herr Böhm" ansprach, konterte der Kapellmeister mit "Da könnens gleich Karli zu mir sagen".

Was also weiß Klaus Geitel über Dr. Böhm zu berichten: Vom alten Karl Böhm erhielt ich eines Tages eine Postkarte aus New York. Er wollte sich für irgendeinen Artikel bedanken und lud mich ein, ihn bei seinem bevorstehenden Gastspiel in Hamburgs Staatsoper, wo er "Elektra" dirigieren würde, nach der Vorstellung im Künstlerzimmer, schlichter auch Garderobe genannt, zu besuchen. Ich schlich mich also, kaum dass der Vorhang gefallen war, hinter die Kulissen, um dem Vielgeehrten meine Aufwartung zu machen.

Man hatte ihn geradezu von der Bühne geschleppt, wo er sich, so deutlich erschöpft er auch war, noch einmal ausgiebig dem donnernden Beifall gestellt hatte. Zwei kräftige Männer nahmen ihn unter den Arm, er hielt sich mit beiden Händen an ihrem Nacken fest, und so schleiften sie ihn durch die Gänge in seine Garderobe. Warum, dachte ich damals, tut er sich das noch an? Offenkundig brauchte er die Musik zum Leben. Ich folgte dem makabren Grüppchen still und leise, mit der Überlegung beschäftigt, ob ich unter diesen mir tragisch erscheinenden Umständen überhaupt in das Künstlerzimmer eintreten solle. Es kostete mich tatsächlich einige Überwindung.

Klopf, klopf, klopf! Die Tür öffnete sich, und ich sah im hintersten Winkel den offenkundig erschöpften Karl Böhm auf einer Bank. Eine laute Stimme rief: "Karli, der Herr Geitel ist da!" und schon schoss der hingesunkene Böhm in die Höhe, eilte auf mich zu und fiel mir, patschnass vor Schweiß, wie er war, um den Hals und stammelte Liebenswürdigkeiten, wie sie ein Kritiker selten zu hören bekommt. Ich lernte wieder einmal, dass von ihrer Kunst besessene Menschen halt anders sind.


Um Mitternacht war es dann endlich so weit. Die Flugbegleiterin Jenny Besenyei (19) wurde von der Miss Austria Carmen Stamboli in der Wiener Hofburg zur neuen Miss Vienna gekürt. Mit ihren Maßen 90-60-90 und strahlend grünen Augen überzeugte sie Jurymitglieder wie Mausi Lugner und Josef Winkler. Und das, obwohl die Beauty mit ihren 1,60 Metern die kleinste Anwärterin war. Moderator Dominic Heinzl witzelte: „So ein Zwergenaufstand!“

Dank für die vielen Tipps zu meinem Urheberrechtsstreit. Eine klare Tendenz kam nicht hervor. Ich warte jetzt noch eine Meinung ab, dann werde ich vermutlich zahlen. Meine ausdrückliche Warnung an Sie betrifft das "Whoswho" Lexikon, vertreten durch Herrn Christian Kaiser, der durch die Hamburger Kanzlei Prinz, Neihardt, Engelschall schon mindestens 50 derartige Abmahnungen mit Kostenforderung durchführen hat lassen! Wenn ich aber zahle, werde ich auf dieser Startseite eine fixe Warnung vor diesen Herrschaften anbringen lassen!

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!

A.C.

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DIENSTAG, 15. NOVEMBER 2011
Das Orchester beim Schlussapplaus auf offener Bühne - so erlebt am Sonntag bei der Wiener "Götterdämmering". Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker. Foto: Kurt Vlach

Eingangs kurz ein Wort in eigener Sache: Wenn der Server nicht will, nützt alles nichts. Da sitze ich um 5,30 h vor dem PC, bereit zu neuen Taten - und ich bekomme bis nach 8 h keine Verbindung. Entschuldigen Sie bitte die heutige Verspätung. Erkenntnis: Es gibt keinen Wunderserver!

Schlussapplaus mit Ensemble. Foto: Kurt Vlach

Nun aber zu den ausführlichen Kritiken des Wiener "Ring-Finales".

Dominik Troger schreibt in seiner Webseite www.operinwien.at:

Im Im Finale öffnete sich dieser Klangraum noch einmal zu stattlicher Größe, getragen von den Blechbläsern mit sattem dunkelrotgoldenem Strahlen, ehe nach kurzer Verhaltung aus den Streichern das finale Motiv zu sehnsuchtsvollem, liebesschwangerem Abschied tröstend aufstieg. Thielemann ließ das Orchester aufrauschen mit romantisch-üppiger Woge – bevor die Musik leise verklang.

Dann einige Sekunden Stille – ein paar unsensible Klatscher fallen ein, verstummen wieder – aber das innere Nachhallen der Musik ist schon zerstört – das Klatschen beginnt erneut. Linda Watson erscheint als erste zum Applaus, ein Solovorhang, großer Jubel braust auf. Dann kurzes Warten vor verhüllter Bühne. Der Vorhang öffnet sich wieder. Dirigent und (!!!) Orchester haben Aufstellung genommen. Tosender Beifall bricht los. Der Schlussapplaus dauerte insgesamt knapp über 25 Minuten. Es handelte sich um die 13. Aufführung in dieser Inszenierung.

Fazit: In Summe war es ein „Ring“ fulminanter „Höhepunkte“. Hohe dynamische Elastizität und eine üppig Klangentfaltung sorgten für prächtige Momente. Aber nicht immer hielt die Grundspannung in den weiten, von langen Erzählungen durchflochtenen Szenenfolgen. „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ hinterließen bei mir einen insgesamt stärkeren Eindruck als die „Walküre“ und das „Rheingold“.

Dr. Georg Freund zieht ein Fazit des gesamten "Rings" in Bezug auf die Sänger. Auch wenn meist vom "Thielemann-Ring" geredet wurde, gesungen hat der Herr Kapellmeister gottlob nicht, zumindest nicht hörbar. Aber Dr. Freund hat Thielemann scharf beobachtet. Thielemann sang ziemlich oft während der Ring-Vorstellungen mit- vermutlich lautlos. Der Kauf eines teuren Platzes in einer Parkettloge hat sich gelohnt: Ich konnte das Gesicht des Dirigenten sehen und mit meinem 8-fach vergrößernden Zeiss-Glas sah ich auch, wie er immer wieder den Text mit seinen Lippen formte. Den bedeutenden Dirigenten Josef Krips konnte das Publikum in den vorderen Parkett-Reihen sogar stets mitsingen hören- es war unschön, vor allem wenn er die Königin der Nacht sang . Der seinerzeit als Wagner-Dirigent sehr beliebte Horst Stein war ausgebildeter Tenor und ich hörte ihn einmal in einer Götterdämmerung ganz laut die Worte: „Trink Gunther, trink!“ singen, als Hans Beirer als Siegfried wieder einmal falsch eingesetzt hatte. Beirers Gattin verließ hierauf türenknallend die Vorstellung ! Tja, der eben abgespielte Ring war sicherlich besser als der damalige und auch Thielemann muss damit zufrieden gewesen sein, denn er hob immer wieder anerkennend den Daumen der linken Hand !

Aber nun zur Kritik: An Sängern waren einige der besten aufgeboten, die gegenwärtig für das Wagner- Fach verfügbar sind. Wenn auch die meisten historische Vorbilder nicht erreichen konnten, so boten sie fast durchwegs eindrucksvolle Leistungen, die sie zu einem guten Teil der höchst professionellen und höchst rücksichtsvollen Begleitung Thielemanns verdankten. Linda Watson, die ebenso wie Albert Dohmen mit Thielemann in Bayreuth zusammen gearbeitet hat, zog aus dieser neuerlichen Zusammenarbeit reichen Gewinn: Ihre Brünnhilde ist äußerst höhensicher, ihre Erscheinung hoheitsvoll und ihr Spiel beeindruckender als es das ursprüngliche Rollenkonzept des Regisseurs Bechtolf vorgesehen hatte. Die Opferszene bewältigte sie durch ökonomischen Aufbau tadellos. Sie war eine wesentlich bessere Wotanstochter als man sie von der wiederum absagenden Katarina Dalayman in der Walküre gehört hatte und man hätte sie wohl vernünftigerweise von vornherein als Erstbesetzung für den ganzen Ring engagiert. Es ist wirklich selten, dass ein Einspringer den ursprünglich vorgesehenen Sänger weit übertrifft. Ich erinnere mich da eigentlich nur an eine viele Jahre zurückliegende Vorstellung von Carmen, in der Placido Domingo zur allergrößten Freude des Publikums den Don José für Waldemar Kmentt übernahm.

Stephen Gould als Siegfried stieß an diesem Abend knapp vor seinem Bühnentod an seine Grenzen, doch gelang ihm dann „Brünnhilde, heilige Braut“ noch recht schön. Der Jung-Siegfried hatte ihm keine Schwierigkeiten bereitet.

Sie finden weitere Rezensionen aus den Tageszeitungen in unserer Presseschau!

Villazon wird und scheibchenweise präsentiert

Nun zur verschobenen Arte-Übertragung des Münchner "Hoffmann". Ein Informant aus der Journalistenszene schreibt mir: Zum Thema Münchner Hoffmann auf ARTE. Die Absage der zeitversetzten Live-Übertragung hat offensichtlich schon mit Villazón zu tun, der nur eine bearbeitete Aufnahme in Umlauf haben möchte, keine Momentaufnahme von einem Abend. Anscheinend traut er seiner Abendverfassung nicht. Wie ich über nur einen Umweg von Herrn Chacon-Cruz erfahren habe, hat Villazón darauf bestanden, auch dessen Vorstellung zu singen, weil er Angst hatte, nicht genügend präsentables Material für die DVD zu haben...

Lera Auerbach

"Keine Kämpfe, keine Diskussionen, keine Kompromisse." So umreißt Lera Auerbach die Vorteile, wenn eine Komponistin auch noch gleich ihre eigene Librettistin ist. Die 1973 geborene Russin, die seit 1991 in New York lebt, gilt als Doppelbegabung. An russischen Schulen und Universitäten gehören ihre Werke zur Pflichtlektüre, die Internationale Puschkin-Gesellschaft ernannte sie 1996 zur Dichterin des Jahres. Auszug aus dem "Standard".

Heute ist Premiere am Theater an der Wien. Der "Online Merker" berichtet umgehend - wenn der Server will!

Zürich: Uraufführung von Anno Schreiers "DieStadt der Blinden. "Deutschlandfunk" war dabei: Ein Team starker Stimmen wurde in Zürich aufgeboten, aus dem die Männerpartien von Reinhard Mayr, dem Augenarzt, Peter Sonn (als Autodieb) und Thomas Tatzel (als Taxler) hervorragen, insbesondere auch die anrührende Leistung von Rebecca Olvera als "junge Frau mit der Brille", die beim Liebesakt im Hotel mit der Blindheit geschlagen wurde und sich um das besonders verlorene blinde Kind kümmert, dessen Fragen der Komponist allemal eine Akkordeon-Figur zugesellt.

So unerklärlich, wie die Erblindungs-Epidemie eintrat, verschwindet sie auch wieder. Saramago blieb skeptisch, ob die Leute durch dergleichen Erfahrung wirklich lernen. Die neue Züricher Oper wird pathetisch mit Dramaturginnen-Poesie: "Sehend wage ich kaum einen Blick zurück". Und leise verhallt die Schluss-Sentenz der Primadonna ins Dunkel: "Aber die Stadt hier unten ist immer noch da".

"MZ- web.de" lässt uns einen Blick auf Achim Freyers Mannheimer "Rheingold" werfen:

Aus Achim Freyers Bilder- und Zeichenvorrat. "Das Rheingold" in Mannheim. Foto: Michel

Doch auch die musikalische Entfernung zu Halle, vor allem zu Karl Heinz Steffens und seinen halleschen Protagonisten, war verblüffend groß. Was umso mehr erstaunte, als sich Mannheim im letzten Jahr mit Tilman Knabes "Lohengrin"-Deutung im Wagner-Klang profiliert hatte. Beim "Rheingold" fischte Generalmusikdirektor Dan Ettinger aber so sehr im Trüben, dass man sich fragte, ob er und nicht vielmehr der 77-jährige Regisseur Freyer hier eingesprungen ist. Der quicklebendige Altmeister der poetischen Bühnenlösungen hatte nämlich kurzfristig Christof Nel ersetzt, von dem man sich in Mannheim "einvernehmlich" getrennt hatte.

So ganz unvorbereitet war Freyer freilich nicht, denn in Los Angeles hatte er gerade einen kompletten "Ring des Nibelungen" inszeniert. Den übernimmt er nun zwar nicht, aber er schöpft natürlich aus seinem Bilder- und Zeichenvorrat und erzählt damit den Vorabend der Tetralogie nicht im herkömmlichen Sinne, sondern formt ein lebendes Bild mit eigener poetischer Autonomie. Das hat seine Grenzen, aber auch seinen Reiz.
Nestroy-Preisträger Max Mayer

Im Wiener Raimundtheater hat am Montagabend die zwölfte Nestroy-Preisverleihung begonnen. Sarah Viktoria Frick erhielt die erste Auszeichnung des Abends. Sie wurde für ihre Darstellung der Beppi in "Stallerhof" von Franz Xaver Kroetz (Kasino/Burgtheater) als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Den Nestroy-Preis als bester Schauspieler erhielt überraschend der junge Schauspielhaus-Darsteller Max Mayer, den es bei seiner Dankesrede fast die Sprache verschlug. Er wurde für seine Darstellungen als Jäger namens Fischer in "Grillenparz" von Thomas Arzt und mehreren Rollen in "Messias" von Malgorzata Sikorska-Miszczuk am Schauspielhaus Wien ausgezeichnet und setzte sich u.a. gegen die Burgtheater-Stars Gert Voss und Roland Koch durch.

Zu seinen Autoren gehört auch Papst Benedikt XVI: Als Verleger sah sich Hermann Herder stets
den Werten der katholischen Kirche verpflichtet. Dennoch war ihm die Öffnung zu Laien wichtig,
er verstand sich als "Fährmann zwischen den Ufern". Im Alter von 85 Jahren ist Herder jetzt gestorben.

Franz Josef Degenhardt ist tot!

Der am 3. Dezember 1931 in Schwelm in Westfalen geborene Protestsänger war für seine Scharfzüngigkeit und Wortgewalt bekannt und genoss gerade in linken Kreisen Kult-Status. Seinen Ruf erlangte der gelernte Rechtsanwalt vor allem mit Liedern und Balladen, in denen er die gesellschaftlichen Zustände der Bundesrepublik kritisierte und auf Veränderung drängte. Seine erste Platte erschien 1963, sein erster großer und bis heute größter Erfolg folgte 1965 mit dem Lied “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Auszug aus dem "Münchner Merkur".

Veruschka, Deutschlands erstes Supermodel, heißt eigentlich Gräfin Vera von Lehndorff, misst 183 cm und ist 72 Jahre alt. Nun gibt es ein Buch über sie

Auszug aus einem Interview mit "Welt Online":
Kränkt es Sie, dass jeder Veruschka kennt, aber kaum jemand die Kunst von Vera von Lehndorff?

Von Lehndorff: Man bezeichnet mich als „Ikone der 60er-Jahre“, und obwohl ich schon lange keine Modefotos mehr mache, nennt man mich immer noch „Germany’s First Top Model“. Es liegt wohl am derzeitigen Model-Wahn, dass diese Lebensphase von mir so in den Vordergrund gerückt wird. Das ist aber okay für mich, denn als Künstlerin habe ich durchaus auch meine Erfolge.

Jörn Jacob Rohwer/Vera Lehndorff, „Veruschka. Mein Leben“, DuMont, 328 Seiten, 24 Euro. Ein Überblick über die Kunst von Vera von Lehndorff gibt es hier.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.
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MITTWOCH, 16. NOVEMBER 2011
Gogol" im Theater an der Wien. Martin Winkler sang den halben "Gogol" - die Titelrolle wurde bekanntlich zweigeteilt. Wie immer gab es einen Premierenerfolg.

Im Theater an der Wien gab es den nächsten Premierenerfolg. Jede andere Übertitelung wäre auch eine Überraschung gewesen. Medial kommt dieses Theater weit besser weg, als die übrigen Musiktheater Wiens, es hat auch das dankbarste Publikum, das geradezu süchtig nach Jubel ist. Da werden Werke als große Entdeckungen gefeiert und frenetisch akklamiert, die sich voraussichtlich in weiterer Folge auf den Theatern kaum durchsetzen werden.

Renate Wagner war bei der Premiere: Die Musik von Lera Auerbach hingegen gewinnt den Zuhörer schnell (was ihr die anspruchsvollen Kritiker vermutlich übel nehmen, denn dann kann sie nicht so schwer anzuhören sein, wie man es der Moderne abverlangt): Mit Ausnahme einzelner Passagen (etwa Gericht und Höllenfahrt) verlässt sie die Tonalität kaum, macht sie nur stellenweise durch Gänsehaut erzeugende Chromatik interessant. Es ist eine sehr gekonnte Musik, die sie da in gut zwei Bühnenstunden hören lässt (die Oper dauerte bei Premiere mit Pause über zweieinhalb Stunden), sie beginnt mit sehr „russischer“ Stimmungsmache, mit Glocken, geheimnisvollen Chören (nein, man ist nicht in „Boris“), sie ist sehr illustrativ in der Einsetzung von Klangfarben und Rhythmen, vielfältig in ihren Mitteln, kurz, da hört man zu, zumal sie gegen Ende noch eine wirkungsvolle Steigerung erzielt, zuerst mit jener „Gerichtsszene“, in der Gogol "verurteilt" wird, und dann mit seinem Monolog vor der Höllenfahrt (mehr oder minder wie ein Don Giovanni, obwohl es doch keine Frauen in seinem Leben gab!). Nur ganz am Ende wird sie unökonomisch – da hätte es schon mehrere Stellen gegeben, wo die Oper wirkungsvoll zu beenden gewesen wäre, und da kommt noch etwas und noch etwas…

Allerdings bezweifelt die Rezensentin, dass sich Auerbachs Opus nachhaltig an den Theatern durchsetzen wird. Aber wie viele zeitgenössische Opern tun das schon?

Auch die Rezension von Martin R. Botz steht online!
Auch er bezweifelt, dass sich die Oper in den Spielplänen wird halten können und auch ihm ist längst aufgefallen, dass das Publikum im Theater an der Wien einzigartig ist. Wenn aber Jubel inflationär wird, ist er allerdings weniger wert!

Die Apa schickt via "Kleine Zeitung" bereits die erste Jubelmeldung aus: Als im wörtlichen Sinne Wahnsinnserfolg hat sich am Dienstag die Uraufführung der ersten großbesetzen Oper "Gogol" von Lera Auerbach im Theater an der Wien entwickelt. Mit einhelligem, langen Applaus wurde nicht nur das mächtige Werk der Russin über den Dichter bedacht, sondern auch die herausragende Regie von Christine Mielitz sowie das vielfältige RSO unter Wladimir Fedosejew.

Ähnliche Rezensionen erwarten wir morgen von der Tageszeitungen.

Die "Thielemanie" in Wien klingt nur langsam ab. In Mails an unsere Redaktion wird eine CD des soeben aufgeführten Wiener "Rings" angeregt (bei einer DVD hätte man zwangsläufig auch Bechtolfs Inszenierung in Kauf zu nehmen, wegen der sich die Begeisterung in Grenzen hält), wobei wir allerdings der falsche Ansprechpartner sind. Grundsätzlich leiten wir aber Anregungen an zuständige Stellen weiter. Die diversen Umbesetzungen (Watson für Dalayman, Attila Jun als "Drittel-Hagen") scheinen mir aber dieses Projekt schon aus rechtlichen Gründen zu erschweren, wenn nicht sogar zu verunmöglichen!

Regisseur Balasz Kovalik mit dem "Hirsch des Lebens" - Samstag ist an der Staatsoper Berlin/ Schillertheater die Premiere der "Verkauften Braut".

Eine Kuh steht auf seiner Bühne, allerdings in einer Glasvitrine. Es ist ein Stück unberührter Natur, bezaubernd hindrapiert. Eine Art Museumsdorf will Regisseur Balazs Kovalik aus dem Schiller-Theater machen. Dort inszeniert der Ungar gerade Smetanas „Die verkaufte Braut“, am Sonnabend (19. November 2011) hat es Premiere. Die Szene ist in seiner biederen Ernsthaftigkeit sehr komisch (und recht passend zur kaufsüchtigen Vorweihnachtszeit), auch wenn Kovalik darin eher die „feine Ironie“ sieht. Seine Inszenierung habe etwas mit Nostalgie, Souvenirs und Volkstümlichkeit zu tun. „Wenn wir nach Bad Tölz fahren, sind die Geschäfte voll mit kleinen Holzfiguren, ähnlich ist es in russischen oder ungarischen Touristendörfern.“ Warum wir diesen ganzen Schnickschnack wollen, ist für Kovalik klar. „Weil wir die Vergangenheit eigentlich schon verloren haben und irgendwie noch einen Zugang suchen. Wir stellen auch gern Omas alten Schrank in unsere Designerwohnung zwischen Glasmöbeln und Halogenlampen.“ Seine Darsteller, versichert Kovalik, versuchen ihren Weg zwischen alledem zu finden.

Besseres, als im derzeitigen Ungarn politisch in Ungnade zu fallen, kann einem international tätigen Künstler derzeit gar nicht passieren. Dieser Bonus wird auch dem ehemaligen Direktor der Budapester Staatsoper in Berlin zugute kommen.

Wenn der Regisseur seine Sicht auf die Probleme seiner ungarischen Landsleute in die Inszenierung einbringt, wird die "Verkaufte Braut" wohl kein Happyend haben, befürchtet die "Berliner Morgenpost": „Wenn in Ungarn in der Vorstellung ein Gedanke auftaucht, sagen die Leute schon, das sei modern. Bevorzugt wird das Naive, das Volkstümliche, bloß keine Provokation. Das mag witzig klingen, aber diese Angst vor der Moderne ist gefährlich.“ Das Neue Theater, in dem bislang Moliere, Steinbeck, Dostojewski gespielt wurden, soll ein nationaler Musentempel werden. „Es gibt keinen Grund, Stücke abzulehnen, weil sie nicht nationalbewusst genug sind. Letztlich wird dadurch ein Kultursystem zerstört.“ Sagt Kovalik und wirkt plötzlich wieder ein wenig verschlossen.

Ob er an das Gute im Menschen glaube? Bei der Frage springt Kovalik zurück in die Glasvitrine namens Oper. „Ja, aber in den meisten Werken werden nicht die Guten, sondern die Problemfälle beschrieben. Die Liebe interessiert uns eigentlich gar nicht, sondern nur, warum sie nicht funktioniert. Darüber gibt es die größten Opern.“ Ein Happyend ist bei seiner verkauften Braut wohl nicht zu erwarten.

Eine Lösung für die von Finanzproblemen geplagte Wiener Kammeroper zeichnet sich ab. Man will mit dem Theater an der Wien kooperieren, aber es soll keine Eingliederung geben.

Natalia Ossipowa und Iwan Wassiljew verlassen überraschend die Bolschoi-Tanzkompanie

Es ist ein Beben für die Ballettwelt und ein Schock für Moskaus saniertes Bolschoi Theater: Überraschend verlassen die führenden Solisten Natalia Ossipowa (25) und Iwan Wassiljew (22) Russlands größtes Staatstheater. Sie sehen keine Zukunft für sich auf der gerade im Zarenglanz nach sechsjähriger Schließung wieder eröffneten historischen Bühne, dem Zuhause der mit mehr als 200 Tänzern größten Balletttruppe der Welt. Hier feierte im 19. Jahrhundert auch "Schwanensee" von Tschaikowsky Uraufführung - mit den berühmtesten Ballerinen in der Geschichte des Balletts.

"Noch nie haben Solisten eines solches Ranges dem Bolschoi den Rücken gekehrt. Eine unglaubliche Nachricht", kommentierte die Zeitung "Kommersant" am Dienstag. Zwar habe es zu Sowjetzeiten Abgänge gegeben aus Frust über die politischen Zustände. Dass nun aber ein so junges Traumpaar gehe, das schon die größten Rollen und diese auch weltweit getanzt habe, sei ein Donnerhall, meinten Beobachter. Die Bolschoi-Leitung hat dies kalt erwischt. (Auszug aus der "Wiener Zeitung").

Christiane Karg, eine "Stimme wie "Waldhonig"

Für Sänger muss der November ein grausiger Monat sein. Entweder sie sind selber am Röcheln oder das Publikum schleudert ihnen Hustsalven entgegen. Ist das nicht der Fall, kann auf der Bühne nur noch Wundersames geschehen, der Himmelshofstaat herniederflattern oder allerlei Zauberzeugs explodieren.

Im Prinzregententheater war’s von allem etwas: Wenn Christiane Karg ihre Stimme fließen ließ, blieb die Zeit stehen. Und selbst aus einer gewissen Distanz kommt man kaum umhin, in die Kiste peinlicher Worthymnen zu greifen. Wann haben wir das letzte Mal einen Sopran gehört, der in allen Lagen warm tönt, noch in der Höhe wie Waldhonig schimmert? Und der weit oben auf dem Gipfel, scheinbar ohne jede Anstrengung, vom Forte in ein sanftes wie klar fokussiertes Pianissimo wechseln kann?

Christa Sigg in der "Münchner Abendzeitig", die meist sehr "gekonnt-flapsig" formuliert, zeigt sich von Christiane Karg begeistert!

Villazons "Hoffmann" wird uns scheibchenweise präsentiert

Nun zur verschobenen Arte-Übertragung des Münchner "Hoffmann". Ein Informant aus der Journalistenszene schreibt mir: Zum Thema Münchner Hoffmann auf ARTE. Die Absage der zeitversetzten Live-Übertragung hat offensichtlich schon mit Villazón zu tun, der nur eine bearbeitete Aufnahme in Umlauf haben möchte, keine Momentaufnahme von einem Abend. Anscheinend traut er seiner Abendverfassung nicht. Wie ich über nur einen Umweg von Herrn Chacon-Cruz erfahren habe, hat Villazón darauf bestanden, auch dessen Vorstellung zu singen, weil er Angst hatte, nicht genügend präsentables Material für die DVD zu haben...

Peter Turrini: Theater ist heute "plem-plem"

Peter Turrini freute sich sehr über den Nestroy-Preis für sein Lebenswerk und holte dann zum verbalen Rundumschlag aus. Turrini sagte, er gerate "zunehmend in Wut, dass der Beruf des Dramatikers immer weniger ernst genommen wird".

Da nahm sich einer kein Blatt vor den Mund. Da kam einer in Rage, in der Vehemenz der Rede von Daniel Kehlmann bei den Salzburger Festspielen 2009 durchaus ebenbürtig.

Turrini kritisierte die Regisseure und Dramaturgen, "die Alltagssprache mit Dichterworten mischen". Überhaupt komme ihm heute "vieles am Theater plemplem" vor.

Die alternden "Jungen Wilden" haben das Problem, dass sie keine "Jungen Wilden" mehr sind. Also hat die Zeit dort anzuhalten, wo sie noch jung und wild waren!

21er Haus in Wien

Heiner Wesemann war für uns im neuen "21er Haus", die revitalisierte Fassung des alten "20er Hauses", gleich neben der Riesenbaustelle des neuen Hauptbahnhofs:

Aus alt mach neu: Als der Architekt Karl Schwanzer vor mehr als einem halben Jahrhundert, für die Brüsseler Weltausstellung von 1958 (das "Atomium" von damals ist dort heute noch eine Attraktion der Stadt!), den Österreich-Pavillon baute, erregte diese luftige Stahl-Glas-Konstruktion zu Recht so viel Begeisterung, dass man sie nach Wien transferierte und 1962 neben dem damaligen Südbahnhof
aufstellte. Das "Zwanziger Haus", wie man dieses "Museum des 20. Jahrhunderts" nannte, würde wohl heute noch als Bauruine verrotten, hätte das Belvedere unter Agnes Husslein-Arco nicht alles daran gesetzt, diese Außenstelle der Moderne zu neuem Leben zu erwecken. Und nun ist es da - und
weil sich inzwischen ein Jahrtausend "gewendet" hat, ist es zum "21er Haus" geworden.

Dafür wird das Liechtenstein-Museum wegen Besuchermangels geschlossen: Das Museum im Gartenpalais Liechtenstein wird ab Jänner nur mehr für Gruppen zu besichtigen sein. Man wolle sich auf den bisher schon lukrativen Zweig der Vermietungen konzentrieren.

Zerstörerische Liebe: Burton und Taylor

Das legendäre Hollywood-Paar wird gemeinsam in einer Doppelbiographie durchleuchtet. 17 Fotos bietet der "Kurier" zum Durchklicken!

Auch die Automarke "Hummer" ist bereits Geschichte!

Kennen Sie noch Simca, Matra oder Hummer? In 125 Jahren Automobilgeschichte sind viele Marken entstanden – einige davon gibt es allerdings nicht mehr. Wir zeigen die verschwundenen Automarken.

Wir, das ist die "Berliner Zeitung".

Heute um 19 h beginnt "Tosca" am Nationaltheater Bratislava. Anna Ryan singt die Titelrolle, ich bin natürlich wieder dort. Besuchen auch Sie Peter Dvorskys Opernhaus, es gibt sicher noch Karten zu erschwinglichen Preisen. Auch Elite-Tours" bietet die Vorstellung an!

Einen schönen Tag wünscht

A.C
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DONNERSTAG, 17. NOVEMBER 2011
Der hysterische Gogol singt nur fade Tonleitern. Foto: A. Pessenlehner

Die Uraufführung von Lera Auerbachs Oper wurde zur luxuriösen Grablegung des Genres Oper: exzellente Regie, ein erstklassiger Dirigent, aber weit und breit nichts zu inszenieren oder zu dirigieren...

So beginnt Dr. Wilhelm Sinkowicz in der "Presse" seinen Verriss, der sich allerdings auf Lera Auerbachs Schöpfung, nicht auf die szenische wie musikalische Umsetzung bezieht

An Uraufführungen zeitgenössischer Opern herrscht, anders lautenden Gerüchten zum Trotz, kein wirklicher Mangel. Die meisten der allseits mit viel Budgetgeld finanzierten „Weltpremieren“ nähren im Zuschauer Zweifel an der Lebensfähigkeit der Gattung. Manche aber darf man sogar als trefflichen Beweis für die These werten, dass die Oper als Genre längst mausetot ist. Lera Auerbachs „Gogol“, als Auftragswerk im Theater an der Wien herausgebracht, gehört zu dieser Spezies. So sinnentleert scheinen die althergebrachten Musiktheater-Formen nicht einmal bei den Fließbandprodukten der Minimalisten

Die beiden "Merker"-Rezensenten äußerten sich gestern zurückhaltender, meldeten aber auch Zweifel an der Durchsetzungskraft des Werkes an.

Gogol" im Theater an der Wien. Martin Winkler sang den halben "Gogol" - die Titelrolle wurde bekanntlich zweigeteilt. Weiters auf dem Foto: Stella Grigorian und Natalia Ushakova.

Ganz anders sah das Peter Jarolin im "Kurier": Groß, größer, Gogol - auf diesen Nenner lässt sich die Uraufführung von Lera Auerbachs dreiaktiger Oper "Gogol" im Theater an der Wien bringen. Ganz getreu dem Motto: Klotzen, nicht kleckern. Denn hier ist alles üppig, süffig, ausladend und höchst breitenwirksam angelegt - Minimalisten-Fans könnten leiden. Das gilt sowohl für die Musik als auch für die Inszenierung. Aber der Reihe nach: Die russisch-amerikanische Komponistin Lera Auerbach (auch Text) hat keine lineare Biografie des Autors Nikolai Gogol auf die Bühne gebracht. Auerbach konzentriert sich vielmehr auf die innere Zerrissenheit des Schriftstellers, auf seine ihn peinigenden Dämonen.

Sie zeigt den religiösen Eiferer, für den eine Frau nur Hure oder Heilige sein kann. Sie porträtiert den ewig Rastlosen, den stets am Rande des Wahnsinns Wandelnden, der von den vom ihm geschaffenen Figuren verfolgt wird. Und Auerbach wühlt tief in der russischen Seele, scheut das eine oder andere Klischee nicht, macht das aber alles sehr zwingend.

Die anderen Rezensionen bewegen sich in der Mitte der beiden Extremmeinungen. Mich interessiert - wie meist - in erster Linie das Publikum. Das Theater an der Wien ist für seine Fangemeinde zu beneiden, die Aussagekraft der "Allesbejubler" ist freilich auch sehr eingeschränkt!

Zwei Rezensionen aus der Wiener Staatsoper sind auch online gegangen. Dr. Sieglinde Pfabigan schreibt über Aleksandra Kurzak in "L'Elisir d'Amore": Das an sich hübsche, aber zarte Stimmchen der puppenhaft wirkenden Polin Aleksandra Kurzak bedurfte der Schonung. Ihre Spitzentöne gerieten mehrmals arg an die Grenze des für sie Bewältigbaren oder blieben knapp unterhalb der richtigen Tonhöhe.

Nun will ich der Heft-Chefredakteurin gerne glauben, frage mich aber, wie die Polin mit dem zarten Stimmchen an der Metropolitan-Opera singen kann.

Maxim Mironov zog das Hauptinteresse unserer Rezensentin auf sich.

Dr. Renate Wagner zog es gestern vornehmlich wegen Maxim Mironov zu "L'Italiana in Algeri" in die Wiener Staatsoper. Erfreuliches weiß sie aber auch über Vesselina Kasarowa zu berichten: Es war ein Vergnügen, Vesselina Kasarova wieder im Vollbesitz ihrer Stimme und ihrer Möglichkeiten zu erleben, und wenn sie vielleicht nicht in erster Linie die geborene Rossini-Sängerin ist, so hatte sie doch – wie alle anderen auch – die Laune, sich mit Humor in den Abend zu hechten, und jene stimmliche Gewandtheit, die man für Rossini nun einmal braucht. Auch ist es eine wunderbare Abwechslung, einen echten Mezzo zu hören, mit schönem, dunklem Timbre, der auch in der (jetzt wieder sicheren) Höhe dunkel klingt… Eher auf Sorgfalt (mit schönen, gehaltenen Mezzavoce-Stellen) als auf Koloraturen-Virtuosität angelegt, genoss sie die Rolle der Isabella – Kunststück, wenn man solche Kostüme tragen darf! Kurz, die Krise, als ihr die Stimme in lauter Brocken in verschiedenen Tonhöhen auseinanderbrach, ist vorbei, alles war bestens.

Maxim Mironov stand als Lindoro, also in einer seiner Paraderollen, erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper, und man versteht schon, warum Rossini-Aficionados seinen Ruhm via Pesaro verkündet haben. Der 30jährige, ein blondgelockter Russe, der wie ein später Bub aussieht, verfügt über die extrem helle, leichte „Knabenstimme“ mit der sicheren Höhe, die man für Rossini so mag, und nach einem etwas nervösen Einstieg mit der ersten Arie sang sich gänzlich frei, abgesehen davon, dass er sich lustvoll durch seinen Part blödelte. Wenn er in den nächsten Jahren noch ein bisschen Fülle und Wärme der Stimme zulegt, braucht man sich keine Sorgen machen, dass er in dieser Rollenwelt einen ersten Platz einnehmen wird.

Ildar Abdrazakov, der zweite Russe des Abends (kürzlich erst an der Met Anna Netrebko-Bolenas böser König), sang seinen ersten Mustafa in Wien, und dafür, dass seine Stimme eher von der rauen Sorte ist, hat sie doch die nötige Beweglichkeit für Rossini.

"Deutschlandradio" veröffentlich ein Gespräch zweier Journalisten über "La forza del destino" an der Pariser Bastille-Opéra: Verdis Oper enttäuschte den Kritiker Thomas Voigt aufgrund der Schlichtheit der Inszenierung und der schlechten Akustik in der Bastille-Oper in Paris. Der Gesang war nur reduziert zu hören - das Orchester unter Dirigent Philippe Jordan dagegen war der Star des Abends.

Stefan Koldehoff: Etwa 200 Jahre in der Zeit zurück, da hießen die Liedermacher noch Komponisten. Einer der bedeutendsten italienischen Vertreter dieses ehrwürdigen Berufsstandes war Giuseppe Verdi. Ihm floss - nach einem kurzen Ausflug in die Politik - 1861 innerhalb von drei Monaten eine Oper mit dem schönen Titel "La forza del destino - die Macht des Schicksals" aus der Feder. Es gab allerdings schon eine spanische Vorlage. In Paris wurde Verdis Fassung nun neu inszeniert, an der Opéra Bastille, und bevor ich nun versuche, die Handlung zu skizzieren, soll das Thomas Voigt tun. Der war nämlich dort und bekommt dafür auch noch ein Honorar. Herr Voigt: Worum ging es denn?

Thomas Voigt: Auch für das Honorar kann man die Handlung nicht kurz skizzieren. Ersparen Sie mir das bitte. Wer die Parodie der Marx Brothers gesehen hat, "A Night at the Opera" - da wird der Trovatore parodiert -, da kann ich nach "La forza del destino" sagen, diese Oper bietet mindestens so viel Angriffsfläche für Parodisten wie auch der Trovatore: also mit Bruder ersticht Schwester und über den Leichen bricht noch der Bräutigam zusammen und so weiter. Also es ist alles drin, was so die spanische Schauerromantik zu bieten hat, ähnlich wie beim Trovatore. Musikalisch ist das Werk schon deutlich eine andere Sprache, eben die des späteren Verdi, vor Don Carlos, vor Otello, vor Falstaff. Und natürlich findet man es, wenn man diese Entwicklung schon sehen kann, ein bisschen schade, dass er nicht statt dieser Vorlage eine literarische Vorlage, eben wie beim Carlos und beim Otello, genommen hat.

Ein Regisseur, der die "Macht" inszenieren muss, ist wahrlich ein armer Hund. Er muss sich in jedem Fall vom Publikum prügeln lassen - nicht nur in Wien!

Alexander Pereira wird seinem Ruf als Superkeiler gerecht und lukriert für die Salzburger "Zauberflöte" auf Originalinstrumenten in den USA 1 Million Dollar!

In Hamburg wird wegen größerer Summen gestritten - und zwar zwischen der Stadt und "Hochtief" wegen der Elbphilharmonie. So sehr Journalisten einen emotional geführten Dauerstreit zu schätzen wissen, wird das Hamburg-Szenario schön langsam fad!

Ebenso langweilig ist der ständige Streit um Auftragsvergaben beim neuen Linzer Musiktheater. Der Billigstbieter muss nicht immer der Bestbieter sein (alte Anbieter/Ausschreibungsweisheit)!

Gestern war ich in Bratislava bei einer passablen "Tosca". Anna Ryan war intensiv wie immer, die schauspielerische Leistung einzigartig. Einen Tenor gab es auch zu entdecken: Boldiszar Laszlo mit nicht sehr großer, aber schön timbrierter Stimme und mit sehr kultivierten Vortrag. Amtssprache im Nationaltheater war Deutsch, wenn die österreichischen Gäste nicht gekommen wären, hätte die Slowaken " schön gschaut"! Theatersorgen also überall!

Heimwärts musste ich durch den Nebel kämpfen. Eineinhalb Autofahrstunden von Bratislava nach Wien sind Negativrekord - aber immer noch besser als eine Fahrt im Rettungsauto - oder womöglich noch schlimmer!

Ein Tipp: In dieser Jahreszeit fahren Sie besser mit Elite-Tours, bevor Sie sich in ein gefährliches Nebelabteuer stürzen. Die nahe Donau ist ein Nebe-Garant!

Natalia Ossipowa und Iwan Wassiljew verlassen überraschend die Bolschoi-Tanzkompanie

Es ist ein Beben für die Ballettwelt und ein Schock für Moskaus saniertes Bolschoi Theater: Überraschend verlassen die führenden Solisten Natalia Ossipowa (25) und Iwan Wassiljew (22) Russlands größtes Staatstheater. Sie sehen keine Zukunft für sich auf der gerade im Zarenglanz nach sechsjähriger Schließung wieder eröffneten historischen Bühne, dem Zuhause der mit mehr als 200 Tänzern größten Balletttruppe der Welt. Hier feierte im 19. Jahrhundert auch "Schwanensee" von Tschaikowsky Uraufführung - mit den berühmtesten Ballerinen in der Geschichte des Balletts.

"Noch nie haben Solisten eines solches Ranges dem Bolschoi den Rücken gekehrt. Eine unglaubliche Nachricht", kommentierte die Zeitung "Kommersant" am Dienstag. Zwar habe es zu Sowjetzeiten Abgänge gegeben aus Frust über die politischen Zustände. Dass nun aber ein so junges Traumpaar gehe, das schon die größten Rollen und diese auch weltweit getanzt habe, sei ein Donnerhall, meinten Beobachter. Die Bolschoi-Leitung hat dies kalt erwischt. (Auszug aus der "Wiener Zeitung").

Michael Maertens (hier mit Yohanna Schwertfeger in "Der zerbrochne Krug") ging bei der Nestroy-Preisvergabe wieder einmal leer aus und erweist sich als schlechter Verlierer! . Foto: Barbara Zeininger

Grund genug für Paulus Manker, dem Mimen via "Kurier" einen Brief zu schreiben: Ein Schock ging durch die Branche. Wieder hast Du den "Nestroy" nicht gewonnen! 18-mal warst du jetzt schon nominiert, und wieder ist es nix geworden. Dabei bist Du doch so ein toller Schauspieler. Und so lustig. Wahrscheinlich sogar der lustigste Schauspieler im deutschen Sprachraum.
Dir gelingt es, sogar aus tragischen Rollen noch eine Pointe hervorzuzaubern. Du bist ein Magier in Sachen Publikumsgunst. Ich verstehe daher Deine Enttäuschung.

Aber Du hast ehrenvoll verloren: Eleonore Bürcher hat den Publikumspreis bekommen. Aber ist das ein Grund, die Preisträger zu verleumden? Ihnen gar Manipulation vorzuwerfen? Ich lese in einem Interview mit Dir, in jener Zeitung, in der ich Dir jetzt kondoliere: "Paulus Manker hat im Vorjahr 2000 eMails verschickt, und wenn man die geöffnet hat, hatte man automatisch für ihn gestimmt."
Gleichzeitig liest man, dass Du kein "Computerfachmann" bist. Doch, Michi, bist Du, Du bist sogar ein neuer Steve Jobs, Du hast das eMail erfunden, das für sich selber stimmt!
Aber wie man anständig verliert, wurde Dir nicht in die Wiege gelegt. Ich sag's Dir: Man hält den Mund und freut sich für die anderen. Verdient oder nicht - das Glück ist ein Vogerl ...

Lesen Sie diesen köstlichen Brief in voller Länge im "Kurier"!

Der ORF zeigt sich großzügig und will seine Gebühren "unter dem Inflationswert" erhöhen - um 7 % . Ich war immer schon schwach in Mathematik, deshalb bitte ich um Erklärung, warum bei den Pensionen die Inflation auf 2.4. % festgelegt wurde. Ich weiß schon, die ORF-Gebühren sind auf fünf Jahre festgemauert, während dieses Zeitraumes klettert die Inflation auf mehr als sieben Prozent. Allerdings beginnt man mit der Einhebung bereits 2012, wo wir hoffentlich insgesamt noch keine sieben Prozent mehr zu blechen haben.
Das, meine Damen und Herren, scheint mir höhere Mathematik zu sein, von der ich nichts verstehe!

Das Wochenende naht, also machen wir einen Blick in die FILMRUBRIK, die von Renate Wagner zusammengestellt wird.

Exstars von Fernsehen und Film – „Sex and the City“-Sarah Jessica Parker und „Bond“ Pierce Brosnan – sind vereint in „Working Mum“:

Im Hollywood-Kino ist alles schön, auch die Verzweiflung einer überarbeiteten Mama, die wie Carrie Bradshaw aussieht – na ja, es ist ja schließlich Sarah Jessica Parker. Kate ist eine Investmentbankerin mit zwei kleinen Kindern und dem klassischen Problem der amerikanischen Karrierefrau: She wants it all. Den Beruf mit seinem Nervenkitzel und dem Erfolg, selbst wenn sie sich mit ihrem Chef nicht einlässt, und der – Hollywood! – sieht immerhin aus wie Pierce Brosnan nach Bond. Und natürlich die Kinder, denn die sind das absolut Beste in ihrem Leben, unverzichtbar, wunderbar – bloß nicht so sehr, dass man sich ausschließlich darauf konzentrieren wollte… Und wenn der Gatte, ein erfolgreicher Architekt, auch nicht zum Hausmann taugt, dann gibt es trotz des Hilfspersonals, das man sich leisten kann, den „ganz normalen Wahnsinn“ einer „Working Mum“.

Der Rapper Sido hat seine Zelte nun in Österreich aufgeschlagen, nachdem er in Deutschland offenbar bereits out ist. In Österreich beleidigt er Leute (darunter Kolumnisten) "am laufenden Band" und macht damit Kohle! Aber, meine lieben deutschen Freunde, bevor Ihrüber den alpenländischen Geschmack lästert - auch wir haben exportiert. Der Andi Borg, ein 60er-Baujahr, das eigentlich Adolf Andreas Meyer heißt, gehört Euch zum Beispiel jetzt ziemlich allein. Ist Sido Deutschlands Antwort auf Andi Borg??

Für heute wünsche ich einen schönen Tag??

A.C.
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FREITAG, 19. NOVEMBER 2011

Dominique Meyer: Inszenierungen "Don Giovanni und "Figaro" sind in Wien abgelehnt worden, weil sie aus dem Ausland kamen"

Ehrlich gesagt, ich habe nachstehende Zeilen dreimal lesen müssen, bevor ich sie einmal geglaubt habe. Da gibt der Wiener Staatsoperndirektor Direktor der "Kleinen Zeitung" Graz ein Interview, weil er Montag im Grazer Congress eine Art "Gesprächskonzert" (mit Anita Hartig und Adam Plachetka) absolviert und bezichtigt im Interview jene Wiener Opernfreunde, denen "Don Giovanni" und "Figaro" seines Landsmanns und vielleicht auch Freundes Jean-Louis Martinoty nicht gefallen haben, der Ausland-Feindlichkeit!!

Mittlerweile hat Direktor Dominique Meyer auch zum Telefon gegriffen und seine Meinung dargestellt (siehe etwas weiter unten)

In Wien sind die Inszenierungen französischer Regisseure nicht durchwegs mit Begeisterung aufgenommen worden.

MEYER: Die zwei Mozart-Inszenierungen von Jean-Louis Martinoty, "Figaro" und "Don Giovanni", sind vielleicht auch deshalb kritisiert worden, weil sie aus dem Ausland gekommen sind.

Jetzt haben in Wien mit "La Traviata" und "Aus einem Totenhaus" Koproduktionen Premiere, die zuvor schon in Aix-en-Provence respektive Zürich zu sehen waren.

MEYER: Ich werde das weiterhin machen, denn man darf die finanzielle Krise nicht ignorieren. Seit 15 Jahren ist die Subvention gleich hoch geblieben. Mit dem Geld, das wir bei Koproduktionen einsparen, können wir das Repertoire pflegen, das mir sehr wichtig ist. Wir betreuen und renovieren ständig die Ausstattungen existierender Produktionen

Herr Direktor, das ist eigentlich ungeheuerlich. Sie beleidigen Ihr Wiener Publikum!! Sie haben rasch gelernt, auf welche Tube man in Wien drücken muss, um außerhalb Wiens populistisches Kleingeld zu machen. Da Sie selbst ebenfalls aus dem "Ausland" kommen und trotzdem in Wien freundlichst aufgenommen wurden, müssten Sie wissen, welchen Unsinn Sie da dahergeplappert haben. Oder sind Sie der Ansicht, dass Wiener die "Kleine Zeitung" nicht lesen???

Die Drohung, dass Sie Ihre Koproduktionen vorwiegend mit französischen Bühnen fortsetzen wollen, nehmen wir gelassen hin - wir können es sowieso nicht ändern. Aber beleidigen lassen wir uns von Ihnen nicht!! Sie werden uns "ausländerfeindliche Wiener" noch länger aushalten müssen, weil es der Ratschluss einer Frau Minister so will - und Sie basteln ja auch bereits an der zweiten Vertragsperiode. Auch wir müssen Sie aushalten. Da wäre eine Klarstellung fällig, wie Sie diese Unterstellung gemeint haben. Sollte diese nicht erfolgen, werde ich mir erlauben, Sie immer wieder daran zu erinnern!

Als gelernter Diplomat haben Sie schnell die Keule in der Hand, die garantiert trifft!! Vom Diplomaten Dominique Meyer bin ich schwer enttäuscht!

Übrigens: Wenn Ihr Vorgänger Ioan Holender Probleme mit Berichterstattung hatte (und das kam bei mir öfter vor), hat er selbst zum Telefonhörer gegriffen. "Herr Direktor lassen ausrichten" war nie der Stil Holenders. Das nur so nebenbei erwähnt!

Ich habe Sie an dieser Stelle gelobt, wo es zu loben galt. Ich bündle die Meinungen, die bei mir deponiert werden, da meine eigene uninteressant ist. Die "Ring"-Übertragung an die Außenstelle war eine unkonventionelle und publikumsfreundliche Entscheidung. Sie war sogar sehr diplomatisch, da niemand mehr wegen seiner "Aussperrung vom "Ring" herummotzen konnte, weil keine Karten in den freien Verkauf gelangten. Mir ist wirklich wurscht, ob Sie "aus dem Ausland kommen", glauben Sie mir. Auf dieses Niveau, dass Sie hoffentlich nur kurzzeitig betreten haben, begebe ich mich nicht!

Wie geht es aber nun mit Direktor Meyer weiter? Die "Kleine Zeitung" hat ihn befragt:

Sie wollen also in Wien bleiben?

MEYER: Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Wir sind noch nicht so weit. Ich bin natürlich glücklich darüber bin, dass die Frau Minister gesagt hat, dass Sie meinen Vertrag verlängern will.

Dominique Meyer im Gesprächskonzert mit Michael Nemeth: 21. November, 19.45 Uhr, Kammermusiksaal im Grazer Congress. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.

Direktor Meyer hat mir soeben am Telefon versichert, dass er das Wiener Publikum nicht der Fremdenfeindlichkeit zeihen wollte, sondern bloß gemeint hat, dass die Wiener keine Koproduktionen wollen. Ein Fehler war wohl, dass er das Interview aus Zeitmangel nicht vor der Drucklegung autorisieren konnte. Ich werde morgen auf das kurze Gespräch noch einmal eingehen, betrachte jedoch diese Sache als erledigt und somit ausgeräumt.

Szenenwechsel nach Berlin: Die Senatoren der neuen Berliner Regierung stehen noch nicht fest, nur einer, der Kultursenator: Das wird der Regierende Bürgermeister bleiben. Damit ist Klaus Wowereit der erste Kultursenator seit dem Mauerfall, der sein Amt nach einer vollen Legislaturperiode erneut antritt. In keinem anderen Senats-Ressort fanden so viele so schnelle Wechsel statt wie in der Kultur. Wir erleben also gerade ein Maximum an Kontinuität. Alles bleibt, wie es ist. Und in der Kultur wird sich kein Mensch noch einmal aufregen über die seltsame Konstellation, dass die Kultur keinen eigenen Senator mehr hat. Nicht mal rot-grüne Wähler, die die geschmeidige Wendung des Regierenden zum schwarzen Koalitionspartner zunächst eher biestig aufgenommen hatten. Sie werden den Farbenwechsel in der Regierung am Ende kaum merken, in der Kultur schon gar nicht.

Renate Wagner besuchte gestern "Jephta" (konzertant) im Theater an der Wien: Es war ein besonders schöner Abend im Theater an der Wien, und das aus vielen Gründen. Um „Jephta“, Händels letztes Oratorium, glänzt die besondere Aura eines Alterswerks, obwohl gerade dieses Stück unter äußerst tragischen Umständen entstanden ist – denn während der Arbeit daran ist der Komponist erblindet. Jedenfalls war er 1751, im Alter von 66 Jahren, schon weit von den Virtuosenstücken seiner Glanzzeit entfernt und zu einem wirklich „beseelten“ Stil vorgedrungen. 1752 war „Jephta“ das letzte Werk, das unter seiner eigenen Leitung aufgeführt wurde...

...Mit dem Jubel, den Barockmusik immer einfährt, kann normales Opernrepertoire einfach nicht mithalten…

Barrie Kosky verbannt Wagner und Verdi aus der Komischen Oper Berlin

Der künftige Intendant der Komischen Oper, der australische Regisseur Barrie Kosky, will das Profil des kleinsten der drei Berliner Opernhäuser schärfen. "Wir wollen die eigenen Stärken ausspielen und die Seele des Hauses zeigen", sagte Kosky der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. Die Komische Oper habe eine lange Tradition im Bereich des Unterhaltungstheaters und vor dem Zweiten Weltkrieg mit großem Erfolg Varietés und Operetten gespielt. "Diese Tradition der Berliner Jazz-Operette wollen wir künftig wiederbeleben", sagte er. Opern von Komponisten wie Richard Wagner oder Giuseppe Verdi dagegen solle es an der Komischen Oper künftig nicht mehr geben. Das gehöre nicht zur Tradition des Hauses. Kosky wird die Intendanz zur Spielzeit 2012/2013 übernehmen.

Inszenieren will er Werke der von ihm geschaßten Komponisten anderswo aber weiterhin!

Joseph Calleja (hier mit Anna Netrebko) singt Montag in München und Mittwoch in Wien Foto: Hösl

Auszug aus einem Interview mit der "Münchner Abendzeitung" AZ: Herr Calleja, Sie haben so blaue Augen. Sind Sie wirklich aus Malta?

JOSEPH CALLEJA: Aber klar! Wir sind eine wilde Mischung aus vielen europäischen Nationen. Die Vorfahren meiner Mutter zum Beispiel kommen aus Sizilien, mein Vater hat spanische Wurzeln.

Wie steht es um Maltas große Operntradition?

Das Teatru Manoel in Valletta spielt seit 1732. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll: Bis vor 60, 65 Jahren waren wirklich alle Malteser Opernfans. Danach verlor das kulturelle Erbe an Bedeutung. In den letzten 20 Jahre gibt es aber wieder ein neues Interesse.

Ist die Oper nur eine Touristen-Attraktion oder kommen auch die Malteser?

Beides. Wir machen auch jeden Sommer ein Open-Air-Konzert, das im Schnitt von 10000 Menschen besucht wird. Bei 400000 Maltesern ist das eine ganze Menge.

Ich denke, dass es auch für München (Prinzregententheater) noch Karten gibt, für das Wiener Konzerthaus (Mittwoch, 23.11) gibt es in jedem Fall noch welche!

Freddy Mercury starb vor 20 Jahren

Nach der letzten Queen-Tour 1986 betonte Mercury immer wieder, er sei zu alt, um in engen Outfits über die Bühne zu hopsen. In Wahrheit war es aber die Immunschwächekrankheit Aids, die weitere kräfteraubende Auftritte vereitelte. Trotz zunehmend schlechter werdendem Gesundheitszustand nahm Mercury noch zwei Queen-Alben auf; einige weitere Titel, die er im Jahr seines Todes noch eingesungen hatte, fanden sich auf dem posthumen Longplayer "Made In Heaven" wieder.

Am 23. November 1991 machte er via Presseaussendung seine Erkrankung publik, nur einen Tag später verschied er in seinem Luxusdomizil in London. Eine offizielle Begräbnisstätte gibt es nicht, Ziel vieler "Mercury-Pilger" ist eine überlebensgroße Statue am Ufer des Genfersees in Montreux, dessen von Brian May ersonnene Inschrift "Lover Of Life, Singer Of Songs" Mercurys Biografie auf den Punkt bringt.

Thema Urheberrecht:

Auszug aus dem Spiegel: Hätte man Vicco von Bülow alias Loriot von der Posse um seine Sonderbriefmarken erzählt, er hätte wahrscheinlich ein trockenes "Ach was?!" von sich gegeben: Seine Tochter hat vor dem Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach nicht die Briefmarken selbst, aber deren Abbildung bei Wikipedia verboten wurde. Daraufhin mussten die Marken mit den schönen Motiven wie "Herren im Bad", "Das Frühstücksei", "Auf der Rennbahn" und "Der sprechende Hund" von der Internetseite verbannt werden - nicht unbemerkt von den Nutzern, die ihrerseits nun über Sinn und Rechtmäßigkeit der Entscheidung debattieren.

Natürlich braucht niemand hierzulande eine Sonderbriefmarke, um sich an die Sketche und Zeichnungen des im vergangenen August verstorbenen Komikers zu erinnern - sie sind längst Teil des kollektiven Gedächtnisses. Wer hat beim Stichwort Nudel nicht automatisch die urkomische Restaurantszene vor Augen? Sagen Sie jetzt nichts.

Um die Marken an sich geht es auch gar nicht. Kern der nun entbrannten Debatte ist vielmehr, dass Briefmarken seit der Privatisierung der Post nicht mehr als "amtliche Werke" anzusehen sind. Sie sind damit mehr als bloße Zahlungsmittel, den Gestaltern muss daher ein Urheberrecht eingeräumt werden - wie bei anderen Kunstwerken auch.

In meiner persönlichen Urheberrechtsgeschichte habe ich die von der Anwaltskanlei Prinz, Neidhardt, Engelschall aus Hamburg geforderten 1.200 Euro bezahlt. Wie ich erfahren habe, zieht diese auf Abmahnungen spezialisierte Kanzlei das Verfahren mittels "Einstweiliger Verfügung" nach Hamburg, immer an das selbe Gericht. An sich ist das ein legaler Trick, aber eben ein Trick! Ich denke mir meinen Teil, darf aber nicht darüber schreiben. Dies "Whoswho" -Lexikon des Herrn Christian Kaiser werde ich aber im Auge behalten, der Name grenzt bereits an Etikettenschwindel (rechtlich o.k, offenbar auch anwaltlich beraten).

Ich habe den Betrag aus eigener Tasche bezahlt, weil ich vom "Merker" kein Geld nehme. So leiste ich mir den Luxus, wirklich das schreiben zu können, was ich vertreten kann. Die meisten Journalisten in Österreich sind arme Hunde, weil sie einer Blattlinie verhaftet sind. Zugeben wird das freilich keiner!

Somit beende ich meinen heutigen Kommentar und wünsche Ihnen einen guten Start in das Wochenende!

A.C.
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SAMSTAG, 19. NOVEMBER 2011
Dominique Meyer stellt Missverständnis klar

Wiens Staatsoperndirektor Dominique Meyer stellte gestern in einem Telefonat mit mir klar, dass seine Aussage in der "Kleinen Zeitung" missverständlich aufgefasst werden konnte - und prompt von mir auch missverstanden wurde. Er hat nicht gemeint, dass die Wiener "auslandsfeindlich" sind, sondern dass sie sich offenbar gegen Koproduktionen wehren - weil dieser Trend relativ neu ist.

Trotzdem will und wird er aus ökonomischen Gründen an Gemeinschaftsproduktionen festhalten, weil diese ganz einfach billiger sind und mit der dadurch eingesparten Summe Verbesserungen an repertoiretauglichen älteren Inszenierungen vornehmen. Die Produktion "La Traviata" hat zum Beispiel € 200.000.- gekostet, um diesen Betrag kann man keine neue Produktion herstellen!

Grundsätzlich möchte ich dazu bemerken, dass wir Wiener nicht zwischen Koproduktionen mit inländischen und ausländischen Bühnen unterscheiden (warum immer nur mit ausländischen Bühnen? Man kann durchaus mit allen österreichischen Landestheatern kooperieren), sondern zwischen guten und schlechten Produktionen bzw. zwischen solchen, die der Mehrheit der Wiener Opernfreunde sehr bzw. jenen, die ihr weniger gefallen. Wer von uns darf sich anmaßen, ein allgemein gültiges Qualitätsurteil abzugeben? Gegen eine gelungene Koproduktion ist überhaupt nichts einzuwenden, egal woher diese kommt!

Dass Koproduktionen nicht billiger als Neuproduktion sind, dementiert der Staatsoperndirektor heftig. Er muss es wissen, daher will ich es gerne glauben.

Damit betrachte ich dieses Thema als abgeschlossen. Montag ist Dominique Meyer in Graz zu einem Gespräch mit dem dortigen Musikvereinsmanager Michael Nemeth zu Gast, für die Umrahmung des Gesprächs nimmt er Anita Hartig und Adam Plachetka mit.

Anita Hartig

Dominique Meyer im Gesprächskonzert mit Michael Nemeth: 21. November, 19.45 Uhr, Kammermusiksaal im Grazer Congress. Karten: Tel. (0 31 6) 82 24 55.
William Christie

Theater an der Wien: E. Hirschmann schreibt in "Oe24-Kultur" über die konzertante Aufführung von Händels Oratorium "Jephta": Händels letztes Oratorium Jephtha basiert auf der im alttestamentarischen Buch der Richter geschilderten Geschichte des israelitischen Feldherrn, der vor der Schlacht gelobt, dem Herrn im Falle seines Sieges den ersten Menschen zu opfern, dem er begegnet: Es ist seine Tochter Iphis.

Die Tragödie des Vaters setzte der fast blinde Händel in seine erschütterndste Musik um. Der tastende Schlusschor des ersten Aktes, „Oh Herr, wie dunkel sind deine Ratschlüsse“, den Händel schrieb, als ihm das Augenlicht versagte, ist ein Meisterstück komponierter Blindheit, von William Christie und Les Arts Florissants wunderbar interpretiert. Kurt Streit ist ein lyrisch-gebrochener und doch kraftvoller Titelheld, der mit der Arie „Waft her, angels, through the skies“ berührt; bezaubernd Katherine Watson als Iphis.

Schlussapplaus in Sao Paulo. Janice Baird. Foto: Klaus Billand

Rasend schnell war diesmal unser Opern-Weltreisender Dr. Klaus Billand, der unmittelbar nach der Premiere "Die Walküre" am Teatro Municipal Sao Paulo einen ersten Kurzbericht mit Fotos übermittelte.

Ein Opern-Reisender ist auch Udo Pacolt, der kam aber nur bis Oldenburg. Von dort berichtet er über die Premiere "Fräulein Julie" von Antonio Bibalo (nachzulesen in unseren Interviews).

Joseph Calleja singt am Mittwoch im Wiener Konzerthaus. Es gibt noch Karten!!

Die "Presse" sprach mit dem maltesischen Tenor: Was hält die jungen Menschen davon ab, in die Oper zu gehen?
Heutzutage gibt es unendlich viele Formen der Unterhaltung. Viele junge Menschen würden die Oper lieben, aber sie geben ihr keine Chance. Es braucht ein gewisses Maß an Anstrengung, bis man sich für die Oper begeistert. Man muss sie erst entdecken, wie man einen guten Wein entdeckt. Dazu braucht es Bemühen, etwas Recherche. Unter vielen jungen Leuten gibt es die falsche Auffassung, die Oper sei nur etwas für die Reichen, die elitären Snobs. Das stimmt aber nicht. Die Oper ist für jeden da.

Welche Oper würden Sie als Einstieg für junge Menschen empfehlen?
Wer sich für Literatur oder Geschichte interessiert, sollte sich Macbeth oder eine Oper von Verdi ansehen. Für romantische Menschen gibt es Romeo und Julia. Und für die intellektuellen, anspruchsvollen würde ich Hoffmanns Erzählungen empfehlen.

Eine sehr subjektive Wertung, meine ich. Wenn die Oper am "massentauglich" sein will, muss sie sich vom Ruf des Elitären, Versnobten lösen. Ich glaube aber, dass viele sogenannte Opernfreunde gerade die vermeintliche Zugehörigkeit zur Elite schätzen. Ich merke das an Reaktionen, wenn in meiner Kolumne manchmal Fußball oder hin und wieder ein "erfreuliches Foto" auftaucht. Da werde ich darauf hingewiesen, dass so etwas einen echten Opernfreund nicht zu interessieren hat - weil es eine "Sache für Plebs" ist!
Was Calleja diesbezüglich sagt, unterschreibe ich voll und bemühe mich auch mit meinen bescheidenen Mitteln, der Oper ihre Versnobtheit zu nehmen. Den Intellektuellen raushängen zu lassen, ist meine Sache ohnehin nicht!

Barrie Kosky übernimmt die Komische Oper Berlin als Intendant und will sich bereits beim Programm stark zu den beiden anderen Berliner Opernhäusern abgrenzen. Das finde ich gut, denn drei gleichartige Opernhäuser sind selbst für Berlin zu viel. Mehr Fritzi Massary, weniger Wagner. Der Australier Barrie Kosky löst Andreas Homoki an der Komischen Oper ab. Vieles wird anders: Oper. Im "Tagesspiegel" spricht Kosky über seine Pläne. Bezüglich der Eröffnungspremiere schickt er uns auf eine Rätselreise: "Es wird sehr lang - und es gibt etwas zu essen". Jetzt ist mir alles klar! Ihnen auch?

"Die Entführung aus dem Serail" in Genf. Foto: Vincent Lepresle

Die junge schwedische Regisseurin Mira Bartov interessiert sich für das Aufeinanderprallen traditioneller und aufgeklärter Menschenbilder. Dafür braucht sie kein pseudo-türkisches Kolorit. Befreiung heisst hier Befreiung aus dem selbst geschaffenen, mentalen Gefängnis. Dank der Anleihen aus dem Umfeld des Agenten 007 gelingt es ihr und ihrem Regieteam, die inneren Konflikte und Lösungsprozesse der Personen – vor allem Konstanzes – abwechslungsreich umzusetzen. (Auszug aus "Drehpunkt Kultur")

Der "deutscheste aller Komponisten", Carl Maria von Weber

Heute vor 225 Jahren wurde Carl Maria von Weber geboren. Richard Wagner bezeichnete ihn als den deutschesten aller Musiker. Carl Maria von Webers "Freischütz" durchbrach die damalige Vorherrschaft der italienischen Oper und galt als die deutsche Volksoper. Aber auch im Ausland wurde Weber bewundert und als Vater der romantischen Schule in der Musik anerkannt.

Ganz Berlin sang damals den "Jungfernkranz". Auf allen Straßen konnte man diesen Ohrwurm hören. Die Uraufführung der "Freischütz"-Oper am 18. Juni 1821 war der größte Triumph im Leben Carl Maria von Webers. Diesen Erfolg hatte er sich in einem unruhigen Wanderleben hart erkämpft. (Quelle: "Deutschlandradio".)

Wien/ Volkstheater: "Der einsame Weg" von Arthur Schnitzler.

Renate Wagner liebt ihren Schnitzler. Jeder Versuch, ihn zu meucheln, trifft sie wie ein Dolchstoß in das Herz. Auch das Volkstheater hat dafür gesorgt, dass genügend Leute „Bravo“ riefen, und es gab nicht das kleinste bisschen Widerstand oder Ablehnung an diesem im schlimmsten Sinn seltsamen Abend. Im nächsten Jahr sollte man den 150. Geburtstag von Arthur Schnitzler feiern. Rund um seinen „Hunderter“ 1962 hat man ihn erkannt, gekannt, er war der Autor der Stunde, der König der österreichischen Bühnen, und er blieb es viele Jahre lang in vielen wunderbaren Aufführungen. Rund um seinen 150er spuckt man auf ihn, trampelt auf ihm herum (und damit hat das Burgtheater mit seinen „Bernhardi“- und „Das weite Land“-Aufführungen schon seinen Teil getan), prügelt seine Stücke zu Tode. Derzeit ist Arthur Schnitzler tot, mausetot.

Das Wochenende ist da - und Renate Wagner berät und in Sache Kino

Das Ganze mag vielleicht manchmal etwas konstruiert und sogar verschroben anmuten, aber es wird quasi schwebend gespielt: Nina Hoss ist so ein Wesen, das man zwischen die Welten stellen kann, sie hat etwas so wundervoll Unirdisches. Dazu ist Fritzi Haberlandt in der Bodenhaftung, die sie hier zeigt, der ideale Kontrast. Und Mark Waschke, dessen Gesicht sich seit „Habermann“ auf der Leinwand so positiv und nachdrücklich eingeprägt hat, ist die Idealbesetzung für den „sympathischen“ Liebhaber, während Lars Eidinger eben die Funktion hat, genug Negatives auszustrahlen, damit die Heldin ihn unbeschadet abservieren kann. So weit muss die immanente Dramaturgie dieser Geschichten schon bedient werden… Aber alles in allem lässt man sich von Regisseur Hendrik Handloegten doch willig in die seltsame Welt einspinnen, die er hier entfaltet.

ZUR FILMRUBRIK

Den "Sido" haben wir in Österreich gebraucht wie einen Kropf.

Da ist Euch ein Coup gelungen, liebe deutsche Freunde - ich meine die Entsorgung von Sido nach Österreich. Hier scheint er aber Narrenfreiheit zu genießen. Den heftig umstrittenen Satz, der während einer Werbegala gefallen sein soll, wiederholte der ORF in dem Statement nicht. Und wollte ihn auch auf KURIER-Nachfrage nicht bestätigen.

Aber laut unter anderem der Facebook-Seite von Ö3 -DJ Eberhard Forcher habe Sido angeblich gesagt: "Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat!" Dies wurde in der darauffolgenden Online-Diskussion großflächig als Anspielung auf Hitler verstanden. Ob Sido dies so gesagt und auch so gemeint hat, konnte nicht verifiziert werden.

Da mussten schon Daherplapperer wegen weniger blöder Bemerkungen ihre Karriere beenden. Bleibt uns nur ein altes Sprichwort als Trost: "Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht"!

"Auh, Backe" - Direktorenschreck Wolfgang Zinggl gerät nun selbst ins Visier!

Bevor es Proteste gibt sei gesagt, dass ich ich immerhin den "Standard" zitiere: Vor einigen Tagen langte ein Brief der Art Basel Miami Beach in der Kunsthalle Wien ein, adressiert an einen ehemaligen Mitarbeiter des Hauses. Ein Praktikant öffnete den Umschlag versehentlich - und war über den Inhalt dann doch ein wenig verblüfft: "Dear Mr. Zinggl", sei da gestanden, "wir sind erfreut, Sie zur zehnten Ausgabe der Art Basel Miami Beach einzuladen. Als Art Basel Miami Beach VIP gehören Sie zu den Ersten, die diese Show sehen können." Bezüglich günstigerer VIP-Zimmer möge er doch bitte Frau XY kontaktieren.

Beigelegt sei dem Schreiben eine auf "Wolfgang Zinggl" lautende VIP-Card gewesen, die ihm vom 30. November bis 4. Dezember unter anderem freien Eintritt, Gratiskatalog, Spezialbetreuung am VIP-Tisch, Zugang zur Collector's Lounge sowie die bei Messebesuchern höchst begehrten und elitären Einladungen zu Sammlern und Spezialevents garantiert. Auf Anfrage erfährt man, dass auch ein Luxuslimousinen-Service zu den Annehmlichkeiten für Promi-Besucher zählt.

Schon verwirrend irgendwie, dass diese VIP-Einladung an den Grünen-Abgeordneten Wolfgang Zinggl ausgerechnet in einem Kuvert steckte, das an "Kunsthalle Wien / Thomas Miesgang / Kurator" adressiert war.

Weil: Ist Zinggl, der Kunsthallen-Direktor Gerald Matt wegen Untreue, Förderungsmissbrauch und unerlaubter Intervention angezeigt hatte, neuerdings Mitarbeiter der Kunsthalle? Oder steht er gar in den Startlöchern als deren neuer Chef?

Jetzt wird es mir zu politisch und somit zu schmutzig!

Haben Sie ein schönes Wochenende

A.C

PS.: Die neue Website gibt es schon, sie ist lediglich noch nicht in Betrieb gegangen. Wir müssen noch einige "Kinderkrankheiten" auskurieren, dennoch wird es Nörgler geben, die die nunmehrige Site natürlich für besser finden werden. Aber wir werden uns daran gewöhnen, wie wir uns an diese Site gewöhnt haben. Verbesserungen wollen wir durchführen, wo immer es möglich ist, aber bitte bedenken Sie, dass mir nicht so viele finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wie seinerzeit Karl-Heinz Grasser bei seiner mittlerweile berühmten "fremdfinanzierten" Homepage!

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SONNTAG, 20. NOVEMBER 2011

"Peer Gynt"-Premiere an der Staatsoper Berlin. Klaus Geitel legt Vladimir Malakhov auf die elegante Art nahe, sich künftig nur um seine wunderschöne Aufgabe als Ballettdirektor zu kümmern und das Tanzen Jüngeren zu überlassen: Vladimir Malakhov, der Peer Gynt, hat sich ein Ballett ausgesucht, das ihn nicht zu pausenlosem Tanzen zwingt, sondern nur zu pausenlosem Dabeisein. Das ist leider aber nicht dasselbe. Schließlich will man einen Künstler wie Malakhov tanzen sehen, obwohl er barfuß den marokkanischen Sand auch sehr hübsch mit den gelenkigen Zehen aufwirbeln lassen kann. Sonst aber ist er einzig damit beschäftigt, seine wechselnden Partnerinnen hoch in die Lüfte zu heben, sie zu stemmen, sie unverletzt wieder auf die eleganten Beine zu stellen und sich für ein Solo zur Verfügung zu halten, das dann nicht kommt. Die Choreografie lässt den Dauerhelden des Abends ausdauernd im Stich. Gelegentlich kommt dem Zuschauer die Idee, Spoerli wolle Ibsens „Peer Gynt“ gar nicht in ein Ballett verwandeln, sondern in ein attraktives Gemisch aus allem und jedem. Am Ende ist man in einer Art Trauerspiel angelangt, in dem der herkulische Leonard Jakovina die Hauptrolle spielt. Er verkörpert mit nicht unerheblichen Leibeskräften den Tod. Gegen den lässt sich bekanntlich schlecht antanzen. Auch Nadia Saidakova kann es nicht, die still vor sich hinleidende Solveig, die Letzte auf der langen Warteliste der Liebe.

Wo ist da die Eleganz - oder "Wie sage ich es dem Malakhov?". Klaus Geitel schreibt weiter: Malakhov war lange Zeit wahrhaft stilbildend im klassischen Ballett. Mehr noch: Er war das unerreichbare Vorbild seiner Tänzer. Von ihm konnten sie lernen. Ihn zu respektieren war eine Selbstverständlichkeit. Er kannte weltweit keinen Rivalen. Damit ist es vorbei.

Malakhov muss lernen, umzudenken. Er muss mit Leib und Seele der Ballettdirektor werden, der er auf dem Papier lange schon ist. Das heißt vor allem: Verzichten lernen, sich tänzerische Konkurrenz großziehen und sie entsprechend fördern. Mit einem Wort: Malakhov muss bei all seinen noch immer bedeutenden tänzerischen Fähigkeiten begreifen, dass es Zeit ist, den neuen Weg in die Verantwortung für das künstlerische Ganze einzuschlagen, dem er bisher auf seine unvergleichliche Art aus dem Wege getanzt ist.

Wunderschön formuliert!

Bleiben wir beim Ballett: Szenenwechsel nach Moskau

Im Eröffnungsreigen des sanierten Moskauer Bolschoi Theaters hat die größte Balletttruppe der Welt mit einer märchenhaften "Dornröschen"-Inszenierung eine frenetisch bejubelte Premiere gefeiert. Begleitet von viel Szenenapplaus bezogen die Tänzer Freitagabend die nach sechs Jahren Totalumbau wieder eröffnete historische Bühne.

Zur Musik von Tschaikowsky brillierten Primaballerina Swetlana Sacharowa als Prinzessin Aurora und als Prinz der US-Amerikaner David Hallberg, der als erster ausländischer Solist an dem Staatstheater verpflichtet wurde. Als Altmeister Juri Grigorowitsch am Ende die Bühne betrat, erhoben sich die Gäste mit "Bravo"-Rufen von ihren Sitzen für den Choreographen. Grigorowitsch hatte die Uraltchoreographie aus dem 19. Jahrhundert von Marius Petipa neu bearbeitet. Die Ballerinen trugen feine Stoffe in Pastellfarben, die Tänzer prächtig bestickte Obergewänder. Auch Kremlchef Medwedew, seine Frau Swetlana sowie der kasachische Staatschef Nasarbajew erhoben sich begeistert von ihren Plätzen in der Zarenloge. (Auszug aus der "Kleinen Zeitung")

"Die Zeit" thematisiert die Salzburger Festspiele und lässt ehemalige Festspielmacher zu Wort kommen, die eigentlich bloß Abrechnungen vornehmen. So sind sie halt, manche Künstler. Gar nicht so wenige übrigens: Von den Salzburger Festspielen sagen viele Beteiligte, sie seien das größte Kulturfestival der Welt. Von den Salzburger Festspielen sagen manche, die mit ihnen nichts oder nichts mehr zu tun haben, man könne dort nichts künstlerisch Wertvolles ausrichten. Salzburg sei »ein pervertiertes Sponsoren-Festival, inhaltlich völlig unbedeutend« – so spricht der ehemalige Direktor der Wiener Burg und jetzige Intendant der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler. In Salzburg habe man »Blei in den Schuhen«, sagt der vorzeitig nach Berlin gewechselte ehemalige Festspielintendant Jürgen Flimm: »Ich wollte Innovation, Fantasie. Die nicht.«

Wer einen Blick in die von Luxuslimousinen berstenden Felsengaragen der Stadt Salzburg wirft, ahnt die Probleme, die man als Künstler hier haben kann. Bachler hat es der Wiener Presse so gesagt: »Es sind zu viele Sachzwänge im Spiel, die ganz wenig mit Kunst und sehr viel mit einem beinharten Interessenausgleich zwischen Politik, Tourismus, Sponsoren und Philharmonikern zu tun haben.

Der türkische Pianist Fazil Say ist ein Extremmusiker, wie es nur wenige gibt. Jetzt h