Donnerstag 12.11.2009
An den Salzburger Festspielen kommen wir bei der Suche nach dem Top-Thema heute natürlich nicht vorbei. Gestern wurde nämlich das Programm für 2010 vorgestellt. Mitten drin: Anna Netrebko! Damit ist die Saison praktisch gerettet
und der Medienrummel garantiert.
Die Salzburger Festspiele feiern 2010 ihr 60-jähriges Bestehen. In der letzten Saison von Intendant Jürgen Flimm, der an die Berliner Staatsoper Unter den Linden wechselt, stehen vom 25. Juli bis 31. August 2010 etwa 180 Aufführungen. Eröffnet wird das Programm mit einer Neueinstudierung von Hugo von Hofmannsthals «Jedermann» mit dem neuen «Jedermann»-Darsteller Nicholas Ofczarek und Birgit Minichmayr als Buhlschaft, wie Flimm am Mittwoch in Salzburg mitteilte.
Die russische Sopranistin Anna Netrebko ist in einer Wiederaufnahme von Charles Gounods «Romeo et Juliette» als Juliette zu erleben. Einen gemeinsamen Auftritt mit dem mexikanischen Tenor Rolando Villazón soll es nicht geben. Der gerade von einer Stimmbanderkrankung genesene Künstler kommt nur zu einem Liederabend zusammen mit der Pianistin Hélène Grimaud nach Salzburg.
Aber Jürgen Flimm gönnt sich zu seinen letzten Festspielen noch einen zweiten weiblichen Star, diesmal dem Schauspiel entsprungen: Birgit Minichmayr. Sie ist die neue Buhlschaft - was allerdings bereits längst bekannt war.
Birgit Minichmayr
Die neue "Cosi fan tutte"-Produktion im Berliner e-Werk sorgt allein schon wegen Alfred Biolek für Aufsehen. Lesen Sie einen Auszug aus einem Interview mit ihm:
Berliner Morgenpost: Halten Sie diese neue "Cosi"-Produktion für genießbar?
Biolek: Man wird sie auf eine andere Weise genießen, als wenn man in die Staatsoper geht. Kürzlich habe ich mir in der Komischen Oper die "Armida" angeschaut, mit zwölf nackten jungen Männern auf der Bühne. Die Oper und erst recht das Theater haben sich doch in neue Richtungen entwickelt. Es ist alles ziemlich verrückt geworden.
Berliner Morgenpost: Ist es ein Verfall?
Biolek: Aber nein. Die Gesellschaft verändert sich ständig - und damit auch die Kultur. Die Entwicklung ist nie nur negativ oder nur positiv.
Von ungewöhnlicher Seite hat die New Yorker Met die Kleinigkeit von 7,5 Millionen Dollar erhalten: von einer britischen Vogelliebhaberin, die das New Yorker Opernhaus mit Büchern über die Vogelwelt im Central Park versorgt hat. Die Millionen sind eine Spende aus dem Erbe der mit 96 Jahren verstorbenen Britin Mona Webster. Ihre grosszügige Geste ist laut einem Bericht der «New York Times» Folge einer längeren Beziehungspflege. Frau Webster besuchte das Opernhaus zuletzt im Jahr 2000, liebte aber vor allem dessen samstägliche Rundfunkübertragungen. Von der Met erhielt sie Bücher über die Geschichte des Hauses und über die Vogelwelt im Central Park. Zudem versorgte sie die Met mit Langspielplattten ihrer Produktionen, da die nun Verstorbene über keinen CD- oder DVD-Spieler, sondern bloss über ein Grammopohon verfügte.
Ein musikalischer Erzähler: Der Geiger Daniel Hope
Der Geiger Daniel Hope hat nun ein Buch geschrieben: Im Buch Familienstücke forschte der Geiger der Familiengeschichte nach; es wurde trotz seines etwas umständlichen Stils zum Bestseller. Jetzt beschäftigt Hope sich in einem Buch mit dem Konzertalltag vor und hinter den Kulissen: Wann darf ich klatschen? will kein Knigge sein, sondern Appetit machen auf Konzerte und die Angst nehmen vor den vielen Regeln, die einst geschaffen wurden, um ein elitäres Publikum vom Plebs abzugrenzen
In Berlin dirigierte Daniel Barenboim das Jubiläumskonzert "20 Jahre Mauerfall": Das halbstündige Konzert beginnt mit Wagners „Lohengrin“, dem Vorspiel zum 3. Aufzug. Dass Komponisten-Urenkel Gottfried Wagner wetterte, Barenboim verhöhne mit dieser „chauvinistischen Kriegsaufputschmusik“ die historische Bedeutung des 9. November, stört den Generalmusikdirektor der Lindenoper nicht. Er schließt Schönbergs „A Survivor from Warsaw“ an, Mahnmusik gegen den Holocaust, mit Klaus Maria Brandauer als Sprecher.
Richard Wagners "Lohengrin"- Vorspiel (3. Akt) zum Jubiläum hat Daniel Barenboim also nicht gestört, trotz der gewichtigen Gegenstimme von Gottfried Wagner. Vielleicht fehlt es ihm auch an der nötigen Sensibilität dafür, er hätte unser Forum lesen sollen.
Oder gleich auf Gottfried Wagner hören sollen, der doch sicher der Kompetentere ist!
Zum Schluss kommen wir zu einem Clown (Originalzitat, prügeln Sie mich also nicht).
Michael Moore ist ein Clown. In einer der besseren Szenen seiner neuesten Doku-Collage "Kapitalismus: eine Liebesgeschichte" fährt er mit einem Geldtransporter vor eine der amerikanischen Banken, die nur dank einer Milliardenspritze, aufgezogen mit Steuergeldern, überleben konnten, und fordert sein Geld zurück. Das ist plakativ, gewiss, aber auch komisch, weil da Satire auf Wirklichkeit stößt und einer zum öffentlichen Ärgernis wird, nur weil er tut, was viele am Stammtisch fordern.
Und an anderer Stelle geht es weiter: Ein Aufklärer ist Moore also nicht, und Kapitalismuskritik gehen Kollegen wie Ken Loach in fiktiven Geschichten wie "It's a Free World" viel grundlegender an. Doch eines muss man dem Doku-Episoden-Häcksler Moore lassen: Er hat ein Gespür für Pointen und langweilt sein Publikum nicht.
Dabei ist dem Mann gerade sein Lieblingsgegner abhanden gekommen. Man hat es nicht leicht im Leben!
Ich wünsche einen schönen Tag! A.C.
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FREITAG, 13. November 2009
Michael Moore vor dem Capitol
Wie kommen Sie darauf, dass der Online-Merker ein Opernmagazin ist, gnädige Frau? Wegen des vom Print-Merker übernommenen Logos? Haben Sie unsere Filmseite noch nie gesehen, unsere Rubriken mit den CD- und Buchbesprechungen, unsere Hinweise auf Sprechtheater und Ausstellungen? Und wenn uns einmal ein interessantes Reiseangebot - wenngleich "nur" zu einem Sportereignis - ins Haus flattert, wird das auch veröffentlicht - je nach Laune des zuständigen Mitarbeiters! Das "Inserat" wird aber keineswegs bezahlt, wenn irgendwann eine Werbung im Online-Merker aufscheint, dann überlasse ich dessen Verrechnung großzügig dem Print-Merker. Ich schlage mich nicht im Ruhestand mit dem Finanzamt herum, das musste ich Zeit meines Berufslebens ohnedies ausgiebigst tun!
Das als Antwort zu einem Forumsbeitrag einer Leserin, die sich über die Netrebko-Omnipräsenz und über ein Reiseangebot unter "Aktuelles" beklagt.
Wenn die Salzburger Festspiele ihr Programm bekanntgeben, dann muss uns das eine Erwähnung wert sein. Und wenn Anna Netrebko als Aushängeschild der Festspiele dienen soll, dann darf ich doch ein Photo dieser attraktiven Frau einstellen? (wann sahen Sie das letzte Netrebko-Photo auf der Startseite - das ist schon längere Zeit her). Wen hätte ich in Bezug auf die Festspiele zu Startseiten-Photo-Ehren kommen lassen sollen? Jürgen Flimm? Damit mir der den ganzen Tag verdirbt? Nicht wegen der Optik, ich bin auch nicht schöner - und der Mann auf unserem heutigen Photo ist es auch nicht - aber ich stehe zu Vereinbarungen und Verträgen. Also kann ich mir vor dem Spiegel ins Gesicht sehen.
Der "Startseiten-Mann" hat auch mit Oper nichts zu tun. Es ist Michael Moore, der seinen neuesten Film über den Kapitalismus präsentiert. Politisch komme ich mit Michael Moore sicher nicht zusammen, aber ich bewundere, wie sich der Mann für seine Anliegen einsetzt, wie er sich den Glauben in die Politiker, der ihm unter dem früheren US-Präsidenten schon gänzlich abhanden gekommen war, doch noch bewahrt hat. Auch hier teile ich seine Meinung nicht, aber ich respektiere diese. Das Geld für seine Filme muss Moore selbst aufstellen, er wird also nicht von der staatlichen Förderung subventioniert und damit gekauft. Auch das nötigt mir Respekt ab. Aber damit hat es sich schon - was Michael Moore und mich betrifft!
Peter Konwitschny feiert ein fulminantes Come back!
Viel schöner als Jürgen Flimm und ich ist Peter Konwitschny auch nicht. Aber er ist ein Regisseur, der polarisiert. Deshalb ein Photo von ihm bei seiner Arbeit. Neben Schwächerem hat er aber auch schon hervorragende Arbeiten abgeliefert. Seine "Salome" in Amsterdam bekommt hymnische Kritiken: Peter Konwitschny, einer der bedeutendsten Musiktheaterregisseure der achtziger, neunziger und frühen zehner Jahre, einer der raren Ostkünstler zudem, die aus dem Wendegeschehen politisch-poetisch weithin leuchtende Funken schlugen, ist wieder da. Seit seinem Berliner „Land des Lächelns“ an der Komischen Oper 2007 hat er nichts mehr neu inszeniert. Wiederaufnahmen zwischen Barcelona und Tokio traten an die Stelle (und auf der Stelle), die schlimmsten Befürchtungen kursierten. Dass einer wie er sich an einer Welt der kaltschnäuzig abgeschafften Utopien und lähmend-lärmenden Fortschrittsdiktate erschöpft, konnte man sich vorstellen. Vier Jahre lang, so vertraute Konwitschny jetzt der holländischen Presse an, habe er unter einer schweren Depression gelitten. Von seiner Amsterdamer „Salome“ hing also sehr viel ab.
Zu den Depressionen kommen wir später. Nun Auszüge aus den Kritiken, die Sie zu Beginn unserer heutigen Presseschau lesen können: Die Szene zeigt einen Bunker, Schuhschachtel gewordene Ausweglosigkeit (Ausstattung: Johannes Leiacker). Schmuddelwände und geborstene Oberlichter lassen vermuten, dass es draußen auch nicht besser oder heiler zugeht. Die Entourage um König Herodes hält an einer langen Tafel ihr böses letztes Abendmahl ab, und wie Konwitschny (sich) deren Kaputtheiten ausmalt, damit müsste man eigentlich ein Problem haben. Herodes, der sich alle zehn Minuten einen ungelenken Schuss setzt? Herodias, seine Gattin, die es sich entweder von einem unterm Tisch oder von mehreren auf dem Tisch besorgen lässt? Die Juden, die sich mit rollenden Augen und rutschenden Hosen zu einer Massenvergewaltigung des toten Naraboth anschicken? Oje. Diese Art des Bühnenprekariats kennt man zur Genüge, gerne auch noch drastischer im Einsatz der diversen Körpersäfte. Mit und ohne Musik.
Dass Konwitschny sich bei seinem Comeback nicht als später großer Bruder eines Calixto Bieito entpuppt, liegt daran, dass er das Gezeigte als Gezeigtes bewahrt, am Herstellungs-, ja Ausstellungscharakter des Ganzen also keinen Zweifel lässt. Dieses Operngeschehen spiegelt nicht Realität, nicht Echtheit vor, es ist selber echt und real – nämlich Kunst, ein ins Bildhafte und damit ins Brutale, Perverse, Enthemmte gesteigertes Als-ob. Jeder Koitus bleibt hier lachhafte Rammelei, jeder Messerstich zielt weiträumig ins Leere. Vielleicht muss man als Regisseur auch 2009 noch von Brecht her kommen, um darin handwerklich so sicher zu sein und gleichzeitig so naiv.
Konwitschny ist im "Merker" höchst umstritten. Aber umstritten heisst gleichzeitig, dass er auch - zumindest von einem Teil - anerkannt ist. Es gibt Regisseure, für die sich niemand in die Redeschlacht wirft!
Nun kommen wir zu den angesprochenen Depressionen, aus denen Peter Konwitschny selbst nie ein Geheimnis gemacht hat. Seine Jugenderlebnisse mit dem dominanten Vater mögen Berufenere analysieren, aber ein Regisseur dieses Ranges hat natürlich auch Versagensängste. Wenn die "Salome" in Amsterdam schief gegangen wäre, hätte ich mir ernstliche Sorgen um Peter Konwitschny gemacht - und das ist jetzt nicht ironisch gemeint. Es handelt sich um Versagensängste, die auch den Fußballtormann Robert Enke in den Selbstmord trieben. Ein Welt-Niveau zu erreichen, ist eine Sache, dieses Niveau dann auch zu halten, ist eine andere! Und daran ist der junge Sportler gescheitert.
Ein besonders widerlicher Vergleich hat sich in unserem Forum abgespielt - und ich schäme mich stellvertetend für den uneinsichtigen "Diskutierer mit Tarnkappe" dafür. Der Mann meinte, der Sportler sei selbst schuld, denn er hätte ja auch Buchhalter werden können. Buchhalter haben zwar auch eine große Verantwortung, sind dem Stress aber doch nicht so unmittelbar ausgesetzt. Auch Frau Netrebko brauche sich über ihren Stress nicht zu beklagen, ein Sekretärinnenjob wäre für sie sicher aufzutreiben gewesen. Daraus folgere ich, dass Peter Konwitschny als Mitarbeiter der städtischen Müllabfuhr ein ganz ruhiges Leben führen könnte.
Nun, gottlob weilen Netrebko und Konwitschny noch unter uns Lebenden. Aber Robert Enke ist tot.
Dieser Forumsbeitrag war absolut unnötig. Aber Hauptsache, der Schreiber gibt sich ansonsten sehr "korrekt". Derartige Einzelschicksale sind für das System irrelevant! Außerdem war das nur ein Fußballer, der in unserer ach so elitären Opernwelt ohnedies nichts zu suchen hat!
Ich frühstücke bewusst erst jetzt, sonst hätte ich mich womöglich angekotzt.
Trotzdem wünsche ich einen schönen Tag!
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Freitag 14. November 2009
Der dezent geschmückte Herr ist Barrie KOSKY, seines Zeichens Regisseur, dessen RING-Inszenierung in Hannover heute mit dem "Rheingold" startet.
Ein Hurrikan ist unterwegs. Allerdings tobt er sich nicht im Freien aus, sondern fegt mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die Lobby eines Hotels hinter dem Hauptbahnhof, direkt ins Restaurant. „Ich muss was essen“, sagt der Hurrikan, der kurzgeschnittene Haare, einen ebensolchen Bart und ein Augenbrauenpiercing trägt.
Der Hurrikan heisst Barrie, ist in Australien geboren und lebt in Berlin. Dieser Barrie würde nie mit Richard Wagner auf ein Bier gehen, wenn der noch leben würde: Temperamentvoll wirkt der 42jährige, der 2012 die Leitung der Komischen Oper Berlin übernimmt. Und eigenwillig, wie gleich zu Beginn des Gesprächs deutlich wird, als er berichtet, dass Hannovers Intendant Michael Klügl ihm vor rund zwei Jahren den „Ring“ vorgeschlagen habe: „Ich wollte erst einmal darüber nachdenken“, sagt er über das Angebot, für das andere Regisseure mittelschwere Verbrechen begehen würden. Ein ausgesprochener Wagner-Fan ist Kosky nämlich keineswegs: „Ich mag „Tristan und Isolde’, das ist wirklich eine große Liebesgeschichte. Ich mag den „Fliegenden Holländer’. Und ich mag den „Ring’. Aber alle anderen Opern von Wagner finde ich schlecht. Und ich kann gar nichts mit dem Kult um seine Person anfangen, mit Bayreuth zum Beispiel.“
Überhaupt wird deutlich, dass Kosky und Wagner bei einer persönlichen Begegnung wohl kaum gute Freunde geworden wären: „Er war hinter den Frauen her und hat die Männer ausgenutzt. Und sein Antisemitisimus wird auch in den Opern immer wieder deutlich.
Das ist eine gute Empfehlung für Bayreuth, Wetten, dass Barrie Kosky bald in Bayreuth landet, um den dort herrschenden Macherinnen ein weiteres Alibi gegen die oppositionelle Familienbande zu schaffen? Barrie weiß, was Frauen wünschen!
Er findet also "Meistersinger, "Parsifal", "Lohengrin" und "Tannhäuser" schlecht. Nein, er meint nicht, dass er keinen Zugang zu diesen Opern findet und er sie deshalb nicht mag - er meint, diese Opern seien schlecht!!
Warum hat Barrie dann in Wien ein derart schlechtes Werk wie den "Lohengrin" gemacht? Wahrscheinlich hat er ihn vor Vertragsunterzeichnung noch gar nicht gekannt. Barrie bleibt sich übrigens treu, denn was er nicht mag, das macht er nicht gut. In Wien können wir uns von Barries Vernichtungsfeldzug gegen den Bayreuther Quotenkaiser bald trennen, weil Herr Dominique Meyer bereits eine Neuinszenierung im Auge hat. Wohl, weil ihm Koskys "Lohengrin" so gut gefällt!
Wir dürfen also davon ausgehen, dass Barrie Kosky die vier schlechten Wagner-Opern nie inszenieren wird!! Oder doch??? Barrie könnte einen Verbesserungsversuch starten. Vielleicht demonstrativ in Bayreuth!
Auch über sein Privatleben hält sich der Regisseur nicht bedeckt: In einer festen Beziehung lebt der Regisseur zur Zeit nicht, der aus seiner Homosexualität kein Hehl macht: „Ich bin Jude, ich bin schwul, und beides hat großen Einfluss auf mein Leben.“
Solches würde mich nur interessieren, wenn es einen Zusammenhang mit seinem "Ring" in Hannover hätte. Hat es das? Wann werden wir es erfahren? Gewiss nicht beim Rheingold. Vielleicht wissen wir es nach der Götterdämmerung, vielleicht aber auch nie!
Ich will aber nicht ungerecht sein. Barrie Kosky kann wirklich auch ein guter Regisseur sein. "Kiss me, Kate" an der Komischen Oper Berlin ist ein echter "Renner" und gut inszeniert. Und gar so katastrophal finde ich seinen Wiener Lohengrin auch wieder nicht, da habe ich schon schlechtere Arbeiten erlebt. Aber warum inszeniert Barrie Kosky Werke, die er nicht mag??? Wegen des schnöden Mammons? Aber doch nicht Barrie! Will er Altvater Richard strafen, weil der Frauen nachgelaufen ist? Schon eher Barrie!
In Salzburg werden politisch die Weichen für das neue Zweierdirektorium gestellt. Helga Rabl-Stadler bleibt weiterhin Festspiel-Präsidentin und nimmt der Agenden des kaufmännischen Leiters zu ihren bisherigen dazu. Das soll sich mit 20 % Gagenauffettung niederschlagen. Das ergibt eine Ersparnis für die Festspiele, weil man einen Arbeitsplatz wegrationalisiert. Wenn sie diesen Vollzeitjob mit übernehmen kann, frage ich mich allerdings, was sie bisher gemacht hat!
Diana Damrau
Die Dame im Harlekinskostüm ist Diana Damrau. Sie hatte nun eine neue CD auf den Markt gebracht:
Seit der Architekt Adolf Loos Ornament und Verbrechen gleichsetzte, haben Verzierungen auch in der Musik den Beigeschmack von überflüssigem Firlefanz. Koloratursoprane werden für ihre Technik bewundert, und viele von ihnen geben sich mit Nachtigallengezwitscher zufrieden, dem es an Seele gebricht.
Diana Damrau ist die rühmliche Ausnahme. Sie lässt es glitzern, vernachlässigt aber über den Koloraturen die Färbung nicht. Weil sie bei jedem Stück eine andere Figur auf die Bühne stellt, ist ihre neue Arienplatte mehr als eine übersüße Pralinenschachtel
In Zeiten der Rationalisierung müssen auch Journalisten in anderen Abteilungen aushelfen. So dürfte etwa ein Sportreporter in der Kulturabteilung gewerkt haben und dort den bemerkenwerten Satz "Heldentenor singt Wagners Liebesdrama" als Titelzeile gewählt haben. Es handelt sich um "Tristan und Isolde" in Mannheim. Bemerkenswert der Untertitel: "Robert Dean Smith und Franz Hawlata treten in Tristan und Isolde auf". Hoffentlich singt der bayerische Franz nicht die Isolde!
Thomas Hengelbrock ist derzeit oft in München und arbeitet mit den dortigen Orchestern. Für die Philis wäre er ein heißer Chef-Tipp, aber er tritt demnächst anderswo ein Festengagement an. Hengelbrock ist nicht so gestrickt wie etwa unser Jürgen aus Salzburg!
Im Wiener Burgtheater hat Sonntag "Der Zauberer von Oz" Premiere. Regie führt Annette Raffalt. Diese ist die Schwester des Burgtheaterdirektors und folgt dem von Engagement zu Engagement. Die Bearbeitung für das Burgtheater besorgte Peter Raffalt, also Hartmanns Schwager. Unser Burgtheaterdirektor ist somit ein echter Familienmensch. Nicht dass ich das kritisieren würde, ich erwähne es bloß. Ich bin selbst in einem Familienbetrieb aufgewachsen. Allerdings hat den meine Familie selbst finanziert!
In Berlin hat Frank Castorf Friedrich von Gagerns "Ozean" uraufgebrüllt!! Sie haben sich nicht verlesen und ich habe mich nicht vertippt, es steht exakt so in unserer Presseschau.
Mit den besten Wünschen für ein schönes Wochenende verbleibe ich mit Grüßen
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Sonntag 15.11.2009
Koskys Götter im "Rheingold" / Hannover. Wotan, Fricka, Freia, dahinter Donner und Froh
Aus Hannover haben wir noch keinen Bericht über die "Rheingold" - Premiere, dem Start zu Koskys "Ring", anzubieten, wohl aber über die Wiener "Götterdämmerung" (mit dem fulminanten Rollendebüt von Elisabeth Kulman als Waltraute, auf die wir noch später zu lesen kommen) vom gestrigen Abend. Wien funktioniert eben besser als Hannover! Dafür haben wir im Zusammenhang mit Koskys Ring-Deutung ein Video anzubieten, in dem der etwas exzentrische Regiekünstler seine Sicht auf Wagners Ring erklärt.
Es ist ein Phänomen: da schwimmt einer gegen den Zeitgeist - und kommt trotzdem bei den Leuten gut an. Vielleicht gerade deswegen - weil die Masse viel zu feig dafür ist und ihr Handeln noch für mutig hält!
Die Rede ist von ihm:
Christian Thielemann
Vor ein paar Jahren wäre das so nicht möglich gewesen. Das Publikum hätte zwar genau so gejubelt. Aber dass die deutsche Großkritik tief Luft holen würde, um solcher Begeisterung noch journalistisch unterzuzünden, das hätte niemand zu prophezeien gewagt: Christian Thielemann ist zum Liebkind aller geworden, obwohl er wider den Stachel zeitgeistiger Ästhetik löckt.
Und dass das dann gar nicht dick und fett, sondern zum Teil elegant und durchwegs höchst transparent zugehen kann, wenn ein Dirigent sein Handwerk versteht und die Musiker mit Feuereifer bei der Sache sind, das beweisen die Wiener Philharmoniker im Rahmen ihres Beethoven-Projekts mit Christian Thielemann. Dessen deklariertes Vorbild heißt Wilhelm Furtwängler, nicht David Munrow. Das hört man auch, gottlob...
Und abschließend: Wer die Rückkehr alter Klischees fürchtet, überhört gern, wenn neue ausgetrieben werden.
Ich eigne mich nicht zum Fan. Das habe ich mehrmals an dieser Stelle geschrieben. Vielleicht werde ich doch noch zum Thielemann- Fan. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern! (Zitat Konrad Adenauer).
In unserer "Götterdämmerung-Kritik behauptet die Rezensentin, Franz Welser Möst sei hübscher als Christian Thielemann. Das ist natürlich die subjektive Sicht "einer einzelnen Dame", da wird es sicherlich auch noch andere Wertungen geben!
Bei der erwähnten Wiener "Götterdämmerung" gab Elisabeth Kulman ihr Debüt als Waltraute. Aus diesem Anlass erschien ein Interview mit der Senkrechtstarterin.
Elisabeth Kulman
Riccardo Muti hat die österreichische Mezzosopranistin Elisabeth Kulman als Glucks „Orfeo“ erwählt: Am 31. Juli 2010 hat die Inszenierung Dieter Dorns bei den Salzburger Festspielen Premiere. Ein Höhepunkt in der Laufbahn der jungen Künstlerin, die ihre Karriere bemerkenswerterweise als Sopran begonnen hat und nach manch inneren und äußeren Kämpfen zum Star in der tieferen Stimmlage wurde.
Die Karriere begann nach dem Stimmwechsel von Sopran zu Mezzo. Einige Jahre davor hätte sie jeden Lehrer verlassen, der ihr das einreden hätte wollen.
Als ich dann gemerkt habe, dass es so nicht weitergeht, ist eine Welt zusammengebrochen. Was macht man mit dem depperten Cherubino? Mit dem Octavian, wenn man Marschallin im Herzen ist? Dann hat man mich aus der Volksoper rausgeschmissen. Ich bekam unbändige Lust auf die tiefen Altpartien im Konzertbereich. Es war ja eine Lust, plötzlich zu spüren, wie viel Saft da kommt!
Der "online-Merker" hat den Weg dieser Sängerin von Anfang an begleitet - sie wiederum gehört zu den täglichen Lesern dieser Site. Erst diese Woche hat sie Kritiken aus den Dreißiger- und Vierziger Jahren, die sie von irgendwem "geerbt " hat, dem Merker-Archiv zur Verfügung gestellt! Und ich habe ihr auch bereits vor Jahren in einer privaten Mail geschrieben, was mir nicht gefallen hat. Sie war nicht beleidigt. Viel Erfolg weiterhin, auf dem Weg nach ganz oben ist sie nicht mehr aufzuhalten. Echte Stars sind aus diesem Holz geschnitzt!
Besagter Riccardo Muti (der Kulman nach Salzburg geholt hat), wurde in Amerika "Musiker des Jahres" gewählt. Dort gibt es auch so eine Art "Opernwelt", also eine Zeitung, die sich wichtiger macht, als sie ist. Die hat ihn gekürt - und natürlich auch Elina Garanca als "Sängerin des Jahres". Kein Sieger-Gruppenbild ohne Elina Garanca!
Der österreichische "Volksschauspieler" Hans Moser hatte unter den Nazis mit seiner jüdischen Frau große Probleme. Weil nun ein Zwerg (im Vergleich zu Hans Moser) ein Geschäft wittert, outet er Hans Moser in einem Theaterstück als Nazi, betont aber gleichzeitig, dass der Schauspieler wohl nur ein Mitläufer war. Wozu also dann diese Leichenfledderei? Scheinheilig, letztklassig, "zum Speiben"! Zeitgeistig??
Als "zelotisch und arrogant" bezeichnet eine unser Forumsdiskutantinnen die "Merker" aus den Gründungstagen der Zeitung! Dem Online-Merker kann man das wohl nicht vorwerfen. Wenn Sie wissen wollen, wer "zelotisch und arrogant", dazu auch noch selbstgerecht und weiß Gott noch was ist, dann machen Sie einen Blick in das Forum. Oder noch besser, lassen Sie es bleiben, wenn Sie keinen guten Magen haben! Werte Zerstörer! Das Forum können Sie umbringen, um das ist wirklich nicht schade! Den Merker können Sie nicht umbringen, denn das haben schon einige unter Ihnen versucht und sind kläglich gescheitert. Ich habe zum Beispiel ein Jahresabo einer solchen Konkurrenzzeitung bezahlt - aus Interesse. Man will ja schließlich wissen, was die Konkurrenz macht. Nach 3 Monaten war Schluß, mein Geld futsch! Ein ordentlicher Konkurs wurde nie abgewickelt. Wissen Sie, wie man so etwas strafrechtlich nennt? Verbrüdern Sie sich mit solchen Leuten, den Online-Merker bringen Sie nicht um. Dazu sind meine Mitarbeiter viel zu gut!
Abschließend komme ich zu einer Bitte in eigener Sache: unsere Chefredakteurin (Merker-Heft), Dr. Sieglinde Pfabigan, feiert just zu Silvester einen runden Geburtstag. Die Mitarbeiter wollen ein Geburtstagskonzert veranstalten, prominente Künstler haben ihre Mitwirkung zugesagt. Leider steht die Villa Wertheimstein nicht zur Verfügung. Wir suchen daher einen kleinen Saal (ungefähr für 50 Personen), in dem ein Klavier steht und den wir für diese Veranstaltung anmieten können. Wenn es am 31.12, nicht möglich ist, könnten wir eventuell auf den 30.12. ausweichen! Wer behilflich sein kann oder bloß eine gute Idee hat, möge sich bitte mit baldi@tele2.at in Verbindung setzen!
Herzlichen Dank und einen schönen Sonntag
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Samstag 16. November
Ich fürchte, dass es die heutige Kolumne wieder "in sich" haben wird. Was ich meine, wissen allerdings nur die Leser unseres Diskussionsforums. Ich muss mich dort fallweise für meine Äußerungen rechtfertigen, was in diesem "Geschäft" unüblich ist. Im Normalfall legen Kolumnisten einen "Leserbrieftag" ein, lassen sich dort kritisieren bis beschimpfen, rühren kein "Ohrwaschel" und haben weiters keine Arbeit damit. Das Wissen, dass Diskussionen nichts bringen, haben mir diese erfahrenen Kollegen voraus. Lesen Sie die Klassiker unter den Kolumnen einmal durch, da wird oft auf Provokation gesetzt, ansonsten erfüllt das morgendliche Geschreibsel keinen Zweck. Beschimpft wurde ich allerdings noch nie, da haben unsere Forumsdiskutierer denen von anderen Zeitungen schon etwas an Niveau voraus. Danke! Ich werde aber auch um praktische Tipps gebeten. So nahmen zwei Leser auf die Mittwoch-Kolumne Bezug und wollten wissen, wie man zu solchen Polit-Jobs kommt, bei denen Sitzungen bis in die frühen Morgenstunden die Normalität sind. Der Hintergedanke ist mir schon klar: die Gattin soll die nächtlichen Termine nicht überprüfen können, da bei derartigen Anlässen natürlich "Handy-Verbot" herrscht. Ich habe privat - hoffentlich zur Zufriedenheit - darauf geantwortet.
Aber kommen wir zur erfreulichsten Nachricht des Tages: Rolando Villazon plant bereits seine Rückkehr auf die Opernbühnen der Welt!: Der mexikanische Star-Tenor Rolando Villazon wird im kommenden Jahr wieder auftreten. "Meine Stimme ist zurück", sagte der 37-Jährige in einer Videobotschaft auf seiner Internetseite RolandoVillazon.com. Welche Rolle er nun tatsächlich für seine Rückkehr auf die Bühne auswählt, werde er "sehr bald" mitteilen, kündigte Villazón an. "Ich bin sehr, sehr aufgeregt."
Der Regisseur Achim Freyer sieht in der Herausforderung und der Gefahr den Reiz des Theaters. Er gewährt auch Einsichten in seine Denkweise: Also, ein Beispiel: Ich habe mir zuletzt einige Inszenierungen des „Rings“ angesehen. Und bei diesen Aufführungen hatte ich nicht das Gefühl, dass die Regisseure viel über das Stück wissen. Das ist technisch auch fast gar nicht möglich. Weil die meisten großen Theaterregisseure haben den Beruf Theater zu machen, die machen im Jahr zwei, drei Inszenierungen - wie soll man es da schaffen, sich für einen Ring vorzubereiten? Das braucht Jahre.
Da ich mich damit jetzt schon vier Jahre mit dem „Ring“ beschäftige weiß ich ein bisschen was in diesen Stück steckt und steht. Und ich habe natürlich auch das Anliegen über vieles davon zu sprechen, meine Erfahrung einzubringen und zur Diskussion zu stellen. Da geht es aber auch um meine Mitarbeiter, die ich dafür über die Jahre verpflichtet habe, die Anstöße gegeben haben, die ich weiter verarbeitet habe. Das sind große kollektive Prozesse, die so eine Art Theater braucht.
Aha, die Regisseure lassen bei Mitarbeitern denken! Sie beschäftigen einen ganzen Stab - wie ein Firmenchef! Praktisch ist, dass man im Falle des Scheiterns auch gleich einen Sündenbock zur Hand hat. Man lernt immer wieder dazu!
28 Dirigenten aus aller Welt setzen sich zusammen mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden und ihrem Chef Fabio Luisi für ein neues Konzerthaus in Dresden ein. Schon Richard Wagner habe als Kapellmeister der damaligen Hofkapelle darauf hingewiesen, schreibt die Staatskapelle, dass ein adäquater Konzertsaal in Dresden fehle. An diesem Zustand habe sich bis heute nichts geändert. Unterzeichnet ist der Aufruf von Fabio Luisi, Christian Thielemann, Sir Colin Davis, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Otmar Suitner, Daniel Barenboim, Pierre Boulez, Riccardo Chailly, Christoph von Dohnányi, Charles Dutoit, Christoph Eschenbach, Daniele Gatti, Valery Gergiev, Daniel Harding, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Paavo Järvi, Vladimir Jurowski, James Levine, Sir Charles Mackerras, Zubin Mehta, Kent Nagano, Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin, Seiji Ozawa, George Prêtre und Esa-Pekka Salonen.
Der Initiator ist Fabio Luisi, der die Dresdner auch deswegen verlässt, weil es in Zürich mehr zu "cashen" gibt. Das ist wieder ein Fall für unser Forum, wo die Meinungen über solche Vorhaben in schwierigen Zeiten geteilt sind. Es liegen aber sicher Zahlscheine für dieses Vorhaben auf, Sie können mit gutem Beispiel vorangehen, meine Herren! Zumindest jene von Ihnen, die in Deutschland keine Steuern bezahlen!
"The Vocal Octet" aus Israel debütieren in Wien
Warnung an alle Wiener: In den Gassen und Straßen wird geträllert und geröhrt, von den Balkonen gesummt und in den Konzertsälen gesungen: Bei der Voice Mania tönt von 6. November bis 6. Dezember wieder Stimmgewaltiges durch die Stadt."Einen Monat lang erheben heimische und internationale Solisten und Gruppen ihre Stimmen. Beim größten a capella Festival des Landes verammeln sich die weltbesten Stimmakrobaten in Wien und überraschen die Zuhörer mit Ohrenschmaus der besonderen Art. Im zwölften Jahr holt Voice Mania rund um Festivalleiterin Nuschin Vossoughi besonders viele swingende, groovende und rockig-poppige Künstler nach Wien und garantiert damit Stimmgewaltiges.
Jetzt komme ich in eigener Sache zu Ihnen. Nein, meine Rheingold-DVD aus Valencia habe ich bereits. Danke! Als ich vor vielen Jahren noch selbst Rezensionen verfasste und mich der strengen Zensur der Redaktionskonferenz beugen musste, warf Inge M. Scherer eine meiner Formulierungen gnadenlos raus. Sinngemäß hatte ich geschrieben, dass ich den Tenor X als Don Carlo gar nicht so schlecht fand, weil mir das aufgesetzte intellektuelle Gehabe des Tenors Y (als Don Carlo, wohlgemerkt), den dieser x damals als Einspringer ersetzte, schön langsam auf die Nerven geht.
Mehr habe ich nicht gebraucht! "Der Y war doch in der Vorstellung gar nicht dabei, wie kannst Du ihn also abfällig beurteilen". Gut, ich habe das zur Kenntnis genommen. Was aber hat Ioan Holender getan (siehe Kolumne von gestern). Er wollte den Vertreter einer politischen Partei (die er vielleicht für seinen zweites Leben nach der Wiener Oper noch brauchen kann) wegen eines von diesem gebrauchten Vergleiches kritisieren, hat aber dazu eine andere Partei, die in diese Sache überhaupt nicht involviert ist, vorgeschoben. Ganz schön mutig, Herr Direktor! Die Chuzpe an der Sache ist aber, dass ich dafür in unserem Forum einen Rüffel einstecken musste, als ich diese Vorgangsweise vorsichtig kritisiert habe. Jetzt verstehe ich die Welt wirklich nicht mehr. Zuerst so, nun wieder so, es gibt tatsächlich Privilegierte in unserem Land, die dürfen, was ich nicht darf!
Unter'm Strich beginnt es gar nicht lustig. Meine deutschen Freunde, das sollte Euch zu denken geben. Es geht um die "Migration der Ossis": Mindestens zwei Erkenntnisse konnte man aus der Sendung mitnehmen. Erstens: Je länger ein im Westen und ein im Osten Aufgewachsener miteinander reden, desto weiter entfernen sie sich voneinander. Zweitens: Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall gibt es mindestens zwei Geschichtsdeutungen. Viel Erfolg bei neuen Integrationsversuchen, aber bringt zuerst diese Sache halbwegs in Ordnung!
Irgendwie bleiben wir beim Thema: Zu den großen nationalen Traumata der Deutschen gehört neben Drittem Reich, Wembley-Tor und jetzt Opel-Verkauf sicherlich auch David Hasselhoff. Wie viele mühsam im Ausland angebahnte Gespräche liefen doch auf diesen einen Satz hinaus: "Bei euch ist Hasselhoff noch immer ein Star!" Schuld daran war der Erfolg seines Songs "I've Been Looking for Freedom", der zurzeit der Wiedervereinigung die deutschen Charts dominierte.
Der deutsche Geschmack wird also angezweifelt. So eine Gemeinheit! Der Hasselhoff interessiert mich weniger, ich will Sie vielmehr mit dem angesprochenen "Wembley-Tor" nerven: Als Wembley-Tor wird im Fußball ein Lattentreffer bezeichnet, bei dem der Ball von der Unterkante der Torlatte nach unten springt und dabei die Torlinie möglicherweise nicht überschreitet und anschließend wieder ins Spielfeld springt. Nach derartigen Spielszenen ist es oft umstritten, ob der Ball im Tor war oder nicht.
Das umstrittenste Tor der Fußballgeschichte (1966). Man beachte, wo der Linienrichter Bachramov steht!
Entstanden ist der Begriff durch den irregulären Treffer von Geoff Hurst zum 3:2 (Endstand 4:2 n.V.) in der 101. Minute des WM-Endspiel von 1966 zwischen der Englischen Fußballnationalmannschaft und der Deutschen Fußballnationalmannschaft im alten Londoner Wembley-Stadion am 30. Juli 1966. Nachdem Hurst den deutschen Torwart Hans Tilkowski überwand, entschied der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bəhrəmov auf Tor. Die Kommunikation erfolgte nur mittels Zeichensprache, da Bəhrəmov nur Aserbaidschanisch und Russisch sprach und die beiden Schiedsrichter so keine gemeinsame Sprache zur Verständigung hatten.
Dieses Tor ist eines der größten Mysterien der Sportgeschichte geblieben. Trotz des Einsatzes modernster Techniken ist bis heute nicht feststellbar, ob der Ball tatsächlich in vollem Umfang die Torlinie überschritten hat. Der Linienrichter Bachramov aus Aserbaidschan hat sich mit seiner Entscheidung auf Tor unsterblich gemacht, nach 43 Jahren diskutiert man noch über diesen Treffer, den der Schweizer Schiedsrichter Dienst dann zwangsläufig anerkennen musste. Beide Schiedsrichter sind längst verstorben, über ihre Entscheidung wird weiterhin diskutiert. Dabei stand Herr Bachramov, wie man obigem Photo entnehmen kann, sogar sehr ungünstig, nämlich diagonal zum Tor. Aus dieser Perspektive will er genau gesehen haben, was modernste Technologien bis heute nicht zweifelsfrei feststellen können. Er hat etwas gesehen, das es nicht gegeben hat. Für solche Wahrnehmungen kann man auch in die Klapsmühle kommen. Schiedsrichter Dienst hat nach mehrmaligem TV-Studium dieses berühmten Tores seine Karriere beendet.
Warum hat niemand eine Oper aus diesem Stoff gemacht? Das wäre doch ein Kassenschlager geworden. Könnte ich komponieren, weiß Gott, ich würde dieses Tor vertonen!
Schön, dass ich es nicht kann. Deshalb wünsche ich einen schönen Tag!
A.C
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Dienstag, 10.11.2009
Heute ist Schiller-Geburtstag. Ein politischer Dichter. Kunst und Politik sind nicht zu trennen. Auch wenn Weltfremde das glauben
Hier aus dieser Kolumne soll Politik aber verschwinden (wir reden nicht von Parteipolitik, denn die findet ohnedies nur im Forum statt). Das geht nicht. Wenn der Sänger Christian Gerhaher Investitionen in renovierungsbedürftige Kirchen mit Subventionen in Theater vergleicht, dann ist das ein politisches Thema. Man muss ganz einfach dazu sagen dürfen, dass bei Renovierungsarbeiten die investierten Summen gezielter in die jeweilige wirtschaftliche Situation investiert werden können, dass kontrollierbarer ist, in welche Regionen die Summen fließen und wo das Geld auch Arbeitsplätze schafft. Das festzulegen, ist Aufgabe der Politik. Und wenn ein Schreiber dieser Meinung in unserem Forum für diese Aussage voraussichtlich wieder als Idiot oder Schlimmeres abgestempelt wird, dann darf es nicht wundern, wenn sich niemand das antut! Weil meine Bemühungen, für diese Startseite zu einer Lösung zu kommen, weisen nur bescheidene Erfolge auf. Niemand will sich teils sogar bösartiger Kritik (die konstruktive und ehrlich gemeinte ist die nicht gemeint - aber es ist wie bei einer Studentendemo: zuerst demonstrieren jene, denen das ein ehrliches Anliegen ist - und dann kommen professionelle Krawallmacher dazu und übernehmen das Kommando). Deshalb ergeht ein Aufruf an alle Leser: Wer ein interessantes und aktuelles Thema anzubieten hat, ist eingeladen, dies hier zu tun. Reiseberichte brauchen wir allerdings keine! Wir brauchen Themen, die sogar spalten, denn sonst bringt das überhaupt nichts!
Er/Sie muss sich allerdings gewärtig sein, wegen eines einzigen Wortes (wie bei Kollegin Dr. Wagner und natürlich mir) kritisiert und in verschiedenste Ecken geschoben zu werden.
Theater an der Wien: DER PRINZ VON HOMBURG mit Christian Gerhaher- die Premiere steht bevor
Christian Gerhaher gab ein Interview. Der Vergleich Kirchen/Theater wird bereits oben kurz behandelt, die Aussage, dass Sport kein gesellschaftliches Ereignis ist, ist zumindest diskussionwürdig. Ich verbrenne mir in dieser Situation diesbezüglich nicht die Finger. Früher hätte ich geschrieben "wahrscheinlich war er vom Turnen befreit"!
In Weimar steht eine Rigoletto-Neuproduktion mit dem neuen Met-Star Georg Gagnidze auf dem Programm. Drei Berichte sind bereits online!
Dass in den USA ein weiteres Orchester finanziell "baden geht", wäre bei uns ebenfalls ein politisches Thema. In den USA ist es das nicht.
In den Tagesinfos finden Sie drei Photos zu den "Meistersingern" in Hildesheim. Hans-Peter Lehmann schuf eine stinknormale Inszenierung, hat jedoch die heiklen Textstellen entfernt, wegen denen das Finale oft entstellt wird (siehe unsere Kritik). Vor einigen Wochen habe ich eine diesbezügliche Anregung gegeben - jedoch keine Reaktionen geerntet. Interessant ist aber Hans-Peter Lehmanns Begründung: Cosima Wagner habe ihrem Richard diese Textstellen förmlich untergejubelt. Wir haben es also offenbar mit einem Gedankenleser zu tun, ähnlich einigen Forumsdiskutierern. Warum macht Her Lehmann sich nicht zum Vater dieser Idee. Wenn ich es selbst schon angeregt habe - ohne von Herrn Lehmann zu wissen, kann zumindest ich es nicht schlecht finden
Der "Päpstin"-Film spielt derzeit mehr ein als die Jacko-Restelverwertung!
Soweit in Kürze die wichtigsten Themen der Presseschau.
Ich erwarte Ihre Vorschläge auf mein Angebot. Honorar gibt es freilich keines, Sie müssen allerdings nicht - wie ich - beträchtliche Summen dazulegen!
Schönen Tag! A.C.
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Mittwoch 11.11.2009
Auch wenn das heutige Startseiten-Titelbild Renée Fleming gewidmet ist, haben wir andere Themen zu behandeln. Über das Fleming-Konzert können Sie in der Presseschau lesen!
Den Gedanken, dass diese Startseiten-Kolumne von verschiedenen Schreibern gestaltet wird, habe ich nicht aufgegeben - im Gegenteil - ich sehe keine unüberwindbaren Hindernisse. Wir haben am 25.11. in der Wiener Gozagagasse (Restaurant Retsina, um 18,30h) einen Treff der Forumsdiskutierer, da kann jeder dazustoßen, der einen konstruktiven Beitrag dazu leisten kann. Es geht mir nicht darum, meiner Meinung zum Durchbruch zu verhelfen - hier sollen auch andere Meinungen Platz finden. Unter der Anonymität geht das natürlich nicht, der Autor muss zu seinem Wort stehen.
Zu unserer aktuellen Forumsdiskussion passt haargenau eine Meldung aus Berlin. Bekanntlich hat Wagner Urenkel Gottfried das Musikprogramm zu den Mauerfall-Feiern kritisiert - und natürlich Wagner wegreklamieren wollen: An den Klängen kann es nicht gelegen haben. Das G-Dur-Vorspiel zum dritten Aufzug der romantischen Oper "Lohengrin" zählt zum Aufwühlendsten, was sein Schöpfer je zu Papier brachte. Allein, dem Urenkel des wohl deutschesten aller Komponisten gereichte die Ankündigung, dass eben dieses zauberhafte Stück Musik ausgewählt worden war, um das Berliner "Fest der Freiheit" anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls zu eröffnen, zu einem geharnischten musikpolitischen Kommentar.
Mit der Entscheidung, "diese chauvinistische Kriegsaufputschmusik des militanten Antisemiten Wagner" ins Programm zu nehmen, wetterte Wagner, werde die historische Bedeutung des 9. November verkannt und verhöhnt. Dieser Tag sei eben nicht nur das Datum des Mauerfalls, sondern auch der Reichspogromnacht anno 1938. Das "Lohengrin"-Vorspiel, so Wagner weiter, sei eindeutig die musikalische Einstimmung auf die dritte Szene, in der es um die kriegerische Vision eines deutschen Nationalstaates geht: "Für deutsches Land das deutsche Schwert! / So sei des Reiches Kraft bewährt!" Das Wunder des 9. November 1989 aber bestehe genau darin, dass dieser Tag friedlich, mithin ohne das "deutsche Schwert" über die Bühne gegangen sei.
Ungeachtet der Tatsache, dass der Musikologe Wagner außer Acht ließ, dass es in der Geschichte zwei weitere bedeutsame 9. November gegeben hat (die Ausrufung der Republik 1918 sowie den Hitler/Ludendorff-Putsch 1923) und dass gerade die "Lohengrin"-Rezeption einige triftige Werkkommentare auf die Bühne gehievt hat (unter anderem durch die Regisseure Peter Konwitschny, Stefan Herheim, Andrea Moses), wurde doch wieder einmal zweierlei deutlich: dass, erstens, die Causa Richard Wagner noch lange nicht abgeschlossen ist und dass, zweitens, Luigi Nono Recht hatte, als er proklamierte, alle Musik sei politisch.
Soviel zur Forderung. "Politik raus aus den Kommentaren"
Und gleich geht es hochpolitisch weiter, der Kulturhauptstadt-Partner von Linz, Vilnius, hat sich mit dem ehrgeizigen Projekt übernommen und ist pleite. Die Bürger von Vilnius können nun die Folgen des Größenwahns einiger Politiker ausbaden, die Vilnius dieses Projekt eingeredet haben. In Österreich wäre eine derartige Pleite nicht möglich - "zahlt eh alles der Staat", auf die Linz-Bilanz bin ich freilich schon gespannt. Aber die wirkliche Bilanz werden wir nie zu Gesicht bekommen!
Der Online-Merker weitet sich dort aus, wo er tatsächlich Qualitätsvolles anzubieten hat. Zum Beispiel Sprechttheater - übrigens hochpolitisch - kein Vergleich mit Oper. Solange wir Experten aufzubieten haben, ist auch Sprechtheater für uns ein Thema. Das Kerngeschäft muss freilich Musiktheater bleiben. Aber die "Gefahr" einer immensen Ausweitung des Sprechtheaters ist nicht gegegeben, denn es genügt nicht, ein "Theaterfreund" zu sein, beim Sprechtheater muss man Experte sein - oder das Programmheft abschreiben, wie es in manchen ach so klugen und qualitätsvollen Tageszeitungen geschieht. Der Merker wird von "Opernfreunden für Opernfreunde" gestaltet, manchmal merkt man, dass die Qualität des Geschriebenen mit der Euphorie des Schreibers nicht mithalten kann. Aber auch das ist das Liebenswerte an diesem Medium, wir schreiben nicht für Musikwissenschaftler (da hätten wir 20 Zugriffe pro Tag). Beim Theater kann man aber gewaltig auf die Seife steigen, wenn man sich nicht ganz in die Materie vertieft hat. Wie gesagt, man soll die Feste feiern, wie sie fallen - dies sei jenen gesagt, die zuviel Sprechtheater in dieser Website orten.
Aber wir bieten auch anderer guter Musik Platz, es muss nicht nur immer Oper sein. Über die 50 gängigen Opern in immer wieder wechselnden Inszenierungen zu berichten, ist mir zuwenig. Also blicken wir auch etwas über den Zaun:
Die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall wirkte früher ziemlich unterkühlt. Diese Zeiten sind nun vorbei. Foto: Maxwell/Universal
Diana Krall konzertierte in der Philharmonie München. Womit wir das Photo einer zweiten attraktiven Frau auf dieser Startseite platziert habe. Den Konzertbericht finden Sie in der Presseschau.
Schillers Geburtstag ist auch am Tag danach noch ein Thema.
Auch sämtliche Berichte, die "unter'm Strich" ihren Platz fanden, sind den Kulturspalten, nicht den Politikseiten entnommen. Wie auch das für Aufregung sorgende Spiegel-Zitat in der Vorwoche. So lesen Sie, wie die "Mauer-Feiern" in Berlin die Stadt wieder kurzfristig geteilt haben und wie sich in Istanbul die Reichen vor Kriminellen schützen. Hoffentlich ändern die Zeitungen nicht wieder die Zitate, falls bei denen unsere Forumschreiber protestieren. Meine Deadline ist 6 h früh!
Auch wenn ich dafür kritisiert werde, diesmal muss ich wieder das Thema Fußball anschneiden. Der deutsche Nationaltorwart Robert Enke ist freiwillig aus dem Leben geschieden - ein unfassbares Drama. Ein junger Mann, gut aussehend, körperlich gesund, keine finanziellen Sorgen, extrem erfolgreich im Beruf, Familienvater etc., wirft sich vor einen Zug.
Daran erkennen wir, wie lächerlich unsere eigenen Probleme sind. Und wenn jetzt einer in unserem heute schon oft erwähnten Forum "nur ein Fußballer" schreibt, weiß Gott, dann laufe ich Amok. Das verspreche ich!
Schönen Tag!
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Dienstag, 17.11.2009
Franz Welser-Möst ist Dirigent des Wiener "RING" und wird umjubelt
Hymnische Kritiken begleiten den Wiener Ring, der seinen ersten Durchlauf hinter sich hat. Der Dirigent wird vorbehaltlos von allen Rezensenten gelobt - vom Publikum sowieso. Welser-Möst ist ein Künstlername, wissen Sie das? Eigentlich heißt der Maestro Franz Möst - und stammt aus Wels in Oberösterreich. Irgendwann muss er dann zur Erkenntnis gelangt sein - oder es von jemand eingeredet bekommen haben - dass man mit diesem kurzen Namen keine Weltkarriere starten kann. Flugs schnitzte er sich einen Doppelnamen und verwies in diesem auf seine Herkunft.
Egal, der Wiener "Ring" wird für Welser-Möst zum Triumph: Das Finale geriet ekstatisch. Während des Schlussgesangs der Brünnhilde war es, als spielten sich die Musiker geradezu in einen Furor. Dass Philharmoniker und künftiger Generalmusikdirektor während der Arbeit am neuen „Ring“ auf wunderbare Weise zueinandergefunden haben, ist in den Pausenfoyers der Staatsoper heftig diskutiert worden. Der „Ring“-Durchlauf, erstmals im Repertoire ohne vorherige Verständigungsprobe absolviert, hat offenbar die letzten Dämme eingerissen: Franz Welser-Mösts souveräne Beherrschung der Partituren mischt sich jetzt aufs Natürlichste mit der Spielfreude des Orchesters.
Zum Wochenende steige ich in den Wiener "Ring" vom neuen Merker-Platz aus ein.
Durch diese Glosse in aller Herrgottsfrüh komme ich kaum mehr zu Theaterbesuchen.
Also werde ich auch Barrie Koskys "Ring" in Hannover entweder nie, oder nur auf DVD sehen. Nun liegen einige Kritiken vor, denen zu entnehmen ist, dass Koskys Deutung zwar erwartungsgemäß sehr extravagant auf die schrille Person des Regisseurs zugeschnitten ist, aber durchaus interessante Aspekte aufweist. Mittlerweile darf man das auch im Merker schreiben. Ich erinnere mich an eine Kritik in meiner Anfangszeit bei diesem Journal, als ich Konwitschnys Grazer "Aida" (die mit dem Kölner Karneval statt des Triumphmarsches) als "vertretbar" bezeichnete. Mehr habe ich nicht gebraucht. Mit mir korrespondierte man zwar nicht darüber, aber unsere leidgeprüfte Chefredakteurin musste sich sagen lassen, dass bei solchen Kritiken der Merker bald verzichtbar werde. Also entsandte sie zur nächsten Vorstellung einen Rezensenten, der die Inszenierung in Grund und Boden verdammte. Heute muss man sich womöglich der politischen Agitation schelten lassen, wenn man das Gute, Alte, Schöne zurücksehnt. Das habe ich ohnehin nie gemacht - und der Merker konzentriert sich in erster Linie auf das Gute, egal wie alt das ist. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, dass ich noch nie in irgendeiner Form in die Aussage eines Rezensenten eingegriffen habe.
Nun zu Kosky:
Dieses Photo stammt nicht aus "Johnny spielt auf", sondern aus "Rheingold". Stefan Adam in der Rolle des Alberich (Hannover )
Die erste Kritik durfte ich der Website des "Opernnetzes" entnehmen - und deshalb beginne ich mit dessen Resümée: Die Buh-Rufer hatten sich beim zweiten Vorhang dann auch wieder besänftigt, feierten das Ensemble und vor allem Barrie Kosky und sein Team mit frenetischem Applaus und vielen Bravi. Es bleibt, noch einmal, zu sagen – wenn das wirklich nur der flüchtige Eindruck von dem war, was noch kommt, dann könnte da noch eine ganze Menge kommen.
Die angesprochenen Buhrufe galten dem Dirigenten.
Weiters, in einem anderen Blatt: In Hannover aber bleibt "Das Rheingold" die Exposition für ein großes Ganzes. Auch wenn man das übermütig Leichte betont, das der Ringauftakt ja hat und dabei auf eine Collage von Bildern setzt. So, wie es der designierte Intendant der Komischen Oper jetzt gemacht hat, erfährt man allerdings mehr über seine, oft erfrischend zwischen die alten Stoffe fahrende Handschrift, als über das Woher und Wohin von Wotans Sippe.
Der Einzug der Götter in die neu gebaute Burg gerät ihm jedenfalls zu einem Abgang in die pure Finsternis. Sie werden einfach von der Dunkelheit, die den im Ungefähren schwebenden Bühnenkasten von Klaus Grünberg umgibt, verschluckt. Während Loge zur Rampe hin aussteigt und die Rheintöchter ins Off verbannt bleiben.
Der "Tagesspiegel" meint: So viele Töchter hatte der Rhein noch nie: Wo Richard Wagner sich in seinem „Rheingold“ mit drei Nixen begnügte, reicht die Zeugungskraft des deutschen Urstroms knapp 150 Jahre später für eine ganze Girlreihe. Mit knappen Korsagen und Straußenferfächern sorgen die Mädels für einen spektakulären Auftakt zum neuen „Ring des Nibelungen“ an Hannovers Staatsoper. Der Fluss als Revuetheater – nicht anders als zuletzt bei seinem Berliner „Rigoletto“ startet Barrie Kosky auch diesmal wieder mit einem Überraschungscoup, und hier wie dort hat er sich von der Sphäre des Varietés inspirieren lassen.
Buh-Rufe bekam nur der Dirigent ab, das ist wahrlich eine verkehrte Welt: Buhs bekam allein Wolfgang Bozic: Dabei ist das unpathetisch klarsichtige Wagner-Bild von Hannovers Chefdirigent, das der Partitur gewissermaßen die Haut abzieht und ihre Sehnen und Knochen zeigt, nur die Konsequenz der Szene. Denn wo Träume gemacht werden, bleibt kein Platz mehr zum Träumen.
Wir bleiben bei diesem Ring am Ball. Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen!
Die heutige Vorstellung ist bereits abgesagt, da ein Großteil des Ensembles verkühlt ist. Kein Wunder, wenn man zu dieser Jahreszeit in der Badehose herumläuft!
Raten Sie, aus welcher Oper diese Szene ist. Es handelt sich um eine Neuinszenierung am Staatstheater Nürnberg.
Dazu müssen Sie aber schon die Presseschau lesen, so einfach mache ich es Ihnen nicht!
Diskussionen gibt es auch über die Demonstration im Wiener Burgtheater, die Meinungen sind geteilt. Ich bin für das Demonstrationsrecht, solange Unbeteiligte dadurch nicht gestört werden. Aber wenn Besucher 30 Minuten länger im Theater bleiben müssen, um eine Vorstellung, für die sie immerhin bezahlt haben, bis zum Ende zu sehen, dann grenzt das an Nötigung. Und die hat nirgendwo etwas verloren. Wenn Herr Hartmann seine Bühne zur politischen machen will, dann soll er sich das mit seiner "Chefin", der Ministerin, ausmachen. Wenn diese das verantwortet, dann soll es so sein.
Im Schluß-Absatz finden Sie nochmals den Aufruf bezüglich des Saales (mit Klavier) für das Geburtstagskonzert für die Chefredakteurin. Bitte denken Sie über eine Lösung nach!
Diese Glosse wird zwischen 6 h und 7 h geschrieben. Wer Fehler findet, darf sie behalten!
Schönen Tag
A.C
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Mittwoch, 18.11.2009
Die wichtigste Meldung des Tages sei vorangestellt: die Wiener Staatsoper muss nun auch bei der zweiten Premiere vor Probenbeginn den Dirigenten auswechseln. An Stelle von Daniele Gatti übernimmt nun Guillermo Garcia-Calvo die musikalische Leitung der Macbeth-Produktion. Bereits vor der "Lady Macbeth" warf Kirill Petrenko das Handtuch und wurde durch Ingo Metzmacher ersetzt.
Wie man so hört (und ich kenne da Insider) waren die Musiker bei Petrenko sehr betrübt. Bei Gatti hält sich die Traurigkeit in Grenzen, denn der hochgeschätzte Maestro dürfte im zwischenmenschlichen Bereich etwas problematisch sein - und das hört man nicht nur aus Wien. Das hat freilich nichts mit der Absage zu tun, sei lediglich als persönliche Randbemerkung festgehalten. Guillermo Garcia-Calvo erhält nun seine große Chance und will sie nützen. In Berlin hat er Rossini (La Cenerentola) geleitet.
Unser Salzburg-Intendant Jürgen Flimm will kein Abschiedsinterview geben, denn er hat noch intensivst für Salzburg zu arbeiten. Als sein Vertrag noch nicht aufgelöst war, hat sich das freilich anders angehört, da waren die Weichen bereits gestellt und die Arbeit praktisch getan. Nun lässt er sich von der Wiener-Zeitung befragen und wird mit dem Vorwurf seines Vorgängers Gerard Mortier konfrontiert, wonach es bei ihm "keinen Richard Strauss gebe".
Mit Richard Strauss’ "Elektra" kommt ein weiteres Zentralwerk der antiken Literatur auf die Bühne. Bei Ihnen gibt es ja angeblich keinen Strauss.. .
Ich glaube, dass Gérard Mortier (Flimms Vor-Vorgänger, Anm.) sich einmal morgens in den Spiegel geschaut hat und feststellte: "Du hast zu wenig Strauss gemacht." Das hat er dann verwechselt und dasselbe immer über mich gesagt. Zwei Opern des Gründungsvaters Strauss in fünf Jahren stellen gegenüber vorher einen hohen Anteil dar. Mortier kommt mir wie ein verschmähter Liebhaber vor, der an die Tür klopft und an die schönen Zeiten erinnert. Wobei die Spezies der gewesenen Intendanten von derjenigen der Nicht-Gewordenen übertroffen wird. Die sagen: "Wenn ich es geworden wäre, wie toll wäre nicht alles geworden.. ." Aber sie sind es nicht, Ende der Debatte, und sollen sich woanders beweisen.
Herrlich!!! Jürgen, Du wächst mir ans Herz. Wer auf Gerard Mortier losgeht, hat bei mir immer gute Karten. Dazu brauche ich nichts mehr zu kommentieren, das war ein perfekter Konter. Immer dann, wenn die Leute gehen, werden sie mir erst so richtig sympathisch.
Aber aus Salzburg verlautet weiterhin Seltsames. Da holt Helga Rabl-Stadler mit Alexander Pereira einen Fachmann für die Sponsorenbetreuung - und entzieht im nun dieses Aufgabengebiet. "Das ist Chefsache - und Chefin bin noch immer ich" - so tönt die selbstbewusste Präsidentin. Gestatten Sie mir wieder einen Vergleich aus dem Fußball. Das ist, als würde Bayern-München einen Top-Goalgetter verpflichten, und diesen dann als Torwart einsetzen! Verrückt??? Nicht bei uns!!!
Im Salzburger Landestheater stagniert die Besucherzahl. Nun meldet sich der neue Intendant zu Wort. Nein, nicht zu diesem Problem, sondern zur Diskussion über Sinn oder Unsinn der Osterfestspiele. Und er redet so kompliziert, bringt so überhaupt nichts auf den Punkt, dass es mich nicht wundert, dass ihm die eigenen Zuschauer wegschlafen.
Christoph Wagner-Trenkwitz ist Direktionsmitglied der Wiener Volksoper, blendender Musikvermittler und augenzwinkernder Star im Universum der Oper. Am Mittwoch (18. November/18.30 Uhr) liest er im Linzer Casineum aus seinem Anekdoten-Buch „Schon geht der nächste Schwan“.
Im Interview mit den OÖ-Nachrichten wird er als "Entlangweiler der Kunst" bezeichnet, eine interessante Wortschöpfung. Ich bedaure, dass diese nicht mir eingefallen ist. Aber nun ein kurzer Auszug aus dem Interview: Ich bezweifle, ob der Aufenthalt in einer Operndirektion oder in der Dramaturgie der Beweis für eine gescheiterte Ambition ist. Ich habe Geige und Klavier gelernt, ich habe Theater gespielt – aber jeweils ohne es beruflich ausüben zu wollen. Theater und Kabarett waren bei mir Therapie und ich behaupte trotzdem, dass ich zum Theaterspielen mehr Talent hätte als manche, die es beruflich tun. Ich wollte auf der Bühne nur kein Zweit- oder Drittbester sein. Tatsächlich hat ein Dramaturg auch eine wichtige Funktion, er muss etwas von Musik, vom Schreiben, von Theater verstehen, ohne es beruflich auszureizen. Seine Dienste sind Hilfsdienste, und ich hab das große Glück gehabt, viele Dinge ausprobieren zu dürfen. Dieses „Do one thing and do it well“ hab’ ich nie gewollt. Ich bin im Theater angestellt, darf dort ein bisserl Fernsehen, da ein bisserl Radio machen, da ein bisserl schreiben, dort ein bisserl moderieren. Diese Vielfalt ist eine Freude.
Unsere Mitarbeiterin Elena Habermann war am Montag bei einer Vernissage im Wiener Gloria-Theater - und fühlte sich dort ziemlich einsam. Gezeigt wurden (und werden noch immer) "Erotische Bilder" der Künstlerin Monika Tajmar, die auch die Regisseuse des Stücks "Weekend im Paradies" ist, das dieser Tage im Gloria-Theater Premiere hat. Unsere Elena vermisste bei der Vernissage neben dem Direktor Pichowetz die Seitenblicke-Stars, die sich bei der Premiere sicher in die Kameras hängen werden, etwa die voll-lippige Jeaninne Schiller, die Operettendiva Birgit Sarata (die zu ihrem Glück noch nicht viele singen hörten), die Damen Lichter, Leyrer, Haas etc., unseren Baumeister der Nation, "Ritchie nicht mehr so rich Lugner" samt stets wechselndem Anhang und derlei Größen mehr. Liebe Elena, Du hast keine Ahnung, wie dieses Geschäft läuft. Das sind Party-Profis, wenn Du weißt, was ich meine! Ich schreibe nicht weiter, weil ich will von diesen Bedürftigen nicht geklagt werden will.
Einige Bilder mussten gestern wieder abgehängt werden, weil sie zu erotisch waren. "Ritchie", da haben wir wieder etwas versäumt. Deine Kommentare dazu!
Die Studentendemo in Wiener Burgtheater sorgt immer noch für Diskussionen. Burg-Chef Hartmann will sein Theater nun für Politik und Politische Streitkultur öffnen. Eines hat den Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann an den Studentenprotesten besonders beeindruckt: "Wohin sind die Studenten gegangen? Zu uns. Nicht zum Parlament oder zum Rathaus, sondern zum Burgtheater. Offenbar erwarten sie sich von uns eher Unterstützung als von den Politikern."
Herr Direktor, jetzt werden Sie mir schön langsam unheimlich. Zuerst beweisen Sie Ihre politische Kenntnis, indem Sie angeben, zwar die Linken nicht zu mögen (die Rechten natürlich noch weniger, ich weiß schon) und deshalb Grün wählen, nun fühlen Sie sich geschmeichelt, weil Sie für die Studenten als nützlicher I... herhalten durften.
Die Studenten erwarten von Ihnen natürlich keine Lösung ihrer Probleme, weil die kosten Geld, das Sie nicht zur Verfügung haben. Nur die Politiker sind für Problemlösungen dieser Art zuständig. Die verwalten nämlich unser aller Geld. Die Studenten wollten einen großen Auftritt für die Darlegung ihrer Anliegen haben - und haben Sie benützt. Soll sein, aber reden Sie doch bitte nicht so geschwollen daher! Sie sind ein ganz hervorragender Regisseur. Es wäre schade, wenn Sie Politiker würden!
Ich würde mich nicht geschmeichelt fühlen, wen jemand, der bei der Bank keinen Kredit mehr bekommt, plötzlich bei mir auftauchen würde. Aber bitte, ich bin ein schlichter Geist, kein Burg-Direktor!
In Köln gab es eine lustige Gerichtsverhandlung um den Einsturz des Stadtarchivs, der eigentlich gar nicht so lustig war:
In Köln kann es auch im Gerichtssaal wie im Kabarett zugehen. Diesen Eindruck nahm der Regisseur Franz-Josef Heumannskämper am Dienstag aus dem ersten Verfahren zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit nach Haus.
Und er stand damit nicht allein, denn wie soll man es nennen, wenn die Protagonisten teils im breitesten Kölsch herumschreien, schimpfen, lachen, witzeln und Namen verballhornen?
Obwohl eigentlich sein Anwalt das Wort führte, meldete sich Heumannskämper - einer der Kläger - zwischendurch selbst zu Wort und sagte zu dem Vorsitzenden Richter Reinhold Becker: «Ich finde es komisch, dass Sie so viel Spaß haben.» Der Richter entgegnete, ja, er übe seinen Beruf eben gern aus. Heumannskämper war jedoch äußerst verärgert und warf dem Richter auch schlechte Vorbereitung vor: «So jemand wär' bei mir als Schauspieler sofort aus der Probe geflogen, das ist für mich eine Farce!» Ja, es war Stimmung in Saal 126 des Landgerichts.
Und so etwas habe ich versäumt!
Und zum Schluß müssen wir noch die Frauenquote erfüllen (immerhin musste ich Jürgen Flimm als Startbild einstellen, das kann ich nicht auf mir sitzen lassen)
Kupplerin auf dem Land: Inka Bause, "Bauer sucht Frau" und Rekordquoten
Für Sat.1 wird der Montag immer bitterer: Erst enttäuschte die neue Vorabend-Soap "Eine wie keine", dann fuhr "Kerner" ein Quotenminus ein. RTL hingegen freut sich mit "Bauer sucht Frau" über Bause-Bestwerte.
Ja, da können selbst Opernabende mit Anna Netrebko nicht mithalten. Viele unserer Leser verstehen die Welt nicht mehr! Ich bemühe mich, sie zu verstehen.
Ich wünsche einen schönen Tag!
A.C
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Donnerstag, 19. November 2009
Eine der großen Sängerinnen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte ist sie längst. Für Herbert von Karajan war sie gar die «bedeutendste dramatische Mezzosopranistin der Zeit»: Agnes Baltsa. In ihrer mehr als 40-jährigen Karriere hat die Griechin der Opernwelt ihren Stempel aufgedrückt - und singt noch immer. Am 19. November feiert Agnes Baltsa ihren 65. Geburtstag.
Als Christa Ludwig in den 1970er Jahren nach einem misslungenen Ton aus einer Salzburger Produktion von Verdis «Don Carlo» ausstieg, holte Karajan die junge griechische Mezzosopranistin. Später sang sie unter seiner Leitung weitere dramatische Partien, die ihr dank ungewöhnlicher Kraft vor allem in der hohen Lage auch gelangen. Der Stimmexperte Jens Malte Fischer betrachtet ihre Ausflüge ins dramatische Fach aber eher als «Experiment».
Agnes Baltsa wurde 1944 auf der griechischen Insel Lefkas geboren. Sie studierte am Konservatorium von Athen, war 1964 Preisträgerin beim Enesco-Wettbewerb in Bukarest und setzte ihr Studium mit einem Maria-Callas-Stipendium in München fort. Ihr erstes Engagement führte sie 1968 an die von Christoph von Dohnányi geleitete Frankfurter Oper. Dort sang sie beispielsweise Octavian in «Der Rosenkavalier» von Richard Strauss. Als jüngster Octavian in der Geschichte des Hauses debütierte sie 1970 an der Wiener Staatsoper.
Wir von der Redaktion werden bezüglich der Ankündigung von Jubiläen von den Fans der Jubilare oft sogar richtiggehend militant attackiert. So wurde uns weiß Gott was unterstellt, weil wir den 80er des verstorbenen Piero Cappuccilli keiner Erwähnung wert fanden. Dabei waren wir völlig unschuldig und sogar korrekt. Der gute Piero hat sich nämlich um 3 Jahre jünger gemacht, als er tatsächlich war. Drei Jahre sind ohnedies sehr bescheiden, das sei nur so am Rande erwähnt, da gibt es weit größere Zeitsprünge. Es war also kein runder (oder "halbrunder") Geburtstag - und deshalb erwähnten wir ihn nicht. Wir haben ja vollstes Verständnis für die Fans - das sind immerhin die Leser des Merker-Heftes und auch wohl die Besucher dieser Website - aber haben Sie bitte auch Verständnis für uns. Wir manipulieren nicht, lassen keinen Ehrentag mit Absicht unter den Tisch fallen. Wir können lediglich vergessen, was menschlich wäre. Aber bei Piero Cappuccilli waren wir sogar sehr korrekt!
Die Bregenzer Festspiele gaben ihr Gesamtprogramm für 2010 bekannt. Im Mittelpunkt steht natürlich die "Wasser-Aida", eine Scheußlichkeit, die aber sicher wieder zum Publikumserfolg wird. So gesehen ist den Festspielen kein Vorwurf zu machen, das Publikum avanciert zum Schiedsrichter - und hat enschieden!
Mieczysław Weinberg (1919-1996)
Die "Aida" ist zwar der Hauptanziehungspunkt, aber nicht das gesamte Programm. Mit der szenischen Uraufführung der Oper «Die Passagierin» des Schostakowitsch-Weggefährten Mieczyslaw Weinberg wagen sich die Bregenzer Festspiele 2010 wieder auf unbekanntes Musiktheater-Terrain. Die Oper sei «von außergewöhnlicher Qualität und gigantischen Ausmaßen», sagte Festspielintendant David Pountney, der das Werk selbst inszenieren wird, gestern in Bregenz.
Weinberg, dessen Familie von den Nazis ermordet wurde, lebte bis zu seinem Tod 1996 als freischaffender Komponist in Moskau. Zu Zeit der antisemitischen Pogrome unter Sowjetdiktator Stalin war er auch kurzzeitig inhaftiert. Die Spannweite seiner zahlreichen Werke, die zum Teil stark an die Musik Schostakowitschs erinnern, reicht vom Requiem bis zur Zirkusmusik.
Der Dirigent Daniele Gatti dürfte krankheitsbedingt doch längere Zeit ausfallen. In diesem Fall relativieren sich natürlich meine Zeilen über angebliche zwischenmenschliche Probleme mit den Orchestern. Alle hoffen, dass Maestro Gatti bald wieder an das Dirigentenpult zurückkehren kann!
Der Wiener Staatsoperndirektor bekrittelt in der "Kronen Zeitung" die oft geübte Praxis, eingekaufte Opernproduktionen als "Premieren" zu deklarieren. Wo er recht hat, hat er recht! Auch mir fällt auf, dass zum Beispiel Willy Deckers "Tote Stadt"-Produktion so ungefähr zwanzig Premieren erlebt hat. Aber Holender meint natürlich in erster Linie das Theater an der Wien, dessen Intendant zu den Lieblingsgegnern des streitbaren Staatsoperndirektors zählt. Es ist durchaus sinnvoll, gute Produktionen in der ganzen Welt herumzureichen, aber bitte ohne Etikettenschwindel!
An der Mailänder Scala wird nach dem Abgang von Riccardo Muti ein neuer Musikdirektor gesucht. Die Italiener sind bescheiden, denn in Deutschland heisst der Posten immerhin Generalmusikdirektor. "Ich arbeite mit verschienen Dirigenten um den Besten für dieses Opernhaus zu finden. Natürlich berücksichtige ich die Meinung des Orchesters, ich spreche mit den Musikern und den Chor-Mitgliedern", sagte Lissner, dessen Vertrag an der Scala bis 2015 verlängert wird: "Man muss bei der Wahl des Musikdirektors verschiedene Aspekte, mindestens acht oder zehn, berücksichtigen. Ich werde mir Zeit zum Nachdenken nehmen. Der Druck der Medien wird nichts daran ändern. Wenn ich bereit bin, werde ich die Wahl treffen."
Seit Wochen kursieren Gerüchte, nach denen die Dirigenten Antonio Pappano und Gustavo Dudamel als mögliche Kandidaten für den prestigereichen Posten im Gespräch seien.
Er ist der beste Countertenor der Gegenwart: Philippe Jaroussky. Auf seiner neuen CD versucht der Franzose, sich mit Arien des wiederentdeckten Johann Christian Bach von seinem knabenhaften Image zu befreien.
Beau und Bestie, Stimm-Monster und sexuelles Skandalon: Noch immer erschrickt das Publikum, wenn der erste Ton eines Countertenors erklingt. "Immer noch", so sagt auch Philippe Jaroussky, lasse die hohe, weiblich gefärbte Männerstimme das Publikum raunen und spontan zusammenzucken. Und das, obwohl seit Jochen Kowalski, Andreas Scholl und Alfred Deller, dem britischen Ur-Counter des 20. Jahrhunderts, viele Jahrzehnte ins Land gegangen sind.
Mir ergeht es ebenso. Aber ich versuche, die Begeisterung für die derzeitige Counter-Welle zu verstehen.
Richard Wagner und Markgräfin Wilhelmine haben aus Bayreuth ein "Weltdorf" gemacht. Lesen Sie Näheres in unserer Presseschau.
Es ist zwar durchaus tragisch, für mich aber aus rechtlicher Sicht nicht ganz verständlich. Gemeint ist der Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Franz-Josef Heumannskämper ist sauer. Der Theaterregisseur steht in seiner Dachwohnung in der Kölner Innenstadt und kramt in einem Ordner. Der Inhalt: Einige Schwarz-Weiß-Fotos und ein paar alte Opernplakate. "Die Dokumente sind alles, was ich noch habe", sagt er und schüttelt den Kopf. Fast den gesamten Nachlass seines 1995 verstorbenen Lebensgefährten William Pearson, eines amerikanischen Baritons, hatte er dem Kölner Stadtarchiv verkauft. Beim Einsturz des Archivs am 3. März 2009 wurden die Erinnerungen mit in die Tiefe gerissen.
Einerseits verstehe ich, dass der Kläger tieftraurig über den Verlust unersetzbarer Erinnerungsstücke ist. Anderseits hat er diese an das Archiv verkauft. Hätte er nur verborgt, wäre die Rechtslage wohl klar gewesen. Aber geht es ihm auch jetzt nicht nur bloß um Geld? Auch mit der höchsten Summe wäre der Verlust der Erinnerungsstücke nicht abgegolten. Das ist ein ideeller Wert. Warum hat er den aber verkauft? Verkauft ist verkauft, so sehe ich das als Laie. Aber darüber entscheiden gottlob Juristen!
Ich wünsche einen schönen Tag!
A.C
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Freitag, 20. November 2009
Jeder mit jedem, alle gegen alle. Showmaster Alfred Biolek in „Così fan tutte“ als er selbst inmitten von Dorothee Schlemm, Kai-Ingo Rudolph, Christian von Oldenburg und Astrid Kessler (v. li.). Foto: Eventpress Hoensch Eventpress Hoensch
Friedrich Nietzsche muss sich an diesem Abend im Grab umgedreht haben. „Eine Frau will immer etwas Besonderes sein. Nicht einmal darin unterscheidet sie sich von den anderen“, doziert Fernsehregisseur Alfonso und es entbrennt dann tatsächlich eine Diskussion, ob wir diese Erkenntnis nun Nietzsche oder doch Beate Uhse zu verdanken haben. Ist doch fast dasselbe, lautet ungefähr das Ergebnis.
Nietzsche und Uhse, Mozart und Mediengeilheit. Damit sind die Pole von Christoph Hagels „Così fan tutte“- Inszenierung im E-Werk schon umrissen. „Sex, Lügen und TV“ heißt es passenderweise im Untertitel und, um es gleich zu sagen: Wem das zu plakativ ist, der ist hier falsch.
Und in der Tat, wer dieses Spektakel zu ernst nimmt, ist selber schuld. Aber die Idee ist brillant, ein Nebenschauplatz beherrscht daher in unserer heutigen Presseschau die Kritiken. Alfred "Bio" Biolek ist freilich mehr als bloß ein Sahnehäubchen, "Bio" ist praktisch die Grundidee und auch der Erfolgsgarant.
Peter P. Pachl im "Neuen Musikmagazin" sieht das so: Als Schüler von Bernstein und Celibidache vollführt Christoph Hagel extravagante Luftsprünge am Dirigentenpult und gebärdet sich auch sonst recht exzentrisch. Die international immer noch aktiven, in der Hauptstadt Berlin aber offiziell liquidierten Berliner Symphoniker rückt er an den rechten Bühnenrand, lässt sie aber akustisch, in der leicht geänderten Abfolge der Nummern der Partitur aus dem Jahre 1790, als beachtlich differenzierenden Klangkörper obsiegen.
Ein bunt gemischtes Publikum johlt, insbesondere während des zweiten Finales, wenn die reich gewordenen Protagonistinnen sich in einem Postshot am Strand lesbischen Urlaubsfreuden hingeben und Alfred Biolek sich endlich mit einem farbigen Knaben vergnügen darf.
Und ich habe mich in der Vorwoche in unserem Forum als Moral- und Geschmacksbewahrer versucht und einschlägige Anspielungen auf "Bio" zensuriert. Nun fällt mir der so in den Rücken! Oder hat das auch zum Regiekonzept gehört?
Bevor wir bei Regie-Altmeister Hans Neuenfels (Lear-Premiere an der Komischen Oper) landen, kommen wir an Barrie Kosky und dessen Rheingold-Revue in Hannover nicht vorbei. Qualitätszeitungen schreiben immer erst Tage später eine Renzension - und setzen dann einen drauf: Seit Barrie Kosky angekündigt hat, bei seiner Übernahme der Komischen Oper (ab 2012) "Parsifal" auf Hebräisch und mit seinem Hund Blumfeld als Kundry zu inszenieren, ist er als Wagner-Regisseur gefürchtet. Sein Wiener "Lohengrin" führte 2005 zu Ärger mit dem Dirigenten Semyon Bychkov. Für "Götterdämmerung", welche 2010 den "Ring" in Essen beschließen soll, kann Kosky danach in Hannover nochmals kassieren. Dort wird die dann überarbeitete Inszenierung jenen "Ring" beschließen, den Kosky jetzt vielversprechend begann.Kosky, dem Revue-Girl des europäischen Regietheaters, gelingen etliche Treffer.
Wow! "Revuegirl Barrie Kosky"! Sehen Sie, ich hätte so eine Formulierung nicht verwendet. Aber wenn das so in der "Welt" steht, dann verstößt sie wohl nicht gegen den guten Geschmack.
Mein Hauptanliegen bei diesem Beitrag ist aber eine Frage an Sie. Hat Kosky tatsächlich je gedroht, den "Parsifal" auf Hebräisch und mit seinem Hund Bumfeld als Kundry auf die Berliner Bühne zu stellen? Will uns da der Schreiber der "Welt" einen Bären aufbinden? Es kann doch nicht Barrie sein, der uns verarschen will! Hilfe! Wer klärt uns da auf???
Hans Neuenfels kommt bei "Lear" ohne Blut aus!
Wir bieten Ihnen ein Interview mit dem "Vater des Regietheaters" und wollen mit einem Auszug daraus Ihr Interesse wecken:
Morgenpost Online: Ein Neuenfels ohne Provokationen?
Neuenfels: Es gibt hier in der Tat keine einzige Provokation. Mir geht es um dieses große Seelendrama, um die Frage: Was ist der Mensch, wenn er alles aufgegeben hat und völlig auf sich zurückgeworfen wurde?
Morgenpost Online: Warum lässt sich diese Frage in der Oper besser stellen als im Theater?
Neuenfels: Die Oper hat auf jeden Fall mehr Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Publikum und auch einen großen Vorzug aufgrund der vorgegebenen Form, nämlich der Partitur. Noch das größte Chaos ist hier exakt strukturiert. In einer willkürlichen Umwelt kann es wohltuend sein, gesetzte Anforderungen erfüllen zu müssen. Ich würde niemals eine Partitur verletzen – so wenig wie den Text in einem Kleist-Stück.
Morgenpost Online: Dann müsste Ihnen heutiges Regie-Gehabe schön auf die Nerven gehen.
Neuenfels: Wie unsere Theater heute mit Texten umgehen, finde ich grauenhaft. Gewöhnlich erkundige ich mich im Vorhinein, wie lange ein Abend dauert; „Der Prinz von Homburg“ in einer Stunde und vierzig Minuten? Da bleibe ich gleich zu Hause!
In Salzburg will man die Osterfestspiele abschaffen. Das dadurch eingesparte Geld will man der "Freien Szene" zukommen lassen. Bisher habe ich immer geglaubt, die Osterfestspiele seien ein Geschäft. Wenn sie kein Geschäft sind, dann sollte man sie tatsächlich lassen. Aber die "Freie Szene" ist unter Garantie kein Geschäft. Ich bin hoffnungslos altmodisch in einem Geschäftshaus erzogen worden, mich hat mein Vater gelehrt, nicht am Markt vorbei zu produzieren. Aber da lasse ich jetzt Klügere zu Wort kommen:
Wenn es hart auf hart geht, wenn also freie Kulturinitiativen in ihrer Existenz bedroht sind (und das sind sie nicht erst jetzt), kann die Antwort letztendlich nur lauten: Verzicht auf die einst von Karajan - unter der Prämisse keine Subventionen dafür zu gerieren - seiner Heimatstadt aufgepfropften Osterfestspiele. So schade es auch um sie wäre, denn die Berliner Philharmoniker sind Weltklasse! Aber: Dieselbe Operninszenierung dann im Sommer, wie schon einst? Und: Wieso muss/darf dieses großartige Orchester bei den Sommerfestspielen nur, an den Rand des Festspielgeschehens gedrängt, mit zwei Konzerten auftreten?
Kunst und Kultur originärer (also einer Salzburg nicht touristisch übergestülpten) Art dürfen nicht das Nachsehen haben, auch wenn sich einer besseren Verkaufbarkeit wegen – abgesehen von allen ökonomischen Begründungen – beinahe alle Medien auf den von einer angeblich bildungsmäßig so viel höher stehenden und vor allem zahlungskräftigen Klientel umgebenden "Event" stürzen.
Sprich: Alles Geld, welches in diese Osterfestspiele fließt, sofort ab in die freien Kulturinitiativen!
Also gut, der Mann ist sicher klüger als ich. Anderswo brauchen wir das Geld sicherlich nicht.
Abschließend komme ich nun ganz auf den Hund! Ich werde natürlich wieder gescholten werden. Wenn Fußballer nichts in einer Opern-Website verloren haben - obwohl Hans Neuenfels über das Enke-Drama sogar eine Oper anregt - dann sollten wir auch nicht zur Tierecke mutieren. Aber die beiden Hunde, die "beworben" werden (siehe Aktuelles) sind mir ein persönliches Anliegen. Einer davon wurde aus den Fängen griechischer Hundeschlächter gerettet und nach Österreich gebracht. Ich selbst habe leider in diesem Jahr schon 2 Hunde aus dem Tierheim in meine Familie geholt. Dabei habe ich beste Erfahrungen gemacht, aber meine Kapazitäten sind dadurch erschöpft.
Wenn Sie die Hunde also nerven, dann helfen Sie mit, sie zu vermitteln. Zur Tierecke will ich nicht werden, aber für Ausnahmen muss Platz sein.
Naxi sucht in Österreich um Asyl an!
Ich wünsche einen schönen Tag!
A.C
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Freitag 11. Dezember 2009
Berliner Orchesterfarce geplatzt
Das ist so ziemlich die einzige gute Nachricht des Tages. Am Vortag hat Friedensnobelpreisträger Barack Obama "seinen Krieg" verteidigt und versteinerte Gesichter im Auditorium provoziert. Der einst gut gemeinte Preis kann eigentlich nie wieder wirklich ernst genommen werden, die Welt kommt schön langsam einem großen Irrtum auf die Spur. Wer ist der Preisträger 2011? Vladimir Putin wäre an der Reihe. Oder Silvio Berlusconi, der führt wenigstens nur Krieg mit seiner Frau!
Und wir ereifern uns über Buhrufe an den Theatern und ähnlichen Kleinkram!
In Salzburg hat Kuratoriums-Vorsitzende Wilhelmine Goldmann das Handtuch geworfen. Traurig wird sie darüber nicht sein, denn der Job war unbezahlt und unbedankt. Was die Bezahlung betrifft, war es also ein untypischer Politjob - aber dass es ein politischer Job war, bestreitet niemand: Für den Job gab es nicht nur kein Honorar, er war auch unbedankt: Die ehemalige ÖBB-Managerin Wilhelmine Goldmann gab am Donnerstag in der Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele bekannt, mit Jahresende aus dem politisch besetzten Gremium auszuscheiden. Goldmann war vor zwei Jahren von Kulturministerin Claudia Schmied ins Kuratorium entsandt worden und hatte heuer - als Vorsitzende - einen Nachfolger für den scheidenden Intendanten Jürgen Flimm zu finden.
Dabei kam es freilich zu Pannen. Als Siegerin erweist sich nun Helga Rabl-Stadler, die ihre Kompetenzen nun mächtig ausgeweitet hat: In der Kuratoriumssitzung wurden jedenfalls die Verträge mit Peireira, Hinterhäuser und Helga Rabl-Stadler (sie bleibt nun bis zum September 2014 Präsidentin) unterzeichnet. Flimm verdiente 250.000 Euro pro Jahr, Peireira wird etwa 260.000 bekommen.
Abgesegnet wurde zudem die Geschäftsordnung, auf die sich Pereira und Rabl-Stadler - wie exklusiv berichtet - geeinigt haben. Die Präsidentin übernimmt neben ihren bisherigen Tätigkeiten (Sponsoring, Repräsentation) die kaufmännischen Agenden von Gerbert Schwaighofer inklusive Kartenbüro sowie Gebäude- und Veranstaltungsmanagement. Pereira trägt die künstlerische Verantwortung. Ihm unterstehen weiters die Abteilungen Rechte, Technik, Dramaturgie, Presse und Marketing.
Künftig gibt es ein Zweierdirektorium, bisher musste sich Rabl Stadler in einem Dreiergremium durchsetzen.
Der "Zeit"-Bericht über die Mailänder "Carmen-Premiere" beleuchtet eher die Szenerie abseits der Bühne. Die Einzigen, die das Yellow-Press-Inferno mit einem eingefrorenen Nichtlächeln überblicken, sind zwei Ehrengardisten in Prachtuniform, die den Aufgang zu den Logen bewachen. Man wähnt sie auf einem Podest stehend, so hoch ragen ihre Schultern über das Foyergewusel hinaus. Aber ein Blick nach unten zeigt: Ihre Füße stehen auf dem Marmorboden. Sie haben die Körpergröße von surreal langen Basketballriesen. Spätestens hier versteht der Letzte, dass eine Scala-Eröffnungspremiere nicht mit normalen Maßstäben zu messen ist.
Kräftig auf die Nase gefallen ist in Berlin Willi Steul mit seinen Orchester-Fusionsplänen. Plötzlich stehen er und der Dirigent Marek Janowski ziemlich allein gelassen da: Gäbe es ein solches, "Kairos", der "glückliche Moment" der Griechen, müsste zum kulturpolitischen Unwort des Jahres erklärt werden. Gebraucht wurde es von Willi Steul, dem neuen Intendanten des Deutschlandradios, um sein von langer Hand geplantes Massaker am Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO) bildungsbürgerlich zu ummanteln. Denn weil dort der Chefdirigent Ingo Metzmacher von den Gesellschaftern der Dachorganisation Berliner Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (ROC) in die Resignation getrieben wurde, hielt man jetzt den traditionsreichen Klangkörper für sturmreif.
Nun kann Entwarnung gegeben werden, denn: Was von Steul als "Fusion zur Schaffung eines Exzellenzorchesters" mit dem Radio Sinfonieorchester Berlin (RSB) unter der Leitung von dessen offenbar willfährigem Chef Marek Janowski (der selbst nur eine sehr zahnlose Erklärung zur Sache veröffentlichte, während das RSB ganz still hielt) angekündigt wurde, ist jetzt also schon wieder Makulatur. Der Bund stellte sich öffentlich dagegen, ebenfalls das Land Berlin als dritter Gesellschafter. Und der rbb als undankbarer Vierter sagte erstmal gar nichts.
Herr Steul hat sich offenbar mit der heiklen Politik "geschnitten", Dirigent Janowski eignet sich hervorragend als "Bauernopfer".
So ist Politik, auch Kulturpolitik. Ein dreckiges Geschäft!
Christian Gerhaher gibt ein Interview. Er sieht sich nur als Außenseiter vermarktbar.
„Markt“, damit wäre ein Stichwort gefallen, bei dem der Adrenalinpegel steigt. Gerhaher kann sich über die Mechanismen der Klassikbranche furchtbar erregen. Über Bilder, unter denen ein Star verkauft wird und somit die Kunst ins Abseits gedrängt wird: „Mich interessiert es nicht, ob da eine Sopranistin in der Badewanne liegt und für etwas wirbt – auch wenn sie toll singt.“ Gerhaher geht es ums Unverfälschte. Eine Verkleidung von Kunst lehnt er ab, eine Anbiederung sowieso. „Man darf die Menschen nicht abholen, wo sie stehen. Die ernste Musik ist eine elitäre Kunst nicht im Sinne von Geld, sondern im Sinne von Zeit nehmen und sich auf etwas einlassen. Es darf nie um Quoten gehen.“
Menschen sind eben verschieden, und das ist gut so!
Die Situation um die missglückte Wiener "Macbeth"-Premiere beruhigt sich langsam. Ein wirklich gut gelungener "Simon Boccanegra" ist da hilfreich. Dabei stand der Abend an der Kippe, weil "Simone" Franz Grundheber mit einer schweren Beeinträchtigung antrat: er hat sich durch eine unglückliche Bewegung zwei Stunden vor der Vorstellung bewegungsunfähig gemacht. Er leidet ja seit einigen Jahren unter Schmerzen im Rücken (Wirbelsäule), das hat sicher auch mit seinen 2 künstlichen Hüften zu tun, mit denen er seit 20 Jahren auftritt... ein Künstlerleiden. Er wurde herzlichst und sehr lange gefeiert.
Unser "Amici" Michael Tanzler liegt im Dauerclinch mit Ioan Holender. Für Holender wird, soweit ich die Pressekonferenz noch richtig im Ohr habe, eine Rolle in der Kinderoper "Pünktchen und Anton" geschrieben. Fällt Dir dazu nichts ein, lieber Michael? Du könntest Dich doch als Kind verkleiden...
Was ist sonst noch in unserer Presseschau los? Berlin pumpt Geld in ein Udo Lindenberg-Musical und in das Schwulen-Museum, in Mönchengladbachs Schauspielhaus brechen infolge Intendantenwechsels Eckpfeiler des Ensembles weg.
Herta Müller erhielt den Literatur-Nobelpreis, was zwar auch umstritten, aber doch zumindest vertretbar ist. Ein hoher Diplomat wirft Präsident Obama den Krempel hin, weil er im Afghanistan-Krieg keinen Sinn erkennen kann.
In Japan bildet sich auch ein "Beschwerdechor", in dem man seinen Unmut nach Noten artikulieren kann.
Heute abend um 19,30 h gastiert beim Merker-Kunstsalon in der Villa Wertheimstein das chinesischen Tenor-Höhenwunder Xu Chang. Mich treffen sie auch dort, ich singe aber garantiert nicht!
Ein deutscher TV-Sender startet ein Projekt mit 5 Studenten, die pro Semester jeweils 50 Partner in das Bett zu bringen haben.
Da kann ich nicht mithalten und schließe daher den heutigen Tageskommentar.
Einen schönen Tag wünsche ich! Angeblich wird es huschi-kalt!
A.C
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Samstag, 12. Dezember 2009
Gipfel des 2504 Meter hohen Säntis in der Schweiz, den Richard Wagner 1851 bestieg
Beginnen wir unsere heutige Kolumne mit einer schönen Naturaufnahme. Richard Wagner hat diesen "Hügel" 1851 bestiegen, zwei Schweizer Buchautorinnen und wohl auch Bergsteigerinnen sind ihm nachgewandert:
Am liebsten komponierte er in seidenen Schlafröcken, mit dem samtenen Barett auf dem Haupt. Tausende von Gulden gab der Meister für Polster, Schlummerkissen und Rosengirlanden aus. Richard Wagner liebte den Luxus und die Häuslichkeit. Aber das Musikgenie hatte auch eine andere Seite: Die in parfümierter Luft ausgearbeiteten Einfälle hatte er an der frischen Luft. In seinem Schweizer Exil war Wagner auch ein begeisterter Wanderer. Er bestieg neben dem Säntis (Foto: dpa) auch das Faulhorn und erreichte für damalige Verhältnisse ohne Seilbahn respektable 2764 m am Sidelhorn im Grimselgebiet. In den Berglandschaften des zu dieser Zeit entstehenden „Rings des Nibelungen“ hinterließen diese Streifzüge ihre Spuren.
Die Musikwissenschaftlerin Eva Rieger zog neben der Wagner-Literatur alte Baedeker-Bände zu Rat und folgte mit Hiltrud Schroeder den Spuren des Meisters. Der Band „Ein Platz für Götter. Richard Wagners Wanderungen durch die Schweiz“ (Böhlau, 200 S., 24.90 Euro) wiederlegt die beliebte These, dass über den umstrittensten aller Opernkomponisten schon alles gesagt sei, und liefert obendrein ein buntes Panorama der Frühgeschichte des Tourismus vor 150 Jahren.
Die zweite Macbeth-Vorstellung an der Wiener Staatsoper brachte bereits eine merklich Beruhigung. Das berichtet unser Mitarbeiter Peter Skorepa. Holender hat den aufmümpfigen Kinderwagen, der in der Premiere beinahe einige Orchestermitglieder erschlagen hätte, bereits entsorgt, die Sänger waren weniger nervös, Erika Sunnegardh zwar besser als zuvor, aber noch lange nicht gut. Warum ich wegen des Kinderwagens übertreibe? Weil ich mir ein Beispiel an den Tageszeitungen nehme: "Rottweiler beißt Frau fast zu Tode! ". Daneben prangt ein Photo der sich tollkühn selbst rettenden Frau - mit einem Pflasterl am Hintern!
Die erste Pressemeldung befasst sich mit dem Programm der Wiener Festwochen 2010. Das Musiktheater-Programm der Wiener Festwochen (14. Mai bis 20. Juni 2010) vorzustellen, übernahm der Intendant selbst: Luc Bondy entschuldigte seinen Festwochen-Musik-Chef, den grippekranken Scala-Intendant Stéphane Lissner, und kündigte einen Alban-Berg-Schwerpunkt an: Es wird einen szenischen Wozzeck (Dirigent: Daniel Harding, Regie: Stéphane Braunschweig) und eine Lulu (Inszenierung Peter Stein, Dirigent: Daniele Gatti) geben. Das "Fest für Alban Berg" beinhaltet auch eine Konzertreihe im Wiener Konzerthaus.
Der Intendant der Eutiner Festspiele hat freiwillig seinen sofortigen Abschied eingereicht, der Geschäftsführer wurde gekündigt. Was wortreich zu erklären versucht wird, hat einen ganz einfachen Hintergrund. 600.000 Euro minus bei den letzten Festspielen. Dazu bedarf es keiner Erklärung.
Jetzt gelangen wir wieder zum ergiebigen Thema "Regisseure". Für mich sind diese ein Glücksfall, denn mit ihnen lässt sich täglich diese Kolumne füllen. Kommen wir zuerst zu Schwetzingen, zu Giuseppe Porsiles "Spartaco", den Michael von der Mühlen zur tragischen Tortenschlacht ausarten lässt: Michael von zur Mühlen berücksichtigte die komischen Momente des Werks in vollem Umfang und inszenierte auch im Detail der Mimik und Gestik sehr genau – in Theaterkostümen des 18. Jahrhunderts. Allerdings hob er durch Filmeinblendungen auch die Komponenten des Gewaltförmigen und des im Hintergrund des Werks lauernden historischen Unrechts ins Blickfeld: die Ehefrau des Spartakus mutiert szenenweise zu Rosa Luxemburg (und verweist auf die Aneignung des Spartakus-Mythos im frühen 20. Jahrhundert). Zweimal verkleidet sie sich auch als Ulrike Meinhof (klagt mit deren Worten die Unterjochung der berufstätigen Frauen und Mütter an). Das geht einem Teil des Opernabonnenten-Publikums entschieden zu weit. Aber es schließt am unteren Neckar nur zu dem auf, was in Berlin oder Wien längst Standard ist.
Was besagt der letzte Satz? Sind die Zuschauer abseits der Metropolen noch total "versumpert" , oder sind die Besucher in den Großstädten bereits so für regieliche Umdeutungen aufbereitet, dass sie diese ohne Widerspruch sogar noch bejubeln. Über diesen "Spartaco" kann man durchaus diskutieren, Alexander von Pfeil hat jedoch in Aachen einen Falstaff inszeniert, in dem es von kaputten Charakteren nur so wimmelt (siehe unsere Kritiken): Meg Page hat als attraktive, junge Frau den alten Page im Rollstuhl sicher nicht aus Liebe geheiratet, Melanie Forgeron spielt das unter akutem, autistischem Geschaukel in fiese Depressionstiefen. Dr. Cajus starrt als widerlicher Spanner jeder Frau auf die Sekundärgenitalien. Mrs. Quickly, eigentlich jung und attraktiv, hat ein großes Alkoholproblem, resultierend aus ihrer Sexualneurose ( ständig offen getragene , geschmacklose Reizwäsche), ein echtes Kabinettstück mit sattem Alt, gesungen und gespielt von Leila Pfister.
Die böse Geschichte wird von Piero Vinciguerra in ein gekonnt realistisches Freibad innerhalb einer Industriearchitektur gesetzt. Indes ist es auch die Stunde der Requisitenabteilung des Aachener Stadttheaters, mit ich weiß nicht wieviel hunderten Requisiten stellen sie diese "Realität" her, großes Kompliment an die "Unsichtbaren". In den offenherzigen Bademoden Sabine Blickensdorfers beweisen die Solisten und Choristen, recht sicher im Vokalen, oft großen Mut zur Körperlichkeit. Mir persönlich gerät der ständige Fäkalhumor von Pfeils mit vielen heruntergelassenen Hosen doch arg demonstrativ, auch wenn die negative Lesart eine ungewohnte, doch zulässige in ihrer handwerklich gekonnten Umsetzung ist.
Doch nun schreibt der Kritiker Martin Freitag einmal ein paar persönliche Gedanken anlässlich der Inszenierung, so verstörend und auch faszinierend sie auch über die Rampe kam. Alexander von Pfeil reiht in seiner Regie eigentlich alle möglichen Klischees des modernen Regietheaters aneinander, man verzeihe mir meine nun recht deutlichen Worte in der Effektenaufzählung, sämtliche Körperflüssigkeiten werden zelebriert : Kotze, Scheisse, Urin und Spucke. Bis auf die Heroinspritze werden fast alle möglichen Spielarten des Drogenkonsums auf die Bühne gebracht. Da geschieht kaum mal etwas Nettes, Freundliches zwischen den Protagonisten. Die üblichen verdächtigen Requisiten werden verwendet: der Koffer, die Sonnenbrille, der Rollstuhl, die Schnabeltasse..... Kann man eine Gesellschaftskritik nicht auch mit anderen Mitteln erreichen, als dieser ständigen Anhäufung von Regieklischees ? Ist nicht irgendwann ein Abnutzungsgrad dieser mittlerweile beliebig austauschbaren Theaterwährung erreicht? Mir schien beim Schlussapplaus der Regisseur, trotz des Erfolges, etwas enttäuscht, sich nicht ein einziges Buh eingefangen zu haben. Wie gesagt, das alles als sehr persönliche Empfindung mal von der Seele geschrieben.
Kein einziges Buh für Alexander von der Pfeil. Also ist die obige Metropolen-These bereits widerlegt, denn Aachen gilt nicht unbedingt als Opern-Zentrum!
Der Haydn-Tourismus hat sich angeblich ausgezahlt, zumindest bezeugen dies die vorgelegten Zahlen. So gut kann ein Komponist gar nicht gewesen sein, dass er einem nach solch einem Jubiläumsjahr nicht für längere Zeit beim Halse raushängt. Aber Hauptsache ist , dass die Kasse stimmt!
Whitney Houston
Ein Debakel erlebte Whitney Houston nicht nur bei Thomas Gottschalk, sondern nun auch bei ihrem Tourneestart in Moskau. Dem Star fehlte es vor allem an Stimmkraft und Ausdauer. Ihre von Drogenexzessen schwer gezeichnete Stimme erreichte nur für wenige Augenblicke den Glanz früherer Jahre – und ließ viele Fans ernüchtert zurück. Immer wieder brach die Diva in Tränen aus, als ob sie selbst ihrem einstigen Ruhm und ihren früher von der Kritik gerühmten drei Oktaven hinterherweinte.
Franzobel macht wieder von sich reden: Aufregung um ein Auftragswerk Franzobels unmittelbar vor dessen Aufführung: Der österreichische Autor hatte aus "Das Zeugenhaus", einem Buch der Journalistin Christiane Kohl, die Bühnenfassung "Große Kiste oder Das Spiel vom Zeugen" erarbeitet. Die Autorin der Vorlage distanziert sich nun aber von dieser Version. Franzobel mache die Grenze zwischen historischer Wahrheit und Fiktionalität nicht ausreichend sichtbar, sagte Kohl der Deutschen Presse-Agentur dpa. Das Theaterstück verfremde und überzeichne den Stoff völlig.
Derartiges sind wir von Franzobel gar nicht gewohnt.
Eine Farce der besonderen Art liefern sich nun die Kirche und der Karikaturist Manfred Deix: Ein Gott mit drei Köpfen– einer europäisch, einer afrikanisch, einer asiatisch –, mit drei Brüsten und drei Penissen? Der gekreuzigte Jesus mit Hammer und Sichel auf der Brust, Hakenkreuz im Schritt, Buddha über der Schulter und Halbmond über der „INRI“-Inschrift? Unter anderem diesen „Entwurf für ein multikulturelles Kompromiss-Kruzifix“ veröffentlichte Karikaturist Manfred Deix am 12. bzw. 19. November in der Nachrichtenillustrierten „News“. Anlass war das EU-Kruzifixverbot in Schulklassen.
Als Katholik habe ich wenig Verständnis für die nunmehrige Haltung der Kirche. Der Zug ist längst abgefahren, die Kirche hat viel zu lange im zeitgeistigen Chor mitgeheult. Nun plötzlich will sie noch retten, was nicht mehr zu retten ist - und zwar nur auf Grund ihrer Haltung.
Manfred Deix
Aus gegebenem Anlass muss ich nun wirklich "Vorsicht Satire, Ironie" schreiben, denn gestern konnte ein Mitarbeiter bei meinem Friedensnobelpreis-Kommentar die Ironie nicht erkennen und schrieb mir eine bitterböse Schelte. Also: Ironie: Nun aber ist der Staat alarmiert, also hat auch Österreich den Karikaturenstreit, den es verdient. Die Diskussion darüber, was obszön sei, wird uns nicht erspart bleiben. Vielleicht müssen Kanzler und Vizekanzler noch einmal vor sittlich gefestigten Stützen der Gesellschaft Reden über Österreich halten, diesmal unter besonderer Berücksichtigung der Karikatur in SPÖ und ÖVP. Vielleicht muss das Parlament, am besten unter Vorsitz des völlig ironiefreien Dritten Nationalratspräsidenten, in einem Untersuchungsausschuss klären, was Wiederbetätigung bedeutet, wenn sie in Öl oder mit Tusche erfolgt. Das wird aber nicht reichen. Dieses Land braucht eine Volksabstimmung, mit präzisen Fragen, die den Anfängen wehren: „Sind Sie gegen Minarette, die EU, Hundekot und Manfred Deix? Bitte einmal ankreuzen! Jede Stimme zählt.“
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Ziehen Sie sich warm an!
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Sonntag 13. Dezember 2009
Berlin. Szene aus Pina Bauschs Brecht-Weill-Revue »Fürchte dich nicht« im Haus der Berliner Festspiele. - Foto: Oliver Look
Auch nach dem Tod von Pina Bausch werden deren 7 Todsünden in Berlin zum Triumph. Ein denkwürdiger Abend. Und einer der rührendsten, witzigsten Augenblicke unter vielen bewegenden, melancholisch komischen Momenten kommt gleich nach der Pause. Wie schon beim ersten Teil dieses Doppeltanzabends, wie bei den „Sieben Todsünden der Kleinbürger“ von Bert Brecht und Kurt Weill, öffnet sich zu Pina Bauschs Brecht/Weill-Revue Nr. 2 (mit dem Titel „Fürchte dich nicht“) die Bühne als tiefer, schwarz ausgeschlagener Schacht. Im Hintergrund wieder das von David Canisius furios dirigierte „Capital Dance Orchestra“, im Mittelgrund die 30-köpfige Tänzerschar, dicht geballt wie eine langsam heransteppende Masse – da löst sich plötzlich eine einzelne Frau im bunten Alltagsfähnchen, mit leuchtend rotem Haar.
Sie schwebt kurz nach vorn und fragt wie im Kindertheater: „Seid ihr alle wieder da? Ich war vor dreißig Jahren auch schon da!“ Das ist ein Lacher. Und ist doch viel mehr. Denn Josephine Ann Endicott, dieser wunderbare Irrwisch, eine Mischung aus hüpfendem Kobold, altem Mädchen und auch mal elegisch eleganter Primadonna, hat ihre Rolle schon am 15. Juni 1976 bei der Premiere im Wuppertaler Schauspielhaus gespielt – und danach in aller Welt.
Der Online-Merker hat längst einen Eigenbericht in seinen Kritiken anzubieten.
Der Theater-Revoluzzer Johann Kresnik wird 70. Johann Kresnik eilt der Ruf voraus, ein Regisseur und Choreograph zu sein, der mit dem Hammer inszeniert. Der ehemalige Werkzeugmacher-Lehrling war Lieblingsfeind der deutschen "Bild"-Zeitung, die etwa vor einem Jahr titelte: "Nacktalarm an der Erfurter Oper!" - anlässlich Kresniks Inszenierung der Verdi-Oper "Der Maskenball" als zeitgenössisches Machtspiel. Auf der Bühne waren 35 nackte Darsteller. Als "Genitalgeneral" wurde der "weiße Wüterich" in den Medien bezeichnet, der stets auf die aktuelle politische Aussage Wert legte.
Als langweilig und sinnlos bezeichnet Kresnik die unpolitischen Produktionen der meisten jungen Kollegen. Er hingegen will heute wie in den 1960er Jahren mit seiner Arbeit zum politischen Diskurs beitragen: inszenierte das Leben der Ulrike Meinhof, thematisierte den Tod des korrupten Politikers Uwe Barschel im Macbeth oder das Attentat auf Oskar Lafontaine in "Marat/Sade".
Was ist mit Franco Zeffirelli bloß los? Der "Altmeister" legt sich derzeit mit Gott und der Welt an und ist auf dem besten Weg, seinen guten Ruf zu beschädigen. In New York kristisierte er Luc Bondy, in Mailand reizte er Emma Dante zu Tränenausbrüchen. Neuestes Opfer ist diesmal keine Regiekünstlerin, sondern die international bewährte Sopranistin Daniela Dessi, die Zeffirelli aus seiner "La Traviata-Produktion an der römischen Oper warf. Begründung: Zu alt und zu dick! Daraufhin schmiss auch Dessis Ehegespons Fabio Armiliato seine Rolle des Alfredo vor die Füße des offenbar nun ziemlich durchgeknallten Regiestars.
Franco Zeffirelli wirft Daniela Dessi aus seiner Produktion.
Zu alt für Zeffirellis Violetta in "La Traviata": Daniela Dessi
Der italienische Regisseur Franco Zeffirelli hat beschlossen, die italienische Sopranistin Daniela Dessi nicht wie ursprünglich geplant für die Rolle der Violetta in der Verdi-Oper "La Traviata" einzusetzen, die er vom 18. bis 31. Dezember am römischen Teatro dell'Opera inszenieren wird. "Eine ältere und rundliche Dame ist für die Rolle der Violetta nicht glaubwürdig", erklärte Zeffirelli nach Medienangaben vom Freitag. Aus Solidarität mit Dessi verzichtete nun auch ihr Ehemann, Fabio Armiliato, auf seine Rolle in der Oper.
Dabei hatte die 49-jährige Dessi für die Rolle der Violetta bereits sechs Kilo abgenommen. "Ich bin 1,60 Meter groß und wiege 65 Kilo. Einige Personen halten mich für eine schöne Frau, jedenfalls habe ich einen Ehemann, der auf mich Wert legt. Zeffirelli hat mir einen Auftritt ruiniert, der für mich sehr wichtig war", kommentierte die Sopranistin. Ihr Ehemann drohte mit einer Klage gegen Zeffirelli. "Wir haben uns monatelang für die Rolle vorbereitet. Zeffirelli fehlt es an Respekt", so Armiliato .
Zeffirelli bezeichnet Daniela Dessi zwar als attraktive Frau, will aber eine jüngere Darstellerin. Beim Theater hat er durchgesetzt, dass Zuschauer, die mit dem Dessi-Ersatz nicht einverstanden sind, ihre Eintrittskarte umtauschen können!
Bleiben wir gleich bei diesem Themen-Schwerpunkt. Miucca Prada weigerte sich in New York, molligere Frauen für die Attila-Produktion der Metropolitan-Opera anzukleiden: Miucca Prada, Chefin des nach ihr benannten Modehauses, hat Frauen mit weiblichen Rundungen verteufelt. Die Designerin, die sich für die Kostüme der Operninszenierung von Verdis "Attila" an der Metropolitan Oper verantwortlich zeichnete, soll bei der Kostümprobe so frustriert mit den etwas molligen Opernsängerinnen gewesen sein, dass sie schrie: "Gebt mir dünne Models!" Die Metropolitan Opera reagierten prompt: Ein Teil der nicht-singenden weiblichen Besetzung wurde daraufhin mit super-schlanken Models ausgetauscht.
Statt die Mode-Tussi rauszuschmeissen, ist man vor ihr in die Knie gegangen. Unglaublich, was sind in New York für Wursteln am Werk! Kein echter Mann weit und breit in Sicht!
Da ist Claus Peymann aus anderem Holz geschnitzt, der geht keinem Konflikt aus dem Weg. So wettert er gegen Förderungen für Autoren. Lesen Sie einen Auszug aus dem Interview mit der "Berliner Morgenpost":
Peymann: Es gibt in keinem Land der Welt so viele Förderprogramme für Dramatiker wie in Deutschland. Das ist der größte Quatsch. Die schreiben alle nur, damit sie gefördert werden. Übrig bleibt gar nichts. Die werden dreimal in irgendeiner Box gespielt, um dann zu verschwinden. Das ist doch katastrophal. So groß ist doch überhaupt nicht die Basis, zu keiner Zeit hat es in Deutschland 100 Jungautoren gegeben. Immer nur fünf oder sechs wirklich gute. Autoren sollen sich durchbeißen, wütend sein, verzweifeln, aber nicht diesem ganzen Juryverein in den Arsch kriechen.
Morgenpost Online: Sie bekommen ja viele Stücke zugeschickt. Worum geht es meistens?
Peymann: Die reine Flucht ins Private. Es ist immer das Problem, das die Autoren mit ihrer Großmutter haben oder dem Papi oder ihrem Pimmel. Der große komplexe Griff, dass Theater aus der Mitte der Gesellschaft in diese hineinschlägt, das ist völlig abhanden gekommen. Auch deshalb stehen wir Theaterleute mittlerweile in der Nische. Und daran sind wir selbst schuld, weil wir uns selbst nicht mehr ernst nehmen und folglich nimmt uns die Gesellschaft auch nicht mehr ernst.
Irgendwie fehlt mir der Peymann in Wien. Lustig war es doch mit ihm in Wien, trotz unterschiedlicher Auffassungen in so ziemlich jedem Bereich. Aber lebende Schlaftabletten gibt es schon zuviele!
Unter'm Strich stach mir der Artikel über einen jungen Mann in Deutschland ins Auge, der mit seinem Fußball-Internetauftritt einen alteingesessenen Verlag in den Ruin treibt. Immer neue Ideen, Wagemut, den Blick stets nach vorwärts gerichtet - so habe auch ich es mein Leben lang versucht. Ich habe zwar keine Bäume ausgerissen, aber unzufrieden bin ich auch nicht.
Aber nun wieder zu diesem jungen Mann. Der hat nicht lange rumgefragt, sondern seinen Internetauftritt ganz einfach in die Welt gesetzt. So lief es übrigens beim Merker und mir auch. Wäre der Online-Merker zum Thema langwieriger Verhandlungen geworden, gäbe es ihn heute noch nicht. Beim Merker waren wir aber klug genug, zu kooperieren. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Auf zwei Beinen steht es sich leichter. Und meine Marschrichtung ist klar: gegen die Konkurrenz, die ohnehin vorwiegend mit der Vergabe von Kritikerpreisen etc. beschäftigt ist. Wir beim Merker marschieren Schulter an Schulter!
Jedenfalls zeigt ich der ganze Leidensdruck von Regionalzeitungen sehr schön in dieser Geschichte: Über viele Jahre hinweg übte sich der Lokalriese PNP als bräsiger Platzhirsch, um jetzt zum Scheinriesen zu mutieren. Ein 20-Jähriger nimmt ihnen die Kernkompetenz Lokalsport, Onlinekompetenz im Haus gibt es de facto nicht, ein Nicht-Onliner wird deswegen zum Chefredakteur des Onlineangebots gemacht. Gleichzeitig befinden sich Auflage und Anzeigenerlöse weiter im Sinkflug, was durch Einsparungen beim Personal kompensiert werden soll. Welche Auswirkungen das hat, ist leicht absehbar: Das Blatt wird dünner, es wird schlechter, es verliert den Zugang zu einem jüngeren Publikum (das sich schon längst online rumtreibt). Innerhalb eines Jahres (3. Quartal 2008 bis 3. Quartal 2009) hat die PNP laut IVW erneut rund 1500 Auflage verloren. Diese Erosion wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken und die PNP hat keinerlei Alternative zur Kompensation, weil sie es in den letzten 10 Jahren versäumt hat, neue Kanäle zu entwickeln und aufzubauen.
Der junge Unternehmer ist jedenfalls ist guter Dinge. Jedes Jahr hat sich sein Nutzerkreis bisher verdreifacht.
Zum Fußball habe ich immer noch eine enge Bindung, wenngleich meine Knie bereits kaputt sind. Da ich mit dieser Website ganz offensichtlich nicht ausgelastet bin, betreue ich auch noch die Site "meines" Wiener Fußballvereins ASK.Liesing, der nun auf Wunsch des Sponsors L.A.Riverside heisst und in der 1. Klasse A des Wiener Fußballverbandes spielt. "Riverside" ist ein derzeit noch im Bau befindliches Riesen-Einkaufszentrum auf den Gründen der ehemaligen Brauerei Liesing. Infos: www.ask-liesing.at.
Heute um 14 h besuche ich meinen Schützling Daisy wieder im Tierheim Vösendorf (A-Stall, Box 37). Wenn sich niemand für den Hund findet, werde ich ihn wohl in 2 - 3 Monaten selbst nehmen müssen. Da ich bereits 2 Hunde habe, wirft mich dann meine Frau voraussichtlich mit zweien der Hunde aus der Wohnung. Helfen Sie mir also, nicht obdachlos zu werden!
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Montag, 14. Dezember 2009
Heute ist an der Wiener Staatsoper die erste Vorstellung von "Tristan und Isolde" nach der musikalische Neueinstudierung von Sir Simon Rattle angesagt. Der Direktor ist ganz stolz auf seinen Star-Dirigenten. Ganz böse Zungen behaupten zwar, eine szenische Neuproduktion wäre besser gewesen, aber auf diese müssen wir in der Holender-Ära verzichten. Dafür haben wir einen neuen "Macbeth" bekommen!
Gespannt ist man in Wien auf Violeta Urmana und ihre Isolde. Die Idee zu dieser Rolle war immer da, auch als sie zum "Mezzo" zurückgestuft wurde, was sie doch etwas gekränkt hat. Die Erinnerung an Mezzo-Zeiten ist wach: „Wie ich die Sopranistin beneidet habe, als ich die Laura in ,La Gioconda“ sang! Ich wusste ja, wozu meine Stimme fähig ist. Die Frage ist nur, ob man das, was man zu Hause schafft, auch auf der Bühne kann. Im Wohnzimmer gelingt vieles. Im Theater sind das Orchester, die Distanz zum Publikum, vielleicht eine ungünstige Akustik. Es kostet einfach alles mehr.“
Violeta Urmana hat diese Herausforderungen alle gemeistert. Das hat auch mit Disziplin zu tun: „Um bei dem Beispiel zu bleiben“, erläutert sie: „im Wohnzimmer muss man alles können. Das steht fest. Ich halte nichts davon, wenn ein Sänger sagt: Ich habe das hohe B zwar noch nicht, aber ich arbeite daran.“
Gestern war ich in der dritten "Macbeth"- Vorstellung. Angeblich soll die zweite ganz ruhig verlaufen sein, diese dritte verlief bis zur Sterbe-Szene der Lady eher flau. Dann zeigte sich, wie man als geistesgegenwärtiger Dirigent peinliche Buhrufe vermeiden hätte können - aber Maestro Garcia-Calvo ist leider nicht mit der Gabe der blitzschnellen Eingebung gesegnet, also kein "Blitzgneisser", wie einst Toni Polster so treffend formulierte. Erika Sunneghard hat offensichtlich in Wien etwas falsch gemacht, denn geliebt wird sie hier nicht gerade. Jedenfalls ist Sunneghard nach dem Abgang der Nemirova die "Buhfrau der Produktion". Guillermo Garcia Calvo machte jedenfalls nach der Lady-Szene die übliche "Applauspause". Der Applaus kam auch schüchtern, aber dann folgten umso heftigere Buhrufe . Das hätte nicht sein müssen. Hätte er sofort weitergedroschen, wären diese peinlichen Szenen erspart geblieben - sowohl der Sängerin als auch uns Besuchern. Dabei ist Erika Sunneghard zwar nicht unbedingt stimmlich eine tolle Lady Macbeth, aber eine attraktive Frau, die ihre Rolle optisch eindrucksvoll über die Rampe bringt.
Ioan Holender beklagt sich im Interview mit der Zeitung "Österreich" (leider noch nicht als Link verfügbar) über ganz gezielte Provokation des Publikums wie auch von Teilen der Kritik gegen diesen "Macbeth". Bis zur Pause dieser Aufführung hätte ich ihm dies auch abgenommen, denn das Publikum war freundlich, versuchte sogar an den unmöglichsten Stellen schüchtern zu applaudieren - von Skandal war keine Spur. Dann kam jedoch die zuvor beschriebene "Lady-Aktion" - und die war eher nicht "generalgesteuert". Also, ich weiß nun wirklich nicht, was ich glauben soll.
Ioan Holender gibt wieder fleißig Interviews
Vera Nemirovas Inszenierung hat mich weniger schockiert. Die Regisseurin kann etwas, das ist wohl unbestritten. Ihre "Handschrift" wird allerdings durch zahlreiche Mätzchen gekennzeichnet, über die man geteilter Meinung sein kann. Die Airobic-Ballett-Szene ist nur peinlich und viel zu lang, dafür ist das Finale grandios gelöst. Hoffentlich sehen keine Schotten in Wien den peinlich inszenierten Auftritt ihres Königs - die verstehen in ihrem Nationalstolz nämlich keinen Spaß. Da könnte es Holender so ergehen wie gestern Silvio Berlusconi, dem (nicht nur) die Nase poliert wurde. Denn die Nemirova ist über alle Berge - deshalb kann Holender schon die Szenerie "entschärfen" - wer bleibt, ist der Direktor. Er bleibt bis Ende August, das hat er in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" - das schon vor der Macbeth-Premiere erschienen ist - angedroht. Holender-Nachfolger Meyer hat derweil ein Kammerl im Hanuschhof bezogen:
Holender: Das hat er drüben, im Hanusch-Hof, wo auch ich vor zwanzig Jahren mein Büro hatte. Die Übergabe soll ja nicht den laufenden Betrieb belasten. Es wird erstmalig in der 140-jährigen Geschichte der Wiener Staatsoper ein friktionsfreier Direktionsübertritt stattfinden. Ich hätte unter Umständen noch ein Jahr oder zwei bleiben können, aber ich fand es richtig und habe bis heute nicht bereut, was ich damals am 21. Februar 2007 durch die APA kundgegeben habe. Am 1. Jänner 1989 hat es begonnen, am 31. August 2010 endet es. Niemand hätte davon geträumt, dass das so lange dauern wird, am wenigsten ich.
APA: Trotzdem hört man, dass dieser Übergang doch nicht ganz so reibungsfrei ist.
Ioan Holender: Was man hört, stammt von Menschen, die hier nicht ganz zufrieden sind. Die gibt es immer. Dass die sich jetzt mehr äußern, da sie wissen, dass ich gehe, ist selbstverständlich. Dass ich weniger gegrüßt werde, wenn ich nicht mehr da bin, auch. Hast' keine Position mehr, hast' keine Macht mehr. Der Betrieb läuft hier selbstverständlich in der Art und Weise, wie ich ihn führe, bis zum letzten Tag. Ich bin, bitteschön, im Amt nicht bis Ende Juni, sondern bis Ende August 2010, damit das klar sei, und auch ein bisschen Schrecken hier verbreitet. Ich habe auch die Absicht, hier im August noch zu amtieren. (lacht)
In Genf hatte "Don Giovanni" Premiere. Die Inszenierung von Marthe Keller wurde bereits 2004 an der Metropolitan-Opera gezeigt - und wer den bekannt guten Geschmack der Amerikaner unbeschadet übersteht, hat auch in der Schweiz nichts zu fürchten. Den Schweizern war diese Lesart wiederum doch zu bieder:
Was man am Genfer Grand Théâtre zu sehen bekommt, ist eine ziemlich konventionelle Inszenierung. Da gibt es keine multimedialen Elemente, keine ausserordentlichen Lichteffekte, keine gewagten Kostüme, kein aufrüttelndes Bühnenbild, keinen Bezug zur Gegenwart. Vor allem fehlt eine wahrnehmbare Deutung der Bühnenhandlung. Den Lüstling Don Giovanni könnte man durch die psychologische, soziologische oder politische Brille betrachten. Aber nichts Derartiges geschieht. Michael Yeargans Bühnenbild arbeitet mit verstellbaren Mauerelementen, zu denen als szenische Konkretisierung ein Balkon, ein Lüster oder ein Friedhofskreuz treten. Die Kostüme von Christine Rabot-Pinson orientieren sich an historischen Modellen. Attraktiv ist die Personenführung, die viel Bewegung in die Szenen bringt.
Also, was ist, meine Damen und Herren Buhrufer an der Wiener Staatsoper? Nichts wie auf nach Genf! Kein Bezug zur Gegenwart - wo sonst ist das noch zu erleben?
Eine problemfreie Premiere gab es an der Volksoper. "Antonia und der Reissteufel" ist auch eine Kinderoper - und unsere Kinder sind bekanntlich wohlerzogen!
Was ist mit Franco Zeffirelli bloß los? Der "Altmeister" legt sich derzeit mit Gott und der Welt an und ist auf dem besten Weg, seinen guten Ruf zu beschädigen. In New York kristisierte er Luc Bondy, in Mailand reizte er Emma Dante zu Tränenausbrüchen. Neuestes Opfer ist diesmal keine Regiekünstlerin, sondern die international bewährte Sopranistin Daniela Dessi, die Zeffirelli aus seiner "La Traviata-Produktion an der römischen Oper warf. Begründung: Zu alt und zu dick! Daraufhin schmiss auch Dessis Ehegespons Fabio Armiliato seine Rolle des Alfredo vor die Füße des offenbar nun ziemlich durchgeknallten Regiestars.
Zu alt für Zeffirellis Violetta in "La Traviata": Daniela Dessi
Der italienische Regisseur Franco Zeffirelli hat beschlossen, die italienische Sopranistin Daniela Dessi nicht wie ursprünglich geplant für die Rolle der Violetta in der Verdi-Oper "La Traviata" einzusetzen, die er vom 18. bis 31. Dezember am römischen Teatro dell'Opera inszenieren wird. "Eine ältere und rundliche Dame ist für die Rolle der Violetta nicht glaubwürdig", erklärte Zeffirelli nach Medienangaben vom Freitag. Aus Solidarität mit Dessi verzichtete nun auch ihr Ehemann, Fabio Armiliato, auf seine Rolle in der Oper.
Dabei hatte die 49-jährige Dessi für die Rolle der Violetta bereits sechs Kilo abgenommen. "Ich bin 1,60 Meter groß und wiege 65 Kilo. Einige Personen halten mich für eine schöne Frau, jedenfalls habe ich einen Ehemann, der auf mich Wert legt. Zeffirelli hat mir einen Auftritt ruiniert, der für mich sehr wichtig war", kommentierte die Sopranistin. Ihr Ehemann drohte mit einer Klage gegen Zeffirelli. "Wir haben uns monatelang für die Rolle vorbereitet. Zeffirelli fehlt es an Respekt", so Armiliato .
Zeffirelli bezeichnet Daniela Dessi zwar als attraktive Frau, will aber eine jüngere Darstellerin. Beim Theater hat er durchgesetzt, dass Zuschauer, die mit dem Dessi-Ersatz nicht einverstanden sind, ihre Eintrittskarte umtauschen können!
Bleiben wir gleich bei diesem Themen-Schwerpunkt. Miucca Prada weigerte sich in New York, molligere Frauen für die Attila-Produktion der Metropolitan-Opera anzukleiden: Miucca Prada, Chefin des nach ihr benannten Modehauses, hat Frauen mit weiblichen Rundungen verteufelt. Die Designerin, die sich für die Kostüme der Operninszenierung von Verdis "Attila" an der Metropolitan Oper verantwortlich zeichnete, soll bei der Kostümprobe so frustriert mit den etwas molligen Opernsängerinnen gewesen sein, dass sie schrie: "Gebt mir dünne Models!" Die Metropolitan Opera reagierten prompt: Ein Teil der nicht-singenden weiblichen Besetzung wurde daraufhin mit super-schlanken Models ausgetauscht.
Statt die Mode-Tussi rauszuschmeissen, ist man vor ihr in die Knie gegangen. Unglaublich, was sind in New York für Wursteln am Werk! Kein echter Mann weit und breit in Sicht!
Unter'm Strich berichten wir diesmal über das Tatort-Jubiläum, Dieter Bohlens "Boxkampf" und das Scheitern der Miss Germany bei der Wahl zur Miss World. Aber "keinem interessiert, wer Miss Germany ist" - das bekannte die deutsche Miss freimütig.
Von dieser Selbsterkenntnis schwer beeindruckt, wünsche ich Ihnen eine schöne Woche!
A.C
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Dienstag, 15. Dezember 2009
Er ist eindeutig "Mann des Tages": Sir Simon Rattle. In Wien dirigierte er einen fulminanten Tristan, "seine" Berliner verlängern in Salzburg!
Zuerst einmal darf ich allen österreichischen Steuerzahlern zum Erwerb einer Bank gratulieren. Die Hypo Alpe Adria kostet Sie zwar etwas, dafür dürfen Sie nun auf Ihre Karte "Bankier" schreiben - oder, besser gesagt, dazuschreiben. Denn was sich heute auf geduldigem Papier befindet, ist abenteuerlich. Der Fahrer eines Hubstaplers, eigentlich Lagerarbeiter, gab mir seine Karte, auf der die Berufsbezeichnung "Logistik-Manager" prangte. Überrascht hat mich das nicht, verwendete doch schon vor Jahren einer meiner Lehrlinge an Stelle von Tischler-Lehrling den von mir noch nie gehörten Begriff "Holz-Techniker". Derart kreativ war der Knabe bei seiner Arbeit zwar nie, aber er wusste sich gut zu verkaufen.
Apropos verkaufen: es ist mir fast schon peinlich - aber meine Prognosen werden in den allermeisten Fälle zur Realität. Lebenserfahrung nennt man das. Die hätte ich allerdings viel früher haben müssen - jetzt ist es fast zu spät. Ich prognostizierte also, dass es sich bei den Abwanderungsgerüchten um die Berliner "Philis" eigentlich um verkappte Gehaltsverhandlungen handelt, die Sache mit Geld aus der Welt zu schaffen ist. Nun haben die Philharmoniker ihre Liebe zu Salzburg neu entdeckt: Wir haben uns entschlossen, die Osterfestspiele Salzburg an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Dieses Projekt werden wir gemeinsam mit dem Kuratorium der Osterfestspiele sowie unseren Freunden und Förderern in Angriff nehmen." So Andreas Wittmann, Oboist und Orchestervorstand sowie Mitglied des Kuratoriums der Osterfestspiele. Man sei "sowohl dem Land als auch der Stadt Salzburg und dem Tourismusförderungsfonds dankbar dafür, dass sie mit ihren Zusagen zur weiteren finanziellen Unterstützung der Osterfestspiele dazu beitragen werden."
Damit ist eigenlich alles gesagt. Es gibt mehr Kohle - und in Baden-Baden kann man zwischenzeitlich auch konzertieren. Es ist immer gut, ein gutes Fremd-Angebot bei Gehaltsverhandlungen im Hintergrund zu haben. Zu einem Bluff würde ich nicht raten, wer weiß, wie der Chef reagiert! Chefs sind oft unberechenbar. Außerdem könnten sie auch noch einen schlechten Tag haben!
Der Berliner "Phili"-Chef selbst feierte an der Wiener Staatsoper einen Triumph. Renate Wagner schreibt in ihrer Kritik: Simon Rattle war der König des Abends, die Wiener Philharmoniker die Stars. Man hat schon viele tolle „Tristan“ gehört, unsere Generation zurück bis Karajan (und auf Platten noch viel tiefer in die Vergangenheit – und jüngst waren Thielemann bei der Premiere, Welser-Möst zwischendurch ja auch keine Fliegengewichte). Aber was Rattle hören ließ, war phänomenal.
Franz Welser-Möst dirigierte in Zürich seine vorerst letzte Premiere
Da rückt "unser" Pultstar Franz Welser-Möst gleich etwas in den Hintergrund. So ist das nun einmal in Wien. "Gehört" uns jemand, dann schielen wir in die Ferne - etwa zu Sir Simon. Aber "Die Frau ohne Schatten" in Zürich konnte sich durchaus hören lassen: In der Zürcher Oper lassen sich die Musiker die Chancen üppiger Klangschwelgerei zwar nicht entgehen, doch regulieren sie, sobald die Sänger durchzudringen haben, die Dynamik einfühlsam nach unten. Auch zu eigenen Gunsten: Derartig viele Nebenstimmen hat man im zügigen musikalischen Erzählfluss nie gehört. Welser-Möst setzt auf höchste Transparenz – und sichert seinem Ensemble auf diese Weise jede Möglichkeit, die Geschichte nachvollziehbar – und alle Stimmen hörbar werden zu lassen.
Einen Regisseur gab es in Zürich natürlich auch: Regisseur David Pountney und Bühnenbildner Robert Israel konkretisieren das Werk mit seiner märchenhaften Symbolik in der Entstehungszeit – am Ende des Ersten Weltkriegs. Der Kaiser wird so zu einem Habsburger Sprössling, die Kaiserin zur Suffragette, die in den Arbeiterhaushalt des Färbers (mit sonorer Autorität: Michael Volle) und seiner Frau kommt, um in den Besitz des Schattens der Frau zu gelangen.
Den stimmlichen Glanzpunkt in diesem Quartett setzt Roberto Saccà mit metallisch strahlendem Glanz, Emily Magee bringt als Kaiserin ihren voluminösen, in den oberen Lagen voll strömenden Sopran ein. Schwieriger ist die Stimme von Janice Baird, die die Färberin zwar mit hochdramatischer Wucht und enormer Textdeutlichkeit, aber farbarm singt.
Lesen Sie die beiden vorliegenden Kritiken aber bitte selbst in unserer Presseschau!
Die Münchner "Philis" veranstalten auch bereits ihr "Probedirigieren. Ein Chef-Tipp, angeblich für all jene, die es etwas gemütlicher haben wollen, ist Semyon Bychkov. Der ließ allerdings die Münchner Philharmoniker wie "Stalins Big-Band" erklingen. Das meint Dr. Robert Braunmüller in der Münchner Abendzeitung: Das ist windige Effekthascherei. Statt den Hohn der Fanfaren hörbar zu machen und das Werk als Spiegelung der totalitären Gräuel des 20. Jahrhunderts zu verstehen, lässt der Dirigent eine stalinistische Triumphsymphonie erklingen. Hoffentlich ist das auch jenen allzu bequemen Philharmonikern nicht entgangen, die sich diesen wackeren Routinier als Thielemann-Nachfolger wünschen.
In Wien hat man es da etwas leichter, besonders wenn Politiker die Letztentscheidung haben. Und die österreichische Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied weist sich da bereits mehrmals als Top-Expertin aus. So bei der Verlängerung des Vertrages für Volksoperndirektor Robert Meyer. Dieser genießt das Vertrauen der Ministerin, das hat uns allen zu genügen! Die "Presse" (Wilhelm Sinkowicz) muckt da etwas auf, aber das wird wohl am Entschluss der Chefin nichts ändern: Man kann verstehen, dass eine Ressortleiterin mit bedrohlich angeschwollenem Sorgenkonto solche, wie es scheint, leicht zu lösenden Fragen gern rasch erledigt, um sich scheinbar problematischeren Dingen zuzuwenden. Schließlich ist die Ära Robert Meyers im Hinblick auf die Steigerung der Zuschauerzahlen und der Einnahmen ein Erfolg. Zumindest im Vergleich mit den Bilanzen der unmittelbaren Vorgängerdirektionen, die den Verlust der „Marke Volksoper“ mit sich brachten; den Verlust des Selbstverständnisses eines Hauses, das neben Staatsoper und Theater an der Wien sein unverwechselbares Gesicht haben muss.
Der Kritiker billigt der Volksoper durchaus Potential zu, so zum Beispiel bei der sicher nicht einfachen Besetzung der "Ariadne", in der vorwiegend Kräfte aus dem eigenen Haus herangezogen wurden. Aber: Man gewinnt aber keineswegs den Eindruck, dieses Potenzial würde umsichtig genützt, um aus dem Ensemble heraus einen adäquaten Spielplan zu entwickeln, der sinnfällig werden ließe, dass es eine echte „Volksoper“ in Wien überhaupt gibt, ein Haus, das mehr als Staffage rund um einen glänzenden Selbstdarsteller ist. Diesem zwecks Kosmetik rasch irgendeinen Chefdirigenten an die Seite zu gesellen, wäre keine Lösung. Die prägende Künstlerfigur ist nicht in Sicht, um dem Haus eine musikalische Richtung zu geben, um den Weg aus jener Sackgasse zu finden, in der man derzeit elegante Pirouetten um die eigene Direktorenachse dreht.
"Staffage um einen glänzenden Selbstdarsteller"? Unter diesem Blickwinkel habe ich die Sache noch gar nicht betrachtet. Den geradezu ketzerischen Gedanken verwerfe ich auch gleich wieder, schließlich pflegt der "Merker" beste Beziehungen zur Volksoper!
Sie singt mit dem Einsatz ihres ganzen Körpers: WaltrautdMeier. Photo: Keystone
Nun kommen wir zu einem Konzert von Waltraud Meier in Frankfurt: Wo der Name Waltraud Meier fällt, da steht gleich ein anderer mit im Raum: Richard Wagner. Als herausragende, vielleicht gar zurzeit berühmteste Interpretin seiner Opern, zählt Meier in ihrem Repertoire sage und schreibe 16 Wagner’sche Partien. Doch (um es mit einem weihnächtlichen Bild von Karl Barth zu sagen) schon die Engel spielten offiziell, wenn der liebe Gott zugegen war, Bach – und wenn sie unter sich waren, lieber Mozart. Nicht viel anders handhabt es Frau Meier, wenn ihr Herz neben grandiosen Wagner-Rollen auch für sinfonische Konzerte oder intime Liedermatineen schlägt.
Glänzend gescheitert ist Michael Schindhelm in Dubai, er war der falsche Mann am falschen Ort. Opernhäuser, Konzertzentren wollte und sollte er bauen, geschafft hat er gerade einmal einen Katalog - und den nur mit viel Glück: Der in der DDR sozialisierte Wissenschaftler, der mit Angela Merkel zusammen studierte, ist ein Mann geradlinigen Denkens und Handelns. Und deshalb, wie er allmählich schmerzhaft erkennen muss, eine Fehlbesetzung in Dubai.
In die Wüste der Arabischen Halbinsel soll er zwei spektakuläre Gebäude pflanzen: Ein Opernhaus, wie es noch keines auf der Welt gab; und ein Museum der Weltkulturen, in das selbst die Chefs der Staatlichen Museen zu München, Berlin und Dresden, die zu Besuch waren, vernarrt sind. Alles soll bombastisch sein, Geld spielt keine Rolle. Sein Traum: Europäische mit arabischer Kultur vereinen, Oper mit libanesischem Tanztheater, den Cirque du Soleil mit einem Bollywood-Musical.
Doch Schindhelm kommt nicht voran, trotz aller generösen Zusagen. Er war in das Emirat gelockt worden als Kulturdirektor der Dubai Culture and Arts Authority. Im März 2007 trat er den Job an, man hatte ihm alle Möglichkeiten verheißen. Aber er hatte die arabische Mentalität nicht bedacht, die Mega-Blase für den wahren Aufstieg eines Staates gehalten, die Hybris der Emiratis unterschätzt, sich vom Tempo des Aufbaus beeindrucken lassen. Am Ende muss er zugeben, dass er als Kulturchef des Landes nur ein einziges Projekt wirklich realisieren konnte, den Katalog zur Ausstellung «Muslim Faces«. Und auch das nur mit viel Glück, denn es hatte Probleme bei der Übersetzung gegeben, bestimmte Formulierungen galten den Zensoren als anstößig.
«Dubai Speed« ist ein ehrliches Tagebuch. Der Chemiker, Übersetzer, Schriftsteller, Opernintendant in Basel und Berliner Opernstiftungsdirektor, der an den Sparzwängen in der Hauptstadt gescheitert war und deshalb die Flucht antrat, gibt zu, dass er wieder gescheitert ist. Im Sommer 2009 gab er sein Amt auf. In Dubai hat die Staatsholding derweil ihre Gläubiger um Zahlungsaufschub gebeten.
Das war wohl der teuerste Katalog der Welt! Aber in Dubai "haben sie es ja" - haben sie zumindest geglaubt
Robbie Williams ist auch nur ein Mensch und verpatzte seinen Einsatz. Er und sein Partner meisterten die Situation aber souverän.
Es gäbe noch mehr zu berichten, aber morgen ist auch noch ein Tag.
Deshalb wünsche ich für heute einen wunderschönen Tag. Warm angezogen sind sie hoffentlich ohnedies!
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Mittwoch, 16.12.2009
Die Berliner Philharmoniker bleiben Salzburg erhalten. Letztlich war das Geld das ausschlaggebende Argument!
Wenn Sie die Meldung über den Verbleib der Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Osterfestspielen überrascht hat, dann sind Sie selbst schuld. Oder eben naiv. Als ich zu Beginn der Diskussion an dieser Stelle geschrieben habe, dass es wohl in erster Linie um das Geld gehen würde, erhielt ich einige bitterböse Mails. "Sie können doch Kunst und Kultur nicht nur auf das Geld reduzieren, das ist wohl wieder typisch für Ihre Weltanschauung" . Womit andere politisch wurden, nicht ich!
Aber ich denke, ich bin ziemlich fest auf diesem Planeten verankert, lebe demnach nicht auf dem Mond - wie offenbar diese kritisierenden Leser. Denn nun haben wir es amtlich aus dem Mund der Berliner "Philis": Es ging im Endeffekt nur um's Geld! Olaf Maninger von den Berliner Philharmonikern hat eine ganz eindeutige Antwort auf die Geld-Frage: "Ich glaube, es war im Endeffekt nur das Geld. Ich glaube, künstlerische Probleme sind leichter zu lösen als eine chronisch finanzielle Unterversorgung eines Festivals."
Lange Zeit hatte das Orchester den Eindruck, dass sich die Situation nicht ändern würde: "Wir haben uns eines Besseren überzeugen lassen, indem wir tatsächlich Stadt, Land und Tourismusförderungsfonds plus Eliette von Karajan ins Boot bekommen haben und sie sich wirklich verpflichtet haben einfach mehr Geld zu geben und die Subventionen erträglich zu machen, um ein auskömmliches Festival gestalten zu können", meint Maninger.
Indes erweisen sich die Baden-Badener als faire "Verlierer", sind sich ihrer Rolle als "nützliche Idioten" bewusst - und gratulieren Salzburg! Ob nun mit Häme oder aufrichtig, das ist auch schon egal. Die Baden-Badener Festspielleitung stellt klar, dass sie mit dem finanziellen Angebot von Salzburg weder mithalten konnte, noch wollte: Die kolportierte Gage von 300.000 Euro pro Konzert in Baden-Baden stimme definitiv nicht, erläuterte der Intendant und Geschäftsführer des Festivals, der sein Angebot an die Berliner konkret nicht beziffern wollte. Ganz sicher habe es aber keinerlei Abwerbungsversuche mit dem Geldsack gegeben. "Im Gegenteil, die Berliner Philharmoniker und Simon Rattle sind in ihrer höchsten Not zu mir gekommen und haben gefragt ob sie hier zu Ostern Festspiele veranstalten könnten. Ich habe gesagt, schaut mal, ob das in Salzburg nicht doch klappt. Und wenn nicht, dann stehen meine Türen offen", so Mölich-Zebhauser.
Von "enttäuscht" könne jetzt keine Rede sein. Die Gespräche mit den Berlinern über Programm und Konzepte seien fruchtbar gewesen und würden in eine verstärkte Zusammenarbeit führen.
Na also, da sind wir wieder einmal mit diversem Gesülze hinters Licht geführt worden, auch mit dem Sparwillen der Salzburger Festspiele dürfte es nicht weit her sein. Aber die Herrschaften werden wohl gewusst haben, wie weit sie gehen dürfen.
Auch bei einem viel wichtigeren Thema geht es auch nur um das Geld, nämlich beim Klimaschutz. Aber das werden wir alle bald spüren - in unseren Brieftaschen. Das wird ein riesiges Thema für die Zukunft! Die Abzocke des Jahrtausends!
Der "Chef" der Berliner Philis, Sir Simon, weilt derzeit in Wien, um den "Tristan" zu dirigieren. Und er spaltet die Presselandschaft - auch im Merker sind die Meinungen geteilt. Aber so soll und darf es wohl auch sein!
Der "Standard" meint: Sollten Richard Wagners Musikdramen eher romantisierend oder modernistisch gespielt werden? Oder ist zwischen den Fronten martialischer Wucht und hemmungslosen Klangräuschen, wie sie Christian Thielemann verkörpert, sowie dem analytischen Sezieren, für das Pierre Boulez am radikalsten eingetreten ist, noch Raum für andere Möglichkeiten?
Mit seinem zweitem Dirigat an der Staatsoper (nach einer Parsifal-Serie vor vier Jahren) legte Simon Rattle nahe, dass es hier tatsächlich noch einen enormen Spielraum gibt - und dass es nicht einmal der Mittelweg zwischen diesen beiden Extrempositionen sein muss, damit das Resultat goldrichtig erscheinen kann.
Im "Standard" schreibt dies Herr Daniel Ender. Das ist jener Journalist, der uns kürzlich aus der sicheren Deckung Schweiz via NZZ ausrichten ließ, "dass wir Wiener zu deppert sind, die Machbeth-Deutung der genialen Vera N. zu verstehen"
Enders Rattle-Euphorie widerspricht Gerhard Kramer in der "Wiener Zeitung": Angekündigt war diesmal eine "Musikalische Neueinstudierung": Für Sir Simon Rattles zweites Wagner-Dirigat am Haus (nach dem "Parsifal" von 2005) hatte man nicht weniger als vier Orchesterproben angesetzt. Doch hätte es eines Beweises bedurft, dass damit noch kein reibungsloser Opernabend zu garantieren ist, hier wurde er erbracht. Es schien, als seien die Musiker mit der eigenwilligen, zuweilen gleichsam eruptiven Gestik des Dirigenten nicht zu Rande gekommen: Da häuften sich die unpräzisen, "ausgefransten" Einsätze, fielen an einer Stelle (Vorspiel zum dritten Aufzug) sogar intendierte Unisoni auseinander.
Was soll man nun glauben? Selbst hingehen wird nicht mehr leicht möglich sein, Rattle verkauft sich gut. Also dürften Karten Mangelware sein!
Apropos Karten: Für eine Vorstellung der "malenden Meistersinger" bei den Bayreuther Festspielen werden am 15.8.2010 "Tickets" frei. Ich habe immer ein Problem damit, wenn ich die englische Bezeichnung für Karten lese, überhaupt wenn damit für eine Veranstaltung zum Beispiel im niederösterreichischen Ruppersthal (Pleyel-Konzerte) geworben wird. Da bessere ich schon mal auf Karten selbst aus - wenn ich zu oft "Tickets" lese, kann es schon vorkommen, dass es mir dann zuviel wird und ich auf die Gratiswerbung gänzlich verzichte. Die Titelzeile des Berichtes in unserer Presseschau habe ich also manipuliert - ich gestehe!
In Bayreuth jedenfalls erhält die Gewerkschaft nun doch wieder exclusive Vorstellungen, allerdings müssen die Gewerkschafter die Karten voll bezahlen. Daraufhin wurde flugs aus zwei Vorstellungen nur mehr eine - und diesem Umstand verdanken wir den unerwarteten Kartensegen!
"Die Frau ohne Schatten" an der Oper Zürich
Relativ unspektakulär verlief die Vorberichterstattung über die Pountney-Inszenierung der "Frau ohne Schatten" an der Oper Zürich. Es war kein Skandal zu erwarten, deshalb hielt sich das Medieninteresse auch Grenzen. Was dabei raus kam, war aber respektabel: Ein surrealistisches Drama!
Pountney dreht so Hofmannsthals etwas gar tiefenpsychologischen Symbolismus noch eine Drehung weiter hin zum Surrealismus. Kein Zufall: Guillaume Apollinaires Theaterstück «Les Mamelles de Tirésias» mit dem Untertitel «ein surrealistisches Drama» wurde just 1917 uraufgeführt. Verschiedenartiges trifft in dieser Inszenierung zusammen; aber so ist auch die Grundspannung des Stücks beschaffen. Und wenn so an diesem Abend auch keine szenische Einheit entsteht und es leichte Längen gibt, so schaut man doch ständig interessiert zu.
Am Schluss erscheinen alle Darsteller in Alltagskleidern auf der Bühne. Das Happy End als Premierenfeier. Die Amme, mit dunklen Augen immer noch etwas unheimlich anzusehen, verteilt die Suppe, so haben alle etwas davon. Es war ja auch bis in die Nebenrollen hinein eine schöne Ensembleleistung.
Elisabeth Sobotka leitet die Grazer Oper
Die Wienerin Elisabeth Sobotka ist über den Umweg Berlin an der Grazer Oper gelandet. Nun legt sie einen ersten Zwischenbericht und meint über die Stadt ihrer neuen Wirkungsstätte: Es ist auch eine konservative Stadt, aber was es für diese Größe an Angebot gibt, ist unglaublich, und auch, wie viel die Menschen daran teilnehmen. Der Steirische Herbst ist in der ganzen Stadt präsent. Jeder weiß, dass er stattfindet. Ob er hingeht, ist etwas anderes, aber es wird zu einem Bestandteil der Stadt. Das ist ein bisschen wie die Oper in Wien. Gleichgültig, ob man hingeht oder nicht, ist die Oper in Wien unglaublich wichtig, weil sie in der Mitte liegt und etwas Repräsentatives hat. Das gilt in Graz ein bisschen für die gesamte Kultur. Sie ist für die Identität der Stadt und die Leute ganz wichtig, und das spürt man.
Peter Konwitschny verkauft seinen Klassenzimmer-Lohengrin seit Jahren. Nun hat Leipzig zugegriffen und verkauft das als Premiere.
Interviews in unserer heutigen Presseschau: mit Gal James, die in Graz die "Rusalka" singt und mit Countertenor Max Emanuel Cencic, der derzeit in Dresden in "Giulio Cesare" zu erleben ist.
Die Bayreuther Festspiele bringen einen kompletten Ring unter Thielemann auf CD heraus, um 99 Euro sind Sie dabei.
Unter'm Strich erfahren wir, dass sich Deutschland nun Natascha Kampusch angelacht hat. Diese scheint darob ganz selig zu sein - und schimpft über Ihre Heimat Österreich - so wie der etwas weiter oben genannte Journalist (der sich dadurch profilieren will) und auch Schriftsteller, die damit namhafte und finanziell lukrative Ehrungen ergattern.
Inwieweit Frau Kampusch da gut beraten ist, lasse ich mal dahingestellt. Freunde schafft sie sich damit keineswegs. Ich vermute, dass sie diese aber später einmal noch brauchen wird.
Natascha Kampusch liest uns wieder die Leviten: Bei einer Pressekonferenz in Hamburg ist sie am Montag zum Watschentanz gegen ihre Heimat angetreten.In Österreich schlage ihr Missgunst und Aggressivität entgegen; es sei eine „Wiener Mentalität“, andere zu kritisieren und schlechtzumachen; die Medien seien penetrant; und: Ein österreichischer Journalist hätte „gleich etwas Unangenehmes, Intimes gefragt“. Sprach Kampusch und rührte die Werbetrommel für die Dokumentation „Natascha Kampusch – 3.096 Tage Gefangenschaft“, die am 25.1. gezeigt wird (ARD, 21 Uhr).
Bravo! So macht man sich Freunde. In den Medien und in der Bevölkerung. Das wohl berühmteste Entführungsopfer der heimischen Kriminalgeschichte hat aus den bitteren Erfahrungen nichts gelernt. Wenn sie denn tatsächlich in Ruhe gelassen werden will, sollte sie in der Öffentlichkeit schweigen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand bis zur Penetranz vor die Kameras springt, um dann zu raunzen, dass die Nation sich ihren eigenen Reim macht – inklusive derer, die's nicht gut meinen.
Sehr lustig soll hingegen Michael Niavaranis Film "Salami Aleikum" sein, der im Januar in die Kinos gelangt. Allerdings Vorsicht: mit dem Humor ist das so eine Sache. Das erlebe auch ich immer an dieser Stelle. Humor ist regionalbedingt! Niavarani, gebürtiger Perser und Integrations-Paradebeispiel, beherrscht den "Wiener Schmäh" wie wenige Wiener. Als er den bei den Dreharbeiten in Deutschland unter der Film-Mannschaft versprühen wollte, wurde er für geisteskrank gehalten. Erst nach 14 Tagen kamen die Nordländer darauf, dass das der "Wiener Schmäh" ist.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
A.C.
P.S.: Wegen der Tierheim-Hunde nerve ich Sie garantiert wieder. Jetzt naht Weihnachten - auch für Tiere!
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Donnerstag, 14. Dezember 2009
Der "Mann des Tages": Wiens designierter Staatsoperndirektor Dominique Meyer: Auch "News" verleiht Titel: "Kulturperson des Jahres"
In der Ära Dominique Meyer wird es eine bis dahin beispiellose Zahl an Opern- und Ballettpremieren geben: Das erklärt
der ab September 2010 amtierende Direktor der Wiener Staatsoper in einem Interview in der heutigen NEWS-Ausgabe, in der er als "Kulturperson des Jahres 2010" präsentiert wird.
Die Direktion Meyer beginnt mit sechs Opern- und drei Ballettpremieren (jene in der Volksoper nicht gerechnet). Das Ballett
soll vollkommen in den Spielbetrieb integriert werden. So übernimmt Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst selbst eine Ballettpremiere, nämlich Richard Strauss? "Josefslegende". Die Saisonpläne bis Juni 2013, sämtliche Premieren für 2013/14 und drei für 2014/15 stehen fest.
Ein Hauptvorhaben der neuen Direktion gilt Neuproduktionen aller Hauptwerke Mozarts, beginnend mit "Figaro". Welser-Möst übernimmt dabei die drei Da-Ponte-Opern. Außerdem wird der Generalmusikdirektor einen Zyklus der fünf zentralen Werke Janaceks leiten.
Weitere Atouts: ein "Ring"-Zyklus 2011 und ein neuer "Lohengrin" 2014 unter Thielemann; jährliche Auftritte mit insgesamt zwei bis drei Premieren des Tenors Jonas Kaufmann; umfangreiche Premierenpläne mit Elina Garanca, beginnend mit "Anna Bolena" an der Seite Anna Netrebkos in der ersten Saison.
Nur noch eine Saison erlebt das Kinderopern-Zelt auf dem Dach. Dann soll die neue Probebühne (vielleicht im Arsenal) fertig und das große Haus untertags frei für Kindervorstellungen sein. Meyer hat in seinen zehn Pariser Jahren 230.000 Kinder willkommen geheißen und dabei Raritäten wie Brittens "Schornsteinfeger" gespielt, mit Kindern auf der Bühne und mit Chören aus dem Zuschauerraum, die das kleine Publikum zuvor in der Schule einstudiert hatte. Ähnliches plant Meyer
nun für die Staatsoper.
Schön ist Holenders Lieblingsspielzeug "Kinderzelt" auf dem Dach der Staatsoper wirklich nicht! Räumt Monsieur Meyer nun auch mit anderem Holender-Unsinn, etwa der Verhängung des "Eisernen", auf. Konsequent war Holenders Idee ja von Anfang an nicht, denn Werke von komponierenden Nazi-Mitläufern gehören zum Standardrepertoire der Staatsoper und sind in der Praxis unverzichtbar, an Rudolf Eisenmengers "Eisernen" wurde ein Exempel statuiert! .
Meyer entsorgt auch Koskys "Lohengrin". Als ich das vor einigen Wochen geschrieben habe, wurde ich gefragt, woher ich das weiß, wie ich das behaupten kann. Ich weiß wirklich nicht mehr, wer mir das gesagt hat, mir werden viele Infos zugetragen. Selbst wenn ich den Informanten wüsste, würde ich ihn nicht nennen, weil dann wäre er für mich in Zukunft unbrauchbar. Auf den Janacek-Zyklus freue ich mich ehrlich, viel "Barockes" entnehme ich dieser ersten Anküdigung nicht.
Auch Christian Thielemann ist - trotz "Partner" Welser-Möst - für Meyer ein wichtiges Atout. Thielemann wird in Wien einen "Ring" dirigieren. Gestern hat Thielemann seinen Vertrag in Dresden endgültig unterzeichnet.
Christian Thielemann bei der Vertragsunterzeichnung
Christian Thielemann hat am Mittwoch, den 16. Dezember 2009, seinen Vertrag als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden ab 2012 unterschrieben. Dies tat er in Anwesenheit der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine von Schorlemer, in einem nicht-öffentlichen Termin in der Dresdner Semperoper.
Thielemanns Vertrag beginnt am 1. August 2012 und läuft über sieben Jahre bis zum 31. Juli 2019. Er beinhaltet pro Spielzeit mindestens 45 Dirigate im Konzert- und Opernbereich, davon in Dresden mindestens zwölf Sinfoniekonzerte (vier Programme), drei Sonderkonzerte und zwölf Opernaufführungen. Außerdem sieht der Vertrag mindestens 18 Tourneekonzerte mit der Staatskapelle Dresden pro Saison vor. Inhaltliche Details zu zukünftigen Konzert-, Opern- und Medienprojekten Thielemanns mit der Staatskapelle Dresden werden in einer Pressekonferenz Mitte Februar 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Im gleichen Zeitraum dirigiert Christian Thielemann in der Semperoper anlässlich des Dresdner Gedenktages Beethovens «Missa solemnis» (Konzerte am 13. und 14. Februar 2010).
Nun zu Bayreuth und damit zu einem Bruch mit der Tradition: Richard Wagner träumte von Gratis-Aufführungen für alle, und in gewisser Weise lebte seine Idee lange Zeit fort: Seit 1951 gibt es spezielle Gewerkschaftsvorstellungen bei den Bayreuther Festspielen. Die Karten waren zwar nicht gratis, aber deutlich billiger als Tickets zu regulären Festspielpreisen. Doch nun bricht man auf dem grünen Hügel mit der jahrzehntelangen Tradition, die zugleich ein Unikum in der Operngeschichte war: Die ermäßigten Sonderaufführungen soll es nicht mehr geben. Bereits 2010 gibt es nur noch eine Vorstellung für DGB-Mitglieder, und für die müssen sie die vollen Preise bezahlen. Bisher waren zwei Vorstellungen reserviert.
„Wir sind gezwungen, mehr Einnahmen zu generieren“, sagt Festspielsprecher Peter Emmerich. Außerdem sei die Sonderregelung für den Deutschen Gewerkschaftsbund auf wachsendes Unverständnis gestoßen. Protest kam zum Beispiel aus den Wagner-Verbänden, deren Mitglieder oft lange auf Karten warten müssen.„Außerdem könnten da ja auch andere gesellschaftliche Gruppen kommen, etwa die Kirchen“, gibt Emmerich zu bedenken. Man habe sich die Sache nicht leicht gemacht und dem DGB angeboten, weiterhin zwei Vorstellungen – allerdings zu normalen Preisen – zu kaufen; der Gewerkschaftsbund habe aber entschieden, 2010 nur noch eine Aufführung für seine Mitglieder („Lohengrin“ am 22. August 2010) zu erwerben.
"Da könnt ja jeder kommen" - das ist auch in Österreich ein beliebter Spruch, um etwas abzulehnen. Dass es sich dabei um eine Retourkutsche der Festspielleitung wegen des Arbeitskonfliktes im Sommer dieses Jahres handelt, ist wohl klar. Aber so sind sie eben, die Gewerkschafter. Wenn sie den vollen Preis zahlen müssen, sind sie gleich gar nicht mehr interessiert. Die brav voll zahlenden Wagnerianer kann diese Demaskierung der Privilegienritter nur freuen, obwohl dies nur den Tropfen auf einen heißen Stein darstellt.
In Berlin inszenieren die "Opernrevoluzzler" Novoflot Bachs "Weihnachtsoratorium unkonventionell:
"Gehet nun hin und erkundet das Radialsystem" heißt es bei Novoflot. Der Zuschauer wandelt umher, erfährt die unbekannteren Kantaten vier bis sechs des Weihnachtsoratoriums wie ein Stationendrama, läuft vom Erdgeschoss zu den Terrassen und in den Saal. Der Grund: Die pure Beschallung durch die eingängige Musik möchte man verhindern. "Das Weihnachtsoratorium wird bei jeder Bescherung gedudelt, es wird von jedem Unichor gesungen und im Kaufhaus schallt es auch aus den Lautsprechern. Aber kaum einer weiß, worum es darin eigentlich geht", sagt Holm. Novoflot wolle "Tabula Rasa" machen und das Weihnachtsoratorium neu entdecken. Deswegen werde dem Jauchzen und Frohlocken von damals die Trauer und Not von heute gegenübergestellt. Und dem Jammern von heute die Wiedergeburt der utopistischen Erlösung von damals. So sterben Kinder, die Geschenkkartons sind leer und die Weihnachtsfeier geht gehörig schief.
Außerdem haben Novoflot sich entschieden, die Reihenfolge umzudrehen. Die Kantaten vier bis sechs hört und sieht der Zuschauer in verschiedenen Räumen des Hauses in verschiedenen Gruppen, die Kantaten eins bis drei darf man dann in einem Raum genießen. Immerhin: "Es dauert bei uns zwei Stunden, bis der Besucher 'Jauchzet, frohlocket' zu Ohren bekommt", sagt Holm.
In Baden bei Wien fand die Premiere von Bruno Granichstädtens Operette "Der Orlow" statt. Unsere Presseschau berichtet in Form einer Kritik.
Bochum hat kein Geld für ein Konzerthaus. Glückliches Bochum! "Mein " Mauerbach hat nicht einmal Geld für ein Feuerwehrhaus. Bis heute früh um 2 h wurde in meiner Anwesenheit dort wegen 50.000 Euro rumgestritten. Deshalb erschien diese Kolumne heute etwas verspätet, wofür ich um Verständnis ersuche!
In Nürnberg bietet eine Kabarettistin "400 Jahre Sex in der Oper", am Deutschen Theater in Berlin kommt ein Brecht-Klassiker nicht so recht in Fahrt.
"Unter'm Strich" gelangen wir zur Jubiläums-TV-Serie "Tatort".
Nachträglich Geld für Tatort-Trailer
Die Grafikerin Kristina Böttrich-Merdjanowa verlangt eine Nachhonorierung für den Trailer, für den sie verantwortlich gewesen sei. Sie sei 1969 mit einer Einmalzahlung von 2500 Mark abgespeist worden. Deshalb klagt die Künstlerin gegen den Bayerischen Rundfunk und den Westdeutschen Rundfunk als die verantwortlichen ARD-Sender. Ihr Anwalt Nikolaus Reber spricht von einer sechsstelligen Forderung für die Ausstrahlungen der vergangenen zehn Jahre, die früheren seien verjährt.
Genug für heute!
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
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Freitag 18. Dezember 2009
Puccinis Oper La Bohème aus dem Jahr 1896 wurde letztes Jahr von Regisseur Robert Dornhelm auf die Kinoleinwand gebracht. Mit Anna Netrebko, einer der größten Opernsängerinnen der Gegenwart, und Rolando Villazón könnte diese Verfilmung wohl kaum besser besetzt sein. Im Interview erzählen die beiden Stars, die ihre Rollen bereits in der Bühnenfassung sangen, von der Arbeit am Film, den Unterschieden zwischen Bühne und Studio und ihrer Beziehung zu der Oper, die die Vorlage für diesen Film war: La Bohème!
Hatten wir diesen Opern-Film nicht bereits im ORF-Programm? Ich habe das nicht wirklich registriert, weil ich die DVD längst habe. Aber nun haben wir eines der wahrscheinlich vielen Interviews dazu. Ob diese Oper besser zu besetzen ist, ist immer eine Frage der jeweiligen Situation. Zum damaligen Zeitpunkt war diese Besetzung sicherlich die medial attraktivste. Aber unsere Zeit ist schnelllebig!
Interessanter ist da schon die Meldung, dass Cecilia Bartoli ihr Debüt als "Norma" geben wird.
Cecilia Bartoli singt die Norma. Photo-Copyright: Decca/Uli Weber
Dieses Rollendebüt erfolgt im Konzerthaus Dortmund zwar nur konzertant, ruft aber einiges Interesse hervor. Morgen beginnt der Kartenvorverkauf: Es ist der unbestrittene Höhepunkt der Saison 2009/10 am Konzerthaus Dortmund: Am 29. Juni und 1. Juli ist Cecilia Bartoli in einem sensationellen wie lang erwarteten Rollendebüt als Norma in Bellinis gleichnamiger Oper zu erleben. Damit stellt sich die Königin des Koloratur-Mezzofachs einer der bedeutendsten und schwierigsten Partien des gesamten Opernfachs. Die musikalische Leitung dieser wichtigen konzertanten Produktion liegt in den Händen von Thomas Hengelbrock, der seine eigenen Klangkörper, das Balthasar-Neumann-Ensemble und den gleichnamigen Chor, dirigieren wird. Der Kartenvorverkauf beginnt am 19. Dezember 2009. Lesen Sie in unseren Tagesinfos!
Ein Flügel des architektonisch markanten Opernhauses von Sydney ist zur Litfasssäule für einen Protest gegen die schleppenden Verhandlungen auf dem Kopenhagener Weltklimagipfel geworden. Laut lokalen Presseberichten kletterten Aktivisten von Greenpeace mit Bergsteigerausrüstung auf das Gebäude und brachten ein Plakat an, auf dem «Stop the Politics, Climate Treaty now» stand. Die Polizei entfernte das Spruchband nach zwei Stunden und nahm die Aktivisten fest.
Bei diesem "Klimagipfel" kann nicht mehr viel scheitern, Experten haben ohnedies kaum Hoffnungen in dieses Schauspiel gelegt. Heute ziehen noch Politiker ihre Show ab, dann folgt eine völlig verwaschene Formulierung. Wir in Österreich und vermutlich auch Sie in Deutschland werden wieder Klima-Musterschüler und dürfen uns dafür, dass wir kräftig zahlen, auch noch herzlichst auslachen lassen!
Intendant Geyer stellte das Programm des 14. Wiener Osterklang-Festivals vor, das vom 14. März bis zum 4. April 2010 im Musikverein, dem Theater an der Wien, der Hofburgkapelle und in der Minoritenkirche stattfindet. Pierre Boulez eröffnet mit den Wiener Philharmonikern (Strawinski - Psalmensymphonie und Janacek - Glagolithische Messe im Musikverein). Ab der Saison 2012/13 verlagert sich das Geschehen zunehmend in das Theater an der Wien. Der Kartenvorverkauf für 2010 hat gestern begonnen!
So ganz einhellig ist der Jubel über Sir Simons Wiener "Tristan" nun auch wieder nicht. Wilhelm Sinkovicz erkennt in Rattles Dirigat auch Schwächen: Von einer „Neueinstudierung“ ist dem Wortsinn nach dennoch weniger zu berichten als von einer Art „Austreibung“, wie ich es nennen möchte. Einmal abgesehen von den zahllosen Wackelkontakten, den kleineren und größeren harmonischen Interferenzen, die vielleicht als Tribut an den Geist der Spontaneität durchgehen mögen: Was das Orchester dieser Partitur zuletzt unter höchst unterschiedlichen Dirigenten an Farbenzauber und kunstvoll gestaltetem, bruchlosem musikalischem Erzählfluss abgewann, wich diesmal einer geradezu fragmentierten Nebeneinanderstellung klanglicher Einzelereignisse.
Die Salzburger Biennale, das Festival für Neue Musik, hat eine neue Leiterin: Heike Hoffmann. Diese kämpft gegen den Uraufführungswahn an. „Interessiertes neugieriges Publikum für neue Musik gibt es überall, aber es ist nicht ident mit dem Publikum für klassische Konzerte. Wer an neuer Musik interessiert ist, ist meist generell an neuen künstlerischen Entwicklungen, auch in der Bildenden Kunst oder im Tanztheater, interessiert.“ Heike Hoffmann will sich aber auch stark um das „klassische Publikum“ kümmern. Sie will ein Programm entwickeln, das ein möglichst breites Spektrum zeitgenössischer Musikproduktion darstellt. Sie ist aber „gegen ein Uraufführungsfestival“ und „gegen den Wahn, ein Stück nur einmal aufzuführen und dann wegzulegen“.
In Wien gibt es die "Stadtinitiative". Ich habe das bisher dem Kulturamt der Stadt Wien zugeordnet und deshalb relativ wenig beworben. Mailath-Pokorny und Co. haben genug Geld zur Verfügung, können sich also auch Werbung leisten. Nun aber höre ich, dass hinter dem etwas irreführenden Namen sehr viel Privatinitiative für diese Konzerte mit immer prominenteren Künstlern im Wiener Ehrbar-Saal steckt. Clemens Horvat heißt der idealistisch veranlagte Wunderknabe, der gerade mal 46.000 Euro pro Saison als Stadt-Subvention erhält: Will man sich's in Wien schwer machen, versucht man zwischen Musikverein und Konzerthaus eine weitere Musikstätte aufzubauen, die anspruchsvoll-durchdachte Programme bietet. Clemens Horvat, warum auch immer, hat sie aufgebaut, genauer: Er hat fast alles selbst gemacht. Programmieren. Geduldig Künstler ansprechen. Karten abreißen. Sich ums Licht kümmern. Klaviere herumschieben. Und Journalisten mit automatenhafter Beharrlichkeit auf Highlights aufmerksam machen.
Wir werden in den Wien-Infos einen Link zum Programm der Stadtinitiative legen: www.stadtinitiative.at.
Veranstalter Clemens Horvat mit einer seiner Künstlerinnen
Erntete die meisten Video-Abrufe des Jahres: Susan Boyle.
Das schottische Gesangstalent (!!) Susan Boyle ist mit Abstand der Renner dieses Jahres auf dem Videoportal YouTube. Ihr Auftritt in der britischen TV-Castingshow "Britain's Got Talent" wurde weltweit mehr als 120 Millionen Mal gesehen. Mit ihrer Interpretation des Musical-Klassikers "I Dreamed A Dream" heimste die 48-Jährige damit laut YouTube dreimal mehr Klicks ein als der Zweitplatzierte. Boyle erschloss sich ihre große Fangemeinde vor allem über das Internet.
Alterieren wir uns nicht darüber, vergönnen wir ihr den Erfolg. Vielleicht liebt sie ihr Hund dann wieder.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! In Wien - und wohl auch anderswo - ist es bitterkalt. Weiße weihnachten soll es aber trotzdem nicht geben, denn ab Dienstag soll es wieder kräftige Plustemparaturen geben.
A.C.
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Freitag, 15. Januar 2010
Dietmar Schwarz will in Berlin etwas verändern
Neue Besen kehren bekanntlich gut, Dietmar Schwarz präsentierte sich bei der gestrigen Presse-Vorstellung voller Tatendrang! Die Referenz "Opernhaus des Jahres", vergeben an Basel, der bisherigen Wirkungsstätte des Operndirektors (nicht Intendanten, denn das ist Georges Delnon) von der Zeitung "Opernwelt", wiegt scheinbar schwer. Ich werde in den nächsten Wochen nachforschen, wer und was hinter dieser "Opernwelt" steckt und bitte um "sachdienliche Hinweise" aus der Leserschaft. Nun also zur Basler Arbeit des Neu-Intendanten: Als Operndirektor zeichnete Schwarz zwar nicht für die künstlerische Planung in Basel verantwortlich - dafür sorgt der Intendant Delnon -, und er inszeniert auch nicht. Dennoch darf er sich die Auszeichnung "Opernhaus des Jahres" als Feder an den Hut stecken. Schwarz hat in Basel für Provokationen gesorgt. In seiner ersten Spielzeit bereits verursachte ein von Calixto Bieito inszenierter "Don Carlos" einen derartigen Wirbel, dass der Stadtrat von Basel-Land am liebsten die Subventionen für das Haus gekürzt hätte. Seitdem ist das Theater Basel zumindest im Opernsektor das profilierteste der Schweiz, was angesichts der eher brav-repräsentativen Zürcher Bürgeroper, der plüschigen Genfer Besitzstandswahrung und der kleinen Häuser in Bern oder Winterthur freilich nicht allzu schwer ist.
Liest man jedoch die Namen der von Schwarz verpflichteten Regisseure - außer Bieito sind Hans Neuenfels, Benedikt von Peter, Jetske Mijntssen, Christoph Marthaler - dann unterscheidet sich das kaum von den Regisseuren, die auch an der Komischen Oper in Berlin arbeiten - und die ist mit diesem Angebot 2007 "Opernhaus des Jahres" geworden. Und Philipp Stölzl, der in Basel bereits zweimal inszeniert hat, arbeitet schon an der Deutschen Oper: Sein "Rienzi" hat hier Ende Januar Premiere.
Der Basler Spielplan stellt eine solide Mischung dar aus Repertoirestücken und unbekannteren Werken wie Francis Poulencs "Karmeliterinnen". Er enthält alte Musik wie Francesco Cavallis "La Calisto" oder auch Operette wie Jacques Offenbachs "Grand-duchesse de Gérolstein", deren Inszenierung von Christoph Marthaler getrost als Geniestreich bezeichnet werden darf. Und auch im Bereich neuer Musik, den Schwarz zunächst stark zurückgefahren hatte, bringt die laufende Saison Entdeckungen: Neben der musikalisch wie szenisch gelungenen Realisation von Wolfgang Rihms Einakter-Sammlung "Drei Frauen" ist im März eine Uraufführung von Beat Furrer im Programm. Für die effektive Umsetzung künstlerisch verantwortungsvoller Programmideen steht Schwarz also durchaus. An der Deutschen Oper jedoch würden weder Barock-Oper noch Operette sonderlich gut funktionieren, für dieses Repertoire ist das Haus zu groß.
Von der Bild-Zeitung, der wir in Österreich nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen haben, wir Herr Schwarz gar bereits als "Star-Intendant" gehandelt. Das geht aber schnell. Bis vor zwei Tagen sagte mir der Name nicht viel (ein Operndirektor ist dem Intendanten eines Mehrspartenhauses untergeordnet), erst mit seiner Designierung wurde ich auf ihn aufmerksam - und da habe ich wahrscheinlich immer noch einen Vorsprung von einigen Stunden auf die meisten anderen Opernfreunde.
Probleme bekommt nun ein echter "Star-Intendant" - , diesmal in des Wortes wahrster Bedeutung: Placido Domingo. Zu Zeiten der Hochkonjunktur stellten Placido Domingos zahllose Engagements kaum ein Problem dar. Nun, da die Zeiten schwieriger werden, wird die Kritik am Chef der Los Angeles Oper und der Washington National Opera unüberhörbar. Sowohl die «New York Times» als auch die «Washington Post» äussern zur Zeit laut Bedenken am Hyperaktivismus des zum Bariton mutierten Tenors, der neben zahlreichen eigenen Auftritten gleich zwei Opernhäuser zu managen versucht.
Die «New York Times» zitiert Branchenkenner, die erklären, es sei schwierig, von Domingo klare Entscheide zu erhalten, und seine künstlerischen Ambitionen hätten den Boden der ökonomischen Realitäten verlassen. Ins gleiche Horn stösst die «Washington Post». Sie moniert, dass Domingo sich mit dem wegen der Wirtschaftskrise abgespeckten Programm der Washington National Opera nicht abfinden kann. Weshalb muss ein Direktor «mit dem Ruhm, dem Charme und der Flexibilität Domingos» sich von dem im Haus erreichten distanzieren, fragt die «Washington Post», statt «die Ärmel hochzukrempeln und seine Visionen zu realisieren»?
Die Antwort gibt sie sich gleich selber: Er dirigiere «Stiffelio», singe «Simone Boccanegra», oder versuche in Los Angeles ein anderes Haus in den Griff zu bekommen, ohne dort mehr zu erreichen als in Washington. (cf)
Den Salzburger Festspielen ist ein Coup gelungen - entgegen dem Trend investiert ein Türke Millionen in Österreich und in die Festspiele. Da begab sich doch die Präsidentin mit dem interimistischen Intendanten Markus Hinterhäuser glatt an den Bosporus, um das Programm vom neuen Mäzen absegnen zu lassen.
Die Präsidentin und ihr neuer Geldgeber
Ahmet Kocabiyik ist ein vorsichtiger Optimist. Auf die Frage, wann denn die Türkei der Europäischen Union beitreten werde, sagt der Großunternehmer aus Istanbul: „Man kann das nur schwer vorhersagen – aber hoffentlich in zehn Jahren.“ Ginge es in dem engagierten Tempo, mit dem Kocabiyik die westliche Kultur umarmt, dann wäre diese Prognose sogar realistisch. Der Industrielle, dessen Holding Borusan mehrere Milliarden Euro Umsatz mit Stahl, Röhren, Luxusautos, Baufahrzeugen und im Energiesektor macht, hat bei seinem Hobby, der Musikpflege, nun vor allem Österreich entdeckt. Er lässt den jungen Dirigenten Sascha Goetzel das hauseigene Symphonieorchester ausbauen und wird 2011 bis 2013 ein großzügiger Sponsor der Salzburger Festspiele sein.
Wie großzügig, das wird nicht verraten. Aber es wird sicher kein "Klacks" sein, der Mann hat Geld . Zusätzlich schaut man sich nach weiteren Sponsoren in noch ferneren Ländern um - so soll auch ein Brasilianer mit geöffneter Brieftasche locken. Das Ziel der Fespiele ist klar definiert: "Bei aller Wertschätzung unseren Nachbarn gegenüber wollen wir nicht das Sommertheater der Bayern sein.
Mutige oder dumme Worte? Der beste, weil verlässlichste Sponsor ist immer noch das zahlende Publikum!
Nikolaus Bachler
Welch sympathischer Zeitgenosse Nikolaus Bachler ist, merken nun auch jene, für die die Salzburger Festspiele nicht das Sommertheater abgeben wollen. Diesen Klaus, der sich nun Nikolaus nennt (so heisst er wohl tatsächlich, warum war er bei uns wohl der "Klaus"?) haben wir Ösis an die Isar entsorgt. Und dort redet er wie ein Großer: Erst in der zweiten Spielzeit ist Nikolaus Bachler Intendant an der Bayerischen Staatsoper in München und spricht schon so, als hätte er das Haus selber gebaut, alle Produktionen inszeniert und alle Rollen selbst gesungen. "Die Bayerische Staatsoper ist das führende Opernhaus in Deutschland", sagte er unlängst und beschwor ein Raunen herauf in der Bayerischen Vertretung, immerhin war es die Komische Oper, die 2007 "Opernhaus des Jahres" wurde. "Jaja, das kann man auch konkret belegen" - und dann ratterte Bachler Erfolgszahlen aus München herunter.
Den Berliner Kollegen gab er den Tipp, ihre Häuser nach dem Vorbild Wien oder Paris auf ein bestimmtes Repertoire zu beschränken, anstatt an allen Häusern alles zu spielen. Wenn das alles ist, was Bachler zu dem Thema einfällt, kann er sich in Zukunft darauf beschränken, seine Eitelkeit in München spazieren zu führen: Auf diese Idee ist man in Berlin auch schon gekommen.
Aber lesen Sie die Ergüsse des Nikolaus in unserer Presseschau!
Auch nicht gerade uneitel ist Hans Joachim Frey. Zwar ist er längst nicht mehr an der Semperoper tätig, den "Semperopernball" hat er aber für sich behalten:
Hinter den Kulissen dirigiert Frey etwa tausend Mitarbeiter, vom Kellner bis zum Staatskapellmeister. Für eine MDR-fernsehtaugliche Reminiszenz an höfischen Glanz in der früheren Residenzstadt. Für eine Nacht zwischen Kaiserwalzer und einer von 60 Köchen komponierten »Sinfonie von Kalb und Rind«. »Wir bieten Klassik-Entertainment«, sagt Frey, »das war für viele in Dresden, auch innerhalb der Oper, erst shocking.« Über seinen Ball meint er: »Davon vibriert und spricht heute die ganze Stadt.«
Der Niedersachse, seit 2007 Theaterintendant in Bremen und davor Operndirektor in Dresden, hat das Fest mit wenigen Mitstreitern aus dem Boden gestampft, mutig, mit freimütigem Größenwahn. Der Wiener Opernball bietet dreißig Minuten Auftaktprogramm – also macht Frey in Dresden neunzig. Wien lässt Debütantinnen in Weiß antanzen – seinen verordnete Frey die Signalfarbe Rot. Wien begrüßte als Stargast die frühere US-Außenministerin – Frey holte voriges Jahr Russlands Premier Wladimir Putin.
Durch die dubiose Verleihung eines »Sächsischen Dankordens« an den ehemaligen Dresdner KGB-Residenten Putin gelangte der Ball aus der MDR-Nische bis in Tagesschau und internationale Presse. In der Stadt selbst indes kam diese PR-Aktion des Kulturmanagers – wie sein Drang nach Society-Gepränge – nicht gut an; zumal in den kunstsinnigen Kreisen, für die »Kultur« und »Manager« zusammen kein Wort ergeben.
Katharina Herb beweist, wie "sexy Opern sein können". Moment, den Namen habe ich schon gehört! Das war jene Unsäglichkeit, die beim Opernwettbewerb-Finale auf 3-Sat mit aller Gewalt lustig sein wollte!
Das traurige Schicksal im Finale des Lebens der Petra Schürmann muss leider auch erwähnt werden.
Sieht so ein "ungemachtes Bett aus"? Sharon Stone krisiert Kollegin Meryl Streep
Sharon Stone zieht das öffentliche Interesse in letzter Zeit weniger aufgrund ihrer glänzenden Filmrollen denn durch seltsam anmutende und teils wenig charmante Aussagen auf sich. Nun hat die 51-jährige Schauspielerin ihrer Kollegin Meryl Streep ein zweifelhaftes Kompliment gemacht:
"Meryl sieht aus wie ein ungemachtes Bett. Aber für mich sieht das ehrlich aus", sagte der "Basic Instinct"-Star im Interview mit dem britischen "Tatler"-Magazin. Weil sie so gewöhnlich aussehe, könnten sich Frauen so gut mit Streep identifizieren. Aus diesem Grund bekomme die 60-Jährige auch so viele Rollen, erklärte Stone weiter.
Sharon Stone schaut aus wie ein allzu gerade gespanntes Bettzeug, in das niemand reinsteigen will…
Genug des Lästerns, einen schönen Start ins Wochenende wünscht
A.C.
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Samstag, 16. Januar 2010
Nur dreimal steht "South Pacific" an der Wiener Volksoper auf dem Spielplan - und das noch dazu konzertant (semiszenisch nennt man das heutzutage). Aber die Volksoper wird durch die Mitwirkung von Stars wie Ferruccio Furlanetto und Majana Lipovsek geadelt. Premiere ist heute, Vorstellungen folgen am 18. und 20. Januar.
Ist Marjana Lipovsek die Nettigkeit in Person? Ist sie. Die Frau, die auf allen Weltbühnen schon alles war - Mörderin und Ermordete, Hexe und Kaiserin, Amme und Schnuckiputzi - ist als sie selbst ein Mensch von furioser Freundlichkeit. Weil man wegen eines Missverständnisses eine Viertelstunde im Kalten hat warten müssen, gibt“s einen Kaffee, später Literaturtipps zur Lebensqualitätsverbesserung und final die herzlichste Umarmung ever!
Zwischen Kaffeekochen und Umarmung erzählt die gebürtige Slowenin auch, wie es zu ihrem simultanen Volksopern- und Musicaldebüt kam: " Herr Straßer, der Chef des künstlerischen Betriebsbüros, hat mich angerufen und gefragt, ob ich bei South Pacific mitmachen wolle; ich hab gesagt, ich hab“ keine Ahnung, was das ist. Er hat dann gemeint, das sei ein Musical, und ich solle dort die „Bloody Mary“ singen. Und der Name hat mir so gut gefallen, dass ich gesagt habe:, passt, das nehm“ ich
ung'schaut! Sie hat es nicht bereut: Das Stück des US-amerikanischen Erfolgsduos Rodgers & Hammerstein gefalle ihr gut, die Proben mit Kollegen Ferruccio Furlanetto und Sandra Pires geschähen professionellst, und Dirigent David Levi sei in diesem Genre eine Kapazität. An ihrer Partie behagt ihr nicht nur der Ohrwurmfaktor des Hits "Bali Ha“i" , sondern auch dessen Inhalt: "Die Nummer hat so viel Tiefe: wenn Sie den Text durchlesen - das ist ja fast Freud! Denn mit Bali Ha“i ist die Insel gemeint, die in einem selbst drin ist, das eigene Zentrum, der Punkt, wo man in sich ruht. Danach sucht man doch ein ganzes Leben lang!"
Heute ist auch die in wohl allen Kinos praktisch ausverkaufte "Carmen" -Übertragung aus der New Yorker Metropolitan Opera. Elina Garanca hat im Dezember die Titelrolle von Angela Gheorghiu übernommen. Mit dieser Carmen zieht Garanca derzeit um die Welt, aber es soll Leute geben, die sich an ihr nicht sattsehen können. Gheorghiu wäre aus meiner Sicht interessanter - weil neu - gewesen, aber es sollte eben nicht sein. Wie gesagt, wer noch keine Kinokarten hat, wird nur mit großen Problemen welche bekommen und sollte sich bereits um die nächste Übertragung (Hamlet am 27.3., dann steht noch Armida im Mai auf dem Kino-Plan) bemühen.
Dietmar Schwarz, der "Neue in Berlin", interessiert uns auch am dritten Tag nach seiner Bestellung noch. Den entscheidenden Eckpunkt seiner Intendanz ab der Saison 2012/13 hat sich Schwarz schon einmal absegnen lassen. Sechs Neuinszenierungen will er pro Spielzeit herausbringen, mit weniger sei eine Neuprofilierung von Berlins größtem Opernhaus nicht möglich. Das kostet Geld, ist zugleich aber überlebenswichtig, da es seit der Ära Zimmermann an der Deutschen Oper keine echte Repertoireerneuerung gegeben hat.
Schwarz will an der Deutschen Oper „den Tisch leer machen und neu decken“. Dazu sucht er auch das Gespräch mit Künstlern, mit denen er in Basel erfolgreich zusammengearbeitet hat. Doch die inszenieren längst an der Komischen Oper – und unter ihnen ist kein Name, den Donald Runnicles bisher als Regisseure seines Vertrauens genannt hat. Dennoch signalisiert der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper in einem Grußwort aus San Francisco Einverständnis mit seinem neuen Intendanten: „Ich bin begeistert. Es lebe die Teamarbeit. Es lebe die Deutsche Oper.“
Leben ins Haus will Schwarz auch durch Uraufführen bringen und durch eine neue Studiobühne mit 199 Plätzen, die im Bereich der dann ausgelagerten Werkstätten entstehen soll. Hier wird Raum für neue Kinder- und Jugendopern sein, für junge Stimmen, neue Musik und Nachwuchsregisseure. Sorgfältig vermeidet es Schwarz, irgendeinen Namen fallen zu lassen. Lieber möchte er Ideen zusammen mit den Menschen an seinem künftigen Haus entwickeln. Dabei versucht er sich vorsichtig ebenso vom Image des Kulturmanagers abzuheben wie vom Typus des Künstlerintendanten. Und wirkt so ein bisschen wie der neue Chefcoach der Deutschen Oper, das Hemd aufgeknöpft, den Seidenschal kaum sichtbar unterm Jacket getragen.
Kirsten Harms geht im Sommer 2011, Dietmar Schwarz wird erst nach Erfüllung seines Basler Vertrags ab 1. 8. 2012 an der Deutschen Oper antreten. Bis dahin muss er an einem Konzept feilen, dass die große deutsche, italienische und (auf Wunsch von Runnicles) französische Oper neu für sein Haus entdeckt und zugleich die Auslastung steigert.
Nächste Station im Berliner Opernkarussel: Die Komische Oper sucht einen Musikchef als Nachfolger für Carl St. Clair. Zusammen mit Barrie Kosky soll der die Handschrift des Hauses ab Herbst 2012 prägen. Zu diesem Zeitpunkt beginnen auch Schwarz und Runnicles ihre Zusammenarbeit an der Deutschen Oper, während das Duo Barenboim/Flimm im Schiller Theater der Renovierung der Staatsoper entgegen spielt. Die von Wowereit viel beschworene „produktive Konkurrenz“ unter den Opernbühnen könnte dann ihren Frühling erleben. Die Zukunft für die drei Berliner Musiktheater hat wahrlich schon winterlicher ausgesehen.
Katharina Wagner inszenierte in Mainz Puccinis "Madama Butterfly". Premiere war gestern.
Auf die Frage, ob es leichter ist, sie als Regisseuse für eine "Nicht Wagner-Oper" zu bekommen, meinte sie (Auszug aus einem Interview):
Wahrscheinlich sind die Chancen größer, wenn es keine Oper von Wagner ist, denn das Wagner-Repertoire ist ja begrenzt, und ich möchte schließlich nicht mit 32 Jahren jeden Wagner einmal inszeniert haben.
Sie inszenieren jetzt Puccini. Seit wann interessieren Sie sich für diesen Komponisten, dessen Werke im Hause Wagner in Bayreuth sicherlich nicht zum täglichen Brot gehörten?
Ich hatte schon immer einen Puccini-Faible und mache da auch gar keinen Hehl daraus - auch wenn ihn manche für einen Filmmusikkomponisten halten. Nein, ich habe eine Puccini-Leidenschaft, der ich gerne nachgebe.
.Am Staatstheater Mainz inszeniert Katharina Wagner jetzt Puccinis Oper "Madama Butterfly". Die musikalische Leitung hat Catherine Rückwardt. Die Hauptrollen singen Abbie Furmansky und Sergio Blazquez.
Im TV können wir den Semperopernball bewundern. Und da wartete der Veranstalter mit einer netten Überraschung auf: Eine echte Hochzeit war Hauptattraktion des Balles. Mehr davon morgen!
Als Vorlage dient der Wiener Opernball, das hat der Zeremonienmeister schon erkannt. Nicht gerade uneitel ist Hans Joachim Frey. Zwar ist er längst nicht mehr an der Semperoper tätig, den "Semperopernball" hat er aber für sich behalten:
Hinter den Kulissen dirigiert Frey etwa tausend Mitarbeiter, vom Kellner bis zum Staatskapellmeister. Für eine MDR-fernsehtaugliche Reminiszenz an höfischen Glanz in der früheren Residenzstadt. Für eine Nacht zwischen Kaiserwalzer und einer von 60 Köchen komponierten »Sinfonie von Kalb und Rind«. »Wir bieten Klassik-Entertainment«, sagt Frey, »das war für viele in Dresden, auch innerhalb der Oper, erst shocking.« Über seinen Ball meint er: »Davon vibriert und spricht heute die ganze Stadt.«
Der Niedersachse, seit 2007 Theaterintendant in Bremen und davor Operndirektor in Dresden, hat das Fest mit wenigen Mitstreitern aus dem Boden gestampft, mutig, mit freimütigem Größenwahn. Der Wiener Opernball bietet dreißig Minuten Auftaktprogramm – also macht Frey in Dresden neunzig. Wien lässt Debütantinnen in Weiß antanzen – seinen verordnete Frey die Signalfarbe Rot. Wien begrüßte als Stargast die frühere US-Außenministerin – Frey holte voriges Jahr Russlands Premier Wladimir Putin.
Durch die dubiose Verleihung eines »Sächsischen Dankordens« an den ehemaligen Dresdner KGB-Residenten Putin gelangte der Ball aus der MDR-Nische bis in Tagesschau und internationale Presse. In der Stadt selbst indes kam diese PR-Aktion des Kulturmanagers – wie sein Drang nach Society-Gepränge – nicht gut an; zumal in den kunstsinnigen Kreisen, für die »Kultur« und »Manager« zusammen kein Wort ergeben.
Unter'm Strich kommen wir zu Alfons Haider (unlängst mit argen Problemen in einer Berliner Disco konfrontiert, in die man ihn, den "Promi", ohne Reservierung nicht einlassen wollte und wo er angeblich unsanft vor die Tür gesetzt wurde), der in einer fast mitternächtlichen Talkshow meinte, dass "Österreich ein verlogenes und verschissenes Land" sei. Ich möchte das gar nicht kommentieren, gedacht habe ich mir das allerdings manchmal auch schon. Sagen würde ich es freilich nie. Überhaupt dann nicht, wenn ich vom ORF abhängig wäre. Auch glaube ich nicht, dass wir beide das gleiche gemeint haben. Jedem sei seine Sicht unbenommen. Trotzdem liebe ich dieses Land! Deshalb will ich ja mithelfen, es noch lebenswerter zu machen. Das billige ich Alfons Haider auch zu, nur die Wege dahin sind wohl verschieden.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
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Sonntag, 17. Januar 2010
Mit einem Feuerwerk und einer großen Eröffnungsshow hat am Abend ein Programm von insgesamt mehr als 400 Kunst- und Kulturprojekten in diesem Jahr begonnen.
Die wirtschaftliche und kulturelle Metropole der Türkei will sich als «inspirierendste Stadt der Welt» präsentieren, so das Motto der Veranstaltungsreihe. Istanbul ist zusammen mit Essen und dem ungarischen Pécs Kulturhauptstadt. Mit dem Titel will der Europäischen Rat bei den Europäern ein Bewusstsein ihres gemeinsamen kulturellen Erbes schaffen.
An der Wiener Volksoper hatte die erste der drei Vorstellungen des Musicals "South Pacific" die sogenannte "Premiere". Renate Wagner war für uns dort. Insgesamt gesehen ist diesem Wagnis Erfolg beschieden, wenngleich zu einem Musical natürlich eine opulente Ausstattung gehört: Wem muss man es denn sagen: Musicals bestehen eben nicht nur aus Musik, wenn dies auch ihr entscheidender Anteil ist. Aber oft genug haben Ausstattung und Choreographie den Erfolg entschieden, und ein bisschen Regiezauber von kompetenten Händen hat noch nie geschadet. Gewiss, die Herrschaften in der Volksoper haben etwas wie „Kostüme“ an, der Chor marschiert gelegentlich im Gänsemarsch (die im Programm aufgeführten „Tänze“ sind allerdings Angeberei), Marjana Lipovsek wackelt hingebungsvoll mit den Hüften, das Liebespaar küsst sich sogar mehrfach, der Komiker outriert. Das macht allerdings noch keinen Theaterabend. „South Pacific“ ohne Südseezauber wirkt anämisch.
Am Ende ihrer Besprechung meint die Rezensentin: Direktor Meyer hat übrigens seine scheinbar so unerschütterlich vorgetragene Versicherung, bei ihm werde auf der Bühne nur Deutsch gesprochen, stillschweigend vergessen. Auf die Frage bei der Pressekonferenz, wie er es mit „South Pacific“ halten würde, meinte er damals im Brustton der Überzeugung, man werde die Nummern englisch singen, die Zwischentexte natürlich Deutsch sprechen. Keine Spur – vermutlich weil Ferruccio Furlanetto, der nichts tut, was er nicht will, sich auf diese Mühe nie und nimmer eingelassen hätte (als man von ihm in der Staatsoper verlangte, außer Pater Guardian noch den Calatrava zu singen, wie es das wunderbare Regiekonzept vorsah, hat er nur gelacht). Mit einem Wort – alle sprechen Englisch, mit den Texten in der Hand, sie können es unterschiedlich gut, nun ja, oben läuft die Übersetzung. Und wir, die wir immer für die Originalsprache plädieren, beschweren uns ja nicht. Wir finden nur Politiker-Verhalten auch bei Theaterdirektoren – à la das „Was gebe ich auf mein Geschwätz von gestern“ des guten Konrad Adenauer…
Philipp Stölzl
Mit spektakulären Videoclips für Rammstein und Madonna, mit edlen Werbeaufnahmen für große Firmen und zuletzt auch mit Kinofilmen («Nordwand») hat sich der Regisseur Philipp Stölzl rasch einen Namen gemacht. Vor fünf Jahren entdeckte er dann seine Liebe zur Oper und hat seither an großen Bühnen wie Basel und bei den Salzburger Festspielen inszeniert. Jetzt zeigt der 42-jährige Sohn des ehemaligen Berliner Kultursenators Christoph Stölzl seine erste Inszenierung in seiner Heimatstadt Berlin. «Durch die Musikvideos habe ich mich sehr viel mit der Umsetzung von Musik in Bildern und Erzählung beschäftigt, da ist der Schritt zur Oper gedanklich eigentlich nur noch klein», sagt Stölzl. Zu sehen ist am 24. Januar an der Deutschen Oper das selten gespielte Frühwerk Richard Wagners, «Rienzi».
Ja-Wort beim Semperopernball
Auf diese Idee ist Wiens Opernzampano nie gekommen, im Stillen wird er sich darüber ärgern. Der diesjährige Semperopenball konnte mit einer echten Hochzeit aufwarten. Vor Tausenden Menschen im Saal, auf dem Theaterplatz und daheim vor den Fernsehern hat sich ein Brautpaar das Ja-Wort gegeben. Das war unter den vielen großartigen Augenblicken wohl der bewegendste der schönsten Nacht des Jahres. Das Liebespaar Yvonne Buder und Torsten Dreßler aus Dresden heiratete auf der großen Bühne vor der Semperoper.
Kleiner Schönheitsfehler: Die beiden sind bereits seit 12 Jahren ein Paar. Zumindest war das also keine unüberlegte Hochzeit nur des Balles wegen!
Auf eine andere Königsidee kam Katharina Wagner. In Mainz inszenierte sie Puccinis "Madama Butterfly" - und sie rückt an Stelle von Pinkerton den schmierigen Goro (!) in den Fokus.
Katharina Wagner inszenierte in Mainz Puccinis "Madama Butterfly". Premiere war gestern.
Katharina Wagner stellt den Konflikt Cio-Cio Sans mit Goro, der hier als Gaukler und Magier erscheint, in den Mittelpunkt, für Pinkerton bleibt die Rolle des nur durch ein paar Annehmlichkeiten korrumpierten Fremden. Er bewegt sich etwas täppisch durch die Szenerie (Bühnenbild und Licht: Monika Gora), die im ersten Akt von sich drehenden weißen Plattformen geprägt ist. Später werden sie im Hintergrund aufeinander gestapelt und bilden Landschaften der Erinnerung, wie es scheint.
Die Darstellung bleibt derweil im jung-wagneresken Rahmen. Bei Katharina schmiert immer jemand etwas mit Farbe an die Wand, ständig stehen ein paar leere Flaschen herum, und ohne Plastikbusen geht es einfach nicht ab. Es gibt kein Feuer in dieser "Madame Butterfly", keinen Bildersturm, aber es ist auch nicht so bieder, dass man sich von Herzen amüsieren könnte. Die Dame badet gerne lau, würde Herbert Wehner sagen. Und angesichts der herzzerreißenden Geschichte ist es schade, dass sie überhaupt ins Wasser gestiegen ist..
Diese Wandschmiereien kenne ich doch aus einer anderen Katharina-Inszenierung! Haben die in Bayreuth einen guten Psychoanalytiker?
In Gelsenkirchen können sich die Zuschauer ihre Oper so gestalten, wie sie wollen, die bedürfen keines Regisseurs mehr.
In Recklinghausen wurde „Die Affäre Manon” mit den Sängern des Musiktheaters und der Neuen Philharmonie Westfalen aufgezeichnet. Daraus wurden fünfzig Episoden geschnitten, die als Anregung für die User fungieren sollen. Die Musik kann mit Gesang oder ohne als MP3 herunter geladen werden. Wer mitmachen will, kann die Szenen nun anhand der Vorgaben filmisch nachempfinden. „Die von uns eingestellten Szenen sind als Assoziationsmöglichkeiten zu verstehen”, erklärt Anna Melcher. Ob man eine Szene bearbeitet oder mehrere und dabei chronologisch vorgeht oder nicht, das tut nicht viel zur Sache. „Hier wird im Patchwork-System nach und nach eine Oper entstehen”, prognostiziert Anna Melcher. Wer mitmachen will, muss sich zunächst auf der Seite Internetoper.de anmelden. Über die „Toolbox” können einzelne Episoden ausgewählt werden. Hier sind die Szenen beschrieben und die Musik steht zum Download bereit. Hat ein User eine Szene filmisch verarbeitet, kann er sie über seinen Account ins Netz stellen und so am großen Experiment der Internetoper teilhaben.
Eine Zensur findet übrigens nicht statt, weder inhaltlich, noch technisch. „Wir wünschen uns sogar Beiträge unterschiedlicher Qualität, von der Profi-Kamera bis hin zur Handy-Cam”, so Michael Schulz.
Kennt sich da jemand aus? Mir sagt das nicht viel. Aber das wäre doch eine Möglichkeit für unsere "Merkerer" - eine Oper zum "Selberschnitzen"!
Nun kommen wir nochmals zur "schönsten Oper aller Zeiten": Verdis virtuoser Primitivismus wäre schöner als Wolfgang Amadeus Mozarts delikates Freimaurer-Mysterium der "Zauberflöte" und schöner als Richard Wagners gewaltiges Weltenepos "Der Ring des Nibelungen". Verdis virtuoser Primitivismus wäre schöner als die flackernde erotische Ekstase von Richard Strauss’ "Salome" und die Musik gewordene Menschenliebe von Alban Bergs "Wozzeck". Verdis virtuoser Primitivismus wäre sogar schöner als Verdis alterskluger Humor des "Falstaff".
Wie mag das zugegangen sein? Das frage ich mich auch! Aber so lange man das nicht ernst nimmt, ist es eine harmlose Spielerei!
"Unter'm Strich kommen wir wieder zu Dominic Heinzl, dem ich zu viel Beachtung zuwende - ich weiß das selbst. Aber als Gebührenzahler ärgert mich, dass diesem Mann auch finanzielle Narrenfreiheit - mit meinem Geld - zugebilligt wird. Damit hat wohl niemand gerechnet: Die Quoten von Dominic Heinzls neuer ORF-Sendung "Chili" sackten nach den ersten Tagen völlig ab - und bescheren den Kritikern des Heinzl-Engagements im Gegensatz dazu unerwarteten Auftrieb.
Zu diesen Kritikern zähle auch ich. Ich finde, dass dieser Mann weit über seinen tatsächlichen Wert gehandelt wird. Wie tief sein Niveau ist, hat er mit der Bloßstellung von Richard Lugners "Katzi" eindeutig demonstriert. So etwas tut man nicht! Dass Richie sich das gefallen hat lassen beweist mir, dass er bereits "verheinzelt" ist. Oder ist Heinzl bereits total "verlugnert"?
Wie dem auch sei, die Talfahrt von "Mitten im Achten" könnte noch eine weitere Dimension erfahren.
Trotzdem, schönen Sonntag wünscht
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Montag, 18. Januar 2010
Die Prognosen waren doch nicht über-optimistisch, Christoph Waltz und Michael Haneke gewannen die begehrten Trophäen.
Doppelter Triumph für den österreichischen Film: Nach Michael Haneke für seinen Film "Das weiße Band" hat auch der österreichische Schauspieler Christoph Waltz in Los Angeles einen Golden Globe entgegengenommen. Mit seiner Darstellung des ebenso charmanten wie bösartigen SS-Offiziers Hans Landa in Quentin Tarantinos Kriegsgroteske "Inglourious Basterds" hat er auch die Hollywood-Auslandspresse überzeugt und gewann den Golden Globe als Bester Nebendarsteller.
Der 53-jährige in London lebende Wiener setzte sich dabei u.a. gegen US-Größen wie Matt Damon und Woody Harrelson durch. Bereits bei den Filmfestspielen in Cannes war Waltz als bester Schauspieler geehrt worden. Die Golden Globes gelten als zweitwichtigste US-Filmpreise, eine Oscar-Nominierung für Waltz am 2. Februar gilt nun als sehr wahrscheinlich.
Die Preise wurden zuerkannt, ohne dass die "Opernwelt" dazu ihren Segen gegeben hat. In "unserer Branche" wäre das wohl nicht möglich gewesen!
Nun wollen wir eine ernste Meldung voranschicken: Wolfgang Wagner ist an Lungenentzündung erkrankt, in seinem Alter ist das keine Kleinigkeit. Publik wurde es durch das Fehlen seiner Tochter Katharina bei der Premiere der von ihr inszenierten "Madama Butterfly" in Mainz. Die Regisseurin eilte an des Vaters Krankenbett. Von dieser Stelle richten wir aufrichtige Genesungswünsche an Wolfgang Wagner nach Bayreuth!
Nun zu RUHR2010: Kohle, Schalke, Currywurst: 2010 sollen sich die durchschnittlichen Assoziationen zum Ruhrgebiet gründlich ändern - Essen und die Region sind die Kulturhauptstadt Europas. Die Chancen für einen Imagewandel stehen offenbar auch recht gut: Zwei Drittel der Deutschen haben zumindest schon von "RUHR.2010", wie sich das Projekt selber nennt, gehört. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von west.art, dem Kulturmagazin des WDR. Dabei ist das Veranstaltungsprogramm von RUHR.2010 noch nahezu unbekannt. 93 Prozent der Befragten wissen zum Beispiel nichts vom größten Chor-Konzert Europas, dem Picknick auf der Autobahn A 40 oder den Heliumballonen, die aus hunderten ehemaligen Bergwerkschächten schweben sollen.
Im "Online-Merker" wurde "South Pacific", die konzertante neue Wiener Volksopernproduktion, besser kritisiert wie in den Tageszeitungen. Das sei nur erwähnt, weil es bei anderer Gelegenheit bereits Kritik an der Kritik aus den eigenen Reihen gegeben hat.
Was schreibt nun "Die Presse": Es herrscht eine Atmosphäre wie bei einer Stellprobe für eine Amateuraufführung in der Küche eines Gemeindebaus. Am Schluss erscheint der wackere französische Plantagenbesitzer, der im Dschungel das Kriegsglück für die Amis wendete, frisch vom Schlachtfeld im Smoking. So haben wir uns den Krieg immer schon vorgestellt.
Am besten lausche man den süßen Melodien geschlossenen Auges: Wobei die Sänger durchaus ansprechend aussehen, vor allem Sandra Pires als Krankenschwester mit etwas gelacktem Temperament und netter Stimme. Stephen Chaundy, Vernon J. Rosen, René Rumpold sind wohltönende Militärs. Herzig: die Kinder (Daniel C.Schneider, Clara Golino). Christoph Wagner-Trenkwitz, ein ausgezeichneter Conférencier und tiefer Kenner der leichten Muse, hier als Schleichhändler zu erleben, sollte auf schauspielerische Betätigung lieber verzichten. Das ist nicht sein Genre. Schon gar nicht sollte er Baströckchen mit Kokosnuss-Busen-Attrappen tragen. Smoking passt besser zu ihm.
Nun wechseln wir an das Inspizientenpult der Wiener Staatsoper:
Wo Richard Weinberger arbeitet, sieht es aus wie in einem Cockpit.
Genauer: wie im Cockpit einer nicht besonders modernen Maschine. Da blinkt nichts aus Chrom und Stahl, wirkt das Regelpult schon ein wenig angejahrt, aber das Wichtige ist: Alles funktioniert reibungslos. Tasten gibt es hier und Mikrofone, Monitore und Telefone, Regler und Schalter, alles natürlich vom Zuschauerraum aus nicht einsehbar. Aber wenn Sie das nächste Mal die Staatsoper besuchen: Das Kämmerchen, in dem dieses Cockpit aufgebaut ist, liegt hinterm Vorhang gleich rechts. Lesen Sie mehr in unserer Presseschau!
"Rienzi" in Berlin, Philipp Stölzl inszeniert: Richard Wagner selbst wollte den "Rienzi", die künstlerische Jugendsünde, nicht im Bayreuther Festspiel-Kanon haben. Stölzl, der hoch gebildete Anfangvierziger, weiß das alles, er ist aber einer der ehrgeizigen Bildtüftler, einer, der Widerspruch nicht scheut. Er habe an der Oper alle Striche angesetzt, die möglich und üblich sind, sagt er: Jetzt dauert sie noch zweieinhalb Stunden. Es ist ein "Rienzi kompakt". Über diese Formulierung muss er sogar mal schmunzeln. Mit kompakten Musikproduktionen kennt sich der gebürtige Münchner aus. Seine Laufbahn als Regisseur hat er Ende der Neunzigerjahre mit Werbefilmen und Musikvideos unter anderem für Madonna oder Rammstein begonnen.
Nun kommen wir aber doch noch zur "Butterfly" der Katharina Wagner in Mainz, auch wenn die Regisseurin derzeit wohl andere Sorgen hat (siehe oben): Zum Vorspiel von Giacomo Puccinis "Madama Butterfly" sieht man die Herren Pinkerton und Sharpless zwischen hohen weißen Boxen herumirren (Bühne: Monika Gora). Kreiselnd erweisen diese sich als Peepshow-Kabinen für Personal von der sexy Krankenschwester bis zur Riesenbusen-Catwoman (Kostüme: Thomas Kaiser). Eine Box speit den Heiratsvermittler Goro aus, den Wagner als asiatisch aufgemotzten Strippenzieher zu einer Hauptfigur hochjazzt und den Alexander Kröner so prägnant singt wie spielt. Auf sein Geheiß grapscht Pinkerton Busen, wenn auch nicht den von Cio-Cio San. Diese wartet in einem Wallekleid in Burkha-Blau und mit Gesichtsschleier gleichfalls in einer Box.
Die Besprechung endet wie folgt: Es geht nicht nur darum, dass man nicht die Übertitel lesen darf. Es geht vor allem darum, dass die "neue" Geschichte, die Wagner erzählt - Männer sind brutale Schlappschwänze, Frauen Träumerinnen, alle Marionetten - , heillos banal ist. Dirigentin Catherine Rückwardt macht das mit dem Orchester erschütternd deutlich. Zum Alles-oder-Nichts aus dem Graben wird eine Regietheater-Parodie geboten.
Wer "Butterfly" doof findet oder wem ein Selbstmord weniger aussagekräftig erscheint als das läppische Wegschnicken eines kleinen Gesichtsschleiers (im Zuge von Cio-Cio Sans "Desillusionierung"), mag dieser Kopfgeburt etwas abgewinnen. Einer Kopfgeburt, deren visuelles Ergebnis auf Lächerlichkeit offenbar nicht überprüft worden ist. Natürlich betont das Grobschlächtige, wie subtil Puccinis Librettisten vorgingen. Das Publikum nahm es in weiten Teilen mit der Gelassenheit, die Regisseuren mehr zu denken geben sollte als Randale.
Lesen Sie den letzten Satz - die Buhrufer aus der Wiener Staatsoper sollten darüber auch nachdenken!
Einen Bösewicht der übelsten Sorte wollte Hollywood-Star John Malkovich schon immer gerne einmal darstellen. Und das, obwohl er schon weit über 70 Filme abgedreht hat – darunter Höhepunkte wie „Gefährliche Liebschaften“, „Being John Malkovich“ oder auch „Burn after reading“. Die Chance hat er jetzt in „The Infernal Comedy. Confessions of a serial killer“. Denn das Stück ist eine musikalische Theater-Adaption der Ereignisse rund um den berühmt-berüchtigten Psychopathen Jack Unterweger.
Seine Opfer sind in Gestalt von zwei Sängerinnen auf der Bühne, die den Redefluss des Schauspielers durchbrechen – mit dramatischen Frauen-Szenen aus Werken von Mozart, Haydn, Weber und Vivaldi. Die Sopranistinnen schlüpfen in die Gestalten der Frauen seines Lebens – und interpretieren Arien, die allesamt Liebe und Gewalt zum Thema haben.
Nach Gastspielen in der Luxemburger Philharmonie (11. Mai), dem Brüsseler Palais des Beaux-Arts (12. Mai), der „Opéra national de Paris“ (13. Mai) , dem „Istanbul Theatre Festival“ (14. Mai), dem Hamburger Schauspielhaus (16. Mai) und Abstechern nach Bilbao, Tarragona, Malaga, Athen und Thessaloniki, soll Malkovich – so verspricht es nicht nur die Homepage der Inszenierung (s.u.), sondern u.a. auch der Konzertkalender der Wiener Akademie – in fünf Vorstellungen vom zweiten bis sechsten Juni bei den Recklinghäuser Ruhrfestspielen zu erleben sein. Ein echter Hammer im Kulturhauptstadtjahr! Karten dürfte es ab Donnerstag, 21. Januar, geben.
Ein weiterer Österreich-Export also, auf den wir aber nicht besonders stolz sein dürfen, ist dieser Jack Unterweger!
Eine echte Hochzeit gab es beim Semperopernball:
Ja-Wort beim Semperopernball
Auf diese Idee ist Wiens Opernzampano nie gekommen, im Stillen wird er sich darüber ärgern. Der diesjährige Semperopenball konnte mit einer echten Hochzeit aufwarten. Vor Tausenden Menschen im Saal, auf dem Theaterplatz und daheim vor den Fernsehern hat sich ein Brautpaar das Ja-Wort gegeben. Das war unter den vielen großartigen Augenblicken wohl der bewegendste der schönsten Nacht des Jahres. Das Liebespaar Yvonne Buder und Torsten Dreßler aus Dresden heiratete auf der großen Bühne vor der Semperoper.
Kleiner Schönheitsfehler: Die beiden sind bereits seit 12 Jahren ein Paar. Zumindest war das also keine unüberlegte Hochzeit nur des Balles wegen!
Alfons Haider schafft es trotz seiner Österreich-Beschimpfung nicht mit Photo auf die Startseite. "Verschissen" bedauert er, also komme ich auch weiters nicht darauf zurück. Wen meint er nun mit "verlogen"? Jene, die er offenbar treffen will, kann er nicht meinen, denn die sagen genau das, was Herrn Haider stört. Also kann er nur jene meinen, die zwar nach Haiders Mund reden, aber anders handeln. Und da kann ich Herrn Haider nur beipflichten, so schwer mir das fällt!
Was ist sonst noch in dieser Woche zu erwarten? Dominic Heinzl wird, fürchte ich, täglich ab 19,35 sich und den ORF weiter blamieren. Und Richard Lugner wird dabei nach besten Kräften assistieren!
Ich wünsche eine schöne Woche!
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Dienstag, 19. Dezember 2010
Unheimlich rasch reagiert: Die Wiener Volksoper zeigt Zusatzvorstellung von "South Pacific". Auf dem Photo: Sandra Pires
Die Direktion war zum sofortigen Handeln gezwungen - und siehe da, es ging auch unheimlich schnell. Nachdem man Feste feiern soll, wie sie fallen, findet nun am 26.1. eine ursprünglich nicht vorgesehene Vorstellung von South Pacific statt. La Bohème raus - South Pacific rein! Wer Karten für die Bohème hat, kann South Pacific sehen - oder umtauschen!
Dabei waren manche Kritiker-Reaktionen eher schaumgebremst. "Unsere" Renate Wagner schrieb wohlwollend, die "Presse-Lady" Barbara Petsch verriss Stück wie Aufführung und gleich dazu Christoph Wagner-Trenkwitz in einem Aufwasch - und musste sich dafür arge Publikumsschelte anhören (siehe Kommentare im Leserforum der "Presse"). Die Wiener-Zeitung urteilt da bereits vorsichtiger:
Denn in der szenischen (besser: halbszenischen) Einrichtung von Rudolf Klaban singen zugkräftige Sänger vor kostensparendem Ambiente. Da glüht im Hintergrund eine Wand in Tuttifrutti-Farben, wird ab und zu ökonomisch das Tanzbein geschwungen (das Orchester braucht auf der Bühne ja auch Platz), da muss also das Publikum immer wieder einen inneren Kippschalter umlegen zwischen passivem Zuschauen und eigener Imagination.
Freilich: Wo kein Publikumsmagnet zu vermuten steht, sind Sparmaßnahmen legitim. Doch auch vor dem geistigen Ohr muss man ergänzen: Das Dirigat von David Levi vernachlässigt den Pep teils sträflich, leuchtet in seiner milden Kultiviert heit aber die symphonische Seite von Richard Rodgers’ Partitur aus. Der Star des Abends kommt ihm da zupass: Ferruccio Furlanetto setzt in seinen (schon für einen Opernbass verfassten) Partien das Pathos der großen Oper frei. Sandra Pires bietet im Kontrast dazu schmalstimmige Süßlichkeit, Marjana Lipovek heitere Befremdlichkeiten, Christoph Wagner-Trenkwitz erfrischend unkultiviertes Ami-Gebaren. Also immerhin: Eine lohnende Stippvisite in Wien.
Letzlich entscheidet der Kassabericht! Dass das das Publikum in unseren Breiten noch nicht geschnallt hat, verstehe ich nicht. Reingehen und lautstark protestieren ist Blödsinn und zudem unkultiviert, ein Publikumsstreik ist eine wirksamere Methode.
Geneppt fühlte sich ein großer Teil des Publikums bei einem Neujahrskonzert in Giessen (siehe unser heutiges "Aktuelles"). Das Konzert stand unter dem Motto "Dadaismus" - und damit konnten Teile des Publikums offenbar nichts anfangen. Es kam zu Tumulten, Schreiduellen - die Oberbürgermeisterin ist entsetzt und beruft nun eine "Bürgerversammlung" wegen dieses Neujahrskonzertes ein!
Ein Eklat beim Neujahrskonzert eigentlich unvorstellbar, jedoch Realität
Bei einem Teil des Publikums riefen dadaistisch geprägte Moderationstexte und Werke von Schulhoff, Satie, Cage, Hindemith und Strawinsky heftige Reaktionen hervor, die wir uns auch im Nachhinein nur bedingt erklären können. Das Erstaunen, ob der Vehemenz, mit der diese Verärgerung teilweise geäußert wurde, beschäftigt jedoch nicht nur uns, sondern auch zahlreiche KonzertbesucherInnen nachhaltig.
Goro heisst die neue Hauptfigur in Puccinis "Madama Butterfly"
Zumindest bei Katharina Wagner, deren Mainzer Versuch an Puccini ziemlich einhellig verrissen wird:
Währenddessen irrt Pinkerton durch ein Labyrinth aus Zimmerchen, er knallt zwei halbnackte Buben ab, spielt Flaschendrehen mit sich selbst oder delektiert sich an einem Paar Plastikbeine. Am Anfang hatten er und sein Spezi Sharpless noch ordentlich Spaß, denn der Zuhälter Goro präsentierte ihnen einige ganz besondere Sexobjekte. Die Auswahl schien grenzenlos: die Lack und Leder-Lady, eine Krankenschwester mit riesiger Spritze, Transvestiten und sogar ein kleines Kind standen zur Auswahl. Doch das verschleierte Asien-Hascherl hatte es Pinkerton am meisten angetan. Die beiden singen erstmal zusammen, danach verliert sich ihre Spur irgendwie, wie so manches an diesem Abend.
Vielleicht liegt’s an Goro, denn dieser maskierte, metrosexuelle Puck-Verschnitt stiftet viel Verwirrung. Er hat magische Fähigkeiten und beeinflusst immer wieder das Puccini-Personal mit einem bloßen Fingerschnipsen. Allerdings entzieht er damit dem Stück Grund und Boden, denn wer jetzt warum, wie und wozu handelt, bleibt völlig im Unklaren. Klar ist am Ende nur, dass Butterfly, statt zu sterben, ihren Schleier herunterreißt und reglos dasteht. Goro trat zuvor noch als amerikanische Mrs. Pinkerton auf und peinigte die Geisha, die anstelle ihres kleinen Sohnes ein rotes Päckchen zu beschützen versuchte, was ihr leider nicht gelang.
In Hagen fand eine "La Traviata"-Premiere mit Hindernissen statt:
Und Ruhr-2010-Chef Fritz Pleitgen, dessen Besuch bis „5 vor 12” noch in den Sternen stand (Pleitgen wollte ursprünglich bei der offiziellen Kuturhauptstadt-Eröffnungsveranstaltung in Istanbul zugegen sein), fragte das Publikum nonchalant „Was ist der Bosporus gegen ,La Traviata' in Hagen?” Und dann? Dann sollte sich eigentlich der Vorhang heben und die bekannte Verdi-Oper die Gäste in ihren Bann ziehen. Doch die Punktzuganlage war defekt, was eine 20-minütige Verzögerung bedeutete. Im Anschluss an die technische Nachbesserung, verfolgten die Besucher eine fantastische Inszenierung, die auch an Faszination nicht verlor, als im dritten Akt minutenlang die Textübermittlungsanlage streikte.
Probleme mit der Technik sind mir wohl bekannt. Pro Woche gerate ich dreimal in Versuchung, meinen PC aus dem Fenster zu werfen!
In Hamurg ließ die ie Neuinszenierung von Gaetano Donizettis Opern-Hit "Lucia di Lammermoor" am Premierenabend das erwartete Sängerfest über weite Strecken vermissen. Die stark kopflastige Regie von Sandra Leupold handelte sich sogar kräftige Buhs ein.
18 Minuten Jubel dafür in Mannheim nach Edita Gruberovas "Norma": Fast 18 Minuten tobt das überfüllte Opernhaus stehend, ein Transparent mit der Aufschrift "Ah! Bella! A noi ritorna, Edita" (Ach! Bella! Komm zu uns zurück, Edita) wird von einer Loge herabgerollt, und als Orchester und Chor längst von der Bühne verschwunden sind und die Saallampen angeschaltet, kommt sie noch einmal zurück. Edita Gruberova! Im Königinnenschritt und sichtlich gerührt betritt sie die menschenleere Bühne, den Tränen nah, die letzten Gefühlsturbulenzen des Publikums in sich aufsaugend. Was für eine Frau!
Christian Thielemann ist eine treue Seele. Er bleibt Baden-Baden erhalten, völlig unabhängig davon, wie die Berliner "Philis" verfahren.
Christoph Stölzl erreicht mit seiner Berliner "Rienzi-Inszenierung bereits im Vorfeld größte Beachtung. Seine bisherige Großtat an Wagners Frühwerk war eine Kürzung der ursprünglichen "Super-Götterdämmerung" (der "olle Richard" hatte Noten für sieben Stunden komponiert) auf "Rheingold-Länge". Wenn sich dieser Trend fortsetzt, bieten sich noch ungeahnte Möglichkeiten an!
Es war nicht zu verhindern. In Frankfurt hatte ein Barack-Obama-Musical seine Erstaufführung. Die Veranstalter hoffen nun auf "Segen von oben" - womit nicht Schnee, sondern das Wohlwollen des US-Präsidenten gemeint ist.
"Bodenturnen mit Schubert" wird die Choreographie Hans Henning Paars zu Schuberts "Winterreise am Münchner Gärtnerplatztheater genannt.
Alfred Brendel zieht es nun doch immer stärker wieder auf die Bühne zurück.
Restlos ausverkauft waren die Kinosäle bei der Met-Übertragung der "Carmen " mit Garanca/Alagna:
Wer "Simone Boccanegra" mit Old-Boy Placido Domingo sehen will, sollte sich um wenige Restkarten schleunigst bemühen, für "Hamlet" und "Armida" prognostiziere ich eine Entspannung der Situation!
Heinz Zednik wird 70! Am Sonntag gibt es dazu eine Matinée an der Wiener Staatsoper, die Ioan Holender höchstpersönlich moderieren wird! (siehe "Aktuelles")
In Frankfurt agierten Schauspieler wohl zu nahe an der Realität, als sie eine Lesung über ein großes Saufgelage abhielten. Der Hauptdarsteller musste mit der Ambulanz zur Ausnüchterung geführt werden, statt Wasser wurde nämlich Wodka getrunken! Die Vorstellung wurde abgebrochen!
Unsere liebsten Nachbarn nehmen uns "Ösis" schon wieder einen Erfolg weg, bei der "Golden Globe"-Vergabe wurde Michael Hanekes Film nämlich den Deutschen zugeschrieben. Dass Haneke aber Österreicher ist, bleibt unumstrittener als etwa die Nationalität "unseres" Mozart!
Die Hamburger Morgenpost muss an Monika Lierhaus € 25.000.- Schmerzensgeld zahlen, weil sie allzu detailliert über die gesundheitlichen Probleme der beliebten Sportmoderatorin direkt aus der Intensivstation berichtet hat. Frau Lierhaus soll angeblich demnächst wieder Sportsendungen moderieren, was mir die Gesellschaft eines unverkabelten Nachbarn garantiert. Der will jede von Lierhaus gestaltete Sportsendung mitverfolgen und lädt sich selbst bei mir ein. Mit zusätzlichen rund 7.000 € Anwaltskosten war das eine teure Angelegenheit für die "Mo-Po". Diese Info ist gleichzeitig als Warnung an manche unserer Mitarbeiter gedacht: Bleibt den Stars vom Leibe, so genau wollen wir manches gar nicht wissen!
Warum niemand in Österreich "Chili" sehen will? Ich weiß es wohl!
Einen schönen Dienstag wünscht
A.C
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Mittwoch, 20. Januar 2010
Die kolumbianische Sopranistin Juanita Lascarro interpretiert Poppea als unschuldiges Mädchen wie auch als bedingungslos liebende Frau. Ihr Stammhaus ist derzeit Frankfurt, dort hat sie die Poppea ebenso gesungen wie in Zürich, wo sie für Vesselina Kasarova eingesprungen ist. Für Wien erarbeitete sie sich die Rolle mit Robert Carsen.
Lesen Sie Auszüge aus dem "Standard"-Interview:
Standard: Ihr Nerone in Zürich war der Tenor Jonas Kaufmann; hier in Wien singt den Part Jacek Laszczkowski als Sopran. Wie empfinden Sie denn diese unterschiedlichen Besetzungen?
Lascarro: Die Zürich-Inszenierung war dominiert von einer sachlich-kühlen Atmosphäre der Macht, ich habe mich gefühlt wie Hillary Clinton im Weißen Haus. Natürlich gab es da auch jede Menge Leidenschaft zwischen den Figuren. Aber Jonas' Nerone war eher nobel, Jacek hingegen hat einen eher männlichen, energiegeladenen Sopran mit einer leicht schneidenden Stimmfarbe, die zu dem verrückten, unberechenbaren Nerone wirklich exzellent passt.
Standard: Es ist ja fast das ganze Opernpersonal ein wenig gaga: Nero ist labil, Poppea berechnend und machtgeil, Ottavia gefühlskalt, Seneca eitel. Jeder betrügt jeden. Klingt eigentlich wie das Drehbuch zu einer südamerikanischen Telenovela?
Lascarro: (lacht) Ich schaue natürlich fast nie Telenovelas - aber was ist eine Telenovela denn anderes als eine Überzeichnung der eigenen Lebensrealität? Unser Leben ist manches Mal ja auch ein bisschen wie eine Telenovela - in Südamerika vielleicht etwas mehr, im ruhigen Österreich vielleicht etwas weniger.
Wie man es macht, macht man es falsch. Gestern habe ich an dieser Stelle die schnelle Reaktion der Wiener Volksoper gelobt, die sich bltzschnell "auf Drängen des Marktes" zu einer vierten "South Pacific-Vorstellung am kommenden Dienstag entschlossen hat. Dafür hat man sogar den Spielplan umgestoßen und "La Bohéme" gestrichen. Dabei habe ich von "schaumgebremsten Kritiken" der Tagespresse geschrieben - was so nicht ganz stimmt. Nur eine einzelne Dame (Frau Petsch von der Tageszeitung "Presse") fand ein Haar in der Suppe, die übrigen Kritiken - auch unser Eigenbericht - attestieren der Produktion einen Erfolg. Aber den Erfolg erkennt man ohnedies daran, dass man eine weitere Vorstellung einschieben muss, weil das Publikum das Haus stürmt. Auch Kritiker haben gute und schlechte Tage - und Geschmack ist nun einmal verschieden. Böse hat es die Frau sicher nicht gemeint, aber ich bestätige hiermit gerne, dass ich mich von der Euphorie, mit der die anderen Kritiken geschrieben wurden, überzeugen konnte. Und wie gesagt: Der oberste Richter ist immer noch das zahlende Publikum!!
Volksoperndirektor Robert Meyer gastierte mit seiner "Tannhäuser-Parodie" am Stadttheater Klagenfurt und somit bei seinem "Hausregisseur" (bitte auch das nicht wörtlich nehmen, aber der Kollege inszeniert in Wien relativ oft) Josef Ernst Köpplinger. Ein Schelm wäre, wer dabei Zusammenhänge vermuten würde. Dieser Austausch ist eine übliche Praxis, also keine Erfindung des Herrn Meyer. Gerade heute lesen wir in der Presseschau von einer "Holländer"- Inszenierung eines Herrn Stefan Tilch- seines Zeichens Intendant des Landestheaters Niederbayern - am Theater in Kaiserslautern. Wetten, dass der dortige Intendant bald in Passau und Umgebung aufkreuzt? Ich werde mir künftig die Mühe machen, einige solcher Querverbindungen zu notieren. Um nicht missverstanden zu werden: auch dabei ist nichts Böses dran und ich bin auch davon überzeugt, dass die "Lizenz zum Fremdgehen" in den jeweiligen Verträgen enthalten ist. Aber ich habe in meiner Naivität geglaubt, dass die Leitung eines Opernhauses ein "Full-Time-Job" ist - und nun können diese Tausendsassas auch da wie dort inszenieren, gastieren etc. Es soll sogar (Doppel)-Intendanten geben, die singen "Simone" in aller Welt! Man lernt eben nie aus! Hatten wir in Wien doch Glück, dass "unser" Holender weder Regisseur noch Sänger ist, so konnte er sich voll der Leitung seines Hauses widmen. Aber auch die Freude darüber ist relativ, denn einige Mitarbeiter Holenders waren immer froh, wenn der Direktor die Eingangstüre Richtung weite Opernwelt hinter sich zugemacht hat. Wie man es macht, man macht es falsch - aber das sagte ich heute bereits.
Die Übertragungen der Met-Vorstellungen in Kinosäle ist ein großer Erfolg (den Herr Holender übrigens versäumt hat). Ob es auch finanziell ein Riesenerfolg ist, weiß ich nicht - wage es sogar anzuzweifeln. Ich kenne den technischen Aufwand nicht. Aber für das Image der Oper und auch des Hauses bringt die Kino-Beglückung sicherlich etwas. Diesem Thema werde ich mich demnächst ausführlicher widmen!
Wolfgang Wagner ist an Lungenentzündung erkrankt, aber bereits auf dem Wege der Besserung. Wenn diese "Entwarnung" stimmt, dann ist sie die beste Nachricht des Tages!
Emmanuele Haim
Die Barock-Spezialistin und Dirigentin Emmanuelle Haïm hat sich aus einer Produktion von Mozarts «Idomeneo» an der Opéra de Paris zurückgezogen. Für sie springt Philippe Hui ein. Laut Communiqué der Pariser Oper habe Haïm festgestellt, dass die Zeit, die ihr zum Proben zur Verfügung stehe, nicht ausreiche, um mit dem Orchester ihre Auffassung des Werkes zu erarbeiten.
In Braunschweig steht heute die Premiere der Oper "Salvator Rosa" auf dem Spielplan. Gespannt darf man auf Maria Porubcinova sein, die im Vorjahr den "Competizione"-Wettbewerb gewonnen hat. Ich habe die Sopranistin vor 3 Jahren noch in Banska Bystrica in Suor Angelica erlebt - und war beeindruckt. Von dieser Aufführung besitze ich sogar einen privaten Videomitschnitt.
Giuseppe Verdi
Weihnachtszeit 1882. Giuseppe Verdi ist nach Venedig gekommen, trifft im Teatro La Fenice den alten Dario, der hier seit Jahrzehnten arbeitet, und fragt ihn, von wem die Musik sei, die sie durch die Saaltüren hören. "Da drin? Sie feiern den Deutschen! Wie heißt der Deutsche? Wagner!" Bin ich, Verdi, seinetwegen nach Venedig gefahren? Wagner. Immer Wagner, "dessen Name, dessen Wirken, dessen Sein, dessen tausend Schatten mich seit zwanzig Jahren fast verfolgten?" Stimmt es denn, dass die Epoche der schönen Melodien vorbei ist? Habe ich mich überlebt? Dann "nichts als weg von hier!"
Über die Begegnung der Komponisten Verdi und Wagner lesen Sie in der heutigen Presseschau!
In Hamurg ließ die die Neuinszenierung von Gaetano Donizettis Opern-Hit "Lucia di Lammermoor" am Premierenabend das erwartete Sängerfest über weite Strecken vermissen. Die stark kopflastige Regie von Sandra Leupold handelte sich sogar kräftige Buhs ein.
18 Minuten Jubel dafür in Mannheim nach Edita Gruberovas "Norma": Fast 18 Minuten tobt das überfüllte Opernhaus stehend, ein Transparent mit der Aufschrift "Ah! Bella! A noi ritorna, Edita" (Ach! Bella! Komm zu uns zurück, Edita) wird von einer Loge herabgerollt, und als Orchester und Chor längst von der Bühne verschwunden sind und die Saallampen angeschaltet, kommt sie noch einmal zurück. Edita Gruberova! Im Königinnenschritt und sichtlich gerührt betritt sie die menschenleere Bühne, den Tränen nah, die letzten Gefühlsturbulenzen des Publikums in sich aufsaugend. Was für eine Frau!
Heinz Zednik wird 70! Am Sonntag gibt es dazu eine Matinée an der Wiener Staatsoper, die Ioan Holender höchstpersönlich moderieren wird! (siehe "Aktuelles")
Das "Unwort des Jahres" steht nun auch fest - mein Favorit hat "gewonnen": "betriebsratsverseucht". Eine herrliche Wortschöpfung! Oder finden Sie diese scheußlich? Auch hier gehen die Meinungen sicher auseinander.
Thomas Gottschalk wird für ATV den Wiener Opernball besuchen und von dort nicht nur aus der Mittelloge berichten. Also werde ich ATV sehen, denn die Interviews aus dieser Mittelloge haben mich immer schon genervt, besser gesagt, jene Moderatoren, die der ORF auf die meist hilflosen Opfer losgelassen hat.
Für heute wünsche ich einen schönen Tag!
A.C.
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Donnerstag, 21. Januar 2010
Die Csardasfürstin" in Peter Konwitschnys Deutung hat am Samstag in Graz Premiere. Das ist jene berühmt gewordene Inszenierung aus Dresden , mit der Konwitschny die Rechte des Regisseurs gerichtlich durchgesetzt hat. Im Interview meint er diesbezüglich:
Frage: Der Streit um Ihre Dresdner "Csárdásfürstin" war ein Wendepunkt mit weitreichenden Wirkungen. Sie haben damals juristisch durchgesetzt, dass eine Inszenierung als eigenständiges Kunstwerk gilt.
Nur, wenn sie eigenen Werkcharakter hat! Wenn ein Regisseur vom Blatt inszeniert, hat sie diesen Schutz nicht. Das finde ich entscheidend.
Frage:Wie haben Sie die Angriffe und der Eingriff in die Inszenierung gegen Ihren Willen getroffen?
Ich bin krank geworden. Heute ist mir klar, dass es mehr gegen den damaligen Intendanten Christoph Albrecht ging. Dass so ein Skandal daraus gemacht wurde, mit Boulevard-Schlagzeile am Tag der Premiere: Das konnte gar nicht nur gegen mich gehen, da ging es um höhere Beträge. Meine Inszenierung wurde dazu nur benutzt.
Frage: In Graz gibt es jetzt die ursprüngliche Version. Rechnen Sie in Österreich mit Krach?
Ich bin zu alt, und sie haben mich mittlerweile in ihr Herz geschlossen. Außerdem ist das eine meiner poetischsten Inszenierungen Wenn man sich durchgesetzt hat, wird es leichter.
Konwitschny rechnet also nicht mit Krach, der wäre auch schwer zu verstehen. Denn die Besucher sind vorgewarnt - und das seit 10 Jahren. Wer also in Graz randaliert, geht nur wegen der Randale in die Vorstellung.
Wenn es Samstag nicht schneit, ich also mein gewohntes Tempo auf die Autobahn bringen kann, werde ich mir Konwitschnys Inszenierung live geben. Ich kenne sie nämlich noch nicht - also erlebe ich eine echte Premiere!
Seit Herbst letzten Jahres ist Nicolas Joel der neue Intendant der Pariser Opernhäuser "Bastille" und "Garnier". Für seine erste Saison hat er zwanzig Neuproduktionen bzw. Neueinstudierungen von Opern angesetzt, darunter Werke des Barock (Rameaus "Platée"), viel Belcanto und Versimo ("Liebestrank", "La sonnambula", "Don Carlo", "Andrea Chénier") und Französisches Fin du Siécle ("Hoffmann", "Mireille"), Deutsches (Neuer "Ring"-Start mit "Rheingold" und "Walküre" sowie "Salome" und "Tote Stadt") und 20. Jahrhundert ("Wozzeck", "Billy Budd").
Dieser Tage hatte in Paris am 14. Jänner 2010 Jules Massenet’s "Werther" Premiere. Auffallend am Spielplan Joel’s ist die hohe Dichte an Koproduktionen oder Übernahmen von anderen Häusern: Gleich zwei Inszenierungen kommen aus Wien, weiters haben die Mailänder Scala, Florenz, Toulouse und im Falle des "Werther" London die Opern jeweils schon zuvor gezeigt.
Das Hauptaugenmerk, vor allem der weiblichen Opernfans, galt aber Jonas Kaufmann: Jonas Kaufmann in der Titelrolle: Zwar war man anfangs durch seine lethargisch und zurückhaltende, sehr introvertierte Interpretation irritiert. Aber gerade die leisen Töne verhalfen dem sensiblen Charakter zu einer tragischen Größe, die sich besonders am Ende, bei Werthers aushauchendem (Frei-)Tod, aufs genialste offenbarte. Natürlich bewies Kaufmann aber auch Strahlkraft und wunderbar gesetzte Spitzentöne, wie zum Beispiel im berühmten "Pourquoi me réveiller." Gestalterisch und vom musikalischen Ausdruck wunderbar dazupassend war Sophie Koch als Charlotte. Die Französin, in Salzburg bereits als Dorabella in "Cosi fan tutte" im Mozartjahr 2006 und Oktavian im "Rosenkavalier" zu sehen, wird ihr Repertoire demnächst in Richtung Wagner ausbauen (Fricka, Brangäne).
Der britische Komponist und Zeitzeuge einer unmenschlichen Zeit, Joseph Horovitz, gibt der "Wiener Zeitung" ein Interview. Er ist nicht gerade ein Freund der Atonalität:
Eine Freude sind auch Ihre tonalen Kompositionen, weit weg von der Avantgarde. Ich bin eher reaktionär gegen die übertriebene Avantgarde geworden. Als junger Komponist habe ich Zwölftontechnik und sogar gewisse Atonalität gelernt. Ich kann mich aber nur in der Tonalität ausdrücken, das Atonale ist mir unsympathisch. Nachdem ich meine Karriere als Dirigent, Bearbeiter und Arrangeur begann, musste ich mich nach dem Publikum und nach dem Auftraggeber richten. Wenn ich Werbung für einen Shampoofabrikanten schrieb, wollte der schöne Musik. Mit Schönberg kann man das Shampoo nicht verkaufen.
In Erfurt hat Händels "Agrippina" demnächst Premiere, in Nürnberg Rossinis "Moses". Am Hamburger Thalia-Musiktheater steht die Premiere von Tom Waits "Woyzeck" an.
In Bern rationalisiert man den Job von Stadttheater Generalintendant ganz einfach weg. «Die Antwort ist einfach: Marc Adams gegenwärtige Funktion wird es in der neuen Organisation nicht mehr geben. Und die Theatergenossenschaft wird ab 2012 als möglicher Vertragspartner von Marc Adam gar kein Theater mehr betreiben», sagt Huber. «Vor diesem Hintergrund ist es schlicht nicht möglich, den Vertrag mit Marc Adam zu verlängern.» Noch sei die Struktur der künftigen Institution «Musik-Theater Bern» unklar und es existiere auch noch kein Gremium, das Arbeitsverträge für die künftige Organisation abschliessen könne, so Henri Huber.
Das Tehran Symphony Orchestra (TSO) tritt in den kommenden Tagen in europäischen Hauptstädten auf. Auf dem Programm steht unter anderem eine «Friedens- und Freundschaftssinfonie». Iranische Musiker kritisieren die Wahl. Das Werk des Komponisten Majid Entezami, das laut «Tehran Times» ursprünglich «Islamische Revolutionssinfonie» hiess und für die Europa-Tournee umgetauft wurde, ist nach Einschätzung prominenter iranischer Musiker qualitativ nicht genug gut, um auf europäischen Podien musikalisch bestehen zu können.
Federico Fellini wäre 90 geworden.
Der italienische Drehbuchautor und Regisseur Federico Fellini hat mehr als vierzig Jahre lang seine Träume niedergeschrieben und damit den Stoff für seine Filme gesammelt. In ihnen verbindet er Traum- und Fantasiesequenzen mit satirischen und autobiografischen Details. Seine Karriere beginnt er 1937 als Texter und Karikaturist für verschiedene Zeitschriften, in den folgenden Jahren arbeitet er als Autor sowie als Regieassistent namhafter Regisseure wie Roberto Rossellini oder Pietro Germi.
Erich Segal, der Schöpfer der Love-Story, ist gestorben
Mit seinem herzzerreißenden Schmachtfetzen "Love Story" hat der amerikanische Schriftsteller Erich Segal Millionen von Menschen zu Tränen gerührt. Nun trauern seine Leser um den Autor.
Wir Österreicher hatten auch vor gar nicht so langer Zeit eine recht originelle Gesundheitsministerin, den "Satz des Jahres 2009" hat sie allerdings von sich gegeben. Das blieb ihrer deutschen Kollegfin vorbehalten: Nachträgliche Auszeichnung für die frühere Gesundheitsministerin: Ulla Schmidts "Das steht mir zu" ist der deutsche Satz des Jahres. Sie antwortete damit 2009 in Alicante auf Fragen von Journalisten zur Dienstwagenaffäre. Der Satz bringt nach Ansicht der Jury einen gesellschaftlichen Trend auf den Punkt.
Diese Pressekonferenz wurde mit größter Spannung erwartet: Richard Lugner gab seinen diesjährigen Opernball-Aufputz bekannt. Das ist er bzw. sie:
Lindsay Lohan
US-Sternchen Lindsay Lohan soll in diesem Jahr Stargast des Wiener Opernballs sein. Dies teilte in Wien der Bauunternehmer Richard Lugner mit, der sich jedes Jahr mit einer Prominenten aus dem Showbusiness schmückt. Die 23-jährige Lohan, die in den vergangenen Monaten vor allem durch Trinkgelage und Skandale von sich reden machte, werde ihn am 11. Februar zu dem traditionsreichen Ball begleiten, verkündete der 76-jährige Lugner.
Nachdem dieses Geheimnis gelüftet ist, kann ich mich heute dem banalen Tagesgeschäft zuwenden.
Für heute wünsche ich einen schönen Tag
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Freitag, 22. Januar 2010
L'Incoronazione di Poppea" im Theater an der Wien. Juanita Lascarro
und Jacek Laszczkowski
In der Presseschau können wir nur die Vorbesprechung anbieten, in unseren Kritiken können Sie bereits die beiden ersten Kritiken lesen - eine davon geschrieben von einer Rezensentin, von deren Erlebnissen mit einem Wien Opernchef sie weiter unten etwas mehr lesen können. Doch zuerst zur "Poppea":
Orfeo und Ulisse, den Geschöpfen aus Mythos und Literatur, geht es leichter. Aber Nero und Poppea sind historische Gestalten, und man weiß, dass sie (da kann niemand widersprechen) zu den ruchlosesten Geschöpfen zählen, die im Sex & Crime-Spiel des alten Rom federführend waren. Und einige ihrer Verbrechen finden sich ja auch in dieser Oper – die Ermordung Senecas, die Verbannung Ottavias, alles wegräumen, was der eigenen Beziehung im Wege steht. Dennoch sorgt Amor dafür, dass alles für sie gut geht und dass sie ein großartiges, auch von einem herrlichen musikalischen Aufschwung getragenes Happyend erleben… So ungerecht ist die Opernwelt. Immerhin, nehmen wir es vorweg, ein wenig relativiert Regisseur Carsen das große Glück doch. Statt dass beide sich am Ende selig umarmen, geht Nero nach dem gemeinsamen Duett weg und lässt Poppea allein und verblüfft zurück. Das Publikum war auch ein wenig erstaunt, bevor es sich fing und in den verdienten Riesenapplaus ausbrach…
Ein Riesenerfolg also für eine durchwegs gelungene Produktion, trotz fast vier Stunden Spieldauer. Wie lange würde Monteverdis Werk wohl dauern, wenn es Philipp Stölzl in die Hände bekäme? Dessen "Rienzi"-Inszenierung hat am Sonntag in Berlin Premiere, ein ursprünglich fast siebenstündiges Werk wurde vom Regisseur auf zweieinhalb Stunden zusammengeschnitten.
Unser zweiter "Merker am Ort", Martin R. Botz, zeigte sich weniger begeistert. Meist ist es umgekehrt.
Der "Poppea"-Rezensentin Renate Wagner wurden vom Wiener Volksoperndirektor Robert Meyer die Pressekarten entzogen, verpackt in einem Zweizeiler, der dem Humor des Theaterchefs entspricht (siehe Kopie in "Akuelles"). Es gibt Leute, auch beim "Merker", denen Herrn Meyers Humor gefällt. In diesem Falle war er eher unangebracht, weil der Grund des "Hinauswurfs" eine korrekt zitierte Aussage des Volksopernchefs war, an die dieser nicht mehr erinnert werden wollte. Dabei geht es eher um eine Lächerlichkeit, aber der Volksopernchef will offenbar unbedingt Recht behalten. Der Unterschied zwischen einem Haus am Ring und einem "Etablissement" am Gürtel liegt auch in der Persönlichkeit des Direktors begründet, denn der oft - auch im "Merker" kritisierte Staatsopernchef Ioan Holender hat auf Kritik nie mit Entzug der Pressekarten reagiert - ja nicht einmal gedroht. Da ich selbst den Braten längst gerochen habe, habe ich mich nie auf Pressekarten der VOP eingelassen, was den Vorteil hat, dass sie mir der Direktor nun nicht streichen kann! Dabei wird Herr Meyer von der Wiener Presse ohnedies gehätschelt und geschont, dass der Spielplan der Volksoper danach ausgerichtet wird, ob der Direktor selbst mitspielen und womöglich gleichzeitig auch noch inszenieren kann - woraus sich mancher Flop ergibt - wird diskret verschwiegen. Ich gehe gerne auf Kaufkarten in die Volksoper, denn es gibt auch gute Produktionen und überall ist der spielende Direktor und Opernnovize nicht dabei. Das Haus kann letzlich nichts für seinen Direktor, der ihm von Politiker(innen) vor die Nase gesetzt wurde, also wird die Volksoper in diesem Medium auch weiterhin fair behandelt - mein Wort drauf!
Die für die Direktor-Besetzungen zuständige Ministerin ist mit dem neuen Text für die österreichische Bundeshymne beschäftigt, hat deshalb wenig Zeit für Castings und dergleichen. Deshalb hat sie sich auch bereits für eine Vertragsverlängerung für Herrn Meyer ausgesprochen.
Der für seine Kooperationsbereitschaft von mir gelobte Ioan Holender wird anlässlich seines 75. Geburtstages von der österreichischen Post mit einer Sonderbriefmarke geehrt, für solche Ehren müsste Herr Robert Meyer noch einige Nachholarbeit leisten. In unserem Forum entspann sich ob dieser Ehrung eine Diskussion, in der ein Teilnehmer zum 60er seiner polnischen Putzfrau ebenfalls eine Sonderbriefmarke einfordert, "weil sich die Putzfrau gewiss sehr freuen würde".
Der Terminplan für die Bauarbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie wackelt, Intendant Lieben-Seutter ist aber zuversichtlich, den bereits feststehenden Eröffnungstermin halten zu können. Ein frommer Wunsch, ich zum Beispiel baue keinen Konzertsaal, sondern renoviere bloß ein Einfamilienhaus - bis jetzt hat noch kein Termin wirklich gehalten!
In Frankfurt (Bockenheimer Depot) hat am Sonntag Brittens "Owen Wingrave" Premiere. Die Titelrolle singt der aus Ungarn stammende Bariton Michael Nagy:
Auch Michael Nagy hat (wie Owen Wingrave) den Dienst an der Waffe verweigert. Wie „Owen Wingrave“, den der Bariton im Bockenheimer Depot verkörpert. Mit diesem während des Vietnamkriegs als Fernsehoper komponierten Stück nach der Erzählung von Henry James bestätigt die Oper Frankfurt wieder ihren Ruf, ein Hort der Benjamin-Britten-Pflege zu sein.
Michael Nagy hat also den Dienst mit der Waffe verweigert! Deshalb muss er zwangsläufig kein besserer Mensch als jene sein, die für ihre Heimat durchaus zur Waffe greifen würden. Es muss nämlich auch solche geben, sonst stünden wir völlig schutzlos da. Schön, dass es so verschieden veranlagte Menschen gibt!
Guy Joosten inszeniert in Brüssel "Elektra": Aber er ist es nicht, wie sich später zeigt; Elektra befindet sich auch weder in einer Irrenanstalt, noch in einem Gefängnis, sondern in einem Hof neben dem Palast, was ebenfalls später deutlich wird. So lockt diese Inszenierung von Guy Joosten immer wieder auf falsche Fährten. Aber eigentlich hat Joosten gar keine Fährte, keinen eigenen Regiegedanken, sondern setzt nur die Regieanweisungen von Hofmannsthals Libretto in etwas modernerem Ambiente um. Die Szene wird leider nicht zum psychischen Inbild dieses freudianischen Musiktheaters, in dem doch alles von Tiefenpsyche nur so wabert.
Ab Samstag in Graz: Konwitschnys "Kult-Csardasfürstin".
Für Peter Konwitschny gibt es zum 65er keine Sonderbriefmarke der Post, dafür seine "Csardasfürstin" in Graz. So Gott und das Wetter wollen, reise ich an. Da ich mich informiert habe, was mich erwartet, werde ich daher sicher nicht nachher herummotzen - versprochen und zur Nachahmung empfohlen!
Wie es beim Casting der Heidi Klum zugeht, erfahren Sie "Unter'm Strich". Die nimmt sich mehr Zeit dafür als unsere "Kulturministerin" bei der Direktorensuche.
Wetterbericht aus Wien: frostig, leichte Schneelage, vor allem dort, wo man den Schnee gar nicht braucht.
Trotzdem, schönes Wochenende.
A.C
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Samstag, 23. Januar 2010
Zubin Mehta dirigierte in München "mit Gelassenheit"
Beim Symphonieorchester des BR ist er ein seltener Gast. Eine bewegende Aufführung von Bruckners „Te Deum“ haftet in der Erinnerung. Jetzt dirigierte der indische Maestro im Herkulessaal ein Programm, das ihm auf den Leib geschrieben war: die Orchesterstücke op. 6 von Webern, Schuberts „Unvollendete“ und die „Symphonia Domestica“ von Richard Strauss.
Mittlerweile ist Zubin Mehta in einem Alter, in dem er sich erlauben kann, Gelassenheit über spontane Exaltiertheiten zu stellen. Die Ruhe, mit der er den Kürzeln Weberns zu größtmöglicher Wirkung verhalf, überwältigte. Die geradezu unnatürlich wirkende Schönheit, zu der er das Orchester in der „Unvollendeten“ von Schubert überredete, irritierte dagegen. Klangwunder bei den Holzbläsern, die zarte Zurückhaltung der Streicher – das alles hat man so fein, so geschmackvoll und raffiniert ausbalanciert wohl selten gehört. Doch der Dramatiker Schubert geriet dabei ins Hintertreffen. Die BR-Symphoniker musizierten dessen ungeachtet hinreißend. Als wollten sie zeigen, dass die enthusiastische Zustimmung beim Gastspiel in Wien vor einigen Tagen nicht von ungefähr kommt.
Kultur-Hauptthema in Wien war gestern die Zwischenbilanzlegung des neuen Burgherrn Matthias Hartmann. Neue Besen kehren bekanntlich gut, aber das meist nur, so lange sie eben neu sind. Aber Hartmann hat die Besucherzahlen in diesem riesigen Theater zu 99% Auslastung empor getrieben, ganz ohne japanische Touristen oder sonstige Gelegenheitsbesucher. Das verdient Anerkennung! Vielleicht erklärt sich der Zuspruch auch dadurch, dass Hartmann an Stelle von "Politischem Theater" schlichtweg "Theater" macht. Er hat zwar vor seinem Amtsantritt ein politisches Bekenntnis abgeliefert, wonach er die "Linken" hasst (die "Rechten" sowieso) - und deshalb zum gelegentlichen "Grünwähler" wurde. Bei dieser politischen Kenntnis kann man dem Direktor nur zu seinem "unpolitischen Weg" gratulieren.
Hartmann attackiert aber auch die Begehrlichkeiten des neuen Staatsoperndirektors Monsieur Meyer, der sich bereits vor seinem Amtsantritt in Wien mit der Forderung nach mehr Geld und dem Hinweis, dass andere Theater in Relation zur Staatsoper zuviel Subventionen bekommen, ungeheuer beliebt macht!
Neue Chefs, neue Scharmützel: Schon vor Dienstantritt des nächsten Staatsoperndirektors im Herbst beginnt ein Subventions-Zank zwischen Dominique Meyer und Burgtheater-Chef Matthias Hartmann. Bekam die Staatsoper schon bisher mehr als die Burg, wünscht nämlich Meyer – mit Verweis auf das große Opernensemble –, dass diese Kluft (drei Millionen Euro) noch wachse. Hartmann widerspricht nun "aufs allerheftigste": 26 Saisonpremieren an der Burg stünden sechs beim Konkurrenten gegenüber.
Überdies könne die Staatsoper mit ihren teureren Karten mehr Geld lukrieren. Die Burg bewege sich schon jetzt auf finanziell "dünnem Eis" – und Hartmann wird "aufpassen, dass es nicht abschmilzt".
Aber natürlich gab Matthias Hartmann auch die Premieren-Vorhaben für das nächste Semester bekannt. Wann er "Krieg und Frieden" "derhebt", weiß er noch nicht ganz genau.
Für die "Kinderei der Woche" ist heute kein Platz, mehr davon morgen. Gar so wichtig ist Herr Meyer 2 (Entzieher der Pressekarten für eine kritische Rezensentin) auch wieder nicht, dass ich für ihn auf den Rapper "Sido" und die Austro-Poperin Christina Stürmer (weiter unten) verzichte. Die Zeitung "Der Opernfreund" aus Deutschland will aus Solidarität mit der Rezensentin bis zur Klärung auf Berichte aus der Wiener Volksoper verzichten. Bitte Peter, mache das nicht!!! Wir schreiben für unsere Leser, nicht für Meyer2! Und Frau Wagner wird selbstverständlich über die nächste Premiere berichten, sie hat in einen Stehplatz investiert!
In Braunschweig wurde "Salvator Rosa" von Carlos Gomes erstmals in Deutschland aufgeführt:
Vom Aufstand der Neapolitaner 1647 gegen die spanische Besatzung wissen wir im hohen Norden wenig. Revolution, das ist für uns die große französische von 1789. Oder die russische. So lässt denn auch Regisseur Uwe Schwarz bei der deutschen Erstaufführung der Revolutionsoper "Salvator Rosa" von Carlos Gomes im Braunschweiger Staatstheater die roten Fahnen wehen.
Assoziationsreich brennt er, was es je an Aufständen gab, zum Archetypus des Volksaufstands, der aber missbraucht wird von seinen Führern und somit den alten und immer gleichen Machthabern in die Hände spielt. Wogegen sich wieder neue Aufstände erheben werden. Ein undurchbrüchlicher Kreislauf, den Gomes’ tragische Oper belegt.
Franz Welser-Möst übernimmt vom Seiiji Ozawa die Leitung des "Gratiskonzerts" der Wiener Philharmoniker vor Schloss Schönbrunn (8. Juni)
Die Salzburger "Mozartwoche" ist zwar mit dem Kartenverkauf zufrieden, spürt aber die Krise (!). Was stimmt nun (?). Vielleicht sollten sich die Salzburger etwas einfallen lassen. In Mannheim hat man das schon getan, morgen tritt erstmals ein Rapper in Mozarts "Zauberföte" auf. Prompt springen fast alle Zeitungen darauf an. So wird's gemacht, meine Damen und Herren im "krisengeschüttelten Salzburg"!
Nein, der erste Eindruck täuscht! Das ist nicht H.C. auf Stimmenfang für die Wiener Bürgermeisterwahl in einer Disco, sondern der Rapper Sido, der morgen zum Opernstar avanciert!
Rapper Sido (29), bekanntgeworden mit Songs wie "Halt dein Maul" oder "Beweg dein Arsch", ist am Sonntag in ungewohnter Umgebung zu sehen sein: Er tritt in Mozarts Oper "Die Zauberflöte" im Mannheimer Nationaltheater auf. Zusammen mit dem Moderator eines Privatradios soll er in eine noch geheime Rolle schlüpfen und einige seiner Songs zum Besten geben, sagte ein Sprecher des Senders bigFM. Der Auftritt soll Jugendliche ansprechen, für die klassische Oper ein "Schock-Erlebnis" sei. Kommt der Abend beim Publikum an, soll es weitere Veranstaltungen unter dem Motto "Kulturschocker" geben
Ioan Holender wird anlässlich seines 75. Geburtstages von der österreichischen Post mit einer Sonderbriefmarke geehrt, für solche Ehren müsste manch anderer Wiener Direktor noch einige Nachholarbeit leisten. In unserem Forum entspann sich ob dieser Ehrung eine Diskussion, in der ein Teilnehmer zum 60er seiner polnischen Putzfrau ebenfalls eine Sonderbriefmarke einfordert, "weil sich die Putzfrau gewiss sehr freuen würde". Diskutierer in unserem Forum meinen, dass Herrn Holender diese Briefmarke auch freuen wird, weil ihn nun einige an der Rückseite lecken können, andere wiederum meinen, man könne eine Briefmarke alternativ auch bespucken! Jetzt wird es unappetitlich, deshalb schieße ich das Thema
Für Peter Konwitschny gibt es zum 65er keine Sonderbriefmarke der Post, dafür seine "Csardasfürstin" in Graz. So Gott und das Wetter wollen, reise ich an. Konwitschny hat für diese Dresdner Inszenierung das Urheberrecht des Regisseurs an einer Inszenierung gerichtlich durchgesetzt. Just am Tag der Grazer "Premiere" interessiert uns auch ein anderes "Urheberrecht2, nämlich jenes der österreichischen Bundeshymne.
Die Ministerin (links) und der "Pop-Star mit fallender Tendenz"
Ein Pop-Star könnte schaffen, was allen bisherigen Frauenministerinnen nicht gelungen ist. Weil Christina Stürmer in einem Werbespot des Bildungsministeriums eine Pop-Version der Bundeshymne mit dem Text "Heimat bist du großer Söhne und Töchter" singt, könnte es jetzt auch zu einer offiziellen Text-Änderung kommen. SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek möchte die Töchter - neben den Söhnen - im Text der Bundeshymne vorkommen lassen. Im KURIER-Gespräch kündigt sie eine Initiative in der Regierung an. Für eine Text-Änderung reicht ein Ministerratsbeschluss. Die Ministerin will versuchen, alle Regierungskollegen zu überzeugen.
» Video: "Verrockte" Bundeshymne erhitzt Gemüter
Hören Sie sich das an, Sie werden begeistert sein! Da will ich gar nicht mehr wissen, warum Stefan Raab und damit Deutschland beim nächsten Eurovisions-Song-Contest erneut scheitern wird!
Schönen Samstag wünscht
A.C
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Sonntag, 24. Januar 2010
"Land der Orden" - eine neue Zeile für die österreichische Bundeshymne sollte demnächst beantragt werden! Das ist aber ein Fall für den Ministerrat. "Glückliches Österreich, das solche Sorgen hat" - das könnte man auch gleich dazustellen!
Solch einer Pletsch'n kann man gar nicht entgehen, wenn man genügend Sitzfleisch hat und halbwegs im Lichte der Öffentlichkeit steht. Ein Orden, meinte einmal ein französischer Präsident, sei ein kostenschonender Gegenstand, der es ermögliche, mit wenig Blech viel Eitelkeit zu befriedigen. Das gilt offenbar auch für Österreichs Spitzenpolitik. So ging vor fünf Tagen ein Raunen durch die Republik – weil es, kurz vor dem Opernball, fünf neue Ordensträger in der Regierung gibt. Auf Wunsch von Kanzler Werner Faymann hat der Ministerrat samt Betroffenen (!) beschlossen, drei aus den eigenen Reihen mit dem zweithöchsten Ehrenzeichen, dem Großen Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, und zwei Staatssekretäre mit dessen silbernem Pendant zu schmücken.
Womit die Posse nicht zu Ende ist: Kanzler und Minister haben nur knapp die zeitlichen Mindeststandards erfüllt. Laut Protokollabteilung des Kanzleramts, in dessen "Ordensreferat" drei Mitarbeiter mit jährlich über tausend Verleihungen von Ehrenzeichen relativ ausgelastet sind, müssen Minister drei Jahre im Amt sein, bevor sie so dekoriert werden dürfen. Dieses Limit wurde gerade einmal um schnöde acht Tage übertroffen. Freilich geht keiner der mit dem rot emaillierten Malteserkreuz Aufgemotzten – im konkreten Fall Verteidigungsminister Norbert Darabos, Unterrichtsministerin Claudia Schmied (beide SPÖ) und Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) – aus der Deckung. Sie tun höchstens inoffiziell so, als wäre ihnen das Ehrenzeichen aufgezwungen worden.
Da sieht man wieder, wie ungerecht die Welt ist. Mir hat man vor Jahren den Titel "Kommerzialrat" angeboten, ich hätte dafür bloß 400.000 Schillinge (so lange ist das halt schon her) als Spende in eine Parteikasse zahlen müssen. So eitel bin ich wiederum nicht, obwohl sich solch ein Titel später einmal recht gut auf einer Parte machen würde. Das ist bei allen Parteien so üblich, denn diese haben das Vorschlagsrecht dafür. Von irgend etwas müssen diese armen Teufel doch leben - und da es alle machen, regt sich auch niemand auf!
In Kitzbühel ist man betrübt, weil der große Promi-Aufmarsch beim Skirennen ausgeblieben ist. Wenn man auf Promis aus dem Kulturbereich scharf gewesen wäre, hätte man das Hahnenkamm-Rennen nicht am Tag der Grazer "Csardasfürstin-Premiere in der einstens skandalumwitterten Konwitschny-Inszenierung aus 1999 ansetzen dürfen. In Graz tanzten sowohl Staatsopernchef Ioan Holender, als auch Volksopern-Pressekarten-Hüter Robert Meyer an, von hinten schlich sich sogleich Klagenfurts Josef E. Köpplinger an die beiden heran. Es könnte ja sein, dass demnächst wieder etwas abfällt. Harald Serafins "Mausi" (hat Richie Lugner kein Copyright darauf?) ward auch von mir gesichtet, also wird der Mörbisch-Chef auch nicht weit weg gewesen sein.
Sie alle erlebten keinen Skandal - der auch gar nicht zu erwarten war. Denn was 1999 aufgeregt hat, kostet uns heute kein Zucken mit einer Wimper. So ändern sich die Zeiten! Peter Konwitschny hat die "Csardasfürstin zwar auf mehr als 3 Stunden Spieldauer gedehnt (30 Minuten weniger wäre wohl mehr gewesen), brachte aber die morbide Stimmung auch mit viel Humor über die Rampe. Fad war mir - besonders nach der Pause - also nicht, einige wenige Besucher verließen in dieser das Opernhaus. Der Applaus war freundlich zu nennen, einige "Pflichts-Buhs" für Konwitschny & Co. kosteten dem ein müdes Lächeln. "Wenn schon, denn schon" - mag er sich gedacht haben. Da die Rückreise in der Nacht für mich problemlos verlief, habe ich den Ausflug an die Mur also nicht bereut! Den Premierenbericht schreibt Kollege Peter Skorepa, der es sich im Gegensatz zu mir leisten konnte, in Graz zu übernachten!
Volksoperndirektor Robert Meyer saß übrigens während der ersten zwei Akte zwei Reihen vor mir, dann redete er sich mit dem großen Bruder vom Haus am Ring zusammen und verbrachte mit diesem den langen dritten Akt in der Direktionsloge - und zwar frei stehend während der gesamten Spieldauer, ohne die "Lehnstange als "Krücke - wie bei Steplätzen so üblich. Sehr sportlich von beiden Herren - und wohl ein Wink für die aus der Volksoper pressemäßig ausgesperrte Merker-Redakteurin Renate Wagner, die die nächste Premiere auch sehr sportlich vom Stehplatz aus verfolgen wird. Mittlerweile bekommen wir Tipps über das Presserecht, aber ich denke, "mir wer'n kan Richter brauchen".
Die Salzburger Mozartwoche" ist zwar mit dem Kartenverkauf zufrieden, spürt aber die Krise (!). Was stimmt nun (?). Vielleicht sollten sich die Salzburger etwas einfallen lassen. In Mannheim hat man das schon getan, heute tritt erstmals ein Rapper in Mozarts "Zauberföte" auf. Prompt springen fast alle Zeitungen darauf an. So wird's gemacht, meine Damen und Herren im "krisengeschüttelten Salzburg"!
In Salzburg hat man den Geschäftsführer der Osterfestspiele abgesetzt und durch einen deutschen "Legionär" ersetzt: Michael Dewitte ist nach zwölf Jahren als Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele von dieser Funktion vor Kurzem abgelöst worden. Das bestätigte Landeshauptfrau Burgstaller, geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiel-Stiftung, am Samstag auf APA-Anfrage. Peter Raue aus Berlin und der Salzburger Bernd Gaubinger werden diese Funktion interimistisch ausüben.
Der Schweizer Stéphane Lambiel hat an den Eiskunstlauf-EM in Tallinn den Fehler vom Vortag im Kurzprogramm in der Kür wieder wettmachen können und im Verdi-Walzertakt die Silbermedaille erobert. Gold ging wie erwartet an den Russen Jewgeni Pluschenko. Der Silbermedaillengewinner tanzte zur Musik von Verdis "La Traviata", dafür brauchte er wenigstens keine Tantiemen mehr bezahlen. "La Traviata" - nicht erst seit dem "Opernwettbewerb" der "Renner" unter den Opern!
Sie war bekannt als die Britische Beauty in Hollywood. Auf der Leinwand zog die Schauspielerin berühmte Männer wie Kirk Douglas in ihren Bann. Am Freitag ist Jean Simmons, die in Filmen wie "Spartacus" und "Schwere Jungs - leichte Mädchen" mitwirkte, im Alter von 80 Jahren gestorben
Konwitschny hat für diese Dresdner Inszenierung das Urheberrecht des Regisseurs an einer Inszenierung gerichtlich durchgesetzt. Just am Tag der Grazer "Premiere" interessiert uns auch ein anderes "Urheberrecht", nämlich jenes der österreichischen Bundeshymne.
Die Ministerin (links) und der "Pop-Star mit fallender Tendenz"
Ein Pop-Star könnte schaffen, was allen bisherigen Frauenministerinnen nicht gelungen ist. Weil Christina Stürmer in einem Werbespot des Bildungsministeriums eine Pop-Version der Bundeshymne mit dem Text "Heimat bist du großer Söhne und Töchter" singt, könnte es jetzt auch zu einer offiziellen Text-Änderung kommen. SPÖ-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek möchte die Töchter - neben den Söhnen - im Text der Bundeshymne vorkommen lassen. Im KURIER-Gespräch kündigt sie eine Initiative in der Regierung an. Für eine Text-Änderung reicht ein Ministerratsbeschluss. Die Ministerin will versuchen, alle Regierungskollegen zu überzeugen.
» Video: "Verrockte" Bundeshymne erhitzt Gemüter
Hören Sie sich das an, Sie werden begeistert sein!
Schönen Sonntag wünscht
A.C
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Montag, 25.Januar 2010
So früh wie diesmal im "Rienzi" an der Deutschen Oper brachen die Buhrufe noch nie los. Sie entluden sich schon nach dem 1. Akt und gewannen noch deutlich an Kraft bis zur Pause. Dennoch gab es am Schluss Riesenbeifall. So geht’s in der Oper. Die Proteste galten natürlich der Inszenierung von Philipp Stölzl, als sei er der "letzte der Tribunen" des Regietheaters. Dabei hat "Rienz" diesen gewaltigen Bilderaufwand gar nicht nötig. Er fällt dem eigenen Orchester- und Chor-Bombast von allein zum Opfer. Richard, der noch nicht 30-Jährige, der den "Rienzi" schrieb, war noch nicht auf den Namen Wagner getauft, obwohl er bereits so hieß. Doch konnte keiner vermuten, dass diesem "Rienzi" einst ein "Tristan" folgen würde. Der Chor singt gewaltig. Torsten Kerl gibt mit Nachdruck die Titelpartie. Lang-Lessing gibt sich als Laut-Lessing am Pult. Siegerin im Vokalen bleibt von Anfang an Kate Aldrich. So singt halt der Adel.
Die "Berliner Morgenpost" stellte kurz nach Ende der Premiere den ersten Kurzbericht online. Alle Achtung!!
Hätte es noch eines Beweises bedurft, dass Hitler so rein gar nichts von Richard Wagner verstand, würde er hier geliefert. "Rienzi" als Lieblingsoper, die eindeutig "linken Tendenzen" im Ring nicht als solche erkannt - dennoch quält uns dieser Mann bis heute Inszenierungen auf, die an ihm offenbar nicht vorbeikommen. Natürlich kommt auch Philipp Stölzl als Sohn eines Politikers schon gar nicht daran vorbei. An der Deutschen Oper Berlin gab es geteilte Meinungen über diese Inszenierung - diese Titelzeile hätte man schon vorgestern setzen können - oder vor Monaten!
Noch ärger ist das bei den "Meistersingern". In Kiel fand am Samstag die Premiere statt - und natürlich rieb sich der Regisseur (Roman Hovenbitzer) wieder an der Schluss-Szene. Lesen Sie einen Auszug aus einem Merker-Eigenbericht des Korrespondenten Horst Schinzel: Ganz arg wird es in der Schluss-Apotheose: Weil die Nürnberger im Allgemeinen und die Deutschen im Besonderen noch eine Leiche im Keller haben, wird die tatsächlich gezeigt. Sachs steigt zu der herab, um sich dann vor dem Pathos des Schlusschors erschrocken abzuwenden. Er will fliehen – nur wohin. Und für die, die es noch immer nicht begriffen haben, ziehen Trompeter in Bundeswehruniformen auf.
Oh Gott! Ich plädiere dafür, den Text der Schlussansprache des Sachs zu entschärfen und uns dann wieder halbwegs normale "Meistersinger" zu zeigen. Wie bereits einmal gesagt: binnen eines halben Tages müsste diese Aufgabe erledigt sein!
In Essen inszenierte Dietrich Hilsdorf "Lulu". Unser Rezensent, der "Opernfreund"-Chef Peter Bilsing, zeigt sich über den Altmeister, der offenbar nur mehr abcashen will, entsetzt:
Wir erleben in Essen eine „Lulu“ vom Blatt inszeniert. Harmloser hätte Otti Schenk die Geschichte kaum in Szene setzen können, vielleicht weniger langweilig. Wir erleben Wedekinds Skandalstück in einer Fassung frei ab 6 Jahre. „Hilfe, ich sterbe.“ Plumps – so fällt Medizinalrat Groll aufs günstig stehende Lotterbett, der Maler stirbt schreiend im Off – ach, wie entsetzlich, man hält sich die Hände vors Gesicht und erspart dem Publikum weiteres. Dr. Schön stirbt im Gerangel um die Pistole auf der Couch – einzig die überlauten Schüsse erschrecken das Publikum. Zwischen den Bildern projiziert (!) Dietrich Hilsdorf die Bühnenumbauten, zwar perspektivisch falsch, aber doch real wirkend. Er traut der Wirkung von Bergs brillanten Zwischenmusiken nicht, sondern möchte bebildern, wo szenische Ruhe notwenig wäre – man muß die Augen schließen. Zum Schlussbild wird alles nur vorgegaukelt – ätsch! Reingelegt! Die Bühne sieht doch real ganz anders aus! Dazu erscheint zur Schlußapotheose anscheinend als Übertitel für Blöde: Lulu: „Ich möchte jetzt nicht mehr singen, habe schon viel zuviel gesungen….“ Hah ha ha. Der Maler schneidet Lulu die Kehle durch und alle latschen über die im Bett posierende Leiche der Protagonistin hinweg. Ende!
Strahlend schön: Marion Ammann als "Arabella" in Lübeck. Photo: Oliver Fantitsch
Diese Inszenierung ist fein gearbeitet und elegant. Der Regisseur schreckt auch nicht vor dem Griff in die Klamottenkiste zurück, das muss so sein. Und trotzdem ist sie von emotionaler Wucht, wie etwa im Liebesduett von Arabella und Mandryka: Bei aller Leichtigkeit des Seins und des Scheins wird hier eine Wahrhaftigkeit der Gefühle erreicht, die das Operetten-Niveau weit hinter sich lässt. Dafür hat er auch das richtige Ensemble zur Verfügung. Marion Ammann in der Titelrolle ist eine wunderbare Arabella, stimmlich in allerbester Form und schon allein als Erscheinung im Ballkleid das Eintrittsgeld wert. Wieder ein großer Auftritt dieser Sängerin, die in Lübeck schon als Isolde und als Sieglinde umjubelt wurde.
Gestern abend in Bonn: d'Alberts "Der Golem" auf ein Librretto von Lion, der für Hindemith auch den Cardillac schrieb. Nun, musikalisch war teilweise durchaus Wertvolles zu hören, nur leider vom Bonner GMD Blunier sehr unterm Weichzeichner verwaschen, so daß das Ganze wie eine seltsame postwagnerische Mixtur aus Humperdinck, Massenet mit Prisen von Strauss und Zemlinsky wirkte. Der Text wuchtete expressionistisch schwer und die Regisseuse Schwalbach versuchte erst gar nicht in die Mystik der Kabbala und die Mysterien des mittelalterlichen Prag um Rabbi Löw hinabzutauchen, sondern suchte eigene verstörende Bilder, die weder den Text noch den Gang der Handlung zu durchleuchten trachtete. Das Sängerensemble war mehr als bemüht dem Ganzen Leben einzuhauchen, das Publikum dankte ermüdet mit bravem Applaus - mehr folgt.
Ausführlich wird in der Presseschau Peter Konwitschnys Grazer "Csardasfürstin" behandelt. In "Aktuelles" bieten wir sogar ein Video an. Wir haben bereits gestern darauf reagiert. Merker-Rezensent Peter Skorepa meint: Es ist kaum zu glauben, dass diese Produktion vor zehn Jahren in der Semperoper einen veritablen Skandal hervorgerufen hat, den Intendanten zur Streichung einzelner Szenen veranlasste, die Gerichte beschäftigte und bis heute die Rechtsexperten mit der Urheberrechtsfrage für Regiearbeiten zum Nachdenken bringt. Aber eine Dekade später gehen wir schon gefasster an die Darstellung des Krieges in Operetten heran, noch dazu, wo für Peter Konwitschny das Inszenieren in Graz bereits ein Heimspiel darstellt. Die Buhrufer am Schluß der Vorstellung konnte man an einer Hand abzählen und der Applaus und der Jubel für den Regisseur galt einer überdrehten Aufmischung eines Operettenstoffes, einer Art von “Absurder Operette”, deren Schwächen aber in der etwas langatmigen Wiedergabe der von Haus aus schon schwachensinnigen Dialoge lag, sowie der für mich nicht überzeugenden Verlegung von Handlungsabschnitten mitten in den ersten Weltkrieges hinein, Szenen, die eher an einen billigen Militärschwank erinnerten. Oder hätte etwa das pseudohumorige Krüppelballett oder der Tanz Sylvias mit einer kopflosen Soldatenleiche Betroffenheit oder Verstörung hervorrufen sollen, daran erinnern sollen, dass diese Operette mitten in einem der verheerendsten Weltkriege zur Uraufführung gelangte? Dafür waren die Kriegszenen letztlich doch zu oberflächlich und billig dargestellt, eben in genau jener Art von herkömmlicher Operette, die der Regisseur selbst einmal als “speziellen Schwachsinn” denunziert hat.
Dabei schrieb der "Merker" wohlwollend, auch ich gewann in der Startseitenkolumne von gestern der Inszenierung durchaus positive Aspekte ab. Der Standard urteilt da schon etwas härter: Somit gelang es an diesem auf drei Stunden ausgedehnten Abend allenfalls, die zermürbende Stimmung des Wartens auf die nächste Explosion heraufzubeschwören und auf das Auditorium zu übertragen. Falls es aber intendiert war, zwischen der bieder erzählten Geschichte und den Kampfhandlungen zu vermitteln, so scheiterte das kläglich - genauso wie die Gräuel umherfliegender Leichenteile oder ein Tanz von Verwundeten eher harmlos-lächerlich als aufrüttelnd wirkten.
Soll nun die Grazer Intendantin Elisabeth Sobotka dem Standard-Mitarbeiter die Pressekarten entziehen? Ein Experte auf diesem Gebiet, Volksoperndirektor Robert Meyer, war in Graz anwesend und könnte Tipps gegeben haben. Aber Frau Sobotka ist Profi genug, um sich nicht mit Kindereien zu blamieren!
In Salzburg wurde "Idomeneo" aufgeführt. Die Inszenierung von Olivier Py konnte man bereits mehrmals im TV sehen. Das war also auch keine wirkliche Premiere! Kritiken: durchwegs positiv, die Rezensenten bekommen auch in Zukunft Pressekarten!
"Dialoge der Karmeliterinnen" erleben derzeit einen wahren "Boom". In Bern erlebte man nach der Premiere das übliche Ritual: Das Premierenpublikum bejubelte Sänger, Orchester und Dirigenten; für das Regieteam gabs heftige Buhs und Bravos.
Wagnerianer sind oft finstere Gesellen: Denn während sich das Mozart- und Puccini-Publikum selbst über mittelmäßige Gesangsleistungen noch freut wie Bolle, kippt fast jede Unterhaltung zwischen Jüngern des Bayreuther Meisters irgendwann ins Resignative. Sobald sich nämlich ein (meist jüngeres) Mitglied der Gemeinde erdreistet, seiner Begeisterung über die soeben gehörte Aufführung allzu schwärmerisch Ausdruck zu geben, wird er von älteren Wagnerianern unweigerlich belehrt, dass dieser Abend so gar nichts sei, wenn man noch des Glückes teilhaftig geworden sei, die Heroen und Heroinen früherer Tage zu hören. Die Nilsson! Die Mödl! Hans Hotter und James King! Jeder dieser Namen wird in der Regel von einem kollektiven Stoßseufzer begleitet, hält aber seltsamerweise niemanden davon ab, weiterhin Wagner-Aufführungen zu besuchen, wo immer sich die Gelegenheit bietet.
Vor allem sind Wagnerianer oft humorlos, wie ich feststellen musste!
Lachen kann man über die geplanten Nacktscanner. Eine Liste der Ausnahmen wird bereits zur Beruhigung proklamiert. Wenn es aber auch nur eine einzige Ausnahme gibt, kann man sämtlichen Reisenden diese Tortur ersparen, dann ist sie nämlich sinnlos! Hysterie ist auch nicht angebracht. Die "Panne" am Münchner Fluhafen erwies sich als völlig harmlos. Mit überzogenen Reaktionen erreicht man meist das Gegentel dessen, was man erreichen will.
Das sollte jemand auch dem Volksoperndirektor in Wien sagen!
Eine schöne Woche wünscht
A.C
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Dienstag, 26. Januar 2010
Jonas Kaufmann heute im TV. "Arte" überträgt ab 20,35 h live "Werther" aus Paris
Nicht versäumen, zumindest den DVD-Recorder programmieren. Heute überträgt "Arte" aus der Pariser Bastille-Oper Massenets "Werther" mit Sophie Koch und Jonas Kaufmann (20,35 h).
Das Premierenereignis des vergangenen Wochenendes war und bleibt aber Philipp Stölzls "Rienzi-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin. Viele empfanden diese Sichtweise als doch zu leichtgewichtig - nicht so "Merker"-Mitarbeiterin Ursula Wiegand, die wie folgt urteilt: Die nahe Vergangenheit präsentiert Stölzl auf einer großen Videoleinwand. Solche Videos gehören heutzutage zum Repertoire vieler Opern- und Theateraufführungen und sind oft total überflüssig. Hier aber bilden sie die Brücke zur neueren Zeit, verbinden das Geschen im damaligen Rom mit dem im Nazi-Deutschland.
Der Filmemacher Stölzl kann das und entlockt auch dem Hauptdarsteller Torsten Kerl als Rienzi überraschende mimische und darstellerische Qualitäten. Hier agierte kein Double! Beim Singen erscheint sein Gesicht auf der Großleinwand und lässt klar das Machtstreben in seinen Zügen erkennen. Ein Volkstribun und ein Verführer, der sich ohnehin gerne ablichten lässt, ein Kinder streichelnder Medienstar (siehe das Photo), der dem Volk auch dann noch den Endsieg verspricht, als schon fast alles verloren ist. Ohne diese Bilder auf der Leinwand, könnten wir das nur mit dem Opernglas nicht genau erkennen.
Während auf dem Schlachtfeld die Soldaten sterben und Rienzi sich markig im Durchhalte-Stahlhelm präsentiert – Aufnahmen, die vermutlich vorab gemacht wurden - weilt er in Wirklichkeit unten im Führerbunker. Er streitet mit den Generälen über die Strategie und baut zufrieden lächelnd aus Klötzchen das Neue Rom zusammen, sprich das neue Berlin nach den Entwürfen von Albert Speer und jongliert mit der Siegessäule. Als er einem Attentat entgeht, sieht er sich vom Herrgott geschützt. „Die Vorsehung hat es nicht gewollt,“ tönte es vor einigen Jahrzehnten aus den Volksempfängern. Wie sich die Bilder und die Entwicklungen gleichen…
Photo: Bettina Stoess im Auftrag der Deutschen Oper
Eine andere Zeitung sieht das etwas anders: Der Gröfaz als albinoartige, fratzenhaft-fatzkengleiche, aber musikalische Mischung aus Mussolini, Göring, Stalin und Peter Ustinov als Nero. Das passt, das macht Spaß, auch wenn es nicht neu ist, die Vorbilder von Chaplin, Lubitsch bis Helge Schneider deutlich durchschimmern.
Dazu ertönt – berühmt-berüchtigt, aber eben auch ziemlich genial als demagogisches Aufrüttelstück komponiert – Wagners Vorspiel zum dann nicht enden wollenden Klangepitaph auf den „letzten der römischen Tribunen“. Die Nazis haben damit ihre Parteitage auf Zack gebracht, die Sowjets ihre Staatsbegräbnissen behübscht und auch im „Spiegel-TV“-Vorspann erklingt das.
Mit diesen, sogar ungekürzten, neun Minuten ist leider schon das Beste aus Wagners drittem, vergeblich der Grand Opéra à la Meyerbeer hinterher hechelnden Opernversuch vorbei (eine Mezzoarie und das bereits thematisch angeklungene Gebet des Titelhelden folgen Stunden später)
Nicht so bei Philipp Stölzl, der hatte es eilig. "Rienzi" wurde auf zweieinhalb Stunden komprimiert, mache meinen, das wäre immer noch um zwei Stunden zuviel. Wagner hat das selbst erkannt und seinem Rienzi keine Bayreuth-Weihen angedeihen lassen, dem echten "Gröfaz" war das "wurscht"!
Der "Größte Direktor aller Zeiten" gibt ein Interview und rechnet mit Politikern und fremdenfeidlichen TV-Moderatoren wie Alfons Haider ab. Ja, sie haben richtig gelesen, Holender bescheinigt dem "guten Haider" Fremdenfeindlichkeit: Was soll man sich denn als Zuseher denken, wenn der Opernball-Moderator den Staatsoperndirektor im Fernsehen (bei "Willkommen Österreich", Anm.) als "alternden, rumänischen Tennislehrer" bezeichnet?
Das ist eine xenophobe Äußerung. Und in derselben Sendung schimpft er dann über das "verschissene" Land Österreich und wie es mit Ausländern umgeht. Und sein Job als Opernball-Moderator sei "auch eine große Wichserei". Aber ich reagiere auf Äußerungen des Lieblingsmoderators des ORF schon lange nicht mehr.
Angeblich hat Ioan Holender für sich, aber auch für die Künstler der Wiener Staatsoper, ein Ball-Interview mit Alfons Haider ausgeschlossen. Für sich selbst kann er das sehr wohl, bei seinen "Noch-Untergebenen" ist das schon etwas fragwürdiger. Einen Symphatisanten hat Holender in dieser Sache: mich. Auch ich möchte an Alfons Haider nicht anstreifen, da würde nicht einmal eine Entschuldigung bei allen Österreichern für "verlogen und verschissen" etwas ändern.
Herrn Holender entlasse ich freilich nicht ohne einem Statement zur österreichischen Politik:
Thema Ausländer: Wie haben Sie die aktuelle Asyldebatte verfolgt?
Ich habe mich erinnert an meine Zeit in Traiskirchen, als ich als Flüchtling nach Österreich kam. Es ist lächerlich, eine Staatsaffäre daraus zu machen, wo man einen Ort hat, um Menschen, die in unser Land kommen wollen, temporär unterzubringen. Die Politik hat das Thema Einwanderung nie behandelt, ohne vordringlich zu überlegen, wie man Stimmen gewinnt. Wir wissen, dass die Politik mit Populismus niedere Instinkte der Menschen ausnützt - und wir kennen die Folgen.
Sie wurden von vier Koalitionen bestellt bzw. verlängert. Ihr Geheimnis?
Die Politik jeder Farbkombination ist froh, wenn sie keine Probleme mit der Staatsoper hat, wenn es keinen medialen Wirbel gibt und man wirtschaftlich gut auskommt. Mehr braucht man nicht, weil Interesse für das, was hier passiert, hat keiner der Politiker. Derartiges Desinteresse gegenüber allem, was Kunst ist, wie es bei der derzeitigen Regierung vorhanden ist, habe ich allerdings noch nie erlebt.
Warum ist das so?
Diese Regierung interessiert sich überhaupt für wenige Dinge außer dem unmittelbaren Machterhalt. Warum sollte sie gerade für die Oper Interesse haben?
Holender wird uns abgehen! Aber ich denke, stumm wir er so schnell nicht werden!
Das Theater Lübeck mailte mir Photos der "Arabella"-Neuinszenierung, als Belohnung stelle ich eine weitere positive Kritik ein. Dafür hatten die Theatermacher in Oldenburg Pech, weil sie zwei Wochen vor der "Trovatore-Premiere den Regisseur "stanzen" mussten. Was zur Aufführung gelangte, war bestenfalls ein Fragment!
"Nichts Genaues weiß man nicht" - aber gemunkelt wird immerhin: "Unregelmäßigkeiten und Verfehlungen" hätten zur Ablöse von Michael Dewitte als Geschäftsführer der Salzburger Osterfestspiele geführt. Dazu wird freilich nichts gesagt im Büro der Landeshauptfrau, und bei den Osterfestspielen schon gar nicht. Immerhin hat LH Gabi Burgstaller der APA gegenüber nun bestätigt, dass Michael Dewitte nach zwölf Jahren kürzlich abgelöst wurde als Geschäftsführer der Osterfestspiele.
Das Philadelphia Orchestra steht laut lokalen Presseberichten kurz vor dem Bankrott. Chairman Richard Worley unternimmt alles, um das finanzielle Aus zu verhindern. Laut Aussagen Worleys und Allison Vulgamores, der neuen Geschäftsführerin des Ensembles, in der lokalen Presse ist die Sitaution sehr ernst. In der Kasse des Orchesters klafft ein Loch von mehreren Millionen Dollar.
Warum die Meldung über den 11.000sten Abonnenten der Frankfurter Oper mit "Unter Räubern" übertitelt ist, muss ich erst lesen. Die Abopreise können doch damit nicht gemeint sein.
Für einen Intellektuellen hält sich Sven-Eric Bechtolf ganz einfach für zu blöd! Das ist falsche Bescheidenheit, denn nun ist klar: Bechtolf ist ein Intellektueller!
In unseren Ausstellungsberichten wird über den Vermeer-Fokus im Wiener KHM berichtet. Dieses Bild wird nun wieder von der ursprünglichen Besitzerfamilie Czernin beansprucht, obwohl es von deren Vorfahren rechtmäßig verkauft wurde.
Ą„Die Malkunst“ wurde 1666/68 vom Delfter Maler Johannes Vermeer (1632–1675) geschaffen. Es stellt die Allegorie der Malkunst dar, Modell ist die Muse der Geschichte, Clio. Das Bild verließ nie Vermeers Atelier, es diente als Demonstrationsstück für seine Finessen.
ĄNach Vermeers Tod tauchte das Gemälde wieder in der Sammlung des Sohnes des Arztes von Maria-Theresia, Gerard van Swieten, auf, als Werk Pieter de Hoochs. Als solches ersteigerte es 1804 Rudolf Graf Czernin. Bis 1940 war es in der Czernin-Sammlung in Wien zu sehen, dann löste es Hitler um 1,6 Mio. Reichsmark ab. 1945 kam es in den Besitz des KHM. 1960 wurde zuletzt ein Ansuchen auf Rückgabe der Czernins abgelehnt. 2009 erbaten sie eine erneute Überprüfung. [KHM]
1,6 Millionen Reichsmark waren auch damals kein Pappenstiel, von "Raub" kann also keine Rede sein. Ich entstamme einer eher einfach gestrickten Unternehmerfamilie, bei uns hieß es "verkauft ist verkauft".
Aber ich bin weder Intellektueller noch Großunternehmer (und schon gar nicht Graf) , bitte meine Meinung daher nicht zu ernst zu nehmen!
Ich wünsche einen schönen Dienstag!
A.C
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Mittwoch, 27.1.2010
Europas ältestes Opernhaus, das San-Carlo-Theater in Neapel, wird nach einer kompletten Restaurierung heute neu eröffnet. Die Restaurierung des 1737 errichteten Theaters wird mit der Aufführung von Mozarts "La clemenza di Tito" gefeiert. Das Orchester wird vom britischen Dirigenten Jeffrey Tate geleitet, die Regie führt der Italiener Luca Ronconi. Die Bühne und die wertvollen Gemälde des Theaters wurden in nur 330 Tagen renoviert. Die Arbeiten kosteten laut italienischen Medienberichten 67 Millionen Euro.
Das Opernhaus wurde für den Bourbonenkönig Karl IV. von Neapel konzipiert und errichtet. Mit seinen 3.300 Plätzen war es das größte Opernhaus und, noch vor der Mailänder Scala, das angesehenste in Europa und der Welt. Bekannt ist es wegen der zahlreichen Uraufführungen von Vincenzo Bellini, Gaetano Donizetti und Gioachino Rossini.
Unsere Forumsteilnehmer schwelgen ob des "Werther" in Paris (ARTE übertrug in unsere Wohnzimmer) mit dem Frauenliebling Jonas Kaufmann.
Wie dreckig es den Journalisten und auch mir in der Zeit nach Ioan Holender gehen wird, beweist der heutige Tag. Nirgendwo sind wirklich aufregende Infos zu finden - außer Holenders Opernball-Show, die er mit der Pressekonferenz bereits eröffnete. Abwesend war Alfons Haider, und zwar auf ausdrücklichen Wunsch des Direktors. "Der kommt mir nicht ins Haus - wenn ich veranstalte". Recht so, dafür habe ich Verständnis! Der Opernball selbst ist nicht Holenders Veranstaltung - also müssen wir diesmal acht Moderatoren ertragen, von denen jeder einzeln schon nicht leicht ertragbar ist. Am 11.2. habe ich einen Klimaschutz-Vortrag in Mauerbach in meinem Terminplan stehen, der Kelch geht an mir vorüber.
Opernball 2010, der Ball des Ioan Holender
Alles dreht sich auf dem Wiener Opernball 2010 – nicht nur im Linkswalzer auf dem Tanzparkett, sondern um Staatsoperndirektor Ioan Holender selbst, der dieses Jahr zum elften und letzten Mal den Opernball leitet. Sein Schaffen wird in Buchform (120 Premieren zusammengefasst auf 624 Seiten) die Herrenspende des Balls am 11. Februar bilden, wie Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh am Dienstag vor Journalisten bekanntgab. Für Damen gibt es den Lancome-Duft "Tresor". Alle Gäste sollen während des Hauptprogramms mit einer Gesangseinlage des Staatsoperndirektors selbst beglückt werden – falls die Gerüchte stimmen. Fest steht, dass es heuer erstmals eine Disco mit moderner Musik geben wird.
Goldene Zeiten für Journalisten gibt es hingegen in Italien. Speziell im südlichen Teil ist immer etwas los. In Palermo und Catania wurde die Opernsaison eröffnet. In Palermo war alles in Ordnung, also gibt es nicht Berichtenswertes. In Catania spielten die Orchestermusiker "krisenbedingt" in Straßenkleidung, auch sonst ist dort nicht alles eitel Wonne: Weniger fulminant verlief die Saisoneröffnung in der zweitgrößten sizilianischen Stadt Catania. Im Teatro Massimo Bellini gingen einmal mehr die Wogen zwischen der Gewerkschaft und dem Intendanten Antonio Fiumefreddo hoch. Bereits im Dezember hatte eine ganze Produktion abgeschrieben werden müssen. Nun verweigerte die Belegschaft just bei der ersten "La prima" in der neuen Spielzeit ihren Dienst. Weshalb Fiumefreddo, den im letzen Jahr sogar Todesdrohungen in seinem Direktionsbüro erreicht haben sollen, nicht schon längst freiwillig gegangen ist, bleibt unbegreiflich. Die angespannte Situation hatte Auswirkungen auf die Probenarbeit der "Faust"-Neuproduktion in der Regie von Francesco Esposito. Eine Personenführung ist nur andeutungsweise erkennbar. Die Sänger bedienen sich stattdessen vorgestriger Operngesten, die nicht in das Regiekonzept passen, das weit mehr will, als es erfüllt.
In Salzburg kann man höchstens mit einem Korruptionsverdacht aufwarten (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung):
Wie die APA nun aus informierten Quellen erfuhr, sollen die Berliner Philharmoniker zusammen mit dem Land Salzburg eine Prüfung der Geschäftsführung betrieben haben, die zum Bruch zwischen Berlin und der Osterfestspiel-Geschäftsführung geführt hat.
Dabei stieß man auf unglaublich hohe Bürokosten in Höhe von 650.000 Euro!
In diesem Betrag sind weder Gagen noch Produktionskosten enthalten. Dewitte soll, so der APA-Informant, sich selbst und seine Frau über die Maßen entlohnt und dafür keine plausible Erklärung vorgelegt haben. Dewitte, für den die Unschuldsvermutung gilt, wollte der APA gegenüber keine Stellungnahme abgeben.
Einige "Premierenrestel" vom vergangenen Wochenende werden in unserer Presseschau abgearbeitet.
Die österreichische Bundeshymne soll textlich unverändert bleiben, zumindest bis zum nächsten Änderungsversuch, der unter Garantie erfolgen wird. Derweil haben wir andere Sorgen! Der Wiener Schauspieler Götz Kauffmann ist gestorben, er hat ursprünglich den Beruf des Orgelbauers erlernt, sein Vater war eine Kapazität auf diesem Gebiet. Kauffmanns Leben war von Enttäuschungen im privaten Bereich sowie von schweren Krankheiten überschattet. In vielen Rollen wird er uns jedoch unvergessen bleiben! Ebenso ist der letzte "Bonanza-Held" Robert Pernell von uns gegangen. Erinnerungen an meine Jugend sterben also dahin!
„L’Acteur“ – der Schauspieler – heißt ein Gemälde, das Pablo Picasso vor gut 100 Jahren auf die Leinwand brachte. Ab Ende April soll es im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt werden. Zuvor müssen Konservatoren aber unvorhergesehen ran: Das Werk muss restauriert werden, weil eine Museumsbesucherin aus Versehen gegen das Gemälde fiel. Die Frau gehörte zu einer Gruppe von Kunststudenten, die das Museum besuchte. Sie geriet ins Straucheln, verlor das Gleichgewicht und stürzte in das Bild, wie das Museum mitteilte. Dabei sei in der rechten unteren Ecke ein 15 Zentimeter langer Riss entstanden.
Zum Schluss gelangen wir zur Widerwärtigkeit des Tages. "Franzobel" will Arigona Zogaj zum Wiener Opernball einladen. Ich behaupte, dass es ihm dabei nur um Werbung für seine Person geht, denn Frau Zogaj würde er damit keinen guten Dienst erweisen. Je mehr diese politisch total verbockte Sache in Vergessenheit gerät, desto besser stehen die Chancen für einen Weiterverbleib Zogajs in Österreich. Arigona Zogaj wurde in Österreich bereits mehrmals missbraucht - für politisches Kleingeld. Das ist die wahre Unmenschlichkeit. Hätte sie sich Menschen anvertraut, dies es gut mit ihr, nicht mit sich selbst meinen, wäre der Fall längst positiv erledigt. Ich hätte Arigona Zogaj "am Handerl" zum politischen Gegner geführt, dort einen durchaus legalen Deal vorgeschlagen (eine Hand wäscht die andere) und Stillschweigen über die Sache bewahrt. Nur so funktioniert das, in Österreich und wohl überall in der Welt. Und nun kommt dieser eitle Selbstdarsteller Franzobel und will sich damit wieder ins Gespräch bringen. Angeblich soll Frau Zogaj abgewinkt haben, hoffentlich kann sie sich aber tatsächlich dem Drängen erfolgreich erwehren. Zu raten wäre es ihr, denn je stiller es um sie wird, desto besser sind ihre Chancen! Aber ihre Berater waren bis dato "unter jeder Kanone" - wie man am Erfolg ablesen kann!
Ich wünsche einen schönen Tag!
AC.
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